90 l w Au-rn^n, Öl*-■»!***• Mth***«*- lle-Schil-er ys*" Graf, fiesst * ii, (e*o6t»to- 0 Iber fett „„ eschenke en Preiien tfl. " in ,ti.» *1 6;5- pieS /|(lu Nr. 300 Erstes Blatt. Donnerstag den 21. December INOfl Orßchedtt MtfM ■Ht e*lw*w d s »«•WWeMiltn aortal tan Änjelyc wHentN »Hcib«( Gießener Anzeiger 3in*e*rrev vteNegährliL. 2 Mar! 20 P-g monatlich 75 Pf-, mit Vrtngerlvh» Bei Poftbezutz 3 Mark 50 Ps- vircteljährl'ck Äs«»**« »ar, In,teigen zu der ne^ertttagi für tai W»catat X*। erfcheinentzm Vinmmer big vor«, t- Uhr. Keneral-AnMger Mir Snteißen.verrnittluntzrLiÄnr lei In- uni Aair«t-rL atiretm Anzeigen für tat Wietzener Anzeiger eetge@«8> Anrts- und Anzeigeblutt für den Ureis Giefzen. RtHtim, •pelttien uni Bruckerri: ,ch» ß chtze »r. 7. Grsttsleitsgen: Gitßevrr Fsmiliendlütter, Ker hessische Km-wirt, Klötter für hessische Volkskunde. . . - 1 1 -SA. J'IHtttS Alreffe für Depeschen: Sittzü-Sq Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Teil. Gießen, den 20. Dezember 1899. Betr.: Die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler in 1900. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises. Wir sehen Ihrem Berichte darüber entgegen, wieviel Scheine Sir für voraussichtlich im Jahre 1900 zur Bedeckung kommende Stuten nötig haben werden. v. Bechtold. Bekanntmachung, Betreffend: Sonntagsruhe im Gewerbebetrieb. Unsere Bekanntmachung rubr. Betreffs vom 16. l. M. wird insofern aufgehoben, als der Gewerbebetrieb der Friseure und Barbiere am 24. Dezember l. Js. nicht auf die Stunden von 7—9 Uhr vormittags und von 11—4 nachmittags beschränkt wird. Es wird vielmehr der genannte Gewerbebetrieb am 2 4. Dezember l. Js. auf die Zeit von vormittags 7 Uhr bis nachmittags 4 Uhr ausgedehnt. Gießen, 19. Dezember 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl. * Das Gottesgericht in Transvaal. Gießen, den 20. Dezember 1899. Wenn jemand Caviar zu essen glaubt und plötzlich bemerkt, daß er seinem inneren Menschen Stiefelwichse ein- »erleibt, so ist das in hohem Maße fatal. Wenn ein großer Spekulant mit einem kühnen Coup Millionen zu erwerben hofft und sich plötzlich in den Urzustand zurückversetzt sieht, in dem der Mensch nichts sein eigen nennt, so ist das gleichfalls fatal. Wenn aber ein Volk, wie die Engländer, davon träumt, auf einem bequemen Spaziergang nach Johannesburg und Prätoria sich eines reichen Landes und unendlicher Goldschätze mühelos bemächtigen zu können, und wenn dann plötzlich die Spaziergänger mit zerschlagenen Köpfen und in kümmerlichen Fetzen zurückkehren und melden, daß die armen Bauern da drüben im Transvaal und im Oranjefreistaat sich keineswegs imponieren ließen von Old-Englands prahlerischem Gebühren, daß sie vielmehr mit sicherer Hand jeden niederknallen, der sich in ihr Gehege wagt, so ist das für die Betroffenen zweifellos auch fatal. ES kann ja niemand bei Beginn w ■=r4 Die Führer im Trausvaalkrieg bringen wir heute unseren Lesern im Bilde. Es sind meist ältere Leute, die im Kampf mit der Natur und den wilden Tieren abgehärtet sind. In der Mitte befindet sich das Bild des Oberstkommandierenden I. P. Joubert, auch der Vater Jouberts hat sich dem Heere angeschlossen, ebenfalls der Bruder Frans. Von den Führern haben sich manche schon Lorbeeren erworben, wir nennen nur Cronje, Smit und Bothe, Pretorias ist gefangen genommen und I. M. Kock starb in der Schlacht bei Elandslaagte. eines Krieges das Ende des Waffenganges voraussehen, denn Frau Bellona ist ein Weib und jedes Weib hat seine Säurten; aber die eigenen Kräfte und die des Gegners gerecht zu wägen, geziemt der Besonnenheit, und nichts sichert den Mißerfolg von vornherein in so hohem Maße, als die Unterschätzung der feindlichen Kraft. Niemals vielleicht seit dem Freiheitskampfe, der das deutsche Volk gegen Napoleon führte, hat die Macht der ' Imponderabilien sich so stark erwiesen wie jetzt, wo das Burenvolk, gottesfürchtig und gottvertrauend, für seine Freiheit gegen das übermächtige England kämpft. Es ist ein i Zeichen dafür, daß das Edle im Menschengeschlecht noch | nicht erstorben ist, wenn fast überall in den Herzen die Saite der Sympathie erklingt, sobald ein neuer Sieg der BurgherS von Transvaal gemeldet wird. Nicht Selbstsucht spricht daraus oder Schadenfreude, sondern jenes sittliche Hochgefühl, das uns schon als Kinder erfüllte, wenn wir von der Thermopylenschlacht vernahmen und von Salamis und Marathon, und wenn heute die Knaben mit glänzenden Augen der Kunde von den Siegen bei Colenso und am Modderriver lauschen, wenn ihre jungen Herzen höher schlagen, sobald man von Ohm Krüger, von Joubert, Schalk, Burger und Cronje spricht, so trifft das jugendliche Empfinden, unbekümmert um alle Politik und unbeeinflußt, das Rechte. Wie lauscht man eifrig den Anekdoten, die über die wackeren Burenführer verbreitet werden, wie Ohm Paul vor dem Kriege versicherte, man brauche keine Kanonen zu kaufen, weil die Engländer sie umsonst ins Land bringen würden, wie er ein anderes Mal sich mit dem alten General Smit streitet, wie seine alte Gattin ihm sorglich den Kaffee bereitet und die wollenen Strümpfe strickt und den unvermeidlichen Cylinder ausbürstet. Das instinktive Gefühl für Recht und Redlichkeit giebt unserer Haltung das Gepräge. Gewiß, auch die Tapferkeit der englischen Soldaten verdient mit wenigen Ausnahmen alles Lob, und wenn die Offiziere ihrer Mannschaft voran todesmutig gegen die Stellung der Feinde stürmen, dem sicheren Tod entgegen, so wird man ihnen den