150. Jahrgang Sonntag den ?. Dezember UMeßenerAnzeiger beigelrgl. Heneral-Anzeiger Aints- und 2lnzeigeblcrtt für den Ttveis Greszen Unternehmungsgeist damit ei« Werk wieder auferöffnen, deutscher Bezugspreis virrteljäbrl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Heute statt. Die müht sich creme. Alle Anzeigen-BermittlungSstellm de- In« und Au-lantzeO nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. ihäft in en m nimmt, das von der englischen Flagge nach mißlungenen Versuchen aufgegeben worden ist. — Die Arbeiten an der deutschen Bahn und in den Bergwerken von Schantung im Hinterlande von Kiautschou sind unter offiziellem chinesischem Schutz wieder ausgenommen worden. Auf Betreiben der deutschen Gesandtschaft hat Prlnz Tsching die Absetzung des Magistrats von Tschanglo wegen christenseindlicher Agitationen veranlaßt. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Ustkskunde._________________ ton Anzeigen zu der nachmittags für den Ifilgnrtni Lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abends vorher. Adresse für Depeschen: Anzeiger Ultimi Fernsprecher Nr. 51. Telegrairrrrre deS Gießener Anzeigers. London, 1. Dezember. Die „Times" meldet aus Schanghai: Die Expedition nach Kalgan hat eine Niederlage erlitten. Eine deutsche Abteilung, die sich isoliert befand, soll gezwungen worden sein, chre Toten und Verwundeten zurückzulassen. Petersburg, 1. Dezember. Gestern verbreitete sich hier ein, wie eS scheint, von der chinesischen Gesandtschaft ausgehendes Gerücht, in Peking sei volle Einigkeit zwischen den Forderungen der Mächte und den chinesischen Unterhändlern erzielt. Darnach stehe Deutschland, daS mit seinen allzu strengen Ansprüchen schließlich fast isolirt gewesen sei, nachdem auch England sich einer milderen Auffassung zuneigte, von der Forderung der Todesstrafe für die Prinzen ab. Die von den Gesandten als Urheber der Boxerbewegung bezeichneten Prinzen und Würdenträger würden für immer an entlegene Orte des Reiches verbannt und dürfen nie mehr ein öffentliches Amt bekleiden. Die Entschädigungsansprüche sollen vor eine internationale Kommission gebracht werden, die in Peking zusammentreten und eventuell in Jahr und Tag verhandeln soll. (Diese ganze Nachricht klingt ein wenig abenteuerlich.) — Die „Nowoje Wremja" läßt sich aus London melden, daß Feldmarschall Graf Walde',r° see telegraphisch angewiesen sei, keine weitere Expedition zu unternehmen. MMm, Expedition und Druckerei: Ich.l-r.tze Ar. 7. Wt 283 Zweites Blatt Die Volkszählung. Gießen, 1. Dezember. (Samstag) findet die allgemeine Volkszählung praktische Bedeutung derselben klarzulegen, dein einem Aufsatz Regierungsrat Dr. Friedrich ;-6escM ers preiswürdig: ganzer Zimmer, asst in div. Qua1; , Gobelins, Tuch SpitZeL Bände,, Ruschen. Bekanntmachung. In der Zeit vom 24. November bis 1. Dezember 1800 find in hiesiger Stadt: gefunden worden: 1 Arbeitsbeutel und 1 Schraubenzwinge. Die Empfangsberechtigten dieser Sachen belieben ihre Hechte alsbald hier geltend zu machen. Gieß en, den 1. Dezember 1900. Gwßherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Zahn. Eingehend legt er dar, wie dringend notwendig nicht nur zur Feststellung der Bevölkerungsziffer, überhaucht, sondern auch in Rücksicht auf die Bedürfnisse der Manzverwaltung, des Heerwesens, der Vertretung der einzelnen Gebiete und Orte in Selbstverwaltungskörpern, die Einteilung der Orte in Servisklassen, die Festsetzung desi Minimalgehalts der Beamten nalch der Einwohner- zah,l der Gemeinden, für das Münzwesen, für die Reichs- ^'werbeordnung und zahlreiche politische und volkswirt- lcl)ciftliche Untersuchungen die nächste Volkszählung sein ivivd. Vor allem aber beschäftigt die Volkszählung sich 'in gehend mit der Staatsangehörigkeit, Religion, Muttersprache, Gebürtigkeit und Militärzugehörigkeit, worüber »ei Aufsatz sich wie folgt äußert : Die Nachweise über Staatsangehörigkeit im Mammenhalt mit denen, die im Weg des Austausches von fteimden Staaten über die im Ausland vorhandenen Deut- ber deutsche Dampfer „Huischang" zum erstenmale die Reise nach Tschungking unternehmen und damit den regulären Dampfschiffahrtsverkehr auf dem Yangtse- kiang über die berühmten Stromschnellen oberhalb Jtschangs Dieses Ereignis ist um so bemerkenswerter, als aerh«nd8chQhe »Hygiene“ Bllllse Preise. Buren und Engländer. Ueber die Verfolgung De Wets wird von Reuter aus der Farm Helvetia (halbwegs zwischen Dewetsdorp und Smithfield) vom 27. November gemeldet: „Die Abteilung des Obersten Pilcher, die unter dem Oberkommando des Generals Knox mit der Abteilung des Obersten Barker zusammen operierte, hatte heute während der Verfolgung De Wets von Dewetsdorp aus ein kleines Gefecht mit den Buren. Der Gegner beschoß eine britische Batterie mit einem Fünf zehn Pfänder, der bei Dewetsdorp von den Buren erbeutet worden war. Die Buren waren augenscheinlich völlig überrascht. Präsident Steijn und De Wet brachen eilig nach Westen auf. Tie Engländer nahmen zwei Wagen mit Lebensmitteln und Kleidern weg, die zweifellos in Dewetsdorp erbeutet worden waren, desgleichen dreihundert herrenlos herumschweifende Pferde. Aus feiten der Engländer fiel ein Sergeant, und wurden sechs Mann verwundet. Verschiedene verwundete Buren wurden aufgefunden. Wie gemeldet wird, befindet