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Auu»h»e »en Anzeigen zu der nachmittags für de» Wißend« to, erscheinenden Nummer bis vorm. 16 Uhr. Bei Postbezu, 2 Mark 50 Pf§. vierteljährlich. #tN|d*t «i,Nch mit AnSnahme deS Montagt. Die Gießener »»■Hrittiritftr »erden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Amts- und Anzeigeblatt für den K«i* Gieren. Redaktion, Expeditton und Druckerei: Kch»kstratze Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klätler für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger H-le-em, Fernsprecher Nr. 51. ®8F" Abonnements -MG auf den Girßener Anzeiger für die Monate August und September werden von allen Postanstalten, Zeitungs- IrSgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie den Zweigstellen, jederzeit entgegengenommen. Neueintretende Abonnenten erhalten die Zeitung bis 1. August kostenfrei. Amtlicher Teil. Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche. Wegen der z. Zt. in Heuchelheim, Kinzenbach, Münch« Holzhausen, Großen-Linden und Leihgestern herrschenden Maul- und Klauenseuche und der dadurch in erhöhtem Maße vorhandenen Seuchengefahr wird der am 1. und 2. August -. Js. vorgesehene Vichmarkt zu Gießen hiermit verboten. Gießen, den 24. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Boeckmann. Bekanntmachung. ~ Nachdem die Schafräude in Alsfeld erloschen ist, ist die angeordnete Gemarkungssperre wieder aufgehoben worden. Gießen, den 20. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Nachstehend bringen wir einen Auszug der Rechnung Les Armenvereins Gießen pro 1898 zur öffentlichen Kenntnis. Einnahme. 1. Kassevorrat 641.53 Mk. 2. Aus Revisionsbemerkungen —„ 3. An Geschenken und Vermächtnissen 100.— „ 4. An Beiträgen der Mitglieder 2473.60 „ 5. Zinsen ausgcliehener Kapitalien 384.— „ 6. Besondere Einnahmen 69.35 „ 7. Zurückempfangene Kapitalien ______—.— „ Summe der Einnahme 3668.48 Mk. Ausgabe. 8. Für Mobilien —.— Mk. 9. Verwaltungskosten 211.69 „ 10. Unterstützungen 2511.80 „ 11. Sonstige Ausgaben 126.50 „ 12. Auszuleihende Kapitalien 200.— „ 13. Uneinbringliche Ausstände 35.20 „ Summe der Ausgabe 3085.19 „ Abschluß. Die Summe der Einnahme beträgt 3668.48 Mk. „ „ „ Ausgabe „ 3085.19 „ Verglichen bleibt Rest 583.29 Mk., welcher in barem Vorrat besteht. Gießen, den 19. Juli 1899. Der Vorstand des Armenvereins. ____________________v. Bechtold.____________________ Bekanntmachung. Der Tchotteuer Sommermarkt — Diehmarkt wird am 7. und 8. August abgehalten. Der Auftrieb der Tiere zum Markt beginnt um 4 Uhr morgens. Früher dürfen die Tiere nicht auf der Straße aufgestellt werden. Der Auftrieb des Rindviehs erfolgt am 7. August vom sogen. Kreuz und von dem Hause des Ludwig Spamer I. aus, am 8. August nur vom Hause des Ludwig Spamer I. aus. Der Auftrieb der Schweine am 8. August erfolgt vom Schießhorst aus. Bei dem Austrieb sollen nicht mehr als zwei Stück Rindvieh" zusammengekoppelt sein. Schotten, den 19. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Schotten. ____________________I. V.: Hechler.____________________ Das Bürgerliche Gesetzbuch und die Trunksucht. Wir wiffen, daß die Trunksucht bei uns noch lange nicht so stark grassiert wie in England oder den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, beides Länder, welche nicht nur die strengsten Bestimmungen über die Sonntagsheiligung haben, sondern in welchen sich auch die lebhafteste Bewegung gegen den Alkoholgenuß geltend macht, die auch schon in einer ganzen Reihe von Einzelstaatcn der nordamerikanischen Union zu sehr strengen Gesetzen geführt hat, aber wir wollen deshalb doch nicht die Thatsache verschleiern, daß in Deutschland die Trunksucht so stark herrscht, daß wir ernstlich den Wunsch nach einer Verminderung hegen können. Und was das Allerbedenklichste ist, das ist der Umstand, daß junge Leute, die noch lange keine feste Körperkonstitution haben, sich in recht fataler Weise von der Neigung zu geistigen Getränken beherrschen lassen. Es sind noch keine Trinker, aber die Wahrscheinlichkeit besteht, daß sie in späteren Jahren einmal die Zahl der Trunksüchtigen unheimlich vermehren werden. Was heißt überhaupt Trunksucht? Einen Schnapstrinker nennen wir Säufer, einen Biertrinker bezeichnen h ir als Kneipgenie, von einem Weintrinker hört man oft unter Zubilligung von mildernden Umständen sagen, er liebe es, ein Gläschen über den Durst zu sich zu nehmen. Ein Schnapstrinker, den die gestrenge Hermandad auf der Straße trifft, wandert nach Nummer Sicher, ein Kneipgenie in Bier läßt sich von einem Bekannten oder einem dienstbaren Geist unter den Arm fassen, damit sein Zustand nicht aller Welt offenbart wird, und der Weintrinker fährt im Wagen nach Hause. Der soziale Stand des Trinkers kann ungemein verschieden sein, die Aeußerung seines Lasters mag die Oeffentlichkeit viel oder wenig belästigen, aber für die Familien des Trinkers sind die Folgen die gleich unheilvollen, die Kraft zu arbeiten erlischt beim einen, wie beim anderen! Bei der Trunksucht kommt es nicht darauf an, was getrunken wird, sondern darauf, wie sich die Folgen des Trinkens äußern in bürgerlicher, wie in strafrechtlicher Beziehung. In England ist ein Gesetz vom britischen Parlament beschlossen worden, welches die zwangsweise Ueberführung von Trinkern im Trinkerasyle oder Trinkerheilanstalten gestattet. Das ist neu, aber wir werden den gleichen Zustand vom 1. Januar 1900 ab auch im deutschen Reiche als zu Recht bestehend