Nr. 152 Erstes Blatt. Dienstag dm 3. Juli 1900 Alle Lnzeigen-BermittkmgSstcllen d«S In- und Builcntaft urhmen Auzeigrn für den Gießener Snzeiger entgeeou ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., au-tvättS 20 Pfg. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohu; durch die AVHolestelK» vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierleljähvß. mit Bestellgeld. tzrschei« ttgNch mit LuSuahme deS Montag». Die Gießener MOMittenStätler »erden dem Anzeiger tan Wechsel mit ^Heff. Sandwirt^ *. Matter Wr M- Volkskunde^ »dchtl.4»al deigelegt. «»»ahme wen Anzeigen zu der nachmittags für b« ^Otgeudm Dag «scheinenden Nummer bi» »orm. W Mr. rStzesteLungen spätesten» abend» vorher. Kießmer Anzeiger Heneral-AHeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Nreis Giesten. gtiffWim, «pxditton und Druckerei: Nr. 7. OraüsdettLg«: Gießener Famüienblätlrr, Der heWhe Landwirt, Klütter für hessische DMslwude. ■ '!' ■' ■' -T.'.L ... .....11 Adreffe für Depeschen: Anzeiger chie-Wd. Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betreffend: Die Abgabe der Vermögenssteuer-Erklärungen zum Zwecke der Veranlagung für das Steuerjahr 1901/02. Nach. Art. 19 des Gesetzes die Vermögenssteuer betr., vom 12. August 1899 haben die von der Kommission für die Einkommensteuer erster Abteilung zu veranlagenden, ein jährliches lÄnkommen von 2600 Mark und mehr besitzenden Betriebsunternehmer (Personen, die Land- und Forstwirtschaft oder ein Gewerbe betreiben), die zum ersten Male mit Anlage- und Betriebskapital zur Vermögenssteuer veranlagt werden, eine schriftliche Erklärung über das im land- und forstwirtschaftlichen oder gewerblichen Unternehmen verwendete Anlage- und Betriebskapital und die es belastenden Schulden abzugeben. Ferner sind nach» Art. 25 desselben Gesetzes diejenigen, deren sonstiges Vermögen (Kapitalvermögen usw.) nach Abzug der darauf lastenden Schulden einen Wert von 3000 Mark und mehr hat, zur Abgabe einer schriftlichen Erklärung über dieses Vermögen verpflichtet. Zu diesen Erklärungen sind die vom Gr. Ministerium der Finanzen festgesetzten Formularien zu verwenden; dieselben sind je nach der Wahl der Steuerpflichtigen offen oder verschlossen spätestens bis zum 31. Juli d. IS., ohne daß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten hat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts oder auch unmittelbar bei dem betreffenden Steuer-! kommissariat abzuliefern. Den außerhalb des Großherzogtums wohnenden Steuerpflichtigen werden die Formularien zu den Steuererklärungen durch die betreffenden Steuerkommissariate zugesendet, an welche die abzugebenden Erklärungen innerhalb vier Wochen unmittelbar einzusenden sind. Nach Art. 32 des Gesetzes sind die Vermögensfteuer- erklärungen abzugeben: 1. für Minderjährige, für Abwesende, sowie für Personen, die aus anderen Gründen unter Vormundschaft oder Pflegschaft gestellt sind, von deren gesetzlichen Vertretern; 2. für Nachlaßmassen, die der Steuerpflicht unterliegen, von deren Verwaltern; 3. in allen anderen Fällen von dem Steuerpflichtigen selbst und zwar hinsich-tlich seines eigenen Vermögens sowohl, als auch! des Vermögens, das ihm nach Art. 10 des Gesetzes bei der Besteuerung zuzurechnen ist. Bei Abgabe dieser Erklärungen ist besonders zu beachten, daß Schulden und Lasten nur dann an dem rauhen Vermögen abgezogen werden können, wenn das Bestehen und dietzöhe dieserSchulden undLasten nachgewiesen wird. Zwecks Herbeiführung einer zutreffenden Veranlagung des Grundvermögens, bezüglich» dessen eine gesetzliche Ver- vflichtung zur Abgabe von Erklärungen nicht besteht, ist die Einreichung freiwilliger Erklärungen über die Höhe, den Wert desselben und die es belastenden Schulden in eigenem Interesse des Steuerpflichtigen sehr wünschenswert, da hierdurch» unter Umständen einer irrtümlichen Veranlagung und den hieraus erwachsenden Weiterungen vorgebeugt wird. Anknüpfend an diese Mitteilungen richten wir an die hernach» zur Wgabe von Vermögenssteuererklärungen Verpflichteten unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungen unfehlbar bis zu dem angegebenen Termin an die betr. Bürgermeistereien oder dirett an uns gelangen zu lassen. Die bei den Bürgermeistereien einlaufendev! Steuererklärungen werden, und zwar insoweit verschlossen, uneroffnet, an die Vorsitzenden der betr. Veranlagungs- komrrnsstonen abgegeben werden. Die Formularien zu den Steuererklärungen, welchen ein Auszug aus dem Gesetz und der hierzu erlassenen) Anweisung bergefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen Gießen, Grünberg/ Hungen und Nidda, 29. Juni 1900. Dte Größtmöglichen Steuerkommissariate Köhler. Ulrich. Frenz Schmitt. Bekanntmachung. Unter dem Namen des Hydra-, Gella-, Schneeballoder Lawinen-Systems beginnt neuerdings ein Geschäfts- gebahren Verbreitung zu finden, welches geeignet ist, das Publikum in empfindlicher Weise zu schädigen. Das System besteht darin, daß dem Erwerber eines Hydra (Gella-rc.)