sich das Lager De Wets und Steijns jetzt zwischen den Engländern und der Bahnlinie. Das englische Lager befindet sich 38 Kilometer nördlich von Smithfield, wohin, wie berichtet wird, die Buren marschieren wollten; aber das. heutige Gefecht hat anscheinend De Wets Kommando in drei Teile zerrissen. Die Garnison von Smithfield nimmt eine sehr gute Stellung auf den nördlichen Kopjes ein. Viele Farmer des Bezirks haben sich De Wet angeschlossen." Demnach scheint es thatsächljch, daß De Wet seine Marschrichtung verändert hat. Die Meldung ist übrigens nicht ohne Widersprüche; denn es ist nicht recht glaubhaft, daß die Buren überrascht worden sind, wenn sie mit dem einen Geschütz eine englische Batterie unter Feuer nehmen konnten. Dagegen spricht das Zurücklassen mehrerer Wagen dafür, daß die Buren bis zum äußersten stand hielten und sich dann erst — „in drei Teile zerrissen", die sich natürlich außerhalb des Gesichtskreises der Engländer alsbald wieder vereinigen werden — davon machten. Der moralische Erfolg von De Wets Operationen im Süden geht daraus hervor, daß sich ihm zahlreiche Farmer wieder angeschlossen haben. Auch sonst sind die Buren an der Arbeit. Zwischen Ladybrand und Thabanchu haben sie eine befestigte Linie eingerichtet, die sie nach Westen, also auf Bloemfontein zu, auszudehnen suchen. Selbst ins Gebiet der Kapkolonie sind sie wieder eingebrochen. Kommandant Bosman hat sich bei Phokwane im Bezirk Taungs festgesetzt und einen Polizeiposten aus Schaapfontein nach Taungs zurückgetrieben. Auch bei Vorder Siding nördlich von Fourteen Streams wurde ein Polizeiposten angegriffen. Zu alledem werden die holländischen Elemente in der Kapkolonie wieder unruhig. Englische Meldungen sprachen Ilhen erholt werden, ermöglichen ein, insbesondere in politischer Hinsicht, wichtiges Bild über die Ausländer in lemtschland und die Deutschen im Auslande. Bemerkt sei, daß im Jahre 1900 auch Oesterreich-Ungarn, Serbien ivcihrscheinlich auch Rumänien), die Schweiz, Dänemark, Lckiweden, Belgien, Portugal, die Vereinigten Staaten von Amerika, Mexiko, im Jahre 1901 Italien, Frankreich, Nor- Ez;cn, Großbritannien Volkszählungen veranstalten, und daß die Niederlande 1899, Spanien und Rußland 1897 solche vorgenommen haben. Eine wertvolle Ergänzung dazu sind die Daten über Geburtsort und Muttersprache, umsomehr, als sie in ihrer Art völlig neues liefern werden. Denn die Muttersprache wurde bisher nur für einzelne Bundesstaaten, von Reichswegen überhaupt noch nicht erhoben; man wird Anhaltspunkte bekommen über das Eindringen von Polen, Tschechen, Franzosen, Dänen, Norwegern, Italienern re. in Gebiete, wo sie noch nicht oder nur vereinzelt waren. Die für die kerfo^gung der inneren Wanderungen so wichtige irnge nach dem Geburtsort, die allerdings auch schon bei früheren Volkszählungen (1871, 1880, 1885) gestellt war, i'irb diesmal in ihrem Ergebnis mehr als früher ai^- lenützt, indem man für die verschiedenen Teile des Reichs larstellen wird, woher deren Bevölkerung stammt, und zivar mit Unterscheioung von verschiedenen Altersklassen (unter 16 Jahren, 16—30, 30—50, 50—70, 70 und mehr) Md unter näherer Spezialisierung der Herkunftsgebiete, bandelt es sich bei diesen letzteren Nachweisen um die, Feststellung, in welchem Maß' und in welcher Richtung definitive Abwanderungen sich vollziehen, so will eine andere, zum erstenmal von Reichswegen gestellte Frage ]i genaueren Aufschluß über die Beziehungen des Wohn-und bc£i Beschäftigungsortes erbringen. Es wird nämlich bei den Volkszählung auch gefragt nach der Gemeinde, in der der Wohnort (Familienwohnsitz verheirateter Personen) belegen ist, und nach der Gemeinde, in der der Berus zurzeit msgeübt wird, bezw. wo er zuletzt ausgeübt wurde. Die Ermittelung dieser Fälle, in denen der Ort der täglichen Beschäftigung vom Wohnort verschieden ist, hat besondere Dichtigkeit für die Verwaltungen der Großstädte und für jomstige Judustrieorte, die damit ihre wirtschaftlichen Be- m hunqen zu dem umliegenden Land klargelegt erhalten. Ti»e ausgearbeiteten Nachweise werden willkommene Unter- laaett Bieten für die Fragen über Verbesserung der kerkebrs und Wohnungsverhaltnisie. Ausdehnung der Nahversehrszonen und die x ü e u e r v c r s ch i e b n n g zwischen den Gemeinden und ft« Fragen über die sittlichen Verhältnisse der sink- luiierenden Bevölkerung. .. , ~ ..,f Der Nutzen, der auf diese Werse von der Volkszählung zu erwarten ist, erfährt noch dadurch eine Erweiterung, daß maan bei der Bearbeitung der Volkszählung ev nicht bei ien Feststellung der auf das Individuum bezüglichen ^.hat- süMen bewenden läßt, sondern auch die Haushaltung, ■ dieses unterste soziale Gebilde, belfer zur ®eltung bringt Wl, Umfang und Zusammensetzung der drei Artm von mushaltungen — Familien-, Einzel- und Anstaltshaus- M -VO# etc.