Me Heuer Anzeig er Henerat-^nzeiger Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. - Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu dec nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer biS vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen.Berni'nlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag» Die Gießener NamtkienS lütter »erden dem Anzeiger »öchrntlich viermal brtgclrgt. Anrts- und Auzeigeblutt für den Ureis Giefzeir. irektor. 888- e Mutter und. ?kan i. P. chter. mn. Forst >Mem •iKrebs ilckle riete ch*'e 11 Vi___pro Redaktion, Expedition und Druckerei: Fchnlstraße Nr. 7. O Vom Lande, 26. Dezember. Zur Freude von jung und alt hat sich zum Weihnachtsfeste die Natur doch noch @iefeen,rben 27. Dezember 1899. ** GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor40Jahrm, na 28. Dezember 1859, starb zu Kensington der alS Staatsmann Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Abrrste für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Nr. 51. und Aenderung dieser Bestimmungen nachgesucht werden. Der Dienstpflicht wird verschieden, und zwar durch einjährige, zweijährige und durch nicht ganz dreijährige Dienstzeit Genüge geleistet. Die wenigsten Soldaten werden, da der Einstellungs- und der Entlassungstermin für dieselben alljährlich festgesetzt wird, drei volle Jahre aktiv bei der Fahne zu verbleiben haben. Die Rückrechnung von rund drei Jahren als nicht pensionsfähige Militärdienstzeit dürfte hiernach in vielen Fällen wohl den thalsächlichen Verhältnissen nicht entsprechen, und viele Beamten dürften demzufolge bei der Pensionierung in entsprechendem Verhältnis eine Einbuße an der pensionsfähigen Dienstzeit erleiden. Hoffentlich wird seitens der Regierung dieser Uebelstand recht bald aus der Welt geschlafft. Den Herren Beamten, welche aus dem Militäranwärterstande hervorgegangen sind, ist der Beitritt zu dem obenerwähnten Verbände nur dringend zu empfehlen, denn nur vereinte Kräfte führen zum Ziele. Anmeldungen nimmt der Vorsitzende, Walt. Köhler, Kiesstraße 2 in Darmstadt, entgegen. ** Parlamentarisches. Von feiten der Negierung sind der Zweiten Kammer eine Reihe von Vorlagen zugegangen, von welchen wir folgende hervorheben: 1) Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, die Bewilltgung von 90000 Mk. für weitere Tiefbohrungen in Bad- Nauheim betreffend. 2) Vorlage Großh. Ministermms der Finanzen, Versuchsbohrungen und die Hebung der Soole in Salzhausen betreffend. 3) Vorlage Großh. Mimste- riums der Finanzen, die Anlage einer Süßwasserversorgung von Bad Salzhausen betreffend. 4) Vorlage Großh. Mi- j nisteriums der Finanzen, Erweiterung des Betriebes der Braunkohlengrube „Ludwigshoffnung" betreffend. 5) Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, Vermehrung der etatmäßigen Stellen bei der Main-Neckar-Bahn betreffend. 6) Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, den Gesetzentwurf, die Aufhebung des Gesetzes vom 9. Dezember 1876, die Besteuerung des Weins betreffend. 7) Vorlage Großh. Ministeriums des Innern, die staatliche Anstellung eines Tierzucht-Inspektors für die Provinz Oberhessen. 8) Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, die Anlegung einer Waldbahn zwischen Mainz- Frankfurt und Darmstadt betreffend. 9) Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, Bewilligung von 6930Mk. für die Organisation der Ministerial-Buchhaltung betreffend. 10) Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, Ankauf des Gruner'schen Wasserwerks zu I Bad-Nauheim durch den Staat betreffend. 11) Vorlage Großh. Ministeriums der Finanzen, Denkschrift über die Umgestaltung des Kassenwesens im Großherzogtum I betreffend. 12) Vorlage Großh. Ministeriums dec Fmanzen, die Verlängerung des Finanzgesetzes betreffend.