Donnerstag den 3. Mai Drittes Blatt »l6r M. 102 * 4 Erscheint tügNch mit Ausnahme deS Anrts- unb Anzeigeblott für den Üreis Gieren itittte tteU WO a lt( Brief K ficiaftien, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Nr. 7. 91.8 9U 218 42'- 4s' 985 OO.v «nl‘5 Ä N Uunni.8.19OO 995 99,3 985 Adrefie für Depeschen: Anzeiger Hletze«. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener FamilienbläUer, Der hessische Landwirt Dtiitter für hessische Volkskunde.________ Alle Anzeigen-Bermittlungsstellev deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Psz., auswärts 20 Psg. Montags. Die Gießener xamilieuötätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für hefl. Volkskunde" nvchtl. 4 mal beigelegt. hrer *D HM.M- ttemfrW- । Mihrisi. K - ein l btu W' Sparten- : Post, vier- B vie-sttv- ^Tvch^gerade in den Zeiten, in denen die Schwärmerei öiten I ert 'omanow öirtsihH oeikausen. teuer ro6e_32. aus ben vemchltt [1681 höchsten Erlasses vom 30. Januar dieses Jahres, wonach den Dienststellen-Vorstehern, Station«- und ExpedttionS- Vorstehern, Gitterexpedienten, StationSeinnehmern, das Recht eingeräumt ist, die Lohnrechnungen sosort zur Zahlung anzuweisen, ohne eine Revision abzuwarten. Die Revision erfolgt erst nach der Zahlung der Lohnbeträge. Der Erlaß des Kaisers bedeutet nicht allein eine bedeutende Erweiterung der Befugnisse der Dienststellen-Vorsteher, sondern auch einen großen Vorteil für die Eisenbahnarbeiter. *• Der tausendste Waggon. Das Garl'sche Thon- werk versandte vorgestern mit der Bahn den 1000. Waggon seines Fabrikates, den man mit Tannenrelsig geschmückt hatte, das die Zahl „1000“ umrahmte. § Bo« Lande, 30. April. Die Obstbaumblüten haben sich erschlossen. Pflaumen- und Kirschbäume blühen bereits in geschützten Lagen. Auch die Blütenknospen der Zwetschen- ! bäume sind am Aufbrechen. In seltener Reichhaltigkeit | zeigen sich Heuer die Tragknospen an allen Obstbaumen Blühten sonst schon die Obstbäume tm April, so entfaltet sich in diesem Lenze der eigentliche Blütenflor erst tm Mat. Durch diese Verspätung in der Blütenzeit darf man aus eine gute Obsternte rechnen, wenn die drei „Eismänner" von ihrem gefürchteten Regiment einmal abfehen. Diese I Blütenzerstörer könnten gerade in diesem Jahre den größten I Schaden bei der Obsternte anrichten, weil die Fruchtknoten I der Obstbaumblüten durch die Verspätung ihrer Entwtcke- I lung noch sehr zart sind. Bieber, 30. April. Im Saale der neuen Turnhalle I fand gestern Mittag eine Versammlung des Bewerbe- I Vereins statt, die sehr zahlreich besucht war. Ingenieur I Brockmann aus Offenbach hielt einen beifällig aufgenommenen I Vortrag über Lehrlingsverhältnisse und Gesellenprüfungen, I in welchem er hauptsächlich auf die Bestimmungen des I Reichsgesetzes hinwies. Von feiten des Lehrers der Hand- I werkerschule, Architekt Gesser, waren die int abgelaufenen I Schuljahr angefertigten Zeichnungen ausgelegt, die sich durch I große Sauberkeit und flotte Darstelluugsweise auszeichneten, I und sich des Beifalls der Besucher dieser Ausstellung zu I erfreuen hatten. h. Herbstei«, 30. April. Gestern wurde dahier der I Bezirkstag für die Kriegervereine des Bezirks | Herbstein abgehalten, der 16 Vereine mit 715 Mitgliedern, I gegen 12 Vereine und ca. 600 Mitglieder des Vorjahres | zählt. Es wurde beschlossen, das diesjährige Beztrksfest L*“») und tfhere. gu UNd L 1 M: Mchener Anzeiger Genera l-Anzeiger 1900 Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Psg. mit Briugcrlohn; durch die Abholcstelle« vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. «>■»! 