Wien Mich fc.be,. 6242 ‘bn?”8 M°°,ax 9 di! Wit> «Wen. * • trabet, x^ooocoa Q 8 "W 8 t5, 6294 Q ls, g »lchttei. 8 cocacoaca «W. ükst-Waren. 6173 V<—♦ 4.-. 5.-t WtOtMlWK. Küßchen nge deine Stiefeletten 346 roten Dosen ihrer Ausgiebigkeit und es mit wenig Bürsten« tboOtS Hufäen ver- 3 und 20 M überall auf Sie fabußmarft die Firma: Hhhingeu. -hüMqueÄen'.Heslg- lot-Metteun^tteuei- le, find feit lange be« it durch unübertofiene > DamKalarrheu, sowie it ufn». Beisandl 18S8 ponnen; das im Handel jum ?eif unkösliqei Wohnungen im M- ytien-6MNt-_ nt MM b Poifimri» eartikel re. fersroea 2. ■en’ 6174 RsK. K Hausbürsch^^ß^ Rt. 204 Zweites Blatt Donnerstag dm 31 August 1899 Amts- und Anzeigeblutt für den Ttveis Gieren. Lllr Anjkigen-BermittlungSstrllen M In- und ÄuKtiihe «rtzmrn Änjtigen für drn Gießener Ln-riger entgtg* «Mtiro, Expedition und Druckerei: Achntßrnße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde._________________ Ian0»t «nzeigen ju der nschmittag» für de» felgtet* S«g «scheinenden Nummer HB vor». 10 Uhr. «dreffe für Depeschen: Anzeiger chießMr, Fernsprecher Nr. 51. Zu den Landtagswahlen schreibt der „Darmst. Tägl. Anz.": Obwohl in ganz Deutschland die vaterländisch gesinnten Kreise in den schärfsten Worten ihren Abscheu kundgaben über das Benehmen der Sozialdemokratie und des Centrums bei den bayerischen Landtagswahlen, haben jetzt die Sozialdemokraten auch in Hessen begonnen, gegen die Liberalen sich mit Leuten zu vereinigen, die sie seit Jahren im Reichstag und Landtag am entschiedensten bekämpften. Früher wurde von sozialdemokratischen Abgeordneten den antisemitischen Führern einmal gesagt: „Sie arbeiten uns in die Hände!" Heute sehen wir leider, wie richtig diese Behauptung war. Die Landwirte, die damals glaubten, ihr Heil bei Böckel zu finden, opferten Tausende, wurden schmählich im Stiche gelassen, sie wurden mißbraucht und müssen heute sehen, wie Plätze, die damals antisemitisch wählten, jetzt in den Händen der Sozialdemokraten, ihrer schlimmsten Gegner, sind. Aber noch nicht genug. Unsere schlichten Bauern müssen jetzt auch noch mit zusehen, wie Vertreter der antisemitischen Richtung, um sich in der unsicher gewordenen Stellung gegen die liberale Partei zu behaupten, mit den Sozialdemokraten ein Bündnis eingehen und dafür in anderen Wahlbezirken sozialdemokratische Kandidaturen unterstützen! Wer dabei schließlich die Führenden und wer die „Angeführten" sind, läßt sich voraussehen. Nach alle dem ist also, wie in Bayern, auch diesmal bei uns die Losung dieser Parteien: Sturz der liberalen Partei in der hessischen Zweiten Kammer! Wo sind die verführerisch klingenden Prinzipien? Wo sind die Parteiprogramme? Heißt es auch bei der Sozialdemokratie schon: Der Zweck heiligt die Mittel? Kommt das von der Internationale? Nur Geduld! Es giebt noch eine Berechtig- feit; der Fluch der bösen That bleibt nicht aus. Parteien, die so sehr ihren Lebensgrundsätzen untreu werden, tragen ihren Ruin bereits in sich. Auch der einfachste Mann durchschaut einmal solches zweideutige Benehmen, und es wird in Stadt und Land von seilen der nationalen Bevölkerung hoffentlich rechtzeitig dafür gesorgt, daß die sozialdemokratischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Wer heute keine, oder nur sehr wenige Steuern zu zahlen hat, der hat gut mitreden, wenn „alles aus einem Säckel geht"; abn zu diesen Leuten gehören die Landwirte und Gewerbetreibenden keineswegs. Der Sozialdemokrat mit seinen Bundesgenossen ist der allerletzte, der durch die That bis jetzt bewiesen hat, wie dem kleinen Grundbesitz zu helfen ist. Singer und Genossen Arm in Arm mit den Antisemiten, wie reimt sich das zusammen! Wozu das alles? Blos um in der Zweiten Ständekammer das Heft in die Hand zu bekommen. , _ , Was hat unsere hessische Regierung im Verem mit den beiden Kammern in den letzten Jahren für Summen aufgewandt zur Förderung der Landwirtschaft, der Viehzucht, des Wein- und Obstbaues! Das wird von vielen Landwirten vollständig anerkannt. Hebet eine halbe Million steht zur Verfügung; das will doch in dem kleinen Hessen etwas heißen. Wo findet sich eine Regierung, die auf diesem Gebiete in letzter Zeit mehr Mühe und Geld aufgeboten hat? Warum läßt sie Bahnen bauen nach Kreidach und Wahlen, durch den Vogelsberg? Um sich Einnahmen zu verschaffen? Nicht im entferntesten : Nein, um den kleinen Leuten in den abgelegenen Gegenden Absatzgebiete zu schaffen, um der Industrie in den Gebirgsthälern aufzuhelfen. Geld zum Wegwerfen haben wir nicht, und es kann auch ein Stand vom Staate nur unterstützt, aber nicht ganz unterhalten werden. Deshalb ist es bald Zeit, den maßlosen Forderungen und den schamlosen Verdächtigungen von gegnerischer Seite ernstlich entgegenzutreten. Was ist von selten der Wähler zu thun? Vor allem haben in Stadt und Land alle ruhig denkenden Männer sich zusammenzuschließen. Sonderinteressen dürfen nicht in den Vordergrund treten. Bei den bayerischen Landtagswahlen zeigte sich, daß durch die zuweitgehenden, einseitigen Forderungen der Bauernbündler selbst in dem rein Landwirtschaft treibenden Niederbayern ein großer Teil der Wähler in das ultramontane Lager gedrängt wurde, und dadurch sich die Bauern selbst am meisten schadeten. Sollen wir in Heffen nächstens vor ähnlichen Resultaten bewahrt bleiben, so müssen wir unbedingt geschlossen vorgehen, Schulter an Schulter, Mann an Mann! 3Bqefl»FtcU vierleljährlich 2 Mark 20 Psß monatlich 75 Pf§ mit Bringerloh». Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Prozeß Dreyfus. Rennes, 29. August. Nachdem die heutige Sitzung des Kriegsgerichts um 61/, Uhr eröffnet worden war, begann das Verhör des früheren zweiten Chefs des Nachrichten-Bureaus im Kriegsministerium, Cordier. Derselbe bekundet, Sandherr habe ihm das Bordereau mitgeteilt, welches dieser von Henry erhalten hatte. Letzterem wurden die Papiere von einem Agenten übergeben. Uebrigens erhielt der Agent die Schrifttücke nicht direkt aus der betreffenden Botschaft, sondern eine Dame fungierte als Vermittlerin. Weiter erzählt Zeuge von dem Verrat in Bourges, welcher nach Sandherrs eigener Meinung nicht Dreyfus zuzuschreiben sei. Damals sei wegen des Verrats der Robin Granaten der Spion Thomas verhaftet worden. Während derselbe im Gefängnis gewesen, eien an ihn Briefe von seinen Auftraggebern eingelaufen, welche im Nachrichten-Bureau beantwortet worden seien. Auch Zeichnungen der Granate seien abgesandt worden, sogar Geld sei dafür eingegangen. Nochmals auf die oben genannte Dame, die das Bordereau an den Agenten weiter gab, zurückkommend, erzählt Zeuge Cordier, daß sie „La fine mouche“ genannt worden sei. Eines Tages sei sie, er wisse nicht infolge welcher Manöver, der deutschen Botschaft denunziert worden. Präsident