- Gutscheines die Lieferung eines int Werte erheblich über den Preis des Gutscheins hinausgehenden Gegenstands, vornehmlich einer Uhr oder von Stahl- und Messerwaren M Aussicht gestellt wird, sobald er von der Firma eine bestimmte Anzahl von Gutscheinen käuflich erworben, diese an andere Personen abgesetzt, und jede von diesen Personen! wiederum auf ihren Gutschein die gleiche Anzahl von Gutscheinen von der Firma bezogen hat. Ohne die Schwierigkeiten, die der Erfüllung dieser Bedingungen entgegen-' stehen, zu erkennen, werden leichtgläubige Personen durch die Aussicht auf den Erwerb eines anscheinend wertvollen Gegenstandes für einen unverhältnismäßig niedrigen Betrag zum Ankauf von Gutscheinen verlockt und in der Mehrzahl der Fälle geschädigt. Müssen beispielsweise jedesmal sechs Gutscheine nachgekauft werden, so erhält der erste Gutschein-Inhaber den zugesagten Gegenstand erst, nachdem er sechs Käufer für die von ihm nachbezogenen; Gutscheine gefunden und jeder von diesen wiederum sechs Gutscheine bezogen hat, mit andern Worten, nachdem auf sein Betreiben die Firma insgesamt 42 Gutscheine abgesetzt hat. In vereinzelten Fällen mag es dem ersten Gutschein- Inhaber gelingen, den in Aussicht gestellten Gegenstand, der durchj/oen (Älös.füft die sämtlichjen üb gesetzten Gutscheine in der Regel weit über den wahren Wert bezahlt ist, zu erhalten; in den meisten Fällen aber werden die Gutschein- Inhaber sich vergeblich bemühen, die erforderliche Zahl von Abnehmern für die nachgekauften Scheine zu finden, sodaß sie Geld, Zeit und Mühe ohne eigenen Nutzen lediglich zuM Vorteil der vertreibenden Firma aufgewendet haben. Die Anwendung dieses Systc. ts muß mit Notwendigkeit jdahin führen, daß die weites größte Zahl der Gutscheine als wertlos verfällt und der Erlös für dieselben ohne Gegenleistung dem Gewerbetreibenden verbleibt, der mit dieser unausbleiblichen Folge des Systems offenbar rechnet, während der Käufer der Gutscheine leer ausgeht und sich getäuscht findet. Wir warnet: hiermit das Publikum vor dem Ankauf derartiger Gutscheine. Gießen, 29. Juni 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Vechtold. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Tprechftrrrrderr der GerichtSfchreiberei auf 10—12 Uhr vormittags festgesetzt sind, und daß der Gerichtstag, an welchem der unterzeichnete Richter für das Publikum zu sprechen ist, aus DourrerStag, und zwar in der Zeit von 8—12 Uhr vormittags und 3—5 Uhr nachmittags, bestimmt ist. Zu anderer als der festgesetzten Zeit hat niemand Anspruch, angehört zu werden, es handle sich denn um eine sehr dringende Angelegenheit. Lich, den 26. Juni 1900. Großherzogliches Amtsgericht. Giller. Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß 1. für den Verkehr des Publikums mit dem Richter, sehr dringende Angelegenheiten ausgenommen, der Donnerstag jeder Woche von 8 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags, und 2. die Dienststunden für die Gerichtsschreiberei von 8 bis 12 Uhr vormittags und 2 bis 6 Uhr nachmittags, und die Sprechstunden in solcher von 10 bis 12 Uhr vormittags an jedem Werktage festgesetzt worden find. Hungen, am 25. Juni 1900. Großherzogliches Amtsgericht Hungen. Au die Herren BertraneuSmänuer deS Hilfsvereins für die Geisteskranken in Hessen. Für die Stellen der Küchen- und Waschmädchen in hiesiger Anstalt ist bei freier Station ein jährlich um 50 Mk. von 200 Mk. an bis zu 350 Mk. und bei Beförderung bis 450, 500 und 600 Mk. steigender barer Lohn vorgesehen. Wir ersuchen um vorerst briefliche Zuweisung geeigneter gesunder und intelligenter Bewerberinnen, die wenn kräftig, vom 16. Lebensjahr ab angenommen werden. Die Bewerberinnen selbst wollen sich an die aus den Jahresberichten des Hilssvereins bekannten Herren Vertrauensmänner oder und zwar zuerst brieflich hierher wenden. Heppenheim, den 24. Juni 1900. Großh. Direktion der Landes-Irrenanstalt. Dr. Bieberbach, Mediziualrat. Gefunden: 1 seidene Schleife, 1 Spazierstock ohne Griff und 2 Futtersäcke. Zngeflogeu: 1 Kanarienvogel. Verloren: 1 Ring, 2 Schirme, 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 Weste. Gießen, den 30. Juni 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gieße«. Uolitische Wochenschau. In China ist es bös ! Diese Worte eines bekannt ten Scherzliedes kennzeichnen die Situation in China, die sich zwar im Laufe der Woche etwas günstiger gestaltet! hat, ohne daß jedoch die an einzelnen Punkten von den, Europäern erzieleten erfreulichen Erfolge zu einer opti-, mistischen Auffassung der Gesamtlage in China berechtigen.; Jedenfalls darf es uns mit freudiger Genugthuung erfüllen, daß es den vereinigten Truppen der Mächte gelungen ist, nicht nur das von den Chinesen schwer bedrohte: Tientsin zu retten, sondern auch die internationale Entsatztruppe des Admirals Seymour, die sich gegenüber einep ungeheuren chinesischen Uebermacht in einer verzweifeltem Lage befunden hatte, 'glücklich herauszuhauen. Das sind nach dem tzrstzen Erfolg der Erstürmung der Daku-FortA zwei neue bedeutsame Erfolge, welche den chinesischen! Banden und vor allem auch der chinesischen RegierUngj einen deutlichen Begriff von der Leistungsfähigkeit der europäischen Truppen beibringen dürften. Im übrigen ist die Lage in China noch nicht um einjew Schritt weiter gerückt. Li-Hung-Tschang, der geriebene chinesische Diplomat, hat zwar mitteilen lassen, daß er