I ft I Weiss., | W ! Co. 1888 । LHtlJ icitcn i-W l >Läsrsto5 M* oslar MM ZmlhtgMngen. warten, le ZMtzack« »lesend Sonntag den 26. März 1S99 Gießener Anzeiger General-Anzeiger 2lnrts- usrd Zlnzeigeblcztt fite den Kreis Gietzen bas Alle Anzrigen-BermittlungSstrllen dr- In- und AuSlande» nehmrn Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den ftlgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. ritedaktion, Expedition und Druckerei: ^chnkfiraße Ar. 7. Gleichzeitig mit der Auferstehung der Natur feiern wir _ Fest der Auferstehung des Herrn, das fröhliche Oster- je|L Der Sonntag vor Ostern ist der Palmsonntag. Dieser fihrt verschiedene Namen, die im großen und ganzen auf W nun beginnende neue Leben und Weben in der Natur Adrrffe für Drprschen: Anzeiger HIrhrn. Fernsprecher Nr. 51. Bismarck über die Abrüstung. Welch eine unpatriotische, die Lebensinteressen des Deutschen Reiches in höchstem Grade schädigende Agitation t- ist, aus mangelndem Verständnis für die politische Sachlage und der Freude an doktrinären Erörterungen entsprungen, in München ihren Ausgangspunkt genommen hat - glücklicherweise in einer Form und einem Verlaufe, der flmlich abschreckend gewirkt hat — läßt sich nicht treffender kennzeichnen als in den lapidaren Sätzen, die seinerzeit Fürst SiSmarck darüber gesprochen hat. Und da seine Autorität fit uns Deutsche trotz alledem und alledem um eine ganze Anzahl von Graden höher steht als Frau v. Suttner und Herr Dr. Schlief, so ist zu hoffen, daß die aus seinen Be- nttrhtngcn sprechende politische Vernunft und gesunde Einsicht auf die Dauer mächtiger sein wird, als die sentimentalen und thörichten Phantastereien, die infolge der Friedenskund- gtbumg des Zaren sich jetzt so über die Gebühr breit machen, dlach dem Bismarck-Lexikon hat sich im Herbst 1891 Bis- aardf über die Abrüstung geäußert wie folgt: „Der Gedanke einer allgemeinen Abrüstung klingt ja sehr schön, er hat nur den einen Fehler, daß er nicht praktisch durchführbar ist. Nehmen wir einmal an, rö tzätte wirklich eine Einigung unter den maßgebenden Mlern Europas, oder sagen wir besser, unter den Staaten tarülber stattgefunden, daß jeder von ihnen nur einen be- #immiten Prozentsatz seiner Staatsangehörigen unter den Duffen halten dürfe — nebenbei bemerkt, ein Prinzip, nach welchem gerade diejenigen Staaten, deren Bevölkerung eine Durchschnittlich größere physische Kraft aufweist, am schlechtesten »rgkvmmen würden, denn sie müßten verhältnißmäßig mehr taugliche zu Hause lassen, als degenerierende Völker. Aber Dhmen wir an, man hätte diesen Maßstab, als .den noch M wenigsten untauglichen, eingeführt, dann würde jeder "Staat, der auf militärische Kraft überhaupt Wert legt, und Las muß jeder, der auf der Erde und nicht auf dem Monde fih befindet, darauf bedacht sein, die Dienstzeit möglichst obzukürzen, um im Fall der Not möglichst viel ausgebildete Leute zu haben, es würde überall an militärischer Schulung fehlen und die Folgen eines Krieges würden viel schlimmere sein als jetzt. Aber das ist noch das Nenigste. Wie will man kontrollieren, ob ein Staat tixn Verpflichtungen, die er übernommen hat, auch wilkllich nachkommt? Zum Beispiel Rußland, wo Zeitungen, bi; Meldungen über militärische Angelegenheiten von Be- teeutung bringen, die sofortige Unterdrückung riskieren? Türke man nicht das russische Beispiel, weun auch vielleicht i:i etwas abgeschwächter Form, anderwärts nachahmen? Und mn trotzdem entdeckt würde, daß ein Staat mehr Militär tzli, als ihm zusteht, was wollte man machen? Den Sünder Aich mit Krieg überziehen? Da würde man also Krieg fitn en, um Krieg zu vermeiden! Es würde ein allgemeines Wem der gegenseitigen Täuschung zur Ausübung kommen, Braska, der Papst Sixtus V. im 16. Jahrhundert das