Ä. RitM 81/, NS-, kv. Hg Krankenkalle. igreßiuMiil. ^Äorstavd. ereinKietzest ft, abends S Uhr Kaiserhof): *** „«4 SttM' el^ . 'nftrWtWK- Nr. 198 Zweites Blatt- Donnerstag den 24. August 1S99 Meiner Anzeiger Heneral-Anzeiger Bei Postbrzuf R Mark 50 Pf. '4erte(jäi)cli(% Lllr Knzeigen.vrrmtttlunßrstellen bei In« tmb Auslaut «rhmen AnjNzen für ben Gießener Lnjei^cr leneHit »en Anzeigen zu der nachmittag» für de» frfynfrt* Lag erichrinendm Stummer M vor». 16 Uhr. NrzugapreiL vierteljährlich 2 Mark 20 Pf, monatlich 75 Pf, mit Bringerloh». ftffttaf ttgNch Mit »osmchmr de« Montag«. Di« Gießener W«»^n»l»11er »erden dem Nnze-gec Wöchentlich viermal deigelegl. Anrts- unb Zlnzeigeblertt für den Kreis Giefzen. •kbeftien, »xdcditton und Druderei: -4«tstr«»e Mr. 7. Gratisdriiagen: Gießener Familienblätter, Der hessrsche Kandwirt, Klätter für hessische Volkskunde. i । p» in» .ui....... . _______________1 ll"" ... — le.1.--------■1 >. _____em Adresse für Depeschen: Anzeiger $t«t«u Fernsprecher Nr. 51. ■■■■■■■■■■■—w—anc«ygg?? Zur inneren Krisis. Daß thatsächlich eine Krisis besteht, wird heute niemand mehr abzuleugnen wagen, ebenso muß zugegeben werden, daß es sich nicht npr um eine Krisis in Preußen sondern auch um eine solche im Reiche handelt. Denn wenn wirklich Fürst Hohenlohe an der Spitze des preußischen Ministeriums seine Demission giebt, so legt er ohne Zweifel auch das Reichskanzleramt in die Hände des Kaisers zurück. Wir haben bereits darauf hingewiesen, daß es nicht gut sei, allen gegenwärtig umlaufenden Gerüchten allzu willig Gehör zu schenken, und wir betonen nochmals, daß vor der Rückkehr deS Kaisers nach Berlin keine entscheidenden Schritte erfolgen werden. Die am Montag Nachmittag unter Vorsitz des Fürsten Hohenlohe abgehaltene Konferenz der Staatsminister war, wie wir hören, auf Veranlassung des Kaisers zusammenberufen worden, und Herr v. Lucanus war der Ueberbringer des bezüglichen Auftrages an den Präsidenten und den Vizepräsidenten des Staatsministeriums. Auch nach der Sitzung hatte der Chef des kaiserlichen Civil- kabinetts wieder eine Besprechung mit dem Fürsten Hohenlohe, in welcher er voraussichtlich das Resultat der Besprechung entgegengenommen hat, um den Kaiser ungesäumt zu benachrichtigen. Was bei der gegenwärtigen Krisis besonders bemerkenswert erscheint, ist der Umstand, daß es hauptsächlich die Person Miquels ist, um welche sich die Krisis dreht. Auch bei dieser Gelegenheit läßt sich wieder erkennen, daß Herr v. Miquel thatsächlich die Seele des preußischen Ministeriums und der Reichsregierung war. Viele Freunde hat sich der Vizepräsident des preußischen Staatsministeriums nicht erworben, er hat schon lange Zeit die Ehre gehabt, der bestgehaßte Mann innerhalb der schwarz'weißen Pfähle zu sein. Jetzt, da er seine Mission erfüllt hat, wenden sich auch diejenigen von dem „Manne des Kaisers", die ihm viel zu verdanken haben. Die „Köln. Ztg." läßt ihn schon jetzt fallen, und geht über seine Gebeine hinweg, als ob sein Wirken und Schaffen gar keine Spuren hinterlassen würde. Leute, die das Gras wachsen hören, wollen wissen, in der vertraulichen Staatsministersitzung am Montag habe es sich auch um die Frage gehandelt, welche Maßnahmen zu treffen seien, gegenüber den Verwaltungsbeamten, welche sich bezüglich der Kanalvorlage in Opposition zur Negierung befanden, und damit gewissermaßen die ihnen obliegenden besonderen Pflichten verletzt haben. Wie weit das richtig ist, läßt sich natürlich nicht feststellen; immerhin ist das ein sehr heikler Punkt, der zeigt, wie schwer sich in vielen Fällen die Pflichten des Beamten mit denen eines Abgeordneten vereinigen lassen. Jedenfalls findet ein neues Ministerium manche zu lösende neue Frage vor, nach welcher Richtung die Entscheidungen fallen, kommt selbstverständlich auf die Männer an, welche die jetzigen Minister abzulösen berufen sind. Da heute alle Vorgänge mit der politischen Krisis in Verbindung gebracht werden, so konstruiert man in einzelnen Kreisen auch aus der Abreise des deutschen Botschafters in Paris, Fürsten Münster, nach Deutschland einen Zusammenhang mit den bevorstehenden Entscheidungen des Kaisers. Wir wollen dies nur erwähnen, ohne daß wir für die Richtigkeit der bezüglichen Gerüchte irgend welche Verantwortung zu übernehmen vermöchten. (xx) Deutsches Wich. Berlin, 22. August. Die Kaiserin ist mit den kaiserlichen Kindern gestern nachmittag 6 Uhr mittelst Sonderzuges, von Wilhelmshöhe kommend, in Potsdam wieder eingetroffen. Berlin, 22. August. Eine der wichtigsten Aufgaben in Preußen, an die das S t aasminist erium angeblich sogar in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung herantreten will, ist, der „National-Zeitung" zufolge, die Beseitigung der Anarchie unter den politischen Beamten. Das Staatsministerium hat sich angeblich mit der Frage beschäftigt, was in Bezug auf die bisherige oppositionelle Haltung politischer Beamten zu geschehen habe. Berlin, 22. August. Wie der Lokal-Anzeiger aus Genf meldet, unternahm gestern eine Gesellschaft junger Leute einen Ausflug auf den Genfer See. Abends 8 Uhr fuhr die Gesellschaft zurück. Als das Schiff noch etwa 200 Meter vom Hafen entfernt war, fiel einer der Leute in den See. Sofort sprang einer seiner Gefährten, der Leutnant von Ramm ihm zu Hilfe, aber er konnte den Verunglückten nicht mehr retten und ertrank selbst dabei. Erst mehrere Stunden später wurde die Leiche des Leutnants gefunden. Berlin, 23. August. Zur Lage schreibt die „T. R." unterm 22. August: Es ist klar, daß Beschlüsse über die Lage erst nach der Ankunft des Kaisers, die heute erfolgen soll, gefaßt werden. Wenn die Minister auch stundenlang über die verworrene Lage beraten haben, so werden sie doch erst dem König ihre Meinung