Dienstag den 2t November L8SÄ Rr. 374 Zweites Blatt Gießener Anzeiger 9er. 8148 General-Anzeiger Anrts- unb Zlnzeigebltttt für den Ureis (Oiefeen 4804 ng. jr, ZkltkM 19. 63. szs.ro 99.50 oooo Uunahme eon Anzeigen zu der nachmittag- für den Graden Laß erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-DermittlungSstellen des In- und AnSlande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. 9890 9760 25.36 8C 96 S'JtiiV. Hantig et». Mähten, Expedition und Druckerei: Achnlstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Mütter für hessische Volkskunde. beitende HUhme ^^stendherstelkin^ §chrabmaschine. die HaupWorzüge sämtlicher hysUme vereinigend Adresse für Depefchen: Anzeiger Hieße». Fernlprecher Nr. 51. e engksitze Wagen Lebettuck-AMlag und hellem overdeck AK. 15.—. lit SUanbpoIßeninff und Feder« W AK. 16.-. englisch Wagen r gwüchchtm Metun» und liUilti Ihr ii Wtii». * Bom Kaiser und vom Volk. Gießen, 20. November 1899. Als einst in heftig erregter Zeit der Wunsch des deutschen Volkes nach einer geregelten, parlamentarischen Vertretung sich erfüllte und die Erwählten zuerst zur eifrigen Verhandlung zusammentraten, da schien das Schwergewicht des politischen Interesses der Krone genommen und auf die Volksvertretung übertragen worden zu sein. Aber diese Illusion hat nicht allzulange gewährt, sie ist vollständig zerflossen heute, wo der Träger der Krone in vollbewußter Absicht und mit bewundernswerter Konsequenz die Rechte des Souveräns immer wieder betont und durch seine eigengeartete Persönlichkeit es erreicht hat, daß die Aufmerksamkeit des Volkes in unvergleichlich höherem Maße seinen Handlungen folgt, als den zerflossenen, kaum zu positiven Erfolgen vordringenden Verhandlungen des deutschen Reichsparlamentes. In demselben Verhältnis, in dem die Krone dem Ideal vergangener Zeiten, der erneuten Verkörperung eines patriarchalisch waltenden Absolutismus näher gerückt ist, in demselben Verhältnis ist auch die Bedeutung der Minister als maßgebender, selbständig beratender Faktoren gesunken, und mit ihr zugleich die Bedeutung der Parlamente, die sich eben mit dieser zweiten oder dritten Garnitur begnügen müssen. In dem Worte, das Eugen Richter bei seinem Jubelfeste in Hagen sprach, daß ihm Fürst Bismarck als Gegner fehle, steckt ein richtiges Empfinden: Erst die Bedeutung und Größe des Gegners weckt in vollem Maße die eigenen Fähigkeiten. Aber gerade weil cs so ist, weil die Persönlichkeit des Monarchen mehr und mehr in den Vordergrund tritt und Einfluß gewinnt auf alle Gebiete des öffentlichen Lebens, sollten ernsthaste Männer sich vor dem Versuche hüten, durch sklavische Zustimmung oder durch wohlberechnete Schmeicheleien auf den Kaiser zu wirken. Auch gesunde Naturen müssen geschädigt werden, wenn nur Schmeichelei und bereitwillige Dienstfertigkeit sich ihnen nähert und der Byzantinismus hat noch immer schnellfaulende Früchte getragen. „Dem Zauber und der Wucht des persönlichen Auftretens unseres Kaisers ist es zu verdanken, daß sich uns im Oriente eine grandiose Perspektive eröffnet, so schreibt ein Berliner Journal, das sich rühmt, die beliebteste Lektüre des Hofes zu bilden. Und es fährt fort: „Bedeutsam ist auch das anscheinend kleine Intermezzo, als der Kaiser beim Besuch der „Iphigenie" in neutralem Gewässer sozusagen französischen Boden betrat und ein begeistertes Echo erweckte!" Wir freilich und auch Andere, deren Selbstgefühl nicht erstorben ist, sind der Meinung, daß nicht die Pilgerfahrt nach Jerusalem „grandiose Perspektiven" im Orient eröffnete, wir stehen mit kühler Skepsis dem Tage von Damaskus und den Hymnen gegenüber, die damals den Helden des Islams erklangen. Wir meinen, daß deutscher Fleiß und deutsche Arbeit, daß die Kraft und solide Tüchtigkeit der Nation das Ansehen begründet haben, dessen wir unter fremden Völkern uns erfreuen dürfen, nicht aber die „Wucht des persönlichen Auftretens" eines Einzelnen, und sei er selbst der begabte und sympathische Träger der Krone. Aber es ist die alte Maxime der Byzantiner, den Herrscher heimlich in den Gedanken zu vertiefen, daß Alles durch ihn und nichts durch das Volk geschehe, daß dort, wo die Spuren seiner Schritte sich in den Sand des Weges drücken, Oelbäume und Feigenbäume und bunte Blumen aufsprießen. Und es ist nur folgerichtig, wenn die Selbft- demütigung der politisch Entmannten den Schluß zieht, daß auch die gewaltigen Leidenschaften, welche die Völker von einander trennen und sie in jene Gegensätze drängen, die oft durch Jahrhunderte die Geschichte bestimmen, ausgelöscht werden können durch Glückwunschschreiben und Beileids- depeschen und höfliche Besuche. Das begeisterte Echo, das in Frankreich erwacht ist, ist längst verhallt, wenn anders es jemals erweckt wurde, und auch der gepriesene Tag der „Iphigenie" wird uns nicht davor schützen, Frankreich stets in der Reihe unserer offenen oder heimlichen Gegner zu finden. Jede Schmeichelei bildet in Wahrheit eine Insolenz, und wenn der Strafparagraph, der von der beleidigten Majestät handelt, einer Erweiterung bedürfte, so wäre sie nach dieser Richtung gegeben. Denn die Schmeichelei rechnet mit der Eitelkeit zugleich und mit der Urteilslosigkeit. Wenn von dem „sehnsüchtigen Herüberblinzeln der edlen Aankees von den Ufern des Hudson zum schönen Strand der Spree" gesprochen wird, daß „tausend Hände sich huldigend aus- strccken würden, wenn auch nur eine Fingerspitze hinüber- ^uflsprete « vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich. loht oomeber Lokales und UrovinsieUes. Gießen, den 20. November. *♦ GeschichtSkalenver. (Nachdruck verboten.) Vor 297 Jahren, am 20. November 1602, wurde in Magdeburg der Physiker OUo v. Guericke geboren, der Erfinder der Lufipump--, Lustwage, der Wassermannchen und Elektrisiermaschine. Bekannt sind auch die Guericke'schen Ha'bkugeln, die, luftleer gemacht, bud) die Schwierigkeit deS Vonetnanderreitzens die Stärke des Luftdruckes beweisen. G. starb am 11. Mai 1686 in Hamburg. — Vor 88 Jahren, am 21 November 1811, endete durch Selbstmord am Ufer des WannseeS bei Potsdam der Dichter Heinrich Kleist. In den weitesten Kreisen wurde er durch sein Nttter- schauspiel „Das Kälchen von Heilbronn" bekannt. Eine echt vaterländische Gesinnung offenbart er in seinem Schauspiel „Die Hermannsschlacht". Als Prosaist bewährte er sich in der Erzählung „M.chael Kohlhas". K. wurde am 18. Oktober 1777 zu Frankfurt a. d. O. geboren. ** Verleihungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog haben geruht, dem Feldbereinigungs-Kommissär für die Provinz Oberhessen, Kreisamtmann Karl Süffert zu Friedberg, den Charakter als Regierungsrat zum 1. Dezember l. I. zu erteilen und dem Bürgermeister Konrad Brücke! V. zu Lang-Göns das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift : „Für langjähige treue Dienste" am Bande des Philipps-Ordens zu verleihen. •• Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Groß, herzoglichen Ministeriums der Justiz wurde der Gerichtsassessor Brehm in Mainz mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Staatsanwalts am Landgericht der Provinz Rheinhessen und der Gerichtsassessor Bechtold in Mainz mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsanwalts bei dem Amtsgericht Mainz beauftragt. •* Militärdienst