Nr. 24 Zweites Blatt Samstag den 28. Januar 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Zlnzeigebltttt für den Urei« Giefzen Bki Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich Nnnahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Erscheint täglich mit Ausnahme dcS Montags. Alle Anzeigen.Bermittlungsstellen deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eingrger». Die Gießener Isamirienblätter «erden dem Anzeiger wöchentlich viermal deigelrgt. Nczugspr^s thcnci jährlich 2 Ma. > 20 'i'iq. monallich 75 P'g. mit Bringerlohn. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchntstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische UolKsImnde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Ziehen. Fernsprecher Nr. je: 0295 Amtliche^Wl. Bekanntmachung. Im Stalle des Händlers Kal mann Abraham zu Kröffelbach, Kreis Wetzlar, ist an einem Ochsen die Maul- und Klauenseuche festgestellt und dessen Hof polizeilich gesperrt worden. Gießen, den 25. Januar 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Boeckmann. Gießen, 25. Januar 1899. Netr.: Die planmäßige Einziehung nicht mehr umlaufsfähiger Zehn- und Fünfpfennigstücke. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Rechner der Gemeinde-, Kirchen- und Krankenkassen des Kreises. Es ist beobachtet worden, daß sich eine ständig wachsende Anzahl von Zehn- und Fünfpfennigstücken im Umlauf be- stndet, deren Gewicht und Erkennbarkeit infolge längeren Gebrauchs erheblich abgenommen hat. Im Interesse der Aufrechterhaltung eines geordneten Münzwesens erscheint die Einziehung solcher Stücke geboten. Gemäß einer Anordnung des Reichskanzlers weisen wir Sie daher an, die bei Ihnen eingehenden oder sich bereits im Kassenbestande befindenden Münzsorten der genannten Art, soweit sie in der bezeichneten Weise abgenützt sind, anzuhalten und an die der Großh. Hauptstaatskasse unterstellten Kassen ein« zuscnden. I V.: Boeckmann. unbestimmter Artikel ist, dahin auszulegen, daß alle Ziegeleien, in denen außer dem Ofen noch irgend eine ständige Betriebsanlage vorhanden ist, nicht als unter die Bestimmung zu II, Ziffer 2 fallend anzusehen sind. Die Bestimmungen der vorstehenden Bekanntmachung wollen Sie, soweit sich in Ihren Gemeinden Ziegeleien befinden, ortsüblich bekannt machen lasten und den Ziegeleibesitzern noch besonders zur Kenntnis bringen. I. V.: Boeckmann. Krieg zwischen beiden Ländern, und Napoleon säumte nicht, mit England ein Bündnis zum Schutze der Türkei einzugehen. Am 27. März 1854 erfolgte die Kriegserklärung an Rußland; Franzosen und Engländer landeten in der Krim, und eroberten, nachdem auch Sardinien dem Bunde beigetreten war, am 11. September 1855 die starke Festung Sewastopol. So war der „Krimkrieg" für Rußland verloren. Zar Nikolaus erlag dem Groll über den Sieg seiner Feinde, und Napoleon, welcher die Bedingungen des Pariser Friedens diktierte, spielte von da ab in der europäischen Politik die erste Rolle. Der Friede brachte nicht nur die Gleichberechtigung der Christen in der Türkei, sondern schuf auch das gemeinschaftliche Protektorat der Großmächte über die Donaufürstentümer, und befreite letztere von der russischen Schutz - Herrschaft, worauf sie sich 1858 zu dem Staate Rumänien vereinigten, der aber erst am 21. Mai 1877 seine volle Unabhängigkeit von der Türkei erklärte. 1881 verwandelte sich das Fürstentum in ein Königreich Rumänien; zum Regenten des Landes war bereits 1866 Prinz Karl von Hohenzollern-Sigmaringen gewählt worden. Rumänien war die erste Frucht des von Napoleon zur Anerkennung gebrachten Nationalitätsprinzips, die zweite sollte Italien sein. Offen verkündete Napoleon als Ziel seiner Politik die Befreiung der unterdrückten Völker, und schloß, vielleicht indirekt durch die von italienischen Fanatikern gegen ihn gerichteten Attentate bestimmt, mit Sardinien ein Bündnis. Nachdem Napoleon 1859 beim Neujahrsempfange die Beziehungen zwischen Oesterreich und Frankreich „nicht mehr so gut als früher" hingestellt, und Viktor Emanuel, der König von Sardinien, erklärt hatte, er müsse auf den Schmerzensschrei Italiens hören, verlangte Oesterreich die Abrüstung Sardiniens. Sardinien verweigerte diese, worauf Ende April 1859 der Krieg begann. Die Oesterreicher erlitten bei Montebello, Palestro, Magenta und Solferino schwere Niederlagen durch Franzosen und Sardinier; vergeblich riefen sie die Hilfe des Deutschland und der neue Bundesgenosse im Wettbewerb. (Schluß aus voriger Nummer.) Zahlen beweisen allerdings, daß wir Deutschen den Engländern in gewissen Dingen vorausgeeilt sind, dagegen lasten andere Zahlen erkennen, wo der deutsche Wettbewerb sich neben Englands Größe noch zwerghaft ausnimmt. Was die Entwicklung des internationalen Transportgeschäfts zu See angeht, so scheint ein langsames Zurückweichen des englischen Anteils vorzuliegen. Die Verfrachtung über einige festländische Häfen, so über Hamburg, über Antwerpen, nimmt verhältnismäßig zu, während der Verkehr über London, Liverpool und Plymouth verhältnismäßig langsamer wächst, als durchschnittlich im verflossenen Jahrzehnt der Fall war. Welches Uebergewicht der Seeverkehr bezw. dessen Möglichkeit für die Entwicklung der Handelsbilanz besitzt, leuchtet ein. So hat Deutschland (das am Suezkanalverkehr nächst England meistbeteiligt ist) nach Rumänien, welches zur See erreicht wird, einen Umsatz von nahezu hundert Millionen Mark, während für das ähnlich geartete Serbien, das nur auf dem Landwege zugänglich ist, nur fünf Millionen Mark in Rechnung kommen. Im Oktober 1897 hat der Gesamtgüterverkehr des Hamburger Hafens den Umschlag