unterbreiten, und es wird dann in neuem Gedankenaustausch der Weg der künftigen Politik überlegt werden. Dann werden hoffentlich vor allem die Worte der amtlichen „Berliner Korrespondenz", daß die Staatsregierung die Ablehnung des Kanals nur im Zusammenhang mit der eigenartigen Gestaltung der Lage betrachten könne, daß auch ferner einzig und allein das Gesamtwohl des Vaterlandes ihr Leitstern sein werde — «diese Worte werden hoffentlich allen Beratungen voranlenchten. — Es ist jetzt Sache der Räte des Königs, ihm die einstweilige Versagung eines Lieblingswunsches, den Schmerz dieser Versagung und die Bedeutung, die diese Versagung für die Volkswirtschaft hat, in Verbindung mit allen übrigen Verhältnissen, mit dringenden anderen Bedürfnissen der Politik zu zeigen, damit nicht über dem wichtigen Einen das noch Wichtigere vergessen werde: ein festes Gefüge von Parteien zu erhalten, die in Wirtschaft und Volkskraft und Volkswillen das Gefühl, den Sinn für das Notwendige und Mögliche haben, jene staatserhaltenden Kräfte, die, wenn sie wirklich irren, nur besser geleitet sein wollen, vor allem zu erhallen. Verhüte der Himmel, daß wir jetzt in den Nebel von Neubildungen steuern und in einer Auflösung des Hauses das Heil suchen! — Wenn die Klagen über die erschütterte Autorität zu laut werden, so bieten die Worte Seiner Maje- stät selbst einen Ausweg. Der Kaiser sagte: „Es ist selbstverständlich schwierig, solche neuen großen Gesichtspunkte schnell in die Bevölkerung hineinzubringen und das Verständnis dafür zu erwecken. Ich glaube aber,, daß mit der Zeit auch die Ueberzeugung sich immer mehr Bahn brechen wird, daß der Ausbau unserer großen Wasserstraßen absolut notwendig ist und für beide Teile, für Industrie und Landwirtschaft, segensreich sein wird." — Und noch eins! Wenn der Kaiser seine Person für bestimmte Ideen mit glühender Lebhaftigkeit einsetzt, so wird dies zwar den Streit über die betreffenden Ideen heftiger gestalten, niemals aber wird es jene hohe Idee des Königtums, wie sie das Volk im Herzen trägt, beeinträchtigen. Die Führerrolle, die wir alle dem König wünschen, ist nicht in jedem Fall und ist nicht immer sofort reich an Erfolgen, und wenn das Einsetzen der Person jenen Schaden bedeutete, wie manchmal behauptet wurde, wie müßte das Königtum in den letzten Jahren bei uns gelitten haben! Unseres Erachtens mar das, was auf die Rede von Oeynhausen folgte, viel unerfreulicher als die Verwerfung der Kanalvorlage nach der Dortmunder Rede. — Zu den Züchtigungserlassen. Mit den beiden Ministerial-Verfügungen über die Züchtigung von Schülern hat sich der geschäftsführende Ausschuß des Landesvereins preußischer Volksschullehrer in seiner ersten Sitzung nach den Ferien beschäftigt. Es lagen dazu von sechs Lehrervereinen Zuschriften vor, so auch von Berlin und Schöneberg. Der geschäftsführende Ausschuß will seinen Ieuermelder. Von Fred Hood. (Nachdruck verboten.) (Schluß.) Ein gleichfalls sehr verbreiteter Feuermelder von C. und E. Fein gestattet, unter Verwendung eines gleich einfachen Mechanismus, die Feuerwehr auch von der Art des Brandes zu unterrichten. Die Scheibe eines Uhrwerkes ist hier mit den Bezeichnungen „Groß"-, „Mittel"- und „Klein Feuer" versehen, und der Meldende hat nur eine Kurbel zu drehen und auf eine dieser Bezeichnungen einzu- stellen, um der Zentralstelle gleichzeitig Ort und Art des Brandes mitzuteilen. In diesem Falle können also von jeder Station aus drei verschiedenartige Striftzeichen auf dem Morseapparat erzeugt werden, wodurch eine größere Aufmerksamkeit des Beamten beansprucht wird. Viele Fachleute bestreiten aber, daß der größte Teil des Publikums über Art und Umfang eines Brandes zutreffend zu urteilen vermag, und deshalb wollen sie die Meldung von Privatleuten auf eine rein mechanische Thätigkeit beschränkt wissen. Jene Fachleute meinen, eine Scheibe einzuschlagen und einen Hebel zu ziehen verstände ein jeder, aber nur wenigen sei etwas mehr zuzutrauen. Derartige Alarmapparate können nicht mit vollem Recht als „automatische Feuermelder" bezeichnet werden, da der Telegraph doch thatsächlich durch eine Person in Thätigkeit gesetzt wird, die zunächst selbst von dem Ausbruch des Feuers unterrichtet sein muß. Einen wahrhaft automatischen Feuermelder, oder sagen wir das Ideal eines solchen, wird man also in einem Apparat sehen müssen, welcher völlig selbstthätig von dem Ereignis Kunde giebt, auch wenn bis zum Zeitpunkt der Meldung kein lebendes Wesen davon unterrichtet ist. Es giebt eine ganze Reihe derartiger mehr oder minder vollkommener mechanischer Vorrichtungen, welche vorzüglich in abgeschlossenen, schwer zugänglichen oder von Menschen selten betretenen Räumen angeordnet werden, in welchen durch Brandstiftung, Selbstentzündung gewisser feuergefährlicher Stoffe oder durch Fahrlässigkeit vorübergehend in diesen Räumen beschäftigter Personen ein Brand entstehen kann. In diesem Falle kommt es aber weniger darauf an, unmittelbar die Rettungsmannschaft zu alarmieren, als vielmehr den Eigentümer oder die Bewohner des Hauses, bezw. einen zur Bewachung desselben angestellten Aufseher von dem Ausbruch des Feuers zu unterrichten. Auch auf Schiffen, welche nicht selten durch Selbstentzündung der Kohlenvorräte auf offenem Meere ein Raub der Flammen werden, finden derartige Vorrichtungen Anwendung. Bei gänzlich isoliert stehenden, unbewachten Gebäuden ist man natürlich genötigt, einen Mechanismus zu schaffen, welcher ferner wohnenden Personen die Kunde auf telegraphischem Wege übermittelt. Alle diese Anlagen sind keineswegs so kompliziert, wie sich der Leser wohl vorstellen mag. Eine einfache Vorrichtung dieser Art beruht z. B. darauf, daß ein in eine elektrische Leitung eingesetzter, aus einer Metalllegierung