Nachrichten. Noack, DwisionSpfarrer der Großherzogl. Hess. (25.) Division in Darmstadt, zur 22. Div. behufs Wahrnehmung der Geschäfte als Militär- Oberpfarrer nach Kassel zum 15. November d. I. versetzt. Neudörffer, Divisionspfarrer von der 36. Division in Danzig, zur Großh. Hess. (25.) Division nach Darmstadt zum 1. Dezember d. I. versetzt. ** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Schuhmacher Konrad Braun aus Köln Riehl wegen Körperverletzung vom Großh. Amtsanwalt zu Bingen; Viehwärter Johann Heierle aus Gais wegen Körperverletzung, Reisender Sigmund Oskar Stein aus Offenburg wegen Betrugs, Former Karl Seise aus Kaiserslautern wegen Körperverletzung und Dienstmagd Marie Dirigo aus Stettin wegen 'Betrugs, sämtlich vom Großh. Amtsanwalt zu Worms; Schneidermeister Konrad Horn aus Offenbach und Schuhmacher Johann Adolph Correckt aus Krähwinkel, beide wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Offenbach; Dienstmagd Philippine Koch aus Kaiserslautern wegen Unterschlagung, Reisender Jakob Schuster aus Mainz wegen Betrugs und Schiffer Hermann Morell aus Roth wegen Sachbeschädigung, sämtlich vom Großh. Amtsanwalt zu Mainz; Steinhauer Wilhelm Lagmotte aus Alsenz und Margaretha Schott aus Hintersteinau, beide wegen schweren Diebstahls von Großh. Staatsanwaltschaft Mainz; Buchdruckereigehilfe Karl Reiß aus Frank« fnrt a. M. wegen Körperverletzung und Metzger Friedrich Wilhelm Affemann aus Erbach i. O. wegen Bettelns, beide vom Großh. Amtsanwalt zu Groß Umstadt; Bergmann Peter Schläppi aus Lenk in der Schweiz wegen Hausfriedensbruchs vom Großh. Amtsgericht Hungen; Anna Spyhalowiz aus Posen wegen Diebstahls und Unter- schlagung von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Dienstknecht Konrad Bocke! aus Balken und Arbeiter Philipp Wohnsiedler aus Eisenberg, beide wegen Diebstahls vom Großh. Amtsanwalt zu Mainz; Fuhrmann Franz Groß aus Waldersweiher, Taglöhner Philipp Kr au s aus Mainz, Schmied Johann Emil Ludwig Schuler aus Idstein und Agent Heinrich Lach mann aus Roßdorf, sämtlich wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Mainz; Dienstknecht Karl Stabe! aus Ossenheim, Dienstknecht Daniel Michel aus Mauchenheim, Friedrich Emil Hartung aus Gungelstadt, Dienstknecht Hermann Wey aus Gungelstadt und Schneidergeselle Friedrich Karl Klamm aus Neuhofen, sämtlich wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Alzey. ** Offiziös wird in der „D. Z." mitgeteilt: Die im „Regierungsblatt Nr. 56" von gestern (15. November) veröffentlichte Verordnung, die Zustellungen und Behändigungen betr., vom 12. November 1899, enthält eine für die zukünftigen Dienst- und Einkommensverhältnisse der Gerichtsvollzieher wichtige Bestimmung. Bisher ist ein großer Teil der Zustellungen, welche von Amtswegen bei m wt« 4"* frhfieint täglich mi: Ausnahme de- MsntagS. Die Gießener Alamilleuv lälte r »erden dem Anzeiger »öchenttich viermal beigelegt. 1 Tier form. I von 20 Kl. an. i von 2 Mk. an. «1 Herrenpelze. haratureu. 8iw J\/,Schildergasse_78-— 5gtuffl Hessen: Steindrucke«/. Mf«» 12 gilbenentt -»Men" Ls» « gereicht würde", so streitet die Geschmacklosigkeit mit der Unaufrichtigkeit um den Preis. Wenn aber der Besuch der Königin von Holland in Berlin und die Sendung des Prinzen Albrecht an den jungen Königsknaben von Spanien und gar „das Bedürfnis des Kronprinzen von Schweden, am Kaiserlichen Hofe vorzusprechen", als gewaltige, politische Stimmen, als „Stein auf Stein an dem Riesenbau" bezeichnet werden, den „unser Kaiser mit fester Hand aufführt", so liegt in solchen Versuchen, das Unbedeutende als wichtig hinzustellen, auch die offensichtliche Absicht, dasVolk über wahrhaft ernste Fragen hinwegzutäuschen, eS blindzumachengegenseinewirklichenJnteressen, ihm Flitter und Tand statt echter Steine zu geben. Und in der That fand man überall dort, wo diese Gepflogenheiten zur holden Gewohnheit wurden, nicht ein Wort der ernsten Warnung, der Sorge, daß die Kaiserfahrt nach England schädigend zurückwirken könne auf die Stellung Deutschlands im internationalen Leben, und mit billigem Spott überschüttet man alle, die nicht mit begeisterten Hymnen ein Unternehmen preisen, dessen Erfolg im besten Falle nur darin bestehen kann, daß nichts besprochen, nichts abgeschlossen, nichts an dem Bestehenden geändert wird. (Vgl. Deutsch. Reich.) Es giebt eben kein Ding zwischen Himmel und Erde, das so widersinnig wäre, daß es nicht von lohnbegierigen Federn verteidigt und am letzten Ende sogar als der Weisheit höchster Schluß gepriesen würde. Vor wenigen Tagen, als gemeldet wurde, daß auch Graf Murawjeff mit dem Zaren zugleich in Potsdam eintreffen werde, da wurde in demselben Atem verkündet, jetzt sei es klar, welch tiefe politische Bedeutung dem russischen Besuch beizumessen sei, und alle Weltgegenden hallten wieder von Andeutungen über staunenswerte Erfolge, die einmal erreicht würden. Wenn aber unser Murawjeff, Graf Bülow, nach London geht, so ist dies „erst recht" ein Zeichen dafür, daß die Kaiserfahrt nur eine harmlose Vetternreise sei, und wer daran zweifelt, wird ein Thor gescholten. Und während die Aufmerksamkeit der Nation gespannt gerichtet ist auf die Ereignisse des Welttheaters, tagt der Reichstag geruhig und still in Wallots prunkhastem Bau, und die Hallen tönen wieder von gewichtigen Reden über Postvorlage und Telephongebühren. Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und wenn man einst das Tagen der Parlamente ernst verfolgte, so ist man heute schon müde, wenn sie zusammentreten, nicht das Volk allein, sondern auch seine Erwählten. Und trotz der Freifahrtkarten folgen nur wenige Dutzend dem Lockruf des Grafen Ballestrem. Stimmungsbild aus dem Hteichstage. (Nachdruck verboten.) vd. Berlin, 18. November 1899. Oede und leer sah es heute in dem prächtigen Reichshause am Königsplatz aus. Die auswärtigen Abgeordneten hatten wohl bei der gerade nicht sehr bedeutungsvollen Tagesordnung den heutigen Tag meistens zur Heimreise benutzt, und nur ein kleines Häuslein war zurückgeblieben. Als Nachtrag zu dem gestern erledigten Postgesetz wurden heute noch 5 Resolutionen fast einstimmig angenommen, fromme Wünsche, die sich auf die Regelung des Zeitungsbestellgeldes und der Zeitungsüberweisungen, ferner auf Portoermäßigung für Geschäftspapiere und auf billige Entschädigung der kleineren Privatpostanstalten bezogen, und denen gegenüber Herr v. Podbielski freundliches Entgegenkommen verhieß. Die neue Fernsprechgebührenordnung, deren 2. Lesung daran folgte, wurde verhältnismäßig schnell erledigt. Auf die in der ursprünglichen Regierungsvorlage enthalten gewesene Grund- und Gesprächsgebühr wurde gar nicht mehr zurückgegriffen, sondern die von der Kommission beschlossene abgestufte Bauschgebühr gutgeheißen. Danach beträgt die Jahresgebühr bei Netzen von nicht über 50 Teilnehmeranschlüssen 80 Mk. und steigt bei über 50 bezw. 100, 200, 500, 1000, 5000 und 20 000 Teilnehmeranschlüssen auf 100, bezw. 120, 140, 150, 160, 170 und 180 Mk. Es ergibt sich also für die kleineren Ortschaften eine sehr bedeutende Verbilligung, die wohl geeignet ist, neue Netze entstehen zu lassen. Die Angeschloffenen der großen und auch noch der bedeutenderen mittleren Städte werden dagegen etwas mehr zahlen muffen als bisher. Abg. Müller-Sagan (frs. Vp.) bemühte sich zwar, die Sätze auf 50 bis 150 Mk. herabzudrücken, fand aber dabei heftigen Widerstand seitens des Staatssekretärs, der einen Ausfall von 8 Millionen davon befürchtet, und Unterstützung nur bei seinen weiteren Parteifreunden und den Sozialdemokraten. Interessant war es, daß Herr v. Podbielski sich auf Amerika und England, wo die Gebühren viel höher, und Dr. Müller auf Skandinavien, wo sie viel niedriger seien, berief. Für die Klassifizierung der Orte ist nach dem neuen Gesetz die Zahl der Anschlüsse zu Anfang des Jahres maßgebend. Stellt sich dabei eine Erhöhung der Gebühr als notwendig heraus, so tritt diese am 1. April ein, doch haben die Angeschloffenen dann das Recht der einmonatigen Kündigung znm 1. April. Abg. Gamp verzichtet auf einen Versuch, noch besondere Vorteile für das platte Land heravszuschlagen, nachdem vom Regierungstische entgegenkommende Zusicherungen gemacht worden waren. Am Montag beginnt die 2. Beratung der Zuchthausvorlage, die wohl die ganze Woche beherrschen wird. billig M dks W (k( ______8156 »Itheis tstrch 3. °eruö Obi- u0lO a> zu erfolgen haben, durch die Gerichtsvollzieher bewirkt worden; aus dieser Amtslhätigkeit erwuchs ihnen eine namhafte Einnahme. Nach den Bestimmungen der Novelle zur Zivilprozeßordnung vom 17. Mai 1898 sind vom 1. Januar 1900 an die Zustellungen von Amtswegen in der Weise vorzunehmen, daß der Gerichtsschreiber das zu- zustellende Schriftstück in einem durch das Gerichtssiegel verschlossenen, mit der Adresse der Person, an welche zugestellt werden soll, versehenen und mit einer Geschäftsnummer bezeichneten Briefumschlag einem Gerichtsd.ener oder der Post zur Zustellung übergiebt. Aus dieser veränderten Einrichtung könnte für die Gerichtsvollzieher ein erheblicher Ausfall an Einnahmen entstehen. Um diesen Ausfall, der insbesondere von den Gerichtsvollziehern in kleineren ländlichen Bezirken schwer empfunden worden wäre, zu verhüten oder doch auf ein erträgliches Maß zu mindern, hat die Großh. Regierung auf Grund des Vorbehalts im Artikel 28 des Gesetzes, die Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes betr., vom 3. September 1878, die den Gerichtsdienern bei Zustellungen von Amtswegen zukommenden Verrichtungen im § 2 der Verordnung vom 12. November den Gerichtsvollziehern übertragen. Dadurch wird insofern nichts neues geschaffen, als bereits die §§ 12 bis 15 der Gerichtsvollzieherordnung vom 21. Mai 1879 bestimmen, daß Gerichtsvollziehern Zustellungen, für welche einfachere Formen des Nachweises der Zustellung vorgeschrieben sind, und sonstige ihrer dienstlichen Stellung entsprechende Verrichtungen übertragen werden können; solche Verrichtungen sind auch bisher schon den Gerichtsvollziehern zugewiesen worden, wie z. B. in Städten die Wahrnehmung des inneren Dienstes bei Schöffengerichtssitzungen und in kleineren Amtsgerichtsbezirken die einfachen Zustellungen und Behändigungen. Die Uebertragung der Zustellungen von Amtswegen auf die Gerichtsvollzieher liegt aber auch im dienstlichen Interesse; denn die vereinfachte Zustellung im Sinne der §§ 208 bis 213 der Zivilprozeßordnung ist keine formlose Uebergabe eines Schriftstücks, sondern sie ist an Förmlichkeiten geknüpft und es wird die Aufnahme einer Zustellungsurkunde verlangt, welche in der Hauptsache das zu enthalten hat, was die Urkunde über eine auf Betreiben der Partei erfolgte Zustellung enthalten muß. Es kommt hinzu, daß auch bei der Zustellung von Amtswegen die Vorschriften über die Ersatzzustellung zu beobachten sind, die eine genaue Kenntnis der betr. gesetzlichen und instruk- tionellen Bestimmungen besitzen. Da dies bei den Gerichtsvollziehern, infolge der größeren Rechtskenntnisse, die sie sich durch ihre Vorbildung erwerben, in höherem Maße zutrifft, als bei den Gerichtsdienern, so wird eine größere Sicherheit dafür geschaffen, daß die Zustellungen von Arnts- wegen vorschriftsmäßig zur Ausführung gelangen. Die Zustellungen von Amtswegen erhalten vom 1. Januar 1900 an insofern noch eine besondere Bedeutung, als nach dem Reichsgesetz über die Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit die Bekanntmachung gerichtlicher Verfügungen, wenn mit ihr der Lauf einer Frist beginnt, durch Zustellung nach den für die Zustellung von Amtswegen geltenden Vorschriften der Zivilprozeßordnung zu erfolgen hat. Durch die Uebertragung der wichtigen Zustellungen in Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit auf die Gerichtsvollzieher werden nicht nur etwaige Einbußen in anderen Zweigen des Gerichtsvollziehcrdienstes, welche die neue Gesetzgebung mit sich bringt, z. B. durch Erweiterung des Kreises der unpfändbaren Sachen, in wünschenswerter Weise einigermaßen ausgeglichen, sondern es werden auch auf jenem Gebiete der Rechtspflege die Garantien geboten, mit denen die Zivilprozeßordnung für die streitige Gerichtsbarkeit das Zustellungswesen im allgemeinen umgiebt. Holzheim, 18. November. Die Einwohner unserer Gemeinde wurden seit länger als acht Tagen infolge zweier Einbrüche in große Aufregung versetzt. Dieselbe erreichte aber am Donnerstag ihren Höhepunkt, als es bekannt wurde, daß bei hellem Tag in der Wohnung des Herrn Peter Jung X. eingebrochen worden sei. Als nämlich die Tochter des Herrn Jung am genannten Tag aus dem Feld nach Hause kam, fand sie die Hausthür, obschon sämtliche Hausbewohner im Feld waren, offen stehen. In der Wohnstube war ebenfalls am Tisch die Schublade geöffnet; auch im zweien Stock, wohin sie sich begab, war nicht alles in Ordnung, so daß es derselben ganz unheimlich zu Mut wurde. Auch vermeinte sie, als sie wieder unten angelangt war, ein Geräusch oben zu hören; sie eilte deshalb vor das Thor, um das Haus besser beobachten zu können. Auf einmal wird ein Fenster im zweiten Stock geöffnet, ein Mann wird sichtbar, schwingt sich auf das Fensterbrett und springt auf den unten befindlichen Dunghaufen und verschwindet durch den Garten ins Freie. Sie machte Lärm, infolge dessen eine Anzahl Leute herbeieilten, die den Spitzbuben verfolgten. Derselbe hatte seinen Weg in das freie Feld genommen und es entwickelte sich eine wahre Hetzjagd, an der immer mehr Leute, die im Feld beschäftigt waren, teilnahmen; ein Mann spannte sogar sein Pferd aus, schwang sich auf dasselbe und jagte ebenfalls dem Ausreißer nach. Der Verfolgte, welcher cinsah, daß er nicht entweichen konnte, gab den Widerstand auf und ergab sich. Der Einbrecher entpuppte sich als der bis vor kurzem anderthalb Jahre hier dienende Knecht Heinrich Renke, welcher damals erst aus der Zellenstrafanstalt zu Butzbach entlassen worden war, woselbst er eine Strafe wegen Einbruchs zu verbüßen hatte. Er hatte eine große Summe Geldes bei sich, war ihm doch bei dem letzten Einbruch außer anderen Sachen auch 252 Mk. bares Geld in die Hände gefallen. Der nun Gefangene wurde im Triumph in das Dorf geführt, wo alles zusammenlief, um denselben zu sehen. Er wurde alsbald an das Amtsgericht in Butzbach abgeliefert. Wie dreist derselbe sich bei seinen Einbrüchen benommen hat, geht daraus hervor, daß er, ehe er ans Werk ging, sich erst satt gegessen hat, bei dem einen Einbruch hat er sogar längere Zeit Licht gebrannt, wie die Nachtwächter beobachtet haben wollen. Der Dieb wird nun seinen Lohn empfangen