45-'. Her »el( W ntod Erhaltung deutscher Amgen. St. Gießen, 1. Mai 1900. Bon dem Augenblicke an, wo die festen Sitze des, Rittertums im allgemeinen ihren praktischen Wert verloren, hat sich die Phantasie des Volkes ihrer mtt ganz, besonderer Liebe angenommen. Was wäre der Rhein ohne Y .1 ____o (ürtAöion Spv Arfrtnnritnnlh. Die Inn.h». »°n ,u dir n°chmi»°g- für b«. klsn.be. Zog erf»eincnbei. Rümmer M °°rm. 10 Uhr. Abbksteüungcn fpäikstenS abends vorher. für das Mittelalter am größten war, in denen man sich nicht genug thun konnte in poetischen Ergüssen über die Ehrwürdigkeit der Denkmäler unserer Vorzeit, ist man am pietätlosesten mit den erhaltenen, wie mit den bereits m Trümmer gefallenen Burgen umgegangen. Man besang die Burgen zwar, aber man ließ sie zerfallen oder riß sie nieder aus Geiz, und Habsucht, um lieber aus ihren Steinen Ställe oder Straßen zu bauen. Solchem Geschick verfiel auch mit unzähligen anderen u. a. die Kaiser- Pfalz zu GelnHausen. An solchem Realismus war nicht zum wenigsten die Unbestimmtheit der Gefühle schuld, welche dte besitzenden Klassen für jene alten Denkmäler hatten. Die Empfindungen für die Zierden unserer Landschaft war eben so wenig geklärt, daß sie den Geldbeutelinteresfen nicht stand halten, konnten. t ’ , .,, Daß also romantische Empfindungen allem nicht genügen, um die Burgen unseres Vaterlandes vor Verfall! zu schützen, haben wir gesehen. Und so liegt es nahe, daß die Freunde solcher Denkmäler alle Mühe daran setzen müssen, über ihr Wesen und ihre Art mehr Aufklärung zu verbreiten, besonders in solchen Kreisen, die durch Bildung und Besitz in der Lage sind, zur Rettung der vom Untergange bedrohten und zur Erhaltung der noch wohl in Stand befindlichen durch Rat Und That beizuttagen. Zwar thut ja der Staat, thun auch manche wohlhabende Burgbesitzer das ihrige, so gut sie können. Aber dies ist bis jetzt noch unzureichend. Um nun weitere Kreise für diesen edlen Zweck zu, interessieren, ist im vorigen Jahre im Verlage fürs! deutsche Haus (C. A. Krollmann) Berlin W. 50 eine Zeitschrift, „Der Burgwart" erschienen, dessen Nr. 10 uns vorliegt. In dieser ist gerade auf die Bur g e n Hessens in weitestem Maße Rücksicht genommen. Ww Gießener, die wir den Vorzug hüben, mehrere solche stolzen mittelalterlichen Bauwerke in der näheren und weiteren Umgebung zu haben und zu den beliebtesten Ausflugspunkten zu zählen, dürften ein spezielles Interesse an den Bestrebungen einer solchen Zeitschrift haben. Und so glauben wir auch im Sinne weiterer Kreise zu handeln, wenn wir darauf aufmerksam machen, daß die letzten Die Königgrätzer Straße. Cfa Berlin «ließt es eine schöne, breite Straße, die man I unter dem Eindruck der Siege von 1866 als Königgrätzer Straße bezeichnet hat. Ihre Fortsetzung bilden dte Gtt- I schiner und die Skalitzer Straße, deren Namen gleichfalls I an die preußischen Waffenthaten erinnern, dte in ihren I Achten Wirkungen über die Auseinandersetzung zwischen I Preußen und Oesterreich hinausgingen und die Grundlagen I für 'das neue deutsche Reich! schufen. Schon auf den flacht- I feldern Böhmens begann sich eine Zukunft zu formen, I in der die beiden eben noch in heftiger Fehde, ringenden I Kampfer sich zu Schütz