von Liverpool zum erstenmal um ein Ansehnliches übertroffen. Mit der Verschiebung des Frachtgeschäftes steht die Abnahme, welche sich bei einer Reihe von Artikeln in der Ausfuhr findet, in engem Zusammenhang; aber deshalb braucht sich der Absatz von Waren wirklich englischer Herkunft nicht verringert zu haben, denn bisher ging ein beträchtlicher Teil der festländischen Ausfuhr über den Londoner Markt und erschien in der Fremde als englisches Erzeugnis. Nach dem Blaubuche, welches anläßlich des 60jährigen Jubiläums der Königin veröffentlicht wurde und die Berichte der Gouverneure aller Kolonieen brachte, wäre Eng- I deutschen Bundes an. Preußen erachtete es nicht mit den Pflichten desselben für vereinbar, für Oesterreichs aus- I wärtige Interessen einzutreten, und erklärte sich nur unter der Bedingung für die Bereithaltung der Bundestruppen einverstanden, wenn ihm der Oberbefehl über sämtliche Bundestruppen übertragen werde. Die österreichische Regierung lehnte die Forderung Preußens ab und opferte lieber im Frieden von Zürich (10. November 1859) die Lombardei an Italien, als daß sie von ihren vermeintlichen Rechten um ein Haar breit gewichen wäre. Italien war zunächst enttäuscht, denn seine Einheit war noch nicht hergestellt, obwohl Napoleon für seinen Beistand bereits Nizza und Savoyen in die Tasche gesteckt hatte. Doch ließ sich der einmal entfesselte Nationalgeist nicht aufhalten. Modena, Parma und Toskana erklärten ihren Anschluß an Sardinien, das Königreich Neapel- Sizilien eroberte der Patriot Garibaldi mit seinen Freiwilligen im Sturme, und König Viktor Emanuel wurde von dem am 18. Februar 1861 zu Turin eröffneten ersten italienischen Parlament zum König von Italien erhoben. Noch fehlten Venetien und der Kirchenstaat, welch letzterer von Napoleon geschützt wurde, dessen Soldaten bei Montana den gegen Rom vorrückenden Garibaldianern eine schwere Niederlage beibrachten. Um Venetien zu bekommen, ging Italien ein Bündnis mit Preußen ein, in dessen Erfüllung es 1866 zu den Waffen griff, aber von Oesterreich sowohl zu Lande als zu Wasser (Seeschlacht bei Lissa) geschlagen wurde. Trotzdem erhielt es beim Friedensschluß Venetien, das Oesterreich an Napoleon auslieferte, um seine Friedens- Vermittelung zu erlangen. Um in den Besitz von Rom zu kommen, ersah sich nun das neu geeinigte Reich die Gelegenheit des Krieges zwischen Deutschland nnd Frankreich (1870/71), wo Napoleons Fall ihm den Weg in die natürliche Hauptstadt Italiens öffnete. Am 31. Dezember 1870 hielt Viktor Emanuel in der alten Cäsarenstadt seinen feierlichen Einzug. (Fortsetzung folgt.) Gießen, den 25. Januar 1899. Betr.: Erhebungen über die im Großherzogtum domizilierten Blinden im schulpflichtigen Alter. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Lokalschulvorstäude des Kreises. seitens der Großh. Direktion der Blindenanstalt darauf hingewiesen worden, daß fortwährend eine grofje Anzahl blinder Kinder im Großherzogtum sich be- fndet, die nicht in die Blindenanstalt ausgenommen sind. Behufs Ermittelung derselben wollen Sie binnen 14 Tagen an uns berichten, wieviel blinde oder halbblinde Kinder im schulpflichtigen Alter sich in Ihren Gemeinden befinden, und zwar unter Angabe von Namen, Alter, Grad der Blindheit und den sonstigen Verhältnisten. In Zukunft wollen Sie Ihren alljährlich am Ende des Jahres zu erstattenden Bericht über die taubstummen Kinder auch auf die blinden und halbblinden Kinder im schulpflichtigen Alter erstrecken. I. V.: Boeckmann. Gießen, den 19. Januar 1899. Betr.: Die Beschäftigung der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter in Ziegeleien. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien der Laudgemeiudeu desKreises. Die Bekanntmachung des Reichskanzlers über die Beschäftigung von Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeitern in Ziegeleien vom 18. Oktober 1898 (s. Bekanntmachung vom 10. Dez. 1898 im Anzeiger Nr. 292 vom 13. Dez. 1898) bestimmt unter pos. II, Z. 2, daß in Ziegeleien, welche ohne ständige Anlagen betrieben werden (Feldbrände) oder in welchen als ständige Anlage nur ein Ofen vorhanden ist, Arbeiterinnen und jugendliche Arbeiter abweichend von den Vorschriften im § 135, Abs. 3 und § 137, Abs. 2 der Gewerbeordnung, an allen Werktagen, mit Ausnahme des Samstags und der Vorabende der Festtage, zwölf Stunden mit mindestens je i/,stündiger Vor- und Nachmittagspause und einstündiger Mittagspause beschäftigt werden dürfen. Diese Abweichungen von den Vorschriften der Gewerbeordnung waren ursprünglich nur für die Feldbrandziegeleien, d. i. für die ursprünglichsten und technisch unvollkommensten Unternehmurgen in Aussicht genommen. Diese Vergünstigung allen Handziegeleien einzuräumen, ist nicht für zulässig erachtet worden, weil der Umstand, daß in einer Ziegelei nur Handformerei vorkomme, keinen sicheren Anhalt dafür bietet, daß das Unternehmen den Feldbränden gleich zu erachten sei. Dagegen wurde angenommen, daß Ziegeleien, in denen außer den Umfassungsmauern des Ofens ständige Betriebseinrichtungen nicht vorhanden seien, sich von den eigentlichen Feldbränden so wenig unterschieden, daß ihnen die diesen zugestandenen Erleichterungen nicht wohl vorenthalten werden könnten. Dementsprechend ist der Satz: „in welchen als ständige Anlagen nur ein Ofen vorhanden ist", in dem das Wort „ein" nicht Zahlwort, sondern Feuilleton. Das 19. Jahrhundert. Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herauSgegeben von Friedrich Thieme. (Nachdruck oder Auszug verboten.) III. Der Gang der Weltgeschichte im IS. Jahrhundert. 