und unsere Gemeinde von ihrem drückenden Alp befreit. W. B. △ Klein - Welzheim bei Seligenstadt, 19. November. Ein schwerer Schiffs Unfall ereignete sich vorgestern abend auf dem Mainstrome in der Nähe des „Schleifbaches". Die zu Thal fahrenden Schiffer Brand, Faulenbach und Zöller aus Reistenhausen wollten sich auf einem mit behauenen Steinen beladenen Fahrzeuge einem ihnen auf der Bergfahrt begegnenden Schleppzuge nähern. Sie gerieten dabei mit dem Zuge in Kollision, so daß das Fahrzeug in den Grund gebohrt wurde. Während sich Brand auf den Schleppzug zu retten vermochte, stürzte Zöller in den Strom und geriet unter den Zug. Nur mit äußerster Anstrengung gelang nichtsdestoweniger die Bergung des verzweifelt mit den Wellen Kämpfenden. Bis jetzt forschte man vergebens nach dem gesunkenen Fahrzeuge. A Zellhausen bei Seligenstadt, 19. November. Der am Schleusenbau bei Oberrad beschäftigte Arbeiter Konrad Venuleth von hier verunglückte gestern bei der Arbeit infolge Ausgleitens. Er wurde in einer Chaise seinen hiesigen Angehörigen zugeführt. Der Arzt konstatierte bedeutende Verletzungen, insbesondere einen zweifachen schweren Bruch des rechten Unterarmes. 4- Mainz, 19. November. Zur Bischofswahl. Das „Mainzer Journal" dementiert in aller Form die von der „Franks. Ztg." aus Darmstadt gebrachte Mitteilung bezüglich zweier Personen, welche für den Mainzer bischöflicher Stuhl in Aussicht genommen seien. Das „M. I." bezeichnet die Mitteilung als eine freie Erfindung des betreffenden Korrespondenten der „Franks. Ztg." — Mainz, 19. November. Infolge der bei der letzten Aufstellung des hessischen Staatsbudgets beschlossenen Erhöhung der staatlichen Hundesteuer von 5 Mk. auf 10 Mk., hat der städtische Finanzausschuß auf Antrag der Bürgermeisterei den Beschluß gefaßt, auch die kommunale Hundebesteuerung hier gemäß dem den Städten zustehenden Rechte auf 10 Mk. zu erhöhen. In Mainz werden gegenwärtig 2766 besteuert, was bei der erhöhten Steuer eine jährliche Mehreinnahme von 13830 Mk. geben würde, wenn nicht zu erwarten wäre, daß infolge der Steuererhöhung mancher seine Hundeliebhaberei aufgiebt. — Die hiesige Handelskammer hat sich bezüglich der Errichtung von Handwerkerkammern im Großherzogtum Hessen in ihrer letzten Sitzung einer von dem hessischen Handwerkertag gefaßten Resolution angeschlossen, welche die Errichtung von je einer Handwerkerkammer für jede der drei Provinzen befürwortet. Die Handelskammer ist dabei von der Erwägung ausgegangen, daß es in Anbetracht der Verschiedenartigkeit der Verhältnisse in den drei Provinzen unzweckmäßig wäre, nur eine Handwerkerkammer zu errichten. Mainz, 19. November. Vermögen der Stadt. Im Jahre 1883 betrug das Immobilien-Inventar nach der Abschätzung an Gebäuden 7 804817 Mk., an Grundstücken 2518299 Mk., zusammen 10323116 Mk. Nach einer späteren Abschätzung, bei welcher noch der Hafen hinzukam, an Gebäuden 11918466 Mk., Grundstücken 2760476Mk., Hafen 5532 883 Mk., zusammen 20211825 Mk. Nach der neuesten Abschätzung beträgt das Immobilien-Inventar an Gebäuden 16024416 Mk., an Grundstücken 7 185264.20 Mark und an Bahnanlagen 406000 Mk., zusammen 23 615680.20 Mk. — Die jüngst erfolgte Untersuchung des baulichen Zustandes des „eisernen Turmes" durch das Stadtbauamt und Mitglieder des Bauausschusses hat ergeben, daß sich der Turm in seinem Innern wie in seinem Aeußern in Wirklichkeit in sehr defektem Zustand befindet. Die Wahrnehmung, die viele Personen von der Straße aus glauben gemacht zu haben, daß der Turm nach einer Seite eine merkliche Senkung erfahren, ist thatsächlich richtig, und beträgt diese Senkung 57—60 Ctm. Die Neigung des Turmes ist nach der linken Seite hin, wenn man ihn vom Rhein aus betrachtet. Mit Rücksicht darauf, daß der Militär- fiskus Eigentümer des Turmes ist, hatte der städtische Bauausschuß keinen Anlaß, sich weiter mit dem Turm zu befassen, und lehnte es insbesondere ab, die notwendigen Dach reparaturen auf städtische Kosten aussühren zu lassen. O Vom Rhein, 19. November. Von Seiten der Handelskammer in Düsseldorf wurde jetzt bei den übrigen rheinischen Handelskammern angeregt, auf eine einheitliche Festsetzung der Ar b e i t s stu n d e n in sämtlichen Rheinhäfen hin- zuwirken. Die Mainzer Handelskammer hat es abgelehnt, dieses Vorgehen zu unterstützen und ist dieselbe vielmehr der Ansicht, daß die Festsetzung der Arbeitsstunden nach den verschiedenen lokalen Bedürfnissen und jeweiligen Verhältnissen sich richten müsse und deshalb eine Eiuheitlichkeit nicht wünschenswert erscheine. ** Marburg, 18. November. Eine studentische Burenkundgebung. Eine recht originelle und große Heiterkeit erregende Auffahrt veranstaltete heute mittag um 2 Uhr eine Anzahl hiesiger Studenten. Vom Bahnhof aus bewegte sich eine ganze Reihe Chaisen mit Insassen langsam durch die Stadt. In der vordersten Chaise saß ein Musikkorps, welches lustige Weisen spielte. Dann folgten Chaisen mit launigen Emblemen, die auf verschiedene Phasen des bisherigen Kampfes Bezug hatten. So sah man die Einschließung von Ladysmith, Rhodes in Kimberley, man führte sogar eins der ausgerissenen Maultiere den Marburgern vor. In einem Gefährt saß außerdem ein kriegsmäßig ausgerüsteter „Buer", in einem anderen erblickte man Ohm Paul, der gemütlich seine Tasse Kaffee trank. Der wohl gelungene Scherz erregte allenthalben Heiterkeit. (Ob. Ztg.) Kastel, 18. November. Eine für unsere Stadt hochwichtige Entscheidung ist in der vertraulichen Sitzung der Stadtverordneten, welche sich der öffentlichen am Donnerstag abend angcschlosscn, getroffen worden. Dieselbe sprach die Pensionierung des seit bald einem Jahre schwer erkrankten Herrn OberbürgermeistersWesterburg aus, welche von dem Magistrat beantragt und auf gütlichem Wege herbeigeführt worden war. Herr Westerburg hatte 1892 sein Amt übernommen und die von ihm mit seltener Energie entfaltete Wirksamkeit verdient als eine denkwürdige bezeichnet zu werden. Zu danken ist dem Herrn Oberbürgermeister eine Reform des städtischen Finanzwesens, die Schaffung des neuen Elektrizitätswerkes und der Verträge mit der Kasseler Straßenbahngesellschaft wegen der Betriebskonzession und der Stromabnahme aus dem städtischen Werke, die Reorganisation des Feuerlöschwesens, die Herstellung dcr Kanalisationsbauten, die Eingemeindung Wehlheidens rc. Sein rühriger Geist beschäftigte sich in der letzten Zeit seiner vielumfassenden Thätigkeit sehr mit den Durchbruchsplänen für die Altstadt, deren Zukunft er in richtiger Erkenntnis so gedeihlich als möglich zu gestalten suchte. Auch den Verkehr auf der schiffbar gemachtem Fulda strebte er stets zu vergrößern, indem er sich lebhaft für die Kanalisierung der Weser interessierte. Den hessischen Städtetag hatte er schaffen helfen und leitete dessen Verhandlungen als Vorsitzender. Es tritt nun die Frage der Wahl eines neuen obersten Leiters der städtischen Verwaltung an die maßgebenden Stellen heran, zu deren Verhandlung wohl zunächst wahr- scheinlich eine aus Mitgliedern des Magistrats und der Stadtverordneten Versammlung bestehende Kommission ernannt werden dürfte. Die Pension des Herrn Oberbürgermeisters beläuft sich auf 10000 Mark. Bis zum Ablauf der Wahlperiode, bis zum 15. Februar 1901, sind jedoch, wie in der vorgestrigen Sitzung beschlossen wurde, dem Herrn Oberbürgermeister die bisherigen Bezüge zu belassen. Hanau, 18. November. Goldene Medaille. Auf der z. Zt. in München stattfindenden Spezial-Ausstellung für Küchen-, Keller-, Hans-, Brauerei- und Wirtschaftswesen wurde der Hof-Bierbrauerei Hanau, Akt.