WMltt I Soda und D t Betriebe j pr . - 1 ^täbien । das ® ^bbtltitb • klotzen 6 1§- datz es M °ssen. L bm einen i ^ssea Kon- • lrch. { HIHI iu§ ben$omanial ngd: ie = 25,67 tm, t = 3,13 fm, inge - 10,82 & > Stammhüvpe' mmmsttz), 255 n 1 einem Sötbelhr., jt in nacbfter M lere Auskunit enc i/t Uhr, aus M ■■) uni> Zieffltiill pet*. 131 m M 11 rm Buihe et Kreisstraße. öU1 Weiteres bud) bn tzchmitl Miet. : auS den DmaA jtoatlei -iänge = SIM Länge = E Länge = E Mtl: 22a m J* 3: W ie zur LersteiW -leie ganz, lu gtaatsitta^f X hoh tommt n- £ uSlunft. Nr. 23 Zweites BSatl Freitag den 27. Januar 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bezugspreis viertel jäljvltdj 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vicrtrljäbrlich. «»»ahme von Anzeigen zu der nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Dorrn. 10 Uhr. Hrfcheint täglich mit Ausnahme deS Montag». Die Gießener Aamitienötätter werden dem Anzeiger wöchentlich vier in al deigelegt. Alle Anzeigen-Dermittlungsstellen de» In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Aints- und Anzeigeblutt fiir den Ktd« Gieszen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Sch»kßraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische UotKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Ml. Bekanntmachung, betreffend: die Revision der Maße, Gewichte und Wagen in Grünberg und Lollar. Es wird hiermit zur Kenntnis der Beteiligten gebracht, daß vom 16. Februar l. I. ab in Grüuberg und Lollar eine allgemeine Revision der Maße, Gewichte und Wagen stattfinden wird. Dieselbe wird durch den Aichmeister des Großh. Aichamts Gießen und einen Polizeibeamten vorgenommen werden. Die Gewerbetreibenden sind gehalten, diesen Beamten bei Meidung der Strafe des § 369, Z. 2 St. G. B., Art. 73 P. St. G. B. alle in ihrem Gewerbebetriebe benutzten Maße, Gewichte und Wagen vorzuzeigen und die Prüfung derselben zu gestatten. Bei der Revision sich ergebende Vorschriftswidrigkeiten werden nach den angeführten Gesetzesstellen mit Geldstrafe bis zu 100 Mk. ober Haft bis zu vier Wochen, auch mit Einziehung der unvorschriftsmäßigen Maße, Gewichte und Wagen gerügt. Ilm Strafen möglichst zu verhindern und das Revisious- geschäst zu beschleunigen, empfehlen wir den Interessenten, ihre der Revision unterworfenen Maße, Gewichte und Wagen vorher aichamtlich prüfen zu lassen, und machen zugleich darauf aufmerksam, daß die Prüfung bis zu obigem Termin bei Grosih. Aichawte dahier wöchentlich am Montag, Dienstag und Mittwoch geschehen kann. Dieselbe verursacht nur unerhebliche Kosten. Ferner werden die Besitzer von feftfundamentierten Briickenwagen und Wagen über 2000 kg Tragkraft darauf hingewiesen, daß nach § 68 Z. 1 der Aichordnung vom 1. Januar 1888 die Aichung der genannten Wagen alle drei Jahre zu wiederholen ist, daß weiter bei denselben auf das Vorhandensein der Jahreszahl der Aichung, sowie darauf zu achten ist, daß diese Jahreszahl dem laufenden oder einem der drei vorangegangenen Kalenderjahre angehört. Gießen, den 23. Januar 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Gießen, 23. Januar 1899. Betr.: Wie oben. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au Gr. Bürgermeistereien Grüuberg und Lollar. Sie wollen obige Bekanntmachung in ortsüblicher Deise bekannt machen und über den Erfolg hierher berichten, v. Bechtold. Zum Geburtstage des Kaisers am 27. Januar 1899. Die Schalten verfliegen ... der Tag beginnt; Frisch regt er die leuchtenden Schwingen! . . . Da wehen die Fahnen im Morgenwind Und wirbelnde Trommeln erklingen! . . . Von den Buchten der Ostsee bi» an den Fuß Der schimmernden Alpen wogt heute der Gruß: Er lebe der Kaiser! Hin über die Dächer verkünden es weit Die erzenen Zungen der Glocken! . . . Zum Schulhaus wandert im festlichen Kleid Das junge Volk mit Frohlocken: Heut ruhen die Bücher, heut rastet der Fleiß, Heut schallt es dem Schirmer des Reiches zum Preis: Es lebe der Kaiser! Beim strengsten der Meister wird heut nicht geschafft, Die Werkstatt liegt still und verlassen . . . „Viktoria" donnern die Mörser voll Kraft Und Hurrahruf rauscht durch die Gassen! . . . Traut hallt's durch die Hütte beim einfachen Mahl, Laut schallt es zum Fistschmaus im funkelnden Saal: Es lebe der Kaiser! Und wo auf dem endlosen Ozean Germanengeschwader fahren, Da flattern die Wimpel an Masten und Raa'n, Da jauchzen die wackeren Scharen Es jubelentflammt in des Sturmes Gebraus, Auf die wogenden, schäumenden Fluten hinaus: Es lebe der Kaiser! Laß diesen Festtag uns für der blühn, Gottvater, mit Deinem Segen! Erhalt' uns den Kaiser so froh und kühn Und schütz' ihn auf allen Wegen, Daß oft noch an diesem Wintertag Durch Deutschlands Gau'n es erklingen mag: Es lebe der Kaiser! Alwin Römer. Die Ehrung der vormals hannoverschen Armee. Die lippe'sche Frage ist neueren Datums, alt aber ist die braunschweigisch-hannoversche Frage. Neben den Dänen, Polen und Elsässern stehen noch immer — und zwar im Herzen der preußischen Lande — die „Welfen" der Neuordnung der Dinge in Deutschland feindlich gegenüber. Es liegt in der Natur der Sache, daß die welfische Bewegung im Laufe der Jahre und Jahrzehnte an Boden verloren hat, aber doch ist sie noch kräftig genug, um fort- gesetzt die Aufmerksamkeit der leitenden Kreise auf sich zu ziehen. Noch größere Bedeutung hat die Frage für Deutschland bekanntlich erlangt, seitdem der braunschweigische Thron mit dem Tode des Herzogs Wilhelm erledigt worden war und die Rechte des Herzogs von Cumberland auf die Erbfolge zwar anerkannt, diese selbst aber wegen der bundesfeindlichen Haltung des Herzogs verhindert werden