189S Mittwoch den 27. September Nr. 227 Erstes Blatt. Gießener Anzeiger Eieneral-Anzeiger Amts- und ZlnAeigeblcrtt fiw den Ureis Gietzen. 6731 7 Mannheim. 801 WB? Lnjngrn-Bcrmittlung-fteLm W An- and ÄuJltxM ntVmtrt Nnjnzen für bcn Gießener Initigtr mtfefre ÄeneNwe ■ •» Anzeigen zu tar n«*«tttag» für Hb iei^eobee t*< «Mjrinenkcn thimeier HS »ora. 16 v« Postbezuf R Mark 50 Pf^ -ierteljLKrlich tt-Nch eil bei SkoNtoHs. trt« Mehrn er frewifUBMAtttt ixiHn Hm Änjdfet MMfmtlWh viermal bei|tfe|L er. «»etrten, «rffebition unb Druckerei: Ar. 7. vnierte Anstalt MAWW-jittk, ale) der «evjett. age !n (Erfinder der Meibvde) Ewer-Berlin MMhrt. iowie die ryLMUntztz« Sten und Mn Apparaten weiche für meine Methoden 5824 ke: ratagr von 9 vir 3 Ahr. Gießen, den 26. September 1899. Betr.: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfassungseides. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien der Amtsgerichtsbezirke Grüvberg und Homberg. Die Ableistung des Huldigungs- und Verfassungseides der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großh. Hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheiratet haben, soll Samstag den 7. Oktober d. I, vormittags 9 Uhr, in dem Rathause zu Grüuberg stattfinden. Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu dem Termine vorzuladen und wie geschehen, unter Angabe der Namen der Vorgeladenen bis zum 2. k. Mts. anzuzeigen oder zu berichten, daß niemand vorzuladen war. Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben. v. Bechtold. m erfahrungsgemäß beim Quartalwechsel eintretende Störungen im Bezug zu vermeiden, ersuchen wir unsere verehrl. Abonnenten, schon jetzt die Erneuerung ihres Abonnements bei den betreffendenPostanstalten,Zweigstellen und Zeitungsträgern bewirken zu wollen. Neuhinzutretende hiesige Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung bis 30. September den Anzeiger kostenfrei zugestellt. Verlag des Gießener Anzeigers. Abreffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. 128.- 135.10 39.- 135.70 141- 129 90 101-60 119.90 164.60 128.50 135.80 135.8J 14160 10160 121.10 o,n! ^jährlich 2 Mark 20 Pfg monatlid) 75 P:z mit tiringertetn * Dr. Lieber auf dem hessischen Katholikentag in Wqinz. Gießen, 26. September. Auf dem hessischen Katholikentag sprach am Sonntag Nachmittag der Reichstags-Abgeordnete Dr. Lieber in der „Stadthalle" vor einer Versammlung von etwa 8000 Personen. Der Redner führte u. a. aus, daß die Nachricht von seiner Reise nach Ostasien eine Zeitungsente sei, denn da könne er ja vor Mitte Januar nicht zurück sein, und bis dahin dürfte in Berlin schon manche Schlacht geschlagen sein. Außerdem sprach Dr. Lieber über einen sehr einflußreichen Herrn der preußischen Staatsregierung, der nichts weniger wünsche, als das Zentrum aus der ausschlaggebenden Stellung im Reichstage zu verdrängen. Bezüglich der Zuchthausvorlage äußerte Dr. Lieber, das Zentrum stehe auf demselben Standpunkte, wie bei der ersten Lesung des Gesetzes, aber es sei jetzt an der Arbeit, Vorschläge zum Schutze der Koalitionsfreiheit gesetzmäßig zu formulieren, ohne welche für das Zentrum eine Bestrafung wegen Mißbrauch der Freiheit undenklich sei. Diese Rede des Zentrumsführers ist an und für sich schon so bedeutsam «nd kennzeichnend für die innerpolitische Lage, daß wir es für wichtig genug halten, dieselbe ausführlich wiederzugeben : HmtlicherIeil. Bekanntmachung. An die Abhaltung des auf den 28. ds. Mts. in Biedenkopf und 29. ds. Mts. in Gladenbach anstehenden Viehmarkts wird die Bedingung geknüpft, daß Vieh nur ans uuversenchteu Orten zugeführt wird. Biedenkopf, den 20. September 1899. Der Königliche Landxat. H bis 200 PS erbe im Kartell wirksam sein, sonst aber schlechterdings nur die geborene Minderheit darstellen konnte, war, dank der Ausdauer des katholischen Volkes, zur ausschlaggebenden Partei in der ersten gesetzgebenden Versammlung des Deutschen Reiches geworden und dieser Wandlung der Dinge, die seitdem angehalten' hat und, wenn wir richtig verfahren, auch fernerhin anhalten wird (Beifalls dieser Wandlung hat der alte und unscheinbare, aber doch klügere und zähere — als Viele meinen — Fürst Hohenlohe bei seinem Amtsantritt sich angepaßt und mit ihm die Regierung des Deutschen Reiches und mit ihm der Bundesrat. Und so ist — haben wir auch sonst noch viele Beschwerden — doch die Gesamttemperatur völlig verändert und um viele Grade Celsius wärmer geworden. (Heiterkeit.) Sie suchen hinter mir altem Politiker nicht, daß ich dahinter aufrichtige Herzenswärme der früher feindlichen Parteien sehe. Im Gegenteil, wir sehen, wie sie über uns denken bei Gelegenheit meiner angeblichen Kiautschoureise. Es ist recht viel darüber in den Zeitungen gelogen, trotzdem habe ich wenig Veranlassung — ich müßte einen eigenen Sekretär haben, wenn ich alles, was in den Zeitungen über mich steht, berichtigen wollte, — diese Sache aufzuklären. So habe ich auch die Nachricht, daß ich nach Ostasien reisen wolle, nicht berichtigt. Ich streite nicht ab, daß ich ganz gern einmal nach Ostasien reisen möchte, auch vielleicht noch einmal reisen werde (Heiterkeit), warum denn nicht, ich bin ja auch schon dreimal in Amerika drüben gewesen und es hat dem Daterlande nichts geschadet (Lebhafter Beifall), — aber daß ich sie jetzt nicht mache, nachdem ich gründlich genug in die Spannung der politischen Lage hineinsehen kann, ist wohl niemandem ernstlich in den Sinn gekommen. Ich könnte vor Mitte Januar nächsten Jahres nicht zurück sein, und bis dahin kann vielleicht mancher Topf zerschlagen sem. (Lebhafter Beifall.) Ich halte es lieber mit den Worten unseres alten Windthorst: Man muß auf der Lokomotive sein und die Hebel fassen können, sonst wird man überfahren! (Sehr richtig!) Also ich bleibe vorläufig lieber noch in Europa. (Heiterkeit.) Aber aus dieser Ente und dem Umstande, daß icb sie eine Weile habe flattern lassen, hat sich für uns ein großer Vorteil ergeben, es ist die Offenheit der Absichten unserer Feinde rechts und links. Wir brauchen nus jetzt über die Absichten der Gegner nicht mehr mühsam zu informieren. Wir haben sie. (Heiterkeit und Beifall.) Es ist also nicht die Herzenswärme, sondern die Wärme der eigenen Interessen. So ist also auch die Lage nicht leichter geworden, sondern erheblich erschwert. Denn eine ausschlaggebende Partei trägt ein gut Teil der Verantwortung für den Gang der öffentlichen Angelegenheiten. Und eine ausschlaggebende Partei muß nicht nur sehr viel vorsichtiger sein, sondern sie muß auch mit viel größerer Einsetzung von Arbeitskraft im Wissen und Können den Auftrag Derer zu erfüllen suchen, die sie nach Berlin geschickt haben. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Und da richten sich unsere Blicke auf die Vertreter del katholischen Volkes im Reichstage. Wir haben leider keinen Windthorst, keinen Mallinkrodt, keine Gebrüder Reichensperger mehr, sie sind heimgegangen, um den Lohn für ihr Wirken entgegeuzunehmen. Aber wir haben doch einen nicht ganz unansehnlichen Nachwuchs. Wer im katholischen Deutschland wollte nicht willig zugestehen, daß ein Gröber ein vollwichtiger Ersatz für den Heimgegangenen Mallinkrodt ist, wer wollte nicht mit großer Dankbarkeit anerkenn, n, daß wir in Dr. Bachem und Trimborn einen vollgiltigen Ersatz für die Brüd. Reichensperger besitzen? (Stürm.Beif.) Und ich gehe noch einen Schritt weiter, indem ich sage: Das Zentrum früherer Jahre trug den fertigen Ruhm der Führer um seine Fahnen geschlungen, der Ruhm der heutigen Kämpfer besteht nicht in ihrer» eigenen, sondern im Ruhm und deut Ansehen der Partei, deren Zöglmge und Kinder sie sind. Es gibt deshalb auch keinen Unterschied betreffs einzelner Führer, und darum stehen wir auch alle ausnahmslos i» unserer Fraktion einig und treu zusammen. (Stürmischer Beifall.) Und weil ich dies aus gutem Gewissen versichern und bezeugen kann, erlaube ich mir auch die Bitte an Sic: Kommen Sie der Fraktion mit Vertrauen entgegen nnd begleiten Sie die Arbeit derselben, auch wenn Sie nicht alles verstehen könnten, nicht mit Mißtrauen. Sagen und schreiben Sie nicht: So hat es Windthorst gemacht und so macht Ihr es! sondern sagen und schreiben Sie vielmehr: Wie würde ^Windthorst unter den gegenwärtigen Verhältnissen gehandelt haben? Sollen wir zu einer Zeit, wo alles in der Umwälzung begriffen ist, stehen bleiben? (Lebhafter Beifall.) Es ist ja unmöglich für eine politische Partei, vornehmlich für eine führende, maßgebende Partei in jedem Augenblick den Freunden die Karten offen auf den Tisch zu legen. (Sehr richtig.) Das Spiel wäre ja verloren, weil auch der Gegner dann die Karten kennt. Die Lage im allgemeinen wird — so scheint es — bedrohlicher für uns. Ich kann nicht alles sagen, was ich weiß, ich kann aber sagen, daß es einen sehr einflußreichen Herrn im preußischen Staatsministerium giebt, der nichts sehnlicher wünscht, als das Zentrum aus seiner ausschlaggebenden Stelluu- zu verdrängen und der nichts mehr erhofft, als in der bevorstehenden Tagung des nur vertagten Reiches gelegentlich der Zuchthausvorlage, der Militärvorlage und was sonst noch, an der maßgebendsten Stelle des Reichstages den Eindruck zu erwecken: Zwar haben wir Konservativen mit unnachahmlicher Kühnheit Dir Deinen Kanal verdorben, aber doch sind wir, wenn es darauf ankomint, die einzig sicheren Stützen von Thron und Altar! (Hört! Hört!) Ich denke, ich habe mich deutlich genug ausgedrückt (Heiterkeit); der Herr wird mich verstehen, von dem ich rede. Und da ich die Zuchthausvorlage nun einmal genannt habe, so will ich doch all den besorgten Gemütern in der Redaktion des „Vorwärts" und in anderen sozialdemokratischen Redaktionen zur Beruhigung sagen: Wir stehen heute auf demselben Standpunkte, den ich im Name« der Fraktion bei der ersten Lesung darzulegen die Ehre hatte. Wir werden dieselben Verhaltungsmaßregeln innehalten und sind bereits an der Arbeit, positive Vorschläge zum Schutze der Arbeitswilligen gesetzlich zu finden, ohne die der Mißbrauch des Koalitionsrechts nicht getroffen werden kann. Redner beschäftigt sich hierauf mit der Stellung des Zentrums zu den anderen Parteien. Der Kampf gegen die übrige» Parteien ist vollständig in den Hintergrund getreten durch den immer schärfer werdenden Kampf gegen den Todfeind des Zentrums, die Sozialdemokratie. Geben wir uns doch darüber keiner Täuschung hin, daß der letzte Entscheidungskampf geschlagen werden muß zwischen uns und ihnen. (Stürmischer Beifall.) Dagegen werde man mit den Nationalliberalen bester stehen. Bei den letzten Reichstagswahlen haben sie in einer ganzen Anzahl von Kreisen fest zu uns gestanden und treu das gegebene Wort gehalten und Zentrumsleute gegen Sozialdemokraten unterstützt. (Lebhafter Beifall) Nicht ebenso könne er das von de« Konservativen rühmen. Der Redner beschäftigt sich dann mit der bevor- stehenden Landtagswahl im benachbarten Kastel-Kostheim, wo der Vorsitzende der Versammlung, Abg. Dr. Schmitt, kandidiert und polemisiert ünteln Er erklärte einleitend, daß es ihm aus drei Gründen lieb sei, in Mainz zu sprechen. Einmal, weil es ihm vergönnt sei, einer so glänzenden Kundgebung der katholischen Uederzeugung beizuwohnen, bann weil es ihm vergönnt sei, aus den Worten der übrigen Redner eine Festigung der alten Ueberzeugung und neuen Mut zur Fortsetzung der allen Thätigkeit zu schöpfen und schließlich, weil namentlich die Alten es gegenwärtig recht herzlich nötig hätten, sich zu verjüngen unb_ zu erneuern in einer Versammlung wie ber gegenwärtigen. (Stürmischer Beifall.) Wie Antäus bei seinem Kampfe mit Herkules jebesmal erstarkte, wenn er roieber mit ber Mutter Erbe, aus ber er hervorgegangen war, in Berührung kam, so erstarken auch wir in Berlin bei unferm Kampfe mit dem Herkules ber Staatsgewalt, bes Liberalismus unb bes Sozialismus immer wieder, so oft es uns gelingt, zu denen zu kommen, aus denen wir hervorgegangen sind. So oft dies der Fall ist, kehrt die alte Kraft, die alte Reinheit der Ueberzeugung, die alte Festigkeit des Willens wieder in unsere Gliedmaßen zurück. (Stürmischer Beifall.) Und so lange solche Berührungen stattfinden, wird es keinem Herkules gelingen, das Centrum in München, Berlin, Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt und wo sonst noch zu erwürgen. (Bravo!) Man hat mir die Aufgabe gestellt, hier über die gegenwärtige politische Lage zu sprechen und so bin ich letzter Redner geworden nach der Maßgabe: Zuerst die Weihe der Religion, dann die segensreiche Thätigkeit in gesellschaftlichen Fragen und zuletzt das politische Handwerk, der politische Landsknecht. (Heiterkeit und Beifall.) Bei der Beurteilung der politischen Lage, so führt Redner weiter aus, ist es unbedingt nötig, sich die Verhältnisse am Anfang uns res Jahrhunderts vor Augen zu halten. Die Vergeßlichkeit ist groß in unserer Zeit und deshalb sage er trotz allen Lamentierens: Es ist besser, erheblich viel bester geworden, als es war am Anfang des Jahrhunderts. Und wie war es? Mit einem Worte gesagt : Jammervoll! Man glaubte fest, der damals regierende Papst werde der letzte und es werde aus sein mit der damals jammervoll zusammengebrochenen katholischen Kirche. Und wenn damals jemand gesagt hätte, am Ende dieses Jahrhunderts werde in Mainz eine solch imposante Versammlung katholischer Männer zusammenkommen, um ihr gutes katholisches Recht, um die Freiheit ihres katholischen Gewissens zu fordern, so hätte man ihn ins Narrenhaus gesteckt. (Beifall und Heiterkeit.) Und doch ist es so gekommen, langsam zwar und mit schrittweisem Anfang, wie eben bei allen großen Dingen. Und sie sind dünn gesät, die Helden katholischer Ueberzeugung, die diese Wendung noch miterlebt haben. Redner gebt dann die Bewegung der einzelnen Jahre durch. Das Jahr 1848 habe zuerst eine Sammlung bes katholischen Bewußtseins gebracht; bann tarnen die Würzburger Tage, welche die Magna Charta der katholischen Kirche wurden und daran anschließend die bekannte Denkschrift an die Regierungen, welche die Magua Charta des ganzen deutschen Volkes geworden ist. (Anhaltender, stürmischer Beifall.) Und die nun folgenden Zeiten! Wer hat uns da geholfen? Es ist wahr, wir verdanken alles, was da kam, unseren Feinden. (Beifall.) Hätten wir nicht den Klostersturm in Moabit gehabt, wer weiß, ob damals im „Englischen Hause" zu Berlin das Centrum des preußischen Abgeordnetenhauses gegründet worden wäre. Und ganz ähnlich ging es mit der Gründung der deutschen Centrumsfraktion im Reichstage. Hätte man nicht zu früh die Sturmvögel aufsteigen lassen, wer weiß, ob wir rechtzeitig auf dem