__x sej?ice ” ’ im Biet'561 «t*1* ■ । fjir ßP . n kÄ0 qerVlce?' k^: 6 ?arben. lagen. D__ HE --- Hefert billig. HM R Iwl 0 Prospe" Haltungen wird ersichtlich werden. Insbesondere sollen die Familienhaushaltungen spezialisiert werden nach Haushaltungen mit 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11 und mehr Personen und für jede einzelne Gruppe neben der Zahl der Personen die Familienangehörigen im engeren Sinne, die häuslichen Dienstboten und sonstige Personen zum Nachweis gelangen. Auch sind Schritte eingeleitet, die darauf abzielen, gewisse Verhältnisse der Bevölkerung, Wohnungen und Grundstücke für einige Großstädte, z. B. Berlin, Frankfurt a. M., nicht bloß in Beschränkung auf das Weichl- bild der Stadt, sondern im Zusammenhang mit den Vororten, die mit ihnen ein wirtschaftliches und soziales Ganze bilden, festzustellen. Das betreffende Material wird für diese Fragen der Kommnnalverwaltung sich als zweckdienlich erweisen. . . , Im Interesse der Durchführung der Volkszählung ser noch darauf hingewiesen, daß nach ausdrücklicher Bundesratsvorschrift für die bei der Zählung über die Persönlichkeit des Einzelnen gewonnenen Nachrichten das Amtsgeheimnis verhängt ist. Alle diese Nachrichten dürfen nur zu statistischen Zusammenstellungen, nicht aber zu anderen Zwecken benutzt werden. Demgemäß werden die Daten über die einzelnen Personen weoer veröffentlicht, noch an andere Stellen hin, auch nicht an Behörden mitgeteilt. Die Hausverwaltungsverzeichnisse und Zählkarten werden nach beendigter Auszählung eingestampst.________________ Der Krieg in China. Es ist leider kein Zweifel mehr möglich, daß der Oberst G r a f Y o r k v. W a r t e n b u r g auf dem Rückmärsche von Kalgan durch Einatmen von Kohlenoxydgas während der Nacht erstickt ist. Damit hat ein preußischer Offizier sein Ende vorzeitig erreicht, der zu den tüchtigsten uild hervorragendsten Offizieren der Armee zählte. Ein Enkel des berühmten preußischen Feldmarschalls, hat eine rasche und glänzende Laufbahn im preußischen Generalstab zurückgelegt. Er galt als einer der gelehrtesten Offiziere, und sein zweibändiges Werk über Napoleon als Feldherr kann als mustergiltig bezeichnet werden. Noch vor Jahresfrist hat er eine Schrift herausgegeben, in der er das Vordringen der russischen Macht in Asien und die gegenseitigen Interessen und Aussichten Rußlands und Englands im Kampfe um Indien geistreich und überzeugend darlegte. Auch hat er 90 Bismarckbildnisse in einem Prachtwerke vereinigt, um auch für die äußere Erscheinung des ersten deutschen Reichskanzlers eine urkundlich sichere Grundlage der Nachwelt zu überliefern. Einen großen Teil seiner militärischen Dienstzeit hat Graf York im Auslande verbracht, indem er von 1885 bis 1888 als Generalstabsoffizier zur Botschaft in Wien und von 1888 bis 1892 zur Botschaft in Petersburg als Militärattache kommandiert war. Nachdem er dann kurze Zeit als etatsmäßiger Stabsoffizier im Leib-Mrassier-Regiment und als Kommandeur der 15. Ulanen in Straßburg Frontdienst gethan hatte, kehrte er 1896 in den Großen Generalstab, und zwar als Chef der ersten Abteilung zurück. Im August dieses Jahres wurde er als Generalstabsossizier dem Oberkommando in Ostasien beigegeben. Es war ihm noch be- schieden, die ihm unterstellten Truppen auf der jüngsten großen Expedition nach Kalgan zu führen. Jetzt hat ihn in so trauriger und beklagenswerter Weise im Schlafe der Tod erreicht. Graf York ragte an Körpergröße weit über den großen Haufen empor.. Er ist erst im Laufe dieses Sommers 50 Jahre alt geworden und war seit elf Jahren mit einer esth ländisch en Dame in kinderloser Ehe verheiratet. Seine Mutter ist die Tochter des früheren General-Direktors der königlichen Museen, v. Olfers. Graf Waldersee meldet vom 29. November: Die aus Kalgan zurückkehrenbe Kolonne setzt morgen unter bem Kommando des Generals Gayl den Rückweg von Tschatao fort. Der Gesundheitszustand der Expedition ist fortgesetzt gut. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Peking vom 29. November: Nach dem Tode des Grafen York übernahm bas Kommando über die deutsch-italienische Kolonne in Kalgan Oberstleutnant Salsa. Die Kolonne dürfte am 3. Dezember in Peking eintreffen. Der „ReichSanz." bringt Verlustliste Nr. 4. In dem Gefecht bei Tsekingkwan am 29. Oktober wurde Major v. Förster leichtverwundet und dreiSoldaten getötet. An Krankheiten sind gestorben: Hauptmann Henel v. Cronenthal und 22 Unteroffiziere und Mannschaften. Ein Kanonier wird vermißt. Man meldet aus Schanghai: Am 12. Dezember wirb sich sehr pessimistisch über die Lage dort aus. Man daß die Zeit noch nicht gekommen ist, den Krieg für beendigt zu erklären. — Wie „Daily Telegraph" erfährt, übernimmt Lord Kitchener den Oberbefehl über die Truppen in Südafrika. Von ihm erhofft man eine Aenderung der Dinge. Es wird sich bald zeigen, ob er diese Säöffnung rechtfertigt. Die Abteilung des Generals S e t t l e wurde am letzten Dienstag von 400 Buren unter dem Kommandanten Hertzog in der Nahe von Luckhosf angegriffen. Tie Feinde hatten eine starke Stellung eingenommen und wurden nach heftigem Kampfe daraus Vertrieben: Sie sollen schwere Verluste erlitten haben. Die englischen Verluste sind gering. Hertzog versucht eine Verbindung mit Te Wet herzustellen, welcher sich in der Nach-barschaft befinden soll. Eine vorläufige Versammlung des Ausschusses der Flüchtlinge aus Transvaal hat am letzten Dienstag in Kapstadt stattgehabt. Sir A. Milner fiihrte aus, daß sein letzter Besuch in Transvaal ihn zu der Ansicht bekehrte, daß es für die Ausländer noch nicht möglich sei, in genügender Anzahl, die Eingeborenen eingerechnet, nach Transvaal zurückzukehrcn, um die Geschäfte wieder aufnehmen zu können. Er sei der Ansicht, daß die gänzliche Wiederaufnahme der Geschäfte erfolgen könne, bevor die Ordnung allgemein wiederhergestellt sei, bäte aber dringend, die Leute möchten nicht zurückkehren, bevor man in der Lage sei, ihnen zu helfen. 