und Trutz vereinigen wurden. Dieses I Md ist zur Wirklichkeit geworden, die Empfindlichkeit der I Besiegten ist längst entschwunden vor der ruhigen Er- I Wägung, daß nur durch Eisen und Blut der ungeheuere Erbschaftsstteit um die Führung in Deutschland entschieden I werden konnte. Die Bedingungen des Nikolsburger Fme- I i bens wurden mit weisem Bedacht so gestellt, daß weder I I das alte Geschlecht der Habsburger, noch das Haus Wettin, I noch, irgend ein anderer der für die Zukunft als selb- I r ständig in Betracht kommenden Faktoren wertvollen Be- I ' sitzes beraubt und dauernd mit dem Bedürfnis nach emer I erneuten Auseinandersetzung erfüllt wurde. I Am Hofe zu Wien mag zuweilen noch der Schatten der I Vergangenheit nachzittern und dynasttsche Empfindliche I f ketten mögen immer wieder einmal hervortauchen; in Sachfen hat man den alten Zwist längst zu Grabe getragen; man zählt dort bekanntlich die national zuverlässigsten Stimmen Deutschlands. , Jetzt will nationale Schwächlichkeit wieder einmal ihr Opfer fordern. Kaiser Franz Josef kommt in einigen Tagen nach Berlin, zum ersten Male feit langen fahren, so ost auch Kaiser Wilhelm ihn in feiner Donau- | refidenz besucht hat. Daß man dem Verbündeten Deutschlands einen freundlichen Empfang bereiten wird, ist selbstverständlich. Der Mann, der die Gefährtin semes Lebens in urchtbarer Stunde verlor, dessen Sohn das Opfer emer der ergreifendsten Tragödien wurde der in allem Glanze des Kaisertums schwer die Hand des HE^ls auf sich ruhen fühlte, ist sympathisch auch dann, wenn er m dem harten Streite, der heute sem Reich durchtobt, mcht den gebotenen Weg thatkräftiger Entschlossenheit M laden vermag Aber der Gedanke, den übereifrige Bewohner der Retchshauptstadt hegen, die vielleicht m dem Nationen , Miülnskeiitum ihr Ideal erblicken, der Gedanke, die 'M inncrunq an ^He^ergangen^eit zu löschen, und den nach Kämvien des Jahres 1866 benannten Straßen neue I Hamen von byzantinischem Klang zu verleihen, ist so ver- । fehlt daß er kaum die eigentliche Bedientensphare verlassen durste. Gewiß, die Franzosen durften damals, als fie Nge fe ne"- S. l-lll ton 1887 Oil. Ueberreste der Burg Reichenbach, insbesondere der alte, schon geborstene Bergfried, in Kürze einzusturzew drohen. Damit würde wieder eines der geschichtlich denkwürdigsten Bauwerke unserer Heimat vom Erdboden ver- chwinoen, in dessen Mauern ein hessischer Fürst, Landgraf Ludwig II., sein Leben aushauchte. Auch für den Deutsch-Ritterorden war Reichenbach von großer Bedeutung. Zu Füßen der Burg erhielt der Orden durch Stiftung der Grafen von Reichenbach sein erstes Besitztum in deutschen Landen. Um den alten Bergfried nun vov gänzlichem Verfall zu bewahren, hat sich in Hessisch- Lichtenau ein Ausschuß zur Erhaltung dev Ruine Reichenbach gebildet. Wir helfen sem Vorhaben gern fördern und geben mit Freuden der Bitte Raüm, daß. alle, die sich noch ein warmes Herz und einen} treuen Sinn für die altersgrauen Zeugen großer Vergangenheit bewahrt haben und ihr Scherflein zur Haltung derselben beitragen möchten, etwaige Spenden an, dsn Schatzmeister, Apothekenbesitzer Nickell in Hes Lichtenau, gelangen lassen wollen. . Durch Zuwendungen aus der Gegend, durch Beihilfe des. hessischen! Fürstenhauses, d'es Deutsch-Ritterordens, der Grafen von Reichenbach, des hessischen Geschichtsvereins, des nieder- hessischen Touristenvereins, des Werrathalvereins