Rr. 151 Zweites Blatt Sonntag den 1. Juli 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Llle Lnzeigru-BrrmittlungSstellen M In- un> ÄuSloiM «hmm Auzeigm für bett Gießener Anzeiger entgeht*. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwSrtS 20 Pfg. Nezngspreis vierteljährl. Mk. 2I» monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholeßcll«« vierteljährl. Mk. l,9f monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl mit Bestellgeld. We*e|*e »** Anzeigen zu der nachmittags für bei faxenden Teg erfchein enden 9 hi Himer dis Bonn. 10 Nhr. »gelungen spätestens ad«dS vorher. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener MnmiltenSlStler •erben dem Anzeiger im Wechsel mit „Heff. Snndwirt^ ». Matter Mr heff. Volkskunde" rvgchtl. 4 mal beigelegt. Amts- und Anzeigeblatt fiiv den Neeis Gietzen. »**We, Uxpedition und Druckerei: -chnlßrnße Mr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Uslksknude. «dreffe für Depeschen: Anzeiger chistzs». Fernsprecher Nr. 51. Die Wirren in China. Der deutsche Konsul in Tschisu meldet unterm 28. Juni: „Seymour ist befreit. Jede nähere Nachricht, auch darüber, ob die Gesandten bet ihm sind, fehlt. Die Eisenbahnverbindung mit Taku ist noch gefährdet. Die letzte Strecke bis Timtstn, 12 Kilometer Landweg, ist nur für größere Abteilungen passierbar. 15 geflüchtete Ingenieure find heute von hier zur Wiederherstellung der ganzen Strecke nach Taku gegangen. Die Beschießung von Tientsin von der westlichen Seite dauert fort. Die chinesischen Geschosse explodieren schlecht. Von den Einwohnern find angeblich drei getötet oder verwundet. Die frühem Angaben über Zerstörungen in der englischen Niederlassung, wo die meisten Deutschen wohnen, scheinen übertrieben zu sein." Trotz dieser Nachricht und der gestern von uns veröffentlichten Depesche, daß Seymour bedaure, die Befreiung der Gesandten nicht erreicht zu haben, hält das Berliner Auswärtige Amt an der Ansicht fest, daß die Gesandten sich bei dem Landungskorps in Sicherheit befinden. Es wird von zuständiger Seite daraus hingewiesen, daß der Chef des deutschen Kreuzergeschwaders, Kontreadmiral Bendemann, wenn er etwa falsch berichtet worden wäre, seine dienstliche Meldung sofort richtig gestellt hätte, was bisher nicht ge» schehen ist, obgleich bereits ein weiteres Telegramm von ihm eingetroffen ist. Soweit heute anderweitige Meldungen über den Verbleib des diplomatischen Korps vorliegen, ist als einziger verläßlicher Punkt die Angabe zu entnehmen, daß den Gesandten am 19. Juni vom Tsung-li Damen ihre Pässe zugestellt wurden, wa- natürlich gleichbedeutend ist mit dem Abbruch aller diplomatischen Beziehungen. Die chinesischen Provinzialbeamten versichern nach wie vor, sie seien in Sicherheit. So hat der Vizekönig in Nanking, Liukunyi, noch in diesen Tagen dem stellvertretenden englischen Konsul in Shanghai telegraphisch mitgeteilt, er habe die solgende kaiserliche Kundmachung erhalten: „Die fremden Gesandtschaften in Peking genießen fortdauernd, wie gebräuchlich, jeden Schutz der kaiserlichen Regierung. Es ist jedoch nicht hinzugefügt, wann diese kaiserliche Kundgebung in Peking abgegangen ist; war das vor dem 19. Juni, so ist sie, wenn man ihr sonst auch Glauben bei- meffen wollte, wertlos; ist sie aber später abgegangen, also zu einer Zeit, wo die Gesandten laut Aufforderung der chinesischen Regierung Peking verlassen haben mußten, so ist und bleibt unverständlich, weshalb die chinesische Regierung es den Gesandten, wenn diese wohlauf und in Sicherheit waren, nicht ermöglicht, ihren Regierungen selbst ein Lebenszeichen zukommcn zu lasten. „Daily Telegraph" meldet aus Washington, dort sei ein Telegramm eingelaufen, daß die fremden Gesandten nicht bei Seymours Truppen seien. — Von englischer Seite wird aus Grund einer angeblich amtlichen chinesischen Meldung behauptet, die Gesandten befänden sich noch in Peking und seien unversehrt. — Auch ein heute in Berlin eingetroffenes amtliches Telegramm enthält nichts, was darauf hindeuten könnte, daß sich die Gesandten bei Seymour befinden. Das Auswärtige Amt in London erhielt eine, aus die dem Tientsiner Zolltaotai aus Peking zugekommene Meldung sich gründende Nachricht, daß die Gesandtschaften noch in Peking seien. Weiter berichtet das Reuter'sche Bureau: Admiral Kempff meldet aus Tschisu vom 29. d. M., daß die von Seymours befehligt? Expedition mit 200 Kranken und Verwundeten sich in Tientsin banden. Die Gesandten, sowie die in Peking lebenden Ausländer seien nicht bei ihm, auch lägen keine Nachrichten von ihnen vor. Nach einer Meldung aus London verlautet aus guter chinesischer Quelle, daß die chinesische Regierung über die fremden Kriegsvorbereitungen beunruhigt sei, und ein Edikt erließ, worin die schleunigste Unterdrückung des Boxeraufstandes befohlen und der Beschluß kundgegeben wird, die Gesandtschaften aus alle Fälle zu schützen. * * Nach einem in Shanghai veröffentlichten Dekret wurde am 16.Juni der kaiserliche Palast in Peking niedergebrannt. In dem Dekret heißt es weiter, daß Wachen an den Stadtthoren aufgestellt wurden, um die kaiserliche Person gegen Angriffe der Boxer sicher zu stellen. Man hat die Empfindung, als ob auch diese „kaiserliche Kundgebung" nur ein Glied in einer Kette von Erfindungen sei, die jetzt ersonnen werden, um die chinesische Regierung zu entlasten, und ihre Schuld zu verkleinern. Indessen, es hat keinen Zweck, sich in Vermutungen über die Ereignisse in Peking zu verlieren, und man muß sich gedulden, bis zuverlässige Nachrichten eintreffen. In der Zwischenzeit braucht man die Hoffnung nicht auszugeben, daß die Befürchtungen über das Schicksal der Gesandten, die täglich durch allerlei Tatarennachrichten genährt werden, ebenso übertrieben sind, wie es die Sorge um das Leben der Ausländer in Tientsin war. Die Geschütze der Chinesen scheinen in der dortigen Fremdenstadt ebensowenig Schaden angerichtet zu haben, wie die Kanonen der Buren in Ladysmith und Kimberley. Admiral Seymour weilt jetzt mit der Entsatztruppe für Peking in Tientsin, sodaß die dortige Besatzung stark genug ist, allen Möglichkeiten die Stirn zu bieten. Auch seine Verluste scheinen nicht so schwer zu sein, wie vor einigen Tagen angegeben wurde; er hatte, wie im Londoner Unter- Hause mitgeteilt wurde, kurz bevor der Entsatz ankam, 40 Tote und 70 Verwundete. Für den Vormarsch der verbündeten Truppen auf Peking ist es wichtig, durch eine Meldung der Daily News aus Weihaiwei vom 27. zu erfahren, daß die Bahnlinie bis 12 Kilometer nördlich von Tientsin, also etwa bis Peitsang, wo Seymour, in einem kleinen Arsenal verschanzt, das Hilfskorps aus Tientsin erwartet haben soll, fahrbar, darüber hinaus aber zerstört sei. Ueber die Stärke der Streitkräfte, über die die Mächte zurzeit verfügen, teilt Admiral Kempff in einem Telegramm aus Tschisu vom 28. mit, es befänden sich