-Ges. vorm. G. Koch für ausgestelltes Kanzlerbräu" ein Ehren- Diplom und goldene Medaille zuerkannt. Der Brand des deutschen Dampfers Patria. London, 17. November. Die englische Presse ist einstimmig in ihrem Lobe über die Ordnung und Disziplin, welche an Bord des brennenden Hamburger Dampfers „Patria" herrschte, während die Passagiere gerettet wurden. Die sämtlichen geretteten und in Dover gelandeten Personen, 153 an der Zahl, waren Passagiere, mit Ausnahme eines Mannes, der zur Mannschaft gehörte und aussagte, daß die an Bord zurückgebliebene Mannschaft sich auf 150 bis 170 Mann belief. Unter den Passagieren befanden sich der deutsche Konsul in Portorico, L. Duplace, der in Begleitung seiner Gattin nach Deutschland reifte. Man hatte große Mühe, denselben vom brennenden Dampfer in ein Boot hinabzulassen. Man mußte ihn in einen Krankenstuhl setzen und ihn darin hinablassen. Der Schrecken hatte eine so starke Wirkung auf ihn ausgeübt, daß er in sehr schlechtem Befinden in Dover ankam. Dort starb er am Abend in einem Hotel. Die Passagiere kamen in sehr trauriger Verfassung in Dover an. Die Kajütenpassagiere hatten sämtlich ihr Gepäck verloren. Einige der Passagiere waren ohne Röcke, andere ohne Hüte, und eine alte Dame hatte keine Schuhe. 18 Stunden lang waren die Passagiere ohne Nahrung gewesen, und da sie mitten in dcr Nacht in Dover landeten, hatte man Mühe, ihnen gleich Nahrung und Erfrischungen zu verschaffen. Der Geistliche I. Martin, welcher der Sekretär des Seemannsheims ist, scheint sich der Schiffbrüchigen sehr angenommen zu haben. Bäcker und Fleischer mußten geweckt werden und so wurde es möglich, die Schiffbrüchigen erst mit warmem Kaffee und dann mit Fleischnahrung zu versehen. Die Agenten dcr Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Gesellschaft, George Hammond u. Co. thaten alles mögliche, um die Leiden der Passagiere zu lindern, und ebenso auch der deutjche Konsul N Schott. Unter den Passagieren befand sich ein Student der New-JerseyUmversität, welcher studienhalber nach Deutschland reiste. Dieser teilte mit, daß die Passagiere am Mittwochmorgen um 9 Uhr geweckt wurden und erfuhren, daß vom Maschinenraum her Rauch auffteige. Man hoffte noch immer, das Feuer werde nicht ernst sein und das Schiff könne Hamburg erreichen. Um 9 Uhr war es aber klar, daß das Feuer schnell um sich griff, und der Rauch stieg in dicken Wolken auf. Das Feuer schien in der Mitte des Schiffes entstanden zu sein und sich nach dem vorderen Teil auszubreiten. Man konnte die Flammen aus dem Schiffsraum aufsteigen sehen, und das eiserne Verdeck und die Seiten des Schiffes wurden intensiv heiß. Ein Herr Hugo Lachenicht aus SanFrancisco sagte, er habe nie bravere Leute gesehen, als die Mannschaft des Schiffes. Kapitän Fröhlich verdiene den wärmsten Dank der Passagiere. „Während der schweren Zeit, die wir zwei bis drei Stunden lang zu durchleben hatten, verließ er die Brücke nie, und er und seine Offiziere bemühten sich, den Mut der Passagiere zu heben. Mitten in der Bewegung hörte ich, wie er nach einer Pfeife rief, da der Weg zu feiner Kabine wegen der Flammen und des Rauches nicht passierbar war. Als ich den Kapitän zuletzt sah, stand er auf der Brücke ganz in Rauch eingehüllt, in dicken schwarzen Wolken rollte der Rauch über das Schiff dahin, und der Rauch war stark genug, uns zu ersticken. Man sagte uns, wir thäten gut, das Schiff zu verlassen, und um elf Uhr ließ man die Boote hinab. Niemand durfte ohne Erlaubnis des Kapitäns oder der Offiziere in die Boote. Der Kapitän gab den Befehl „Frauen und Kinder zuerst" und dieser Befehl wurde buchstäblich befolgt. Niemand machte einen Versuch, dem Befehle entgegen zu handeln. Infolge dieses Befehles gab es einige sehr rührende Szenen, als Männer sich von ihren Frauen und Kindern trennten und Abschied nahmen. * Gerichtssaal. Dortmund, 18. November. Die Kontrole bezüglich des Verbleibs der Sprengstoffe, namentlich des Dynamits, ist im Oberberg- amtsbezirke Dortmund durchaus wirksam, wie nachstehender Fall beweist: In Aplerbeck wurde vor einiger Zeit in einem Stallanbaue von Knaben eine Cigarrenschacbtel mit länglich runden, in Papier gewickelte Röllchen gefunden, die die Jungen erst für Käsestangen hielten; sie hatten beinahe Lust, die seltene Speise zu versuchen, wurden aber von ihrem Vorhaben nur abgehallen, weil ein anderer die Röllchen als Rattenwürste bezeichnete. In Wirklichkeit waren es Dynamitpatronen; auf den« Boden der Schachtel lag noch eine Anzahl Zündkapseln Der Fund wurde der Polizei und Staatsanwaltschaft angezeigt; diese ersuchte dann das Oberbergamt. zur Ermittlung desjenigen beizutragen, der die Patronen beiseite gebracht habe Rach kurzer Zeit schon hatte das Oberbergamt festgestellt, daß die Patronen einer Kiste Dynamit entstammten, die am 17. Februar 1897, also vor 2*/r Jahren, auf Zeche Schürbank und Charlottenburg unter eine Anzahl Bergleute verteilt worden war. Die Namen der Leute konnten sofort festgestellt werden, unter ihnen befand sich auch der Bergmann Körner, der bis kurz vor dem Tage, an dem die Patronen gefunden wurden, in dem Hause gewohnt hatte, an das der erwähnte Stallanbau stößt. Der Verdacht, die Patronen auf der Zeche unterschlagen und mit nach Hause genominen zu haben, richtete sich deshalb bald gegen Körner. Die Strafkammer verurteilte ihn heute wegen Unterschlagung und Vergehens gegen das Dynamitgesetz zu einem Jahr Gefängnis. Bochum, 18. November. Mit einer entsetzlich rohen That beschäftigte sich die hiesige Strafkammer. Angeklagt war die Bergarbeiterfrau Lindner aus Stiepel, welche wegen ihrer vierjährigen Stieftochter mit ihrem Manne so sehr sich entzweit hatte, daß dieser sich mit dem Gedanken beschäftigte, das Kind bei Verwandten unterzubringen. Am Vorabend des 26. September war es wieder zwischen den Leuten zu Auseinandersetzungen gekommen, und als am Morgen des 26. September Lindner zur Arbeit gegangen war, gebot die Mutter dem Stief- tir.be, aufzustehen, während sie ihre eigenen Kinder noch ruhig schlafen Ehre" schloß die würdig verlaufene Feier. Verschiedenes r In den Lehrkörper der Universität Jena ist als Privatdozent Dr. H. Matthes aus Eisenach in der philosophischen Fakultät für das Fach der Pharmacie und Nahrungsmittel-Chemie eingetreten. — In den Lehrkörper der philosphischen Fakultät zu Berlin tritt Dr. E. Aschkinaß für das Fach der Physik ein. — Der Ingenieur W. Kübler in Berlin, gerichtlicher Sachverständiger für Elektrotechnik und Jngennur bei Siemens und Halske, nahm zum Herbst nächsten Jahres einen Ruf als außerordentlicher Profeffor an die technische Hochschule zu Dresden an. — In Greifswald feierte dieser Tage der Gynäkologe Prof. Dr. Pernica, in München der Anatom Profeffor Dr. v. Kupfer den 70. Geburtstag. — Der, wie schon mitgeteilt, in Meran im Alter von 52 Jahren verstorbene Profeffor F Tiemann, ein Schwager des berühmten Chemikers A. W. v. Hofmann und Schwiegersohn Kuno Fischers, hat sich einen besonderen Namen durch die Erforschung der künstlichen Riechstoffe gemacht. Er stellte zuerst das Vanillin dar und später mit Krüger zusammen auch das Janon, den Riechstoff der Veilchenmurzeln. Jede sorgsame Mutter sollte auf den Rat des Arztes hören und beim Waschen der Kinder die ärztlich empfohlene Patent-Myrrholin-Seife anwenden. So schreibt z. B. ein bekannter Arzt: „Bei meinem Kindchen (z. Z. Va Jahr alt) wegen oberflächlicher Hautschrunden rc. zu Waschungen in Gebrauch genommen, hat sich großartig bewährt." Die Patent- Myrrholin-Seife, welche überall, auch in den Apotheken, erhältlich, ist bereits in vielen Familien unentbehrlich gewordcn. 