Nr. 227 weites Blatt Mittwoch dm 27. September 1S99 S'Mlt.n'LHltatnflS Hnne^wt »en Anzeigen zu der nachmittag- für den ti| erscheinenden Nummer bi- vor«. 10 Uhr. -kedaktion, Expedition und Druckerei: Fchntstrahe Ar. 7. er ein großer Jagdliebhaber. Eine Menge Jagdschlösser, unter welchen sich auch „Wolfsgarten- befindet, führen ihre Entstehung auf diese Neigung zurück, welche den Landgrafen auch die Parforcejagden einrichten ließ. Im Schlößchen ist sein Bild in verschiedenen Aufnahmen vorhanden. Heber» Haupt besitzt Wolfsgarten einen Schatz von Familien. Porträts, welcher für die weit verzweigten verwandtschaftlichen Beziehungen der hessischen Dynastie mit deutschen und ausländischen Fürstenhöfen sprechendes Zeugnis ablegt. So treffen wir im Speisesaale die Porträts verschiedener bayerischer Kurfürsten, gemalt von Desmarses, einem tüch. Ligen Koloristen zu Anfang des 18. Jahrhunderts. Auch Früchte des emsigen Fleißes von Joh. Konrad Seekatz blicken uns von der oberen Hälfte der Wände entgegen, die sie wie eine Bordüre einzufaffen scheinen. Die Motive dieser Bildchen sind meist idyllischer Natur, und was ihre Ausführung anbetrifft, so kann auch auf sie das Lob Goethes angewendet werden, welches dieser der Malweise Seekatzens im allgemeinen zollt: seine Landschaften mit Figuren und Tieren sind gut geordnet, korrekt in der Zeichnung und kräftig in den Farben. Es giebt in Wolfsgarten wohl kein Wohnzimmer ohne bildnerischen Schmuck. In dem Prinzen- und Kavaliersbau sind die Wände übersäet mit Stahlstichen, Silhouetten und Aquarellen. Die letzteren, meist von Schnittspahn, geben eine Anschauung von dem damaligen Darmstadt und seinen Schlössern nah und fern. Auf einem Bildchen sieht man eins der alten Thore: Jägerthor, Rheinthor, die heute noch im Sinne der Richtungsangabe im Gedächtnis der alten Darmstädter Generation fortleben. Auf einem anderen erblickt man den Häuserkomplex des „Fürstenlagers" bei Auerbach, wie er beschaffen gewesen sein mag, als dort noch allsommerlich Residenz aufgeschlagen wurde, die einstige Süd-Afrika. Bei der Schwierigkeit der Situation in Süd-Afrika wird unfern Lesern die beifolgende Karte angenehm sein, durch welche die Lage von Transvaal und dem Oranjesreistaat zur Kap- kolonie genau zu erkennen ist. lieber die Boeren und ihre Heimat haben wir in letzter Zeit ausführlich berichtet. Die Verkehrsver- hältniffe stoßen in Südafrika bei dem gebirgigen Charakter des Landes oft auf recht er* hebliche Schwierigkeiten,dennoch sind sehr viel Eisenbahnen vorhanden, z. B. in der Kapkolonie 3647 Kilometer, in Natal 676 Kilometer, im Oranjefreistaat 754 Kilometer. Für den sonstigen Verkehr dienen in Stzceffe für Depeschen: Anzeiger chietze». Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der begische Landwirt, ________________Matter für hessische Dalkskunde. „Dianaburg" mit dem „Bassin", die jetzt überhaupt nicht mehr existiert, u. s. w. In noch ältere Zeit versetzt uns eine Landschaft des Malers Sonntag; sie stammt aus dem Jahre 1747 und zeigt die „Bergstraße", vom Melibokus aus gesehen. Abgesehen von dem wuchtigeren, prunkvolleren Gepräge des Speisesaales, ist die ganze Einrichtung sehr einfach gehalten: Schlichte, unparkettierte Fußböden, schmucklose, getünchte Decken, die Möbel meist mit einfachen Stoffen überzogen. In den Zimmern des sogenannten „Prinzessinnenbaues" hat die Kaiserin Alexandra von Rußland manchen Sommer ihrer Mädchenzeit verlebt. Sogar ihre Handschrift hat die Prinzessin Alix hier zurückgelaffen, nicht in Tinte oder Holzschnitt, sondern in Blumenschrift. Auf zwei der weißen Thüren sind einige lose Blumenranken (Brombeerzweige) mit leichter, geschickter Hand hingeworfen. Die Prinzessin soll die Absicht gehegt haben, das nüchterne Weiß der anderen Thürfüllungen auch mit ähnlicher Blüten- zier zu beleben. Dann kam die Verlobung, bald darauf die Vermählung, die sie den harmlos-idyllischen Frühlingstagen erster Jugend für immer entrückte, aber keineswegs den trauten Räumen von „Wolfsgarten", das sie jetzt schon zum dritten Male als Gast wieder begrüßt. Unter den vielen Ansichtspostkarten, welche der Besuch des Zarenpaares auf den Markt geworfen, befindet sich auch eine mit der Ansicht von Wolfsgarten, von Louis Andreß gefertigt. Doch steht noch eine andere in Farbendruck in Aussicht, welche das Papierhaus (Sibert nach einem Aquarell des Hoftheatermalers Schlegel anfertigen läßt. M. vierteljährlich , 2 Mart 20 Pf*, monatlich 75 Pfß. ' mit Bringerloh«. Lei Postbezug 2 Mart 50 Pf,, vierteljährlich. der Regel Maultiergespanne. Transvaal und der Oranje- Freistaat sind fast überall von englischem Gebiet um- . schlossen, im Osten von R Transvaal liegt Portugiesisch - Ostafrika. Die Versorgung der Boeren mit Waffen dürfte deshalb auf erhebliche Schwierigkeiten stoßen, doch nimmt man, wohl auch nicht mit Unrecht, an, daß die Boeren sich schon früher sehr aut bewaffnet haben. im Monde zergehen za (gelost zu nehmen und nicht unnütz klagen, ' Sodener ichMen die nicht mit staatlicher Genehmigung im Großherzogtum zugelasfen sind, spielt. Seither war zwar im Großherzogtum der Verkauf und das Feilbieten von nicht ausdrücklich von der Obrigkeit erlaubten Klaffen- ober Zahlenlotterien, nicht aber das Spielen in solchen Lotterien den Einwohnern verboten. Es erscheint deshalb die Frage berechtigt, ob nicht zum Schutz vor Strafe für solche Personen, die bei Erlaß des fraglichen Gesetzes bereits Lose auswärtiger Lotterien spielten, eine Übergangsbestimmung zu treffen