jetzt ungefähr 12 000 Mann fremder Truppen an Land. Die nach China entsandten Mannschaften sollten sich in Taku anstatt in Tschifu melden. — Bon Paris aus wird offiziell die Einigkeit der Mächte betreffs China bestätigt. Das internationale Heer wird auf 80 000 Mann gebracht werden und zwar werden Rußland und Japan je 12 000, England 10 000, Frankreich 8000 und die übrigen Mächte je 5000 Mann stellen. Das sibirische Armeekorps wird nur im äußersten Falle in China einrücken. Ueber die Befreiung Seymours wird aus London telegraphiert: Oberst Dorwald, der Kommandeur der Entsatzarmee, traf die Seymour'sche Abteilung bei Losa. Es gelang ihm, die sie umzingelnden Chinesen! nach schwerem Kampfe zu vertreiben. Seymours Leute befanden sich in kläglicher Verfassung. Sie hatten 15 Tage lang beständig gekämpft, dabei unter dem Mangel an Lebensmitteln ungemein gelitten. Die Kolonie war nun ein kleines Stück über Lofa hinaus gelangt, als Seymour die Nutzlosigkeit jedes Versuchs eines nördlichen Vorstoßes durch die in vielfacher! Uebermacht den Weg versperrenden chinesischen Horden einsah. Er wollte deshalb nach Tientsin zurückkehren, um Verstärkung zu holen, dabei stieß er auf eine starke chinesische Armee, die von Nordwesten aus heranzog und ihm! den Rückweg versperrte. Er beschloß, sich an Ort und, Stelle zu verschanzen und auszuhalten, bis Entsatz käme. Die Leiden von Seymours Truppen verschlimmerten sich täglich. Die Abteilung litt nicht nur unter Nahrungsimangel, sondern besonders auch durch schlechtes Wasser, wodurch beinahe alle erkrankten. Auch die Munition ging aus, als man 15 Kilometer von Tientsin eintraf. Als man endlich die heliographische Verbindung mit der Stadt bewerkstelligte, waren die Truppen vollständig erschöpft. Aus unterwegs eingebrachten chinesischen Gefangenen waren keine zuverlässigen Nachrichten über Peking! herausAubringen; die Chinesen glaubten, die Heere aller fremden Völker geschlagen zu haben und bewiesen Seymours Truppen gegenüber eine fanatische Tapferkeit. Der Rest von Seymours Abteilung ist mit den Entsatztruppen auf Peking weiter marschiert. Die russische Abteilung von 4000 Mann, die Tientsin vier Tage nach Seymour verlassen, ist nicht mit dem Admiral zusammengetroffen, letzterer hat auch nichts über ihren Marsch vernommen. Nach einer Meldung des Expreß aus Shanghai lief dort in chinesischen amtlichen Kreisen die Nachricht ein, ganz Nordchina, von der Mandschurei bis zur Halbinsel Liaotung und Port Arthur, sei gegen Rußland aufgestanden, das militärische Ansehen Rußlands sei vollständig zerstört. Ein weiteres Telegramm meldet, daß die Armee des Generals Nieh am Montag das Fr em den viertel in Tientsin nochmals an griff und dasselbe aufs neue bombardierte. Als dieses Telegramm abging, dauerte das Bombardement noch fort. Das ist wohl nichts als eine Wiederholung der obigen Nachricht des deutschen Konsuls in Tschifu. — Die Engländer haben beim Kampfe um Tientsin 4 Tote und 47 Verwundete gehabt. Eine beruhigende Nachricht aus Schantung verbreitet die „Times". Aus Shanghai wird dem Blatte vom 28. gemeldet: „Glaubwürdigen Erkundigungen aus Schantung zufolge unterhält der Gouverneur Yuan- fchikai freundlichste Be Ziehungen zu den fremden Beamten und steht den Mifsionsanstalten nach bestem Vermögen bei. Von den zahlreichen Boten, die der Gouverneur kürzlich nach Peking gesandt hat, soll keiner zurück- gekehrt sein." General Yuanfchikai hat also dem Rufe der Kaiserin nach Peking offenbar nicht Folge geleistet; so lange er mit seinen gut geschulten Truppen bei seiner fremdenfreundlichen Haltung beharrt, dürften die in den letzten Tagen aus Schantung gemeldeten Ausbrüche des Fanatismus gegen die Missionare vereinzelte Erscheinungen bleiben. Dagegen scheint unter den Chinesen Shanghais die Panik weiter um sich zu greifen, derselbe Berichterstatter telegraphiert von dort: „Die Chinesen verlassen scharenweise Shanghai, eine unvernünftige Panik veranlaßt die Eingeborenen, nach ihren Geburtsorten zurüc^ukehren; so kommt es, daß während viele hier ihre Zuflucht suchen, andere hingegen sich nach Kanton und! Ningpo begeben." Im französischen Ministerrat teilte der Minister des Auswärtigen, Delcasse, mit, daß die Franzosen und übrigen Europäer Mnnanfu am 24. Juni verlassen und sich am 27. in Tunghai, auf dem halben Wege nach Tong- king, befunden hätten. (Tunghai liegt auf dem ersten Drittel des Weges von Wnnanfu bis zur Grenze Tong- kings.) Der Vizekönig von Mnnan ließ die Rädelsführer der Aufständischen gegen die Fremden in Mnnan enthaupten. — Die französische Regierung wird, um den Nachrichtendienst der französischen Truppen in China zu erleichtern, eine Abteilung für den Dienst mit optischen Telegraphen diesen Truppen beigeben. Die Abteilung wird bestehen aus 25 Gemeinen, 3 Korporälen und 1 Sergeanten. Sie geht heute (Samstag) mit dem Dampfer Nive gleichzeitig mit den anderen Truppen ab. Arn 4. Juli werden von Toulon aus die Schiffe Colombo und Uruguay weitere Truppen pach China befördern. — Das Pariser „Journal" veröffentlicht eine Depesche aus Brest, wonach der französische Kreuzer „Dentrecasteaux", der sich' gegenwärtig in China befindet, gesunken fei. Das französische Marineministerium hat über den Vorgang keinerlei Nachricht und hält die Nachricht für unrichtig. Die „9?ew Mrk Tribüne" meldet aus Washington: Kontre-Admiral Remey wird voraussichtlich am Sonntag Admiral Kempfs im Kommando ablösen und ihn nach! Nagasaki oder Tschifu schicken. Die Frage der Nichtbeteiligung Kempffs an dem Angriffe auf die Takuforts wird, wie es heißt, unterftlcht werden, wenn die Lage die Einleitung des Untersuchungs- Verfahrens gestattet. Aus Mkohama wird der „Times" vom 28. gemeldet: „Die in Japan lebenden Chinesen richteten an die japanische Regierung die Bitte, sie möge ihren Einfluss geltend machen, um die fremden Mächte zu veranlassen, den Kaiser von China wieder einzusetzen und die Hauptstadt nach dem Süden zu verlegen. Dies seien die einzigen Mittel, um die Ruhe wiederherzustellen und Reformen in China einzuführen." Japan ist das Hauptquartier der aus China geflüchteten Mitglieder der Reformpartei des Kaisers Kuangsü. Sie unterhalten enge Fühlupa mit den die Reformen in China begünstigenden Engländern, die in ihrer Presse ebenfalls die Verlegung der Hauptstadt Chinas nach Nanking, an den Mngtse, also, in den von England beanspruchten Jnteressenbezirk und in den Bereich der britischen Kriegsschiffe befürworten. Da Rußland und auch andere Mächte in eine solche Verschiebung der Machtverteilung in China schwerlich willigen werden, so wäre es verständiger, derartige Spekulationen aüs dem Spiel zu lassen, so lange es sich lediglich um das gemeinsame Interesse aller handelt, das Leben der Aus-, länder in China zu retten. — Nach einer anderen Meldung erneuerte die japanische Regierung bei den Mächten den