2. Theil. Die Jahre 1851 bis 1898. . . vom 2. Dezember 1851 erhob den xet stnnzösischcn Republik zum Diktator f der sich bereits am r Dezember 1852 IN einen „erblichen Kaiser" verwandelte, »rkünde/ ^tlc das Prinzip der Volkssouveränetät rtot '.r r^, fe Beiseite (Volksabstimmungen) Irsch'- » fast unumschränkt, und drückt- lange Zeit den scha»enhaften Institution herab. 1859 • F’ebe"' s>°"° Napoleon III. am ■“* ? Bordeaux gesagt, — sehr bald aber w «Sn ff£ns Ä' b,aB d--s Kaiserreich der Krieg ? doltzei und Sabel, sowie die Köder, welche der ar„bc,te"ben B°lk° in Gestalt von Verdienst- f • “JJ” rrr‘ ^Tatf' schienen ihm nicht hin- bÄis »^befestigen. Nachdem er sich nut »it Gräfin Eugeme von Monti,o vermählt (die ihm 1856 ?" gewünschten Thronerben schenkte), suchte er nach Ge- Wnheiten, den Franzosen, sowie dem Auslande zu zeigen, «ch die Napoleomden die alt- Frankreichs wieder- S?. V!nfJani>c se'en- Die orientalisch- Frage bot den ÄH. Kn-ser Nikolaus von Rußland hatte, sich M Schutzherrn der Christenheit in Palästina und der der letzteren in brüsker Form For- HJ? weitgehender Art unterbreiten lassen, welche man 8 onstantmopel abgelehnt hatte. Die Folge war der lrndS Außenhandel nach den Kolonieen allerdings in relativem Zurückweichen begriffen. Deutschland und Amerika erscheinen als die hauptsächlichsten Gegner; Belgien tritt wohl nur darum in den Vordergrund, weil ein Teil der deutschen Ausfuhr über Antwerpen geht Der Angriff Deutschlands erscheint als der umfassendste, weil er sich auf eine auffällig große Zahl von Artikeln verteilt bezw. ausdehnt, und er ist auch der intensivste. Aber der Nachteil, den England auf dem ostasiatischen Markt erleidet, ist keineswegs allein dem Vordringen Deutschlands zuzuschreiben. Andere Völker nehmen teil am Raube an „Old England". Der englische Anteil am indischen Handel ist ebenfalls geringer geworden, und hier ist es Belgien, dessen Eisen- einfuhr in Indien sehr gewachsen ist und in Stahl bereits die englische übertrifft, wie denn die Eisenerzeugung in England überhaupt zurückgegangen ist. In anderen Artikeln rührt der Rückgang der englischen Einfuhr in Indien daher, daß Indien selbst eine bedeutende Industrie entwickelt hat. So ist Kalkutta das Centrum der gesamten Jutefabrikation, und an selbstfabrizierten Garnen und Baumwollenwaren hat Indien schon 1895 für sieben Millionen Rupien nach Ost- asien ausgesührt. Die empfindlichste Schlappe hat England in der chemischen Industrie erlitten. Früher war London der Weltmarkt für Rohdroguen. Heute ist die deutsche Industrie unbestritten die erste der Welt und stellt u. a. in Farben neun Zehntel des Bedarfs der ganzen Erde her. In Eisen, Stahl, Schiffen, Kurzwaren, Spielwaren, Webstoffen, Chemikalien und Maschinen ist England gewichen. Die Gesamtausfuhr der britischen Erzeugnisse hatte nach der amtlichen Statistik im Jahre 1872 einen Wert von 256 Millionen Pfund Sterling, im Jahre 1895 aber nur noch einen Wert von 226 Millionen Pfund Sterling, obwohl die Bevölkerung in diesem Zeiträume von 31*/s Millionen auf 39 Millionen gestiegen ist. Bei der Beurteilung dieser Zahlen ist aber der Sturz der Warenpreise in den letzten 25 Jahren in Rechnung zu stellen. Im Vergleiche zur englischen Ausfuhr ist die deutsche klein, und nur 20 Prozent derselben gehen nach Ländern des englischen Herrschaftsgebietes. Auch dürfen wir nicht vergessen, daß es noch einen anderen Maßstab für die wirtschaftliche Lage eines Landes giebt, als die Zahlen für Einfuhr und Ausfuhr, und daß namentlich in England Quellen des Reichtumes fließen wie in keinem anderen Lande. Dahin rechnet das englische Frachtgeschäft, dessen jährlicher Ertrag auf P/2 Milliarden Mark geschätzt wird, sowie die Verzinsung des englischen Kapitals, welches im Auslande arbeitet und dessen Zinsen sich auf zwei Milliarden Mark jährlich belaufen mögen. Diese beiden Erträgnisse wiegen beinahe den Wert der ganzen deutschen Ausfuhr auf. England führt Reichtümer und Kapitalien in die ganze Welt hinaus, als Bergwerksmaschinen nach Südafrika, als Stahlschienen nach Indien, als Steinkohle nach Südamerika, und die Zinsen kommen zurück als amerikanischer Weizen, als argentinisches Ochsenfleisch, als australische Wolle, als indischer Thee und als Diamanten vom Kapland. Dazu kommt noch der reiche Ertrag aus dem gewaltigen Transitgeschäft, welches die Installierung des Weltmarktes in England abwerfen muß, ein Ertrag, der auf mindestens 1200 Millionen Mark veranschlagt wird. Die englische Staatsschuld beträgt kaum noch 650 Millionen Pfund, und in den letzten 25 Jahren verzeichnete England einen Ueberschuß an Gold- und Silbereinfuhr in Höhe von 777 Millionen Pfund Sterling. Von einem Rückgang Englands kann also nicht die Rede sein. Vielmehr bekundet das gesamte Zahlenmaterial, daß das englische Reich bis auf den heutigen Tag gewaltige Fortschritte macht, denen gegenüber die Einbuße auf dem Gebiete der Einfuhr und Ausfuhr wenig bedeutet. * * * Obwohl es nicht Deutschland allein ist, welches England Abbruch thut, richtet sich der englische Zorn doch vorwiegend gegen uns. Der englische Handel und die englische Industrie empfinden die von Deutschland ausgehende Kraft und fürchten die Nachhaltigkeit dieser Leistung sowie die ihr eigentümliche frische Energie und vorzügliche Qualität. In der That sind die Anläufe, welche die deutsche Entwickelung genommen hat, so gewaltig, daß sie die Aufmerksamkeit aller Völker notwendig hat auf sich ziehen müssen. Die deutsche Ausfuhr ist überall vorgedrungen, in den Vereinigten Staaten, in Aegypten, in Kapland, im Burenland, in Brasilien, Argentinien, Chile, Japan, China, gleichwie