bestehender Pfropfen in normalem Zustande den Strom unterbricht, bei einem gewissen Temperaturgrade aber schmilzt und dadurch eine Kontaktfeder auslöst, welche den Stromschluß und das Ertönen einer Alarmglocke bewirkt. Natürlich können auch mehrere Alarmapparate gleichzeitig in Thätigkeit gesetzt und in größeren Entfernungen von dem gefährdeten Punkte angeordnet werden. Noch simpler ist eine Vorrichtung, welche in jedem mit einer elektrischen Glockenleitung versehenen Hause unter Anwendung der bescheidensten Mittel ausgesührt werden kann. In die den betreffenden Raum durchschneidende Stromleitung wird eine Kontaktfeder eingeschaltet, welche durch einen an der Decke entlang geführten Wachsfaden derart festgehalten wird, daß in normalem Zustande der Strom unterbrochen ist. Sobald der Faden aber auch nur an einer einzigen Stelle durchgebrannt ist, muß die Kontaktfeder zurückschnellen, den Strom schließen und die Alarmglocke ertönen lassen. Ein anderer von Tunnard u. Keny erfundener Feuermelder besteht aus einem Thermometer, in dessen Quecksilberbehälter ein mit einem Pol der Leitung verbundener Platindraht eingeschmolzen ist; ein zweiter an dem anderen Pol befestigter Draht ist in die Quecksilberröhre eingeschmolzen und in dieser bis zu dem Punkte geführt, an welchem die Quecksilbersäule den kritischen Hitzegrad erreicht Sobald nun das steigende Quecksilber die,es Drahtende berührt, ist der Strom geschlossen und so die Alarmglocke in Thätigkeit gesetzt. Es kann aber an die Stromleitung event. auch ein Meldetableau angeschlossen werden, sodaß z. B. der Portier eines Hauses oder der Kapitän eines Schiffes sofort erkennen kann, welcher Punkt gefährdet ist. Auf Schiffen finden derartige Thermometer Apparate hauptsächl ch zur Messung der Temperatur in den Kohlenbunkern Anwendung, um eine rechtzeitige Lüftung oder Kühlung bewirken zu können. Eine einfache, aber sehr sinnreiche Vorrichtung, welche an der Decke der Räume angeordnet wird, tritt gleichfalls infolge Ausdehnung eines Körpers bei Temperaturerhöhung in Funktion, doch ist es in diesem Falle ein gasförmiger — die Luft. Eine Halbkugel aus Messingblech ist an der Hohlseite durch eine leicht bewegliche Membrane verschlossen, über welcher sich, ein bis zwei Millimeter entfernt, die Spitze eines Kontaktstiftes befindet. Wird nun die Luft in der Halbkugel infolge Erwärmung bis zu einem gewissen Grade ausgedehnt, so wölbt sich die Membrane nach oben, berührt den Kontaktstift und schließt hierdurch den Strom, der nun das Ertönen einer Alarmglocke bewirkt oder ein Tableau in Standpunkt in dieser Frage demnächst in einer besonderen Bekanntmachung darlegen. — Unser Handel nach Nordamerika. Auf Grund einer bei den Mitgliedern des Deutschen Handelstags vorgenommenen Erhebung hat das Präsidium des Deutschen Handelstages am 15. August dem Reichskanzler einen umfangreichen vertraulichen Bericht in Bezug auf die Erschwerung der Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika erstattet. Der Reichskanzler wird gebeten, den Bericht daraufhin zu prüfen, inwieweit von Reichs wegen auf Abstellung der Beschwerden und Erfüllung der Wünsche hingewirkt werden kann, und dem Präsidium über das Ergebnis Mitteilung zu machen. — Unser Handel nach Dänemark. Als das maßlose Geschrei wegen der Ausweisungen aus dem nördlichen Schleswig angestimmt wurde, wurde auch behauptet, die deutsch-dänischen Handelsbeziehungen litten unter dem Vorgehen der preußischen Regierung. Namentlich ein Handelskammerpräsident und Abgeordneter der freisinnigen Volks- Partei zeichnete sich damals durch ein wenig stolzes Schreiben aus. Jetzt aber lautet ein Bericht des englischen Konsuls in Kopenhagen, der deutsche Handel nach Dänemark sei trotz des vielseitigen Unwillens über die schleswig-holsteinischen Ausweisungen nicht zurückgegangen, sondern in dauernder Ausdehnung. Der Bericht betont mit lebhaften Klagen, daß ein großer Teil der deutschen Exportwaren Konkurrenzartikel für Großbritannien seien, daß der Absatz aber den Deutschen zufiele, weil diese verständen, sich den besonderen Wünschen und Bedürfnissen des Landes besser anzupassen als die Engländer. — Das schwierige Enteignungswerk der deutschen Niederlassung in Hankau ist, wie der „Ostas. Lloyd" vom 15. Juli berichtet, glücklich zu Ende geführt, soweit cs sich um chinesisches Land handelte. Der letzte Grundbrief war auf dem deutschen Konsulate abgeliefert worden. Schwierigkeit mache nur noch der Erwerb eines Grundstücks, das einer schwedischen Mission gehört. Ausland. Wien, 22. August. Die Vorfälle in Nordböhmen haben in hiesigen politischen Kreisen ernste Bedenken erregt. Man befürchtet, daß die Verhängung des Ausnahmezustandes über einzelne Gebiete Deutsch-Böhmens bevorsteht. Amtlich wird behauptet, die Ansammlungen wären durch fremde Agitatoren und Flugschriften gegen die Zuckersteuer und den § 14 hervorgerufen. — Den ganzen Tag haben in Graslitz wieder Ansammlungen stattgefunden. Die Bevölkerung ist in ungeheurer Aufregung über den Tod von vier Arbeitern. Graslitz, 22. August. Die Unruhen haben sich nicht erneuert. Auf die Intervention der sozialistischen Abgeordneten Verkauf und Hoffer wurden die Verhafteten auf freien Fuß gesetzt. Der Amtsleiter Roth, welcher am Sonntag die Gendarmerie befehligte und dem die meiste Schuld an dem Blutbade beigemessen wird, hat Graslitz verlassen. Eger, 22. August. Wegen der Vorgänge in Graslitz fanden gestern abend große Straßen-Demonstrationen gegen den § 14 statt. Gendarmerie und Polizei zerstreute die Demonstranten. Livorno, 22. August. Fünf Matrosen des amerikanischen Kreuzers „Olympia" wurden gestern von italienischen Matrosen angegriffen und mißhandelt. Der Kapitän der „Olympia" hat hierüber bei der italienischen Botschaft