Vorschlag, zur Regelung der chinesischen Frage eine Konferenz einzuberufen. Der deutsche Geschwaderchef telegraphiert: Die Ex-? peditionskorps sind nach Tientsin zurückgekehrt. Die Anstrengungen waren außerordentlich, die Leistungen unserer Leute vorzüglich. Gefallen sind Kapitän Buchholz, die Matrosen Lausten, Zimmermann und Appermann von der „Kaiserin Augusta", Baatz von der „Hertha", Goedicke, Riek, Viner, Herbst, Bading und Feddermann von der „Hansa". Schwerverwun- d e t sind: Kapitänleutnant Schlieper, die Oberleutnants Krohn und Lustig, Leutnant Pfeiffer und der Obersanitätsmaat Burmann von der „Hansa", Matrose Gräfe von bet „Hertha", Heizer Otto von der „Gefion". Leichtverwundet sind Kapitän Usedom und Oberleutnant Zerssen. Der Gesundheitszustand ist gut. Von den Gesandten liegen keine Nachrichten vor. Die Expedition kehrte bei Langfang um; sie war nicht in Peking. lieber die Verwundungen berichtet das Telegramm des Chefs des Kreuzergeschwaders, Vice-Admiral Bende- mann, folgendes: Kapitän-Leutnant Schlieper Schußsrac- tur am Unterschenkel, Oberleutnant Krohn Shrapnellschuss in linkes Auge, Oberleutnant Lustig Lungenschuß, Leutnant Pfeiffer Ellenbogenschuß, Obersanitätsmaat Burmann von der „Hansa", Matrose Gräfe von der „Hertha" und Heizer Otto von „Gefion" leicht verwundet, Kapitän Usedom und Oberleutnant Zerßen ganz leicht verwundet. Wie man aus Kiel meldet, ist der deutsche Kreuzer „Fürst Bismarck', der seine Kriegsausrüstung beendet hat, gestern vormittag zu einer letzten Probefahrt in See gegangen. Die Abfahrt der nach China abgehenden Truppen erfolgt derartig, daß das erste verstärkte Seebataillvn und die Detachements Pioniere am Sonntag nachmittag mittelst Sonderzuges von Kiel nach Wilhelmshaven abreisen. Von dort werden die Truppen direkt nach dem Kriegsschauplatz befördert. * ♦ Telegramme deS Gießener Anzeigers. London, 30. Juni. Das englische Kanonenboot „Robin" ist nach einer Meldung auS Hongkong in Wuchang zum Schutze derFremden eingetrofsen. Es sind Plakate angeschlagen worden, in denen daS Volk ausgesordert wird, die Fremden zu ermorden. London, 30. Juni. Aus Shangai wird gemeldet, der amerikanische Kreuzer„Oregon" scheiterte infolge dichten Nebels, 35 Meilen nördlich von Tschifu. — Die hiesigen Konsuln erließen eine Proklamation, worin mitgeteilt wird, die Großmächte seien mit dem chinesischen Volke nicht imKriegSzustande, sondern nur müden Boxern. Diese Proklamation hat die Chinesen ziemlich beruhigt. Die telegraphischen Verbindungen zwischen Shangal und Tschifu sind aber noch immer unterbrochen. London, 30. Juni. Lihung Tschang hat die Miliztruppen der ihm unterstehenden Provinzen unter die Waffen gerufen, um jeden Versuch der Boxer, Unruhe zu stiften, energisch bekämpfen zu können. Die durch daS Einschreiten der Mächte eingeschüchterte chinesische Re- gierung hat nunmehr, wie Lihung Tschang versichert, daS energische Niederwerfen deS Boxerausstandes in Angriff genommen. Der Aufstand in Peking soll unterdrückt sein. London, 30. Juni. Der General Km Sung-Lu hat nach einer Shangaier Meldung den Vizekönigen mitgeteilt, daß keine kaiserlichen Dekrete mehr, die nach dem 22. d. M. erlassen worden sind, beachtet werden. Man schließt hieraus, daß ein Staatsstreich in China gemacht und daß der junge Kaiser abgesetzt worden ist. Ein chinesischer Beamter erklärte, von amtlicher Seite erfahren zu haben, daß die Gesandten in Peking, die am 26. Juni unter chinesischer Eskorte die Stadt verlassen haben, sich augenblicklich in Paotingfu befinden. Loudon, 30. Juni. Die Admiralität veröffentllchte gestern spät nachts ein Telegramm des Admirals Seymour über seine mißlungene Expedition. Der Admiral berichtet über die verschiedenen Gefechte, die zwischen ihm und den Chinesen stattgesunden hätten, und stellt die erlittenen Verluste an Soldaten der verschiedenen Großmächte auf. Er berichtet u. a., daß 12 Deutsche getötet und 62 verwundet wurden. Paris, 30. Juni. Die heutigen Morgenblätter veröffentlichen folgendes Telegramm aus Petersburg: Eine seit einigen Tagen eingeleitete Untersuchung seitens des russischen Generalstabschefs bestätigt, daß die Unruhen in China sich aus die nördlichen und südlichen Provinzen der Mandschurei ausgedehnt haben. Die transsibirische Bahn ist von den Boxern angegriffen worden, die Telegraphenverbindung zwischen Wladiwostok und Port-Arthur abgeschnitten. New-York, 30. Juni. Hier nnd in Pennsylvanien find zwei Freiwilligen.Korps für China in der Bildung begriffen. Washington, 30. Juni. Die Minister hielten gestern einen Kabinettsrat ab, in welchem sie beschlossen, solange keine zuverlässigen Nachrichten aus Peking erngetroffen seien, keine weiteren Kriegsschiffe oder Truppentransporte nach China zu senden. Deutsches Reich. Berlin, 29. Juni. Der Kaiser verließ heute, wie aus Kiel gemeldet wird, die Yacht „Hohenzollern" und fuhr mit dem Verkehrsboote „Hulda" an den Start zur Teilnahme an der heutigen Wettfahrt Kiel—Trave—Travemünde. Beim Passieren der Kriegsflotte feuerten die Schiffe den Kaisersalut. Der Kaiser bestieg am Start den „Meteor". Prinz Heinrich hatte die Führung ferner Yacht „l'Esperance" übernommen. — Die Strafe, zu der Prinz Arenberg neuerdings verurteilt wurde, soll dreieinhalb Jahre Festungshaft betragen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Meldung eines hiesigen Blattes, der Minister der öffentlichen Arbeiten, von Thielen, habe sein Abschiedsgesuch ein gereicht, beruht, wie wir aus sicherer Quelle erfahren, auf freier Erfindung. Die „Nordd. Allg. Ztg." berichtigt ferner u. a. die über eine Aeußerung des Ministers v. Thielen bei dem Festessen der Lübecker Handelskammer in Travemünde verbreitete Darstellung und sagt, von Thielen habe, nachdem siebzehn Redner von Industrie, Landwirtschaft, den Handelsverträgen und Kanälen geredet hatten, einen kurzen Trinkspruch auf die Damen ausgebracht, den er mit den Worten einleitete, „ex eat commercium“, das heißt zu deutsch ungefähr: es ist nun genug geredet worden von Handel, Industrie, Landwirtschaft und Kanälen, übrigens gebaut werden sie doch, es ist vielmehr Zeit das mitium fideh- tatia zu verkünden und das beste initium ist, derer zu gedenken rc. Die „Nordd. Allg. Ztg." fügt hinzu: „Eine politische Rede wird man diesen Trinkspruch gewiß nicht nennen können trotz des kurzen Einschiebsels, das sich auch keineswegs auf einen Ausspruch aus hohem Munde, sondern auf eine von dem Minister in den vorjährigen Landtagsverhandlungen gemachte Bemerkung bezog. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Mitgliedes des Direktoriums der preußischen Zentralen-Genossenschaftskasse, Bankdirektor Dr. Heiligen st ad t, zum Direktor dieser Kasse unter Verleihung des Ranges eines Rats zweiter Klasse sowie des Amtscharakters als Präsident. — Der Bundesrat stimmte in der gestrigen Plenarsitzung u. a. dem Ausschußantrag über die Vorlage betreffend die Zulassung r e ich s a n g e hö r i g e r weiblicher Personen" zu ärztlichen Prüfung e n zu. — Die Berliner Stadt verordneten-Ber-, sammlung beschäftigte sich gestern mit der Vorlage des Magistrats um nachträgliche Bewilligung der 48 700 Mk., um die der zur Ausschmückung der Straßen beim Besuche des Kaisers von Oesterreich, genehmigte Betrag von 50 000 Mark überschritten worden ist. Stadtv. Singer erhob gegen die Forderung Einspruch! und deutete dabei an, daß der Magistrat mit der Herstellung des „byzantinischi-orienta- lischen Prachtbaues" am Pariser Platz sich nicht von fernem eigenen Geschmack habe leiten lassen. Dem gegenüber betonte Oberbürgermeister Kirschner, daß der Magistrat in keiner Weise vom Kaiser veranlaßt worden sei, über die geplante Ausschmückung hinauszugehen. Von dieser Stelle sei keine Forderung, nicht einmal ein Wunsch nach einer größeren Ausdehnung der geplanten Veranstaltungen verlautbar worden. Nach kurzer Debatte wurde darauf die Überschreitung mit großer Mehrheit genehmigt._______ A«sünü. Paris, 29. Juni. Die zwischen Frankreich und Spanien gepflogenen Verhandlungen wegen der Regelung der beiderseitigen Grenzen am Congo haben heute durch ein vom Minister Delcasse und dem spanischen Botschafter Castillo unterzeichnetes Abkommen ihren Ab-, schluß gefunden. Das Abkommen regelt zugleich die Grenzen der spanischen Besitzung Rio Oro zwischen Cabo Blanco und Cabo Bojadok und spricht Frankreich das Aldrargebiet und Sebcha Jajil zu. — (Kammer.) Bei der Beratung der Vorlage über die Vermehrung der Flotte verteidigt derMarine- minister die Regierungsvorlage und führt aus, Frankreich habe große Panzerschiffe nötig, um die französischen Küsten zu verteidigen, und es brauche Kreuzer, um die Kolonien zu schützen. Torpedoboote und Unterseeboote seien von' Nutzen, aber man könne mit ihnen allein die Küsten nicht verteidigen. Frankreich wolle die Kriegsmarine verstärken, nicht zu Angriffszwecken, sodern zur Erhaltung der wirtschaftlichen Interessen und der nationalen Ehre. Gaillaux tritt für die Vorlage vom finanziellen Standpunkt ein und meint, das Budget mit seinen normalen Hilfsquellen sei wohl imstande, ein neues Opfer von 25 Mill, jährlich zu bringen, was die Vorlage enthalte. Aimond bringt eine Gegenvorlage ein, deren erster Paragraph die Gesamtausgabe auf 619 anstatt auf 476 Mill, festsetzt. Die Gegenvorlage wird mit 384 gegen 160 Stimmen verworfen. Petersburg, 29. Juni. Der Zar wird Anfang September zum Besuche der Weltausstellung nachiParis reisen juind wahrscheinlich dem holländischen Hofe einen Besuch abstatten. — Graf Lambsdorff bat den Zaren, mit Rücksicht auf die kritische politische Lage den Posten des Ministers des Auswärtigen baldigst zu besetzen. In den letzten Tagen wurden neben Iswolski als Nachfolger Murawiews Sino- wiew-Konstantinopel, sowie Urosow-Paris viel genannt. Für den ersteren arbeiten die Nationalisten stark, doch! bezweifeln politische Kreise dessen Berufung, während bei Urusow, der wichtige Beziehungen unter den französischen Politikern und Finanzleuten besitzt, Gründe privater Natur vorliegen, welche die Wahl unwahrscheinlich machen. Als! aussichtsreichster Kandidat wird heute Nelidow-Rom bezeichnet. K o n st a n t i n o p e l, 29. Juni. Die von Bulgarien: verordnete elftägige Quarantäne wird dadurch begründet, daß die Pest in Adrianopel aufgetreten ist. Konstantinopel ist pestfrei. Rumänien nimmt vorläufig davon Abstand, den Verkehr von Konstanza nach Konstantinopel einer Quarantäne zu unterwerfen. Aus Stadt und Kan). Gießen, den 30. Juni 1900. ** Bon der Universität. Die Feier des I a h r e S f e st e S der Universität nahm heute vormittag mit dem Festakt in der großen Aula ihren Anfang. Um 11^ Uhr betrat der Zug der Dozenten unter den Klängen eines Krauße'schen Festmarsches den reichgeschmückten und dicht gefüllten Saal. Nachdem dann noch der Händel'sche Chor „Hoch thut euch aus" aus dem Messias zum Vortrag gelangt war, bestieg der zeitige Rektor, Prof. Dr. E. Netto das Katheder. Seine ersten Worte galten dem Landesherrn als dem Magnifizentisfimus der Landesuniversität. In der Festrede wurde zunächst betont, daß den Resultaten der mathematischen Forschung Allgemeinheit und Notwendigkeit anhafte, und an einigen Beispielen nachgewiesen, daß Gleiches für andere Wissenschaften nicht gelte. Dann suchte der Redner zu zeigen, rote diese Eigenschaften zu stände kommen. In der Mathematik sind drei Stadien zu unterscheiden: die Bildung der Begriffe; die Verarbeitung zu Resultaten; die Verwendung dieser Resultate. Die Bildung der Begriffe geht von der Wirklichkeit aus, abstrahiert aber von Zufälligkeiten und kommt dadurch zu Definitionen allereinsachster Art, die das ganze definierte Gebiet so genau und scharf umschreiben, daß eS geistig vollständig überblickt werden kann. Die Anschauung verhilft zu den elementaren Resultaten; logische Schlußreihen führen tiefer. Hierbei wird das Wesen und die Bedeutung der Formeln erläutert. Die Schlüsse der Mathematik find deduktiv; darauf beruht die Notwendig, fett und Allgemeinheit der Ergebnisse. Aber daraus entspringt eS auch, daß sie nicht unmittelbare Anwendung auf die Außenwelt zulaffen, sondern daß sie nur Annäherungen an die unendlich komplizierten Verhältniffe der Wirklichkeit geben. Aber diese Anwendungen, so wichtig sie für die Welt sein mögen, sind es nicht, welche als Triebfedern für mathematische Forschungen gelten können. Von den im vergangenen Jahr gestellten Preisaufgaben haben die der theologischen und juristischen Fakultät, ferner die der medizinischen Fakultät für den akademischen Preis und die der philosophischen aus dem Gebiet der Physik keine Bearbeitung gesunden. Die eingereichten Arbeiten, nämlich die sür den Balserpreis bei der medizinischen und vier bei der philosophischen Fakultät eingereichte, find sämtlich des vollen Preises getoürbtgt worden. Als Preisträger wurden durch Oeffnung der Bries Umschläge ermittelt: 1) Herr Friedrich Fromme auS Gießen, für den Balserpreis der medizinischen Fakultät; 2) Herr Max Gaumer aus Stuttgart, für die Lösung der Aufgabe aus dem Gebiete der Chemie; 3) Herr Willi Friedrich aus Darmstadt, für die Lösung der Aufgabe aus dem Gebiete der deutschem Philologie; 4) Herr Franz Tfchöpe auS Darmstadt, für die Lösung der Aufgabe aus dem Gebiete der romanischen Philologie; 5) Herr Dr. Hans Reichelt aus Baden bei Wien, für die Lösung aus dem Gebiet der Aufgabe der indischen Philologie; Zum Schluß werden die neuen Preisaufgaben verkündet, deren Bearbeitungen vor dem 1. Mai 1901 bei der entsprechenden Fakultät einzureichen sind. 1) Die theologische Fakultät stellt die Aufgabe: »Das Lied Moses Ex. c. 15 soll unter steter Berücksichtigung seiner Beziehungen zur Psalmpoesie erklärt und auf seine Absasiungszeit untersucht werben.