* N rin sus Ehrung "b,,m teil. T"Si!fä ^nnomtntffion. kH abend; 9 Hx, itkks 3immfr: •mfa: esu Men. 6812 § Terrasse. Der Vorstand. r itiä.Siplül« lieft 03277 Dierbach. Mach, inet faM M schäft Pass NMIlsili Mund der Umgebung Oder fremden Uttgart tolen, ist bestens gesorgt. Ergebenst iretbe PM AarW' . Mfcli 11 220 m Vorige ies MOTU Fabriken , ffM. Hoth jr- °° te !*•*&*’'*’ : ^wolf, u« -* • h in WWf «• K'L'“"*4* ^s«- “••“.■.■SS» ,8pf“eW “a ** *«« 1S9S Samstag den 23. September Nr. 224 Zweites Blatt Aintr- und Anzeigeblatt ffir den Urei* Gieren. Frmilets«. ÄSe Lnreig«n-Bermtttlu»H-fteL« M In- m»d Äuflaefc* nrhmm Knjti|tn für den Sietzenrr •n|dgtt eatgef. m Anzeigen zu der nec^enttttgl für t« -dLgendr« L«g erscheinenden Mummet ks vorrn. 16 lltzr. IkMtiett, »Spedition und Druckerei: -chnkßrage »r. 1. von den Genossen mit großer Gelenkigkeit geltend gemacht wurden, und die Würde des Kriegsgerichts war erst wieder hergestellt, als der Empörte mit einem trotzigen „Ich spiel nicht mit!" das Weite gesucht hatte. Jetzt stand er in meiner Nähe und sah mit verächtlichem Ausdruck von fern zu, was die andern machten. „Weshalb haben sie dich denn so verhauen?" fragte ich ihn teilnehmend. Er sah mich von der Seite an, und die Thränen kamen ihm wieder in die Augen. „Ick hab Mercier sein sollen," sagte er schluchzend, „und das war mir zu gemein. Jetzt paßt mir der ganze Krempel nicht!" Sprach's und schlug sich seitwärts in die Büsche. ♦ Zur Abschaffung der Briefmarken. Im englischen Post-Ofsice wird gegenwärtig die Abschaffung der Briefmarke geplant. Zur Wahrung der Priorität eines deutschen Landmannes sei konstatiert, daß die Idee, in allen wesentlichen Punkten entwickelt, mit dem Nachweise der Möglichkeit und Notwendigkeit der Abschaffung seit Juni 1897 vorliegt. Ein in der „Zeitschrift für Poft und Telegraphie" Nr. 27 des Jahres 1897 veröffentlichter Aufsatz von I. Baumann enthält alles Wesentliche des Planes, den nun das englische Post-Office aufgegriffen hat. In diesem Aufsatz bespricht der Verfasser zunächst die Mängel der Briefmarke, die Unbequemlichkeiten, die Ankauf und Gebrauch der Marken verursachen, die entstehenden Zeitversäumniffe und, für große Firmen, den durch den Verkauf in großen Maffen sich ergebenden Zinsverlust. Das alles ließe sich vermeiden, wenn man die Marke abschaffte und den Briefen als Quittung gnadigung des Verurteilten spricht deutlich genug dafür, daß die Regierung von seiner Schuld nicht überzeugt ist. Alfred Dreyfus bringt ein großes Opfer, wenn er die Gnade des Präsidenten annimmt und dadurch seinem Vaterlande die Ruhe, wiedergiebt. Frankreich bedarf der Sammlung, umsomehr als der gegenwärtige in Paris sich abspielende Prozeß gegen die Monarchisten das Land in größere Erregung versetzen dürfte. Das Kapitel über die Dreyfus- affaire wird für die Geschichte Frankreichs kein ehrenvolles sein, es wäre bester, die Blätter, welche davon berichten, könnten vernichtet werden, ehe die Nachwelt Kenntnis davon erhält. (xx) Das Ende des Dramas. Kann man anläßlich der Begnadigung des Kapitäns Dreyfus schon von einer Beendigung der „Affaire" sprechen? Diese Frage ist eine offene, da über die Beschlüsse des Kapitäns noch nichts endgiltiges bekannt ist. Die Entscheidung des Ministerrats, durch welche die Begnadigung ausgesprochen wird, kommt nicht überraschend, allgemein war diese Lösung erwartet worden, wenn man auch annahm, daß erst die von Dreyfus gegen das Urteil des Renner Kriegsgerichts eingelegte Revision erledigt werden würde. Die französische Regierung hielt es mit Recht an der Zeit, eine Beruhigung der Gemüter herbeizuführen, selbst auf die Gefahr hin, durch die Ausführung dieses Beschlusses neuerdings das Recht zu beugen. Denn es bleibt zu bedenken, daß Dreyfus für schuldlos gehalten wird, daß auf ihn also eigentlich keine Gnade Anwendung finden kann. Vielleicht aber hat der Miuisterrat neben dem allgemeinen Staatsinteresse auch die Absicht im Auge gehabt, dem lange Jahre physisch und seelisch gemarterten Kapitän endlich Ruhe zu verschaffen, ohne ihm das Recht zu nehmen, von einem sicheren Exil aus später seine Sache weiter zu verfolgen. Ist die Regierung von diesen menschenfreundlichen Rücksichten geleitet worden, so kann man ihren Beschluß als einen gerechtfertigten würdigen. Aber es bleibt doch sehr fraglich, ob der begnadigte Dreyfus nicht diese Rücksicht bitter empfinden und als einen neuen Schlag betrachten wird, der gegen ihn vom Hinterhalt aus geführt worden ist, weil ihm anders nicht beizukommen war, ohne -allzu offen die Gerechtigkeit zu verhöhnen. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß diejenigen, welche im Jahre 1894 den Dreyfusprozeß inszenierten, schon lange gewünscht haben, nicht die Veranlasser desselben gewesen zu sein. Ihre Absicht war, einen oder mehrere ausländische Staaten bloszustellen, aber was haben sie erreicht? Sie haben Frankreich in Mißkredit gebracht bei aller Welt, sie haben das Ausland einen Einblick thun lassen in Verhältnisse, die einer Nation, die an der Spitze der Civilisation marschieren will, unwürdig sind. Verderbnis über Verderbnis ist aufgedeckt worden, die politischen Leidenschaften hat man aufs höchste angespannt, die höchsten Würdenträger sind blosgestellt worden, und Generale, auf welche Frankreich mit oder ohne Grund stolz war, haben während der letzten Entwickelung des Prozesses eine bedauernswerte Rolle gespielt. Jahre lang hat Frankreich unter dem Einflüsse der „Affaire" gestanden, und manche notwendige Kulturaufgabe, mancher im allgemeinen Interesse liegende Gesetzentwurf hat im Hinblick auf den Dreyfusskandal zurückgestellt werden müssen. Und dabei haben die Veranstalter des Prozesses noch nicht einmal die Genugthuung, daß das auserwählte Opfer auch wirklich der Schuld überführt worden ist. Wir haben schon bei Besprechung des Renner Urteils ausgeführt, daß in dem letztern ein Schuldspruch gar nicht liegt, weil beim Vorliegen von Landesverrat keine mildernden Umstände hätten zugebilligt werden dürfen. Auch die Thatsache der Be- Erklärrrug Dreyfus. Die Regierung giebt mir meine Freiheit wieder. Ohne die Wiederherstellung meiner Ehre hat diese für mich keinen Wert. Von heute ab werde ich fortfahren, die Wiedergutmachung des schrecklichen Justiz-Irrtums, dessen Opfer ich geworden, herbeizuführen. Ich will, daß ganz Frankreich wisse, und zwar durch ein endgiltiges Urteil, daß ich unschuldig bin. Mein Herz wird nicht eherRuhe finden, bis es feinen Franzosen mehr giebt, der mir ein Verbrechen zutrauen kann, welches ein anderer begangen. * * * Das Journal offiziell veröffentlicht heute das Dekret, betreffend die Begnadigung Dreyfus', und den zugehörigen Bericht des Kriegsministers Generals Gallifet an den Präsidenten Loubet. Der Bericht erinnert nach einem uns aus Paris zugehendeu Telegramm zunächst daran, daß Dreyfus schon fünf Jahre der Deportation aus- gestanden habe und bemerkt, wenn er die zehn Jahre, zu denen er neuerdings verurteilt sei, zu verbüßen hätte, so würde er eine höhere Strafe erleiden, als die, zu der er tatsächlich verurteilt wurde. Ferner sei Dreyfus' Gesundheit schwer geschädigt und lasse ihn eine länger dauernde Haft nicht ohne große Gefahr ertragen. Gallifet schließt: „Die Regierung würde dem Wunsche des Landes, das nach Herstellung des Friedens begierig ist, schlecht entsprechen, wenn sie sich nicht bemühte, alle Spuren des schmerzlichen Streits auszulöschen. Es steht Ihnen zu, Herr Präsident der Republik, das erste Unterpfand für das Werk der Barmherzigkeit zu geben, das die öffentliche Meinung verlangt und das Wohl der Republik gebieterisch erheischt." — Gallifets Tagesbefehl an die Korpschefs, der in den Worten gipfelte: „Keinerlei Repressalien! Das Vergangene sei vergessen, die Armee denke an die Zukunft!" wird heute in sämtlichen Kasernen verlesen. Der Schlußsatz lautet: „Hoch die Armee, welche keiner Partei, sondern dem gesamten Frankreich angehört. * * * Die New-Yorker Firma, welche, wie wir gestern be- richteten, Dreyfus für die Veröffentlichung seiner Erlebniffe eine Million Dollars anbot, heißt Siegel-Cooper L Co. •buffe für Depeschen: >tqtlget 4»- Fernsprecher Nr. bl. |8ei*gawtcte vierteljährlich 2 Rarl 20 Pf§. monatlich 75 PsK. mit vrmgerlotz«. Bei Postbezug R Mark 50 Ps^. -üerteljährlich Deutsches Keich. Berlin, 21. September. Der Kaiser in Snoge- holm. Wie aus Snogeholm gemeldet wird, ist dort das Wetter während der gestrigen Jagd des Kaisers nicht günstig gewesen, trotzdem hat der Kaiser 13 starcke Böcke und einen ganz besonders großen Fuchs geschossen. Nach dem gestrigen Diner trug der schwedische Sänger Smith im Musiksalon des Schlosses Lieder vor. Das Wetter für den heutigen Tag scheint besser zu werden. Gießener Anzeiger General-"Anzeiger mit vurruchme M SStntefl. Die Gichencr iOftbtx bt II — — Gratisbeilagen: Gießener FamilienblSttrr, Der hrssschr Landwirt, Dlättrr ffir hessische UMslmndr. — Die Ankunft des Zarenpaares in Kiel ist heute programmmäßig erfolgt. Der Besuch gilt bekanntlich diesmal lediglich der Prinzessin Heinrich, der Schwester der russischen Kaiserin, und trägt daher einen durchaus familiären Charakter. Irgendwelche festliche Veranstaltungen sind nicht in Aussicht genommen, verbieten sich übrigens auch mit Rücksicht auf die Hoftrauer um den verstorbenen russischen Thronfolger von selbst, lieber das Einlaufen der Schiffe wird im einzelnen aus Kiel gemeldet: Um 9 Uhr vormittags liefen die russischen Kaiseryachten „Polarstern" und „Standart" bei Friedrichsort in den Kriegshafen ein. Der Salut der dortigen Strandbatterie unterblieb, da der „Polarstern" erst nach dem Passieren derselben die Standarte des Zaren setzte. Die Schiffe waren durch stürmischen Westwind in der Ostsee aufgehalten worden/ Um 9 Uhr 20 Minuten machte der „Polarstern" an Boje 3 gegenüber dem Schloß fest, die im Kielwasser folgende Jacht „Standart" belegte die Boje 4. Die Ankerplätze beider Schiffe werden von Marinepolizeibeamten umkreist. Prinzessin Heinrich und die kleinen Prinzen Waldemar und Sigismund beobachteten die Ankunft des Zarenpaares von den Fenstern des Schloffes aus; Salut und Begrüßung seitens der Schiffsbesatzungen erfolgte nicht, da der Besuch des Zaren kein offizieller ist. Der „Polarstern" führte einen gespreizten kaiserlichen Breitwimpel im Großtop. Trotz strömenden Regens waren die Hafenufer von einer großen Volksmenge besetzt. Das Zarenpaar fuhr sofort nach der Ankunft in einer Dampfpinasse nach der Barbarossa- brücke, wo die Prinzessin Heinrich mit dem Prinzen Waldemar zur Begrüßung erschienen war. Die Herrschaften