lpP kommt r "* Metet t affeegeseiut M. 76 Drittes Blatt. Donnerstag den 30. März 18»9 Gießener Anzeiger Ereneral-AnZeiger Aezugsprels Dtcrtfljöljrhdj 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Psg. mit Bringrr lohn. Alle Anzeigen-DermittlmigSstelleu bei In- und AuSlanbeA nehmen Anzeigen stir den Siebener Anzeiger entgegen. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich Etsch eint kLgklch i W Ausnahme deS Montags. Dit Gießener 3e • 6] ' 6*- K" - 5oi 5°8 5« 563 508 516 520 5* 505 566 2®§ 152 g 148 , 143 E P6 l B 218 313 io. Mb. 325 L 247 äs 3« = 330 = 328 * 321 ° 307 K 300 -u B 4*3 433 428 422 407 Im unerbittlichsten zerzaust das sozialdemokratische PiMamm beständig ein Mann, den Freund und Feind bcnidlen für den hervorragendsten geistigen Führer der SLMdemokratie halten: Eduard Bernstein, der zur Zeit dc.-S Sozialistengesetzes die Schriftleitung des verbotenen Hchichlattes der deutschen Sozialdemokratie, des „Sozial- -^deiMkat", hatte. In ihm kommt die zwingende Gewalt dem Logik in einem Maße zu ihrem Rechte, das uns die er- ft elften Aussichten eröffnet auf die allmähliche Loslösung j Pvllutzltsm 0 W&M W6 Men Zoll-Tmkm > SNI*18”11 )/0 Lhtnesm MdE- vflttT. Tttdn ff Santutreto mueCtW sogar. EredNbavr frauen, Seife und Abnutzung der Wäsche angehört habe; sei aber der andere sparsamer mit dem Handtuch, benutze er erst das eine Ende und schreite von Tag zu Tag langsm bis zum anderen Ende fort, so sei der Mann verheiratet, und zwar gut verheiratet, denn seine Frau habe ihn erzogen. Wenn man diese tiefe Stubenmädchenweisheit weiter entwickelt, sie synthetisch und analytisch verarbeitet, so kann man auch ohne Handtuch den jungen Ehemann erkennen. Leute, die da glauben, daß man ihn am besten beim Benehmen der Frau gegenüber erkenne, zählen nicht mit, denn die Frau bleibt hier außer Betracht, und solche, die da meinen, daß das Kokettieren mit dem Ehering ihn als jungen Ehemann sofort kennzeichne, haben nicht ganz unrecht, obgleich es viele ältere Männer giebt, die, nachdem sie eine zeitlang den Ring zur Schonung in der Westentasche getragen haben, ihn wieder aufstecken, und besonders in der Anwesenheit der Schwiegermutter funkeln taffen. Auch die Breite des Ringes macht nichts aus. Jetzt liebt man die ganz breiten, die bald ein Fingerglied bedecken, die aber manchmal nur aus Doubls bestehen, früher die schmalen. Es giebt aber immer noch junge Leute, die einen schmalen Ring aus purem Golde dem breiten aus Doubls vorziehen. Beobachter, die da behaupten, daß junge Ehemänner öfter als andere die rechte Hand ohne Handschuh tragen, und umgekehrt Verlobte die rechte behandschuht und die linke nackt, können recht haben. Ihre Behauptung wird aber beinahe zur Gewißheit, wenn die rechte Hand wohlgepflegt abreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. au. dir Er die de» das da» entfesselten „Pöbels" noch wird Herr werden können! S» malt sich in den Köpfen der Scharfmacher ein nicht gaar fernes Zukunftskapitel aus, und glauben sie nicht selber bflezan, so wollen sie's doch andere glauben machen. Jn- zmMer ist in Wirklichkeit die Revolutionslehre auch bei dort leidenschaftlichsten Weltverbesserern längst der Lehre von bcc En twickelung gewichen; die Revolution ist zur Evolution Geworden und auch sonst fällt Zweig auf Zweig von deM stolzen Geäst der sozialistischen Träume und Erwart- ur M hernieder. großer Teile der sozialdemokratischen Partei von jenen phantastischen und schiefen Vorstellungen, die sie von der bürgerlichen Demokratie abgedrängt haben. Bernstein hatte kurz nach dem Stuttgarter Parteitage der Sozialdemokratie eine Schrift erscheinen lassen, die sich die Aufgabe stellte, die „Reste" utopistischer Denkweise in der sozialdemokratischen Theorie zu bekämpfen. Diese von uns schon vorerwähnte Druckschrift hat ihm lebhafte Anfeindungen der strenggläubigen