18»» Mittwoch den 26. April Iwcitcs Blatt Feuilleton. I Alle Anzeigen-BermittlungSstellen bei In- und AuSlanb « nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger em gegen z? «ittthinm, Expedition und Druckerei: Z iß»kstr«tze Ar. 7. hervortrat, sondern die ganze nonchalante und oberflächliche I Art, in welcher er sich mit seiner Aufgabe an einem Kunstinstitut abfand, von welchem ihm bekannt sein mußte, daß es sich derartige „Experimente" nicht bieten läßt. Bei der Unfähigkeit des Gastes, seine Vordergrundsstellung als „Gottgesandter" zu behaupten, kam etwas Schwankendes und Unsicheres in die ganze Aufführung. Auch an sonstigen Entgleisungen fehlte es nicht, und nur der immer gleichen Ruhe und Umsicht des Hofkapellmeisters de Haan war es zu danken, daß die Vorstellung wenigstens zu Ende geführt werden konnte Freilich, in einer erbaulichen Stimmung kehrten die Hörer nicht heim, zum wenigsten diejenigen, welche diesen Genuß bei hohen Preisen erstanden hatten. Die Kollektion von fertigen Gemälden, Entwürfen und Farbenskizzen aus dem Nachlaß des Professors Cornicelius (Hanau), welche zurzeit den Hauptsaal des Kunstvereinsgebäudes am Rheinthor füllt, ist von hohem Interesse. Ernst, knapp und klar ist die Anschauungs weise dieses Malers, und ebenso die Ausdrucksmittel, die er für diese bereit hält. , Am meisten fesselt uns die Welt feiner religiösen Motive, unter welchen die „Versuchung Christi" (Berliner Nationalgalerie) wohl einen Höhepunkt seines künstlerischen Könnens bezeichnet. Cornicelius spricht nicht die Sprache des verträumten Mystikers, der über „Marter und Glorienschein" die einfache Größe des Menschensohnes vergißt, aber ebensowenig gefällt er sich darin, um jeden Preis, aus >der fernen Palästinensischen Zeit die Gestalten der heiligen Geschichte in unser Milieu zu übersetzen. 'Mn von teg er Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Nr. 51. "g. AezugsprelL vierteljährlich 2 Mart 20 Pig monatlich 75 Pfg mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich 1 etoinun, i« k • 6**11, jite Sftetten aiir die SjUetüii- GrMisbeüagenHießener Famitienbtätter, Der hessische Landwirt, • Mtter für hessische Volkskunde.__, Sein „Ecce Homo", sein „Golgatha", seine „Bestattung Christi", und vor allem auch die verschiedenen Studien des Heilandskopfes zum großen Gemälde „Der Judaskuß", lassen uns einen Künstler schauen, den seine Eigenart gerade für die konkrete Ausgestaltung religiöser Gefühle bestimmt. Seme Farbenskizze zum „Abendmahl Christi", gemessen an der maßvollen, symmetrischen Schönheit der klassischen Leonardo da Vinci'schen Komposition, wirkt infolge des Seelen- sturmes, den das eine Wort: „Einer unter Euch wird mich verraten", unter den Jüngern entfesselt hat, geradezu auf regend; denn der Gestalt des Herrn selbst, die sich müde, ja wie trostbedürfiig zurücklehnt, scheint sich die allgemeine Mutlosigkeit bemächtigt zu haben. Der Christuskopf des Cornicelius ist weder der Proletarier- nach Wereschagin, noch der weiche Thorwaldsen- Typus. Ebenso hat seine „Maria Magdalena" — des Meisters letztes Bild — nichts von der konventionellen Schönheit einer früheren Auffassung, sondern strömt den ganzen bitteren Ernst des biblischen Vorwurfs aus. Wie sehr Cornicelius im Geistlichen zu Hause war, bezeugen auch jene Genrebilder, welche uns einen eingeschlafenen Mönch, einen Mönch am Cello oder einen im heiligen Pergament blätternd vorführen. Dagegen berührt uns seine Behandlung des Weltlichen („Märchen", „Sage", — „Germanisches Mädchen, erbeutete Römerwaffen tragend" . durchaus konventionell. Charakteristisch