? m toi Sonntag den 30 April Zweites Blatt Zlints- und Anzeigeblatt für den Urei# Gieszen. ft) 1» ♦i % - N N ö c CD 0 fi B ? CD B B S 1 w CD B B CD *1 fl v ft *1 CD VI IHMiütn, Expedition und Dniderri: Kchukflraße Ar. 7. I»1 5 «dreffe für Depeschen: A«»eiger Kietze», Fernsprecher Nr. 51. eeuiilHi t>ee «>»ei,e» |* bec nachmiUa-« ffc dem ?wie*rtc SLafl erscheinende« Nummer bi» vor«. 10 Uhr. v N 6J I s I § allen Linien. , , t Paris, 28. April. Der Kassationshof hat den Mmrster der Kolonien ersucht, ihm Mitteilung zu machen über ein hochwichtiges Schriftstück, welches 1897 in Cayenne irrtümlich unter andere, die Dreyfusaffaire betreffenden Schriftstücke gekommen war. Es handelt sich um einen eigenhändigen Brief Paty de Clams, worin dieser amtlich erklärt, Dreyfus habe kein Geständnis abgelegt. Das Schriftstück habe in einer eisernen Kasiette gelegen, welche in Cayenne versiegelt und au das Ministerium der Kolonien zurückgesandt worden sei. Die Kassette ist nun mit Inhalt verschwunden. Ein Kaufmann aus Cayenne, welcher Mitglied des obersten Kolonialrats ist, hat der Verpackung und Absendung dieses Schriftstückes beigewohnt und erklärt sich bereit, zeugeneidliche Aussagen über den Inhalt des Schriftstückes zu machen. Paris, 28. April. Der Figaro veröffentlicht heute bte amtliche Aussage Esterhazys vor dem Kassationshofe. Esterhazy sagt aus, daß er im Auftrage seiner Vorgesetzte« gehandelt habe und gibt Erklärungen über seine Beziehungen zu Henry und Paty de Elam. Interessant find seine Mit- teilungen über die Beziehungen, die er durch Vermittelung seines Advokaten mit dem Generalstabschef Boisdeffre unterhalten hat. Der Generalstabschef hatte ihm anbefohle», I im Zola-Prozeß eine Aussage zu machen, welche er ous- wendig gelernt hatte. Er bekam aber in letzter Stunde einen Gegenbefehl. Im übrigen find die Aussagen Esterhazys durch seine bereits früher veröffentlichten Aussage» bekannt. Außerdem veröffentlicht der Figaro einen Brief Esterhazys, worin dieser der Kriminalkammer des Kassationshofes mitteilt, daß er auf Befehl seiner Vorgesetzten während 18 Monaten mit einem fremden Agenten Beziehungen unterhalten hat. „ _ , Spa-ie«. Soeben hat die Regierung eme Maßnahme beschloffeu, welche im Lande den besten Eindruck.mache« wird. Der Justizminister hat eine Kommisfiom emg^etzt | mit der Aufgabe, die Erhaltung der alten Vorrechte Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktütter für hessische volksbunde.__________ $a,HUnk ;ubl «i? Deutscher Reichstag. 74. Sitzung vom 28. April. 1 Uhr. ünö egangen: Gesetzbetr. Gebührentarifbeim I Xoü'kdof seekanal. . I Üig!:sordnung: 3. Lesung der Bankgesetz- I no'wIIl1. «bänderungsanträge liegen dazu nicht mehr »ct i.lrgvgen beantragt Abg. Arendt (Rp.) eine Resolution: I .x.i «tchSkanzler zu ersuchen, daß er behufs Sicherung reicHhei Goldbestände in der Reichsbank und dadurch be- I oin.Wbilligeren Diskonts die Reichsbank anweise: 1. Gold- I infiüflift durch Verlängerung der zinsfreien Vorschüsse auf I .».§'MicksrheS Gold und durch Erhöhung des Ankaufspreises I jir : 0oll thunlichst zu fördern; 2. Barren- und fremde I GolÄmn, en sofort ausprägen zu lasten; 3. dem Export I »em Soli seitens der Arbitrage durch ein Aufgeld auf I «y'nchh.ges Gold bis höchstens 10 pro Mille entgegen- I z»wMn. I ®cr Generaldebatte plaidiert Abg. Raab (Antis.) I Dbemdie Verstaatlichung der Reichsbank. Weiter bemerkt! er, kt hohe Diskont schädige den Handel und verschlechtere I die Handelsbilanz. Die ganze Vorlage sei nichts | »ei M »ISS ein Geschenk an die Großfinanz auf Kosten deS I VttÄtrlsiMdeS. Ibg. v. Staudy (kons.) erklärt, leine