Posten gestanden hätten. So aber verkannte der mächtige Mann, ber damals die Geschicke Deutschlands lenkte, den richtigen Moment und warnte uns dadurch. Man hatte, der Abg. Lasker hat es ja später offen gesagt, den Unterdrückungskampf gegen alles Katholische auch in Preußen nur so lange aufgeschoben, bis man ganz Deutschland unter einen Hut gebracht hatte. Dann aber, kaum daß die siegreichen Feldzeichen aus dem französischen Kriege wieder an ihre Plätze in den verschiedenen Residenzen verbracht worden waren, begann jener innere Krieg, in dem jener Mann, der auch die inneren Verhältnisse nur nach den Gesichtspunkten seiner äußeren Politik zu leiten verstand, die Katholiken als schlimmere Feinde behandelte, als er die Franzosen jemals behandelt hat, trotzdem die Katholiken in dem äußeren Kriege wie alle anderen Deutschen ihren Mann gestanden hatten. (Beifall.) Und es ist uns, menschlich betrachtet, auch noch Jahre lang nachher recht schlecht gegangen. Ader je härter die Schläge kamen, um so fester wurde das Eisen unter dem Hammer. Und die Schläge traten uns nichts, trotzdem die Schläger eine wahre Wollust dabei empfanden, uns zu peinigen. (Pfuirufe.) Wir denken mit Entsetzen daran zurück, wie man unsere Bischöfe, unsere Ordensleute, unsere Priester behandelt hat. Weshalb ich daran erinnere? Nicht um etwa die Entrüstung zu wecken, die uns Alle beherrschte, als man unsere Seelenhirten und Stellvertreter der Apostel fortführte. Das sei ferne; ich erinnere daran, damit Sie es nie vergessen, Sie, die Jungen, was wir Alten nie vergessen können. Ich erinnere daran, damit Sw eingedenk bleiben jenes Wortes: Was einmal war, kann wieder sein! (Stürm. Beifall.) Ich erinnere Sie daran, um in Ihnen den Entschluß zu wecken, so wie es den Alten gelungen ist, bessere Zeiten herbeizuführen, indem sie Schulter an Schulter in guten und schlimmen Tagen zusammenstanden, daß auch Sie auf diesem Wege treu nachfolgen unb zum Wohle unseres lieben beutschen Vaterlanbes unb unserer katholischen Kirche einig zusammenstehen, um uns vor ber Wiederkehr ähnlicher Dinge bewahren zu können. (Lebhafter Beifall.) Ehe der Todesengel ihn mit femen Fittiqen gestreift hatte, ist der Mann, der unemgefchrankt das politische Leben in Deutschland beherrschte, vorn Schauplatz abgetreten. Er ist es aber nicht, ohne vorher selbst die erste Hand zum Abbruch jenes Gebäudes anzulegen, das er mit solchem Fanatismus — so müssen wir beinahe sagen - aufgerichtet hat. Und unser großer Windthorst (Lebhafter anhaltender Beifall) würde, wenn er es erlebt hatte gewiß nicht anqestanden haben, anzuerkennen, daß der zum Ruhestand verurteilte (Heiterkeit) erste Reichskanzler auch das Verdienst m feinen Sachfenwald mit hinüber nahm, daß er allein im Stand war, den Ab- bruch des Kulturkampfgebäudes einzuleiten. (Beifall.) Man maß auch gegen ferne schlimmsten Widersacher gerecht sein Und so spreche ich gern auch weiter den Satz aus: Ich bin ganz fest überzeugt, daß wir keinen Windthorst gehabt hätten, wenn kein Bismarck uns entgegengestanden hätte. (Zustimmung.) Heute stehen andere Männer an der Spitze der deutschen Reichsregierung. Männer ganz anderer Natur, Manner von ganz anderer Vergangenheit und der oberste unter 'ßuen ein Mann, der kein Bedenken getragen hat, bei der Uebernahme der Nachfolgerschaft des Nachfolgers unseres ersten Kanzlers im offenen Reichstage seiner kultur- kämpferischen Vergangenheit Lebewohl zu sagen. Aber auch m anderem Richtung ist ein großer Wandel eingetreten. Da- bis dahin politisch zur Ohnmacht verurteilte Gentrum, dasselbe Gentrum, das entweder nur W*"qLl. I -F-cherU j ®^Sr20 nis.10 1 sen: Mt S5 » Tgeiseh ■Anstalt" sipdwplatz^ 38.80 ’! i * ■...... I ___----- Gratisbeilage«: GießeAer FmniÜeMStler, Der hessische Amdwirt, Mäkler für hessische Volkskunde. —__- , dd a »r258.- 257.30 Saun ■ • - 1 148.-! 141.8V ,efl. Staats ** J Mv s$*Vu.-r* Princ . ! H I -scharf gegen die Sozialdemokraten, die sich nicht gescheut hätten, heute während des Hochamts Flugblätter in der Kirche zu verteilen. (Pfuirufe.) Er hoffe, daß kein Katholik aus der heutigen Versammlung gehe ohne den festen Vorsatz: Den Kerlen wollen wir zeigen, wo Bartel den Most holt! (Langanhaltender stürmischer Beifall.) Redner schließt : Wir wollen auch fernerhin einig zusammen auf eigenem Gewicht und eigenen Füßen stehen. Niemals darf im katholischen Volke der Gedanke erlöschen, -aß wir in der Einigkeit mächtig, in der Entfremdung ohnmächtig sind. Vereint stehen, getrennt fallen mir! Und wie wir auf dem Eigengewicht des katholischen Volkes stehen, so wollen wir furchtlos den Feinden ins Angesicht schauen und niemals verzweifeln. (Donnernder, andauernder Beifall und Hochrufe auf den Redner.) Deutsches Reich. Berlin, 25. September. Vom Aufenthalt des Kaisers in Schweden. Aus Skabersjö wird uns vom Sonntag gemeldet: Heute früh nach dem Frühstück begab sich Kaiser Wilhelm mit dem Grafen Thott in den Schloßpark, um Bussarde zu schießen. Heue nachmittag fahren der Kaiser und der Kronprinz von Schweden und Norwegen mit den übrigen Herren der Jagdgesellschaft zur Rehbockjagd nach Torup. Für morgen ist ein Jagoausflug nach Boekebergsslaett geplant. — Die Abreise des Kaisers vom Skabersjö findet, wie uns ein Privattelegramm meldet, bereits heute nachmittag um 6 Uhr statt. Die „Hohen- zollern" geht, sobald der Kaiser an Bord ist, in See. Die Gesamtstrecke des Kaisers im Jagdrevier von Skabersjö beträgt bis jetzt 34 Rehböcke und 7 Bussarde. Das Wetter ist seit gestern abend sehr schön. Wie uns weiter gemeldet wird, hat der Kaiser an den Grafen Alfred Piper in Snoge- holm folgendes Telegramm gerichtet: „Besten Dank für Ihr freundliches Telegramm und die schönen Tage, die ich in Ihrem Hause verlebt habe. Mit großer Freude werde ich mich stets derselben erinnern. Bitte, auch Ihren Damen meine besten Grüße zu sagen." Der Kurier des Kaisers ist am Samstag infolge der aufgeregten See mit drei Stunden Verspätung in Skabersjö eingetroffen. — Der Kaiser hat dem Freiherrn Otto Thott den Königlichen Kronenorden 2. Klasse und dem Freiherrn Erik Thott, sowie dem Grafen Beck-Friis den Königlichen Kronenorden 3. Klasse verliehen. — Die Kaiserin empfing heute den Oberpräsidenten Freiherrn v. d. Recke und seine Gemahlin in Audienz. Heute nachmittag traf die Kaiserin in Berlin ein und begab sich zum Besuche der Kaiserin-Augusta-Stiftung nach Char- lottenburg. Hierauf kehrte sie nach dem Neuen Palais zurück und empfing sodann den Besuch der Königin von Württemberg. — Die Plenarsitzungen des Bundesrats sollen in der nächsten Woche wieder ausgenommen werden. — Die Nationalsozialen halten ihren diesjährigen Vertretertag vom 1. bis 4. Oktober in Göttingen ab. Den politischen Jahresbericht erstattet Pfarrer Naumann. Geh. Hofrat Prof. Dr. Sohm- Leipzig spricht über die Entwicklung des Staatsgedankens, Geh. Rat Professor Lajo Brentano- München und Schriftsetzer Kahlmann-Hamburg sprechen über den Schutz des gewerblichen Arbeitsver- hältnisses. Außerdem stehen das nationalsoziale Kommunalprogramm (Damaschke-Berlin) und für die Spezialkonferenzen auch das Agrarprogramm und die Gewerkschaften auf der Tagesordnung. — Die „Münch. Neue st. Nachr.", denen bekanntlich das Postdebit in Oesterreich entzogen ist, haben den Schutz des Auswärtigen Amtes angerufen, da sie meinen, daß diese Entziehung den internationalen Verträgen nicht entspreche. Die Beamteuschiebrmgeu irr Preußen re. Berlin, 25. September. Die „Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht das Handschreiben, mit welchem der Kaiser das Abschiedsgesuch des bisherigen Kultusministers Dr. Bosse genehmigt hat. — lieber die Besetzung der beiden erledigten Oberpräsidien ist nunmehr Beschluß gefaßt. Der „National-Zeitung" zufolge ist der Negierungs-Präsident in Bromberg, v. Bethmann-Hollweg zum Oberpräsidenten von Bromberg und der Direktor im Ministerium des Innern, Dr. v. Bitter zum Oberpräsidenten von Posen bestimmt. Zu dem Nachfolger des Letzteren als Direktor im Ministerium des Innern soll der Regierungs Präsident v. Oertzen in Sigmaringen bestimmt sein. — Die Ernennung des Staatsministers Freiherrn v. d. Recke zum Oberpräsidenten der Provinz Westfalen wird heute im „Reichs-Anzeiger" amtlich bekannt gegeben. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Schon wiederholt sind über die Beratungen des Staatsministeriums phantasievolle Berichte in der Presse erschienen. So ist auch die den „Münch. Neuesten Nachr." zugegangene Mitteilung über in der letzten Sitzung des Staatsministeriums angeblich gefaßte Beschlüsse betreffend die Stellung der politischen Beamten zum Bunde der Landwirte, wie wir erfahren, völlig unzutreffend. Breslau, 25. September. Die Generalversammlung des Vereins für Sozialpolitik wurde heute vormittag im Landeshause unter zahlreicher Beteiligung mit einer längeren Rede des Prof. Schmoller-Berlin eröffnet. Oberpräsident Fürst Hatzfeldt begrüßte den Verein und betonte, daß die Staatsregierung den Verhandlungen Beachtung schenke. Auf Vorschlag des Staatsministers v. Berlepsch wurde Prof. Schmoller zum ersten Vorsitzenden gewählt. Elbing, 25. September. Der internationale Geographentag besuchte am Sonntag das Besitztum des Kaisers Cadinen. Beim Mittagsmahl in Punklau teilte Professor Jentsch-Berlin mit, daß die ausländischen Gelehrten den Wunsch ausgesprochen hätten, dem deutschen Kaiser Dank und Gruß zu senden. Die Anregung wurde umso freudiger ausgenommen, als sie von den Ausländern kam. Nach einem begeistert aufgenommenen dreifachen Hoch auf Kaiser Wilhelm II. wurde folgendes Telegramm abgesandt: „Sr. Majestät dem deutschen Kaiser und König von Preußen. Berlin, Kabinettspostamt: Die aus Belgien, Frankreich, Rußland, Schweden und Deutschland versammelten Teilnehmer an der ost- und westpreußischen Exkursion des internationalen Gevgraphenkongresses bitten Ew. Majestät ehrfurchtsvollst, bei dem Besuch des herrlichen Cadinen ihren Dank und ehrerbietigen Gruß entgegen nehmen zu wollen." Der Kaiser hat darauf der Vereinigung folgende telegraphische Antwort zugehen lassen: Den Teilnehmern der ost- und westpreußischen Exkursion des internationalen Geographenkongresses sende ich aufrichtigsten Dank für die freundliche Begrüßung und verbinde damit den Ausdruck meiner besonderen Freude und Genugthuung darüber, daß denselben mein westpreußischer Landbesitz so gut gefallen hat. Wilhelm R.____________________________________ Ausland. Die eveut. Nachfolger des Grafen Thun. Wien, 25. September. Fürst Alfred Liechtenstein wurde neuerdings vom Kaiser empfangen und hatte auch eine Unterredung mit dem Grafen Goluchowski. Man sagt, daß er seine Bemühungen, ein Ministerium der Rechten zu bilden, wieder aufnehmen werde. Beide Seiten des Parlaments machen Anstrengungen, die entscheidende Stimmung des Kaisers für sich zu gewinnen. Chlumecky ist aus Aussee hier eingetroffen und hat den verfassungstreuen Großgrundbesitz zu einer Besprechung eingeladen. Pergelt bemüht sich, eine engere Verbindung zwischen den deutschen Volksparteien herzustellen. Auf der Rechten wird unter tschechischer Führung heftig gegen ein etwaiges Beamtenministerium gewütet; auch die Polen Jaworski und Abrahamowitsch sind ^evt); rragend in dieser Richtung thätig. Auf der Linken wird von Der Auflösung des Reichsrats gesprochen, wodurch die deutschfeindlichen Teile des Polenklubs und der Klerikalen leicht zu bändigen wären. Mittags wurde Graf Thun, später Koloman v. Szell vom Kaiser empfangen. In dieser letzten Audienz handelte es sich um das Arbeitsprogramm des demnächst zusammentretenden ungarischen Reichstags. Das „Bureau Herold" meldet: Wien, 25. September. Der Stand der Ministerkrisis ist unverändert. Die Kombinationen sind bisher gescheitert. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser den Grafen Thun neuerdings mit der Bildung des Kabinetts betraut. Das Urteil im Belgrader Attentatsprozeß. Belgrad, 25. September. Das Urteil im Hochverrats-Prozeß ist heute früh gefällt worden. Der Attentäter Knesevic wurde zum Tode, acht Ange- klagte zu je 20jährigem schweren Kerker in schweren Ketten und zwar als Mitschuldige, welche wußten, daß an Hochverrat gearbeitet wurde, es aber der Behörde nicht au- zeigten, verurteilt. 9 Angeklagte, darunter Pasic, erhielten je 9 Jahre Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Nach der Publikation des Urteils rief der zu 20 Jahren Kerker verurteilte Zfivkovic: Es lebe König Alexander, dochGott schütze ihn vor solchen Freunden, wobei er mit der Hand auf die Richter deutele. Die Hinrichtung Knesevic sollte heute nach- mittag 4 Uhr bereits erfolgen. Der König begnadigte Pafic, welcher telegraphisch seinen Dank ausdrückte. — Die Begründung der Urteile stützt sich, wie der „Fft. Ztg." telegraphiert wird, auf die Thatsache, daß ein Hochverrat bestanden habe,.denn König Milan sei der berechtigte Thronfolger und das Attentat auf sein Leben sei Hochverrat. Die Urteile werden daher entsprechend der Anklage und auf Grund der vorhandenen Beweise gefällt. Die Anklage wegen Hochverrats gegen Paschitsch wurde fallen gelassen und die Schuld anders qualifiziert. Von den Angeklagten erschienen der Attentäter Kneschewitsch, Oberst Nikolaitsch, Dimitsch, Kowatschewitsch, Milenkowitsch, Pawitschewitsch, Skiwkowitsch, Prota Djuritsch und Kresowitsch in Ketten. Die Angeklagten wurden beim Urteilsspruche in besondere Gruppen gesondert. Belgrad, 25. September. Infolge des außerordentlich strengen Urteils, das heute im Attentatsprozeß gefällt wurde, herrscht hier allenthalben große Erregung; die Truppen sind konsigniert. Hnr Trausvaalkrisis liegen folgende Meldungen vor: Loudon, 25. September. Die liberalen Blätter kommentieren die gestern in Trafalgar Squar stattgefundene Friedenskundgebung und fordern, das Volk solle darüber abzustimmen haben, ob der Krieg stattfinden soll oder nicht. „Morning Leader" erklärt, daß außer den Friedenskundgebungen auch Gegenkundgebungen stattgefunden haben, wobei es zu Krawallen kam. Mehrere Personen wurden verwundet, 30 verhaftet. Ein Redner, der wegen seiner Buren freundlichen Haltung für einen solchen gehalten wurde, wurde arg mißhandelt. Berlin, 25. September. Die „Berliner Neuesten Nachrichten" melden aus London, daß das englische Kabinett am Freitag mittag zur Beratung der entscheidenden Note an die Transvaal-Republik zusammentritt. * * * Rom, 25. September. Der Papst ernannte den Kanonikus Freiherrn von Skobensky zum Erzbischof von Prag. Rew-Aork, 25. September. Ein Telegramm aus Manila berichtet, daß die Stadt Alongola nach 10stündiger