Tempelwächter der Sozialdemokratie eingetragen, was ihn aber nicht im mindesten gehindert hat, seine Forschungen fortzusetzen und seine unerschrockenen Ketzereien in die Lande zu rufen. Seine neueste Schrift: „Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie" ist in hohem Grade geeignet, die Kluft überbrücken zu helfen, welche zwischen Sozialdemokratie und bürgerlicher Demokratie klafft, und die Demokratie und die liberale Weltanschauung wieder zu jenem beherrschenden Einflüsse auch innerhalb der großen Masse der jetzigen Sozialdemokraten zu bringen, der von den heilsamsten Wirkungen sein müßte auf unsere politische und sozialpolitische Entwickelung. Bernstein räumt, wie die „Berl. Ztg.", der wir diese Zeilen entnehmen, klar hervorhebt, unbarmherzig auf mit den Phantastereien von einer künftigen Herrschaft des Proletariats. Er giebt unumwunden zu, daß die Arbeiterklasse auch heute noch nicht entwickelt genug sei, die politische Herrschaft zu übernehmen. Auch verneint er die Frage, ob wir die zur Abschaffung der Gesellschaftsklassen erforderliche Höhe in der Entwickelung der Produktionskräfte schon erreicht haben; es sei eine Unmöglichkeit, die ganze arbeitende Klasse im Laufe von ein paar Jahren in wesentlich veränderte Verhältnisse zu bringen. Während das Erfurter Programm cd als die Aufgabe der sozialdemokratischen Partei bezeichnet, die politische Macht zu erreichen, um den Besitz Aller an allen Produktionsmitteln herbeizuführen, bekämpft Bernstein die Notwendigkeit dieser Sozialisierung, die ja den Kernpunkt des sozialistischen Programms bildet, mit dem Einwande, es könne, sofern nur alle Garantien gegen Lohndrückerei und Ueberarbeit gegeben seien, der Gesellschaft ganz gleichgiltig sein, ob neben den öffentlichen und genossenschaftlichen Betrieben noch Unternehmungen beständen, die von den Privaten für den eigenen Gewinn betrieben werden. Das Erfurter Programm behauptet, daß die ökonomische Entwickelung der bürgerlichen Gesellschaft mit Naturnotwendigkeit zum Untergange des Kleinbetriebes führe. Bernstein aber weist zahlenmäßig nach, daß diese Aufsaugung der Kleinen durch die Großen nicht stattfinde; in vielen Gewerbszweigen erwiese« sich kleine und mittlere Betriebe als durchaus lebensfähig; ebenso sei es im Handel, wo der Großbetrieb neben dem Kleinbetrieb in die Höhe wachse. Auch die vom Erfurter Programm behauptete Erweiterung des Abgrundes zwischen Besitzenden und Besitzlosen durch die in der kapitalistischen Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Aanbwirt, Dlätter für hessische Uolksknnde. _______________ Produktionsweise begründeten Krisen weist Bernstein sachgemäß und treffend zurück. Die rein politischen Betrachtungen Bernsteins erscheinen besonders interessant und bahnbrechend. Er protestiert im Namen der Demokratie gegen die von den älteren Sozia- Der junge Gyemann. Skizze von Georg Hiller. (Nachdruck verboten.) ks giebt in einer Großstadt unendlich viele Typen, eres. Rückfahrt ' J U 13 15 Die neue Lehre. Ilrter dieser Spitzmarke schreibt der „Mainzer Anzeiger" fodpbeg: Revolution! Revolution! In wilden Ausschreitungen, erscheint. Ist die Hand sorgfältig gereinigt, die Fingernägel blank, poliert, gerundet, so ist der Einfluß der Frau, besonders bei solchen, die früher diese Seite der Schönheit vernachlässigten, augenscheinlich. Nicht nur sind die Hände fein gepflegt, auch das Gesicht ist stark veredelt. Rasiert ist der junge Ehemann stets, trägt er einen Bart, so ist dieser sorgfältig gekämmt und womöglich eingefettet. Das Haar ist stets in vollendeter Weise frisiert und dabei ist nichts Geckenhaftes an der Erscheinung, man merkt nur den zarten weiblichen Einfluß. Besonderer Wertschätzung erfreut sich aber die Kleidung des jungen Ehemannes. Welche Wandlungen kann man da beobachten. Früher vor der Heirat waren die Stiefeln nur oberflächlich