begaben sich dann ins königliche Schloß. Im Vestibül des Schlosses angekommen, umarmten und küßten sich die Schwestern wiederholt. Auch die Begrüßung der Prinzessin Heinrich durch den Zaren war eine außerordentlich herzliche. Erst nachdem Kaiser Nikolaus und seine Gemahlin sich von Bord begeben hatten, feuerten die russischen Schiffe den Salut für die deutsche Kriegsflagge, sowie die Flaggen des Stations- chefs und des Chefs der zweiten Panzerdivision. Diese Salute wurden vom Wachschiff „Odin" erwidert. Morgen abend reist das Zarenpaar nach Darmstadt ab. — Die „Deutsche Tageszeitung" schreibt: Von den Landräten, welchen der Vorstand des Bundes der Landwirte wegen der Abstimmung über die Kanal-Vorlage das Ausscheiden aus dem Bunde anheim gegeben hatte, hat die Mehrzal derselben ihren Austritt aus dem Bunde erklärt. Eine nicht unerhebliche Minderheit hat der Meinung Ausdruck gegeben, daß keine Veranlassung zu ihrem Austritt aus dem Bunde vorliege. — Zu stürmischen Szenen kam es gestern abend in einer nach Buggenhagens Saal vom freisinnigen Volks-Verein einberufenen Volks-Versammlung, die sich mit der Affaire Dreyfus beschäftigen sollte. 800 Personen, darunter auch viele Damen sowie die bekannten Antisemiten Berlins hatten sich eingefunden. Der Referent Krieger wurde von den Antisemiten fortwährend durch Zurufe, die sich auf Dreyfus und Polna bezogen, unterbrochen. Die Antisemiteu riefen schließlich minutenlang All Heil und sangen „Deutschland, Deutschland über alles." Mehrere Ruhestörer wurden durch die Ordner aus dem Saale entfernt. Da die Ruhe nicht wieder herzustellen war, trat eine Pause ein. Während derselben gerieten Antisemiten und andere Versammlungs-Teilnehmer heftig aneinander. Der Vorsitzende hob die Versammlung auf. In dem Hinteren Raume wurde das Gas ausgedreht. Der Polizei- Leutnant und mehrere Schutzleute erschienen und räumten den Saal. Widerstand hierbei wurde der Polizei nicht geleistet. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet, aus Peking sei ein Telegramm eingegangen, welches besagt, daß die Blättermeldung über neue Christen-Verfolgungen in Shan- tung ftarf übertrieben sei. Allerdings raubten Rebellen in einigen Fällen das Eigentum einheimischer Christen, doch wurde niemand körperliches Leid zugefügt. Jetzt sei aber alles ruhig. — Die „Kreuzztg." glaubt versichern zu können, daß man an maßgebender Stelle von einer Verbindung des Prinzen Bernhard Heinrich von Sachsen-Weimar mit der Königin der Niederlande nichts weiß. — Die Königin von Holland wird im nächsten Monat bei Gelegenheit ihrer Anwesenheit in Potsdam auch Hamburg einen Besuch abstatten und sich das Königin Wilhelmine Husaren-Regiment, dessen Chef sie ist, vorführen lassen. Das betreffende Regiment steht in Wandsbeck. — Heute nachmittag 3 Uhr fand unter dem Vorsitz des Fürsten Hohenlohe eine Sitzung des Staatsministeriums statt. — Das Befinden des Finanzminifters Dr. v. Miquel hat sich erheblich gebessert. M P.C. Daß das heutige Rußland entschloffen ist, den Wettbewerb mit den europäischen Kulturstaaten auch auf kultureller und wirtschaftlicher Basis aufzunehmen, beweist am besten die ganz kolossale BeteiligungRußlands an der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900. Es ist sehr lehrreich und charakteristisch, sich diesbezüglich die russische Ausstellungsstatistik ein wenig näher zu betrachten. Auf der Pariser Weltausstellung 1869 halte Rußland nur 2232 Quadratmeter zu seiner Verfügung, und die mit dem Arrangement der russischen Ausstellung verbundenen Kosten bezifferten sich im ganzen auf 260000 Rubel. Auf der Wiener Weltausstellung 1873 war Rußland ein Flächenraum von 5891 Quadratmeter zugewiesen und die Kosten der Installierung betrugen 281000 Rubel. Auf der Pariser Ausstellung 1878 hatte die russische Abteilung eine Fläche von 6500 Quadratmeter inne, und beliefen sich die Kosten auf 409000 Rubel. Auf der Chicagoer Ausstellung 1893 nahm Rußlands Anteil etwas mehr als 10000 Quadratmeter ein, während die Kosten 607 000 Rubel betrugen. Auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 wird Rußland nicht weniger als über 25000 Quadratmeter verfügen und mit einem Kostenaufwand von 2 Millionen Rubel auftreten. Rußland, welches bisher in immer bescheidenem Maße auf den Ausstellungen aufgetreten ist, stellt sich nunmehr mit einem plötzlichen Sprung an die Seite der alten europäischen Kulturstaaten. Potsdam, 21. September. Die Kaiserin hat eine Ordre an das Centralkomitö der deutschen Vereine vom Roten Kreuz gerichtet, durch welche dasselbe beauftragt wird, Sammlungen zum besten der durch das Hochwasser im Königreich Bayern Geschädigten herbeizuführen und den Ertrag nach München zu leiten. Das Komitö tritt heute abend unter seinem Vorsitzenden, Kammerherrn v. d. Knesebeck, zu einer Sitzung zusammen, um nähere Beschlüsse zu fassen. Braunschweig, 21. September. Die Hauptversammlung des Gustav-Adolf-Vereins beschloß, die große Liebesgabe im Betrage von 20,691 Mk. der Gemeinde Olmütz zuzuwenden; Troisdorf soll 6700, Leobschütz 6800Mk. erhalten. Als Ort der- nächstjährigen Versammlung wurde Königsberg i. Pr. gewählt. Wiesbaden, 21. September. Eisenbahnminister Thielen ist heute vormittag von hier abgereift. München, 21. September. Wie die „Reue Bayrische