756 Vermischtes. * Herne, 18. November. Bei einem italienischen Berg- manne beschlagnahmte die Polizei für 20000 Mk. geftohlene Goldsachen. Die Diebe sind flüchtig. " Elberfeld, 18. November. Wie wir berichteten, hat sich der Verdacht gegen den in Bonn verhafteten Holzbildhauer Nonn aus Mainz, der Mörder der vor Jahren in Berlin ermordeten Elise Günther zu fein, nicht bestätigt. Nonn weilt gegenwärtig wieder in Elberfeld, wo er durch List nach Bonn gelockt und dort verhaftet wurde. Er hat hier seine Leidensgeschichte ausführlich erzählt und gebeten, sie der Oeffentlichkeit zu übergeben, damit auch die Nachricht von feiner Schuldlosigkeit überall bekannt und sein Ruf wieder hergestellt werde. Die „Rhein.-Westf. Ztg." berichtet darüber: Der Logik einer Frauensperson hat er es zu verdanken, daß er in aller Welt als Mörder gebrandmarkt wurde. In einer Familie in Bonn, in der er verkehrte, kam eines Tages das Gespräch auf jene Mordthat, und Nonn, der die Mordgeschichte aus Zeitungsberichten genau kannte, beteiligte sich lebhaft an der Unterhaltung. Das fiel einem jungen Mädchen (b. h. einer dummen Gans) ber Familie auf, dasselbe rief erstaunt aus: „Jesses! Nonn weiß so genau Bescheid, als ob er dabei gewesen wäre." Bald darauf gab Nonn seine Stelle in Bonn auf, weil er von feinem Meister daselbst kein Geld bekommen konnte, und nahm deshalb hier in Elberfeld Arbeit an. Sofort hieß es, er habe feinen Lohn für dreiwöchige Arbeit in Bonn im Stich gelassen und sei ’föt» jjij.'«N. ttlti S Hu" ,r «en,6 den Twc y? htr 'n chign A^ « Ich, fttebte bt.en$,r’ 8 mb b , «“• Vi zu« £ w*,1?1' *i"b iM .Wojftn teurb, ,tnt Meduilli, auf unb ^NWltoeftn '$««««, «tt..®ef, Kanzlerbräu" ein Ehrenkannt. Die Mehrzahl der Passagiere an Bord waren Deutsche, I welche zum Weihnachtsfeste nach Deutschland fuhren." Ein anderer Passagier Namens Ernst Munk aus I N e w - A ork erzählt: „Viele von uns versuchten, ihre Koffer I und anderen Habseligkeiten zu bekommen, aber es war un- I möglich wegen der Masse des NaucheS, der jeden Teil des I Schiffes anfüöie und wegen der furchtbaren Hitze. Die I „Patria" war ein sehr schönes Schiff und hatte eine aü- I gemeine Güterladung an Bord, worunter sich eine große I Masse Wachs und Leinsamen befand, und das erklärt, I warum das Feuer so schnell um sich griff. Einige Leute I der Mannschaft sagten, bereits 24 Stunden vor Ausbruch I des Feuers hätten die Offiziere den Verdacht geschöpft, daß I im Schiffsräume Feuer sei, man habe aber den Passagieren I nichts gesagt, da der Kapitän hoffte, nach Hamburg zu kommens ehe das Feuer ernste Dimensionen annehme. Die „Patria" hatte 16 sehr wertvolle Rennpferde an Bord, welche sich im vorderen Teile des Schiffes befanden, und diese wurden alle erstickt oder verbrannt. Es waren prächtige Pferde, und jedermann an Bord bedauerte, daß nichts gethan werden konnte, um sie zu retten". Ein anderer Kajütenpassagier, Herr Bramm aus New-Jork sagt aus: „Es waren im ganzen 18 Rettungsboote an Bord ber „Patria", von denen sieben hinabgelassen wurden. Mit Ausnahme des Bootes, in welchem ich mich befand, wurden zwei Leute ber Mannschaft in jebes Boot hinein- gesetzt, um dasselbe zu steuern und zu leiten. In unserem Boote waren 16 Passagiere, lauter Männer, und wir kamen vom Schiffe los, ehe die beiden Matrosen hineinstiegen. Der Kapitän instruierte uns, wir sollten uns von dem brennenden Dampfer entfernt halten. Wir ruderten ungefähr 1 Va Stunden und dann wurden wir von einem ! Fischerboote aus Ramsgate auf gegriffen. Das Fischerboot nahm unser leeres Boot in Schlepptau, und die Leute in dem Fischerboote behandelten uns mit einer Güte, welche wir nie vergessen werden. Sie gaben uns warmen Kaffee und thaten alles, was sie konnten, um unsere Lage zu erleichtern. Die „Patria" feuerte Kanonen ab und gab andere Notsignale, und infolgedessen erhielten wir Hilfe. Als die „Ceres" herankam, begaben wir uns in unser Boot zurück und ruderten auf sie zu. Aus Befehl des Kapitäns wurden sämtliche Boote der „Patria" hinabgelassen, damit sie nicht Feuer fangen sollten. Ein Beweis für die große Disziplin der Mannschaft ist der Umstand, daß, nachdem wir von der „CereS" gerettet waren, die Matrosen in den Booten sich absolut weigerten, mit uns zu kommen, sie sagten, es sei ihre Pflicht, zum Schiffe, auf dem der Kapitän sich befinde, zurück zu rudern, und sie thaten es auch. Kapitän Fröhlich wünschte, daß die „Ceres" mit uns nach Hamburg führe, das aber lehnte sie ab, und darum wurden wir nach Dover gebracht. Da viele der Passagiere nicht genügend bekleidet waren, gab der Kapitän des russischen Schiffes Befehl, daß so viel wie möglich ge- Ihan werde, um uns zu schützen, und er ließ ein Segel auf dem Verdeck ausbreiten, unter welchem die Passagiere Schutz finden konnten. Die „CereS" war um 12 Uhr mittags herangekommen und bis um 3 Uhr nachmittags blieb sie bei dem brennenden Schiffe. Als wir das Schiff verließen, brannte dasselbe anscheinend furchtbar, Wolken dicken Rauches rollten über das Verdeck. Der Hafenmeister von Dover, Kapitän Jron, teilte mit, am Mittwochabend zwischen halb elf und elf Uhr habe ein Bootsmann einen Maat des russischen Dampfers „Ceres" nach seiner Wohnung gebracht und ihm miigeteilt, die „Ceres" habe 150 Passagiere vom Hamburger Dampfer „Patria" gerettet, der Kapitän wünsche die Leute sofort zu landen, da er seine Fahrt nach Valentin fortsetzen wolle. Kapitän Jron ordnete darauf sofort an, daß ein Dampfboot zur „Ceres" hinausgeschickt werde und erhielt auch von der Zollbehörde gleich die Erlaubnis, die Passagiere und das wenige gerettete Gepäck sofort landen zu lassen. Er schickte auch sogleich zu Herrn William Grant, dem Vertreter des deutschen Konsuls, damit berfelbe für Unterkunft der Passagiere Vorkehrungen treffen konnte. Dann begab sich der Hafenmeister selbst an Bord des Dampfbootes und fuhr hinaus zur „Ceres" und beaufsichtigte die Einschiffung und Landung der geretteten Passagiere. (F. Z.) dampft,sPatria. 