Nr. 306 Zweites Blatt Samstag den 30. Deeember L8«»s Gießener Anzeiger Henerat-Un^eiger Atjugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg vierteljährlich. Abnahme »en Anzeigen zu dec nachmittag- für den fekgendm Lag erscheinenden Nummer b,S vorm. 10 Uhr. AUe Anze,gen-Berm"'lungSstellen deS In- und Auslande« nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen Erscheint täglich mi« Ausnahme de» Mentag». Dir Gießener werden dem Anzeiger wöchentlich viermal drigelegt. Anrts- und Anzergeblcrtt fiw den Ttveis Äieszen. Aedaktion, Expedition und Druckerei: Fchnlstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße« Fernsprecher Nr. 51. Abonnements - Einladung. Zum Bezug des „Giehener Anzeiger»" für das 1. Vierteljahr 1900 laden wir hiermit ergebenst rin. Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer, den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntnis seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten zuverlässiger telegraphischer Nachrichten- Bureaus sowie zahlreiche Mitteilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch umsichtige Berichterstatter in allen Orten Oberhessens und in den bedeutenden Städten der anderen hessischen Provinzen, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge innerhalb unseres engeren Vaterlandes und der Nachbargebiete so frühzeitig wie möglich zur Kenntnis seiner Leser zu bringen, desgleichen werden die Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im lokalen Teile des Anzeigers erfahren. Den Interessen der in der Provinz Oberhessen betriebenen Landwirtschaft wird der Anzeiger weiterhin durch eine landwirtschaftliche Beilage Rechnung tragen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Kunst und Wissenschaft, Litteratur, Hauswirtschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Als weitere Beigabe erhcllten die Leser die Blätter für Hessische Volkskunde. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsten und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Die „Metzener Familienblätter" werden dem Anzeiger wöchentlich 4mal (Dienstags, Donnerstags, Samstags und Sonntags) im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt und den Blättern für Hessische Volkskunde beigelegt und neben den Erzählungen, Romanen und Novellen beliebter Schriftsteller anziehenden Unterhaltungsstoff aus dem Gebiete des Familienlebens und der Hauswirtschaft bringen, und somit namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhmzulretkude hiesige Abonnenten erhellen vom Sage der Kestellnng bis 31. Dezember den An- zeiger kostenfrei zvgestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe-Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements betrag durch Quittung erheben laffen, falls nicht ausdÄckliche Abbestellung erfolgt. Hochachtungsvoll Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steindruckerei (Pietsch Erben). * Die Teilung der portugiesischen Kolonien. Gießen, 29. Dezember 1899. DaS Jahrhundert geht seinem Ende entgegen, aber noch fortgesetzt bringt es Ueberraschungen. Eine solche ist die Nachricht von der beabsichtigten Teilung der Kolonien Portugals zwischen England und Deutschland. DaS also enthält der vielbesprochene Geheimvertrag zwischen den beiden Staaten, und mit Genugthuung darf im voraus konstatiert werden, daß von irgend welcher Bindung Deutschlands zu Gunsten Englands, von einer Allianz nicht die Rede ist. Wenn von einer Teilung der portugiesischen Kolonien ernstlich gesprochen werden darf, so gilt als Voraussetzung, daß der Hauptfaktor, welcher dabei in Frage kommt, nämlich Portugal, mit dem Plane einverstanden ist. Mag England z. B. an der Erwerbung der Delagoabucht noch so viel gelegen sein, ohne einen freiwilligen Verzicht Portugals auf dieselbe würde es niemals seine Hände darauf legen können. In Portugal scheint das Beispiel des benachbarten Spanien nicht ohne Nachwirkung geblieben zu sein: So wie dieses sich seines Kolonialbesitzes entledigt hat, so hält auch jenes einen Ausverkauf seiner Kolonien für opportun, und jedenfalls nicht mit Unrecht; denn für das kleine Land war der Besitz in fernen Meeren eine schwere Last, umsomehr, als die finanziellen Verhältnisse Portugals schon seit langer Zeit sehr trübe sind. Holland ist auch nur ein kleiner Staat, aber es ist ein reiches Land, das den großen Kolonialbesitz sehr gut sich erhalten kann. Dagegen vermag wohl Portugal die Lasten, welche ihm die Kolonien auferlegen, nur schwer zu tragen. Die bisher vorliegenden Meldungen über die geplante Neuerwerbung Deutschlands sind noch nicht offiziell und in manchen Stücken wohl noch etwas ungenau und unverständlich. Deshalb wollen wir hier auf den Inhalt der angeblichen Abmachungen nicht näher eingehen und uns eine ausführliche Besprechung Vorbehalten. Der Vertrag besteht vorläufig ja nur zwischen den beteiligten Regierungen. Noch hat die portugiesische Volksvertretung ihre Zustimmung nicht gegeben, ohne welche natürlich der Plan nicht zur Ausführung kommen kann. Es wird voraussichtlich ein äußerst heftiger Kampf in der Presse entbrennen über den neuen Zuwachs, den unsere Kolonien erfahren sollen, und an Ausfällen gegen die „uferlose" Kolonialpolitik wird es nicht fehlen. Wir wollen ganz sachlich an den Gegenstand herantreten und deshalb erst reiflich prüfen, ob der Erwerb zu Nutz und Frommen des deutschen Vaterlandes sein wird, ehe wir