Zeitung" meldet, hat der Papst für die durch das Hochwasser Geschädigten in Ober- und Niederbayern 5000 Franks gespendet. Konstanz, 21. September. Die Großherzogin von Baden ist hier eingetroffen und nach der Mainau gefahren. Anstand. Wien,21. September. Abermals hat der Kaiser eine Aeußerung über den Reichsrat gethan. Beim Empfang auf dem Bahnhof in Lienz sagte der Kaiser auf eine Bemerkung des tyrolischen Abgeordneten Dr. Roracher, laß hoffentlich der Reichsrat seine Thätigkeit wieder bald beginnen werde: „Hoffentlich.' so kanns doch nicht länger fortgehen!" — Morgen findet ein wichtiger Ministerrat und am Sonntag ein gemeinsamer Kronrat statt. — Den „Prager Politiken" zufolge mieteten bereits einige Minister Privatwohnungen, was als ein Zeichen der bevorstehenden Kabinetts-Aenderung gilt. Verhältnis, durch das von 100 Mädchen immer vier zur alten Jungfernschaft verdammt sind, ist nicht eine Eigentümlichkeit der Neuzeit, sondern wurde auch bereits schon in früheren Jahrhunderten beobachtet. So datiert z. B. aus Nürnberg vom Jahre 1449 eine Statistik, die das so unliebsam empfundene Mißverhältnis sogar zu dem Verhältnis 118 zu 100 steigert. Aus dem 16. Jahrhundert hat man sogar Chroniken aufgefunden, in denen das Verhältnis in 120 zu 100 besteht, d. h. vereinfacht, daß auf sechs Mädchen immer nur fünf Männer kommen, sodaß jedes sechste Mädchen zu jener Zeit zum Sitzenbleiben verdammt war. Diese Zahlenverhältniffe dürften hinwiederum für unsere Damenwelt ein nicht zu unterschätzender Trost dafür sein, daß sich ihre Heiratschancen gegenüber früheren Jahrhunderten erheblich gebessert haben, und töchterreiche Mütter dürfen getrost in die Zukunft schauen, denn im nächsten Jahrhundert sinkt der Ueberschuß an Frauen hoffentlich noch so bedeutend herab, daß ein Normalverhältnis mit den Männern, das ja bekanntlich schon seit langem ersehnt wird, hoffentlich im neuen Säkulum zustande kommt. * Chinesisches. Man schreibt aus Paris: Ein junger französischer Arzt begab sich vor kurzem nach Peking, um an der dort neu errichteten medizinischen Schule die Söhne des Reiches der Mitte in die Geheimnisse der Anatomie einzuführen. Er begegnete aber großen Schwierigkeiten; denn es gelang ihm nicht, menschliche Leichen für die Sezierungen zu erlangen, da die Chinesen mit Toten einen pietätvollen Kultus treiben, und nie und nimmer zugeben würden, daß man — selbst im Dienste der Wissenschaft — ein Messer an den Körper eines Verstorbenen anlegt, es sei denn, daß es die Leiche eines Hingerichteten fei. Der französische Arzt ging deshalb zum allgewaltigen Vizekönig Li-Hung-Tschang, um ihm feine Not zu klagen. „Ich habe zu wenig Leichen," sagte er, „und ohne die Leichen können die Mediziner nicht Anatomie studieren." — „Sie bekommen doch die Leichen der Hingerichteten," erwiderte Li-Hung- Tschang. — „Ja," antwortete der Arzt, „das ist aber viel zu wenig." — „Nun," erklärte Li-Hung-Tschang mit großer Seelenruhe, „man wird also mehr hinrichten." • Der Kniff mit dem Fernsprecher. Originell, aber durchaus nicht zur Nachahmung empfohlen ist folgender Geschäftskniff, den sich ein schlauer (Safetier gegenüber dem Luxemburgbahnhof zu Brüssel erdacht hat: Jüngst reifte ein Herr von diesem Bahnhofe ab. Plötzlich fiel ihm ein, er könnte vorher einem Bekannten noch eine telephonische Meldung machen. Gegenüber ersah er aus dem Schilde eines Kaffeehauses, daß dieses unter Nummer so und so dem Fernsprechnetze angeschlossen wäre. Flugs hinüber. Er bestellt einen Bock, bezahlt und bittet alsdann den Ches um die Erlaubnis zur Benutzung des Fernsprechers. „Leider unmöglich, mein Herr, da wir noch keines besitzen. Die Eingabe ist zwar schon seit längerer Zeit gemacht worden, aber bis jetzt . . ." „Warum dann die Anschlußnummer auf Ihrem Schilde?" „Eine Zerstreutheit, ein Witz des betreffenden Malers, mein Herr." Der Reisende stürzt Wien, 21. September. Beim Empfang vor Schloß Rotteuslein bei Meran wurde der deutschliberale Großgrundbesitzer Abgeordneter Dr. v. Grabmayer vom Kaiser angesprochen und dessen politische Thätigkeit anerkennend gewürdigt. Als Grabmayer sagte, er erfülle nur seine Pflicht, erwiderte der Kaiser: „Ich rechne noch sehr auf Ihre Thätigkeit." Paris, 21. September. Das Ministerium veröffentlicht eine nationale und internationale Submission, um Scheurer- Kestner ein Denkmal zu errichten. Paris, 21. September. Der Kolonialminister hat von dem Gouverneur von Dahomey ein Telegramm erhalten, in welchem es heißt, daß die französische und die deutsche Grenzregulier- ungskommission von Seiten der Eingeborenen angegriffen worden sei. Die Kommission habe sich vereinigt, um unter Führung des französischen Majors Dhe mit bewaffneter Hand sich einen Weg zu bahnen. Mehrere Kämpfe fanden bei dem Dorfe De Lama, statt, wobei zahlreiche Eingeborene getötet wurden. Namur, 21. September. Der Papst hat den Abt des Prämonstratenserklosters von Tongerloo, Thomas Heyden, zum Bischof von Namur ernannt. Aus Serbien. Der „Pester Lloyd" veröffentlicht an hervorragender Stelle eine Auslassung bezüglich des Gerüchts, daß König Milan nach dem Abschluß des Hochverratsprozesses sobald wie möglich Serbien verlassen wolle. „Wir können uns nicht denken", sagt der „Lloyd", „daß es im Interesse Serbiens gelegen sein könnte, daß König Milan