300 Mann sind ins Lager von Worcester entsandt, wo der Afrikanderkongreß am 6. Dezember zusammenkommt. Lord Roderts verließ Johannesburg und reiste nach Turban ab und wird am 7. DezemlOr in Kapstadt erwartet, wo er sich einige Tage aufhalten wird. ♦ * • Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 1. Dezember. „Morning Leader" stellt zwei Thatsachen fest als Folgen des Sieges der Buren bei Dewetsdorp, zuerst, daß Lord Roberts nach Durban abgereist sei. Das sei ein eigentümlicher Weg, um nach Kapstadt zu gelangen und ein Beweis dafür, daß der direkte Weg nach Kapstadt unterbrochen fei, zweitens, daß Milner in seiner Ansprache den Ausländern keine Hoffnung gegeben hat, daß sie nach Transvaal zurückkehren können. London, 1. Dezember. Das Regiment der Londoner Freiwilligen, das bei seiner Rückkehr aus Transvaal Anlaß zu deck' bekannten Skandalen gegeben hatte, ist gestern aufgelöst worden. Paris, 1. Dezember. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, das die Vollziehung der in der Haager Konferenz abgeschloffenen Konvention zwischen Frankreich und den übrigen Mächten fordert. Diese Veröffentlichung gilt unter den gegenwärtigen Umständen als Vorläufer eines Vermittelungs-Vorschlages von Seiten Frankreichs wegen des südafrikanischen Konfliktes, der wahrscheinlich die Unterstützung Rußlands und anderer Mächte findet. — Die Abreise des englischen Botschafters wird mit dem Dekret über die Haager Friedensakte in Verbindung gebracht. Man vermutet, die englische Regierung habe Frankreich bereits um Intervention ersucht und sei geneigt, dem südafrikanischen Konflikte ein Ende zu machen. Kapstadt, 1. Dezember. Sämtliche Militärposten in der Kap Kolonie sind verstärkt worden. Ohm Krüger. Die „Franks. Ztg." meldet aus Paris vom 30. v. MtS.: Präsident Krüger empfing heute mittag den Besuch des Senatspräsidenten Falliäres, dem er um 1 Uhr einen Erwiderungsbesuch abstattete. Um 4 Uhr besuchte Krüger den Präsidenten Loubet und um 5 Uhr den Kammer- vrLsidenten Deschanel. Die Abreise Krügers nach Köln ist endgültig auf Samstag mittag festgesetzt. Krüger fährt mit dem Erpreßzuge vom Nordbahuhof ab. Auch der französische Senat nahm in seiner Sitzung emstimmig eine Resolution an, die Krüger Sympathie und Hochachtung ausdrückt. Neber die Ankunft Krügers in Berlin liegt noch keine bestimmte Nachricht vor. Richtig ist, daß Dr. Leyds die Ankunft für einen der ersten Tage der nächsten Woche anmeldete. Auf eine weitere Anfrage ist die Berliner Reise jedoch noch von dessen Gesundheitszustand abhängig gemacht worden. — An unterrichteter Stelle erfährt die „Post", daß die Meldung, cd fände zwischen Paris, Berlin und Livadia ein Depeschenwechsel statt betreffs einer Vermittelung Frank- Deutschlands und Rußlands in der südafrikanischen yrrage, jeder Begründung entbehrt. Ein Depeschenwechsel zwischen den Kabinetten finde freilich statt; doch beziehe sich oerselbe auf die Verhandlungen in Peking, denen bekanntlich ein Memungsaustauschzwischen oenMächten selbst folgte. —Ferner verlchtet das „B. T.", daß man bisher in den maßgebenden deutschen Krersen keine Veranlaffung hatte, der Frage näher zu treten, ob Krüger vom Reichskanzler oder gar vom San er empfangen werden wird. Es sei jedoch nach der Auffassung politischer Kreise zweifellos, daß wenn Krüger kommt, er nicht als Herr Krüger, sondern als -bet filbaftitanitoen Republiken kommt, unb selbst England müsse zugeben, daß man Krüger uoch beute »l« den Präsidenten bet sübasrikanischen Republiken be- trachten müffe. T-legrarsWe deS Gießener Auzeigers. Köln, 1. Dezember. Krüger trifft hier heute abend um 11 Uhr ein, und steigt im Dom-Hotel ab. Die Weiterreise erfolgt morgen 3.12 Uhr. Amsterdam, 1. Dezember. Es hat sich hier ein Komitee gebildet, bas Unterschriften sammelt, um die Königin Wilhelmine zu ersuchen, einen Kongreß einzuberufen, welcher Mittel und Wege ausfindig machen soll, um den südcrfti- konischen Krieg zu Ende zu führe« Haag, 1. Dezember. Während der gestrigen Budget- Beratung beglückwünschte der radikale Abg. Kerdijke unter dem Beifall des ganzen Hauses dem Minister des Auswärtigen wegen der Absendung deS Kriegsschiffes Gelderland. Brüssel, 1. Dezember. Von Berlin reift Krüger wahrscheinlich nach Wien und dann nach Petersburg. Der Dankbesuch bei der Königin Wilhelmine wird wegen der diplomatischen Unterhandlungen nicht vor dem 15. ds. erfolgen. Paris, 1. Dezember. Frau Eloff und Fräulein Guttmann begaben sich gestern Mittag nach dem Haag. Der Sekretär Van Hoeven trifft Sonntag Morgen in Berlin ein, um im dortigen Palast-Hotel alles für die Ankunft Krügers vorzubereiten und die Daten der wichtigsten Unterredungen festzustellen. 