wäre, wonach den Interessenten gestattet wird, ihr Los bis zu Ende zu spielen. Da notorisch Lose der verschiedenen deutschen Klassenlotterien zu Hunderten und Tausenden im Großherzogtum gespielt werden, so erscheint die hier aufgeworfene Frage zweifellos von großer praktischer Bedeutung. — Die Verhandlungen zwischen der Großh. Regierung und der Bank für Handel und Industrie, betr. die Hessische Klassenlotterie, sind, wie wir hören, noch zu keinem definitiven Abschluß gekommen, da noch keine Einigung über die Pachtsumme erzielt werden konnte. ** Vierte Wageuklaffe. Nach der neuesten Verfügung der Bahnverwaltung können, wie auswärtige Blätter berichten, jetzt auch die Reisenden vierter Klasse die Fahrt unterbrechen, nur muß die Unterbrechung durch den dienstthuenden Beamten bescheinigt werden. ** Die Entwickelung des Deutschen Flotteuvereins — dessen Provinzialverein für Oberhessen (wie wir bereits meldeten) am Freitag abend hier im „Caf6 Ebel" eine Versammlung abhielt — ist auch in den stilleren Sommermonaten eine außerordentlich günstige gewesen und die Organisation des Vereins in sehr erfreulicher Weise weiter ausgebildet worden. Am 1. Juli betrug die Mitgliederzahl 43496, am 1. September, obwohl zahlreiche Anmeldungen bei den Provinzialgeschäftsstellen noch nicht an die Zentralstelle weitergegeben waren, bereits 62939; ein schöner Beweis dafür, wie siegreich die Idee von der Notwendigkeit einer starken deutschen Flotte alle deutschen Patrioten mehr und mehr durchdringt. Aus den zahlreichen Vereinen, welche wiederum die körperschaftliche Mitgliedschaft des Deutschen Flotten - Vereins erworben haben, ist der Deutsche Eisenbahnbeamten-Verein zu Hannover mit 9000 Mitgliedern hervorzuheben. Es haben sich dem Flotten-Verein angeschloffen 19 Marinevereine, 46 Kriegerund Landwehrvereine und 55 sonstige Vereine, unter denen alle Gattungen vertreten sind. Ferner erklärten ihren Beitritt 67 Aktiengesellschaften und Fabriken. § Aus Oberhessen, 25. September. Der Gothaer WetterprophetHabenichthatmit seiner Vorhersagung, Lokales uad NrsvmKürs. Gießen, 26. September 1899. ** Wichtiger Entscheid. Für Geschäfts- und Kaufleute dürfte nachstehender Entscheid von höchster Wichtigkeit fein: Eine Erlanger Firma war mit einer Münchener Fahrrad- utensilienfabrik in Geschäftsverbindung getreten und hatte auch eine Bestellung gemacht. Die Bestellung wurde auch ausgeführt, nachdem von der Erlanger Firma ein vom Verkäufer ausgestellter Bestellschein über Zahlungsverpflichtung und Zahlungsmodus unterzeichnet war. Auf diesem Bestellschein befindet sich nun am unteren Rande unter der Unter- Feuilleton. Schloß Wolfsgarten. Originalplauderei für den .Gießener Anzeiger". (Nachdruck derboten.) Erst unter dem jetzigen Großherzog Ernst Ludwig bekommt Schloß Wolfsgarten feinen ganz bevorzugten Platz in der Reihe der Großherzoglich Hessischen Sommcrresidenzen. Die ftüheren Großherzöge empfanden einen stärkeren Zug für Seeheim und Romrod. Unter all den zierlichen und ziemlich versteckt angelegten Jagdschlössern zeichnet Wolfsgarten sich durch die weite, massive Bauart aus, die auch wohl in der Uebergangd» jahreszeit ein behagliches Wohnen daselbst gestattet. Wenn Wirbelwinde und Regenschauer an unsere Fenster schlagen, denkt man unwillkürlich: Himmel, wie ungastlich muß es jetzt in Wolfsgarten fein! Das stimmt nicht. Der große Speisesaal mit seinem mächtigen Kamin, dem noch zwei Oefen Gesellschaft leisten, den breiten Spiegeln in Eichenholzrahmen, den schweren Leuchtern in Karyatidenform, den Lampen mit Spieldosen, strömt in seiner altertümlich-gediegenen Einrichtung den Eindruck des Behaglichen aus, ob nun auf den mit echter Goldledertapete bekleideten Wänden der Helle Schein der Lampen ober der milde Glanz der Herbstsonne flimmert. Erbaut ist Wolfsgarten vom Landgrafen Emst Ludwig (1678—1739), der in seiner Jugend am Hofe von Versailles französischen Geschmack kennen lernte, und dann gleich anderen deutschen Fürsten denselben in der Heimat nschzuahmen suchte. Mit seinen Zeitgenossen teilte dieser Fürst noch den Hang zu alchemistischen Experimenten, welchem er bedeutende finanzielle Opfer brachte. Auch war 'S Antimerulion M. 18777) im, Fäulnis und Ibiidungen. . in Eis- und Lagerkellern ieg (Mistbeetkästchen etc,) 120 Jahren bewahrt und Brochären kostenfrei, lein,** •ti|H4 mit Äu-ruchm« de- Msntag-. Gießener »erden dem Anzeiger wöchentlich viermal bei gelegt. t>endS 8'/, Uhr, eröffnen onnenftrafee, zweiter Stott, n- Endlichen und raldi m Mkinsachttn deutsche» (WM"' jr, Giessen- *„5$ »A Me. ■X.,. Wette. 'tat. «iw«!!«6906 , fiO 1.70, l-80' L 1» '*«, Kilo, o — per /• '£ 690» Der Vorstand. xx s Weiss Himmel los! — Das ist eine eilen diesen Klagenden lotheke oder Drogerie tel al-Pastüleii Gießener Anzeiger HjTiPTT /t I M TT) 01 (X 0Y ÄBe «nzeigen-Lermittlung-sttllen de- In- und BmieuM V/VHvVIll' /VVlnVlUvl' "khne° Anzeigen für den Gießener Anzeiger rotyt*. Amts- unb Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen. j schrift des Bestellers in kleinem Drucke die Bemerkung: „Zahlbar in München". Da nun nach Ablauf der Frist die Erlanger Firma Zahlung nicht leistete, stellte die Münchner Firma gegen den Schuldner am Münchener Landgerichte Klage. In der Sitzung der Handelskammer kam dte Sache zum Aufrufe und bestritt primär der Vertreter des Beklagten die Zuständigkeit der Münchner Gerichte, da dte Vertragsbedingung: „Zahlbar in München" unter der Unterschrift des Bestellers stehe und die Unterschrift wohl alles