von der Pekinger Regierung zur Vermittelung angelrufeni worden sei und daß er diese Vermittlerrolle übernehmen werde, aber bisher ist nichts darüber bekannt geworden!, daß er Anstalten gemacht habe, den chinesischen Diplomaten in Peking den Kopf zurecht zu setzen. Darüber, wasi! n Peking vorgeht, fehlt eben infolge der völlig unterbrochenen Verbindung jegliche Nachricht, und man darf ebensowenig jenen Nachrichten trauen, welche zu melden! wissen, daß die chinesische Regierung zum äußersten Wider-; stand gegen die Mächte entschlossen sei. Wenn aber das letztere der Fall sein sollte, so dürfte sich das in Bälde ändern, denn wenn auch der Aufstand der Boxer und die Erhebung der chinesischen Soldateska! gegen die Europäer noch keineswegs in der Abnahme begriffen sind, sondern der Aufstand sich vielmehr an einzelnen Stellen weiter ausbreitet, so ist doch zu bedeNkeni, daß die Lage der Europäer sich mit jedem Tage bessert. Denn mit jedem Tage schreiten die Rüstungen der europäi* schen Mächte vorwärts und mehrt sich die Anzahl der Truppen, welche zum Schutze der Europäer und zur Bekämpfung der Boxer wie der chinesischen Soldaten auf chinesischem Boden eintreffen. Die deutsche Regierung hat nicht gezögert, alle Maßnahmen zu treffen, die zurzeit getroffen werden können, um der Meuterei in China energisch entgegenzutreten,, und ebenso an dem Schutz der Europäer mitzuwirken, als auch die Wahrnehmung unserer Interessen in China mit starker Hand zu betreiben. Aber es liegt in der Natur der Sache, daß bei den Aufgabe, die Erhebung in China niederzuschlagen und dort Ruhe und Ordnung zu schaffen, Rußland und Japan in erster Reihe mitwirken, denn diese Mächte sind nicht nur durch ihren örtlichen Zusammenhang mit China an den dortigen Wirren in erster Reihe interessiert, sondern sie sind aus demselben Grunde in der Lage, am schnellstes: die stärksten Truppenmassen in das Ausstandsgebiet zu werfen. ( Mit den schwersten Beklemmungen verfolgt man in* England die starken Rüstungen Rußlands, welches sich anschickt, in China die führende Rolle zu übernehmen, und die einzige Hoffnung Englands besteht darin, daß Japan! dafür Sorge tragen werde, daß das Gleichgewicht unter den Mächten in China erhalten bleibt. Denn England« selbst ist durch den südafrikanischen Krieg, der, so oft er auch schon totgesagt wurde, noch immer lebt, derart gebunden, daß es nicht daran denken kann, in China ein entscheidendes Wort mitzusprechen. In der That ist auch die Nachricht, daß aus Südafrika Truppen nach China abae- sandt werden sollen, bereits von London aus offiziell dementiert worden. England kann sich einen solchen Luxus auch gar nicht gestatten. Der von den Buren ins Werk gesetzte und mehrfach erfolgreiche Guerillakrieg macht den Engländern so viel zu schaffen, daß sie aller Truppen, von; denen so wie so ein großer Teil bereits kriegsunfähig ist, zu diesen Operationen benötigen und nicht einmal imstande^ sind, hinreichende Hilfskräfte in das Aschantiland zu entsenden, wo die Lage für die Engländer offenbar recht bösartig ist. Jedenfalls wird es noch geraume Zeit dauern, bis der Krieg gegen die Buren, ob er auch strategisch entschieden ist, beendet sein wird. Unterdes hat dieser Krieg bereits die Wirkung, daß er, verbunden mit noch manchen anderen innerpolitischen Umständen, den Rücktritt des portugiesischen Kabinetts Lucianq de Castro herbeigeführt hat. Neben der miserablen Finanz^ Politik des Kabinetts hat in erster Reihe die EntrüstMU des Landes über die erbärmliche Nachgiebigkeit gegenüber! England in allen kolonialen Fragen und das völkerrechts- widrige Verhalten gegen die Buren den Sturz des Kabinetts veranlaßt. Wenn das neue Kabinett Hintze Ribeirv jetzt erklärt hat, daß es in der Kolonialpolitik andere Wege ein schlagen werde, so kann das freilich den Buren nichts mehr nützen. In Italien hat sich das neue Kabinett Saracco der neuen Kammer mit einer Programmrede präsentiert, die zu allgemein gehalten ist, um daraus auf die Leistungen und auf das Schicksal des Kabinetts zu schließen. Wenn für irgend jemanden, so gilt für die italienischen Kabinette das Wort: Nicht an ihren Reden, an ihren Thaten sollt ihr sie erkennen! Politische Tagesschau. Gegenüber dem Gefühlsdusel, der in dem gegenwärtigen Kampfe das moralische Recht aus Seiten der Chinesen sucht, möchten wir auf die nachstehenden sehr richtigen Ausführungen der „Kreuzzeituug" Hinweisen: -Man hört in der Gesellschaft und liest wohl auch, baß die Chinesen doch nur in ihrem guten Recht seien, wenn ste sich der Fremden zu erwehre» suchen, die sie nicht gerufen haben. Aber diese aus falscher Sentimentalität und Unkenntnis erwachsene Ansicht läßt sich in keiner Weise behaupten. Der chinesische Staat hat in den letzten Jahrzehntm eine Entwickelung durchgemacht, die seine völlige innere Fäulnis ans Licht zog. Während deS Krieges mit Japan wurde die Probe darauf gemacht. Alles, was staatliche Institution und Staatsorgan war, versagte. Es war in Chi»a weder an sitllich-r noch an materieller Kraft etwas vorhanden, was Beachtung verdient hätte, und überall trat zu Tage, daß Recht und Sicherheit nicht anders zu erlangen waren al« durch Gewalt. Die Regierung zeigte