Jouaust, die Hand auf den Mund legend, sagt, keinen Namen nennen. Nach der Entdeckung habe man nichts mehr mit ihr zu thun haben wollen, sie habe aber solange gebeten, bis sie behalten worden sei. Die Rendezvous mit ihr hätten spät abends stattgefunden, und ihren Gehalt hätte sie stets im voraus erhalten. Zeuge spricht ferner noch von den Verrätereien eines gewissen Boutennet. Später seien zahlreiche Dokumente aus dem Marineministerium verschwunden. Der Zeuge kommt dann noch auf die Verhaftung Dreyfus zu sprechen. Es seien damals verschiedene Personen als Verräter signalisiert worden. Es habe geheißen, ein Herr von 45 bis 50 Jahren, ein Dekorierter, habe diese Dokumente an die deutsche Botschaft (Präsident Jouaust legt wieder die Hand auf den Mund . . .) in eine Botschaft tragen sollen. Zeuge deutet dann, ohne Henry zu nennen, den Verdacht an, der gegen Henry geäußert wurde. Henrys Vertrauensmann, der Agent Guenne, sei leider gestorben, dieser könnte hier vieles erzählen, hauptsächlich auch, wie man gewisse Schriftstücke fabrizierte. Es waren dann die kolossalen Geschäfts-Verbindungen mit Cuers, Lajoux u. Co. gefolgt. Das durch diese Agenten aufgebaute Spionage-System sei so wirksam gewesen, daß zahlreiche deutsche Spione in Frankreich gefaßt und verurteilt werden konnten. Nach 1870 habe man dem französischen Generalstabe den Vorwurf gemacht, er habe nicht genug Spione gehabt. Nun, vor wenigen Jahren sei diesem Mangel abgeholfen gewesen. Wenn damals der Krieg ausgebrochen wäre, dann wären, ruft Zeuge, wir die Meister des ganzen Dienstes gewesen. Wir wären unserer Sache sicher gewesen. Als die Untersuchung gegen Dreyfus geführt wurde, habe der Spitzel Guenne Verdachtsgründe herbeizuschaffen gehabt. Alle möglichen Laster seien Dreyfus nachgesagt worden, aber alles, was daran wahr gewesen, sei, daß Dreyfus bei seiner Verheiratung nicht mehr berechtigt gewesen sei, den Myrtenkranz zu tragen. (Gr. Heiterkeit.) Nach seiner Verheiratung habe Dreyfus einwandsfrei gelebt. Nur habe er in seinenReden aufgeschnitten. Zeuge schließt, er habe 1894, wie wir alle, an Dreyfus Schuld geglaubt, jetzt sei er unbedingt von seiner Unschuld überzeugt. Das erste, was meinen Zweifel erweckte, war, als ich sah, daß man das Bordereau umdatiert hatte. Als ich dann sah, wie Piequart ungerecht angeklagt wurde, sagte ich mir, da stimmt etwas nicht. Präsident Jouaust fragt den Zeugen, ob er etwas von einer Verbindung Esterhazys mit dem Kriegsministerium wisse. Zeuge Cordier entgegnet mit Nein. Labori ersucht den Zeugen, Mitteilungen über die Verhaftung Dreyfus zu machen, was auch geschieht. Labori fragt dann nach jener italienischen Dame, die dem Generalstabe Mitteilungen lieferte. Cordier entgegnet, es hätten Verbindungen mit vielen italienischen Damen bestanden, diejenigen, die den Generalstab bedienten, seien nicht sehr raffiniert gewesen. Die Dokumente seien wertlos gewesen. Major Lauth verlangt das Wort und sucht Cordiers Aussage in verschiedenen Punkten zu bemängeln. Er bestreitet z. B., daß das Bordereau erst am 24. September eingeliefert worden sei. Cordier bleibt bei seiner Behauptung. Lauth sagt weiter, man habe den Generalstab antisemitischer Gesinnungen beschuldigt. Im Jahre 1894 habe es nur einen Antisemiten dort gegeben, und das sei Cordier gewesen. Cordier entgegnet, er sei Antisemit, weil einmal in einer Streitsache ein jüdischer Gerichtsvollzieher am Sonntag bei ihm gepfändet habe, aber sein Antisemitismus sei niemals so weit gegangen, daß er gegen einen unschul- bigen Offizier Zeugnis abgelegt hiitte, blos weil er ^ube fei Er sei ein ehrlicher Munn, wenngleich Antisemit. t*«n* mit letnefrme des «r-ttiZ W* Gkßcner SfewWHwMitUx MteR Ban Anzeiger »>ch*tttch »Htmal idgtkfL Gießener Anzeiger General-Anzeiger (Bravorufe im Saal.) Major Lauth erklärt weiter, Cuers habe französisch schreiben, aber nicht sprechen können. Auch Cordier könnte z. B. vorzüglich deutsch schreiben (Cordier lehnt dies ab), aber nicht reden. Lauth verliest dann einen Brief, in welchem Henry sich erfreut darüber ausspricht, daß Picquart Sandherrs Nachfolger gewesen sei. Labori verlangt den Brief zu sehen. General Löget verlangt das Wort. Er spricht von Lemercier-Picquart, dessen richtiger Name Moses Lehmann gewesen sei. Derselbe wurde bekanntlich 1898 in einem Gasthause in Thionville erhängt aufgefunden. Roget erzählt, daß man bei Lehmann den Brief eines Arztes gefunden habe, welcher lautet: Sagen Sie dem Untersuchungsrichter nichts, das Geld ist für Sie bereit. Der Arzt fei vernommen worden, habe aber geleugnet, daß er der Verfasser des Briefes sei. Man habe dann Lehmann für ein Generalstabswerkzeug ausgegeben, er habe ja auch wiederholt seine Dienste angeboten, sei aber als Schwindler erkannt und abgewiesen worden. Gleich dem General Mercier bleibt Roget dabei, daß der Bourger Verrat erst 1896 konstatiert worden sei. Diese Aussage richtet sich gegen die Behauptung Freystätters. Zeuge Roget bekundet weiter, ihm seien nur zwei Beweise für die Fortdauer des Verrats nach der Verurteilung Dreyfus' bekannt. 1896 habe eine ausländische Persönlichkeit dem französischen Generalstab Dokumente angeboten, die der deutsche Generalstab erhalten hatte, sowie die Mitteilung, wie er sich dieselben verschafft hätte. 1895 sei dem französischen Generalstab eine Note aus dem Besitz des deutschen Generalstabes über die französische Mobilisation zugegangen. Die Note habe bewiesen, daß der deutsche Generalstab über alle Vorgänge in der französischen Armee auf dem laufenden erhalten sei. Diese Notiz war aus dem Jahre 1894, und habe nur von jemand herrühren können, der zum französischen Kriegsministerium gehörte. Zeuge Oberst Fleurs sucht Cordier zu verdächtigen, wird aber stets von Cordier widerlegt. Dreyfus bittet ums Wort. Er sagt, er habe mit dem Mobilmachungsplan nie etwas zu thun gehabt. Um 9 Uhr 40 Min. tritt die übliche Pause em. Um 10 Uhr wird Freycinet als Zeuge aufgexufen. Er bekundet über die Behauptung, daß aus Deutschland und England für die Dreyfus-Campagne 36 Millionen Francs eingegangen seien. Als ich vom Kriegsministerium zurücktrat, empfing ich den Besuch des Generals Jamont. Wir plauderten über alles, auch über den Dreyfus-Preßfeldzug. Wir tauschten unsere Ansichten aus. Ich kenne keine Details, aber nach der Berechnung der Personen, welche über diese Publizitätskosten auf dem laufenden waren, haben dieselben 36 Millionen betragen. Nunmehr stimmt Zeuge einen weinerlichen Ton an und bittet seine Landsleute, der Dreyfus- sache ein Ende zu bereiten. Er sagt: Nehmen wir das Urteil des Kriegsgerichts an, möge es ausfallen, wie es wolle. Freycinet erklärt noch, er nehme keinen Anstand, zu erklären, daß Scheurer-Kestner, der eine große Rolle in