>n. tfizert 6« Marine l6, Kaia«rWilh* Hausse. >n. Konzert 5575 >> Kaiser Wilhelm Hausse. 2°tr6e 50 Pfg, « reist. | 9 5530 8 Zinsser. J 9 9 imm erän. Men für das am st in Wiesbaden (urnfef -alle bir Ende dieser Der Vorstand. Skfeen. PM nuten. »kal (Sächsischer Hof). men. ^e^Dorstaod^ slwng. ege)enbiUtgefl.M- tanllatl liXS- inewolf, ämJ»e lfitn .4 Er) 1> v*g -MO Nr. 174 Zweites Blatt- Donnerstag den 27. Juli 1899 Gießener Anzeiger General -Anzeiger 3ttjttgsyreto vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg mit Bringerloh«. Äene$*e »•* Anzeigen zu der nachmittags für de» z^Gevden ta| erscheinenden Nummer M vor». 10 Uhr. Bei Postbezug R Mark 50 Pfg. ^ierleljährlick» Alle Anzeigen-BermUtlungSstellen des In» und Äullent-i nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entGegE tigNch mit Ausnahme de» Montag». "2— Di« Gießener Mn»l«e«Akät1er »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Aints- und Anzeigeblutt für den Itrete Giefzen. Mettten, Vrpedition und Druckerei: Ach.lßrnt» Mr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der heUche Landwirt, Mütter sör hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger GUtzrn« Fernsprecher Nr. 51. Zum Fall Arons schreiben die „M. N. N.": Wie wir in unserer Montags-Nummer bereits gemeldet haben, hat die philosophische Fakultät der Berliner Universität es abgelehnt, Arons wegen seiner Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei die Privatdozenteneigenschaft abzuerkennen. Wir haben uns schon einmal mit dem Falle eingehend beschäftigt und hervorgehoben, wie unzweckmäßig es vom preußischen Kultusministerium war, die ganze Gesetzgebungsmaschine in Bewegung zu setzen, lediglich um prinzipiell zu entscheiden, ob ein Sozialdemokrat Privatdozent sein könne, während doch praktisch dieser Fall nur sehr selten vorkommt und gerade bei Arons mit Rücksicht auf sein Fach zu gar keinen Unzuträglichkeiten geführt hat. Die Entscheidung der Fakultät war vorauszusehen, da sich dieselbe schon wiederholt gegenüber allen Versuchen des Ministeriums, gegen Arous vorzugehen, ablehnend verhalten hat. Der Vertreter des Ministeriums hat natürlich gegen das Urteil der Fakultät Berufung eingelegt, und wie die Entscheidung in der zweiten Instanz ausfallen wird, wo das Ministerium zugleich Ankläger und Richter sein wird, ist wohl nicht schwer zu erraten. Das Resultat wird sein, daß die preußische Regierung wegen einer Sache von höchst geringfügiger prakischer Bedeutung das Odium reaktionärer Bestrebungen auf sich lädt und das Ansehen der preußischen Universitäten schädigt. — Wir geben den Gang der Verhandlungen vor der Fakultät nach einem Bericht wieder, den der Verteidiger von Arons, Rechtsanwalt Heine, dem „Vorwärts" erstattet hat: Etwa 40 Mitglieder der Fakultät hatten sich zu der Sitzung eingefunden; den Vorsitz führte der bekannte Mathematiker Prof. Dr. Schwarz, der zur Zeit das Amt des Dekans bekleidet; als Referent wirkte der Nationalökonom Prof. Schmoller. In seinem durchaus sachlichen Bericht erwähnte er die früheren Vorgänge im Jahre 1895, als die Fakultät dem Dr. Arons die Warnung erteilte, daß er sich in Zukunft bei der Agitation solcher Ausdrücke enthalten möge, die zu Mißverständnissen Anlaß geben könnten, und hob hervor, daß die Fakultät sich schon damals auf den Standpunkt gestellt habe, daß die politische Gesinnung eines Privatdozenten nicht Gegenstand eines disziplinarischen Einschreitens sein könne. Aus dem Referat des Prof. Schmoller erfuhr man ferner die interessante Thalsache, daß die Regierung seitdem noch wiederholt gegen Arons hatte einschreiten wollen, die Fakultät sich aber ablehnend verhalten hatte. Nach dem neuen Privatdozenten-Gesetz vom 17. Juni 1898 muß vor der Einleitung des Verfahrens die Fakultät gutachtlich gehört werden. In diesem Gutachten sprach die Fakultät sich gegen die Einleitung eines Disziplinarverfahrens aus; das Ministerium hatte sich aber damit nicht begnügt, sondern ein zweites Gutachten gefordert. Mit eingehender Begründung hatte die Fakultät in demselben Feuilleton. IranzisKas Sommerfreuden. Eine fröhliche Geschichte von Alwin Römer. (Nachdruck verboten.) (3. Fortsetzung.) „Wie heißt sie denn?" fragte der Assessor weiter, der sich noch immer nicht von seinen Forstverzeichnissen trennen konnte. „Wie Sie heißen?" wetterte Hohmann die Frevlerin an. „Franziska Wofram!" sagte sie, ein wenig zitterig. Darauf fuhr der Herr Assessor endlich herum und staunte Hohmanns Opfer an. „Das wird ihm gelegen kommen!" dachte Franziska, und biß die Zähne aufeinander. Der Assessor aber sagte, nachdem er endlich Herr seiner Verlegenheit geworden war: „Hohmann, Sie sind ein Esel!" „Aber, Herr Assessor!" „Wie können Sie von der Dame denken —" „Ich habe es mit meinen eigenen Augen gesehen." „Unsinn!" „Bitte," trotzte Franziska, der seine Großmut nicht behagte, „der Mann hat ganz recht!" „Na, sehen Sie!" schmunzelte Hohmann. „Dann bleibt mir allerding nichts weiter übrig, als ein Protokoll aufzunehmen . . . Also: Ihr Name?" „Das wissen Sie ja!" auf ihrem Standpunkt beharrt. Professor Schmoller gab weiter eine Darstellung des Inhalts der verschiedenen dem Dr. Arons zum Vorwurf gemachten politischen Reden, und formulierte die Fragen, über welche sich die Fakultät werde schlüssig machen müssen. Alsdann begründete der frühere Breslauer Professor der Nationalökonomie, Geheimrat Elster, als Staatsanwalt die Anklage. Er legte weniger Wert darauf, daß Arons , seine Gesinnung in ungehöriger Form zu erkennen gegeben, 1 in ungehöriger Weise agitiert habe, als vielmehr darauf, daß er überhaupt sozialdemokratische Gesinnung habe, also einer Partei angehöre, die den gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung erstrebe. Der Verteidiger wies darauf hin, daß in der Anklage nicht irgend eine Handlung, sondern lediglich die Gesinnung für strafwürdig erklärt werde. Wenn eine