ein Urteil abgeben. Vor allen Dingen aber müssen wir die amtliche Bestätigung der Meldung und etwaige Berichtigungen abwarten. Die Sache ist überaus wichtig, da unsere auswärtige Politik dadurch mehr oder weniger tangiert wird. Wir nehmen an, daß gerade dieser Punkt von unserer Regierung in reiflichste Erwägung gezogen worden ist, denn wir würden nicht wünschen können, daß selbst für wertvolle Erwerbungen die guten Beziehungen, welche Deutschland jetzt zu allen Staaten pflegt, irgendwie in Frage gestellt werden. Aokatrs nuS UrovinM«. Gießen, den 29. Dezember 1899. * * Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 80 Jahren, am 30. Dezember 1819, wurde zu Neu-Ruppln der Dichter Theodor Fontane geboren. Im Jahre 1878 trat er mit einem bedeutenden vaterländischen Roman „Vor dem Sturm" an die Oeffmtlichkett Von tiefer Empfindung und gesundem Humor zeugen seine Gedichte. Seiner geliebten Heimat gedenkt er in seinen „Wanderungen durch die Mark". Ein schneller, sanfter Tod entwandt ihm im Vorjahre die Feder. * * Der Sprechverkehr zwischen Gießen und Stuttgart ist eröffnet worden. * ’ Znm 1. April 1900 werden Einjahrig-Freiwillige ein gestellt im Bezirk des 18. Armeekorps in Frankfurt a. M. (1. Hessisches Infanterie - Regiment Nr. 81), Darmstadt (1. Großh. Hessisches Infanterie-Regiment Nr. 115) und Gießen (Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm, 2. Großh. Hessisches Nr. 116), im Bezirk des 11. Armeekorps in Göttingen, Jena und Kassel. • ’ Etwas für Jäger. In Hessen kosten die Jagd- pässe vom 1. Januar 1900 ab 25 Mk. Jäger, deren Pässe abgelaufen sind, werden gut daran thun, sie noch im alten Jahre zu erneuern. * * lieber die neuen Postmarken erläßt das Reichspostamt folgende Bekanntmachung: Am 1. Januar 1900 werden im Reichspostgebiet neue Postwertzeichen eingeführt, die in Ansehung der niederen Werte, bis 80 Pfg. einschließlich, an Stelle des bisherigen Markenbildes eine gekrönte, Schwert und Oelzweig haltende Germania und die Ziffer des Pfennig-Nennwertes aufweisen. Die Zahl der Markenwerte wird gleichzeitig vermehrt; sie wird nach Fertigstellung sämtlicher Wertzeichen Freimarken zu 3, 5, 10, 20, 25, 30, 40, 50 und 80 Pfg., zu 1, 2, 3 und 5 Mk. umfassen. Daneben werden neue gestempelte Formulare zu Postkarten, Kartenbriefen und Postanweisungen, sowie in Berlin neue Wertzeichen für Rohrpostsendungen ausgegeben. Zunächst werden zum Verkaufe gestellt: Freimarken zu 10 bis 80 Psg., Postkarten zu 5 Pfg., Welt- Postkarten zu 10 Pfg., und 10 4- 10 Pfg., Formulare zu Kartenbriefen und Postanweisungen, sowie für die Rohrpost. Mit der Ausgabe dieser neuen Postwertzeichen, bezw. einer Gattung derselben, dürfen die Verkehrsanstalten nicht vor dem 1. Januar 1900 und erst dann beginnen, wenn die vorhandenen Bestände an alten — bis zu späterer Bestimmung Giltigkeit behaltenden — Wertzeichen derselben Gattung verkauft sein werden. * • Der redselige Abgeordnete. Dem „Alz. Beob." wird folgendes mitgeteilt: Nach der Hof täfel am letzten Mittwoch im Residenzschlosse zu Darmstadt, hielt der Großherzog Cercle, bei welcher Gelegenheit Kammerpräsident Haas die neueingetretenen Mitglieder des Landtages dem Landesherrn vorstellte. Es ging dies wie gewöhnlich beiderseits mit einigen Worten ab, bis Serenissimus an den Vertreter von Wörrstadt, den Antisemiten Wolf, kam, derben Fürsten mit Herr Groß Herzog anredete und ihm bemerkte, daß er sich häufiger in unserer Provinz sehen lassen müsse, um hier beliebter zu werden. Auf die Antwort, daß er ja öfter in Mainz weile, auch Worms, Alzey u. s. w. schon besucht habe, erklärte der redselig gestimmte Herr Abgeordnete, daß dieses noch nicht lange, der Herr Großherzog müsse mit seinem eigenen Wagen manchmal die Provinz nach den verschiedensten Richtungen hin durchfahren und sich so populär zu machen suchen, denn die Rheinhessen wollten mehr an der Leber flattriert sein, sonst — doch weiter kam der Sprecher nicht, da der Großherzog sich bei dem letzten Worte umgekehrt und entfernt hatte. § Reiskirchen, 28. Dezember. Das Eisenbahnunglück an der Leppermühle zwischen Großen- Bnseck und Reiskirchen vom 2 7. Dezember. Abends gegen 8 Uhr verbreitete schrilles, langanhaltendes Tönen der Lokomotivpfeife weithin hörbar die Schreckenskunde, daß sich mutmaßlich ein schwerer Eisenbahnunfall zugctragen hatte. An dem Bahnwärterhäuschen, Posten Nr. 11, nahe der Leppermühle gelegen, auf dem Kreuzungspunkt der Bahn und Staatsstraße, waren zwei von entgegengesetzten Richtungen nahende Maschinen aufeinandergerannt. Die von Großen-Buseck kommende Maschine war bis in die Mitte des kohlengefüllten Tenders der von Reiskirchen abgelassenen Maschine geschoben und hatte diesen teilweise verbogen, teils zertrümmert. Eisenteile z. B. von den Puffern wurden durch die Wucht des in den umliegenden Orten vernommenen Anpralls über siebzig Schritte weit fortgeschleudert. Faustdicke Eisenstücke lagen, wie dürre Reiser zerbrochen, umher. Die obere Maschine, die schon Gegendampf gegeben hatte und weit fortgestoßen wurde, der Kohlentender und die durch die leichte Krümmung des Geleises seitliche Ablenkung verminderten die furchtbare Wirkung des ohnehin schon schrecklichen Zusammenstoßes. Das Maschinenpersonal ist durch die gewaltigen Erschütterungen verletzt. Die erste Hilfe wurde ihm im nahen Bahnwärterhäuschen, wohin sie geführt wurden, durch zwei Großen-Bnsecker