htung! "W „turn ohstt AgMtttf ükaufen toiü, oder eine i bedars, beliebe Offerten voll V icker. 2 '•HHi ttefie — 1 M-Schcii “J ferner Mhab ,eJer, beflttt Bretter £1®titlen/ Latten schubdecke« für Py. ft'" ^abzugeben Simmet. eschast chubecker, en dn Säle ,u ?Ue ‘net, öon Huberten brr», r °ß-1. ' • e-i-it. { 'bai '»Ich- bs G eine kleinere *w„ «straßek^partt tmenral), I «t NM ™ »ebxauäiL^atnett' Legler, S&abnbotftt.24 mmetgraö |U verkaufen. [6256 Helm Löber. nmmeternte von acht at zu verkaufen Louis Trotz. Wiesen rfdiifr». lolf IHöhl, nhofsiratze 5. ME 6818 »rburgerstratze 68. 80. W*618"' >ü*ern. 0eneralpet« er bte bt^L Kassau- D-uvE-ÄMir-l. Ms M ZZich- Nr. 203 Zweites Blatt- Mittwoch den 3V. August L8VS Gießwer Anzeiger Kenerat-NHeiger ■ ene^ne • •» Anzeigen zu der nichmittags für de» jetynkai t*| erscheinenden Nummer Hf »or». 18 Uhr. Nezugopreto vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pfß mit vringerloh». Akle Anzeigen-Bermittlungtstellen des In« und HufltaHk nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger Bei Postbezug R Mark 60 Pf§ -äerleljährltch Grschetut ItgNch eit Äufn« ferne de« Wo«tags. Di« Gießener >»*We»efitUt werden dem Anzeiger »dchentttch viermal deigeiegt. Aints- und Zlnzeigeblrrtt fih? btn Tt^eis Gieren. Äefeettien, Expedition und Druckerei: Ach»kßrnße Mr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. — J J.. ." Adreffe für Depeschen: Anzeiger >U|au Fernsprecher Nr. 61. &ine Pflicht Europas.^ Wenn der Sultan mit seinen lieben christlichen Unter- thanen in Streit geraten ist und ihnen in einer schwachen Stunde bewilligte Reformen vorenthält, so fühlen sich die europäischen Mächte verpflichtet, einzuschreiten und dem Padischah die Daumschrauben aufzusetzen, bis er sein Wort einlöst oder aber — wie das ja meistens der Fall ist — durch eine Hinterthür entschlüpft. Jedenfalls hat das durch die Großmächte repräsentierte Europa die Ueber- zeugung, zu einer Intervention berechtigt zu sein, wenn gemeinsame Interessen auf dem Spiele stehen. Vor kurzem erst sind die Vertreter fast aller Nationen der Welt versammelt gewesen, um gegen einen mächtigen Feind der Menschheit, gegen den Krieg und dessen Greuel, sich zu vereinigen, um Maßnahmen zur Beseitigung oder wenigstens doch zur Verminderung der Kriegsgefahr zu treffen. Wenn auch der Erfolg zu wünschen übrig läßt, so waren die Bemühungen jedenfalls anerkennenswert. Heute wird Europa durch eine schwere Gefahr unmittelbar bedroht, die ein entschiedenes Eingreifen der Mächte dringend erfordert. Wir meinen die in Portugal zum Ausbruch gekommene Pest. Nach allen Meldungen, welche aus Oporto einlaufen, ist es um die von den portugiesischen Behörden gegen die Weiterverbreitung der Seuche ergriffenen Maßnahmen recht schlecht bestellt: entweder wird die Größe der Gefahr verkannt oder aber die Behörden scheuen scharfe Absperrmaßregeln, um die Bevölkerung nicht aufzuregen. Schon die von der portugiesischen Regierung beliebte Verheimlichung hat der Ausdehnung der Epidemie erheblichen Vorschub geleistet, und der Krankheitsstoff kann bereits seinen Weg in weite Distrikte genommen haben. Wie schon oben gesagt, geht die Portugiesische Behörde mit ihren Maßnahmen sehr lax vor, und auf die spanischerseits vorgenommene Absperrung ist ebenfalls kein rechter Verlaß. Nun sind aber bei einer Ausdehnung der Pest nicht nur diese beiden Reiche beteiligt, sondern alle europäischen Länder werden in Mitleidenschaft gezogen. Was hilft es z. B. uns in Deutschland, wenn die Herkünfte aus Oporto von der Einfuhr ausgeschlossen bezw. einer längeren Quarantäne unterworfen werden? Ueber Frankreich, Spanien, England, Holland usw. können portugiesische Waren ihren Weg zu uns finden, wenn in diesen Ländern die Sicherheitsmaßregeln ungenügend durchgeführt werden. Und wer leistet denn Gewähr dafür, daß darin überall hinreichende Vorsicht geübt wird. Unserer Ansicht nach besteht das einzige Mittel, die Ausdehnung der Seuche sowie jeder anderen Epidemie zu verhindern darin, daß man auch thatsächlich den Entstehungsherd eingrenzt und mit aller Strenge die Absperrung durchführt, sodaß die Ueberschreitung der gezogenen Grenze zur Unmöglichkeit gemacht wird. Sollten die bestehenden Sanitätskonventionen nicht ausreichen, so wäre es jedenfalls nicht schwierig, internationale Vereinbarungen zu treffen, wonach in allen Fällen, in denen ein Seuchenherd entdeckt wird, welcher eine Gefahr für Europa bildet, einer mit großen Machtbefugnissen ausgestatteten internationalen Kommission alle in Betracht kommenden Maßnahmen übertragen werden. Nur so wird es ermöglicht, daß das Interesse aller Länder gewahrt und nicht von einer einzelnen Regierung das Wohl ganz Europas aufs Spiel gesetzt wird. (xx) Goethe-Feier. (Zweiter Tag.) Frankfurt a. M., 28. August. Heute früh 11 Uhr traf Kaiserin Friedrich mit der Kronprinzessin von Griechenland von Cronberg hier ein und begab sich in Begleitung der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen nach dem Saalbau, um der von dem Freien Deutschen Hochstift und der Goethe-Gesellschaft veranstalteten akademischen Feier beizuwohnen. An der Thüre wurden die hohen Herrschaften durch den Oberbürgermeister empfangen und nach der Loge geleitet. Nachdem die Kaiserin Platz genommen hatte, ertönte der „Gesang der Geister über den Wassern", eine von Schubert für Männer-Chor komponierte Goethe'sche Dichtung. Hierauf bestteg Oberbürgermeister Adickes die Rednertribüne, um im Namen der Stadt allen Erschienenen herzlichst zu danken und den von auswärts hierher geeilten ein „Willkommen" zuzurufen. Er begrüßte zunächst die Kaiserin Friedrich, dann die Vertreter der Staatsbehörden, die Vertreter der deutschen Hochschulen und zuletzt die Vertreter der Goethe-Gesellschaft, welcher er dafür dankte, daß sie im Einverständnis mit ihrem hohen Protektor auf ein Goethe-Fest in Weimar verzichtet hatte. Dr. Benkard dankte im Namen des Freien Deutschen Hochstifts den Erschienenen und gab seiner