Vorrecht der alleinigen Lieferung der Palmzweige verliehen hat. Ehemals nahmen die Päpste in Rom die Weihe der Palmen in feierlicher Weise in der Sixtinischen Kapelle vor und verteilten sie eigenhändig, worauf sie dem von einem Kardinal gehaltenen Hochamt beiwohnten. Als aber um die Mitte dieses Jahrhunderts infolge der Fortschritte des Verkehrswesens der Fremdenzufluß nach Rom sich immer mehr steigerte, verlegte Pius IX. diese Feier in die Peter- kirche, um allen die Möglichkeit zu bieten, ihr beizuwohnen. An die Palmweihe schloß sich dann eine feierliche Prozession, ein Schauspiel, das demjenigen, der es einmal gesehen hat, unvergeßlich bleiben wird. Bei uns nehmen die silbergrauen, sammetweichen Kätzchen der Weide die Stelle der echten Palmwedel ein. Von ihnen singt I. W. v. Goethe: „Im Vatikan bedient man sich Palmsonntags echter Palmen; Die Kardinäle beugen sich Und singen echte Psalmen. Dieselben Psalmen singt man auch Oelzweiglein in den Händen, Muß im Gebirg zu diesim Brauch Stechpalmen gar verwenden; Zuletzt, man will ein grünes Reis, So nimmt man Weidenzweige, Damit der Frommen Lob und Preis Auch im geringsten zeige." Sogar „national" dürfe und soll der Sozialdemokrat sein und die Kolouialpolitik sei durchaus nicht prinzipiell zu verwerfen. Bernstein verneint die Behauptung: „Der Proletarier hat kein Vaterland." Die Sozialdemokratie dürfe nationalen Fragen gegenüber nicht rein kritisch verbleiben. Wahrung nationaler Interessen widerstreite keineswegs der Wahrung der Klasseninteressen. „Wo wichtige nationale Interessen auf dem Spiele stehen, kann die Jnternatonalität kein Grund schwächlicher Nachgiebigkeit gegenüber den Prätensionen ausländischer Interessenten sein." Z. B. sei die Pachtung der Kiautschoubucht nicht prinzipiell abzuweisen. Die Sozialdemokratie solle sich doch emanzipieren von einer veralteten Phraseologie. Es wird abzuwarten sein, wie diese in die Sozialdemokratie geworfenen Sätze von den Genossen selbst werden ausgenommen werden. Daß sie zahlreiche Anhänger haben, ist ja kein Geheimnis mehr. Andererseits werden auch die Gegner nicht fehlen. So schrieb das tonangebende Blatt der württembergischen Sozialdemokratie, die „Schw. Tagw.": „Eduard Bernstein ist kein Sozialdemokrat mehr, er ist auf den Standpunkt einer demokratischen Arbeiterpartei zurückgesunken." Bernstein zu widerlegen, unternimmt der Artikel aber nicht; er will den „Entgleisten" nur aus der Bahn schaffen. Ob das ohne Widerspruch von anderer Seite gelingen wird? auch die Blüten der Weide „Palmkätzchen", die Zweige der Stechpalme und des Buxbaumes „Palmen". In vielen Gegenden, besonders auf dem platten Lande, wird der Palmsonntag als Naturfest, als Frühlingsanfang gefeiert, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser Feier ein altheidnischer Brauch zu Grunde liegt. Denn schon im alten Rom begegnen wir zur Feier des Frühlingsanfanges dem Eselsritt und dem Tragen von Palmzweigen als Symbol des Sieges über den Winter. Näher liegt uns allerdings der Gedanke an Christi Einzug in Jerusalem. Die unzertrennliche Verbindung mit dem knospenden, sprießenden Grün, mit den ersten Kindern des Lenzes, verleiht dem ganzen Feste einen gewiffen warmen Frühlingshauch, und so sind auch die verschiedenen Volksgebräuche, die mit dem Palmsonntag verknüpft sind, meist durch anheimelnde, sinnreiche Beziehungen zum Naturleben ausgezeichnet. Uralt ist die Sitte, an diesem Tage Palmen — grüne Zweige — zu weihen und unter das Volk zu verteilen. Die zu weihenden Zweige werden vom Priester mit Weihwasser besprengt und dreimal geräuchert. Darauf geht der erste Geistliche zum Altar und giebt einem Priester einen geweihten Palmzweig. Derselbe verteilt nun die übrigen geweihten Zweige an die anwesenden Geistlichen und