* 2) Die Aufgabe der juristischen Fakultät ist: „Das hessische Notverordnungsrecht unter vergleichender Berücksichtigung der auf denselben Gegenstand bezüglichen Bestimmungen in den übrigen konstitutionell- monarchischen Bundesstaaten deS Deutschen Reiches." 3) die medizinische Fakultät stellt zwei Aufgaben: a) für den akademischen Preis: „Sind die Naevi endotheliale oder epitheliale Bildungen?" b) für den Balserpreis: „Bietet der euere Fundalschnitt bei der Sectio caesarea (®. Fritsch) gegenüber dem Längsschnitt durch die Corpuswand Vorteile und welche? Die Frage ist auf Grund genauer anatomischer Prüfung der einschlägischen Verhältnisse an der Hand des bereits vorliegenden klinischen Materials zu besprechen." 4) Seitens der philosophischen Fakultät werden fünf Ausgabe« gestellt und zwar: a) eine klassisch-philologische: Attidis dei in ter antiquos hominea oalti caorimoniae ao formulae oolligantur disponantur explicentur“, b) eine romanisch-philologische: „Die Formen des Artikels in den altfranzösischen Mundarten", rn c) eine deutsch-philologische: „Der Uebergang von der Substantiv- flexion des Mittelhochdeutschen zu der des Nordhochdeutschen", d) e) zwei chemische: „Ein Beitrag zur weiteren Erkenntnis der Dtffoziation gelöster Verbindungen" und .Messung der Depolanatwns- fähigkeit einiger Klaffen Kohlenstoffverbindungen an der Kathode . Mit dem Chorgesang „Amen" ans Händels Messias und dem Vortrag eines Armeemarsches war die Feier zu Ende. — Nachmittags V/2 Uhr fand in Stein'S Saalbau ein Festmahl statt, an daS sich um 4 Uhr ein Gartenkonzert und abends 8l/2 Uhr ein Kommers anschließt, beide ebenfalls in Stein'S Räumen. *• Perfonalnachrichten. Dem Geh. Oberbergrat Dr. Richard Lepfius wurde das Ritterkreuz 1. Klaffe des LudewigS-Ordens, dem Ingenieur Heinrich Ernst Leopold Thumann zu Halle das Ritterkreuz 1. Klaffe des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und dem Oberbohrmeister Karl Eduard Jähnichen zu Halle das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen; der Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Alsfeld, Heinrich Bender zu Alsfeld wurde unter Belassung seines Titels Hochbauaufseher zum Hausverwalter sür die Kanzle» gebäude zu Darmstadt, die Bauaufseheraspiranten Adolf Heß auS Vilbel, Wilhelm Hübner aus Langd, Jean Hüllen auS Gau-Bickelheim, Karl Haas aus Grünberg, Ferdinand Wollrab aus Alsfeld, Karl Fischer aus Mainz und Heinrich Liebegott auS Himbach wurden zu Hochbauaufsehern bei den Hochbauämtern Bensheim, bezw. Gießen, Mainz, Friedberg, Alsfeld, Darmstadt und BenS- heim ernannt; enthoben wurde am 27. Juni der Kanzlei- diener bei den Ministerien des Innern und der Justiz Adam Funk zu Darmstadt von der von ihm im Nebenamt bekleideten Stelle eines Hausverwalters der beiden Kollegien- Ober-Eschbach, 29. Juni. Im Laufe dieser Woche ist aus hiesigem Friedhof von ruchloser Hand durch Zerschlagen und Nmreißen von Grabdenkmälern ein bedeutender Schaden angerichtet worden. Soviel die an- gestellten Ermittelungen ergeben, sind in den Nächten von Sonntag auf Montag und Montag aus Dienstag, zwischen 9 und 10 Uhr abends, zwei hiesige Bürschchen im Alter von 13 Jahren in den Friedhof eingedrungen und haben 9 Kreuze umgeriffen und die Marmorkreuze zerschlagen. Außerdem haben sie sämtliche ablösbaren Perlenkränze zertrümmert. Die beiden Jungen gestehen ihre That em und erklären, dieselbe nur aus Uebermut verübt zu haben. Der entstandene Schaden beläuft sich aus mehr als 200 Mk. Offenbach, 29. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde für die Erbauung eines Schulhauses, Schlachthauses, GasweA usw die Aufnahme einer An leih e von 4 Millionen Mark beschlossen. — Die s. Z. genehmigte Gehaltserhöhung des Ber- qeorbneten Wolff veranlaßte eine längere Auseinander- setzung, da das Kreisamt bis heute den Beschluß nochnichr bestätigt, hat. Der Oberbürgermeister hat ihn dem Kreis- amt unterbreitet und mit Bemerkungen versehen, ore gestern von allen Rednern aufs Schärfste verurteilt wurden. In jenen Bemerkungen wurde darauf huigewiesen, daß außer der sozialdemokratischen Fraktion nur noch zwei Mitgliäer der Versammlung^ die namhaft gemackchwuroen, für die Gehaltserhöhung gestimmt, die übrigen Stadtverordneten, die ebenfalls genannt wurden, und er selbst d - aeaen aewesen seien. Er für seine Person sei dageg gewesen, weil er den Beigeordneten Wolff für, eignet halte, als Verwaltungs b e ° mter eine ersvrie bliche Verwaltung zu fuhren. Lurcq diese Bemerkungen sollte das Kreisarnt, wie einige gkdner betonten, offenbar zu Ungitnjten des ®eMIu feä beeinfluß werden und es wird sich bald zeigen, ov dieser Zweck erreicht wurde. Allseitig wurde hervo^ehoben, daß die ganze städtische Verwaltung durch das Verfahren des Oberbürgermeisters leide und Abhilfe dringend nötig fei — In der Offenbacher Portland^Zementfabrik hat heude der Arbeiter Peter aus Somborn den Arbeiter.Schmidt durch einen Stich ins Herz getötet. Es war beim Essen zu Neckereien gekommene die diesen tragischen Ausgang hatten. . + Darmstadt, 29. Kuni. In der gestrigen nichtöffentlichen Stadtverordneten-Sitzung wurde be- fchloffen die durch den Tod des seitherigen Inhabers er- lediate ^Stelle eines Stadtbaumeisters und Vorstehers des Stadtbauamtes öffentlich auszuschreiben, ferner die Vorstände der städtische Betriebe, die Werkmeister RumSnloi 23, Schweiz 20, Norwegm 18, Niederlande 14 Schwedm 13, Italien 9, Bulgarien 8, England 6, Frankreich 6, Dänemark 2, Griechenland 1, Luxemburg 1, Spantm 1; c) außereuropäische Staaten: Bereinigte Staaten von Nord-Amerika 3, Japan 3, Argentinien 2, Trinidad 2, Venezuela 2, Java 2, Chile 1, Kolumbta 1, Aegyptm 1, Kapland 1, Tunis 1, Madagaskar 1. — Das Personal- Verzeichnis ist zum Preise von 20 Pfg. durch den Buchhandel zu beziehen. 0 Gießer», 80. Juni. Am Sonntag den 22. Juli d. I. finden auf unserer Rennbahn an der Hardt daS zweite Mal in dieser Saison Große Radwettsahren statt. Nach dem von der Rennleitung erlassenen Ausschreiben werden sechs Rennen ansgefahren. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 30. Juni, zwilchen 11 und 12 Uhr mittag-: Master 15V»®, Lust 20». Rübsamen'sche Badeanstalt. Vermischtes. • Berlin, 29. Juni. Gegen 23 Personen ist in Stolpe t. P. wegen Aufruhrs, LandftiedenSbruchs, Beleidigung u. f. w. Anklage erhoben worden, anläßlich der Krawalle am 21. und 22. Mai. Die Verhandlungen vor dem außer, ordentlich einberufenen Schwurgericht beginnen am 9. Juli, rs sind vier Tage dafür in Aussicht genommen. * Breslau, 29. Juni. Die Prostituierte Emma Bringe zu wurde unter anscheinend verdächtigen Umständen heute vormittag in ihrer Wohnung tot aufgefunden. • Nürnberg, 29. Juni. Ein Brand ist in der verflossenen Nacht abermals in den Schuckart-Werken ausgebrochen. Eine mit Emballageabsällen gefüllte Lagerhalle wurde zerstört. Der Betrieb der Werke ist indeß in feiner Weise gestört. Man nimmt Brandstiftung an. Das Etablissement wurde schon am letzten Sonntage von einem Brande heimgesucht. * Straßburg, 29. Juni. Dem „Elsässer" ging die noch nicht völlig verbürgte Meldung zu, daß der 1848 in Rosheim geborene Pater Modest Andlauer von den Boxern in China ermordet wurde. Andlauer war früher in Amiens, Lille, Brest und Arras als Professor thätig und wirkte seit 1882 in Tientsin als Missionar. * Sofia, 29. Juni. In ganz Südbulgarien herrscht furchtbares Unwetter, das den gesamten Saatenstand vernichtet. Ueber hundert Personen wurden vom Blitzschlag und Hagel teils getötet, teils verwundet. Unioersttät und Hochschule. - ff- Darmstadt, 29. Juni. Die technische Hochschule zu Darmstadt weist in diesem Semester 1559 Studierende auf, die von 30 ordentlichen Professoren, 8 außerordentlichen Professorm und Professoren im Nebenamt, 28 Lehrern und Prtvatdozenten und 29 Assistenten in di« technische» Wissenschaften eingeführt werden. Rektor ist Prof. Koch, Prorektor Prof. Berndt. Die 1559 Studierenden (1638 im Wintersemester) verteilen sich auf die Architektur mit 129 Studierenden und Hospitanten, auf das Jngenieur- wese« mit 176Studierenden und6Hospitanten, auf denMaschtnen- bau mit 363 Studierenden und 35 Hospitanten, auf die Elektrotechnik mit 544 Studierenden und 61 Hospitanten, auf die Chemie mit 64 Studierenden und 2 Hospitanten, auf die Elektrochemie mit 58 Studierenden und 1 Hospitanten, auf die Pharmacie mit 18 Studierenden und auf die allgemeine Abteilung mit 32 Studierenden und 4 Hospitanten. Hierzu kommen 63 TeUnehmer en einzelnen Vorlesungen, darunter 21 Damen. — Die Hörer verteilen sich auf folgende Hetmatlande: a) Deutschland: Hessen 378, Preußen 520, Bayern 102, Sachsen 36, Hamburg 31, Elsaß- Lothrtngen 28, Baden 23, Württemberg 13, Sachsen-Meiningen 9, Sachsen-Koburg-Gotha 7, Sachsen-Weimar 7, Bremen 6, Anhalt 5, Braunschweig 4, Mecklenburg-Schwerin 3, Oldenburg 3, Schwarzburg- Rudolstadt 2, Waldeck 2, Schwarzburg-Sondersbausen 1, Sachsm- Altenburg 1, Reuß j. L. 1, Mecklenburg-Strelitz 1; b) übrige europäische Staaten: Rußland 157, Oesterreich-Uigarn 77, Erbsen per Liter 19 H, Linsen per Liter SO Tauben per Paar A 0.80—0.90, Hühner per St. A 1.40—2.00, Hahnen per Stück A 0.80—1.20, Enten per St. A 1.80—2.20, Gänse per Pfund A 0.00—0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 50—70 4, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Ä, Kalbfleisch per Pfd. 64—06 4, Hammelfleisch per Pfd. 50—66 4, Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 bi» 6.00 A, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ltr. A 8.06—9.00, Milch per Liter 16 H Kirschen per Pfund 16—20 4. Derselben, sowie einige Arbeiter aus städtische Kosten zur Besichtigung der Weltausstellung nach Paris zu schicken und hierfür 3000 Mk. zu bewilligen. Auch wird die Bürgermeisterei beauftragt, sich mit dem Ministerium dahingehend ins Einvernehmen zu setzen, daß, wenn Arbeiter von Staats- wegen zur Besichtigung nach Paris geschickt werden, die Stadt bereit ist, 1500 Mk. zu bewilligen, um damit m Gemeinschaft mit dem Ministerium DarmftädterArbeiter und kleine Handwerker zu unterstützen. Darmstadt, 30. Juni. (Telephon-Meldung des „Gieß. Anzeiger", 12 Uhr mittags.) Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen trafen gestern mittag zum Besuch auf Jagdschloß Wolfsgarten ein, nahmen den Thee ^in und reisten gegen Abend wieder zurück. *♦ Meine Mitteilungen aus Heflen und dm Nachbarstaatm. Durch Errichtung eines Kriegerdenkmals zur Erinnerung an den Feldzug 1870/71 will nunmehr auch die Gemeinde Dorn-Assenheim eine alte Ehrenschuld abtragen. Die Veteranen Dorn-AffenheimS waren während des Krieges von besonderem Glücke begünstigt; denn alle 16, die zu Deutschlands Verteidigung hinauSzogen und mit Auszeichnung kämpften, kehrten unversehrt in die Heimat zurück. 15 derselben leben noch. Die Einweihung des Denkmals wird an einem der nächsten Sonntage stattsinden. — Die Stadtverordnetenversammlung zu Darmstadt beschloß, die Hfsentliche Lesehalle auf die Stadt zu übernehmen. «erreür Melduuaeu. Darmstadt, 30. Juni. (Tel Meldg des „Gieß. Auz., 12 Uhr mittags) Die 35 Jahre alte Ehefrau des Heizer- Balthasar Eisenhauer in Büttelborn bei'Groß-Gerau, die vor längerer Zeit wegen Geistesschwäche in ärztlicher Behandlung war, hat gestern nachmittag in einem erneuten Anfall ihr jüngstes von 6 Kindern, einen Knaben von % Jahren, auf einen im Hofe stehenden Holzklotz gelegt und mit einem Beile durch schwere Verletzungen am Kopf und Hals umgebracht. Sie wurde gestern nachmittag noch verhaftet. Berlin, 30. Juni. Gestern abend gegen halb zehn Uhr beidrohte der Tischler Adolf Schneider die 16- jährige Elise Gleißert im Vorgarten ihrer Wohnung mit einem Revolver und gab, als sie seine Aufforderung, hüt ihm eine Verlobung einzugehen, ablehnte, mehrere Schüsse auf sie ab, vor denen sie sich durch! das Fenster nach! der Wohnung flüchtete. Er drang ihr auf demselben Wege nach, verletzte durch weitere Schüsse den sich ihm! entgegenstellenden Vater des Mädchens am Kopf und richtete schließlich die W a f f e g e g e n s i ch s e l b st, worauf er tot zusammenbrach^ Berlin, 30. Juni. Der Leutnant in der südwestafrikanischen Schutztruppe, Prinz Prosper von Aren- b er g, befindet sich mehreren Blättern zufolge noch immer in Untersuchungshaft im Militär-Gefängnis am Tempelhofer Felde. Sichrer sei, daß ein zweites kriegsgerichtliches Erkenntnis bisher nicht ergangen ist. 1 '*'*81 Berlin, 30. Juni. Generalmajor Graf M0ltke, Kommandeur der ersten Garde-Jnfanterie-Brigade, ist für die Dauer der diesjährigen Nordlandreise zur Dienstleistung bei dem Kaiser kommandiert. Der „National- Zeitung" zufolge liegt der Schluß wohl nahe, daß General! Graf Moltke dazu ausersehen ist, der Nachfolger des Generals v. H ahnte zu werden. Mel, 30. Juni. Generalmajor von Höpfner hielt gestern die letzte Musterung des See-Bataillons ab. Die Mannschaften traten zum ersten Male mit Khaki- Anzügen an. Der Panzerkreuzer Fürst Bismarck hat eine Kompaß-Regulierung vorgenommen und liegt seeklar int Hafen. Memel, 30. Juni. Der Minister des Innern, Freiherr von Rheinbaben teilte bei seinem gestrigen Besuche der Stadt mit, daß für den Ausbau der Südermoole von Seiten der Regierung 2Va Millionen Mark in den nächstjährige« Etat eingestellt würden. Noch in diesem Jahre solle die Moole um 50 Meter verlängert werden. London, 30. Juni. Das Kriegsamt veröffentlicht ei« längeres Telegramm Lord Roberts über eine Anzahl kleiner Gefechte, die zwischen den Buren und der englischen Avantgarde bei Laingsnek stattgesunden haben. Dieselben find ohne Ausnahme zu Gunsten der Engländer ausgefallen. Paris, 30. Juni. Eine Anzahl Buden in der Nähe des egyptischen Palastes in der Ausstellung wurden gestern durch eine Feuersbrunst zerstört. Die Feuerwehr war prompt zur Stelle, sodaß ein