Aerzte und einen in Urlaub befindlichen Lazarettgehilfen durch Anlegung von Notverbänden gebracht. Zum Glück hatten die Aerzte einiges Verbandszeug mitgebracht. Von den Nachbarstationen traf solches aus den vorhandenen Rettungskasten nicht ein. Sehr brav und tapfer hielt sich die an dem Posten dienstthuende Bahnwärtersfrau. Sie gab mit ihrer Laterne die Notsignale, die aber im dichten Schneegestöber übersehen, wie auch ihr schreckliches Schreien überhört wurde. Nach erfolgtem Zusammenstöße leistete sie mit ihren Nachbarn den Verunglückten wahre Samariterdienste und unterstützte die Aerzte mit Stoffen, Tüchern, Wasser, während ihr Mann an einem anderen Posten Dienst zu thun hatte. — Die Verletzten wurden in den nach Gieße» zurückfahrenden Zug getragen und in die Klinik gebracht. Einer ließ sich zu seiner Familie nach Heuchelheim fahren. — Ueber die Entstehungsursache des Unfalls gehen die Ansichten und Aussagen auseinander, bis die Untersuchung die nötige Klarheit schafft. Nach einer Aussage, die wir ohne Garantie wiedergeben, sei gleichzeitig mit dem Eintreffen des Signals aus Reiskirchen über das Ablassen der Maschine nach Großen-Buseck, die von Gießen kommende Maschine ohne Beachtung der Haltesignale mit Volldampf durch die Station Großen-Buseck gefahren. Einer dieser Beamten habe die Strecke zum erstenmale gefahren. Daß diese letztere Maschine wahrscheinlich bedeutend rascher als die erstere fuhr, ist schon aus der Zurücklegung der größten und dazu noch steigenden Strecke ersichtlich. — Um 12 Uhr nachts brachte ein Zug die Arbeiter zu den Aufräumungsarbeiten, welche morgens um 9 Uhr schon beendet waren, so daß die Strecke wieder fahrbar ist. Die Reste des zertrümmerten Tenders und verschiedener Eisenteile boten vielen herbeigeeilten Beschauern ein Bild der Wirkung der entfeffelten Dampfkraft eines Augenblicks. Das amerikanische Hospitalschiff „Maine"'. Zur Pflege der Verwundeten «NW MM WM im südafrikanischen Kriege ist von den Vereinigten Staaten das Hospitalschiff „Maine" ausgerüstet worden, das vor einigen Tagen aus London abging, wo es allgemeine Aufmerksamkeit erregt hatte. An Bord befindet sich auch Lady Randolph Churchill, die Mutter des Kriegskorrespondenten, der kürzlich als Kriegsgefangener aus Prätoria entfloh. Das Schiff besitzt vier Krankensäle, welchezusammen 200Verwundete aufnehmen können. Die Kabinen der Aerzte und Wärterinnen befinden sich im Hauptdeck. Das Schiff hat eine Besatzung von 50 Mann, ausnahmslos Amerikaner. Auch die Aerzte und Wärterinnen sind Amerikaner, die schon längere Zeit im Samariterdienst beschäftigt sind. Die Mehrzahl von ihnen war schon im spanischamerikanischen Kriege auf dem damaligen Hospitalschiff „Missouri", dem Schwesterschiff der „Maine", thätig. -f- Lollar, 28. Dezember. Der Bahnbeamte, Herr H., gedachte auf dem Weg vom Bahnhof nach seiner Wohnung in der Nähe der letzteren eine zugefrorene Goffe überschreiten zu können, trat aber zu kurz und brach ein. Hierbei verlor der etwas korpulente Herr das Gleichgewicht, stürzte hin und so unglücklich, daß er einen schweren Knöchelbruch erlitt, und sich auch noch den anderen Fuß erheblich verletzte. Trotzdem hofft der Arzt doch, Heilung ohne weitere Hilfe herbeiführen zu können. Auch die Kollegen und Freunde des Verunglückten hoffen und wünschen dies von Herzen! Offenbach, 28. Dezember. Ein mysteriöser Vorfall setzte heute früh die Bewohner des Hauses Geleitsstraße 60 in Aufregung. Kurz nach 8 Uhr waren nämlich der dort im 1. Stock wohnende Musiklehrer Bertuch und dessen Ehefrau unter Umständen aufgefunden worden, die auf einen Doppelselbstmord oder auch auf ein Verbrechen schließen ließen; die Ehefrau Bertuch lag tot im Bette, während Bertuch in Unterkleidern vor dem Bette in tiefer Bewußtlosigkeit lag. Die Polizei und der Kreisarzt wurden sofort benachrichtigt, und nach deren Eintreffen wurde festge- stellt, daß Frau Bertuch vor kurzer Zeit verstorben sei, während der Mann sich anscheinend nur in schwerer Betrunkenheit befand; darauf ließen vor allem die starken Verunreinigungen des Bodens und der Kleider und ein unverkennbarer Weindunst schließen, und in der That wurde Bertuch denn auch schnell zum Bewußtsein gebracht. Ueber die Todesursache der Frau Bertuch konnte, da äußere Kennzeichen nicht wahrzunehmen waren und vorläufig auch Spuren einer stattgehabten Vergiftung fehlten, noch nichts ermittelt werden; man wird das Resultat der gerichtsärztlichen Leichenöffnung abwarten müssen. Bertuch wurde durch den herbeigerufenen Krankenhauswagen nach dem Krankenhaus verbracht; er konnte selbst über die Treppe hinab zu dem Wagen gehen und soll sich ziemlich wohl befinden. A Mainz, 28. Dezember. Zur Besichtigung des städtischen Elektrizitätswerkes traf der Großherzog von Hessen heute nachmittag um 272 Uhr in Begleitung eines Adjutanten hier ein. Bei der Besichtigung hatte der Erbauer des Werkes, Hofrat Prof. Dr. Kittler die Führung übernommen. Nach der Besichtigung der weitverzweigten Anlage nahm der Großherzog das Terrain in Augenschein, welches die Stadt in der Umgebung des Schlosses jüngst von dem Militärfiskus erworben hat. Gegen 5 Uhr begab sich der Großherzog wieder nach Darmstadt zurück. — Da der Rhein seit einigen Tagen vollständig eisfrei ist, haben infolge der eingetretenen gelinderen Witterung gestern und heute bereits viele Schiffe die hiesigen Häfen verlaffen