Nahmen 6tn' ***» etc ijr. "der Mtkirehe. en al,er Kupferstiche. —________7918^ “"WmtiÄ “"SÄ; Altchen ^"erheben Genien, sa $ rechne Mm «Mm 14' ^«8, ab* auvesgemeisde. •t Dr. Steinbrügge. bol'b 7829 Feipel W NarU 16 in: Ükk-WlylM wolle, 8054 osen nnd -lacken Unterkleider »den rtm Qualitäten. sühre privzipiell vicht. iS' 6811 wähl Puppen ;35* * M ®*“ 8076 n. eii bis Gewerb® MllMS 6«l ISO» Mittwoch den 22. November Gi-stes Blatt« Alle Anzrigen-BermittlungSstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schukstraße Ar. 7. Annahme von Anzeigen zu dec nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer btS vorm. 10 Uhr. Gratisbeilagen: Gießener FamilienKlütter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde. zahmer Weise geführt, anders, als in jenen Tagen, da man Nikolaus von Bernau erschlug, oder die Kurfürstliche Zwingburg an der Grenze von Berlin und Kölln errichtet werden mußte. Aber gerade weil der Wettstreit in moderner, recht zahmer Weise zum Ausdruck gelangt, gewährt es einen be- onders pikanten Reiz, den einzelnen Etappen zu folgen. Knüpfen sich doch auch dann, wenn der bereits kolportierte Gedanke, die Berliner Selbstverwaltung preiszugeben und das Stadthaupt durch einen von der Regierung bestellten Betwaltungsbeamten zu ersetzen, nicht zur Thal wird, oder wenn Herr Kirschner auch nicht dazu verdonnert ist, ewig die Tantalusqualen des Unbestätigten zu dulden, allerlei Betrachtungen ernsthafter Art an diese Vorgänge. Und gerade jetzt, wo die von dem vielgenannten Hofmarschall v. Mirbach, dem eifrigen Sammler von Kirchenbaugeldern, an die Stadtvertretung gesandte Antwort auf die Gratulation zum Geburtstage der Kaiserin bekannt geworden ist, erhalten die wechselseitigen Beziehungen eine Beleuchtuug, die wohl der Betrachtung wert sind. „Im Allerhöchsten Auftrage" hat der Hofbeamte der Stadtvertretung Berlins kund zu wissen gethan, daß seine erlauchte Herrin arg verstimmt sei darüber, daß die Stadtverordneten so wenig Entgegenkommen zeigten in oer Beseitigung „der seit vielen Jahren bestehenden kirchlichen Schwierigkeiten." Ganz besonders wurde in der Antwort der Schmerz der Kaiserin hervorgehoben über gewisse Aeußerungen, die „ein Lehrer der Königlichen Universität, ohne in gebührender Weise zurückgewiesen zu werden" in der Stadtverordneten-Versammlung gethan habe, Aeußerungen, in denen „heilige evangelische und biblische Trostesworte in einer Weise zum Spott benutzt wurden, welche jebc Sitte, vor Allem aber das christliche Gefühl auf das Tiefste verletzen mußte." Es wurde endlich darauf hingewiesen, daß Berlin trotz des äußeren Blühens und Gedeihens doch an vielen tiefen, inneren Schäden kranke, an deren Heilung sich alle guten und treuen Elemente beteiligen müßten. Es ist natürlich, daß diese Kundgebung von der Berliner Bürgerschaft und ihren Vertretern mit ziemlich ungemischten Gefühlen ausgenommen wurde. Wie jetzt bekannt wird, haben zahlreiche Stadtväter, an ihrer Spitze die Sozialdemokraten, sich geweigert, sich während der Verlesung des Schreibens von ihren Plätzen zu erheben; eine ungeteilte Zustimmung haben auch die Organe der gemäßigten Parteien bis hinein in die konservativen und agrarischen Heerhaufen dem Briefe nicht gewidmet. Und in der That kann man über das Kortumsche „Schütteln des KopfeS" beim besten Millen nicht Hinwegkommen. Zuzugeben ist von vornherein, daß jene Aeußerungen eines Stadtvaters, au die das Schreiben hinweist, der allgemeinen Verurteilung Adresse für Depeschen Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. ">1 sicher sind. Ist es an sich schon geschmacklos, biblische Sprüche oder Gesangbuchsverse zu travestieren, nur um eine witzige Pointe anzubringen, so ist es doppelt geschmacklos wenn dieser Versuch von einem Andersgläubigen gemacht wird. Manche Vorgänge der letzten Jahre und namentlich das Anwachsen des Antisemitismus m zahlreichen Ländern sollten doch unsere Mitbürger mosaischen Glaubens an die Notwendigkeit erinnern, ihr Taktgefühl zu revidieren. Bemerkungen, rote sie Dr. Preuß gemacht hat „Bestehl Du Deine Wege und was Dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des Magistrats, der lenkt" und gar die weitere Aeußerung: „Exeellenz hat es gegeben, Excelleuz hat es genommen, der Name Seiner Exeellenz sei gelobt', sind schon beleidigend für jedes religiöse Empfinden, find geradezu qesühllos und roh. Aber diese Aeußerungen sanden sogar bei den nächsten Parteifreunden des Redners scharfe Zurückweisung, und der Redner selbst hat sich später öffentlich, wenn auch vielleicht in unzureichender Weise, zu entschuldigen versucht. Aber schwer ist es zu erkennen, worin der Zwang gelegen hat zu einem Einschreiten seitens einer Instanz, die man bisher doch kaum als eine Art von Zensurbehörde betrachten durfte. Herr von Mirbach, ein Hofmarschall, also ein Mann, der lediglich ein höherer Hofbeamter, sicherlich aber kein Staatsbeamter ift, hat das Schreiben unterzeichnet, gegen ihn, nicht gegen die Kaiserin, haben sich auch die Rekriminationen zu richten, und sie mit aller Schärfe auszusprechen, ist publizistische Pflicht. Denn hier wie so ost begegnen wir der eigenartigen, neuen und wenig erfreulichen Erscheinung, daß die von Gesetz und Verfassung . vorgesehenen Instanzen das ihnen zustehende Gebiet willkürlich erweitern, daß ein allgemeiner Fluß der Dinge entsteht, der es absolut unmöglich macht, konstitutionelle Grenzen zu erkennen. Es entsteht gar leicht das Gesühl im Volke, daß neben den Verantwortlichen noch Kliquen und Kreise bestehen, die eine Art Nebenregierung bilden, und noch niemals hat der gegen die Thätigkeit einer Camarilla gerichtete Argwohn im politischen Leben befruchtend und fördernd gewirkt. Gerade Fürst Bismarck war es, der stets mit Energie dagegen gekämpft hat, daß seine Politik von unverantwortlichen Personen durchkreuzt werde, und seine Denkwürdigkeiten sind ein lebendiges Zeugnis dafür, rote schwer gerade die Kämpfe waren, die er gegen die gleichfalls frömmelnde Umgebung der Kaiserin Augusta hat fuhren müssen. Er würde sicherlich mit einem kräftigen Quos ego auch jetzt dazwischen gefahren sein, wo ein Hofmarschall mit wenig Befug sich hineinmischt in Fragen, deren politischen Charakter man nicht bestreiten kann, wo er schon durch fein Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Gießener Anzeiger General-Wr^iger Amts- und Anzeigsblatt für den Urci- Gissten ♦ Herr v. Mirbach als Erzieher.