in Anordnung und Gesichtsausdrmck der Hauptfiguren ist noch die große Leinwand, welche den fanatischen Ketzerrichter „Konrad von Marburg" und sein Opfer, „die heilige Elisabeth", wiederzugeben sucht. Mtz,! ' W 1 M Deutsches Reich. Berlin, 24. April. Die Ernennung des bisherigen Ober-Finanzrat Lehnert zum Unterstaatssekretär im Finanzministerium ist nunmehr erfolgt. Derselbe wird sein neues Amt am 1. Mai d. I. antreten. Berlin, 24. April. Eine Dienstanweisung für den General-Inspekteur der Marine hat der Kaiser dieser Tage erlassen. Der General-Inspekteur hat die Dienstgeschäfte als solcher neben seiner sonstigen Dienststellung auf jedesmaligen besonderen Befehl des Kaisers auszuüben. Eine besondere Behörde oder die Bildung einer neuen Instanz wird durch die Ernennung des General-Inspekteurs jlfti «\» Dl!»Leiter '«mnl Ilmt kälter .erlern h i Anzeiger öctnntii viermal nrrirgt 1518] Mfttt MUlißE «n- und Mhrung^, rtigt erlei* .GieM«11’" rot»* M-r 'Ctf* Zur Reform des Postzeitungstarifs. Wohl selten ist eine Reform die ursprünglich so dringend gefordert wurde, nach ihrer Durchführung so heftig bekämpft worden, wie die Reform des Zeitungsgebührentarifs. Dieselben Leute, die früher nicht oft genug darauf Hinweisen konnten, daß der jetzige Zeitungstarif eine äußerst unpraktische, ungerechte Einrichtung sei, die unbedingt anderweit geregelt werden müffe, sind heute unermüdlich in der Bekämpfung des neuen Tarifs. Wechselbalg, Schlagbaum, entartete Mißgeburt, Frevel am deutschen Kulturzustand, sind die Kosenamen, die man dem neuen Tarif beilegt, und zwar nur deshalb, weil einzelne billige Zeitungen zukünftig an Gebühr etwas mehr zu zahlen haben wie bisher. Die erdenklichste Mühe giebt man sich, um die Zeitungsleser in die nötige Erregung zu versetzen, was indes trotz aller Schlagworte nicht recht gelingen will, weil die Leser über das Wesen des Tarifs nicht genügend aufgeklärt sind. Es wird geschimpft und gewettert, aber man hält es nicht für nötig, von den Beweggründen zu sprechen, die die Postverwaltung zur Aufstellung des neuen Tarifs veranlaßt haben. Diese aber muß man kennen, wenn man die Berechtigung des neuen Tarifs beurteilen will. Jeder Zeitungs leser hat ein Interesse daran und wird es nicht billigen, wenn man sein Leibblatt lediglich aus fiskalischen Gründen verteuern will, er wird aber billig anderenfalls nicht verlangen, daß einzelnen Zeitungen zuliebe, die Pust eine Zeitung billiger befördert wie die andere und beim Vertrieb einzelner billiger Tageszeitungen schließlich kaum auf die Unkosten kommt. Das aber ist bei dem alten 4,anf der Fall und deshalb war die Reform desselben so dringlich und unbedingt geboten. Die Reform hat daher in erster Linie den Zweck, die Zeitungsgebühr gleichmäßig und den wirklichen Leistungen entsprechend zu regeln. Zeitungsgebühr ist nemlich die Gebühr, die die Post erhebt für den Vertrieb der Zeitungen. Durch den Vertrieb entstehen der Post folgende Arbeitsleistungen. Die Annahme und Ausführung von Bestellungen auf Zeitungen und Zeitschriften. Die Verpackung, Versendung und Zustellung der bestellten Exemplare an die Bezieher; die Erhebung des Abonnementgeldes und Uebermittelung desselben an die Verleger. Für diese verschiedenen Leistungen erhebt also die Post eine gewisse Gebühr, die Zeitungsgebühr, dieselbe beträgt 25 Prozent des Verkaufspreises der Zeitungen ohne Rücksicht auf die Arbeitsleistung, die der Post entsteht. Maßgebend für die Höhe der Gebühr ist also nur der Preis der Zeitung. Dies hat zur Folge, daß zurzeit für eine Zeitung die wöchentlich nur