geputzt, die Hosen zeigten kleine Unebenheiten, auch einige Flecke, die Weste und der Rock erzählten von der Restaurationsküche, der Shlips saß genial unregelmäßig, und auf Dem Rockkragen machten sich oft einige Bürstenstriche nötig. Das wird mit einemmale anders. Der Ehemann wirft seinen alten Adam ganz weg. Funkelnagelneue Oberhemden oder „Chemisettes" ohne gestopfte Knopflöcher glänzen in blendender Weiße, der Shlips ist nach der neuesten Mode, die Kleider sind noch so neu wie die Ehe und so fein und sinnig behandelt wie das t£te ä töte früh beim Kaffee. Alles athmet eine gewisse einfache Eleganz, es geht ein Hauch weiblicher Sorgfalt von ihm ans. Und nun die Haltung! Welche Ruhe, welche Würde liegt in dem ganzen Wesen des jungen Ehemannes Die Art, wie er den Regen- listen geforderte Unterdrückung der Minderheit durch die Mehrheit. Die Demokratie ist ihm das Mittel der Er- kämpfung und die Form der Verwirklichung des Sozialismus; dieser aber ist ihm keineswegs dasselbe, wie die heutige Sozialdemokratie. Die Phrase von der Diktatur des Proletariats gehört für ihn einer tieferen Kulturstufe Gegen den Mißbrauch des Wortes „bürgerlich" durch Sozialdemokratie wendet sich Bernstein sehr scharf, verlangt die Bekämpfung von Vorrechten, nicht aber Bekämpfung des Bürgertums und giebt dem von Sozialdemokraten so viel angefeindeten Bürgertum Zeugnis, daß es ökonomisch und moralisch ziemlich gesund sei. Auch weist er hin auf die Freiheit und Selbstverwaltung als Lebensbedingung der Demokratie und darauf, daß jeder liberale Gedanke auch den Ideen des Sozialismus entspreche. Er fordert klipp und klar die Wiederanerkennung des Liberalismus als allgemeines Gesellschaftsprinzip uub ruft der Sozialdemokratie, der er auch die Aufgabe der Wahrung der nationalen Interessen stellt, die Aufforderung zu, sie möge das, was sie ist, zu scheinen wagen: eine demokratisch-sozialistische Reformpartei. . . Dieser knappen Skizze sei die Wiederholung des Hinweises darauf hinzugefügt, daß es sich hier nicht etwa um eine demokratische Kritik an der Sozialdemokratie handelt, sondern um das Ergebnis jenes geistigen Entwickelungs- prozeffes, den der hervorragendste Denker und geistige Führer der Sozialdemokratie seit Marx durchgemacht hat. Fokales und PrsvinM«. Gießen, den 29. März 1899. ** Die Organisation des Handwerks. Wir machen darauf aufmerksam, daß für diejenigen schulentlassenen Knaben, welche in diesem Frühjahre in die Lehre bei einem Handwerksmeister treten, der Abschluß eines schriftlichen Lehrvertrages nicht versäumt werden sollte. Nach Ablauf der Lehrzeit ist den Lehrlingen Gelegenheit zu geben, sich der Gesellenprüfung zu unterziehen. Nach dem Gesetze vom 26. Juli 1897 gelten für Handwerker zukünftig folgende, auf Vorstehendes bezügliche Bestimmungen: In Handwerksbetrieben steht die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen nur denjenigen Personen zu, welche das vierundzwanzigste Lebensjahr vollendet haben und in dem Gewerbe oder in dem Zweige des Gewerbes, in welchem die Anleitung der Lehrlinge erfolgen soll, entweder die von der Handwerkskammer vorgeschriebene Lehrzeit, oder solange die Handwerkskammer eine Vorschrift über die Dauer der Lehrzeit nicht erlassen hat, mindestens eine dreijährige Lehrzeit zurückgelegt und die Gesellenprüfung bestanden haben, ober g tim jflhent Umsturz zeigt die Sozialdemokratie ihr wahres Raub, Plünderung, Zerstörung bezeichnen ihre Mabc. Die entfesselten Massen der zum Aeußersten auf- geratet Proletarier durchfluten die Straßen, nach Beute leHjtnd, nach Blut dürstend. Alle Bande der Ordnung aufgelöst. Wer weiß, ob die starke Macht der Waffen »rlchv 4 PortuM ! agtn unb bd «gtmto* Hat ihr Meister Friedrich Engels das Jahr 1898 als [litt oon 4 bil 10Saiten:. oaSJahr des großen Triumphes der internationalen Sozial- ntlafle, luberbttn wette i benofra.tie