— Ferner eine Vorstellung der vor dem 1. April 1897 m den I Ruhestand getretenen Großherzoglichen Staatsbeamten, I die Gleichstellung mit den nach dem 31. März 1897 I pensionierten Staatsbeamten betreffend. *• In Betreff der Ueberwachung der Telephongesprache hat anläßlich eines Falles in Bielefeld nach dem „Brele- I felder Wächter" die Oberpostdirektion in Minden i. W. folgende prinzipiell wichtige Entscheidung veröffentlicht: Die I Reichspostverwaltung kann auf die Berechtigung der Fern- sprech-Vermittelungsanstalten, von dem Inhalt der zwischen I verschiedenen Teilnehmern geführten Gespräche Kenntnis zu nehmen, nicht verzichten. Die Notwendigkeit der Emschal- tung ergiebt sich schon aus dem Umstande, daß zur Aufrechterhaltung eines geordneten Betriebes bei der Herstellung der Verbindungen und bei der Feststellung über das Zustandekommen und die Dauer der Gespräche ein Mit- I hören nicht entbehrt werden kann. Die Reichs Telegraphenverwaltung hält jedoch darauf, daß von der fraglichen Befugnis nur soweit, als die Verhältniffe es erforden, Gebrauch gemacht werde. Daß der Obertelegraphist X. sich in Ihr Gespräch mit Y. und Z. eingemischt hat, wird von der Oberpostdirektion nicht gebilligt. Ebensowenig wird es gut- I geheißen, daß X seinen Worten in überlautem Tone Aus- I druck gegeben hat. Dem genannten Beamten ist dieserhalb I das Geeignete eröffnet worden. * Ein Jahresverlust. Im Jahre 1898 sind nach amtlicher Aufstellung rund 1533/4 Millionen Mark verloren gegangen. Wo I und wobei?, wird der Leser fragen. Nun im deutschen I Vaterlande in den im Jahre 1898 stattgehabten, resp. beendeten Konkursen. Das ist unmöglich, wird der Leser aus- I rufen, so viel Geld kann in dieser Weise nicht verloren, zum wenigsten muß das die Summe von mehreren Jahren I sein. Mit nichten, die Summe betrifft nur das Jahr 1898; I 1897 war der Verlust in Konkursen ein noch erheblich höherer, er betrug rund 1691/a Millionen Mark. Das sind I in den beiden Jahren also über 327 Millionen Mark. Die Zahlen geben zu denken, denn dieser Geldverlust I hat nicht etwa in kritischen Jahren eines wirtschaftlichen Niederganges, sondern in Jahren eines wirtschaftlichen Aufschwunges stattgefunden. Daraus folgt nicht allein, daß es I im allgemeinen Geschäftsleben doch stets ganz unberechenbare Zwischenfälle gibt, sondern auch, vielleicht noch eher, daß I das aufsteigende Erwerbsleben vielfach auch von Personen I auszunützen versucht wurde, die weder über die erforderlichen | Geldmittel, noch über die nötige Solidität verfügten. Und das Letztere ist das Unerfreulichste, es bleibt das Unerfreu- I lichste auch bann, wenn wir annehmen, daß die Gesamt- I summe dieser Konkursifexe anderswo noch größer ist, als I bei uns. . I Der starke Aufschwung, den Handel und Industrie bei uns genommen haben, und der in diesem Jahre wohl seinen I höchsten Stand erreicht hat, hat viele veranlaßt, andere in- I folge der sich mehrenden Konkurrenz gezwungen, den Umfang ihres Unternehmens über den Boden hinaus auszudehnen, I der durch die eigenen, klingenden Mittel geschützt war. I Dieser Wagemut war bei Privaten nicht blos, er war auch I bei Gesellschaften zu verzeichnen, und unser deutsches Publikum hat nicht immer demgegenüber sein kaltes Blut bewahrt. Man kann auf wirtschaftlichem Gebiete am Ausgange dieses Jahres keinen aufrichtigeren Wunsch haben, als den, daß die in diesem Jahre nicht selten — namentlich im Sommer — bewiesene Unbesonnenheit sich nicht bitter rächen möge. Das Nationalvermögen würde sonst einen furchtbaren Schlag erfahren. Im Hinweise auf die Flottenvorlage ist gesagt worden, Deutschland sei wohl imstande, diese Last zu tragen. Man | könnte zum Beweise dafür, was der deutsche Nährstand auszuhalten imstande ist, auch auf diese Ausfälle in dem Konkurs-Verfahren Hinweisen. Heber