Freunde seren I laäsdem ihre Anträge abgelehnt worden, nicht in der I kaeHi. tx-r Vorlage zustimmeu zu können. Am meisten I rüaran, daß der konservative Antrag gegen das I Pr Mtefontiercn der Reichsbank gefallen sei, habe der I «bch. Hem mit seinem gestrigen Auftreten zugunsten des ^n Mldill kontierens der Privatzettelbanken. «bg. Heim (Centr.) bestreitet dem Vorredner gegen- I ibeia, befc er durch sein gestriges Auftreten zugunsten der I PrrtiiMMenbanken mit dazu beigetragen habe, den konser- I vavMn Antrag zu Fall zu bringen. tig.. Fischbeck (frs. Vp.) entgegnet dem Abg. Raab, der^'Pc habe in der Kommission nicht einmal den Mund «»silgzilhlvii, geschweige denn Anträge gestellt, wie sich denn tbcNmifd die Antisemiten nur auf demagogische Reden be- schritidll öhätten. . . Ibj|. v. Kardorff (Rp.) erklärt, er und seine Freunde | stimMlm für das Gesetz. Ihm. Liebermann v. Sonnenberg (Antst.) pole- «iftA cgegen den Abg. Fischbeck, um das Verhalten der AnM'miilen gegenüber dieser Vorlage zu rechtfertigen. Zwischen teilt Präsident Graf Ballestrem mit, )»Mr Abg. Heim seinen gestrigen Antrag zum Artikel 5 »i^mimgebracht habe- das Diskontieren unter dem offi- xCi 1 V ntfamrn Anzeigen fir den Gießener Anzeiger tntgtye. keine Goldverluste erlitten, sondern einen alljährlichen er- | I heblichen Goldgewinnsaldo gehabt. (Lebh. Bravo's). I ’ Abg. v. Kardorff (Rp.) bleibt dabei, daß m Frankreich, der Diskontsatz billiger als in Deutschland sei (Sehr I i richtig! rechts). e k t i Bankpräfident Koch macht darauf aufmerksam, daß I sogar die Bank von Frankreich selber in ihrem letzten Jahres- I berichte mit feinem Worte mehr von Goldprämien rede, I sondern offen ausspreche, daß eigentlich die Diskontpolitik I das beste Mittel sei, den Goldvorrat zu schützen. Er bitte I um Ablehnung der Resolution. Die Resolution wird abgelehnt. I Persönlich verwahrt sich Abg. Kardorff (Rp.) gegen I die Insinuation des Bankpräsidenten (Präs. Graf Ballestrem I bezeichnet den Ausdruck „Insinuation" als unparlamentarisch), I daß er bei seinen Aeußerungen zu Gunsten der Resolution I bimetallistische Hintergedanken gehabt habe. Es folgen noch weitere persönliche Bemerkungen, m I denen der Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) I zwei mal zur Ordnung gerufen wird. a I Nächste Sitzung: Mittwoch, 3. Mai 1 Uhr. Tages- I Ordnung: Anträge betr. Arbeitskammern und Arbeitsamt. I Schluß 53/t Uhr. _ Deutsches Keich. Berlin, 29. April. Nachdem die Einführung einer I leichteren Sommeruniform für die Unterbeamten der Reichs- I post- und Telegraphen-Berwaltung zurzeit bewirkt wird, hat I jetzt der Staatssekretär des Reichspostamts, v. Podbielski, I bestimmt, daß auch den höheren Beamten seines Dienst- I bereiches versuchsweise gestaltet werden soll, im Dienste emen I leichteren und bequemeren Rock zu tragen. Derselbe soll I nach dem Schnitt der Offizierslitewka angefertigt werden. I Die Anordnung entspricht einem lebhaften Wunsche der be- I I teiligten Beamten. Berlin, 28. April. Zu der vor einiger Zeit von I deutschen Blättern gebrachten Nachricht, daß nach einer An- I zeige des früheren französischen Fremden-Legionärs Fischer I an das Bezirkskommando in Landsberg a. d. W. ein I deutscher Kriegsgefangener in einem Fort bet I Marseille ober in Saida in Algier seit nahezu 30 Jahren I zurückgehalten werde, schreibt die „Norddeutsche Allgemeine I Zeitung", es habe sich bei den angestellten Ermittelungen I I herausgestellt, daß es sich wieder einmal um eine müßige I Erzählung handelt, die jeder thalsächlichen Unterlage entbehre. I — Von den Nationalsozialen. Die „Hilfe" I