in Italien, Oesterreich, Rußland und in der Schweiz, und hat sich seit der Errichtung des Deutschen Reichs um 1170 Millionen Mark vermehrt, während die sranzösische sich seitdem um rund 400 Millionen vermindert hat. Deutschland hat also Frankreich um anderthalb Milli- «rden überholt. Der gesamte Außenhandel des Jahres 1895 betrug für England 16222 Millionen Mark, für Deutschland 9051 Mill. Mark, für die Vereinigten Staaten von Nordamerika 7697 Mill. Mark, für Frankreich 7093 Mill. Mark. Frankreich leidet also durch die deutsche Handelsbewegung mehr als England, und es ist Humbug, wenn die Engländer sagen, daß diese gegen England gerichtet sei und England gefährde. Die englische Handelsbilanz steht gerade mit Deutschland so günstig wie mit keinem anderen Lande. Waren für je eine halbe Milliarde gehen jährlich hin und her, und in den letzten Jahren hat sich die englische Ausfuhr nach Deutschland sogar um 15 Prozent gehoben, während die deutsche nach England stabil blieb. Aber das von Neid und Unersättlichkeit beherrschte englische Volk glaubt nun einmal seine Handelsherrschaft von Deutschland bedroht, und wie die Geschichte lehrt, hat das englische Volk früher als jedes andere gelernt, seiner Regierung seinen Willen aufzudrängen, d. h. eine Politik, welche seinen Wünschen förderlich erschien. Die Kriege Englands sind immer Handelskriege gewesen. Warum sollte England gegen Deutschland anders verfahren als ehedem gegen Spanien, Portugal, Holland, Frankreich, Däncmarck? Nirgend steht den Hemmnissen, die man von London aus auf den Weg der Entwickelung Deutschlands gerollt hat, auch nur das leiseste Zeichen selbstloser Teilnahme oder gar thatkräftiger Hilfe gegenüber. Niemals aber ist England gefährlicher denn als Bundesgenosse. Die englische Bundesgenossenschaft hat Holland ruiniert, denn sie hielt Holland von der Erneuerung und Verstärkung seiner Flotte ab und verwickelte es in verderbliche Kriege mit Frankreich. Das war es, was England gewollt hatte. Im Kriege hatte es nicht viel gegen Holland ausgerichtet, darum nahte es ihm voll Arglist als Bundesgenosse und richtete so den verhaßten Konkurrenten zu Grunde. Das mögen wir uns als Warnung dienen lassen gerade jetzt, wo England seine wahre Gesinnung unter der Maske des Liebewerbens verbirgt. Rhein. Wests. Ztg. Deutsches Reich. Darmstadt, 26. Januar. Der Großherzog stellte als Protektor des Ludwigsstifts für Hinterbliebene Töchter hessischer Offiziere einen Bauplatz auf der Mathildenhöhe zur Verfügung. Berlin, 26. Januar. Der Kaiser begab sich heute vormittag nach dem Auswärtigen Amt und empfing um elf Uhr auf dem Bahnhof den Großherzog von Baden. Gegen 1 Uhr empfing der Kaiser im königlichen Schloß den König von Sachsen. Um P/< Uhr fand beim Kaiserpaar Frühstück statt, an welchem u. A. der König von Sachsen, der Großherzog und die Großherzogin von Baden, sowie der Erb- großherzog und die Erbgroßherzogin von Baden teilnahmen. Berli«, 26. Januar. In der heutigen Sitzung des Bundesrats ist die Novelle zum Postgesetz nach den Vorschlägen des Ausschusses angenommen worden. Dieselbe soll morgen dem Reichstage zugehen. Berlin, 26. Januar. Nach einer Drahtmeldung des Hamburgischen Korrespondent aus Altenburg erregt der Zustand des Herzogs von Sachsen-Altenburg Besorgnis. Der Herzog steht im 73. Lebensjahre. Berlin, 26. Januar. Landwirtschaftsminister v. Hammerstein ist an der Gesichtsrose erkrankt und muß das Zimmer hüten. Berlin, 26. Januar. Aus zuverlässiger Kopenhagener Quelle wird dem „Lokal-Anzeiger" mitgeteilt, daß die Friedens-Konserenz trotz des Wunsches des Zaren nicht in Kopenhagen, sondern in Brüssel abgehalten werden wird. Berlin, 26. Januar. Die sozialistische Reichstags-Fraktion hat in ihrer gestrigen Fraktions-Sitzung den Abgeordneten Schönlank als Redner für den Entwurf zum Baukgesetz, den Abgeordneten Molkenbuhr als Redner für den Entwurf zum Jnvaliditäts - Versicherungsgesetz bestimmt und auf Wunsch des Abgeordneten Schmidt- Magdeburg beschlossen, einen Antrag einzubringen, der Reichstag möge die Genehmigung zur Strafverfolgung des Abgeordneten Schmidt wegen angeblicher Majestätsbeleidigung erteilen. Ausland. Wien, 26. Januar. In einer hiesigen Benzin-Fabrik erfolgte gestern eine Explosion, bei welcher ein Arbeiter durch Zertrümmerung des Schädels sofort getötet, zwei andere durch die Gase erstickt wurden. Ein Lehrling erhielt am ganzen Körper lebensgefährliche Brandwunden. Zwei Arbeiter wurden leichter verletzt. Die Leichen sind so stark verbrannt und derartig verstümmelt, daß sie kaum zu rekognoszieren sind.' Unter der Bevölkerung herrscht große Aufregung, daß in einem dicht bevölkerten Stadtteil mit so gefährlichen Explosivstoffen gearbeitet wird. Brüssel, 26. Januar. Das neue Kabinet, welches bereits das vlämische Kabinet genannt wird, weil von den 7 Ministern 5 Vlämen sind, wird von der gesamten Presse ungünstig beurteilt. In gut unterrichteten Kreisen heißt es, daß das^uni-nominale Wahlrecht bereits infolge der heftigen Kritik, mit welcher es in der katholisch-liberalen Presse bekämpft wird, als unausführbar verworfen werden müsse. Jedenfalls wird dieses Wahlrecht nicht nur zu einem heftigen Parteikampf im katholischen Lager führen, sondern es wird auch an dem Tage, an welchem es von der Regierung der Kammer unterbreitet wird, Veranlassung sein, daß das Kammer-Präsidium zurücktritt. Brüffel, 26. Januar. Die gestern aus dem Kongo hier eingetroffene Post bestätigt die vor einiger Zeit veröffentlichte Meldung über die Niederlage belgischer Truppen am oberen Kongo. Die Belgier wurden nachts beim dichten Nebel von