Lorbeer, der des Helden Stirn schmückt, nicht versagen. Doppelt schmerzlich ist es ja, als Besiegter zu sterben. Aber um so härter muß das Gericht sein, das über die Urheber des Krieges ergeht, über Jene, die, um ihrem Ehrgeiz und ihrer Habsucht zu fröhnen, alle Leiden des Krieges über zwei Völker heraufbeschworen. Fürst Bismarck hat einmal gesagt, es sei an sich ein verbrecherisches Beginnen, zwei große Nationen, die beiderseits den ernsten Willen hegen, mit einander in Frieden zu leben, die keine wesentlichen Juteressen haben, welche sie trennen können, in einen Krieg hineintreiben zu wollen. In solchem Sinne wird Chamberlain, wird auch der allzu nachgiebige Salisbury, werden die höchsten entscheidenden Instanzen des britischen Weltreiches vor dem Richterstuhle der Geschichte als Verbrecher erscheinen. Theater. -r. Gießen, 18. Dezember. Gestern abend begann vor nicht übermäßig besetztem Hause Frau Lucie Vierna aus München — von welchem Theater, ist auf dem Theaterzettel nicht gesagt — ihr erstes Gastspiel als Frau Eva in Schönthan - Koppel - Ellfelds dreiaktigem Lustspiel „Die goldene Eva". Dieses Fabrikwerk des betriebsamen Verfasserpaares wurde gestern abend mit ziemlichem Beifall ausgenommen; wem er gegolten, dem Stück oder den Darstellern, vermögen wir nicht recht zu beurteilen, wir entscheiden uns für das letztere ohne das erstere gerade abzulehnen. Das Stück führt uns auf den Boden der blühenden Reichsstadt Augsburg. Die „goldene Eva" ist eines reichen Goldschmiedes junge, schöne Wittwe, der das Bewußtsein ihres Wertes, bestehend im Liebreize blühender Erscheinung und im verlockenden Besitze stattlicher Habe, gewaltig zu Kopfe gestiegen ist, sodaß sie, der sogar der Kaiser gelegentlich einen Kuß gegeben hat, erstaunlich hoch hinaus will und zum Erlöser aus ihrer Wittwenschaft nur einen Freier adligen Geblütes für tauglich hält. Ein solcher findet sich denn auch in der Person des Grafen Zeck ein; aber seine Herrlichkeit ist so fadenscheinig, daß sie nicht lange Stand hält, mag er noch so dringlich prahlen mit seinem Ahnenschlosse, das wohl im Monde liegt und mit seinem Dienertroß, wovon der leider unsichtbar bleibende und doch durch seine bloße Erwähnung überaus komisch wirkende Knappe allerdings als wenig überzeugendes Beispiel dient. Letzterer ist nämlich kein anderer, als Zecks Geldgeber, der Roßhändler Aaron aus Kaufbeuren, der zäh auf seinem Schuldtitel besteht und den edlen Ritter in dieser angemessenen Verkleidung auf seinen nach Geld spürenden Freiersfahrten begleitet. Die freundschaftliche Unterstützung des abgebrühten Pumpgenies Hans v. Schwetzingen hilft den Faden der gräflichen Werbung weiterspinnen. Aber allzu weit kommt es nicht damit. Dafür sorgt Peter, der Goldschmiedsgeselle. Der ist mit künstlerisch gewecktem Sinne aus Italien, dem neu erblühten Lande der Künste herübergekommen und hat in Frau Evas Hause eine Stätte gefunden, wo er die Goldschmiedekunst nach den neuen ihm aufgegangenen künstlerischen Ideen bethätigen will. An die Meisterin aber hat der lebensfrohe, frische Jüngling alsbald sein Herz verloren. Mutig und klug durchkreuzt er die Pläne der aufdringlichen Freier, heilt die hübsche Goldschmiedswittwe von ihren hochfliegenden Einbildungen und gewinnt zuletzt in siegender Entschlossenheit Herz und Hand der „goldenen Eva", die somit den Boden wiederfindet, der ihr einzig angemessen ist. Ueber den Wert oder die Bedeutung der Fabel und der Dramatisierung derselben wollen wir uns heute den Kopf nicht weiter zerbrechen, wir müßten auch schließlich unser Urteil über die Schönthal'sche Kompagniearbeit überhaupt im großen ganzen wiederholen. Wir können es füglich dabei bewenden lassen. Die Darstellung war flott und auch decorativ lobenswert. Guten Erfolg hatte Frau Vierna in ihrem lebendigen, oft gut pointierten Spiele, ihrer an- ziehenden Erscheinung und vor allem ihrer prächtigen, stellenweis .fast zu üppig gehaltenen Kosttime. Alles in allem genommen, ließ die Gästin ein stets interessantes und der Wirkung sicheres Bild der lebensfrohen, liebebedürftigen Frau Meisterin erstehen. Der Peter des Herrn Kirchhoff gelangte durch sein männlich stolzes, siegessicheres Auftreten zur schönsten Geltung. Ein köstliches Pärchen gaben die Herren Walter und Rolan ab, welche die schiffbrüchigen Existenzen des bier- und weinseligen, ewig schmarotzenden Ritters Hans von Schwetzingen und des vom Pferdehändler Aron über Wasser gehaltenen, spielwütigen „Grafen Zeck" mit guten Humor verkörperten. In der Repräsentaüonsrolle der Gräfin Agnes wirkte Frl. Haussig durch vornehme Haltung, Erscheinung und Toilette. In der Rolle des „Lehrjungen" legte Frl. Kugler eine Probe hübschen Talentes ab, das weitere Beachtung verdient. Das Stück fand in dieser vorzüglichen Wiedergabe, wie erwähnt, reichen, wohlverdienten Beifall. Die Regie war, wie stets unter Herrn Helms Leitung, ohne Tadel. -r. Gießen, 20. Dezember. Gestern abend folgte als zweites Gastspiel von Frau Lucie Vierna Schillers „Kabale und Liebe", in welchem die Gästin, entsprechend ihrer Erscheinung und ihren kostbaren Toiletten, die Rolle der Lady Milford übernommen. Das Schillersche Trauerspiel wird ja immer eine packende, fortreißende Wirkung ausüben, um so mehr aber, wenn es in einer so guten Besetzung wie gestern abend gegeben wird. Die Hauptrolle der Luise hatte Frl. Hammer erhalten und der Griff, der Schon der große Geschichtschreiber der Griechen mahnt die Großen seiner Zeit: „Bedenkt