eine Beschwerde eingereicht. Paris, 22. August. In der hiesigen diplomatischen Welt verfolgt man mit größter Aufmerksamkeit die Ab. Wickelung des Prozesses in Rennes. Das am Montag Thätigkeit setzt. Natürlich kann der Strom bei Anwendung eines jeden Systems unter Umständen auch dazu dienen, eine Feuerwache von der gefährlichen Temperatur oder dem Ausbruch des Brandes zu unterrichten, doch wird dies im allgemeinen wohl nur geschehen, soweit öffentliche Gebäude in Frage kommen. Wenn derartige automatische Feuermelder bisher nur in beschränktem Maße Anwendung gefunden haben, so liegt das hauptsächlich daran, daß sie als sehr zuverlässig nicht bezeichnet werden können; unter Umständen vermag der Brand schon eine große Ausdehnung anzu- nchmen, ohne oaß die Temperatur den Stromschluß herbei- führt. Bei derartigen empfindlichen Apparaten sind natürlich schon die kleinsten, kaum sichtbaren Verletzungen geeignet, das Funktionieren des Mechanismus zu verhindern. Auch können leicht Luftströmungen oder sonstige atmosphärische Einflüsse bewirken, daß gerade der Apparat eine verhältnismäßig niedere Temperatur bewahrt, während in einer Entfernung von wenigen Metern bereits alles in Flammen steht. Andererseits darf man die kritische Temperatur, welcher die Apparate konstruktiv angepaßt werden, nicht zu niedrig wählen, da lokale, Temperaturerhöhungen nicht selten Vorkommen, ohne daß schon eine Feuersgefahr vorliegt. Aber selbst bei Beachtung dieses Punktes tritt sehr häufig durch irgend welche äußeren Einwirkungen, z. B. durch Er- schütterung oder Nachgeben eines Mechanismus, Stromschluß ein, so daß nicht selten blinder Feuerlürm entsteht. Das sind die Bedenken, welche gegen Anwendung völlig automatischer Feuermelder noch geltend gemacht werden, doch liegt keine Veranlassung vor, dieselben überhaupt zu verwerfen. Sie haben in vielen Fällen die vortrefflichsten Dienste geleistet, und das gab den Mechanikern Veranlassung, immer wieder die Vervollkommnung derartiger Vorrichtungen anzustreben. Es ist dies ein Gebiet, auf welchem begabte Techniker noch reichlich Gelegenheit finden, ihren Witz und ihre Erfindungsgabe zu bekunden, und es ist nicht ausgeschlossen, daß eines TageS die Erfindung eines tadellosen automatischen Telegraphen gelingt, welcher 'gewaltige Umwälzungen im gesamten Rettungswesen herbeizuführen vermag. erfolgte zweite Dementi betreffs den von dem österreichischen Obersten als fälschlich bezeichneten Brief wird als Beweis angesehen,, daß der französische Generalstab absichtlich diese Gefahr übergehen will, welche durch solche Erklärungen seiner Offiziere entstehen könnte. Die Diplomaten sind der Ansicht, daß der Generalstab heute mehr als je bereit wäre, die Ehre der Armee durch glänzende Waffenthaten zu retten. Paris, 22. August. Die französische Republik wird vom Schicksal hart mitgenommen; es trifft alles zusammen, was nur irgend ihr Ansehen erschüttern kann. Zu der Fülle der Blamagen, die sic in RenneS schon auf sich gehäuft hat, ist jetzt der Zwischenfall mit dem österreichischen Obersten Schneider gekommen, der zu sehr unliebsamen Folgen führen kann. Ein französischer Offizier hält es vor dem Kriegsgericht aufrecht, daß ein Schriftstück eines auswärtigen Militärbevollmächtigten echt sei, das dieser selbst ausdrücklich für unecht erklärt hat, zeiht diesen also vor aller Oeffentlichkeit der bewußten Unwahrheit. Oberst Schneider ist, offenbar in Uebereinstimmung mit seiner Regierung, bereits in Paris eingetroffen, um Genugtuung zu fordern, und die österreichischen Blätter sind der Ansicht, daß diese Genugthuung nicht blos eine persönliche bleiben darf. Die französische Regierung wird Mühe haben, sich mit einigem Anstand aus dieser Patsche zu befreien. Inzwischen sinkt ihr Ansehen in Paris immer mehr. Der Operettenkrieg, den sie gegen Guärin zur Belustigung der ganzen Welt führt, mußte ihre radikalen Gegner übermütig machen und zu Widersetzlichkeiten herausfordern. Die Zusammenstöße, die am Sonntag in den Straßen von Paris stattfanden, find um so bedenklicher, als sie offenbar nur der Anfang von Revolten sind, zu deren Unterdrückung eine stärkere Hand gehört, als sie das Ministerium Waldeck Rouffeau bis jetzt gezeigt hat. Aber der schlimmste Schlag, der die Regierung in diesen schlimmen Tagen getroffen hat, ist doch die Meldung von dem Doppelmord der beiden Offiziere im Sudan. Zwei Offiziere haben sich im westlichen Sudan der Ermordung eines Vorgesetzten und eines Leutnants unter Umständen schuldig gemacht, die dem Verbrechen einen besonders gehässigen Stempel aufdrücken. Die beiden Hauptleute Voulet und Chanoine waren von Senegambien aus mit einer Anzahl senegalischer Schützen und Träger nach dem westlichen Sudan gesandt worden. Vor einigen Wochen verlautete, daß sie sich schwerer Vergehen gegen die Eingeborenen schuldig gemacht hatten. Oberstleutnant Klobb und Leutnant Meunier erhielten von dem Gouverneur den Befehl, von Kayes aus, einem wichtigen Posten an dem Punkte, wo die Schiffbarkeit des Senegalflusses aufhört, zu jener Expedition zu stoßen, den Befehl über letztere zu übernehmen, und die beiden Offiziere nach Kayes zur Aburteilung bringen zu lassen. Diese beiden Ehrenmänner aber führten die Soldaten zu offener Meuterei und ließen ihre beiden Kameraden, die auf höheren Befehl gegen sie einschreiten sollten, einfach niederknallen. Die Zustände in einem Heere, dessen Offiziere solcher Schuftereien fähig sind, müssen in der That traurig fein. „T. R." Paris, 22. August. Dem „Figaro" zufolge werden die PlaidoyerS im Prozeß Dreyfus fünf Tage in Anspruch nehmen. Paris, 22. August. Die „Patrie" meldet, ein Anhänger Dreyfus wurde gestern auf dem Boulevard des Italiens verhaftet, weil er die Rufe ausgestoßen hatte: Nieder mit