dieser Affaire gespielt, sein Freund sei, und daß er die größte Achtung vor ihm habe. # . Redakteur Galli sagt aus, daß die erste Indiskretion sehr wohl von Cordier sein könnte, was dieser entschieden zurückweist. . _ „ . . Es beginnt noch der Sachverständige Belhomme seinen Vortrag, worauf um 11% Uhr der Prozeß auf morgen vertagt wird._________________ Deutsches Reich. Berlin, 29. August. Der Kaiser nahm heute auf der Fahrt nach Zehdenick den Vortrag des Chefs des Militär- kabinetts, Generals v. Hahnke, entgegen. Berlin, 29. August. Die Kaiserin wird, tote verlautet, sich mehrere Monate hindurch eine sorgfältige Schonung ihres kranken Fußes wegen auferlegen müssen, der in der letzten Zeit überanstrengt worden zu sein scheint, sodaß sich jetzt nachteilige Folgen bemerkbar machen. Dr. Juncker hat auch die heutige Nacht im Neuen Palais verbracht. Berlin,29.August. Reichskanzler Fürst Hohenlohe gedenkt sich heute abend auf kurze Zeit auf sein Gut Werkt in Rußland zu begeben. o A . Berlin, 29. August. Schluß des Landtages. In der heutigen Sitzung der vereinigten Hauser des Landtags gab der Minister Fürst Hohenlohe nach Verlesung der Allerhöchsten Botschaft wegen Schlusses des Landtages nachfolgende Erklärung ab: „ Meine Herren! Am Schlüße dieser ungewöhnlich langen und arbeitsreichen Session ist es mir Bedürfnis, Ihnen namens ^er königlichen Staatsregierung für die Muhe und Hingebung zu danken, mit der Sie sich der Durchberatung der Ihnen unterbreiteten gesetzgeberischen Vorlagen unterzogen haben. Es ist dadurch, wie mit besonderer Befriedigung anerkannt wird, die Möglichkeit geschaffen worden, diejenigen Gesetze rechtzeitig zu verabschieden, welche die Einführung des am 1. Januar 1900 Geltung erlangenden neuen Neichsrechts für unser engeres Vaterland zur Voraussetznng hat. Auch auf verschiedenen anderen Gebieten der Staatsverwaltung hat sich Ihre Mitarbeit als fruchtbringend erwiesen. Aufs tiefste mutz die Regierung Sr. Majestät des Königs andererseits bedauern, daß das große Kanalunternchmen zur Verbindung von Rhein, Weser und Elbe, welches einem dringenden Verkehrsbedürfnis entsprechen und den Osten und den Westen der Monarchie wirtschaftlich noch inniger vereinigen soll, die Zustimmung des Hauses der Abgeordneten nicht gefunden hat. Sie hält im allgemeinen Jniereffe der Landeswohlfahrt an diesem großen Werke unverbrüchlich fest und giebt sich der sicheren Erwartung hin, daß die Ueberzeugung von deffen Notwendigkeit und Bedeutung im Volke immer mehr Boden faffen und daß es bereits in der nächsten Session gelingen wird, eine Verständigung darüber mit dem Landtage der Monarchie herbei- zuführen. Auf Grund des mir erteilten Allerhöchsten Auftrags erkläre ich die Sitzungen des Landtags für geschloffen. Berlin, 29. August. Der Bund der Landwirte veröffentlicht eine Kundgebung, worin es heißt: „In der kanalfreundlichen Presse ist uns in den letzten Tagen vielfach die Meinung begegnet, als ob die Ablehnung der Kanalvorlage hauptsächlich dem Bunde der Landwirte zuzuschreiben sei, der damit der Regierung gegenüber eine Kraftprobe habe machen wollen. Zunächst müssen wir die Behauptung der beabsichtigten Kraftprobe auf das entschiedenste zurückweisen. Wenn der Bund der Landwirte in den letzten Jahren mehrfach gezwungen worden ist, die Interessen der deutschen Landwirtschaft auch gegen die Regierung zu vertreten, so ist ihm das ganz gewiß nicht angenehm und erfreulich gewesen. Nur ungern macht der deutsche Landwirt der Regierung Opposition, aber er thut es, wenn auch mit schwerem Herzen, wo die Erhaltung seines Standes es gebietet. Von einer solchen Opposition aber konnte bei der Kanalvorlage schon um deswillen gar keine Rede sein, weil diese Vorlage gar nicht in erster Linie die deutsche Landwirtschaft anging, sondern in viel höherem Maße das gesamte gewerbliche Leben Preußens, das von einer ganz besonderen Begünstigung einer Einzelgruppe bedroht wurde. Aus allgemeinen wirtschaftlichen Erwägungen hat der Bund der Landwirte sich allen den Interessengruppen angeschlossen, die von vornherein schon allein aus Rücksichten der eigenen Selbsterhaltung gegen den Mittellandkanal sich wehrten." M.P.C. Berlin, 29. August. Es ist gesagt worden, auch die Hierherkunft des Grafen Bülow in der vorigen Woche hänge mit der Kanalkrisis zusammen. Dies ist nicht zutreffend; Graf Bülow beeilt sich jedesmal, wenn der Kaiser längere Zeit von Berlin sortgewesen ist, demselben sich vorzustellen und ihm Vortrag über die aktuellen Fragen der auswärtigen Politik zu halten — dies ist auch jetzt geschehen; mit der Kanalkrisis stand die Hierherkunst des Leiters der auswärtigen Politik des deutschen Reiches nicht in Zusammenhang. M.P.C. Berlin, 29. August. Unter den Persönlichkeiten, die als mutmaßliche Nachfolger des verstorbenen Oberpräsidenten Dr. v. Achenbach in Betracht kämen, wurde kürzlich auch der inaktive Staatsminister Dr. v. Bötticher, z. Z. Oberpräsident der Provinz Sachsen genannt. Wie uns aus Magdeburg geschrieben wird, betrachtet man es dort als ausgeschlossen, daß Herr v. Bötticher so bald wieder von dort fortgeht. Er hat sich sehr gut eingelebt, unterhält mit den verschiedensten Jnteressenkreisen rege und angenehme Beziehungen und ist unablässig bemüht, für das Wohl der ihm anvertrauten Provinz thätig zu sein. Die Kombination, daß nach Potsdam der jetzige Oberpräsident von Hannover, Graf Stolberg-Wernigerode und an dessen Stelle der gegenwärtige Landwirtschaftsminister, Frhr. von Hammerstein kommen dürfte, hat sehr viel Wahrscheinlichkeit für sich; Dem Kaiser liegt sehr viel an der Versöhnung der Welfen; Frhr. v. Hammerstein wird von ihnen noch heute als ihresgleichen angesehen, vielleicht ist es ihm Vorbehalten, Erfolge auf dem in Frage stehenden Gebiete zu erzielen. M.P.C. Aus London wird uns geschrieben: Allem Anschein nähert sich jetzt der Augenblick, wo die Veröffentlichung des bis dahin geheimgehaltenen deutsch englischen Afrika- Abkommens erwartet werden darf. Sobald die Engländer sich erst im Besitz der Delagoa-Bai befinden, wird sich auch ein neuer Strom englischer Einwanderer nach Transvaal ergießen. — Es sei noch einmal daran erinnert, daß das deutsch-englische Abkommen mit der kontinentalen Politik ebensowenig zu thun hat, wie mit der ostasiatischen. Es ist lediglich dazu bestimmt, die ReibungSfläche zwischen Deutschland und England zu vermindern. — Eisenbahn in Südwest-Afrika. Den kürzlich eingetroffenen Nummern des „Windhoeker Anzeigers" entnehmen wir folgende Mitteilungen über die Eisenbahn in Deutsch-Südwest-Asrika. Die Geleise sind zurzeit bis Kilometer 111 verlegt, der Unterbau ist bis Kilometer 123 fertig. Die Wasserverhältnisse auf der ferneren Strecke scheinen sich günstiger zu gestalten, als man