bringt folgende Mitteilung: „Auf mehrfache Anfragen und I in Anknüpfung an die in den Preßstimmen unserer Nr. 16 I gemachten ungenauen Angaben über den Rücktritt des I Herrn Pfarrers Paul Göhre von seiner politischen I Thätigkeit stellen wir hiermit, im Einverständnis mit ihm, I fest, daß er sich thatsächlich zunächst nur von der Beteiligung I an unserer nationalsozialen Politik und der Mitgliedschaft I an unserem Verein zurückgezogen hat. Der Anlaß dazu I liegt lediglich an der im Laufe der Zeit zwischen ihm und I uns immer stärker gewordenen Verschiedenheit der politischen und sozialen Anschauungen." T. R. — Die sächsischen Landtagsw ahlen. Bei den I bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen sind 29 Man- I bäte zu besetzen. Die Konservativen haben 20, die National- I liberalen 5, der Bund der Landwirte 6, die Reformer 1 I und die Fortschrittler 1 Kandidaten aufgestellt. Die Sozial- I demokraten, von denen vier ausscheiden, verhalten sich noch I still Für Leipzig ist Wahlenthaltung proklamiert. Aus- 1 fallend ist, daß sich in drei Wahlkreisen je zwei konservative ' I Kandidaten gegenüberstehen. ___________________________ ommen. Ifcg. Arendt (Rp.) empfiehlt sodann seine Resolution. Sah. Finanzrat von Glasenapp wendet fich gegen MüHtfalution. Der Abg. Arendt habe eine ganze Reihe M Unrichtigkeiten und Ungenauigkeiten angeführt. Un- eisG; sei, daß unsere monetäre Lage unbefriedigend sei. Eißwielft wichtige Angabe, eine Auskunft deS statistischen J| Ards- !k>aß nämlich die Zusammensetzung deS Mischmetalls roll BW™' i'J («,'utönuchgold und Bruchsilber) sehr leicht festzustellen sei, yu» - - L-fiÄ jaifthrenb in seinem Anhänge zum Kommisstonsbericht mit fi dßf v«Mst unerwähnt gelassen, während er eine andere Aus- W.8 statistischen Amts, die ihm für seine Schluß- fol^mgen günstiger erschien, mitgetcilt habe (Rufe: Hört! w*". Es müsse das ausdrücklich festgestellt werbe». Die ÄitobMnl bedürfe keinerlei Anregung u*b am wenigsten * w bwBu t)er Resolution vorgeschlagenen Maßnahmen, um nach «UMeit Gold im Lande zu erhalten. Gerade Deutsch- dt i7tW ’ feit einer langen Reihe von Jahren nicht nur ' rl. P1 (Fueros) der einzelnen Provinzen zu überwachen und zu pflegen. Die Abschaffung oder wenigstens die geplante Aufhebung dieser Sonderrechte gewiffer Landesteile hat seit Jahren, namentlich im Baskenlande, in Aragon, Galicia, Navarra und auf den Balearen-Inseln viel böses Blut gemacht. Die neue Maßregel dürfte zur Beruhigung jener Gebiete wesentlich beüragen. Afrika. Die Regierung des Transvaal hält es für notwendig, den mehr oder minder verantwortlichen britischen Politikern einen deutlichen Wink zu geben. Aus Pretoria bringt der Draht nämlich folgende Meldung: „Die Erörterung, die im englischen Unterhause vor kurzem über die Angelegenheiten in Transvaal stattfand, rief in den hiesigen Regierungskreiseu Verdruß hervor. Es wird der Empfindung Ausdruck gegeben, daß die hiesige Lage den verletzenden Ton einiger Mitglieder des Unterhauses nicht rechtfertige, und daß dieser den im Zuge befindlichen friedlichen Unterhandlungen über die Einführung von Reformen entgegenwirken dürfte." NewYork, 28. April. Gestern abend hat in Kirksville im Staate Missuri ein Cyklon gewütet, der furchtbaren Schaden anrichtete. 400 Häuser wurden niedergerissen. An vielen Stellen brach Feuer aus. Unter den Trümmern der Häuser liegen zahlreiche Personen. Man glaubt, daß die Zahl der Toten und Verwundeten nahezu 1000 beträgt. 