Obenstehende acceptierend bestätige, allein was unter der Unterschrift noch geschrieben oder gedruckt stehe, sei nicht in diese Acceptierung mit inbegriffen. Das Gericht erkannte jedoch diesen Einwand als nichtig und wies den Antrag auf Unzuständigkeitserklärung der hiesigen Gerichte ab. ** Das Gesetz über die Einführung einer staatlichen Klaffeulotterie, welches am 1. d. Mts. in Kraft getreten ist, enthält u. a. die Bestimmung, daß mit Geldstrafe bis zu 600 Mk. bestraft wird, wer in außerhessischen Geldlotterien, L» /fMotK SÜDAFRIKA •2 k. HATABELE-I/ or/nj e-J malischen Kreisen wird die prinzliche Liebesafsaire mit Interesse verfolgt, da eine morganatische Ehe des Prätendenten die Situation in Serbien noch komplizierter machen würde, als sie ohnehin schon ist. * Was hat die Belagerung des Forts Chabrol gekostet? Nunmehr sitzt Herr Guärin behaglich in seiner Zelle des Palais Luxembourg, und die Behörden sind bemüßigt, die Belagerungskosten zü liquidieren. Die militärische Mannschaft erhielt pro Mann eine tägliche Zulage von 1 Franc 50 Centimes; das macht allein schon 10000 Francs. Hierzu kommen die Zulagen für die Schutzleute, PompierS, die Kosten für Polizeibeamte mit Chargen und Offiziere mit etwa 20000 Francs. Alle diese Auslagen sind aber unbedeutend gegen die Entschädigungsansprüche der Hauswirte und Ladenbesitzer, welche jetzt ihre Rechnungen präsentieren. Ein Gastwirt beansprucht an entgangenem Umsatz 100 Francs täglich und erklärt, seine ganze Kundschaft verloren zu haben, macht — 80 000 Francs. Ein Hotelwirt sagt: ..Mein Haus hat 17 Zimmer und Wohnungen. Die Polizei hat allerdings das Hotel ganz gemietet, aber wie soll ich jetzt die Zimmer vermieten, in denen Schutzleute und Soldaten gehaust haben? Ich verlange 50000 Francs". Dann kommen Papierhändler, Gemüsehändler, Schlächter, Metzger, Bäcker, alle mit ähnlichen Forderungen. Als Sicherstellung, falls Guörin verurteilt wird, dient allerdings das Haus, die Maschinen im Werte von 80000 Francs, die sonstige Druckerei-Einrichtung, welche 60000 Francs gekostet hat, und die sehr luxuriöse Wohnungs-Einrichtung des Herr» Guörin. Aber bei der Versteigerung dürfte da kaum der zehnte Teil des Wertes zu erzielen sein. — Teurer Guerin l * Ein Besuch bei Ohm Kruger. Von einem Besuch beim „Oberhaupt der Buren" in Prätoria plaudert Poultney Bigelow sehr amüsant in der „Dtsch. Kolonialzeitung". Der Präsident Transvaals, so erzählt er, wohnt in Prätoria in einem kleinen Landhause mit einem niedrigen Strohdache und einer kleinen Veranda an der nach der Straße gehenden Front. Da wir (mein Freund und ich) an Herrn Krügers Hausthüre keine Klingel entdecken konnten, so pochten wir mit unseren Knöcheln und schrieen. Niemand antwortete. Da es weder einen Thürhüter noch eine Glocke gab, wir jedoch irgend im Hause laute Stimmen hörten, so ging mein Freund durch das Haus nach dem hinteren Hofe und rief nochmals. Wieder ohne Erfolg. Da entschlossen wir uns kurz, dem Klange der Stimme zu folgen. Wir pochten an die Thüre, hinter welcher Töne erschollen. Da niemand sich um unser Klopfen kümmerte, stieß mein Freund die Thüre auf, und wir traten ein. Durch die dichten Wolken von Tabakrauch hindurch bemerkte ich ungefähr dreißig Männer, welche in ihrem Aussehen in seltener Weise den Land-Geistlichen in Rußland glichen. Sie hatten lange Bärte und ihr Haar fiel über ihren Nacken herab. In ihrer Mitte saß einer, welcher sie alle beherrschte, nicht «ur durch den Umfang seiner Stimme, sondern auch durch ein Augenpaar, welches sogleich meine Aufmerksamkeit fesselte. Er zeichnete sich ebenfalls durch einen Bart und reichen Haarwuchs aus und bekräftigte seine aus der Kehle gesprochene Rede von Zeit zu Zeit durch einen Schlag mit seiner Faust auf die Tischplatte, wonach er zahlreiche Tabakswolken ausstieß, indem er seinen Blick eine zeitlang ruhig, aber eindringlich auf den sonderbaren Buren richtete, der es gewagt hatte, eine abweichende Meinung zu äußern. Seine breiten Schultern waren etwas unter der Last der Jahre gebeugt, und sein Gesicht zeigte Züge von Sorge und Krankheit. Aber es war das Antlitz eines gewaltigen Mannes. Nase und Mund waren stark entwickelt, und der Bau des Kinns ließ auf Entschlossenheit, wenn nicht auf Hartnäckigkeit schließen. Dort ist Paul Krügers wirkliches Parlament. Hier empfängt er formlos seine Anhänger unter den Burghers und predigt ihnen, bis sie mit ihm übereinstimmen oder unfähig sind, ihm noch länger zuzuhören. Er teilt ihnen seine Wünsche mit und selten gelingt es ihm nicht, sie davon zu überzeugen, daß die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen für die Sicherheit des Staates notwendig sind. So lange ist er ihr Führer gewesen, und so viele Erfolge hat die Republik unter seiner Leitung davongetragen, daß jetzt der Durchschnitt der Bürger Transvaals Ohm Paul für nahezu unfehlbar hält. • Die Liebesgeschichte eines Prinzen. Alexis Kara- georgievic, der serbische Kronprätendent, der sich seit zwei Monaten in Boston aufhält, hat sich sterblich in Miß Mabel Swift, die reizende Tochter des Fleischkönigs I. Swift, dessen Vermögen nach Millionen zählt, verliebt. Der alte Swift scheint indessen nur wenig Verständnis für die Ehre, die Prinz Alexis seinem Hause erweisen will, zu haben und ist ganz und gar nicht geneigt, seine hübsche Tochter und seine guten Millionen dem Prätendenten anzuvertrauen. Er hat offenbar keine sehr hohe Meinung von der Zukunft, die der Prinz seinen Millionen und seiner Tochter bieten kann, und