Freitag den 29. December L8VV Aints- unb Anzeigeblcrtt für bat Kreis Mefzen ^heug Ä «sellsM Uena|mt wen Nnzeigrn zu der nachmittag» für den i-»lßt«drv Laß erfcheinenden Nummer 611 »arm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und AuSlaadeL nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger tntgegoL t Kieuz in Gießen- ,or. Redatttsu, Expedition und Druckerei: Kr. 7. itgel, und sich als Stiefkinder der Monarchie zu betrachten I brauchen. Daß das Unterfangen des Grafen Clary aber I sehr gefährlich war, haben die Ereignisse gelehrt, und beleidigt zogen sich die Tschechen in den Schmollwinkel zurück, 1 um der Regierung Verlegenheiten über Verlegenheiten zu I bereiten. Man strebt in Böhmen einen Boykott der Regierung an, wie der Entschluß der Laienrichter bei den Handelsgerichten Böhmens zeigt, ihre Aemter niederzulegen. Daß ähnliche Handlungen folgen werden, ist zu erwarten, dadurch werden aber die Gegensätze nur weiter verschärft und die Schwierigkeiten vermehrt. Graf Clary hat sein Amt niederlegen muffen, wett er die Unmöglichkeit einsah, der ihm gestellten Aufgabe gerecht zu werden. Für längere Zeit war seine Wirksamkeit von | vornherein nicht vorgesehen, aber man hegte doch die Hoffnung, nach ihm ein Desinitivum zu schaffen und ine Negierung nicht wieder einem Uebergangskabinett anvertrauen zu müssen. Aber es kam anders! Der leidige Ausgleich mit Ungarn, der auf dem heften Wege war, zu gelingen, ist noch immer nicht zu stände gekommen, die Verteilung der Kosten zu den gemeinsamen Staatsausgaben bildet auch heute noch den wunden Punkt, der die Verständigung erschwert. Die Angriffe gegen den berüchtigten § 14 der Verfassung sind überdies äußerst heftig, und doch vermag die Negierung ohne diesen Paragraphen unter den heutigen Verhältnissen nicht fertig zu werden. Der Nachfolger Clarys, Ritter von Wittek, ist ein altbewährter Staatsmann, ob er aber genügenden Einfluß hat, um über sein Programm hinaus zur Besserung der Lage beizutragen, das muß die ! Erfahrung lehren. Auch ihm ist nur die Aufgabe vor- 1 gezeichnet, fortzuwursteln; was er mehr thut, darf ihm als außerordentliches Verdienst angerechnet werden. Man spricht außerhalb des Kaiserstaats an der Donau schon viel von dem sich mehr und mehr bemerkbar machew den Zerfall der österreichischen Monarchie. Ganz so pessimistisch wollen wir die Lage nicht beurteilen, aber mit frohen Hoffnungen dem neuen Jahrhundert entgegenzublicken, dazu hat Oesterreich keine Veranlassung. Sehr trübe liegt im Gegenteil die Zukunft vor ihm, da die Aussichten auf ein Besser- I werden nur ganz minimal sind. Wir würden uns freuen, I wenn wir uns getäuscht hätten, denn unter Habsburgs I Szepter leben ja so viele Millionen unserer Landsleute! Ndrrffe für Depeschen: Anzeiger Hietz«». Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dtätter für hessische Volkskunde._____________ * Vom Kriegsschauplatz. Ob die Weihnachtstage den Kriegern in Südafrika auch I eine kurze Ruhepause gebracht oder ob neue Kämpfe statt- qefunben haben, ist nach den bisher vorliegenden Nachrichten nicht festzustellen. Nur über kleinere Vorfälle in den letzten Tagen der vorigen Woche wird verschiedenes berichtet. General Buller hat einen neuen Vorstoß aus Colens o unternommen, über welchen dem „Daily Telegraph" aus dem britischen Lager von Chieveley vom 19. d. Mts. gemeldet wird: Heute wurden die Verschanzungen und Erdwerke der Buren bei Colenso von unserer Artillerie zwei Stunden lang mit Lyddit-Granaten beschossen. Die Fahrstraßenbrücke wurde dabei zerstört, sodaß es jenen Buren, die mit Wagen und Geschützen auf dieser Sette des Flusses stehen, schwer fallen wird, wieder hinüber zu gelangen. Die englischen Schiffsgeschütze beschossen ine Chausseebrücke von Colenso und zerstörten dieselbe völlig. Nach einem Telegramm des Reuter'schen Bureaus aus Chreveley sind auch am 20. d. Mts. die Stellungen der Buren in Colenso und am jenseitigen Tugela-Ufer einige Stunden lang mit Lyddit-Granaten beschossen worden. Die Buren antworteten nicht. . . r . Aus Ladysmith ist mittelst Heliographen folgende Mitteilung nach Pietermaritzburg gesandt worden: „Die Nachricht von dem erfolglosen Angriff General Bullers auf Colenso wurde hier mit Gleichmut ausgenommen. Jedermann ist voll Zuversicht, daß der Entsatz nur auf kurze Zett verschoben und die Garnison imstande ist, unbegrenzte (?) Zett auszuhalten." Das wird ja abzuwarten sein. Eine weitere Depesche aus Ladysmith vom 25. Dezember teilt mit, daß dort fünf Todesfälle infolge von Krankheit vorgekommen seien. Das Reuter sche Bureau füßt ! hinzu, vorstehende Meldung beweise, daß sich Ladysmith bis I zu diesem Tage noch gehalten habe. Die Times meldet: Bei Mafeking schienen die Belagerer schwer gelitten zu haben, die Belagerung ist schwacher geworden - Es gehe das Gerücht, der Oranje-Freistaat beabsichtige, den Sitz der Regierung von Bloemfontein nach Wünburq zu verlegen, da Bloemfontein unbefestigt und nicht verteidigungsfähigsei. - Eine Depesche der T.mes aus I Kapstadt vom 20. d. Mts. meldet, daß der kriegsgefangene uiertdiäljrlid) 2 Mark 20 Psg monatlich 75 Ps». mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf», vierteljährlich. Rr. 305 Erstes Blatt. Siebener Anzeiger General-Mnzeiger «lang \m\ in W« ;fl dtt taW neiiis werben ju ber nbevbs 8 UOtf g von Htfftfl ftaltfinbenben ,flfsS'cne * äiggäW Jia“"9' täglich mir Au-nahrne deS SZiiUag». 