25 Leichen konnten noch in der Nacht geborgen werden. In Newton wurden durch den Sturm 15 Personen getötet. Lokales und Provinzielles. Gießen, 29. April 1899. ** Gießener Taschenbuch. Als Beigabe zum Gießener Anzeiger erhalten die verehrlichen Leser desselben im Laufe kommender Woche vorgenanntes Heft kostenfrei zugestellt, welches neben einem Kalendarium und Raum zu Notizen die Sommerfahrpläne, wichtige Verkehrsnotizen und manches sonst wissenswerte bietet. Der dem Hefte angehängte Jnseratenanhang bestberufener Firmen sei freundlicher Beachtung hiermit empfohlen. Wir hoffen, daß das mit mancher Mühe zusammengestellte Verkehrsheft sich als zweckdienlich und nützlich erweist, und damit den Beifall unserer verehrlichen Leser erwirbt. Für Gießen und Umgegend wird das Taschenbuch besondersausgetragen. Post- abonnenten, deren Adresse uns leider nicht bekannt ist, wollen, sofern ihnen daran gelegen ist, das Gießener Taschenbuch zu erhalten, solches vom Verlage (Brühl'sche Druckerei) abfordern. ** Von der Universität. Bei der heutigen Immatrikulation, der ersten des Sommer-Semesters, wurden 168 Studenten neu immatrikuliert. Bei dieser ungewöhnlich hohen Ziffer besteht gute Aussicht, daß die Besuchszahl des vorigen Sommer-Semesters, bisher der höchsten, die Gießen zu verzeichnen hatte, noch wesentlich übertroffen wird. ** Vom höheren Lehramt. Durch Entschließung Großh. Ministeriums des Innern vom 22. April l. I. wurden die Lehramts-Accessiften Ludwig Dörr in Obe,-Ingelheim, Dr. Christian Waas in Friedberg, Fritz Loos 11 Gießen, August Klein in Darmstadt, Hugo Schaumberger in Neu-Isenburg, Dr. Georg Rausch in Schotten, Fricorich Frenz in Lauterbach und Fritz Bernhardt in Mainz zu Lehramtsaffessoren ernannt. *• Aus dem Verwaltungsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern vom 19. April ds. Js. ist der Großherzogliche Regierungsaffessor Ernst Werner in Darmstadt mit Aushilfeleistung bei Großherzogi. Kreisamt Darmstadt beauftragt worden. *♦ Generalmajor und Kommandeur der 49. Infanterie- Brigade, Herr von Ploetz, ist hier eingetroffen und im Hotel „Großherzog von Hessen" abgestiegen. ** Mozarts Operette „Bastien und Bastienne", welche hier am 3. und 4. Mai zur Aufführung kommt, und über die wir schon im gestrigen Feuilleton kurz berichtet haben, hat, wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, eine äußerst interessante Vorgeschichte, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. Das Libretto der Operette rührt nämlich im Grunde von Jean Jacques Rousseau her, der im Jahre 1749 als Dichter und Komponist einer Oper „Le devin du village“ (Der Dorfwahrsager) auftrat. Sie wurde in der Pariser Oper aufgeführt, und zwar mit so großem Erfolge, daß Ludwig XV. sie auch auf dem königlichen Theater in Fontainebleau sich und der Pompadour vorspielen ließ. Das Liebespaar hieß bei Rousseau „Colin" und „Colette". Drei Jahre später wurde in der italienischen Oper in Paris eine Parodie des „Dorfwahrsagers" unter dem Titel: „Les amours de Bastien et Bastienne“ gegeben, die ebensolches Furore machte, wie das Original. Diese Parodie fand nun 1764 ihren Weg nach Wien, und begeisterte vier Jahre später den 12jährigen Mozart zur Komposition. Sein Vater hatte ihn dazu angeregt, als er im Jahre 1767 neuerdings mit seinen beiden musikalischen Wunderkindern in Wien weilte, und sie nur noch mit Neid und Mißgunst betrachtet sah. Eine Aufführung der Operette auf dem Theater wurde versagt, nur im Gartenhause eines Kunstfreundes wurde sie einmal gegeben. Erst 123 Jahre später grub man in Wien die Operette des 12jährigen Komponisten aus, — und alle Welt war nun entzückt von ihren herrlichen Melodien. Möchte sich auch hier in Gießen doch kein Musikliebhaber in der nächsten Woche den hohen Genuß