sich völlig unfähig zu regieren. Das habgierige Beamtentum der Provinzen, die unruhigen Instinkte der SR afft waren ihr über den Kopf gewachsen; wohin man blickte: Willkür, Treulosigkeit, List und Schwäche. Ein Staat aber, der sich nicht selbst regieren kann, ist auch unfähig, die Beziehungen aufrecht zu erhalten, die der Weltverkehr, d'en wir als eine historische Thatsache doch acceptteren müssen, fordert. Er kann nicht Schutz und nicht Recht bieten, und wo diese unerläßlichen Garantieen nicht geboten werden, ist man genötigt, sie sich zu holen. So erklärt und so rechtfertigt man sich auch das Vorgehen der Mächte gegen China. Man mag gegen die Methode, die diese oder jene Macht dabei in Anwendung gebracht hat, noch so triftige Einwendungen erheben, die Thalsache bleibt, daß daS Eingreifen und die Selbsthilfe notwendig waren. Darüber kommt man nicht hinweg, sobald man den Mut findet, ehrlich zu denkm. Wir wissen sehr wohl, daß es auch unter den Chinesen viele vortreffliche Menschen giebt, die Zuverlässigkeit deS chinesischen Kaufmannes könnte sogar vielen europäischen und christlichen Kaufleuten als Muster dienen, aber daS ändert die Thatsache nicht, daß die Nation als Ganze- heute alS ein kulturfeindliches und gefährliches Element betrachtet werden muß. Sie bedarf der Vormundschaft, und da die Regierung in Peking ein schlechter und gewissenloser Vormund ist, wird es ohne europäische Vormünder nicht abgehen." Aus MM Md Land. (Unsere ständigen und gelegenllichen Herren Mitarbeiter werden gebeten, bei Einsendungen stets nur eine Seite ihres Manuskripts zu beschreiben und die Rückseite frei zu lasten im Interesse der schnelleren Druckherstellung.) Gießen, 2. Juli 1900. •• Persoualuachrichten. Der provisorische Assistent Dr. Bernhard Müller aus Hannover wurde zum Assistenten für die Kunst- und historischen Sammlungen und der provisorische Assistent Dr. Ernst Wittich aus Neu-Isenburg zum Assistenten für die mineralogische Sammlung des Museums zu Darmstadt ernannt. Der KreiSamtmann bei dem Kreisamt Bensheim, Regierungsrat Dr. Ferdinand Wüst, wurde zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt, der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Worms, Dr. Otto Heinrichs, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Gießen, der Kreisamtmann bei dem Kretsamt Heppenheim, Heinrich Gräf, zum KreiSamtmann bei dem Kreisamt Bensheim, der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Alzey, Dr. Ernst Merck, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Mainz, der Polizeikommifsär bei dem Polizeiamt Darmstadt, Polizeiamtmann Hugo Scriba, zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Heppenheim, der Regierungsafsesfor Dr. Wilhelm Bernd eck aus Nieder-Wöllstadt zum KreiSamtmann bei dem Kreisamt Erbach, der Regierungsasfessor Dr. Karl Lös lein aus Heppenheim a. d. B. zum KreiSamtmann bei dem Kreisamt Worms, der Regierungsassesior Ernst Werner aus Darmstadt zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Lauterbach und der Regierungsasfessor Ludwig Matthias aus Echzell zum Kreisamtmann bei dem Kreisamt Alzey ernannt. ** DomfaugerKonzert. Die „Metzer Ztg." urteilt: Es waren zwei weihevolle, herrliche Stunden, so ganz und gar- geeignet, das arme Menschenherz einmal gründlich emporzuheben aus dem Staube des Alltagslebens! Wie schöne, volle Orgeltöne, so schwebten die Klänge von den Lippen der acht Männer durch den schönen Saal. Keine Stimme drängt sich da hervor, alles löst sich aus in der Unterschiedslosen Allgemeinheit. Auf und ab fluten die Tonwellen vom zartesten pianisfimo in prächtigem vollkommenen crescendo bis hinauf zu gewaltiger Fülle und Macht; dann zurück in ergreifendem diminuendo bis zum leisesten Verklingen, daß das Ohr noch zu hören glaubt, wenn der Mund sich längst geschloffen! Ja, das ist des Gesanges gewaltige Macht, deren ergreifender, packender Wirkung sich wohl niemand entziehen konnte! Das Konzert hier in Gießen findet am 9. Juli in „Steins Saalbau" statt. -ff. Historisches Mikitärkonzert. „Sie haben mir mit Ihren altdeutschen Stücken eine große Freude gemacht. Ich wünsche, daß Ihr leuchtendes Beispiel tu meiner Armee Nachahmung finde." Mit dieser Anerkennung hat der Kaiser den Kapellmeister, Musikdirektor Adolf Boettge, und die Kapelle des 1. Bad. Leib-Grenadier-Regiments Nr. 109 (Karlsruhe) ausgezeichnet. Wir versäumen nicht, unser mufikliebendes Publikum schon jetzt aus den Kunstgenuß aufmerksam zu machen, der uns von dieser Kapelle am Mittwoch in Steins Garten bevorsteht. Die Hauptnummern des hier wohl noch nie gebotenen Programms sind aus den Inseraten ersichtlich. Die erste Nummer, eine Fanfare für Trompeten und Pauken aus der Ritterzeit, mußte vor dem Kaiser auf dessen Wunsch gleich wiederholt werden. Hieran schließt sich eine eigenartige LandSknechtSmufik für Schweizer- flöten, Zinken, Trommeln u. f. w. Außer Nr. 5, der Militärmarsch von seinen Anfängen bis auf unsere Zeit und Nr. 7, von Lully bis Wagner beliebte Kompositionen berühmter Meister aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert, dürfte das Schlußstück, Wiener Volksmusik, wegen seiner Originalbesetzung mit Violinen, Mandolinen, Guitarren