und sich zur Weiterfahrt gerüstet. Schleppzüge gingen schon zu Thal und zu Berg. — Durch die Neuordnung der Verhältnisse für die Aufbringung der kirchlichen Bedürfnisse für die verschiedenen Konfessionen erhöht sich infolge gestern gefaßten Stadtverordnetenbeschlusses für die Protestanten hier die Kirchensteuer um 13570 Mk. Seither betrug hier die protestantische Kirchensteuer pro Jahr 45930 Mk. — In hiesiger Stadt wird die Wende des Jahrhunderts auch militärisch festlich begangen werden. Am Sylvesterabend findet nämlich Fackelserenade und in der Früh des ersten Januar großes „Wecken" statt, an welch beiden Veranstaltungen die sämtlichen Musikchöre der hiesigen Garnison teilnehmen. — Der zwischen der Stadt und dem Militärfiskus wegen der oft erwähnten Abtretung verschiedener militärfiskalischer Komplexe vereinbarte Vertrag hat gestern seine notarielle ©anftion gefunden. Dadurch, daß der notarielle Akt noch unter alter Gesetzgebung vollzogen worden ist, hat die Stadt an Stempelgebühren 7000 Mk. erspart. Atzbach, 28. Dezember. Dem „Wetzl. Anz." wird geschrieben: Am ersten Weihnachtsfeiertag war unsere Kirche der Schauplatz eines Ereignisses, das eine noch heute nachzitternde große Erregung in unserer Gemeinde hervorgerufen hat. Die Kirche war dicht gefüllt mit Am dächtigen, es mochten etwa 400 Personen, Erwachsene und Kinder anwesend sein. Da auf einmal, mitten im Gottesdienste fiel ein Kind ohnmächtig zusammen, kurz darauf ein zweites, drittes, viertes und so fort. Innerhalb eines Zeib raums von kaum 5 Minuten lagen 20 Kinder und 2 Erwachsene ohnmächtig auf dem Boden. Die Bestürzung war ungeheuer. Die Eltern und Anverwandten der Zusammengebrochenen eilten sofort hinzu und trugen die Ohnmächtigen ins Freie, wo • sie sich nach kürzerer oder längerer Zeit wieder erholten. Ein Kind wurde für tot hinausgetragen, erst nach längeren Bemühungen gelang es, seinen Mund mittels eines Messers zu öffnen und es wieder zum Bewußtsein zu bringen. Der Gottesdienst wurde natürlich unterbrochen, der Geistliche sprach den Segen, dann eilte alles nach Hause. Zu Hause angekommen, wurden noch etwa 20 weitere Personen und zwar durchweg Erwachsene von Ohnmachtsanfällen heimgesucht, während fast alle übrigen Teilnehmer an dem Gottesdienste über heftige Kopfschmerzen zu klagen hatten. Der Grund dieser auffälligen Massenerkrankung war bald entdeckt; es wurde ermittelt, daß sie durch die Gase verursacht war, welche dem seit Samstagabend brennenden Kirchenofen entströmt waren. Dieser Ofen, welcher bisher tadellos funktionierte, hat eine sehr lange, etwa 25—30 Meter umfassende Rohrleitung. Es scheint nun, daß, veranlaßt durch das widrige Schneegestöber, die Kohlengase keinen rechten Abzug fanden und sich infolgedessen in verderbenbringender Menge in der Kirche ansammelten. Schon am Tage zuvor, am Sonntag, war ein Mädchen während des Gottesdienstes zusammengebrochen, doch hatte man diesem vereinzelten Unfall weiter kein Gewicht beigelegt. Eine Schuld an dem Unfall dürfte niemand treffen, da der Ofen, wie gesagt, bisher tadellos funktioniert hat und der die Feuerung im Stand haltende Mann eine sehr zuverlässige, nüchterne Persönlichkeit ist. Jedenfalls wird aber doch erwogen werden müssen, ob nicht eine Aenderung in der Rohrleitung vorzunehmen sein dürfte. — Möchte dieser Unfall auch anderwärts eine Mahnung zur Vorsicht und namentlich eine Warnung von unangebrachter Sparsamkeit, die ja bei uns nicht gerade vorliegt, bei der Herstellung derartiger Feuerungsanlagen sein. Denn man mag es gar nicht ausdenken, welches Unglück unter gewissen Umständen durch derartige Unfälle in überfüllten Räumen herbeigeführt werden kann. Marburg, 27. Dezember. Die „Hess. Landeszeitung" schreibt: Von einem schweren Unfälle wurde der katholische Pfarrer Dr. Weber am Freitag vor Weihnachten betroffen. Der Genannte war an einer Rippenfellentzündung längere Zeit erkrankt, und war, noch Rekonvaleszent, am bemerkten Tage in die Kirche gegangen, um nachzusehen, wie weit die Arbeiten an einem neu aufzustellenden, aus Mainz bezogenen Altar gediehen seien. Der Altar, welcher an einer Wand befestigt werden sollte, stand oberhalb der Altarstufen. Der Geistliche näherte sich, um das Tabernakel mit einem Schlüffe! zu öffnen, wobei der Altar das Uebergewicht bekam, nach vorne stürzte und den Pfarrer unter sich begrub. Letzterer erhielt arge Verletzungen, u. a. wurde ihm das Nasenbein eingeschlagen; er blieb ohnmächtig liegen. Die Arbeiter, welche zum Essen gegangen waren, fanden ihn bei ihrer Rückkunft unter dem Altar liegend. Der Verletzte war so zugerichtet, daß er 26 Nadeln erhielt. Sitzung der Stadtverordneten am 28. Dezember 1899. Anwesend Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Wolff, von feiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Euler, Faber, Flett, Dr. Gaffky, Grünewald, Hanau, Haubach, Heichelheim, Huhn, Jughardt, Keller, Krumm, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Scheel, Schmal! und Wallenfels. — Entschuldigt die Herren Stadtverordneten Emmelins, Dr. Fuhr, Dr. Gutfleisch, Helfrich, Heyligenstaedt, Dr. Schäfer und Schiele. Herr Oberbürgermeister Gnauth teilte vor Eintritt in die Tagesordnung das Ergebnis der Unterhandlungen mit, welche betreffs der Latrinenabfuhr mit den betreffenden Unternehmern auf Grund des in voriger Sitzung gefaßten Beschlusses gepflogen wurden. Die