angekündigt, — wo ist dieser Triumph geblieben? lm auSztsatlgt. H Zil ihn großer Bebel mit Bez«g auf das zur Rüste gehende Mt 3'Wumbcrt prophezeit, daß „eines Tages der Kladdera- w’ hcNftjdj jchneller kommen werde, als man es sich träumen > HMchastSsahrv üM laH", tmo ist dieser Kladderadatsch und wo sind auch nur ______bm lciftsten Anzeichen für die Wahrscheinlichkeit, ja nur für ...... M» M biet Möglichkeit seines Eintretens? Was ist aus der Be- MM w tzampung geworden, daß die Menschheit zunehmend ver- Giessen, gtflW elMt? Die Ergebnisse der praktischen zeitgenössischen Bewirtschaft erweisen das Gegenteil. Wer kann heute noHermstlich an den utopistischen Zukunftsstaat glauben? D ie Verlegenheit in die Enge gedrängter Zukunftsseligkeits- pr-t tiger macht sich bereits in gequälten Scherzen Luft, wie in: km, daß morgen der Staat von heute eben der Zu- hri jläftaat fei. Wer kann heute noch ernstlich an die Mög- lickM einer allgemeinen Verstaatlichung aller Betriebe von zwm;ig Arbeitsperfonen an glauben? Die industriellen Kifäitcir sind 7 Millionen unter 19 Millionen Selbstthätiger; Icütyl diese industriellen Arbeiter haben, wie aus den Reihen be t sozialdemokratischen Lehrmeinungsschriftsteller zugegeben ivitd, ftü verschobene Wünsche und Jnterefsen, daß an ihre gl'Martige Behandlung und Entlohnung nicht zu denken ist. Santi*0“11 fö. etü- Itbrttwn, Lxpebition unb Druckerei: -chnkstraße Ar. 7. 1LL! ----- .--!!!■ 4 •l|v',ai8 £> «Mi auch die kleinste Stadt hat ihrer aufzuweisen. Manche 4 8**6eny ffiW in beiden Städten vertreten. Eine solche allgemeine ist der junge Ehemann. Wer nicht achtlos an 1 litiin Mitmenschen vorübergeht, sondern sie sich ein wenig < »mW, und dann die Muse, die gleichgiltige Gestalten 4 ßrkM ' lbenutzt, um über die bemerkenswerten nachzudenken, <>ei2 fdn.it so manche Beobachtung machen und den intimen des menschlichen Daseins manche Freude abgewinnen. ÖZ'.int geijit es wenigstens so. Uebcr die jungen Ehemänner rgM ich mich wenigstens immer. Man wird, nun fragen, ipciictn tich denn die jungen Ehemänner erkenne, und welchen jSlfne mir bereiten, das ist freilich leichter gefragt, als 688 hat irgendwo einmal ein geistreiches Stubenmädchen ,ew M ausgesprochen, daß man die Junggesellen und die [> “ .. Äetininer am Handtuch erkennen könne. Nehme jemand ./Mü-Hamdtuch bei der Mitte unb trockne sich nun frisch r I*”S, so fei zehn gegen eins zu wetten, daß bted ein i trfli (P|6D ViWl;ieöe fei, der noch niemals Vorträge Aber Wasch- iv.^clLy/ fünf Jahre hindurch persönlich das Handwerk selbständig «nsgeübt haben oder als Werkmeister oder in ähnlicher Stellung thätig gewesen sind. Die höhere Derwaltnngs- behörde kann Personen, welche diesen Anforderungen nicht entsprechen, die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen entziehen. Den Meistertitel in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerkes dürfen nur Handwerker führen, wenn sie in ihrem Gewerbe die Befugnis zur Anleitung non Lehrlingen erworben und die Meisterprüfung bestanden haben. Zu letzterer sind sie in der Regel nur zugelassen, wenn sie mindestens drei Jahre als Geselle (Gehilfe) in chrem Gewerbe thätig gewesen sind. ** Gegen den Trinkzwang. Don seilen einer Anzahl Ehrenmitglieder und alter Herren akademischer Korporationen, die zugleich Freunde des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke sind, wird soeben an die Dorstände und Mitglieder der studentischen Vereinigungen ein Zirkular gerichtet, welches sich gegen das übermäßige Trinken und den Trinkzwang wendet. ** Postanweisungen. Bekanntlich sind seit kurzem für die nach dem Ausland bestimmten Postanweisungen neue Formulare vorgeschrieben und die alten vom Gebrauch ausgeschlossen. Der Vordruck der neuen Postanweisungen zeigt u. a. folgende Abweichungen: die „Deutsche Reichspost" heißt nicht mehr Postes de PEmpire