auch, wie unberechenbar der Verlauf eines Krieges ist, bevor ihr euch in denselben einlasset", und der Mann, der das athenische Volk unermüdlich antrieb zum Kampf gegen Philipp, sucht sie zu ermutigen durch den ewig gütigen Satz: „Denn niemand führt mit gleicher Anstrengung Krieg, um Eroberungen zu machen, wie zur Beschützung seines Vaterlandes. Zur Rettung dessen, was man ihm entreißen will, kämpft jeder aus allen Kräften, so lange es ihm nur möglich ist; aber nicht aus Gewinnsucht." Selbst wenn die White und Methuen, die Gatacre, Wanchope und Buller anders geartet wären, als sie der Herrgott erschuf, wenn sie aus ihren Kämpfen gegen Afridis und Sudanesen reiche Kriegserfahrung mitgebracht und in Indien und den Kolonien ihr militärisches Ingenium geschult hätten, so würde dennoch die verzweifelte Wut der um alles ringenden Buren zu einem furchtbaren Guerillakrieg geführt haben, der immer neue Kraftanstrengungen Englands erfordern, dem Inselreich trotz aller seiner wirtschaftlichen Machtmittel immer neue, schwere Verlegenheiten bereiten müßte, der vor allem die politische Stellung der britischen Krone unter den Mächten einschränken, die Bewegungskraft lähmen müßte. Es war ein Zeichen verbrecherischer Thorheit — auch die Thorheit ist ein Verbrechen, wenn sie sich als Einsicht spreizt — daß Chamberlain und seine Leute dem englischen Volk das Bild von dem Spaziergang nach Johannesburg und Prätoria vorgaukelten und all jene Hoffnungen erweckten, die schon jetzt, nach wenigen Wochen, zerstäubt sind unter den Stürmen, die aus dem Lager der Buren wehten. Jetzt ist die Lage Englands verzweifelt, nicht die Lage jener Truppen allein, die am Modderriver und am Tugelafluß stehen und in Ladysmith, in Mafeking und Kimberley eingeschloffen sind, sondern die Lage des ganzen Landes. Gewiß, man hat noch Divisionen, die man mobil machen, Kanonen, die man nach Afrika senden kann, und man wird auch vielleicht den unglücklichen Buller durch Roberts oder einen auderen ersetzen. Aber nicht das Heer allein, sondern das ganze Volk ist demoralisiert, das Vertrauen in die Ehrlichkeit und in die Weitsicht der Regierung ist dahin, wie das Vertrauen zu den militärischen Führern verschwunden ist. Wäre das englische Volk nicht durch Jahrhunderte diszipliniert und gerade durch den Besitz der Freiheit in Schranken gehalten, so würde die Emeute sich längst der Gassen bemächtigt haben und Szenen, wie sie einst das besiegte Frankreich erlebte, würden auch dort zur unerfreulichen Gewohnheit werden. Die Bewegung, die in England durch die Massen geht, ist mehr innerlicher Natur, sie äußert sich in einem tiefen Groll gegen die konservative Regierung, und wenn heute Neuwahlen zum Parlament stattfänden, so würde Lord Salisbury und seine Mehrheit fortgefegt werden, wie Spreu vor der Windsbraut. Auch die Niederlage bei Colenso, die General Buller erlitt, hat noch nicht die Wirkung geübt, das Volk zur Selbst- präfung zu bewegen und zu der Erkenntnis zu bringen, daß es ein Gottesgericht ist, das dort unten in Südafrika über den englischen Hochmut ergeht. Die Kraft und die Reichtümer anderer Völker in den eigenen Dienst zu zwingen, fremden Besitz alS das natürliche Erbe des Britenvolkes zu betrachten, ist so zur holden Gewohnheit geworden, ist dem echten Sohn Albions derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß er noch immer nicht die Gerechtigkeit, die in den südafrikanischen Schlachten waltet, zu erkennen und zu begreifen vermag. Und nur leise kommt ihm die dämmernde sie gerade ausgewählt, war ein durchaus glücklicher. Es war die beste Leistung, die uns von dieser Seite bislang geboten worden ist. Eine liebliche Erscheinung, ein rührendes, ungemein packendes, jeder Gemütsregung sich accommo- dierendes Spiel halfen der Dame zu den reichen Beifallsbezeugungen, die ihr zu Teil wurden. Ganz ausgezeichnet entwickelte sich Herr Kirchhoff als Ferdinand. Die Leistung stand der seiner Partnerin ebenbürtig zur Seite; edles Feuer in Spiel und Sprache, würdevolle Haltung und vortrefflich detaillierte Mimik erhoben die Wiedergabe der Rolle durch Herrn Kirchhoff zu einer sehr lobenswerten. Auch Herr H e n r y gab die Rolle des Hofmarschall Kalb durchaus im Geiste des Dichters; die Darstellung stand in bestemEinklang mit den künstlerischen Spezialneigungen des Darstellers und wirkte demgemäß auch äußerst natürlich. Vortrefflich war Herr C u r l a n d als Wurm; klar, scharf, in jeder Nüance den schlangenklugen, kalten Jntriguanten offenbarend, der sich gewissenlos über alle Bedenken des Herzens hinwegsetzt. Mit Wärme und meist guter Wirkung spielte Herr Rolan den Miller; leider überanstrengte er seine Stimmmittel wiederholt in störendem Maße. Die verehr!. Gästin, Frau Vier na, gab die Lady Milford mit viel Wärme, und erzielte so mit Hilfe der ihr reich zu Gebote stehenden äußeren Mittel einen wohlverdienten Erfolg. Vielleicht spielt bei einer Wiederholung des Stückes — ev. als Volksvorstellung — Frl. Haussig einmal die Rolle der Lady Milford. Herr Walter als Präsident wäre im Spiel brauchbar gewesen, wenn er sich unabhängiger von der Souffleuse gehalten hätte. Die letztere entwickelte überhaupt gestern Ahnung, daß nicht die Jntereffen eines einzelnen Landesteiles allein, daß nicht einmal nur die Jntereffen des Kap- landes in Frage stehen, sondern daß der letzte Einsatz die Welt Machtstellung der bri tisch en Krone bildet. Man beginnt zu erkennen, daß der Glaube an Englands Unüberwindlichkeit ein