das Land sobald wie möglich verlassen werde. Was man auch sonst gegen dessen Persönlichkeit einwenden mag, so läßt sich doch nicht leugnen, daß sich seit der Rückkehr des Königs Milan nach Belgrad die Zustände in Serbien nach verschiedenen Richtungen sichtlich gefestigt haben. Ja noch mehr, Milan scheint heute und wohl noch für längere Zeit — vom König Alexander natürlich abgesehen — die einzige politische Autorität in Serbien zu fein, und was Serbien frommt, kann unmöglich mit der traditionellen Politik Oesterreich-Ungarns, welche stets an dem Prinzip der Nichtintervention festhält und eine fortschrittliche Entwicklung der Balkanstaaten, namentlich aber Serbiens, wünscht, in Widerspruch stehen." Die freundliche Anerkennung der Verdienste Milans mag dahingestellt bleiben. Daß der Exkönig Serbien verlassen würde, halten auch wir für ausgeschlossen aus dem einfachen Grunde, weil er tief in Geldnöten sitzt und fein Gehalt als Oberbefehlshaber nicht entbehren kann. Petersburg, 21. September. Der päpstliche Delegierte Monsignor Tarnassi ist der Ueberbringer eines eigenen Handschreibens Leos XIII. an den Zaren. Ackaies uni» Uraornstekrs. Gießen, 22. September 1899. ** Elektrische Alarm - Einrichtungen. Wie sehr elektrische Feuermelde- und Alarm-Einrichtungen für größere Städte zum Bedürfnis geworden sind, zeigen die vielen in letzter Zeit zur Ausführung gekommenen derartigen Einrichtungen. In jüngster Zeit wurden wieder zwei solcher Anlagen dem Betriebe übergeben, und zwar für die Städte Straßburg und Augsburg. Die Einrichtung der erstgenannten Stadt besteht aus 2 Morse-Apparaten, 45 automatischen Feuermeldern, 69 Alarm- und 11 Sprechstationen, während Augsburg einschließlich der Vororte mit 4~ Morse-Apparaten, 57 automatischen Feuermeldern und 158 Alarmweckern ausgerüstet wurde. Bei der Anlage Straßburgs ist eine ganz neue Anordnung erwähnenswert, die dem Interesse weiterer Kreise begegnen dürfte: Während seither zum Betriebe solcher Linien' galvanische Elemente, bezw. Magnet-Induktoren Verwendung fanden, dient dort ein Wechselstrom - Gleichstrom - Umformer als Stromerzeuger, welcher von der Wechselstromseite aus die Alarmwecker betreibt, während vom Gleichstrom Kollektor der Strom zur Ladung einer Akkumulatoren-Batterie entnommen wird, welch letztere zum Betriebe der Meldelinien dient. Beide vorgenannten Anlagen wurden von der Firma C. u. E. Fein-Stuttgart ausgeführt. — Wie uns letztere Firma mitteilt, geht auch die Stadtgemeinde Gießen mit der Absicht um, ebenfalls elektrische Alarmeinrichtungen zu natürlich mit einem Fluche auf den Lippen von bannen. Plötzlich legt sich eine Hand auf feine Schulter. Ein Herr, den unser Mann in jenem (Safe sah, ist ihm nachgeeilt. „Trösten Sie sich, mein Herr, mir ging es vorhin genau so. Ich blieb sitzen, um mir den Spaß des weiteren anzu- sehen. Sie sind schon der Sechste, der so hineinfiel, seit ich dasaß! Glattes Geschäft, feiner Kniff, nicht wahr?" * Dienstmädchen und heiratslustige Mädchen für die Kolonien hat nun auch Frankreich auszusenden beschlossen. So hat unser Nachbarland gen Westen z. B. für die Kolonisierung der afrikanischen Insel Madagaskar eine Bekanntmachung erlassen, nach welcher jedes Mädchen, das gewillt ist, dauernd oder wenigstens für eine längere Zeit nach Madagaskar überzufiedeln, eine Aussteuer, freie Reise und 100 Francs Taschengeld erhält. Die Zahl der Mädchen, die sich durch dieses Angebot sollen verlockt haben lassen, ist bisher zwar noch immer keine bedeutende, die meisten stammen aus der Küstengegeud des Landes, d. h. aus jenen Gegenden, die die Matrosen für die französische Marine zu stellen pflegen, die Bretagne, Normandie und Provence. Die Mädchen, die nach Madagaskar gehen, verdingen sich bei dort wohnhaften französischen Beamtenfamilien, machen sich kleine Geschäfte auf ober errichten auch, namentlich an ben Küstenplätzen ber Insel, häufig Schankwirtschaften, bie von ihren uniformierten Landsleuten stark frequentiert werben. Besondere Liebe zu den Eingeborenen ist bisher nur in äußerst wenigen Fällen bekannt geworden. Sitzung der Stadtverordneten am 21. September 1899. Anwesend Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, von feiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Em melius, Euler, Faber, Flett, Heichelheim, Huhn, Jug- hardt, Keller, Kirch, Krumm, Leib, Löber, Loos,Orbig, vr. Schäfer, Scheel, Schiele, und Wallenfels. Ihr Fehlen haben entschuldigt die Herren vr. Fuhr, vr. Gafsky, Grünewald, Hanau, Helfrich, Heyligenstaedt, Petri und Schwall. Bei der nach Eröffnung der Versammlung vorgenommenen Auslosung der zurückzuzahlenden Obligationen städtischer Anlehen wurden folgende Nummern gezogen: A Anlehen von 1893. Lit. L. ä 2000 Mk. 209, 107, 186, 286, 15, 228. Lit. M. ä 1000 Mk. 117, 103, 128, 210, 12, 157, 399, 91. Lit. N. L 500 Mk. 448, 779, 603, 306, 300, 291, 352, 740, 622, 77, 391, 229, 606, 733, 502, 354. Lit. 0. ä. 200 Mk. 270, 6, 7, 253, 290, 283. Lit. P. ä 100 Mk. 373, 48, 239, 57, 315, 137, 140 223. ' B. Anlehen von 1894. Lit. v. ä 2000 Mk. 292, 334. Lit. M. L 1000 Mk. 418, 437. Lit. N. ä 500 Mk. 1070, 830, 866, 824, 849, 969. Lit. 0. ä 200 Mk. 446, 363, 336. Lit. P. älOO Mk. 413, 586, 526, 556. 