*) Gießen, 21. November. Es ist im allgemeinen ungewöhnlich, daß ein freundlicher Glückwunsch mit einer Rüge, oder ein dargebrachtes Geschenk mit bitteren Tadelsworten belohnt wird. Tritt ein so seltener Fall jedoch ein, so darf man annehmen, daß zwischen den Beglückwünschten oder Beschenkten und dem Spender in aller Heimlichkeit Beziehungen bestehen, die sich nur schwer unter den Begriff der Innigkeit unterordnen lassen. Schon vor elf Jahren, an jenem schonen Herbst- tage, als Herr v. Forckenbeck dem Kaiser nach seiner Ruck- kehr' aus Rom eine schwungvolle Huldigungsadresse überreichte, und um die Erlaubnis nachsuchte, den Schloßplatz mit einem Brunnen zu schmücken, durfte die Menschheit je nach ihrer Gemütsart mit Bedauern, Groll oder Schadenfreude vernehmen, daß die Beziehungen zwischen dem Monarchen und der Berliner Bürgerschaft nur wenig über das Niveau der kühlen Höflichkeit hinausragten. „Ich gebe mich der Erwartung hin, daß, wenn ich Berlin zu meiner hauptstädtischen Residenz wähle, man davon absehen wird, intime Beziehungen meiner Familie zum Gegenstände der Erörterung in der Presse zu machen" dies war der Kern der Rede, die damals an das Ohr der städtischen Deputation drang, und vergebens hat Herr v. Forckenbeck auf einen Händedruck als versöhnenden Schlußakkord geharrt. Die Vereitelung des berühmten Bauprojektes, das in der Anlage des Ententeiches und in dem Terrassenbau seine Krönung fand, hat die Beziehungen zwischen dem Schloß und dem Rothen Hause keineswegs gefördert, und die Anspielungen, die Herr Lauff in seinen „Eisenzahn hineingeheimnist hatte, um das Verhältnis zwischen dem Brandenburgischen Markgrafen und seinen ihm nicht durch Dick und Dünn folgenden städtischen Vasallen zu illustrieren, wurden von kundiger Seite auf die Anregung von hoher Stelle zurückgeführt. Die muntere Kameelinschrist, die sich in der Gedächtniskirche für Kaiser Wilhelm L fand, hat sicherlich die Wellen nicht geglättet, die Geschichte der Anschrift an dem Friedhofsportal der Märzgefallenen führte zu dem grotesken Zustande, daß Berlin, die größte der deutschen Städte, wohl einen Bürgermeister, aber kemen Oberbürgermeister hat, und daß der Erwählte der Ge- mjinbe burch länger als ein Jahr freudvoll und leibvoll, vielleicht auch gebankenvoll, hangt unb bangt in schwebender db'"'c>mmerhin wird bad Kapitel bieses Widerstreites zwischen bem Schloß uab bem Roten Hause in moderner, recht *) Die Vorgeschichte zu dem Konflikt zwischen der Kaiserin und den Berliner Stadtverordneten finden unsere Leser unter „Deutsches Reich". D. Red. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag«. Dir Gießener Kamillenvlätter werdrn dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Aufgabe, höflich gegen die Regierung zu fein, fondern seine Arbeiten ^Nachdem nun die Sache einmal so weit gediehen war, hatte ein weiteres Reden keinen Zweck mehr. Die ablehnenden Parteien beschränkten sich dann auch auf ganz kurze Erklärungen, für tue Dr. Lieber (Qtt ) das Beispiel gab, indem er ausführte, daß bei dem Mangel an Entgegenkommen der Regierung gegenüber den Anträgen auf Erweiterung des Koalitionsrechts für seine Parier lern Anlaß zu einer Kommissionsberatung vorliege. Im Hinblick auf die Kurze folgten die Abgg. Heine (Soz.), Richter (frf. Vp.), Rösike (lib.) und Baffermann (not) dem Beispiel des Dr. Lieber, zum Teil mit der Motivierung, daß die Zurückweisung der Vorlage dadurch nur noch wuchtiger wirren werbe. Nur Abg v. Löbell (kons.) hielt noch eine lange, vorher auggearbeitete Rede für die Regierungsvorlage, die an sich gar nichtschlecht^war. unter den obwaltenden Umständen aber gar nicht mehr paßte unb deshalb von der siegestrunkenen Mehrheit ausgelacht wurde. Auch Graf PosadowSky versuchte noch einmal für sein Kind einzutreten, indem er erklärte, daß die Regierung wohl bereit gewesen wäre, in der Kommission auch über die Ausgestaltung des Koalitionsrechts mit sich reden zu lassen. Aber es war nichts mehr zu retten. Und als er das Gesch-Hene gar als einen schlimmen Vorgang in der parlamentarischen Geschichte bezeichnete, der seine Nachwirkungen haben müsse im Verhältnis zwischen Regierung und Reichstag, da rief ihm Richter unter frenetischem Beifall der Linken zu. ,Was wollen Sie denn? Maßregeln können Sie ja fernen! Die Landräte haben ja alle mit Ja gestimmt!" Die Anträge Stumm wurden gegen die Stimmen der Rechten abgelehnt, für die Anträge Büsing erhoben sich nur einigeNatlo- nalliberale. Dann wurden die 11 Paragraphen der Regierungsvorlage nacheinander abgelehnt. Für dieselbe stimmten nur die^beiden konser vativen Parteien. Viel bemerkt wurde daß auf Antrag Rettich (kon ^ über die Zuchthausklausel, die dem Gesetzentwurf den vulgären Namen gegeben hat, gesonderte Abstimmung stattsand, bei der ein Xe servattven Partei gleichsalls mit Nein^stimmte. DerEinfachheit halber blieben die meisten Konservativen gleich stehen, un s f für § 11, der den S 153 der Gewerbeordnung aushebt, an dessen Stelle das neue Gesetz treten sollte. Von den Sozialdemokraten wurde dieses Versehen mit ungeheurer Heiterkeit und Händeklatschenausgenommen was dem Präsidenten Veranlassung zu einer ernsten Nuge 6^ 71 etwas über 3 Stunden hatte die bedeutungsvolle Sitzung gewährt. daß kein Angehöriger feiner Fraktion jemals die Hand dazu bieten würde, die Koalitionsfreiheit zu beschränken, aber dieses Recht dürfe nicht »um Koalitionszwange ausarten, und diese Gefahr liege nach Ansicht von etwa der Hälfte seiner Parteifreunde gegenwärtig vor. Deshalb habe er die Anträge gestellt und hoffe, daß die Mehrheit des Reichstages sich unter Verwerfung der zu weit gehenden Regierungsvorlage aus ihren Boden stellen werde. Frhr. v. Stumm lRp.) trat m erster Linie für die Regierungsvorlage ein, mit dem Bemerken, daß niemals eine gerechtfertigtere und auf besseren Grunde basierende Vorlage von der Regierung eingebracht worden sei, erklärte sich aber im Notfälle auch mit den nationalliberalen Anträgen zufrieden, wenn die von ihm beantragten Verschärfungen darin Ausnahme fänden. Und jetzt kam die Katastrophe. Frhr. v. Stumm beantragte erneut Ueberweisung an die Kommission, und da sich das Haus m der 2. Lesung befand, mußte geschäftsordnungsmäßlg sofort über diesen Antrag abqestimmt werden. Das hatte niemand erwartet. Jedermann war der Ansicht gewesen, daß diese Abstimmung erst nach langen Debatten, an einem der nächsten Tage, stattfinden würde. Es herrschte deshalb eine Qeitlanq eine Verwirrung und ein Durcheinander, wie sie selbst im Reichstage nicht oft vorkommen. Selten wurde wohl eine Abstimmung mit solcher gespannten Erregung begleitet, wie diese. Sie ergab die Ablehnung des Antrages Stumm auf Kommlssionsuberwelsung; nur die beiden konservativen Parteien, die Antisemiten und die Hälfte der Nationalliberalen hatten sich erhoben. Damit war das Schicksal der Vorlage befiegelt. Was jetzt noch kam, waren nichts als kurze Leichensprüche. Wie gänzlich unerwartet dieser Ausgang gekommen war, ersah man am besten aus feiner Wirkung auf die Mtntsterbank. Lange fchon hat sich da nicht eine solche Erregung kundgethan, wie heule bei dieser Abstimmung. Alles war konsterniert, und fogar der ewig korrekte Staats ekre är Graf Posa- dowsky geriet in feiner Erregung wohl etwas aus dem Konzept, als er dem Reichstag vorhielt, daß es weder der Sitte des Hauses, noch der Höflichkeit entspreche, trotz deS entgegengesetzten Wunsch.s einer großen Pattei die Kommissionsberatung einer Vor age »b»ulehuen. Dann von der Linken mußte er sich Zwischenrufe gefallen laffeu wie. IgQaa acht Sie das an?" ober „Das ist