Handlung für straflos gelten solle, wenn sie einer anderen Partei diene, aber für strafbar, wenn sie im sozialdemokratischen Interesse vorgenommen werde, so sei das eine Vernehmung der Gesinnung. Gerade diesen Standpunkt habe die Fakultät schon mit aller Entschiedenheit abgelehnt; sie habe 1895 rechtskräftig erkannt, daß die sozialdemokratische Gesinnung des Dr. Arons kein Grund zur Verurteilung sei. Arons habe noch dieselbe Gesinnung wie damals und könne daher nicht aus demselben Grunde ein zweites Mal angeklagt werden. Die Verhandlungen halten sich von 10 bis 2 Uhr hingezogen. Dann beriet die Fakultät noch mehr als 21/.l Stunden, und erst kurz vor 5 Uhr verkündete Prof. Schwarz das Urteil dahin, daß die Fakultät dem Antrag des Staatsanwalts auf Aberkennung des Charakters eines Privatdozenten nicht beitreten könne, weil sie die Zugehörigkeit eines Privatdozenten zur sozialdemokratischen Partei nicht als Grund zu seiner Enthebung ansehe, und weil Arons in der Art seines Auftretens für die Sozialdemokratie die erlaubten Grenzen nicht überschritten habe. Unsere Kriminalpolitik. Die stetige Steigung der Relativzahl der im Deutschen Reiche begangenen Verbrechen läßt deutlich erkennen, daß unsere Krimmalpolitik, deren Tendenz sich auf eine Bekämpfung des Verbrechens durch Freiheitsstrafen richtet, nicht im rechten Geleise ist. Es ist ein Irrtum, wenn man in unseren Strafen vollwirksame Präventivmaßrcgeln erblickt. ! Im Gegenteile, cs ist niemand mehr geneigt, gegen die 1 Strafgesetze zu sündigen, als der bereits bestrafte Verbrecher. Das beweist die von Jahr zu Jahr wachsende Ziffer der rückfälligen Delinquenten. Wenn man den engen Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Lage und dem moralischen Empfinden der Nation einerseits und dem Verbrechertum andrerseits berücksichtigt, so ergiebt sich aus diesem allein schon der rechte Weg für eine verständige und was mehr bedeutet — erfolgreiche Kriminalpolitik. „Allerdings . . Wo und wann geboren?" „Müssen Sie das wissen?" „Gewiß!" log er, obgleich ihn nur das Interesse an dem schönen Mädchen bewog, so zu fragen. „Am 20. August 1878 zu Weißenfels," antwortete sie darauf. „Und wohnhaft?" „Augenblicklich in Fichtenstein, Kleine Rosengasse 14." „Ich danke Ihnen! . . . Und nun erzählen Sie, Hohmann!" Als Hohmann zu Ende war, bestätigte Franziska die Richtigkeit seiner Angaben, und bat, ihr die Höhe der Strafe zu nennen. „Zwanzig Mark!" grinste Hohmann, wofür ihn allerdings ein Verweis traf. Doch mußte der Assessor zugeben, daß Hohmann nicht gelogen habe. „Zwanzig Mark!?" rief die Unglückliche. Diese Summe konnte sie unmöglich bestreiten, ohne sich ihrem Vater anzuvertrauen. Und das mußte ein Hallo geben, wie sie es nur bei den schlimmsten Anlässen erlebt hatte. Denn Konflikte mit den Aufsichtsbehörden waren ihm in der Seele zuwider. Er hielt gerade nach dieser Seite hin ungeheuer viel auf das gute Beispiel, das sein Stand allen übrigen zu geben habe. „Muß ich das heute noch bezahlen?" fragte sie zaghaft. Wenn sie nur ein paar Tage Aufschub erlangte, so mußte Helene ihr helfen. Der Assessor beobachtete ihre Angst mit einem geradezu verabscheuungswürdigen Behagen. Sie sah entzückend aus Es soll nicht bestritten werden, daß unsere Neichsgesetz- gebung seit Jahren schöpferisch und verbessernd in die sozialen Verhältnisse unseres Vaterlandes eingegriffen hat; allein sie ist bei ihren Reformen im wesentlichen von der Voraussetzung ausgegangen, ihre Segnungen dem politisch selbständigen Staatsbürger zuzuwenden, anstatt ihr Hauptinteresse der werdenden Generation zu schenken. Die Folgen hievon kann man deutlich aus den Tabellen ablesen, in denen das jugendliche Verbrechertum in Zahlen gedrängt ist. In den 15 Jahren von 1882 bis 1897 ist nach der Kriminalstatistik des Deutschen Reiches die Zahl der jugendlichen Verurteilten von 30,719 auf 45,251, also um etwa 50 Prozent, gestiegen. Mit Recht behauptet unser hervorragender Stafrechtler Liszt, „daß die große Mehrzahl der einmal verurteilten Jugendlichen für immer dem Verbrechen anheimgefallen sei." Die soziale Gesetzgebung des Deutschen Reiches wird hiernach auch vom kriminalpolitischen Standpunkte aus ihr Augenmerk auf eine rationelle Erziehung der Jugend im allgemeinen, und auf eine richtige Behandlung der verbrecherischen Jugend im speziellen zu richten haben. Die wirtschaftliche Lage der arbeitenden Klassen unseres Volkes, aus deren Kreisen sich naturgemäß das Gros des Verbrechertums zusammensetzt, ist leider noch nicht eine derartige, daß sie für die Erziehung der Jugend die nötige Zeit und das nötige Geld erübrigen läßt. In diesen Kreisen ist daher eine Verwahrlosung der Heranwachsenden Jugend in moralischer Beziehung nur zu häufig; von der Sittenverrohung bis zum Verbrechen ist aber nur ein kurzer Schritt. Das haben die Bundesstaaten denn auch alle erkannt, und als das Resultat dieser Erkenntnis ist die sogenannte Zwangserziehung hervorgegangen. Das Reich mit seiner Sozialgesetzgebung hat sich an diesem Problem noch nicht versucht, ja es hat sogar harter Kämpfe bedurft, um dem Art. 135 unseres Bürgerlichen Gesetzbuches, nach welchem die landesgesetzlichen Vorschriften über die Zwangserziehung Minderjähriger unberührt bleiben, überhaupt Aufnahme zu verschaffen. Es ist noch manches zu bessern: eine Zwangserziehung, welche erst einsetzt, wenn die Eltern ein positives Verschulden an der Verwahrlosung ihrer Kinder trifft und die versagt, wo Indolenz oder materielle Leistungsunfähigkeit die Schuld an letzterer trägt (so Preußen), ist mangelhaft und unfertig. Auch haftet ihr noch zu sehr die Idee der Deklassierung an; die Zwangserziehung soll nicht strafen, sie soll lediglich — wie schon ihr Name sagt — erziehen. Hand in Hand mit der Erziehung der Verwahrlosten muß die Behandlung der verbrecherischen Jugend gehen. Nirgends vielleicht hat sich das Fehlerhafte