Nr. 248 Erstes Blatt. Samstag den 21 October L8ÄÄ Gießener Anzeiger General -Anzeiger Ktciugsprets Vikrleljabrlich 2 Mark 20 Pfg. menathd) 75 Pfg. mit Bringerloh«. Alle Anzeigen-BermittlungSstellea deS In- und ArrSiandcS nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen» Bei Postbezug 2 Mart 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag« für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Erscheint täglich mn AuSnabme de- MonlagS. Die Gießener ZsamislenSlütler werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Amts- und Zlnzeigeblntt für den Ttvers Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulgraße Ilr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familicnbiätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. AmtlicherMl. Bekanntmachung, betreffend: Bildung einer öffentlichen Waffergenoffenschaft in Flur I und II der Gemarkung Steinheim. An der rubrizierten Waffergenoffenschaft sind nach den Akten 175 Grundbesitzer mit 47,8238 ha Fläche beteiligt. Bei der am 4. d. Mts. stattgehabten Verhandlungstagfahrt hat sich niemand gegen das Unternehmen erklärt; auch wurden Einwendungen von feiten dritter nicht vorgebracht. Großh. Obere landwirtschaftliche Behörde hat daher laut Zuschrift vom 17. Oktober 1899 dem Unternehmen die in Artikel 67 des Bachgesetzes vom 30. Juli 1887 vorgesehene staatliche Genehmigung mit folgenden Bestimmungen erteilt: 1., daß die 175 beteiligten Grundbesitzer, welche in dem offengelegteu Verzeichnisse (Anlage B) aufgeführt sind, Mitglieder der Waffergenoffenschaft werden; 2., daß das Unternehmen nach dem von der Kultur- rnspektion Gießen aufgestellten Plan ausgeführt wird; 3., daß bezüglich der Verteilung der auf 13,500 Mk. Veranschlagten Meliorationskosten nach Artikel 53 und 68 des Bachgesetzes verfahren wird. Diese Entscheidung wird unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß innerhalb 14 Tagen nach der Zustellung gegen dieselbe Beschwerde an Großh. Ministerium des Innern erhoben werden kann. Zugleich geben wir Ihnen hiermit bekannt, daß das mit den Bevollmächtigten beratene Genoffenschaftsstatut ebenfalls 14 Tage nach Maßgabe von Art. 76 des Gesetzes zur Einsicht der Beteiligten auf dem Bureau der Großh. Bürgermeisterei Steinheim offen liegt. Gießen, den 19. Oktober 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. * Kaiserworte. Gieße«, 20. Oktober 1899. Unser Kaiser hat wieder einmal gesprochen, und wie t* fast allen seinen Reden den warmen zu Herzen gehenden Ton gefunden, den nur die selbstloseste Liebe zum Vater- lande und dem Volke verleiht. Klar, scharf und doch herzlich wirken die Kaiserreden bei denjenigen, denen es vergönnt ist, sie direkt zu vernehmen, und mit Bewunderung lauscht die gesamte Welt den kaiserlichen Kundgebungen, die neben der Fülle der Bilder fast durchweg auch auf stilistische Formvollendung Anspruch echehen können. Wir lassen heute die Hamburger Rede im Wortlaute folgen, um uns morgen noch eingehender mit ihr an leitender Stelle zu beschäftigen. Se. Majestät sagte: „Es gereicht Mir zur besonderen Freude, an dem heutigen historischen Gedenktage wieder in Ihrer Mitte weilen zu können. Ich fühle Mich gleichsam erfrischt und «en gestärkt, so oft Ich von den Wogen des frrsch sprudelnden Lebens einer Hansestadt umspült werde. Es ist ein feierlicher Akt, dem wir soeben beigewohnt, als wir ein neues Stück schwimmender Wehrkraft des Vaterlandes seinem Element übergeben konnten. Ein jeder, der ihn mitgemacht, wird wohl von dem Gedanken durchdrungen gewesen sein, tzaß das stolze Schiff bald seinem Berufe übergeben werden könne; wir bedürfen seiner dringend, und bitter not ist uns eine starke deutsche Flotte. Sein Name erinnert uns an die erste glanzvolle Zeit des alten Reiches und seines mächtigen Schirmherrn. Und auch in jene Zeit fällt der allererste Anfang Hamburgs, wenn auch nur als Ausgangspunkt für die Missionsthätigkeit im Dienste des gewaltigen Kaisers. Hetzt ist unser Vaterland durch Kaiser Wilhelm den Großen «en geeint und im Begriff, sich nach außen hin herrlich zu entfalten. Und gerade hier inmitten dieses mächtigen Handels- emporiums empfindet man die Fülle und Spannkraft, welche das deutsche Volk durch seine Geschlossenheit seinen Unter« «ehmungen zu verleihen imstande ist. Aber auch hier weiß «an es am höchsten zu schätzen, wie notwendig ein kräftiger Schutz und die unentbehrliche Stärkung »nserer Seestreitkräfte für unsere auswärtigen Jn- tereffen sind. Doch langsam nur greift das Gefühl hierfür im deutschen Baterlande Platz, daS leider noch zu sehr seine Kräfte in fruchtlosen Parteiungen verzehrt. Mit tiefer Besorgnis habe Ich beobachten muffen, wie langsame Fortschritte das Interesse und politische Verständnis für große, weltbewegende Fragen unter den Deutschen gemacht hat. Blicken wir um uns her — wie hat seit einigen Jahren die Welt ihr Antlitz verändert! Alte Weltreiche vergehen und neue sind im Entstehen begriffen. Nationen sind plötzlich im Gesichtskreis der Völker erschienen und treten in ihren Wettbewerb mit ein, von denen kurz zuvor der Laie noch wenig bemerkt hatte. Ereigniffe, welche umwälzend wirken auf dem Gebiete internationaler Beziehungen sowohl wie auf dem Gebiete des nationalökonomischen Lebens der Völker, und die in alten Zeiten Jahrhunderte zum Reifen brauchten, vollziehen sich in wenigen Monden. Dadurch sind die Aufgaben für unser deutsches Reich und Volk in mächtigem Umfange gewachsen und erheischen für Mich und Meine Regierung ungewöhnliche und schwere Anstrengungen, die nur dann von Erfolg gekrönt sein können, wenn einheitlich und fest, den Parteiungen entsagend, die Deutschen hinter uns stehen. Es muß dazu aber unser Volk sich entschließen, Opfer zu bringen. Vor allem muß eS ablegen