Meuterern überrascht und in die Flucht geschlagen. Die Rebellen besetzten alsdann Calambarre und schlugen dort ihr Hauptquartier auf. Der belgische Kommandant, Baron Dhanis, ist mit 800 Mann auf dem Wege, um die Aufständischen zu züchtigen. Die vor kurzem verbreiteten Meldungen über weitere Kämpfe, welche neuerdings statl- gefunden haben sollen, sind unrichtig. Loudon, 26. Januar. Die englischen Blätter besprechen die Note Murawiews und finden, daß die meisten darin enthaltenen Vorschläge nicht ausführbar seien. — Verstärkung der Flotten st ämme. In England beabsichtigt man, die aktiven Stämme der Flottenoffiziere um 2 Admirale, 2 Vize-Admirale, 8 Kontre-Admirale, 65 Kapitäne zur See, 85 Fregatten-Kapitäne und 616 Leutnants zur See zu vermehren. Diese beträchtliche Verstärkung, die mit dem jüngsten Flotten-Erweiterungs-Pro- gramm im Zusammenhang steht, soll auf mehrere Rechnungsjahre verteilt werden. In der Folge würde das englische See-Offizierskorps sich zusammensetzen aus 3 Flolten- Admiralen, 42 Admiralen, 22 Vize-Admiralen, 43 Kontre- Admiralen, 245 Kapitänen zur See, 340 Fregattenkapitänen, 1550 Leutnants zur See. Saloniki, 26. Januar. Der in Upek stattfindenden Versammlung aller albanesischen muhamedanischen Führer wird in christlichen Kreisen mit großer Besorgnis entgegen- gesehen Man befürchtet, daß Beschlüsse zum Nachteil der christlichen Bevölkerung Albaniens gefaßt werden, und daß es zu neuen Massakres kommen werde. Amerika. In den amerikanischen Blättern ist die Samoafrage fast ganz in den Hintergrund getreten, und man wendet nunmehr die ganze Aufmerksamkeit wieder den Vorgängen auf den Philippinen zu, die keineswegs nach dem Geschmack der Politiker in Washington sind. Laut Berichten aus Dem Innern des Landes wird die Autorität Aguinaldos allgemein anerkannt. Man schätzt die I Zahl der unter Waffen stehenden Mannschaften der Filipinos auf 30,000, mit etwa 50 Maximgeschützen. Die militärischen Führer in Malolos sind überzeugt, daß die Amerikaner nicht imstande seien, außerhalb Manilas in wirksamer Weise zu operieren. Die Filipinos in Caloocan (?) und Gegalaujin (?), durch Salutschüsse, die zwischen deutschen und britischen Kriegsschiffen ausgetauscht wurden, irregeführt, I rückten am 18. Januar in Schlachtordnung und in einer Stärke von 3000 Mann aus, griffen aber die amerikanischen Linien nicht an. Der Umstand, daß die amerikanischen Behörden eine Anzahl von kleinen Dampfschiffen in Hongkong für den Verkehr auf den Flüssen angekauft haben, erweckt bei den Filipinos neuen Verdacht. Diese glauben, daß der von Mac Kinley eingesetzte Ueberwachungsausschuß | lediglich ein Vorwand sei, um Zeit zu gewinnen. Dem I möchten sie nun anscheinend vorbeugen. Die dem Washing- I tonet Kriegsdepartement aus Manila zugegangenen Nach- I richten sind denn auch durchaus nicht beruhigend. General Otis meldet nämlich, er nehme an, daß die Aufständischen im Begriff seien, eine Entscheidung zu erzwingen. Wenn dies der Fall sei, könne das schließliche Ergebnis nicht vorausgesehen werden. Als der gefährliche Punkt gelte übrigens Manila, nicht Jlo-Jlo, wie man bisher meistens annahm. — Was die Verhandlungen zwischen der Regierung der Vereinigten Staaten und den Aufständischen betrifft, I so hat der Sekretär Agoncillos, des Vertreters der Filipinos in Washington, am Dienstag im Staatsdepartement eine Mitteilung übergeben, von welcher man dort annimmt, daß sie einen wichtigen Abschnitt in der Entwickelung der Philippinenfrage bedeutet. Ueber ihren Inhalt schweigt das Kabel bisher allerdings noch. ßeller bcrger M M' ’ ; btöil* fit Oberh Die 6 *» fuM1 russchuß HroßheWÜchr tzesktzcMtmrse: Mrs vom d U bet* t -». bit hMdrft ißymtiiten B ssltzte am 25. i jort, nachdem t ■Miifitbung der AroWogliche »eseygebun! tnlTOur^ des MH, in Gern Negierung. M 26 Stadt Snßöach iS mafotb inben. jltStSwerl fü: fine Besichtigung tztadtvorstand Hai toty rinn balbi * W\, zum! Stadtwalde ähnl beträchtlichen Tei ltte ei” Males und Provinzielles. Gießen, den 26. Januar 1899. kchaft teilweise < n. MW dieselbe Höhe r ** Die Verbaudsausstellung für Vogelberger Rindvieh, welche am 16. und 17. Juli v. I. in Gießen stattfand, hatte rechnerisch folgendes Ergebnis: Einnahme: x 4 1. Verkauf der Eintrittskarten (1. Tag 2249,10 Mk., zweiter Tag 3370,44 Mk. . . . 5 619 öl 2. Ertrag der veranstalteten Lotterie (laut besonderer Abrechnung) 5 601 84 3. Abgaben von den Wirtschaften (Weinwirtschaft 250 Mk., Bichler-Bier 433,68 Mk., Aktien- Bier 334,67 Mk.) 1 018 35 4. Abgaben von Verkaufsständen, Schaubuden rc. 372 20 5. Erlös von Baumaterialien, Futter, Dünger und sonstigen Gerätschaften (Holz 466,68 Mk., Futter und Dünger 163,06 Mk., div. Geräte 55,45 Mk.) 685 19 6. Verkauf Katalogs und der Prämiierungs- Ordnung 117 80 7. Zinsen von disponiblen Geldern .... 46 19 ölsalle iiGvssrn wurde L Mainz,: deren von der 3 im Reichstag zur meter Buchen- . 5,50 Mk, Zu 1,80 M, funii feilte wittlmn Wibbat. Summe der Einnahmen: B. Ausgabe: 1. Allgemeine Unkosten (Druckkosten 464,12 Mk., Kassierer und Kontroleure 193 Mk., Porto 65,17 Mk., Haftpflichtversicherung 60 Mk., Remunerationen 350 Mk., sonstige Kosten 96,74 Mk.) 2. Kosten der Prämiierung (Preisrichter 208,05 Mk., Diplome rc. 64,75 Mk.) . . . . 3. Herstellung und Ausschmückung des Ausstellungsplatzes, inkl. Beschaffung von Futter und Streu (Bauten 3633,59 Mk., Beleuchtung 328,30 Mk., Wasser 92,15 Mk., Bewachung und Wartung 480,20 Mk., Futter und Streu 411,03 Mk., sonstige Kosten 191,59 Mk.) 4. Kosten des Losevertriebs der Ausstellungs- Lotterie 5. Vergnügungen und Veranstaltungen (Musik 725,60 Mk., Ausgaben für die Mädchen in Volkstrachten 397,89 Mk., sonstige Kosten 51,25 Mk.) 6. Verwendung des Ausstellungs-Ueberschusses Laut Beschluß des Ausstellungs-Komitees vom 30. Juli 1898 a. zur Deckung des Defizits der Herdbuchgesellschaften von der Dresdener Ausstellung . . 