allemand, sondern nur noch Postes d'Allemagne und „in lateinischen Buchstaben" wird nicht mehr mit en caractäres romains, sondern mit en caractdres arabes übersetzt. •* DaS Heer der Reichspost- und Telegraphen Beamte« zählte anfang dieses Jahres nicht weniger als 173,980 Personen. Dem Dienstbereich des Herrn von Podbielski gehören demnach mehr als ein Drittel der Zahl der Soldaten der deutschen Armee an. Im vorigen Jahre waren es 167,877. Es giebt jetzt in der Reichspost- Derwaltung 76,026 Beamte und 75,820 Unterbeamte. Die Zahl der Postanstalten im Reichspostgebiet beträgt 31,584, die der Telegraphen-Anstalten 15,189. Amtliche Verkaufsstellen von Postwertzeichen giebt es 20,705 (im vorigen Jahre 20.249), Postbriefkasten 94,838. Eine ganz ungewöhnliche Steigerung weist die Zahl der Orte mit Fern- sPrech-Einrichtungen aus; sie ist von 546 auf 720 gestiegen. Langsdorf, 27. März. Der gestrige Markt war von gutem Wetter begünstigt, und der Auftrieb an Schweinen bedeutend, die Preise durchschnittlich hoch. Es kosteten bis 9 Wochen alte Ferkel 32—56 Mk., Läuferschweine bis zu 98 Mk. Rindvieh war nicht aufgetrieben, wurde jedoch viel gefragt, weshalb für spätere Märkte der Auftrieb sehr zu empfehlen sein dürfte. V. AuS dem Vogelsberge, 28. März. Von mehreren Seiten werden bereits Waldbrände gemeldet. Ueberall liegt dürres Laub und Gras in den Wäldern, das rasch Feuer fängt, wenn einmal trockene Witterung eingetreten ist. Darum dürfte es wohl an der Zeit sein, darauf hinzuweisen, daß jeder, der im Walde spazieren geht, recht vorsichtig beim Benutzen von Feuerzeug ist. Die schwedischen Zündhölzchen mit ihrer stärkeren und länger andauernden Brenn- ßraft sind ganz besonders gefährlich. Darum Vorsicht — sie ist besser als Nachsicht. Vermischtes. * Frankfurt, 25. März. Eine Stenographier - «aschine. Eine interessante Sitzung hatte vorgestern der Verein für stenographische Praxis in Frankfurt. Ein Amerikaner namens Hardy zeigte eine von ihm erfundene Stenographiermaschine, den „Steno typ er". Aehnliche Maschinen sind schon früher aufgetaucht, sie wurden sogar zeitweise, und zwar vor etwa fünfzehn Jahren, in den italienischen und französischen Kammern verwendet, aber bald wieder vergessen, da sie die Mängel aufwiesen, daß der Schreiber einmal vom Papier abhängig war (wie bei der Schreibmaschine), und daß eine Vorrichtung zum selbstthätigen Aebergang von einer Zeile zur anderen fehlte. Diese Mängel sind bei der Harde-Maschine beseitigt. Dem Schreiber steht eine 40 bis 50 Meter lange Papierrolle zur Verfügung, schirm hält, wie er den Stock trägt, läßt eine Ahnung von seinem Selbstbewußtsein aufdämmern, von dem Bewußtsein der Verantwortlichkeit für sich und noch ein anderes Wesen. Die Sprache ist, Fremden gegenüber, zurückhaltender, ernster, als stünde die junge Frau hinter ihm und kontrolliere alle seine Worte. Der Händedruck ist weniger warm und kräftig als früher, man merkt, daß die ganze Wärme, die ganze Innigkeit, die ganze Kraft der Frau gehört, die Verbeugung, wenigstens vor Gleichgestellten, wird steifer, aber bekommt «inen Anstrich des affektiert Feinen, und die Wendung beim Lebewohlsagen ist immer so, als ob sich nun sofort in seinen Arm die junge Frau hängen müßte. Sie ist aber doch nicht immer dabei. In der Restauration nimmt der junge Ehemann eiue eigentümliche Pose ein. Um ihn herum die Freunde stemmen einmal die Arme auf den Tisch legen sich bequem in den Stuhl, schwenken unbedachtsam die Zigarre in der Luft und thun einen guten Zug aus dem Glase. Er aber — vorausgesetzt, daß er ohne Frau in die Kneipe gehen darf — ftiricht nicht mehr so laut wie früher, spricht ruhiger, wackelt auf dem Stuhl nicht hin und her, nimmt aus dem Etui keine Zigarre, ohne das Etui — auf alle Fälle eine Braut- geschenk — mit einem sehr andächtigen Blicke zu streifen, brennt das Streichholz sorgfältig