anderthalbhundert Millionen in einem Jahre, das ist eine Summe, die nicht so leicht geopfert wird, und nicht so leicht entbehrt werden kann und über die man nur bann mit leidlich ruhigem Blute sich Hinwegsetzen kann, wenn man es eben auszuhalten imstande ist. m _ ES ist ja begreiflich, daß auf diesen schweren Verlust nur ungern hingewiesen wird, es liegt nicht im Jntereffe der deutschen Erwerbsthätigkeit, Zeichen von Schwäche zu zeigen. In anderen Staaten macht mau solche unliebsamen Daten direkt mit spielendem Leichtsinn ab. Aber wir dürfen auch diese Dinge nicht direkttotschweigen; in der Erwähnung liegt doch immerhin ein Antrieb zu verstärkter Solidität. Ein Geschäftsmann muß Wagemut besitzen, vornehmlich gilt das für unsere heutige Zeit, aber auch im Wagemut muß sich die Solidität nicht total vermissen lassen. Daß sie vielfach nicht in wünschenswertem Maße zu sinden, illustriert die Konkursziffer. ä , Dieser Verlust beweist aber noch etwas anderes, das Wichtigste: Sie zeigt, welche Lasten, von welchen nicht einmal weiter laut gesprochen wird, dem Nährstande obliegen. Daneben stehen dann die offiziellen Forderungen, welche Reich, Staat und Gemeinden heischen, die Ausgaben für die Sozialgesetzgebung und sonstige Einrichtungen. Man rechne alles das einmal zusammen, und man wird es nicht nötig haben, noch zu allerlei Paragraphen und Gesetzesbestimmungen zu schreiten, die das gewerbliche Leben in unliebsamer Weise einengen, die Arbeitssreudigkeit des Unternehmers kürzen müssen. Der Reichstag hat mehr als einmal sich zu solchen Maßnahmen hinreißen lassen, die sich auf dem Papier vortrefflich ausnehmen, die aber in Wirklichkeit nur die Lust und Liebe zum kräftigen Vorwärtsdringen schwächen. Man könnte hoffen, daß nun des Guten reichlich genug geschehen sei. und Redner, als geistreicher Kritiker und Dichter berühmte Th. i B Macaulay, der sich durch seine unvollendete „Geschichte von I England" unter allen, die in England ihre Mutze der Erforschung I und Darstellung geschichtlicher Begebenheiten gewidmet haben, den I ersten Rang einnimmt. Unter seinen Gedichten sind die „lays of I ancient Rome“ und die „battle of Ivry“ die besten. •• Empfang. Se. Köuigl. Hoheit der Großherzog empfingen am 23. Dezember u. a. den Leutnant Riedesel | Frhrn. zu Eisenbach vom 1. Garde-Regiment zu Fuß, den Provinzialdirektor Geheimerat v. Bechtold von Gießen, I den Professor Dr. Westrell vom Gymnasium zu Laubach, | den Professor Hedderich vom Realgymnasium zu Gießen. | Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin empfingen am 22. Dezember den kom | manbierenöen General des 18. Armeekorps, General der I Infanterie v. Lindequist, welcher darauf am Großherzoglichen Luncheon teilnahm. ** Aus dem häheren Lehramt. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 19. Dezember den provisorischen Lehrer an dem Gymnasium zu Mainz, Lehramtsassessor Dr. Hans Reis, mit Wirkung vom 7. lfd. Mts. zum Lehrer an dieser Anstalt zu ernennen. •* Auszeichnung- Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 6. Dezember dem Vergolder Christoph Daniel zu Offenbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für treue Arbeit" zu | verleihen. ** Das Eroßherzogliche Oberkonfistorium hat untern 23. ds. an die evangelischen Pfarrämter des Landes ein längeres Ausschreiben erlassen, worin auf die Bedeutung des diesmaligen Jahreswechsels hingewiesen und eine entsprechende kirchliche Feier desselben angeordnet wird. Insbesondere sollen in allen Kirchen des Landes am Sylvestertage Abend-Gottesdienste abgehalten werden, um Mitternacht soll von allen Kirchtürmen Glockengeläute ertönen, und die Gottesdienste am Neujahrstage selbst sollen besonders feierlich ausgestaltet werden. ** Der Ouartalsbericht der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen (Vertreter in Gießen Stadtverordneter Jean Kirch) ist soeben erschienen und I giebt ein anschauliches Bild von den Gefahren, die den Seemann in seinem Beruf umgeben, zugleich aber auch von der Unerschrockenheit und Beharrlichkeit, mit welcher die braven Rettungsmannschaften das Nettungswerk ausgeübt haben. Bei Sturm und Unwetter, bei eisiger Kälte und stockfinsterer Nacht sind sie todesmutig hinausgegangen, um den Brüdern zur See Hilfe zu bringen. 