einmal erscheint und 3 Mk. kostet an Gebühr mehr zu zahlen ist wie für eine Zeitung die täglich erscheint und nur 1 Mk. kostet; trotzdem die Post nut der Von der sardinischen Küste. jüt Anwesenheit des italienischen Königspaares auf Sarttmim hatte bekanntlich zu herzlichen Sympathiekpnd- gcbuLuzrn zwischen Italieners und Franzosen geführt Daß es si.H absc hauptsächlich nur um internationale Hoflichkeits- pina^li lu adelte, ersieht man daraus, daß die Franzosen jetzt Dnid) die Engländer abgelöst sind, und daß auch die WtTm rtfr die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollten, um ichcn Sympathien für Italiens Königspaar und Volk letzteren wöchentlich sechsmal meh^c zu thun hat wie mit der Wochenschrift. Leistung und Gegenleistung stehen hier also entschieden nicht irn richtigen Verhältnis. Es ist em ungleicher Zustand, dessen Beseitigung mit Recht gefordert wurde. Dies konnte aber nur geschehen, durch Einführung einer Gebühr, deren Höhe sich nicht richtet nach dem Preise >er Zeitung, sondern nach den Unkosten und Leistungen die der Post durch den Vertrieb der Zeitungen erwachsen; also danach, wie oft die Zeitung erscheint, verpackt und zur Versendung gebracht werden muß und wie hoch sich das Gewicht der einzelnen Exemplare beläuft. Eine dementsprechende Gebühr aber ist in dem neuen Tarif vorgesehen. Sie setzt sich zusammen aus einer einheitlichen Jnkassogeouhr, einer Versendungsgebühr und einer steigenden Gewichts- qebühr. Je höher daher das Gewicht, um so hoher die Gebühr Zeitungen mit vielem Papier und vielen Annoncen werden deshalb, ihres höheren Papiergewichtes wegen, zukünftig etwas mehr an Gebühr zu zahlen haben wie bisher. Das aber paßt den Verlegern solcher Zeitungen nicht und sie treten daher als entschiedene Gegner der Gewichtsgcbuhr auf. Ob mit Recht, mag der Leser selbst beurteilen. Fest steht, daß das Gewicht der Postsendungen, mithin auch der durch die Poft vertriebenen Zeitungen, die Arbeitsleistungen wesentlich beeinflußt. Die Postverwaltung wird daher gerade an der Gewichtsgebühr festhalten. Es dürste sich daher empfehlen an Stelle der Agitation gegen die Gewichtsgebuhr dahin zu wirken, daß die Post giebt was sie geben kann; nämlich die einzelnen Gebührensätze so niedrig rote möglich zu bemessen und zur Erleichterung der billigen Zeitungen an Stelle der einheitlichen Inkasso-Gebühr eine progrenw steigende Inkasso-Gebühr. 0. P. Wir lassen in vorstehendem aus BtlltqkeNSrücksichten einen berufenen Verfechter des neuen Postzettungstarifs zu Worte kommen, ohne darum unseren bisher in der Sache behaupteten Standpunkt zu verlassen, und «eben der Hoffnung Raum, daß es der Volksvertretung gelingen wird, dem Tarts eine allen Teilen gerecht werdende Gestalt zu verleihen. D. Red. Briefe aus der Residenz. < Originatbertcht für den »Gießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.) XI. vostlchKlüi — Ausstellung im Kunstverein. — Refidenzleben. i£o lange das Darmstädter Hoftheater steht, hat es in seinetMäumen noch keine „Lohengrin"-Vorstellung von öer rfti -erlebt, wie der letzte Sonntag sie mit sich brachte, inb l ikdueses Theatererlebnis in den Annalen unserer Bühne woha! :ud) vereinzelt bleiben dürfte, kann man seiner nochmals ilkürze gedenken. . »en letzten Jahren gehörte die strichlose „Lohengrm"- AufMimg immer zu den Glanzmomenten der Saison, und stets:* l’pn sich die erforderlichen Kräfte aus eigenen Mitteln bestvjMi . Verschrieb man sich einmal einen Gast, so geschabt nur, um dem Publikum eine Abwechselung zu bieteim. nii^t etwa, weil die Leistungen hier nicht den An- forb^rcngjen