Sache des Reichstags! und Abg? Richter (frf. Vo) sagte, der Reichstag bestimme seine Srtle fdbft, er brauche keinen Oderhofmeister, und c8 fei auch nicht seine Feuilleton. Stimmungsbild aus dem Hteichstage. (Nachdruck verboten.) oll. Berlin, 19. November 1899. Das war heute eine der grausamsten Abschlachtungen, die der « AsL ii m einet Gesetzesvorlage der Verbündeten Regierungen SU ff? Zuch.Lsg°s°tz, .d°s die— deutschen Landen so gewaltig erregt und lange Zelthmdurch im Vorder^ arunde der politischen Diskussion gestanden hat, es ist nicht mehr, In -iner einxiaen Sitzung, die noch dazu zu seinen kürzesten gehört, hat der Mätaa bTn gan»en Sntwutl inat'n feinen Wien m. °ed-n'-nder Mehrheit in zweiter Lesung abgelehnt, so daß eine dritte Lesung gar nicht mehr stattfinden kann. Daß es heute so kam, das war eme Ueberraschung. Erwartet batte man es nicht. Zwar wußten es die Eingeweihten, daß das Zentrum auf seinem strikt ablehnenden Standpunkte verharren würde, aber daß die Sache so schnell, so im Handumdrehen erledigt werden würde, daß hatte doch niemand gedacht. Sehr zahlreich waren die Abgeordneten heute, zum ersten großen Taae nach den großen Ferien, erschienen, die Tribünen waren gepfropft voll und an den Bundesratstischen saßen der Reichskanzler m.t emem Parterre von Staatssekretären und Ministern, unter denen besonders Lerr v. Rheinbaben, der neue Minister des Innern, der zum ersten Mal im Reichstag war, bemerkt wurde. Der erste Redner war Abg. Büstna fnl.) der mit Unterstützung des von ihm und den Abgg. Möller und Dr. Sattler geführten Teiles seiner Fraktioni Abändermigsantrage eingebracht hatte, die auf eine wesentliche Abschwächung der Regierungsvorlage hinausliefen und zu gleicher Zeit die^ Aufhebung des Sßer- bindungsverbots der Vereine durchfuhren wollten. Zu diesen Ab- änderungsanträgen hatte dann Frhr. von Stumm ^namens der Relchs- partei einige Amendements gestellt, durch die einige Verschärfungen, namentlich in Bezug auf das Strafmaß, hineingebracht werden sollten, »bg. Büsing, der stets in der ruhigsten Weise spricht S<»b von vornherein zu, daß seine Partei in dieser Frage gespalten sei, meinte aber, daß sie in sich stark genug sei, um das zu überwinden. Er versicherte, Hervortreten neue staatsrechtliche Begriffe schafft, wo er «eben den geordneten Instanzen ein neues Amt aufbaut, das Amt des Hofmarschalls als Erzieher. * Born Kriegsschauplatz. Nach den letzten Nachrichten war die Lage in Natal, wo die Entscheidung über den ersten Teil des Krieges liegt, so, daß der englische General White eng eingeschlossen südlich von Ladysmith stand und mit General Joubert über seine Kapitulation verhandelte. Diese Verhandlungen scheinen zum Abschluß gelangt zu sein. Das Resultat ist, daß der Rest der englischen „Natal field force“, offiziell als 4. Felddivision bezeichnet, die Waffen streckt und — nicht als als Sieger, wie voreilig geprahlt wurde — sondern gefangen in Pretoria einzieht. Die bezügliche Depesche lautet: Prätoria über London, 19* November. Zwanzig Eisenbahnzüge find nach Ladysmith zum Transport Gefangener abgesandt. Die Bereinigung des Nordkorps mit dem vor Pietermaritzburg stehenden Schalk Burgers ist vollzogen, so daß überlegene Streitkräfte der Buren den Bormarsch englischer Truppen von Durban her verhindern. Eine englische Bestätigung dieser wichtigen Nachricht steht noch aus, das Kriegsamt wird aber nun nicht umhin können, die mit solcher Sicherheit auftretende Privatnachricht offiziell unter Darlegung des Sachverhalts zu dementieren oder zu bestätigen. General White hat sich als fähiger Truppenführer nicht gezeigt, aber durch sein wackeres Standhalten immerhin soviel Zeit für das Landen der englischen Nachschübe gewonnen, als nach den Umständen möglich war. Nun kommt die Reihe zu handeln an diese. Es scheint, daß man englischerseits die Verstärkungen, wie sie gerade in Durban ankamen, so schnell als möglich mit der Eisenbahn nach Estcourt befördert hat, wo der Kommandeur der zweiten Brigade, General Hildyard, den Oberbefehl übernommen haben soll. Ihm gegenüber soll an der Straße von Colenso General Botha mit etwa 7000 Buren stehen. Vorpostenplänkeleien haben am 18. in der Front stattgefunden und werden in den Telegrammen in üblicher Weise zu Siegen aufgebauscht; weitere Meldungen lassen bereits erkennen, daß starke Burenkolonnen von Osten wie von Westen her sich den Flanken und den Verbindungen der Abteilung bei Estcourt in bedrohlicher Weise nähern. Von Osten dringen Kolonnen von Weenen und Greytown gegen die Straße von Pietermaritzburg vor, von Westen haben die Oranje- Buren (wahrscheinlich unter Albrecht) die Linie Ulundi- Courton — einen Tagemarsch westlich Estcourt — gewonnen. Die ganze Situation zeigt wiederum Aehnlichkeit mit der von Ladysmith und man darf auf den Ausqanq gespannt sein. Kapstadt, 20. November. Die Einwohner von Miwal- North begrüßten mit Begeisterung die Truppen des Oranjefreistaates, als sie in die Stadt einzogen. — Eine Meldung aus ColeSberg berichtet, daß ein Panzerzug in der Nähe von Newers sich zweier Muntions- wagen, welche den Buren gehörten, bemächtigt hat. — Aus Klaptar wird gemeldet, daß 1000 Buren nach dem Süden aufgebrochen sind. * * * Telegramme. London, 21. November. Ein Telegramm aus De Aar berichtet, daß Burghersdorp nicht von den Buren besetzt ist. Ein Telegramm von gestern meldet, man erwarte stündlich die Ankunft von Truppen des Oranje-Freistaates. Ein großer Teil der Bevölkerung steht denselben sympathisch gegenüber. — Die „Times" melden aus Lorenzo Marquez, daß die telephonische Verbindung zwischen Victoria und Johannesburg, welche unterbrochen war, seit dem 19. November wiederhergestellt ist. — Nach einer Depesche aus Estcourt soll ein neues Gefecht bei Ladysmith am 15. d. Mts. stattgefunden haben, welches von Tagesanbruch bis Mittags 2 Uhr dauerte. Es war durchweg ein Jnfanteriekampf. Viele Buren wurden gelötet oder gefangen. Die englischen Verluste betrugen nur den vierten Teil derer der Buren. — Das Kriegsamt teilt mit, daß 7 Transportschiffe zwischen dem 24. November und 13. Dezember England mit Truppen für Südafrika verlassen werden. — Ein Telegramm Sir Alfred Milners berichtet, daß er eine Gegen-Proklamation in den Bezirken von Aliwal North und Burgersdorp veröffentlicht hat, in welcher er die Proklamation der Buren für null und nichtig und die betreffenden Bezirke in Belaqerunqs- zustand erklärt. Kapstadt, 21. November. Hier ist das Gerücht sver- breitet, daß die Freistaat-Buren des Krieges überdrüssig seien und den Präsidenten Stein wegen der Herbeiführung desselben absetzen wollten. Die Gefechte, welche am 9. und 14. d. M. um Ladysmith stattgefunden haben, wurden hier zu überwältigenden Siegen aufgebauscht. Eine Meldung besagt, daß die die Buren-Leichen wegräumen mußten. Anderen Meldungen zufolge sind die Buren durch diese Kämpfe entmutigt, daß sie nur noch zur Bedienung ihrer Geschütze angehalten werden können, wenn man ihnen einen Revolver vor den Kopf Hält. (???) Deutscher Reichstag. 