seine Sucht, das Höchste in immer schärfer sich ausprägenden Parteirichtungen zu suchen. Es muß aufhören, die Partei über das Wohl des Ganzen zu stellen. Es muß seine alten Erbfehler eindämmen, alles zum Gegenstand ungezügelter Kritik zu machen, und es muß vor den Grenzen Halt machen, die ihm seine eigensten, vitalsten Jntereffen ziehen. Denn gerade diese alten politischen Sünden rächen sich jetzt schwer an unseren See- intereressen und unserer Flotte. Wäre ihre Verstärkung Mir in den ersten acht Jahren Meiner Regierung trotz inständigen Bittens und Warnens nicht beharrlich verweigert worden, wobei sogar Hohn und Spott Mir nicht erspart geblieben sind, wie anders würden wir dann unseren blühenden Handel und unsere überseeischen Interessen fördern können! Doch Meine Hoffnungen, daß der Deutsche sich ermannen werde, sind noch nicht geschwunden. Denn groß und mächtig schlägt die Liebe in ihm zu seinem Vaterlande. Davon zeugen die Oktoberfeuer, die er heute noch auf Bergeshöhen anzündet und mit denen er auch das Andenken an die herrliche Gestalt des heut geborenen Kaisers in der Erinnerung mitfeiert. Und in der That, einen wundervollen Bau hat Kaiser Friedrich mit Seinem'großen Vater und deffen großen Paladinen errichten helfen und uns als Deutsches Reich hinterlassen. In herrlicher Pracht steht es da, ersehnt von unseren Vätern und besungen von unfern Dichtern! Nun, wohlan, statt wie bisher in ödem Zank sich darüber zu streiten, wie die einzelnen Kammern, Säle, Abteilungen dieses Gebäudes aussehen oder eingerichtet werden sollen, möge unser Volk in idealer Begeisterung, wie die Oktoberfeuer auflodernd, seinem idealen zweiten Kaiser nachstreben und vor allem an dem schönen Bau sich freuen und ihn schützen helfen. Stolz auf seine Größe, bewußt seines inneren Wertes, einen jeden fremden Staat in seiner Entwickelung achtend, die Opfer, die seine Weltmachtstellung verlangt, mit Freuden bringend, dem Parteigeist entsagend, einheitlich und geschloffen hinter seinen Fürsten und seinem Kaiser stehend, so wird unser deutsches Volk auch den Hansestädten ihr großes Werk zum Wohle unseres Vaterlandes fördern helfe«. Das ist Mein Wunsch zum heutigen Tage, mit dem Ich Mein Glas erhebe auf das Wohl Hamburgs."___ * Bom Kriegsschauplatz. Die Engländer scheinen sich mit ihren Siegesnachrichten den tapferen amerikanischen General Otis zum Muster genommen zu haben, der nach seinen triumphierenden Bulletins bereits sieben Mal mehr Filipinos getötet und gefangen genommen hat, als die ganze Jnsurgentenarmee stark ist, trotzdem sich aber über die nächste Nähe von Manila nicht hinauSwagt. Die von den Engländern „gefangenen" 300 Boeren laufen noch alle vergnügt herum und unterstehen sich sogar, die Rotröcke in reglementswidriger Weise zu belästigen. So besetzten die Boeren den Ort Taungs zwischen Vryburg und Kimberley widerstandslos, ja noch mehr, der Burengeneral Cronje eröffnete nach einer Warnung an die Frauen und Kinder das Bombardement auf Mafeking. Es erfolgte keine Erwiderung. lieber das schließliche Schicksal der Stadt ist noch nichts Sicheres bekannt -, über ihre Beschießung wird noch gemeldet: Mich einem Bericht an die Behörden wurde die Mast- finger Wasserleitung abgeschnitten. Nach wenigen Schüssen erschien die weiße Flagge in Mafeking. Die Buren schickten eine Deputation mit Parlamentär-Flaggen, um anzufrageu, ob die Stadt sich ergäbe. Die Deputation wurde sech- Stunden mit verbundenen Augen zurückgehalten und dann ohne Antwort zurückgeschickt. Jetzt richten die Buren Krupp'sche Geschütze auf Mafeking. Vom Kriegsschauplatz in Natal liegt nach tagelanger Pause wieder ein amtlicher englischer Bericht vor. Wie nämlich aus London telegraphiert wird, meldet das Kriegsamt, daß es Nachrichten von General White erhalten habe, der erwarte, daß die Bewegung der Buren von den Drakensbergen her fortgesetzt würde, und daß die Buren mit den englischen Vorposten zwischen Ladysmith und den Engpäffen der Drakensberge Fühlung gewinnen. Im Norden rücken die Streitkräfte der Buren von Jngagane her mit einigen Batterieen vor. Die Buren am Buffalofluß rücken gegen Rorkesdrift vor. Englische Kavallerie überwacht die Bewegungen. London, 19. Oktober. Nach hierher gelangten Meld- ungen haben die Buren den ersten gepanzerten Zug von Mafeking vollständig zerstört und dabei 31 Mann und einen Hauptmann zu Gefangenen gemacht. Zur Entsetzung von Mafeking eilte mit Truppen ans Rho- desia auf einem Panzerzuge Oberst Plumer herbei. Die Buren haben diesmal Geschütze bereit gestellt, um den Panzerzug zu beschießen. Bei dem gestrigen Zusammenstoß der englischen Vorposten mit den Buren bei Besters soll eS 7 Tote und Verwundete gegeben haben. 2000 Bure« nahmen an dem Gefecht teil. Dieselben brachten viele Maximgeschütze ins Treffen. Die Bahnverbindung zwischen Ladysmith und Glencoe ist unterbrochen, der Telegraph ist intakt. London, 19. Oktober. „Daily Telegraph" erfährt, daß die Engländer 2000 Mann bei Akten Hoven ausgestellt haben und daß kleinere Detachements englischer Truppe« sich bei Bester befinden. London, 19. Oktober. Ein Telegramm von 8 Uhr vormittags vom Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet, daß die Buren aus dem Vanreenen- und Tiva-Paß vorgedrungen sind. Die Truppen unter dem Befehl des Generals Joubert bringen in der Gegend von Glencoe und Bester vor. Ein Telegramm aus Glencoe von gestern nachmittag meldet, daß eine englische Patrouille die Buren bet Haldingspruit 7 Meilen von Ladysmith gesehen hat. London, 19. Oktober. Die „Times" veröffentliche« eine Meldung, wonach die Buren sich der Festung Makaart bemächtigt haben. Ein Burenspion, welcher zahlreiche Schriftstücke bei sich trug, wurde gefangen genommen. Ec wird standrechtlich erschossen. London, 