mußte. Die Welfenfrage hat seitdem verschiedene Stadien durchlebt, mächtige Einflüsse sind thätig gewesen, um eine Versöhnung zwischen dem preußischen Königshause und dem Hofe von Gmunden herbeizuführen. Aber einmal haben sich die Differenzen als zu tiefgehend erwiesen, andererseits aber beharrte der Herzog von Cumberland zu fest auf dem nach dem Tode des Königs Georg eingenommenen Standpunkte, so daß der preußische Hof im nationalen Interesse nicht die Hand zu einer Verständigung bieten konnte. Man spricht in oberflächlich unterrichteten Kreisen, daß in nicht allzu ferner Zeit die welfische Frage von selbst von der Tagesordnung verschwinden werde, und die Wahlstatistik scheint diese Ansicht bestätigen zu wollen. Aber man gebe sich doch in dieser Hinsicht keiner Täuschung hin! Der niedersächsische Volkscharakter hängt zu zähe an dem Althergebrachten, als daß einige Jahrzehnte seine Anschauungen zu ändern vermöchten. Der Adel, der Bauer und der Handwerker, das sind die Träger des Welfentums, welche alles daran setzen, um die alten Ucberlieferungen und die Anhänglichkeit an das angestammte Herrscherhaus auch auf ihre Nachkommen zu übertragen. Solche Treue, die selbstlos alle Vorteile von sich weist, soll man achten, auch wenn mau sie aus nationalen Gründen nicht billigt, und daß unser Kaiser die Treue der Hannoveraner hochschätzt, hat er vielfach bewiesen. Wohl kaum eine Stadt besucht er so oft wie Hannover, und daß er sich dort wohl fühlt, geht aus den Kund- gebungen des Monarchen unzweideutig hervor. Diese Besuche in dem alten Welfenlande haben aber auch wenn nicht einen politischen Zweck — so doch aber einen Politischen Erfolg, sie ebnen der Versöhnung der Hannoveraner mit den jetzigen Zuständen den Boden. Und es darf als ein großer Fortschritt bezeichnet werden, daß heute kein denkender Welfe mehr die Herstellung seines angestammten Königreich« herbeiwünscht unter der Voraussetzung der Zertrümmerung des deutschen Reiches. Kaiser Wilhelm hat am Dienstag die alte hannoversche Armee in ganz ungewöhnlicher Weise geehrt. Bewegten eßen it irr? T hie!’r „,l$ Feuilleton. Jus dem Feöen eines Kofpredigers. Persönliche. Erinnerungen an den unlängst in Berlin Erstorbenen Hofprediger Emil Fromme! veröffentlicht T!>eodor Kappstein im „Deutschen Wochenblatt" (Verlag tDn Wilhelm Süsserott in Berlin). Ueber Frommels Aonfirmanden-Unterricht wird folgendes mitgeteilt: .Der Unterricht war Samstag abend; Fromme! segnete ach am Abend ein. Es war ihm Poetischer so. Wir gingen turch die dunkle große Garnisonkirche in die helle freund- liche Sakristei. Da war keine mitten in den Schultag Weingedrückte „Pastorstunde" zwischen Vor- undNachmittags- Mterricht; — hinter uns lag die Arbeit der Woche, vor ms der freie Sonntag. Etwas Sonntägliches hatte die Etinde das wollte Frommel; darum brachte er uns dao Opfer. Meist setzte er sich zu Beginn ans Harmonium, md wir sangen recht und schlecht einen Choral — oder auch nicht, sondern hörten ihn mit seiner schönen Stimme nni weltentrückt die innigen Weisen singen. Dann begrüßte « jeden einzeln, und wußte so väterlich und onkelhaft nach Eltern und Geschwistern, nach Schule oder Reiseplan zu Mgen, unterstützt von seinem ungemein treuen Gedächtnis Briefe, Vornamen, Verwandtschaftsgrade, daß wir engens alle Befangenheit verloren und überaus glücklich wd stolz waren. Jeder wußte sich persönlich gewertet. ihrem Lachen will Carlyle die Menschen abschätzen: ^o^imel hätte dabei Nummer 1 bekommen. Er konnte Mchtig lachen! Es war der 15. Februar, Lessings '^rbetag. Mitten in der Stunde sragt Frommel: „Sagt mal, Jungens, was ist denn heut? Das wißt Ihr nicht? Das muß jeder wissen!" Nach mehrfachem Ermuntern hebt sich schüchtern ein Arm. „Siehst Du," sagt Frommel erfreut, „das ist schön; da ist doch einer! Nun paßt auf, Ihr andern, damit Ihr etwas lernt! Also was ist heut?" „Mein Geburtstag!" — Wir wollten ihn pflichtschuldig „Herr Hosprediger" anreden; — „das wär noch besser! Ihr habt keinen Hofprediger — den kann sich nur der Kaiser halten; — Ihr seid Schafe und habt einen Hirten, einen Pastor." So nannten wir ihn denn „Herr Pastor". Bezeichnend für seine Auffassung der Predigt ist ein kleiner Zug, den er mir einmal erzählte. Ein General sagte ihm ungnädig: „Sie müssen nicht so milde predigen, sondern die Kerls ordentlich anfassen und ihnen den Kopf waschen!" Darauf Frommel: „Herr General, die Leute haben sechs Tage in der Woche das schwarze Donnerwetter über sich; gestalten Sie mir, daß ich ihnen am siebenten ein Stückchen blauen Himmel zeige." Auf Kirchenbehörden war er schlimm zu sprechen, — so schlimm wie auf die Verleger. Der im ganzen sanfte Mann konnte in hellem Zorn auflodern, wenn er an die Konsistorien kam. Ich erzähle ihm von der Ernennung eines ihm bekannten Geistlichen zum Konsistorialrat. „Aber mein Gott," ruft Frommel, „der Mann war doch noch immer ganz frisch!!" „Gehen Sie denn nicht mehr in die Sitzungen als Konsistorialrat?" fragte ich eines Tages. „Konsistorium — nein' Gott soll mich behüten! Seinen Schritt mehr! Weißt Du, was die da drin thun? Sie sitzen an einem langen, grünen Tisch, mit dürren, klapsigen Fingern, und passen auf, wo sich irgend Leben zeigen will; und dann schlagen sie drauf, bis alles mausetot ist und so friedlich-stille wie vorher. Ein paarmal bin ich dagewesen, bis ichs nicht mehr aushielt und aus der Sitzung lief, dem Präsidenten zurufend: „Mann Gottes, der Tod ist in Deinem Topf!" Ich Halts mit dem grünen Wald statt mit dem grünen Tisch — mir würd es da drin gehen, wie Johann dem munteren Seifensieder: ich würde alle meine Lieder verlernen." Er