105. Sitzung vom 20. November. 1 Uhr. Am Bundesratstische: Graf Posadowsky, Brefeld v. R h e i n b a b e n. Die Tribünen sind ziemlich gut besetzt, ebenso die Bänke des Hauses. Tagesordnung: Zweite Lesung des Gesetzes »zum Schutze des gewerblichen Arbeitsverhältnisses/ Bei $ 1, bei dem zugleich die von den Nationalliberalen und den Reichsparteilern gestellten Anträge von Büsing (oatl.) und Frhr. I v Stumm (Rp.) mit zur Beratung gestellt werden, nimmt zunächst I das Wort Abg. Büsing (natL), um die Anträge seiner Fraktion zu I befürworten. Sein, des Redners Antrag bezwecke nur, den berechtigten Kern I aus der Regierungsvorlage herauszuschälen. D'e Nationalliberalen I wollten dem Arbeiter sein Koalitionsrecht sichern, das Individuum aber I gegen den Koalitionszwang schützen. Er, Redner selbst, stehe dieser Sache I persönlich ganz objektiv gegenüber. Das Recht des Individuums sei zur- I zeit nicht gewahrt, und es werde auch nicht gewahrt, wenn ihm der I staatliche Schutz versagt bleibe. Geschehe dies, so sei das der erste | Schritt zum sozialistischen Zwangsstaat. Ein Schutz gegen Terrorismus I sei nötig, um so nötiger, als die organisierten Arbeiter die Starken I seien, die nichtorganisierten die Schwachen. Eine Veranlassung, über I das bisherige Strafmaß im § 153 hinauszugehen, hätten seine Freunde I nicht. Dieses Strafmaß sei hoch genug. Seine Freunde hätten im | Gegenteil noch mildernde Umstände mit geringerem Strafmaß in den I Paragraphen eingefügt, für leichtere Fälle von Ehrverletzungen. In I Bezug auf das ungehörige und belästigende Verfolgen Anderer auf I Straßen und Wegen rc. seien seine Freunde nur dem Beispiel der enq- I lischen Gesetzgebung gefolgt. Diejenigen Bestimmungen der Vorlage, die | über das Maß des Berechtigten hinausgingen, lehnten seine Freunde | ab, ebenso den Antrag Stumm. Dagegen bäten sie dringend um An- I nähme ihrer Anträge. «Beifall rechts). Abg. Frhr. t). Stumm (Rp.) empfiehlt seine Zusatzanträge, welche I auf höhere Strafen hinausgingen, als der Antrag Büsing sie enthalte. | (Inzwischen sind Fürst Hohenlohe und Staatssekretär Rieberding am I Bundesratstische erschienen.) Er empfehle Ueberweisung der Vorlage I nebst allen Anträgen an eine 28gliedrige Kommission. Weiter erklärt I Redner, die Regierungsvorlage sei chm noch lieber, als der Antrag I Büsing. Der Abg. Roesicke habe es als eine Schmach und Schande bezeichnet, wenn der Reichstag diese aus Allerhöchster Initiative hervorgegangene Vorlage annehme. Er, Redner, sei zu höflich, darauf zu antworten, bemerken wolle er aber doch: werde die Vorlage abgelehnt, dann werde er stolz darauf sein, zur Minorität zu gehören. Schwer verständlich sei ihm die Stellungnahme des Centrums Das meiste Material über den Streikterrorismus habe ja gerade die „Märkische Volkszeitung" erbracht. An dem revolutionären Charakter der Sozialdemokratie sei kein Zweifel, darin dürfe man sich auch durch den Streit zwischen Bernstein und Kautsky nicht beirren lassen. Präsident Graf B a l l e st r e m bringt den Antrag des Frhrn. v. Stumm auf Kommissionsüberweisung sofort zur Abstimmung. Der Antrag wird mit großer Mehrheit abgelehnt, da außer der Rechten lediglich etwa die Hälfte der Nationalliberalen dafür stimmen. Nunmehr berichtet der Referent über die zur Vorlage eingegangenen Petitionen, und sodann wird die Beratung des 8 1 fortgesetzt. Abg. Lieber (Centr.) erklärt, seine Parte habe schon bei der ersten Lesung die Erklärung abgegeben, daß sie Gegenvorschläge machen würde, um nach allen Richtungen hin das Koalitionsrecht auszubauen. Sie habe auch einen Entwurf ausgearbeitet. In welcher Richtung sich derselbe bewegt habe, ergebe sich aus der Stellung des Centrums bei der Beratung des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu der Frage der Aufhebung des Verbindungsverbots, ferner aus dem Centrumsantrage betreffend die Berufsvereine und endlich aus der Resolution betr. Errichtung von Arbeiterkammern. Hier aber finde das Centrum die Aussicht auf Annahme seiner Vorschläge völlig zerstört. Unter diesen Umständen verzichte es auf Einbringung seiner Vorschläge, und unter diesen Umständen sei für das Centrum das Bedürfnis nach Kommissionsberatung fortgefallen. (Große Sensation.) Staatsekretär Graf Posadowsky (erregt): Ich stelle fest, daß durch den vom Hause soeben gefaßten Beschluß unterlassen worden ist, was der Sitte des Hauses entsprach und auch bisher Sitte der Höflichkeit war. (Lebhafte Unruhe.) Es ist bisher bei allen wichtigen Vorlagen Gebrauch gewesen, sie einer Kommission zu überweisen. (Ruf des Abg. Singer: Das ist doch Sache des Reichstages I) Graf Posadowsky (in überlautem Tone fortfahrend): Sie werden doch gestatten, daß ich meine Ansicht ausspreche l Unter den Augen der Behörden sind empörende Fälle von Vergewaltigung vorgekommen. Die Arbeiter sollen und müssen geschützt werden gegen den maßlosen Terrorismus namentlich des Streikpostenstehens. Mit der Sozialdemokratie ist nicht zu rechnen. An eine Mauserung derselben kann man nicht glauben, sie muß alles regieren, was von der Negierung und den bürgerlichen Parteien kommt. Sie hat ja auch in Hannover erklärt, daß sie an ihren Zielen festhalte. (Ruf des Abg. Singer: Sehr richtig!) Wir, die Regierungen, werden uns durch nichts abhalten lassen, für das Wohl der arbeitenden Klassen weiter zu arbeiten; wir werden Ihnen auch in den nächsten Wochen wiederum fünf Gesetzentwürfe vorlegen. In dem heutigen Beschlüsse können die verbündeten Regierungen nichts anderes erblicken, als ein sehr bedenkliches Zeichen. Ob die Sozialdemokratie weiter fortschreiten wird, zum Schaden des Reiches, das wird in erster Linie abhängen von der Stärke der Regierungen, aber zu großem Teil auch von der sittlichen Kraft und der Unabhängigkeit der Parteien. Abg Heine (Soz.) erklärt, daß seine Freunde auf das Wort verzichten wollten, damit der Eindruck der imponierenden Steuerungen des Abg. Lieber nicht abgeschwächt werden. Abg. v. Loebell (kons.) meint, wenn die Vorlage auch in einzelnen Bestimmungen zu Bedenken Anlaß gebe, so sei doch die Stellung des Zentrums dem Anträge auf Kommifsionsberatung gegenüber tief bedauerlich, und das Centrum werde gut thun, im stillen Kämmerlein noch einmal zu überlegen, ob es wohl gethan gewesen sei, in dieser Weise die Geschäfte der Sozialdemokratie zu besorgen. (Sehr richtig I rechts.) Die Konservativen hätten durchaus nicht die Absicht, das Koalitionsreckt des Arbeiters zu schmälern, aber sie wollten und müßten den Wünschen derjenigen nachkommen, die sich wundern, daß die Gesetzgebung kein Mittel zu besitzen scheine, gegenüber der maßlosen Verhetzung, die von der Sozialdemokratie getrieben werde. Wir werden uns allezeit, so fährt Redner fort, bewußt bleiben, daß wir den Arbeitern stets die eine Hand entgegenstrecken müssen in christlicher Nächstenliebe, daß wir aber zugleich die andere Hand eifern gepanzert und geroaffnet halten müssen mit dem Schwert (Ruf bei den Sozialdemokraten: Anton steck den Degen ein 