19. Oktober. Die britische Regierung beschlagnahmte in Kapstadt eine für die Transvaal- Regierung bestimmte Summe von 150 000 Pfund. Die Buren konzentrieren sich in Swaziland und haben sämtliche Engländer ausgewiesen. London, 19. Oktober. Ein Telegramm aus Ladysmith von gestern nachmittag 5 Uhr 20 Min. berichtet, daß gestern die Vorposten der britischen Truppen mit denen der Buren bei Aktenhoven 17 Meilen nordwestlich von Ladysmith zusammengestoßen seien. Die ersten Schüsse seien gegen 10 Uhr vormittag gefallen. Der Kampf dauere noch fort. Aus Ladysmith wurde in aller Eile englische Verstärkung abgesandt. Für heute wird eine entscheidende Schlacht erwartet. — Aus französischen Militärkreisen wird berichtet, daß der Plan der Engländer folgender sei: Die Haupttruppen werden an der westlichen Grenze des Oranje- FreistaateS einen Angriff unternehmen und von hier aus durch den Freistaat nach Transvaal Vordringen. Alle zu landenden Truppen werden sofort nach der Westgrenze des Oranje-FreistaateS transportiert werden. London, 19. Oktober. Aus Glencoe wird gemeldet, einige Burenabteilungen, welche mit der östlichen Hauptmacht der Buren von Newcastle gegen Dundee vorrückte«, haben sich von dieser getrennt, um sich mit der am Doorn- berg stehenden Streitmacht zu vereinigen. Johannesburg, 19. Okt. Die Stadt ist fast von der gesamten Bevölkerung verlassen. Die Kohlen- nnd Nahrungsvorräte in einigen Minen sind mit Beschlag belegt. (Siehe auch „Neueste Meldungen"). Deutsches Reich. Berli», 19. Oktober. Der Kaiser hörte heute morgen AM 9 Uhr die Vorträge des Kriegsministers von Goßler und des Chefs des Militär-Kabinetts von Hahnke. Später nahm der Kaiser n. a. die Meldung des Staatsministers Dr. Bosse entgegen. — Die gestrige Rede des Kaisers in Hamburg wird in einer besonderen Ausgabe des „Reichsanz." in dem bereits bekannten Wortlaut veröffentlicht. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des Oberpräsidialrats v. Waldow zum Regierungspräsidenten in Königsberg i. Pr. — Der HerzogvonAlbany,der zukünftige Thronfolger von Sachsen^Koburg Gotha, erhält am 1. November «ine» preußischen Offizier als militärischen Begleiter. — Die Doktorfrage der technischen Hochschulen ist anläßlich der heutigen Jahrhundertfeier der Charlottenburger technischen Hochschule dahin entschieden 'worden, daß die preußischen Lehranstalten dieser Art das Recht erhalten, wie die Universitäten Promotionen vorzunehmen und auf Grund derselben Den Doktortitel zu verleihen, welcher zum Unterschiede von den Universitätsfakultäten „Doktor-Ingenieur" lautet. (Bgl. UniversitätS- , Nachrichten.) t — Rennsport und Spielsucht. Aberkennung des Adels. Das „Deutsche Adelsblatt" enthält in seiner neuesten Nummer zwei „Eingesandt" zum Prozeß gegen die Harmlosen, deren eines einen beachtenswerten Hinweis enthält, während das andere zum Widerspruch herausfordert. In dem zuerst erwähnten „Eingesandt" wird nämlich u. a. das nachstehende ausgeführt: „Geht man an der Hand des Prozesses der Wurzel des Uebels nach, so findet man dieselbe auf den öffentlichen Rennplätzen. Dort ist der Sport vielfach zum Geschäft, zum Glücksspiel geworden. Der mühelos erworbene Gewinn hat dann das Glücksspiel mit den Karten und seine Konsequenzen im Gefolge. Was nützt die Erziehung zu einer strengen Auffassung seiner Standes- und Berufspflichten, welche dem jungen Offizier im Offizierkorps zu Teil wird, wenn dieselbe auf den öffentlichen Rennplätzen zum Teil paralysiert wird durch den intimen Verkehr mit zweifelhaften Elementen, welche dort ihr Wesen treiben. Die breite Kluft, welche den Offizier von solchen Elementen trennt, sollte weder durch den Sport, noch durch das Spiel überbrückt werden können. Hierher sollten die in diesen Dingen maßgebenden Stellen ihr Augenmerk lenken und energisch Wandel schaffen." Das ist gewiß zutreffend. Wandel aber wird sich solange nicht schaffen lassen, als der Rennsport auf das System der Geldpreise nicht verzichten zu können glaubt. So ost Vorschläge auftauchten, welche für die Ersetzung der Geldpreise durch Ehrenpreise Propaganda machten, wurde geantwortet, daran sei mit Rücksicht auf die Pferdezucht »icht zu denken. Bei dieser Ansicht dürfte man auch jetzt noch beharren, und so wird denn nach wie vor wenn auch nicht d i e Wurzel der Spielsucht und sonstiger Ausschweifungen, so doch eine sehr starke Wurzel dieser liebel fortbestehen. — In dem zweiten „Eingesandt" des „Deutschen Adelsblattes" wird der Prozeß gegen die Harmlosen zum Ausgangspunkt der Mahnung an den Adel genommen, „sich zusammenzuschließen, um sich einerseits gegen die Feinde ringsum zu wehren, andererseits seine Reihen zu mustern und Unwürdige auszuschließen, damit sie nicht im stände sind, unseren ehrlichen Stand zu besudeln. Die Aberkennung des Adels ist das einzige radikale Mittel, um uns von solchen Elementen zu reinigen. (Eine derartige „Reinigung" mag für den Adel eine ebenso einfache wie angenehme Prozedur sein. Die große Masse der Bürgerlichen jedoch, die im großen Ganzen auch Anspruch auf das Beiwort „ehrlich" haben, müssen sich für die hier vorgeschlagene Prozedur höflichst bedanken Zum Glück ist die Aberkennung des Adels nicht so einfach ins Werk zu setzen, wie der Einsender des „Deutschen Adelsblattes" anzunehmen scheint. In Preußen wenigstens ist für Namensänderungen — und darum würde es sich doch handeln — laut der Kabine tts- ordre vom 15. April 1822 die staatliche Genehmigung erforderlich. Für die Erteilung der staatlichen Genehmigung ist nach dem Allerhöchsten Erlaß vom 12. Juli 186 7 der Regierungspräsident zuständig. Der Regierungspräsident müßte demnach angegangen werden, wenn eine Adelsgenossenschaft irgend einem Adeligen das Adelsprädikat «berkennt, weil der betr. Adelige