'Die Gießener Oami.i-nßlätter »erben bem Anzeiger /»»chentlich viermal heißrlegt. Die innere Lage in Oesterreich. Die ganze Misere in den innerpolitischen Verhältnissen deS Kaiserstaats an der Donau wird enthüllt durch den häufigen Wechsel der Kabinette. Die Suppe, welche Graf Badeni eingebrockt, ist so ungenießbar, daß noch jeder Nachfolger sich den Magen daran verdorben hat. Man ist in Oesterreich dazu übergegangen, sog. Jnterimsmimstenen zu bilden, deren Aufgabe es ist, dafür zu sorgen, daß die Reqierungsmaschine nicht ganz still steht, und die nebenbei noch den Auftrag haben, nach ihren Kräften eine ^Ahnung der Parteien herbeizuführen und dadurch ihren Nachfolgern den Weg ebnen zu helfen. Baron^Gautsch, Gra K.el- mannseaa und Graf Clary waren solche Jnterimsrabinetts- chefs, während Graf Thun ein Dauerministerium bilden sollte. Wie lange seine Herrschaft gewährt hat, haben wir zesehen: denn auch er vermochte nichts auszurichten, er hat vielmehr die Gegensätze noch schroffer gestattet. Graf Clary, der ihn ablöste, hat fein Möglichstes gethan, um den inneren Frieden herzustellen, ihm gebührt das Verdienst, wenigstens den Deutschen zu ihrem Rechte verhalfen zu haben, Damit fit nicht mehr abseits von Thron und Regierung zu stehen Buren-Kommandant de Meillon entkommen ist. — Unter den Pferden der Buren ist die „Pink-eye“ genannte m- fluenzartige Seuche aufgetreten. Dieselbe zeigt sich auch unter den Pferden der Truppen des Generals Gatacre und in de Aar. Auch die Dysenterie macht sich einigermaßen bemerkbar, insbesondere in Modderriver. Mehrere Kriegsberichterstatter sind vom Modderfluß nach Kapstadt zurückgekehrt, wodurch man dort in der Ansicht bestärkt wird, daß Methuen für den Augenblick nicht beabsichtigt, vorzurücken. Eine amtliche Meldung besagt: „Am Modderriver ist die Sage unverändert. Methuen ist gut verschanzt. Der Feind beunruhigt ihn nicht. General Joubert ist von seiner Erkrankung genesen und zur Front zurückgekehrt." Au- Durban wird gemeldet: „Die norwegische Bark „Regina", von Java mit einer Ladung Balken und Schwellen zum Bahnbau kommend, wurde in der Nähe der Delagoa-Bay von dem englischen Kriegsschiff „Forte" aufgebracht und dann nach Durban eskortiert." Ein Privattelegramm meldet: London, 26. Dezember. General Gatacre depeschiert: Dordrecht wurde ohne Verlust genommen; die Buren zogen sich zurück. — General White depeschiert aus Ladysmith: „Die Garnison hatte am 22. Dezember neun Tote und 15 Verwundete, einschließlich von fünf Offizieren. Ein Brief Krügers I an die amerikanische Nation veröffentlicht das dortige Nork Journal". Der Präsident begrüßt darin den Präsidenten und das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika und erklärt, daß er stets bereit gewesen wäre, sich einem Schiedssprüche zu unterwerfen; England aber habe dies immer verweigert. Krüger schließt: „Demnach sino wir zum Kriege gezwungen gewesen, denn England sandte I Tausende von Soldaten nach Südafrika und bis an unsere Grenzen mit dem stillen Eingeständnis, uns zu zwingen, I alles das thun, was England uns aufzulegen das Recht zu haben glauben würde. Die große amerikanische Nation, welche vor mehr als hundert Jahren gegen diese englische I Nation kämpfen mußte, um ihre Freiheit aufrechtzuerhalten, I wird der kleinen Schwester-Republik in der Ferne gewiß I ihre Sympathien zuwenden bei ihrem Kampfe gegen ein mächtiges Reich, um ihr Eigentum und ihre Unabhängig- I kett zu schützen." Ueber weitere Rüstungen I liegen folgende Mitteilungen vor: London, 26. Dezember. Offiziell wird gemeldet, die I Reichsregierung erkenne zwar die generöse Unterstützung durch die indische Regierung während der südafrikanischen Krisis an, sei aber der Ansicht, daß es nicht wünschenswert I sei, an die europäische Garnison Indiens weitere Anforderungen zu stellen, außer -wenn unvorhergesehene Schwierigkeiten entstehen sollten. Nur die 16. Lancers sollen sich dorthin begeben. Dies bestätigt die Meldung, daß man die Lage in Indien für ernst hält. London, 26. Dezember. Der „Standard" meldet aus Durban vom 18. Dezember: Das Transportschiff „Guelph" I tam mit auswärtigen Militär-Attachees an. Ein Extrazug I wartete auf sie und ging sofort mit ihnen zur Front ab, I wo sie sich Bullers Hauptquartier anschließen werden. Ferner wird telegraphiert: Malta, 26. Dezember. General Kttchener ist hier an- I gekommen und sofort nach Gibraltar abgefahren. Petersburg, 26. Dezember. Die vom russisch-hollandi- I scheu Hilfskomitee ausgerüstete Abteilung des Roten Kreuzes hat heute die Reise nach Transvaal über Berlin und Neapel I angetreten. Die dazu veranstaltete Kollekte ergab mehr als Ein Schlachtbericht der Sieger von» Tugelaftuh liegt jetzt vor und gibt eine sehr bemerkenswerte Darstellung von diesem Kampfe; er lautet: I Loudon, 26. Dezember, 6 Uhr 30 Mm. abends. Eine hochinteressante Schilderung der Tugelaschlacht aus dem I Hauptquartier der Buren bei Colenso wird wie folgt ge- ; meldet: Der Kommandant Pretorias von der Artillerie gab die Meldung, daß Bullers Entsatzkolonne in voller Schlachtordnung gegen die Positionen der Buren anrucke. -Die ; englische Streitmacht zählte zirka 17 000 Mann. Im Zentrum war das Gros der Infanterie, auf beiden Flanken die Artillerie. Die Artillerie der Buren bewahrte absolutes : Schweigen und enthüllte ihre Positionen nicht. Zwei eng- ; I Usche Söatterieen kamen dicht an die Positionen der Buren i I heran. Nun eröffneten die Buren em tätliches Feuer, ■ welches die Engländer in totale Verwirrung versetzte. Die- ! selben glaubten, daß die FlußbrÜcke ihnen offen stände. - Die britische rechte Flanke griff nun bie südlichste Buren- 8224 T Ad Amtlicher Heil. I