0 Abg. Richter (frf. Vp) bemerkt, das Notwendige über diese Vorlage und die Stellung seiner Partei habe er schon bei der ersten Lesung gesagt. Wenn der Herr Staatssekretär sage, es entspreche nicht der Sitte des Hauses, eine solche Vorlage nicht an die Kommission zu verweisen, so wolle er entgegnen, es entspreche aber auch nicht der Sitte des Hauses und der Regierungen, sich in die Geschäftsordnung des Hauses zu mischen. Einen Oberhofmeister brauche der Reichstag so wenig wie die Stadtverordnetenversammlung. (Lebhaft. Beifall.) Der Herr Staatssekretär habe auch gesagt, der heutige Beschluß sei ein sehr bedenkliches Zeichen. Ja, meine Herren, bedenkliche Zeichen sehe ich schon sehr lange (Große Heiterkeit.) Es ist namentlich ein bedenkliches Zeichen, wenn die Regierungen solche Gesetzentwürfe vorlegen, welche mit der öffentlichen Meinung in Widerspruch stehen. (Beifall.) Solche Vorlagen verdienen keine andere Behandlung. (Erneuter Beifall.) Staatssekretär Graf Posadowsky entgegnet, es habe ihm fern gelegen, sich etwa in eine konfliktslüsterne Stimmung in die Geschäfte des Hauses zu mischen. Redner verweist nochmals auf den Terrorismus, die Regierung komme auf Wunsch, und bringe dies Gesetz, und da würdige man es nicht einmal der Ehre einer kommissarischen Beratung. Das sei ein schlimmer Vorgang in der parlamentarischen Geschichte. Abg. Roesicke-Dessau (wildlib.) verzichtet auf alle Erwiderungen. Abg. Roellinger (Els.) spricht kurz gegen die Vorlage. Abg. Richter (frf. Vp.) kommt auf die Bemerkung des Staatssekretärs, daß der heutige Vorgang nicht ohne Einwirkung auf das Verhältnis der Regierungen zum Reichstage bleiben werde, zurück und meint, ähnliches habe man schon öfters gehört, z. B. bei der Kanalvorlage im Abgeordnetenhaufe. (Große Heiterkeit). Damit endet die Debatte über 8 1. Die TtUMM'sche» Amen« -ementS zum Anträge Büsing werden avgeleynt, desgleichen der Antrag Büsing und schließlich § 1 der Regierungsvorlage. Sämtliche übrigere Paragraphen der Vorlage werden ebenfalls abgelehnt. Der § 11 spricht die Aufhebung des S 153 der Gewerbeordnung aus. Da die Rechte auch für diesen 8 | stimmt, entsteht links große Heiterkeit, von den sozialdemokratischen Bänken I hört man Händeklatschen. Präsident Graf B a l l e st r e m rügt dies. Auch Einleitung und Ueberschrift der Vorlage werdet» I sodann abgelehnt, damit ist also die Vortage gefallen. Präsident Graf Ballestrem wendet sich geg-n die vom Abg. Molkenbuhr (Soz.) gemachte Bemerkung, wonach die Regierung im- plicite eingestanden habe, die Unwahrheit gesagt zu haben. Der Abg. Molkenbuhr wird dafür zur Ordnung gerufen. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Dritte Beratungen des Gesetzes über die gemeinsamen Rechte der Besitzer von Schuldverschreibungen, ferner der Postvorlage und der Fernsprechgebührenordnung. Dann 2. Lesung der Gewerbenovelle. _________________________Schluß 4'/ Uhr. | Deutsches Reich. Berlin, 20. November. Die letzte StaatSministe» rialsitzung am Samstag dauerte fünf Stunden. — Der Gesetzentwurf betreffend die Bestelle» rung der Warenhäuser ist gestern dem Bundesrat zn- gegangen. — Die Wahlprüfungs-Kommission des Reichstages hat heute die Wahl des Abgeordneten Dr. Am Zehnhof (Centrum) für giltig erklärt. — Die Gesetzentwürfe über die Privatversicherungs-Unternehmungen und über die Warenhaussteuer sind dem Vernehmen nach soweit ausgearbeitet, daß sie der Begutachtung des Staatsministeriums unterbreitet worden sind. — Zur Vorgeschichte des Briefes des Grafen Mirbach an die Berliner Stadtverordnetenversammlung. Gelegentlich der letzten Tagung der brandenburgischen Provinzialsynode brachte der Synodale v. Wedel'Piesdorf, Minister des königlichen Hauses, die Persiflierung eines Gesangbuchverses und einer Bibelstelle zur Sprache, die der Stadtverordnete Privatdozent Dr. Preuß in einer Stadtverordnetenversammlung zum Besten zu geben sich erlaubt hatte. Um die Stimmung eines Protokolls über eine Magistratssitzung zu schildern, hatte er den in Rede stehenden Gesangbuchvers folgendermaßen entstellt: „Befiehl Du Deine Wege Und was Dein Herze kränkt Der allertreuesten Pflege Des Magistrates, der uns lenkt." Bei dem Hinweis, daß die Simultanschule, die doch zu Recht bestehe, vom Minister jederzeit wieder aufgehoben werden könne, gebrauchte er einen Bibelvers in folgender unpaffenden Weise: „Se. Exzellenz hat's gegeben, Se. Exzellenz hat's genommen. Der Name Sr. Exzellenz sei gelobt!" Daß ein solcher Mißbrauch gerade mit ernsten kirchlichen Worten getrieben wird und getrieben werden kann, wird jeder bedauern, und Herr Dr. Preuß hat nach den herben Kritiken in mehreren Blättern sich in der Stadt- verordneten-Versammlung entschuldigen zu lassen versucht und erklären lassen, nicht die Absicht gehabt zu haben, das christliche Gefühl zu verletzen. Die Zitate hatten freilich m der Stadtverordneten Versammlung selbst sofort und später auch nicht die gewünschte und erhoffte Billigung gefunden, denn z. B. der Stadtverordnete Dr. Gerstenberger erklärte, die Zitate hätten besser wegbleiben können, da sie verletzend wirken könnten. Eine gleiche Auffassung gab der Stadtverordnete Dr. Schwalbe kund. Daß von Leuten, die außerhalb der christlichen Kirche stehen, solche Dinge passiren, kann freilich nicht Wunder nehmen, zumal nicht, wenn selbft Diener der evangelischen Kirche selbst sich solche Scherze, wenn auch nicht in so drastischer Form, erlauben. Hat doch Hofprediger a. D. Stöcker auf dem Parteitage der Christlich- Sozialen in Erfurt, sogar unter allgemeiner Heiterkeit der Versammlung, einen Teil eines Verses eines allbekannten Weihnachtsliedes folgendermaßen travestiert, als er die „stattliche" Versammlung begrüßte: Wenn ich dies Wunder fassen will, So steht mein Herz vor — Erfurt — still." Es wäre in jedem Falle besser, wenn von allen Seiten derartige Verunstaltungen von Worten der Heiligen Schrift oder von Gebeten, Liedern usw. der christlichen Kirche unterblieben. — Der Reichshaushalts-Etat für das Rechnungsjahr 1900 ist jetzt in allen seinen Teilen dem Bundesrat zugegangen. Die zu erledigenden Spezialetats sind den Ausschüssen überwiesen und kommen Donnerstag zur Beratung in der Plenarsitzung, sodaß der Etat Freitag und Samstag dem Reichstage zugehen dürfte. — Gerüchtweise verlautet, der nationalliberale Reichstags-Abgeordnete Dr. Heiligenstadt, Mitdirektor der preußischen Cenossenschaftskasse, sei als Präsident der Seehandlung in Aussicht genommen. Neben diesem Kandidaten wird der Präsident der Eisenbahn-Direktion in Essen, Becher, als Nachfolger des Freiherrn tx Zedlitz genannt. Berlin, 20. November. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." mitteilt, treten die Gesandten im Haag und i« Bukarest, Frhr. v. d. Brinken und Graf v. Bray- Steinburg, demnächst in den Ruhestand, und zwar der erstere aus Gesundheitsrücksichten, der letztere aus Familiengründen. An die Stelle des Frhrn. v. d. Brinken tritt der vortragende Rat im Auswärtigen Amt, Graf v. Pourtales Zum Nachfolger des Grafen Bray-Steinburg ist der jetzige Gesandte in Kopenhagen, v. Kid erlen- Wach ter, ausersehen, den wieder der frühere Botschaftsrat in Paris, Geh. Legationsrat v. Schön, ersetzt. Der erste Sekretär bei der deutschen Botschaft in Wien, Prinz zu Lich- nowski, wird unter Verleihung des Titels und Ranges eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers in das Auswärtige Amt berufen. Dem Frhrn. v. d. Brinken ist vom Kaiser beim Ausscheiden aus dem Dienst das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub, dem Grafen v. Bray-Steinburg der Kronenorden 1. Kl° verliehen worden. Melis 3“"9Ä b-s ©ituotu» hie Fmhn>> * , riefen: *«.”1 et* i®1; toben *'L galion . .. welche d-n N* halte, d-» gtlafitti. wM- meta nommtn, m M gonbon, 20. -h der kaiserlichen mouth ein und m holt. Infolge dei Hohenzollern oder deutschen Kaiser be unter Salut in d äußerst dicht. Die Festschmuck angeleg die Ankunft des Kc Kaiserpaar durch d Windsor, 20. kaiserlichen An der Herzog von H First Royal Dra< Herzog von Cam Holstein in der sowie die Zivilbeh Empfange einges der Prinz von W Wangen, sodann i Admirals der Fl herzlich war die A Buguft Wifylm Ui und Nwffinnnen. die Kaiserin einen 1 Orchideen entgegen, kvmmenansprachr g Worten dankte, zv< in den Warterann saßen in dem erst von Battenberg, P die Herzogin von während die amB den 2. von zwei f von Wales, dem W der Kaiser kur 101 Schlosse, Mosel Aufstellung genom salut abgegeben, n kränz" spielte. Prinzessinnen bea wo die Begrü Einige Minuten s Prinzen von! 2 Herzogs von S Danach f N"er hatte sich ü ^tSotbnun ÄÄ* A3' w ft??** Un »Ä? ®*l ÄÄI kästen fütBcJ, fto Lüt 1898/99.WL-bni >■ ;!W^ )t, «• Stey»» UNSL L7SL ,bei Brust« be. "7 d» legten Iamg * braute bet global® tontglngen $au[e«, «it ?-5'i,ft »Me e privatbogent Dr. Preuß ""S M Wen zu geben m9 emes Protokolls über 1 HE er bin in Rede "aßen entstell/.- e äntt ni Itott* ünullan^ult, xjtit wieder abgehoben n Bibelvers in folgender «geben, lommen. nz sei gelobt I' gnade mit ernsten kirch- 1 getrieben werden kann, )r. Preuß hat nach den ttern sich in der Stadt- digen zu lassen versucht ht gehabt zu haben, das Zitate hatten frtilid) in selbst sofort und später osste Billigung gesunden, r. Grrstrndergrr erklärte, können, da ste verletzend tssastung gab der Stadt- )aß von Leuten, die außer- n, solche Dinge pasfiren, , zumal nicht, wenn selbst selbst sich solche Scherze, orm, erlauben. 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Sie brachten Hochrufe auf die Republik, die Freiheit, den Präsidenten Loubet usw. aus. Einige riefen: Nieder mit den Pfaffen, nieder mit der Bourgeoisie. Etwa zwei Drittel der Kundgeber sangen die Carmagnole, blieben aber sonst ruhig. Viel bemerkt wurde die Delegation der Liga der Menschenrechte, unter der sich auch der frühere Kriegsminister Trarieux befand. Die rote Fahne, welche den Präsidenten Loubet und die Minister veranlaßt hatte, den Festplatz zu verlassen, wurde später unbehelligt gelassen. Um Mitternacht begab sich eine Bande Anarchisten vor das Denkmal unter den Rufen: Es lebe die Anarchie, nieder mit der Armee. Es wurden 4 Verhaftungen vorgenommen, im übrigen verlief der Tag vollkommen ruhig. London, 20. November. Die Hohenzollern traf mit der kaiserlichen Familie heute früh 7 Uhr vor Portsmouth ein und wurde von der Torpedoboots-Flottille eingeholt. Infolge des dichten Nebels war es unmöglich, die Hohenzollern oder die britische Flöte zu sehen, welche den deutschen Kaiser begrüßen sollte. Auch als die Hohenzollern unter Salut in den Hafen einlief, war der Nebel noch äußerst dicht. Die Stadt Portsmouth selbst hat keinerlei Festschmuck angelegt, aber zahlreiche Zuschauer erwarteten die Ankunft des Kaiserpaares. Bei der Landung wurde das Kaiserpaar durch die Menge lebhaft begrüßt. Windsor, 20. November. Kurz vor der Ankunft des kaiserlichen Zuges hatten sich der Prinz von Wales, der Herzog von 9) ort, beide in der Uniform des Regimentes First Royal DraggoonS, dessen Inhaber der Kaiser ist, der Herzog von Cambridge, Prinz Christian von Schleswig Holstein in der Uniform des 3. Garde Ulanenregimentes sowie die Zivilbehörden mit dem Mayor an der Spitze zum Empfange eingefunden. Bei der Ankunft begrüßte zuerst der Prinz von Wales den Kaiser und küßte ihn auf beide Wangen, sodann umarmte der Kaiser, der die Uniform eines Admirals der Flotte trug, die übrigen Prinzen. Gleich herzlich war die Begrüßung der Kaiserin und der Prinzen August Wilhelm und Oscar durch die englischen Prinzen und Prinzessinnnen. Von der Tochter des Mayors nahm die Kaiserin einen Strauß Marchall Riel-Rosen und roter Orchideen entgegen. kNachdem der Mayor eine kurze Willkommenansprache gehalten, für die der Kaiser mit einigen Worten dankte, zogen sich die Fürstlichkeiten auf kurze Zeit in den Warteraum zurück. Bei der Fahrt zum Schlosse saßen in dem ersten Wagen die Kaiserin, Prinzessin Heinrich von Battenberg, Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein, die Herzogin von Connaught. Sodann bestieg der Kaiser, während die am Bahnhof aufgestellte Ehrenwache präsentierte, den 2. von zwei Pferden gezogenen Wagen mit dem Prinzen von Wales, dem Herzog von York und von Connaught. Als der Kaiser kurz nach 2 Uhr vor dem Thore der Königin im Schlosse, woselbst eine weitere Ehrenwache mit Fahne Aufstellung genommen hatte, anlangte, wurde der Königs- salut abgegeben, während die Musik „Heil Dir im Siegerkranz" spielte. In Begleitung sämtlicher Prinzen und Prinzessinnen begaben sich die Fürstlichkeiten in's Schloß, wo die Begrüßung durch die Königin stattfand. Einige Minuten später besichtigte der Kaiser in Begleitung des Prinzen von Wales, des Herzogs von Connaught und des Herzogs von York die Ehrenwache, die den Zapfenstreich schlug. Danach fand Frühstück im Schlosse statt. Das Wetter hatte sich am Nachmittag aufgeklärt. Koksles Md Vrsvmchjtrr. Gießen, den 21. November 1§99. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Bersammlung am Donnerstag dem 2 3. November 1899, nachmittags 3*/2 Nhr pünktlich: 1. Ban- gesuch des Philipp Bauer für die Wallthorstraße; hier: Dispens. 2. Desgl. des Dachdeckers Prang für Löbers Hof. 3. Desgl. des Heinrich Keßler für die Grünbergerstraße; hier: Grenzüberschreitung bei der Einfriedigung. 4. Herstellung eines erhöhten Bürgersteigs vor den Häusern Kirchenplatz 11 und 12. 5. Herstellungen im rechtsseitigen Thorhause am Neuenweg. 6. Dichtung des Kellerfußbodens der Heizkammer im Erweiterungsbau der Realschule. 7. Pflasterung der Frankfurterstraße; hier: Arbeitsver- gebung. 8. Herstellungen im Bürgermeisterei-Gebäude; hier: Kostendekretur. 9. Errichtung eines Aussichtsturmes auf der Hochwarte; hier: Kostendekretur. 10. Gesuch der Buderus'schen Eisenwerke in Wetzlar um käufliche Ueber- lassung von Gelände aus einem Acker des Hospitals unter dem Weiherchen. 11. Straßenbeleuchtung am Ecke der Bamm- und Lahnstraße. 12. Das Adreßbuch für die tadt Gießen pro 1900. 13. Entschädigung der Krankenkassen für die Führung der Geschäfte der Jnvaliditäts- und Alters-Versicherung. 