sich ehrlos verhalten hat. Sollte der Regierungspräsident aus solchem Anlaß die Namensänderung gestatten, so würde er eine schreiende Ungerechtigkeit begehen. Denn ebenso wie das Reichsstrafgesetzbuch in § 360, Ziff. 8, die unbefugte Annahme von Adelsprädikaten bestraft, ebenso haben die bürgerlichen Klassen den moralischen Anspruch auf den Schutz des bürgerlichen Namens als solchen. Dieser Schutz aber würde in fein Gegenteil verkehrt werden, wenn ehrlosen Adeligen das Adelsprädikat aberkannt werden dürfte.) Köln, 19. Oktober. Die „Köln. Volksztg." glaubt, daß m der gestrigen Rede des Kaisers in Hamburg ein Fingerzeig zu erblicken sei für die Richtung, in welcher der neue Kurs weiter gesteuert werden soll. Man erinnere sich, daß Miquel es sei, welcher über das deutsche Parteiwesen wiederholt sich in ähnlicher Weise geäußert hat. Insoweit erscheine die Kaiserrede als eine in diesem Augenblick besonders beachtenswerte Zustimmung zur Miquel- sch en Politik. Bezüglich der kaiserlichen Betonung der Notwendigkeit der Verstärkung der deutschen Flotte sagt das führende Organ der Eentrumspartei: Die deutsche Flotte müffe verstärkt werden; aber bei einer Bestimmung des Tempos wirkten finanzpolitische Erwägungen mit. Der deutsche Reichstag habe entschieden die Leistungsfähigkeit des -Volkes im Auge zu behalten. Ausland. Wie«, 19. Oktober. Betreffs der Besetzung der Vizepräsidenten stellen im Abgeordnetenhause ist zwischen den Parteien der Rechten und Linken noch immer keine Einigung erfolgt. Der größte Teil der Rechten verweigert kategorisch die Überlassung der ersten Vizepräsidentenstelle an die Linke. Die morgige Parlaments- Sitzung dürfte daher einen erregten Verlauf nehmen. — Im Herrenhause verlautete, daß die Rechte den ehemaligen Ministerpräsidenten Grafen Thun zum Parteichef ernennen wird. — Dem Cumberland'schen Hofe nahestehende Kreise erklären die Gerüchte von einer bevorstehenden Aussöhnungszusammenkunft des Herzogs von Cumberland mit dem deutschen Kaiser in England für vollständig unbegründet. Prag, 19. Oktober. Die Polizei erließ eine Bekanntmachung, in welcher bei Fortdauer der Demonstrationen die schärfsten Maßregeln angedroht werden. Wie verlautet, ist die Regierung entschloffen, eventuell den Ausnahmezustand über Prag zu verhängen. Rom, 19. Oktober. Nach Meldungen aus Kairo wird durch englische Vermittelung die Beseitigung der letzten Differenzen zwischen König Menelik und Italien gelingen. Es stehl der Abschluß eines Abkommens bezüglich der Grenze sowie auch eines Handelsvertrages zwischen Aethiopien und Italien bevor. Rom, 19. Oktober. Wie verlautet, wird der in Erithrea weilende Graf von Turin dem Ras Makonnen und König Menelik einen Besuch abstatten und als Vertreter des Königs von Italien die Grenzregelung und den Handelsvertrag abschließen. Paris, 19. Oktober. Ein Redakteur des „Siöcle begab sich zu Dreyfus. Derselbe erholt sich nur langsam. Die Gattin Dreyfus erklärte dem Redakteur, der Kampf sei noch keineswegs eingestellt. — Das Kriegsgericht von Rennes wird sich dieser Tage versammeln, um zu beschließen, ob eine gerichtliche Verfolgung gegen zwei Blätter in Lyon wegen beleidigender Artikel gegen die Mitglieder des Kriegsgerichts anzuordnen ist. — Die hiesigen Blätter melden, der Staatsgerichtshof werde sechs Angeklagte in der Komplotts-Affaire verurteilen, nämlich: Buffet, Dsroulöde, Godefroy, Baillieres, Dubuc und Guörin. Gegen die übrigen Angeklagten werde das Verfahren eingestellt werden. — Der Kommandant Marchand, welcher gestern dem Gottesdienste zu Ehren des erschossenen Obersten Klobb beiwohnen wollte, erhielt Befehl, sich dem Gottesdienste fern zu halten. — Nach einer dem Kolonialminister zugegangenen Depesche sind die HaupHeute Voulet und Chanoine von ihren eigenen Leuten erschossen worden. Petersburg, 19. Oktober. Die Regierung kommandierte den Generalstabsoberst Stachowitsch in das britische Hauptquartier in Südafrika ab. Zu den Buren wird kein russischer Offizier abkommandiert, weil Transvaal nach internationalem Recht kein selbständiger Staat ist. Kskalrs «nd ProvisMes. Gießen, den 20. Oktober 1899. ** Geschichtskalender. (Nachdruckverboten.) Vor 94Jahren, am 21. Oktober 1805, wurde bet Trafalgar durch die Engländer unter Nelson die ganze französische, mit den ungeheuersten Kosten auSgerüstcte Flotte vernichtet. Auf ein Menschenalter hinaus oab es keine französi che Seemacht mehr. Aber auch der Jubel der Engländer war nicht ungetrübt, da ihr ruhmgekrönter Seehrld Nelson geblieben war. Arbeit macht das Leben fuß! Na, na, wird da mancher sagen, wohl nicht immer! Nun ja, es kommt allerdings sehr viel auf die Verhältnisse, Beschäftigung und Lebenslage eines jeden Menschen an. Hat man eine angemessene Beschäftigung, so ist es ein Vergnügen, zu arbeiten , überhaupt für einen fleißigen und strebsamen Menschen; doch oft erfordern es auch die Verhältnisse, daß jemand eine Arbeit zu verrichten gezwungen ist, zu welcher er keine Neigung besitzt. Ein anderer verrichtet seine Arbeit mit Mißmut und verdroffenem Gesicht, weil er mit seinen Kräften am unrechten Orte steht, er muß seine eigentlichen Fähigkeiten brach liegen lassen, und auf einem Gebiete arbeiten, wohin ihn weder Lust, noch Anlagen ziehen. Hier wieder arbeitet einer ohne Anerkennung, er setzt wohl seine ganze Kraft und Fleiß an die Arbeit, aber niemand freut sich darüber, niemand spornt durch Lob die Schaffenskraft an. Dann gievt es Menschen, welche verhindert sind, das ganze Maß ihres Könnens zu entfalten; die Schaffenslust ist in ihnen groß, aber ihr Arbeitsfeld ist zu klein, sie fühlen sich beschränkt und beengt, und darum fast unglücklich. Da ist es sehr gut, wenn ihnen die gute Trösterin zur Seite steht, die Geduld. Jeder sollte sich diese edle Tugend, wenn er sie noch nicht besitzt, angewöhnen, denn sie ist für das Leben unentbehrlich, will man sich nicht in nervöser Reizbarkeit aufreiben. Aber nicht allein um der Existenz willen, sondern auch zur Erhaltung geistiger und körperlicher Frische sollen wir arbeiten. Thätigkeit gehört zu den Bedingungen einer richtigen Lebensweise, durch sie erlangen wir Heiterkeit und Gemütsfrieden, und wenn wir uns an die Arbeit begeben, so müssen wir mit Leib und Seele, mit Lust, Liebe und Fleiß dabei sein; denn wer fleißig ist, kommt durch die Welt, und sei er noch so arm. Ein arbeitsames Leben zu führen, ist die Bestimmung und Pflicht eines jeden Menschen; nur wer arbeitet, ist ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft. * « ♦ ♦ Bon der Universität. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 14. Oktober den ordentlichen Professor bei der medizinischen FakultäS der Landesnniversität für das Lehrfach der Veterinär- Heilkunde, Dr. Georg P flug zu Gießen, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. November ds. Js. an, unter Anerkennung seiner langjährigen Dienstleistung, in den Ruhestand zu versetzen. • * Ordens-Verleihungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 18. Oktober Allergnädigst zu verleihen geruht: Dem Oberstleutnant und Kommandeur des 1. Badischen Feld- artillerie-RegimentS Nr. 14 v. Beck, seither Abteilungskommandeur im Feldartillerie Regiment Nr. 25 (Großh. Artilleriekorps), dem Hauptmann und Kompagniechef bei der Haupt-Kadetten Anstalt Pfaff, seither Sompagniechef im 4. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, und dem Oberstabsarzt 1. Klasse und RegimentSarzt des 3. Badischen Feldqrtillerie-Regiments Nr. 50 Dr. Fröhlich, seither im 4. Infanterie-Regiment (Prinz Karl) Nr. 118, das Ritterkreuz 1. Klasse; dem Oberroßarzt Thomann im Feldartillerie-Regiment Nr. 72, seither Roßarzt im Train- Bataillon Nr. 25, das Ritterkreuz 2. Klasse; dem Post- assistenten beim Kaiserlichen Postamt Mainz Lind, seither Wachtmeister beim Garde-Dragoner-Regirnent Nr. 23, dem Stations-Aspiranten Schmidt bei der König!. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahndirekton, seither Vize Wacht- meister beim Garde Dragoner Regiment Nr. 23, und dem Gerichtsvollzieher Fath in Hungen, seither Bezirksfeldwebel beim Landwehrbezirk I Darmstadt, sowie dem berittenen Oberwachtmeister Conrad im Großh. Gendarmeriekorps das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. • * Zn den Ruhestand versetzt wurde der Zugführer der der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Moritz Geisel in Gießen auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Dezember laufenden Jahres. * * Entlassen. Am 13. Oktober laufenden Jahres wurde der Steuerkommissariatsgehilfe beim Steuerkommissariat Friedberg in Oberhessen Ludwig Leonhard auf Nachsuche», seiner Dienstpflicht entlassen. * * Der Universität stehen beim Beginne des Wintersemesters mancherlei Umwandlungen bevor. Das Kollcgieu- hans, im Volksmunde „die Aula" bot bisher mancherlei Instituten Unterkunft, welche ihrem Wesen nach nicht hineingehörten, indem sie störten und gestört werden. Zwei vo« diesen, das physikalische und das pharmakologische, ziehen nunmehr in andere, größere Räume über. Für das physi. kalische Institut erhebt sich ein neuer, südöstlich vom Kollegienhause gelegener, schöner Ban, in den zugleich das physikalisch chemische Institut aus dem alten Liebig'sche» Laboratorium einzieht. Das pharmakologische Institut ist vorläufig in dem früheren Schwestemhause an der Wieseck untergebracht, bis es ein endgütiges Heim findet. Durch diese Umänderungen wird zugleich einem bei dem stetig wachsenden Besuche der Universität immer empfindlicher gefühlten Mangel obgeholfen, indem im Kollegienhause nunmehr neue Räume für Vorlesungszwecke frei werden. * * Großherzogliche Handelskammer. Heute vormittag fand hierselbst in Anwesenheit des Großh. Ministerialrats Braun und in Gegenwart von Vertretern des Handelsvereins in Lauterbach und des Kaufmännischen Vereins in Alsfeld eine Sitzung der Großh. Handelskammer statt, in welcher die in Aussicht genommene Neuorganisation der Kammer beraten wurde. Die Erschienenen einigten sich dahin, es sei, den Vorschlägen des Herrn RegierungsoertreterS entsprechend, die Zahl der Handelskammermitglieder von neun auf achtzehn zu erhöhen. Von den neun neu eintretenden Mitgliedern hätten vier auf den Landkreis Gießen, drei auf den Kreis Alsfeld und zwei auf den Kreis Lauterbach zu entfallen. Die Neuorganisation wird im Verordnungswege demnächst enbgiltig geregelt, sodaß die erforderlichen Wahlen voraussichtlich noch im Laufe dieses JahreS durch die zuständigen Kreisämter abgehalten werden könne«. * * Kaufmännischer Verein. Die Schreibmaschine» sind schon vor 10 Jahren in Deutschland eingeführt worden, aber jetzt erst beginnen sie mehr und mehr Verbreitung zu finden. Das ist eigentlich wunderbar, wenn man bedenkt, wie sauber, exakt und leserlich die Schrift ist, und wie viel weniger das Schreiben auf der Maschine die Augen an- greift, als die gewöhnliche Schrift. Auch haben viele Leute, trotzdem sie viel schreiben müssen, eine unleserliche Hand- schrift, was für den Empfänger peinlich und zeitraubend ist. Bei Anwendung der Schreibmaschine fällt dies alles fort und wird dadurch drei- dis fünfmal so viel geleistet als bei größtem Fleiß ein anderer Schreiber fertig zis bringen im stände ist. Zur Erlernung dieser Kunst ist nunmehr auch hier in Gießen Gelegenheit geboten, da nach einer Annonce der kaufmännische Verein in seiner Schule das Schreiben auf der Schreibmaschine einführen will, und werden deshalb Herren aus allen Ständen zur Teilnahme eingeladen. * * Der Student Kopf in Darmstadt, der wegen Körperverletzung zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt wurde, ist vom Großherzog begnadigt worden. • • Erledigte Stellen für Militäranwärter im Bezirk M 18. Armeekorps. Frankfurt a. M., Städtisches Gewerbe- und Verkehrsamt, Kanzlist, 2100, 2200, 2300, 2400, 2500, 2600, 2650, 2700 Mk., von 3 zu 3 Jahren bei guter Dienstführung aufsteigend. — Höchst a. M., Magistrat, Pedell am Realprogymnasium, jährlich 1100 Mk., sowie freie Wohnung und freie Heizung. © Großen-Linden, 20. Oktober. In den letzten Tage» ist hier die erfreuliche, wohl auch weitere Kreise interessierend» Kunde eingetroffen, daß durch die erfolgreiche dankenswerte Verwendung des Herrn Direktor Paöcoe in Gieße» die frühere allbeliebte Firma C. W. B. Fernie zur Verschönerung des altehrwürdigen Großen-Lindener Gottes- ib'hg Ä,tinH ä«"® di, Ä I ix *Ä% ß' '.