132 Personen sind in den letzten drei Monaten durch Rettungsstationen der Gesellschaft aus Seenot gerettet worden. Ist die Freude über diesen herrlichen Erfolg groß, so mahnen die vielen Opfer an Menschenleben, die das Meer in derselben Zeit gefordert hat, ohne daß es möglich war, Hilfe zu bringen, immer wieder an die Notwendigkeit, das Rettungs- I werk zur See zu verbessern und zu vervollkommnen. Dazu bedarf es aber der thätigen Mithilfe aller Kreise unseres Volkes, an die daher aufs neue der Ruf ergeht: Gedenket Eurer Brüder zur See! *• Militär-Invaliden, und Anwärter-Verband Deutschlands. Seitens des Bezirksvorstandes für das Großherzogtum Hessen ist an die Hohe Zweite Kammer der Landstände eine Petition eingereicht worden, worin die Bitte ausgesprochen wird, dieselbe wolle geneigtest beschließen, daß der Artikel 4 des Gesetzes, betr. die Revision der Bestimmungen über Versetzung der Civilbeamten in den Ruhestand, wohlwollend auf die berufsmäßig gedienten, in den Großh. Staatsdienst aufgenommenen Beamten in Anwendung kommen und diesen Beamten die gesamte Militärdienstzeit ohne Abzug der Pflichtdienstzeit und denjenigen Beamten, welche nur ihrer Pflichtdienstzeit Genüge geleistet haben, diese Zeit als pensionsfähig bei der Versetzung in den Ruhestand in Anrechnung gebracht wird. — In der Begründung ist angeführt, daß bei der Berechnung der pensionsfähigen Militär dienstzeit zur Zeit drei volle Jahre als nichtpensionsfähige Militärpflichtdienstzeit in Rückrechnung gebracht werden. Diese Rückrechnung soll sich auf einen in den früheren ----ZWMZ Kfeäääsa; Bs I s-tis-e« Schellengeläute der „Rennschlitten", untermischt mit dem fröhlichen Jubeln der Insassen. — Möchte sich der Wunsch des Landwirts, daß die schützende Schneehülle von längerer Dauer sein möge, erfüllen! X Grünberg. 26. November. Nach altem Herkommen findet hier alljährlich am Tage vor Weihnachten ein Kram- markt statt, dessen Bedeutung jedoch mit jedem Jahr abnimmt. Auch am verflossenen Samstag war derselbe nur mit wenigen Verkaufsständen besetzt. Dagegen hatten die Geschäftsleute in den Läden vollauf zu thun, um die mancherlei Wünsche der Kauflustigen zu befriedigen. — Schon seit Jahren wird in unserer Stadt an Weihnachten eine Christbescherung für bedürftige Kinder der Stadt veranstaltet, wozu die Kosten durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden. Auch diesmal waren die Gaben wieder so reichlich geflossen, daß sich etwa 60 Kinder heute nachmittag um den strahlenden Lichterbaum versammeln und die ihnen zugedachten Geschenke in Empfang nehmen konnten. Diese bestanden in Stoff zu Kleidern, Hemden, Garn zu Strümpfen und anderen nützlichen Gegenständen, Weihnachtsgebäck, Nüssen usw. Die Feier fand im Saale der Kleinkinderschule statt, woselbst tags vorher schon eine Christ bescherung für die Zöglinge dieser Anstalt veranstaltet worden war. A Darmstadt, 26. Dezember. Dem vor einigen Wochen hier abgehaltenen Examen für Gerichtsschreiber- Aspiranten hatten sich 34 Prüflinge unterzogen. Nach dem jetzt bekannt gewordenen Prüsungsresultate haben nur 22 das Examen bestanden. Die übrigen 12 können erst nach einem Jahre zu einem weiteren Examen zugelassen werden. n. Darmstadt, 25. Dezember. Wie mir soeben von eingeweihter Seite mitgeteilt wird, hat Seine Königliche Hoheit der Großherzog