633,15 Mk. b. dem landwirtschaftlichen Bezirksverein Biedenkopf . . 750,— „ c. dem landw. Bezirksverein Wetzlar 500,— „ d. dem landw. Bezirksverein Schotten 250,— „ e. dem landw. Bezirksverein Gießen 568,90 „ f. dem Verein für Erhaltung hessischer Volkstrachten . 300,— „ g. der Aliceschule zu Gießen 200,— „ 13 461 11 1 229 03 272 80 5136 86 600 - .. ftt bm kn lka« Benchin Heinrich Ibnafo Anvalktt, ZL Sä st® tl*8 ”*«»1 1 174 74 5047,68 W* % S fit %. *N6ii b« 25., »I Befornnis 'äjSS ist v und getret? \e -DZ sUtz, bit 1\.®« näitfc 9Lia d„ ®Qml«S ln D§ 'N Caloocan (?) fischen deutschen n,urben, inegeführi nu"9 und in'L "'e anierikani/che» d'e MnkanGn pfsch^^ \n h^- : Miaust Huba, Diese glauben, ^erwachungsausschuß u gewinnen. Tem Die dem Washing. ugegangenen Aach- uhigend. General । die Aufständischen erzwingen. Wenn iche Ergebnis nicht gliche Punkt gelte Ian bisher meistens ischen der Regierung fständischen betrifft lreters der Filipinos itsdepartement eint dort annünet, ba^ Entwickelung der n Inhalt schweigt Mtt. ). Januar 1899. Vogelberger Wil i Gießen stattfain X i 2249,10 . . , 56W t besW- . 5601M istsichast , Aktien- . 1018& toben ic. ■ 372 $ Dünger 466,68 «» '»E in$ ' ' ' 4615 4,12 Mk., Hf., Port» ig 60 M!>, jge Lösten er 208,05 s Slusstel- on Futter Ieleuch' M., Be- 1 Futter ge Kosten sstellungs- ,« N* , Mädchen stige Koste" >tt\W MSvol" 533,19 75O< " 500,- H 250,- " 568,90 * 300< " 200< ' 1. zur Verteilung an die Aussteller 184 Expl. „Vogelsberger Rind" und „Milchvieh" ........ 297,30 Mk. i. dem landw. Provinzialverein für Oberhessen (Rest) . . 1578,33 „______________ Summe der Ausgaben: 13461,11 Abschluß. Die Einnahme beträgt 13461,11 Mk. „ Ausgabe „ 13461,11 „ Vergleicht sich „ „ *» Parlamentarisches. Am 24. d. M. trat der F i n a n z- »usschuß der zweiten Kammer der Stände des Großherzogtums Hessen im Ständehaus zu Darmstadt zu einer Reihe von Sitzungen zusammen. Nachdem über zirka 36 kleinere Regierungsvorlagen und Anträge die ausgearbeiteten Ausschuß-Berichte erstattet und festgestellt waren, ging der Ausschuß zur Beratung und Beschlußfassung über die von Großherzoglicher Regierung den Kammern vorgelegten Gesetzesentwürfe: 1. die Abänderung des Einkommensteuergesetzes vom 25. Juni 1895 betreffend; 2. die Vermögenssteuer betreffend; 3. Die Einführung einer staatlichen Llassenlotterie betreffend; 4. die Weinsteuer betreffend; 5. die Hundesteuer betreffend; und zwar zunächst zu einer allgemeinen Besprechung über. — Der Finanzausschuß setzte am 25. d. M. die Beratung der Steuerreformgesetze fort, nachdem eine Erörterung des Gesetzentwurfes über die Aushebung der Widerrusllichkeit der unteren Beamten mit Großherzoglicher Regierung stattgefunden hat. — Der Gesetzgebungsausschuß begann die Beratung des Entwurfes des Ausführungsgesetzes zum bürgerlichen Gesetzbuch, in Gemeinschaft mit den Vertretern Großherzoglicher Regierung. ___________ -1- Lich, 26. Januar 1899. Durch das Vorgehen der Stadt Butzbach aufmerksam gemacht, faßte man auch hier in maßgebenden Kreisen den Plan, ein städtisches Elektrizitätswerk für Licht- und Kraftabgabe zu errichten. Eine Besichtigung des Butzbacher Werkes durch den hiesigen Stadtvorstand hat günstige Resultate gezeitigt,' so daß man wohl einer baldigen Inangriffnahme des Planes entgegensehen darf, zumal der Erlös aus dem Holzverkauf in unserem Stadtwalde ähnlich wie bei der Wasserleitungsanlage einen beträchtlichen Teil der Kosten decken und dadurch die Bürgerschaft teilweise entlasten würde. n. Ranstadt, 25. Januar. Heute wurden hier 2704,5 rm Brennholz öffentlich versteigert. Die Preise erreichten dieselbe Höhe wie voriges Jahr. Es wurden für den Raummeter Buchen-Scheitholz 1. Klasse bis 8 Mk., 2. Klasse bis . 5,50 Mk., Buchen-Prügel bis 4,50 Mk., Stammreiser bis 1,80 Mk., Astreiser bis 1,30 Mk. bezahlt. — Die G e- sundheitsverhältnisse lassen in manchen Orten des mittleren Niddathals zu wünschen übrig. Zwei böse Gäste: Influenza und Mumps sind da eingekehrt. In Staden find über 50 pCt. der Schulkinder von der letztgenannten Krankheit befallen worden, sodaß heute dort die Schule geschlossen wurde. A Mainz, 26. Januar. Die Schloßkaserne hier, beten von der Militärbehörde projektierter Umbau gestern im Reichstag zur Sprache kam, ist eine Kaserne von sehr bedeutendem Umfang, welche ursprünglich nicht als Kaserne, sondern als bombenfestes Militärkrankenhaus erbaut wurde. Sie besteht aus einem dreistöckigen Langbau und zwei rückwärts springenden Seitenflügeln und schließt mit dem kurfürstlichen Schloß in einem Rechtwinkel nach der nordwestlichen Seite den im Jahre 1783 angelegten großen Exerzierplatz (Schloßplatz) ab. Ihre Erbauung erfolgte zur Zeit des Deutschen Bundes im Jahre 1842, und war an deren Stelle früher ein großer Artilleriepark, von welchem aus in den französischen Revolutionskriegen Napoleon I. seine Heere musterte, ehe er sie über den Rhein führte. — Die Verwaltung des städtischen Pfandhauses hier will den Zinsfuß von 12 auf 6 Prozent ermäßigen. Es entsteht daraus ein jährlicher Ausfall von 5000 Mk., welcher aus städtischen Mitteln gedeckt werden soll. Es erfolgte diese Zinsenreduktion mit der Reorganisation des gesamten Pfandhauswesens hier. L. Mainz, 26. Januar 1899. Achtes Symphoniekonzert. Das gestrige achte Symphoniekonzert brachte als erste und Hauptnummer Schuberts