versagen, diese Jugendoper Mozarts kennen zu lernen. “* Gießener Stadtanleihe. Die Stadtgemeinde Gießen hat eine vierprozentige, fünf Jahre unkündbare Anleihe von 600,000 Mark zu 99,60 Prozent mit der Bankfirma Aron Heichelheim daselbst abgeschlossen. Die Begebung erfolgt freihändig durch das Emissionshaus. ** Omnibus Fahrplan Nendenmge». Der Vorstand der Omnibusgesellschaft teilt uns mit, daß mit den Abänderungen der Fahrpläne der Eisenbahnverwaltungen auch der Omnibusfahrplan verschiedene Aenderungen erfahren hat und daß vom kommenden Sonntag ab auf der Linie C (von und nach dem Schiffenbergerwald) Oer regelmäßige Betrieb eröffnet wird. Bei günstiger Witterung fahren die Sommerwagen an Sonn- und Wochentagen nach besonderem Fahrplan. Die neuen Fahrpläne sind in Plakat- und Taschenformat bei Herrn Ernst Balser, Mäusburg, sowie bei den Omnibusschaffnern zu haben. ** Die im Gang befindlichen Sammlungen für das Schwesternhaus des Allgemeinen Vereins für Armen- und Krankenpflege haben den Damen, die sich dieser Mühe unterzogen haben, schon manche erfreuliche Erfahrungen von der Teilnahme, die diesem Werk in unserer Bürgerschaft entgegengebracht wird, eingetragen. Andrerseits sind ihnen schon bei solchen, denen eine genauere Kenntnis der Ver- hältnisse fehlt, mancherlei sehr irrige Urteile entgegengetreten. Man bemängelt z. B. die hohen Kosten des Bauplatzes. Dabei läßt man gänzlich außer Acht, daß der Verein über zwei Jahre nach einem paffenden Bauplatz gesucht, und daß, als er einen solchen zu angemessenem Preis in der Moltkestraße erworben hatte, sich aus den südlichen Stadtteilen ein wahrer Sturm darüber erhob, weil das Haus so entfernt vom Mittelpunkte gelegt werden solle. Damals versprach man dem Verein, wenn er den Wünschen entsprechend einen besser gelegenen Bauplatz erwerbe, werde man für die Mehrkosten schon aufkommen. Der Vorwurf, als ob der Verein mutwillig einen zu teueren Bauplatz erworben habe, ist demnach völlig unbegründet. Von anderer Seite wird getadelt, der Bau sei für hiesige Verhältnisse zu großartig angelegt. Darüber werden aber doch wohl die Herren der Baukommission die feit Jahren diesen Bau auf das sorgfältigste erwogen und vorbereitet haben — es gehören dazu die durch Sachkenntnis und Erfahrung nach allen Seiten berufensten Männer aus den verschiedensten Kreisen der Bürgerschaft — das bessere Urteil haben. Daß man sich bei einem Neubau für die Zukunft vorgesehen hat, nachdem man die Erfahrung hatte machen müffen, daß das alte Schwesternhaus durch das Wachstum des Werkes schon nach 10 Jahren zu eng geworden war, wird jeder Einsichtige nur billigen können. Tatsächlich ist trotzdem schon jetzt der vorhandene Raum fast völlig besetzt. Und dabei sind die Zwecke, denen die Räume dienen sollen, von dem Verein nicht etwa willkürlich und aus überflüssigem Thatendrang herbeigezogen, sondern sie haben sich ihm als Ergebnis seiner Thätigkeit aufgedrängt. Wenn der Verein z. B. eine Anzahl von Zimmern für alleinstehende pflegebedürftige Damen bereit stellt, so entspricht er damit nur einem schon vielfällig an ihn herangetretenen dringenden Bedürfnis. Ebenso, wenn sie den Aerzten der Stadt die Möglichkeit zur Unterbringung einzelner Kranker in beschränkter Zahl bietet. Letzteres rechtfertigt sich umsomehr, als er auf den ihm von berufenster Seite erteilten Rat hin, die Hauptmaffe der Bausumme als Darlehen aufgenommen hat, und er darum angewiesen ist, aus den gezahlten Pflegegeldern die Zinsen zu decken. Als Kuriosum mag noch mitgeteilt werden, daß selbst der Küchenherd Kritiker gefunden hat, denen ein Herd für 800 Mk. ein unerhörter