14. Einrichtung eines Omnibus- Verkehrs in der Provinzialhauptstadt Gießen; hier: Aenderung der Polizeiverordnung. 15. Rechnung der Stadt Gießen für 1898/99; hier: Uebertragung von Krediten fürs nächste Rechnungsjahr. 16. Den VIII. Städtetag für das Großherzogtum Heffen am 30. November 1899 in Bingen; hier: Wahl her Delegierten. -r. Stadttheater. Ein richtiges Sonntagsstück ging vorgestern abend m unserem Musentempel in der Wallthor straße in Szene: Mannstädt-WellerS „Wilde Katze" mit der Musik von Steffens. Auf den Stoff einzugehen, erübrigt bei dem verhältnismäßig ehrwürdigen Alter der vier Akte sich hinziehenden „Großen Operettenposse", und dann ist ja überhaupt — kein Stoff da. Die Textdichter stehen weit unter dem Komponisten. Steffens hat stellenweis ganz allerliebste Melodieen geschaffen, und was sie für uns besonders wertvoll erscheinen ließ, war der Umstand, daß sie für unser Ensemble, das ja eigentlich für Operetten und Gesangspossen nicht direkt zugeschnitten ist, in ihrer leichten, flüssigen Manier unschwer zu bewältigen waren. Die Aufführung gestaltete sich somit zu einer recht anregenden. So wurde den Solisten, vor allem Frl. Marie Eichenwald als Marquita Garcia, und auch den Wechsel- und Chorgesängen reicher Beifall und wiederholter Hervorruf zuteil. Als wir kürzlich über Frl. Eichwald als Rößelwirtin in „Als ich wiederkam" referierten, waren wir von der gesanglichen Leistung der Dame nicht gerade erbaut, — wir nehmen das Urteil heute reumütig und zerknirscht zurück. Fräulein Eichwald kann wirklich fingen, und zwar nicht nur wie eine „wilde Katze", sondern wie eine wirkliche Sängerin, die durch eine gute Schule gegangen. Sie verfügt über ganz ausreichende, in den hohen Lagen sogar überreiche Stimmmittel. Ihre schauspielerischen Talente haben wir wiederholt rühmend anerkannt, sie hat auch diesmal mit Ehren bestanden und allseitige Anerkennung gefunden. Eine sehr hübsche Leistung war die Köchin von Frl. Susy Berken, die sonst weniger hervorzutreten pflegt. Auf Dienstmädchenrollen scheint die Dame aber vereidet zu sein, denn wir haben sie mindestens schon 6 bis 8 Mal in dem Gewand der Küchenfee oder des Zimmermädchens bewundert. Im vorliegenden Falle hat sie die Über den gewöhnlichen Rahmen hinauSgehende Rolle ganz vortrefflich wiedergegeben. Schalkhaft nett und doch mit den ganzen Allüren der nicht gerade erleuchteten Küchenfee, sprach sie mit dem munteren Spiel ungemein an. Die Kostümierung war köstlich einfältig. In seinem Element war Herr Wilhelmi als Jimbo. Der Herr ist dem hiesigen Publikum lange Zeit schon bekannt und so kann sich jedermann einen Begriff machen, wie Herr Wilhelmi als Kautschukneger aussah und spielte. Er hatte natürlich meist die Lacher auf seiner Seite. Herr Helm als Volksanwalt Papke nebst seinen drei reizenden „Töchtern" (Lucie Kugler, Rosa Knöfel und Else Duve) brachte ganz famose Familienszenen zu stände, wozu seine vorzügliche Darstellung der allerdings moralisch durchsichtigen Biedermeierrolle, sowie der heitere Uebermut und das frische muntere Auftreten seiner drei weiblichen „Hilfskräfte" das Meiste beitrugen. Herr Direktor Kruse, uns allen längst als tüchtiger Dirigent bekannt, hatte Orchester sowie die vokalen Kräfte meisterhaft in der Gewalt seines Taktstockes. Die vortrefflichen Einsätze und taktfesten Gesänge lieferten einen neuen Beweis für seinen Fleiß und fein Geschick. Die übrigen Mitspieler haben sich alle ohne Ausnahme nach Maßgabe ihres Könnens und ihrer Rollen verdient gemacht und dürfen sich auch ihren Teil am Erfolg zuschreiben. Das Theater war leider nur mäßig besucht. ** Stadttheater. Als sechste Volksvorstellung kommt morgen Mittwoch das Schauspiel „Der Hüttenbesitzer" zur Aufführung. — Für kommenden Freitag bereitet die Direktion wieder eine Novität, nämlich das dreiaktige Lustspiel: „Das Opferlamm" vor, welches zurzeit an allen deutschen Bühnen stürmischen Heiterkeitserfolg erzielt. *• Turnerisches. Den Reigen der Wintervergnügungen eröffnete am Samstagabend der Turnverein gegr. 1846 mit seinem Winterfest in der stattlich geschmückten Turnhalle. Das erwählte Programm war mit großem Verständnis zusammengestellt; enthielt es doch neben den mit großer Exaktheit zu Gehör gebrachten Musikpiöcen der hiesigen Regimentsmusik, auch Vorträge, Theater und turnerische Aufführungen. Dieselben wurden von dem zahlreich erschienenen Publikum mit großer Freude ausgenommen, Kunb ernteten bie Mitwirkenben nach Verlauf einer jeber Programmnummer, welche, nebenbei bemerkt, ohne Zwischenpausen aufeinanberfolgten, großen Applaus. Auch ber turnerische Teil, Turnen an brei Seitenpferben, kam trefflich zur Geltung, unb fanb auch biefer ben wohl- üerbienten Beifall. Gegen 12 Uhr konnte enblich bas namentlich von ber Jugenb ersehnte Tänzchen beginnen, zu welchem sich ber zur Verfügung stehenbe Raum als viel zu klein erwies. Bei biefer Gelegenheit wollen wir ben Wunsch aussprechen, baß es bem Turnverein vergönnt sein möge, ben längst geplanten Umbau unb die Vergrößerung der Turnhalle bald vornehmen zu können. — Der auf ben Sonntagnachmittag vorgesehene Ausflug nach ber Textors Terrasse hatte abermals viele Teilnehmer versammelt. So fanb bas erste Wintervergnügen bes Turnvereins bes Halbjahrs 1899/1900 einen alle Teile zufriebenstellenben Verlauf. ♦* Ihr 35. Stiftungsfest feierte am Samstag unb Sonntag bie Bürgergesellschaft burch einen solennen Kommers in ihrem festlich beforierten Vereinslokal „zum Frankfurter Hof" unb einen Familienausflug auf bie „Liebigshöhe", welche Veranstaltungen sehr gut besucht waren unb glänzenb verliefen. Bei bem Kommers begrüßte zunächst ber erste Vorsitzenbe, Herr Martin Dörr, bie Erschienenen unb gab einen kurzen Rückblick auf bie Geschichte ber Gesellschaft, worauf bann der erste Schriftführer, Herr Roth, sich eingehend über letztere verbreitete und daran anschließend, Herrn Dörr, der sein 20 jähriges Mitglieds- und 11 jähriges Präsidenten-Jubiläum feierte, ein prachtvolles Diplom überreichte. Herr Jaskowsky feierte die drei anwesenden Mitbegründer, die Herren Moritz Flett, Gustav Tränkner und Hermann Schelper, worauf diese der Gesellschaft ihr wohlgelungenes Gruppenportrait übermachten. — Bei dem Familienausflug, den ein Tänzchen beschloß, und bei dem Herrn Dörr durch ben zweiten Vorsitzenben, Herrn Gustav Gerhabt, ein prachtvoller Regulator mit Widmung überreicht wurde, brillierten die Herren Jean Brückner, Julius Bräutigam unb Max Jaskowsky durch ihre reizenden Sologesänge. ** Heute vormittag gingen zwei junge Pferde, von denen sich der Leiter derselben ein wenig entfernt hatte, mit dem leeren Wagen in der Bleichstraße durch. Glücklicherweise konnten dieselben bald wieder aufgegriffen werden, ohne daß, mit Ausnahme eines Milchwächelchens, welches von dem Fuhrwerke erfaßt worden war und etwas Milch verloren ging, sonstiger Schaden angerichtet wurde. Universität und Hochschule. Berufen: Der Privatdozent Dr. Steuer, der sich an