unseres Freiheitsstrafensystems von so unheilvollem Einflüsse gezeigt, als bei der Bestrafung jugendlicher Delinquenten. Das neue Strafgesetzbuch, hoffentlich eines der besten Geschenke des kommenden Jahrhunderts, wird den Richtern Strafmittel an die Hand geben müssen, welche dem jugendlichen in dieser Niedergeschlagenheit, viel hübscher noch als gestern in ihrem herben Mädchenstolze. Und er kam sich auch heute viel überlegener vor. Er war Herr der Situation. Die ausgleichende Gerechtigkeit des Himmels war ihm einmal wieder eine unumstößliche Thatsache. Aber nur einen Augenblick lang hatte er diese pharisäerhafte Anwandlung. Schon im nächsten Moment empfand er eine ehrliche Beschämung über seine unritterliche Freude, und er überhastete sich ordentlich, um das wieder gut zu machen, indem er so verbindlich, wie es ihm nur möglich war und erlaubt schien, auf ihre Frage antwortete: „Wenn Sie mir gestatten wollen, lege ich für Sie aus, bis Sie . . ." Doch sie ließ ihn nicht zu Ende reden. „Nein, nein, ich muß sehr danken!" erklärte sie ihm hochrot vor Erregung. Ein solches Abkommen vertrug sich unmöglich mit ihrem Haß, den sie diesem Vertreter des anderen Geschlechts gelobt hatte. „Ich möchte nur nicht, daß mein Vater . . . ." fing sie nach einer Weile zögernd wieder an. „Er ist so empfindlich in solchen Sachen. Und jede Aufregung bringt ihm Schaden!" „Gnädiges Fräulein, Sie haben nur zu bestimmen!" rief der Afseffor feurig. . . . „Glauben Sie mir, wenn der Tölpel, der Hohmann, nicht so ungeschickt ... hm . . . das heißt, ich bin Ihnen gegenüber — ach, Hohmann, holen Sie der Dame doch mal ein Glas Milch zur Erquickung! — ich bin Ihnen gegenüber ja noch ein viel größerer Tölpel gewesen! . . . Bestes Fräulein, nicht wahr, Sie Alter des Delinquenten besser entsprechen, als die Freiheitsstrafe. Das heute bestehende Strafensystem hat uns das jugendliche Verbrechertum groß gezogen. Ein Tag Gefängnis kann lebenslangen sittlichen Ruin zur Folge haben. Bei der Bestrafung der Jugend wegen leichter Vergehen soll das erzieherische Moment die Oberhand behalten; so wird dann die Unterbringung in geeignete Erziehungsanstalten und eventuell die körperliche Züchtigung an die Stelle der kurzen Freiheitsstrafen zu treten haben. In keinem Staate Europas hat die Zwangserziehung der verwahrlosten und verbrecherischen Jugend eine so bedeutende soziale Tragweite erreicht, wie in England. Es bestehen in England zwei Arten von Korrektionsanstalten: die „Reformator»)" und die „Industrial Schools". Aschrott (Strafensystem und Gefängniswesen in England) charakterisiert das Verhältnis dieser verschiedengearteten Anstalten zu einander wie folgt: Die Ueberweisung an eine Reformatory School ist ein wirkliches Strafmittel, das zusätzlich zu einer Gefängnisstrafe oder (Gesetz von 1893) überhaupt statt einer solchen eintritt, die Industrial Schools dagegen sind Anstalten zur Aufnahme bettelnder, vagabundierender oder überhaupt der elterlichen Aufsicht entrückter, verwahrloster Kinder. Der eminente soziale Nutzen dieser Erziehungsanstalten auf die allgemeine Kriminalität in England zeigt sich deutlich in der Statistik. „Während sich die Bevölkerung in den Jahren 1871 bis 1891 von 22 auf 29 Millionen gehoben hat, ist die Zahl der mit Gefängnis Bestraften in diesem Zeitraum um 32 Prozent, die Zahl der mit Zuchthaus Bestraften um 54 Prozent gesunken." Interessant und lehrreich ist der Vergleich dieser Statistik des allgemeinen Verbrechertums mit den amtlich festgestellten Ziffern der jugendlichen Verurteilten. Es wurden Personen unter 16 Jahren verurteilt: 1874 bis 1878 1889 bis 1893 zu Gefängnis .... 6155 2698 zu Ueberweisung an eine Erziehungsanstalt . 2234 6737 zu Ueberweisung an eine Besserungsanstalt. . 1382 1161 zu Prügelstrafe (!) . . 1225 3208 10996 13804 Aus dieser Zusammenstellung im Vergleich mit der allgemeinen Kriminalstatistik ergibt sich, daß die Zahl der verwahrlosten und verbrecherischen Jugendlichen relativ die gleiche geblieben ist, während das allgemeine Verbrechertum einen eminenten Rückgang aufweist. Man wird nicht fehlgehen, wenn man diese günstigen Resultate einzig und allein der Einschränkung der Freiheitsstrafe zu gunsten anderer erzieherisch wirkender Strafmittel zuschreibt. Zahlen beweisen. Der an seiner Freiheit Gestrafte ist sozial gerichtet; die Gesellschaft hat ihn ausgestoßen und wird ihn nie wieder als vollwertiges Mitglied der menschlichen Gemeinschaft ansehen. Was ist natürlicher, als daß der Ausgestoßene in jener Gesellschaft heimisch wird, in die er herabgestiegen ist, in der Welt der Deklassierten, der Verbrecher. So gibt die Freiheitsstrafe den Anlaß zur Begehung neuer Verbrechen; und der Trotz, den die Härte unserer sozialen Anschauungen hervorgerufen hat, wird diesen Anlaß fördern. Hierfür bieten die stetige Zunahme des jugendlichen Verbrechertums und die Steigerung der Ziffer der Rückfälligen einen Beweis, der für die dringende Notwendigkeit einer Vervollkommnung unserer Reichsgesetzgebung nach dieser Richtung hin mahnend und drohend spricht. M. N. N. Deutsches Keich. Berlin, 25. Juli. Ueber das Befinden der Kaiserin wird heute aus Berchtesgaden gemeldet, daß die Genesung rasche Fortschritte nimmt. Die Kaiserin wird sich zwar noch Wochen hindurch die größte Schonung auferlegen müssen, bis sie den Fuß wieder wie vorher gebrauchen kann. Wahrscheinlich wird die Kaiserin einen längeren Kur- gebrauch in Wiesbaden nehmen, während die ältesten Prinzen sich zunächst nach Wilhelmshöhe und am 9. August zur Fortsetzung ihrer Studien nach Plön begeben werden. Berlin, 25. Juli. Finanzminister Miquel hat sich gestern von Bad Ems nach Hagenau im Elsaß begeben zum Besuche seines Sohnes, der dort als Oberleutnant beim 10. Dragoner-Regiment steht. Anfang August kehrt der Minister nach Berlin zurück. verzeihen mir diese niederträchtig dumme Fremdenbuchgeschichte ?" „Mein Herr!" stammelte sie, überrascht von dieser kühnen Attacke, „ich weiß nicht ... ich ... ich habe Ihnen ja garnichts zu verzeihen! Das war doch nichts als ein Scherz von mir und auch von Ihnen. Wir wußten ja doch kein Sterbenswort von einander!" „Sie sind sehr großmütig heute!" sagte er. „Ich wollte, Sie hätten schon gestern Gnade für Recht ergehen lassen!" „Wenn ich Sie da schon so gekannt hätte wie heute!" antwortete sie erglühend. „Ich dachte nämlich, Sie wären so ein recht blasiert.s Gebirgsgigerl!" „Und ich hielt Sie für ein überspanntes, altes Frauenzimmer!" lachte er vergnügt. Und dann sagten sie beide wie aus einem Munde: „Wie schade, daß wir uns nicht früher gekannt haben!" Auf dem Heimwege nach Fichtenstein schritt denn auch richtig der Assessor an Franziskas Seite. Und der einstündige Marsch schien ihr kaum eine Viertelstunde lang gewesen zu sein, als sie sich kurz vor den ersten Häusern trennten. (Schluß folgt.) Berlin, 26. Juli. Dem Bundesrat ist eine neue Ausgabe der Verkehrs Ordnung für die Eisenbahnen Deutschlands als Eisenbahn-Verkehrs-Ordnung zugegangen. Berlin, 25. Juli. In einer gestern stattgehabten öffentlichen Versammlung haben die Bauarbeiter nach einer stundenlangen erregten Debatte die Einigungs-Vorschläge des Arbeitgeber-Verbandes abgelehnt. — Nochmals die Korrektur des Reichstags- stenogramms. Neue Behauptungen in dieser Sache, die ebenfalls nicht besser wird, wenn man daran rührt, stellt der Berliner Berichterstatter der „Franks. Ztg." auf. Es handle sich um keine politische Jntrigue, um kein Komplott, sondern um unangebrachten Verbesserungseifer. Die Regierung oder irgend jemand darin habe gar keinen Grund, eine solche Aenderung zu wünschen: Als Beweis für das, was ein Redner gesagt hat, dient nicht etwa der gedruckte stenographische Bericht, sondern das ursprüngliche Stenogramm. Das ist unkorrigiert, wird nie korrigiert, kann nie korrigiert werden, und wird im Archiv des Reichstages aufbewahrt. Wir erleben es in jeder Session wiederholt, namentlich bei nachträglichen Ordnungsrufen und bei Streitigkeiten über Äußerungen eines Redners, wenn darüber Tage verflossen sind, daß der Präsident erklärt: Ich habe mir das Stenogramm kommen lassen, meistens setzt er hinzu: das unkorrigierte Stenogramm, und meint damit die erste schriftliche Uebertragung des Stenogramms, in welcher natürlich auch jede Korrektur, jede Streichung oder jeder Zusatz schon durch die Handschrift sofort erkennbar ist. Man überschätzt die Bedeutung und auch die Genauigkeit der gedruckten stenographischen Berichte, die gewöhnlich amtliche Berichte genannt werden. Sie sind nicht das Protokoll, sondern nur eine Ergänzung zu diesem. Das Protokoll wird von den Schriftführern angefertigt und nicht gedruckt. Was der Reichstag gethan und beschlossen hat, geht aus dem Protokoll hervor. Und wenn in einem gedruckten Bericht aus Versehen oder aus böser Absicht etwas Falsches steht, so hat das keinerlei rechtliche Folgen und läßt sich zu nichts und gegen niemand verwerten. Der Herr, der unbefugter Weise den Zusatz gemacht hat, und der vielleicht gewohnt war, daß frühere Präsidenten sich durch den geschäftserfahrenen Beamten zuweilen beraten und auch korrigieren ließen, hat sicher geglaubt, im Sinne des Grafen Ballestrem zu handeln, weil dieser früher einmal davon gesprochen hatte, daß Kundgebungen des Kaisers nur erörtert werden dürften, wenn sie offiziell veröffentlicht wären. Er hat vielleicht auch geglaubt, daß es dem Präsidenten angenehm wäre, vielleicht mit Rücksicht auf seine Beziehungen zu hohen Stellen, wenn er diesen Zusatz gemacht hätte. Er hat sich geirrt und ist an den Unrechten gekommen. Also wäre Herrn Direktor Knack als Schutzgeist des Herrn Reichstagspräsidenten ein Unfall passiert. Seltsam bleibt er immerhin, und noch seltsamer ist der Umstand, daß man erst jetzt zu einer Aufklärung und Verteidigung des Sachverhaltes durch ein demokratisches Blatt schreitet. Warum läßt man üble Gerüchte, boshafte Andeutungen wochenlang wirken, wenn ein kurzes Wort genügt, sie zu vertreiben? — Zur Frei spre chung des Dr. Arons bemerkt die „T. R.": Der gestern mitgeteilte Bericht des „Vorwärts" über die Geheimsitzung unserer philosophischen Fakultät giebt nach den Erkundigungen der „Deutschen Tageszeitung" die Anklage des Geheimen Regierungsrats Elster falsch wieder: Herr Heine behauptet, Staatsanwalt Elster habe weniger Wert darauf gelegt, daß Arons feine Gesinnung in ungehöriger Form zu erkennen gegeben habe, als vielmehr darauf, daß er überhaupt sozialdemokratische Gesinnung habe. In geradezu virtuoser Weise ist hier Wahres mit Falschem vermischt. Richtig ist, daß der Staatsanwalt mit ganz besonderem Nachdruck betont hat, daß es sich nicht darum handle, die Lehrthätigkeit ober die Politische Gesinnung des Angeschuldigten zu prüfen, auch nicht darum, ob das agitatorische Auftreten des Arons in ungehöriger Form betrieben sei, sondern einzig und allein darum, ob er seit der Erteilung eines Verweises agitatorisch für die Ziele der sozialdemokratischen Partei eingetreten sei und ob die Ziele derselben derartig sind, daß ein dem Beamten-Dis- ziplinargesetz unterstellter akademischer Lehrer durch sein Eintreten für diese seine Berufspflichten und das Ansehen und die Wurde der Fakultät verletzt. Der Anklagebehörde mußte es darauf ankommen, klarzustellen, daß es für einen akademischen Lehrer ausgeschlossen ist, für die auf den gewaltsamen Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung hinarbeitende Partei agitatorisch einzutreten, ganz abgesehen von der Form dieser Agitation. Zu diesem Zwecke erbrachte der Vertreter der Anklagebehörde zunächst den Nachweis, daß Arons bis in die letzte Zeit hin öffentlich für die Sozialdemokratie agitiert hat. Der Angeklagte selbst bekannte sich zum sozialdemokratischen Programm und erklärte ausdrücklich, daß