Bekanntmachung. Betr.: Die Maul- und Klauenseuche. Die Seuche ist in Leusel, Kreis Alsfeld, ausgebrochen I und Gehöfte- und Gemarkungssperre ungeordnet worden. Wegen weiterer Ausbreitung der Seuche in Zell und | Heimertshausen, Kreis Alsfeld, ist Gemarkungssperre I ungeordnet worden. Die Seuche ist in je einem Gehöfte zu Brüchen brücken I und Dortelweil, Kreis Friedberg, ausgebrochen und I Gehöftesperre verfügt worden. Zu Griedel und Steinfurth, Kreis Friedberg, I ist bie Maul- unb Klauenseuche wieber erloschen; bie an- I georbneten Sperrmaßregeln würben aufgehoben. Nachbem in einem weiteren Gehöfte ber Gemeinde | Hermannstein, Kreis Biebenkopf, unter bem Ninbvieh I bie Seuche ausgebrochen ist, ist Gemarkungssperre verfügt I worben. In Dutenhofen, Krofborf, Launsbach unb 1 Wißmar, Kreis Wetzlar, ist bie Seuche erloschen. Die Gemarkungs- und Gehöftesperren sinb aufgehoben worben. Gießen, den 23. Dezember 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtolb. _______ Gießen, den 27. Dezember 1899. Betr.: Den Beginn des neuen Jahrhuuberts. Die Großh. Kreis-Schnlcommisfion Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Die Regierungen sämtlicher Staaten des deutschen Reichs haben sich dahin verständigt, baß als Anfangstag des nächsten Jahrhunberts allgemein ber 1. Januar 1900 angesehen werben soll. . . . Wir beauftragen Sie daher, am ersten Aage des wieder- fieginnenbcn Schulunterrichts' in den Ihnen unterstehenden Schulen eine angemessene Schulfeier zu veranstalten, bei der unter Hinweis auf die Bedeutsamkeit der diesmaligen Jahreswende und auf die großen Errungenschaften und Ereignisse des 19. Jahrhunderts der Jugend zum Bewußtsein gebracht wird, wie es Pflicht des Heranwachsenden Geschlechtes ist, mit Dank gegen Gott das von den Vätern überkommene Erbe in Treue zu bewahren und zu fördern. ___________ v. Bechtold.__ Gießen, den 27. Dezember 1899. Betr.: Die Strafregister; hier: die Nachweisungen der im 2. Halbjahr 1899 verstorbenen bestraften Personen. Der Großh. Ober-Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberhessen au sämtliche Ortspolizeibehördeu des Kreises Gießen. Sie werden ersucht, die obenerwähnten Nachweisungen bezw. Fehlanzeigen bis zum 1. Februar 1900 ohne nochmalige Erinnerung an mich einzusenden. Dr. Güngerich. iesb* r flS® c Position an, aber deren Gewehrfeuer war so furchtbar, daß jene wie eine gebrochene Welle zurückwallten, ganze Reihen Toter und Sterbender zurücklassend. Wieder griffen die Buren an, und wieder wurden sie zurückgefegt, wobei die Haufen der Toten wuchsen. Die Kavallerie machte flußaufwärts eine Attake, doch das Kommando von Ermelo gab ein so mörderisches Feuer ab, daß die Engländer zwei Bat- terieen im Stich lassen mußten. Jetzt hatte eine allgemeine Flucht der Engländer nach ihrem Lager begonnen, doch sandten sie noch ein starkes Schrapnellfeuer nach der Bul- werbrücke, um die Eroberung der im Stich gelassenen Geschütze zu verhindern. Die Buren eroberten jedoch zehn Geschütze, dreizehn Munitionswagen und siebenhundert Gefangene. Letztere kamen bereits in Prätoria an. Die Engländer verloren allein zweihundert Tote, die Buren dreißig Tote und Verwundete. Die französischen Obersten de Ville- bois, Mareul und der deutsche Offizier Braun, welche bei den Buren die Schlacht beobachteten, erklärten, daß keine europäische Macht Besseres hätte leisten können als die Buren. Die Burengenerale Botha und Trichart waren stets an den gefährlichsten Punkten zugegen. Elf Ambulanzen arbeiteten an der Bergung der britischen Toten. Das Resultat war eine vernichtende britische Niederlage. Die Engländer erbaten und erhielten einen eintägigen Waffenstillstand, um die Toten zu begraben. „Daily News" meldet aus Chieveley vom 17. Dezember: „Je mehr von der Schlacht bekannt wird, desto verhängnisvoller erscheint sie." Der „Standard" meldet aus Durban vom 18. Dezember: „763 Verwundete aus der Tugela-Schlacht trafen hier ein. Nach einer Meldung der „Daily News" ist ein Leutnant Buller unter den Gefangenen, vermutlich ein Sohn des Generals Buller." * * • Von einer deutschen Dame, die viele Jahre in den englischen Kolonien Südafrikas gelebt hat und jetzt nördlich von Pietermaritzburg — also in nächster Nähe des Kriegsschauplatzes — auf dem Lande wohnt, erhalten die „Hamburger Nachrichten" einen aus Natal, 23. November, datierten Brief, in dem es u. A. heißt: „Als der unglückliche Krieg losbrach, nachdem seine Wolke Monate lang drohend am Himmel gestanden hatte, und die Buren lange damit gezögert halten, diese sich entladen zu lassen, sprachen die hiesigen englischen Blätter von ihren Gegnern beständig als „Red. Indiana“ (Rote Indianer), „an uncivilized race“ eine „unzivilisierte Rasse" und was der thörichten Ausdrücke mehr waren. Im Laufe der Zeit hat sich nun aber manches ereignet, was auf die Humanität und Zivilisation, mit welcher englischerseits dieser Krieg geführt wird, sonderbare Streiflichter wirst. Da war z. B. die Art des Empfanges der gefangenen Buren in Maritzburg! Ein unanständiges, lautes Gejohle begleitete die Gefangenen vom Bahnhof aus durch die Straßen der Stadt, selbst den Schwarzen wurde nicht gewehrt, ihre Witze mit ihnen zu machen. Die Kriegsgefangenen, unter ihnen Major Schiel, mußten eine Nacht im Zuchthaus zu Maritzburg verbringen, ehe man sie nach Durban beförderte, wo dasselbe unwürdige Schauspiel sich wiederholte, um sie von dort nach Simons-Town und auf das Kriegsschiff „Penelope" zu bringen! Diesem Ereignis gegenüber steht der Empfang der englischen Gefangenen in Prätoria, von dem