haben. Das neue bürgerliche Gesetzbuch, welchem mit dem genannten Termin Rechtskraft gewinnt, sagt ganz ausdrücklich: „Entmündigt kann werden, wer infolge von Trunksucht seine Angelegenheiten nicht zu besorgen vermag oder sich und seine Familie der ^efafyr des Notstandes aussetzt oder die Sicherheit anderer gefährdet." Wer entmündigt ist, erhält einen Vormund, der erforderlichenfalls gegen den Willen des Trunksüchtigen dessen Ueberführung in eine Anstalt veranlassen kann, um so doch möglicherweise eine Heilung zu ermöglichen. Die Wichtigkeit dieser Be- stimmnng für alle sozialen Klaffen von Trinkern springt in die Augen. Nach dem neuen britischen Gesetze soll der Richter diese Zwangsinternierung eines Trinkers herbeiführen können, bei uns hat aber schon der Vormund des Trinkers das Recht und die Pflicht hierzu. In England sollen eventuell — und zwar vor der Hand versuchsweise — die Kosten aus Staatsmitteln bestritten werden, bei uns werden die Kosten aus dem Vermögen des Trinkers resp. dessen Angehörigen zu bestreiten sein. Es wird wohl kaum damit zu rechnen sein, daß sich bei uns amtliche Mittel für solche Fälle so leicht öffnen werden, namentlich da ja heute schon so viele Gemeinden über die Armenkosten klagen, die sie den Angehörigen von Trunksüchtigen gewähren müffen. In besitzenden Familien wird sich das Notwendige natürlich glatt regeln lassen. Wir haben alljährlich in der Kriminalstatistik eine ganze Reihe von Fällen, in welchen Strafthaten verübt wurden, zu welchen sich die Schuldigen entweder erst extra den erforderlichen Mut angetrunken hatten respektiv die erfahrungsgemäß auf der Heimkehr von Bachanalien aller Art verübt worden. So ist es denn kein Wunder, daß das geflügelte Wort vom „Mildernde Umstände antrinken" immer noch sehr weit verbreitet ist, und daß die darin enthaltene Lehre immer noch recht emsig befolgt wird. In solchen Fällen sollten Polizeirichter, Schöffen- und Landgerichte doch den Rechten immer noch schärfer treffen, denn böse Beispiele verderben gute Sitten. Schreiber dieses hat als Schöffe mehr als einmal Gelegenheit gehabt, den Betrunkenen mit mildernden Umständen von dem ohne solche zu unterscheiden, es geht recht gut, und gerade die Schöffengerichte können hier viel Nutzen stiften, wenn sie nach dem praktischen Leben sich richten. Die Bevölkerung merkt's sich. Nur ein Fall sei ganz kurz erzählt. „Ein bescheidener Mann kommt abends nach Hause und sieht, daß seine leichtsinnige Frau, der das stille Leben nicht gefiel, mit der häuslichen Einrichtung durchgebrannt ist. Der Mann ist erst starr, geht dann — es war am späten abend — in eine Kneipe, trinkt, und weiß in seiner halben Wut bald nicht mehr, was er spricht. Dann geht er nach Hause zurück. Auf Grund seiner Aeußerungen, welche von Freunden und Freundinnen der Frau gehört waren, kommt der Mann wegen Bedrohung mit einem Verbrechen vor's Schöffengericht. Geschehen war nichts, der Angeklagte hatte die Leichtsinnige laufen lassen, von allen Seiten bekam er das beste Zeugnis, und so erfolgte der einstimmige Freispruch. Das ist so ein Fall, in welchem die Betrunkenheit als mildernder Umstand mit Recht gelten kann. Andere liegen aoer ganz anders. Namentlich jugendliche Personen, welche im eifrigen Trinken, ohne schon Säufer zu sein, mit dem Strafrecht zusammenstoßen, verdienen Beachtung. Die werden schlimm, wenn sie nicht rechtzeitig in rechte Hände kommen, und dabei kann das Gefängnis wenig, eine rechte Zucht alles thun. Im erwachsenen Menschen die Trunksucht von Amtswegen zu bekämpfen, ist sehr schwer, zumeist erfolglos; der Draht darf sich nicht einmal zum Häkchen krümmen. Besonders in manchen größeren Städten und Industriezentren könnte bei vorhandenen Mitteln der Trinker - Entmündigungs- Paragraph des bürgerlichen Gesetzbuches oft genug Anwendung finden. Daß aus seiner praktischen Anwendung sich wirklich brauchbare Trunksuchts-Gesetzesbestimmungen herleiten lassen werden, kann keinem Zweifel unterliegen. Die Trunksucht ist ein Leiden, das in der Bevölkerung nicht auf Kommando mit einem Male ausgerottet werden kann, es muß gründlich kuriert werden und zwar von der Wurzel an. N. H. V. Deutsches Reich. — Reden des Kaisers. Eine Erscheinung, die sich erst noch öfter wiederholen müßte, um aus ihr unumstößliche Schlüsse zu ziehen, sei hier erwähnt. Seitdem der Reichstagspräsident dem Abg. Roesicke gestattet hat, eine im „Rcichsanzeiger" veröffentlichte Rede des Kaisers in die Debatte zu ziehen, sind die Reden und Telegramme des Kaisers nicht mehr im nichtamtlichen Teil des „Reichsanzeigers", sondern in der „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht worden. Solche Veröffentlichungen würden nach dem Wortlaut der früheren bekannten Ballestremschen Erklärung trotz ihrer Unanfechtbarkeit parlamentarisch nicht erörtert werden dürfen. — Die Entstehung des ersten Gedankens der Arbeitswilligenvorlage wird von Pastor Naumann einer Unterredung des Kaisers mit dem bekannten Pastor v. Bodelschwingh zugeschrieben. Naumann erzählt darüber in seiner Zeitschrift „Hilfe": Bisher hielten wtr es für Pflicht, eine eigenartige, fast wehmütige Privatbegebeu- heit nicht öffentlich zu diskutieren. Es ist, soweit man sehen kann, wahr, daß die Anfänge der Zuchthausvorlage in einem Gespräch des lieben, vorzüglichen Pastors v. Bodelschwingh mit dem Kaiser liegen. Viele unserer Leser kennen Bodelschwingh persönlich, und ehren die Gabe praktischer Liebe, die er hat. Er ist der kräftigste