des Musikdramas entsprachen. |nb nun mußte dieses Malheur, dieser Unstern von einem-S.aste kommen, dem Dresdener Tenoristen Anthes, dem,7 nnmgleich er nicht zu den Ersten gehört, doch immer ein »Mr' Ruf voranging. Vor einigen Jahren hatte er bercflril* beti uns gastiert und einen freundlichen, obschon keiwira nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Was uns diesmal sein i Bietilertommen gründlich verleidet hat, war nicht nur die üspamliche Indisposition, die bereits im „Bajazzo" stark AuS^mk i.u geben. . W find nur ro sige Jahre her, seitdem ein englisches jcL.tabe: den Hcksen von Brescia besuchte und dort eine 1 geißelt Aufnahme fand. Man munkelte schon damals, o >ß in Hondon und Rom der Gedanke auf Herstellung innigHttt Beziehungen zwischen Italien und England gute ifäfÜHc finden würde. Und wahrlich, bei den Interessen, l(üi.t be be Länder im Mittelmeer zu vertreten haben, värei (ine solche Vereinigung von größtem Werte. Daß lefc’t Fressen sich kreuzen, kann nicht behauptet werden, lii.3d)t richten sie sich wider einen gemeinsamen Gegner — nämlüid) Frankreich. Daß dieses mit England nicht nur im ''iittMice: kollidiert, ist bekannt, und auch Italien hat an her 'MdSküste Afrikas Frankreichs Ueberlegenheit fühlen und i iiifecn müssen. Wohlerworbene Rechte in Tripolis muß hutS.aufgeben, und in frischer Erinnerung ist. noch, daß b »a Kriege Italiens gegen Abessymen der König Menelik mehii -cki weniger offen durch Frankreich unterstützt wurde. IC i Italiener hätten also gar keine so große Ursache, den VraiÄioltn herzlich zu begegnen. Auch die Engländer ibe m inofol um König Meneliks Gunst gebuhlt, aber sie . tunbitö erst, als die Entscheidung irn italienisch-abcssym- , hem Urieye gefallen, und der Negus ein Faktor geworden war,: mit bem die britische Negierung mit Rücksicht auf AegWtai:and den Sudan rechnen mußte. ft bem Toast, welchen König Humbert am Freitag an 'fortv-dts englischen Admiralschiffes „Majestic" ausbrachte, eqrrjftjtt her Monarch den vom britischen Admiral zur (Mttaaq gebrachten Wunsch, die englischen und italienischen A-huwn möchten im Interesse des Friedens Seite an Seite flattern, im lebhafter Weise. Freilich glauben mir dem be- frcutn'kkr König unbedingt, daß er nicht im geringsten i^ara-n beritt, den europäischen Frieden zu gefährden. Italien hat ifft bisher in keiner Weise als Störenfried im eure- häiscffHmK onzert erwiesen, was man von England bekanntlich ii(t)tj lagern kann. Vielleicht hat es aber je^t die besten BorfijStzt amgesichts der bevorstehenden Friedenskonferenz. Pemfalls sind die Ereignisse, welche sich in den letzten £ag«aam der sardinischen Küste abgespielt haben, in mancher Hinfisiüt bemerkenswert und geeignet, tue Aufmerksamkeit weit-M Kreise auf sich zu lenken. (xx) k in btfttr tk *’ 'Sstz fe,.; Offerten unter H, Mehener Anzeiger sscäk General-^ttzeiger rlints- Anzeiseblatt für den AreisGisfzen >tubent mit @9fflrr. ülern, auch bet ,r n Fächern $nwti- isangabe u. Nr. tic Stubent erteilt Jrört- nnastaljächnn uti t Älaffe. CSerta c: er Nr. 015« m h c w 1499] Stillt® st tzr: mnasialfächmi,:^. n". iäheres in lei b" 1522] : mäßiges ) Nachhilkr^: Theres SchM MW lohne iW M , BttM atiow wrbfli wflen Zungen bitte bei m IlUiuß den. L. Katte Nr:. fr nil iühjtjnir dkS nicht geschaffen. Auch ist weder die Vermehrung der Geschäfte, noch irgend eine Beschränkung der Befugnisse der sich in Jmmediatstellung befindenden Befehlshaber beab sichtigt. Der Generalinspckteur der Marine führt diesen Titel neben dem ihm aus seiner sonstigen Dienststellung zu- stehenden, auch wenn