einer der mitgefangenen englischen gefangenen Offiziere selber schrieb, daß er nicht ruhiger und würdiger hätte sein können und „it was conducted in a funeral like way“ (er wurde wie ein Leichenzug geführt), die vorübergehenden Transvaaler nahmen ihre Hüte ab." * * * London, 27. Dezember. Nachrichten aus Kaptown zufolge mehren sich die Beweise von einer weitverbreiteten aufrührerischen Bewegung in der Kapkolonie. Drei Mitglieder des Kapparlaments sind hierin verwickelt. Einer derselben überreichte vor 200 Personen eine Fahne des Oranje-Freistaates feierlich einem Burenkommandanten und sprach dabei die Hoffnung aus, der Kommandant möge sie zu Ruhm und Sieg tragen. Von dem anderen Kap- parlamentsmitglied wird berichtet, daß es sich für die Buren ausgesprochen habe. Der Sohn und die Tochter des Dritten hat man mit den Farben des Oranjestaates geschmückt beobachtet. Aehnliches wird auch von einer Anzahl von Farmern in der Kapkolonie gemeldet. — Wie aus Chieveley dem „Daily Telegr." berichtet wird, schlugen die Buren unweit der Station Pieters eine neue Brücke über den Tugela. Von hier ging auch eine starke Truppenabteilung ab, welche die Landoranaberg- Hügelkette weiter östlich befestigt. — Der „Central News" zufolge ist eine wichtige strategischeAktion vor Ankunft des Generals Roberts nicht zu erwarten. General Roberts wird den ursprünglichen Feldzugsplan wieder aufnehmen und die Divisionen Gatacre, French und Warren vereinigen, um dann gemeinsam auf Bloemfontein vorzurücken. Kimberley und Mafeking müßten sich selbst überlassen bleiben, während Buller nur die Streitkräfte des Feindes südlich des Tugela zu beobachten haben werde. — Laut Meldungen aus Prätoria ist der nunmehr gänzlich wiederhergestellte General Joubert am 18. ds. Mts. im Hauptquartier der Buren eingetroffen. Nach lebhafter Begrüßung seitens der feindlichen Truppen hielt der General eine Ansprache an dieselben. — Wie aus Kapstadt gemeldet wird, haben die deutschen Behörden in Damaraland Anwerbungen seitens der Buren in deutschem Gebiet untersagt. Auch Zugtiere dürfen die Grenze nicht überschreiten. Brüssel, 28. Dezember. In den Kreisen der Transvaal- gesandlschaft werden alle Meldungen über Fried ens- verhandlungcn nach wie vor in das Reich leerer Kombinationen verwiesen. Man glaubt hier, daß bis Ende Januar ein Stillstand der Operationen eintreten wird. Die Buren werden sich auf die Fortsetzung der Belagerung von Ladysmith und Kimberley beschränken. * * * Telegramme deS „Gleheuer Anzeiger". London, 28. Dezember. Die „Evenning News" erfahren aus Kapstadt vom 21. Dezember: Die Behörden entdeckten einen Komplott, welches bezweckte, während der Feiertage einen Koup zu Gunsten der Buren in Kapstadt auszuführen. Ermutigt wurden die Verschwörer angeblich hierzu durch die Thatsache, daß Kapstadt um diese Zeit leer stehe und eine starke militärische Bewachung daselbst fehle. Es handelte sich nicht darum, sich der Stadt zu bemächtigen, sondern die Magazine zu zerstören und sich hochgestellter Persönlichkeiten zu bemächtigen. — Der Berichterstatter der „Central News" meldet aus Sterkström: Die politische Lage in den östlichen Bezirken der Kapkolonie ist nunmehr ganz kritisch geworden. In einer Ausdehnung von 200 Meilen befindet sich das Land durchweg in der Vorbereitung zum Aufruhr. Uebrigens ist auch in den südlichen Bezirken ein Aufstand nicht unwahrscheinlich. Es sei dringend notwendig, die Division Gatacre schleunigst und bedeutend zu verstärken, besonders mit Artillerie. Sehr ernst lauten die Meldungen von der ausgebrochenen Pferdeseuche in dem Korps Gatacres und in de Aar. Unter den Maultieren aus Amerika herrscht außerdem die Rotzkrankheit. 26 Tiere wurden getötet und 78 aus dem Gesamtbestande von 1100 Tieren isoliert. Loudon, 28. Dezember. Das Kriegs amt veröffent- licht ein Telegramm aus Transvaal vom 26. Dezember, worin gemeldet wird, Lord Methuen habe festgestellt, daß die Zahl der Buren sich täglich vergrößere. Ein Kundschafter-Ritt, an dem sich Lord Methuen beteiligte, mißlang, da die Buren eine heftige Kanonade und Gewehrfeuer auf die Kundschafter eröffneten. Loudon, 28. Dezember. Wie verlautet, soll Lord Kitcheuer vom englischen Kabinett beauftragt sein, gegebenenfalls einen Vermittelungsversuch mit Transvaal einzuleiten. Loudon, 28. Dezember. Die Zahl der nach Kapstadt sich begebenden Truppen beträgt 11500 Mann Infanterie und 1300 Mann Kavallerie. Die Artillerie wird mit 48 Kanonen ausrücken. Diese Verstärkungen werden am 17. Januar in Südafrika eintreffen und befinden sich an Bord von 17 Transportschiffen. Deutsches Keich. Berlin, 27. Dezember. Das Kaiserpaar unternahm gestern vormittag einen längeren Spaziergang. Zur Mittagstafel war der Chef des Generalstabs Graf Schlieffen geladen. Am Nachmittag unternahm das Kaiserpaar mit den vier ältesten Prinzen eine Schlittenpartie. Heute morgen hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Zivilkabinets v. Lucanus. Zur heutigen Mittagstafel war u. a. der bisherige Militärattachee in Paris, Oberstleutnant Frhr. v. Süßkind, geladen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht das Telegraphenwegegesetz vom 18. Dezember, die Fern sprechgebührenordnung, und das Gesetz, betreffend einige Aenderungen der Bestimmungen über das Post- wesen vom 20. Dezember.