Freude Ausdruck, daß das Freie Deutsche Hochstift, welches nun schon vierzig Jahre besteht, diese Feier mit der Goethe-Gesellschaft vereint hier begehen könne. Er dankte den deutschen Universitäten, von welchen zwölf teils durch ihre Rektoren, teils durch ihre Dekane hier vertreten seien, ebenso dankte er den Vertretungen der Wiener Goethe-Gesellschaft und der englischen Goethe- Gesellschaft. Hierauf brachte der Vorsitzende der Goethe- Gesellschaft in Weimar, Professor Dr. Rohland Grüße des Protektors, Fürsten Karl Alexander, der ihn gebeten habe, seinem Bedauern Ausdruck zu geben, nicht persönlich hier erscheinen zu können. Die Depesche des Fürsten wurde ebenso wie eine solche des Sachsen-Weimarischen Kultus-Ministeriums von Dr. Rohland verlesen, welcher um die Erlaubnis bat, dieselbe im Namen der Versammelten erwidern zu dürfen. Nachdem die Versammlung sich durch starken Applaus hiermit einverstanden erklärt hatte, überreichte Dr. Rohland sowohl der Stadt als auch dem Freien Deutschen Hochstift je ein Exemplar in Prachtband des von den wissenschaftlichen Anstalten Weimars zu Ehren des 150. Geburtstages Goethes herausgegebenen Werkes. Der Rektor der Universität Jena, Professor Dr. Eucken dankte im Namen der deutschen Hoch« schulen für die Einladung nach Frankfurt zu dieser Feier zu kommen. Hiermit war die Reihe der Begrüßungen zu Ende und Professor Dr. Erich Schmidt-Berlin hielt die Festrede über Goethes Beziehungen zu seiner Vaterstadt und schloß mit einem Hoch auf die Goethe-Stadt Frankfurt a. M. Jubelnder Beifall folgte dem Vortrag. Nachdem noch Professor Dr. Veit Valentin-Frankfurt a. M. über „Natur und Kunst" bei Goethe gesprochen hatte, ertönte das Goethesche Gedicht „Mahomeds Gesang" von Kempter komponiert, von dem Sängerchor des Lehrer-Vereins meisterhaft gesungen durch den Saal. Um 3 Uhr nachmittags fand im Palmengarten ein offizielles Festmahl statt. Schon um 21/, Uhr begann der Saal sich zu füllen. Präzis 3 Uhr nahmen an der großen Längstafel die Spitzen der Behörden Platz. In der Mitte der Oberbürgermeister zwischen dem kommandierenden General des 18. Armeekorps Exzellenz von Lindequist und dem Vorsitzenden der Goethe- gesellschaft. Außerdem saßen an der großen Tafel die Spitzen der Behörden zum größten Teile mit ihren Damen. Außer an der großen Tafel wurde an neun Quertafeln und an vielen kleinen Tischchen serviert. Nach dem zweiten Gange schlug Oberbürgermeister Adickes an das Glas, und sämtliche Anwesende erhoben sich mit ihm. Er sprach von der Zeit vor 150 Jahren, von einer Zeit in welcher Deutschland Helden brauchte, um sich wieder erheben zu können, Helden des Geistes und Helden der That. Beide seien uns Deutschen in diesem Zeiträume erstanden. Redner erinnerte an die Helden der That, Kaiser Wilhelm den Großen und Bismarck, welche das Ideal Goethes, des Helden des Geistes, erfüllen durften. Er schloß seine Ansprache mit den Worten: Möge des Himmels Segen ruhn auf unserm Kaiser Wilhelm. Unser allergnädigster Kaiser König und Herrn, er lebe hoch! Die Versammlung stimmte dreimal in den Hochruf ein und sang stehend die Kaiserhymne. Hierauf ergriff der Vorsitzende des Freien Deutschen Hochstifts das Wort um allen zu danken, welche an dieser Feier sich beteiligten. Derselbe verlas eine größere Anzahl eingelaufener Telegramme, darunter eins von Wilhelm Jordan, welcher seinem Bedauern FeuMetm. Hoetfie aks Knaöe. Zum 150. Geburtstage des Dichters. Von Dr. Adolf Kohut. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Während Wolfgang durch seinen Vater und seine ersten Lehrer und Erzieher sich des Lebens ernstes Führen aneignete, sorgte die geniale Mutter, die „Frau Aja", wie sie von ihren zahllosen Verehrern genannt wurde, dafür, daß ihr Junge kein Pedant wurde, und daß ihr idealistischer Hang und die Lyrik, welche in ihr lebten, auch dem Sohne eigen wurden. Auch der kräftige Hauch von Humor, der ihre ganze Erscheinung umwehte, jene genannte Frohnatur, teilte sich ihrem herrlichen Sohne mit. Diese köstliche Gottesgabe verließ diese außerordentliche Frau selbst im Sterben nicht, was schon folgende wohl beglaubigte kleine Anekdote beweist. Am Morgen ihres Todestages lief von einer befreundeten Familie, welche die Krankheit der Frau Rat für unbedenklich hielt, eine Einladung ein, woraus die Sterbende zurücksagen ließ: „Die Frau Rat kann nit kommen; sie hat alleweil zu sterben." Bei all ihrem Phantasiereichtum war sie aber nichts weniger als eine Phantastin, sie wußte das Leben geschickt zu fassen und praktisch zu führen. Jenen gesunden, derben, humorgewürzten Realismus der Mutter finden totr nun auch bei dem jungen Goethe. Sie hat auch wesentlich dazu beigetragen, den freien, offenen Blick für die Natur und die Menschheit, sowie das frische und mutige Erfassen der Wirklichkeit in dem geliebten Sohne zu entwickeln. Selbst eine Spielgenossin und Kameradin ihres Knaben — beide waren ja noch so jung — pflegte sie auch das Schooßkind Jovis, die Phantasie, und erschloß durch ihre Unermüdlichkeit im Erzählen von Märchen und Gedichten dem begierig auf- horchenden Wolfgang die Pforten der idealen Welt, und bevölkerte ihm dieselbe mit den Gestalten unserer alten Volksbücherpoesie; Frau Aja merkte bald, daß aus ihrem Jungen „was Extraordinäres" werden würde, und sie lehrte ihn vor allem das Köstlichste: Lebensfreudigkeit. Wenn sich des Dichterfürsten Leben und Schaffen so harmonisch gestaltete, wenn wir an ihm nichts von mondscheinblasser Romantik, krankhafter Gemütsstimmung und pessimistischer Selbstquälerei entdecken, so hat er diese geistige Gemütsanlage in erster Linie Vater und Mutter zu verdanken. In behaglichen bürgerlichen Verhältnissen ausgewachsen, wie ein Augapfel behütet, mit allen Bildungsmitteln ausgestattet, strahlte schon dem Knaben die Sonne des Glückes in ihrem vollen Glanze. Man könnte beinahe versucht sein, anzunehmen, daß Friedrich Schiller, der große Bruder Goethes im Geist, auf ihn die Strophe gedichtet