der von ihm hier gebildeten Künstler- Vereinigung unter Vorlage von ihm selbst verfertigter Skizzen den ehrenvollen Auftrag erteilt, Pläne anzufertigen und ihm vorzulegen, welche eine Umgestaltung des südlichen Teiles des Großh. alten Palaisgartens zu einer öffentlichen Anlage in Verbindung mit einem für Seine hohe verblichene Mutter, die Großherzogin Alice von Hessen daselbst zu errichtenden Denkmale zur Grundlage haben. — Ein geeigneterer Platz im Mittelpunkt der Stadt, um dem Andenken der allverehrten Verstorbenen eine bleibende ehrenvolle Heimstätte zu errichten, läßt sich allerdings kaum finden und wird dieses den Kunstsinn unseres Landesfürsten von neuem zeigende Projekt gewiß in allen Schichten der Bevölkerung größten Anklang finden. Vermischtes. * Heidelberg, 22. Dezember. Die Passiva der in Konkurs geratenen Bankfirma Wilh. Cuntz u. Co. belaufen sich nach vorläufiger Schätzung auf etwa 2 Millionen. Ueber das Ergebnis des Konkurses, der gestern abend beim Amtsgericht eröffnet wurde, läßt sich noch keine Ziffer angeben, da es wesentlich davon abhängt, wie hoch die Treuenbrietzer Papierfabrik verwendet werden kann. Die der Firma hier übergebenen Depositen sind vorhanden und werden den Eigentümern nächster Tage zugestellt. Weiter verpfändet sind nun die in Berlin, Frankfurt a. M., Mannheim und anderen Städten übergebenen Depots. Der Inhaber der Firma Wilh. Cuntz u. Co., Bankier Cuntz wurde gegen Mk. 90 000 Kaution aus der Haft entlassen. * Köln, 21. Dezember. Der Kohlenmangel macht sich außer im westfälischen auch in den größeren mittelrheinischen Industriezentren in empfindlicher Weise bemerkbar. Mehrere größere hiesige Werke mußten den Betrieb einschränken, die Kölner Eisenröhren-Bleiwalzwerke Aktien-Ge- sellschaft zu Köln-Ehrenfeld sogar den Betrieb vollständig e i n st e l l e n, wodurch über 300 Arbeiter vorläufig beschäftigungslos werden. — Weiter wird berichtet: Im rheinisch westfälischen Jndustriebezirk herrscht infolge des Wagenmangels auf diesen Werken ein ganz empfindlicher Kohlenmangel, sodaß der Betrieb auf einzelnen Werken nur mit Mühe in beschränktem Umfange aufrecht erhalten werden kann, während andere, wie z. B. die Duisburger Kupferhütte, zur zeitweiligen Einstellung des Betriebes gezwungen sind. * Düffeldorf, 22. Dezember. Aus einem eigenartigen Umstand mußte gestern im Stadttheater die Vorstellung von „Hänsel und Gretel" ausfallen. Orchester, Sängerinnen und Sänger waren vollzählig erschienen, das Publikum hatte sich ebenfalls pünktlich eingefunden, nur — der eiserne Vorhang machte den Spielverderber und weigerte sich beharrlich, in die Höhe zu gehen. Oberregiffeur Fiedler teilte, nachdem das Publikum lange gewartet hatte, mit, daß die Vorstellung ausfallen müsse, da der Wasserdruck nicht ausreiche, um den Eisenvorhang in die Höhe zu heben. * Berlin, 23. Dezember. (Prosper Prinz von Arenberg.) Die entsetzliche That, deren man den Prinzen Prosper von Arenberg beschuldigt, wird natürlich in den Kreisen, denen der Prinz angehörte, um so lebhafter besprochen, je mehr er als ein ruhiger, besonnener Offizier bekannt und geschätzt war. Prinz Karl Prosper, zu Höverla am 12. März 1875 geboren, wurde am 9. September 1896 Leutnant im 4. Kürassier-Regiment in Münster. Er ist ein Vetter des bekannten klerikalen Reichstags- und Landtagsabgeordneten Prinzen Franz von Arenberg, und als er am 1. Oktober 1898 in die Schutztruppe für Deutsch- Südwestafrika eintrat,wurde dies in kolonialen Kreisen lebhaft begrüßt, weil man annahm, Prinz Franz, der bekanntlich ein warmer Vertreter der kolonialen Bestrebungen ist, habe sein koloniales Interesse auch auf seine Verwandten übertragen und werde mit diesen und durch sie noch eifriger als bisher die kolonialen Angelegenheiten fördern. Auch seinetwegen beklagt