der Armee, nieder mit dem Generalstabe. Rennes, 22. August. Die Nachricht, daß der Attache Oberst Schneider den Major Cuignet wegen feiner beleidigenden Aussagen im Dreyfusprozeß fordern werde, scheint sich zu bestätigen. Wie von dort gemeldet wird, ist Schneider gestern abend von Reims in Paris eingetroffen. Rennes, 22. August. Labori, der heute voraussichtlich den Verhandlungen des Kriegsgerichts beiwohnen wird, wird eine ganze Reihe hochinteressanter Fragen an Boisdeffre, Mercier, Gonse u. a. Zeugen stellen. Rennes, 22. August. Hier zirkuliert das Gerücht, daß der Präsident der Sicherheits-Polizei, Vignier, gestern abend die Meldung erhalten habe, Esterhazy werde demnächst in Rennes eintreffen und Aussagen machen. Er wolle von seinem freien Geleitbriefe Gebrauch machen. Rennes, 22. August. Labori wird in einem Automobil von der Villa Basch in das Lyceum kommen, ob morgen oder übermorgen, ist noch nicht bestimmt. — Sarah Bernhard gab ihre Absicht, am Sonntag hier zu gastieren, auf. Rennes, 22. August. Labori erhielt gestern eine Sendung, in welcher Explosivstoffe enthalten waren. Bei der Oeffnung der Sendung im Laboratorium der Artillerie stellte sich heraus, daß die Sendung Schießbaumwolle enthielt. Rennes, 22. August. Hier werden von neuem Haussuchungen vorgenommen, da man glaubt, daß der Attentäter wieder hier ist. London, 22. August. Ein Telegramm des englischen Vertreters in Hongkong meldet, daß in der vorigen Woche 2 4 Pest fälle vorgckommen, von denen 22 rötlich verlaufen sind. Belgrad, 22. August. Der ehemalige Justizminister Jlowanovc wurde wegen des in einem Wiener Blatte erschienenen Artikels: „Zwei Jahre Staatsstreich in Serbien" in den Anklagezustand versetzt. New-York, 22. August. Der Führer der Aufstandsbewegung, Jimenez, ist entflohen und auf dem Wege nach Cienfuegos, von wo aus er sich nach Nord-Amerika begeben wird. Newyork, 22. August. Die Hitze ist hier wieder unerträglich geworden. 17 Todesfälle an Hitzschlag wurden zur Anzeige gebracht._________________________________________ Vermischtes. * Wetzlar, 22. August. Gestern nachmittag feierten die Maurer, welche an dem Neubau am Lahnberg beschäftigt waren, Richtfest. Bei dieser Gelegenheit sprach der Maurerhanvlanger Georg Traser von hier tüchtig dem gespendeten Freibier zu und legte sich alsdann, um seinen Rausch auszuschlafen, im Freien ins Gras nieder. Nach einer Weile wollte sein Mitarbeiter, der Handlanger Johannes Watz von Volpertshausen austreten und ging an Traser vorbei als letzterer aufsprang und dem Ahnungslosen sein offenes Taschenmesser in die linke Seite stieß. Der Verletzte, der uns als ein fleißiger und nüchterner Mensch geschildert wird, mußte in das Krankenhaus verbracht werden, während der erst 15 Jahre alte Messerheld, heute morgen von Herrn Polizeisergeant Becker in Untersuchungshaft abgeführt wurde. Wie der „Wetzl. Anz." nachträglich erfahren hat, mußte der Verletzte in die Gießener Klinik überführt werden. Lebensgefahr soll vorhanden fein. D. Frankfurt a. M, 22. August. Goethe-Feier im Zoologischen Garten. Nachdem bereits mehrere Vereinigungen im engeren Kreis ihre Fest-Feier abgehalten haben und das Theater schon dreie seiner Festvorstellungen hinter sich hat, beginnt Samstag abend die Reihe von Veranstaltungen im großen Styl mit einem Gartenfest im Zoologischen Garten, zu dem die auswärtigen Mitglieder der Goethe-Gesellschaft und die Spitzen der Behörden ein- geladen werden, während andere 1 Mk. und die Abonnenten des Gartens 50Pfg. Entree bezahlen. Außer dem Konzert, das auf der Terrasse mit verstärktem Orchester von Herrn Kapellmeister Iwan Schulz dirigiert wird, gibt es noch ein Promenade-Konzert am Weiher, das die Musik des 81. Infanterie-Regiments unter Kalkbrenners Leitung ausführt. Eine großartige Lampions-Beleuchtung wird das sogenannte Wäldchen zieren und sich um den großen Weiher herumziehen. Die Burg und die Baumgruppen werden zweimal bengalisch beleuchtet und ein transparentes Goethe- bildnis wird vom Turm auf die Besucher herabblicken. • Goethefeier. In Frankfurt a. M. wurden die Festlichkeiten aus Anlaß der 150. Wiederkehr des Geburtstages von Goethe am Montag eingeleitet durch die Aufführung des dramatischen Bruchstücks „Prometheus" und des „Clavigo". Zu beiden Stücken hatte Professor Lütkemeyer die neuen Dekorationen gemalt. Das Publikum, daß sich in sichtlicher Feststimmung befand, zeichnete die Darsteller durch reichen Beifall aus. * Heidelberg, 21. August. Der wegen eigentümlicher pädagogischer Mißgriffe jüngst erwähnte Gymnasialdirektor Professor Uhlig ist um seine Entlassung eingenommen. * Vom Harz, 20. August. Der gewiß seltene Fall, daß eine fertige und landespolizeilich abgenommene Eisenbahnstrecke nicht sofort dem Betrieb übergeben werden konnte, weil die Eisenbahnwagen fehlten, ist in diesen Tagen hier eingetreten, und zwar bei der Südharzbahn, die von Walkenried (an der Linie Nordhausen—Herzfeld) nach Braunlage führt. Der Zwischenfall ist recht ärgerlich in der jetzigen Hochflut des Reiseverkehrs. Mer eigentlich am letzten Ende die Schuld an dieser betriebsfähigen, aber nicht betriebenen Eisenbahn zu tragen hat, darüber sind verschiedene Auslegungen im Umlauf. Immerhin wird die überaus starke Beschäftigung wohl aller Wagenbauanstalten mitgewirkt haben, die es ihnen gegenwärtig geradezu unmöglich macht, kurze Lieferfristen zu gewähren oder säumigen Bestellern aus der Not zu helfen, indem sie bevorzugter Bedienung teilhaftig wurden. Unter diesem Gesichtswinkel betrachtet, bedeutet die Südharzbahnklemme auch wieder ein gutes Zeichen der Zeit, als ein Beweis für die anhaltend starke Beschäftigung vieler Industriezweige. Uebrigens wird jetzt die Betriebseröffnung der Südharzbahn als nahe bevorstehend