Aberglaube gewesen ist, das Presttge schwindet und in den Unterdrückten aller Weltteile erwacht das Freiheitsgesühl. So haben die Niederlagen des ersten Napoleon in den russischen Steppen die Völker zum Kampf gegen das Joch entflammt, das sie so lange getragen hatten. Wo ist denn heute noch eine Armee, die England den Buren eutgegenstellen könnte? Wo ist die Aktionsfähigkeit einer Flotte, die nicht einmal zur rechten Stunde den Nachschub hinüberzuführen vermochte über den Ozean? Wo ist die Ueberlegenheit der Geschütze und Maschinen? Es ist ein Zusammenbruch, dessen Zeugen wir jetzt sind, wie ihn die Weltgeschichte in solcher gewaltigen Tragik wohl kaum noch gesehen hat, und diese Tragik wirkt nicht demütigend und nicht verstimmend, sondern sie wirkt klärend und befreiend, weil nicht das Recht und die Unschuld verdammt sind, zu leiden, sondern weil die Uebelthat verdienten Lohn findet.________ * Vom Kriegsschauplatz. Die am SamStag in London abgehaltene Sitzung des nationalen Verteidigungskomitees hat Beschlüsse gefaßt, welche darauf hinauslaufen, daß der Krieg unter «euer Leitung ganz neu begonnen werden soll. Durch die Ernennung des Lord Roberts von Kandahar zum Oberstkommandierenden, Lord Kitcheners von Khartum zum Generalstabschef desselben wird General Buller in Wirklichkeit als Ober st kommandierender abgesetzt. Lord Roberts von Kandahar ist 67 Jahre alt. Sein Name ist äußerst populär und man hofft, seine Gegenwart in Südafrika werde den Truppen Mut einflößen. Lord Roberts wurde am Samstag telegraphisch nach London berufen und gestern nahm er die Ernennung zum Oberbefehlshaber an. Ein Sohn von ihm, Leutnant Roberts, erhielt am Freitag bei Colenso eine tätliche Schußwunde, als er unter Entfaltung größter Tapferkeit eines der im Stich gelaffenen Geschütze zu retten versuchte. Man weiß, daß Lord Kitchener schon lange vor Beginn des Feldzuges in Südafrika nach dem Oberkommando in Südafrika strebte. An hoher Stelle soll man damals gesagt haben: „Wir können unmöglich Lord Kitchener nach Südafrika schicken, der setzt uns in die größte Verlegenheit und bringt uns Krügers Kopf." (Eine Anspielung auf die im Sudan begangenen Grausamkeiten.) Man glaubt, daß der Einfluß des Auswärtigen Amtes nun Kitchener die Er- nennung zum Generalstabschef verschafft habe. Ob der Wechsel in den obersten Kommandostellen den Engländern zum Nutzen gereichen wird, ist noch sehr zu bezweifeln. Lord Roberts war früher Oberbefehlshaber der englischen Streitkräfte in Indien, aber ,was er vor Buller voraus haben soll, weiß kein Mensch. Indien ist nicht Südafrika und die Buren sind keine Afridis. Kitcheners Erfahrungen beschränken sich lediglich auf die Bekämpfung der zwar fanatisch tapferen, aber undisziplinierten und mangelhaft bewaffneten Araber. Jedenfalls ist die englische Regierung entschlossen, den Kampf bis zum äußersten fortzusetzen, und Chamberlain ist anscheinend um den Ausgang des blutigen Dramas nicht besorgt. England, sagte er gestern in Dublin als neu gebackener Doktor „der Rechte" (!), habe größeres Mißgeschick im Krimkriege und während des indischen Aufstandes ertragen, und er zweifle nicht, daß die N-tion jetzt wie damals wieder auf die Füße springen werde. Dazu sollen nun die neuerlichen Truppenanfgebote dienen, über die das Londoner Kriegsamt auffallend gesprächig ist, offenbar um dem Lande, vor allem aber der Kapkolonte wieder Mut einzuflößen. abend einen oft recht störend wirkenden Zungenschlag. Die Regie (Herr Steinert) ließ manches zu wünschen übrig. Der stellenweise recht unangenehm werdende Lärm hinter den Coulissen bei offener Szene hätte von der Regie unbedingt vermieden werden müssen. — Die Vorstellung war — offenbar infolge der Nähe der Festzeit — nur sehr mäßig besucht. *• La Roulotte. Die französische Gesellschaft „La Roulotte" aus Paris, welche augenblicklich eine Gastspielreise durch Deutschland und Oesterreich macht und z. B. in Berlin, Wien, Dresden rc. rc. mit außerordentlichem Beifall auftrat, wird am Samstag, dem 23. d. M. hier im Stadttheater ein einmaliges Gastspiel absolvieren. Die Gesellschaft „La Roulotte" gastiert, wie aus einer Notiz des heutigen „Frankfurter General-Anzeigers" hervorgeht, augenblicklich an drei Abenden im Wiesbadener Residenztheater; das für hier beabsichtigte Gastspiel fällt allerdings in eine für derartige Unternehmen ungünstige Zeit. Gleichwohl darf angenommen werden, daß recht Viele die seltene Gelegenheit, diese in ihrer Art einzig dastehende Truppe zu sehen und zu hören, nicht vorübergehen lassen werden. Ein uns vorliegender Artikel „Französische Kunst in Berlin" führt, nachdem derselbe sich des Längeren mit dem Berliner Gastspiel der „Röjane" befaßt hat, über das Theater „La Roulotte" folgendes aus: Haben wir solchergestalt in der Röjane eine liebe Bekannte freudig begrüßt, so machten wir mit nicht minderem Vergnügen die Bekanntschaft mit dem eigenartigen Theater „La Roulotte", das sein leider zu kurzes Gastspiel eben Mit Hilfe der Freiwilligen und der Heranziehung von Truppen aus Indien und vielleicht vom Bord der Kriegsschiffe soll das englische Kontingent auf mehr denn 100000 Mann gebracht werden, aber die militärischen Kritiker find darüber einig, daß das numerische Uebergewicht heute keinen Krieg mehr entscheidet, geschweige denn einem so unfaßbaren Feind wie den Buren gegenüber und auf einem so ungünstigen Kriegsschauplätze, wie Südafrika, das zudem noch in hellem Aufstand ist. Schwächt man die Marine und die