Vertreter des werkthätigen Teiles der inneren Mission. Wenige evangelische Christen haben sich, wenn sie ihn hörten, dem Zauber seiner zur Hilfsthat rufenden Persönlichkeit entziehen können. Daß er für politische Organisation und sozialen Kampf nur geringes Interesse hatte, war uns nie verborgen, aber wir hielten das für die notwendige Kehrseite eines rein der Barmherzigkeit gewidmeten Lebens. Er hielt einen Teller Suppe für wertvoller, als das beste Gewerkschaftsstatut. Muß man nicht auch zugeben, daß für die Elemente, die er um sich sammelt, der Teller Suppe das erste Bedürfnis ist? Daß er schon früher mit den Sozialdemokraten Bielefelds tm Gegensatz war, ist aus dem Gesagten leicht erklärlich. Eine neue Schärfung bekam der Gegensatz durch den Bielefelder Maurerstreik von 1897, Bodclschwingh war in seiner Eigenschaft als Gründer einer wohlthätigen Baugesellschaft vom Streik betroffen. Er war Arbeitgeber, wenn man so sagen will. Er kannte Maurer, die für ihn gern weitergearbeitet hätten, wenn nicht Streik gewesen wäre. Fälle von Bedrohung lagen gerade ihm vor Augen. Da sah er nun den Streik nicht in seiner Bedeutung innerhalb der Arbeiterbewegung, sondern als Hemmnis seines guten Werkes. Ein unvollendeter Bau gab Veranlassung zur Aussprache. Der Kaiser hörte aus dem Munde des Mannes, dessen Barmherzigkeitsanstalten ihn umgaben, die Anklage gegen die Vergewaltigung. Es war nicht Stumm, nicht Bueck, nicht die Schicht, die am Zuchthausgesetz wirtschaftlich interessiert ist, die das erste wichtigste Wort in dieser Sache sprach. Es wirkte nicht, wie sonst öfter, das Schwergewicht der organisierten kapitalistischen Interessen. Ein Mann, der seit mehr als 30 Jahren nichts Anderes thut, als die Härten der kapitalistischen Gesellschaft zu lindern, wurde Ursache eines wirtschafts-politischen Vorganges, der völlig außerhalb seines eigenen Lebensgebietes liegt. Von hier aus versteht man auch das Telegramm an Hintzpeter. Der Kaiser glaubt jedenfalls noch heute, daß die Vorlage ein Stück von sozialreformerischer Fürsorge für das Volk ist. Wie anders sie wirkt und wirken wird, brauchen wir unseren Lesern nicht nochmals darzulegen. Wo aber war in der Regie- rnng der Mann, der als Sozialpolitiker gegenüber der Majestät die Begrenztheit des Bodelschwingh'schen Standpunktes mit Entschiedenheit zur Aussprachte brachte ? Er hat gefehlt. — Zum Fall Arons bemerkt die „Frkf. Zeitung": „Mehrere Blätter behaupten zu wissen, daß der Bericht des „Vorwärts" über das Disziplinarverfahren gegen Arons unrichtig sei. Der „Vorwärts" bestreitet dies. Es ist übrigens ziemlich gleichgiltig, ob dieses oder jenes Detail so oder anders war. Von Wichtigkeit sind nur zwei Punkte. Einmal, daß die Fakultät es ablehnte, einen Lehrer seiner politischen Gesinnung wegen zu disziplinieren. Das billigt auch die Centrumskorrespondenz, welche schreibt: „Dr. Arons ist Lehrer der Physik. Wie dieses Fach an sich ihm keine Gelegenheit giebt, seine politische Gesinnung auf dem Lehrstuhl zu bethätigen, so hat Dr. Arons überhaupt nicht den Hörsaal zur sozialdemokratischen Agitation benutzt. Die Anklage richtete sich demnach, was seine Eigenschaft als Lehrer angeht, einzig gegen seine politische Gesinnung. Daß die Fakultät den Dr. Arons nur wegen seiner Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei nicht seines Amtes entheben wollte, können wir nur billigen. Die Zeiten ändern sich; es können ja nach der Zeitlage auch andere Parteien der Regierung mißliebig werden, und daher haben alle Parteien Anlaß, darauf zu halten, daß nicht der Grundsatz aufkommt, daß ein Beamter, gleichviel welcher Partei er angehört, wegen seiner politischen Gesinnung kurzer Hand seines Amtes enthoben werde." — Zum anderen ist es von Interesse, daß man immer wieder und auch in der Affaire Arons den alten Kohl von der dreimal revolutionären Sozialdemokratie aufwärmt". — Kanalvorlage und Gemeindewahlrecht. Gleich den Vertrauensmännern der nationalliberalen Partei in Köln haben jetzt auch diejenigen in Bonn eine Erklärung beschlossen, in der es heißt: Wir halten es für notwendig, daß die Fraktion mit allen Mitteln die Erledigung der zuerst eingebrachten Kanalvorlage vor der jüngern Gemeindewahlrechts-Vorlage anstrebe. Der von Anfang bestehende Verdacht, daß das Zentrum seine Stellung zu ersterer von einer ihm genehmen Erledigung der letzteren abhängig macht, ist durch die bisherige Entwickelung der Dinge für uns zur Gewißheit geworden und wird auch ernstlich von niemand mehr bestritten. Wir bedauern es deshalb lebhaft, daß die nationalliberalen Kommissionsmitglieder mit dem Zentrum auf ein Kompromiß sich eingelassen haben, welches diesen auf Verquickung beider Vorlagen gerichteten Wünschen entgegenkommt." — Der zweite Teil des Berichts der Kanalkommission des Abgeordnetenhauses, für dessen endgiltige Feststellung eine Sitzung der Kommission auf den 1. August angesetzt ist, liegt gedruckt vor und ist an die Mitglieder der Kommission zur Vorprüfung versandt worden. Der 70 Druckseiten füllende Bericht enthält außer der Einleitung, welche kurz die Ursache der erneuten Beratung, sowie die Namen der bei den Beratungen zugegen gewesenen Minister und Negierungs Kommissare mitteilt, 6 Teile. Die Beschlüsse, zu denen die Kommission gekommen ist, schlagen dem Abgeordnetenhause vor, 4 der Anträge der Staatsregierung als Material zu überweisen. Es sind dies 1. und 2. zwei Anträge Letocha Graf Strachwitz, die Staatsregierung wolle vor