Beschießung eingenommen und zerstört worden ist. Die Amerikaner hatten nur einen Toten. Paris, 25. September. Die Ueberführung der Leiche Scheurer-Kestners nach dem Ostbahnhofe hat heute vormittag stattgefunden. Mehrere Minister, zahlreiche Senatoren und andere hohe Persönlichkeiten befanden sich im Leichenzuge. Auf dem Bahnhofe wurden mehrere Reden gehalten. Unter den zahlreichen Kränzen erregte derjenige des Fürsten von Monacco besonderes Aufsehen Derselbe trug die Inschrift: Dem Ehrenmanne, Fürst von Monacco. — Der „Figaro" meldet: Unter den zahlreichen Blumenspenden, welche der Familie Scheurer- Kestner zugegangen sind, befindet sich auch ein Kranz, der die Inschrift trägt: Innigsten Dank, Alfred Dreyfus. Paris, 25. September. Die Untersuchung in der Komplotts-Affaire hat, wie verlautet, belastendes Beweismaterial gegen einen orleanistischen Senator und einen nationalistischen Abgeordneten zu Tage gefördert. Gewisse mit der Demission des Generals Chanoine zusammenhängende Thatsachen sind ebenfalls in Frage gezogen worden. — Kriegsminister Gallifet hat heute ein Zirkular an die Offiziere erlassen, worin er ihnen untersagt, sich ohne Erlaubnis der Behörde zum Manöver fremder Mächte zu begeben. Auch die fremden Offiziere, welche sich in Frankreich befinden, dürfen ohne schriftliche Ermächtigung den Manövern in Frankreich nicht beiwohnen. — Heute mittag erschien auf dem Nachrichten-Bureau ein Mann und gab daselbst eine Karte ab, welche den Namen Fleuvy trug. Der Mann verlangte den Leiter des Nachrichten-Bureaus zu sprechen. Derselbe war nicht anwesend. Nach einer Stunde erschien der Unbekannte nochmals. Als auch diesmal der Leiter des Nachrichten-Bureaus nicht anwesend war, stellte er sich vor dem Gebäude auf und wartete, bis derselbe kam. Als der Leiter des Bureaus gegen V23 Uhr erschien, feuerte der Unbekannte einen Revolverschuß auf ihn ab. Der Schuß ging fehl. Der Leiter des Bureaus Packte den Unbekannten an der Gurgel und fiel mit ihm zu Boden. Herbeigerufene Wachmannschaften nahmen den Attentäter fest. Derselbe wird als geisteskrank bezeichnet. Loudon, 25. September. Wie die Blätter melden, habe auch (Dgl. unsere Meldung vom Samstag) die britische Regierung die offizielle Mitteilung von neuen Unruhen auf Samoa erhalten. Das neu eingeführte Verwaltungssystem habe sich als ein Mißerfolg herausgestellt, und die Kabinette in Berlin, London und Washington würden die ganze Angelegenheit von neuem erwägen. Kskaies und Rrovimüües. Gießen, den 26. September 1899. ** Aus der Justiz. (Telephonmeldung aus Darmstadt.) Gerichtsassessor Trapp wurde durch Entschließung des Großherzoglichen Ministeriums der Justiz mit der Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters beim Amtsgericht Offenbach beauftragt. ** Oeffentliche Lesehalle. (Siehe Inserat!) Da infolge des engen Raumes, der uns in der Lesehalle zur Verfügung steht, zuweilen Verstimmungen zwischen älteren und jüngere» Lesern vorgekommen sind, so haben wir beschlossen, um beide Teile nach Möglichkeit zu befriedigen, unsere junge« Leser von den älteren zu trennen, und zwar in der Weise, daß in jeder Woche der Freitag (6—8 Uhr) als Ausleihetag nur für die Jugend (unter 16 Jahren) festgesetzt wird, hingegen an den übrigen drei Ausleihetage» (Montag, Mittwoch und Samstag) nur an Erwachsene Bücher ausgegeben werden. Diese Neuerung soll schon in dieser Woche anfangen. Wir bitten also bie geehrten erwachsenen Leser höflichst, die Freitage der Jugend zu überlassen, auch an den anderen Ausleihetagen keine Kinder zur Bücherbesorgung in die Lesehalle zu schicken, vielmehr, wenn sie Kinder zur Besorgung von Bücher« schicken müssen, dies auch nur Freitags zu thun, und wir bitten andererseits alle jungen Leser unter 16 Jahre« (Schüler, Schülerinnen, Lehrlinge), von jetzt ab nur noch Freitags in die Lesehalle zu kommen. Wir erlaube» uns, darauf aufmerksam zu machen, daß wir von nächster Woche ab junge Leser, die Montags, Mittwochs oder Samstags kommen, sowie Erwachsene, die Freitags kommen, um Bücher zu entleihen, abweisen und sie auf die ihnen zu- stehenden Ausleihetage Hinweisen müssen. Wir hoffen, aus diese Weise größere Ruhe und Ordnung in die Ausleihe» zu bringen, und dadurch dem Besten der Leser zu dienen. Der Denkende wird verstehen, daß es uns als einem ethische» Institute nicht mehr einfallen kann, den einen Leserkreis um des anderen willen von der Lesehalle auszuschließen. Nach wie vor schließt sich selber nur derjenige von unserer Gemeinschaft aus, der die Benutzungsbestimmungen der Bibliothek hartnäckig übertritt, sein entliehenes Buch nicht zurückbringt, und der sich durch anmaßendes, unbescheidenes Gebühren oder durch übermäßige Inanspruchnahme des Bibliothekars lästig macht. A. W. *♦ Polizeibericht. Heute nacht 12 Uhr wurde von böswilliger Hand der Ansichtskarten-Automat bes Buchhändlers Krebs in der Schulstraße abgehängt und demoliert. Dem Thäter ist man auf der Spur. Darmstadt, 26. September. Das russische Kaiser- Paar wird, einer Petersburger Meldung zufolge, von seiner Auslandsreise Anfangs November direkt nach der Hauptstadt zurückkehren, da ein Aufenthalt in der Krim in diesem Jahre nicht in Aussicht genommen sei._____________ Schwurgericht. W. Gießen, 26. September 1899. Landgerichtsrat Prätorius eröffnete heute vormittag 9 Uhr die Verhandlung gegen August Emil Lukat von Ober-Eiffeln, Ernst Arnemann von Northeim und Albert Schmenger von Pirmasens, sämtlich angeklagt wegen Raubes. Staatsanwalt Zimmermann ver- tritt die Anklage. Als Verteidiger sind die Rechtsanwälte Engisch, Hoos und Rosenberg II. zur Stelle. Es sind neun Zeugen zu vernehmen, Lukat erklärt, Kellner, am 22. Mai 1874 geboren und wegen Betrug vorbestraft zu sein. — Arnemann ist 17 Jahre alt, hat zuletzt als Bauarbeiter gearbeitet, und ist wegen Landstreicherei vorbestraft. — Schmenger( am 9. Dezember 1880 geboren, ist Eisendrrher und noch unbestraft. Den Angeklagten wird zur Last gelegt, in der Nacht vom 10. zum 11. September den Land mann Heinrich Krai- l i n g XI. von Wieseck auf der Landstraße zwischen Lollar und Gießen * Aachen, ‘ MrMrat Talb Mnskaffe sein Mdge Stiftunger * Osnabrück, Schweden, M ™.he« inudtui 7"Sjzhru U sich am Sto ” erobert, qe «Preußen Aw Merordens 2 p von Dolic welche Ehrend des Kult bestrebt ^ 'Weife -SM j wir w« 6tL testiert '">« ber i. ®a” »it ta. dermal bWt! daß । Äz 'Klkr durch dort Ne ihU.® ’S'llfJ""! frrniW jj/unb 1 Die Än ®otb,Ä' C°ssel. gcm#w0 Kirchs Wf'Jl Mendel' J 6W” fit, N>°I> nach Ä nad) WjL und sie ft vnn °rk vw „ebn. ^fein?Ätiär ßrailS^Lann W seien nüchtern geivesen, bestreitet, baßer mit K au kr Thal überhaus mir dein Mann \mU8 erroibcit: „Laßt doch das Geld MM n mann hinterhergegan Mann gestellt hat, ot Gewalt abgenommen, e. Schwengel ja6e die ganz, gegangen, ohne daß 1 ausdrücklich ein, dich den Krailing ausra brachter That von erwiedert haben, er h etwas anzunehnicn; hi habe und erhielt diese nehmen. Später habe sragen, ob sich der Ar selbe, er sei nur mi Vorsitzende fragt den .Mit gegangen, mit wmdung finde, toorc nur angcheilert gewi der Thal Ruttersha sein. Lukat hat i schildert die Vorgarn ling habe sie am Er man aber ablehnte, aus der Wanderscha sagte: „Laßt mich ich Gewalt. Lukat! krailing her und rh lich bei der Dunke/He ging, nad/ tttva । Mailing Bantam, Styiltu unb fpätn at Schanden und zugcseher zu thun. Der Angellc Thal eben so wenig bi Lukat habe dem Aaist lagen. Damit ist die dar der Vernehmung f0"b««8 «fer b" ' *» »i. «ilie ÄN« ßch «A''* ^.'r-dDr^ gefötbert m""" in Stan,* mn,e,1= if-t^VWSe« -h°ld! ±*" . zum Äianvvn AkSÄ "" Selter d-, Nach! ®“ W ««»efenb. «s nchtev.Bu^aus Jx?.etn Gebäude aus ' Setter beä®WttJ l.