zuletzt an das versammelte Volk. Eine feierliche, schon zu Gregors des Großen Zeiten übliche Prozession beschließt diese kirchliche Handlung, zu der in Rom echte Palmwedel verwandt werden. Diese Palmen werden aus San Remo am Ligurischen Gestade bezogen, und entstammen den Gärten der Familie Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Witter für hessische Aaltrskunde. JSrjujisprel* virrtrljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlid' 75 Pfg. mit Brmgcrlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich Vermischtes. * Dortmund, 25. März. Eine harte Nuß hatten kürzlich unsere Stadtverordneten zu knacken. Bei dem Bau des Elektrizitätswerkes ist der Voranschlag um etwa 610000 Mk. überschritten worden. Bei den städtischen Bauten kommen hier hohe Ueberschreitungen des Voranschlags fast regelmäßig vor, sodaß die Stadtverordneten schon manches gewöhnt sind. Dieses Mal aber wurden auch die mildesten Herren arg böse, als man ihnen zumutete, eine solche Ueber- schreitung zu genehmigen, ja, sie drohten mit Amtsniederlegung, da sie solches Wirtschaften in den Augen ihrer Wähler nicht verantworten könnten. Vom Magistratstische aus und auch vom Berichterstatter wurde demgegenüber ausgeführt, das Geld sei gut angewandt, das Werk habe größer angelegt werden müssen, als es anfangs geplant war, man habe nicht alles voraussehen können. Wenn nur bestes Material verwandt worden wäre, so käme solches der Stadt zugute, weil dadurch Ausbesserungen in absehbarer Zeit ausgeschlossen wären; das Werk werde eine der besten Geldquellen für die Stadt werden. Die Überschreitung des Anschlages wurde schließlich mit großer Mehrheit genehmigt. * Hebet den Lebensgang des Kapitäns Gustav Schmidt vom Hamburger Dampfer „Bulgaria", dessen mutvolles und umsichtiges Verhalten auf seiner letzten Ozeanreise die ftr. 73 Drittes Blatt Feuilleton. Der ^afaifonnfag im Spiegel der Kulturgeschichte. Skizze von Ludwig Epstein. (Nachdruck verboten.) erscheint lügNch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener -amilienv lätter »erden dem Anzeiger »Schentlich viermal beigelegt. Btjuy haben; er heißt: „Grüner Sonntag", „Blumen- fwmfiig", „pascha floridum“, „Palmfest". Man nennt ihn iiich „dominica Osanna“ oder „Hosianna», nach dem Wcminaruf der Menge, die Jesum bei seinem Einzug in zemsialem begleitete. Die gebräuchlichste Bezeichnung des Kisten, welches die griechische Kirche bestimmt schon im !. Achthundert n. Chr., die lateinische dagegen erst später feierte, ist der Name Palmsonntag, der wohl auf den ' Instand zurückzuführen ist, daß das Volk dem Herrn, als ■ ein Jerusalem einzog, Baumzweige auf den Weg streute, i dbvivhl nirgends gesagt ist, von welchem Baume die Zweige, I He bi ad Volk dem Heiland auf den Weg streute, eigentlich ' timnmten, nahm man doch stets an, daß es Palmen gewesen 1 leien. Im Abendlande, wo man der echten Palmen ent- 1 Intern mußte, deutete man das Wort „Palma" im weiteren ’Sinii'ie auf „Knospe", „jungen Sproß", und nannte darum das wahrhaftig nicht dazu angethan wäre, die Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten zu verbessern. Aber will man auch selbst annehmen, daß die Bedingungen pünklich innegehalten würden, was mir als utopische Idee erscheint, wer würde den Vorteil davon haben? England, das bei seiner insularen Lage und seiner Flottenübermacht, die es im Interesse seiner Kolonien nicht aufgeben kann, vor jedem Angriff der Kontinentalmächte gesichert erscheint, Rußland, das sich nur gegen Westen, Frankreich, das sich nur gegen Osten zu decken braucht, den Hauptnachteil aber Deutschland, das von allen Seiten angegriffen werden kann und eine schlagfertige große Armee am allernötigsten hat! . . . Der Krieg ist ein Naturgesetz, er ist der Kampf um das Dasein