wurde — Oberkonsistorialrat. Ich gratulierte. „Mein Sohn, wer mich lieb hat, der beweint seinen alten Pastor, daß der das noch erleben muß." Die Akten wurden ihm ins Haus gebracht, als er stellvertretender Feldpropst war. Der vortragende Hilfsprediger wird gemeldet. „Nun paß mal auf," sagte er lustig schmunzelnd, „wie ich die Arbeiten der Feldpropstei für mindestens eine Woche erledige. — Herein! Guten Morgen, mein Sohn. Die Akten! Kommen Sie mal her — machen Sie mal da« Dings auf. So — wo soll ich unterschreiben?" „Aber Herr Hofprediger, ich — ich —" „Ach, Sie wollen wohl Vortrag halten? Wollen Sie mich tot machen? Lassen Sie nur — es wird schon gut sein. Los — soll ich hierhin schreiben?" Hilflos wie ein Kind folgt er mit seiner breiten Feder dem Finger des „Vortragenden", unterschrieb 6—12mal; in fünf Minuten war alles wieder verschnürt. Er lachte übermütig — „und nun kein Wort mehr von diesen Dummheiten. Hier haben Sie eine Cigarre, und nun erzähle« Sie mal, wie es Ihnen geht." Da war er ganz Ohr und Herz. War der Vortragende Herzens werden viele alte Krieger, die starr in den Traditionen der Schlacht bei Langensalza lebten und noch immer in Preußen ihren Feind sahen, vernommen haben, wie dieser „Feind" sie ehrt. Ist es nicht zu natürlich, wenn das Eis schmilzt, wenn sie der Heimat zueilen, die ihnen der Kaiser in den mit der preußischen Armee vereinigten alten Regimentern anbietet? Möchten doch viele kommen, dann hätte auch die nationale Sache eineu schönen Erfolg errungen! (xx) Deutsches Wich. Berlin, 25. Januar. In der Budget-Kommission des Reichstages begann heute die Beratung des Militär- Etats. Zunächst wurde über die einmaligen Ausgaben verhandelt. Unter anderen wurden für den Neubau von Magazin-Gebäuden in Mainz die Gesamtforderung von 1400 000 und die für den Entwurf geforderten 8000 Mk. genehmigt, ferner zum Ausbau der Schloßkaserne 735000Mk. Für eine zweite Kaserne in Mainz, welche zwei Kompagnien fasten soll, sind 600000 gefordert. Die erste Nate von 20000 Mark wird bewilligt. Für verschiedene Neubauten in Karlsruhe werden 763000 gefordert. Bewilligt wird die erste Rate von 300000 Mk. 30000 Mk. werden abgesetzt, da der Bau des Bezirks-Kommando-Dienstgebäudes noch aufschiebbar sei. Die Beratungen werden Montag fortgesetzt. Berlin, 25. Januar. Im Abgeordnetenhause stand heute die Interpellation Barth (freis. Der.) betreffend die Ausweisung dänischer Staats-Angehöriger aus Nord- Schleswig auf der Tagesordnung. Minister Freiherr von der Necke führt aus, es handle sich hier gar nicht um eine große Regierungsaktion, sondern nur um eine Verwaltungs- Maßregel gegen gewisse antinationale Bestrebungen. Wir werden, so betonte der Minister, an den getroffenen Maßnahmen festhalten, wir werden dieselben modifizieren, wo es nötig ist, sie eventuell aber auch verschärfen und wir hoffen gute Erfolge davon. Man unterschätze die Macht der dänischen Agitation. Die Sprache der dänischen Agitation sei geradezu ein Skandal. Der Minister verliest hierauf eine Anzahl Aeußerungen der dänisch gesinnten Presse und weist auf das entwickelte Vereinswescn der dänisch Gesinnten hin. Wir werden, so erklärte der Minister- weiter, dem Oberpräsidenten nur dankbar sein müssen, daß er sich zu solchen Maßnahmen entschlossen hat. Die.Staats- Regierung billige seine Maßnahmen vollkommen und hoffe, daß der Landtag die Regierung darin unterstützen werde, denn es handle sich hier nicht um kleinliche Maßnahmen, sondern um die Niederhaltung einer frechen dänischen Agitation und um die Erhaltung des Deutschtums. Auf Antrag des Abgeordneten Bachmann wird die Besprechung der Interpellation beschlossen. Berlin, 25. Januar. Nunmehr liegt die russische Abrüstungsnote in ihrem Wortlaute vor. Dieselbe bestätigt vollinhaltlich die zuerst in den Londoner „Times" gebrachte Mitteilung. Graf Murawiew hat nämlich an die in Petersburg residierenden Vertreter der Mächte eine Note gerichtet,-welche die bereits skizzierten Punkte wiedergiebt. In der Einleitung der Note wird mit ersichtlicher Bezugnahme auf Deutschland gesagt, daß mehrere Mächte zu neuen Rüstungen geschritten seien, was zu einer Unsicherheit der Lage geführt habe und dem politischen Horizont ein anderes Gepräge verleihe. Berlin, 25. Januar. Aus Budapest wird der „Voss. Ztg." telegraphiert: Die Krisis kommt jetzt in rascheren Fluß, und schon die nächsten Tage werden die Entscheidung bringen. Es ist dies dem vermittelnden Auffort, so sagte er: „Siehst Du — und dafür schlucken die Kerle das viele Geld; das ist doch schnell gegangen." Ebenso verhaßt waren ihm Pastoralkonferenzen und Synoden. „Wenn ich fünf Treppen unters Dach krieche und setz' mich zu so einem armen kranken Menschen, und laß mir eine halbe Stande was vorjammern, so hab ich mehr für Gottes Reich gethan, als wenn die da sieben Stunden sich gegenseitig verschimpfen! Es giebt überhaupt blos zwei Parteien: die der anständigen und die der unanständigen Leute. So ists aber in Preußen: was uns Gott schenkt, das geht an den drei „S" der Mark zu Grunde: im Sand oder Sumpf oder See! Es wird ja nix!" Mußte er aber, vom Kaiser kommandiert, doch auf Synoden sein, so schrieb er während der Verhandlungen Briefe, unterhielt sich mit den „Herren Brüdern", und ließ den feindlichen Gruppen witzige Gedichte zufliegen. Er war „Wilder". Geredet hat er dort nie. Alles Unlebendige, Verknöcherte, Bornierte stieß ihn ab. Ein guter Witz war ihm lieber als eine schlechte Predigt. „Jetzt predigts!" sagte er an einem freien Sonntagvormittag, und karikierte die Postillenreiter. Man hatte über Sekten sich kirchlicherseits wieder einmal