u. a. m. ist bereits ein ansehnlicher Bettag zusammengekommen. Um aber wenigstens die unbedingt nötigen Arbeiten auszuführen, fehlen dem Ausschuß immer noch rund 1700 Mk. Seine Hilfsquellen sind erschöpft. Die durchweg arme Bevölkerung der Gegend vermag trotz größter Opferwilligkeit, die sich durch Uebernahme unentgeltlicher Hand- und Spanndienste rühmlich bethättgt hat, nichts mehr aufzubringen. Wenn also keine weiteren Spenden emlausen würden, wäre es also wieder unsicher, ob es gelange, enr Bauwerk zu erhalten, das neben seiner geschichtlichen -Bedeutung für unsere engere Heimat, zugleich gegenüber dem stolzen Ausbau der Marienburg - bem toatyx» zeichen der höchsten Blüte des Deutsch-Ritteror^n-so» Ordensbesitz der Deutschritter geiegi w» dem jungen Zaren glückselig die Stiefelsohlen leckten, auch I dem Gedanken nahe treten, die Erinnerung an den Waffen- I gang des ersten Napoleon und Alexanders aus den Augen I des angebeteten Gastes zu entfernen; aber der Hohn der I ganzen Welt begleitete solches Beginnen. Denn die Wahr- I zeichen eigenen Ruhmes zu vernichten, ist das Wahrzeichen I nationalen Niederganges. Was soll uns bestimmen, unter I Verleugnung unserer Vergangenheit dem greisen Mo- I narchen eine solche Huldigung darzubringen? Sind wir I politisch schon so weit auf den Hund gekommen, daß wir I schweifwedeln müssen, wenn ein fremder Herrscher einmal I geruht, den Besuch unseres Kaisers zu erwidern? Wer bildet denn das Rückgrat des Dreibundes? Wer sichert dem ermatteten Oesterreich sein Bestehen? Wir aus dem Reiche. Die Budgetziffern beider Länder führen eine beredte Sprache. Wenn in Wien der „Opernring" zu einem „Bis- marckring" und der „Graben" zu einer „Kaiser-Wilhelm- oder Hohenzollernsttaße" geworden ist, dann ist es vielleicht einmal Zeit, den Namen von Königgratz durch eine freundlichere Erinnerung zu ersetzen. Aber bis das geschieht, wird noch mancher Erzherzog zur Beichte gehem . Es ist nicht ohne Reiz, zu beobachten, Mit welcher : I satten Ironie die tschechischen Blätter den wunderlichen Gedanken begrüßen. Da wird an die von Friedrich dem Großen eroberten Kanonen erinnert, die jetzt die Siegessäule schmücken, da wird die Notwendigkeit betont, das Denkmal des großen Königs abzubrechen und Schlesien und Glatz zurückzugeben. In dieser Ironie steckt in^ber That ein ganz richtiger Kern. Alle staatluhen Gebilde unserer Zeit sind entstanden durch Kämpfe, durch Nieder- lage und Sieg; jedes Bündnis, jedes Zusammengehen fordert von dem einen Vergessen für die Wunden, die der andere einst schlug. Wer die Rücksichten schwächlicher Em- I pfindlichkeit als einen ernsthaften Faktor in das politische Exempel einstellen will, der wird immer weiter und immer I weiter gehen und schließlich dahin gelangen müssen, feine | Geschichte und seine persönliche Würde zu vergessen und zu I verleugnen. Wir sind wahrlich schon schwelgens in I Liebesdiensten, die wir anderen erweisen, daß es nicht not I thut, jetzt, wenn wir uns höflich verneigen, die Gelegen- I heit wahrzunehmen, und dem Gaste auch noch die Fuße zu I küssen._________________________ Aus Stadt und Land. *• Von der Eisenbahn. Gestern am 1. Mai ist zum I erstenmale den sämtlichen Bediensteten der Staatsbahnen, I soweit solche im Arbeiterverhältuisse stehen, der Lohn für I einen vollen Kalendermonat, also für die Zeit vom 1. bis I 30. April ausgezahlt worden und zwar auf Grund