Luxus erschien. Sie haben wohl meist nicht bedacht, daß man für einen Haushalt von 30 bis 40 Per- fönen nicht auf einem Sparherd kochen kann, und daß ein Herd, der im Frühling und Herbst noch die ganze Heizung des Hauses besorgt, ein sehr rentables Möbel ist. Außerdem kann noch verraten werden, daß der H^rd von der Firma Liebau — gratis bretngegcbgn wurde. Im allgemeinen weiß jeder Sachkundige, daß es ganz unmöglich ist, bei einem, solch komplizierten Zwecken dienenden Bau einen ganz genauen Voranschlag aufzustellen. Der Vorwurf: „Ihr hättet Euch nach Eurer Decke strecken sollen", ist überbem einem Verein gegenüber, ber keine eigenen Mittel besitzt, fonbern bei seinen Arbeiten im Dienst ber Wohlthätigkeit auf milbe Spenden angewiesen ist, völlig unangebracht. Der Allgemeine Verein hätte ja feine Sammlung vor Beginn bes Baues veranstalten können. Er hat es nicht gethan, fonbern nur im engeren Kreise bie zunächst nötigen Mittel, meist burch Darlehen, zusammengebracht, unb ist bann ans Werk gegangen in bem guten Vertrauen, baß seine Freunde ihn nicht im Stiche lassen werben. So ist es zu allen Zeiten bei Werken ber Barmherzigkeit gehalten worben. So hat August Hermann Francke in Halle fein Waisenhaus, so hat Bodelschwingh in Bielefelb seine Anstalten gebaut, so geht man jetzt wieber bei Errichtung einer Epileptischen Anstalt in Rieber-Ramstabt vor. Unb bas gute Vertrauen hat noch nie im Stich gelassen, unb wirb auch unser Schwesternhaus nicht im Stich lassen. ** Ein schöner Anblick bot sich gestern abenb gegen 10 Uhr ben Paffanten ber Alicestraße. Die Acetylen- Apparate-Fabrik Gießen hat für bie zweite im Mai b. I. in Cannstabt ftattfinbenbenbe Acetylen-Fach.Aus- stellung ein 21/, Meter langes unb ca. I1/, Meter hohes Transparent verfertigt, bas gestern zum erstenmal erstrahlte. In bem Transparent sinb 800 Flämmchen angebracht unb soll solches, wie wir hörten, auch heute abenb von V210 bis 10 Uhr wieber beleuchtet werben. Darmstadt, 28. April. Unter bem Vorsitze des Herrn Zimmermeisters und Stadtverordneten Wittmann tagte gestern abenb im „Kaisersaal" eine große Versammlung hiesiger Meister, um über bie Grünbung eines Arbeitgeber® Verbandes zu beraten. Der Verbanb soll als Glieb bes Deutschen Arbeitgeber-Bunbes ben Zweck haben, Mitglieber im Großherzogtum Hessen unb in ber Provinz Nassau heranzuziehen unb als Hauptaufgabe eine Vermittelungsstelle zwischen Arbeitgeber unb Arbeitnehmer, insbesonbere bei Streiks unb sonstigen Differenzen, bieten. Nach Beratung ber Statuten, welche bereits von bem Berliner Bureau festgelegt waren und deren Annahme en bloc erfolgte, wurde einstimmig die Konstituierung des Verbandes ber Arbeitgeber für das Baugewerbe beschlossen. Zum Vorsitzenden wurde Herr Zimmermeister und Sladtvervrtm-r,.. w h in kl. Aus der Zeit für die Zett. H I r--«rfi lM»«w .j 333 Hthrnk W gpit Vor 122 Jahren, am 30. April 1777, wurde schweig Karl Friedrich Gauß geboren, einer b« Mathematiker aller Zeiten, nicht minder berüorranrrP feine Leistungen in der Astronomie unb PhW . 1 reinen Mathematik. Die sehr zahlreichen Werke' des Gelehrten find seinerzeit durch die Göttinger afi f der Wissenschaft aufs neue publiziert worden, am 23. Februar 1855 als Professor uub Direb 1 Göttinger Sternwarte. und zu Vorstands-Mitgliedern bie Herren ms Gauß unb Mahr, Weibbindermeister Klotz a.2.Urtri^ Meß, Steinhauermeister Karn, Weißbinderu^?