6. Anlehen von 1895. Lit. L. ä 2000 Mk. 439. Lit. M. ä 1000 Mk. 515. Lit. N.L500 Mk. 1137. Lit. 0. L 200 Mk. 463, 478. Lit. P. a 100 Mk. 635. Eine Einladung des Turnvereins zu dessen am 1. Oktober stattfindenden Abturnen wird zur Kenntnis der Versammlung gebracht, desgl. Der vorläufige Abschluß der Rechnung des Gas-und Wasserwerkes, welcher einen Reingewinn von 59,600 Mk. für das Gaswerk ergiebt, nachdem 19,127 Mk. Zinsen zur Stadtkasse abgeführt und 30,000 Mk. zur Schuloentilgung verwendet wurden; das Wasserwerk ergab Reingewinn 15,459 Mk., an Zinsen wurden abgeführt 4428 Mk. getilgt 14,818 Mk. Danach stellt sich der Betriebsüberschuß beim Gaswerk höher um 21,000 Mk. als vorgesehen, beim Wasserwerk um 4859 Mk. — Weiter teilt Herr Oberbürgermeister Gnauth mit, daß auch der Abschluß der Stadtkasse ein günstiger sein werde. Dem Wirtschaftsplan für die Verwaltung der Stadt Gießen für 1900/1901, welcher einen Mindererlös von ca. 4000 Mk. für Holz, dagegen einen Mehraufwand von ca. 6000 Mk. für Waldkulturen ergiebt, wird Genehmigung erteilt. Frau Heinrich Leib Wwe. will die von ihrem Ehe- manne s. Z. gepachteten Triebviertel weiter pachten. Die Versammlung sprach sich für Genehmigung des Gesuches unter Erhöhung der Pacht auf 200 Mk. aus. Herrn Karl Schleenbecker soll Dispens erteilt werden wegen eines Verstoßes gegen die eine Abortanlage betr. Bestimmungen der Bauordnung. Herrn Jul. Siesel beabsichtigt, seinen Neubau in der Marktstraße in der Höhe von 13 Meter gegenüber der zulässigen Höhe von 11 Metern zu errichten. Der Dispens soll erteilt werden, desgl. bezüglich eines in die Straße reichenden Erkers. 9*e' er erfM^rkennend Mn. "^cheurer- « -sche ®renmei r ".der Emulier- ‘ L «vobei zahl, S*sa,; r, des Hochverrat Sf"1 l M I« btt RWhr d!z 8®Mc in Serbien nach iftWen. Ja noch Joji noch für längere Zeit , h abgesehen - die einzige u fein, unb h)nß Serbien der traditionellen Politik i an dem Prinzip der Nicht- * schriMche EntwAnngder “ xbiens, wünscht, inMn- Snerlennung der Verdienste Daß der Exkönig Serbien c für ausgeschlossen aus dem in Geldnöten fitzt und sein cht entbehren kann. Der päpstliche Delegierte berbringer eines eigenen . an den Zaren. b, 22. September 1899. 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Nur bei ganz zuverlässigen Beziehungen, und unter der Voraussetznng, daß ihre Pflegebefohlenen wirklich imstande sind, den in keiner Hinsicht geringen Ansprüchen der großstädtischen Verhältnisse zu genügen, sollten Eltern, Vormünder und Lehrer junge Mädchen ziehen lassen. Enttäuschungen und traurige Erfahrungen aller Art könnten dadurch vermieden werden. Nicht genug kann auch zur Vorsicht beim Unterschreiben von Mietskontrakten geraten werden, da es sehr oft vorkommt, daß die Mädchen leichtsinnig ihre Unterschrift hergeben, ohne den Inhalt des Kontraktes sorgfältig geprüft zu haben, und erst später zu ihrem Schrecken erfahren, wohin und unter welchen Bedingungen sie tatsächlich vermietet worden sind. Wer eine gute Stelle auf dem Lande oder in der kleinen Stadt hat, sollte sich sehr besinnen, ehe er sie auf- giebt, denn Tausende, die alljährlich doch wieder zurückziehen, beweisen, daß man nur selten in der Großstadt das erhoffte Glück findet. Denen, welche aber dennoch durchaus nach Berlin ziehen wollen oder müssen, bietet an den Quartalstagen die Berliner Bahnhofsmission (Bureau: Berlin N., Borsigstraße 5) in gewohnter Weise Schutz und Rat auf den Bahnhöfen durch die Helferinnen, welche, kenntlich an einer weißen Armbinde mit rosa Kreuz und Aufschrift: „Fürsorge für die weibliche Jugend", gern und unentgeltlich die Ankommenden zurechtweisen und auf Wunsch begleiten. n. Von der mittleren Nidda, 20. September. Trotz des herrschenden Regenwetters ist die Kartoffelernte bei uns schon einige Zeit im Gange. Sie fällt recht gut aus. Die Knollen sind stellenweise von erstaunlichem Umfang und Gewicht. Dies veranlaßte kürzlich einige Landwirte, einmal zu untersuchen, wieviel von den dicksten Kartoffeln, die man .austreiben konnte, auf einen Doppelcentner gehen. Man brauchte gerade 90 Stück dazu. Auch hört man bis jetzt -nicht viele Klagen über faule Knollen. Man wendet bei uns schon eine Reihe von Jahren dem Kartoffelbau erhöhte Sorgfalt zu und hat dies nicht zu bereuen, denn die Erträge sind eben viel höhere als früher. Man bringt die Kartoffeln schon sortiert in den Keller, bezieht neues Saatgut von bewährten Sorten und bereitet die Aecker sorgfältiger vor. — Mit dem Einernten der Zuckerrüben beginnt man in der nächsten Woche. Auf Aeckern, die gut im stände sind, stehen sehr schöne Rüben. Der Zuckergehalt wird sicher die vorigjährige Höhe (14 Prozent) erreichen, denn die Witterung war für die Zuckerentwickelung äußerst günstig. — Die bis jetzt abgehaltenen Aepfelversteigerungen haben gute Preise erzielt. Trotzdem aus vielen Gegenden Deutschlands übereinstimmend berichtet wird, daß die Aepfelernte gering ausfällt, will sich hier noch kein rechtes Geschäft in Aepfeln entwickeln. Es herrscht noch geringe Nachfrage. Für Oktoberlieferung wurde der Centner gebrochene Aepfel für 8 Mk. verkauft. A Alsfeld, 20. September. Unter dem Vorsitz des Herrn Kreisrat Dr. Melior tagte gestern die Kreis- lehrerkonferenz im Saale des „Deutschen Hauses" hier. Trotz des denkbar schlechtesten Wetters hatten sich die Lehrer des Kreises vollzählig eingefunden, was