50 französische Delegierte begleiten Krüger bis zur Grenze. Kardinal Richard ordnet an, daß heute int Augenblick der Abreise Krügers die sogenannte Savoyarde, die größte Glocke der Sacre- Coeur-Kirche geläutet werde, zum Zeichen des Beginnes von Gebeten in allen Pariser Kirchen für das Seelenhell der in Transvaal gefallenen Buren und Freiwilligen sowie für die Genesung der Verwundeten. Präsident Loubet ließ sich von einem der Vertreter Frankreichs bei der Haager Konferenz Aufklärung darüber geben, welche Debatten in der Kommission der Annahme des § 3 voran- gingen, der vom Verlangen einer neutralen Macht nach Einberufung eines Schiedsgerichts handelt. Barcelona, 1. Dezember. Die Einwohner von Cata« Ionien haben gestern Krüger eine Sympathie-Adresse zu- gesandr. Wien, 1. Dezember. Im größten Saale der Stadt si -er bereits am 5. d. M. eine HuldigungSseier für d ■ e Buren statt, wobei man über ein Ehrengeschenk für Krüger schlüssig werden will. Der demokratische Verein in Trieft sandte an Krüger einrn telegraphischen Gruß. Deutsches Reich. Berlin, 29. November. Durch das Wolfffche Bureau ist gestern abend über die AudienzdeSReichstags- Präsidiums beim Kaiser folgendes offiziöse Commu- nigue verbreitet worden: Von zuständiger Seite wird festgestellt, daß die am Mittwoch von einem parlamentarischen Berichterstatter verbreiteten Mitteilungen über den Empfang des Neichs- tagspräsidiums beim Kaiser in allem Wesentlichen auf freier Erfindung beruhen. Ter Kaiser trug beim Empfange nicht Generalsuniform, sondern die Uniform der Gardes du Corps und hat im Gespräch mit den Herren nicht über Vorlagen gesprochen, die den Reichstag zurzeit beschäftigen, und das politische Gebiet überhaupt nicht gestreift. Der Kaiser hat mit den Herren über deren persönliche und heimatliche Verhältnisse gesprochen. Mit dem Präsidenten Grafen Ballestrem sprach der Monarch über dessen schlesische Besitzungen, dem Vizepräsidenten v. Frege gegenüber äußerte der Kaiser seine Freude darüber, daß das Befinden des Königs von Sachsen nunmehr besser sei, und mit dem Vizepräsidenten Büsing unterhielt der Kaiser sich über den jungen Großherzog von Mecklenburg-Schwerin. Ter Berichterstatter Dr. Hamburger, der die falsche Nachricht beim Kaiser an die Zeitungen gesandt hatte, ist aus dem Reichstag verwiesen worden. Wieder weiß ein Londoner Blatt von einer Reise des Kronprinzen an den englischen Hof zu berichten. Der Mitteilung zufolge werde der Kronprinz wahrscheinlich in der zweiten Tezemberwoch-e der Königin Viktoria und dem Prinzenpaar von Wales einen streng privaten, kurzen Familienbesuch abstatten. Alsdann dürfte ihn die Königin mit dem Hosenband-Orden dekorieren. Zu dem Rücktritt des Fürsten Münster meldet man aus Paris: Einem „Figaro"-Mitarbeiter sagte Fürst Münster: „Ich werde Paris nicht verlassen, ich habe es zu lieb, aber ich höre auf, Deutschlands Botschafter zu sein. Weshalb? Aus zwei Gründen: Einmal muß der Weise sich selbst zurückziehen, ehe man ihn beiseite schiebt, weil er zu nichts mehr gut ist; zweitens werde ich achtzig Jahre alt und muß meine Gesundheit pflegen. Nach der Weltausstellung, wo Frankreich und Deutschland sich ausgezeichnet vertragen haben, sehe ich das Friedenswerk, dem ich mich gewidmet, für beendigt an und halte den Augenblick für günstig, meinem Herrscher zu sagen: Nunc dimittis servum tuum, domine! Ich habe meine Pflicht gethan, und mein Herrscher hat geruht, mir wiederholt seine hohe Befriedigung zu bekunden. In zwei Monaten übergebe ich mein Amt meinem Nachfolger, der noch nicht ernannt ist. Ich werde also noch den Präsidenten der Republik zum neuen Jahre beglückwünschen können. Ich werde den Winter in Cannes und vielleicht Monte Carlo verbringen und häufig nach Paris und Südfrankreich zurückkehren. In Derneburg ist es im Winter zu kalt." Mehrere Blätter widmen dem Fürsten Münster Abschiedsgrüße. „Figaro" schließt den seiuigen: „Der deutsche Botschafter hat hier keine Sympathien zu erwecken gesucht; er möge aber wissen, daß unsere Achtung ihm niemals fehlte und daß sie ihm in seine Altersruhe folgt." — Bei der heuttgen R e i chs t a g s st ich w a h l im Kreise M e s e r i tz - B o m st wurden bisher insgesamt gezählt für den Kandidaten der Deutschen v. Gersdorff 9468, für den Polen Chrzanowski 8266 Stimmen. Die noch ausstehenden vier Bezirke müssen eine Mehrheit für von Gersdorff einbringen, sodaß der Wahlkreis den Deutschen erhalten bleiben dürste. Der Verein aller Tabakinteressenten für Berlin und Umgegend hat sich mit dem Neunuhr- schlu ß beschäftigt unb folgende Resolution angenommen: Die Versammlung spricht es als ihre Ueberzeugung aus, daß der seit dem 1. Oktober d. I. in Kraft getretene zwangsweise Neunuhrichluß auf die Spezialgeschäfte der Zigarren- und Tabakbranche einen schwer schädigenden Einfluß ausgeübt hat. Die Tabak- und Zigarrenhändler Berlins erklären sich einmütig «r aus Frankfurt a. M., der Provinzialdirektor von 0agtr< Dr. Gaßner aus Mainz, Generalk« ■ rankfurt, Generalmajor Freiherr "i J Von Worms waren dem RevifiousM । ______£_c____ _____re. ' ÖnMfl WO ’i ^''UQ 6 Ur An w iaubtityi R° Jlofcoutnmil Mari Die Musik tva 118. - Die Z mit Entschiedenheit gegen jede weitere schränkung der Erwerbsfreiheit und insbefond^> gegen die neuerlich von anderer Seite unternommn? Versuche, an Stelle des zwangsweisen Neunuhrschlus«! den zwangsweisen Schluß der (veschäste um 8 utir beizu führen. ' Jöten. ' I Minette nie Bäs* Stfe’«»1 s 4 HeSlfrnf" M'lt Ä h°t sjch ’S" Aftern ' .