er die sozialdemokratische Partei zu fördern und für ihre Ziele einzutreten überall bemüht gewesen sei und bemüht fein werde. Die Behauptung des Heineschen Reporterberichts, daß es sich für die Anklagebehörde nur um Feststellung der „sozialdemokratischen Gesinnung" und um „Vervehmung der Gesinnung" gehandelt habe, ist hiernach absolut unwahr. Nachdem so der Thatbestand des agitatorischen Wirkens des Angeschuldigten für die Sozialdemokratie fest- gestellt war, kam es darauf an, den Nachweis zu erbringen, daß die Ziele dieser Partei revolutionäre, auf den Umsturz der bestehenden Staatsordnung gerichtete seien. Hier macht sich der Hewesche Bericht wieder einer Unwahrheit schuldig, indem er behauptet, der Staatsanwalt habe sich auf das unverbindliche Wydener Programm vom Jahre 1880 bezogen. Tatsächlich hat der Staatsanwalt das heute noch giltige Erfurter Programm vom Jahre 1890 angezogen und insbesondere aus folgende Stelle Bezug genommen: „Der Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ausbeutung ist notwendigerweise ein politischer Kampf. Die Arbeiterklasse kann ihre ökonomischen Kämpfe nicht führen und ihre ökonomische Organisation nicht entwickeln ohne politische Rechte. Sie kann den Uebergang der Produktionsmittel in den Besitz der Gesamtheit nicht bewirken, ohne in den Besitz der politischen Macht gekommen zu fein. Diesen Kampf der Arbeiterklasse zu einem bewußten und einheitlichen zu gestalten und ihm fein naturnotwendiges Ziel zu weisen, das ist die Aufgabe der sozialdemokratischen Partei." An der Hand dieses Programms kam der Staatsanwalt zu dem Ergebnis, daß die Sozialdemokratie revolutionär sei, daß sie die politische Macht an sich zu reißen suche, um im geeigneten Augenblick die Staatsordnung umzuftoßen, und daß ein akademischer Lehrer, der für sie agitatorisch eintrete, seine Pflichten und die Würde seines Berufs verletze und in Anbetracht der Schwere seines Vergehens seines Berufs entkleidet werden müsse. Trotzdem schreibt heute noch die „Vossische Ztg.": „Herr Elster begründete feinen Antrag vornehmlich mit dem Hinweise auf die Gesinnung des Dr. Arons- Auf seine Handlungen legte er wenig Gewicht." — Warum sind auch solche Verhandlungen geheim? Der Kaiser, heißt es in der Mitteilung über seine Abneigung gegen den Fiskus, ist ein Feind aller Geheimniskrämerei. Ist es nicht besser, das volle Licht des Tages scheint gleich auf solche Sitzungen, als daß sich die Wahrheit entstellt der Oeffentlichkeit zeigt und vielen überhaupt nicht anders bekannt wird? Köln, 25. Juli. Der Belgrader Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" meldet über die Behandlung der verhafteten radikalen Führer, dieselben seien während ganzer 50 Stunden ohne Speise und Trank gehalten worden. Die drei früheren Minister mußten vier Tage hindurch auf ungedieltem Fußboden zubringen. Ganz besonders wurde Oberst Nicolic gequält. Die Frau des Obersten, die sich in gesegneten Umständen befand, wurde, als sie von der unerhörten Behandlung ihres Mannes erfuhr, schwer krank, gebar vorzeitig Zwillinge, und befindet sich gegenwärtig in größter Lebensgefahr. Erst seitdem die auswärtigen Mahnungen erfolgten, werden die Verhafteten menschlicher behandelt. — Aus Ostasien. Prinz Heinrich hat jetzt seinen Aufenthalt in den japanischen Gewässern beendet, nachdem er Ende Juni zum ersten Male während seiner Anwesenheit auf der ostasiatischen Station das Jnselreich angesteuert hatte. Ehe die „Deutschland" mit dem Geschwaderchef an Bord nach Tsintau zurückkehrt, werden vorerst noch für einige Wochen koreanische Küstenplätze besucht. Die „Deutschland" hatte zu Anfang Juni bereits während der Dauer von 2 Wochen in Chemulpo geankert. — Die Bäreninsel ist auf einmal sehr umworben. Die „Nowoje Wremja" behauptet, Rußland habe die meisten Anrechte an Spitzbergen und der Bäreninsel, der russische Kaiser führe den Titel „Herr aller nördlichen Länder" und die Bäreninsel werde auf alten Karten als ein Teil des spitzbergischen Archipels aufgeführt. Jetzt werde seine Neutralität sowohl durch das Auftreten der Norweger, die borfr ein Hotel errichtet und einen Postverkehr mit Spitzbergen eingeführt hätten, wie durch die Deutschen bedroht. Diejenige Macht, die Vorrechte an einer neutralen Zone habe, könnte verlangen, daß alle Gebäude und Anlagen dort entfernt würden. Bemerkenswerter als diese Nordlandstheorie der „Nowoje Wremja" ist, daß das russische Kriegsschiff „Swetlana" nach der Bäreninsel gefahren ist, um dort nachzuspüren. Aber kaum erhebt sich Rußland, um ein bisher herrenloses Land als sein Eigentum zu erklären, so erhebt- sich auch schon Schweden, um dasselbe zu thun. So betont jetzt „Nya dagligt Allehanda", das leitende Organ der schwedischen Konservativen, daß Norwegen mit weit mehr Recht als Rußland Ansprüche an die Bäreninsel erheben könne. Vermischtes. * Bayreuther Festspiele. Die diesjährigen Festspiele begannen Samstag mit der Aufführung des „Rheingold"- Die Aufführung verlief trotz der drückenden Hitze ohne jede Störung und wurde von dem das ganze Haus füllenden Publikum begeistert aufgenommen. Die musikalische Leitung der Vorstellung hatte Siegfried Wagner, der auf der Bühne von Hans Richter und Engelbert Humperdink unterstützt wurde. Besonderen Beifall fanden der Wotan von Roy,, die Rheintöchter und die Erda der Frau Schumann-Heink. Großes Interesse fand auch der Loge des Dr. Briesemeister aus Breslau, der diese Rolle von Heinrich Vogel übernommen hatte. Mit der „Walküre" wurde Sonntag die Aufführung des „Ring der Nibelungen" fortgefitzt. Der Vorstellung kam zu statten, daß die Hitze etwas nachgelassen hatte. Der Verlauf war geradezu glänzend. Siegfried- Wagner dirigierte. Im ersten Akt erregte Vurgstallers Auftreten als Sigmund das größte Interesse. Die Schönheit und Kraft seiner Stimme weckte begeisterten Beifall. In den beiden letzten Akten stand van Roys