man das angebliche Vorkommnis und giebt sich der Hoffnung hin, die Untersuchung werde die Schuld des Prinzen Prosper wenigstens im milderem Lichte erscheinen lassen, als die bis jetzt vorliegenden Berichte, denen die zahlreichen Freunde des Beschuldigten den Glauben versagen. Daß die Berichte von kolonialseindlicher Seite als absolut zuverlässig hingestellt und ausgebeutet- werden, kann ebensowenig überraschen, wie der von derselben Seite ausgehende Versuch, für die That eines Einzelnen ein ganzes System verantwortlich zu machen. Wie die Dinge auch liegen mögen, jedenfalls beweist das amtliche Vorgehen gegen Dr. Peters, daß unsere maßgebenden Kreise schonungslos gegen alle Beamten vorgehen, die dem deutschen Namen in den Kolonien Unehre gemach: haben. * Berlin, 23. Dezember. In der Villa des Reichstagspräsidenten Grafen Ballestrem zu Breslau ist heute früh Feuer ausgebrochen, welches den Dachstuhl teilweise zerstörte. * Kolberg, 22. Dezember. Die großen Stürme der letzten Wochen haben am ganzen Ostseestrande ganz bedeutenden Schaden verursacht. Der hiesige Strand ist in nicht geringe Mitleidenschaft gezogen worden. An der Walden- felsschanze sind die Dämme ganz weggespült und die Wogen mehr als 20 Meter tief in das Land hineingegangen; bis zum Strandschloß hin ist der prächtige Dünengang zerstört, an einigen Stellen sogar ganz fortgerissen. Der Magistrat will, um weiteren Beschädigungen vorzubeugen, eine sichere Schutzwand errichten. * Hamburg, 24. Dezember. Der wegen Sittlichkeitsverbrechens verhaftete Rechtsanwalt Dr. May machte heute einen Selbstmordversuch, indem er sich die linke Pulsader aufschnitt. Die That wurde vom Wächter bemerkt; der fast leblose Mann ist ins Eppendorfer Krankenhaus übergeführt worden. * Hamburg, 23. Dezember. Erinnerungen an die Cholerazeit. Von der großen Teilnahme, die im Jahre 1892 der von der Cholera heimgesuchten Bevölkerung Hamburgs allerseits entgegengebracht wurde, zeugt eine Menge von Zuschriften, die in jener Zeit an die Behörden und Krankenhausdirektion gerichtet wurden. Einige köstliche Beispiele dieser Art, die mehr den guten Willen als das Verständnis der Absender beweisen, teilt Dr. Sieveking-Hamburg in der soeben erschienenen Nummer der „Deutschen mtd. Wochenschrift" mit. Alle möglichen Thees, Weine, Schnäpse (mit Namen wie „Dr. Eisenbart", „4 Räuber Essig") werden empfohlen. Siedend heiß ist ein „Aufguß gebrannten und dann gemahlenen Roggenmehls schüsselweise dem Kranken in den Mund zu schütten"; oder man soll ihm „Blauspünwässer, was die Färber haben", oder Senfspiritus, Terpentinöl, gemahlenen gelben Senf oder Paprika mit Kornbranntwein, rohen Schwefel, „so wie er aus Girgenti eingeführt wird", geben. Ein anderer meint, ein „halber Eßlöffel feinen Seesandes ist viel besser als Opium" oder „frisch bereiteter warmer Kuhdreckbrei drückt die Cholera unten heraus, weil er eben schon verdaut und schlammig ist", „morgens bei nüchternem Magen nehme man einen Eßlöffel voll Schießpulver und je nach Befinden zweistündlich eine weitere Gabe", ein wirksames Prophylaktikum wird aus einem Packet schwarzen Schießpulvers mit einer Flasche Rotwein bereitet, „man stößt viel danach auf und läßt den giftigen Stoff auf alle Fälle nicht zu sich." Echte Kinder ihrer Zeit empfehlen die Elektrizität. Nach N. N. beruht die Cholera auf örtlicher oder allgemeiner Störung der elektromagnetischen Kraft, „weshalb also werden nicht wenigstens Versuche gemacht zur Ermittelung etwaiger Wirkungen der Elektrizität auf mit Kranken belegte oder sonst infizierte, bezw. bedrohte Räume, Zimmer, Häuser, Straßen, Quartiere durch Leitung permanenter, starker elektrischer Ströme in, durch, über, unter, um die betreffenden Lokalitäten?" Ein Rheinländer will „im elektrischen Bade durch stark gespannte Elektrizität (100—150 Volt) 15—20 Minuten lang die Kommabacillen im Menschen total vernichten und unschädlich machen." Ein schlauer Berliner rät: „An Stelle flüssiger Klystiere, die nicht ausreichend tief in die Darmpartien gelangen, mache man solche aus Leuchtgas unter angemessenem Druck!" Leuchtgas rufe seines Wissens im Blute ähnliche Erscheinungen hervor wie die Cholera, man solle deshalb einen Feind mit dem anderen vertreiben. Zur Erläuterung ist eine köstliche Skizze beigefügt. * Wien, 26. Dezember. In der Nacht zum Sonntag stieß der Triester Eilzug infolge dichten Nebels auf Station Karlsdorf unweit von Graz mit einem Lastzug zusammen. Infolgedessen explodierte der Ofen im Postambulanzwagen. Derselbe geriet in Brand, wobei der größte Teil der Postsendungen dem Feuer zum Opfer fielen. Der Lokomotivführer und der Postoberkondukteur des Eilzuges wurden schwer, viele Passagiere leichter verletzt. * Budapest, 26. Dezember. Auf der Brücker Linie der ungarischen Staatsbahn fuhr bei der Station Bia Torbagy der nach Wien gehende Personenzug in der Nacht zum Sonntag in den nach Graz abgelassenen Personenzug. Zahlreiche Passagiere wurden mehr oder minder verletzt, vier Honvedsoldaten tötlich verwundet, ein Kondukteur getötet. Der Unfall wurde durch die plötzlich eingetretene Untauglichkeit der Lokomotive des Wiener Personenzuges herbeigeführt; mehrere Waggons sind total zertrümmert. * Rom, 23. Dezember. Die Zahl der Opfer bei dem Felssturz in Amalfi ist noch nicht festgestellt. Bisher wurden sieben Leichen und zehn Verwundete aus den Trümmern gezogen. Die Rettungsarbeiten sind überaus schwierig, da noch beständig Felsstücke niederfallen und eine neue Katastrophe nicht ausgeschlossen ist. Die Zahl der Verschütteten, die noch am Leben sind, scheint nicht gering zu sein. Die Verheerungen, die der Bergsturz im Hafen anrichtete, sind bedeutend. Zwei Segelschiffe und mehrere Fischerbarken sind mit Mann und Maus untergegangen, ebenso eine ganze Fischerfamilie. Später wurden wieder sechs gräßlich verstümmelte Leichen aus dem Meere hervorgezogen. Aus den Trümmern ist noch niemand gerettet. Die abgestürzte Felsmasse beträgt 45 000 Kubikmeter. Der Schrecken der Bevölkerung ist noch immer grenzenlos. Es scheint, daß infolge der enormen Regengüsse der letzten Tage thatjächlich noch andere Felshänge unterwaschen worden sind. * New-York, 23. Dezember. Stundenweise Dienst- mädchen ist die neueste hiesige Erfindung. Sehr viele Familien können es sich der Kostspieligkeit oder auch der räumlichen Verhältnisse ihrer Wohnung wegen nicht leisten, ein Dienstmädchen zu halten, bedürfen aber doch häufig weiblicher Hilfe, wenn die Hausfrau durch Kränklichkeit oder andere alltägliche Gründe zu arbeiten verhindert ist. Um hier Abhilfe zn schaffen, ist ein Institut begründet worden, das Dienstmädchen für jede gewünschte Zahl von Stunden des Tages für 20 Cents die Stunde zuweist. Die Nachfrage nach stundenweisen Dienstmädchen hat sich sofort als sehr stark erwiesen. * New York, 26. Dezember. Der Dampfer „Ariston" ist an der Küste von Nord-Karolina gescheitert. 21 Personen sind ertrunken, 9 konnten gerettet werden, darunter der Kapitän, welcher als letzter das Schiff verließ. Gerichlssaal. * Leipzig, 21. Dezember. Wegen Bestechung war am 23. September vom Landgerichte Weimar der Registrator Max Fischer in Jena zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt worden. Zugleich war dahin erkannt worden, daß die eine Mark, welche er erhalten hat, dem Fiskus verfallen ist. F. war als Gerichtsschreibergehilfe in der Strafabteilung beschäftigt und hatte insbesondere die Strafvollstreckungen zu überwachen. Als eines Tages ein zu Gefängnisstrafe verurteilter Mann zu ihm kam und den Wunsch äußerte, die Strafe erst nach Ablauf einer bestimmten Frist antreten