Aller- Mrgen was die Voaefen, der Schwarzwald, die Bergstraße n/as Tyrol? Schon in der Reformationszeit, der 9Epoche des eigentlichen Unterganges der „Ritter- buraew' tauchen Burg und Ruine m den gleichzeitigen Landschaftsbildern als bloßes Zierstück auf. Das Verdienst, i diebewußte Empfindung für die schone Landschaft mit dem malerifäien Reiz der Burgen und Schlosser in ch^offen- fmrt ru baden gebührt unserem Landsmanne Wilhelm ^7 aus Wabern. Eine wie große Rolle die Burg Stb faU Ruine in der Sagenbilduug der letzten Jahchun- derte spielt, welche Bedeuwng sie in der Poesie Belle- Eik, in der beschreibenden Darstellung und nicht we> niaer in der Malkunst namentlich m der ersten halste des 19 Jahrhunderts haben, ist wohl allgemein bekannt. Wenn wir uns aber fragen, woran es denn eigentlich liegt, baß ihr Anblick solchen Zauber aus uns ausubt, solche romantische Gefühle m uns weckt, so ist die Antwort darauf nicht eben leickst iu geben. Das reu, asthes tische Wohlgefallen an der Burg imi Landschastsbilde er-, klärt sich noch am ehesten. Ein solches, in den meisten Fällen sehr augenfällig liegendes Bauwerk bildet Mit seinen' ausqeprägten, geraden und eckigen Limen einen angenehm men Gegensatz zu den meist runden und fließenden Kon-. Euren des Berglandes, feine Masse einen erwunMen Ruhc^ ijunft für das Auge. Das eigentlich Romantische an einet Arg Iber must man wohl hauptsächlich auf. Erinnerungs. gefügte zurückführen. Bei den meisten Menjchen nun wer^ den diese Gefühle um so romantischer sem, je unbestimm- ter sie sind: Gedanken an die Vergänglichkeit alles Irdischen, ein wenig Träumerei von einem phantastischeii Mittelalter. Ter Wißbegierde genügen 'm allgemeinen ein paar klangvolle Namen und, wenn es hochtommt, eine -mit der Fahnenweihe des Kriegervereins zu Altenschlirf zu verbinden und am 24. Juni abzuhalten. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die großherzoglich hessische Oberförsterei zu Homburg v. d. H. wird demnächst nach Obereschbach verlegt. — Bei Kaub wurde die Leiche des bei dem Bootunglück ertrunkenen Dr. Berberich Wiesbaden gelandet. Den für die Auffindung ausgesetzten Preis von 1000 Mk. erhält der Wirt „zur Engelsburg" in Kaub. — Ferner ist in Bingerbrück die Leiche der Frau Erb geländet. — In Mainz sind zwei Konfirmanden abenteuerlustig durchgegangen. Sie haben einige hundert Mark mitgenommen. Ihr nächstes Reiseziel ist die Schweiz. — Der in Kassel verhaftete Arbeiter Pfläging hat ein umfassendes Geständnis abgelegt, daß er seine Schwägerin Änna Fuhrmann ermordet habe. — Der Vorsitzende der Armendeputation in Mainz, Beigeordneter K. Schmidt, hat an sämtliche Mainzer Armenbezirke ein Rundschreiben erlassen, in dem er die Armenpfleger ersucht, sich in der öffentlichen Armenpflege der Mitwirkung der Frauen zu versichern. — Lehrer Grünewald aus Lorsbach ist an die Präparandenschule nach Herborn berufen. Sein Nachfolger wird Lehrer Weißgerber von Hambach. — Am 31. Mai findet eine größere Bezirks tierschau für die Kreise Friedberg und Büdingen statt. An Preisen gelangen zur Verteilung 5010 Mark und zwar: für Rindvieh 3660 Mark, für Schweine 800 Mark, für Ziegen 150 Mark, für Pferde 400 Mark. Anmeldungen der auszustellenden Tiere haben bis spätestens zum 20. Mai zu erfolgen. — In Nieder-Florstadt ist es dem Gendarm Kaiser aus Friedberg gelungen, den Thäter der in letzter Zeit verübten verschiedenen Baumfrevel auf der Chaussee zwischen Offenheim und hier dem Arm der Gerechtigkeit zu überliefern. — Der Gardist der 10. Kompagnie Großh. Jnf.