— Der „Reichsanzeiger" meldet: Vom 1. April 1899 bis Schluß November gelangten im Deutschen Reiche folgenbe Einnahmen an Zöllen, gemeinschaftlichen Verbrauchssteuern, sowie anderer Einnahmen zur Anschreibung: Zölle: Mk. 329,808,757, gegen das Vorjahr weniger Mk. 11,312,903, Tabaksteuern: Mk. 7,462,591, weniger Mk. 96,443, Zuckersteuer und Zuschlag: Mk. 75,112,935, mehr Mk. 4,441,213, Salzsteuer : Mk. 32,256,268, mehr Mk. 834,955, Maischbottich- und Branntweinmaterialsteuer: Mk. 506,734, weniger Mk. 3,092,361, Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag: Mk. 93,171,303, mehr Mk. 9,201,411, Brennsteuer Mk. 1,340,320, weniger Mk. 1,355,519, Brausteuer Mk. 21,263,415, mehr Mk. 873,698, Uebergangsabgabe von Bier Mk. 2,717,389, mehr Mk. 142,675, Stempelsteuer : a. für Wertpapiere Mk. 12,387,463, weniger Mk. 867,284, b. Kauf und sonstige Anschaffungsgeschäfte Mk, 10,141,992, mehr Mk. 1,961,889, Wechselstempelsteuer Mk. 7,865,747, mehr Mk. 597,165, Post- und Telegraphenverwaltung Mk. 243,258,670, mehr Mk. 16,684,585, Reichs - Eisenbahnverwaltung Mk. 58,887,000, mehr Mk. 4,783,000. — Die Ernennung des Freiherrn v. Maltzan Gültz zum Oberpräsidenten von Pommern ist am 24. d. M. vom Kaiser vollzogen worden. — Korvettenkapitän Scyeibel, welcher vom Admiralstab der Marine beauftragt war, den Ausschiffungen der nach dem südafrikanischen Kriegsschauplätze entsendeten englischen Truppen beizuwohnen, hat jetzt nach Beendigung seiner Mission das Kommando über den kleinen, auf der ostafrikanischen Station befindlichen Kreuzer „Windsor" übernommen. — Der Reichstagsabgeordnete Dr. Paasche ist nach viermonatiger Abwesenheit von seiner Studienreise nach Nordamerika, Kuba und Westindien zurückgekehrt. — Der „Lokal-Anzeiger" ist in der Sage, den wesentlichen Inhalt des zwischen Deutschland und England abgeschloffenen gehet menVertrages mitteilen zu können, welcher, wie der Gewährsmann des „LokaOAnz." schreibt, abgeschlossen wurde, um zu verhindern, daß Frankreich, Rußland oder andere Mächte gegen die Besitzergreifung der Delagoabucht durch die Engländer Einspruch erheben. Im kommenden Frühjahr findet in Portugal der gleiche „Ausverkauf" in Kolonien statt, den Spanien in diesem Jahre so erfolgreich in Szene gesetzt hat. Der afrikanische Besitz mit rund zwei Millionen Quadrat-Kilometern und dreizehn Millionen Einwohnern soll an England fallen, der asiatische mit 20000 Quadratkilometern und beinahe einer Million Einwohner an Deutschland. Es handelt sich um folgende fünf Gebiete: Timor, Goa, Damao, Macao Und Diu. Außer diesen Besitzungen in Asien soll auch noch in Afrika das Land nördlich des Zambesi an Deutschland abgetreten werden, mit Ausnahme eines Streifens von drei Meilen, den sich Cecil Rhodes für seine Eisenbahn ausbedungen hat Der von Deutschland zu zahlende Preis beläuft sich auf 25 Millionen Mark. Berlin, 27. Dezember. Das „Berliner Tageblatt" meldet aus Rom: In vatikanischen Kreisen ist man der Ansicht, daß der Papst zu Ehren des heiligen Jahres den Versuch machen werde, den Transvaalkrieg beizulegen. Zu diesem Zwecke werde der Papst an die Vermittelung der katholischen Mächte, besonders Oesterreichs appellieren- und Oesterreich sei auch bereit auf den Wunsch des Papstes einzugehen. Diese Nachricht bedarf noch der Bestätigung. Auslsnd. Wien, 27. Dezember. Der Kaiser hat heute vormittag den Ministerpräsidenten Wittek in längerer Audienz empfangen. Wien, 27. Dezember. Der ungarische Ministerpräsident Szell ist, begleitet vom Finanzminister und dem ungarischen Landesverteidigungsminister, Hierselbst eingetroffen. Wien, 27. Dezember. Von angeblich kompetenter Seite erhält das „N. Wiener Tgbl." die Mitteilung, daß beide Söhne des Fürsten Bismarck die bevorstehende Herausgabe des dritten Bandes der „Gedanken und Erinnerungen" ihres Vaters inhibiert hätten. Der Grund des Verbotes liege darin, daß der dritte Band die Entlassung des Alt-Reichskanzlers, sowie seinen Konflikt mit Kaiser Wilhelm behandelt, und die Söhne Bismarcks offenbar diese Publikation vermeiden möchten. Prag, 27. Dezember. „Narodni Listy" zufolge soll das Kabinett Wittek im Januar bereits durch ein reichsparlamentarisches Ministerium ersetzt werden. Letzterem wird die Ausgabe zufallen, einer parlamentarischen Regierung die Wege zu ebnen. Graz, 27. Dezember. Der General der Kavallerie Freiherr v. Ramberg ist an Herzlähmung gestorben. London, 27. Dezember. In England zeigt man jetzt die größte Angst vor Rußland, daß es die jetzige schwierige Lage Englands benutze, um in Ostasien vorzugehen. Mit Bezug darauf wird der „Times" aus Odeffa gemeldet: Obgleich die strenge Kälte in ganz Südrußland andauert, gehen doch noch fortwährend vom Schwarzen Meere^nach den asiatischen Besitzungen Rußlands im fernen Osten Verstärkungen ab. Seit letztem Donnerstag gingen 1000 Mann mit dem Kreuzer „EpatennoSlaw" von hier ab, außerdem eine große Anzahl von Militärärzten, Kranken- toärterinnen und anderem Personal zur Errichtung eines Feldhospitals. — Zittre, stolzes Albion! Havre, 27. Dezember. Auf der hiesigen Schiffswerft wird mit fieberhafter Thätigkeit gearbeitet, lieber 1200 Arbeiter sind augenblicklich damit beschäftigt, eine ganze Reihe von Torpedobooten und Torpedoboot-Zerstörern herzustellen. Auf der Werft des mittelländischen Meeres wird mit derselben Schnelligkeit gearbeitet. Mehrere Kreuzer und Panzerschiffe sind fertiggestellt. Auch die Kanonengießerei von Schneider in Creuzot hat bedeutende Bestellungen von Marine-Geschützen erhalten. Konstantinopel, 27. Dezember. Wie die „Post" nach zuverlässigen Informationen bestätigen kann, hat der von Konstantinopel nach Marseille geflohene Schwager des Sultans Mahmud Pascha sich in der Angelegenheit der Bagdad-Bahn im Interesse der das deutsche Projekt bekämpfenden Rechnitzer-Gruppe