er sich nicht in der Ausübung seines Dienstes als Generalinspekteur befindet. Dem Generalin^ spckteur liegt ob, nach jedesmaliger besonderer Anweisung des Kaisers Inspizierungen iin Bereich der gesamten Marine vorzunehmen. Soweit der Kaiser ; icht anders befiehlt, soll durch diese Inspizierungen eine Kontrolle über den Dienstbetrieb, die Kriegstüchtigkeit und Kriegsbereitschaft der Schiffsverbände und Schiffe der Marineteile und -Behörden am Lande ausgeübt, die Innehaltung der Reglements und Vorschriften sichergestellt werden. Weiter hat der Kaiser bestimmt, daß die flagge des kommandierenden Admirals in Fortfall kommt. Der Generalinspekteur der Marine hat eine Admiralsflagge nach dem vom Kaiser genehmigten Muster im Großtopp und im Boot zu führen. Dieselbe ist mit 17 Schuß zu salutieren. Elbing, 24 April. Wie die „Elbinger Zeitung" meldet, brach in Bladiau bei Hciligenbeil eine Feuersbrunst aus, welche durch den herrschenden Sturm eine solche Aus- d.'hnung annahm, daß 17 Wohnhäuser ein Raub der Flammen wurden. Ferner brannten etwa 13 Wirtschaftsgebäude nieder. Elbing, 24. April. In Czierspitz bei Mewe brannte ein Biehstall nieder, wobei drei Arbeiter und 60 Stück Rindvieh in den Flammen umka en. Karlsruhe, 24. April. Der Kaiser traf heute vormittag 10 Uhr bei schönstem Wetter hier ein und wurde am Bahnhofe vom Großherzoge, dem Erbgroßherzog und den Prinzen Karl und Max empfangen. Die Fahrt nach dem Schlosse erfolgte in offenem Wagen unter den Ovationen der Spalier bildenden Menge. Um 3 Uhr fuhr der Kaiser ui Begleitung der Prinzen Karl und Max nach Frankfurt ab. Ausland. Wien, 24. April. Der „Neuen Freien Presse" wird aus Budapest gemeldet, Graf Goluchowsky habe dort keinen Journalisten empfangen, könne daher auch die ihm zugeschriebenen Aeußerungen über die chinesischen Projekte nicht gethan haben. Wien, 24. April. Ein Neubau in der Schönbrunner Straße stürzte heute vormittag ein, wobei sieben Personen schwer verletzt wurden. Cettiuje, 24. April. Der Zar will der Braut des Prinzen Danilo, der Prinzessin Jutta von Mecklenburg, eine Aussteuer von einer Million Rubel geben. Konstantinopel, 24. April. Ein kaiserliches Jrade sanktioniert das mit der Ottomanbank abgeschlossene Ueber- einkommen betreffend die Zahlung der russischen Kriegsschuld. Paris, 24. April. Das Kolonialamt dementiert die Meldung, nach welcher General Galli e ni, der Gouverneur von Madagasear, infolge englischer Machenschaften endgültig seines Postens enthoben worden. Der General kommt auf Urlaub nach Paris und kehrt in einigen Monaten auf seinen Posten zurück. Paris, 24. April. Der „Figaro" veröffentlicht die Verhöre des Engländers Strong und des Generals Billot betreffend das Panizzardi Telegramm. Belgien. Der in den drei Grubenbezirken zu- sammengetretenc Oberste Rat für Industrie und Arbeit hatte mit seinen Unterhandlungen weder in Lüttich und Charleroi, noch im Zentrum Glück. Der Aus stand dehnt sich im Gegenteil bedeutend weiter aus. In Antwerpen ist den dortigen drei Infanterie-Regimentern bereits der Befehl bekannt gegeben, in welcher Reihenfolge sie, wenn erforderlich, ins Streikgebiet abrücken sollen. Bisher füllt im Ausstandsgebiete die vollständige Ruhe auf, die überall berrscht; nur die sozialistischen Wortführer unterbrechen sie des Abends in zahlreichen Versammlungen. Während bei früheren Ausständen die Arbeiter eine bedrohliche Haltung einnahmen und unter Hochrufen auf den Ausstand einherzogen, legen sie heute ruhige Zuversicht an den Tag, der das Siegesbewußtsein zu Grunde liegt. Der Generalrat der Arbeiterpartei