in allgemeinerer Form, und so lange die Menschen keine Engel sind, wird er nicht aufhören!" M. N. N. Die Sozialdemokratie als demokratische Reformpartei? Hierzu schreibt der „Mainzer Anzeiger" : Eine demokratisch-sozialistische Reformpartei — das werde die Sozialdemokratie werden, sagt Ed. Bernstein in seinem neuesten Werke. Vom Umsturz, vom „Jahr des Triumphes", das Friedrich Engels vor zehn Jahren auf das Jahr 1898 prophezeit hatte, vom „großen Kladderadatsch" Bebels hält Bernstein gar nichts. Er wünscht die Herrschaft der Arbeiterklasse gar nicht herbei, denn: „Es sei offen auszusprechen, Paß die Arbeiterklasse auch heute noch nicht entwickelt genug sei, die politische Herrschaft zu Übernehmen. Auch die. Frage, ob wir die zur Abschaffung der Klassen erforderliche Höhe der Entwicklung der Produktionskräfte schon erreicht haben, sei nicht zu bejahen. Es sei nicht möglich, die ganze arbeitende Klasse im Laufe von ein paar Jahren in Verhältnisse zu bringen, die sich sehr wesentlich von denen unterscheiden, in denen sie heute lebt. Man könne aber auch, meint Bernstein, mit der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung sehr wohl auskommen und zufrieden sein: Wenn alle Garantien gegen Lohndrückereien und Ueberarbeit gegeben seien, und niemand gegen äußerste Not gezwungen werde, seine Arbeit zu unwürdigen Bedingungen zu veräußern, dann könne es „der Gesellschaft gleich- giltig sein, ob neben den öffentlichen und genossenschaftlichen Betrieben noch Unternehmungen existieren, welche von den Privaten für den eigenen Gewinn betrieben werden." Die verfassungsmäßige Gesetzgebung arbeite langsamer, durch Kompromisse, aber sie sei stärker als die Revolution, „wo das Vorurteil, der beschränkte Horizont der Masse dem sozialen Fortschritt in den Weg tritt", und sie biete größere Vorzüge, „wo es sich um Schaffung dauernd lebensfähiger ökonomischer Einrichtungen handelt." Drum ruft Bernstein der Sozialdemokratie zu: „Was sie ist, das wage sie zu scheinen: eine demokratisch-sozialistische Reformpartei." Aufmerksamkeit ganz Deutschlands auf ihn gelenkt hat, werden die nachstehenden Bemerkungen interessieren. Kapitän Schmidt ist ein Seemann der alten Schule, d. h. er ist Praktiker durch und durch ohne eine besondere oder höhere wissenschaftliche Ausbildung. In Rostock ausgewachsen, ward er frühzeitig mit seinem jetzigen Element vertraut. Gleich seinen Altersgenossen teilte er jene Liebe fürs Wasser, die die Rostocker Jugend von jeher ausgezeichnet und in John Brinckmanns „Kaspar Ohm und Ick" eine so anschauliche Darstellung gefunden hat. Seine erste seemännische Ausbildung erhielt der junge Schmidt zu Anfang der sechziger Jahre auf der Rostocker Handelsflotte. Die Schule, die er dort durchmachte, war eine vorzügliche. Aus ihr sind außer Schmidt eine Reihe unserer tüchtigsten Schiffskapitäne hervorgegangen. Im Herbst 1865 bestand Schmidt auf der Rostocker Navigationsschule seine Steuermannsprüfung. Fünf Jahre später, im Frühjahr 1870, erwarb er sich ebendort das Kapitänspatent. Schmidt hat dieser Lehranstalt, die derzeit vorzugsweise die praktischen Bedürfnisse beim Unterricht berücksichtigte, stets ein dankbares Andenken bewahrt. Als kennzeichnend für die Strebsamkeit des jungen Schmidt mag auch der Umstand erwähnt werden, daß er nach bestandener Steuermannsprüfung einer der ersten unter seinen Kameraden war, der wieder in den praktischen Dienst eintrat. Fast unmittelbar von der Prüfung reiste er zu seinem Schiffe ab, leider um wenige Wochen darauf als Schiffbrüchiger wieder heimzukehren. Daß dieser Unfall indes keineswegs imstande war, seinen Eifer abzukühlen, beweist Schmidts weitere Laufbahn. Zu derzeit, als Kapitän Schmidt in der Rostocker Handelsmarine diente, stand sie noch in