anfänglich angenommen hatte. In Hasis, Kilometer 143, ist reichlich Wasser gefunden. Ebenso ist an der Ubiber Pforte ein Brunnen erbohrt worden, der einen Wasserstand von 16 Kubikmetern aufwcist. Dieser Brunnen liegt etwa drei Kilometer von der Trace entfernt und soll, falls sich das Bedürfnis dazu herausstellt, durch ein besonderes Gleis mit der Hauptstrecke verbunden werden. Auch in Okongawa dürfte ausreichend Wasser vorhanden sein. Die Bauspitze ist jetzt nach Kilometer 110 verlegt. Eine Weitereröffnung für den Personen- und Frachtverkehr soll erst stattfinden, wenn die Station Okongawa dem Betriebe übergeben ist, was für Anfang nächsten Jahres erwartet werden kann. Die Post soll jedoch schon mit der Bahn befördert werden, sobald die Strecke bis Dorstrivier fertiggestellt ist. Ausland. Paris, 29. August. Sämtliche Morgenblätter beschäftigen sich mit der voraussichtlichen Einberufung der Haute cour. In politischen Kreisen nimmt man an, der untersuchende Ausschuß werde Mitte September zusammentreten und die öffentliche Verhandlung des Senats etwa Mitte Oktober beginnen. — Die Verfolgung des „Jntransigeant" und der „Libre Parole" wurde niedergeschlagen und nur „Patrie", „Soir" und „Journal du Peuple" werden wegen Aufwiegelung der Massen belangt. Rumänien. Der König und die Königin sind heute über Budapest und Wien nach Ragatz abgereist. Die Minister gaben dem Königspaar bis Predeal das Geleit. Afrika. „Daily Mail" meldet aus Lourenco Marques: Das englische Kriegsschiff „Tartar" hat in zwei Kabellängen Entfernung vom portugiesischen Kriegsschiffe „Jndia", welches die zurückgehaltene Munition für Transvaal an Bord hat, Ausstellung genommen. Die Behörden dort bekunden die größte Aufmerksamkeit gegenüber einem etwaigen Ueber- fall seitens Transvaals und transvaalscher Bürger. Alle Posten sind verdoppelt; Soldaten mit gezogenen Säbeln patrouillierten vorgestern die Straßen. Große Sendungen Pferde und Maulesel für die portugiesische Artillerie und Kavallerie kommen dort an. Afrika. In der Transvaal-Krisis lohnt es sich, einmal den Blick von den zahlreichen Tagesnachrichten ab und auf einen allgemeineren Gesichtspunkt zu wenden. Während die Regierungen der europäischen Staaten sich völlig schweigend und scheinbar teilnahmlos verhalten, nimmt die Presse derselben desto lebhafter daran teil. Die „Volksstem" schreibt hierüber: Wir empfingen aus Europa eine große Menge deutscher, französischer, englischer, holländischer und belgischer Blätter, die von uns unbekannten Freunden abgesandt wurden. Die französischen Blätter „Economiste", „Temps", „Siöcle", „Patrie", „Le Petit Journal" rc. nehmen eine höchst wohlwollende Haltung gegen die Buren ein. Bemerkenswert ist, daß der „Temps", das Regierungs-Organ, sich der Republik sehr warm annimmt. Dasselbe war auch der Fall anfang 1896 nach dem Jameson-Einfalle, bis dann das Kabinett Bourgeois auf den Gedanken kam, sich mit England gegen Deutschland zu verbinden. In den folgenden Jahren nahm ein großer Teil der französischen Zeitungen eine transvaalfeindliche Haltung ein, da das englische Gold zur Anwendung gekommen war. Nach dem Faschodafalle änderte sich das wieder. Beachtenswert ist, daß das verbreitetste französische Blatt, das „Petit Journal", mit einer Million Auflage, sich der Buren sehr warm annimmt. In einem Artikel: „Vom Haag nach Johannesburg" sagt es u. a.: England ist nicht eher befriedigt und ruhig, als bis Transvaal verschwunden ist. Ebenso steht die deutsche Presse fast ganz auf feiten der Republik, desgleichen die belgische und von der holländischen ist es selbstverständlich. Aber auch unter den englischen Zeitungen gibt es einzelne, die sich scharf gegen die Chamberlcun'sche Politik in Südafrika wenden. Die provinziale Presse, vor allem diejenige, die für die Kolonien bestimmt ist, warnt vor Gewaltmaßregeln. Einige weisen auf den Vorgang mit Nordamerika hin, das für England durch eine unverständige, gewaltsame Politik verloren ging. Andere betonen, daß der gegenwärtige Streit zwischen England und den Buren einen Krieg nicht rechtfertigen würde. Aus den verschiedensten Teilen Deutschlands empfing die „Volksstem" Zeitungen, welche darthun, wie sehr das drohende Auftreten Englands gegen die Südafrikanische Republik in Deutschland verabscheut wird. Das erregt in Transvaal Befriedigung, kann aber den Buren nichts Helsen. Es ist jedenfalls bemerkenswert, daß das außerenglische Europa der Transvaal-Republik seine Sympathie bezeigt, wenn auch keine der Großmächte an der Frage so nahe interessiert ist, daß sie sich veranlaßt sehen kann, dem beutelustigen England in den Arm zu fallen. ____________________________M. N. N. Lokales und Provinzielles. Gießen, 30. August 1899. * * Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, am 1. Juli dem Bürgermeister Konrad Wagner VI. in Michelbach das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. * * Das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm ist gestern abend mit klingendem Spiel wieder hier einmarschiert, nachdem am Vormittag auf dem „großen Sand" in Mainz eine Inspektion der 49. Infanterie-Brigade, welcher das Regiment angehört, durch den kommandierenden General des 18. Armeekorps stattgefunden. Mitte nächster Woche rückt das Regiment wieder zu den Manövern nach Oberhessen aus. * * Postalisches. Der deutsche Gesandte in Washington, Mumm v. Schwarzenstein, und der Generalpostmeister Smitt raselbst unterzeichneten ein Abkommen, betreffend den Austausch von Postpacketen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten. * * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Russenmacher Anton SabiwolSgo aus Daschwitze wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; Maurergeselle Heinrich Schulmeyer aus Mörfelden wegen Sachbeschädigung vom Untersuchungsrichter I Darmstadt; Taglöhner Heinrich Senge aus Freienhagen wegen Diebstahls und Bäcker Nikasius Stein aus Eisenbach wegen Dieb- tahls vom Amtsanwalt Friedberg; Bildhauer Franz Joseph Beisiegel aus Hopfgarten wegen Diebstahls; Hausbursche Emil Simon aus Braubach wegen Körperverletzung, Beleidigung u. s. w., Schreiner Heinrich Ber lau aus Eudorf wegen Körperverletzung, Kaufmann Karl Lehmann aus Nordhausen wegen Zechbetrugs, Dienstknecht Karl August olbe aus Sontra wegen Körperverletzung, Gertrude Koch, geb. Kolter, aus Pfaffrath wegen Unterschlagung, Kaufmann Heinrich Ledebrück aus Hüßen wegen Betrugs, Taglöhner Karl Silz aus Düsseldorf wegen Diebstahls, Reisender Jakob Schuster aus Mainz wegen Betrugs und Heizer Max Bertmann aus Dortmund wegen Körperverletzung, sämtlich vom Amtsanwalt Mainz. Ferner wegen Strafverbüßung: Zimmermann Otto Ebeling aus Burg und Bäcker Michael Schaible ans Göttelfingen vom Amtsgericht Worms; Schreiner