größerer Schaden verhütet wurde. Rom, 30. Juni Infolge der vorgestrigen Vorgänge in der Kammer erwogen die konservativen Mitglieder des Kabinetts, Visconti Venosta, Chimirri und Gianturco die Eventualität, zurückzutreten, verstanden fich indeffen auf die Bitte Sarroccos dazu, bis nach der Reglementsund Budget-Debatte zu bleiben und dann erst Definitive- zu beschließen. Gerichtssaal. e. Stelle«, 29. Juni. Strafkammer. Die Privatbeleidigungssache Rautenstrauch-Klingelhöfer findet durch Zurücknahme der beiderseitigen Klageanträge ihre Erledigung. — Johs. Schneider III. von Gondershausen, der das von ihm zuvor zum Waschen von Rat löffeln und Rüben benutzte SB affet direkt in das an seinem Hause vorüber- fließende Bächlein zu schütten pflegt, war mit einem Strafmandat in Höhe von 5 Mk. bedacht worden, weil durch diese seine Maßnahme das Wasser des Bächleins, welches zum Viehtränken benutzt wurde, getrübt und auf mehrere Minuten unbrauchbar wird. Durch Urteil des Amtsgerichts zu Homberg war diese Strafe bestätigt worden. Gegen dieses Urteil hatte Schneider Berufung eingelegt und erzielte dadurch vor der beutigen Strafkammer seine Freisprechung. — Wegen Beleidigung des Feldschützen Ink. Balser zu Dortelweil war gegen die Ehefrau Joh. Balth. Wagner Ww von Dortelweil Strafantrag gestellt worden, doch lautete das diesbezügliche Urteil des Schöffengerichts zu Vilbel auf Freisprechung, weil in der betreffenden Aeußerung, die in gutem Glauben gemacht worden war, die Absicht, zu beleidigen, nicht erblickt werden konnte. Auf Beranlaffung des Kreisamts zu Friedberg hatte der Amtsanwalt gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, die indes von der Strafkammer als unbegründet verworfen wurde. — Es wird nunmehr in die Verhandlung gegen den jugendlichen Brandstifter Johs. Ortwein aus Volkartshain eingetreten, der beschuldigt und geständig ist, die unmittelbar an das Wohnhaus seines früheren Dienstherrn, Konrad Prächter aus Crainfeld, anstoßende Scheune vorsätzlich in Brand gesteckt und dadurch einen Schaden von mindestens 12 000 Mk. verursacht zu haben- Am 21. März d. Js. war in Crainfeld Markt, der wie Üblich, auch Tanzbelustigung bot 5 Mark, die der Angeklagte am Morgen von seinem Dienflherrn in Empfang genommen, hatte der frühreife, wenn auch in seiner körperlichen und geistigen Entwickelung zurückgebliebene, damals noch nicht 18 Jahre alte Butsche verjubelt, und noch hatte er seinen Gelüsten nicht vollauf Genüge geleistet, weshalb er abends nach 8 Uhr den Entschluß faßte, seinen Dienstherrn um einen weiteren Vorschuß von 2 Mk. anzugehen, ein Ansinnen, das dieser aber mit Recht kurzweg abschlug. Deswegen beschloß der in seiner Erziehung sehr vernachlässigte Bursche, seinem Herrn einen Stretch zu spielen. Er steckte deffen Scheuer in Brand, infolgedeffen die ganze Hoftaite ein Raub der Flammen wurde. Zwar will der verwegene Bursche diesen Zweck nur nebenbei verfolgt haben; denn als Hauptmotiv seiner That giebt er an, er habe einmal ein großes Feuer sehen und die jungen Leute von dem Tanzboden verscheuchen wollen. Das Gericht erkennt gegen ihn auf eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren Monaten unter Abzug von 3 Monaten der erlittenen Untersuchungshaft. — Wegen Diebstahls haben sich drei junge Leute aus Butzbach zu verantworten, nämlich der 26jährige Schweizer Karl Schuster, der 18jährige Steinmetzgehilfe Ludwig Heßler und der 17jährige Taglöhner Karl Rudolf Kult, von denen die beiden erstgenannten wegen Diebstahls Bereits vorbestraft find. Sie sollen fich in der Nacht vom 26. zum 27. Mai in eine in der Nähe von Butzbach gelegene Ruffenbrennerei eingeschlichen und dem dort schlafenden Ruffenarbeiter Josef Damm 26 Mk., die sie in feinem Besitz wußten, gestohlen haben. Schuster behauptet, dem Bestohlenen vorher 2 Mk. geliehen und die Absicht gehabt zu haben, fich diese zurückzuholen. Der Bestohlene stellt dies entschieden in Abrede. Das Urteil lautet auf eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten gegen Schuster, von 3 Monaten gegen Heßler und von 3 Wochen gegen Rutt. Breslau, 29. Juni. Das Militärgericht bet 11. Division verurteilte den Dragoner Franz Kosmalla wegen Ungehorsams, Aufruhrs, verbunden mit einer Gewaltthätigkeü gegen eine militärische Wache und wegen Körperverletzung zu 6 Jahren und 1 Monat Zuchthaus. Aus dem Geschäftsleben. Nachdem Toril-Fleischextrakt vor kurzem auf den Ausstellungen in Wien und Frankfurt a. M. die höchsten Auszeichnungen erhalten, wurden diesem Produkte neuerdings zwei Goldene Medaillen zu teil, nämlich am 6. Mai 1900 auf der Ausstellung für Kochkunst re. in Duisburg, am 5. Juni 1900 auf der Ausstellung für Kochkunst rc. in Gelsenkirchen. Diese höchsten Prämiierungen beweisen aufs Neue, wie sehr die Anerkennung berechtigt ist, beten sich Toril-Fleischextrakt in allen Kreisen bes Publikums erfreut. (Siehe Inserat.)______________________________ Handel und Verkehr. UolkswirtsttM. Stelle«, 30. Juni. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. A 1.00-1.10, Hühnereier per St. 6—0 H, 2 St. 11—18 H, Enteneier 2 St. 12—14 4, Gänse« eiet pet St. 1C—11 H, Käse 1 St. 5—7 H, Käsematte 2 St. 5—« 4, B tr.: Konkurs über das Ber- mögen des Kaufmanns Markus Kanu in Gießen. Auf Grund eines vom Gemein- schüldner gemachten Zwangs -Ver- gleich^vorfchlagkwirdV.rgleichstermin nnd eventuell Termin zur weiteren Verhandlung auf jlenetretai ttn 19. Mi 1900, »»mittags 9 Ahr, anberaumt. Der Jwangsoergleichs- vorfchlag ist auf drr Gerichtsschreiberei zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Gießen, den 26. Juni 1900. Großherzogliches Amtsgericht. (g°r) vr. Pusch. Bekannt gemacht: 4552 Neidhart. Gerichtsschreiber. Vergebung von Sauarbeiten. Die für die Herstellung einer Wasserleitung und für die Gut- Wässerung der Keller in Groheu Buseck nötigen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und find die Angebote bis Moutag de« 16. Juli 1.1, nachmittags 3 Uhr, bei Großh. Bürgermeisterei Großen'Buseck, bei welcher die Pläne, der Voranschlag und die Bedingungen zur Einsicht offen liegen, einzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Srdarbeiten .... 11400,— Betonierung«-u. Maurerarbeiten ..... 6400,— Rohrlegung: a. für die Wasserleitung 14083,80 b. fürdie Kellerentwäffe- rung..... 1990,— Lieferung von gußeisernen Röhren, Schiebern, Hydranten u. s. w. . . 24552,28 Lieferung von glasierten Thonröhren . . . 6885,15 Gießen, am 29. Juni 1900. Der Großh. Kreisbauinsprktor: _________Stahl. 4539 Dekanntmachung. Montag den ». Juli L I., nachmittags von 2 Uhr an, werden Neustadt 55 dahier Gegenstände zu Telephon-, elektr. Licht- und Klingelanlagen aller Art (darunter eine größere Anzahl Isolatoren, Porzellanrollen und Pfeifen, Bogen- und Deckenlampen, Lampenschirme und Cylinder aller Art, Glasglocken, Elementgläser), sowie eine Ladeneinrichtung zwangsweise gegen bar versteigert. $>ie Versteigerung findet Vrstimmt statt. Gießen, den 29. Juni 1900. 