voller Blüte. Der schwere, viel Umsicht und Wachsamkeit erfordernde Dienst auf den kleinen Segelfahrzeugen in den europäischen Gewässern war besonders geeignet, zähe, wetterharte und praktisch tüchtige Seeleute heranzubilden. Heute, nachdem die Rhedereien an der Ostsee von Jahr zu Jahr mehr zurückgegangen sind, finden die Rostocker Seeleute in ihrer Heimat kein geeignetes Feld ihrer Thätigkeit mehr. Man trifft sie jetzt vorzugsweise in den großen Seeplätzen an der Nordsee an, wo sie ein geschätztes Personal für die Besatzungen aller Schiffskategorien bilden. Auf Hamburger- Schiffen allein mögen gegenwärtig gegen sechzig Rostocker Seeleute als Schiffsführer und Schiffsoffiziere sich in Dienst befinden. Wo es schwierige und verantwortliche Posten zu besetzen gilt, da treten unsere Seeleute von der Ostsee in den Wettbewerb ein. Auf den Post- nnd Schnelldampfern sind sie so gut zu Hause, wie auf den großen Segelschiffen, auf Bergungs-, Schlepp- und F r a ch t d a m p f e r n. Man hört nicht ost von ihnen. Gleichwohl sind sie Männer der That. Eine in ihrer Art nicht minder hervorragende und tüchtige Leistung als die Rettung der „Bulgaria" ist die Bergung des englischen, der Peninsular and Oriental Kompany gehörenden Dampfers „China", der unweit der Insel Perim im Roten Meer auf Strand geraten, unter den allerschwierigsten Verhältnissen von Schiffen des Norddeutschen Bergungsvereins wieder abgebracht, gedichtet und durch den Suezkanal und den Mittelmeer geschleppt ward, um nach England über- geführt zu werden. Der Führer des einen dieser Bergungsdampfer ist ebenfalls ein Rostocker, der Kapitän Peter Tesdorpf, ein Name von gutem Klang unter seinen Fachgenossen Die englische Fachpresse, die sich im allgemeinen als recht zurückhaltend in ihren Beifallsäußerungen deutschen Leistungen im Seewesen gegenüber beweist, zollt in diesem Falle der hervorragenden Thätigkeit deutscher Männer in den ehrendsten Ausdrücken ihre ungeteilte Anerkennung. Das, was die Seeleute von der Ostseeküste begehrt macht, sind ihre praktische Tüchtigkeit und andere schätzenswerte Eigenschaften. In der Gegenwart glaubt man vielfach von den Schiffsführern und Schiffsoffizieren der Handelsmarine eine bessere wissenschaftliche Ausbildung fordern zu müssen, als sie bisher aufzuweisen haben. Die Forderung dürfte jedoch nur insofern eine Berechtigung haben, als die wirklichen Fortschritte in der Schiffahrtskunde ein vermehrtes Wissen notwendig machen. Im übrigen kommt die wissenschaftliche Ausbildung für den Seemann äußerst wenig in Betracht. Ein vor kurzem Heimgegangener, anerkannt tüchtiger Schifffahrtsbeflissener pflegte zu sagen: „Der Laie ahnt nicht, Während die Weidenzweige fast überall die Stelle der Palmen vertreten, wird in einem Teile Westfalens und im Rheinlande der Buchsbaum, in Tyrol die Stechpalme verwendet. Letztere soll nach der Legende von jenen Palmbäumen abstammen, von denen man beim Einzuge Christi die Zweige brach, die man auf den Weg streute. Als dann aber das Volk, das kurz zuvor dem Herrn „Hosianna!" zugejubelt hatte, „Kreuzige, kreuzige ihn!" schrie, erhielten die Blätter Dornen, die zur steten Erinnerung auch für uns selbst im Winter an den immergrünen Blättern zu sehen sind. In verschiedenen deutschen Gegenden, namentlich im nördlichen Teile von Tyrol, findet am Palmsonntag nach der Palmenweihe auch die Felderweihe statt. Nach dem Mittagessen zieht alt und jung auf die Fluren zur Weihe der Gemarkung. Ein Teil der vormittags in der Kirche geweihten Palmzweige und Palmbäume wird an den Marksteinen in die Felder gesteckt, um Flurschäden abzuwenden und den Segen des Himmels auf die Früchte der Erde herabzuflehen. Die Palmzweige werden auch an den Thüren der Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude befestigt, weil man glaubt, daß dadurch jegliches Haus- und Familienunglück abgewendet würde. In Niederbayern veranstaltet man am Blumensonntage noch theatralische Umzüge, bei welchen die fromme und volkstümliche Weise des „Puerigesanges" ertönt. Auch der Tobten gedenkt man an diesem Tage und schmückt ihre Gräber mit Palmzweigen. Dieses geschieht z. B. am Niederrhein. mit wie wenigen theoretischen Kenntnissen die Schiffe über das Meer geführt werden". Es wird das einigermaßen einleuchten, wenn man weiß, daß viele unserer Seefahrer mit den Vorkenntnissen, wie die Volksschule sie giebt, innerhalb sechs bis acht Monaten zu Schiffsoffizieren ausgebildet werden. Der Beruf des Seemannes ist eben ein rein praktischer. Besonnenheit, klares Urteil, Erfahrung, Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit sind die Eigenschaften, die den Wert des Seemannes ausmachen. Diesen Eigenschaften gegenüber treten alle anderen Forderungen, die etwa an die theoretische Ausbildung gestellt werden können, in den Hintergrund. Dem Bedürfnis nach tüchtigen Schiffsführern und Steuerleuten kann im allgemeinen bei uns leicht genügt werden. Die Zahl der Schiffsoffiziere ist so groß und ihre Leistungsfähigkeit so verschiedenartig, daß es selten schwer hält, für jeden einzelnen zu besetzenden Posten eine geeignete Auswahl treffen zu können. * Der Turfklub. Zur Mitteilung eines Berliner Blattes über den Turfklub erfährt die „Deutsche Warte": Der Turfklub ist auf mehrere — etwa zehn — Jahre einen Mietsvertrag mit dem Besitzer eines der elegantesten Restaurants „Unter den Linden" eingegangen, in dessen erstem Stockwerk sich die Räume des Turfklubs befinden. Der Ankauf eines Grundstücks in der Schadowstraße seitens des Turfklubs ist schon aus diesem Grunde nicht erfolgt; eine solche Angabe beruht auf einem Irrtum, vielleicht auf einer Verwechselung mit dem Union-Klub, dessen Präsident der Oberstkämmerer Fürst Christian Hohenlohe, Herzog von Ujest ist. Dieser Klub besitzt bekanntlich zwei Grundstücke in der Schadowstraße, die Häuser Nr. 8 und 9. — Früher wurde in diesem Klub hazardiert; aber bereits seit Jahren ist daselbst das Hazardspiel vollständig ausgeschlossen, seitdem eben nur unter dieser Voraussetzung den Offizieren die Zugehörigkeit zum Union-Klub gestattet wurde. Kein Geringerer als der damalige Prinz Wilhelm selbst soll den Anlaß hierzu gegeben haben, indem er als Regiments- Kommandeur der Potsdamer Husaren seiner Zeit den Offizieren des von ihm befehligten Regiments, ausdrücklich die Mitgliedschaft untersagte. — Wenn in einer Berliner Zeitung vom Turfklub erzählt wird, man hätte daselbst einem ertappten Falschspieler das Ehrenwort abgenommen, nicht wieder zu spielen, so ist dies selbstverständlich ein Märchen, aber ein gefährliches Märchen. Auch wenn im Turfklub hazardiert werden sollte, so können doch unmöglich derartig unklare Begriffe über Ehrenhaftigkeit in diesem Klub herrschen, um einem ertappten Falschspieler, also einem Ehrlosen, noch das Recht zuzugestehen, irgend ein Versprechen durch Ehrenwort zu bekräftigen. In dieser Zeit, wo so viel von Spiel-Affairen die Rede ist, dürfte es angezeigt sein, zu betonen, daß das Hazardspiel, obgleich es entschieden verdammenswert ist und hoffentlich schonungslos bekämpft werden wird, doch mit dem falschen Spiel nicht in einen Topf zu werfen ist. * Ein Brauerstrike l Die Frankfurter Brauereiarbeiter fordern die Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit und einen erhöhten Mindestlohn, der jetzt in den Verbandsbrauereien 24 Mark wöchentlich beträgt. Die Brauereien lehnen die Forderung ab; der Schichtwechsel müsse sich alle zwölf Stunden vollziehen und zum Mindestlohn komme noch das Freibier im Betrag von 4,90 Mark wöchentlich. Die „Volksstimme" meldet, daß gestern vormittag, hundert Arbeiter der Henningerschen Brauerei die Arbeit niedergelegt hätten und daß vorgestern abend eine Werkstätten-Versamm- lung im Jungschen Felsenkeller polizeilich aufgelöst worden sei. * Die 45. Versammlung deutscher Philologen und Schulmänner wird vorn 26.