indische Armee, diese beiden bisher nie angetasteten Organisationen, so setzt man England weit schwereren Gefahren aus, als fie ihm in Südafrika drohen. Indien bedarf gerade jetzt, wo Unruhen wegen des Ausbruchs der Hungersnot zu erwarten sind, die volle Aufmerksamkeit der englischen Regierung. Man meldet darüber: Loudon, 18. Dezember. Einer Depesche des Bice- königs von Indien zufolge werden der Stand und die Ausfichten der Ernte in der Gegend, wo die Hungersnot herrscht, immer ungünstiger. Die Gesamtzahl der hilfsbedürftigen Leute beträgt 2 22 6 000. Es fragt sich daher sehr, ob die von General Lockhart in Aussicht gestellten Truppensendungen ausgeführt werden können. Entblößt man aber das Mutterland von zuverlässigen, brauchbaren Truppen, so steigt das irische Gespenst wieder schreckenerregend empor. Wir berichteten schon von verschiedenen Demonstrationen bedenklichster Art aus Dublin. Nun haben sich die Unruhen erneuert und zwar anläßlich der Ehren Promotion Chamberlains. Was eigentlich vorgegangen ist, und was der offiziöse Telegraph verschweigt, erfährt man aus einem Bericht der „Frkf. Ztg.", in dem es heißt: Es gab gestern in Dublin sehr erregte Szenen. Es wird gemeldet, daß nicht nur die Polizei, sondern auch Dragoner und Infanterie aufgeboten worden seien, um das Meeting, welches gegen die Ehrung Chamberlains protestieren sollte, zu verhindern. Der irische Republikaner Connolly versuchte zu sprechen, wurde aber von der Polizei daran verhindert. Dann fand ein Umzug durch die Stadt statt, wobei man die Buren hochleben ließ und die Königin, sowie das britische Reich und die Armee in Südafrika verwünschte. Als der Umzug am Dubliner Schlosse vorbeikam, wurde eine trans- vaalische Fahne geschwenkt. Berittene Polizei eilte hinzu und konfiszierte die Fahne. Connolly versuchte außerhalb des städtischen Polizeibezirkes ein Meeting zu veranstalten, wurde aber verhaftet. Also nicht so sehr die paar „loyalen Studenten" haben demonstriert als die Iren Liga, und es hat der größten Anstrengungen bedurft, um eine Katastrophe zu verhüten. Es müßte sonderbar zugehen, wenn dieser Most das Faß nicht sprengte, so lange der Küfer anderwärts alle Hände voll zu thun hat. lieber die Stimmung am Cap erfährt man wenig. Die Telegramme, welche sich über die Stimmung in Capstadt auslassen, datieren erst vom Mittwoch. Dort war die Niederlage Gatacres erst in Telegrammen, die von der militärischen Censur sehr gekürzt waren, bekannt gemacht worden. Diese Telegramme verrieten nichts von der ernsten Niederlage. Nachher war dann der Schrecken um so größer. Den „Daily News" wird aus Capstadt vom Mittwoch telegraphiert, KrügerS Prophezeiung, daß der Krieg die Menschheit entsetzen werde, sei aus dem besten Wege zur Verwirklichung, wenigstens sei Capstadt entsetzt über die Größe der britischen Verluste, die um so verhängnisvoller erscheinen, als, wie aus den Kreisen der Transvaalgesandtschaft in Brüssel gemeldet wird, die ganze Gegend zwischen Queentown und dem Oranjefluß im Aufstand begriffen ist. Nähere Berichte über die Schlacht bei Magersfoutein auf dem westlichen Kriegsschauplätze lassen erkennen, daß die Niederlage Lord Methuens ernster war, als man in London annahm. Es heißt jetzt, daß die Hochländer kurze beendet hat. Es ist ein ganzes undefinierbares Gemisch von feinster Poesie und drastischester Komik, intensivster Stimmungskunst und urwüchsigster Chantant - Artifterei, differenziertester Nuanzierung und barster Einfachheit, höchster Feinheit und stärkster Pikanterie — das uns diese „poeteschansonnierß“ der Pariser Montmartre geboten haben. Jeder einzelne dieser einzigartigen Künstler ist Dichter, Komponist, Sänger, Musiker, Schauspieler, Mimiker in einer Person. Und all das nicht etwa dilettantenhast, sondern in feinster Vollendung. In den kleinen, kaum zehn Minuten dauernden Szenen, die sie uns vorspielen, liegt mehr Poesie als in abendfüllenden Märchendramen, mehr Komik und Satire, als in den fünfaktigsten Schwänken, mehr seine Musik als in sechsstündigsten Bum-bum Opern. Wie eigentümlich diese Künstler, die unter der Führung des ausgezeichneten Georges Charton stehen, alle Kunstgattungen miteinander zu verschmelzen wissen, prägt sich schon in den Titeln ihrer entzückenden Piöcen aus: „Lee Pantomimeß“, Pantomimen, deren Vorgänge auf einem Klavier musikalisch nur von einem gleichfalls auf der Bühne befindlichen Sänger durch Vortrag einer Ballade erläutert werden; „Leß Chanßonß anime“, lebende Gesänge, die durch ein lebendes Bild den Gesang illustrieren u. s. f. Es ist oller dings nicht Kunst für jedermann, die da gezeigt wurde. Man muß die Kenntnis der französischen Sprache auf dem Pflaster von Paris erworben haben, soll man ihrem feinsinnigen Vortrag, ihren reizenden CalembourgS,ihrenpikanten,hundertfältigenAn- spielungen auf Zeitereignisse mit ganzem Verständnisse folgen 3eit i« Allppe W g bi» fi’tflu Zodder ««M* * -bi- ß' g ionbern, * MM- dauere, aber •-» e Robert- nach von Aller das Ger cht. den Tugckfl' - Dre Eine Sallonni bei Brownsft ««<■ kommen m Schleier I Meinung gel berley au Kronstadt W haste Sei Regierung ernste «nerk Fehler glatt schuldigen nach cr $ Man oben SullerS en tage als w Meleien zn bettübend. 