habe: Wie leicht ward er dahin getragen, WaS war dem Glücklichen zu schwer, Wie tanzte um des Lebens Wagen Die lustige Begleitung her. Auch die Zeitumstände trugen dazu bei, dem Genius die Schwingen zu lösen. Als neunjähriger Knabe hatte er bereits reiche Gelegenheit, den kosmopolitischen Sinn und das Weltbürgertum, die zu seinen charakteristischen Eigenschaften gehörten, zu entwickeln, denn im Dez-mber 1758, als der Oberstkommandierende der französischen Truppen, Prinz Soubise, sich genötigt sah, einen Teil seiner Armee in sichere Quartiere zu bringen, quartierte sicy der berühmte Königsleutnant Graf von Thoranc im Hause des Kaiserlichen Rats Johann Kaspar Goethe ein und bezog mit seinen Leuten deffen wohlgeputzte, meist verschlossene Staatszimmer — zum großen Aerger des Rats, der bekanntlich ein begeisterter Anhänger des großen Fritz war und die Franzosen nicht leiden konnte. Der Knabe lernte so die Sitten und Anschauungen der Fremden kennen, und da überdies der Königsleutnant ein außerordentlicher Kunstmäcen war, und die Frankfurter und Darmstädter Maler durch zahlreiche Bilderaufträge auszeichnete, wurde seine Liebe zur Kunst dadurch noch mehr gefördert. Wie leuchteten die Augen des jungen Wolfgang, als er all die Künstler im schnell improvisierten Mansardenatelier unter der Aufsicht des Leutnants frisch drauf los pinseln sah, und sich mit ihnen unterhalten, ja, dieselben sogar mit Ratschlägen unterstützen konnte! Noch bedeutungsvoller für ihn wurde die französische Schauspielertruppe, die in einem Saale des Junghofs auf einer notdürftig hergerichteten Bühne ihre Vorstellungen gab. Wolfgang hatte hierzu von seinem Großvater Textor ein Freibillet erhalten, das er, freilich sehr gegen den Willen des theaterfeindlichen Vaters, gern und häufig benutzte. So lernte er spielend die Sprache RacineS und Corneilles, und ebenso auch die Bühne mit all ihrem Zauber, ihren Geheimnissen, ihren heiteren und tragischen Seiten frühzeitig kennen. Der alte Rat freilich wollte verzweifelt die Hände über den Kopf zusammenschlagen, als es herauskam, daß der solide Sohn des Frankfurter Patriziers sich für die wandernden Komödianten, und besonders für die Schau- Ausdruck giebt, aus Gesundheitsrücksichten nicht an dem Essen teilnehmen zu können. Nachdem Redner nochmals betont hat, das er nicht nur für das Freie Deutsche Hoch- stift sondern auch im Namen der Stadt danke, schloß er mit einem Hoch auf die Gäste, in deren Namen erwidert der Vertreter der Straßburger Hochschule, Professor Dr. Ziegler, in längerer Rede, welche ausklingt in ein begeistert aufgenommes Hoch auf die Stadt, auf welche heute mit Freude und Stolz die ganze gebildete Welt blickt: Die Goethestadt Frankfurt a. M. Die Tafelmusik wurde von der Palmengarten-Kapelle ausgeführt, während von 5 Uhr ab im Neugarten zwei Militärkapellen abwechselnd spielten. Die Gartenfeste im Palmengarten und auf dem Ausstellungsplatz verregneten leider zum Teil. Ein englischer Sozialdemokrat über die deutsche Industrie. Der Generalsekretär des englischen Maschinenbauer- Gewerbevereins, Barnes, hat vor mehreren Wochen eine Reise nach Deutschland gemacht, um die Arbeitsverhältnisse der deutschen Fabrikarbeiter zu studieren. Seine Reise führte ihn nach Düsseldorf, Augsburg, München, Chemnitz und Berlin, wo er überall die bedeutendsten Maschinenfabriken besichtigte. In einer englischen Monatsschrift veröffentlicht er nun die Ergebnisse seiner Forschungen. Barnes war, wie er offen zugiebt, über den Kanal mit allen Vorurteilen gekommen, die in England über die Arbeitsbedingungen in Deutschland herrschen: Beim Antritt seiner Reise stand für ihn fest, daß der Aufschwung der deutschen Industrie lediglich auf ein „Schwitzsystem" gegründet sei, das den deutschen Arbeiter bei einem kärglichen Lohn ungewöhnlich lange an die Werkstätte gefeffelt hielte. Mit dieser Fabel räumt Barnes in seinem Bericht gründlich auf. „Ein oder zwei Züge", so sagt er, „die allen deutschen Werkstätten gemein sind, mögen hier zuerst angemerkt werden. In erster Linie ist der Schutz der Arbeiter gegen Unfälle und die Fürsorge für ihre Bequemlichkeit viel vollkommener als in England; die Arbeitsräume sind geräumig und reinlich. Das mag zu einem gewissen Grade der Regieruugs- aufsicht und den Unfall- und sonstigen Versicherungsgesetzen zuzuschreiben sein; aber ich neige der Ansicht zu, daß vieles aus der freiwilligen Initiative der Unternehmer entspringt. Ich sah viele Dinge über die Anforderungen des Gesetzes hinaus, die in England einfach ihresgleichen nicht haben. Ein anderer gemeinsamer Zug ist das moderne Aussehen der Werkstätten und die erstklassige Ausstattung derselben. Ueberall sieht man neue Fabriken in Bau begriffen, und die meisten, die ich besuchte, wurden vergrößert. Ueberall wurden neue Maschinen montiert, und die, die im Gange waren, trugen das Datum der letzten Jahre. Und endlich ist ein nicht minder allen Werkstätten gemeinsamer Zug die bequeme Art, in welcher die Leute ihre Arbeit verrichten. Obgleich Akkord-Arbeit allgemein ist, sah ich doch nirgend nervöse Hast. In den meisten Fabriken waren Kantinen oder andere Vorrichtungen für Erfrischungen während der Arbeit." Entgegen der in England vertretenen Anschauung, daß die deutschen Arbeiter bedeutend länger arbeiteten und schlechter bezahlt würden, als die englischen, ist Barnes zu der Ueber- zeugung gekommen, „daß der Unterschied nicht so groß ist, wie man in England allgemein vermutet." Ja, er erklärt sogar freimütig, daß es, „wenn man die Pausen für Kaffee und Vesper abrechnet (die es in England nicht gibt), zweifelhaft sei, ob die thatsächliche Arbeitszeit in Deutschland länger ist, als in England." Barnes gibt dann einen genauen Bericht über die Löhne und Arbeitszeiten in den verschiedenen Fabriken. Aus seinen Angaben ergiebt sich der obige für Deutschlands Industrie erfreuliche Schluß. Eine andere bemerkenswerte Beobachtung Barnes ist spielerinnen, so begeisterte; dieser Schritt