‘We : fr ferner9 ctl° '>2^erich? sie hie $w ,9efj 'h'tt 4 daß Scheck L iWllq )Q| Mo £ SS b" m*L wW,1 'Ptt» i« wf?' Dü- Menu mH SW Ausland. Loudon, 30. November. Wie „Daily Expreß" nul^ wirs die Regierung vorn Parlament einen Kredit >n. 6 Mill. Pfund für den Krieg in Südafrika und b>- Operationen in China beanspruchen. Paris, 1. Dezember. Nach der „France Militär beabsichtigt der Kriegsminister, einen dokumentarisch V, legten Gesamtbericht über den deutsch französische Krieg durch den Generalstab bearbeiten zu lasse. Das Werk soll Schritt für Schritt auf die Darstellung öd deutschen Generalstabs antworten. Der Kriegsmiuißk- richtet die Aufforderung zu Beiträgen an Kombattanten bt! Krieges, insbesondere an die Generale Villou, Sausßx Lewa!, Dubarail, an die Erben Mac MahonS, sowie ai alle Zeugen der Kriegsereignisse. — Kammer. In Beantwortung der JnterMWz Vigne über das Drama von Zinder erklärt der Mn minister, daß er in dieser Angelegenheit eine uutfafii> Untersuchung angeordnet habe. Boulet ließ sich nach Ermordung Klobbs in schmähliche Verwünschungen Frankreich aus. Boulet erklärte seinen Offizieren, daz c nichts bedauere und bereit sei, baß Vorgefallene nofynii zu thun. Er hätte einen Staatsstreich begangen UN wenn er in Paris wäre, würde er Herr von Frau! reich fein. (Langandauernde Unterbrechung.) Der Mich: gibt zu, daß von 150 Eingeborenen, die im Gefängn:i saßen, 23 erstickten. Der für die Vorkommniffe di: antwortliche Beamte fei der Fahrlässigkeit schuldig und l> Staatsanwaltschaft übergeben. Der Minister schließt j dem Hinweis daraus, daß man den Eingeborenen gec^ über eine Politik der Gerechtigkeit und Humanität befol« müsse. (Beifall.) Madrid, 30. November. Eine Rede Romero 9?oblM in den Cortes gegen die projektierte Heirat der Prinzess:: von Asturien macht großes Aufsehen. Der Redners^ u. a, die Königin Isabella sei dieser Verbindung fcinbM Schließlich verlangte er, daß die Hochzeit aufgeschoben wtiut bis der König großjährig sei. Seit Langem ist inbenSottü keine so kühne Sprache geführt worden. Prag, 30. November. Die StaatSanwalticha^ W gegen die verantwortlichen Redakteure der „Politik" un der „Katolicke Lifiy" Anklage wegen MajeftätSbc'.i: digung, weil diese Blätter die Ernennung des Oberlanbü gerichtS Präsidenten Wessely abfällig kritisiert hatten. Ti: Anklage wird damit motioiert, daß die Ernennung ein 1Y Allerhöchster Entschließung sei, die sich der öffentliche Kritik entziehe. (Wessely hat die deutsche Sprache üIi Gerichtssprache eingeführt. D. R.) Konstantinopel, 30. November. Der russische Botschaft: erhob bei der Pforte Protest gegen die Verhaftung armenischen Bischofs von Musch. — Der Marineminister bestellte bei der amerikanisch» Firma Cramp die Lieferung eines Kreuzers ncueftr Konstruktion. Livadia, 30. November. Der Kaiser verbracht bt gestrigen Tag und die vergangene Nacht sehr gut. DU Empfinden war befriedigend. Um neun Uhr abevbs w die Temperatur 36,4, der Puls 60. Heute morgro wat bi« Temperatur 35,8 der Puls 62. Newyork, 30. November. Eine Depesche aus Vcü paraiso meldet, daß der Kongreß von Bolivi a in gehriui-r Sitzung die Vorschläge Chilis verworfen hat. Der Stiei zwischen den beiden Mächten scheint unvermeidlich zu sm Die Einweihungsfeier der Eisenbahnbrück über den Rhein bei Worms. Worms a. Rh., 30. November 1900. Von Worms hatten sich eine kleine Anzahl gelabt»! Gäste eingefunden, und um 11.15 Uhr kam mittelst Rev sionSzug der Eisenbahn-Direktion Mainz der preußisci Eisenbahnminister Exzellenz v. Thielen, die Eiftnbahi direktionSpräsidenten Breitenbach aus Mainz und Thowo Rötjltt. SS wurden folg 1. SI, des MN Wgierunßt- uni Direktor Seifert; Mi b.c Ingenieure Steinei lerne Mt: Caissouu Das FrLhftück ti ! Sgl. Hoheit fuhr mitt ■ nieder nach Darnch ■ Areitenbach, Lreisrat mtifter nach der Bah Die Fein wird : bleiben._____________ Pr ^er Fenge Lindemann. 6: tsrmiüelungen in dolf Schneider ang Kerhällnis Schneide ßcuge desiätigt auf ij schon leit 20,wonnen und di-se zur B zahlunq der vereinbarten Vergütung, manchmal auch einer höheren, die an dem Abonnements» betrag geküizt werden sollte, bewogen, und zwar kurz nachdem er aus dem Zuchthaus entlassen worden war. Bei seiner Emlieferung in daS hiesige Provinzial-Arresthauü hat sich der Angeklagte als „Fr. Lange" eingetragen, wodurch er sich des Vergehens im Sinn des $ 271 deS Strafgesetzbuchs schuldig gemacht hat. Das Urteil lautet auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 2 Jahren 7 Monaten und spricht gleichzeitig dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren ab. — Als Berufungsinstanz entscheidet die Kammer in einer Sache wegen Forstfrevels gegen die Ad. Sieglinger Eheleute. Die Berufung drrsklben wird indessen ktzfiensällig verworfen. — Wegen Diebstahl einer Quantil». Heu aus einer Scheuer in Vilbel mittels Einbruchs Uüd Etnstetgens-ist der vorbestrafte Fuhrmann G. Muth und sein damaliger Taglöbner Fr. Ad. Kreiling in Anklagezustand versetzt worden. Beide sind geständig und c8 werden mildernde Umstände zugebilligt. Das Gericht erkannt gegen Muth aus eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten und gegen KretUng auf eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten. Tie U te^suchungshaft kommt für beide in Abzug. — Demnäkst haben sich die Frau Fr. Schäfer II., sowie ihr Vermieter, Karl Fr. Roth aus Ltch wegen fahrlässiger Brandstiftung zu verantworten. Die Ang'klaglen hatten eine nicht vorschriftsmäßig angelegte alte Obstdörre benutzt und einen Brand bervorgerusen; der Mitangeklagte bat daö nicht verhindert. Beide muffen mit einer Geldstrafe von je 25 Mk. büßen. Ans Stadt und Land. Gieße», 1. Dezember. * Schwvrgericht. Die Sitzungen des Schwurgerichts pro 4. Quartal 1900 nehmen am 3. Dezember ihren Anfang. .Es kommen folgende Sachen zur Verhandlung: 1. Montag den 3. Dezember, vormittags 9*/s Uhr, gegen Wilhelm Anklam aus Schlappe wegen Notzucht- verfuchs. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann; Verteidiger: Rechtsanwalt Wetdig. 2. Dienstag den 4. Dezember, vormittags 9 Uhr, gegen Heinrich La ch mann aus Ruppertsburg wegen Körperverletzung mit tätlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann; Verteidiger: Rechtsanw. Engifch. 3. Mittwoch den 5. Dezember, vormittags 9 Uhr, gegen Heinrich Römer III. aus Göbelnrod wegen Körperverletzung mit rötlichem Erfolg. Die Anklage vertritt Ober- Staatsanwalt Dr. Güngerich; Verteidiger: Rechtsanwalt Römh eld. 4. Donnerstag den 6. Dezember, vormittags 9 Uhr, gegen Otto Grünebaum aus Gießen wegen Meineids. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann; Verteidiger: Rechtsanwalt Grünewald. -n Fortgesetzter Unfug an den Straßenlaternen. In der Nacht vom 19. auf 20. November wurden abermals in der Ludwig st raße, in de: Garrenstraßc und auf dem Schif fenbergerweg 8 Richtungslaternen unbefugter Weise gelöscht, vom 20. auf den 21. November in der Garten- und Grünbergerstraße 6 Abendlaternen gelöscht, auf dem Schiffenbergerweg und in der Moltkeftraße wurden unbefugter Weise 2 Laternen wieder angezündet, vom 23. auf den 24. November wurden in der Weftanlage 4 Laternen angezündet, in der Schanzenstraße und in den Neuen Bauen 2 Nich- tungSlaternen gelöscht. Am 28. wurden in der Garten- straße 6 u nd in der Ludwig st raße sämtliche 19 Laternen vor 12 Uhr gelöscht! Am 29. November wurden in der Step haust raße 2 Laternen vorzeitig gelöscht und in der Kirchstraße 1 unbefugter Weise wieder angezündet. Wenn dieser Unfug so fort geht, wird es dem Gaswerk, dessen betreffendes Personal ohnehin bis in die spüle Nacht beschäftigt ist, nicht mehr möglich sein, ohne Anstellung weiterer Arbeitskräfte die Straßenbeleuchtung angemessen in Stand zu halten. Daß durch jede unbefugte Hantierung an den Laternen, durch Hinaufklettern und Hinaufspringen, bezw. darauf losschlagen auf den Hahnen u. s. w. die empfi ndlichen und teueren Glühkörper unbrauchbar gemacht werden, ist einleuchtend: so wurden durch die oben bezeichneten Falle allein etwa 50 Glühkörper zertrümmert, abgesehen von einigen Tagen Arbeitszeit, welche mit der Herstellung dieser mutwilligen Zerstörung verbunden ist. (Es ist bedauerlich, daß unsere Nachtpolizei diesem Dummenjungen- Unfug gegenüber machtlos zu sein scheint. Noch bedauerlicher aber ist es, daß junge Herrlein so — keck sind, in öffentlichen Lokalen vor ihren Kommilitonen mit derartigen Heldenthaten zu rühmen! D. Red.) *' Eine neue Ansichtspostkarte wurde uns heute auf den Redaktionstisch gelegt. Sie zeigt in fünffarbigem Druck und schmucker Ausführung die psychiatrische Klinik. -j- KleinLinden, 30. November. Seit dem 15. d. M. hat der seitherige Postverkehr für die Orte Klein Linden, Mendorf a. d. Lahn und Lützellinden eine wesentliche Veränderung erfahren. Wahrend früher die Post nachmittags 4 Uhr von hier nach Gießen abging, kommt sie jetzt erst um 4% Uhr hier an, wo sie mit einem von Gießen kommenden Postwagen zufammentrifft. Wie man hört, wllen nach einer neuen Bestimmung die Pferde nicht über 30 Km. täglich zurücklegen. Der Postwagen von Gießen bringt jetzt die Sachen schon um 4>/3 Uhr, wahrend früher die Landpost auch nachmittags nach Gießen fuhr und erst nm V27 Uhr zurückkehrte. Diese Neueinrichtung werden manche Geschäftsleute übel empfinden, denn die Briefe, die nachmittags in Gießen eintreffen und früher noch hierher gelangten, werden jetzt erst den folgenden Vormittag bestellt. K- Düdelsheim, 30. November. Gestern Abend gegen 5 Uhr brannte dahier eine Scheuer und ein Stall nieder. Mainz, 30. November. Gelegentlich der Wiede.'r - Verpachtung der hiesigen „ Stadthalle" an den Mainzer Karnevalverein wurde in Der Stadtverordnetenversammlung von einigen Stadlvätern über den Karneval gründlich losgezogen und derselbe als wirtschaftlicher Nachteil für die Stadt und viele Deren Bürger bezeichnet. Einer der Karuevalsgcguer ging soweit, zu behaupt«.», daß der Karneval die Schuld daran trage, daß Mainz in seiner wirtschaftlichen Entwickelung zurückbleibe und von den Nachbarstädten überflügelt werde, indem man hier nut Zeit und Luft für Karneval habe. Dr. Rautert ließ sich in seinem Eifer gegen den Karneval soweit hinreißen, daß er in seinen Ausführungen von dem Oberbürgermeister mit dem Bemerken unterbrochen wurde, wenn er denn Mainz absolut verkleinern wolle, möge er warten bis zu dem nicht öffentlichen Teil der Sitzung. Neben Dr. Ranieri wendete sich auch noch ein Führer der Sozialdemokraten gegen den Karneval. Die Schlußabstimmung beweist, daß sich die Anschauungen über den Karneval bei vielen gegen früher sehr geändert hat, indem der Antrag, die Miete für die „Stadthalle" dem Karnevalsverein um 2000 Mark zu ermäßigen, eine Stimmengleichheit in der Stadtverordnetenversammlung erhielt und erst die Stimme des Oberbürgermeisters ausschlaggebend für den Antrag war. DaS eine dürfen die Stadtverordneten, die ihre Stimme gegen den Karneval erhoben haben, versichert sein, daß ihre Namen bei der bevorstehenden Karnevalssaison von allen Karnevalstribünen fortgesetzt in allen möglichen Variationen vernehmbar sein werden. Berlin, 30. November. 