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Sie alle wollten sich durch eine glänzende Waffenthat Hervorthun und unterschätzten dabei den Gegner. General Buller war persönlich gegen die Entsetzung von Mafektng und Kimberley und habe offi ziell erklärt, es sei ein nie wieder gut zu machender Fehler, 20 000 Mann der Befreiung Cecil Rhodes zu opfern. Hemden, Vorhemden, Kragen, Manschetten. Unterkleidern, Kravatten. sowie alle Arten Manufaktur- Guter Rat! Tausende suchen nach einer schönen und nützlichen Beigabe zunr Weihnachtsgeschenk, und treffen nie das richtige. Nun denn, kaufen Sie doch in diesem Falle einen der hocheleganten Wechnachts-Karton mit Doerings Seife mit der Eule. Diese Kartons enthalten 2 Stück der weltberühmten Doerings Seife und 1 Stück hochfeinste in Blumenduft parfümierte Eulen-Seife. Besseres können Sie nicht wählen, nützlicheres nicht schenken, willkommeneres nicht bieten. 8500 Deutsches Mich. Berlin, 19. Dezember. Der Kaiser erledigte gestern nachmittag Regierungsangelegenheiten und hörte heute vormittag von 10 Uhr ab die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts v. Hahnke und des Chefs des Admiralstabes der Marine Vizeadmiral Bendemann. Einladungen zu der Frühstücks- und Abendtafel waren gestern und heute nicht ergangen. | — In der Sylvesternacht wird tn der Kapelle des hiesigen Schlosses ein Dank- und Bittgottesdienst anläßlich des Jahreswechsels abgehalten werden. — Wie der „L.-A." hört, wird der Bundesrat demnächst Beschluß fassen über die Anträge des Reichstages auf Aufhebung des Jesuitengesetzes, bezw. des § 2 desselben, des sogenannten Jnternierungsparagraphen. ! In unterrichteten Kreisen wird angenommen, daß mindestens die Verordnung, welche den Orden der Lazaristen und den Orden vom Sacrv Coeur als jesuitenverwandt erklärte, aufgehoben werden wird. Das preußische Staatsministerium hat sich schon vor längerer Zeit mit dieser Angelegenheit beschäftigt, und der Kaiser hat in dieser Sache jüngst den Rat einiger Minister gehört. — In der Beleidigungsklage wider Gehlsen und Genossen wurden heute vormittag die Angeklagten Gehlsen und Fischer freigesprochen. — Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz, betr. die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Lehrer an öffentlichen Volksschulen vom I 4. Dezember 1899. — Die in der Presse verbreiteten Angaben, wonach I für das kommende Frühjahr eine Reise des Kaisers I nach Rom und eine Begegnung mit der Königin Viktoria in San Remo in Aussicht genommen sein soll, werden der „Nordd. Allgemeinen Zeitung" als unbegründet I bezeichnet. I — Der Kaiser hat dem zum schwedisch norwegischen I'Minister des Auswärtigen ernannten bisherigen Gesandten I am hiesigen Hofe, v. Lag er heim, das Großkreuz des I Roten Adlerordens verliehen. Zu Ehren des Ministers I v. Lagerheim fand gestern bei dem Staatssekretär des Aus- I »artigen, Grafen Bülow, ein Diner statt, an dem außer I den Mitgliedern der schwedisch norwegischen Gesandtschaft I der belgische Gesandte Baron Greindl, der amerikanische I Geschäftsträger Mr. Jackson und andere Diplomaten teil I nahmen. ______________________ Males und ProoinMes. • Gießen, den 20. Dezember 1899. »* Lesehalle-Verein. Ilm den Angestellten der Ladengeschäfte Gelegenheit zu geben, sich für die Feiertage mit Lesestoff zu versehen, wird die-Bibliothek nächsten Freitag, den 22. d. MtS. statt von 6 bis 8 Uhr von 8 bis 10 Uhr abends geöffnet sein. Wir hoffen, daß diese Einrichtung durch recht fleißigen Gebrauch Anerkennung Ausland. Wien, 19. Dezember. Der Kaiser verlieh dem in den Ruhestand getretenen Direktor des kaiserlichen Zivilkabinetts Freiherrn von Braun die Brillanten zum Groß- kreuz des Leopold-Ordens. Zum Nachfolger des Freiherrn von Braun ist der derzeitige Gesandte in Belgrad, Ritter v. Schießl, ausersehen. — Es geht das Gerücht, der Eisenbahnminister von Witteck werde zum Ministerpräsidenten erwählt werden. — Der Beschluß des Wiener Gemeinderats, die Summe von zwei Millionen Gulden zu Kirchenbauten vorzu st recken, wurde auf die Beschwerde des Gemeinderats Brunnert hin vom Verwaltungsgerichte aufgehoben. — Der Kronrat unter dem Vorsitz des Kaisers dauerte bis nach 3 Uhr. Eine formelle Entscheidung wurde, wie verlautet, nicht getroffen; doch gilt es als feststehend, daß der Rücktritt des Kabinetts Clary unabwendbar ist. Paris, 19. Dezember. Der Deputierte Marcel Habert, der sich dem Staatsgerichtshof durch die Flucht entzogen hatte, erschien heute nachmittag im Senat und wurde auf Anordnung des Präsidenten zunächst in Haft behalten. Paris, 19. Dezember. Der Kriegsminister Gallifet antwortete dem Abgeordneten Gerault Richard, welcher eine allgemeine Amnestie für bestrafte Soldaten beantragt hatte, daß er zwar viele Begnadigungen und Strafaufhebungen angeordnet habe, daß er es aber nicht für angemessen erachte, dem Präsidenten Loubet ein Dekret zur Unterzeichnung vorzulegen, nach welchem alle Sträflinge begnadigt werden sollen. London, 19. Dezember. Nachdem die formellen Schwierigkeiten beigelegt sind, wird die Unterzeichnung der Konventionen nnd Protokolle der Haager Friedenskonferenz seitens Englands in den nächsten Tagen erfolgen. (Ein Hohn auf die ganze Friedensbewegung.) finden möge. Auch in btt nächsten Woche soll die Bibliothek Freitag und Samstag geöffnet, an den übrigen Tagen jedoch geschlossen sein.__ X Lang Göns, 18. Dezember. Am 16. Dezember, abends, feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 19jähriges Stiftungsfest in schönster Weise. Bürgermeister Brückel, Beigeordneter Henrich und die Ge- meinderäte wohnten dem Feste bei. Hauptmann Wenzel hielt eine Ansprache, in der er den Zweck der Feuerwehr klarlegte, und ein Hoch auf den Protektor der hessische» freiwilligen Feuerwehren, Seine König!. Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig ausbrachte. Auch gedachte man betreuen, nunmehr verstorbenen Mitgliedes, Herrn Obman« Hartmann, in würdiger Weise. Konzert, Theater, Vorträge und Auszeichnung der 17 Dienstjahre aufweisenden Leute belebten das Fest in schönster Weise. Ansprachen wurden noch von den Kameraden Herbel, Velte und Boller gehalten. = Mainz, 19. Dezember. Gegen 9 Uhr heute morgen wurde in einem Teile Rheinhessens eine ziemlich heftige Erderschütterung wahrgenommen, die man hauptsächlich in einer Reihe rheinaufwärts gelegener Ortschaften verspürte. So wird aus Bodenheim gemeldet, daß das Erdbeben 4 Sekunden angehalten und sehr stark gewesen sein soll. Die gleichen Meldungen liegen von Nierstein, Nackenheim, Oppenheim, Lörzweiler, Mannheim sowie der GustavS- burg vor. Aus den nahen Orten Weisenau, Kostheim und I Bretzenheim wird gemeldet, daß das Mobiliar in den Häusern ins Schwanken geratet» und die Fenster geklirrt hätten. In der hiesigen Beobachtungsstation will man keine Veränderung am Seismograph (Erdbebenanzeiger) bemerkt haben und vermutet daher, daß die Erschütterung auf vorgenommene Sprengarbeiten in den Festungsgräben zurückzuführen ist. — Der Rhein geht hier erneut wieder sehr stark mit Er« und nur mit großer Mühe können sich die Trajektboote, welche den Verkehr mit Kastel vermitteln, durch die großen Eisflächen einen Weg schaffen. Von der Petersaue bis zur Straßenbrücke hat sich das Eis auf der rechten Seite fast bis in den halben Strom festgestellt und drücken sich auf der linken Seite die Eismassen zwischen Sandbänken und der Insel durch. Oberhalb Mainz steht das Eis. Wenn bie I Kälte noch ein oder zwei Tage anhält, so wird der Rhem zweifellos auch hier zum Stehen kommen. Nierstein, 18. Dezember. Anläßlich des plötzlichen Ablebens des Schiffers Joh. Lerch V. sind viele Schiffe im I Hafen in Oppenheim Halbmast geflaggt. Schiffer Lerch, I ein alter Schiffer von Nierstein, war 78 Jahre alt und »noch nie krank gewesen._____________ __ todty sch ubtx dir jtn, datieren erst Dom Mitt- lage Gatacreö erst in Tele- rischen Censur sehr gelürzt n. Diese Telegramme ver- Niederlage. Nachher war rößer. Den „Daily W twod) telegraphiert, SriigerS :q die Menschheit ent- »trn Wege zur Dermirllchung, I setzt über die Größe-er um so verhängnisvoller er« । * ta Dirb, die ganze Gegen» . nb dem Oranstfluß ; Neueste Meldungen. Darmstadt, 20. Dezember, 1 Uhr 45 Min. (Telephonmeldung.) Der 31. hessische Landtag wurde soeben durch den Regierungskommissar, Geheimerat Emmerling, eröffnet. Zum 1. Präsidenten in der Zweiten Kammer wurde gewählt: Geh. Regierungsrat HaaS-Offenbach mit 46 Stimmen, als 2. Präsident Rechtsanwalt Schmitt- Mainz mit 36 Stimmen. In der Ersten Kammer wurde als 1. Präsident Fürst Isenburg-Büdingen, als 2. Präsident Graf Solms-Laubach gewählt. Zum Andenken an die verstorbenen Abgeordneten erhebt sich das Halls von den Sitzen. Berlin, 20. Dezember. Wie aus Tsintau berichtet wird, wurde der verantwortliche Redakteur der „Deutsch- Asiatischen Warte", Arthur Eggers, wegen Beleidigung zweier Beamten der Civilverwaltung, begangen durch einen Artikel mit der Überschrift: „Monopol-Wirtschaft" zu einer Gefängnisstrafe vondreiWochen verurteilt. Gegen dieses Urteil wurde sofort Revision eingelegt. Detmold, 20. Dezember. Der Minister Miesit- scheck von Wischkau hat seine Entlassung nachgesucht. Als sein Nachfolger wird der erste Staatsan- walt Gevekot genannt. Wien, 20. Dezember. Aus dem Kronrat verlautet, Graf Clary habe dem Kaiser erklärt, es sei eine Unmöglichkeit, die Staatsnotwendigkeiten bis zum 1. Januar auf parlamentarischem Wege zu erledigen, weshalb er seine Mission für beendet betrachte. Der Kabinettswechsel wird Freitag erwartet, dürfte aber doch erst nach Weihnachten erfolgen, da sich der Kaiser die endgiltige Entscheidung vorbehält. Cs verlautet bestimmt, Wittek werde Ministerpräsident werden. Rom, 20. Dezember. In der Stadt verbreitete sich gestern das Gerücht von einer lebensgefährlichen Erkrankung des Papstes. Dr. Lapponi dementiert das Gerücht, und erklärte, der Papst sei wohl und verbringe nur deshalb den größten Teil des Tages im Bette, um sich zum Eröffnungstage des Jubeljahres zu stärken. Petersburg, 20. Dezember. Aufsehen erregt die Privat-Audienz des englischen Botschafter- beim Zaren. Man bringt dieselbe mit den Vorgängen in Transvaal zusammen. ritole ben S8U : S’fätetig: 5-Ntib j Slb- e" Sr-tz« u ..•$5 Wit $,., 7 «rttfi: •* te L”$|-- *. M bi,.* * Me Sie 8, i; Änb *• !fw 3”«-5* L" * "»d tw der M, aui mm Bm'che r WI, fabern aui • ouigeboten W(B dtt Sprung tarnte, mbern. Der irische Rrpu- a \W, wbt aber non Dann fand ein Ürnzna 1 nn die Auren hochleben ^as britische Reich unb bie föte. Als der Umzug am ikam, wurde eine trans- kt. Berittene Polizei eilte hne. Connolly versuchte izeibezirkes ein Meeting zu iftet. ir „loyalen Studenten" haben und es hat der größten An- Katastrophe zu verhüten. Es i dieser Most das Faß nicht anderwärts ade Hände uoS Zeit in vollständiger Verwirrung waren und die ganze I Truppe wäre verloren gewesen, wenn nicht die Artillerie I den ganzen Tag ein gutes Feuer unterhalten hätte. Vom I Modderfluß wird vom Samstag gemeldet, daß die I Buren die Eisenbahn zwei Meilen nördlich vom eng- | lischen Lager gesprengt haben. I Jetzt, wo die Lage für die Engländer aufs äußerste I verfahren ist, hört man wieder von Friedeusgerüchteu, aber sie kommen