-(Leibgarde-)Regiments Nr. 115 Wilhelm Heinz aus Erzhausen wurde auf dem Wege von Erzhausen nach Darmstadt um 11% Uhr von dem von Frankfurt a. M. kommenden Eisenbahnzuge erfaßt und sofort getötet. Beider Katzen-Ausstellung in Darmstadt wurden vermutlich am letzten Ausstellungstage böswilligerweise etwa 30 Katzen vergiftet, worunter sich mehrere sehr wertvolle Exemplare befanden. Eine Untersuchung einiger Kadaver soll Strychninvergiftung ergeben haben. Hoffentlich gelingt es, den oder die rohen Thäter ausfindig zu machen. — Herr Heinrich Merz, Besitzer großer Farbwerke in Newark bei New-Aork, hat für das in Bensheim geplante Kaiserdenkmal 1000 Mark gestiftet. Herr M. ist ein gebürtiger Bensheimer. — In dem Besitz der Wittwe Heß in Schornsheim befindet sich ein junges Gänschen mit vier vollkommen ausgebildeten Füßen. Das Tierchen ist ganz munter und gebraucht zum Gehen drei Füße, während es den vierten Fuß nachschleppt. Eine ähnliche Abnormität ist in Sulz- heim bei Wörrstadt beim Landwirt Karl Dörrschug zu sehen. D. besitzt ebenfalls ein Gänschen mit vier Füßen, das aber beim Gehen nur die zwei Borderfüße benutzt. — In Meßbach bei Wirt Schmuck ist heute nacht ein Kalb zur Welt gekommen, das zwei gleichmäßige Köpfe besitzt, sonst aber ganz normal ist und sich gesund und munter befindet. — Bei der Löschung des Waldbrandes in Marburg, Über den wir gestern berichteten, hat sich das Jägerbataillon mit seinen Offizieren rühmlich hervorgethan. — Dem Buchdruckereifaktor David Maas in der Schnitz- ler'schen Buchdruckerei in Wetzlar ist aus Anlaß seines 50jährigen Berufs-Jubiläums das Allgemeine Ehr en - zeichen verliehen worden._________________________ Vermischtes. * Der weibliche Arzt in Italien. Die Ausübung der ärztlichen Kunst durch Frauen ist in Italien zu frankfurter Aries. Origtnalbertcht für den „Gießener Anzeiger". (Nachdruck verboten.) Das alte Schauspielhaus bei Gastspielen z« erhöhten Preisen. — Das Repertoire der Eleonore Düse. — Die Nachwirkungen deS Gastes. Daß das alte Schauspielhaus bei außerordentlichen Gelegenheiten räumlich nicht mehr die Bedürfnisse deckt, ist eine längst bekannte Thatsache. Ein bis unters Dach «msverkaustes Haus macht sogar bisweilen einen etwas bänglichen Eindruck. Beim Anblick der nicht eben breiten Äolztreppen und der vielen Portieren kann man sich oft eines gewissen unbehaglichen Gefühls nicht erwehren, wenigstens geht es dein Fremden so: denn der in den Heimischen Theaterverhältnissen bewanderte Frankfurter weiß, daß gerade in dieser „Schauburg" — um einen ganz modernen, erst kürzlich von G. Fuchs in Kurs gegebenen Ausdruck zu gebrauchen — die umfassendsten Vorsichts-! maßregeln bestehen, daß bis an die vordersten Kulissen heran, die Spritzenmänner postiert sind, daß der Bühnen- und Zuschauerraunr binnen weniger Minuten unter Wasser gesetzt werden kann, und davon,' daß der eiserne Vorhang tadellos funktioniert und die ^cotthüren ausgehcn — kann fich nach Schluß jeder Vorstellung das Publikum selbst überzeugen. Man ist also im alten Schauspielhause noch' immer sicherer aufgehoben als in der großen Pariser Weltmesse. Aber schön wird's doch sein,' wenn sich die unvergleichliche Mraft der Düse in einem neuen Rahmen Präsentiert! Und das dauert ja nun nicht mehr lange! Eleonore Düse