^' Glasermeister Anbreß und Schlossermeister Dem Verband traten sofort fast sämtliche in ber lung anwesende Meister bei. Vor 26 Jahren, am 1. Mai 1873, starb bet Markuöaemeinde. J Dm 22. April. Friedrich Wilhelm Lynker, P-chter, Mti Stell«, 29 us Ntw-Hock riwtlag bttt 2 2 Uhr, W 55 dahin M 4 tzahnädn, 1 öp Oknutzt, die aus de «gen, und zwar - glatten Rücken n>in ines Markstückes, o in Seide von dn" 1. Das Monogm ehen, so daß sich: iirgen dürfte. in Marmor, Ahtiil, Srnit H.StnV leie in streng reeller, künstl. Aus- 016031 Ein Laufmädchen gesucht. Ludwigsplatz S II. Zentralste llen-Berruittlung, lPovvelsdorfS Bureau), Babnbofstr. 41. Feldbahngleise, Kippwagen etc., Welchen, Drehscheiben* Grosse Lagervorräte. 3600 Kataloge gratis und franco. Schisssnachrichten. Llond. tn Gtetzen vertreten durch bU Agenten Earl äo. ^60i I. M. Schulhof. Tüchtige Spengler sofort gesucht. 01594 K. Habeuicht, Wiesenstraße 4. Neueste Meldungen. Depeschen de» Bureau .Herold". 29. April. DaS „Berliner Tageblatt" meldet York: Obgleich eS jetzt in Abrede gestellt wird, „Figaro" soll im gestrigen ^rräur sandte sie mit Expreßpost nach Manila, wo General cy--u- | öt|d sie im Regierungspalast empfing. Es wurden sofort Vorzüglich. Aepfelwein empfiehlt [3623] L. Felder. Avsgebote. tao Noll, Frtsm W t 25. Cnl IN fc mit Zobimva L narb H-nsoldt, M lübst. A. Dr. Harn) jt jll Hiwbm,: t t hiersclbst. 27, Weigaod zu fcz. ■- Mwrer zu 6lte: ä tot ßchwird st EchLfrr lü, W» Oppmrob. tWHtWa* , u 6toibtl, Bon, w ), geMmt SM" teid etMw».. emnnÄMstldchevl, i 6ol». M Saum (tot W ■ ßoho. 25. i)fin8W »dm Heodor. irtnt Cbtrmann, 0». \ *23.66dW«i to* manu Lallhistr o t f)auptfteueramt^ilr- <1 Zchre alt, M; ion M-ltt W1 gehalten. «ariS, 29. April. Als Antwort auf die jüngsten Verfolgungen und Verurteilungen der verschiedenen Ligen kun- S.3«itralafntai, WWn «effaj. 1813 m Glaszsi. ’ “ ^rch bit 3 15 Äft genommen werden. öaaa 29. April. Alle weiteren Verhandlungen mit bem Va?i!an über eine Teilnahme desselben wenigsten« | W.dd.n an der schiedsrichterlichen Sektion der Fr'bbens-Kon, Versteigerung. 2 '»in,öü»g den 2. Mai l. I., uach- ! 2 Uhr, versteigere ich Neu stad ilttt lllhier gegen Barzahlung: I Saffrräder, 1 Steppmasckrne, eine |ait« Schuhwaren, 2 Ziegenlämmer, wbtr-re Oelgemälde, 1 Fracktwagen, I tlquiarium, 3 Nachttische, 1 Geräte- tttant, 1 Kleiderständer und 24 l-nr-m-Dielen, sowie mehrere andere Ribdl. 363X91 Born, Gerichtsvollzieher. M. SchlaWMS. gteibawt. 8496 Mlftnfltifd) 40 Pfg. Wi!whr, Land und Dslkstoirtschast. «leiten 29 Sprit Marktbericht. Auf dem heutigen /i<».ckÄck?'kostrien: Butter per Md . ^0^.93 Huhnere.e. V Yu-5 A 2 St. 9-10 Enteneier 2 St. 11-12 Ganse» , ’m i>L M—12 A Käse 1 St. 5—8 Käsematte per St. 8 A. Kh-Mla pr Liter 22 Linsen per Liter 32 H, Tauben per Paar w™ per 6L X 1.10-1M bK/n per ÄM r »t64SeW(A per Wb- Schweene- »1$ 7 "l..Eönßkraut per St. oe—00, Zwiebeln per Etr. X 9.00—10.00, Ü '1 ”*£ r^der^Marktzett von 7 Uhr Morgen- biS l Uhr Nach« ,'iMl -Während der ersten 8 Stunden der Marktzett darf im ^mchchchn nicht feilgeboten werden. t $* * NsM .feg-“ «•'S."** . - -L ** ■■ WIII111 d»' 1,1 ■■ |ll lltl » ist stets bei guter Abfahrt zu haben in der Sandgrube von »SÄT* ZlIKuhl, Wieseck. äSsX* zustellen. L,udo« 29. April. Nach einer Depesche aus New York sind in KirkSville bisher 49 SeiAev worberu Die Anzahl der Getöteten wird auf 100 geschätzt- Newtown sind 15 Leichen gefunden worden In Sirksville sind 400 Häuser zerstört. Es herrschen furchtbare Szenen. Ein Retttungs Eorps ist organisiert worden, besten Arbeiten jedoch sehr erschwert sind. London, 29. April. Nach einer Depesche aus Philadelphia spielte Kapitän Coghlan bei der Feier der S"thu^un« des dortigen Grant-Denkmals eine hervorragende Rolle. Er schritt im Festzuge an der Spitze des Manne Detache- ments. London, 29. April. Den neuesten Meldungen aus Samoa wird in hiesigen Regierungskreisen gar keine Bedeutung beigelegt. Die Gefahr neuer Differenzen ift weil die Samoa-Frage nunmehr den ordnungsmäßigen, diplomatischen Geschäftsgang geht, als gänzlich ausgeschlosten hQtn !