vom Wege seines geliebten Sohnes wollte ihm garnicht gefallen, denn Wolfgang sollte ein würdiger Rechtsgelahrter und Ratsherr werden. Dieser zweifelhafte Umgang brachte ihn gar oft in Harnisch gegen seinen Sohn, und es wäre wohl zu schlimmen Auftritten gekommen, wenn nicht Frau Aja mit ihrem feinen Takt und ihrem weiblichen Geschick vermittelnd und versöhnend dazwischen getreten wäre. In jener Frankfurter Franzosenzeit gewöhnte sich der junge Goethe, sich als angehendes Herrchen zu fühlen und zu gehaben; er selbst hat sich ja in seinem Märchen „Der neue Paris" uns äußerlich dargestellt: Schuhe aus sauberem Leder mit großen silbernen Schnallen, feine baumwollene Strümpfe, schwarze Beinkleider aus Serge, eine aus des Vaters Bräutigamskleid hergestellte Weste, ein Rock aus grünem Perkal, das Haar gepudert uud an den Schläfen in zwei abstehende Locken frisiert, im Nacken ein Haarbeutelchen, unter dem Arm ein Dreimasterchen, an der Seite ein kleiner Degen, dessen Bügel mit einer großen Schleife garniert war, also im vollen Wichs und Glanz des Rokkoko. Aber seine gesunde Natur, seine ausgezeichnete Erziehung und der Genius, der in ihm lebte und waltete, ließen ihn nicht untergehen, wie so manchen Stürmer und Dränger, so manches verbummelte Genie der Weltlitteratur. Wie seine Eltern, so erkannte auch er frühzeitig seinen Beruf, und er blickte auf zur Soune, die auf seinem Lebenswege im vollen Glanze aufzugehen begann. Unwillkürlich müffen wir hier an seine Auslassung im „Prometheus" denken: Da ich ein Kind war und Nicht wußte, wo aus noch ein, Kehrt' ich mein verirrtes Auge Zur Sonne, als wenn drüber wär Ein Ohr, zu hören meine Kla;e, Ein Herz, wie meins, Sich des Bedrängten zu erbarmen. diese: Während noch in den siebziger und achtziger Jahren viele der besten Arbeitsmaschinen englischer Herkunft waren, fand er jetzt trotz eifriger Nachforschung in allen Werken englische Maschinen fast nur noch in den ältesten Winkeln und im Schrott. Alle modernen Arbeitsmaschinen waren deutscher Herkunft, und die allermodernsten stammen aus Amerika. Dieser letzten Angabe werden wahrscheinlich die deutschen Industriellen ihre besondere Aufmerksamkeit zuwenden, um sich, wie von der englischen, so auch von der amerikanischen Industrie unabhängig zu machen. Jedenfalls ist der Bericht ein ehrenvolles Zeugnis für die deutsche Industrie. Das wird auch von der englischen Presse anerkannt. So sagt das Londoner Blatt „Daily Chronicle": „Aus diesem Bericht geht klar hervor, daß das Emporkommen der deutschen Industrie nicht auf der Ausbeutung der Arbeiter, sondern auf der geistigen Tüchtigkeit der Industriellen beruht." Andererseits zeugt der Bericht von der Unparteilichkeit des englischen Arbeiterführers, die sich die Führer der deutschen Sozialdemokraten, die erfahrungsgemäß unsere Zustände nicht schwarz genug schildern können, zum Muster nehmen könnten. Deutsches Reich. Berlin,28. August. Das Staatsministerium trat heute nachmittag 4 Uhr in seinem Dienstgebäude unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe zu einer Sitzung zusammen. Berlin, 28. August. Finanzminister Miquel hat wieder unter Bronchial-Katarrh zu leiden. Sofort nach Schluß des Landtages tritt er wieder einen 14tägigen Urlaub an. Er gedenkt, denselben auf dem Gute seines Schwiegersohnes in Schlesien zu verbringen. Berlin, 28. August. Das Goethe-Denkmal im Tiergarten war heute mit Blumen und Blattpflanzen geschmückt. Allen voran prangte an erhöhter Stelle der Lorbeerkranz, den „dem deutschen Dichterfürsten die Hauptstadt des Deutschen Reiches" gespendet hatte. — Ueber die Organisation des Po lentums im rheinisch - westfälischen Jndustriebezirke findet sich in der „Rh.-Westfül. Ztg." eine Schilderung, der wir folgendes entnehmen: Der „Wiarus Polkski", welcher anfänglich mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, erscheint bereits im neunten Jahrgange und nimmt immer mehr an Umfang zu. Sein vor 6 Jahren ergangener Ruf, die deutschen Kaufleute zum Inserieren in der polnischen Presse zu zwingen und nur bei solchen zu kaufen, welche dies thun, ist mit großem Erfolge gekrönt worden. Dort erscheinen neben Inseraten polnischer Schuhmacher, Schneider, Kolonialwarenhändler, Uhrmacher, Kaufleute, welche „ihren Landsleuten" ihre Ware anpreisen, auch solcher deutscher Kaufleute. — Trotz vielfacher polizeilicher Strafverfügungen werden weiterhin Uhren mit Bildnissen von Kosciuszko, Johann III., Sobieski, sowie der Mutter-Gottes von Czen- stochau, dem Wallfahrtsorte der Polen, versehen mit der Inschrift: „Gott schütze Polen!" ganz unverfroren angepriesen. Mit Sorgfalt wird jede Niederlage der Deutschen in Oesterreich, jeder Fortschritt der Polen in Rußland den Lesern vor Augen geführt. Nie dagegen findet sich in dem auf deutschem Boden erscheinenden Blatte eine Notiz über eine deutsche patriotische Feier oder auch nur über den Geburtstag des deutschen Kaisers. Zur Hebung des Polen- tums ist in Dortmund eine polnische Buchhandlung gegründet worden. Wöchentlich werden im Jndustriebezirk 10 bis 20 polnische Bereinssitzungen abgehalten, in welchen nebenbei Turn- und Gesangübungen gepflegt werden. Dazu kommen regelmäßig die Versammlungen aus Anlaß der angeblichen mangelhaften geistlichen Fürsorge, über welche die Gemüter noch immer nicht beruhigt sind, weil man ihnen nur polnisch sprechende aber nicht lolnisch, das heißt nationalpolnisch oder antideutsch denkende Geistliche zuweise. Gemeinschaftliche Mahlzeiten und Theateraufführungen, Gesangwettstreite und Unterhaltungsabende tragen außerdem nicht wenig zur Hebung des Zu- ammengehörigkeitsbewußtseins bei. — Nun noch eine kleine Probe von der Schreibart des „Wiarus Polski" : O, Bruder, denke stets daran, daß Du hierher (nach Westfalen) nur auf kurze Zeit gekommen bist, um später nach Polen wiederzukehren, denn Polen das ist unsere Erde. Dort sind unsere Hütten, zwar armselig, aber doch besser als die deutschen Paläste. Unsere alte Kirche