umfangreiche C-dur- Symphonie, die von der städtischen Kapelle, unter Leitung des Herrn Emil Steinbach, ausgezeichnet zu Gehör gebracht wurde. Weiter erfreute das Orchester noch durch Vortrag der Ouvertüre zu Shakespeares Richard III. von Volkmann und der Suite aus Tschaikowskis Ballet der Nußknacker, die beide, vorzüglich gespielt, reichen Beifall fanden. Herr Ffrangreon Davies aus London fang mit schönem, gut geschultem Bariton Lieder von Brahms, Grieg, Schubert und Schumanns Hidalgo, wozu er von Herrn Steinbach feinfühlig begleitet wurde. A Mainz, 26. Januar. Der Kastel er Gemeinderat hat gestern Abend einen Beschluß gefaßt, der' ganz direkt die Ablehnung einer Eingemeindung mit Mainz ausspricht. Von den mit Beginn dieses Jahres neu in den Gemeinderat eingetretenen Mitgliedern wurde nämlich beantragt, im Hinblick auf die sich ständig steigernde Wohnungsnot in Kastel und mit Rücksicht darauf, daß die mit der Stadt Mainz gemeinschaftlich wegen Niederlegung der Festungswerke geführten Verhandlungen keinerlei Fortgang nehmen, die Verhandlungen mit Mainz unter Aufhebung der früher gefaßten Beschlüsse ganz abzubrechen und direkt mit dem Kriegsministerium wegen Uebernahme des freiwerdenden Festungsgeländes in Unterhandlung zu treten. Dieser Antrag, welchen Dr. Wallenstein auf das entschiedenste bekämpfte, wurde mit großer Majorität angenommen. Wie wir hören, war bei dem Beschluß mitbestimmend, daß ein Finanzkonsortium sich der Gemeinde Kastel zur Seite gestellt hat, welches ein beträchtliches Gebot auf das freiwerdende Gelände dem Kriegsministerium gemacht hat. Ans Rheinhessen, 26. Januar. Verflossene Nacht fand in der sogenannten hessischen Pfalz heftiger Schneesturm statt, der in einzelnen Landstrichen zeitweise jeden Verkehr im Freien unmöglich machte. Erst gegen Morgen ließ das Unwetter nach. Vermischtes. * Eine eigentümliche Verwendung hat der Luftballon im Dienste der Astronomie im November v. Js. erfahren. Da, wie wir aus einer Mitteilung des Internationalen Patentbureaus Carl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6, entnehmen, während der dem 14. November vorangehenden Tage trübes Wetter herrschte, sodaß man voraussichtlich den in der Nacht des 14. auftretenden Leonidenschwarm nicht hätte beobachten können, beschloß Janssen, ein Mitglied der Academie Fran- ?aise, Beobachtungen von einem Ballon aus anzustellen, der sich bis über die Wolkenschichten erheben sollte. Mit zwei seiner Assistenten stieg er in der Nacht vom 13. zum 14. in einem Ballon von 1200 Kubikmeter Gasinhalt zu diesem Zwecke auf. Der Aufstieg erfolgte nachts um 2 Uhr, weil vorher der Ausgangspunkt der Meteore sich noch unter dem Horizont befand. Schon mit 200 Meter Erhebung war die hindernde Wolkenschicht durchdrungen. Leider war das Resultat des Experimentes nicht den aufgewendeten Kosten entsprechend, da nur 25 Sternschnuppen beobachtet werden konnten. Man beabsichtigte, das Aufsteigen des Ballons am nächsten Tage zu wiederholen, konnte denselben aber für einen neuen Aufstieg nicht fertig machen, und gerade in der Nacht vom 14. zum 15. war nach Berechnungen das Maximum des Falles zu beobachten. * Frühling im Riefengebirge. Aus Hain, 22. Januar, wird geschrieben: Der Winter scheint seine laue Herrschaft ganz an den Frühling abgetreten zu haben. In den Vorbergen sind Sonntags die trockenen Wege von Ausslüglern belebt. Die Bienen summen bei -s- 13° C. in 500 Mtr. Höhe umher, und der Haselstrauch ist bereits in Blüte getreten, während in den Bächen das krystallklare Schmelzwasser tost und den Fällen sehenswerthe Fülle verleiht. Mit dem Wintersport ist es vorläufig zu Ende, und selbst Schneeschuhe, mit welchen allein man die Kammregion durchwandern kann, versagen ihren Dienst, wenn der Schnee klebt. Aus der Eisgewinnung auf den Teichen dürfte vermutlich nichts werden. Montag voriger Woche fanden die Arbeiter nach dem starken Regen das Eis des großen Teiches mit einer fußhohen Schicht Wasser bedeckt. (Inzwischen dürfte sich auch dort das Bild geändert haben.)___________________ Mversitäts Nachrichten. — Berlin. Der Senior der pbvosoph schen Fakultät der hiesigen Univerfilät, Wirkt. Geh. Rat. Pios. Dr. Eduard Zeller, beging am 23 Januar zu Stuttgart, wo er daS otium cum digmtate genießt, den 85. Geburtstag. Der Altmeister der Gcschta-le der Philosophie hatte sich mit seinem 80. Lebensjahre von der Lrhrthätig- kett zurückgezogen. — Dresden. AlS Nachfolger des Professois Geißler an der tierärztlichen Hochschule ist der „Pharmazeutischen Zeitung" zufolge Dr. Kunz Krause in Lausanne in Aussicht genommen. — Innsbruck. Prioaldozent Dr. AlotS Lode ist zum außerordentlichen Profesior der Hygiene an der hiesigen Universität ernannt worden. — Basel. Am 22. ds. starb hier Profesior Soctn, der als Chirurg einen europäischen Namen hatte. Als Lehrer der Universität sowohl als auch als praktischer Arzt hat der erst zweiundfechSz'o- jährige Mann seit Jahrzehnten das Vorzüglichste geleistet. Während des deutsch französischen Krieges wirkte er unter dem Protektorate der Großherzogin von Baden in den Mtlitäespitälern.______________ Verkehr, Kandern- Volkswirtschaft. rtestete, 15 Januar. Fruchrrnartt Roryce Weizen JL 14,04, weißer Weizen X 00.00, Korn X 11X6, Gerste 9 15, Hafer X 7.14 Seidenstoffe Dtrlaiigt Musicr mit Ängnbr d. Qkroüii hüten. von Elten & Keussen. FH?ndkiHn?d Crefe’r MtlUNtMllMM Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Heinrich Wallach in Gießen Ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von kinwendungen gegen das Schlußver- jeichnis der bei der Verteilung zu be- liickfichtigenden Forderungen und zur I Beschlußfassung der Gläubiger über die nicht verwertbaren Vermögens- bücke, sowie zur Prüfung einer nach- käglich angemeldeten Forderung der Schlußtermin aus Dienstag den 21. Februar, vormittag« 10 Uhr, ior dem Grobherzoglichen Amtsgerichte selbst bestimmt. Gießen, den 24. Januar 1899. Neidhart, Serichtsschreiber des Großherzoglichen Amtsgerichts. 