droht Miß Mabel mit Enterbung, wenn sie den Prinzen gegen den väterlichen Willen heiraten sollte. In diplo- stellung weist an Gemälden, Zeichnungen, Skulpturen und anderen Kunsterzeugnissen, die stattliche Zahl von über 500 Nummern auf. Sie macht in ihrer Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit einen höchst erfreulichen Eindruck. Darmstadt, 25. September. Die unausgesetzt niederfallenden Regengüsse nach rasch vorübergegangener Unterbrechung haben in den deutschen Alp en - ländern unberechenbare Schäden verursacht, ja in einzelnen Gegenden die Einwohner in ernste Gefahren gesetzt, das Ende ist leider noch nicht abzusehen. Dabei steht die schlimme Jahreszeit in naher Aussicht. Man erinnert sich deshalb überall im deutschen Vaterlande der Brüder und Stammes- genossen im Gebirge und spendet zur Linderung der Not nach Kräften. In hiesiger Stadt hat die Sektion Darm« stadt des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins einen Aufruf zur Hilfeleistung erlassen. Groß-Umstadt, 25. September. Bei der heutigen Ziehung der hiesigen Gewerbeausstellungslotterie entfiel auf Los Nr. 19153 der erste, auf Nr. 18 788 der zweite, auf Nr. 13087 der dritte und auf Nr. 4637 der vierte Gewinn. Mainz, 25. September. Schwere Körperverletzung. Auf der Mombacherstraße machten sich gestern am späten Abend vier hiesige Kerle, brutale Tagediebe und meistens vorbestraft, mit einem 16 jährigen Mädchen zu schaffen. Ein Civilist, der mit einem Obergefreiten der Fußartillerie vorüberging, machte eine Bemerkung, worauf die Bande über die beiden herfiel. Ehe der Obergefreite noch seinen Säbel ziehen konnte, hatte er auch schon einen Stich in der Hand und dann erhielt er noch vierStiche in den Kopf. Schwerverletzt wurde er in das Lazarett gebracht. Die Thäter sind sämtlich noch in der Nacht verhaftet worden. (M. A.) ♦ Maiukur, 25. September. Auf einer dieser Tage dahier abgehaltenen Hühnerjagd ereignete sich ein höchst bedauerlicher Unglücksfall. Die Schützen hatten bereits das Revier abgegangen und einen Halbkreis gebildet, als innerhalb desselben eine Kette Hühner hochging, auf welche sogleich mehrere Schützen schossen. Herr Oekonom Fix von Fechenheim verspürte sofort, daß er am rechten Auge getroffen war und begab sich alsbald nach Anlegung eines Verbandes nach Frankfurt in die Augenklinik von Dr. Carl. Die ärztliche Untersuchung ergab, daß ein Schrotkorn die untere Hälfte des Augapfels getroffen, an demselben abgeglitten und hinter dem Auge sich festgesetzt hat. Falls eine Entzündung eintreten sollte, muß das Auge, das selbst unverletzt geblieben, herausgenommen werden. Frankfurt a. M., 25. September. (Ein Krach auf der Börse). In dem großen Börsensaal, in dem gegenwärtig die elektrische Beleuchtung durch Anbringung von sechs Bogenlampen eingerichtet wird, ereignete sich, wie die „Frkf. Ztg." meldet, heute, kurz vor Beginn des Börsenverkehrs, dadurch ein Unfall, daß beim Aufziehen einer der Bogenlampen das hierfür provisorisch benutzte Drahtseil riß, und die schwere Lampe, die ein Gewicht von zwei Zentnern hat, mit großem Getöse zu Boden fiel. Weiteres Unheil wurde dadurch nicht angerichtet, nur der Fußboden ist etwas beschädigt worden. Wiesbaden, 25. September. Gestern nachmittag wurde hier in der Wohnung des Oberstleutnant a. D. v. Detten ein Einbruchsdiebstahl verübt. Den Dieben fielen 300 Mk. bares Geld und Schmucksachen im Werte von 3000 Mk. in die Hände. Homburg, 25. September. Zur Vorsicht mahnt folgender Vorfall. Durch den Genuß von warmen Pflaumenkuchen büßte der 21jährige Fabrikarbeiter Wehrheim aus Kirdorf sein Leben ein. Nach dem Genuß des Kuchens trank der junge Mann ein Paar Glas Bier, wurde nach einigen Stunden von Magenkrämpfen befallen und starb nach einigen qualvollen Stunden. daß im September ein Wettersturz mit vielen Niederschlägen zu erwarten sei, leider nur zu sehr Recht behalten. Der September hat gleich mit seinem ersten Tage mit Regen- wetter begonnen. Dann behielt allerdings das bessere Wetter in der folgenden Woche noch die Oberhand, bis es nun seit 14 Tagen von ununterbrochenen Regengüssen abgelöst wurde. Nichts ist dem Landmanne unwillkommener als ein nasser Herbst. Die Tage sind schon recht kurz geworden, die Arbeit häuft sich in dieser Zeit, aber der tagtäglich strömende Regen treibt die Leute aus dem Felde. Daß das überaus nasse Wetter zur jetzigen Zeit auch sehr nachteilig ist, begreift sich leicht. Auf den Wiesen lagern noch ganz ansehnliche Mengen von Grummet. Es geht bei diesem nassen Wetter zu Grunde. Weißkohl und Wirsing faulen vielfach auf dem Felde. Die Kartoffelfelder verbreiten den bekannten scharfen Geruch, den die Fäulnis der Stauden hervorruf und der eine Fäulnis auch der Knollen befürchten läßt. Im Garten leidet das Obst ganz empfindlich von der Nässe und dem so oft tobenden Sturme. Die Zwetschen springen auf und müffen dadurch rasch verarbeitet werden; die Aepfel fallen häufig unreif ab. Die Kornsaat, zu deren Ausführung jetzt die rechte Zeit, kann nicht bewältigt werden. So vorteilhaft wie im schönen September des vorigen Jahres läßt sie sich der großen Nässe wegen überhaupt nicht bewerkstelligen. Von Hochwasser, wie es andere deutschen Gauen heimsucht, bleiben wir — Gott sei Dank! — verschont, aber nachteilige Folgen bringt auch uns die Näsie genug. §§ Aus dem Vogelsberg, 25. September. Nachträgliches zum Manöver. Die achttägigen Vogelsberger Manöver sind vorüber. Verhallt ist der Kanonendonner, der so vielfaches Echo in unseren