• 1813 ^et OftUfte ins ? Brennen 27°°April." ^[Per trcmsatümtiichen Telegraph.] er tr-n6att«ittschen UM D' i WitwrnpfcT München. (Upttin H. Brun«, vom Norddartsch^ Kremen. ist gestern 11 Uhr vormittag» wohlbehalten iv Bairdbire «ngekomme».___________ — test. t bei. srtnriocfc, hast die Verabschiedung de« Kapitän , digt man die Gründung einer neuen Liga an, und zwar doch Thatsach ' V Präsidenten Mac derjenigen der ftanzöfischen Flotte, deren Vorstand der dem heutigen rv ] mär. Marineminister Lockroy, der Admiral Lastet und ein Vize- Admiral, sowie der frühere Präsident der Republik, Easimir Perier sein sollen. Man fragt sich bereits, ob sich die jU« gierung dazu entschließen wird, auch gegen diese Persönlich- ginPcVan 8otb b« "Äü" <’« S3etrad)t 8eäog« »« In «»betracht btt fteunbschaftUcht« 9t^aftct Prasiden.cn Ma- SinIeS hat >«be« btt beutM ®0‘’$a'tet v°° Holltbt» nicht aus btt Bttabschitdung bestand-». Berlin, 29. April. Aus Paris meldet das „Klelne Journal" : Allgemein verlautet, daß to^tloneHc ®rCl9^ ' die Verhaftung höherer GencralstabS-Offiziere bevorstk.hen. Dem heutigen Ministerrat wird große Bedeutung beigelegt Die vreyfuspreste beschuldigt die Regierung, durch die Verzögerung des Haftbefehls gegen Path de Elam Entweichen desselben zu begünstigen, oeute findet die Sonstontierunq Paty de klams mit Euiguet statt £>a» Gerückt von der bereits beschlostenen Verhaftung Paty de ---- , Clarns ist noch unbestätigt. Bezüglich der Veröffentlichung ftel[ung ber Feindseligkeiten zu verhandeln^ Mac d " A s a en Paleologucs im tr*n ini ^p^rloen I «„it... r.-k»« n» mit ffrhrpGhnft nick Manila, wo General Ministerrat eine heftige Auseinandersetzung zwischen Frey- ,*», o— .2.- . |”Ä D-I-asts stat.gcsunbtn haben, b°. der Dupuy I Beschle °n di- amer.-cunsche» D.vch°>^K—dture energisch für letzteren eintrat. „ ..r Berlin, 29 April. Die Ausschrnückungs-Kommission des Reichstages wird am 1. Mai die Frage der Katfer- Standbil d er erörtern. — Die Kommission zur Beralung der Gewerbenovelle wird am 2. Mal ihre Thatigkett beginnen^^, Die vom vierten Berliner Wahlkreise in Treptow arrangierte Maifeier ist verboten "°^Wien, 29. April. Die Ostdeutsche Rundschau veröffentlicht energische Protest-Kundgebungenderdeut'ch- evangelischen Gemeinde Oesterreichs gegen die von lkatholischer Seite gemachten Versuche, die evangelische Kirche als glaubenslos, antiösterreichisch und illoyal brandmarken zu ^°^^Reichenberg, 29. April. Die gewerblichen und industriellen Bereinigungen Nord-Böhmens beschlossen, den 1. Mai den Arbeitern nicht frei zu geben. Arbeiter, die am 1. Mai nicht arbeiten, werden entAsen und dürfen vor Ablauf von sechs Wochen in anderen Werken nicht auf* x, i:3. Avril. ^D?m "Arbrittr"J?kod'Mäurer eine Tochter, Ernst Hellmann ein Sohu, Otto Hetnrrill org. geboren den 6. ÄprU. Beerdigte. Maltviusaemeinve. He 17. April. Friedrich Häuser, Sohn brf Händel Wilhelm Häusn, 13 Jahre alt. starb den 26. «ptU- 4Rer f ulaemetnbe. ■tn M «pril. Frt-drt« eonartirt, e^tdunmctfl«, »n- heiraM 13 Jahre alt, starb den 20. April. ta 21 April. V^ri? Vlnbner .Tochter bt» verstör denen *6r,ir24d*peubn?..r2.5 Ä Ehefrau bei Pa-. meiMu'Friedrich Preitz. 47 J-Hr- alt st-rb^ben 22. April. ta 126. «priL ^hri"al/«rnolb, Landwirt, 90 Jahre alt, ftarbv la «3. «pell. — anzusehen. Sofia 29. April. 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