Wolan im Mittelpunkt der Bewunderung. Hunding fang Heidkamp- Köln, ein in Bayreuth neuer Sänger. Die Sieglinde fang Rosa Sucher, die Brünhilde Ellen Gulbranson. Unter den Walküren ragten Frau Schumann-Heink und Fräulein v. Artner hervor. Der letzte Akt wies einige szenische Neuerungen auf int Luftflug der Walküren; sämtliche acht Walküren verschwanden in einer höchst wirksamen Gruppe durch die Luft. Das Publikum, das schon die ersten Akte sehr beifällig aufgenommen hatte, stand am Schluffe minutenlang festgebannt und brach dann in stürmische Hoch« und Beifallsrufe aus. Unter den zu den Festspielen hier, eingetroffenen hohen Persönlichkeiten befinden sich die Königin von Württemberg, die Erbprinzessin von Sachsen- Weimar und die Prinzessin von Schaumburg Lippe sowie die Erbprinzessin von Anhalt. „T. R." * Bayreuth, 24. Juli. Die heutige „Siegfried"- Aufführung dauerte von vier bis nach halb zehn Uhr. Hier erhob sich die Darstellung wieder zur wahren Vollendung. Kraus aus Berlin ist ein glänzender Siegfried mit' jugendlich ungestümem Spiel und mit einer hellen, echten. rin/ m d-n B-- "b ? ^alt in ? °MüH i fl5 ßen s^e, ' ba& 9 .^zustoßen^n^ Äf'1* «" ?> B»ch , ‘ $'“& »och b f »Hfrogbo »Ä * * ?$*'*. dar U$e Sitzungen, ^chentlichkeit zeiq nnt wird? R ^Korrespondent der "«Handlung dir r/. d'-I-lbkn f(i(I1 !?>' «ni> Tran! at. M« mu&ten «iet ™ Bringen, @Qnj Die Frau des "den befand, wurde N ihres Mannes Enge, und befindet >r- Erst seitdem die 'den die Verhafteten Hinrich hat jetzt Gewässern beendet, ale während seiner Man das Inselreich ■anb" mit dem Ge- zurüäkehrt, werden lischt Küstenplätze be- !lnfang Juni bereits i Chemulpo geankert, nmiil sehr umworben, anb habe die meisten reninsel, der russische rrdlichen Länder" und en als ein Teil des etzt werde seine Neu- r Norweger, bit dort ehr mit Spitzbergen n bedroht. 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Das Orchester spielte namentlich in den Liebesszenen des letzten Aktes mit entzückendem Wohllaut und hinreißendem Feuer. Van Roy sang den Wanderer schön und bedeutungsvoll. Der fein charakterisierte Mime des Herrn Breuer aus Berlin ist eine bekannte Bayreuther Musterleistung. Die Vorstellung bot wieder eine Reihe prächtiger szenischer Bilder. Der Lindwurm benahm sich sehr lebhaft, ließ sich mit vielem Anstand umbringen und wurde von Elmblad mit einem wahrhaft unheimlichen Baß gesungen. „Frkf. Ztg." * Nordlandfahrt. Die Passagie'e des auf der Nordlandfahrt befindlichen Hamburger Schnelldampfers „Auguste Viktoria" sandten von Stahlheim aus folgende Depesche an Se. Majestät den Kaiser: „Der so überaus huldvolle Besuch Ew. Majestät an Bord der „Auguste Viktoria" und die gnädige Erlaubnis, Ew Majestät Jacht „Hohenzollern" besichtigen zu dürfen, haben den heutigen Tag zu einem unvergeßlichen gemacht. Die Unterzeichneten erlauben sich daher, Ew. Majestät ergebenst zu bitten, im Namen aller Passagiere den allerunterthänigsten Dank darbringen zu dürfen." Um 5 Uhr nachmittags ging darauf folgende huldvolle Antwort ein: „Es ist mir eine Freude gewesen, den Passagieren der „Auguste Viktoria" die Besichtigung der „Hohenzollern" gewähren zu können, bitte denselben Meinen Dank für das freundliche Telegramm auszusprechen. Ich wünsche der „Auguste Viktoria" glückliche Fahrt und Heimkehr. Wilhelm I. R." * Unter der Überschrift: „An die deutschen. Gesangvereine und deren Dirigenten, an die deutschen Männerchor-Komponisten und deren Verleger!" veröffentlichen die „Fliegenden Blätter des evangelischen Kirchenmusikvereins in Schlesien" folgendes: Der Kaiser und die Kaiserin hatten sich beim Kasseler Gesangwettstreit alsbald nach Beendigung des Festaktes der Preisverteilung zum Palais am Friedrichsplatz zurückgezogen, wo Galadiner stattfand. Sie unterhielten sich mit den einzelnen Gästen in liebenswürdigster Weise. Vor Beginn der Tafel fand Cerele statt, bei dem der Kaiser eine sehr bemerkenswerte Ansprache an die Preisrichter hielt. Er dankte ihnen für ihre hingebungsvolle Thätigkeit und gab seiner Genug- thuung über das schöne Gelingen der Veranstaltung Ausdruck. Der Kaiser erkannte die Thätigkeit der einzelnen Vereine an und betonte seine besondere Freude darüber, daß man zum Wettsingen so viele Gedichte patriotischen Inhalts gewählt habe. Er müsse aber gleichzeitig sein Bedauern aussprechen, daß die zu Worte gekommenen Komponisten in Bezug auf die Schwierigkeiten des Satzes zu große Anforderungen an die Sänger stellten. Eine orchestrale Behandlung der vier Stimmen sei für den Männerchor nicht passend. Die gehörten schwierigen Gesänge hätten bewiesen, daß sich die Komponisten für Männerchöre in Bahnen bewegten, die für die Entwicklung dieser Kunstgattung ungünstig seien. Man habe einander an musikalischen Kunststücken überbieten wollen. Die ernste Natur des Männerchorgesanges sei aber auf den Ton des Volksliedes und des volkstümlichen Liedes gestimmt. Er bitte die Preisrichter, dahin wirken zu wollen, daß die Komponisten für Männerchöre wieder andere Bahnen einschlagen möchten. * Der älteste Liebesbrief. Ein bekannter Archäologe teilt in einer Zeitschrift mit, wo sich der älteste Liebesbrief auf der Welt befindet. Er ist vorhanden in London im Britischen Museum. Der Brief enthält einen Heiratsantrag, und zwar die Werbung um die Hand einer egyptischen Prinzessin vor 3500 Jahren und ist auf einen Ziegelstein emgeritzt. — Ob der Brautwerber diesen Stein an den Kopf geworfen bekam, war leider nicht zu erfahren. * Ein Geschenk für Rettung aus Seenot. Das dänische Ministerium des Aeußeren hat durch die deutsche Gesandtschaft in Kopenhagen einen Betrag von 780 Kronen erhalten. Diesen Betrag hat der deutsche Kaiser den Besatzungen der Rettungsboote in Skallerup und Lönstrop, sowie den Personen, welche die dortigen Raketenapparate bedienen, geschenkt als Belohnung für die Hilfe, welche im Dezember vor. Jahres der