*-W'Ä »5' 118' d», 8tilttb 2 ? fai,s V'Qffe; dkN?0». 3™i 8inb, f<ü6 t »WM 1h. 23| b’“ ttaSr?1' d»G^k, ««was ' ^her Bezirksfeldwebü de« berittene# l°W- ^endarmeriekorps »Porten« Wipp- des “rte bet Zugführer der mnfchaft Moritz Geisel "ter Anerkennung seiner iste mit Wirkung von aufenden Jahres wurde >m Steuerkommiffariat uhard aufNachsuches n DeMr de» teilt. Du« bot bisher mancherlei i Wesen nach nicht hineiR- slört werden. Zwei doi pharmakologische, ziehen te über. Für das phhsi« neuer, südöstlich vom c Bau, in den zugleich >us dem alten Liebig'sches ermakologische Institut ist iernhause an der Wieset eS Herrn findet. Durch tintnt bei dem ftttig immer empfindlicher ge° im Sollegieahaule m rotit werden, mn. heute vormittag § GM. 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November wird in unserem Städtchen der sogenannte .Salten-Markt" abgehalten, welcher von alters her ob seiner vielseitigen Volksbelustigungen auch aus der näheren und weiteren Umgebung sehr besucht zu werden pflegt. Am 80. und 31. Oktober findet der vorgesehene Pferbemarkt, um 31. der Schweinemarkt und vom 31. Oktober bis incl. 2. November der eigentliche Jahrmarkt statt. Leider mußte der auf den 31. l. Mts. anberaumte Rindviehmarkt wegen der in einigen Nachbarorten herrschenden Maul- und Klauenseuche verboten werben. ______________________________ Vermischtes. * Düsseldorf, 18.Oktober. Ein heiteres Vorkomm- uiS Wird aus einem niederrheinischen Landkreise berichtet. Einem Gemeindevorstand war es gelungen, sechs falsche Thaler zu beschlagnahmen. Auf eine Anfrage wurde ihm der Bescheid, er solle die Falsifikate sofort der Staatsanwaltschaft einsenden. Dieser Verpflichtung kam das Gemeindeoberhaupt denn auch in der Weise nach, daß er das falsche Geld auf eine Postanweisung einzahlte. Der Postagent nahm das Geld ohne Anstand an — wer würde auch Mißtrauen hegen gegen Ortsvorsteher? —, die Staatsanwaltschaft kam um ihre Beweisstücke, und die falschen Thaler find wieder im Verkehr. • Leipzig. 17. Oktober. Zu der bereits telegraphisch gemeldeten Verhaftung des Fabrikbesitzers Neuer ist nachzutragen, daß auch ein Agent in Charlottenburg, welcher Beihilfe zum Betrug geleistet haben soll, verhaftet wurde. Zwei hiesige Firmen sind mit je 100,000 Mk. an der Affaire beteiligt. ♦ Leipzig. 19. Oktober. Die sächsische Eisenbahnverwaltung hat Unterhandlungen mit den deutschen Eisenbahnbehörden eingeleitet, um eine Abschaffung der Personenwagen 1. Klasse wegen deren völliger Unrentabilität herbeizuführen. * Weimar, 18. Oktober. Ein beklagenswertes Ereignis hat sich im hiesigen Marie Seebach Stift zu- getragen. Das 72 jährige Stiftsmitglied Zottemeyer, ein in früheren Jahren am Hoftheater zu Hannover sowie am Hamburger Stadttheater gefeierter Bariton, hat im Verfolgungswahn seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht. * Tübingen, 16. Oktober. Dem Gouverneur der englischen Kapkolonie, Sir Alfred Milner, bringt man hier in Tübingen ein besonderes Interesse entgegen. Der in diesen Tagen oft genannte englische Staatsmann ist uämlich eine Art „alter Tübinger". Sein Vater, ein guter Deutscher, war Ende der sechziger Jahre außerordentlicher Professor und Lektor der englischen Sprache an der hiesigen Universität. Die Mutter war Engländerin und Witwe eines englischen Generals. Jung-Milner besuchte ix den Jahren 1867 bis 1869 das hiesige Gymnasium und er ist aus jener Zeit noch vielen Tübingern, insbesondere seinen damaligen Mitschülern, in guter Erinnerung. Als Schüler erwies er sich nach Ausweis seiner Schulzeugnisse nicht über das Mittelmaß. Er siedelte bald darauf nach England über, wo er in Oxford und Cambridge studierte mb dann rasch Karriere machte, nachdem er seine politische Laufbahn als Privatsekretär bei Herrn Goschen begonnen hatte. * Waldenburg, 18. Oktober. Ziegelmeister Winkler aus Hltwaffer ist samt seiner Braut auf der Chaussee von drei Strolchen angefallen und durch Messerstiche ermordet worden. • Zweibrücken, 18. Oktober. In der letzten Nacht wurde in Trulben das Anwesen der Witwe Hungler angezündet, die Frau selbst ermordet und die Barschaft geraubt. ♦ Pleschen, 19. Oktober. Als bei Boguslaw zwei russische Arbeiter, die keinen Paß besaßen, den Grenzfluß Prosna durchwateten, um nach Beendigung ihrer Beschäftigung in die Heimat zurückzukehren, gab die russische Grenzwache zahlreiche Schüsse auf sie ab, und tötete einen Arbeiter. Ob eine Grenzverletzung vorliegt, ist noch zweifelhaft. Theater. Gießen, 20. Oktober. (Stadttheater). Bei der ungeheueren KNlle der über den Burenkrieg vorliegenden Meldungen und anderer Politischer Ereignisse mußten wir aus Mangel an Raum und Zeit die Besprechungen über die Aufführungen in unserem Stadttheater etwas zurückstellen. Wir nehmen dieselben heute in Kürze wieder auf, indem wir über die letzten Darstellungen summarisch berichten. Wie wir bereits erwähnten, war die erste Volksvorstellung