Bergeswaldungen geweckt. Die Soldaten sind in ihre Garnisonen zurückgekehrt, und die ausgedienten Mannschaften mit dem Reservestöckchen in der Hand kehren heute heim zu Muttern. „Wenn ich doch nur bei meiner Mutter wär", heute erfüllt sich dieser Seufzer der Rekrutenzeit. Unsere Reservisten erzählen, daß bei allen Truppen der Verpflegung seitens unserer biederen Vogelsberger in Lob und Anerkennung gedacht werde bis auf die unrühmlichen Ausnahmen von gefühllosen Quartiergebern. Man erzählt uns auch, daß man in einem Vogelsberger Oertchen die Mädchen — eingeschlossen habe. Jedenfalls doch auch nur ausnahmsweise in diesem Oertchen. Die Eltern dieser Töchter — wenn es übrigens wahr ist — haben sicher ihre Töchter besser gekannt, als unsere allzeit braven Truppen. Bad-Nauheim, 23. September. Heute vormittag wurde im großen Teiche die Leiche eines Mannes von ungefähr 45 bis 50 Jahren gefunden, die einen etwa 7 Kilo schweren Stein um den Hals gebunden hatte. Der Mann hat einen rötlichen Vollbart und trug eine Uhr, sowie ca. 40 Mark bei sich. Darmstadt, 25. September. (Jubiläum.) Am 29. September dieses Jahres feiert der preußische Generalmajor z. D. Eduard von Becker zu Darmstadt, zuletzt Kommandeur der 10. Kavallerie-Brigade den Tag, an welchem er vor 50 Jahren, kaum 16 Jahre alt, in das 1. Großh. Hess. Dragoner - Regiment (Garde-Dragoner- Regiment) Nr. 23 eintrat. Darmstadt, 25. September. Heute vormittag um 11 Uhr fand in den Räumen des Kunstvereins die feierliche Eröffnung der zweiten Ausstellung der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler statt. Eine stattliche Versammlung, die sich aus Mitgliedern der heimischen Künstlerschaft, Kunstliebhabern, sowie aus Mitgliedern der hohen und höchsten Behörden zusammensetzte, hatte sich eingefunden. U. a. waren nach einem Bericht der „N. H. V." anwesend: Se. Exzellenz Herr Staatsminister Rothe, sowie mehrere Mitglieder des Großh. Ministeriums, Se. Exzellenz Herr Staatsminister a. D. Finger, Herr Oberbürgermeister Morneweg u. s. w. Der erste Vorsitzende der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler, Herr Wilhelm Bader, sprach die Eröffnungsworte, in denen er namentlich auf die wohlwollende, kunstfreundliche Haltung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs hinwieS, die es den Künstlern zur Pflicht mache, nicht zu rasten und nicht zu rosten, sondern im seitherigen Sinne emsig weiter zu streben. — Die AusGerichtssaal. Darmstadt, 25. September. Gegen die Studierenden an der Technischen Hochschule dahier, Wilhelm Zwilling, 20 Jahre alt, aus Worms und Willy Binsvanger, 19 Jahre alt, aus Augsburg, wurde heute vor der Strafkammer II -e. Friedberg freut sich WW rruspluch auch m voll hau unserer Gegend, herangezvgen, W® hatte sich vielmehr di «ezirlen anbaufähig selbst sehen, wc$ sie. in deren Händen tu haben seit Gründung Umsicht und unerm dazu neben Verbreit über Pflanzung und für die einzelnen Gea halten. Sie haben d Bemühungen von Ersc in welche Bahnen, dai bietet ganz hervvrrag! die Lenen zum Ml man den Mstelluni die Büste 6t. König die Augen. Im S< Kaisers und des ho umgeben. Die au- langen Tischreihen n Kaum nehmen die am besten geraten fi wegen des Vergehens des Zweikampfs im Sinne des § 205 des Strafgesetzbuchs verhandelt. Der Grund für die am 12. Juli auf dem Heiligenkreuzberg ausgefochtene leichte Säbelforderung waren beleidigende Worte gewesen, die der Angeklagte Binsvanger bei einem Wortwechsel in der Frühjahrsmesse hatte fallen lassen. Der Kartellträger Zwillings, der die Forderung Überbrachte, war ein Stud. Wirth aus Mainz. Der Zweikampf wurde nach studentischem Gebrauch ausgefochten; es wurden Schurz, Arm-und Halsbinde getragen. 60 Gänge waren vereinbart. Zwilling erhielt einen Armhieb, Binsvanger einen Schmiß im Gesicht. Während des Duells sprang ein Stück von der Klinge des von Binsvanger geführten Säbels ab; die Spitze traf den oben genannten Kartellträger Wirth, der sich unter den Zuschauern befand, und drang in unglücklichem Zufall ihm in den Unterleib. Wirth lag einige Tage im hiesigen Krankenhaus und verstarb an der erhaltenen Verletzung. Er gehörte der hiesigen Burschenschaft „Germania" an; die Studentenschaft und sämtliche Korporationen erwiesen dem Toten, der nach Mainz übergeführt wurde, die letzte Ehre durch Geleite bis zum Bahnhof. Der bedauerliche Zufall rief damals allgemeine Teilnahme wach. Das Urteil gegen die beiden Angeklagten lautet nach dem „D. T." auf die gesetzliche Mindeststrafe von je 3 Monaten Festungs - haft. — Die Verhandlung der Anklagen gegen die verantwortlichen Redakteure der „Frankfurter Zeitung", des „Mainzer Journals" und der „Mainzer Neuesten Nachrichten" wegen öffentlicher, durch die Presse begangener Beleidigung Sr. Exz. des Justizministers, der Mitglieder der Großh. Ministerien des Innern und der Justiz und des Großh. Generalstaatsanwalls findet nach einer Notiz der „D. Z." Donnerstag den 12. Oktober ds. Jahres, vormittags 9 Uhr, vor der Strafkammer I statt Für die Verhandlung sind zwei Tage in Aussicht genommen. Darmstadt, 25. September. Die Schwurgerichtsverhandlungen nahmen gestern unter dem Vorsitz des Oberlandesgerichtsrats Dr. Werke ihren Anfang. Angeklagt ist der 26 Jahre alte, bereits wegen Körperverletzung und Diebstahls bestrafte Taglöhner Johannes Hesch von Kleinhausen bei Bensheim, weil er am 10. Juli d. I. abends in Reinheim den Adam Hörr von Wersau mit seinem Messer in der Weise in den Leib gestochen hatte, daß durch die Verletzung zwei Tage darauf