der Herr Vorsitzende der Konferenz bei ihrer Eröffnung dankend bestätigte. Herr Kreisschulinspektor Mathes teilte die statistische Uebersicht über die Schulen des Kreises mit. Einen formvollendeten Vortrag hielt hiernach Herr Lehrer Diehl-Billertshausen über „Berechtigung und Wert der Hausaufgaben." Das weitere Thema der Tagesordnung behandelte „Die Heimatkunde als Grundlage des gesamten Unterrichts"; Referent: Herr Schulverwalter Schaab in Untersorg. Mit großem Fleiß und Geschick hatte sich Redner seiner Aufgabe entledigt, deren interessante Behandlung den vollen Beifall der Versammlung fand. An beide Vorträge knüpfte Herr Kreisschulinspektor Mathes kurze Erörterungen in meisterhafter Manier. Beiden Referenten sprachen die Leiter der Konferenz ihren vollen Dank aus. Bei der dem amtlichen Teile folgenden Mittagstafel, die dem allbewährten Rufe des „Deutschen Hauses" entsprach, brachte Herr Kreisrat Dr. Melior das begeistert aufgenommene Hoch aus auf den hohen Förderer des hessischen Schulwesens, Se. Königliche Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig. 0 Vom Manöver, 20. September. Am Montag kämpften — wie bereits gemeldet — die 49. und 50. Jn- fanteriebrigade in der Nähe von Ruppertenrod und Mücke. Die Truppen hatten nach dem Gefechte zum Teil noch große Entfernungen bis zu ihren Quatieren zurückzulegen. Weil durch die nasse Witterung viele Erkrankungen vorkamen, wurden die zum biwakieren bestimmten Truppen in sogenannten „engen" oder Notquartieren, die außer näheren Orten, in Großen-Buseck, Oppenrod und Ettingshausen bezogen wurden, untcrgebracht. Dadurch entwickelte sich denn bald in Grünberg und Umgegend ein recht buntes, interessantes, militärisches Leben. Die mit der Einquartierung bedachten Orte hatten mehr Soldaten als ihre Einwohnerzahl betrug. Selbst in Scheunen und Ställen fanden die Mannschaften Unterkunft. Die Herren Offiziere, oft mehrere in einem Zimmer, — begnügten sich mit einem einfachen Stohlager. — Dienstags standen die feindlichen Vorposten der 49. Brigade — die mit Helmbezügen versehenen Truppen bezeichnen den Feind — bei Grünberg. Die Höhen nordöstlich, östlich und südöstlich von Grünberg waren von dieser Brigade in guter Stellung besetzt, während die 50. Brigade von südwestlicher und westlicher Richtung her gegen die 49. Brigade vordrang. Nachdem der rechte Flügel der 50. Brigade geschlagen war, wurde das Gefecht gegen ^ll Uhr abgebrochen, und die Truppen rückten in ihre Quartiere. Damit ist das Divisionsmanöver beendigt. Heute ist Ruhetag. Am 21. und 22. d. Mts. ist Korpsmanöver in zwei Parteien. Das Ost- Korps (25. Division) trägt Helmbezüge. Am 23. September kämpfen die vereinigten Divisionen gegen einen markierten Feind. Bei Gießen wird voraussichtlich an diesem Tage biwakiert, abgekocht und gespeist. Dann werden die Infanterie-Regimenter per Bahn in ihre Garnisonsorte zurückbesördert. Hieran schließt sich die Entlassung der alten Mannschaften. Grünberg, 21. September. (Manöver.) Während des Gefechtes, welches vergangenen Dienstag in unmittelbarer Nähe unserer Stadt stattfand, hatte Schreiber dieses Gelegenheit, ein recht hübsches Reiterstückchen zu beobachten. Auf dem auf der Ostseite der Stadt am „Brunnenthal" sich hinziehenden schmalen Spazierwege ritt ein Meldereiter, welcher, um eine Ecke biegend, sich unverhofft einer feindlichen Patrouille gegenüber sah, die in entgegengesetzter Richtung ihren Weg nahm. Bei der Enge des Weges war an Umkehren nicht zu denken. In demselben Augenblicke als der Meldereiter an der Patrouille vorüber sprengen wollte, erhob sich der Führer der letzteren in die Steigbügel, beugte sich ein wenig nach der Seite und entriß dem Gegner blitzschnell den Meldezettel, den dieser in der Hand hielt. Unter lebhaften Bravorufen seitens der zahlreichen Zuschauer galoppierte die Patrouille davon, während der überlistete Meldereiter, der sür den Spott nicht zu sorgen brauchte, jedenfalls mit sehr gemischten Gefühlen seinem Bestimmungsorte zuritt. — Heute früh haben die letzten militärischen Gäste unsere Stadt verlassen, um in der Umgegend von Gießen zunächst gegen die 21. Division zu manöverieren. * Frankfurt a. M., 21. September. Zola und Labori als Vornamen. Zu der gestrigen Notiz teilt man der „Franks. Ztg." mit, daß schon am 3. Mai 1898 dem Sohne eines in der Finkenhofstraße wohnenden Kommissionärs die Vornamen Zola August Labori beigelegt wurden, wie in dem Auszug aus den Standesamtsbüchern vom 8. Mai 1898 zu lesen ist. * Brühl, 20. September. Gestern wurde im hiesigen Schloßpark ein junger Mann mit zwei lebensgefährlichen Schußwunden in der Brust aufgefunden. Allem Anscheine nach ist er ein Kieler Student. Er trug eine grüne Mütze mit silberner und roter Perkussion und ein Band in den gleichen Farben. Ein schwarz-rot- goldenes Wappen an der Perkussion trug den Buchstaben „T“, ein Papierstreifen in der Mütze den Namen „Kiel". Herr Wilh. He' beabsichtigt, in der Brandgaffe eine Waschküche zu errichten, wodurch eine Verkleinerung des Hofes herbeigeführt n .rde. Dem Gesuche soll ausnahmsweise stattgegeben wer en. Der Gamb r in.Brauer ei Butzbach soll die Erlaubnis erteilt werd einen Teil der an der Klinikstraße zu errichtenden Bierkeüer nebst Kontoren in Holzarchitektur auszuführen. Die Herren