beschloß, Sendboten in die deutschen, französischen und englischen Kohlenreviere zu entsenden, um die dortigen Arbeiter zum Anschluß an den geplanten Generalstreik zu bewegen. Aus Berlin wird indes gemeldet, der deutsche sozialdemokratische Bergarbeiterveroand habe zwar große Lust gehabt, das Beispiel der belgischen Arbeiter nachzuahmen, man habe aber eingesehen, daß der Versuch eines allgemeinen Ausstandes an der mangelhaften Organisation der deutschen Bergleute scheitern würde. Wie verlautet. beschlossen die Glasarbeiter im Becken von Charleroi, gemeinsame Sache mit den Grubenarbeitern zu machen. Die meisten der Stücke dieses Nachlasses sind verkäuflich. Vom „Residenzleben" verlautet eben nicht viel. Die Großherzogin hat der Eröffnung der ihrem Protektorate unterstellten „Al'.ee-Schule" beigewohnt. Da noch Familientrauer ist, sieht man die Herrschaften im Theater so gut wie gcnnichl. Zum Geburtstage der Königin begeben fie sich nach England Der .'jtocigocrein des „Ev an ge lisch en Bundes" hat für 1900 eine Aufführung des Devrient'schen Gustav- Ad o l f s - F e st s p i e l v unter Leitung des bewährten Künstlers und Hofrats Hugo Edward beschlossen. Um das Dekanat von Bessungen sind über fünfzig Bewerbungen etngelaufen. Im Privatzirkeln nennt man auch schon den Nachfolger Römhelds — aber offiziell ist noch nichts bekannt gegeben. -sch. Madrid, 24. April. Gerüchte über ein Bündnis Spaniens mit Frankreich und Rußland hatten, im Anschluß an Vermutungen über eine bündnisfreundliche Stimmung zwischen Italien und Frankreich, jüngst in mehreren Blättern das Licht der Welt erblickt. Darauf hat die Madrider „Riforma" ein Mitglied der spanischen Regierung befragen lassen, ob jene Gerüchte begründet seien. Aus der Unterhaltung schließt indes das Blatt, daß die gegenwärtige Negierung, unter Aufrechterhaltung herzlicher Beziehungen zu allen Mächten, eine Politik des Alleinstehens befolgen wolle, bis nach erfolgter Vermehrung der Land- und Seestreitkräfte bessere Vorbedingungen für ein Bündnis geschaffen seien. Vermischtes. * Allgemeine Deutsche Sportausstellung München 1899. Der Magistrat München hat der Allgemeinen Deutschen Sport-Ausstellung dadurch ein weiteres Entgegenkommen gezeigt, daß derselbe die unentgeltliche Wasserabgabe für Zwecke der Ausstellung zugestanden hat. Die Abteilung für Liebhaberkünste verspricht wie die vorher beschriebenen Abteilungen gleichfalls sehr interessant zu werden. Den Besuchern werden u. A. zwei vollständige für sich abgeschlossene Wohnräume, ein Wohnzimmer im Atelierstil und ein anderes Schlafzimmer vorgeführt werden. Es soll damit gezeigt werden, wie sich Jedermann seine Wohnung mit ganz geringen Mitteln selbst behaglich und stilgerecht einrichten kann. Zweckdienliche Aufschlüsse über Beteilung bei dieser Gruppe erteilen die Herren Wilh. Horte, kgl. Hauptmann der Res., Konsul Tierschstr. 39 I, Walter Püttner, Kunstmaler, Schleiß- heimerstraße 27 und Max Schooß, Verlagsbuchhändler (Obmann) Glückstr. 11. In der Abteilung II, „Fischerei", wird eine von der Firma H. Stork dahier errichtete holländische Fischerhütte, zu welcher Herr Dekorationsmaler A. Leutner die Entwürfe gemacht hat, welcher auch das Arrangement durchführen wird, von ganz hervorragender Wirkung sein. Die Hütte wird ein genaues Bild eines holländischen Fischer- Hauses geben, und werden Netze der verschiedensten Konstruktionen, Angelgeräte und sonstige zu diesem Sport gehörigen Instrumente, Apparate u. s. w. in Verbindung mit derselben zur Ausstellung gelangen. Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in. Bremen wird Rettungs-Geräte und Apparate, sowie Modelle zur Ausstellung bringen. Bei dem bedeutenden Umfange, den diese Ausstellung einncljmen wird, dürfte dieselbe einer der interessantesten Teile der Ausstellung werden. Auf Anregung der I. StuttgarterAmateur-Schwimmklubs und der „Borussia" Berlin wird von der Ausstellung in den Prachträumen des Louisenbades ein Wettschwimmen veranstaltet werden, zu dem Vereine aus ganz Deutschland eingeladen werden. In der Abteilung XII, Gruppe 1 b. (Ansichtspostkarten und Plakate) veranstaltet eine Gruppe von Sammlern eine Rheinreise von Mainz bis Köln in Ansichtspostkarten. Innerhalb der einzelnen Landschaften findet eine Anordnung statt, die zugleich die Entwicklung der Ansichtspostkarten darstellt. Der bayerische Philatelisten-Verein wird ständig 10 qm mit verschiedenen Sammelobjekten belegt halten: als Cliches, Tableaux, Alben, Litteratur u. s. w. * lieber ein entsetzliches Schiffsunglück berichtet der Kapitän des Helsingborger Dampfers „Emanuel" folgende Einzelheiten^ Auf der Fahrt vom Mittelmeer nach der Nordsee erspähten wir am Freitag, 7. April, auf dem 39. Grad nördlicher Breite im Atlantischen Ozean einen Dreimaster, der mit zerrissenen Segeln Wind und Wogen preisgegeben war. Auf See tobte ein furchtbarer Sturm. Wir näherten uns dem Schiffe und bemerkten, daß es vom Achterschiff aus mittels Raketen Notsignale gab. Nunmehr mäßigten wir die Fahrt, um in der Nähe der hilflosen Bark zu bleiben und bei abflauendem Winde die Rettung der Besatzung zu versuchen. Abends zwischen 7 und 8 Uhr befanden wir uns zwei Kabellängen von dem Unglücksschiff entfernt. Da traf eine schwere See den Dreimaster. Das stattliche Schiff legte sich derart auf die Seite, daß die Masten die Wasseroberfläche berührten. Noch eine gewaltige Woge rollte über die Bark hinweg. Da kenterte der Dreimaster und verschwand sofort mit der gesamten Bemannung in der Tiefe. Alle Unglücklichen — eine Bark ist durchweg mit 12 Mann besetzt — fanden den Seemanstod. Da der orkanartige Sturm anhielt und liefe Finsternis herrschte, vermochte' der „Emanuel" keinen einzigen Mann zu retten; ebensowenig konnte der Kapitän über die Nationalität des Unglücksschiffes etwas seststellen. * Auch eine Frauenbewegung. Die weibliche Bevölkerung des Städtchens Avesnes-lez-Abat im Norden Frankreichs hat energisch dagegen protestiert, von Männern zur letzten Ruhestätte getragen zu werden. Sie wünscht, daß ihr letzter Wille, nur von Frauen begraben zu werden, von der Obrigkeit respektiert werde. Um dieser Bestimmung Nachdruck zu verleihen, haben sie sich der Beerdigung einer Mit- schwester und Mitkämpferin, welche auf die gewöhnliche Art und Weife durch Männer begraben werden sollte, gewaltsam widersetzt. Schließlich mußte Gendarmerie einschreiten, um die Ordnung Herzust eil em Aber das zarte Geschlecht behielt die Oberhand und wird auch fernerhin seinen Willen durchsetzen. * Frau Nosa Sucher von der Berliner Hofoper wird ihre große Gesangs- und Gestaltungskunst, die sich am hervorragendsten in der Verkörperung Wagnerscher Frauengestalten bewährt hat, nun auch den jüngeren nachstrebenden Talenten zu Gute kommen lassen. Soeben hat sie sich entschlossen, vom 1. Oktober des laufenden Jahres ab die Ausbildung der begabten und soweit vorgeschrittenen Opernschüler des Konservatoriums Klindworth-Schar- wenka zu übernehmen. Das Konservatorium gewinnt in der gefeierten, unübertroffenen Künstlerin eine Kraft von größter Bedeutung. Selbst unter des Meisters persönlicher Leitung in der Bayreuther Schule gebildet und groß geZttteratur, Wissenschaft uitii ÄimK. — Die Anleitung zur Stimmbildung und zum flüssig Sprechen von der holländischen Stimmledrettn ft- Kuyver-d u- uns endlich eine wahrbatt naturgemäße TbeorK undMibod.t-, Bildung gesunder und H'ilung kranker Stimme. 