der Abstimmung über den Gesetzentwurf als ganzes bindende Zusagen über bestimmte, näher angeführte Kompensationen für Schlesien abgeben, 3. ein Antrag Rohde- Wachsdorf, betreffend Kompensationen für Schädigungen der Braunkohlenindustrie und der Landwirtschaft der Provinz Sachsen und 4. ein Antrag Gamp, enthaltend Kompensationsforderungen für die östlichen Provinzen. Der übrige Teil der Kommissionsbeschlüsse bezieht sich auf die Erledigung der Petitionen. — Unser Handel mit den Vereinigten Staaten. Vor einigen Tagen wurde die wichtige Nachricht gemeldet, daß die Vereinigten Staaten mit mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich, neue Handelsverträge abgeschlossen haben. Ein neues Handelsübereinkommen mit Deutschland, das den schlimmsten Zollschikanen ein Ende machen würde, für die mißachtete Meistbegünstigung, die wir einst besessen haben, einen Ersatz böte, so daß wir sehen könnten, woran wir mit Amerika eigentlich sind, soll erst noch entstehen. Dem „Börsen-Kourier" ist versichert worden, daß die Verhandlungen nicht schlecht stehen. „Die vor- fichtigen zögernden Entschließungen in Washington uns gegenüber dürften darauf zurückzusühren sein, daß man dort Deutschland als den gefährlichsten Konkurrenten betrachtet, bei dem man mehr wägt und besorgter erwägt, als bei anderen." — In der Thal hat sich ungeachtet aller Erschwerung unsere Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten nicht nur behauptet, sondern neuerdings sogar vergrößert. Nach den Berichten aus den 32 Konsulatsbezirken wäre die Ausfuhr in dem am 30. Juni endenden Fiskaljahr 1898/99 um 9 516 304 Dollars gegen das Vorjahr gestiegen, nämlich von 74 228 487 auf 83 744 791 Dollars. — Einen Bericht über die Augsburger Unruhen hat, wie die „Augsb. Abendztg." milteilt, der Reichskanzler eingefordert. Ob für die Zwecke der Strikestatistik oder für welchen anderen Zweck, ist nicht bekannt. — Die Unruhen werden, wie sich voraussehen ließ, vor Gericht ein ernstes Nachspiel haben. Nahezu 70 Personen befinden sich bereits in Untersuchungshaft, und noch immer finden vereinzelte Verhaftungen statt. Gegen die Untersuchungsgefangenen ist das Verfahren aus den §§ 115,116 und 125 des Reichsstrafgesetzbuchs: Aufruhr, Auflauf und Landfriedensbuch eingeleitet worden. Unter dem Verdacht der Aufreizung zum Hausfriedensbruch wurde auch der Vorsitzende der ausständigen Maurer in Augsburg, Maurer Mehringer, verhaftet. Die ausständigen Maurer haben erklärt, mit den Ausschreitungen nichts gemein zu haben, und haben sie verurteilt. Der Maurerausstand selber nimmt nach wie vor seinen Fortgang. Frankfurt a. M., 26. Juli. Die „Franks. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Vorgestern abend hat die Pforte ein Rundschreiben an die Mächte versandt, in welchem sie auf die Anwesenheit zahlreicher griechischer, serbischer und bulgarischer Banden in Mazedonien und Epirus hinweist, und im voraus alle Verantwortlichkeit für Ereignisse, die sich hieraus ergeben können, ablehnt. Ausland. Wien, 25. Juli. Trotz der hochsommerlichen Zeit, in welche wohl mit gutem Bedacht die Thunsche Regierung ihr Vorgehen mit der „Notverordnung" betreffend die neuen Verzehrs steuern verlegt hat, ist die Erregung der Bevölkerung über diesen Verfassungsbruch groß. Die Zeit wird den Beweis liefern, daß diejenigen im Irrtum waren, welche voraussagten, die Deutschen würden sich diesen Ausgleich und die Anwendung des § 14 auf denselben ruhig gefallen lassen. Allüberall regt sich der Widerstand gegen die oktroyierten Steuererhöhungen. Der deutschen Fortschrittspartei sind nunmehr die Reichsrats- und Landtags- abgeordneten der deutschen Volkspartei in Oberösterreich mit einer Einspruchserklärung gefolgt. In Wien, Graz, Prag, Reichenberg, sogar in Lemberg haben in den letzten Tagen Protestversammlungen stattgefunden. Die Offiziösen besaßen die eiserne Stirn, zu behaupten, außer den paar armseligen, schandenhalber gegen die eigene Ueberzeugung zusammengestoppelten Protesterklärungen der deutschoppositionellen Gruppen gebe eS keine Bewegung gegen die § 14-Kundmachung. Sie verhöhnten nicht nur den Inhalt der Kundgebungen, sondern sprachen denselben auch Eindruck und Wirkung in der Bevölkerung ab. Eine Täuschung ist aber ganz unmöglich. Wohin man blickt, überall gibt es nur eine Stimmung: die der tiefsten Erbitterung. Vielleicht macht sich diese jetzt in den Hundstagen nicht so elementar Luft. Aber beim Wiederzusammeutritt des Reichsratcs werden Ministern, Staatsanwälten u. s. w. schon die Augen aufgehen darüber, welch schöne Sachen sie mit dem § 14 angerichtet haben. Sie werden dann erkennen, daß die vielgerühmten Schleichpfade Irrwege waren und nicht die erhoffte Rettung aus dem Labyrinth brachten, in das österreichische Staatskunst sich verstrickt hatte. Dabei ist Versammlungsverbot, Auflösung, Konfiskation, politischer Prozeß seit einiger Zeit der wesentliche Inhalt der Tagesgeschichte Oesterreichs. Die Politik der Maßregelungen ist die denkbar ungeschickteste. Sie verbittert nur, wirkt aber nicht. Was insbesondere die deutsche Opposition betrifft, so ist für sie jede verbotene oder aufgelöste Versammlung oder jede Beschlagnahme einer gegen den § 14 gerichteten Resolution u. s. w. nur die Aufforderung, nunmehr erst recht nicht zurückzuweichen, nicht zu schweigen, sondern um so lauter und nachdrucksvoller gegen das herrschende System zu protestieren. Niederlande. In der Dienstags-Sitzung der Haager Friedenskonferenz