Besatzung auf dem an der Westküste Jütlands gestrandeten Kieler Dampfer „Heinrich" geleistet worden ist. Die ganze Besatzung wurde, wie man sich erinnern wird, mit Lebensgefahr von den braven Weftküst- fischern gerettet. Der Betrag wurde dem Landesvoigt in Hjörring zugestellt, welcher den betr. Personen je 80 Kronen übermittelte. * Prosaisches von einem Dichter. Professor Max Müller in Oxford hat kürzlich in der Zeitschrift „Kvs- mopolis" seine Erinnerungen von dem Dichter Alfred Tennyson veröffentlicht. Sie liefern aufs neue den Beweis, daß die alte Behauptung, das Genie gehe fast immer Hand in Hand mit Excentricität, eine richtige ist. Der verstorbene poet laureate hat über ebensoviel Egoismus und üble Laune wie sein berühmter Zeitgenosse Thomas Carlyle ver- fügt. So genierte er sich nicht im geringsten, bei Gesellschaften das ihm vorgesetzte Essen zu tadeln — eine Ungezogenheit, die bei einem Schuljungen streng gerügt würde, ober er beklagte sich laut, daß die zum Lachs herumgereichte Sauce nicht die sei, die er liebe. Beim Frühstück hatte er fast jedes mal etwas auszusetzen und brummte ärgerlich: -Wieder Hammelkoteletts! Der Stapelartikel aller schlechten englischen Wirtshäuser-" Gleichwie Carlyle war er am gemütlichsten und zugänglichsten, wenn er seine unentbehrliche Pfeife rauchte. * Mit der Frage der Reform der Personentarife hat sich auch der bayerische Eisenbahnrat befaßt. Generaldirektor v. Ebermayer erklärte auf eine Anfrage, er könne wegen des vertraulichen Charakters der Verhandlungen Mitteilungen im einzelnen nicht machen. In Beziehung auf eine Vereinfachung der Personentarife bestehe im allgemeinen grundsätzliches Einverständnis unter den Regierungen. Dagegen werde sich eine Vereinheitlichung der Grundtaxe, da die Verhältnisse in dieser Richtung in Süd- und Norddeutschland zu verschieden lägen, kaum ermöglichen lassen. * Ein StammtischAbenteuer. Jrn „Berl. Lok.-Anz." lesen wir: Es war in einem Städtchen auf der Insel Rügen. Um den Stammtisch des „ersten Hotels" saßen des Städtchens Honoratioren beim Abendtrnnke. Einiges Aufsehen erregte unter ihnen — die Reisezeit war längst vorüber — das Erscheinen eines fremden Gastes, der sich bescheiden an einen anderen Tisch setzte und einen Schoppen bestellte. Teils Neugierde, teils Mitleid mit dem Einsamen veranlaßten die Stammgäste, diesen aufzufordern, an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Nicht lange darauf war eine sehr animierte Unterhaltung im Gange, da der Fremde sehr interessant zu erzählen wußte. Als letzter Stammgast erschien dann noch der Oberförster, der in bezug auf Jägerlatein seines gleichen weit und breit suchte. Bald entströmten denn auch die haarsträubendsten Jagdgeschichten dem Munde des großen Nimrod, die den Stammgästen zwar schon häufig aufgetischt waren, den Fremden aber zu staunender Bewunderung hinzureißen schienen. Als der Waidmann aber schier gar nicht aufhören wollte, da fiel ihm der Fremde bei einer Trink- pause in die Rede. „Die Herren gestatten auch mir vielleicht die Erzählung eines Jagdabenteuers, das ich vor vielen Jahren in Rußland erlebte. Es war auf einer Bärenjagd. Durch einen unglücklichen Zufall von meinen Gefährten getrennt, sah ich mich plötzlich einem Bären gegenüber. Schnell lag ich im Anschlag, doch mußte mich wohl die nötige Ruhe etwas verlassen haben; statt den Bären tätlich zu treffen, streifte ich ihn nur leicht und stand — meine Büchse war ein Vorderlader, und zwar ein einläufiger — ihm nun wehr- und machtlos gegenüber. Ich floh — der Bär dicht hinter mir. Plötzlich stand ich nun vor einer tiefen Schlucht. Schon glaubte ich mich verloren, da sah ich, daß ein umgewehter Baum die Schlucht überbrückte. Schnell betrat ich, mich in reitender Stellung darauf niederlassend, die rettende Brücke und rutschte über dieselbe dahin zum anderen Ufer. — Doch — o Schrecken — auch dort stand ein Bär. — Stunden voll Todesgrauen auf jeder Seite, und unter mir lauerte der Tod auf mich. Endlich — die Bären wichen nicht von der Stelle — und ich vermochte mich nicht mehr zu halten, rutschte ich weiter zum Ufer —Wie von der schrecklichen Erinnerung gebannt, verstummte der Erzähler. — „Und was wurde dann!" fragte der Oberförster. — „Ich wurde natürlich mit Haut und Haaren aufgefressen". — „Herr, das ist zu toll", fuhr der Oberförster auf, „wie können Sie es wagen, — wer sind Sie?" — Und sich lächelnd vor den Stammgästen verbeugend, sagte der Fremde: „Fritz Reuter". — Allgemeine Bewunderung, allgemeine Freude. Und nun hob ein Zechen an! Das Beste holte der Wirt aus dem Keller zu Ehren seines berühmten Gastes. Erst beim Morgengrauen wurde das Lager aufgesucht. Am anderen Tage — der Wirt lehnte jede Zahlung ab — bat der Wirt vor Abreise seines Gastes denselben, sich in seinem Fremdenbuche zu verewigen. Der Wagen des Wirtes brachte ihn zur Bahn. Triumphierend kehrte der Wirt in sein Haus zurück und entnahm dem Fremdenbuch das Blatt, um es unter Rahmen zum ewigen Gedächtnis zu bewahren. Da las er: „Fritz Reuter, Weinreisender aus Mainz". * Druckfehler im 16. Jahrhundert. Wie die „Umschau" nach der Papierzeitung berichtet, wurde im Jahre 1523 der Buchdrucker Wolfgang Stöckel, der bis dahin in Leipzig thätig gewesen, vom Herzog Georg von Sachsen nach seiner Residenz Dresden berufen, um die neue Kunst auch dorthin zu verpflanzen. Stöckel gab nun bereits im folgenden Jahre ein Buch heraus. Am Schluß enthielt dasselbe ein Druckfehler-Verzeichnis mit folgendem ergötzlichen Zusatz: „Die anderen Buchstaben, so zuweilen verrückt oder gar ausgeblieben, muß ein verständiger Leser dem Sinn nach lesen, denn es ist im Winter bei dem schlechten Lichte, so die Stuben warm und die Drucker faul und schläfrig fein, bald was übersehen." * Kinderschuh in England. Aus London wird berichtet: Die hiesige Gesellschaft zur Vorbeugung von Grausamkeiten gegen Kinder darf