ist schöner, als hier die stolzen Kirchenbauten, in denen Du Gottes Wort in unserer gelebten polnischen Sprache nicht hörest. Wenn Du Deiner eignen Not steuerst, dann bereicherst Du das Nationalgut!" Marburg, 28. August Heute ging hier und in der Imgegendein schweres Unwetter mit Wolkenbruch nieder. Durch die Wassermassen wurden Straßensenkungen verursacht. Der Blitz zündete mehrfach. Ausland. Wien, 28. August. Behufs Berichterstattung soll Oberst Schneider auch vom Kaiser Franz Josef empfangen werden. Belgrad, 28. August. Den Angeklagten wurde heute )ie Anklageschrift zugestellt. Dieselben werden dem Standgericht überwiesen. Paris, 28. August. Der „Figaro" bringt ein Interview Freystätters, der nochmals erklärt, daß Oberst Maurel jedes einzelne Schriftstück des geheimen Dossiers mit lauter Stimme verlesen und dann besprochen habe. Paris, 28. August. Einer Meldung der „Petite Repu- blique" zufolge soll die Regierung entschlossen sein, nunmehr gegen Guörin vorzugehen. Paris, 28. August. „Gaulois" bestätigt, daß gegenwärtig Schritte unternommen werden, die Mitglieder des Kriegsgerichtes von 1894 in Rennes erscheinen zu lassen. Paris, 28. August. Der Figaro erzähl, daß Frau Labori einen anonymen von Frauenhand geschriebenem Brief erhalten hat, in welchem ihr angedroht wird, daß nicht nur ihr Mann, sondern auch sie und chre Kinder ermordet werden würden. Paris, 28. August. Guörin erklärte einem Besucher namens Piate, dessen Bruder mit eingeschlossen ist, wenn die schwarze Fahne auf seinem Hause aufgezogen sei, so bedeute das, daß Guerin fortan jede Beziehung mit der Außenwelt aufgebe und den Hungertod erwarte. Die Wachen vor dem Hause Gusrins sind jetzt mit Revolvern versehen worden. Der gestrige Tag ist ohne Zwischenfall verlaufen. Washington, 28. August. Sämtliche diplomatische Vertreter wurden angewiesen, gegen die etwaige Anerkennung der Philippinos als kriegführende Macht zu protestieren. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 29. August 1899. ** Gefundene Sachen. Mit dem 1. Januar 1900 tritt durch das Bürgerliche Gesetzbuch eine ueue rechtliche Behandlung der gefundenen Sachen ein. Die Großh. Regierung hat soeben hierüber die neuen Bestimmungen für Hessen erlassen. Wer einen verlorenen Gegenstand an sich nimmt und den Verlierer oder seinen Aufenthaltsort nicht kennt, muß den Fund unverzüglich der Polizei anzeigen, falls der Gegenstand über 3 Mk. wert ist. Der Finder kann sich hierzu an jede beliebige Lokalpolizeibehörde in Heffen wenden. Letztere stellt alle Umstände fest, die für die Ermittelung des Verlierers erheblich sein können, so Zeit, Ort und Hergang des Fundes, Name und Wohnort des Finders, den Wert der Sache rc. Wenn die Polizei den Verlierer nicht erfährt, macht sie Zeit, Ort und Gegenstand des Fundes in ortsüblicher Weise bekannt, und zwar innerhalb eines Monats nach der Anzeige des Fundes. Die Sache wird unterdessen von dem Finder oder der Polizeibehörde aufbewahrt. Ist letzteres der Fall und meldet sich der Verlierer innerhalb eines Jahres nicht, so fordert die. Polizeibehörde den Finder zur Erklärung auf, ob er die Herausgabe der gefundenen Sache verlange, und händigt ihm die Sache auf sein Verlangen dann zu Eigentum aus. In Zukunft hat jeder Finder auch Anspruch auf einen Finderlohn, und zwar bei Sachen unter 300 SJlt. auf 5 Prozent ihres Wertes, bei Sachen über 300 Mk. auf 1 Prozent des Mehrwertes. *• Kellnerinnen. Das Großh. Ministerium hat eine Verordnung erlassen, nach der einem Wirt, der seinen Kellnerinnen keinen Lohn zahlt und sie infolgedessen nur auf Trinkgelder und andere Einnahmen hinweist, die Konzession entzogen werden soll. Das Ministerium nimmt an, daß solche Wirtschaften nur dazu dienen, die Völlerei zu fördern und die Unsittlichkeit zu unterstützen. Weiter hat das Ministerium noch die Verordnung erlassen, daß auch dann solchen Wirten, wie den bezeichneten, die Konzession entzogen werden könne, wenn nachgewiesen sei, daß der Inhaber einer Wirtschaft keine Kenntnis von den Vorfällen tn- feiner Wirtschaft habe, da er für das verantwortlich sei, was bei ihm vorgehe. o. Lich, 28. August. Der „Mitteldeutsche Bauernbund" will die Redaktion seines Vereinsorgans „Deutsche Volkswacht" von Offenbach verlegen. Am Samstag waren deshalb Vertreter der Redaktion hier, um ein passendes Haus zu suchen. Dem Vernehmen nach hat ihnen die Stadt die an der Straße nach Nonnenroth gelegene, nicht mehr im Betrieb befindliche städtische Ziegelhütte zum Kauf an- geboten. Durch einige bauliche Veränderungen könnten hier die notwendigen Räume beschafft werden. t. Lich, 28. August. Heute mittag zog sich in unserer Gegend ein Gewitter zusammen. Ein orkanartiger Wind riß Aepfel und Birnen mit dem Fruchtholz von den Bäumen, sodaß die an und für sich nicht reiche Obsternte schwer geschädigt worden ist. Durch die lang anhaltende Dürre ist das Kernobst in seiner Entwicklung gebindert worden, das Steinobst aber zum großen Teil abgefallen. ? Ans Oberheffen, 28. August. Gute und vollkommene Fruchternten haben als ganz natürliche Folge stets billigere Brotpreise gebracht. Der jetzige Sommer scheint hiervon eine Ausnahme machen zu wollen. Eine bessere Getreideernte wie gegenwärtig haben wir wohl noch niemals gehabt, aber die natürliche Folge, billigere Brotpreise, bleibt aus. Das Brot kostet noch genau denselben Preis wie im Winter, die Frucht ist aber im Preise gegen damals bemerkenswert herabgegangen. (!!) n. Ortenberg, 27. August. Wie alljährlich, so fand auch am vergangenen Ludwigstag wieder die Hauptversammlung unserer Bezirkssparkasse, zu der die umliegenden Orte der Kreise Schotten und Büdingen gehören, statt. Nach dem vorgelegten Rechenschaftsbericht betrug das Kapitalvermögen Ende 1898 1054983 Mk. 50 Pfg. Hierunter find 423537 Mk. 52 Pfg. Kaufgeld. Die verzinslichen Kapitalschulden belaufen sich auf 969033 Mk. 22 Pfg., die unverzinslichen auf 545 Mk. 65 Pfg. Das reine Vermögen beträgt mithin. 