wurde der Schiedsgerichtsentwurf ohne Erörterung üüd ohne Abänderung endgiltig angenommen. Die amerikanischen Delegierten gaben eine Erklärung ab, nach welcher es sich von selbst verstehe, daß die Konvention für das Schiedsgericht in keinem ihrer Teile Amerika die Verpflichtung auferlege, sich in europäische Angelegenheiten einzumischen, noch Europa zwinge, sich in Fragen, die ausschließlich Amerika betreffen, zu mischen. Paris, 26. Juli. Dem „Echo de Paris" zufolge hatte Präsident Loubet eine Unterredung mit dem Präsidenten des Kassationshofes, bei welcher Gelegenheit Loubet erklärt haben soll, der Präsioent möge ihn, Loubet, als einfachen Privatmann betrachten, und seine Meinung darüber äußern, ob er Dreyfus für schuldig oder unschuldig halte. Der Präsident erwiderte, er habe alles studiert, was auf Dreyfus Bezug habe, aber nichts entdecken können, was auf die Schuld Dreyfus' schließen ließe. Im Gegenteil, alles deute auf die Unschuld dieses Mannes hin. — Der Justizminister soll eine strenge Untersuchung angeordnet haben, ob sich diese Mitteilung bewahrheitet. Paris, 26. Juli. Das Ereignis des Tages ist die Maßregelung eines hohen Militärs wegen einer regierungsfeindlichen Kundgebung. Mittels Dekretes vom gestrigen Dienstag ist nämlich General Negrier seines Postens als Mitglied des Obersten Kriegsrats, unter Vorbehalt anderweitiger dienstlicher Verwendung enthoben worden. Halbamtlich wird über den Fall mitgeteilt: Wie verlautet, habe Negrier auf seiner letzten Besichtigungsreise an die Korpsbesehlshaber eine Art von mündlichem Communiqu- gerichtet, in welchem er die Haltung der Regierung einer ziemlich scharfen Kritik unterzog und erklärte, die Regierung wiffe nicht die Armee zu verteidigen. Negrier habe hin- zugefügt, die Armee müsse sich bis zum Ausgang des Prozesses in Rennes gedulden, denn dann müsse die Armee an die Regierung die Mahnung richten, zu handeln. Im andern Falle, habe Negrier erklärt, „würden wir handeln". Dieses Communique habe Negrier auf dem Instanzenwege allen Offizieren mitteilen lassen, in Bourges sei dieser Befehl des Generals zuerst zur Ausführung gelangt. General Gallifet habe davon Kenntnis erhalten und eine Untersuchung angeordnet, welche für Negrier ungünstig ausgefallen sei. Letzterer habe auf Befragen zugegeben, daß das Communiquö zum mindesten dem Sinne nach richtig wiedergegeben sei. Daraufhin habe Gallifet die Angelegenheit dem Ministerrate unterbreitet und erklärt, nach seiner Ueberzeugung habe General Negrier sich eines schweren Vergehens gegen die Disziplin schuldig gemacht und sei über seine Befugnisse als Armee-Inspekteur hinausgegangen. „Das Vorgehen Negriers steht" — so schließt die halbamtliche Note — „vereinzelt da, weil die übrigen Mitglieder des Obersten Kriegsrates zu wiederholten Malen sämtlich erklärt haben, daß sie beabsichtigten, sich ausschließlich der nationalen Verteidigung zu widmen und keine Politik zu treiben." — Der „Gaulois" verzeichnet das Gerücht, daß General Nögrier an den Präsidenten Loubet ein Schreiben gerichtet habe, in welchem er diesen aufforderte, der Armee Ächtung zu verschaffen. Als daraufhin der Kriegsminister, General Gallifet, Erklärungen von ihm verlangte, habe Negrier geantwortet, daß er seine Rechte nicht überschritten und keine Erklärungen abzugeben habe. Semlin, 26. Juli. Hier zirkulieren die abenteuerlichsten Gerüchte über die Vorgänge in Serbien. In Belgrad sollen neuerdings zahlreiche Verhaftungen vorgenommen, worden sein. Madrid, 26. Juli. Während man in Madrid, namentlich auch ich Parlament, weiter fortfährt, die katatonischen Kundgebungen in Barcelona als bedeutungslos darzustellen, schildert ein in letzterer Stadt ansässiger Gewährsmann der „Franks. Ztg.", allerdings wohl selber stark von spanienfeindlichen republikanischem Eifer beseelt, die Kundgebungen am 20. Juni als höchst bedeutsam. Große Begeisterung für die Franzosen, erbitterter Haß gegen Spanien und die Monarchie, so muß man aus seiner Darstellung entnehmen, sind die Grundzüge der Auftritte gewesen, die sich bei und nach dem im Stadthause gegebenen Festmahle für die französischen Marineoffiziere auf der Straße bis- spät in die Nacht hinein ereignet hätten. — Als Grund des Besuches der französischen Flotte, so fügt jener Berichterstatter hinzu, wird jetzt allgemein angenommen, daß sie nach Barcelona kam, um der öffentlichen Meinung den Puls zu fühlen. Da über kurz oder lang der Bürgerkrieg hier ausbrechen muß, die Monarchie aber nicht im stände ist,, denselben zu ihrem Vorteil auszutragen und auch das Land nicht durch eigene Kraft aus den Wirren sich heraushelsew kann, so wird eine internationale Einmischung notwendig sein, in der Frankreich durch die Einverleibung Kataloniens oder durch ein Protektorat über dieses ehemalige Fürstentum einen Ersatz für Elsaß-Lothringen finden könnte. Thal- fache ist, daß die öffentliche Meinung hier der Idee einer Annexion an Frankreich zujubelt. Die Einverleibungspartei,, die von Frankreich provinziale und Gemeindeautonomie erwartet, ist in den letzten Monaten ungeheuer angeschwollen. Weil schließlich England fortwährend an den spanischen Häfen kreuzt, Ausschiffungsmanöver vornimmt, Untiefen sondiert, immer in den Balearen einige Schiffe liegen hat, großes Kriegsmaterial in Gibraltar aufhäuft und täglich in seinen Zeitungen von der Aufteilung Spaniens spricht, wobei es sich nebst Portugal, über das es jetzt schon das Protektorat ausübt, Castilien, Estremadura und Andalusien annektieren möchte, so hat Frankreich jetzt eine so ungeheure Flottenmacht nach Spanien geschickt, um den Engländern zu bedeuten, daß hinter dem Berge auch Leute wohnen. So verfolgt Frankreich zwei Zwecke mit diesem Besuch: Drohung, gegen England und Sondierung der öffentlichen Stimmung, in Katalonien. — Wie gesagt, ohne einen gewissen Vorbehalt werden vorstehende Ausführungen nicht aufzunehmen sein. Afrika. Die Präsidentschaftskrisis in Transvaal, sofern sie überhaupt ernstlich bestanden hat, dürfte jetzt beigelegt sein. Denn eine englische Quelle, das „Reutersche Bureau", veröffentlicht folgende Depesche aus Pretoria: „Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Präsidenten Krüger und dem Volksraad sind wiederhergestellt."