sich zu den ausgezeichneten Resultaten ihrer Bemühungen im Laufe des letzten Jahres gratulieren, lieber 28 000 Fälle von ungehöriger Kinderbehandlung hat die Gesellschaft aufgedeckt. In den meisten Fällen waren die Kinder körperlich vernachlässigt oder dem Hunger preis- gegeben. Es sei bei dieser Gelegenheit daran erinnert, daß der Staat durch lange Zeit eine absolute Gleichgültigkeit den Leiden der Kinder gegenüber gezeigt hat und daß es Lord Herschell's Verdienst ist, daß hier eine gründliche Aenderung geschaffen wurde, der die Gesellschaft eine wesentliche Erleichterung ihrer Arbeiten verdankt. * Das jüngst geborene dritte Töchterchen des Zarenpaares ist am vorigen Sonntag getauft worden, lieber den feierlichen Akt teilen russische Blätter Folgendes mit: Die Feier fand in Peterhof statt. In einer reich vergoldeten, von sechs schneeweißen Pferden gezogenen Staatskarrosse machte die winzige Großfürstin die Fahrt von dem Palast in Peterhof zu dem „Großen Palast". Die Taufprozession wurde von einer großen Anzahl von Hofbeamten in goldgestickter Kleidung zur Privatkapelle geführt. Dicht hinter dem Zuge schritten der Zar und die Kaiserin-Witwe. Bei russischen Taufen ist die Mutter des Kindes niemals anwesend, und selbst die Mutter des Kaisers mußte sich, nachdem sie den Segen des Geistlichen empfangen hatte, für die Dauer des Taufaktes in ihre Privatgemächer zurück- ziehen. Der Erzbischof von Petersburg leitete den Gottesdienst am Altar, aber einer russischen Sitte gemäß, nach der die hohe Geistlichkeit davon ausgeschlossen ist, die Tauf- Handlung zu vollziehen, wurde das Zarenbaby von dem Privat- kaplan Ihrer Majestäten in den Schoß der griechisch- katholischen Kirche ausgenommen. In dem Augenblick, da dies geschehen war, donnerte eine aus hundert und einem Schuß bestehende Salve durch den Park des Schlosses. Darauf kehrte die Kaiserin-Mutter in die Kapelle zurück und dem kleinen Täufling, der die Namen Marie Nikolajewna erhalten hat, wurde das Ehrenabzeichen des heil. Katharinen- Ordens verliehen. Zu den Taufzeugen gehörten außer der Zarin-Witwe Prinz Georg von Griechenland und Prinz Heinrich von Hessen. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — Ist -er Mars eine bewohnte Welt? Diese Frage, die Gelehrte und Laten so vielfach beschäftigt, wird in dem ncuehm Heft (25) der illustrierten Famtltenzeitschrtft „Zur Guten Stunde" (Deutsches VerlagshauS Bong & Co., Berlin W. 57. Pre.s des Vterzehntagsheftes 40 Pfg.) von sachkundiger Feder in fesselnder Weise und eingehend erörtert. In einem Artikel von Bruno H. Bürgel wird an der Hand von Illustrationen von den sonder- baren Kanälen dieses Weltteils erzählt, von seinen Ueberschwemm ungm, grünen Wäldern und schneebed eckten Hochgebirgen. In Bild und Wort wird uns ferner in demselben Heft der gewaltige Kampf um die Malakoff Festung während des Krimkrteges geschildert, bet dem Rassen und Franzosen sich als erbitterte Feinde gegenüberstanden. Nicht minder erregt ein friedliches Werk, der Plan des Mittellandkanals, der eine Verbindung sämtlicher norddeutschen Ströme herbeiführen soll, unser Jntereffe. Der mit so großem Beifall aufgenommene Roman „Baroneß Köchin" von Hann» Branden- fels nähert sich dem Abschluß, während „Ohne Segen" von Philipp Wengerhoff stch zum packenden Konflikte zuspcht. Ja der Abteilung „Für unsere Frauen" fallen außer dem Artikel etneS Arztes über „Migräne" die zahlreichen illustrierten Beiträge über praktische Einrichtungen in HauS und Garten auf, und in der Grattsbetlag'' „Illustrierte Klafstkerbibliothek, Metsternovellen des 19. Jahrhunderts" beginnt ein neues Werk, die düstere aber höchst spannende Geschichte E. T. A. Hoffmanns, „DaS Fräulein von Scudery". — Katechismus der Buchbinderei von HanS Bauer. Mit 97 Abbildungen. In Originalleinenband 4 Mark. Verlag von I. I. Weber in Leipzig. Der Verfasser, Inhaber und Leiter der Fachschule für Buchbinder zu Gera, hat stch von dem Grundsatz leiten lasten, die Beschreibung aller Techniken der Buchbinderei in einfacher, leicht verständlicher Weise zu geben. Die Einleitung behandelt Werkzeuge, Maschinen und Materialien; dann folgen kapitel- weise die Anfertigung des Buchblockes, die Verzierung des Buchschnittes, die verschiedenen Arten der Einbände, die äußere Verzierung der Buchdecke, daS Preßoergolden und der künstlerische Bucheinband und seine Ausstattung. Die Schlußkapitel betreffen das Kontobuch und das Binden der Atlanten; der Anhang gtebt Fingerzeige für die Ausführung der Adreßmappe, der Attrappe, deS PostkartenalbumS und das Aufziehen von Karten, Zeichnungen und .Photographien. Unter den Abbildungen zeichnen stch besonders die Motive für künstlerische Bucheinbände aus. — Die im Verlage von Karl Grüninger in Stuttgart erscheinende illustrierte Familienzeitschrift „Echo vom Gebirge* wird mit Recht das Lteblingsblatt der Zitherspieler genannt. DaS Blatt, das die Jnteresten deS Zttherspiels vertritt, ist sehr hübsch auSgestattet und bringt neben belehrenden musikgeschichtlichen und mufikpädagogischen Artikeln, Beurteilungen neuerschienener Z'therstücke, auch Unterhaltendes in Form von spannenden Erzählungen und Humoresken, Rätsel rc., ferner Konzertberichte und Konzertprogramme, welche über die Thätigkeit in Kreisen von Zitherspielern orientieren. — Jede Nummer enthält wertvolle Musikbeilagen in Münchener Stimmung. (Preis Mk. 1,20 vierteljährlich.) Probenummern versendet die Verlagsbuchhandlung Karl Grüninger in Stuttgart gebührenfrei. — Von dem Grundsätze ausgehend, ein jedermann zugängliches Buch zu schaffen, welches in kurzen Zügen, ohne sich dabei in fach- technischen Ausdrücken zu verlieren, das Wissenswerte über Blumenpflege und Zucht behandelt, hat der Verlag des Praktischen Wegweisers, Würzburg, eine Schrift herausgegeben, welche von Herrn Ph. Held, kgl. mürtt. 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