der Jenaer Universität für das Fach der Geologie habilitiert hat, als Lehrer an die polytechnische Hochschule in Darmstadt und zugleich als Landesgeologe für das Großherzogtum Hessen. Dr. Steuer wird, dem Rufe Folge gebend, zu Ostern n. I. seine Lehrthätigkeit an der Universität Jena einstellen und nach Darmstadt übersiedeln. Berlin, 20. November. Fall Arons. DerDisziplinarhof soll, wie verlautet, in der Sache des Privatdozenten Dr. Arons zu dem Gutachten gelangt sein, daß ihm d,e Erlaubnis zum Halten von Vorlesungen zu entziehen sei. Die Entscheidung steht, wie bekannt, dem Staatsministerium zu. Inzwischen beschwert sich das konsequente Scharf- macherorgan, die „Post", darüber, daß aus den Verhandlungen deS Disziplinarhofs Berichte in die Oeffentlichkeit gelangt sind. Sie vermutet dahinter den Verteidiger des Dr. Arons, Rechtsanwalt Heine, und verlangt, daß die Anwaltskammer gegen ihn einschreite. Berlin, 20. November. Die Goethefeier der Studentenschaft wird leider noch einen prosaischen Epilog "haben. Es ist kein Geheimnis mehr, daß sie mit einem Defizit abschließen wird, der sich auf mehr als 5000 Mk. belaufen kann. Wenn die Studenten der vier Hochschulen solidarisch zusammenstehen, wird der Fehlbetrag allerdings leicht gedeckt werden. Allein eine Reihe von Korporationen und Studierenden sind mit dem Verhalten des Ausschuffes keineswegs zufrieden, auch im Ausschuß selbst hat es nicht an Stimmen gefehlt, welche das Vorgehen den Professoren gegenüber entschieden mißbilligen. Jena, 20. November. An der akademischen Goethe-Gedenkfeier nahmen außer I. K. H. der Frau Erbgroßherzogin und ihrer Staatsdame Gräfin Bothmer von Weimar Staatsminister Dr. Rothe, bie Departementschefs Geheimräte v. Pawel und v. Wurmb, Geh. Regierungsrat Vollert, Oberbibliothekar Geh. Hofrat v. Bojanowski und der Direktor des Goethe-Schillerarchivs Hofrat Prof. Suphan teil. Arbeiterbewegung. MonceaU'leS-MtneS, 20 November. 9000 organisierte Grubenarbeiter beschlossen gestern einstimmig den allgemeinen Ausstand für nächsten Freitag, falls die Direktion ihre Forderungen bis dahin nicht bewilligt haben sollte. Eine Abordnung ist nach Paris gereist, um der Regierung Bericht zu erstatten. Eine Unterredung des Präfekten mit den Führern der Ausständischen blieb ergebnislos Brieg, 18. November. Eine G-neralversammlung ausstandifchsr Arbeiter am Simplontunnel hat beschlossen, nachdem die Unternehmer einige Zugeständnisie gemacht haben, am Montag die Arbeit wieder aufzunehmen. Wurste Meldungen. Depeschen deS Bureau „£etolb*. Berlin, 21. November. Zu bem Briefe bes Freiherrn v. Mirbach an bie Stabtverorbnetenver- fammlung berichtet bas „Kleine Journal", baß bieses Schreiben im Auftrag ber Kaiserin unb auf Befehl des Kaisers zur Ausführung gebracht worben fei. Wien, 21. November. Der hiesige Magistrat hat in feiner gestrigen Sitzung sich gegen bie Einführung ber mittel-europäischen Zeit in Wien ausgesprochen. Brüssel, 21. November. Die Spaltung im jvzia- listischen Lager, bie feit einiger Zeit in ber Luft schwebt, wirb aller Wahrscheinlichkeit nach in bem in ben nächsten Tagen ftattfinbenben Bergarbeiter-Kongreß zum Ausbruch kommen. London, 21. November. Lady Salisbury ist gestern zu Hatfielb gestorben. In Schloß Windsor zirkulierte bas Gerücht, baß ben britischen Truppen ein Nn- glücksfall zugestoßen fei, ben man aber aus Rücksicht auf bie Anwesenheit bes beutschen Kaisers vorläufig geheim halten will. Es war bisher nicht zu ermitteln, um was es sich handelt, doch wird die Vermutung ausgesprochen, daß es ein Truppenschiff betrifft. London, 21. November. Aus New-York wird gemeldet: Hier und in Chicago fanden große Kundgebungen zu Gunsten Der Buren statt. In Chicago waren zirka 4000 Holländer versammelt und berieten über bie Lage in Sübafrika. Es herrschte große Begeisterung unb schließlich würbe eine Tagesorbnung angenommen, in welcher in heftigen Worten bie englische Unersättlichkeit getabelt unb bie Buren für ihr heldenhaftes Verhalten im Laufe des Krieges beglückwünscht werden. Gleichzeitig wurde eine Subscription eröffnet zu Gunsten der Witwen und Waisen der gefallenen Buren. Madrid, 21. November. Die Behörden von Barcelona verhafteten gestern elf Geschäftsleute wegen Steuer-Verweigerung. Madrid, 21. November. Die Anwesenheit des Kriegsgeschwaders im Hafen von Barcelona scheint den dortigen Steuer-Verweigerern Furcht einge- flößt zu haben, denn sie stellen sich massenhaft zum Zahlen ein. Sämtliche Läden sind geschloffen. Giessen Kirehenplatt U, gegenüber der Stadlkirche. V (V jj/y/ TUtMH- M- cKna^n-Äoiv^MioM. ffftA ' Anfertigung nach Mass V in eigener Werkstätte. Danksagung Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Rosa Kaan geb. Weimersheim. Giessen, den 20. November 1899. 8184 der Der Vorstand. 04207 8167 übernommen habe und bitte um geneigten Zuspruch. Gasthaus zum Psäher Hos empfiehlt: __ niederzulegen. Verantwortlicher Redakteur: H. Korgler. WWW Itlietnelndic iji'kinintimiiljiiiijtii verMdenes WpWWKU tOftene Stellen Dertoven Vereine Uermietnngen Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste sage unseren herzlichsten Dank. Metzclsuppe Morgkll» Wtllfltifdj mit firaut, 'x$4r* Wer schnell und billigst Stellung finden will, der verlange per Postkarte die „Deutsche WaKanzen-Sok" in Eßlingen. P.Zimmermann. Alwin Henry. Marg. Haußig. Wilh. Wilhelmi. Lucie Kugler. Paul Paren. Elsa Duve. Walter Steinert. Alfred Helm. Alix Hardegg. Carl Walter. Joseph Curland. Ende lOVi Uhr. Laden, mit Wohnung I gegen hohen Lohn. Reflektanten wollen ♦ I sich melden bei Georg Leun III. Hochachtungsvoll Job. Peter freilich. la. Angel'Scheüfische, Kabeljau, Hechte, Zander, Seezungen und schönstes Tafel'Gestügel emvfiehlt C. G. 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Es empfiehlt sich, die Zahl der gewünschten Beikarten beizeiten festzustellen, damit der Di ner beim Umgang nicht aufgebalten wird. Verweigerung der Zahlung des Jahresbeitrags gilt nach §§ 9, 10 Wirtschafts-Empfehlung. Freunden und Bekannten die ergebene Mitteilung, daß ick die AM Westauration zur Germania 5® Grünbergerstraße 117 in erster Geschäftslage zu vermieten. < Gefl. Reflekt. bei. ihre Adresse unter <_ _ 8. 8173 in der Expedition dieses Blattes von 15 Jahren gesucht. Auumstutzen-Vnein Gieße«. Wir machen an dieser Stelle nochmals darauf aufmerksam, daß Freunden des Schießsports auch während der Wintermonale Gelegenheit geboten ist, an den Sch eßübungen teilzunebmen, die an jedem Montag abend von 8 Uhr an im Schützenhause stattfi .d^n. Der Zimmerstutzenverein steht völlig unabhängig neben dem Schützenverein und stellt Büchsen und Munit on. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, sind stets willkommen. gute« bürgerlichen Mittagstisch in und außer Abonnment. ff. Mer aus der Maueret I. 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Laden längere Zeit daM?^E den dorti L ^zürnten 9 SS* riW PW E-Lri° xäs?. 61 Wn 6oy caP-i I, »urben'/"'«^, Lasten bia'h : • • . Kosten bL Ni t fßr die ^"ürung b