erregt. Ich brachte das Gespräch darauf. Geistreich bildete Fromme! das Paradoxon: „Subjektvolle Kirchbänke einer subjektiven Frömmigkeit sind mir lieber als subjektlose Kirchbänke der objektivsten Kirchlichkeit, denn der Berg Zion ist höher als alle Kirchtürme." So ließ er jeden frei. „Die Spatzen fliegen dahin, wo sie was zu fressen kriegen"; — er ließ sich weder den Verkehr mit feinsinnigen Juden, noch mit edlen, pietistischen Christen, noch mit religiös freigesinnten Künstlern und Gelehrten verwehren. Er kam aus keiner Schule und machte auch keine Schule. Er gab auf der Kanzel, bei der Jugend, bei der häuslichen Feier em Weihcwort, und im witzsprühenden Tischspruch, wie mit der rastlosen Feder: sich selbst. Das danken wir ihm. -Es hat bedeutendere Männer in diesem Jahrhundert gegeben, als Emil Fromme! war; aber einen harmonischeren und 1t ebenswerteren Mann, so vielseitig begabt, und so fruchtbar treten Koloman Szells zu danken, nicht minder aber dem Umstande, daß die Opposition endlich zu der Einsicht gelangte, daß der unhaltbaren Lage bald ein Ende gemacht werden müsse. So entschloß sie sich denn zur Nachgiebigkeit, aber nicht Banffy, sondern Koloman Szell gegenüber. Die Vertrauensmänner der Opposition gaben gestern die bindende Erklärung ab, daß sie, wenn die liberalen Parteien Banffy zu opfern bereit seien, blindlings die ihr von Szell vorzulegenden Bedingungen annehmen werde. Da die liberalen Parteien schon lange nicht mehr jene feste Einigkeit zeigen, welche zu Beginn der politischen Wirren zu Tage trat, vielmehr eine starke Strömung für die Wiederherstellung des Friedens herrscht, so kann nunmehr die Krisis als überwunden, Banffy als gefallen und Koloman Szell als der kommende Mann angesehen werden. In der That werden die weiteren Verhandlungen mit der Opposition seit gestern durch Szell geführt. M.P.C. Berlin, 25. Januar. Ebenso wie bei den Samoawirren in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre, ist auch bei den jüngst verflossenen ein gewisser kolonialer Uebereifer von deutscher Seite in Erscheinung getreten. Dieser kann so wenig jetzt wie damals von der Leitung unserer auswärtigen Politik in Schutz genommen werden. Mag es immer als bedauerlich zu betrachten sein, daß der Reichstag im Jahre 1880 die Samoavorlage ablehnte, so war doch schon 1888 das Ueberwiegen des politischen Einflusses der Vereinigten Staaten auf den Samoainseln so außer allem Zweifel, daß Bismarck es nicht für richtig hielt, ihn deutscherseits einer Nation streitig zu machen, deren Feindschaft auf Deutschland zu richten ein großer Fehler gewesen wäre. Nachdem die Amerikaner die Philippinen genommen und dadurch weitere Stützpunkte für ihre Expansions-Politik in einer Sphäre erlangt haben, zu der auch die Samoainseln gehören, würde es das denkbar Verkehrteste sein, ihnen jetzt deutscherseits in den Arm fallen zu wollen. Je mehr auch Deutschland sich aus wirtschaftlichen Gründen über See ausdehnen muß, umsomehr sieht es sich darauf angewiesen, dafür zu sorgen, daß seine Reibungsflächen mit den seemächtigen Nationen sich nicht vermehren sondern möglichst vermindern. Dazu liegt im Samoa-Fall insofern noch eine besonders dringende Veranlassung vor, als thatsächlich die wirtschaftliche Stellung Deutschlands auf jenen Inseln eine weit bedeutendere ist als die der Amerikaner. Unser Handel nach Samoa wird mit dem Augenblicke in Frage gestellt sein und dem deutschen Nationalwohlstande ein schwer wieder gut zu machender Schlag versetzt werden, wenn unsere Diplomatie nicht dafür Sorge tragen wollte, den Anlaß zu benutzen, der sich im Zusammenhang mit den neuen Samoawirren bietet, um unser handelspolitisches Verhältnis zu den Vereinigten Staaten, soweit es angeht, zu verbessern. Dazu gehört, daß wir speziell auch bezüglich der Samoainseln zu einem Abkommen mit Amerika und England kommen, daß bessere Bürgschaft für die Dauer friedlichen Einvernehmens der drei Mächte in jenen Sphären zu bieten verspricht, als sie die Generalakte, welche auf der Samoa-Konferenz von 1889 vereinbart wurden, gewährt haben._________________ Ausland. Rom, 25. Januar. Nach einem Telegramm aus Buenos-Ayres an den „Secolo" haben blutige Kämpfe zwischen bolivianischen Truppen und Revolutionären, welche durch 10000 Indianer verstärkt waren, einerseits und den Regierungstruppen andererseits stattgefunden. Letztere wurden besiegt. Die ansässigen Fremden sind in Gefahr und haben großen Schaden erlitten. Paris, 25. Januar. Infolge des Sturmes sind die Mobilisierungs-Manöver in Toulon verschoben worden. und anregend, wüßte ich kaum zu neunen. Sein Freund Karl Gerok hat ihn gut gezeichnet in dem persönlichen Berschen: „Ein goldenes Herz und ein goldner Humor; Das Herz in der Brust und den Sckalk hinterm Ohr; — Ob er grüßt auf das Fest, ob er dankt für den „Strauß", Der goldene Fromme! sckaut immer heraus." Er hatte eine wahre Leidenschaft zu schenken. Was hat der Manu alles verschenkt! Wollte ein Besucher gehen, so faßte er in die Tasche oder kramte auf seinen verschiedenen Tischen herum, ob da nicht etwas Verschenkbares läge: sein Bild oder eine Cigarre, ein Buch oder ein Geldstück. Ja, wohl: er war „geschäftlich unmöglich!" Ein befreundeter Student kommt zu mir: „Du, ich habe Deinen Fromme! gesehen." „So — was hat er Dir denn geschenkt?" „Das weißt Du auch schon?" „Nein." „Denke Dir, als ich gehen will, sagt er: „Merken Sie sich: aus einem Pfarrhause muß jeder beschenkt herauskommen. Und zwar muß er dreierlei bekommen: Ein gutes Wort — das hab ich Ihnen eben gesagt; ein gutes Buch — hier! Drittens gutes Geld — da haben Sie einen Thaler!"" Was