und Harmonika besonderes Interesse erregen. * * Die 500. Jahresfeier ihres Meisters Gutenberg begingen am gestrigen Sonntag die Buchdrucker Gießens. Im Hinblick aus die allgemeine, inzwischen großartig verlaufene Gutenbergfeier in Mainz war, wie in anderen Mittelstädten, auch in Gießen von umfangreicheren Vorbereitungen abgesehen werden. Die Feier sand im Saale der LiebigShöhe statt, und bestand aus Konzert, Vorträgen und Tanz. Daneben wurde in Rede und Lied Gutenberg und seine Werke gepriesen, selbstverständlich auch das „Innere" nicht vernachlässigt. Die schön verlaufene Feier sand nach 11 Uhr ihren Abschluß. * * Jubiläum. Am 1. Juli feierte Frau Katharina Weniger aus Leihgestern das Fest ihrer 25 jährigen Thätig- keit als Gärtnerin des Herrn Kommerzienrat Heichelheim. * * Oeffentliche Lesehalle. Im Juni wurden 1669 Bände ausgeliehen: Illustrierte Zeitschriften 481, Erzählende Litte- ratur 720, VerSdichtungen 12, Jugendschriften, Märchen, Sagen 276, Litteraturgeschichte 8, Geschichte und Bio- graphieen 42, Länder- und Völkerkunde 40, Naturwissenschaft, Technologie 69, Land- und Hauswirtschaft 7, Philosophie 6, fremdsprachliche Litteratur 8 Bände. An Männer: Handwerksmeister 224, akademisch Gebildete 30, Kaufleute 158, Beamte 28, Unterbeamte 79, Techniker, Schriftsetzer 132, Arbeiter, Tagelöhner 57, Diener, Burschen, Kellner 54, Lehrlinge, Gehilfen 233, Schüler 17, Studenten 58, Soldaten 6, zusammen 1076 Bände; an Frauen: Ehefrauen, Witwen, ältere Unverheiratete 165, Gewerbetreibende 130, Dienstmädchen, Lauffrauen 32, Arbeiterinnen, Ladenmädchen 66, Beamtinnen 26, Pflegerinnen 9, junge Mädchen, Lehrmädchen 165, zusammen 593 Bände. Nach auswärts kamen 14 Bände. * * L a n d t a g. Die Mitglieder der E r st e n K a m m e r Freiherr von Heyl und von Riedesel hatten einen Antrag eingebracht über die Erweiterung des Zwecks der Landeskreditkassen und Errichtung gesunder, kleiner und billiger Wohnungen. Die Regierung hat sich bei der Beratung dieses Antrags im Finanzausschuß der Ersten Kammer bereit erklärt, den Fragen näher zu treten, und erachtet es für notwendig, die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse und die Beschaffung gesunder und billiger kleiner Wohnungen für Minderbemittelte im allgemeinen und ohne Unterschied der Berufsstellung ins Auge zu fassen. Sie ist bereit, alsbald Gesetzesvorschläge wegen Ausgestaltung der Landeskreditkasse zu machen, damit diese an der Lösung der Aufgabe mitwirken könne. Auch sollen die Voraussetzungen gesetzlich! geregelt werden, unter denen die Gemeinden und. Kommunalverbände Darlehen zu dem bezeichneten Zweck gewähren können. Ebenso bedürften die durch Hergabe der Darlehen begründeten Rechtsverhältnisse einer wenigstens grundsätzlichen Regelung, nicht minder die Frage der Höhe und Sicherstellung der Darlehen, für die bei dem niedrigsten Zinsfuß auch Amortisationszwang vorzusehen sei. Endlich müsse Vorsorge dafür getroffen werden, daß die aus öffentlichen Mitteln hergestellten Wohnungen nicht Gegenstand der Spekulation würden. Weiter will die Regierung der Prüfung der Frage nähertreten, ob und in wie weit es sich empfehle, die Vorschriften des Gesetzes über die Beaufsichtigung der Mietwohnungen und Schlafstellen' auch, auf Gemeinden unter 5000 Seelen, sowie auf alle Wohnungen, nicht nur die mietweise, auszudehnen. Für wiclftig erklärt sie ferner die Regelung der Frage, was mit Wohnungen zu geschehen habe, deren Benützung untersagt ist, und ob und nach welcher Richtung das Ertt- eignungsverfahren zur Erwerbung von Baugeländen für Wohnungen der hier fraglichen Art auszuwählen sei. Endliche erscheint ihr $ie Einleitung von Verhandlungen mit der preußischen Regierung wegen Vermehrung der Wohnungen für die Angestellten und Arbetter der Eisenbahn- gemeinschaft und die Beschaffung einer Statistik über die Zunahme der Wohngebäude im Vergleich-zu der Bevölker? ungsvermehrung für geboten. Mit dieser Auffassung der Regierung ist der Ausschuß in jeder Hinficht einverstanden und beanttagt, daß vorerst die Vorlagen der Regierung abzuwarten seien und den Antrag Heyl-Riedesel vorläufig für erledigt zu erklären. — Der Zweiten Kammer der Landstände ging ein Anttag des Abg. Schmeel, betteffend die GehaltederRealschul -Direktoren, zu. Die Gehalte der Realschul-Direktoren sollen danach mindestens so normiert werden, daß kein Realschul-Direktor schlechter gestellt ist, als ein ihm im Dienstalter gleichstehender akademisch gebildeter Lehrer. Friedberg, 30. Juni. In der letzten Gemeinderatssitzung kam u. a. die Eingabe des Vorstandes des Bürgervereins zur Beratung, bezüglich Errichtung eines Volks- bades in Friedberg. Eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung soll das nötige Kapital aufbringen und soll dann die Stadt in größeren Zeitabschnitten die Aktien nach und nach übernehmen, ähnlich, wie eS in Gießen auch eingerichtet ist; als direkte Beihilfe von der Stadt wird die kostenlose Ueberlaffuug von Wasser und Gas verlangt. Der Vorsitzende steht der Sache im allgemeinen sympatisch gegenüber, glaubt aber nicht, daß sich dieselbe in der geforderten Weise erledigen lasse. In Gießen z. B. stellten sich die Selbstkosten für das Wasser auf weniger als die Hälfte als hier, außerdem kämen dorten kaum die Betriebskosten heraus, auf jeden Fall müßten wir hier bezüglich des Wassers äußerst vorsichtig sein, vielleicht ließe sich das Volksbad durch Inanspruchnahme eines Brunnens eher erreichen. In ähnlichem Sinne äußert sich Gem. Falck, der außer der Wafferfrage, die er sür sehr ernst hält, besonders die finanzielle Seite betont. Die kostenlose Abgabe von Wasser und Gas bedeute für die Stadt eine jährliche Ausgabe von Mk. 3000.