angekündigt. K. Z. * Allgemeine Deutsche Sport-Ausstellung München 1899. In kurzer Zeit wird die Ausstellung eine neue Gruppe in ihren Räumen aufnehmen, die eine Zierde des ganzen Unternehmens bilden wird, nämlich die in Crefeld verwaltete „Historische und Volkstrachten-Ausstellung". Die Idee, auf kleinen Modellfiguren (Puppen) die historischen und Volkstrachten aller Zeiten und Länder darzustellen, stammt von Ihrer Durchlaucht der Fürstin-Mutter zu Wied, welche damit dem unter ihrem segensreichen Protektorate stehenden Otto-Waisenhaus zu Neuwied, einer Erziehungsstätte für taubstumme Mädchen, neue Mittel zu schaffen trachtete. Der Plan, zunächst nur in bescheidenen Grenzen gedacht, nahm bald einen Niesenumfang an, dank dem hohen Interesse, welches er bei der königlichen Tochter der fürstlichen Mutter, der mit reicher Phantasie und schöpferischer Kraft begabten Königin von Rumänien, der Dichter-Fürstin Carmen Silva, fand. Mutter und Tochter wetteiferten nun, die gekrönten Häupter von fast ganz Europa für ihre Sache zu interessieren. Es befinden sich unter den Geschenkgebern die Namen der Kaiserin Friedrich, der Königin von England, der Königin von Holland, der Königin von Schweden und Norwegen, der Königin von Italien, der Königin von Serbien, der Kronprinzessinnen von Schweden und Griechenland, der Großherzogin von Baden, des Großherzogs und der Großherzogin von Luxemburg, der Erbgroßherzogin von Baden, der Prinzessin Pauline von Württemberg, sowie der Großfürstin Alexandra von Rußland, des Prinzen Nikolaus von Nassau und des Fürsten von Bulgarien. Neben diesen fürstlichen Gefchenkgebcrn entspann sich ein edler Wetteifer aller möglichen Kreise, Beiträge zu dieser eigenartigen Veranstaltung zu liefern. So ist denn eine Sammlung zu- fammengefommen, wie sie wohl noch nirgends bestanden hat, und welche die Trachten und Modeeigentümlichkeiten der verschiedensten Zeiten und Länder zeigt. Wenn jetzt München die schöne Sammlung eine Zeit lang beherbergen wird, so gebührt das Verdienst Ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Ludwig Ferdinand von Bayern, welche der guten Sache ihr gnädiges Interesse zuwandte, und die Uebcr- führung in die Sport-Ausstellung huldvollst vermittelte. An dem Reinerträgnis soll außer dem „Otto-WaisenhauS" in Neuwied auch eine Münchener Wohlthätigkeitsanstalt Teil haben. Lr L» Äu"O«»itn -*Ää Ws«? ÄwSta in®1"'1 "b-isthn ^°-!h°-F.i.r ° b-n« mhrm 1'!5 °bg-h°li!n "b d>- Reihe «artenfeft. m ’“«* ®itg[$r ” ®'fcbra lin- ™k ineltmiMMto Jp* dem Konzert, von Herrn gibt es noch Q6 die Musik des !nners Leitung aus- Achtung wird baden großen Weiher lumgruppen werben ansparentes Goethe- )er herabblicken, r. wurden die Fest- ehr des Geburts- ngeiei'tet durch die „Prometheus" und Professor Lütkemeyer Publikum, daß sich nete die Darsteller oegen eigentümlicher te Gymnasialdirektor -ng eingekommen, gewiß seltene Fall, bgenommeneEisen- ) übergeben werden , ist in diesen Tagen idharzbahn, die von derzfeld) nach Braun- rgerlich in der jetzigen i tlid) am lebten Gabt ier nicht betriebenen verschiedene Aus- die überaus starke chaüen cktgewick ezn MMgiich macht, umigen Bestellern allster Bedienung teil« winkel betrachtet, be- ieder ein gutes Zeichen ib starke Beschäftigung •b jetzt die Betriebs- che bevorstehend an- telluug Mnche" 1899* eine neue Gruppe in Tbe des ganzen Unter- in Creseld verwaltete en-Ausstellung', lappen) die historischen Länder darzuM rftin-Mutter zu Wie. nsreichen Protekora - eb, einer W ie Mittel zu bescheidenen Grenzen :r gewebt« && S*ggä , btiftttn dich» «l9anl k„r sch lief« %’niniW f"n n eine SN ^stände" ich nirgenv° lichkeiten Ddens^n ier ie{9*’ beherberg Zeit lang ° 9 ^heit 5t der Kss ♦ Mit einer eigenen Arbeit sind seit einigen Tagen 6 Angestellte und Arbeiter der befüimteii Wasch-Extrakt-Fabrik Aug. Luhn & Co. beschäftigt. Auf dem Fabrikhofe ist ein geräumiges Zelt aufgeschlagen, das durch eine Eisenkonstruktion gehalten wird. Darin türmt sich ein gewaltiger Berg Kisten und Kasten, Packen und gefüllter Säcke auf und alle diese enthalten alte Verpackungen von verbrauchtem Luhn's Wasch-Extrakt und Seife. Unseren Hausfrauen ist bekannt, daß die Firma eine Gratis-Preis-Verteilung veranstaltete und 1000 Preise aussetzte für solche Verbraucherinnen der Fabrikate, die bis zum 30. Juni d. I. die größte Zahl leerer Packungen einsandten. Ende vorigen Monats liefen innerhalb weniger Tage tausende von Sendungen ein, sie rührten, soweit bis heute zu übersehen ist, von'4032 verschiedenen Absendern, in allen Teilen Deutschlands wohnend, her. Der Erfolg des Ausschreibens ist somit ein gewaltiger. Nun gilt es, die eingegangenen Sendungen mit peinlichster Genauigkeit auf die Zahl der eingeschlossenen Hüllen zu prüfen und danach das Ergebnis sestzustellen. Die zurückgesandten Packungen und ihre Umhüllungen werden nach Erledigung des Ausschreibens seitens ftt? Firma zum Besten der Deutschen Reichs-Waisenhäuser verkauft werden. * Eine akteumäßige Darstellung des Unglücksfalles bei Kaiserswerth, bei dem ein Pionier ertrank, erhält die „Köln. Ztg." vom General-Kommando. Darnach hat das Militärgericht die Fragen, ob Feldwebel Stallmann verhindern konnte, daß der Pionier aus dem Nachen herausgerissen wurde, sowie ob er den Ertrinkenden retten konnte, oder pflichtwidrig unterlassen habe, die nötigen Schritte zu thun, nach eingehender Prüfung verneint und festgestellt, daß der Feldwebel in vollstem Maße seine Schuldigkeit gethan habe. Da für den Feldwebel eine Verpflichtung, Civil- personen Auskunft über den Unglücksfall zu erteilen, selbstverständlich nicht bestand, während er andrerseits seiner dienstlichen Pflicht durch sofortige Meldung des Unglücks an seinen Vorgesetzten genügt habe, so war, wie die Darstellung am