gegen den Willen des Sultans zu einem tadelswerten Verhalten bestimmen lassen. Als er sein Spiel vereitelt und die Hoffnung auf den ihm von der Rechnitzer-Gruppe in Aussicht gestellten materiellen Gewinn zu Wasser werden sah, setzte er seine Flucht ins Werk, um auf diese Weise das ihm durch den Mißerfolg in Sachen Rechnitzer entgangene Geld vom Sultan zu erpressen. Die „Poft" kann weiter die Meldung, daß der Sultan seinem Schwager für den Fall der Rückkehr nach Konstantinopel 50000 türkische Pfund in Aussicht stellen ließ, als völlig unbegründet zurückwcisen. Von politischen Bestrebungen und von jungtürkischen Reformgedanken könne nicht die Rede sein._____________________________________________________ Lokales und UroviiyieUes. Gießen, 28. Dezember 1899. Ausverkauft waren bereits heute vormittag an den hiesigen Postschaltern die neuen Jahrhundert- Postkarten, mit deren Verkauf erst heute früh begonnen wurde. Die ersten fünf Millionen Stück sind nach Verhältnis des Geschäftsumfanges den einzelnen Postanstalten des Reiches zugeteilt worden. Wetterbericht. Hoher Druck bedeckt die Osthälfte des Erdteils. Dagegen steht der Westen unter der Herrschaft eines ausgedehnten Depressionsgebietes. Innerhalb desselben sind zunächst die Barometerstände sehr unregelmäßig verteilt. Centren niederen Druckes liegen an der schottischen Nordküste sowie über dem Kanal und dem angrenzenden französischen Küstenstriche. Ein sekundäres Minimum befindet sich über dem tyrrhenischen Meer. Das Wetter ist vorübergehend trüb und nebelig, im Laufe des Tages trat jedoch vielfach Aufklärung ein. An der Nordseeküste und Central-Frankreich fiel Schnee, im Mittelmeer- Gebiet Regen. Voraussichtliche Witterung: Meist trübes Wetter mit zeit- weisen Schneefällen._______________________________________________________ Universität und Hochschule. — Verschiedenes» Der Bibliothekar Dr. Hortzschansky von Göttingen wurde an die Marburger Bibliothek versetzt. — Vor zwei Jahren wurde der philosophischen Fakultät der Bonner Universität die Berechtigung erteilt, beim Examen den Kandidaten die an technischen und landwirtschaftlichen Hochschulen in Preußen zugebrachten Semester anzurechnen. Jetzt ist auch genehmigt worden, daß die an nichtpreußischen, deutschen Universitäten gehörten Semester zur Anrechnung gelangen. — Der Direktor der kaiserlichen Medaillen-, Münzen- und Antikensammlungen in Wien Dr. Fr. Kenner wurde in den Ruhestand versetzt. An seine Stelle tritt der bisherige Kustos der Antikensammlung Prof. Dr. Robert v. Schneider. enslltSnbbtQb9tlte‘tn ^«nbahn ^e* teilen m'JV’äu« =« JeiliA*» btt “••ÄtÄ4* o- " ««■ bereit auf x? ^rei^ ** y-,% ;*'?> tote #ot- ,a*et Ndi,»j ietft » b™ »»Uw eß'1** ’S .^“Mentet gehe ft* M * !d«b«ÄS° Safets'! •i'11 s , er „Times" aus Odessa llte in ganz Siidrußland ährend vom Schwarzen igen Rußlands im fernen tztem Donnerstag gingen ltennoSlav" von hier ab, Militärärzten, Kranken' al zur Errichtung einer lbion! 'er hiesigen Schiffs« ltigkeit gearbeitet. Heber damit beschäftigt, eine b 2orpeboboot-3erftörnn mittelländischen Meeres Met. Meiere Kreuzer 1t. Auch die Kanonen- zot hat bedeutende Beerhalten. . Wie die „Post" nach tigen kann, hat der von leflohene Schwager des i der Angelegenheit der das deutsche Projekt be- n den Men des TMnS bestimmen lasten. Ais er nng auf den ihm von da teilten materiellen Gewinn IM 311» m bin Miß-'I-lg Sultan zu trp* ” . da« btt Sultan fein® Mt na« SonftMt*!1 it fielt™ M- nls,Botl'® ’poütiW« WM gebauten tönne m» » «rtn» 28. Dezember 189». Aw*“ tj2n niederen 2K „nzen^n »1S5 •!«* Gottesdienst in der Synagoge. Samstag den 30. Dezember 1899. Borabend 4” Uhr, morgens 0 Uhr Predigt, nachmittags 3 Uhr, Sabbathausgang 520 Uhr. Gottridienst der israelitischen KrligionsgeMchast. Sabbathfeier am 30. Dezember 1899. Freitag abend 4 Uhr, Samstag vormittag 8« Uhr, nachmittags 3 Uhr, Sabbathausgang 616 Uhr. Nachmittag 2*> Uhr Schrifterklärung. Wochengottesdienst morgens 7 Uhr, abends 4 Uhr. Wöchentliche Uebersicht der Todesfälle in Gießen. 51. Woche vom 17.—23. Dezember 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 16,88°/o/'nach Abzug der Ortsfremden 12,73°/«. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom Lungenschwindsucht 1 Lungenentzündung 1 Lungenkatarrh 1 Krebs 3 Rose 1 (1) Bauchfellentzündung 1 (1) Summa: 8 (2) 7 (2) 1 — An m. Die in Klammem gesetzten Ziffern geben an, wie viele oer Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Ziehen gebrachte Kranke kommen. 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: 1 — — 1 — — 1 — 3 — — 1 (1) - 1 (1) Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. 8ietze«, 28. Dezember. Marktbericht. Aus dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.80—1.00, Hühnerei,r per St. 8—10 H. 2 St. Ou—00 H, Enteneier 1 St. 0—0 Gänie- eiet per St. c—00 H, Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 5—6 H, Erbsen per Liter 20 H, Linsen per Liter 30 X Tauben per Paar JL 0.80—l.co, Hühner per St. ,* 0.90—1.60, Hahnen per Stück JL 0.80—1 2o, Euren per St. JL 1.80—2.20, Gänse per Pfund JC 0 52—0 68, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 60—72 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 76 H, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 X Hammelfleisch per Pfd. 50—60 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 615 4.50 Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. 