gastiert jetzt zum dritten Male in Frankfurt, und sie gehört nicht zu den Mimen, die man immer gesehen hat, sobald man sie ein Mal sah. Stets ist sie neu und berührt sie ganz unmittelbar. Es giebt kaum eine dramatische Künstlerin, die in dem Grade ihre Persönlichkeit mitreden ließe wie das bei der Düse der Fall ist, und dennoch wäre es grundfalsch, wollte man fugen: sie spiele nur sich selbst. Nicht sich selbst, wohl aber das Weib in der ganzen Fülle der exotischen Möglichreiten. Ueber diese Sphäre hinaus existiert das Weib für frühester Zeit aufgekommen. Schon im kaiserlichen Rom gab es außer den Hebammen weibliche Aerzte, die als medicae und clinicae bezeichnet wurden. Der berühmte Naturforscher Plinius nennt sie oft, und sogar der große Meister der Heilkunde Galenus hat manchen ihrer Rezepte seine Anerkennung ausgesprochen. Nach dem römischen Recht stand der weibliche Arzt auf gleichem Fuße mit seinen männlichen Kollegen, und in der Nechtssprache konnte medicus sowohl männlich als weiblich verstanden werden. Im 11. Jahrhundert waren die Frauen von Salerno wegen ihrer medizinischen Gelehrsamkeit berühmt. Ein weiblicher Magister Namens Trotula veröffentlichte zahlreiche Abhandlungen über Fragen aus fast dem ganzen Gebiet der Heilkunde. Eine Dame Namens Mercuriada schrieb über Fieber, Rebecca Guarna und .die emanzipierte Abella schrieben wissenschaftliche Gedichte und Abhandlungen. Im 16. Jahrhundert lehrte Alexandra Gigliani Anatomie an der Universität Bologna, und Laura Bassi erlangte 1731 an derselben Hochschule den Doktortitel. Vor 100 Jahren finden wir Anna Mazzolini als Fräulein Professor für Anatomie in Mailand und eine andere Dame als Vertreterin desselben Lehrfaches in Ferrara. Im Jahre 1842 hie^ Anna Maria delle Tonne Vorlesungen über Geburtshilfe in Bologna. Man sollte nach diesen ehrwürdigen Ueberlieferungen glauben, daß auch heute das ärztliche Studium unter den italienischen Frauen besonders gepflegt würde, aber dies ist im Verhältnis zu der umfassenden Gelegenheit, die dazu geboten ist, nicht der Fall. Die italienischen Universitäten, über 20 an der Zahl, stehen seit 22 Jahren den Frauen offen! In der ersten Zeit trat allerdings eine Periode der Begeisterung ein, in der eine große Zahl von Frauen in Rechtsknnde, Heilkunde und Philosophie sowie in den Schönen Künsten den Doktorgrad erwarb, dann aber trat eine Pause ein. Es stellte sich heraus, daß die Studien zu keinen praktischen Erfolgen führte-- Nach einer glänzenden akademischen Laufbahn in der Rechtskunde dürfte z. B. Signorina Lidia Poet ihren Beruf als Advokat nicht ausüben. Die weiblichen. Aerzte Hieben allerdings weit günstiger gestellt, undi konnten sich um alle Stellen bewerben, aber die italienische Frau von heute scheint für das aufreibende Studium der Medizin keine Liebhaberei mehr zu besitzen. Es giebt gegenwärtig in Italien kaum 140 weibliche Studenten der Medizin, also im Durchschnitt noch nicht sieben auf jeder Universität des Landes. Universität und Hochschule. — Berschiedeuesr Wie vcilauter, hat Professor Gustav Ruh- land, einer der Dozenten, der nach dem Exodus der reichsdeutschen Professoren an die römisch-katholische Universität in Freiburg in der Schweiz berufen wurde, die Osterferien dazu benutzt, um in Berlin die Zurücknahme der bekannten Verordnung zu erwirken, mit der ausgesprochen wurde, daß das schweizerische Freiburg niemals in Preußen