^Wtttnte einen SS 9i”9 feil, unbetannten an der Herbnzerusene Wach, ikst. Derselbe wird e Blätter melden, habe $ta9) die britische Re- 11 "euen Unruhen geführte Verwaltungs- erauägefteßt, und dir rshinglon würben bic !H. »Mts. September 1899. ndbung aus Darm- PP wurde durch Ent- inisteriums der Justiz Achtungen eines Amts- fach beauftragt. Inserat!) Da infolge esehalle zur Bersilgung n älteren und jüngeren i wir beschloßen, um ■iebigen, unfere jungen b Mar in bet Weise, tag (6—8 Uhr) alt ib (unter 16 Jahren) M drn ÄMchetageL Slag) nur an Tr- wn. Diese Neuerung Wir bitten also bit )ie Freitage der Jugend en Ausleihetagen keine e Lesehalle zu schicken, Besorgung von Bücher« :eitags zu thun, und Seiet unter 16 Jahre» von jetzt ab nur noch Immen. Wir erlaube» daß wir von nächster Mittwochs oder Sams- e Freitags kommen, m sie aus die chnen zu Jen. Wir hvW' ng in die Ausleche« Z Mer tu bienen. :nund als einem ethischen 1 u inen Leserkreis Lesehalle auszuschließen- s-ss **ta« Ä da * W-ldE Ä ;«ch bet St Sri» » tfentW*.? ächt' . 1899. 6.»"” „«91»'1! :**&&& f, 1874 gebof J h-tM MV ti*1 beraubt zu haben. Dem Kraifing soll Uhr und Kette, ein Taschenmesser und 1 Mark 40 Pfennig bares Geld abgenommen worden sein. Die Angeklagten erklären, sie seien am 10. September, gemeinsam von Cassel kommend, gegen Abend nach Ruttershausen gekommen, wo Kirchweih war und wo einige Leute ihnen Bier und Schnaps gespendet. Die Angeklagten befanden sich auf der Wanderschaft nach Frankfurt, wo sie Stellung zu finden glaubten. Gegen 11 Uhr abends kamen sie nach Lollar, wo sie versuchten, Nachtquartier zu bekommen; sie entschlossen sich aber doch nach Gießen zu gehen, und auf dem Wege dahin trafen die drei Angeklagten den Krailing, der des gleichen Weges ging und sic friig, wo sie hin wollten. Er lud sie ein, mit ihm zusammen zu gehen, da Wieseck kurz vor Gießen liege. Sie lehnten das Mitgehen ab und ließen den Mann ein Stückchen vorausgehen. Plötzlich sagte Arnemann: „Von dem können wir etwas toben." Lukat will dann stark hinter Krailing hergegangen sein, und diesen höflich gebeten haben, ihm sein Geld zu geben, da er und seine Reisegenoffen keins mehr hätten. Krailing habe, so erklärt wenigstens Lukat ihin30bis40Pfg.gegebenundzwar gutwillig. Arnemann, der ebenfalls näher gekommen sei, habe aber verlangt, der Wilscecki solle seine Uhr hergeben, was dieser auch that. Lukat belastet seine Mitangeklagten; diese seien damit einverstanden gewesen, daß man den Krailing berauben wolle, beide seien dabei gewesen, als Krailing die Sachen herausgab. Der Raub sollte am andern Tage geteilt werden. Schmenger habe ihm kurz vor Gießen ein Fünfmarkstück gegeben mit dem Bemerken, er solle ihm dies aufheben als Zeichen, daß er mit ihm zusammen bleiben wolle. Kurz vor Gießen wurden die Angeklagten von einem Radfahrer eingeholt, der ihre Verhaftung bewirkte. Schwenger erklärt, als er mit dem Genossen zusammen kam, habe er noch 7 Mk. gehabt, allerdings habe er diesem nichts davon gesagt. Die Begegnung mit Krailing bei Lollar fand an jener Stelle der Straße statt, wo der Wald anfängt. Schwenger sagt aus, er und Arnemann seien nüchtern gewesen, wohl aber schien ihm Lukat angetrunken zu sein. Er bestreitet, daß er mit seinen Genoffen den Raub vorher überlegt, oder sich an der That überhaupt beteiligt habe. Lukat habe zwar gefragt: „wollen wir dem Mann sein Geld abnehmen?", doch habe er, Schmenger, darauf erwidert: „Laßt doch dem Mann sein Geld". Als Lukat dem Krailing das Geld abnahm, will Schmenger etwa zehn Schritt mit dem Arnemann hinterhergegangen sein. Schmenger hat gesehen, wie Lukat den Mann gestellt hat, ob dieser dem Krailing das Geld und die Sachen mit Gewalt abgenommen, will er nicht gesehen haben, es sei dazu zu dunkel gewesen. Schmenger bestreitet, den Mann überhaupt ungefaßt zu haben. Lukat habe die ganze Sache allein gemacht, die Beraubung sei vor sich gegangen, ohne daß er versucht habe, sie zu hindern, er gestehe aber ausdrücklich ein, dicht neben dem Lukat gestanden zu haben, als dieser den Krailing ausraubte. — Richtig ist, daß Lukat nach vollbrachter That von Teilen gesprochen hat, doch will Schmenger erroiebert Haden, er habe nicht das Herz, von den geraubten Sachen etwas anzunehmen; hierbei erfuhr Lückert, daß Schmenger noch 5 Mk. habe und erhielt diese auf Verlangen, weil er drohte, es mit Gewalt zu nehmen. Später habe er dann seine 5 Mk. zurück erhalten. Auf Befragen, ob sich der Angeklagte denn für unschuldig halte, erwiderte derselbe, er sei nur mitgegangen, habe aber direkt nichts gemacht. Der Vorsitzende fragt den Angeklagten, ob er glaubt, daß das Sprichwort „Mit gegangen, mit gehangen" auf ihn im vorliegenden Fall keine Anwendung finde, worauf dieser schweigt. Der Angeklagte Arnemann will nur angeheitert gewesen fein, als man beim Dunkelwerden am Tage vor der That Ruttershausen verließ. Lukat schien ihm jedoch betrunken zu sein. Lukat hat in Lollar noch eine Flasche Bier getrunken. Er schildert die Vorgänge des abends wie die beiden Mitangeklagten. Kreiling habe sie am Ende der Dörfer aufgefordert, mit ihm zu gehen, was man aber ablehnte. Später sprach Lukat vom Erben, worunter man auf der Wanderschaft die Annahme eines Geschenkes versteht. Lukat sagte: „Laßt mich nur machen, wenn ers nicht giebt, brauch ich Gewalt. Lukat ließ sich Arnemanns Stock geben, ging scharf hinter Krailing her nnd rief „halt"! Was darauf geschehen, konnte man deutlich bei der Dunkelheit nicht sehen. Als Arnemann, der langsam weiter ging, nach etwa dreißig bis vierzig Schritten, an Lukat und Krailing herankam, hatte der erstere seine Hände an Krailings Schulter und später an dessen Arm. Der Angeklagte habe ruhig dabei gestanden und zugesehen, wie Krailing beraubt wurde, ohne das mindeste zu thun. Der Angeklagte erklärt, daß Schmenger sich aktiv bei der That eben so wenig beteiligt habe, als er selbst. Er könne nur sagen, Lukat habe dem Krailing die Taschen durchsucht, das könne er bestimmt sagen. Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendet. Es tritt vor der Vernehmung der Zeugen eine Pause ein. Vermischtes. • Aachen, 25. September. Der verstorbene Kommerzienrat Talbot vermachte 100,000 Mk. der Arbeiterpensionskasse seiner Fabrik und 200,000 Mk. sür wohltätige Stiftungen. * Osnabrück, 24. September. Der Bischof von Schweden, Msgr. Dr. Albertus Bitter, beging heute in dem benachbarten Melle, seiner Vaterstadt, die Feier seines 25jährigen Priesterjubiläums. Dr. Bitter hat sich am Stockholmer Hofe eine sehr vorteilhafte Position erobert, genießt dort großes Ansehen, und hat auch in Preußen Anerkennung durch Verleihung des Roten Adlerordens 2. Klasse gefunden. Er ist gleichzeitig Titular- bischof von Doliche, und einer der wenigen katholischen Geistlichen, welchen es gestattet ist, einen Vollbart zu tragen. Während des Kulturkampfes war Bitter einer der wenigen, welche bestrebt waren, die Gegensätze zu mildern und versöhnend einzugreifen. ♦ Braunschweig, 25. September. Der „Köln. Ztg." geht von hier folgendes kuriose Telegramm zu: „Der Magistrat beantragt die Einführung der Biersteuer, deren Ertrag zur Erhöhung der Lehrergehälter verwendet werden soll." (Prosit!) * Kiel, 25. September. Der letzte Sturm in der Ostsee und den dänischen Gewässern hat zahlreiche Schiffs Unfälle herbeigeführt. Auf Seelandsreff scheiterten und bei Varberg kenterten unbekannte Segelschiffe. Die Besatzungen sind umgekommen. Bei Fäggesund sanken zwei Segler. Außerdem sind viele Schiffe gestrandet und havariert. * Wien, 25. September. Zum Kuttenberger Prozeß melden die Prager „Narodni Listy": Erb mann und Wassermann, die angeblichen Mitschuldigen Hilsners, seien bereits verhaftet. Josua Erbmann aus Trebitsch sei, wie von dort geschrieben wird, 48 Jahre alt, halb blind Md so lahm, daß er auf Krücken geht. Er ist als vagabundierender Bettler bekannt, war am 24. März in Trebitsch und ging von dort nach Fananitz. In Kuttenberg werden durch Hilsners Zellengenossen Arator weitere Details des Hilsner'schen Geständnisses verbreitet. Er habe drei Mitschuldige genannt und behauptet, die Ermordung der Hruza sei schon ein Jahr vorher verabredet worden. * Leipzig, 24. September. Heute wurde in derSchönbach- ^aße in Stötteritz die 15 Jahre alte Tochter der Witwe Zehrfeld von einem Motorwagen der elektrischen »Straßenbahn überfahren und auf der Stelle getötet. Die Unglückliche war beim Ueberschreiten des Geleises mit dem Schuhabsatz in einer Weiche hängen geblieben und zu Falle gekommen. Der Wagenführer hatte den in voller Fahrt befindlichen Wagen nicht schnell genug zum Halten bringen können. * Meran, 25. September. In Lana fuhr eine leere Lokomotive auf den Meraner Personenzug. Zwei reisende Damen wurden verwundet. * Plauen, 25. September. In der Umgegend sind so viele Fälle von Diphtheritis festgestellt worden, daß mehrere Schulen geschlossen werden mußten. * München, 25. September. Die durch das Hochwasser verursachten Verkehrsstörungen sind jetzt so weit wieder gehoben, daß die Orient-Expreßzüge und auch die übrigen Expreßzüge wieder verkehren können und daß, laut amtlicher Mitteilung, der volle internationale Schnell- und Expreßzugverkehr zwischen Bayern und Oesterreich wiederhergestellt ist. * New-Hark, 25. September. Bei Florenz im Staate Colorado stieß ein Vergnügungszug auf einen Güterzug, wobei 10 Personen getötet und viele verwundet wurden. Arbeiterbewegung. Krefeld, 24. September. Die von uns schon kurz erwähnte Lohnbewegung unter den Färbern nimmt nach einer Korrespondenz der „K. Z." hier eigentümliche Formen an In einer Anzahl von ©eibenfäi;bereien ist gestern zwischen den Färbereibesitzern eine Einigung auf der Grundlage zustande gekommen, daß der Wochenlohn der Jüngern Arbeiter auf 19 Mk. 50 Pfg. der der älteren Arbeiter auf 21 Mk. festgesetzt worden ist. Es sind dies die Firmen W. Biermann, H. v. d. Linde, Overbeck u. Hornholtz, Nrruen Gebr., I. Aug. Voß Sohn, Gebr. v. Beckerath, Eugen Stolte, R. Schnitzler, E. A. Kotigen, v. Beckerath u. Cie. und Hoddick u. Cie. Bet der Firma Hch. Voß, die die Forderungen der Arbeiter ablehnt, traten gestern abend 40 Arbeiter in den Ausstand, und die Färber der Firma Langenberg, Pfeiffer, Heitgers u. Cie. werden aus demselben Grunde am Montag oder Dienstag nach- solgen. Während so mit wenigen Ausnahmen ohne Kampf eine Einigung zwischen beiden Teilen erzielt worden ist, sind die Arbeiter der beiden Aktiengesellschastcn Krefelder Seidenfärberei und G. Büschgens u. Sohn noch weiter ausständisch, und sie sind, wie eine große Färberversammlung heute vormittag gezeigt hat, noch nicht gewillt, die Arbeit wieder aufzunehmen, obwohl die beiden Häuser, wie schon telegraphisch gemeldet worden ist, nicht nur die Forderung eines Wochenlohns von 21 Mk. zugestanden, sondern ihn auch für die jüngern Arbeiter bewilligt haben, obschon in der Lohnliste der Arbeiter eine Altersstufe festgesetzt war. In der von 1500 Färbern besuchten Versammlung, in der bezeichnenderweise auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete sür Fürth- Erlangen, „Arbeitersekretär" Seggietz aus Nürnberg, auftauchte und zum weiteren Ausharren im Kampfe ermunterte, wurde unter allgemeiner Zustimmung die Losung ausgegeben: Es wird weiter gestreikt. Die Arbeiter, die so bequem erhebliche Zugeständnisse erlangen, wollen jetzt noch andere Forderungen stellen. Le Creuzot, 25. September. Der Unterpräfekt hat sich bereit erklärt, die Vermittelung zwischen den Streikenden und den Direktoren zu übernehmen. Letztere beraten mit den Aktionären, welche Antwort sie den Streikenden geben sollen. Gestern Nachmittag wurde eine bedeutende Kundgebung zugunsten der ausständischen Arbeiter veranstaltet, wobei zahlreiche sozialistische Fahnen getragen wurden. Frauen und Kinder nahmen daran teil. Jagd und Sport. Darmstadt, 25. September. Das große internationale Herbst-Rad-Wettfahren des Radfahrervereins Darmstadt, das gestern auf der Rennbahn an der Heidelbergerstraße trotz der ungünstigen Witterung stattgefunden, nahm den besten Verlauf. Im Erstfahren (offen für Herrenfahren, die noch keinen Preis auf der Rennbahn errungen) ging Herr Christ Pfeiffer (Arheilgen) mit 3 Min. 51 Vs Sek. als erster über das Band; im Großen Hauptfahren von Darmstadt (offen für Berufsfahrer) war erster Franz Verheyen (Frankfurt) mit 3 Min. 43 Sek.; im Fahren uni den Wanderpreis Sr. Großh. Hoheit des Prinzen Wilhelm war erster Erich Möder (Frankfurt) mit 3 Min. 41 Sek.; im Mehrsitzerfahren (offen für Berufsfahrer) waren erste Franz Verheyen (Frankfurt) und Karl Weeck l Dortmund) mit 3 Min. 27Vs Sek; im Verlosungsfahren (offen für Berufsfahrer) siegte Herr Henry Mayer von Hannover mit der Gewinn-Nummer 501 (der ober die glückliche Gewinnerin des Fahrrads meldete sich nicht, war jedenfalls nicht mehr auf dem Rennplatz) in 1 Min. 23VS Sek; im 25 Kilometerfahren (offen für Herrenfahrer, 50 Runden) siegte als erster mit 38 Min. 11 Sek. Andreas Gräf von Frankfurt a. M. Dem Nennen wohnte, wie das „D. T." berichtet, der hohe Protektor des Vereins, Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm, an. Handel und Uerkehr. Volkswirtschaft. Gieße«, 26. September. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 0.95—1.10, Hühnereier per St. 7—8 H, 2 St. 14—15 Enteneier 1 St. 0-0 H, Gänseeier per St. 6—00 Käse 2 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 5—6 Z, Erbsen per Liter 19 Linsen per Liter 30 H, Tauben per Paar •X 0.70—0.80, Hühner per St. v* 1.00—1.80, Hahnen per Stück X 0.60—0.90, Enten per St. 1.80—2.00, Gänse per Pfund ** 0 00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 66—74 4, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 78 Kalbfleisch per Pfd. 60—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 bis 5.50 JL, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. 5.50—6.50, Milch per Liter 16 4, Zwetschen per Ctr. 5,50—7,00. Dauer der Marktzett oon 8 Uhr morgens btS 2 Uhr nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umheniehen nicht feilgeboten werden. Darmstadt, 25. September. Die Wochenmärkte prangen in herbstlicher Fülle. Von den Märkten der vorigen Woche sind nach dem „D. T." an Durchschnittspreisen hier zu notieren: Butter V, Kg. 1,20—1,25 Mk., in Partien 1,08—1,12 Mk., Eier 5-8 Pfg., Handkäse 4—10 Pfg., Schmierkäse Ve Ltr. 15—16 Pfg., Aepfel, je nach Sorten, p. ‘/a Kg. 20-25 Pfg., Falläpfel 10-12 Pfg., Birnen desgl. 