911 Teichreinigung ita akademischen Aorstgarteu. Die Reinigung des Teiches im tkademischen Forstgarten soll im Morde vergeben werden. Unternehmer wollen sich bezüglich der näheren Bedingungen an den MverfitätS-Forstgärtner Dörmer ’ntben. sieben, den 26. Januar 1899. Die Direktion akademischen ForsttnstitutS. Dr. Heß. 877 Jagdverpachtung. Mittwoch den 15. Februar l. I., nachmittags 1 Uhr, soll auf dem Rathause dahier die der Gemeinde Reinhardshain zustehende Wald- und Feldjagd auf weitere sechs Jahre verpachtet werden. Bemerkt wird, daß das Jagdgebiet von der Bahnhaltestelle Saasen, sowie von der Bahnhaltestelle Beltershain in ca. 15 Minuten zu erreichen ist. Reinhardshain, 25. Januar 1899. Gr. Bürgermeisterei Reinhardshain. 908 Wagner. llnllciiirritiißcii Hchversteigerung. Nächsten Dienstag, 10 Uhr morgens, versteigere ich im Körnberg bet Ganseburg an Nadelholz: 937 Reisstangen, 3110 Wellen, 49 rm Stockholz, 6 rm Knüppel, und 100 Buchenwellen. Gießen, den 26. Januar 1899. 902 H. Adami. ck^ie Holzversteigernug vom ~ 24. und 25. ds. Mts. in der Oberförsterei Schiffenberg ist g e- nehmigt Die Abfuhrscheine können vom 4. Februar an bei Großh. Rentamt Gießen bezogen werden. Die lieber* Weisung dcs Holzes erfolgt Montag den 6. Februar, morgens 8 Uhr. Gießen, den 26. Januar 1899. Großh. Oberförsterei Schiffenberg. 900 Heyer. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Oartenstrasie 2. Augebvt der Arbeitnehmer r 2 Bäcker, 1 Krankenwärter, 1 Glaser, 4 Schneider, 10 Taglöhner, 4 Hausburschen, 2 Taglöhner für leichtere Arbeit, 3 Fuhrknechte, 1 Kellner, 1 Hausmädchen für Bad-Nauheim, 1 Büreaugehilfe. Nachfrage der Arbeitgeber» 1 Bäcker, 1 tückt. Schießer zur selbstständ- Führung einer Bäckerei, 1 Drechsler, 1 Sattler, 2 tücht. Bauschlosier, 2 Schuhmacher, 1 Schneider, 3 tückt. Bauschreiner, 2 Hausburscken, 1 Kutscher, 7 Dienst- mädcken für Kücke und Hausarbeit, 2 Lauffrauen, 1 Ladnerin aus anständiger Familie, 2 Flickfrauen, eine Anzahl Ausrrpperinnen, 3—4 Lumpensortiererinnen. Verpachtung eines Pfarrackers. Der von uns angekaufte Ackcr der Fräulein Schneider, j-tzt Ackec der I. hiesigen Pfarrei, zwischen Liebig- und Wilbelmstraße neben dem Garten des Herrn Ingenieur Koch gelegen, Flur XXVI Nr. 50 und 269,4, soll neu verpachtet werden auf 6 Jahre, für die Zeit von 1899 bis Herbst 1904. Die Verpachtung soll abgehalten werben am Samstag, den 28. Januar d. Js., vormittags 11 Uhr an Ort und Stelle. Gießen, am 24. Januar 1899. Der evangel. Gesamt-Kirchenvorstand. J.V.: Vogt. 843 Schonung der Pferde Sicheres Fahren u. Reiten auf glatten Wegen (Eia, Schnee, Asphalt, Holz etc.) kann nur erreicht werden durch Benutzung der___________ Hufeisen - H - Stollen (Patent Neuss) Stets scharf! Kronentritt unmöglich! Seh,u- Um vor werthlosen Nachahmungen zu schützen, ist jeder einzelne unserer ITJ H - Stollen mit nebenstehender Schutzmarke versehen, worauf man beim run Einkauf achten wolle |*V,'| Preislisten und Zeugnisse gratis u. franco. Patent-Inhaber und alleinige Fabrikanten: Leonhardt & Co., Schöneberg-Berlin. (iriii|ifrllluniuii FMnknochkmehl (phosphorsaur. Kalk). 0271 Gustav Walter, Mäusburg 13.' la. Gas-Glühkörper, unübertroffen in Leuchtkraft, Haltbarkeit und Brenndauer, Preis per Stück 40 Pfg. A.&G. 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M Die von mir verwendeten Maschinen find allerneuesten Systems, und was denselben einen S 9 ganz besonderen Vorzug verleiht, ist der Umstand, daß durch dieselben vermöge ihrer vollendetsten Äon* J 9 struktion die Wäsche in geradezu auffallender Weise geschont wird. 9 Da ich mir zum ersten Grundsätze gemacht habe, in meiner Anstalt ausschließlich Soda und M • reine Kernseife zu benutzen, so soll die Art und Weise der Behandlung der Wäsche in meinem Betriebe G Mtz für niemand n ein Geheimnis sein, vielmehr lade ich zur jederzeitigen Besichtigung meiner Anlage Q 5 während der Arbeitsstunden ein. Jeder wird mit Leichtigkeit sich davon überzeugen, daß die von mir ä 9 angestrebttn Resultate: Absolute Schonung der Wäsche neben unübertrefflicher Weihe g 9 und Reinheit derselben in frappierender Weise erzielt werden. , X £ Oberhemden, Kragen, Manschetten rc. werden nach Aietesetder Wethode aufs fernste geplättet. W £ Ferner mache ich darauf aufmerksam, daß das Bleichen der Wäsche auf meiner ausgedehnten M • Rasenbleiche erfolgt. Sie um geneigte Zuwendung Ihres Wohlwollens bittend, bemerke ich noch, daß die Ab • holung und Ablieferung der Wäsche in prompter, zuverlitsstger Weise geschieht und zeichne Hochachtungsvoll Dampswaschanstatt Edelweiß Hermann. Treppinger, KrofdorsttAraße Umraschzuräumen ▼ erkaufen wir 87, Harnbrgr. Hyp Bk. unk. b. 1908 4 Preuß.Hpp.A.Bkunkb.1900 unk. b. 1907 102.00 87, Pornrn. Hyp.A.Bk. unk. b.1906 unt.6.1904 101.50 4 FrkfLdw.Ered.Bk.unk.b.1900 Aug. Montanas Nchf. Markt 9-10. < 624] Für mein Tapeten- und Teppichgefchüft suche zu Ostern einen Lehrling mit guter Schulbildung. _______________Ernst Bloedner. 476] Gesucht braves Dienstmädchen. ______________Ludwigstratze 27, I. ■T* Wer schnell und billigst Stellung finden will, der verlange per Postkarte die Fentsche ^akanzenpost in Eßlingen, tn Heithaöer gesucht. 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