5.00—5.50, Milch per Liter 16 H. Frankfurter Börse vom 27. Dezember. Wechsel auf New-York zu 4.21-22. Prämien auf Kredit per ult. Januar 3.20%, do. per ult. Februar 4.70%, Diskonto Kommandit per ult. Jan. 2.60%, do. per. ult. Februar 3.90%, Lombarden per ult. Jan. 0.85 /y, do. per ult. Febr. 1,25%. Notierungen: Kreditaktien 233.80-00, Diskonto-Kommandit 191.60-50, Staatsb. 135.70-50, Gotthard 141.80, Lomb. 29.10-40-20.40, Ungar. Goldrente 96.70, Italiener 92 40, 3proz. Mexikaner 24.20, Oesterr. Coupons 84%, Ajnerik. Coupons 4.18%, Privat-Diskont 6%-6%. 1% bis 2% Uhr: Kredit 233.70-234-233.80, Diskonto 191.40- 192, Staatsbalm 165.50, Lombarden 29 40-50. Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau „Herold". Weimar, 28. Dezember. Wie zuverlässig verlautet, sind die Verhandlungen der Regierung zwecks Errichtung einer technischen Hochschule für die thüringischen Staaten dem Abschluß nahe. Als Ort der Hochschule ist Jena in Aussicht genommen. Rom, 28. Dezember. Der aus Amalfi zurückgekehrte Bautenminister bezeichnete die Katastrophe daselbst al« eine weit größere, als man zuerst angenommen hatte. Um der notleidenden Bevölkerung zu helfen, wird die Regierung im Parlament eine besondere Vorlage einbringen. Mittlerweile sollen in Amalfi demnächst dem Einflurz drohende Felsblöcke durch Sprengungen beseitigt werden. — Einen Besuch am Nachmittag mit Kaffee zu empfangen, würde mit Recht für altmodisch und wenig chic gelten, denn in feineren Kreisen hat der five o’clock tea den Kaffee bereits verdrängt. Thatsächlich ist ja auch Meßmers Thee per Pfd. Mk. 3,50 billiger und der Gesundheit zuträglicher als Kaffee. — Nach dem Urteil vieler Autoritäten ist täglicher Genuß von wirklich feinem Thee zur Anregung und Stärkung de- Geistes sogar Kindern zu empfehlen. Vorsicht beim Einkauf ist auch hier geboten. MeßmersThee, mUd und angenehm, entspricht allen Anforderungen Bor Weihnachten werden die gelernten Borräte in Herren-Anzügen, Ueberzieheru, Joppen, Hosen, Westen, Ktnder-Anjügen, Herren-Wäsche. 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I. in folgenden Punkten einer Abänderung unterzog;« worden ist: a) § 8, Absatz 3, lautet nunmehr folgendermaßen: Die Anmeldung muß enthalten den Vornamen und Zunamen, Tag und Oct der Geburt, sowie die Beschäftigung und derzeitigen Wohnort des Angemeldeten, den täglichen Arbeitsverdienst, welchen er zurzeit bezieht und die Angabe, ob und welche Familienangehörigen vorhanden find. b) Bei § 11 fällt der ganze Absatz 2 weg und kommt an besten Stelle: Die An- und Abmeldungen sind mittelst der jeweilig vorgeschriebenen Formulare zu bewirken. v) Bei § 13, Absatz 2, soll es in Zukunft statt Kastenvorstand „Kastm- verwaltung" und statt Quittungskarte „Legstimationskarte" heißen. d) § 14, Absatz 3, lautet nunmehr folgendermaßen: Im Falle der Erwerbsunfähigkeit, vom 2. Tage nach dem Tage der Erkrankung ab, für jeden Arbeitstag unter Ausschluß der Sonn- und gesetzlichen Feiertage ein Krankengeld in Höhe von 55% des in § 13 festgesetzten durchschnittlichen Tagelohnes, jedoch vorbehaltlich her Bestimmungen des § 137 des Gesetzes vom 5. Mai 1886 für die in § 1, Ziffer 2, dieses Statuts bezeichneten Personen. Das Krankengeld soll jedoch bei mindestens vierzehntägiger Krankheitsdauer vom Tage der Erkrankung an und für jeden gesetzlichen Feiertag, welcher nicht auf einen Sonntag fällt, vergütet werden; auch die Krankenunterstützung auf 26 Wochen ausgedehnt werden, und zwar für die letzten 13 Wochen täglich die Hälfte des seither bezogenen Krankengeldes. Es erhalten demnach arbeitstäglich die Mitglieder dec I. Klasse Mk. 1.90 II. u // 1.50 n III. // n 1 20 0 IV. n H L— ii V. ii n 0.65 u VI. ii ii 0.50 a) § 18 wird ganz gestrichen. f) § 32 lautet nunmehr wie folgt: Die Beiträge sind an jedem Montage für die beginnende Woche fällig und werden vom Kaffenboten auf gründ einer von der Kaffenverwaltung aufgestellten Rechnung alle vier Wochen und nach näheren Bestimmungen dcs Vorstandes erhoben. §) S 37 erhält folgende Faffung: Für jedes Kassenmitglied wird eine Mitgliedskarte ausgefertigt, welche eine Angabe über die Höhe der Beiträge (§ 31) und der eintretendenfalls zu gewährenden Unterstützung enthält. Dieselbe wird bei der ersten Beitragszahlung dem Arbeitgeber eingehändigt, welcher solche sofort nach dem Eintrag des Beginnes der Beschäftigung an das Mitglied auszuhändigen hat. Bei Auflösung des ArbeitSverhältniffeS ist der Zeitpunkt des letzteren ebenfalls in die Mitgliedskarte einzutragen. h) Bei § 42 lauten die zwei ersten Zeilen folgendermaßen: Vorbehaltlich der Bestimmung des § 68 übrr die dem Geschäfts- führer, dem Rechner und sonstigen Beamten zu gewährende Vergütung, i) I» § 47 heißt es nunmehr statt Rechnungsführer: „Geschäftsführer, Rechner und sonstigen Beamten", und statt: der von demselben zu stellenden Kaution: „der von dem Rechner zu stellenden Kaution", k) In § 58 heißt es nunmehr statt Rechnungs- und Kassenführer: „Geschäftsführer, Rechner und sonstigen Beamten"; und statt die ihm für seine Mühewaltung: „die denselben für ihre Mühewaltung"; und statt der von ihm zu stellenden Kaution: „der von dem Rechner zu stellenden Kaution". 1) In § 61 heißt es nunmehr statt Rechnung-- und Kassenführer: „Geschäftsführer". m) Bei § 62 fallen die Worte RechnungS- und Kassensührer weg und kommt an deren Stelle: „Rechner". n) Dem § 67 wird noch hinzugefügt: und ev. in einem anderen jeweilig vom Vorstande zu bestimmenden Organ. o) Bei § 68 fällt das Wort Quittungsbuch weg und kommt an dessen Stelle: „Legitimationskarte". P) Gemäß § 57, Absatz 8, wird in Zukunft eine Mehrgebühr von 10 Pfg. erhoben. Die Aenderungen des § 14 treten mit Wirkung vom 1. Januar .900 in Kraft. 