hat er den Droschkenkutschern oft für eine einfache Fahrt bezahlt — man hätte um Berlin herumfahren können dafür. Sie rissen sich um den goldenen Gast. Ich verlebte meine Schweizer Studienjahre. Fromme! wollte zu kirchlichen Festen nach Basel als Redner kommen. Er wurde kurz vorher krank, und ich war sehr traurig in meiner Fremde. Da kamen statt seiner — 122 Franken 47 Centimes samt folgendem Brief von ihm: „Lieber Theodor, ich bin leider zu krank gewesen, um zu kommen, und so wollte ich Dir wenigstens das Geld senden, was ich verreist hätte, damit Du in den Ferien Dir eine Erholung gönnen kannst." — — — Uebers Jahr kam er dann wirklich und frischte 32jährige Erinnerungen auf. . So könnte ich noch lange von meinem geliebten vüter- I lichen Freund und Lehrer erzählen. Das unterseeische Schiff Gustave Zeh wird in diesen Manövern aktiv beteiligt sein. Paris, 25. Januar. Ein hiesiges Blatt läßt sich aus England melden, daß 410000 englische Grubenarbeiter sich vereinigt hätten, um den Ansprüchen der Grubenbesitzer gegebenenfalls Widerstand zu leisten und einen allgemeinen Ausstand aller englischen Grubenarbeiter durchführen zu können. Paris, 25. Januar. Nach einer Privatmeldung aus Brüssel empfing der Herzog von Orleans bekannte Persönlichkeiten. Die „Gazette de France" unterdrückte einige Stellen aus der Ansprache des Herzogs von Orleans an seine Getreuen. London, 25. Januar. „Daily Telegraph" erfährt aus bester Quelle, daß eine Verständigung auf Neu-Fundland zwischen Engländern und Franzosen erzielt worden sei. Wie es heißt, werde eine Anzahl Franzosen für die Abtretung ihrer Rechte entsprechend entschädigt werden. M.P.C. London, 25. Januar. Der englische Schiffsbau des Jahres 1898 hat den Rekord aller vorhergehenden Jahre geschlagen. Ende 1898 waren 584 Schiffe zu 1401 087 tons im Bau gegen 505 zu 1013 319 t. im Jahre 1897. Von den 584 waren nur 24 Segelschiffe. Im Jahre 1889 betrug der Prozentsatz an Segelschiff- Neubauten 10. Im Jahre 1890—93 stieg derselbe bis 19, ging aber 1898 hinunter bis 0,3. 99 Prozent der Neubauten sind aus Stahl, 1 Prozent aus Eisen. Von fremden Ländern, die ihre Schiffe in England bauen ließen, kommt zunächst Dänemark mit 22 zu 44 691 tons, dann Norwegen mit 16 zu 44338 t.; ferner Rußland, Deutschland und Japan, jedes mit einigen 30000 tons. M.P.C. London, 25. Jannar. Im englischen Militärlager in Aldershot werden augenblicklich Versuche gemacht, Mannschaften in der Fußpflege auszubilden. Diese sollen dann verschiedenen Regimentern überwiesen werden und für die richtige Behandlung innerhalb ihres Bereichs verantwortlich gemacht werden. Diese Maßregel ist^ jedenfalls auf die traurigen Erfahrungen zurückzuführen, die im letzten Manöver, wo zum erstenmale größere Marschleistungen gefordert wurden, zurückzuführen, und ist für die englischen Verhältnisse als eine ganz vernünftige zu bezeichnen, da dort die eingehende Belehrung der Rekruten über derartige, für den Infanteristen so wichtige Sachen, wie sie bei uns vom ersten Tage an stattfindet und auch eingehend kontrolliert wird, gänzlich unbekannt ist. Petersburg 25. Januar. Die Möglichkeit einer inneren Revolution in Afghanistan lenkt die Aufmerksamkeit der russischen politischen Kreise auf diesen Punkt und hat die russische Regierung veranlaßt, weitere Truppen-Verstärkungen zur Besetzung von Herat abzusenden. Athen, 25. Januar. Die Königin wird demnächst dem Prinzen Georg in Kanea einen Besuch abstatten und dort auf ihre Kosten ein Asyl für erwerbsunfähige Greise errichten lassen. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 26. Januar 1899. Parlamentarisches. An die Zweite Kammer der Stände richtet sich eine Vorlage des Großh. Ministeriums der Finanzen, betr. die verfassungsmäßige Zustimmung zur Veräußerung einer großen Anzahl von dem Großh. Hause gehörenden Grundstücken. Es heißt in der Vorlage: Der Besitzstand des Großh. Hauses — Familieneigentnm — an landwirtschaftlich benutztem, zerstreut gelegenem Gelände ist in verschiedenen Gemarkungen des Landes ausgedehnter, als es im Interesse einer wirklich gesunden Entwicklung der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung wünschenswert erscheint. Die Unmöglichkeit, durch Zukauf von Grundstücken Ersparnisse zur Erweiterung der Ackerwirtschaften zu verwenden, steckt der naturgemäßen Ausdehnung erfolgreich geleiteter Wirtschaften schädliche Grenzen und treibt die Preise der Grundstücke auf eine ungesunde Höhe, die mit den Preisen der Bodenprodukte im Widerspruch steht und einen lohnenden Betrieb ansschließt. Die Großh. Regierung erachtet es deshalb für angezeigt, einen Teil des parzellierten Grundbesitzes des Großh. Hauses — Familieneigentum — in einzelnen Gemarkungen des Landes in Privathände eigentümlich übergehen zn lassen. — Es handelt sich um fiskalische Grundstücke in den Oberförstcreien Bingenheim, Gernsheim, Griesheim, Jägershof, Lampertheim, Schäfheim, Trebur und Woogsheim mit einem Flächeninhalt von zusammen rd. 1011 Hektaren. — Eine Anfrage des Abg. Dr Schroeder betrifft die Verhältnisse der Land- und Forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft des Großherzogtums (die von Jahr zu Jahr steigende stärkere Belastung der Land- und Forstwirtschaft etwas zu mildern). — Der Hessische Landesverein für Toteneinäscherung hat am 11. ds. Mts', nachstehende Petition an die Zweite Kammer gerichtet: „Der unterzeichnete Vorstand richtet an die hohe Zweite Kammer die ehrerbietige Bitte, die Art. 2 und 5 des von den Ministerien des Innern und der Justiz vorgelegten Entwurfes über die Zulassung der Toteneinäscherung in Hessen im Sinne nachstehend