Schlüsse besagt, das Verfahren einzustellen. Alle jene Zeugen, die angeblich den Vorfall beobachteten, sind sämtlich vernommen worden und haben vor Gericht eine den Feldwebel oder Gefreiten belastende Aussage nicht machen können. Nach der gegebenen Darstellung war das unzweckmäßige Verhalten des Pioniers — er ließ trotz Warnung des Feldwebels die Schlepptrosse des Dampfers nicht los — schuld an seinem Unfall. * Ein kämpfendes Mädchen in den Freiheitskriegen. Dem „Liineb. Anz." wird geschrieben: Bei der demnächstigen Weihe des Denkmals der Lützower wird ohne Zweifel auch jenes tapferen Mädchens, der Eleonore Prochaska gedacht werden, welche als Soldat verkleidet (Renz) die Schlacht an der Göhrde mitmachte und dort fiel. Sie liegt in Dannenberg begraben. Da mag nun zugleich auch einer anderen Mitkämpferin der Freiheitskriege gedacht werden, der Ilse Hornbostel aus Oldendorf, Kreis Celle. Als Knabe hörte ich einst meine Großmutter von der That ihrer einstigen Mitschülerin Ilse H. erzählen, zudem fand ich in einem hiesigen Archiv behördliche Aufzeichnungen aus ihrem Leben. Nach ihrem Taufschein, der mir Vorgelegen, ist I. H. am 11. Dezember 1792 geboren in Oldendorf. Ihren Eltern war von den Franzosen alles genommen. Als der zweite Feldzug gegen Frankreich im Jahre 1815 begann, wurde sie zum zweiten Male brodlos durch die Franzosen. Es ging nämlich ihre Herrschaft in Hamburg, bei der sie diente, aus Furcht vor dem Kriege nach England. In ihrem „Zorn" gegen die Unterdrücker" ging sie, wie sie vor Gericht später aussagte, „ohne das Zureden irgend eines Menschen" zum Stadtkommandanten von Hamburg, v. Bennigsen, legte ihre Zeugnisse vor mit dem Begehr, Soldat werden zu dürfen, v. B. sandte sie nach Bremen, er fürchtete, irgend ein Hamburger Soldat möchte I. H. kennen. Sie machte den Weg von Hamburg nach Bremen zu Fuß als Manu verkleidet. Auf v. Bennigsens Empfehlungen nahm der Major v. Weddies sie an, und der untersuchende Arzt Dr. Wietmann versprach ihr auf ihr flehentliches Bitten Verschwiegenheit über ihr Geschlecht. Unter dem Hauptmann Freudenthal machte sie im Bremisch- hanseatischen Infanterie-Regiment in der 2. Kompagnie den Feldzug bis zu Ende mit. Niemals wurde sie auf den langen Märschen müde, und nach ihrem Bericht machte sie mehrere Gefechte und eine Schlacht mit. Als der Friede geschlossen war, kehrte sie mit dem Bataillon nach Bremen zurück. Am 31. Januar 1816 erhielt sie ihren erbetenen Abschied vom Heere unter dem Namen Ferdinand Hornbostel, als welcher sie acht Monate beim Heere gegolten. Keiner, nur v. Weddies und Dr. Wietmann, hatten um die Sache gewußt. Nun begann eine schwere Zeit für das tapfere Mädchen. Bald nach ihrer Entlassung wurde ihr in einer Nacht alles gestohlen, und im Jahre 1817 verdächtigte sie ein Schurke bei der Polizei, sodaß sie trotz ihres energischen Protestes deö Staates verwiesen wurde. Als ehemaliger Ferdinand H. hatte sie die hanseatische Kriegsmedaille und das Versprechen des freien Bürgerrechts von Bremen in der Tasche, aber sie gab sich nicht bekannt. Erst bei einer Gerichtsverhandlung in Hermannsburg, Winter 1819, kam alles zu Tage. Später durfte sie nach Bremen zurückkehren. Sie heiratete den Schmied David Schrader in Bremen. Mühevoll hat sie dann an der Seite ihres Mannes weiter gekämpft ums liebe Brod. * Nachtigallenstener. Um die Nachtigallen vor Verfolgung und Fang zu schützen, hat die Gemeindebehörde in Apolda eine Nachtigallensteuer von 18 Mk. jährlich emgeführt. Sobald jemand eine Nachtigall kauft ober auf andere Weise erhält, hat er dies binnen 24 Stunden anznzeigen, sonst verfällt er in eine Strafe von 36 Mk. — Diese Schutzmaßregeln sei anderen Gemeinwesen zur Nachahmung bestens empfohlen! * 65 Schreibmaschinen, die fast durchweg von weiblichen Personen bedient werden, befanden sich Ende Mai dieses Jahres der ..Dtsch. Verk.-Zig." zufolge bei 36 Oberpostdirektionen im Poftdienstgebrauch. Nach übereinstimmendem Urteil hat sich die Verwendung von Schreibmaschinen gut bewährt; namentlich ist dadurch eine Förderung des Kanzleidienstes eingetreten. Die Reinschriften werden schneller, leserlicher und auf kleinerem Raum hergestellt als mit der Feder. Auch gewährt das Vervielfältigungsverfahren mit Hilfe der Schreibmaschine wesentliche Vorteile für den Dienstbetrieb. Bei Anfertigung längerer Reinschriften ist die Leistung mit der Maschine etwa doppelt so groß wie die eines geübten Kanzlisten mit der Feder. Nur die Ausfüllung von Formularen und Nachweisungen mit der Maschine ist zeitraubend. Nach dem Urteil der Mehrzahl der Ober- Postdirektionen entsprechen bei voller Ausnutzung einer Schreibmaschine die erzielten Leistungen ungefähr denjenigen von anderthalb bis zwei Beamtenkräften. Mteratur, Wissenschaft und Kunst. — Die nächsten Bayreuther Festspiele. Man meldet der „Frkf. Z'g." aus B.yeeutd: Gestern aoerv rech Sw up ter Uhlen Vorstellung nahm Frau Cosima Wagner auf der Bühne in h»rz- lichen Worten von den Mttwtrkenden Abschied und erklärte, daß die nächsten Festspiele im Jahre 1901 statifinden werden. — Im Verlage von Walther Fiedler, Leipzig erschien soeben: Tolstoi, »Die Kreutzer-Tonale", Amyntor, »Die Ci*-moll- Sonate". Es dürste vtelleicvt nicht ganz überflüssig sein, bet Ar- kündtgung dieser Neuersche nungen die Gründe darzulegen, die zu einer Neuübersetzung, dezw. Neuherausgabe der „Kreutzen Sonate" geführt haben. In genanntem Verlag ging vor kurzem die seit längerer Zeit im Buchhandel vergriffene bedeutendste Gegenschrift der Kreutzer-Sonate „Die Cis-moll-Sonate" von Gerharöt von Amyntor über. In letzterem Merkchen versucht er die Haltlosigkeit der Theorien, auf denen sich die Tolstoische Kreutzer-Sonate aufbaut, zu entkräften und nachzuweisen, wohin die Befolgung der