11- November. Mg in ihrem Hobt über ünBord deS brenneru 8 "Patriä" herrschte, wurden. Die sämtlichen m Personen, 153 an der znahme eines Mannes, ussagte, daß die an Bord auf 150 bis 170 Mann esanden sich der deutsche , der in Begleitung seiner Man hatte große Mühe, 'er in ein Boot hinabzu- Arankensttchl setzen und den hatte eine fo flartc x in sehr schlechtem Be» b er am Sbend in einem sehr trauriger Versassung sagiere hatten sämtlich ^er Passagiere waren ohne me alle Dame hatte keine ien die Passagiere ohne len in der Nacht in Dover i gleich Nahrung und Er- Geistliche I. Martin, nannsheims ist, schont nommen zu haben. Bäcker .erden und so wurde d mit warmem Kaffee w riehen. Die Agenten da i mögliche, um die Le den ebenso auch der deutsche ,d sich ein Student der mecker studienhalber N E 1 bet Auch W finLn inbet®'tle ^ÄmchdE""^" und llv\Ln aus dem = bi«A bWÄ »K «twß« ,r h-i- «»“«M W d-r beti £«i » tret’ 8ti1, (j,s et bie batten, bin * e bemühen * ifbet®'®' S* her Weg leM nicht pajf Arstcke 'S iin, «6 t5’‘ und vn äfesSjp geflohen. Die Bonner Polizei, die davon Wind be- I ließ. Da das Mädchen mit dem Anziehen nicht so schnell fertig werden kommen hatte, ermittelte seinen Aufenthalt in Elberfeld. konnte, wie es die Stiefmutter wünschte, griff diese das arme Wesen _. „ o_ 1 - „ 'r — Ct.uht.rpn I 6et ben Haaren und warf es aus einem Fenster des zweiten Hier erhielt er eines Tages von feinem früheren I Stockwerks auf die Straße. Das Kind hak bei dem Sturze aller- Arbeitgeber ein briefliches Angebot, wieder I dings einige Quetschungen, aber glücklicherweise keine inneren Verletzungen nach Bonn zu kommen und dort als Teilhaber I davongetragen. Mit Rücksicht auf die außerordentliche Rohheit setzte in hn« (RpfAnft einxutreten Er fuhr daraufhin ber Gerichtshof gegen die Angeklagte eine Gefängnisstrafe von in das Geschäft elnzurre en. w piw wi \ einem Jahre fest Mildernd kam in Betracht, daß dem Kinde kein wieder nach Bonn zuruck und wurde verhaftet, «ibie dauernder Schaden erwachsen sei. seinerzeit aus Bonn gemeldet wurde, war der Brief nur . ------- — eine von der Polizei erfonneneßift, um ihn nach Junütftjuflt und Hochschule. Bonn zu bekommen; einer solchen hätte es doch ober 6iä6trigc ¥riMtbose„t in b„ „h«o,°phischm nicht bedurft, man konnte, nachdem man erfahren gatte, Fakultät der Akademie zu Münster i. W., Prof. Dr. F. Josies, zum daß er sich hier aufhielt, ihn doch einfach von der hiesigen I außerordentlichen Professor in derselben Fakultät. Polizei festnehmen lassen. Aber genug, er wurde in Bonn Gießen, 18. November. Der L.ktor für französsische und eng- poiizel jegnegmen iaj tn. uuci gtuuy, lische Sprache Prof. Pichler tritt mit Ende des Semesters in den verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt. Zum I Ruhestand. Es besteht die Absicht, künftig zwei Lektoren, je einen für konnte er aus seinen Papieren nachweisen, daß er zurzeit Französisch und Englisch zu bestellen. des Mordes gar nicht in Berlin gewesen war und gewesen Darmstadt, 17. Nov. An der Darmstädter Technischen Hochschule sein konnte er wurde daher, nachdem Nachfragen bei seinen stellt sich bis heute die Frequenz für das Wintersemester 1899/,900 rote 1 ... n.ta 11 nf»rinAmin« I folgt (die Zahlen vom Sommersemester,1899 und m Klammern bergesetzt). früheren Arbeitgebern dies bestätigten, aus der Untersuchung I 13g8 ^4)3) Studierende und 114 (72) Vollhospitanten, dazu kommen haft entlassen. Ein Gefängniswärter führte ihn aus seiner 80 ^2) Besucher einzelner Vorlesungen, darunter 32 (17) Damen. Zelle heraus und ließ ihn dann stehen; niemand war ihm I Jetzige Gesamtfrequenz hiernach 1582 (1527). behilflich, seine Papiere wieder zu bekommen. Niemand I Berlin, 17. November. Gegen den Prroatdozmten Preuß 'ft r * !o ; cmnrt h.i «»hrtiurn« nhpr her rote zuverlässig verlautet, wegen der bekannten Aeußerungen in der fagte lt)m ein Wort ^bs Bedauerns oder I Stadtverordnetenversammlung, auf welche sich das Schreiben der Entschul-digung. Er tarn schließlich wieder nach Elber- Kaiserin an den Stadtverordnetenvorstehcr bezog, das Disziplinär- feit), fand seine Stelle aber anderweitig besetzt und steht nun I verfahren eingeleitet worden. völlig mittellos da. - Dieser Fall ist so kraß, daß eine d-rttn, 17 November. Die dreitägige Goethefeier der Ber- Wigung b« Betroffenen but« ben Staat doch eigen,- lich als etwas Selbstverständliches erscheinen mußte. Und Festrede, in der Goethes ewige Jugend gefeiert wurde, hielt ein Jurist, die ehrenwerte Bonner Polizei ? ? I An den Kaiser sandte man ein Huldigungstelegramm. Ein scharfer * Konstanz, 18. November. Die Thalmühle in Mißklang kam in die Feier durch die Abwesenheit der Professoren i nm 99 1 7RO hör nnprnf nmhnnift I Nur Erich Schmidt, der der prädestinierte Festredner gewesen wäre, und am Meßkirch, tn der am 22. November 1780 der Opernkomponif I Saaleingang gesehen wurde; er wollte wenigstens die Feier mitmachen. Der Conradin Kreutzer geboren wurde, ist zum Teil Nieder- studentische Ausschuß der Goethefeier hatte seinerzeit aus dem allgemeinen gebrannt. I studentischen Fonds, der von Lehrern der Universität' verwaltet wird, * München, 17. November. Mit der gestern erfolgten eine Summe von 3000 Mk zur Bestreitung der Unkosten beansprucht ; o n & h n r f st) ü h - I aber nur 1000 Mk bewilligt erhalten Nun soll die Einladung zur Wiedereröffnung der Eisenbahnstrecke Siegsdorf-Ruh- I creier mit Ausschluß derjenigen Professoren erfolgt fein, welche seinerzeit pol ding ist nun die letzte der Staatsbahnstrecken, die l im Ausschuß gegen die Mehrbewilligung gestimmt haben. Als Folge durch das Hochwasser vom September unterbrochen, I davon hat der Rektor^der Universität, Professor Fuchs, sämtliche Lehrer dem Verkehr wieder übergeben. - Nach der „Münchener der Uni°°rsilät m °m°m Schreiben °usq-f°rd°ri. sich NN der ,°n,en ™ Ct>n unh Otftnhpr fünf in einer I Feier Nicht zu beteiligen. Und die nächste Folge war, daß Erich Schmidt Post erkrankten am 30 unp -jI. Ottpber fünf in et l e 2eytJ.ebe 6ei ber ^eiet. am Goethedenkmal und ebenso seine Be- hiesigen Apotheke beschäftigte Personen infolge £er; teitigung an der Theateraufführung am nächsten Sonntag Zurückstellung von Phosphorpillen an Phosphorvergiftung, gezogen hat. Eine dieser Personen, der Ausgeher, starb am 13. No- Berlin, 19. November. $or °°mb°r. 'Man ersieht hieran., wie notwendig eine strenge X'n'VÄÄteHen £ SÄÄTM Ueberwachung und Kontrolle tn solchen Arbeitsstätten ist. vertrat G.hetmerat Elster aus dem Kultusmintfterium, der Unt- Wien, 19. November. Die hier unter dem Namen I o-rsttälssenat war durch Pcofeffor Schmoller vertreten. Ein Uitell einer Gräfin Corinski verhaftete Hochstaplerin ist mit wird nicht onöffentNcht, d- der Diszipün-rdoi in -in-m F-ll- we der in Brieg i. Schl, geborenen Erzieherin Lisbet Clebert der^Ue-°nd-F-^n Gut°ch.-n^a-rst-.tm identisch. ... I die philosophische Fakultät als erste Instanz gefällt hat. Fiume, 19. November. Seit 36 Stunden wütet hier I Berlin, 18. November. Zu der Meldung des „Berl. Tagebl.", eine furchtbare Bora. Der Verkehr in den Straßen daß ein Disziplinarverfahren gegen Dr. Preuß eingeleitet sei, ist mit Lebensgefahr verbanden.. Eimge Personen sind verletzt schEb^wüch^m worden. Der Verkehr im Hafen ist zum großen Teile ein- Ie^ter JU befallen. In dem vorliegenden Falle würde zunächst der Dekan gestellt. Die Eisenbahnzüge werden auf ihrer Fahrt auf- I der juristischen Fakultät der hiesigen Universität, Geheimrat Dr. Eck, aahalten und treffen daher mit starken Verspätungen ein. das Verfahren gegen den Privatdozenten Dr. Preuß einzuleiten haben, fnrnffrtror (^rhnppfnn I Wir haben eine Bestätrgung, daß der Dekan em Verfahren emgelertet Im Gebirge herrscht ein kolossaler ©cpneefaU. I ,6 erhalten können und halten die Nachricht des „Berl. Tagebl." Paris, 19. November. Der ans dem Vergiftung s- ;inftroeilen noch für unbegründet. — Wie der „Börs.