der Tod des Hörr eintrat. Der Angeklagte suchte mit einem 16jährigen Mädchen ein Verhältnis anzufangen, kam aber damit nicht weit, weil dasselbe ihre Neigung einem gewissen Grosch zugewandt hatte und von ihm nichts wissen wollte. In seiner Eifersucht schwur Hesch, er werde den Nebenbuhler oder das Mädchen wegschaffen. Am Abend des 10. Juli sah er, daß Grosch mit einem anderen Burschen ins Handgemenge kam, während Hörr den letzteren an der Brust packte und Frieden stiften wollte. Sofort zog er sein langes, feststehendes Messer, stürzte darauf los und versetzte dem Hörr den töt- lichen Stich. Augenscheinlich war derselbe dem Grosch gemünzt, traf eben im Dunkeln den falschen. Die Geschworenen sprachen den Thäter unter Ausschluß mildernder Umstände schuldig, worauf derselbe zu 5 Jahren Gefängnis unter Aufrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft verurteilt und das bei der That gebrauchte Messer eingezogen wurde. Hesch, der seine That zu bereuen scheint, trat die Strafe sofort an. (D. T.) München, 25. September. Dieser Tage hatte sich vor dem Schöffengericht eine 17jährige Ladnerin wegen Diebstahls zu verantworten. Das Mädchen war im Korsettengeschäft von D. Lewandowsky, Marienplatz, mit einem monatlichen Salair von sage und schreibe fünfzehn Mark in Stellung und stand unter Anklage, ihrem Chef nach und nach acht Korsetten, einen Damenunterrock, einen Barbetrag von 60 Pfg. und sonstige Kleinigkeit im Gesamtwert von 80 Mk. entwendet zu haben. Die Mutter mußte wegen Hehlerei neben der Tochter auf der Anklagebank Platz nehmen. Die Tochter war des Diebstahls geständig, die Mutter leugnet die Hehlerei. Der Amtsanwalt, Graf Pestalloza, meinte in seinem Plaidoyer, daß nach dem Gesetz das Mädchen bestraft werden müsse, obwohl ihm bei MM Zm Konkurse Vrm'M bei Gc Echütz M M denn, ZmngrvMgen Dagegen mache 28. Teptevb mittags 2 1 Ortsgericht Gieß Versteige: des Leopold Schü, S dem Bemerke b* ^Reigen Mit« ,-m „i, Meßen, den 2i SS5 UW 6783 HÄ fJS Ja nm Kontur- des Gafins hop !nlra9 Mon$ auf x r. Nelbft Ar iS sör. U-l-il« ? $,r«r ‘■’ä*?! „Wie gege" •1 gi mhrt ««d I» leinen Samt» 5« ’I«J & h StjÄS * Lefler urbetiai L? ?tnd. NitiJUben*m n Swib^Emg er- Ä^e des der sich den Krr ©ermania“ an. J •*«*h dm ".;blc l-tzl- 6htt q’ *^8 Uxttil atnen *“ A V JT. Sistuiigi- Va9e" gegi» bit "$tanff«tttt unb dir tn" wegen öffeMIfc, MmiftemHdlSJnii« eralfiaatsanwalts findet 'Mag den 12. Oktober ,r der Strafkammer I Zwei Tage in Aussicht ’e Schwurgerichts- Unter bem Vorsitz des -u Anfang. Angeklagt > Körperverletzung und Ms hefch vvu Nm- 10. M d. abends er'M mit feinem Mesier hatte, baß durch die Tob des Hörr eintrat. 16jährigen Mädchen ein damit nicht weit, weil lissen Grosch zugewandt ollte. In seiner Eifer- Nebenbuhler oder das .es 10. Juli fah er, daß i ins Handgemenge kam, Vrusi packte unb Frieden in langes, feftfäenbei ßte bem Hörr ben tob erfelbe dem Grosch ge- n faWn. Die IttWW ädernder >e zu b Jahren Monaten UntersuchungS- That gebrauchte Messer e Thal zu bereuen^scheint, sieser Tage hatte sich vor -jqe Ladnerin wegen Das Mädchen war m (age md tomk H fffSSw* ÄS! * K,tbSS SS- .««sftiff' Di! Hl'1'1“™ 1 ya»t S-KL; “•‘Leleute “"j. ®»” 'S - SchläE 4 b & Ä"»&' einem derartigen Hungerlohn, wenn es seine Sittenreinheit nicht zum Opfer bringen wollte, nichts anderes übrig blieb, als zu stehlen. Das Gericht verurteilte die Ladnerin wegen Diebstahls zu acht Tagen Gefängnis, sprach die Mutter wegen Hehlerei frei. Nach Verkündung des Urteils bemerkte der Amtsrichter, daß jedenfalls die Staatsanwaltschaft Veranlassung nehmen werde, hier eine bedingte Begnadigung eintreten zu lassen! Arnstadt, 23. September. Das Schöffengericht erkannte gegen den Schauspieler Oskar Wocke, genannt Bauermann, zur Zeit in Salzbruun, auf 5 Wochen Gefängnis, weil er in Gemeinschaft mit einem Theaterarbeiter den Redakteur Rebhein wegen einer tadelnden Kritik hinterrücks überfallen und verletzt hatte. Der Theaterarbeiter erhielt einen Monat Gefängnis. Die Verurteilten haben die Kosten des Verfahrens zu tragen; Rebhein erhielt das Recht, das Erkenntnis in 3 Blättern auf Kosten der Verurteilten zu veröffentlichen. Der Vorsitzende des Gerichts bezeichnete die Handlungsweise des Bauermann als roh und rüpelhaft; sie sei durch nichts entschuldbar. Rebhein habe nur sein Recht als Kritiker gewahrt und sei in der Form noch milde gewesen, da er keinen Namen genannt habe. Landwirtschaft. -e. Friedberg, 24. September. Unsere Obfiausstellung erfreut sich fortgesetzt des lebhaftesten Besuches. Sie verdient diesen Zuspruch auch in vollem Maße, weil sie ein Bild abgibt von dem Obstbau unserer Gegend. Nicht Schaufrüchte, künstlich für eine Ausstellung herangezogen, finden wir hier in erster Linie. Die Ausstellungsleitung hatte sich vielmehr die Aufgabe gestellt, zu zeigen, was in den einzelnen Bezirken anbaufähig und anbauwürdig sei. Die Obstzüchter sollen hier selbst sehen, was sie in Zukunft zu pflanzen haben werden. Die Herren, in deren Händen die Leitung des Oberhessischen Obstbauvereins liegt, haben seit Gründung desselben mit eingehendster Sachkenntnis, großer Umsicht und unermüdlichem Eifer den Obstbau zu heben gesucht und dazu neben Verbreitung der richtigen Sortenkenntnis und Belehrung über Pflanzung und Obstbaumpflege, die Untersuchung darüber, was für die einzelnen Gegenden pafle und rentabel sei, für sehr richtig gehalten. Sie haben das richtige gefunden und sehen heute, daß ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt sind. Die Ausstellung zeigt deutlich, in welche Bahnen, dank der Führung, unser Obstbau eingelenkt ist und bietet ganz Hervorragendes. Von ganzem Herzen kann man darum heute die Herren zum Gelingen der Ausstellung beglückwünschen. — Betritt man bett Ausstellungssaal, so fällt einem zunächst auf hoher Estrade die Büste Sr. König!. Hoheit des Großherzogs in einer Blattgruppe in die Augen. Im Saale stehen dann rechts und links die Büsten des Kaisers und des Hochseligen Großherzogs Ludwig IV. von Blattpflanzen umgeben. Die ausgestellten Früchte finden wir im Aufbau auf drei langen Tischreihen nach den gestellten Aufgaben geordnet. Den breitesten Raum nehmen die Aepfel ein, weil sie in unserer Gegend dieses Jahr am besten geraten sind. Auf der mittleren Tischreihe sind Sammlungen, bestehend in je 10 Stück von 16 A'pfelsorten, am Hochstamm gezogen, von Ortsgruppen ausgestellt. Es sind dies Sorten, die sich nach der Ansicht der Aussteller für ihre Gegend und ihre Zwecke am besten eignen. Die Anordnung ist nach der geographischen Lage der Ausstellungsorte erfolgt und fängt mit den südlichen Ortsgruppen an. An diese schließen sich die übrigen in folgender Ordnung an: mittlere, nördliche und östliche Wetterau, und dann die übrigen Orte des Kreises Gießen. Es sind im ganzen 32 Gruppen. Es folgen dann in derselben Anordnung und Ausstellungsmenge Sammlungen der Baumwärter von Bäumen, die sich unter ihrer Pflege befinden, solche von Gemeinden und Kreisstraßen. Nun kommen je sechs Birnsorten von Ortsgruppen, Gemeinden, Kreisstraßen. Hier ist, wie schon angedeutet, die Beteiligung geringer. Nun rechen sich an Sammlungen von Aepfelsorten, die auch in ungünstigen Obstjahren verhältnismäßig gute Ernten liefern. Es hat sich hierbei gezeigt, daß hierher gerade die Sorten gehören, welche auf dem Markt am meisten verlangt werden, und die vom Obstbauverein schon immer zum Anbau empfohlen wurden. Es sind hier auch einige Lokalsorten ohne hochtönende Namen von besonderer Güte und Fruchtbarkeit vertreten. Die nächsten Gruppen umfaffen Sammlungen von Zwergstämmen. Hier finden wir die edelsten Sorten mit vollkommensten Früchten. Dann folgen größere Sammlungen in beliebiger Sortenwahl von Hochstammfrüchten. Außergewöhnlich viele und gute, schöne Sorten sind da zu sehen, namentlich Reinetten. Auch die neuesten Sorten sind in einer Gruppe zu finden. Von Zwetschen sind nur drei Sorten vertreten. Weiter sehen wir folgende Obstsorten in je zehn der schönsten Früchte ausgestellt: Kanada-Reinetten, Wintergoldparmänen, Champagner-Reinetten, Große Kaffeler-Reinetten, Roter Eiserapfel, Boikenapfel, Schafnase. Hier konkurieren 13 Aussteller, die meistens folgende Sorten eingeschickt haben: Kanada-Reinetten, Goldparmänen, Schafnasen, Champagner-Reinetten, Große Kasieler-Reinetten. Weniger vertreten sind Boikenapfel und Roter Eiserapfel. Bei der Abteilung „Handelsobst" sind 21 Spankörbchen mit je 6 Kg. Tafelobst fein verpackt ausgestellt. Produkte der Obstverwertung und Geräte reihen sich hier an. lieber die ganze Ausstellung herrscht nur ein Urteil. Sie nimmt unter den seitherigen Ausstellungen durch wohlgebildete Früchte und edle Sorten die erste Stelle ein und ist in hohem Grade geeignet, ihre Aufgabe zu erfüllen, die nach den Worten, die Herr Geheimer Regierungsrat Dr. Braden bei der Eröffnung gesprochen hat, darin besteht, durch Belehrung befruchtend auf ben Obstbau zu wirken. Das hatte man schon im Auge, als man bie Aufgaben stellte unb danach ist man bei der Anordnung der Ausstellungsobjekte verfahren. Einzelnes herauszugreifen ist schwer und hier nicht am Platze. Der Fortschritt gegen die Ausstellung vor 10 Jahren ist in bie Augen springend. Die edlen vom Verein so warm empfohlenen Sorten haben sich bewährt und verbreitet. Sie kehren fast bei allen Sammlungen wieder. Hochbefriedigt verläßt darum auch jeder, der Interesse am Obstbau hat, die Ausstellung, welche am Dienstag geschlossen wird. (Berichtigend muß ich noch anfügen, daß die Ausstellung nur für Mitglieder aus den Kreisen Friedberg und Gießen bestimmt war, nicht auch für den Kreis Alsfeld. Der Irrtum war dadurch entstanden, daß von dort aus ausgestellt ist.) w. Aus der Wetterau, 8. September. In Ihrer geschätzten Zeitung brachten Sie kürzlich die Nachricht, daß es wünschenswert erschiene, darüber Versuche anzustellen, ob es dem Geflügel, insbesondere den Hühnern zuträglich sei, Obst zu reichen. Einsender, der selbst fleißig Gänse (Italiener Riesengänse) und Hühner (rebhuhnfarbige Italiener, deutsche Landhühner und Spanier, Minorka) züchtet, mit Wetterauer Geflügelzüchtern und Gefiügelhändlern in Verbindung steht, und einige Erfahrungen gesammelt hat, legt folgendes ergebenst vor: Das Obst wird von dem Geflügel, wenn es sich nach und nach daran gewöhnt, angenommen. Die Gänse freffen Aepfel, Birnen und Zwetschen mit großem Eifer; Aepfel werden schon angenommen, wenn sie lange noch nicht reif sind; Zwetschen und Birnen erst in reifem Zustande. Im vorigen Herbste, als Zwetschen und Pflaumen wegen überreicher Ernte nicht verwertet werden konnten, verzehrten meine Gänse dieses Steinobst in größeren Quantitäten, wodurch das Fleisch einen süßlichen, keineswegs unangenehmen Geschmack erhielt. Man füllt ja häufig Gänse mit Aepfeln oder süßen Kastanien. Auch die Hühner nehmen gerne Obst, aber im reiferen Zustande, an. Diesen gebe ich im Winter, wenn sonst nichts Grünes erreichbar ist, stets etwas rohe Dickwurzel. Anfangs wollen die Hühner nicht recht daran, sie picken