—30. September in Bremen tagen. Schon jetzt ist man mit den Vorbereitungen eifrig beschäftigt, um die Gäste von Nah und Fern würdig zu empfangen. Dank den bewährten Bürgertugenden der Bewohner wird es auch diesmal der alten Hansestadt sicherlich gelingen, den Anforderungen der Festgenoffen zu entsprechen; es darf das um so mehr erwartet werden, als in letzter Zeit wiederholt Versammlungen von ähnlichem Umfange und ähnlicher Bedeutung in Bremen ftattgefunben haben und zur Zufriedenheit aller verlaufen sind. * Bismarcksäulen. Die von der deutschen Studentenschaft angeregte Errichtung von Bismarcksäulen nimmt den Am Mittel- und Niederrhein findet man in vielen Familien auch noch den sinnigen Brauch, daß am Ostersonntag der Hausherr mit einem Palmzweig einige Tropfen Weihwasser in die Mittagssuppe träufeln läßt. Eine solche Vermischung von Oster- und Palmsonntagsgebräuchen liegt auch in der u. a. in der Gegend von Fulda beobachteten Verwendung der gefärbten Ostereier am Palmsonntag, eine Sitte, die immer mehr und mehr schwindet, indem das Volk es vorzieht, sich mit Ostereiern vorwiegend am Osterfeste selbst zu belustigen. In Böhmen läßt am Palmsonntag jedes Haus neben Palmzweigen auch noch zwei bis drei hartgesottene, in der Mitte durchgeschnittene oder bloß an der Seite aufgebrochene rote Eier (Sodlasca), Salz und ein Stück Fladen (Kuchen) in der Kirche weihen. Man bringt diese Gegenstände in einem Glase zur Weihe, welches während dieser kirchlichen Handlung geöffnet wird. Zu Hause werden die Eier zerstückelt und verteilt. Die einzelnen Familienmitglieder wechseln wieder untereinander die Stücke. Als Würze dient das geweihte Salz, als geweihter Nachbiß das Stückchen Kuchen. Einer sinnigen Sitte begegnet man am Palmsonntage noch im bayrischen Walde. Von den Ministranten der Pfarrkirche wird nämlich eine Menge von kleinen zierlichen „Palmbüscheln", aus Weidenkätzchen, Misteln zc. zusammengebunden, mit buntseidenen Bändchen umschlungen und auf weißgeschälte, ungefähr 60 Zentimeter lange Weiden oder Haselnußgertchen gesteckt. Nachdem diese Palmzweige die Weihe erhalten haben, werden sie von den Ministranten in erfreulichsten Fortgang, und die schöne Idee findet immer mehr begeisterte Anhänger. Bereits ist in weit über 100 größeren und kleineren Gemeinden der Gedanke, eine solche Säule zu bauen, ausgenommen worden und in vielen derselben ist die Errichtung schon fest beschlossene Sache. So in Metz, wo sich ein Ausschuß untef dem Vorsitz des Gouverneurs Freiherrn von Froben gebildet hat, in Hagen, Schierstein, Kirn a. d. Nahe, Birnbaum, Lüdenscheid' Düsseldorf, Köln, Gelsenkirchen, Hildesheim, Godesberg, Norderney, Moers, Iserlohn und Erfurt. Außerdem ist fast in allen Hochschulstädten der Bau der Säule gesichert. An der ausgeschriebenen Konkurrenz haben sich etwa 1000 deutsche Künstler beteiligt. Das Preisgericht wird am 21. April auf der Wartburg zusammentreten. Am 1. April wird eine Schrift erscheinen, herausgegeben vom Ausschuß der deutschen Studentenschaft, in welcher über die Vorgeschichte und die bisherige Entwickelung der Bismarckehrung ausführlich berichtet wird. Der aus dem Verkauf dieser Schrift erzielte Reingewinn ist zur Unterstützung solcher Gemeinden bestimmt, welche nicht in der Lage sind, die Kosten für eine Säule vollständig aus eigenen Mitteln aufzubringen. Bei dieser günftigen Lage der Dinge dass man wohl die berechtigte Hoffnung hegen, daß schon am 1. April nächsten Jahres in zahlreichen Städten die Bismarcksäulen stehen und die Flammen zum Himmel lodern. * Weimarer Künstler-Pensiousanstalt Die Weiterentwicklung der Renten- und Pensionsanftalt für deutsche bildende Künstler, welche ihren Sitz in Weimar hat, nahm, laut dem jetzt herausgegebenen Bericht über das fünfte Geschäftsjahr, ihren ruhigen steten Fortgang. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1897: 356. Hin- zugekommen sind 22 ordentliche und 6 unterstützende Mitglieder; 14 schieden durch Tod aus. Im laufenden Jahre traten 7 neue Mitglieder ein. Für Beiträge und Eintrittsgelder wurden 19805 Mk. und an Zuwendungen 4069 Mk. vereinnahmt, auch wurden der Anstalt zwei Kunstwerke gestiftet. Das Gesamtvermögen ist auf 118375 Mk. an- gewachsen gegen 93071 Mk. im Vorjahre. Der Dresdener Ortsverband hat einen geschmackvoll ausgestatteten Post karten-Kalender herausgegeben, dessen Verkauf eine besondere Einnahme für die Renten- und Pensionsanftalt sein fott. Professor Hans Fechner in Berlin stiftete ein trefflicher Bildnis des Protektors der Anstalt, des Großherzogs von Sachsen-Weimar, auf Stein gezeichnet. Durch die verschiedenen Zuwendungen ist der Vorstand der Anstalt in der Sage gewesen, von einer Extra-Umlage für das vergangene und das laufende Jahr abzusehen. * Das Straßburger Goethe Denkmal. AusStraßburg wird vom 22. d. geschrieben: Der Reichstag hat den h antragten Zuschuß von 50000 Mark für unser Goethe Denkmal leider bisher nicht bewilligt, und es steht zu be« fürchten, daß die Entscheidung sich noch lange hinausziehe, ja vielleicht der Zuschuß überhaupt verweigert werde. In den Kreisen der Goethefreunde muß man mit der Möglichkeit rechnen, daß der für das Standbild in Aussicht genommm Aufwand von 150 000 Mk. sich nicht ganz erreichen läßt. Bisher find ungefähr 65000 Mk. gesammelt. Der Kostenbetrag für ein des großen Dichters würdiges Denkmal kann nicht unter 100000 Mk. bemessen werden. Die Verehrer des Dichters werden daher durch baldige Gewährung von weiteren Spenden — auch der kleinste Betrag ist als Zeichen der Sympathie willkommen — der guten Sache einen freund' lichen Dienst erweisen. Die Kassenverwaltung führt die Bankkommandite Kauffmann, Engelhorn u. Cie., Straßburg. * Immer Soldat. „Wissen Herr Leutnant schon, Geheimrats Jüngste hat sich verheiratet?!" — „Schneidiges Mädel — sechs Vorder mädchen übersprungen!" „Elephanten-Kaffee" von der Holl. Kaffee'Brennerei H. DlsqaS & Co. Ist anerkannt die bette teste Maike und kann bestens empfohlen wervln. — wegen ihrer Billigkeit, Ergiebigkeit und besonderen Brernait ntfl I. von LiebigS Vorschrift (leichte Zuck«Umhüllung), wodurch Ml Aroma gebunden und drs schädliche, fettige Ausschwttzen der Bohnen unmöglich ist. 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Diese vier Knaben wandern von Haus zu Haus, stellen das geschmückte Christus kind auf den Tisch, teilen Palmgerten aus und singen em Lied, wofür sie als Gegenleistung die obengenannten M schenke erhalten. Wir scheiden von dem Palmsonntag mit den tief empfundenen Dichterworten: „Sei mir gegrüßt, o stille Woche, Voll Schwermut und voll Seligkeit, Wo von des Todes bitterm Joche Die Liebe sterbend uns befreit! Wie ernst, mit heilger Todesmahnung Und doch, wie gnadenreich und mild, Voll zauberischer Frühlingsahnung Betrittst Du wieder mein Gefild." «ifijlfllN21 ..«W !«»'8,1 bf" w Anerkannt «Reut, le chte La : oke Bock, Kickte 8 i Amerikaner Wage, An gebrauchte, . Mbttttbtdt. M' i Mögen, ali Nube-t: Fr, W\ j sämtlich« Utiße erßebenjt an. Hirnen Dl _Von ZahM!n ii|et iMleinijet 5 Unllbertre lii Wsc *an achte chjgjnal Muscrave'g Irische AMrrbrM-Ockn ofort gesucht. Karl Post, Wiescck. behör zu vermieten versinkt. 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