20—30 Pfg., Kochbirnen 10—15 Pfg., Nüsse 100 Stück 70—90 Pfg., Preißelbeeren p. Maß (2 Liter) 65—70 Pfg, Pfirsiche */e Kg. 20 bis 40 Pfg., Zwetschen p. Gentner 11—12 Mk., 100 Stück 40—45 Pfg., Vs Kg. 14—16 Pfg., italienische Trauben V, Kg. 35-40 Pfg., hiesige 18—25 Pfg., Kartoffeln: rote p. Malter (100 Kg.) 4,80—5,00 Mk., P. Kumpf (10 Liter) 48—50 Pfg., weiße 5,50—6,00 Mk, bezw. 60 bis 70 Pfg., Ueberrheiner 8—9 Mk, bezw. 70—80 Pfg., Salatkartoffeln p. Kumpf 90 Pfg. bis 1 Mk., Rettige 4—10 Pfg., Meerrettig 100 Stück 7—12 Mk., p. Stück 8-20 Pfg., Kopfsalat 4-8 Pfg., Endivien 4—8 Pfg., Schälgurken 4—15 Pfg., Gurken zum Einmachen p. 100 Stück 1—2 Mk., Bohnen V, Kg. 10-25 Pfg., Wirsing 4-8 Pfg., Weißkraut 100 Stück 8-12 Mk., p. Stück 10—14 Pfg., Rotkraut 10-20 Pfg., Blumenkohl 10—25 Pfg., Römisch-Kohl p. Bündel 1—7 Pfg., Paradiesäpfel V» Kg. 20 Pfg., Zwiebeln p. Gentner 5—6 Mk., p. V» Kg. 5 bis 6 Pfg., Gänse 4—6 Mk, Enten 2,00—3,50 Mk., Hahnen 80 Pfg. bis 2,50 Mk., Suppenhühner 1—2 Mk., Tauben 35—60 Pfg., Feldhühner: alte 40—60 Pfg, junge 60 Pfg bis 1,30 Mk., Lapins 80 Pfg. bis 1,20 Mk., Hasen 2,50—3,50 Mk., vom Fischmarkt p. Kg. Hecht 90 Pfg, Barsch 60 Pfg. Schiffsnachrichten Norddeutscher Lloyd, in Gießen öeitreten durch die Agent« Earl L00S und I. M. Schulhof. Bremen, 22 Septbr. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Oldenburg, Capitän H. Gathemann, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 7 Uhr abends wohlbehalten in New- Aork angekommen. Für die vom Hochwasser Beschädigten gingen weiter bei uns ein: Von Dr. <5. 2 Jt, Bg. 20^, Ungenannt 2 JL, T. & S. 10 vM, R. P. 5 JL, Ungenannt 0.60 Jt, P. Sp. 15 »• 3 ** Summa 57.60 JL Insgesamt Weitere Gaben nimmt gerne entgegen Die Expedition des »Gießener Anzeiger". Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau „Herold". Berlin, 26. September. Nach einem Telegramm aus Skabersjoe kehrte der Kaiser nach der gestern nachmittag in Böckebergsstätt abgehaltenen Jagd dorthin zurück, wo die Ankunft kurz vor 7 Uhr erfolgte. Von dort aus fuhr der Kaiser alsbald nach Malmö weiter und begab sich unter stürmischen Ovationen einer großen Volksmenge an Bord der „Hohenzollern". Die Abreise nach Danzig erfolgt voraussichtlich heute früh. Wien, 26. September. Wie aus Prag berichtet wird, erweist sich die Meldung der „Narodni Listy'' von der Verhaftung Erbmanns und Wassermanns als unwahr. (Vgl. Vermischtes.) Preßburg, 26. September. Aus der Strafanstalt Jllava sind 12 schwere Verbrecher entsprungen, von denen bis jetzt nur vier eingefangen werden konnten. Paris, 26. September. Die wegen der Plünderung der Josefskirche angeklagten Personen wurden gestern zum letztenmale verhört. Von den 27 Angeklagten wird nur etwa die Hälfte verfolgt werden. Paris, 26. September. Gelegentlich der Ueberführ- ung der Leiche Scheurer-Kestners nach dem Ostbahnhofe versuchte eine Gruppe der Nationalisten eine antisemitische Kundgebung in Szene zu setzen. Die Demonstration scheiterte jedoch an der ablehnenden Haltung der Bevölkerung. Wie es heißt, versuchten die Nationalisten den Kriegsminister Gallifet gegen das übrige Kabinett aufzureizen. Paris, 26. September. Die heutigen Blätter berichten über einen Zwischenfall, welcher gestern bei der U e b er- führung der Leiche Scheurer-Kestners sich ereignet hat. Ein Hauptmann in Uniform trat in die Reihe der Leidtragenden auf Picquart zu und sagte zu diesem: „Wollen Sie mir die Ehre erweisen, Ihnen die Hand drücken zu dürfen." Picquart antwortete: „Recht gern" und reichte ihm die Hand, worauf der Hauptmann sich wieder entfernte. London, 26. September. Die Militärbehörden von Portsmouth sind in der größten Aufregung infolge des Verschwindens der beiden Hefte, welche die geheimen Signale der englischen Flotte enthalten. Kontre- Admiral Aldrich ließ sofort eine Untersuchung einleiten. Alle im Bureau angestellten Offiziere mußten das Resultat der in ihren Wohnungen angeordneten Haussuchungen abwarten und durften sich nicht entfernen. Das Verschwinden dieser wichtigen Dokumente ist unerklärlich. Bis jetzt sind noch keine Verhaftungen vorgenommen worden. Moskau, 26. September. Die reiche Gräfin Su- marokow ist während der Fahrt auf der Moskau- Kursker Eisenbahn in einem Waggon erster Klasse durch Einschläferungsmittel betäubt und ihrer Reisetasche, in welcher Juwelen im Werte von 50000 Rubel und 5000 Rubel in Kreditbriefen sich befanden, beraubt worden. Der That verdächtig sind zwei elegant gekleidete Damen, angeblich Gutsbesitzerinnen, welche in demselben Wagen fuhren und vor dem Erwachen der Gräfin verschwanden. Prätoria, 26. September. Die in Südafrika ansässigen Schweden beschlossen in einer Versammlung, Transvaal gegen England zu unterstützen. Die österreichischen Juden hielten ebenfalls ein Meeting ab, in welchem sie erklärten, Transvaal mit Geld und Blut beizustehen. Auch die Irländer beschlossen bis auf den letzten Blutstropfen für die Unabhängigkeit Transvaals zu kämpfen. Die Miuifterkrifis in Oesterreich. Wien, 26. September. Das Kabinett Liechtenstein kommt nicht zustande, da Fürst Alfred Liechtenstein das Ministerium vorwiegend aus den Parteien der Rechten bilden wollte, wodurch die Situation noch verschärft worden und eine Verständigung mit den deutschen Oppositions- Parteien unmöglich gemacht worden wäre. Liechtensteins Audienz beim Kaiser hatte wahrscheinlich nur den Zweck, die Mission zur Kabinettsbildung in die Hände des Monarchen zurückzulegen. Wien, 26. September. Der Stand derMinister- krisis ist andauernd unverändert. Nachdem Gerüchte zirkulieren, daß der Kaiser neuerdings Chlumetzky mit der Bildung eines deutsch-liberalen Kabinetts betraut, äußerten sich die Polen und Tschechen, daß, falls ein solches Kabinett zustande kommen würde, die Rechte dasselbe sofort durch die schärfste Opposition zu stürzen suchen werde. Attentäter Knesevie hingerichtet. Belgrad, 26. September. Gestern nachmittag 4 Uhr wurde der Attentäter Knesevic auf dem Karabnrma- Felde hin gerichtet. Bei der Beichte vor dem offenen Grabe erzählte er nochmals, daß Oberst Nikolic, ferner Dimic und Kowacsevic unschuldig seien. Diese wurden aber schon nachmittags in Sträflingskleidern nach der Festung gebracht. Von 6905 Der Bibliothekar. Körber. 6930 Kutscher gesucht Huh«, Hoslohnkutscker. 6919 Körber. 6931 suckt. Marktplatz 13. LV Das Honorar beträgt 6 Mark. Brückel. 6932 Soeben wieder eingetroffen Täglich frisch: :x: Marktplatz 8 03371 6739 6907 Farblos! Geruchlos! Latein 27 Mk. 6918 O. Gottlieb, Kalligraph. Giftfrei! Feuersicher! a 6925 ee 6916 Rein. 6914 bei hoher Provision. 6912 Der Gesamt-Auflage unserer heutigen Au-gäbe hegt ein Prospekt der bekannten Aachener Tuchfirma Wilkes Horn. 6921 Sf Cie. bei. 6904 RMtiw e. Gurk^rtzt. — «d »ctef kr VrShl'sch« Uui»-rst»«-.Vuch. mtb St-teMerti ORtfa erben) t» Meßnu Offene Steilen WiWtiillM MAGGI 31t ucrlmüfen | Vermietungen Ilermi Achtes. — wenige Tropfen genügen — Wilh. Wagner, Wetzsteinftraße 42. 03364] Freundlich möbl. 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