erst aus Neugierde an ben Dickwurzeln, währenb bie Gänse tüchtig anbeißen. Nach einer Woche haben sich bie Hühner an die Wurzeln gewöhnt, bann freffen sie eifriger. Die Eier gewinnen baburch entschieben an Saft unb Wohlgeschmack, ich lege beshalb in der Zeit, wo bie Hühner nicht in ben Grasgarten laufen können, alltäglich einige grob geschnittene Dickwurzeln umher, bei Kälte in ben Hühnerschlag, unb habe gefunben, baß diese Zukost stets von bester Wirkung war. 0 Aus Oberhessen, 22. September. Vor einiger Zeit brachten Sie die Nachricht: es ist anzunehmen, daß die Preise für landwirtschaftliche Erzeugniffe steigen werden. Nun ist dieser Punkt auch von Herrn Direktor Dr. Lotze in Northeim eingehend untersucht worden und er hat die Frage: Wie werden sich voraussichtlich die Brodfrucht-, Weizen- und Roggenpreise in Zukunft gestalten? dahin beantwortet, daß ein Steigen zu erwarten ist. Die alten Vorräte sind noch gering, führt er aus; die Erträge in denjenigen Ländern, welche Getreide ausführen, blieben hinter den Erwartungen zurück, die kleineren Landwirte bei uns müssen verkaufen, weil sie Zahlungsmittel nötig haben. Infolge davon ist dar Angebot zur Jetztzeit sehr stark, wodurch der Preis gedrückt wird. Außerdem besitzen viele Landwirte auch die Räumlichkeiten nicht, um das Getreide aufbewahren zu können. In einigen Wochen würden diese Gründe nach und nach wegfallen und es wird eine deutliche Preissteigerung zu bemerken sein. — Schließlich sind wir der Ansicht, daß es zweckmäßig wäre, wenn die Gemeinden auf die Preisnotierungen abonnieren und sie öffentlich anschlagen lassen würden. Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Ageutm Ctrl Loos und I. M. Schulhof. Bremen, 22. Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.Z Der Doppelschrauben-Postdampscr Bremen, Capt. R. Nterich, oo« Norddeutsche« Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr mittags wohlbehalten in Newyork ««gekommen Wetterbericht vom 26. September 1899. Während im Südwesten des Erdteils die Barometerstände nur geringen Schwankungen unterworfen sind, ziehen im Norden fortgesetzt in rascher Aufeinanderfolge Depressionen vorüber, die den Witterungs- Charakter in Nord- und Central-Europa beeinflussen. Ein Centrum niederen Druckes liegt über der Nord- und Ostsee, ein zweites zwischen dem unteren Rhein und der Weser. Auch im Mittelmeergebiet sind mehrere kleine Unregelmäßigkeiten vorhanden. Das Wetter ist der Luftdruckverteilung entsprechend meist trüb und kühl. Im Alpenvorlande trat am Morgen vorübergehend Besserung ein. Voraussichtliche Witterung: Vorwiegend trübes, ziemlich kühles Wetter mit zeitweisen Niederschlägen. lirlunnitmiidjiniitrn Bekanntmachung. Im Konkursverfahren über das Vermögen des Gastwirts Leopold Schütz von Gießen findet die auf den 11. Oktober 1899 anberaumte Zwangsversteigerung nicht statt. Dagegen mache ich auf die den 28. September 1899, nachmittags 2 Uhr, vor Großh. Orlegertcht Gießen anstehende freiwillige Versteigerung der Hofraite des Leopold Schütz, Bahnhofstraße 15, mit dem Bemerken aufmerksam, daß diese Versteigerung voraussichtlich die letzte sein wird. 6897 Gießen, den 25. Sept. 1899. I. Boeck, Konkursverwalter. WWMWWl In bem Konkurs über das Vermögen des Gastwirts Leopold Schütz sollen aus Antrag der Konkursverwaltung Domkrst-i, d. 28. September 1899 nachmittags 2 Uhr auf dem hiesigen Ortsgerichte die den Leopold Schütz Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 2367p — 169 qm Hofraite auf dem Reichensand, Flur 1 Nr. 236»/io — 94 qm Grabgarten daselbst freiwillig meistbietend versteigert werden. Gießen, 19. September 1899. Großh. Ortsgericht Gießen. 6782________I. A-: Vogt.____________ Donnerstag, den 28. September nachmittags 27s Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Wittwe und Erben der Konrad Schmidt Eheleute in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 2 Nr. 13O«/io — 600 qm Hofraite in den vordersten Schießgärten, Flur 2 Nr. 131M/10O — 1588 qm Grab- garten daselbst, Flur 3 Nr. 16 — 62 qm Acker, Gewannlappen am Wismarer Weg, Flur 3 Nr. 38 — 1338 qm Acker an der alten Leimenkaute am Wismarer Weg, Flur 3 Nr. 39 — 1344 qm Acker daselbst, Flur 3 Nr. 40 — 1344 qm Acker daselbst, Flur 3 Nr. 87 - 1338 qm Acker daselbst, Flur 8 Nr. 7 — 950 qm Wiese unter der Harth am Gleiberger Weg Erbverteilung halber freiwillig meist- vretend verstetgert werden. Gießen, 19. September 1899. Großh. Ortsgerickt Gießen. 6783 I. A.: Vogt. Mittwoch denlt.Mtoöer, nachmittags 2V» Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Gastwirt Leopold Schütz Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 236y10 — 169 qm Hofraite auf dem Reichensaiid, Flur 1 Nr. 2368/io — 94 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. August 1899. Großh. Ortsgericht Gießen. ____________I. A.: Bogt.________6320 Mittwoch dcu 27. September I.I., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Bieker'schen Saale: Möbel all. Arten, mehr. Fahrräder, 1 Pferd u. a. m. 03343 Geißler, Gerichtsvollzieher. Göstversteigerung. Donnerstag den 28. Sept, soll das der Gemeinde Annerod zustehende Obst (große Quantität Aepfel, Birnm ica versteigert weiden. Zusammenkunft vormittags 10 Uhr bei der Kirche. Annerod, den 23. Sept. 1899. Großh. Bürgermeisterei Annerod. Horn. 6863 Montag, Mittwoch und Freitag von 9 Uhr ab. 4743 Friede. Noll, KoMtt. Prima holl. Vollheriuge frisch eingetroffen. 6874 H. I. Nassauer, Htntntnts 15. 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