-Kour." erfährt, Prozesse seiner Frau bekannte Bianchini hat einen I hat eine Vernehmung des Privatdozenten Dr. Preuß thatsächlich und Scheidungsprozeß gegen seine Gattin angestrengt. Er zwar bereits wenige Tage nach der Sitzungf der Stadtverordnetenver- firfl nut htp sLriirtpHnnn welche nom Sckwuraerickt sammlung am 25. Oktober stattgefunden. Allem Anscheine nach siege stützt sich auf die 45erurteuung, welcye vom «>a)wurgericyl I bie Absicht vor, es mit diesem Schritt genug fein zu lassen, der Seine tn dem Vergiftungsprozeß gegen feine Frau Berlin. Der Andrang von studierenden Frauen zur I gefällt Worben ist. I Universität ist im gegenwärtigen Winterhalbjahr ganz besonders stark. • Brüssel. 18. November. Donnerstagmorgen 7 Uhr Bis jetzt sind bereits 372 Frauen als Gastzuhörerinnen zugelassen, I r, . s' ck „,,r„ a)2novin I gegen 241 im vorigen Winter und 186 im letzten Sommer. Es ist zu I erschau in dem Hause der i6jahngen Rentnerin Gayat ”r®Qtten( bie Zahl bald auf 400 steigen wird. Die Hauptgruppe I zu Jrelles ein feingekleideter Herr und verlangte letztere 6i(ben Lehrerinnen, Vie sich zur Oberlehrerin-Prüfung vorbereiten. Die I zu sprechen. Da Fräulein Gayat noch IM Bett lag, erbat | zweitstärkste stellen Russinnen, die zwar eine abgeschlossene Mädchenschul- cr sich Papier und Tinte, um ihr einige Zeilen zu hinter bildung besitzen, aber in den Sprachen eine Lücke in ihrer Vorbildung lassen thrnnn ober bei dieser Arbeit vlöstlich auf knebelte auswelsen. Die so stark wachsende Besuchszrffor der Gastzuhorermnen | ^Nssen, sprang aver vei oiefcr aroe t plOyllcy aus, , l t in man(^en DOn ihnen bevorzugten Kollegien schon den Raum für I fesselte und chloroformierte die neben ihm stehende Haus bie männlichen Studierenden knapp gemacht. Vielleicht kommt man doch | hälterin, eine 50jährige Witwe, legte ihr ein Kissen auf den I wieder auf den früheren Vorschlag zurück, die Errichtung besonderer Kopf, eilte dann hinauf, zwang Fräulein Gayat zur Heraus- Frauenbildungsansialten zu empfehlen. Da wäre namentlich auch für gvb7 d°r Geldfchlüsscl, tnebelu unb betäubte bann °°" I auch bie alte Dame und stahl 59 Obligationen I 18. November. Heute mittag fand in der Kollegienkirche I der Stabt Brüssel, eine ber Stabt Antwerpen und drei aus- I in Anwesenheit I. K. H. der Frau Erbgroßherzogin-Wittwe, sowie der I innbifdbe I Spitzen der Civü- und Militärbehörden die s. Zt. auf Semesteranfang I ffint-f IQ SY>nhPwbpr Der pnn lif rhe Dnmvf er I verschobene akademische Gedenkfeier von Goethes 150. Geburts- New'dork, 19. November. £)er englische Dampfer I ta kQlt Unter feer Kanzel war von frischen grünen Blattpflanzen I „Taylor" ist aus Santos eingetroffen und wurde sofort umgeben Goethes Büste aufgestellt, daneben das Bild von Kolbe aus I unter Quarantäne gestellt. Ein Offizier des Dampfers I der Bibliothek „Goethe am Golf von Neapel^. Nachdem unter den ist am 7. b. Mts. unter peftverdächtiger Erkrankung ge Klängen von Beethovens Egmont-Ouverture unter Vorantritt der Pedelle ttVr »nhifnn ift nnnenhlitflidi erkrankt und iciaen der akademischen Lehrkörper, an der Sp'tze Se. Magmsizenz der derzeitige I ftorben. £)er Jriapltan o1 QU9^n^ltail(y einann uno zeigen l mroreItor unt) tzie Dekane, gefolgt von den studentischen Verbindungen I sich ebenfalls Symptome ber Pest._______________________________ | feierlich eingezogen traten, hielt Herr Profeffor Michels die Festrede, in der er in geistvoller Weise eingehend die reichen und engen Beziehungen Goethes zu Jena, wo er so gern weilte und eine Reihe seiner schönsten und reifsten Werke schuf, und zu deffen Universität schilderte, die ihm ihre Hebung und ihre glänzende Blütezeit von 1787—1806, sowie ferner nach dem Schlag von 1806 ihre weitere Förd.rung zu danken hat. Mit dem Vortrag von Beethovens „Die Himmel rühmen des Ewigen 1' »■!»“ fort Nowack 8124 I 7828 8132 S. Heichelheim. 8152 Damm. 8130 Otto. 8137 8128 8131 Zuschlag sofort erteilt. 8146 Helfrich, Ortsgerichtsmann. Courshencht von Pietz, Bankgeschäft, Metze«, Schulstratze 10 Z Ä 4 99.80 4 99. 99.70 99.90 100.25 99.50 99.50 4 6 195.10 188 — 93.20 93.10 Berantwortlicher Redakteur: H. Kocglcr. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universiläts-Buch. und Stcindruckcrci (Pietsch Erben) in Gießen. ---— " Sdiiiiintinaipngeii 93.30 93.30 98.70 96.90 56.60 99.— 98.15 99.40 100.60 72.— 100.40 88.70 84.25 85.75 78.95 97.— 56.90 4 87, 4 99.40 100.60 86.- 79.25 4 87, 37» 37, 37, 4 37, 4 4 4 87,. 87, 4 4 4 4 5 37, 3 4 5 3 27, 3 Lourse vom 18/11. IU./11, 4 5 8 4 4V, uf dem Wcge der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden und liegen die Bedingungen,Arbeitsbeschreibungen U'ib Zeichnungen auf unserem technischen Bureau zur Einsichtnahme offen. Bezügliche Angebote sinb bis zum 27. d. Mts., vormittags 11 Uhr, verschlossen unb mit entsprechenber Aufschrift versehen, bei uns einzu- reichen Gießen, 18. November 1899. Stäbtisches Gas- unb Wasserwerk Gissten. 8134 Otto Bergen. Die Maul« unb Klauenseuche in Atzbach ist erlösche« unb alle Sperrmaßregeln werben hiermit aufgehoben. Unberührt bleibt bie Bestimmung des Herrn Landrats zu Wetzlar, vom iO. ds. Mts. (Kreisbl. Nr. 265), wonach die Gemarkung Atzbach bis zam 22. d. Mts. einschließlich unter polizeiliche Beobachtung gestellt ist. Krofdorf, - 8. November 1899. Die Polizeiverwaltung: Der Bürgermeistcr 8138 _______Lichtenthaeler._____ Holzverkauf. Das .m Beuemer Gemeinde-Wald für 1900/1901 zur Fällung ge. langende Eichen , Nadel- und Buchen« Stammholz soll auf Submission vergeben werden und können Offerten bis zum 25. d. Mts., mittags V/a Uhr, auf unterzeichneter Großh. Bürgermeisterei emgereidjt werden, woselbst dann bie Eröffnung unb Vergebung um 2 Uhr stattfindet. Beuern, 17. November 1899. Großh. Bürgermeisterei Beuern. 4 Ung.Golbrie.. 97.80 3 bo. Anl. 81.60 98 97 95 4 bo.Staatsrte. 95.20 89.80 89.50 47, bo. E.B.Golb 98.— 98 0. 89 ... . 101.80 89.90 89.65 5 Arg. hm. Anl. 82.70 96 20 47, bo. äuß. v. 88 70.80 96 60 96 85 s ChinestscheAnl. 97.60 4 Egypt. unific. . 106,— 96.50 96.80 6 Mexico v. 99 . 97.50 86.30 86.25 5 bo. Ser.I-III 42.40 97.40 3 bo. Silber. . 26.95 Stflblr-SH. 39.20 4 37, Darmfiäbter . bo. . —.— 48.25 37, Gießen er(alte) 94.30 93.85 92.70 «7, bo. v. 96 . . 94.80 58.60 4 Mainzer . , . 98 90 99.40 37» bo..... —— 98.90 99.10 4 Offenbacher. . —.— 36.30 36 50 4 Wormser . . . 100.50 25.35 25.20 87. bo...... 93.50 96.40 95.80 4 Lissaboner . . 67.70 99 10 99 50 4 Rom II—VIII 94.50 47, Buenos - Aires 76.— 59.90 60.- 81ubtelftl.ini. 65 — - ■■ — 4 S.-Braunf.. . ■ 99.50 98.70 3'/, bo...... 25.75 87, bo. Lich . . . —__ —.— —.— 3'/, Dsnbg.-Bterst. 83.25 Der. Königs- u. 1 Laura . . . 253.50 252.10 Oest. Staatsb. 141.- 141.30 bo. Sübbahn 32.10 32 20 Gottharbbahn. 144.— 143 — Jura-Simplon — — Prine Henry . 11460 115.30 Loose in Procrnte». Bab. Th. 100 . 141.— Bayer. Th. 100 . — 163 — Donau-Regul. 129.80 129 50 Cöln-Mnben. 136.25 136 80 Mabriber. . . —.— 39 10 Mein. Th. 100 136.60 136.75 Oesterr.v.1860 140.30 140 30 Olbenb. Th. 40 129.40 127 90 Raab-Grazer . 100.75 100.75 Türk. frs. 400 119.20 116.60 per Stück in Mk. Anöbacher fl. 7 39 10 Augsburg, fl. 7 25 30 25.40 Brschw.Thlr20 129.80 130 — Freiburg, fs.10 25.20 MaUänb.fs.10 13.05 13.— Meininger fl. 7 24.45 24.20 Pappenh. fl. 7 25 — BenebigerL.30 23.40 23 65