Architekten Stein & Meyer beabsichtigen, den oberen Stock eines der an der Ostanlage (im Oppen- heimerffchen Garten) zu errichtenden Hauses in Holzarchitektur auszuführen; der dazu nötige Dispens soll erteilt werden. Das Gesuch des Herrn Architekten Huhn für die Plockstraße bedarf des Dispenses von der Bestimmung, die die Freilassung einer Durchfahrt nach dem Hofraum fordert. Derselbe soll erteilt werden, nachdem der Nachbar des Gesuchstellers erklärte, auf seinem Grundstück die Durchfahrt zu gestatten. Aehnlich lautet das Gesuch der Herren JugHardt LKockerbeck für ihre Neubauten in der Wilhelmstraße, das ebenfalls befürwortet wird. Das Gesuch des Ei renmitgliedervereins der Burschenschaft Germania um Fristerstreckung zur Erbauung eines Germanenhauses auf dem Gelände der ehemaligen Rabe- nauschen Besitzung wird genehmigt unter der Bedingung, daß im nächsten Jahre mit dem Bau begonnen wird. Zur Vergebung der Arbeiten für die Brücken über die Wies eck im Zuge der Goethe- und Moltkestraße wird Genehmigung erteilt auf Grund der gegebeuen Erläuterung über einige nicht nennenswerte Abweichungen von den Voranschlägen. Die Erd- und Maurerarbeiten für die Errichtung neuer Pissoirs sollen der Firma Birkenstvck & Schneider übertragen werden. Herr Löber wünscht, daß man dem Pissoir an Oswalds Garten einen anderen Platz anweisen sollte. Herr Huhn bestätigt die im Publikum darüber geäußerten Meinungen. — Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, der bisherige Standort sei zu klein, einer Vergrößerung würde sich die Eisenbahndirektion widersetzen; die Bauart der neuen Pissoirs lasse übrigens nicht befürchten, daß der erhobene Einwand des Publikums von Dauer sein werde. Herr Wallenfels bemängelt den Zustand der Pissoir-Anlage in der Bahnhofstraße. Der Antrag des Herrn Löber, das Pissoir im Oswalds Garten noch nicht aufzustellen, wird abgelehnt. Die Pflasterung zwischen den Schienen des Bahngeleises der Bieberthalbahn ist von der Bieberthalbahngesellschaft beantragt worden auf Grund des s. Z. abgeschlossenen Vertrags. Die Versammlung beschließt, dem Anträge stattzugeben und die zu 1500 Mk. veranschlagten Kosten in das nächste Budget einzustellen. Die Straße von der Westanlage nach der Herberge zur Heimat, deren Benennung aus verschiedenen Gründen wünschenswert erscheint, soll den Namen „In der sch epp en Ecke" erhalten. Das am 1. Januar 1900 in Kraft tretende neue Hundesteuerreglement ermächtigt die Gemeinden, für sich denselben Satz an Steuer zu erheben, den der Staat erhebt. Es liegt der Versammlung die Frage vor, ob die Stadt den bisherigen Satz von 5 Mk. erhöhen soll. Die Finanzdeputation hat vorgeschlagen, die Gemeindesteuer auf 10 Mk. zu erhöhen, die Meinung betonend, daß eine mäßige Verminderung der Hundezahl im öffentlichen Interesse liege. Herr Krumm ist gegen Erhöhung der Steuer, desgl. Herr Haubach. Herr Scheel ist für Erhöhung, desgl. Herr Heichelheim. Die Versammlung erhob den Antrag der Deputation zum Beschluß. Im Einverständnis mit dem Vertreter des Stifters wird beschlossen, die Zinsen aus der Wilson-Stiftung derart zu verteilen, daß dem Knabenhort 350 Mk., dem Mädchenhort 150 Mk., der Volkslesehalle 300 Mk. überwiesen werden. In die Kommission, welche die Wahlen für das Gewerbegericht vorzubereiten und zu leiten hat, werden die Herren Stadtverordneten Orbig und Petri (Arbeitgeber) und Schwerdtfeger und Bräutigam (Arbeitnehmer) wieder gewählt. Von den vorliegenden Gesuchen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb werden befürwortet diejenigen von Bruno Hoheisel (Asterweg 12), Ludwig Klein (Brandgasse 2), Peter Leilich (Grünbergerstraße 117), Albert Rahnefeld (Schanzenstraße 2), Johannes Gamö (Dammstraße 29), Hermann Otto (Klinikstraße 21), Wilhelm Busch (neuer Saal, Grünbergerstraße 47), Gottlieb Nauheimer (Neubau, Bahnhofstraße 47), Johannes Gerlicher (Trainiersaal, Rod- heimerstraße 36), Wilhelm Kupke (Garten, Ludwigsplatz 13), Emilie Nebl Ehefrau (Garten, Grünbergerstraße 48). — Die Bedürfnisfrage wird verneint bezüglich der Gesuche von Martin Steinmeyer (Licherstraße 1) und PH. Mootz (Neustadt 30). Heer und Murine. Das neue Jnfanteriegewehr erhielt durch Armee-Verordnungsblatt vom August 1897 bekanntlich die Bezeichnung „Gewehr 88/97" und weist viele Verbesserungen auf. Die Patronen, welche bisher übereinander in dem Patronenrahmen staken und in einen unten offenen, unförmlichen Kasten geschoben wurden, sind jetzt auf einem Ladestreifen befestigt, welcher nicht ins Gewehr kommt und daher auch nicht entfernt zu werden braucht. Der Kasten ist unten geschloffen und ragt nicht mehr über den Schaft hinaus, der Laufmantel kommt ganz in Fortfall, sodann wird ein Hineinbringen einer zweiten Patrone, bevor der Schuß gefallen bezw. die erste Patrone entfernt, unmöglich, Gasentweichungen und unbeabsichtigtes Losgehen des Gewehres vor dem vollständigen Verschluß des Laufes können ebenfalls nicht mehr vorkommen. Das neue Modell erhält ein sogenanntes Treppen-Leitervisier, das Bajonet wird nicht mehr auf dem Laufe, sondern am Schaft oben befestigt, der Lauf bekommt statt vier nunmehr sechs Züge. EWYORK ENUA Bremen-Baltimore Bremen-La Plata Bremen-Brasilien A Brernen-Ost-Asien Bremen-Australien. Postdampfer-Linien Schnell Bremen )iew9om Abonn «Aaltbn, W Sw*