8907 Der Vorstand drr Gießen. DUWWWW Hotzversteigerung im Gießener Ktadtmld. Dienstag den 2. Januar 1900, vormittags S'/r Uhr beginnend, sollen im Gießener Stadt- wald in den Distrikten Aue, Grube, Förstersbrunnen, Oberförflrrswiese, Nachtweide und Grasfeld versteigert werden: 97 Eichenstämme mit 31,96 fm (darunter Schnittholz und Wagnerholz), 11 Fichten- und Kiesernstämme mit 5,29 fm, 9 Buchenftämme mit 6,11 fm (Schnittholz), 270,5 rm Buchen-Scheitholz, 47 „ Eichen- „ 7 „ Arpcn- 135 „ BuchewKnüppelholz, 63 „ Eichen- „ 51 „ Buchen-Stockholz, 40 „ Eichen- „ 2 „ Radel- „ 5610 Wellen Buchen-Reisig, 4700 „ Eichen- „ 1180 „ Radel- „ 110 „ Erien- „ Die Zusammenkunft ist auf der Licherstraße an der 8. Schneise. Gießen, 28. Dezember 1899. Großh. Bürgermeisterei Gießen. 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Dezember 1899. 8908] Sehr leistungsfähiges Jmporthaus von Bordeaux«, Burgunder«, Südwetnen, Kognak, Rum und Arrak sucht per sofort tüchtigenDertreter welcher bei Weinhändlern und Delikateßwarenhändlern eingeführt ist. Hohe Provision. Offerten unter K. E. 3974 an Rudolf Moffe, Köln. Giessener Stadttheater. Freitag den 29. Dezember 1899: 10. AolLs-Wtstellung. KadaleundLiebe Bürgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Fr. v. Schiller. Preise der Plätze: «Zöge 1WK., Saal 40 Pt-, Hallerte 20Pf. Anfang 8 Uhr. Am 25. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, verschied sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine gute, inuigst geliebte Mutter Aquarium. Flick-Unterricht. Zu meinem bestehenden Alick« Unterricht können bis Anfang Januar einige neue Schülerinnen eintreten. 8905 Fr. E. Velten, geb. Hoffmann, __Dammstraste 42.____________ des Herrn Reallehrer Kahl aus Wimpfen über das neue Kandwerkergefetz. Auch Nichtmitglieder haben Zutritt. — Zahlreiche Beteiligung Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hin« scheiden unserer lieben, unvergeßlichen Schwester, Schwägerin und Tante Mulm Margarethe Bode sagt innigsten Dank Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharine Stampf, g*eb. Fiseher, Feder-Deckbetten und Feder-Kissen l» jeder Preislage. TodesAnzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, daß unser lieber Gatte, Vater, Großvater und Onkel Herr Johannes Stotz gestern abend 10 Uhr nach schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: I- A. Frau Anna Gchadeck Witwe. Samstag, 30. Dezember, abends 8Va Uhr , Weihnachtsfeier im kleinen Saale von Steins Garten. Zum Ankauf von Vorlosungsgegen- ffänden sind 50 Pfg. beim Diener Zink bis Samstag früh zu entrichten. 8930 In Uniform.Der Borstand. Allgemeine Rentenanstalt zu Stuttgart. Versicherungsgesellschaft auf volle KegenseitigKeit. Die mit Ablauf deS 31. Dezember I. I. fällig werdenden Renten können von da an gegen Ueberaabe der mit Lebensbestätigung des Mitglieds und mit Quittung versehenen Coupons ohne jeglichen Abzug bei den unterzeichneten Vertretern der Anstalt erhoben werden. Soweit ein Dividenden-Anspruch besteht, entfallen auf je eine volle Mark Rente 3 Pfennig Dividende. Beitrittserklärungen werden jederzeit entgegengenommen. 8904 Gießen r Kaufmann Gberh. Metzger, Südanlage, Ecke der Frankfurterstraße, vormittags von 9 bis 12 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Uhr. Darmstadt: General-Agent Aug. Berbenich, Waldstraße 20, I. KrtsKranKenKaste Gießen. Die Herren Arbeitgeber machen wir unter Bezugnahme auf die heute veröffentlichte Statutenänderung auf folgendes aufmerksam: 1. An- und Abmeldungen sowie Lohnveränderungen können vom 1. Januar 1900 nur noch auf den neuen von uns herausgegebenen Formularen geschehen, und müssen diese Formulare genau nach der Vorschrift ausgesüllt werden. Unvorfchriftsmäßige Meldungen sowie solche auf alten Formularen werden zurückgewiesen. 8932 2. Bei den Anmeldungen müssen stets die Invalidenkarten beigefügt werden, eventuell jedoch die Meldungen entsprechend ausgefüllt werden. Zur Vermeidung von Strafanzeigen und sonstigen Unannehmlichkeiten ersuchen wir, die Meldungen stets vorschriftsmäßig auszufüllcn. Formulare sind auf der Kasse kostenlos zu habe». Der Vorstand der Ortskrankenkasse Gießen. OllsWnbkMtiii Mur m. llmjcbung Montag deu 1. Januar 1900, abends 8 Uhr, im Schönhof 8902 _____________ Halt! sind bei dem heutigen niedrigen . Zinserträge aller sicheren Anlage- H werte der zuverlässigste Weg, das Einkommen dauernd zu Nur noch wenige Tage dauert der große, billige Sdiiiliwiirenlusvuliaiir 12 Neustadt 12. Um das Lager vollständig zu räumen, werden sämtliche Schuhwareu zu jedem annehmbaren Preise loSgeschlageu. versäum Niemand diese außergewöhnliche Gelegenheit. Nächsten Dienstag unwiderruflich Schluß. 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'S- «Mini ItglA Mtagt Die Volkss W!ilUC gn früheren S mo(b von einer den ts feindlichen ©timmui Jahrzehnten Zeiten Politik sich mit vol tum« begab. & J Färbung des Forts mit dem großen Ho mit jenem W f Uthcrgang zum reu ohne GeivissenSskruP üller Schatze der D Ideal aller Freist lamentarsichen Me Merovingischen Ho auf daS glückliche l fragen behandelt t freie Albion noch Stimmrecht besitzt, Jnsttutionen auck Nach England toi Wirkung des Freik England die Thür weil es in seinem ungeheuren Kolonie Kontinentalmacht, i Slugenblid bereit tu MsteM astMrl' gebot. Heute sind die Sympathieen man einst für Alb daß auch Kaiser S unbekannten Rucks nur schweren Herz Die Äewegun flch.aus zahlreiche fr ihre Nahrung Zeit, sondern auch bert8. 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