als Universität anerkannt worden sei. Man hat allen Grund, anzunehmen, daß es Profeffor Ruhland, wenn er die Mission wirklich übernahm, in Berlin nicht gelungen ist, Gehör zu finden. — Man schreibt aus Zürich vom 28. ds.: An der hiesigen Hochschule sind nachstehende Themata zu neuen Preisaufgaben für das Jahr 1900/1901 gestellt worden, und zwar in den Staatswissenschaften: „Die Rechtsverhältnisse des Kirchengutes im Kanton Zürich von der Reformation bis zur Jetztzeit", in der Medizin: „In welchen akuten Krankheitszuständen darf nach unseren jetzigen Kenntnifien eine Verabreichung von Alkohol erfolgen?" Die Einlieferungsfrist schließt am 31. Dezember 1901. — Der o Profeffor der Philosophie an der Wiener Universität, Hofrat Dr. Ernest Mach, der vor zwei Jahren schwer erkrankte, ist wiederhergestellt und wird seine akademische Thätigkeit wieder aufnehmen. Kunst und Wissenschaft. München, 30. April. Ueber die Titelrechte der technischen Hochschulen hat sich Kultusminister Dr. v. Landmann in der Kammer bemerkenswert geäußert. Er sagte: Die technische Hochschule hält an dem Wunsch, daß die Verleihung des Promotionsrechtes an sie erfolgen möge, fest, und zwar in der Form, daß sie das Recht erhalte, den Titel: „D o k t o r d e r t e ch n i s ch e n Wissenschaften" zu verleihen; nur eventuell würde sie auch dem Dr. Jng. zustimmen können. Praktisch viel wichtiger als der Dr. Jng. oder der Doktortitel der „Diplom-Inge- Blickensderfer Schreibmaschine. Weitaus bestes System Höchste Auszeichnung: Chicago 1S93. Goldene Medaille: Solingen 18H Goldene Medaille: Mouline 1896. Goldene Medaille: Rouen 1896. Goldene Medaille: Omaha 1898. Kein Farbband, direkte Färbung. Automatische Herstellung der Wort-Zwischenräume. Unübertroffen schöne und klare stets sichtbare Schrift, auswechselbares Typenrad in diversen Schriften und Sprachen (deutsch, englisch, französisch, italienisch, spanisch, portugiesisch, dänisch, schwedisch, russisch, polnisch, czechisch, rumänisch, serbisch, griechisch etc.), unveränderliche Zeilengeradheit, einfachste unwei möblierte Zimmer zu ver-- mieten. Bleichstr. 16w II. 01854 3073] Die von dem Verein »Union“ 7 Jahre innegehabte Kneipe, 40—50 Per- onen faffenb, ist alsbalb zu vermieten. __________L. Yeidel, A«r Aaoaria. 01882] Ein neu hergerichtetes Vereins- zimmer für einen größeren Verein abzugeben.Postkeller. 3181 Fahnen, Mnknßche, Wappen etc. kauf- und leihweise abzugeben. Tb. Brick, LchWasi 16. Strohhutlack in allen Farben bei 8185 Aug. Noll, K»hvhofstr«ße 51. Günstige Gelegenheit für M)öbliertes Zimmer zu verm. 01873 «vl______Nordanlage 11, Hinterhaus. «IAöblierteS Zimmer zu vermieten. 01849] Ludwig-Platz 14. 01911] Einfach mööttertes Aimmer zu vermieten. Asterweg 9, Hintmh., links. ckQut möbliertes Zimmer zu vermieten. 3227 Löberstratze 19 III. /Lchön möbliertes Zimmer zu vermieten. 3196 Grabenstraße Neubau. übet 1.O1 2. w wt \* geladen. Gieße Der am Sonn 9onr. 8ohl" Sthtiät W ’ schult und LM M W au die «kl Hansen, i ßbigt 8n nn Messe bei re Ach dm Idtgiamm aus ralion Hami der Bum zu t MzuMit y Mgtn. Dn Thabanchu-Wn auSersehtn. § heiß MM OMne xm btm s gang et j abteilungen l'meS Feue haben, ihr düche $)Q: deuten, pesche, die Hamiltons valleriebchc Wen muß Ein L. ihre Posj und die Er gossen h, uudereSt w« btn Wt einiy Telegramm ^lvensörm AU von 18000 M ^hadauchu M Sihra^ Nundles Eberts m f'6r dritte '^««9 8=1 Oft' bi 2 8=M H X