02723 Seipel, Gerichtsvollzieher. Mrdingung vonWeißöinderaröeit. Die zur laufenden Unterhaltung der Gebäude des städtischen Schlacht- Hofe- erforderlichen Weißbinder- arbeiten sollen Freitag, 6. Juki d. I., vormittags 11V2 Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden auf Zimmer Nr. 6 bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck find bis zum genannten Termin an uns einzureichen. Gieße«, den 28. Juni 1900. Das Stadtbauamt. Schmandt. 4518 Wtanz am 31. Activa: JL H 1. Ausgeliehene Kapitalien und zwar: a. gegen gerichtliche Obligationen . . . 96415 71 b. gegen Bürgschaftsleistung .... 107538 55 c. gegen Güterkauf- gelder .... 11538 67 2. Kaffenvorrat . . . 7164 11 3. Ausstände .... 7878 71 4. Mobilien nach Abschreibung von 10% 243 — 230778 75 D^ember 1899. Passiva: A 1. Aufgenommene Kapitalien .....218505 13 2. Geschäftsguthaben «der Mitglieder .... 6800 - 3. Reservefond . . . 4557 80 4. Reingewinn.... 1916 32 280778 76 Die Mttgliederzahl betrug Ende 1898 68 Eingetreten in 1899 . 5 Ausgetreten in 1899 2 Mithin mehr 3 Stand der Mitglieder Ende 1899 66 Die Rechnung liegt 8 Tage lang aus dem Büreau des Rechners zur Einsicht der Beteiligten offen. Lollar, den 30. Juni 1900. 4658 Spar- und Vorfchutzverein, Eingetragene Genoffenschaft mit unbeschr. Haftpsticht. Der Direktor: Der Rechner: Der Kontrolleur: C. Geißler. G. Schwalm. H. Rohrbach IV. Unserer werten Kundschaft und verehrlichem Publikum hiermit die ergebene Mitteilung, dass sich unser Geschäftslokal nur noch 4548 Kuder 4* Sonneborn 17 Neuenweg 17 ••••oeeeeeeeeeeeee® ®®®®®®o®• o © ® ® e® ••• ee® ®o®®e®®®®®®®®®®® ••• 2 perfekte Kiiglerisnm können sofort eintreten. 4535 Kampfwaschanstatt Kdetweiß. teilt W. Hild, Nordanlage 1. Wohnt jetzt bei 4549 4525 Hofbäcker Noll, Mäusburg 12. Die werden rasch gemacht. 02739" Aeßlaurant zum Aeifeonket 4551 Wittwochsblatt. 02751 Gut gtpfltglt Meine. Kirr ans dem Gießener Branyons. Nervenstärkend Wen eröffnete Hartenwirtschaft fiptne unmöblierte Stube an einzelne Person zu vermieten. Sonnenstr. 11. reichen. 4550 Einrichtung''^^" 02736 Neuenweg 60. Berantworttich für kn allgemeine» Dell: P. Wittk«; für den »n^igentett: H»nZ «rck. — Druck und Verlag der Uriihl'schen Unwerfitätr-Vuch. und Steindruckerei (Pietsch Erbe») in Gieß«. Wietfloluche (ihn pfch hm neu DWlMMDMD verstjjltdellts Offene Stellen llevloven 3n uerkiuifcu Ilereine Ueennetnnnen Wahl, Dekan. D. Stamm, Professor. Glück, Pfarrer. Kreiling, Bürgermeister. Antritt 20 ^,g. 02749 Yier im Htas 10 H. Gemmer. 02743] Kleines Logis zu vermieten. Große Mühlgasse 18. Stübchen mit Bett zu vermieten, ö 02744 Maigafse 11. 4556] Verloren Freitag den 29. Juni abends auf dem Wege Bleichstraße, Südanlage,Ostanlage, Wiesenweg,Philosophen- Wald, Eichgärtenweg, Grünbergerstraße goldener Hemdenknopf. Abzugeben gegen Belohnung Lonystraße 18. 3823] Eine große, geräumige Scheuer per sofort zu vermieten. Robert Stuhl, Neustadt 23. Portier für die «em Kliniken olsbald gesntz Neue Beerenweinpressen zu verkaufen. 02746 Leonhard Dörstein, Küfer, Weserstr. 6. wirkt „Soboii“, das beste aller existierenden Nähr» und Kräftigungsmittel mrei8. 50 gr 100 gr 250 gr 560 gr * 40 70 JL 1.60 v*3.— AlleinigeFabrikanten: T oril Cie., Zuhab.i.Apothekenu.Drogengeschaften. 4538] Anständige Familie von auswärts sucht bis 1. August oder i. September eine 5-Zimmerwohnung im Mittelpunkt der Stadt. Nähere Auskunft er- Dienstag den 3. Juli d. nachmittags 2 Uhr, versteigere ich gegen Barzahlung Neustadt 55 dahier: 1 Wagen, 1 eiserne Winde, 1 Badewanne, 1 Bett, 2 Sofas, 1 Tisch, 1 Kleiderschrank und andere Möbel. 4543 Bor«, Gerichtsvollzieher. 85 Fraukfurterstratze 85 empfiehlt langer Kaufmann sucht, gestützt auf la. Zeugnisse, Stellung als Kontorist. Offerten unter M. B 02734 an die Expedition dieses Blattes. Braves Dienstmädchen baldigst zu mieten gesucht. 02737 Grünbergervraße 14, part. 6. R. V. 1885. Sonntag den 1. Juli 1900: BereinStour «ach Garbenheim. Abfahrt 3 Uhr Hotel Schütz. Nichtfahrer 2.47 ober 3.25 Ubr mit der Bahn. Montag den 2. Juli 1900: Aberrdtour über Heuchelheim, Dorlar nach Dutenhofen (Jagdschloßchen). Abfahrt */,9 Uhr Hotel Schütz. 4542 Der Kahrwart. Schuhmacher J. Dietrich Vereinen und Kamillen Zimmer. Stammfrühstück, warm oder kalt, 30 Psg. Guter Mittagstisch, Abonnement 60 und L0 Pfg. Reichhaltige Abendkarte 1 bis 2 WüMtHeMil und ein Lehrling können sofort eintreten. 4529 P. Ritter, Wetzlar. Techniker gesucht. Die Stelle eines Technikers, 2. Assistenten des Direktors, bei unserem GaS- und Wasserwerk ist auf 1. September d. I. zu besetzen. Bewerber müssen eine technische Lehranstalt mit gutem Er- folg besucht haben und — in Führung der Betriebsbücher wie allen übrigen Arbeiten des technischen Bureaus gewandt — praktische Erfahrung im Gas- und Wasserfach, insbesondere auch im gesamten Jnstallationswesen besitzen, so daß sie dieses selbständig leiten können. Mit der Stelle ist ein um jährlich 75 Mk. steigender Gehalt zwischen 2100 und 3600 Mk., sowie — bei 5jähriger Probedienstzeit — Anspruch auf Ruhegehalt und Wittwen- und Waisen-Versorgung nach Maßgabe der für die Staatsbeamten geltenden Bestimmungen, verbunden. Bewerber wollen ihre selbstgeschriebenen Meldungen unter kurzer Darlegung ihres Lebensganges und Vorlage von beglaubigten Zeugnissen, einiger geeigneter selbstgefertigter Zeichnungen und eines Gesundheitszeugnisses, sowie mit Angabe ihres Militärverhältntsses und des beanspruchten AnsangSgehalteS bis spätestens 20. Juli l. I. bei uns ein- Brsverei-AnsschM des Gießener Krauhanses (A. DenninghoM. Montag den S. Juli, abends 8 Uhr r DM Grotzes Garten-Konzert IS der Knprlle des Herrn Musikdirektor Liese in Friedberg. Heuchelheim. Sonntag de« 1. J«lir Jahresfest des Gießener Zweigvereins der Gustav-Adolf-Stiftung zu Heuchelheim, zu dem hiermit freundlichst ein geloben wirb. Der Gottesdienst beginnt 2*/» Uhr, Festprebiger Herr Pfarrer Dr. Grein aus Gießen. Später Nachversammlung, Ansprache von Herrn Pfarrer Bömel aus Robheim a. b. B. u. a. Insbesondere laben wir auch bie Mitglieder des Gießener Frauenvercins zu diesem Feste ein. Für den Vorstand des ZweigvereinS: Für den Kirckenvorstand zu Heuchelheim: Glchn Kdkir 204 Qu.-Meter Flächenraum, mit neun Schaufenstern und großen Geschäftsräumen im Souterrain, nebst Wohnung und Zubehör, baldigst zu vermieten. 4537 Jul. Bach, Plockstr. 1. MUillM Komplette Badreinrichtung, Wen- w deltreppe und Schaufenster- Rouleaux werden sehr billig ab- gegeben. Näheres Markt kratze LV. befindet. Unser Lager haben wir wesentlich vergrbesert und stellen folgende solide, gute Waren zu bekannt billigen Preisen zum Verkauf: Herren- und Knaben-Kleider Tuche, Buckskins und Manufakturwaren Bettfedern und Daunen Anfertigung von Herren-Garderobe nach Mass.