4’,*/e Deutsche Grundschuld-Bank 1 u. 2 1 lityntia zu hören. v Frau Krüger vermietet an Mädchen und hat auch 5r^err v r0Lett f011' Li t Lullis eine zeitlang bei sich beherbergt. Diese habe «♦flhtütiv . l.,> 1|)C n|e bCn N^men Sternberg genannt, sondern ver- siMdeme Vermutungen gehabt, wer der Maler sei, der 31/,Konsols . 3 a/o do BVe'/o Hessen 5 n/c Italien. Rente 4 00 Griech. Monop 3% Portugiesen 3 0/ v Mexikaner . 4V»c/i Chinesen . Eße*1 ich. DtrbsirpiL .,e »ti-. : QnbeTer 6eiteUllb ’W 6 bEt Kunst Md Wissenschaft. — In Paris ist der englische Schriftsteller Oskar Wilde gestorben. (Wilde ist in Deutschland weniger durch seine Schriften, als vor ein paar Jahren durch einen sensationellen Sittlichkeitsprozeß bekannt geworden. D. Red.) rohes Aussehen. Dtt R'. lla sei dieser Lnbindm daß die Hochzeit Liegest sei. Seit Langem ist geführt worden. r. Die SlaalSb^'- en Redakteure *■' nkloge ter pfiffig tigert b°Uu M daß die tawgr fii, dir fW) btrj^' tyü dir deutsche M . D. R.) Zunder. Der rvWW ölest gegen die Lethesiu- >on Müsch. ister bestellte bei mt »•’ ttung eines SreBjtt? Kandel und Uerkrhr. Volkswirtschaft. Atester», 2. Dezember. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochemnarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 1.00—1.20, Hühnereie! per St. 7-9 2 St. 0ü-00 Enteneier 2 St. 00—16 H, Gäm> eier per St. 00—00 Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 5—6 Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 34 Tauben per Paar 0.60—0.90, Hühner per St. JL 0.90—1.30, Hahnen per Stück »Ä 0.65—l.Ou, Enten per St. 2.00—2.20, Gänse per Pfund «« 0.46—0.56, Ochsensteffch ver Pfd. 68—74^, Kuh- und Rindfieisch per Pfd. 82—64 4 Schwemefieisch per Pfd. 60—70 4, Schweine, fleisch gesalzen, per Pfd. 74 H, Kalbfieisch per Pfd. 64—66 HantMt-istnsch per Pfd. 60—70 H, Kartoffeln per 100 K»lo 6.00 bi^ 5.50 Ji, Weißtraut per St. 00—00, Zwiebeln per -tr. 6.00—0.0«, Mich per Liter 18 chflhrinen tann. Gerichtsarzt Dr. Puppe soll vernommen rotrixtti, ob er nach der Schilderung die Ansicht desselben Maligen kann. Vors.: Wenn Luppa den Mut und k? straft hatte, nach London zu gehen, so wird er auch i Kit Kraft gehabt haben, vor Gericht zu erscheinen und '. mzu teilen, daß er krank sei. Es ist für den Gerichtshof lsch kränkend, daß die Verteidigung Anträge stellt, von i tonen sie sich sagen muß, daß fünf Richter unmöglich ikntiiuf eingehen können, wenn sie sich nicht lächerlich > puchen wollen. Rechtsanwalt FuchsI: Tie Verteidigung f teilt nur Anträge, die im Gegensatz begründet sind und 1 teilt, ihrer Ansicht unbedingt notwendig sind. Vor s. Stau uns die Verteidigung sagen, warum Luppa gerade 1 indi En gland gegangen ist, das nicht ausliefert nnb an dessen Küste Margarethe Fischer demnächst er> rtottei wird? R.-A. Fuchs I kann darüber keine Aus- der Name Sternberg genannt wurde, habe die Callis qitiW daß sie nun auch wisse, wer der Maler sei. rrrmu Stabs hat sich auf Ersuchen des Wolf diesem gegen «ntqelt zur Verfügung gestellt, um Mädchen, deren Aus- ita iur Sache wickKg wären, zu ermitteln. Wie die vfeinim bekundet, habe die Callis zu ihr gesagt, sie habe nnl Sternberg nie etwas zu thun gehabt Frau Stabs e-tfiart ferner, daß sie dem Mädchen gesagt habe, sie schlle aufs Gericht gehen. Sie habe die Mädchen nur «MWt, die Wahrheit zu sagen. Bors.: Es rst.merk- «nirbiig, daß in diesem Prozeß leber denkt, day alle ki tzie Unwahrheit sagen. L -U. Fuchs I verliest hieraus den formulierten A n- t--,,.. der darauf hinausgeht. über dre rn dem Artikel bli-i „Ztaatsb. Vg." berührten Vorgänge auch den Ober- gfeomhx® Dr. Jsenbiel. den Rechtsanwalt Dr »^rntomer, Frk. Platho und Frau u. Grafe zeugeneidlrch KH temnehmen. (Fortsetzung folgt.) 4% do. 3. 5/.< unk. b. 1904 31/s 3/o do. 8. 7/8, unk. b. 1906 4'/o D. Hyp.-Bank (Berlin) 8. 10 unk. 1908 3V*°/o do. unk. 1905 4 0/c Preuss. Hyp*-A.-Bank 8. 8-12 4 0/o ' * "" <°/° 3* 2 °/e 31/i% 1 1 ®rit9 in r ? Generale Billon r .^bkn Mac Mahons ' lgu'sse. Seantmortung der Intet h Mw eine t labt. $ou|[t liej etllMt feine« LWe«. Ki, das Borgefallene i 1 Staatsstreich beca: toutbe er Herr von ndeUntttbrechung.) ^geborenen, die im Der für die LoikoM-' er Fahrlässigkeit schul-, leben. Der Minister ifl man den Bingebortct: redjtigteit und §nmaniia: der. Eine Rede Simm i. »er. D-- jetgangtne MtW qenb. U« ® n$el«60. $i‘“ mot« ei« Di»«' »greß - Hraf $• jiiiii Koche einmal aus Frankfurt a. O. komme. Erst als ■ und stieg dt-e.^itnngsartikel über die Fischer erschienen, und darin TlU018 Aeh- *6*2^8 «SKT Telephonischer Kursbericht, Frankfurt, den 1. Dezember. . 30. L Äff" -- lenz v' L Mainzut d e bet $roü,n5 äfiaini, & Üff8 habe die Ä ,lima6 «im- und srnu & Harpener . Tendenz: fest. do. do. 8. 15-18 unk. b. 1900 8. 19-20, unk. b. 1905 do. 8. 13, 14| do» 8. 21, 22, unk. b. 1906 M Ak nach ll. zu verk. Zu erfr. imCigurrengesch. Svingarn, Seltersw. 37. Sonntagsverein für Mädchen. 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