—lieber die Stimmung in London wird berichtet, daß die englische Regierung zur Zeit nicht ohne Sorge sei; sie arbeite an einem Kompromisse zwischen Friedens- und Aktionspartei, dahingehend, durch Aufrechterhaltung des bisherigen Druckes auf Transvaal möglichst zum Milnerschen Mindestmaße zu kommen und das größtmögliche Maß weiterer Zugeständnisse zu erlangen. Man soll aber fürchten, daß bei der bevorstehenden Kolonialdebatte im Unterhause ein solches Kompromiß in die Brüche gehen werde und vielleicht gar das Ende des „friedlichen Druckes" herbeigeführt werde. Und so groß soll diese Sorge sein, daß die Regierung sich mit den Führern der Opposition bereits dicserhalb in Unterhandlungen eingelassen habe, um dieselben zum Verzicht auf jede störende Interpellation zu vermögen. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 27. Juli 1899. ** Technische Hochschule Darmstadt. Dem Herrn Regierungsbaumeister Adolf Zeller zu Darmstadt wurde die venia legendi für künstlerische und technische Erläuterung- mittelalterlicher Bauwerke an der Großh. Technischen Hochschule erteilt. ’Ürtt, Ve !> 9 "«'t «15 ’9 g°l°W m ®" £ U"d«'°L "n9«liPtg 1Mgtl gegeben, dak hna t[ ' 8*W SW'. "°ch feinet <>«w »re Mss *$Ä S 7-WeWch det ««Meine $olüü ia q ,bM Tetiichi, bQp nni? k "n 3*r,i6« lln btt kiegtoiniftet, '9«1 »«langte, h»de ■Jte nicht überschritten en die abenteuerlichsten 'erbten. In Belgrad stungeu vorgenonnnen n 'n Madrid, nament- chrt, die htalonijdjen bedeutungslos darzu- ausässrgrr wohl selber start von ser beseelt, die Aund- ideutsam. Große Beier Haß gegen Spanien aus seiner Darstellung Auftritte gewesen, die se gegebenen Festmahl auf der Straße bte itten. — Als Grund des so fugt jener Berichtangenommen, daß sie ichen Meinung den Puls der Siirgerfritg hier r nicht im ftanbt ist, en und auch das Land< rren sich fteranshrlsr'n LlmlschMtz Mrvrndig rvnlelbung Kataloniens irses ehemalige Fürsten- >n finden könnte. Thal- ig hier der Idee einer !ie Einverleibungspartei, Gemeindeautonomie er- ingehcuer angcschwoüen. an den spanischen Wn immt, Untiefen sondiert, legen hat, großes Kriegs- b tägüd) in fernen 8«= U jprichl, wobei (8 sch > Unbalufun an*1» t fo ungeheure -b° t u«b”Ä U>> ÄV ** ” 97 189y‘ . 7 „»«-•$ ** Militärdienstnachrichten. Friese, Oberstlt. z. D., unter Enthebung von der Stellung als Kommandeur des Landwehrbezirks I Darmstadt, mit seiner Pension und der Uniform des Infanterieregiments Fürst Leopold von Anhalt- Dessau (1. Magdeb.) Nr. 26, der Abschied bewilligt. — Zipp, Intendantur-Sekretär von der Intendantur der Großh. Hess. (25.) Division, zum 1. Oktober ds. Js. zu der Korps-Intendantur des 18. Armeekorps, — Bogel, Jntendantur-Baudiätar von der Korps-Intendantur des 9. Armeekorps, zum 1. Oktober d. I. zur Intendantur der Großh. Hess. (25.) Division versetzt. *• Herr stud. jur. Ludwig Opel aus Rüsselsheim, der gestern am Gymnasium zu Mainz, nach einjähriger Vorbereitung bei Herrn Dr. Noese dahier, eine Ergänzungsreifeprüfung im Lateinischen und Griechischen bestand, wird dem Radsport dauernd entsagen. Die Radtour durch Algier und Tunis, die er in den nächsten Wochen unternimmt, ist lediglich Vergnügungs- und Erholungsreise. ** Gutenbergfeier. Herr Staatsminister Rothe hat nachstehendem Aufruf zur Gutenbergfeier in Mainz, den die „Allgemeine Zeitung" bekannt gibt, seine Zustimmung erteilt: „Am Johannistag (24. Juni) 1900 begeht die Stadt Mainz die 500jährige Geburtstagsfeier ihres großen Sohnes Johannes Gutenberg. Gutenbergs Andenken zu ehren, hat die Geburtsstätte der Buchdruckerkunst das erste Anrecht und die besondere Pflicht. Mit Mainz aber fühlt die ganze Welt an diesem Tage sich eins im Preis der edlen Kunst, die den mächtigsten Fortschritt bildet im Kulturleben der Menschheit. Wie Gutenbergs Werk den Erdkreis umspannt und die Völker verbindet, so muß auch an einer Gedächtnisfeier für ihn, den Wohlthäter der Gesamtheit, die gesamte Menschheit dankbaren Anteil nehmen. Gutenbergs Manen und seiner Kunst zu huldigen, rufen deshalb die Unterzeichneten, Angehörige der verschiedensten Nationen, die ganze gebildete Welt auf und laden zur allgemeinen Teilnahme an dem Fest ein, zu dessen würdiger Durchführung die altehrwürdige Rheinstadt sich rüstet. Der Plan der Feier im einzelnen wird noch bekannt gegeben werden; zur bleibenden Erinnerung ist als Ehrendenkmal für den großen Meister vor allem die Gründung eines Gutenberg-Museums in Aussicht genommen." Laubach, 25. Juli. Der erst vor wenigen Monaten gegründete „Oberhessische Musikbund", dem bereits neun Jnstrumental-Musikvereine der Provinz angehören, veranstaltete gestern und vorgestern in unserer Stadt sein erstes Verbandsfest. Dasselbe nahm unter vollzähliger