Lehren deS russischen Romanzters führt. Die Beweisführung ist, wie bet der Kreutzer-Sonate, in die Form einer spannenden Erzählung eingekleidet, die niemand ungelesen lassen sollte, der sich mit der Tolstoischen Schrift bekannt gemacht hat. Es sind zwei verschiedene Weltanschau« ungen, die in den Schriften Tolstois und Gerhardt von Amyntor8 zum Ausdruck gelangen. Der Ausgangspunkt ist bei beiden Schriftstellern derselbe, aber die Wege, die sie gehen, find grundoerschiedcn von einander und führen demgemäß auch zu anderen Zielen und Ergebnissen: Bei Tolstoi zur Verneinimg der ehelichen Sittlichkeit, bet seinem Gegner zur Bejahung derselben ur.ter starker Betonung des Naturrechts in der durch die Ehe bedingten Form. Gerhardt von Amyntors Ois-moll-Sonate ist durchaus deutsch empfunden, und deutsch ist auch die Antwort, die sie auf die Herausforderung des Russen giebt, der, sich hinter d«S Evangelium verschanzend, Glück und Lebensfreude in einem Wuft von Grübeleien und Sophismen begraben mochte. Zur näheren Beleuchtung dieser beiden Werke dürfte vielleicht es nicht unangebracht sein, auch noch das eigene Vorwort Gerhardt von Amyntors zur „6is-moU-Sonate" anzuführen, das die Stellungnahme jede« dieser beiden Werke an und für sich wie zu einander trefflicher charakterisiert, el8 es von anderer Seite aus geschehen konnte. Gerhardt von Amyntor leitet seine „Cis-moll- Sonate" mit nachstehenden Worten ein: „Ich übergebe diese Erzählung, die nur ein sozialethischrS Essay in epischer Einkleidung sein niill, der vornehmen Lesewelt, d. h. allen geistig Reifen und sittlich Befestigten, die auch den tieferen Menschheitsfragen, sobald die Be- tjanblung derselben nur eine würdige und von jeder unkünstlerische» Nebenansicht freie ist, ihre lebhafte Teilnahme nicht zu versagen pflegen. Ein russischer Dichter hat es gewagt, in seiner auch in Deutschland wett verbreiteten „Kreutzcr-Sonair" jedes Eheweib, daS Kinder hat, eine gefallene Frau zu nennen. Es schien mir eine ritterliche Pflicht, für die Ehre der Mütter mit diesem Buche ein»»« treten. Die Frau und Mutter ist eine Heilige; nur daS Weib, da» r£r Lehre des russischen Schwärmers zustimmte, wäre gefallen — intellektuell gefallen. Wenn eine gewisse Klasse sozialistischer Umstürzler die Heiligkeit b-.r Ehe antastet, indem sie dieselbe durch freie Liebe" ersetzen will, so thut dies nicht minder die Tolstoische Doktrin, die die Ehe für sündhaft erklärt und überhaupt vernichten will. Beide Richtungen find gleich verwerflich. In einer Zeit, da die Grundfesten der m-nschfich-n Gesellschaft wanken, da mit der Jrreltg'osttät die wildeste Zweifel- und Spottsucht, die roheste Genuß- uier und Unstttltchkeit hereinbrechen, dürfte es nicht ganz unverdienst- jich sein, gerade die kindergesfgnete Ehe als den hauptsächlichsten Quell deS Heils und der Sittlichkeit der Völker und Staaten nach- zuweisen und auf den Abgrund htnzudeuten, dem der verstiegene russische Sektierer und stine etwaigen Anhänger unvermeidlich ent- aegeneilm." Will man nun diese „Oie-vaoH-Sonate" recht verstehen, so ist die Bekanntschaft mit der „Kreutzer-Sonate" des Grafen Tolstoi unerläßlich, da die Amyutorsche Schrift diese mit großem Geschick Schritt für SLrttt zu widerlegen versucht. Hierzu war vor allen Dingen notwendig, eine Neuübersetzung zu schaffen, der das Prädikat „die vollständigste und ko rekteste" gebührt, Eigenschaften, die der vorliegenden U-bersetzvng durch die tbätige Unterstützung eines Herrn, dem die Eigenheiten de» russischen LebenS bekannt sind, und der die russische Spiache voll und ganz beherrscht, unbedingt gebühren. Bekanntmachung, betreffend Die Vergebung der Kommerzienrat Heichelheim- Stiftung. Aus rubrizierter Stiftung haben am 1. November l. I. 1416 Mark zur Verteilung zu gelangen. Nach § 3 der Stistungsurkunde können zur Bewerbung um die Gaben nur zugelaffen werden: a) Personen, welche während des Feldzuge- 1870/71 im Militär» Verhältnis gestanden haben; b) Frauen und Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß diese unter a. und b. bezeichneten Bewerber einer derartigen Unterstützung bedürftig und würdig find und-daß dieselben von der Zeit der Bewerbung rückwärts gerechnet mindestens zwei Jahre in Gießen ununterbrochen gewohnt haben. Die Bewerber werden hierdurch aufgefordert, sich bis zum 30. Sep tewber l. Js. bei Großh. Bürgermeisterei Gießen schriftlich oder zu Protokoll anzumelden und ihre Qualifikation zum Bezüge der Unterstützung näher zu begründen und zu belegen. Gießen, den 19. August 1899. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. 6141 Bekanntmachung. Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß^derMädtische Friedhof in der Zeit vom 16. August bis 15. Oktober von morgens 6 Uhr bis abends 8 Uhr geöffnet bleibt, und daß die auf dem Friedhof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desselben auf diesen durch ein Glockenzeichen aufmerksam gemacht werden. Gießen, den 19. August 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Güßen. 6149 Wolff. Donnerstag den 24. August, abends 8'/r 8hr pünktlich auf Oswalds Garte». Gießen, den 20. August 1899. 61.36 Der Branddirektor: Traber. DWlMMM Tertors Terrasse. Täglich frische Massel«. 3828 Milchzucker garantiert rein empfiehlt die 5603 Drogerie M roten Kren; Bahnhofstraße 51._______ taftrtimiLHitwM H. II eitler empfiehlt stets vorrätig: Kaffee- und Thee- Gebälk Kuchen und Horten etc. Gefrorenes iu verschiedenen Sorten nnd innhannter Tiite. Ausschank von 3912 la. echt Pilsener und Münchener Bier. Jene Keüerttnsen, neues KrünKorn empfieh't 6078 Fr. Keo Nächst., C. Herber, Seltersweg 71. Is.Jichtelgeöirg- Preiselbeeren treffen Ende dieser Woche ein. js>6- Emil Orbig. 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