an und legt es noch sorgfältiger ausgelöscht in den Aschenbecher, bläst den Rauch auf die Seite — nicht seinen Bekannten ins Gesicht — untrügliches Zeichen! — kurz, ist in jeder Beziehung und zeigt in jeder Art den gesetzten Mann. Er sieht auch öfters «ach der Uhr und geht bei Zeiten ab, was ich übrigens fii sehr richtig halte. Bemerkenswert ist auch die Art und und die Maschine besorgt durch eine sinnreiche Vorrichtung den Uebergang von einer Zeile zur andere« selbstthälig. Die Maschine hat nur acht Tasten, auf denen die sechs Grundzeichen, bestehend aus Punkten und Strichen, erkenntlich gemacht sind; jede Taste ist stets von demselben Finger an- zuschlugen. Aus den sechs Grundzeichen werden die übrigen Alphabetzeichen zusammengesetzt. Um eine größere Schreibschnelligkeit zu erlangen, werden feststehende Abkürzungen verwandt und gewisse Wörter im Satzzusammenhang abgekürzt. Die Fabrikation der Maschine haben die Adlerfahrradwerke (vormals Hch. Kleyer) übernommen. * Frankfurt a. M., 25. März. Der Reinüberschuß des Reiterfestes für das Kriegerheim beläuft sich auf rund 40,000 Mk. (die Kosten belaufen sich auf rund 73,000 Mk.), dazu kommen noch die von Herrn Manskopf gespendeten 20,000 Mk., macht zusammen 60,000 Mk. Das Vermögen des betreffende« Vereins beträgt jetzt incl. dieser 60,000 Mk. 135,000 Mk. Das Haus soll im Taunus, in der Nähe von Eppstein errichtet werden. — In der Nacht von Samstag auf Sonntag hat sich in seiner Wohnung der Schriftsteller Dr. Wilhelm Wolff erschossen. Ueber die Motive des Selbstmordes ist genaueres bisher nicht bekannt geworden. * Vom 1. April ab laufen in den rechtsrheinischen D«rchgangszügen Frankfurt-Amsterdam, die Frankfurt um 12 Uhr 45 Minuten nachmittags und Amsterdam um 9 Uhr 10 Minuten vormittags verlassen, besondere Speisewagen der Deutschen Speisewagen-Gesellschaft Berlin. Damit wird im Interesse des Publikums sowohl eine bequemere wie raschere Bedienung und ein angenehmerer Aufenthalt während der Einnahme der Mahlzeiten geboten. Der Wirtschaftsbetrieb in den einzelnen Wagenabteilen wird auf die Verabreichung von Getränken und kalten Speisen beschränkt und mit Rücksicht auf die Inanspruchnahme des Bedienungs- Personals während der gemeinschaftlichen Mittagstafel ganz ausgeschlossen worden. * Genesungsheime. Die Hanseatische Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalt i» Lübeck bewilligte in der Sitzung vom 20. Oktober die Mittel für die Errichtung eines Genesungsheims für männliche Versicherte in Großhansdorf bei Hamburg in Höhe von 270000 Mark. Ein solches Genesungsheim wird demnächst vom badischen Verein „Genesungsfürsorge" in Rohr lach bei Heidelberg eröffnet werden. Es ist aus einem ehemaligen Schlößchen hergestellt und besonders anziehend gelegen. Sowohl der eigene Park als der nahe Wald wird den Genesenden sehr zu statten kommen. Durch seine Einrichtung darf es als Musteranstalt gelten. Die Hausordnung bestimmt, daß keine alkoholischen Getränke von Pfleglingen mitgebracht oder von deren Angehörigen zugetragen oder geschickt werden dürfen. Die Verpflegung wird für Krankenkassen-Mitglieder pro Tag mit 1,50 Mk. angesetzt, sonstige Pfleglinge zahlen 1,70 Mk. oder 2 Mk. * Fürst Bismarck als Zungling, Mann und Greis veranschaulichen die 6 Kärtchen einer neuerschienenen Serie sog. Liebigbilder: 1. Vor dem Prorektor der Universität Göttingen 1833. 2. Der Deichhauptmann, Schönhausen 1846. 3. Beratung mit Moltke, Berlin 1863. 4. Kaiserproklamation, Versailles, 18. Januar 1871. 5. Im Reichstage: „Wir Deutsche fürchten Gott, aber sonst nichts in der Welt," 6. Februar 1888. 