Beteiligung der Bundesvereine und vieler Festgäste aus der Stadt und Umgegend einen sehr schönen Verlauf. Die Festrede hielt der Bundes-Präsident, Herr Molkereidirektor Schmidt von Echzell i. d. W., Bundes-Dirigent ist Herr Instrumentenmacher Schwager aus Nidda. Das nächstjährige Musikfest wird in Gettenau stattfinden. Mombach, 25. Juli. Der Schnellzug Köln-Mainz, der dort abends um 9 Uhr 46 Min. einttifft, erlitt gestern abend zwischen Budenheim und hier einen Maschinen- d ef ekt und blieb längerer Zeit auf offener Strecke liegen. Durch das Maschinenpersonal konnte der Defekt repariert werden, sodaß kein Maschinenwechsel notwendig wurde. Aus der Zett für die Zett. Vor 95 Jahren, am 28. Juli 1804, wurde zu Landshut der Philosoph Ludwig Andreas Feuerbach geboren. Sein Einfluß auf jüngere gleichstrebende Genossen war groß, seine Sprache klar, verständlich, oft hinreißend. Hauptwerke: „Die Gedichte der neueren Philosophie", „Das Wesen des Christentums", „Gott, Freiheit und Unsterblichkeit vom Standpunkt der Anthropologie". Feuerbach starb am 13. September 1873 zu Reichenberg bei Nürnberg.______ Vermischtes. * Zu dem Unglück in Charlottenburg. Das Befinden der durch den Blitz verletzten Personen ist be- friedigend und läßt Hoffnung auf baldige Genesung zu. Einem Schriftsetzer war die Uhrkette geschmolzen, die Taschenuhr aber unversehrt geblieben. Einem anderen Manne wurde ein Schlüssel in der Hand angeschmolzen und ihm dabei die Hand schwer verbrannt. Auch verschiedene Musikinstrumente hat der Blitz vernichtet. Einer der Verletzten erzählt: „Plötzlich schien uns die ganze Umgebung in bläulichsilberne blendende Helle gehüllt, sodaß wir unwillkürlich geblendet die Augen schließen mußten. Es war uns, als ob sich der Erdboden wellenförmig hob und senkte und wir selbst in der Luft schwebten. Es machte sich dabei ein ganz entsetzlicher Schwefelgeruch geltend, der uns fast den Atem benahm. Einige von ufis, die als schwer verletzt oder ohnmächtig von den Aerzten behandelt werden mußten, vermochten zuerst nicht einmal ihren Namen zu nennen, und einige sind auch heute noch nicht im vollen Besitz ihrer Geisteskräfte. Viele Wunden gleichen kleinen Verletzungen durch Kugeln oder Schrotkörnern. Sie liegen zwischen einem Gespinnst von blauen und braunen Streifen, die sich im Zickzack auf der Haut hinziehen." * In den ersten Tagen seines Aufenthalts in London erregte Zola nicht geringes Aufsehen in den Straßen, ohne daß hierdurch sein Jncognito aufgedeckt wurde. An diesem Aufsehen war vornehmlich die Art seiner Kleidung schuld. Er trug einen weißen Filzhut* einen hellgrauen Anzug und an seiner Hand Prangte ein auffallender Diamat- ring. Außerdem konnte er sich trotz der besonderen Umstände seines Londoner Exils nicht versagen, das rote Band der Ehrenlegion zu tragen. Neugierigen Leuten wurde er von seiner engern Umgebung als Musikdirektor vom Festlande vorgestellt, der nach England gekommen sei, um junge Talente für sein Unternehmen zu gewinnen. Man erwartet mit großer Spannung, wie Zola selbst seinen Aufenthalt in London, der ihm gewiß eine Menge von Anregungen gegeben haben muß, schriftstellerisch verwerten wird. Universttäts Nachrichten. — Berlin. Als Privatdozent an der theologischen Fakuttü« der hiesigen Universität hat sich Lio. theol. Dr. Karl Schmidt mit einer Probevorlesung über das apostolische Zeitalter in Traditton und Legende habilitiert. — Leipzig. Dr. phil. Ferd. Sommer auS Trier wurde vo der philosophischen Fakultät der hiesigen Univeisiiät die venia legendi für indogermanische Sprachwtsse. schast und keltische Philologie e> t u. — Würzburg. Geh. Rat Prof. Dr. v. Röntgen ve, äß> bereits zum kommenden Wintersemester unsere Universität, sodah rt, Vorlesungen über Physik im nächsten Semester wahischeinlich von einem Privaidozenten gehalten werden, wenn es nicht bis dahm bn Fakultät gelungen, die Professur neu zu besetzen. — München. Zum Rektor unserer Universität wurde bet Geistliche Rat Professor für Pädagogik, Apologetik und Dogmin geschtchie Dr. Jos-pb Bach gewäblt. Ktteratur, Wissenschaft und Kunst. — Pharmaceutisches Lexikon. Ein Hilfs- und Nachschlage buch für Apotheker, Acrzte, Chemiker und Naiurkenner. Von Dr. et Mag. pharm. Max v. Waldheim. Das Weik erscheint in 20 Lief r- ungen zu 50 Pfg., davon bisher fünf erschienen. Die Ausgabe er folgt in zehntägigen Zwischenräumen. (A. HartlebenL Verlag tn Wien.) Die bisher vorliegenden fünf Lieferungen des „Pharma ceuttschen Lexikons von Dr. Max v. Waldheim gestatten schon einen klaren Einblick in die Art und Weise, mit welcher der Autor seiner Aufgabe, dem Pharmaceuten wie auch dem diplomierten Apotheker, den Aerzten, Chemikern u. s. w. alles in das pharmaceutische Fach einschlagende Wissen leichtfaßlich und kurz zu vermitteln, gerecht zu werden bestrebt ist. Neben der Aufzählung und Behandlung alle, wichtig erscheinenden neuen und neuesten Pflanzendrogen und der neuen chemischen Präparate, sind den Arzneimitteln, die im Arznei bucke für das Deutsche Reich (Pharm. Germ. III.) wie in der Pharm. Austr. VII. als osfizinell angeführt sind, ausführliche Besprechung.» gewidmet, die sich vornehmlich auf die richtige und vorteilhafte Da> stellung, auf die Klarlegung ihrer hervorstechenden Eigenschaften untr endlich auf die Feststellung ihrer Jdentilät und Reinheit beziehe... Da so viele der in Apotheke und Labo atorium verwendeten Ariik.l nicht mehr im Laboratorium selbst, sondern in chemischen Fabriken und