Unternehmer haben sich bereit erklärt, die Abfuhr nach der seither üblichen Methode zum Satze von 2 Mk. per Faß bis zur Fertigstellung der Kanalisation weiter auszuführen unter der Bedingung, daß eine Reduktion der Gebühr bezüglich solcher Gruben nicht eintritt, für deren Entleerung infolge besonderer Schwierigkeiten schon vor Bekanntgabe der Gebühren-Erhöhung höhere Sätze in Anwendung kamen. Die Versammlung erklärte sich nach kurzer Debatte mit der Abmachung einverstanden, und ermächtigte den Herrn Oberbürgermeister einen Vertrag im Sinne dieser Erklärung mit den Unternehmern abzuschließen. Der Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke soll widerruflich die Erlaubnis erteilt werden, zur Legung von WafferleitungSröhren nach ihrem Keffelhause den sogen. Hasenköppelsweg zu benutzen. Dem Gesuch des Herrn Georg Hilger um Austausch bezw. käufliche Ueberlassung städtischen Geländes am alten Steinbacherweg stimmt die Versammlung zu. Herrn Joh. Altensen soll Erlaubnis erteilt werden, den nach der Stefanstraße zu gelegenen Teil des Vorplatzes an seinem Hause mit einer Latten-Einfriedigung zu versehen. Die Erlaubnis zur Anlage von Fenstern in der Waschanstalt der neuen Kaserne soll unter der Bedingung erteilt werden, daß die Fenster auf Anfordern zu entfernen sind, wenn die daneben stehende städtische Kaserne vom Militärfiskus an die Stadt zurückgegeben wird. Der Gambrinusbrauerei Butzbach soll die Anlage von Fenstern in ihrem Lagerhaus an der Klinikstraße gestattet werden, wenn die Fenster nur als Oberlichtfenster angelegt und mit Gittern versehen werden. Das Gesuch der Main-Weser-Bahn um Anlage von Feuerungseinrichtungen im Güterschuppen soll ausnahmsweise genehmigt werden. Der von Herrn Georg Balser beantragte Dispens betr. nicht vorschriftsmäßig erfolgter Anlage einer Lauftreppe in feinem Hause in der Goethestraße, wird befürwortet. Herr Julius Siesel hat bei dem Neubau des zu seinem Hause in der Marktstraße gehörigen Seitengebäudes die vorschriftsmäßige Gebäudehöhe überschritten. Das Gesuch um nachträgliche Dispensation von den einschlägigen Bestimmungen der Bauordnung wird, dem Antrag der Baudeputation entsprechend, abschlägüch beschieden. Der Plan für das Nivellement der Projektierten Verbindungsstraße zwischen LudwigSPlatz und Schiffenberger Weg wird gutgeheißen. Der beantragten Ersetzung von 5 kleinen Plakat- Anschlagtafeln durch größere stimmt die Versammlung zu, desgl. der Versetzung der auf dem Marktplatz stehenden Plakatsäule an den Eingang der Wettergasse in die Marktstraße. Die Rechnung des Gas- und Wasserwerks für 1898/99, welche durch die Herren Heichelheim und Huhn geprüft worden ist, hat zu Beanstandungen keine Veranlassung gegeben. Im Hinblick auf die gesteigerten Kohlenpreise hat die Deputation für das Gas- und Wasserwerk eine entsprechende Erhöhung der Cokespreise beantragt. Die Versammlung erklärte sich damit einverstanden, daß vom 1. Januar ab der Cokespreis um 10 Pfg. für den Centner jeder Sorte erhöht, und auch vorläufig jede Vergünstigung bei Bezug von Wagen- und Waggonladungen wegfällt. Einer Eingabe des Herrn Oekonomen Euler, betr. die Uebertragung der Faselhaltung, wird nicht stattgegeben. Das Gesuch des Herrn Georg Emil Seng um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Haufe Seltersweg 50 wird befürwortet. Vermischtes. * Dortmund, 27. Dezember. Im benachbarten Dorstfeld durch schnitt der Zuhälter Hermann Gönschen seiner „Liebsten", der Ehefrau Ernst, mit einem Rasiermesser die Kehle und flüchtete nach hier, wo er sich selbst der Polizei stellte. G. ist 27 Jahre alt, die Ernst war 43 Jahre alt. * Düffeldorf, 27.Dezember. Wegen internationalen Mädchenhandels wurde eine hiesige Gesindevermieterin nebst ihrem Ehemanne verhaftet. DaS saubere Paar hatte schon seit längerer Zeit auf dem Zeitungswege junge Mädchen angelockt und sie an verrufene Häuser ins Ausland geliefert. Nur dem Umstande, daß einem Opfer in Amsterdam die Flucht nach hier gelang, ist die Aufdeckung des fortgesetzten scheußlichen Treibens zu danken. * Allenstein, 27. Dezember. Ein blutiges Duell hat der „Königsb. Hart. Ztg." zufolge Montagvormittag zwischen 7 und 9 Uhr auf dem Militär-Schießstande stattgefunden. Die beiden Duellanten sind Oberleutnant: Stielow und Leutnant Rau vom Infanterieregiment Nr. 150. Der verheiratete Oberleutnant ist, schwer am Unterleib verwundet, in das Garnisonlazarett gebracht worden, wo er am Abend gestorben ist. * Paris, 28. Dezember. („Sie sind gar nicht meine Mutter.") Vor dem Pariser Zuchtpolizeigericht stand dieser Tage ein junger Taschendieb, dessen Schuld erwiesen war, dessen Identität aber nicht festgestellt werden konnte, da er beharrlich leugnete, Paul Forrestier zu heißen. Nun hatte das Gericht aber seine Mutter vorgeladen, die mit Thränen ihren ungeratenen Sohn wieder- erkannte. Dieser wendete sich gegen die Zeugin und sagte: „Aber Madame, ich kenne Sie nicht. Sie sind gar nicht meine Mutter." — Auf diese Worte wuchs die arme Frau sichtlich in die Höhe. „Was! Du Schlingel! — Ich nicht Deine Mutter? Leider bin ich es, und weil ich es bin, nimm das." Im selben Augenblicke hatte Paul eine Backpfeife erhalten, die weitaus besser geraten war als er selbst. — Paul weinte und leugnete nicht mehr. Mtemtur. Der neue Jahrgang der »Gartenlaube". Am 1. Januar beginnt ein neuer Jahrgang des verbreitetsten deutschen illustrierten