in dieser Saison sehr gut besucht und sie verdiente auch das ihr »ugewandte Interesse nach jeder Richtung hin. Schillers dramatisches Gedicht „Don Carlos" «ar auch sür eine Volksoorstellung sehr wohl geeignet. Wenn sich auch die Szenerie manchmal etwas bunt und oft nicht so recht ^ritterlich" ausnahm, so konnte das doch dem Eindruck des Ganzen wenig Eintrag tijun. Gespielt wurde recht flott und auch die Rollenbesetzung war ziemlich angemessen. Eine gute Leistung, wohl die beste deL Abends, war die des Herrn Joseph Cur land, der den Beichtvater des Königs iu Spiel, Maske und in der Sprachnüancierung der Lebenswahrheit am nächsten brachte. Die Hauptrolle war in den Händen von Herrn Alwin Henrp ebenfalls gut aufgehoben und wurde von dem begabten Künstler mit edlem Feuer und großer Wärme gegeben; auch das gewaltige Remotterw^rk scheint ihm wenig Schwierigkeit bereitet zu baben. Eine gleich schwierige Aufgabe fiel Herrn Karl Walter durch die Wiedergabe des Königs zu und wurde mit viel Fleiß durchgeführt. Leider war die Maske etwas „blutdürstig"; wir stellen uns den alten Philipp auch gerade nicht in der Gestalt eines Adonis vor, aber so wird er wohl kaum ausgesehen haben. Im Laufe des Spiels vergaß man den ersten Eindruck etwas und söhnte sich mit dem sonst trefflichen Spiel des Künstlers aus. Die bedeutendsten Damenrollen das Abends waren Frl. Hardegg (Elisabeth von Valois) und Frl. Haussig (Prinzessin von Eboli) anvertraut und — wie vorauszusehen — in guten Händen. Beide Damen boten Leistungen, die keinen Tadel aufkommen lassen. Die Herren Par en und Ro lan, erster als Marquis von Posa und letzterer als Alban waren ebenfalls durchaus würdige Vertreter der Schillerschen Schöpfung, nur der Darsteller der letzteren Rolle hätte etwas größer sein müssen. Herzog Alba war nach den von ihm erhaltenen Bildern ein langer, schlanker Mann, außerdem hatte dieser spanische Grande keinen mächtigen bis auf die Brust reichenden germanisch-blonden Vollbart, sondern den damals üblichen spanischen Spitzknebelbart und zwar einen schwarzen Das waren allerdings kleine äußerliche Versehen, dem Beifall, der diesem sonst tüchtigen Künstler im Verein mit stinem Kollegen gezollt wurde, haben sie keinen Abbruch gethan. Herr Rolan führte an diesem Abende auch die Regie und der Erfolg der ganzen Aufführung entsprach der Tüchtigkeit des Regisseurs. In eine ganz andere Welt führte uns die Dienstag-Vorstellung. Von Schiller zu L'Arronge, aus dem alten spanischen Königspalaste in den Trubel der modernen Großstadt, von Königen, spanischen Granden, Offizieren und Trabanten zu Hochzeitsgästen, Lohndienern, Arbeitsleuten des Zeitalters der Elektrizität — ein weiter Sprung Vom Weinen zum Lachen! Und er wurde herzlich belacht der Compagnon von L'Arronge, das Publikum amüsierte stch über die alten, guten harmlosen Witze köstlich. Das ist das Gute an der L'Arrongeschen Muse: sie hat stets ein sauberes Gewand an, nichts von französischen Kotspritzen und seichten Schlüpfrigkeiten. Gespielt wurde frisch und temperamentvoll. Das gilt diesmal besonders von Frl. Eichwald, welche den Hauskobold Marie (Dienstmädchen) zu einer wunderhübschen Figur gestaltete. Sie hat sich einen reichen Anteil an dem Beifall des Hauses zuzuschreiben. Herr und Frau Direktor Helm sowie die Damen Zimmermann und Hammer waren prächtige Lustspielfiguren, deren künstlerische Leistungen wir wiederholt gewürdigt haben. Bei einer Wiederholung der Vorstellung werden wir auch ihren übrigen Kollegen gerecht werden. Teilweise bietet sich auch heute abend anläßlich der Aufführung von Freitags „Journalisten" Gelegenheit dazu. Hoffentlich entspricht der Besuch des heutigen Abends den — wie wir hören nicht unbedeutenden — aufgewandten Mühen. —-r. — Mainz, 19. Oktober. Ungefähr 5 Wochen sind fett der Eröffnung der Theatersaison, unter der Direktion des städtischen Kapellmeisters Emtl Steinbach, verflossen, und man ist jetzt wohl imstande, ein bestimmtes Urteil über das diesjährige Ensemble abgeben zu könmn. Die allgemeine Ansicht ist die, daß weder im Schauspiel, noch in der Oper trotz der um 20—25 Prozent erhöhten Abonnementsprrise eine Verbesserung gegen früher eingetreten ist. Einzelne Hauptfächer sind unzureichend besetzt, und die Veränderungen im Schauspielpersonal haben auch nur ein negatives Resultat ergeben, sodaß man wieder auf einige der bereits gekündigten Mitglieder zurückgreisen mußte. Das verwaiste Fach der jugendlich-dramatischen Sängerin düifte durch F'äulein Grining vom Stadttheater in Elberfeld nun cndgilttg besetzt sein» die am Sonntag als „Gretchen" in Gounods „Faust" einen vollen Erfolg zu verzeichnen hatte. Allgeme n bebaue-t wird der Weggang eines jungen stimmbegabten Tenoristen, Herrn Elassen, der in den Rollen deS „Manrico" und „Faust" Spuren bemerkenswerter künstlerischer Begabung zeigte, jedoch in D fferenzen mit der Direktion geriet, in deren Folge er seine Entlassung forderte und erhielt. Heute beginnt der berühmte Bayreuther Sänger Fritz Friedrichs sein auf drei Abende berechnete« Gastsptel als „Hans Stadtnger" im .Waffenschmied". = Frankfurter Stadttheater. Um vielfachen Anfragen entgegenzukommen, sei hier miigeleilt, daß für das zweimalige Gastspiel Francesco b'Andrade'S am Montag dem 23. und Mittwoch dem 25. ds. Mts. die normalen großen Preise des Opernhauses in Geltung sein werd,«. Arbeiterbewegung. Minden, 18. Oktober. Gestern abend kam es hier zwischen auSständischen Maurern und zugezo^enen Aibritswilltgen zu schweren Ausschreitungen. Zwei Arbeitswillige wurden durch Messerstiche schwer verletzt und durch Fußtritte und Stockschläze mißhandelt. Mehrere der Thäter sind verhaftet; einer gehöct der Streck Kommission an. . Dresden, 19. Oktober. Während auf allen Steinmeh-Werk- plätzen