im Großen dargestellt werden, ist es für den gewissenhaften Apotheke,, der für alle tn feiner Ofsizin abgegebenen Präparate volle Veranl wortung trägt, eine brr Hauptaufgaben geworben, sich ber Identität und gewünschten Reinheit aller Arzneimittel aus unanfechtbare Weis- zu versichern. Dieser Forderung ist nach dem oben ausgeführten im „Pharmaceuttschen Lexikon" tn weitgehendem Maße Rechnung ge tragen worden. Außer den in Arzneibüchern angegebenen Unter suchungSmethoden sind bet vielen offizinellen und auch nichtossiztni llen Präparaten wie kräftig wirkenden Alkaloiden, Glykosiden rc., Bei Weisungen aus bie für ben betrcffenben Körper wichtigen Proben unb Reaktionen aufgenormmn, welch letztere unter den Namen de« Autoren nachgelefen werben können. Die kurz gehaltenen Angaben über die Wirkungsweise unb ben mebtztntschen Gebrauch der Prä parate bet bestimmten Erkrankungen, sowie auch, rotnn nötig, die Anführung aller Fälle, tn welchen die Darreichung eines Mittels kontrainbiziert ist, bietet bem Pharmaceuten wie bem Arzte einen willkommenen Behelf bei allen so häufig herantretenden Fragen, bte mit ber Pharmacte tn irgend einem Zusammenhänge stehen. — Ein hochinteressantes Werk erscheint demnächst im Verlage von Rosenbaum & Hart in Berlin unter dem Titel: „Badische Landtagsgeschichte", 1. Teil: „Der Anfang des landständtschen Lebens tm Jahre 1819", von Professor Leonhard Müller, Karlsruhe In scharfen Umrissen und großen Zügen entwickelt der Verfasser b-- ganze Vorgeschichte des modernen badischen Staates vom Anfänge des Jahrhunderts bis zum Jahre 1818, um darauf zunächst im vorliegenden Bande „den Anfang des landfiändischen Lebens im Jahre 1819" aufzubauen. In 4 bis 5 Bänden von gleichem Um: fange — ca. 15 Bogen Lexikon Oktav in vornehmer Ausstattung mit Bildern — soll .das Werk bis zu dem Punkte geführt werden, wo das gegenwärtig lebende Geschlecht mit seiner Arbeit etns.tzt. DaS staatliche Leben in allen seinen Beziehungen zieht an und vo, über: Reichsverfassung, Landesverfassung, Rechtspflege, Verwaltung, Kirche, Schule, Presse, Handel, Staatshaushalt, soziale Fragm, Bauern, Bürger, Warnte, Adel u. s. w. Alle Akkorde, welche unser modernes deutsches Leben bewegen, werden auf diesem ersten badischer Landtage angeschlagen, und Alldeutschland schaut diesem groß r Vorspiele mit immer wachsendem Interesse zu. An der Spitze und im Mittelpunkte des Ganzen steht der Freiherr Ludwig von Lteben- stetn. Hand tn Hand mit dem weltbekannten Historiker Karl von Rotteck fordert er das kleine regierende Geschlecht in die Schranken. Zum erstenmale wird diesem Manne, dem größten Sohne der Badenia, einem der größten Söhne der Germania, das verdiente Denkmal gesetzt. Was bisher über den badischen Landtag veröffentlicht wurde, ist über die notdürftigsten Notizen von hofhistoriograph- ischem Standpunkte nicht htnauSgcdiehen. Niemand hat bis zur Stunde auch nur den Versuch gemacht, die gestellte Aufgabe, wie st- eS heute nach gerade 80 Jahren wohl verdient, tn größerem Sitte und von einem freieren Standpunkte aus zu lösen. Da die Rolle, welche der badische Landtag vor 1848 gespielt hat, in mehr als einer Beziehung vorbildlich für ganz Deutschland gewesen ist, dürste das vorliegende Werk ein allgemeines Interesse beanspruchen und nicht nur Parlamentariern, Politikern und Gelehrten, sondern Gebildeten jeden Standes und aller deutschen Gaue empfohlen werden. ES starben en: Zusammen vom 1 Wöchentliche Übersicht der Todesfälle in Gießen. 29. Woche. Vom 16. Juli bis 22. Juli 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (tncL 1600 Mann Militär). Sterblichkettsztffer: 25,47, nach Abzug der Ortsfremden 8,48%o. Kinder : Erwachsene: tm 1 — 2 — Anm. Die tn Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: Lungenschwindsucht 2 (2) 2 (2) Knochentuberkulose 1 (1) 1 (1) Gebt^nhauttuberkulose 1 — Herzfehler 1 (1) 1 (1) Nierenentzündung 1 (1) 1 (1) Bösart. Neubildungen 4 (3) 4 (3) Altersschwäche 1 1 Unbekannte Krankb. 1 — Summa: 12 (8) 10 (8) Schisssnachrichten Der Postdampfer „Southwark" der „Red Star ßine* in Antwerpen ist laut Telegramm am 25. Juli wohlbehalten tn Nerr- Aork angekommen Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 27. Juli, zwischen 11 u. 12 Uhr mittags Wasser 17°, Luft 16°. Rübsamen'sche Badeanstalt. Verkehr, Kand und Volkswirtschaft. VUNftotif 26 Juli. Frachtmarkt Roter Wy X 13,50, weißer Weizen u* 13 30, Korn •* 11.17. Berste X 0 00, 0«!n Provinz Oderh hier MW noch -ausgezM werden, 1. Gedern 2. Schotten 3. Homberg 4. Nidda 5. Laubach 6. Wenings 7. Aii-nheim 8. Grüningen 9. Mendorf 10. Kirtorf 11, Ortenberg Bon sieben 0: tov, In Gederr StMroMrnM gab es Tn^ckr Gerbereien, in Lederfabriken; ii mit Gradierwerk Bibliothek des ( hatte die Gesamt solmsischen Lände Hessen Landeshei zeug- und Strur Hauserzahlen an entsteht folgende riet in *01 Mische ß aus dem He! «... ItodM W* JWerfiDÜrbtg, ^nldpartie nach S £fut dies!! * Ionier tta A d-r M ft m' ^vahin. <. Es war nur w. °d ft 8,1,111,1 tonne. 6-%*- tofoff U ^bevkt '-'M "d Jj* ful 100.1b 90.10 97.35 000.00 101.50 zu 15, 30 und 50 Pfennigen. ©taubbe'it*1 4499 5574 ausgeführt von der Entree 50 Pfg. Anfang ‘/28 Uhr. Der Vorstand. 5569 5591 Stahl. Der Vorstand. 5472 mir Der Vorstand. 5586 5580 1. September gesucht. 5577 Georg Krafft, Wetzlar. Der Vorstand. 5583 kaufen. Brandplatz 7. Vereinszimmer 5588 Telephon 46 Markt 21 Bahnhofstraße59. Telephon 66. 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