6. Ehrung in Friedrichsruh, 1. April 1895 (80. Geburtstag). Die 'letzten 3 figurenreichen Bilder enthalten zahlreiche kleine Portraits berühmter oder sehr bekannter Persönlichkeiten. — Der große Mann, den Deutschland mit Stolz den Seinen nennt, ist bekanntlich auf die verschiedenste Art und Weise im Bilde der Nachwelt erhalten worden; auch im Album der Liebig- Bilder-Sammler werden jene Hauptmomente eines vielbewegten LebeckS das hohe Interesse des Beschauers wecken, und besonders auf die deutsche Jugend mit nutzbringender Anregung wirken. • Zur Herstellung vou amerikanischen Kuustfetteu. In einem amerikanischen Fachorgan finden sich verschiedene Rezepte für die Bereitung von „Kunstfett", die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen, da sie auf diesen Zweig der amerikanischen Industrie ein grelles Licht werfen. Für die «eiuigun- ist das übermangansaure Kali- nxb säureverfahre« da« bei weitem gebräuchlichste. Rack»»... die- Fettmaffe auf 200® F. (93° 0.) erhitzt ist, fitzt unter fortwährendem Umrühren auf jede 500 Pfd. ftettma« 3 Pfd. übermangansaures Kali, die in 50 Gallonen (1 Gallone = 4,54 Liter) a»fgelöst sind, und 3 Gallon' in mit 15 Gallonen Wasser verdünnter Schwefelsäure hi^. Das Rührwerk hat etwa a/< Stunden zu arbeiten, bis! Maffe eine viel hellere Farbe angenommen hat, als t- dem Zusetzen der Chemikalien. Darauf wird die Masse a - 210* F. (99® C.) erhitzt und mit einem Scheffel g/. bestreut, sobald dieser Hitzegrad erreicht ist. Der Berfas dieses Artikels setzt in schätzenswerter Offenheit hinzu, bai man die fauligsten Fette verwenden kann, ohne daß tw «• gereinigte und gebleichte Schmalz den geringsten frfBüf. Geruch zeigt. Es können also selbst Abdeckereifette für?■. Zubereitung des amerikanischen Kunstschmalzes vervaci werden. Interessant dürfte es sei», noch die Rezepte tiniur ..Fettspezialmarken" kennen zu lernen: 40 Pfd. Schmalz, 20 „ Talg, 20 „ Baumwollsaatöl und ________20 „ Abfallfett gleich 100 Pfd. „bestes Familienschmalz". (Prosit Mal zeit!) Eine zweite Sorte „Schmalz" wird wie folgt zusammr? gepanscht: 60 Pfd. Baumwollsaatöl, 20 „ faulige Abfallfette (gereinigt vorher-. 10 „ Talg und 10 „ Baumwollsaalstearin (gänzlich wwethi liches Fett) gleich 100 Pfd. „Schmalz zweiter Qualität". Ferner ein Rezept für „imitiertes Schmalz": 60 Pfd. Schmalzrückstände und Schaumfett, 40 „ Talg gleich 100 Pfd. „imitiertes Schmalz". 60 Pfd. Talg, 25 „ faulige Abfallfette (nach dem sch» schriebenen Verfahren gereinigt und - färbt), 15 „ Baumwollsaatöl und 20 „ Wasser gleich 120 Pfd. „Cuba-Schmalz". Jetzt wissen wir also aus dem eigenen Munde eir r Amerikaners, was seine Landsleute in das so gepriesiüi Kunstfett alles hineinmischen: Abfallstoffe im wahrsten Sim des Wortes, gemengt mit ganz wertlosen Nährstoffen, nti) dafür finden sich immer noch so und so viel Tausend nehmer, die über der angeblichen Billigkeit des „Felice seine Wertlosigkeit für die menschliche Ernährung und feine Gesundheitsschädlichkeit zu vergessen imstande finb. (Zeitschrift für die landw. Vereine d. Großhnzv^tumS 1 Mteratur, Wissenschaft und Kunst. — Am 18. März verschied in «Stuttgart nach Mngtrnr schwerem Leiden ein wackerer, in wetten Kreisen bekannter Gelehrter Prof. D. Schott, Bibliothekar an der königlichen öfftntlläc: Bibliothek. Er war Ehrendoktor der Theologie, Mitglied bei fr daktionsausschusseS des Vereins für ReformationSgeschichte, Thim. Mitglied des Allgemeinen Deutschen Hugenottenvereins und M Ausschusses des württembergischen Gustav Adolf Vereins. ZuM gab er feit dem Jahre 1876 daS „Allgemeine Kirchenblalt für bei evangelische Deutschland" heraus und wurde zur Anerkennung lä seine ersprießliche Thätigkeit in dieser Sache im Jahre 1898 mit bn Roten Adlerorden 3. Klaffe geschmückt. Schott halte ursprüngliche Tübingen Theologie studiert und war verschiedene Jahre hindmi im württembergischm Kirchendienste thätig gewesen. Einige Zee brachte er in der unter Fellenbergs Leitung stehenden Erzieh»«^ anstatt in Hofwyl als Ledrer zu, und legte auf einer Studianet- nach Paris im Jahre 1861 den Grund zu feiner tieferen KennUi! der