vorgeschlagener Fassung al ändern zu wollen: „Art. 2. Die Feuerbestattung darf nur erfolgen nach schriftlicher Genehmigung der Ortspolizeibehörde des EinäscherungsorteS und zwar entweder a) auf Grund einer letztwilligen, die Feuerbestattung anordnenden Verfügung des Verstorbenen, oder b) auf Grund einer hinsichtlich der Unterschrift beglaubigten Urkunde zweier Personen, welche erklären, daß der Verstorbene seine einstige Einäscherung gewünscht hab oder c) auf Grund der Erklärung der Bestattungspflichtigen, daß sie die Einäscherung wünschen und daß keine gegen- teilige Willensäußerung des Verstorbenen vorliegt. Stand ein Verstorbener zur Zeit seines Todes unter elterlicher Gewaltusw- bis zum Schluß des Artikels nach dem Wortlaut des Entwurfes- — Art. 5. Wer eine Leiche zum Zwecke der Feuerbestattung außerhalb des Großherzogtums verbringen will, hat dem Kreis' ®3‘:biel‘ebeitl dck Mabe a 48 des ShW w« Wen zu lasst Gründers verein vor e die meisten der Walkmühle die Hestern 'abB Festhalle sein d war. 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W Schiffe ,v°rhttgehenden °4 Schiffe in 1 Oi3 3i9 t. im 24 an dis i9 ■ ^er NeubiwÄ -emben Länder», kommt zunätz ormegen mit 16 ib Japan, jedes iichen Mili- Wich Versuche izubilden. Diese rwieseu werden ihres Bereichs zregel is^jedcn- .uführen. die im Marschleistungen ir die englischen eichnen, da dort : derartige, süi te bei uns von end kontrolliert dt einer innere« srnechMeit bei mtt und hat bii len-Verstärkungei d demnächst b« bstatten und den ähige Greisi te. tnuat 1899. Kammer bn ;h. MinisteriW Zustimmung z°i m Grch. Haus' r Vorlage-. Ta eneigentum-^ enem Gelänln'- ausgedehnter, - Entwicklung t- Mschenstvert von Grundflck tschaften yuw ing erfolgreich? d treibt die A ihe, die mit fr ch steht und en 6h. Regierung'- il des parze^ milieneigenM' Drioathändee^ sich um fiskalist äm, Geruch Hashem, 1 von ba. Dr E o?stwirtschu^ r-Atz Der untf "Kammer' oonoeu btt- >en M fltt ’JS&I h« UiWr"\ » d^ -rftären,: elche 2fd)l * ■ °°° @* ä;-* Amt der Sterbeortes die in Art. 2 a) b) c) und in Art. 3 und 4 dieses Gesetzes vorgeschriebenen Nachweise zu erbringe»." — Eine Vorstellung einer Anzahl Gastwirte betrifft die allgemeine Verlängerung der Feierabendstunde. — Eine Eingabe des Mainzer'Angel-Klubs betrifft den Angelsport im Gebiete der Stadt Mainz. Die Eingabe gipfelt darin: bet Eingabe des Fischereivereins bezüglich Aufhebung des § 48 des Fischereigesetzes keine Folge zu geben und dem Angelsport, wie in allen Kulturstaaten, Gerechtigkeit widerfahren zu laffen. Grünberg, 23. Januar. Nachdem sich der hiesige Musik- vereiu vor etwa zwei Jahren verschiedener Verhältnisse halber aufgelöst hatt^, vereinigten sich, einem allgemeinen Wunsche der Bürgerschaft entsprechend, vor einigen Monaten die meisten der früheren Mitglieder wieder, um unter der bewährten Leitung des Herrn Dirigenten Schlörb von der „Walkmühle" die musikalischen Hebungen wieder aufzunehmen. Gestern abend veranstaltete der Verein in der Turn- und Festhalle sein diesjähriges Konzert, das recht gut besucht war. Das aus elf Nummern bestehende Programm bot recht viel Abwechslung, und der Vortrag der einzelnen Nummern legte von dem unermüdlichen Fleiß und dem regen Streben des Vereins Zeugnis ab. — In der am Samstag abend im Gasthaus „Zum Taunus" tagenden Hauptversammlung des Männergesang Vereins Grünberg wurde der seitherige zweite Vorsitzende, Herr Küfermeister Möller, zum Präsidenten des Vereins gewählt. „Darmst. Ztg." E. Echzell, 24. Januar. Das hiesige Pfarrhaus, das über 300 Jahre alt ist, sollte, weil sich viele Schäden zeigten, repariert werden. 9000—10000 Mark waren für die Reparatur in Aussicht genommen worden. Nach nochmaliger genauer Untersuchung hat sich ergeben, daß das Haus eine Reparatur gar nicht aushalten würde, und darum soll es jetzt einen Neubau geben, der jedenfalls unserem Marktflecken zur Zierde gereichen wird. Das Pfarrhaus hat eine außerordentlich interessante Vergangenheit und hat im Laufe der Zeit vieles durchmachen müssen. Wir wollen nur zwei geschichtliche Thatsachen hervorheben. Im dreißigjährigen Kriege von 1635 bis 1637 wurde Echzell und die Umgegend fürchterlich von den Kroaten geschunden und mißhandelt. Diese Teufel, die den Geistlichen und seine Familie mißhandelten, überrumpelten auch das feste Schloß Bingenheim, wohin die kirchlichen Gefäße und Wertsachen geflüchtet worden waren. Obgleich die Mordbrennerbande alles durchsuchte, das Schloß ausraubte und die schändlichsten Misse- thaten verübte, wurden die Gefäße doch nicht gefunden. Äurz darauf brach die Pest in der Umgegend aus und wütete fürchterlich. Dutzendweise fielen die Leute um; viele flohen in die Wälder, und als sich noch Hungersnot dazu gesellte, war'alles aus Rand und Band geraten. In den Franzosenkriegen von 1796 bis 1814 hatte das Pfarrhaus ebenfalls schwer zu leiden, die Franzosen benutzten es eine Zeitlang als Magazin und ließen dem Geistlichen kaum die nötigen Räumlichkeiten für seine Familie. Die schwere Belastung hat dem Hause damals viel geschadet und hat es vor der Zeit gichtbrüchig gemacht. Im Pfarrhause zu Echzell haben in früheren Jahrhunderten viele interessante Persönlichkeiten verkehrt. Auch die Landgrafen Ernst Ludwig und Ludwig VIII. kehrten dort ein, wenn sie ihre Jagden in der Umgegend abhielten. Eine Geschichte des Pfarrhauses wäre gewiß für viele Leute interessant. Wer den Neubau bezahlen muß, konnte bis jetzt noch nicht genau ermittelt werden. — In einem größeren Etablissement unserer Nachbarschaft wurde Aeetylenbeleuchtnng eingeführt, die sich aber so wenig bewährt hat, daß die