109115 Mk. 45 Pfg. Die Zahl der Einleger betrug am Ende des genannten Jahres 1150, Darunter waren 193 mit einem Guthaben bis je 50 Mk., 174 mit einem solchen von 50 bis 100, 179 von 100 bis 200, 182 von 200 bis 400, 168 von 400 bis 800, 254 mit über 800 Mk. Zurückbezahlt wurden an Einleger mit Guthaben in nachstehender Reihenfolge: 7231 Mk. 9 Pfg., 15453 Mk. 17 Pfg., 32568 Mk. 23 Pfg., 63857 Mk. 75 Pfg., 114125 Mk. 84 Pfg., 735 797 Mk. 14 Pfg. Darmstadt, 27. August. Der von Griesheim kommende, von Kirchweihgästen schwer beladene Zug der Dampfstraßenbahn überfuhr heute abend nach 9 Uhr einen besseren Arbeiter namens Phil. Schmidt von Wixhausen. DaL Ms. August 1899. SW 1900 trift 2n*. Du GrM u Bestimmung^ jü‘ ^genstand an sich Ausenthaltsort nicht J W anzeigen, VA' Der Finder okchollzelbehöide in "stunde sest, die für A !em können, so ” und Wohnort . Wenn die Polizei »eu, Ott und Gegen- ' bekannt, und zwar ge des Fundes. Die er oder der Polizei- yaH und meldet sich ucht, so sordert die :ung ans, ob er die langt, und händigt m zu Eigentum aus. Anspruch auf einen unter 300 Mk. aus i über 300 Mk, aus Ninisterium hat eine tem Wirt, der seinen sie infolgedessen nur n hinweist, die 8on- inisterium nimmt an, itn, bie Ärti yi Ijen. Weiter hat erlassen, daß auch üw, die LonAon t\tn sei, dah der Jn- von den Vorfällen in L verantwortlich sei, M. bafi <. 9'SÄ'b'J'" ; ”nb&6 «Inder 'WM fti S? te. Die oa ^rn- -Zr- deutsche Bauernbund" organs „Deutsche gen. Am Samstag ier, um ein passendes h hat ihm die Stadt gelegene, nicht mehr Ihütte zum Kauf an- derungen könnten hier 7zoa sich in unserer In orkanartiger Wind holz von den Bäumen, Obsternte Wer anhaltende Dürre'st .hindert worden, das Bä« K-s /noch niemals tzchadi' Bä— : iWn : . oOW'LnsOn ld. Die 033 ^ '. Kttlnögen DaS/L der Em- 79 25» ’1,t o bis an EiulE 9 M, 723 ^g57 M. !3 ?fc i4?(8. 797 SF ^Mende/ um derDE'^ren >7llhr W linke Bein wurde zwischen Knie und Knöchel total abgefahren und am Kopf hat er sehr bedenkliche Verletzungen. — Der größte Teil des Zugs ging über ihn; wie er unter die Lokomotive kam, ist noch nicht aufgeklärt; er gab an, noch rasch über die Schienen gewollt zu haben. Das Unglück geschah auf freier Chaussee am Waldende nach der Stadt. Sch. ist verheiratet und hat fünf Kinder. Er wurde sofort im Stadt-Krankenhaus verbunden, nachdem der anhängende Teil des Beines amputiert war. — Im Seitengebäude eines Hauses in der unteren Bismarckstraße brach heute nachmittag 4 Uhr ein kleines Schadenfeuer aus, das aber sehr rasch gelöscht wurde, sodaß die Feuerwehr wieder abrücken konnte, ohne eingreifen zu müssen. T. Offenbach a. M., 26. August. Für den diesjährigen deutschen landwirtschaftlichenGenossenschaftstag am 12. bis 14. September zu Breslau werden im Blatte des Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, der „Genossenschaftspresse" zu Offenbach wichtige Ergänzungen der Tagesordnung und Anträge veröffentlicht. — Die Produktiv-, Molkerei-, Bau-, Kornhaus rc. -Genossenschaften, überhaupt alle Genossenschaften, die mit größerem Anlagekapital, mit eigenen Gebäuden und Maschinen arbeiten müssen, finden seit jeher die größte Schwierigkeit für Gründung und Kreditbeschaffung darin, daß das Genossenschaftsgesetz es in keiner Weise gestattet, durch Bindung der Mitglieder auf mehrere Jahre eine stabile Arbeits- und Kapitalbeteiligung zu sichern. Zu dieser wichtigen Frage referiert der Direktor des westpreußischen Molkereiverbandes Gutsbesitzer P lehn-Gruppe, der zu dem Schluffe kommt, daß alle Versuche, die Produktivgenossenschaften durch besondere Statutbestimmungen vor den Schädigungen zu bewahren, die ihnen durch den plötzlichen Massen-Austritt von Mitgliedern zugefügt werden könnten, von den Gerichten zurückgewiesen worden seien, und daher, da die Schädigungen besonders für Molkereigenossenschaften sich in vielen Fällen verderblich gezeigt haben, nichts übrig bleibe, als eine darauf bezügliche Aenderung des Genossenschaftsgesetzes vom 1. Mai 1889 anzustreben, lieber die genossenschaftliche Organisation des Spiritusabsatzes, die im letzten Jahr für das ganze Reich zu stände gekommen ist, wird der bekannte Vorsitzende des Vereins für Spiritusindustrie Herr von Graß-Klanin, Mitglied des Herrenhauses, einen Vortrag halten. Oekonomie- rat Johannßen-Hannover spricht über den genossenschaftlichen Eierabsatz, mit dem in Nordwestdeutschland, namentlich in den entlegenen Bezirken der Lüneburger Haide, neuerdings glänzende Erfolge erzielt wurden, und empfiehlt die genossenschaftliche Organisation des Eierabsatzes allgemein mit Nachdruck zu fördern. Wo nicht andere Organisationen (Geflügelzuchtvereine rc.) den gemeinsamen Eierabsatz übernehmen wollten und nicht besondere Genossenschaften für diesen Zweck gegründet würden, erscheinen ihm die Molkereigenossenschaften als besonders berufen, den Eierabsatz ihrer Mitglieder auszuführen. Eine innige Fühlung, eventuell geschäftliche Centralisation der Verkaufsorganisationen innerhalb größerer Gebiete sei empfehlenswert. Für die wichtige Frage der Anlage von Mündel- und Stiftungsgeldern bei den ländlichen Spar- und Darlehnskassen ist in Landgerichtsrat Dr. Meise!