franzöfifchen und italienischen Reformationsgefchichte, all dem bedeutendster Kenner in Deutschland er seit Jahren anzusehru ec — Prof. HanS Thoma, Frankfurt a. M., foll,um Direkt.' der Karlsruher Gallerte ernannt werden. Demselben ist eia Atelier in der Kunstschule zur Verfügung gestellt worden. Weise, wie er bezahlt. Das ist kein stürmisches in die Tasche greifen, das Portemonnaie hervorholen, öffnen und Geld auf den Tisch werfen — nein, langsam und bedächtig erblickt das Portemonaie — manchmal ist es auch eine fürchterliche gehäkelte Börse, die aus Hochachtung vor der Schenkerin mit allen ihren Tücken benutzt wird — das Licht der Oeffentlichkeit, gewichtig wird es ein paar mal gedreht, bedächtig geöffnet, dann fährt Daumen und Zeigefinger einige male ostentativ in der Zahltasche einher, als ob sie sagen wollten, seht ihr andern, seit unser Herr verheiratet ist, hat er immer etwas oder mehr als früher hier drinnen — dann wird möglichst ein Goldstück gewechselt, damit der Reichtum offenbar ist, und mit einer gewissen Grazie ein Fünfer dem Kellner hingeschoben — früher war es manchmal ein Zehner oder nichts —. Steht der junge Ehemann auf, so zieht er zwei, dreimal mit aller Kraft an Weste und Rock, damit sie gut sitzen, steckt in die Billettasche des Ueberziehers einen Zehner für die Straßenbahn, knöpft den Ueberzieher von oben bis unten zu, damit er sich nicht erkältet — Vorschrift der Frau — und nimmt ziemlich kühl Abschied von seinen Genoffen. Außer in seinem Geschäft kann man den jungen Ehemann nur auf der Straße und höchstens Wochentags einmal in dem „Restaurant" allein sehen — sonst ist er stets in Begleitung seiner besseren Hälfte. Wie lange dieser geschilderte Zustand dauert, also ein junger Ehemann zu erkennen ist, das ist nicht gut zü sagen. Gewöhnlich dauert es nicht lange. Dann verlieren sich die Merkmale und er tritt zurück in die Reihe der gewöhnlichen Menschen. Wie seine Kleidung sich allmählich abnutzt, so nutzt sich auch seine Haltung ab. Die Sorgen treten an ihn heran, und die schönen Wochen, die Flitterm^. vergehen, das Alltagsleben fordert sein Recht. Denn vir Handschuhe zerrissen oder lädiert sind, dann werden ntw gleich wieder neue angeschafft, die Kleidung wird au-91 bessert, die Stiefeln glänzen nicht mehr so wie ftüher, sieht sogar manchmal einige Rister darauf, hier und da wird ein Barbiergroschen gespart und auch die BrilloM« bringt es nicht zum zweiten Fläschchen. Der erste nein- häusliche Krieg hat stattgehabt, und der junge Ehemn-' seine Sprache wiedergefunden, er spricht wieder laut, IW sich im Kreise seiner Genoffen in der Kneipe sehen, währen- die Frau zu Hause Kinder wartet, bleibt auch einmal bischen länger — kurz, er wird wie jeder andere ES Philister. Mehr oder weniger hält dann dieser Zustand - so lange He Sorge ums Leben anhält, so lange die Inn , Geld kosten. Kommt aber allmählich durch den Flech Mannes und die Sparsamkeit der Hausfrau eine gw Wohlhabenheit oder gar ein wenig Reichtum in die Fanw- sind die Kinder groß und versorgt, dann wird auch dtc wieder jung, man steuert auf die silberne Hochzeit zu, 1 einige Jahre vorher ist wieder ein Brautstand. Mann Frau lebt wieder auf, die Herzen finden sich ebenso inniger, aber anderer Zärtlichkeit als ftüher, « wird von Muttern herausgeputzt, und nun kann wa veränderter Form, aber im selben Wesen wieder den v tigam im Silberschmuck, den alten jung gewordenen mann erkennen und sich über ihn freuen — beim . sich und den Seinen redlich genützt — auch für nicht umsonst gelebt. Wallthot - C.B«‘ He! """ »«««tu bl 811 ,6on5, WO-, Don 5 a. fe Vwfen in '/»-LitnMr frfti ins bauS i 'p. Bo1 16*3* mit $utt Cuai iü M M 1 und höher, k*r msüMl per W empfiehlt Mert St Aetchadt 28 Mii! per Liter 1,8( W: feinere Marken c-Roth II,, ffi, MOiel vr.etUtttz tza »r. 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