Bewohner wieder ihre Petroleumlampen in Thätigkeit setzen mußten. Mainz, 23. Januar. Bei einem hiesigen Spezereiwarenhändler wurden vor kurzem drei Kisten sog. Maschinennudeln polizeilich mit Beschlag belegt, weil sämtliche Nudeln von unzählbaren Maden bevölkert und deren Fäden davon ausgefressen waren. (!) — Unsere Polizei ist soeben auf der Suche nach einem aus Stockholm flüchtig gegangenen Buchhalter, namens Limpström, der seinem Prinzipal 10000 Kronen unterschlagen hat und damit flüchtig geworden ist. △ Mainz, 24. Januar. Wie uns von wohlunter- i richteten Seite mitgeteilt wird, findet im Laufe dieses Jahres I unter der Garnison von hier und Kastel ein größerer Wechsel statt. Vorerst ist bestimmt, daß das Nassauische Feldartillerie-Regiment Nr. 27 nach Frankfurt und Darmstadt verlegt und die gegenwärtig in Bockenheim-Frankfurt liegende 1., 2. und 5. EskadronS des Husaren Regiments „König Humbert von Italien" mit dem Stab mit den bereits hier kasernierten 3. und 4. Eskadrons vereinigt werden, so daß das ganze genannte Kavallerie-Regiment hierher zu liegen kommt. Ferner ist bestimmt, daß ein Teil des in Kastel garnisonierenden Hessischen Pionier-Bataillons Nr. 11 zu dem Hannöverischen Pionier-Bataillon Nr. 10 in Minden dislozirt wird; wofür ein Teil des letzteren Bataillons nach Kastel kommt. Heber den Zeitpunkt des Garnisonwechsels ist noch nichts bestimmt. — Am verflossenen Sonntag fand hier eine Sitzung des Gesamtverbandes der Allgemeinen Radfahrer-Hnion Deutscher Tourenklub statt, in welcher beschlossen wurde, den diesjährigen Kongreß in Verbindung mit großen Sportsfestlichkeitcn in der Zeit vorn 14. bis 23. Juli hier in Mainz abzuhalten. Der Verband, welcher gegenwärtig 16000 Mitglieder hat, Pflegt ausschließlich das Touren- und Wanderfahren. — Eine gestern Abend statt- gehabte, sehr zahlreich besuchte allgemeine Bürgerversammlung protestierte energisch gegen den von der Militärbehörde geplanten Hmbau der Schloßkaferne hier, durch welchen nicht nur das kurfürstliche Schloß seiner ganzen Schönheit beraubt, sondern neben einer bedeutenden Terrainentwertung auch eine undurchdringliche Grenze zwischen Alt- und Neustadt geschaffen würde. Durch eine Resolution wurde die städtische Verwaltung aufgefordert, alle Schritte gegen die Ausführung des Projektes zu thun und insbesondere das für den Umbau erforderliche städtische Gelände nicht aus den Händen zu geben.___________________________________ Vermischtes. * Frankfurt a. Main — die reichste Stadt Preußens. Auf Grund der Einkommensteuer-Veranlagung für 1897/98 hat das statistische Amt der Stadt Charlottenburg für die 18 größten preußischen Städte das Durchschnittseinkommen und das Durchschnittsvermögen der in diesen Städten wohnenden Steuerzahler festgeslellt. Nach der Berechnung sind Frankfurt a. M., Aachen und Charlottenburg die wohlhabendsten Städte der Monarchie. In Frankfurt a. M. beläuft sich das durchschnittliche Einkommen des Steuerzahlers auf 5000 Mk. und das Durchschnittsvermögen auf 193000 Mk. Der Aachener Steuerzahler hat durchschnittlich 1000 Mk. weniger als der in Frankfurt a. M. und ein Durchschnittsvermögen von 131000 Mk. Das Durchschnittsvermögen der Charlottenburger Steuerzahler ist bedeutend größer als das der Aachener, nämlich 155 318 Mk. Trotzdem ist das Durchschnittseinkommen der Charlottenburger Steuerzahler um 100 Mk. geringer als das der Aachener. Berlin kommt zunächst mit einem Durchschnittsvermögen von 147 592 Mk. auf den Steuerzahler sofort hinter Charlottenburg, steht aber in Bezug auf die Höhe des Durchschnittseinkommens unter den 18 größten preußischen Städten erst an 15. Stelle mit einem Durchschnittseinkommen von 2748 Mk., ein Beweis dafür, daß die Gegensätze zwischen Arm und Reich schroff hervortreten. Gleich günstig wie in Charlottenburg liegt das Verhältnis zwischen Durchschnittseinkommen und Durch- schnittsvermögeu für den Steuerzahler in größeren Städten nur noch in Düsseldorf (3300 Mk. Eink., 127 000 Mk. Verm.), Elberfeld (3200 Mk. Eink., 105000 Mk. Verm.) Köln (3000 Mk. Eink., 109000 Mk. Verm.) und Magdeburg (2750 Mk. Eink., 90 700 Mk. Verm.). Auffallend hoch stellt sich das durchschnittliche Einkommen (3300 Mk.) im Verhältnis zum Durchschnittsvermögen (87400 Mk.) in Breslau. Im übrigen stehen nach der Zusammenstellung des Charlottenburger Statistischen Amts die 18 größten preußischen Städte in nachstehender Reihenfolge: Frankfurt am Main, Aachen, Charlottenburg, Düsseldorf, Breslau, Elberfeld, Stettin, Königsberg, Köln, Hannover, Danzig, Halle, Magdeburg, Berlin, Barmen, Altona und Dortmund. * Vergnügungsfahrten im Jahre 1899 nach Italien, Riviera, Afrika und Orient. Das schweizerische Reisebureau Otto Erb iu Zürich (Schweiz) versendet soeben das reich illustrierte Programmheft seiner 1899er Gesellschaftsfahrten, an denen jedermann teilnehmen kann, der möglichst billig und ohne Sorgen reisen will. In sämtlichen Fahrpreisen sind nämlich Reiseleitung, Logis und Verpflegung in bestrenommierten Hotels, Eintritts- und Trinkgelder, Eisenbahnen und Schiffahrten inbegriffen. Das genannte Neiseburcau veranstaltet zu Ostern, Pfingsten, im August und im Oktober je eine 6tägige Fahrt nach Lugano, Mailand und den oberitalienischen Seen, je eine 20tägige Fahrt nach Lugano, oberitalienische Seen, Mailand, Genua, Pisa, Nom, Neapel, Florenz und Venedig, je eine 12tägigc Fahrt nach Lugano, oberitalienische Seen, Mailand, Genua, San Remo, Monte Carlo und Nizza und je eine 24tägigc Fahrt nach Lugano, oberitalienische Seen, Mailand, Genua, San Remo, Monte Carlo, Nizza, Cannes, Toulon, Marseille, Lyon, Genf und Bern. Am 