-Darmstadt ein hervorragend sachverständiger Berichterstatter gewonnen worden. — Im ganzen sind jetzt 18 Verhandlungsgegenstände für die Tagesordnung angemeldet worden. Vermischtes. * Wiesbaden, 25. August. Das finanzielle Ergebnis des Turnfestes läßt sich noch nicht feststellen, soviel aber steht fest: der Garantiefonds braucht nicht herzuhalten. Der Umsatz war 120 000 Mk. Es ist aber genau festgestellt worden, was der Durst während der jüngsten sonnenbeschienenen Festtage zwischen den Bretterwänden des Festplatzes an Flüssigkeiten vertilgt hat. Es wurden getrunken: 14647 ganze und 758 halbe Flaschen Wein, 387 ganze Flaschen Champagner, 2554.4 Liter Schoppen-Wein, 6306 ganze und 1996 halbe Krüge Kronthaler Wasser, 52 Flaschen Turnerlimonade, 116 Flaschen Brauselimonade, 1017 Flaschen Sodawasser, 26 Flaschen Aepfelwein-Cham- pagner und 77 872 Liter Bier. Diese verschiedenen Getränke, in einen Bottich geschüttet, geben zusammen ungefähr das beträchtliche Maß von 103761 Liter Flüssigkeit! * Leipzig, 28. August. Für die Errichtung eines Goethe-Denkmals in Leipzig hat der Rat der Stadt Leipzig einen Beitrag von 10,000 Mk. bewilligt. * Die Volta Ausstellung in Como, die vor einigen Wochen durch eine gewaltige Feuersbrunst zerstört wurde, ist am 20. August ohne Sang und Klang wieder eröffnet worden. Die Gebäude der internationalen Elektrizitäts- Ausstellung und der Seidenindustrie-Ausstellung sind fast vollständig wieder hergestellt, und nichts erinnert mehr an das Vernichtungswerk des Feuers, das vor kurzem hier gewütet hat. * Für das Goethedenkmal in Straßburg sind bisher rund 93 000 Mk. eingegangen, während der Kostenaufwand auf 120000 Mk. veranschlagt ist. Der Denkmals-Ausschuß ersucht daher alle Verehrerinnen und Verehrer unseres Dichters, die Vereine und Ausschüsse, welche zum 150. Geburtstage Goethes eine Gedenkfeier veranstalteten, auch des Straßburger Denkmals, das dem jungen Goethe gilt, zu gedenken und durch Gewährung und Sammlung von Spenden dazu beizutragen, daß mit der Ausführung des Denkmals bald begonnen werden kann. * Aufbewahrung deutscher Geheimakten. Wie deutsche Geheimakten aufbewahrt werden, ist jetzt zur Zeit des Dreyfus - Prozesses ein recht interessantes Thema. Im Reichsmarineamt zu Berlin beispielsweise befindet sich neben einem Bureauzimmer ein einfenstriges Zimmer, das lediglich der Aufbewahrung von Geheimpapieren dient. In diesem Zimmer sind der Fußboden, die Wände und die Decken durch Eisen- und Stahlplatten gegen Einbruch und Feuer gesichert, ebenso die Thür, die dreifach verschlossen wird. Das einzige Fenster hat ein starkes Gitter und wird im Innern noch durch Panzerplatten gesichert. Das Zimmer hat ungefähr 20 Geviertmeter Bodenfläche. Die Geheimakten liegen in drei großen Schränken, die stärker sind als die stärksten Geldschränke und in der Höhe etwa 2, in der Breite P/2 und in der Tiefe 1 Meter messen. Diese Schränke kann niemals eine einzige Person öffnen, weil dazu mehrere Schlüssel gehören, die sich stets bei verschiedenen Personen befinden. Zwei Schränke stehen an den mit einem Oelanstrich versehenen Wänden, einer zwei Meter von dem Fenster entfernt. Einen Tisch oder einen Stuhl enthält das Zimmer nicht. Nachts wird es von einem besonderen Wächter beaufsichtigt, der eine Kontrolluhr zu stellen hat. * Goethe über die deutsche Einheit. Ein paar Jahre vor feinem Tode, im Jahre 1828, hat Goethe zu feinem treuen Schüler Eckermann sich gesprächsweise über die Zukunft Deutschlands geäußert. Es ist merkwürdig, wie klar Goethe schon damals die wichtigsten Faktoren unserer heutigen Kultur vor Augen sah und wie er eine kulturelle Dezentralisation Deutschlands forderte, wie sie uns heute als die sicherste und einzig denkbare Basis unseres geistigen Lebens erscheint. Es ist vielleicht angebracht, einen Teil dieses interessanten Gespräches heute einmal wieder sich ins Gedächtnis zu rufen. „Mir ist nicht bange", so hören wir Goethe sprechen, „daß Deutschland nicht eins werde, unsere guten Chausseen und künftigen Eisenbahnen werden schon das Ihrige thun. Vor allem aber sei es eins in Liebe untereinander, und immer sei es eins, daß der deutsche Thaler und Groschen im ganzen Reiche gleichen Wert habe; eins, daß mein Reisekoffer durch alle 36 Staaten ungeöffnet passieren könne. Es sei eins, daß der städtische Reisepaß eines weimarischen Bürgers von den Grenzbeamten eines großen Nachbarstaates nicht für unzulänglich gehalten werde, als der Paß eines Ausländers. Es fei von Inland und Ausland unter deutschen Staaten überall keine Rede mehr. Deutschland sei ferner eins in Maßgewicht, in Handel und Wandel und hundert ähnlichen Dingen, die ich nicht alle nennen kann und mag. „Wenn man aber denkt, die Einheit Deutschlands bestehe darin, daß das große Reich eine einzige große Residenz habe und daß diese eine große Residenz wie zum Wohl der Entwicklung einzelner großer Talente, so auch zum Wohl der großen Masse des Volkes gereiche, so ist man im Irrtum. — Man hat einen Staat wohl einem lebendigen Körper mit vielen Gliedern verglichen, und so ließe sich wohl die Residenz eines Staates dem Herzen vergleichen, von welchem aus Leben und Wohlsein in die einzelnen nahen und fernen Glieder strömt. Sind aber die Glieder sehr ferne vom Herzen, so wird das zu- strömende Leben schwach und immer schwächer empfunden werden.--Wodurch ist Deutschland groß, als durch eine bewundernswürdige Volkskultur, die alle Teile des Reichs gleichmäßig durchdrungen hat? Sind es aber nicht die einzelnen Fürstensitze, von denen sie ausgeht und die ihre Träger und Pfleger sind? Gesetzt, wir hätten in Deutschland seit Jahrhunderten nur die beiden Residenzstädte Wien und Berlin, oder gar nur eine, da möchte ich sehen, wie es um die deutsche Kultur stände, ja auch um einen überall verbreiteten Wohlstand, der mit der Kultur Hand in Hand geht." Goethe führt den Nachweis für diese Behauptungen dann ausführlich; wir wissen, daß die Zeit ihm recht gegeben hat. Auch der letzte Satz dieses Gesprächs ist auch noch für unsere Zeit zutreffend: „Frankfurt, Bremen, Hamburg, Lübeck sind groß und glänzend, ihre Wirkungen auf den Wohlstand von Deutschland gar nicht zu berechnen; würden sie aber wohl bleiben was sie sind, wenn sie ihre eigene Souveränetät verlieren und irgend einem großen deutschen Reiche als Provinzialstädte einverleibt werden sollten? Ich habe Ursache, daran zu zweifeln." — So sah Goethe die deutsche Einheit im Geiste, wie wir sie besitzen — Goethe, dem gar manche noch immer nicht gnädig verziehen haben, daß er nicht deutsch gefühlt! * lieber „amtliche Kontrole der Fernsprechgespräche" lesen wir in dem Bielefelder „Wächter": Vor dem Schöffengericht in Bielefeld kam kürzlich in einer Beleidigungsklage eine sämtliche Fernsprechteilnehmer interessierende Frage in der Verhandlung vor. Der Angeklagte hatte bei Zurückweisung eines seiner Ansicht nach vorliegenden Uebergriffs des dicnst- thuenden Telephonbeamten diesen beleidigt. Der Beamte hatte in die Unterhaltung des Angeklagten mit einem anderen Teilnehmer sich hineingemischt und dadurch das Gespräch unterbrochen und zwar durch einen Zuruf, aus dem hervorging, daß er das Gespräch belauscht halte. Als sich der Angeklagte dies verbat, behauptete der Beamte, es sei sein Recht, das Gespräch zu kontrolieren. Darauf hatte sich der Angeklagte zu einer beleidigenden Aeußerung, die Gegenstand der vom Oberpostdirektor als Vorgesetzten erhobenen Anklage war, hinreißen lassen. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht blieb der beleidigte Beamte, der als Zeuge auftrat, auf eine dahingehende Frage des Verteidigers dabei, daß es fein Recht fei, das Gespräch, nicht blos ob es begonnen oder beendet fei, sondern auch den Inhalt des Gesprächs zu kontrolieren und anznhören. Er konnte freilich nicht angeben, Kraft welcher Bestimmung dies Recht ihm zustände, jedenfalls hätte er das Recht. Sowohl der Verteidiger, als der Angeklagte waren der Ansicht — und wahrscheinlich wird diese von sämtlichen Fernsprech- Teilnehmern geteilt —, daß einem Beamten unmöglich dies erwähnte Recht zustehen könne und dürfe. Bei der Wichtigkeit, die die Entscheidung dieser Frage für jeden Geschäftsmann, besonders für Banken und Börsenleute besitzt, denen an der Geheimhaltung mancher Nachrichten doch sehr gelegen ist, hat der angeklagte Fernsprechteilnehmer den Beschwerdeweg gegen den betreffenden Beamten eingeschlagen, weniger um eine Bestrafung des letzteren, falls er feine Befugnisse überschritten hat, herbeizuführen, als vielmehr vor allem im Prinzip durch eine Entscheidung der oberen Behörden festzustellen, ob einem Telephonbeamten das Recht zusteht, 1) das ganze Gespräch zweier Teilnehmer zu kon- trolleren und zu belauschen; 2) sich beliebig in eine Unter« Haltung zwischen zwei Teilnehmern hineinzumischen und diese zu unterbrechen. , Gesunden ist endlich die immer und immer wieder gesuchte Lösung des schwierigen Problems, die Zähne, diesen wichtigsten Faktor der Gesundheit und Schönheit, mit Sicheret gegen alle schädlichen Einflüsse zu schützen und dauernd gesund und schön zu erhalten. 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Germanischer Stil und Deutsche Kunst, von Dr. Ludwig Wilser Heidelberg. (Fortsetzung). Daneben Atelier- Nachrichten, Kleine Mitteilungen. Als farbige Beilage: Jan Toorop, Plakat: „Arbeid vor de Drouw". Außerdem eine ganze Reihe Vollbilder und Illustrationen im Texte. Die vornehme und reichhaltige Kunstzeitschrift zu empfehlen, ist eine Aufgabe, der wir uns jederzeit mit Freuden unterziehen. Landwirtschaftliches. D. Daueruheim, 24. August. Kaum ist die Getreideernte unter Dach gebracht, so hat man auch schon mit der Grummet- ernte begonnen, die fast durchgängig gut auszufallen scheint. Man wendet auch bet dem Grummetgras Mähmaschinen an, die sehr sauber arbeiten. DaS warme, trockene Wetter fördert das Trocknen deS Grummetgrases außerordentlich und es wird Futter von hervorragender Güte erzielt, denn es besitzt einen köstlichen Geruch und sieht noch fast ganz grün auS, obgleich eS gedörrt ist. Die AuSfaat von Gründüngungspflanzen: Erbsen und Wicken ist bis jetzt unmöglich gewesen, weil bei der andauernden Trockenheit die Stoppeläcker vielfach nicht gestürzt werden können und well der Same der Gründüngungspflanzen bei dieser Trockenheit auch nicht zum Keimen kommen würde. Endlich ist die Aussaat jetzt, in der letzten August- woche, als zu spät nicht mehr zu empfehlen. WaS wir btS jetzt von Gründüngungspflanzen sahen, sieht sehr bescheiden aus; die Pflänzchen nehmen eine bläuliche Farbe an, ein Zeichen dafür, daß sic kümmern. Da wir diesen Nachsommer und Herbst retck mit Futter gesegnet werden, also auf Futter von Gründüngungspflanzen nicht angewiesen sind, raten wir diese nicht auszustrllen und dafür mineralischen Dünger anzuwenden. — In Bezug auf die Fruchtpreise wäre zu bemerken, daß der hiesige Domänenpächter 16 Mk. für Gerste erzielt hat, die nun allerdings von hervorragender Schönheit ist und als Brauergerste verwendet wird. Das Beispiel lehrt, daß der Bauer stets daS Feinste zu erzeugen suchen soll, es wird am besten bezahlt. Die übrigen Fruchtpreise haben etwas nachgegeben, dagegen halten sich die Schweinepreise in hiesiger Gegend recht fest, denn das Paar guter Milchferkel im Alter von 6 bis 7 Wochen wird mit 30 biS 34 Mk. bezahlt. — Durch das anhaltend warme Wetter hat das Reifen des ObsteS große Fortschritte gemacht, die Aepfel fangen an zu fallen und geschickte Hausfrauen wissen aus den Schalen einen trefflichen Gelee zu bereiten. Man kann aber auch schon einen recht gesunden, wohlschmeckenden Haustrunk daraus Herstellen, welcher bet der Kartoffelernte und den Herbstarbetten gute Dienste leistet. Da in Oberheffen noch viel zu wenig in dieser Beziehung geschieht, soll hier noch einmal besonders darauf hingewiesen werden. Apfelwein, der fich ein Jahr lang, oder noch länger halten soll, macht man bekanntlich erst im Oktober von spätreifendem Obste, zur jetzigen Zett handelt es fich ledtglich um einen Haustrunk und um Verwertung von Obst, das sonst mißachtet wird und zwecklos zugrunde geht. SS Freiensteinau, 24. August. Der heute hier abgehaltene Vtehmarkt war mit Rindvieh nicht, dagegen mit Schweinen gut befahren. DaS Paar Läufer kostete 60 biS 70 Mk., bessere Qualität 80 bis 85 Mk. Sommerferkel kosteten das Paar 20 bis 30 Mk. und gute Ware 30 bts 40 Mk. Zuchtschweine und fette Schweine waren nicht aufgetrieben. Die Preise für letztere find ziemlich in die Höhe gegangen, denn vor einigen Tagen kostete das Pfund Schlachtgewicht noch 48 bis 51 Pfg. und jetzt wird es schon verkauft zu 53 bis 56 Pfg. Angenehm iibmMi wird jede ßansfran bei Verwendung von Macks Pyramiden-Glanz-Stärke. 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