Peter Fieser aus Holzburg vom Amtsgericht Gernsheim; Scherenschleifer Christian Iva aus Carlsberg vom Amtsgericht Alzey; Schneider Richard Schneider aus Watterbach und Taglöhner Albert Grünewald aus Mainz vom Amtsgericht Mainz; Dienstknecht Johann Balthasar Müller aus Mörfelden vom Amtsgericht Gernsheim. •* In Amerika verstorbene Hesse«. In St. Joseph, Mo., John Nold, 67 Jahre alt, aus Hofheim. — In Pittsburg, Pa., Katharina Ebach, geb. Kaltenborn, 74 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. — In Portsmouth, O., Vincent Brodbeck, 82 Jahre alt, aus Bingen. — In Birmingham, Ala., John A. Schill, 80 Jahre alt, aus Alzey. — In Cincinnati, O., Margaretha. Balz, geb. Hinninger, 73 Jahre alt, aus Weinheim. — In Toledo, O., Nikolaus Neuhäusel, 89 Jahre alt, aus Ober-Roden. — In Swickley, Allegheny County, Pa., Kapitän Kaspar Kaufmann aus Hessen-Darmstadt. Scholten, 26. August. Heute faud hier die diesjährige Hauptkonferenz der Lehrer des Kreises Schotten statt. Um 10 Uhr vormittags wurde sie durch Herrn Geheimen Regierungsrat Schönfeld eröffnet, der den zur Konferenz erschienenen Herrn Turninspektor Schmuck vorstellte. Zunächst erhält nun Herr Kreisschulinspektor Gunderloch das Wort und gibt über die Schulverhältnisse des Kreises statistische Mitteilungen. Durch Herrn Turninspektor Schmuck wurde alsdann eine Musterlektion im Stabturnen und in Ordnungsübungen abgehalten. Herr Lehrer Gerhard von Laubach hielt alsdann einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über die Theorie des Turnens. Sodann fand eine Besprechung der Ausführung sowie der Art der auszuwählenden Hebungen und der Erteilung der Befehle statt. Der Herr Turninspektor gab hierbei noch verschiedene Winke und Aufklärungen. Den Schluß des amtlichen Teiles bildete ein Vortrag des Herrn Lehrers Schmidt-Steinberg über die schriftlichen Hebungen auf der Hnterstufe, der überall volle Zustimmung fand, weshalb auch von einer weiteren Besprechung abgesehen wurde. Nach Schluß der Konferenz fand dann in der Turnhalle noch ein gemeinsames Mahl statt, wobei durch Herrn Geh. Regierungsrat Schönfeld ein Toast auf Seine Königliche Hoheit den Großherzog ausgebracht wurde, in den die Anwesenden begeistert einstimmten. Bad-Nauheim, 28. August. Se. Hoheit der Herzog Carl Michael von Mecklenburg-Strelitz ist heute aus St. Petersburg hier eingetroffen, um, wie im vorigen Jahre, unter Leitung des Medizinalrats Dr. Grödel eine Badekur zu gebrauchen. Zurzeit weilen ferner hier Ihre Durchlaucht Prinzessin Marie von Croy, der bekannte türkische Divisionsgeneral und Generaladjutant des Sultansv. Grumbkow-Pascha, der italienische Gesandte im Haag Graf Zanini u. a. Seine Königl. Hoheit der Fürst von Bulgarien ist mit dem Erfolge der Nauheimer Kur sehr zufrieden und gedenkt noch längere Zeit hier zu verweilen. D. Z. Darmstadt, 29. August. Der Hof- und Domprediger Ohly, ein geborener Hesse, ist, wie aus Berlin gemeldet wird, daselbst am Sonntagvormillag feierlich in sein Amt eingeführt worden. Das Kultusministerium vertrat bei der Feier der Geheime Ober-Regierungsrat Steinhausen, den Evangelischen Oberkirchenrat Präsident Dr. Barkhausen, das Konsistorium Präsident Schmidt, die Stadtsynode Oberverwaltungsgerichts-Senatspräsident v. Meyeren. Das Domministerium war vollzählig erschienen. In der Hofloge sah man den Chef des Stabes des Gardekorps, Generalmajor v. Hülsen-Haeseler. Nachdem der Eingeführte das Amtsgelöbnis abgelegt hatte, segneten ihn die drei Domgeistlichen Dryander, Kritzinger und Schniewind ein. Seine Antrittspredigt hielt der neue Hofprediger über 1. Brief Pauli an dir Korinther 3, 9: „Denn wir sind Gottes Mitarbeiter, und ihr seid Gottes Ackerfeld und Gebäude." — Die Kirche war überfüllt. A Mainz, 29. August. Für die von Seiten des Staates ausgeschriebene Verpachtung des Brückenüberganggeldes auf der Mainzer und Kostheimer Straßenbrücke sowie der beiden Trajektverbindungen Mainz-Kastel haben sich bei dem gestrigen Schlußmeldetermin zahlreiche Hebernahmlustige eingefunden. Das höchste Gebot für die beiden Straßenbrücken und die zwei Trajektanstalten betrug 168 000 Mk. und wurde von dem seitherigen Hnternehmer der Trajektverbindung Mainz-Kastel, der Firma H. A. Disch hier gemacht, )ie andern ernstlich in Betracht kommenden Gebote wurden von zwei anderen Schiffsunternehmern von Köln und hier gemacht und weichen unwesentlich von dem Höchstgebot ab. Bei dem Ausschreiben hat sich die Regierung das Recht Vorbehalten, unter den drei Meistbietenden Die Wahl zu treffen. — Die hiesige Ortskrankenkaffe hat beschlossen, für ihre Mitglieder ein Rekonvaleszentenheim zu errichten, zu welchem Behuf man in Laugen-Brensbach bei König im Odenwald ein größeres Anwesen mit ausgedehntem Garten und Wald erwerben will. Au8 Rheinheffen, 29. August. Bei dem gestrigen Kirchweihfest in Dietersheim (bei Bingen) entstand während- der Nacht ein Streit, wobei einer der Beteiligten seinem b 5Ä5 ®J®#'™8« unb I £ 8'6l»tr= IC ntt Wn J„ n9 aus Dura ai -c m Holz. ^chueidex ^*et «Ibert Dienst- ^orfclben vom "fk. Joseph, Hvfheim. - $■ Kaltenborn, 1 vDtUmouth ,QU8 Binzen. ~ 80 ^hre ^rgarctba “8 Weinheim. - ’ 8» Sch- alt, ?^heny Sounttj, Hessen-Darmstadt. er bie diesjährige es Schotten statt. Herrn Geheimen » ,en zur Konferenz ck vorstellte. Zu- r Gunderloch 'isse des Kreises uspektor Schmuck abtuxnen und in ur Gerhard von g ausgenommenen i- Sodann fand der Art der aus- der Befehle statt. verschiedene Winke chen Teiles bildete 1-Steinberg über stufe, der überall on einer weiteren luß der Konferenz eme/nsames Mahl Srat gdtfiiftlb Großherzog aus« i begeistert ein« eit der Herzog strelitz ist heute n, wie im vorigen 5 Dr. Grödel eine ferner hier Ihre n Croy, der be- ieneraladjutant des lalienische Gesandte Sönigl. Hoheit der olgeber Nauheimer ngere Zeit hier za $)■ Z- und Domprediger Berlin gemeldet ierlich in sein W um verttat bei der ■ Steinhausen, den ’ Dr, Barkhausen, Stadtsynode Ober- eyeren. DasDom- in der Hofloge sah p5, GeneralMM .sjj rte das W w Anlnns griff gnitatbät«.»’ , Die Krrche war Stil« tu«@l0^, SS: Sw"*? 