12. April und anfangs November geht eine 38tägige Fahrt nach dem Orient, am 20. April eine 20tägige Fahrt nach Afrika und am 15. April eine lötägige Fahrt speziell für Lehrer nach Mailand, Genua, Pisa, Nom, Neapel, Florenz und Bologna. Jeder Teilnehmer erhält ein Billet gültig von seiner nächsten Eisenbahnstation an bis wieder zu derselben zurück. Wer sich näher für die Sache interessiert, lasse sich mit Bezug auf diese Zeitung und unter Benutzung einer 10 Pfg. Postkarte von dem Neisebureau Otto Erb in Zürich (Schweiz) gratis und franko das 64 Seiten starke mit 30 hübschen Illustrationen versehene Programmheft kommen. Wer allein reifen will, kann von dem gleichen Bureau billige Rundreisebillete und Hotel-Coupons beziehen. * lieber das Erdbeben im Peloponnes wird weiter gemeldet: In den Städten Philiatra und Kyparissia sind sämtliche Häuser geborsten. Die Einwohner kampieren unter freiem Himmel. Zwei Ortschaften sind vollständig zerstört. Die Erdstöße folgten gestern vom frühen Morgen ab unaufhörlich aufeinander. In den Departements Kyparissia und Philiatra dauern die Erschütterungen fort. Die Zahl der ums Leben gekommenen Personen ist sehr gering. In einer Ortschaft wurden etwa 50 Kinder verletzt. * Das Radfahren findet in der Damenwelt Jap ans außerordentlichen Beifall, und die radelnde Japanerin bildet, wie wir einer Mitteilung des Internationalen Patentbureaus Carl Fr. Re ich eit, Berlin NW. 6. entnehmen durchaus keine auffallende Erscheinung mehr im Straßenbilde von Aokohama oder Kobe. Eine' radelnde Geisha darf sich sogar rühmen, den besten Fahrer von Kioto beim Wettfahren besiegt zu haben. Auch in Kobe haben Nennen ftattgefunben, bei denen sich eingeborene Damen beteiligten. Bedauerlich ist, daß in Japan fast gar keine deutschen Marken von Fahrrädern vertreten sind, daß sich im Gegenteil der Import bisher fast ausschließlich auf amerikanische Marken beschränkte. Erst neuerdings haben auch belgische Fabriken angefangen, ihr Produkt nach dem ostasiatischen Jnselreich zu exportieren. Jedenfalls wäre es für die deutsche Fahrradfabrikation ein sehr aussichtsvolles Unternehmen, mit den genannten Fabrikaten in kräftigeren Wettbewerb einzutreten.______________________________________________________ Wöchentliche Ueberstcht der Todesfälle iu Gießen. 3. Woche. Vom 15. Januar bts 21. Januar 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24100 (tncl. 1600 Mann Militär). Lielbtichkcitsziffer: 17 25, nach Abzug der Drtetremhai 6,47'/ov. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: tm vom 1.Lebensjahr: 2.—ib.Jahr: Lungenschwindsucht 1 (1) 1 (1) — — Lungenentzündung 1 1 — — Diarrhöe 2 — 1 1 (Aebirnentzündung 1 (1) 1 (1) — — Äallenstetnen 1 (1) 1 (1) —— - Krebs 1 (1) 1 (1) — — L)tphtherUis 1 (1) — 1 (1) Hümme: 8 (5) 5 (4) 1 2 (1) Anm. Die in Klammern gesetzten Z ffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gi.hen gebrachte Kranke kommen. Teichreinigung im akademische« Aorftgarten. Die Reinigung des Teiches im akademischen Forstgarten soll im Morde vergeben werden. Unter- lehmec wollen sich bezüglich der näheren Bedingungen an den llniversitäts.Forstgärtner D ö r m e r «enden. Gießen, den 25. Januar 1899. Die Direktion des akademischen Forstinstituts. Dr Heß. 877 Die Lieferung von 8,8 obm eichenen Md 2,08 ebm kiefernen Brückenschwellen, sowie 5,31 ebm eichenen und 6,46 cbm kiefernen Bohlen soll öffentlich vergeben werden. Termin am 4. Februar er., vormittags 11 y, Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Inspektion. Die be- louderen Bedingungen sind daselbst ein- iusehen oder gegen porto- und bestellgeld- neie Einsendung von 30 Pfg. zu beziehen. ii«6ote find verschlossen mit der Aus- »Angebot auf Lieferung von vmtaenhölzern" zu versehen, biS zu dem Termin einzusenden. Zu- !^°gSsrist 8 Wochen. 733 Betriebs-Inspektion 2 Fulda. WrsteigmlilM Hohversteigerung. Dienstag den 31. Januar L I., von vormittags 9 Uhr an, soll im Laug-Gönser Gemeindewald „Haide" nachverzeichnetes Holz verfteigert werden: 72 Fichten- und Kiefernstämme von 15 bis 36 cm Durchmesser und 5 bis 16 m Länge mit 22,44 fm, 166 F chten- und Kiefern Derb (langen mit 7,54 fm, 13 rm Nadel-Scheiter, hierunter 10 rm Rundscheit, 69 „ Nadel-Knüppel, 2,5 und 3 m lang, 5400 Nadel-Reisig Wellen, 54 rm Nadel Stöcke. Die Zusammenkunft ist auf der Kre'sstraße nach Holzheim an der Landhöhe. Bemerkt wird, daß das Bau- und Brennholz laufend zur Versteigerung kommt. Lang-Göns, den 25. Jan. 1899. Gcoßh. Bürgermeisterei Lang-Göns Brücket. 679 Hohversteigmmg im sicher Stadtwatd. Donnerstag den Ä. Februar, vormittags um 10 Uhr beginnend, soll n im Sicher Stadtwald, Distrikt Ober- und Unterfpeierlingelopf, Bezirk Hinlerwald, versteigert werden: 206 rm Buchen Scheiter, 20 „ Birken-und,Eichen-Scheitlr 60 „ Buchen-Knüppel 90 „ Birken- und E.chenknüppel, 80 „ Buchen-Stöcke, 170 „ Birken- und Nadel-Stöcke, 2300 Buchen-Wellen, 4000 Eichen-, Nadel- und Weichholz- Wellen. Zusammenkunft auf der Pflanz- gartenschneise am Burkhardsfelderweg. Lich, den 23. Januar 1899. Großherzogliche Bürgermeister i. Heller.847 (ihnpfdi hingen ff. Holsteinische Meitteidnlter versendet in Postcolli, (Netto 9 Pfund) zu den billigsten Tagespreisen per Postnaoh- nahme Meldorf i. H. O. Sager, 661] Versandhaus Holst Meiereibutter. Kognak garantiert reines Weindestillat, ärztlich empfohlen, per Flasche 1.80 Mk. bis 10 Mk., Literflasche 1.80 und 2 Mk. empfiehlt Carl Retter, Wein-Handlung, 765 Lindenplatz, Ecke Wallthorstrasse. Kadlian und Schellfische frisch im Rebstock. 336 Masken- - Anzüge, Dominos zu verleihe«. 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