Familienblattes. Die „Gartenlaube" wird auch in unserer Heimat (Stadt) so gern gelesen, daß es für viele gewiß von Interesse sein dürfte, zu erfahren, was von Romanen und Novellen sowie belehrenden Artikeln im Laufe des Jahres darin erscheinen wird. Aus einem uns Vorliegenden Prospekte ersehen wir, daß der Jahrgang 1900 mit dem neuen Roman von W. Heimburg, „3m Wasserwinkel*, und der neuesten Erzählung des klassischen Meisters der deutschen Novelle Paul Heyse, „Der Schutzengel", eröffnet wird. In Anbetracht der großen Beliebtheit, deren sich die Romane W. Heimburgs, die Novellen Paul Heyses erfreuen, darf dieser Anfang als ein überaus glücklicher bezeichnet »erden. Nicht weniger klangvoll sind die Namen von Ludwig Ganghofer und I. C. Heer, die beide mit so fesselnder Eigenart und poetischer Kraft Natur und Volk ihrer Alpenheimat zu schildern wissen. Von beiden wird im nächsten Jahrgang ein größerer Roman erscheinen: „Der Dorfapostel" von Ganghofer, „Am Webstuhl der Zeit" von Heer. Aus der modernen Frauenbewegung heraus ist der Roman „Kampf ums Glück" von Paul Robran geschöpft; R. Stratz bietet eine Erzählung aus der Wüste „Samum". An kleineren Erzählungen, die in Aussicht genommen sind, heben wir hervor: „Die Königin der Geselligkeit" von Ernst Eckstein, „Söhne des Reichslands" von H. Stegemann, „Im Teufelsmoor" von Luise Westkirch. Auch humoristische Beiträge von Hans Arnold, Heinrich Seidel, V. Blüthgen, H. Villinger, E. Muellenbach stehen in Aussicht. Als ein weithinwirkendes Organ freimütiger Aufklärung, echter Volksbildung und warmer Vaterlandsliebe, wird die „Gartenlaube" auch fernerhin bestrebt sein, ihre Leser über die Fortschritte der Wissenschaft und Industrie, über neue Leistungen der Kunst und wichtige Tagesereignisse zu unterrichten. Es ist ja bekannt, daß hervor« ragende Gelehrte und bedeutende Fachmänner gern ihre Mitarbeiterschaft in der „Gartenlaube" bethätigen und ihre Forschungen dadurch zum Gemeingut des Volkes machen. Ueber das große Ereignis des Jahres 1900, die Pariser Weltausstellung, wird ein Mitglied der Redaktion der „Gartenlaube", das sich zu diesem Zwecke nach Paris begibt, eingehende Berichte liefern. Wie bisher wird die „Gartenlaube" sich durch belehrende Artikel und kurze Winke für die Hauswirtschaft und allerlei praktische Handarbeiten im Familienkreise nützlich erweisen, doch sollen die Beilagen, welche diesem Zwecke dienen, ganz wesentlich erweitert werden. Auf besonderen Beilagen sollen die Leser in Wort und Bild geschilderte Tagesereignisse, Porträts interessanter Persönlichkeiten ic. finden. Ein reicher und künstlerisch wertvoller Bilderschmuck wird das Aeußere des Blattes nach wie vor verschönern. — Wir können der „Gartenlaube", dieser altbewährten Freundin des deutschen Hauses, unter diesen Umständen getrost ein „Glück auf zum Neuen Jahre" wünschen; es wird ihr sicher gelingen, die Zuneigung der alten Freunde zu bewahren und die Gunst neuer zu gewinnen. Landwirtschaft. A Aus Oberhessen, Ende Dezember. Die Arbeiten in unseren Wäldern haben während des Spätherbstes schöne Fortschritte gemacht, weil die Witterung fast immer günstig war. In der zweiten Dezemberdekate, als der Frost über 12 (Krad stieg, kam es wohl manchmal vor, daß die Aexte absprangen, doch nur an wenigen Tagen. In den Forsten sitzen darum jetzt lange Archen von trefflichen Buchen-, Kiefern- und Fichtenhölzern, genau geschichtet und nummeriert und harren auf die Versteigerungen. Da die Arbeiten gut förderten, konnten die Holzhauer recht befriedigende Löhne erzielen. In den Gemeindewaldungrn find die Akkorde besser ausgefallen, als in den Staatswaldungen. Daher mag es gekommen sein, daß sich in der Oberförsteret Grebenhain Italiener etnfanden, die billig und geschickt arbeiten. — Wie sich die Zeiten lindern! Im Jahre 1863 d. h. vor mehr als einem Menschenalter, hatte der Schreiber dieser Zeilen zum erstenmale Gelegenheit, die »berhelsischen, speziell die Vogelsberger Forsten von Gießen über Grünberg, Ulrichstein, Lauterbach bis Alsfeld kennen zu lernen. Später folgte die Gegend von Büdingen über Octenberg, Grebenhain bis Schotten. Ueberall wo ich hinkam fand ich die schönsten Ergebnisse und rastloses Vorwärtsstreben bis auf den heutigen Tag. — Wir haben schöne Leistungen hinter uns, das hessische Forstwesen gehört seit hundert Jahren zu den hervorragendsten in Deutschland. AuS Hessen kamen die bedeutendsten Forstmänner, deren Namen im großen Vaterlande einen guten Klang haben. Ich nenne G. L Hartig, der in Gladenbach bei Biedenkopf im Hinterland 1764 geboren wurde und am 2. Februar 1837 in Berlin als Oberlandforstmeister starb. Er wtrkie lange als Forstmeister des Fürsten Solms-Braunfels zu Hungen in der Wetterau, wo er eine Privatforstschule gegründet halte. Karl Heyer, geboren 1797 zu Beffunger Forfthaus, später Professor in Gieß n, wo ihm 1892 ein Denkmal errichtet wurde. Gustav Heyer, besten Sohn, geboren 1826 in Gießen, wo er studierte und bis 1868 als Prosessor wirkte; er starb in München 1883. Er war wohl der hervorragendste Vertreter der mathematischen Methode Endlich Hundeshagen, 1783 in Hanau geboren, 1824 Professor in Gießen und Direktor der 1825 eröffneten Forstschule, die 6 Jahre später mit der Universität vereinigt wurde. — An die Namen dieser gelehrten Forstleute ließe sich noch eine große Reihe Prakiiker anfügen, welche Hervorragendes leisteten und noch heute leisten. Leider fehlt der Raum dazu. Am Ende des 19. Jahrhunderts darf H'.ffen mit Stolz auf seine Leistungen im Forstfache zurückblicken und es unterliegt keinem Zweifel, daß e8 im neuen Jahrhundert neue Lorbeeren zu den alten sammelt. Daudet und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vem «8. Dezember. Wechsel auf New-York zu 4.21-22. Prämien auf Kredit per ult. Januar 2.30%, do. per ult. Februar 3.70%, Diskonto Kommandit per ult. Jan. 1.80%, do. per. ult. Februar 3%, Lombarden per ult. Jan. 0.60%, do. per ult. Febr. 1,10%. Notierungen: Kreditaktien 235.20-00, Diskonto-Kommandit 193-193.10, Staatsbahnen 135.90, Gotthard 142.20, Lombarden 29 60, Ungar. Goldrento 96 90, Italiener 92 70, 3proz. Mexikaner 24.50, Oestorr. Coupons 84%, iAmerik. Coupons —.