'S'" m- W°h'»' '»"L-hh" dein ) en«A'-e- Gegner mit einem Taschenmesser erstach. Der Gestochene war sofort eine Leiche. Der Thäter, der tierisch betrunken war, ist ein Bursche aus dem Thatort. — Die Entwickelung der Trauben ist bereits soweit vorgeschritten, daß in 14 Tagen bis 3 Wochen allgemeiner Weinbergschluß in Rheinhessen stattfinden wird. Goethe-Feier. Rede des Herrn Geheimrat Professor Dr. Oncken von Gießen beim Festkommers in Frankfurt a. M. In derselben Stunde, da heute morgen hier der akademische Festakt seinen Anfang nahm, hat in der Universitätsstadt Gießen auch eine Goethcfeter Nattgefunden: die Hülle fiel von einer Marmortafel, die erinnern soll an einen Mann der Wissenschaft, auf den im Jahre 1772 ein Strahl der Dtchtersonne gefallen ist: der ihm Unsterblichkeit verliehen hat. ES ist der Professor Dr. Julius Hoepfner, ein ausgezeichneter Lehrer des römischen Rechts und ein Freund der neuen deutschen Poesie, der KlopstockS Oden meisterlich vorzutragen wußte, dem Goethe von Wetzlar auS seinen Besuch machte, um ihn für seine Frankfurter „Gelehrten Anzeigen" al8 Mitarbeiter zu gewinnen. Watz Goethe selbst über diesen Besuch bet Hoepfner im 12. Buch von „Dichtung und Wahrheit" erzählt, muß man zusammen nehmen mit dem, was Hoepfner selbst und seine Gattin darüber mitgeteilt haben. Man gewinnt ein köstliches Bild, ein wahres Kabinettstück auS dem Beginn der Geniezeit. Der junge Goethe tritt leibhaft vor uns hin, so wie er war, in den seligen Jahren des Werden« seiner Dichterseele, mitten im Frühling unserer Po,sie selbst ein FrühlingSmensch in all seiner LebenSfüll-, seiner Genialität und Herrlichkeit. Er selbst erzählt, an einem schönen Morgen sei er vor Sonnenaufgang ausgebrochen, um daS liebliche Lahnthal nach Gießen zu aufwärts zu durchwandern. Das „Gießer Wochenblatt" vom 18. August meldet aus der Woche vor dem 15.: im „Hotel zum Einhorn" sei ein Legationssekrelär Wanderer aus Wetzlar abgestiegen; damit fing schon die Verkleidung an, in welcher Goethe beschlossen hatte, den Profeffor Hoepfner völlig unvorbereitet zu überfallen. Hoepfner selbst war im Begriff, ins Kolleg zu gehen, also in einer Stimmung, in der der höflichste Professor unhöflich wird, wenn ein unerbetener Besuch sich eindiängt zwischen ihn und seine Pflicht; da trat ein wildfremder Mensch bei ihm ein, schlecht gekleidet, verlegen, linkisch wie ein fahrender Scholar und begann eine Rede, die Hoepfner zweifelhaft ließ, ob er bloß ein Almosen haben wollte, oder ein kräftig Sprüchlein für fein Stammbuch. In dem Augenblick aber, da Hoepfner entschloffen nach der Börse griff, warf der Fremde die Narrenkappe ab, fiel Hoepfner um den Hals und fiflte: „Ich bin Goethe, verzeihen Sie meine Posse, lieber Hoepfner, aber ich wollte Ihnen nicht in der gewöhnlichen Weise durch einen Dritten vorgestellt werde«, wobei man sich doch steif und fremd gegenüber steht, sondern lieber mit beiden Füßen in Ihre Freundschaft hineinspringen." Am Abend desselben Tages — es scheint der 15. August gewesen zu sein, denn am 16. war Goethe wieder in Wetzlar — kam Hoepfner in daS Gasthaus, in dem die Gießener Profefforen gesellig zusammenkamen — wahrscheinlich war es der „Rote Löwe", der noch besteht —, später als gewöhnlich und fand hier die ganze Kollegenschaft in seltsamer Haltung und Verfassung. Die Professoren saßen und standen um einen Tisch herum und lauschten in atemloser Spannung einem Vortrag, den ihnen der dreiundzwanzigjährige Goethe hielt: es war eine jener poetischen Stegreifreden, mit denen er nachher in Weimar alles bezauberte, unter deren Eindruck Wieland schrieb, er sei von Goethe voll wie ein Thautropfen von der Morgensonne. Die Hörer boten ein Bild, wie es dem Dichter Vergil vorgeschwebt haben mag, als er die Worte schrieb: „Lautlos stehen sie all' und hängen am Munde des Redners, der mit des Wortes Gewalt die Geister lenkt und die Herzen." DaS ist die eine Goetheerinnerung, die sich an das Hoepfnerhaus in Gießen knüpft. Eine andere kommt hinzu. Zwei Jahre nach diesem Vorgang erschien in demselben Hoepfnerhause, durch einen warmen Empfehlungsbrief Goethes eingeführt: Max Klinger auS Frankfurt, der merkwürdigste Student, der sich jemals in den Mauern Gießens aufgehalten hat; ein Kopf und ein Wuchs von solcher Aehnlichkeit mit Goethe, daß man ihn dessen Doppelgänger hätte nennen können, ein Dichtergeist, in dem eS kochte und brodelte wie in einem Vulkan, der Sturm- und Drangpoet, dem Schiller nachher bezeugte, er habe auf seinen Genius eingewirkt mit einer Kraft wie fein zweiter Dichter seinerzeit, ein Urteil, das man versteht, wenn man Klingers Erstlingsdrama „Otto" vergleicht mit den „Räubern" Schillers. Und noch eine dritte Goetheerinnerung Gießens darf hier nicht unerwähnt bleiben. Als Goethe die Pfade selbständiger Naturforschung beschritt, um seinen Glauben an das große Einheitsgesetz der organischen Welt nachzuweisen in der Morphologie der Tiere und der Pflanzen, und die Lehre von der Metamorphose beider ausstellte, bte wir heute die Lehre von der Entwicklung nennen, da folgte dem gefeierten Dichter die Mitwelt nicht mehr! Was er fand ober zu finden glaubte auf seinem einsamen Wege, war den einen eine Thorheit, den anderen ein Aergernis. Wie dankbar war Goethe für den Bries, in welchem Schiller ihm am 23. August 1794 bewies, daß er ihm auch auf diesem Wege mit Verständnis, ja mit Bewunderung gefolgt war, und dankbar war er auch dem Gießener Physiologen Professor Milbrand, der ihm im Jahre 1820 öffentlich seine Zustimmung gegeben hatte und dem er dafür Worte schrieb, die zeigten, wie wohl ihm diese sympathische Stimme gethan hatte. DaS sind die Erinnerungen, mit denen die Goethefreunde in Gießen an dem Hoepfnerhause vorübergehen; wenn diese Goethefreunde aber zugleich akademische Lehrer sind, dann gedenken sie auch dessen, was Goethe für die deutsche Wissenschaft, ihre Pfleger und ihre Pfleglinge Unvergeßliches geleistet hat. Kein Dichter und kein Denker hat den deutschen Professoren und Studenten so tief ins Herz gesehen, als der Dichter de8 Faust schon in seinem Urfaust von 1775 es gethan hat, als seine eigenen Hochschulerinnerungen noch in ihrer ganzen Frische und Unmittelbarkeit auf ihn wirkten. Ein Vorbild ist er untz allen geworden durch die unablässige Arbeit am eigenen Selbst, den nie ermüdenden Fleiß bei der Ausbildung seines inneren Menschen und durch den herzerquickenden Glauben an den Segen dieser Arbeit, an die Fruchtbarkeit dieses Fleißes, diesen Glauben, in dem wir den edelsten Kern seiner ganzen optimistischen Weltauffassung zu erkennen haben. Unsterblich sind die Lehren, die er unS allen erteilt hat, so durch den Spruch: „Das Erste und das letzte, was vom Genie erfordert wird, ist Wahrhetsllebe." Ja, die Wahrheitsliebe. Ohne sie ist das Größte, was des Menschen Können und Wissen erreichen kann, nichts als ein tönendes Erz und eine klingende Schelle. Den Forschern gelten die Verse: „In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben," und den Rednern des Lehrstuhls gilt die Mahnung: „Wenn ihr's nicht fühlt, Ihr werdel's nicht erjagen. Wenn es nicht aus der Seele bringt und mit urkrästigem Behagen die Herzen aller Hörer zwingt." Und so hat er'S denn auch um die Wissenschaft im weitesten Sinne verdient , daß ihm hier ein Fest bereitet worden ist, desgleichen die Welt noch nicht gesehen hat. Ein Fest der Wissenschaft, der Kunst und des Volkes zugleich hat eS seiner Anlage nach werden sollen und ist es in der Ausführung auch wirklich geworden durch den beispiellosen Einmut, mit welchem alle Kreise, alle Schichten der Bevölkerung ihre begeisterte Mitwirkung geliehen haben. Ein ganzer akademischer Kräfte und ein wahrer Schatz akademischer Geistesarbeit ist dazu aufgeboten worden, und das stolze Ergebnis zeichne ich mit einem Wort: die Geburtsstadt Goethes ist jetzt durch diese »."Er die Goethestadt des deutschen Volkes geworden. Das « üblich sichtbar gewordene Frucht der stillen, mit Fleiß und Ausdauer viele Jahre lang gepflegten Vorarbeit, die das Freie Deutsche Hochstift hier geleistet hat als Mittelpunkt einer Goethe- gemelnbe bte wir jetzt kennen gelernt haben in ihrer ganzen Macht. Ehre uno 4)anr ben Männern, bie dies nationale Werk angeregt und geleitet wen und heute im Vollgefühle des Gelingens den schönsten Lorbeer sich selbst verdient haben. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß hierin Frankfurt der Boden ist für eine akademische Hochschule ersten Ranges, sagen wir für eine Universität der Handelswissenschaft, jetzt wäre der Beweis erbracht, und bei den ersten Schritten zur Verwirklichung dieses Planes wird man sehen, wie glücklich hier daS Erdreich vorbereitet ist und wie viel tüchtige Kräfte schon vorhanden sind, die nur des Zeichens warten, daS ihnen bie Rennbahn des Erfolges öffnen wird. Zusammen wirken müssen und werden die beiden Welten, Die hier nebeneinander bergegangen sind: der Idealismus der Goethegemeinde und der Realismus des Geschäfts im Kampf um ben Weltmarkt, in ben bte beutsche Arbeit nun einmal unwiberruflich eingetreten ist. Wie sagte boch Goethe in seiner tiefsinnigen Dichtung Epimenides Erwachen, als er nach Beenbigung der Befreiungskriege sein Volk hinwieS auf die Friedensarbeit, die nun zu beginnen Habel Er sagte: „Zusammenhaltet euren2Bert, und euch ist niemand gleich." Ja, so sagen auch wir unseren Freunden in Frankfurt an der Schwelle des zwanzigsten Jahrhunderts: „Zusammenhaltet eurm Wert und euch ist niemand gleich." Der Goethestadt Frankfurt und' ihrer akadtmischen Zukunft ein Lebe hoch! Ans der Zeit für die Zeit. Vor 24 Jahren, am 31. August 1875, starb zu Leipzig Oskar Ferdinand Peschel, der hervorragendste deutsche Geograph nächst Alexander von Humboldt. Seine „Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen" eröffnete die Reihe ebenso gelehrter wie grundlegender Werke auf seinem Spezialgebiete. Sein bedeutendstes Buch ist „Geschichte der Erdkunde bis auf Alexander von Humboldt und Karl Ritter." Peschel wurde am 17. März 1826 zu Dresden geboren. Vermischtes. * Wetzlar, 28. August. Unsere Stadt war zur Goethes ei er beflaggt, und vor dem Goethe-Brunnen hielt nach Gesang des Liedes „lieber allen Wipfeln ist Ruh" Oberlehrer Ludwig Seher eine Festrede. Mit dem Gesang des Heiderösleins war die Feier beschlossen. Alle Erinnerungsstätten an Goethes Wetzlarer Aufenthalt waren besonders reich geschmückt. * Hamburg, 28. August. Die Innung Bauhütte lehnte die Arbeiterforderungen auf Einführung einer neunstündigen Arbeitszeit bei 70 Pfg. Stundenlohn ab, bewilligte dagegen neuneinhalb Stunden und 65 Pfg. Die Arbeiter beharren auf ihrem Standpunkt, wollen jedoch weiter unterhandeln. * München, 28. August. Ein Student, der im Sommersemester an der Universität Erlangen immatrikuliert war und hier seine Studien fortsetzen wollte, wurde verhaftet, weil er seinem Hauswirt in Erlangen unter Vorspiegelung falscher Thatsachen 600 Mark entlockt haben soll. Temperatur der Lahn und Lust nach Reaumur gemeffen am 30. August, zwischen 11 u. 12 Uhr mittag«: Master 16°, Luft 18V,°. Rübfamen'sche Badeanstalt. UmverfMs-Uachrichten. — Berlin. Die Nationalzeitung berichtet: Das HofmannS- haus, welches zum Andenken an den großen Chemiker A. W. v. Hofmann auf dem Grundstück Sigismundstraße 4 errichtet wird, ist im Rohbau bereits bis zum zweiten Stockwerk gediehen. Das HauS wird nach einem Entwurf des BaurateS March auSgeführt. Die Vorderseite des Gebäudes wird mit hellem Sandstein versehen, daS Dach mit roten, unglasterten Ziegeln bedeckt. Die Seitenwände und Decken der einzelnen Säle werden aus unoerbrennbarem Material hergestellt. Der Veranstaltung von öffentlichen Vorträgen wird ein großer Hörsaal mit 250 Sitzplätzen dienen, welcher sich in der Mitte beS Gebäudes durch das erste und das zweite Stockwerk erstrecken wird. Vorsitzender der Gesellschaft „Hofmannhaus" ist Dr. C. A. Martins, Geschäftsführer Kommerzienrat Dr. Holtz. — Heidelberg. Seinen 70. Geburtstag beging am 23. ds. Mts. der verdiente Mathematiker Prof. Moritz Cantor. In Mannheim geboren, studierte er in Heidelberg, Göttingen und Berlin, habilitierte sich 1853 alS Prioatdozent in Heidelberg und wurde 1863 zum außerordentlichen und 1877 zum Honorarprofessor ernennt. Der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Arbeit Cantors liegt in seinen Forschungen zur Geschichte der Mathematik. Seine Hauptleistung ist seine dreibändige Geschichte der Mathematik, die in der Form von Vorlesungen gehalten ist. Sie behandelt die mathematischen Wissenschaften in ihrer Entwickelung von den ältesten Zeiten bis zum Jahre 1758. Hier hat sich Cantor eine Grenze gesteckt. In dem Schlußbande spricht er die Hoffnung auS, daß ein Jüngerer die Ergänzung seiner Mathematik-Geschichte und ihre Fonführung bis zur Gegenwart auf sich nehmen werbe. Seit dem Erscheinen des ersten Bandes im Jahre 1880 wurde jeder neue Band der Cantor- schen „Vorlesungen" mit Spannung erwartet. Cantor läßt eS sich nicht genug sein, das Schaffen der führenden Geister in der Mathematik darzustellen; er wirb auch ben Mathematikern zweiten und dritten Ranges vollauf gerecht, insoweit sie zum Fortschritt ihrer Wissenschaft beitrugen. Zu der Geschichte der Mathematik Cantors kommt eine beträchtliche Reihe von Einzelstudien mathematik-geschichtlichen Inhaltes. Einen Teil davon hat er in seinem GeschichtSwerke verwertet. Sehr ausgiebig pflegte Carttor bie Lebensbeschreibung beroorregenber Fachgenosstn auS alter unb neuer Zeit. Ein hervor- stechenbeS Interesse zeigt er ferner für Erörterungen über die Beziehungen zwischen der Mathematik und der Kulturgeschichte, wovon eine Reihe von Schriften zeugen. D. Z. — Heidelberg. Der Prioatdozent in der juristischen Fakultät unserer Hochschule' Dr. Wolfgang Mittermaier wurde zum außerordentlichen Professor ernannt. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Darmktadt, 30. August. Wie die „Darmstädter Ztg." mitteilt, ist > er Vertrag der Regierung mit einem Unternehmer bezüglich Verpachtung der hessischen Landeslotterie noch nicht abgeschloffen. Berlin, 30. August. Das Berliner Tageblatt gibt unter allem Vorbehalt die Melduug der Kopenhagener Politiken wieder, welche dieselbe von Georg Brandes aus Paris erhalten habe: Die Pest ist dort antzgebrochen. Es find schon sechs Fälle mit tätlichem Ausgange zu verzeichnen. Das merkwürdige Schweigen der Prcffe wird dadurch erklärt, daß die Pariser Blätter subventioniert find, um das Schweigen zu bewahren. Nm die Redaktion der Fronde, von der der Gewährsmann diese Mitteilung erhalten hat, wies die Bestechung zurück. Berlin, 30. August. Die Morgenblätter beschäftigen sich in längeren Artikeln mit dem gestern erfolgten Schluß des preußischen Landtages. Die „Kreuzzeitung" erklärt sich mit der Form des Landtags-Schlusses durchaus einverstanden, da sie ohne Zweifel der wirklichen Bedeutung der Kanalvorlage Rechnung trage. Die konservative Partei werde jetzt nach beendigtem Kampf gern die Hand zum ehrlichen Frieden bieten. Voraussichtlich werde der Negierung sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß sie im Interesse des Staates selbst gut thut, die Herbeiführung des Friedens zu fördern. Die „Deutsche Tageszeitung" ist von der Erklärung des Fürsten Hohenlohe, die sie ruhig und besonnen nennt,nicht überrascht. Die Regierung scheine die Kanal-Vorlage als das zu behandeln, was sie fei, eine zweckmäßige Frage des Verkehrs, die sich nicht dazu eigne, eine Kraftprobe vorzunehmen. Das sei verfassungsmäßig und vernünftig. Die „Berl. N. Nachr." hoffen, daß die über Gebühr teils wirklich angewachsene, teils künstlich aufgestachelte Erregung der allein richtigen, ruhigen, fachlichen Behandlung bald wieder Platz machen werde zum besten des allgemeinen Wohles, und dieses fordert schließlich unter ehrlicher und freudiger Mitwirkung aller staatserhaltenden Elemente noch andere Dinge als den Mittelland-Kanal. Die „Staatsbürger- Zeitung" sagt: Bei der gestrigen Kundgebung fei das, was sie verschweige, wichtiger, als das, was sie ausdrücke. Dem Blatte wird bestätigt, daß die Versetzung der Verwaltungsbeamten, welche gegen die Kanal-Vorlage gestimmt haben, in den einstweiligen Ruhestand beschlossene Sache ist, und daß noch heute die diesbezügliche Kabinettsordre zur Ausführung gelangen wird. Das Blatt nennt alsdanu die Namen der von der Maßregelung betroffenen Beamten. Es sind dies der Regierungs - Präsident von Lüneburg, von Kolmar und der Regierungs-Präsident von Posen, von Jagow und 20 Landräte. Die „Staatsbürger-Zeitung" bedauert, daß der Landtag zurzeit noch nicht in der Lage ist, sich mit der Negierung über diese Maßregel auseinanderzufetzen. Die „National-Zeitung" sagt: Wenn eine veränderte, die Bekämpfung des Agrar-Konservativismus bedeutende Regierungs-Politik beabsichtigt ist, so muß man sagen, daß die Herren Graf Limburg-Stirum und Genossen mit vollendeter Höflichkeit und Verbindlichkeit noch im letzten Augenblick der Session behandelt worden sind. Wir hätten hiergegen durchaus nichts einzuwenden, wenn die politischen Thaten nunmehr um so energischer würden. — Die „Voss. Ztg." schreibt: Dieselbe Partei, welche den Parlamentarismus von Grund aus zu bekämpfen vorgiebt, hat diesem Parlamentarismus einen glänzenden Triumph bereitet. —Das „Berl. Tgbl." führt aus: Das wahre geschichtliche Ergebnis dieser Landtags- Session bedeute eine Waffenstreckung der Staatsregierung vor den herrschenden Argrar-konservativen Parteien im Lande. Ironisch sagt die Volkszeitung: Wenn der Kanal zehnmal hintereinander abgelehnt ist und die Regierung hofft dann noch immer auf Besserung, dann ist es vielleicht Zeit, gegen die Regierung den Vorwurf der „Schwäche" zu erheben, der aber jetzt bei allen Wohlmeinenden mindestens den Eindruck einer unschönen Voreiligkeit machen muß. Der Vorwärts sagt: Die Erklärung des Fürsten Hohenlohe ist sogar noch sanfter, als selbst die Jllusionslosen erwarteten. Wir vermögen in der Kundgebung nur eines zu erkennen: Ruhe, nichts als Ruhe. Ruhe ist die erste Ministerpflicht. Tilsit, 30. August. Die hiesige Strafkammer verurteilte den Gemeindevorsteher D. aus Kallven wegen Wahl- und Urkundenfälschung zu einer Woche Gefängnis. D. hatte bei der Wahl des Gemeindevorstandes zwei Zettel gegen seine eigene Wahl gefälscht. Wien, 30. August. Die „N. Fr. Pr." erhält von vertraulicher Seite die Meldung, daß Kaiser Franz Josef noch vor der beschlossenen Revision des Dreyfus-Prozeffes zu Mitgliedern der hiesigen Diplomatie geäußert hat, er sei von der Unschuld Dreyfus überzeugt. In gleicher Weise hätten sich der König von Schweden und der Zar geäußert. Rom, 30. August. Der Dichter Giacoso teilt im „Corriere della Serra" mit, Sarah Bernhard werde vor dem Kriegsgericht in Rennes eidlich aussagen, Rochefort habe ihr im Kabinett des Untersuchungsrichters 23 er« tulus gestanden, er sei von der Unschuld Dreyfus überzeugt, er werde das anderer Rücksichten wegen jedoch niemals öffentlich eingestehen. Paris, 30. August. Der frühere Redakteur des „Journal Lissa Joux", welchem der „Eclair" den Text des Schriftstückes Animal de Dreyfus verdankt, wurde gestern angeblich verhaftet. Derselbe erklärte, das Original dieses Dokumentes, worin der Name Dreyfus voll ausgeschrieben gewesen sei, sei chiffriert gewesen. Paris, 30. August. Der „Figaro" erfährt, daß der spanische Attache Valeralos seinen Rücktritt genommen habe, weil er, wie es heißt, mit Recht beschuldigt ist, die „ehrbare Persönlichkeit" zu sein, von welcher in den letzten Tagen im Drcysusprozeß die Rede war. Man erinnert sich, daß die betreffende Persönlichkeit im Nachrichtenbureau gegen Geld Mitteilungen machte. Paris, 30. August. In der Rue Chabrol wurde auf die Klagen der Geschäftsleute der Verkehr einigermaßen wiederhergestellt. Sonst ist die Bewachung gleich streng geblieben. Die Zahl der Neugierigen war gestern kaum nennenswert. Keiner der Belagerten zeigte sich am Fenster. Limoges, 30. August. Die Polizei hat einen gewissen Mathysens verhaftet, welcher dringend verdächtig ist, das Attentat gegen Labori ausgeführt zu haben. Belgrad, 30. August. Der Kommandant der Belgrader Feuerwehr wurde gestern verhaftet, weil er dem Attentäter den Revolver gab, mit welchem dieser aus König Milan schoß. London, 30. August. Mehrere Blätter konstatieren, daß die feindliche Haltung Chamberlains Transvaal gegenüber von allen Seilen Proteste gegen England Hervorrufen wird. 6339 Giessen, den 30. August 1899. Schnake«, Schwaben, Ruffen, Flöhe und Wanze« kauft nur „Lahr e naima“. 4499 Stadt. SchtMass. 1. 6295 6327 Wörner. eine 6332 Mod.es 03013 Bedingungen per Gentner 8.50 Mk. Petknser Koggen Zu verkaufen 632A Freiherrlich RieLesel'slhe Sutsverwallllug Ztockhauftu bei Lauterbach 6328 Schnitzel. —Prtnce Henri Italien. Mittelmeer 163. 143.- Ital. Meridional 69 6330 abzugeben. gesucht fron. Schlatter, Neuknmg 16 I Birkenstock L Schneider. 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