in Dr.sden, Puna undUmgegend die Arbeit wieder ausgenommen woiden ist, haben sämtliche hiesige Postamenttrer die Arbeit niedergelegt. Bunzlan, 19. Oktober. Der Ausstand der hiesigen Stein- arbetter ist beendet. Die ausständischen St-'tnmchen sind zu Unterhandlungen mit d n Aroeitgebern bereit. D^r j tztge Lohntarts soll bis 1902 bestehen bleiben, alsdann solle Lohne,Höhung erfolgen. Gingesandt. Gießen, 20. Oktober 1899. Seit Montag ist der Bentilbrunnen Ecke der Wallthorstraße und Brandgaffe entfernt worden. Hiermit ist ein Mißstand hervorgerufen worden, dem abzuhelfen, die zuständige Behörde verpflichtet ist. Die Bewohner der anliegenden Straßen sind nunmehr gezwungen, ihren Bedarf an Wasser von den weitüegenden Brunnen am Thor oder Lindenplatz zu holen Damit ist aber keinesfalls die Gefahr eines Ausgleitens bei Frost beseitigt, welches durch Verschütten bei größeren Strecken verursacht wird, sondern nur erhöht worden. Denn naturgemäß gebraucht man doch an Plätzen, wo Wasser entnommen wird, entschieden mehr Vorsicht. Die Anlieger der nächsten Straßen bedauern daher die Entfernung eines so notwendigen Brunnens und betrachten dies als keine Förderung der städtischen Verhältnisse. Viele Bürger. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 'Sonntag den 22. Oktober. 21. nach Trinitatis. Gottesdienst. In -er Stadtkirche. Vormittags 9rnw hi rsür auf Mittwoch den 25. d. Mts., vormittags 11 Uhr, a«beraumt, m't dem An fügen, daß die Verdingungsuntr- lagen während der Dtrnstsiundcn bei uns, Zimmer Nr. 7, zur Einsicht offen liegen. Angebote auf Vordruck sind bis zum genannten T rmm ein zureichen. — Zu chlags frist 14 Tage. Gießen, 20. Oktober 1899. Das Stadtbauamt. _________Sch wandt._____7515 In Krofdorf tft in acht Stallungen die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt worden. Gemarkungssperre ist angeordnet. Kcofdorf, den 19. Oktober 1899. Die Polizeioerwaltung. Der Büraermeister. 74Q2 (ifinpfi’hluiiarii Stadt. Schlachthaus. Freibank. 7498 Heute uud morgen: VMM 54Jfg. Frisch grschoffeue ßaseu, sowie Reh im Anschnitt empfiehlt zu billigen Preisen 03771 H. Klotz, Mäüsburg 17. __ Stets frisch geschaffene 8k Hasen sowie Reh im Ausschnitt. 03783 _______________I. Hormann. Bester Miltagstisch LKk im Plöwen. 7506 Täglich frisch: Has im Topf. 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Koncert In D dur für Violine mit Begleitung des Orchesters 3. Elegischer Gesang für gemischten Chor und Streichorchester Ludwig van Beethove« (1770—1825). 4. Solostücke für Violine. a) Scherzo, Op. 42 b) Serenata napoletana c) Notturno in E-dur 5. Symphonie No. 5 in C-moll Programm. zu H. J. von Collins Trauerspiel „Corlolan“, Op. 62 VintrittekartAII zum Konzert für Nichtmitglieder za Mk. 2.50 (Sperrsite DLUUlUSB-tU lüii Mk 3 50) ßind in der Musikalienhandlung von Ernst Chsltior (Rudolphs Nachfolger), für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork w ermässigten Preisen zu haben. Hauptprobe: Samstag vormittag 11 Uhr. Eintrittskarte 1 Mk. 7609 Die ausgelosten Sperrsitze sind bei Herrn Challier gefälligst abzuholen, eine Zusendung findet nicht statt. Concordia. Heute Samstag: Aöend-Mnterhaktung __________Mitglieder können Freunde einführen.__7514 ocxxxxxxrxxxxxxraaaioooöoooooocxxxxxxxi Meiner werten Nachbarschaft und einem geehrten Publikum von Gieße« und Umgegend zeige ich hierdurch ergebenft an, daß ich mit dem 21. d. MtS. das mir zum Eigentum gehörige Wirtslokal Zur Kiebigshalle W 64 Lieöigstraße 64 auf eigene Rechnung übernommen habe. Zum Ausschank gelangt das beliebte JhringS Bier von Lich. Kür gute Speise« und He trän Ke ist reichfichst Sorge getragen. BF Da*elb*t ist schöne* Vereinslokal zu vergeben. Guter Miltagstisch jn 65 Ksg., 90 psg. uud höher; im Abolluemeut billiger, prompte Bedienung wird zugestchert. Hochachtungsvoll Johs. Häuser XIII. 7489 I- 93.: C. Pflag. aooaooooooooooooiooooDooooooooDoooaoo Einem geehrten Publikum, sowie Meiner werten Nachbarschaft z«r gefälligen Kenntnis, daß ich mit dem heutigen Tage das Gasthaus MmHeuchelheimerHof WA- Rodheimerstratze 38 übernommen habe. Hochachtungsvoll Johannes MTeeb. Prima Tpeifeu uud Getränke. 76,8 Ille MiaMil« (eiferne) ca. 25000 Ko. Oberheff. Normalprofils in verschiedenen Längen, überwiegend fast ungebraucht, zu Anschlußzweck m geeignet, sowie ein Poste» sonstigen Eisenzeugs billig abzugeben auf Grube Glücksfund, Bahn« statton Billiugeu, Oberheffen. Näheres durch Obersteiger Schröder daselbst. — Schriftliche Offerten an Hugo Fautsch, Dortmund. BrrantwortUcher Rrdakkeur: H. ftoegler. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UniversitätS-Buch- und Steindruckerri (Pietsch Erben) iu Gießen. Die Heutige Yurnmer umfaßt 10 Seite». -sss 2lii XX 5 Die letzten aus besagen, daß aus den uttiy Rahe und Orb deutschen Interessen g Herrschaft auf den leugnen, und Deutsch! gehen müssen, ein Des nicht mehr, wie dich geschoben wird. Wer i Somim'ssion der beteil Erfolge erzielen, war ii haben diejenigen Recht hmmiffion von vorn! Erfreulich war eS, daß Üche md brutale Anftr und aweritanifchen rückgewiesen und ihre' verschafft hatte. Man auch zu berücksichtigt Kampf mit den beider abgesehen davon, da See den Gegnern m Unsererseits mehr als durchzusetzen. Die ledere fot! WiedecherMung bet: Heilige Dehnung bet % viel Schwierigkeiten, i N das sinnlose und ^d meritansichen Ge fle non VN dir den Frieden vchrri der Verwaltung beaea keiten. Bekanntlich 1 den iuiinerwähre Jen Thron zu begeg kompliziertes Regimei veu Augenblick der A ««e Institution $1* beftätigt; Winje sehen baldig »'«« "ch! das R-gi ‘mtt gelegt w iibei ; “ »wm utt Wmen mehr Ier (Plaudereie « als S,°\nÄig. fr»; Ä1' S be"Jle »W p in bä H Ntm.nten iit größer ff L-tz'S Leh.? Echtcn^edk Wt QfheXr Ole $