—, Privat-Diskont 6%%. (Januar-Kurse.) 1% bis 2% Uhrj: Kredit 235.20-234.80, Diskonto 193-192.90, Staatsbahn 186-136.70, Lombarden 29 60. Butter, «äse und Eier. Berlin. Hof- und Genossenschaftsbutter 1. Qualität 112 Mk., 2. Qualität 109 Mk., do. Abfall 104 Mk. — Königsberg i. Pr. 105 bis 112 Mk. für 50 Kilo. — Hamburg. Butter 1. Klaffe 117.18 Mk., 2. Klaffe 111.30 Mk. für 50 Kilo netto, reine Tara. - Nor dhausen. Landbutter 2.20 Mk., Speisebutter 2.30 bis 2.40 Mk., feinste Gutsbutter 2.50 bis 2.60 Mk. für 1 Kilo. Eier 4.40 bis 4.80 Mk. für 60 Stück, 1.47 bis 1.60 Mk. für 1 Kilo. Käse 4 bis 5 Mk. für 60 Stück. — Magdeburg. Eßbutter 2.20 bis 2.60 Mk. für 1 Kilo. Eier: für 60 Stück 4.00 bis 5.00 Mk. — Kempten. Süßrahmbutter 99 Mk., Sennbutter 96 Mk. für 50Kilo im Engros-Einkauf. — Würz» bürg. Butter 0.80 bis 1.20 Mk. für % Kilo. — Mannheim. Die Eier-Preise steigen täglich. Es kosten heute: frische deutsche Eier per 1000 St. 71 Mark, steyerische Eier per 1000 St. 77 Mk, russische Eier per 1000 Stück 76 Mk., ital. Eier per 1000 St. 96 bis 103 Mk., bayerische Eier per 1000 St. 76 Mk., Kalk-Eier 56.00 Mk. Die Nachfrage ist sehr stark, die Zufuhren sind dagegen äußerst knapp. — Rentenversicherung. In unserem Anzeigenteil finden die Leser eine Empfehlung der Rentenversicherung der bekannten Versicherungsgesellschaft Wilhelms in Magdeburg. Das Wesen dieser Versicherungsart besteht bekanntlich darin, daß sich die Gesellschaft verpflichtet, demjenigen, der ihr ein Kapital eigentümlich überläßt oder zu deffen Gunsten die Einzahlung des Kapitals gemacht wird, dasselbe bis zu seinem Lebensende zu verzinsen. Der Zinsfuß beträgt je nach dem Alter der betreffenden Person 5 bis 15 Proz. In der That verdient gerade unter den heutigen Zeitverhältnissen die Rentenversicherung ganz besondere Beachtung. Der Zinsertrag aller einigermaßen sicheren Geldanlagen ist seit dem Anfang der 80er Jahre derartig zurückgegangen, daß viele Personen, welche vor vielleicht 10 Jahren mit einem damals für sie völlig ausreichenden Vermögen sich zur Ruhe gesetzt haben, heute allerlei Einschränkungen sich auserlegen muffen, um mit ihren Zinsen nur notdürftig auszukommen. Wer heute von seinen Zinsen leben will, muß schon em ganz erhebliches Kapital besitz n Die Rentenversicherung aber 'st ein vortreffliches und dabei unbedingt sicheres Mittel, um — aller- dwgs unter Hingabe des Vermögens selbst — den Ertrag desselben zu “nt) ,3U vervielfältigen, um also auch kleineren Kapitalbesitzern die Möglichkeit zu schaffen, ein auskömmliches, in solcher Höhe auf keinem anderen Wege zu erzielendes Zinseinkommen auf Lebenszeit sich zu sichern. Ein Sechzigjähriger z. B., der sich mit seinen ersparten 30,000 Mk. gern zur Ruhe setzen möchte, von den 1200 Mk. Zinsen ]ebo$, welche sie ihm höchstens einbringen würden, nicht leben kann, erhält als Rentenkäufer für sein Kapital von b.r Wilhelms in Magdeburg bis an sein Lebensende jährlich 2740,20 Mk. Ein Fünfundsechzigjähriger, der von seinem insgesamt 40 000 Mk. betragenden Barvermögen 15 000 Mk. zum Erwerb einer Rente verwendet, erhält dafür auf Lebenszeit alljährlich 1640,85 Mk., also mehr, als er sonst aus seinem Gesamtvermögen an Zinsen hätte erzielen können. Namentlich älteren Personen ohne nähere Erben kann deshalb die Rentenver- sicherung nicht dringend genug angeraten werden Die Wilhelms in Magdeburg hat einen sehr bedeutenden, alljährlich wachsenden Bestand an Rentenve sicherungen und ihr großes Vermögen (Anfang 1699 rund 40 Millionen Mk.) bürgt für deren unbedingte Sicherheit. — Preußische Pfandbrief-Bank. Nach der im Inseratenteil unserer Zeitung veröffentlchten B.ckanntmachung werden die am 2. Januar 1900 fähigen Zinsscheine der Hypotheken Pfandbriefe, Kommunal-Obli- gationen und Kleinbahn-Obligationen bereits vom 15. Dezember ab an der Kasse der Bank in Berlin und auswärts bei sämtlichen Verkaufsstellen kostenfrei eingelöst. Den Verkauf der Papiere hat die Mehrzahl der deutschen Bankfirmen übernommen, und können dor'-Stücke bezogen, sowie ausführliche Prospekte in Empfang genommen werden. Weiterbericht. Vom Ozean her ist eine neue sehr tiefe Depression erschienen, deren Centrum mit weniger als 735 Millimeter südlich von Irland liegt. Ueber Dänemark und an der deutschen Nordseeküste befindet sich ein Teilminimum. Im Nordosten des Erdteiles hat stch hoher Druck erhalten. Dagegen ist über den unteren Donauländern das Barometer nicht unerheblich gefallen. Doch ragt von dort noch ein Teil relativ hohen Druckes nach den Alpenländern herein. Für unser südliches Gebiet besteht bei