merkwürdigerweise nicht von englischer, I sondern, anscheinend wenigstens, von burischer Seite. London, 19. Dezember. Dem *Dsily Chronicle" wird I aus Ladysmith gemeldet, daß das Bombardement fort- I dauere, aber keine Wirkung habe. Die Buren hätten sich I sowohl nördlich wie südlich der Stadt verschanzt. I — Einer „Times" - Meldung zufolge wird Generali Roberts nach seiner Ankunft in Südafrika den früheren, I von Buller aufgegebenen Kriegsplan wieder auf- | nehmen. — Die „Daily Mail" bringt unter Vorbehalt das Gerücht, General Buller habe nach heißem Kampfe I den Tugelafluß überschritten. — Die „Times" berichten vom Modder River: I Eine Ballonmeldung besagt, die Buren schlagen ein Lager bei Brownsfurt, acht Meilen aufwärts vom Modder River I auf. Das Vorposten-System der Buren ist voll- I kommen und gewährt einen undurchdringlichen I Schleier für ihre Bewegungen. Die allgemeine I Meinung geht dahin, daß sie die Belagerung von Kim- I berley aufgeben und Vorräte von Jacobsthal nach I Kronstadt schaffen wollen. Sämtliche Blätter drücken leb- I hafte Befriedigung über die Maßnahmen der Regierung aus. Die prahlerischen Phrasen werden durch ernste Anerkennung der Gefahr und der teilweise gemachten I Fehler glatt gemacht. Der Wunsch nach Strafe für die schuldigen Ratgeber wird angedeutet, aber bis nach der Rettung des Vaterlandes verschoben. Man überwindet alle Niedergeschlagenheit über Bullers enorme Verluste, welche dessen Niederlage als noch entscheidender hinstellen. Die Eifersüchteleien zwischen regulären und irregulären Truppen sind betrübend. Verschiedene Freiwilligen-Regimenter haben der Regierung ihre Dienste zur Verfügung gestellt. Die Stabs- Quartiere der Volontäre sind von Freiwilligen vollständig | überschwemmt. Das Unglück hat England nichts niedergedrückt, sondern angestachelt. — Die „Central News" erfährt aus Kapstadt, daß auch die Frauen und Töchter der Kapburen von Haß gegen die Briten erfüllt sind. Sie bezeugen dies dadurch, daß sie den in den Kampf ziehenden Afrikandern zujubeln und ihnen raten, recht viele Engländer niederzuschießen. In Port Elizabeth wird in einer Mädchenschule den Schülerinnen täglich ein Vortrag über die gottlose Handlung Englands, denKrieg den südafrikanischen Republiken aufgezwungen zu haben, gehalten, wodurch die Mädchen gegen England eingenommen werden und jeden Sieg der Buren mit Freude begrüßen. — Ueber die Gährung in der Kapkolonie laufen im Kriegsamt bedenkliche Nachrichten ein. Der Aus' Lrnch der Revolution kann jederzeit erwartet werden. — In London melden sich tausende von Freiwilligen für bett aktiven Militärdienst. — Wie aus Kapstadt berichtet wird, sind sämtliche Verbindungen Lord Mcthuens abgeschnitten. Telegramme des „Gießener Anzeiger". London, 20. Dezember. Die Blätter teilen mit, daß auch jetzt noch der Herzog von Connaught darauf besteht, an den Kriegs-Opperationen in Süd- Afrika teilzunehmen. Bisher hatte sich das Kriegsdepartement geweigert, dem Wunsche des Herzogs nachzukommen mit dem Hinweise darauf, daß der Oberbefehlshaber General Buller jünger sei als der Herzog und auch eine niedrigere Charge bekleide. Durch den Uebergang des Oberkommandos an Loro Roberts, welcher eine höhere Charge bekleidet als der Herzog, ist nunmehr der Hinderungsgrund fortgefallen. — Nach verschiedenen Telegrammen sollen die F u h r e r, welche den General Gatacre einen falschen Weg geführt haben, im geheimen ergriffen worden sein. — Ein Telegramm der „Times" vom Modder Rtver meldet: Sonntag verhinderte der Vollmond den Lichtsignal- Austausch mit Kimberley, doch wurde später die Mond- -finsternis dazu benutzt, wichtige Depeschen mit Kimberley auSzutauschen. Die gegenwärtige Lage ist die einer totalen Stockung. Nur soviel scheint festzustehen, daß Methuen immer mehr von den Buren ein- 8 e schloss en wird. — Das Regierungs-Arsenal von Wolwich erhielt den dringenden Befehl, mehrere sechö- zöllige Geschütze sofort zur Absendung bereit zu stellen, ebenso soll eine neue Haubitzen- Brigade für Südafrika fertiggestellt werden. Es wird zu diesem Behufe Tag- und Nacht-Arbeit eingeführt. — Heber die Schlacht am Tugela ist noch zu melden, die Burenstellung war äußerst stark. Der englische Vormarsch geschah ohne Deckung. Das Bombardement begann um 5 Uhr. Um 7 Uhr eröffnete die Brigade der Generale Hildyard und Hart das Feuer. Die letztere ging auf absolut offenem Terrain vor bei einem verheerenden Feuer des Feindes. Ein Regiment Überschritt den Tugela-Fluß, mußte aber zurückweichen, ebenso General Barton, der Colenso angriff. — Die von Brüssel aus verbreiteten Gerüchte, daß England Friedens-Unterhandlungen mit dem Präsidenten Krüger eingeleitet habe, werden auf 8«"—- >-- ->* ‘Titiro, w $ Äfft»* w SÄ Mündig^ A ber ME । "'L 5# A I iS-S'S ÄS* mit gE in Herren-Anzügen, Ueberziehern, Joppen, Hosen, Westen, Kinder-Anzügen, Herren-Wäsche Ober« Oesirrr. StaatSbabn v. 1885 83 50 4 Jtal. staatSgar. Sisenb. 57.00 4 DeutscheSrdsch.B. unk. b.!S04 loi.oo Darmst. ßU.'Uctien 230 60. Verantwortlicher Redakteur: H. Koeglcr. Druck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch« und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. 97.00 8795 96.50 100.40 000.00 3 5 100.50 100.80 100.2fr »8.96 97.70 97 15 23.60 40 20 46 80 99.50 00.00 yrocrnt 4*/, Oesterr. Silberrentr 4 Ung. Sold-Rente Portugiesen Mexicaner amort. S. I-III Monopol-Snechen von 1867 Sisenb. Rentenb. 061. BuderuS Obl. 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