zu dürfen, veranlaßte er diesen, ihn in seiner Wohnung aufzusuchen. Er setzte ihm dann ein Strasaufschubsgesuch auf und nahm die ihm für diese Arbeit angebotene eine Mark an. Das Gesuch hatte den gewünschten Erfolg. Auf die Revision des Angeklagten hob das Reichsgericht das Urteil auf und verwies die Sache an daS Landgericht zurück, da nicht hinreichend festgestellt sei, daß der Angeklagte für eine in sein Amt einschlagende, an sich nicht pflichtwidrige Handlung ein Entgelt angenommen habe._______________________________________ Universität und Hochschule. — Verschiedenes r Die Marburger theologische Fakultät hat dem Pfarrer Dr. theol. Rade, früher in Frankfurt a. M., bie Venia legendi erteilt. Er wird seine Antrittsvorlesung am 13. Januar halten. — Das erste Oberlehre rinnen-Examen ist in Göttingen am 20. d. M. von sechs Damen mit glänzendem Erfolg abgelegt worden. Die Damen hatten ihre Studien an der dortigen Universität gemacht. Arbeiterbewegung. — St. Etienne, 26. Dezember. Gestern versammelten sich 2500 Arbeiter und beschlossen, falls sie nicht eine Lohnerhöhung von Ve Franks und die Anerkennung ihres Syndikats erhielten, in den allgemeinen Ausstand einzutreten. — Havre, 26. Dezember. Sämtliche Straßenbahn Bedienstete sind wegen Lohndifferenzen in den Ausstand eingetreten. Es konnten gestern nur 13 Wagen in Betrieb gesetzt werden. Spitlplra der etrtinigftn Frankfurter AtMtzeatn. Opernhaus. Donnerstag den 28. Dezember, nachmittags 31/, Uhr! Vorstellung bet ermäßigten Preisen: „Prinzessin Goldhaar". Außer Abonnement. Abends 7 Uhr: „Figaros Hochzeit". Im Abon. Gew. Preise. Freitag den 29. Dezember: „Götz von Berltchingen". Vorstellung bet ermäß. Preisen. Außer Abonn. Samstaa den 30. Dezember, nachmittags 3'/, Uhr: Vorstellung bet ermäßigten Preisen: „Prinzessin Goldhaar". Außer Abonn. Abends 7 Uhr: „Verkaufte Braut". Im Abonn. Gewöhn!. Pcetse. Sonntag den 31. Dezember, nachmittags 3% Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Prinzessin Goldhaar". Außer Abonn. Abends 7 Uhr: „Bajazzo". Hierauf: „Nürnberger Puppe". Im Abonn. Gewöhn!. Preise. Montag den 1. Januar 1900, nachmittags 3% Uhr: Vorstellung bet ermäßigten Preisen: „Prinzessin Goldhaar". AußerAbonn. 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Notierungen: Kreditaktien 233.40-60, Diskonto-Kommandit 191.60-20, Staatsbahn 136.30, Gotthard 141.70, Lombarden 29.90, Ungar. Goldrente 96.70, Italiener 92 50, 3proz. Mexikaner 24.30, Oesterr. Coupons 84%, Amerik. Coupons 4.19%, Privat-Diskont 6%%. D/1 bis 2% Uhr: Kredit 233.60-234.60, Diskonto 191.40, Staatsbahn 196.20, Lombarden 30. Stuttgart, 23. Dezember. (Allgemeiner Deutscher Versiche- rungS-Veretn.) Im Monat November 1899 wurden 1164Schoden- fälle reguliert. Davon entfielen auf die Betriebs-Haftpfltchtvrr- ficherung 574 Fälle und zwar 324 wegen Körperverletzung und 250 wegen Sachbeschädigung; auf die Haus-Haftpflichtversicherung 17 Fälle und zwar 8 wegen Körperverletzung und 9 wegen Sachbeschädigung; auf die Unfallversicherung 513 Fälle, von denen 2 den sofortigen Tod und 8 eine gänzliche oder teilweise Invalidität der Verletzten zur Folge hatten. Von den Mttgliedern der Kapitalver sicherung für den Todesfall sind 60 in diesem Monat gestorben. Neu abgeschlossen wurden im Monat November 6474 Versicherungen. Von den vor dem 1. September 1899 angemeldeten Schäden der Unfall- Versicherung (incl. der Todes- und Invaliditäts-Fälle) sind nur 187 noch in Behandlung.__ Für jeden Haushalt unentbehrlich ist Macks Pyramiden-Glanz-Slärke (in Packeten zu 10, 20 und 50 Pfg.), besonders beliebt zum Matt- und Glanzplätten von Kragen und Manschetten. 7557 Bor Weihnachren werden die gesamten Dorröte eÄ in Herren-Anzügen, Ueberziehern, Joppen, Hosen. 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