9Hd)t tu ditür- liche Eingriffe oder gewaltsame Folterung sond-rn buxäi tl । 1 Befreiung der ©timmroepf von Druck und Enge wie burd) ximwr mäßige Entwicklung der Stimmmittel, und besonders butd) W (fuii des Gehörs und Stärkung der Willenskraft, wird b<-r ein jedermov zugänglicher Weg des Fortschrittes auf einem bisher erwone i Gebiete gezeigt. Und das alles nicht in allgemeinen (Sruni'cK und unbesttmm'en Ratschlägen, sondern in anschaulichen SMlbetnui' tiefdurchdachten Uebungen die vom Nächsten zum Star"/ weislich fortschretten und all-- p^akt tck wichtigen Setten ba bildung oder Stimmhetlung umfassen! Wir bab^n in diesem trfc-’ großen und handlich einpertchteten Weikchen, soviel wir feta* etfte wirklich populäre i.nd leicht anwendbare Anleitung |ur *<'■ bildung und Gesunderhaltung der Stimme in unserer cltlrdcir und daher stimmverderbenden Zeit, die wir allen R'debcu^ besonders Geistlichen und Lehrern nicht genug empfehlen fo 'i: Auch bereits angegriffene und anfänglich erkrankte Stimmen fooBtn nach dieser Methode geheilt oder doch vor weiterem Verfall fr”«' weiden, wie eine lange Erfahrung beweist, schwerk anke ifrr r' Lehrerin selbst hirgewiesen werden, die selbst in noch Heilung erzielt hat. So sei denn auch die fdönt btu1i, Uebers.tzunq des triffffchen holländischen Originals in tbm '’uteT. Ausstattung (Verlag von K- Krebs-Gießen. Preis 3 W-‘ ’ Aufmerksamkeit aller Redenden und Leidenden der Stimmc rar empfohlen. — Schriftsteller- und Journalisterr-Kalender, u;u gegeben von Em l Thomas. 1899. Letpzi,. Vertag von - Fudler. Eleg. gebunden Mk. 2.50. Die Feiert-^'«•.3« 1899 in seltener Vollständigen und eine fetre erwiml-t. ' beweglichen Feste von 1900 bis 1930 eröffnen den Van ■ folgende „Kalendarium" (jeder Woche ist eine Veite grw ) ,, ein« reich- Füll, non G-durlS und ZobHUyn b.t.utob ,^1-^ sieller, D chter und Gelehrter; daran schließen sich Kvrr r Manuskript Versendungsltsten und Notizblätter für ß L und Verleihung, endlich rin kleines Kaffabuch für >l»s und vereinnahmte Honorare. Was dem Bande erst t " fco giebt, ist der folgende, textliche Abschnitt. DaS Kapi • Schriftsteller vom Buchhandel wissen muß" bietet eine sicht über die Organisation deS deutschen Buchhandels • 6l:ß die am 15. Mai 1892 au»gegebene „Verlapsordnung.lv ein Muster eines VerlagSveiträges und dluStubrung • schlüpfrigen Gebiete des Selbst und KommisstonSver.-g Für Schriftsteller und Journal,sten werden m|fc. gestellt, tn denen der Verkehr mit Redaktionen A* *n b , (e.. für beide Teile am wenigsten zeitraubenden «r. ’ Daß dabei die „Pceßgebote" der .Kölnischen Zeitung mu^ werden, kann nur gebilligt werden; ebenso die alpv -u etza»< nung nach Schlagwörtern, in die das Urheberreck> el , geb» acht sind. Listen über die Dauer des U,bc et ‘ ■ Abdruck der „Berner Konvention" Ließen sich am _ 1(4leB geordnet, werden die größeren politischen t Pa»u Oesterreichs und der Schweiz mit Angabe dec Aut fl- ,, r.cbtuno «ufg.fübrt. Mchl nur für «rftajer wW's „Korrektur Tabelle." Mit Verzeichnissen der schriststell^ cInnungen, der Verleger mit Angabe Richtung b ( f buchhändlerischer, litlerarischer und verwandter Zet chr'NM , um'änglichen, die neue*; Bestimmungen schli ßt dec Tex aoschnitt, von dessen Reichhaltig«! ° n y Leser überz-ug: sein wird. Nun folgt aber noch * rcitp
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