—, eine Summe, die die Gemeinde nicht leisten könne. In der beigelegten Statistik sei keine Stadt von der Größe Friedbergs, die eine ähnliche Anstalt besitze, man könne eben nicht alles haben, wenn es noch so wünschenswert sei, es müsse vor allem mit der Steuerkrast gerechnet werden. Gem. Hanstein fragt an, ob eS richtig sei, daß die Bahn Wasser von der Stadt nicht mehr beziehen will, und wie hoch das genommene Quantum war. Wenn die Bahn, die täglich ca. 150 cbm Wasser brauche, solches nunmehr nicht mehr abnähme, so sei, da das VolkS- bad nur 50 cbm täglich in Anspruch nehme, die Wasser- srage ja vorerst gelöst. Nach teilweise erregter Debatte wird beschlossen, die Entscheidung der Eingabe einstweilen zurückznstellen bis volle Gewißheit bezüglich des Wassers geschaffen sei. — Gem. Falck macht die Mitteilung, daß in Kürze im Provinzialtag, deffen Mitglied er ist, die Frage zur Entscheidung käme, wohin und ob ein Pro- vinzial-Siechenhaus gebaut werden solle. Gießen wünsche es in die Provinzial-Hauptstadt und will, wenn solches nicht beschlossen wird, ein eigenes bauen; Gießen glaubt sich dann von dem Beitrage zu einem anderen entbunden. Da nun unsere Stadt bezüglich der ArmensondS in dem Versorgungshaus schon eine ähnliche Anstalt besitzt, so glaubt Gem. Falck, wenn Gießen auf seinem. Standpunkt beharrt, einen gleichen einnehmen zu sollen. Der Gemeinderat erklärt sich zustimmend. - lt. Darmstadt, 29. Juni. Im „Britannia-Hotel" tagte gestern eine aus allen Teilen des Großherzogtums zahlreich besuchte Versammlung, in der nach dem Vorgänge anderer deutscher Staaten die Gründung eines hessischen Hilfs-Ausschusses zur Unterstützung der evangelischen Bewegung in Oesterreich! definitiv beschlossen wurde. Bon den 400 Herren, an die die Aufforderung zum Eintritt in den Hilfs-Ausschuß erging, haben etwa 300 ihre Bereitwilligkeit dazu dargethan, so daß die Sache sogleich einen vielverheißenden Anfang genommen hat. Es wurde aus der Mitte der Versammlung ein geschäftsführender Vorstand von sechs Herren gewählt, und nach, dem orientierenden Vortrage eines Mitgliedes, das die Lage der Evangelischen in Oesterreich, aus eigener Anschauung kennen gelernt hat, einigte man sich über die zunächst zu erstrebenden Ziele. Der Hilfs-Ausschuß hat die Förderung der evangelischen Bewegung in Oesterreich zum Zweck. Er wird daher überall im Lande das Verständnis und das Interesse für dieselbe zu wecken und zu verbreiten suchen durch Veranstaltung von Vorträgen, Versandt und Verteilung von Flugblättern und Flugschriften, Bedienung der Presse mit Nachrichten rc. Sammlung von Geldmitteln zur Unterstützung der Bewegung ist natürlich eine der Hauptaufgaben des Ausschusses. Ein Aufruf mit möglichst zahlreichen Unterschriften, der im Wortlaut vorlag, dessen endgiltige Redaktion aber dem geschäftsführenden Vorstände übertragen wurde, soll im September zur Verteilung im ganzen Großherzogtum gelangen. Eine größere Anzahl namhafter Beträge ist bereits gezeichnet worden, so daß zu hoffen steht, das nächste praktische Ziel des Hilfs-Ausschnsses: die Entsendung eines jungen hessischen Theologen nach Oesterreich werde in nicht zu ferner Zeit erreicht werden können. D a r m st a d t, 29. Juni. Für das diesjährige Jahresfest des Hessischen Hauptvereins des Evangelischen Bundes, das an einem Sonntage Ende September in Darmstadt gefeiert werden soll, wurde in der Vorstandssipmg des Landesvereins folgendes vorläufige Programm aufgestellt. Am Vormittag soll ein Festgottesdienst in der Stadtkirche, worin Direktor D. Weisfenbach-Friedberg die Predigt hatten wird, das Fest einleiten. Am Nachmittag wird im Saalbau eine Volksvorstellung des Devrientschen Gustav Adolf-Festspiels folgen und am Abend eine große öffentliche Versammlung statt- finden, worin außer musikalischen und deklamatorische^ Borttägen usw. zwei Ansprachen über ein historisches und ein aktuelles Thema gehalten werden sollen. Am Montag werden in geschlossener Mitgliederversammlung die geschäftlichen Verhandlungen stattfinden, und dabei zwei Referate über die Agitationsfrage und das Thema: „Was kann der Evangelische Bund für die evangelische Gemeindepflege thun?" erstattet werden. — Mit dem evangelischen Diakonieverein wurde seitens des Hauptvorstandes letzthin ein Vertrag abgeschlossen, wodurch jener für die Gemeinde- Pflege in Hessen drei Schwestern zur Verfügung stellt. Zur Ausarbeitung eines Traubüchleins für in gemischte Ehen tretende Brautpaare wurde eine Kommission eingesetzt. — Wie die „Hess. Volksbl." schreiben, hören bte Regimentsschneider auf zu existieren. In den Korpsbekleidungsämtem der preußischen Armee wird eine bedeutende Betriebserweiterung vorbereitet. Bisher