dieser Druckverteilnng Fdhnlage und daher vorwiegend heiteres und mildes Wetter. >Jn den nördlichen Gebietteilen herrscht Trübung. Voraussichtliche Witterung: Zumeist trübes, mildes Wetter mit Niederschlägen. Kunst-Ausstellung. ausstellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags' geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. HIL ßchntamarkc. Fleisch-Extract übertrifft trotz billigeren Preises an Nfthrkraft und Wohlgeschmack die Liebig’sohen Extracte und ist in allen besseren Drogen-, Delicatessen- und Colouialwaaren-Handluncen zu haben. Bekanntmachung. Seit.: Die Erhebung der Beiträge für die Invalidität-- und Alters« Versicherung. Wegen der mit dem 1. Januar 1900 eintretenden Neuregulierung der Einkünfte der Versicherungsanstalten aus Beitragsmarken müssen alle bis Ende dieses Jahres noch fällig werdenden Berficher- «ugsbeiträge alsbald eingezogen und besonders abgerechnet werden. Die Beiträge für die bei uns angemeldeten Versicherten sind z. Zt. bis einschließlich den 19. November l. I. erhoben; für den Rest des laufenden Jahres wären solche sonach noch für 6 Wochen zu entrichten. Wir werden deshalb Anfangs Januar k. I. die Beiträge entgegen der seitherigen Uebung nicht für 4 Wochen, sondern ausnahmsweise für 6 Wochen, d. i. für den Rest des Jahres vom 20. November bis 81. Dezember 1899, durch unseren Kaffenboten Schwan erheben lassen. — Nach dieser Zeit geschieht dies dann wieder von 4 zu 4 Wochen Um die Erhebung für alle bi» Ende dieses Jahres noch fällig «erdenden Beiträge alsbald nach Jahrerschluß ermöglichen zu können, «erden alle diejenigen Arbeitgeber, bei welchen noch ein Wechsel od.r eine Annahme von neuem Personal in fragt. Zeit ftattfindet, hiermit zugleich aufgefordert, die An° und Abmeldung möglichst sofort, jedenfalls aber binnen der vorgeschriebenen dreitägigen Frist, bei Meldung von Strafe zu erstatten. Gießen, den 18. Dezember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. ______________________I. V.: Wolff._____________________8775 Enthebung von Gratulationsbesuchen nnd von Zusendung von Gratutationsbarten pt Neujahr 1900. Wie in den vergangenen Jahren, so bitten wir auch angesichts des bevorstehenden Jahreswechsels zur Enthebung von Gratulationsbesuchen und von Zusendung von Gratulationskarten für die hiesige KleinkinderBewahranstalt eine Gabe spenden und einem der Unterzeichneten übermitteln zu wollen. Durch diese Einrichtung wird der genannten Wohlthätigkeits-Anstalt eine beträchtliche wünschenswerte Unterstützung zu teil, und durch Ver- -ffentltchung der Namen der Geber noch vor Jahresschluß in diesew Blatte wird cs allgemein anerkannt, daß alle, die mit einer solchen Gabe ihren Namen nennen lassen, von Abstattung der Nenjahrsbesuche, sowie von Zusendung der Neujahrskarten besreit find und ihrerseits beides nicht beanspruchen. Recht baldige Zusendung der Namen und Gaben ist diesmal erwünscht, da schon am nächsten Samstag die letzte Nummer des Blattes in diesem Jahrs erscheint. Gießen, den 27. Dezember 1899. Rendant Doering. Pfarrer Euler. Pfarrer Dr. Naumann. Fabrikant Emil Sch mall. 8888 -Ih'iltcini'nniiuii Samstag den 13. Januar 1900, nachmittags 2% Uhr, soll auf dem hiesigen Ortsgericht die der Adam Schneider Witwe in Gießen gehörige ideelle Hälfte an nachverzeichneten Immobilien: Flur 2 Nr. 72 — 400 qm Acker Laggarten am Krofdorferweg, Flur 2 Nr. 73,3 — 238 qm Wohnhaus und Hofraum daselbst, Flur 2 Nr. 73,7 — 688 qrn Acker daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 1. Dezember 1899. Großh. Ortsgericht Gießen. _________ I. A.: Bogt.__8389 Hohversteigerung im Gjkßeim Ktadtwald. Dienstag den 2. Januar 1900, vormittags S'/z Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadt- wald in den Distrikten Aue, Grube, Förstersbrunnen, Oberförsterswiese, Nachtweide und Grasfeld versteigert werden: 97 Eichenstämme mit 31,96 fm (darunter Schnittholz und Wagnerholz), 11 Fichten- und Kiefernstämme mit 5,29 fm, 9 Buchenstämme mit 6,11 fm (Schnittholz), 270,5 rm Buchen-Scheitholz, 47 „ Eichen- „ 7 „ Aspen- 135 „ Buchen Knüppelholz, 63 „ Eichen- 51 „ Buchen-Stockholz, 40 „ Eichen- „ 2 „ Nadel- 5610 Wellen Buchen-Reisig, 4700 „ Eichen- „ 1180 „ Nadel- „ 110 , Er en- „ Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 8. Schneise. Gießen, 28. Dezember 1899. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 8929 peiherrl. ^iedesel’sche gurgbrauerei Lauterbach, Hessen empfiehlt ihr Dortmund-Pilsener Bräu (hochfeines Hopfen-Aroma) u-d Münchener Bräu (hochfeines Malz-Aroma) in Gebinden und Flaschen, unter Garantie, den sogenannten echten Biere« in Qualität mindestens vollständig gleich Ferner ihr Spezial-Bier ,Burgbl’äll-AUSStiCh4 hochfeines und kräftiges äW Sanitäts-Bier. "W (Nur in Flaschen.) 5757 Vertreter für Giessen und Umgebung: C. Roth II., Giessen. Cognac "ME Jam.-Rum W Arrae alle Sorten Liköre, Pansch - Essenzen Weiß-, Rot- und Süd-Weine empfiehlt in nur besten Torten 04545 II. Wallach, Settersweg 62. Offeriere garantiert reine Weine zu billigen Preisen. Man verlange Preisliste. Niederlage bei Heinrich Rüger, Kreuzplatz 4. 8651 Friedrich Möbus, Ebelstratze 14. Punsch-Essenzen als: Arrak, Num, Burgunder re., Moussier. Rheinweine per Flasche von 2,40 Mk. an, in vorzüglich bekömmlichster Qualität, Arrak, Rum, Kognak empfiehlt 8915 Emil Fischbach. 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