wurden in diesen vollkommen fabrikmäßig betriebenen Anstalten nur die Schuhwaren angefertigt. Künftighin sollen aber in allen Bekleidungsämtern sämtliche Umformen yer- gestellt werden, und aus diesem Grunde erfahren bte Anstalten allenthalben bauliche Erweiterungen. Diese Umänderung wird allmählich durchgeführt, um den betden Truppenteilen befindlichen Regimentsschneidern, teren Stellen dann ebenso wie vor Jahren schon die der Regr- mentsschlnhmacher aufgehoben werden, eine Übergangszeit au gewähren Mit den Regimentsschneidern Horen natur- lich Vdie von ihnen betriebenen Werkstätten, zu denen jetzt nod) 24 Militärschneider bei jedem Regiment gehören, auf zu existieren Darmstadt, 30. Juni. Wie ""^geteilt, hat das hiesige Landgericht die von Amtsrichter Eckstern gegen den Fiskus erhobene Klage auf Auszahlung des Richter gehaltes ab gewiesen. Mlv Gericht hat hiermit entschieden, daß die hessischen Richter, auch ohne daß eine Disziplinar-Untersuchung gegen fie eingeleitet wird, innerhalb der ersten fünf Dienst;ahre nach dem int hessischen Richtergesetze vorgeschriebenen Verfahren auf eine nichtrichterliche Stelle versetzt werden können Gegen diese Entscheidung, die für den hesfisclM» Richterstand von prinzipieller Deutung ist, hat der Klager nunmehr durch Rechtsänwalt Dr. Hoffmann Berufung an das Oberlmidesgencht einlegen lassen. - Vedug^w Nacht wurde der 26chhnge Schneider Bachard von dem Sekundaner Leib ecke des hiesigen königlichen Progym- nafiums erschos en. Der Thäter wurde ms hiesige Amtsgerichtsgefangnis eingetiefert Der That liegt cm Irrtum tzu Grunde. Es sind notfy vier Schüler als Mitschuldige verhaftet. Darmstadt, 1. Juli. Der Großherzig empfing am 30. Juni den Professor Dr. Pitz, Oberlehrer am Realgymnasium in Gießen, den Forstassistenten Schaaf von Alsfeld, den Oberlehrer Hofsmann von der Realschule Alsfeld, den Ingenieur Thumann, den Oberbohrmeister Jähnichen, den Oberförster Dr. S'chütz von Ulrichstein, den Professor Dr. Seidenberger von der Augustinerschule zn Friedberg, den Professor Dr. Frenzel vom Seminar zu Friedberg, den Hauptlehrer Höhn von der Gewerbeschule zu Nidda, den Rentner Wallau, Hauptmann der Reserve des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 27, die Hochbauausseher Fischer, Hübner, Hüllen und H e ß. Mainz, 29. Juni. Dem General der Kavallerie z. D. Freiherrn v. Molsberg wurde das Großkreuz mit der Krone verliehen. Der Dekorierte und sein Bruder, Baron v. Molsberg, find bekanntlich die einzigen noch lebenden Nachkommen Gutenberg« und waren bei der Feier Ehrengäste der Stadt Mainz. — Zur Gutenbergseier sind Line Unmenge Gratulations-Telegramme und -Schreiben aus allen Teilen der Welt eingelaufen. Eines der originellsten war jedoch zweifellos das folgende, aus Berlin vom 25. Juni datierte Telegramm, welches wörtlich lautete: „Vivat Gutenberg! Pereat Nachtarbeit! 100,000 Kinder von Zeitungssetzern, welche ihren Vater noch nie gesehen haben." Mainz, 1. Juli. Vom 9. bis 18. Juli werden bei Kastel, bei Biebrich und zwischen Oppenheim und Nierstein größere militärische Uebungen auf dem Rheine durch Pioniere abgehalten. Während dieser Uebungen ist der Verkehr für Flöße auf den bezeichneten Stromstrecken von 7 Uhr Vormittags bis 6 Uhr Abends gesperrt und Dampf- Lvote dürfen nur mit stark verminderter Fahrt durchfahren. — Als gestern mittag der um halb 12 Uhr nach Frankfurt abgelassene Personenzug die Rheinbrücke passierte, stürzte der Heizer Schmitz aus Bingerbrück von der Maschine. Zum Glück fiel er nicht zwischen den Bogen hindurch in die Tiefe, sondern auf das andere Geleise, zog sich aber durch den Sturz einen Arnrbruch und eine Gehirne erschütterung zu. — Der demokratische „Mainzer Anzeiger" feierte gestern das Fest seines 50jährigen Bestehens und gab aus diesem Anlasse eine Jubiläumsnummer heraus. Der Begründer des „Anzeigers" war der verstorbene Buchdrucker Joseph Gotts leb en. Als Redakteure waren während dieser Zeit am „Anzeiger" F. Kötter, F. Rensche, Martin Perels, Frings, Schäfer, Fritz Bren,^- tano, Nikolaus Seyler, Rudolf Rottger, Franz Schreiber, Theodor Winkler, Hans Fischer und Franz Ludwig thätig. Jin Jahre 1897 wurde die Firma Gottsleben mit der von Kupferberg in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, deren Leitung dem Direktor Will unterstellt ist. Marburg, 30. Juni. Wenige Städte können sich eines historischen Charakters rühmen, wie ihn Marburg trägt. Die Stadt kann ihre Beamten und Bureaus aus Mangel an Raum nicht unterbringen und ein Umbau des Rathauses wird nicht gestattet, weil es ein althistorisches Gebäude ist. Nun möchte man den der Stadt gehörigen „Kilian" umbauen, um Raum zu gewinnen, aber der Kilian ist nicht nur ein althistorisches Gebäude, er ist ein uraltes Gebäude und das älteste der Stadt überhaupt. Es stammt aus einer Zeit, da man den gotischen Stil hier noch nicht kannte, denn er ist in romanischem Stil errichtet. So beschlossen denn die Stadtverordneten, von einem Umbau dieses Kilians einstweilen abzusehen. Wo aber die Beamten und Bureaus nun untergebracht werden sollen, bleibt vorläufig noch unentschieden. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Apotheker CustodiS in Heppenheim ließ sein Besitztum, die altehrwürdige Apotheke, in der unser berühmter Landsmann Liebig seine Laufbahn begann, so renovieren, daß das hübsche Fachwerk wieder zur Geltung kommt. — Ein junger Mann in Darmstadt ist Freitagnacht in angeheitertem Zustande in der Steinackerstraße in einen seiner Wohnung gegenüberliegenden Vorgarten eingestiegen und hat, den Vorgarten als seine Wohnung betrachtend, sich in dem Garten vollständig entkleidet und niedergelegt. Ein Schutzmann bemerkte ihn und verbrachte ihn aus seinem luftigen Quartier nach seiner Wohnung. — Vom 22. bis 28. Juni sind in Bad-Nauheim 1052 Kurgäste angekommen. Verabfolgt wurden 16 575 bezahlte Bäder und 534 Freibäder. Die Gesamtsrequcnz am 28. Juni 1900 war 10 300. Im ganzen wurden vom 1. April bis 28. Juni 1900 108 578 bezahlte Bäder und 5623 Freibäder verabfolgt. Vermischtes. * Murcia, 30. Juni. Gestern ist ein furchtbares Unwetter niedergegangen. Mehrere Personen find vom Blitze getötet. • Alicante, 30. Juni. Der Fluß Zarde ist aus den Ufern getreten. Durch die Ueberschwemmungenwurde kolossaler Schaden angerichtet. Kunst und Wissenschaft. — Eine Deutsche dramatische Gesellschaft ist soeben in London gegründet morden- Die Gesellschaft strebt das Ziel an, die Vermittlerin höherer deutscher Bühnenkunst für England zu sein. Sie wird wertvolle Dramen zur Ausführung bringen und ihrer Aufgabe auch dadurch zu genügen suchen, daß sie Vorträge und Vorlesungen deutscher Autoren, Gastspiele einzelner bedeutender Künstler und ganzer Gesellschaften veranstalten, und die sorgfältige Uebertragung hervorragender dramatischer Werke in beide Sprachen veranlassen. Die Leitung ruht in den Händen von Karl Schönfeld, deffen langjährige Wirksamkeit als Oberregiffeur in Frankfurt a. M. und Berlin bekannt ist. SpietzlW der utrtiniaftn Frankfurter SlMtheater. Schauspielhaus. Dienstag den 3. Juli, 7 Uhr: Gastspiel des Direktors Konrad Dreher: „Das fünfte Rad". Im Abon. Gew. Pr. Mittwoch den 4. Juli, 7 Uhr: „Busch und Reichenbach"; vorher: „Flügellahm". Im Abon. Gewähnl. Preise. Donnerstag den 5. Juli, 7 Uhr: Gastspiel des Direktors Konrad Dreher: ,,DaS fünfte Rad". Außer Abonnement. Gew. Preise. Freitag oen 6. Juli, 7 Uhr: Vorletztes Gastspiel des Direktors Konrao Dreher: „Die beiden Reichenmüller". Im Abon. Gew. Preise SamStag dm 7. Juli, 7 Uhr: Letzte Abonnements- Vorstellung vor den Schauspielferien. Letztes Gastspiel des Direktors Konrad Dreher: „Jägerblut". Im Abonnement. Gewöhnt. Preise. Handel und Uerlrehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vom 30. Joni. Wechsel auf New-York zn 4.20 und */< Flaschen verhältnismässig. Niederlage bei: Helnr. Gengnagel, Giessen, Neuen-Bäue 10, 383 Heuchelheimer Konsum - Halle, Inhaber: "W. Schmitt, Heuchelheim bei Giessen, Ant. Conr. Müller, Kolonial- und Eisenwarenhdlg. in Lang-GSns. SIF Täglich frische "W 4821 Erdbeervowle. 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Mit der Stelle ist ein um jährlich 75 Mk. steigender Gehalt zwischen 2100 und 3600 Mk., sowie — bei 5jähriger Probedienstzeit — Anspruch aus Ruhegehalt und Wittwen- und Waisen-Versorgung nach Maßgabe der für die Staatsbeamten geltenden Bestimmungen, verbunden. Bewerber wollen ihre selbstgeschriebenen Meldungen unter kurzer Darlegung ihres Lebensganges und Vorlage von beglaubigten Zeugnissen, einiger geeigneter selbstgefertigter Zeichnungen und eines Gesundheitszeugnisses, sowie mit Angabe ihres Militärverhältnisses und des bean- fpruchten Anfangsgehaltes bis spätestens 20. Juli l. I. bei uns ein» Die Kapelle hat es unternommen, eine musikalische Aufführung zu veranstalten, welche dem Publikum ein möglichst getreues Bild von der historischen Entwickelung der MiEtarmusik geben soll. Eine Reihe hervorragender Musikstücke von den ersten primitiven Versuchen bis zur glänzendsten modernen Ausgestaltung werden nicht allein in der ihnen eigentümlichen Instrumentierung, sondern mit den hierfür berechneten Instrumenten vorgeführt. Eintrittskarten im Vorverkauf ä 75 Pfg. bei Aug. Frees, Üniv.-Buch- h andlung, Selters weg, und bei Karl Retter, Cigarrenhandlung, Lindenpl atz. 02688] Gchuhmachergefelle gesucht. Karl Müller, Liebigstraße 64. Ordentliches. reinliche» Mädchen welches bürgerlich kochen kann und Haus- arbeit mit übernimmt, für Anfang oder Mitte August gesucht. 4107 Frau C. Schmidt, Seltersweg 18 2W* Mansardenwohnung von 3 Zimmern, Küche mit Wasserleitung und allem Zubehör, zu vermieten. 85 Frankfurterstratze 85 empfiehlt /«chuhnrachergehilfe gesucht. 02712 1 H. Müller, Wolkengaffe 23. 4442] Sehr gut möbl. Zimmer mit sep. Eingang zu verrn. Neuenweg V, H. Zmi tüchtige Junge« im Alter von 14 bis 17 Jahren m die Kantine gesucht. . 4216 Christ. 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Durch rechtzeitigen Gebrauch de» Krüuter-Weine» werden Magenübel meist schon im Äelmt eMickt. Man sollte also nicht süumen, seine Anwendung anderrn scharfen, Stzenden, Gesundh«it zerstürenden Mitteln vorzuztehen. Symptome, rot«: Kopfschmerzen, Musst otzen, Sodbrennen, Blähungen, Uebelkeit mit Erbrechen, die bei chronischen ^veralteten) Magenleiden um so heftiger «uftreten, werben oft nach einigen Mal Trinke» beseitigt.