*n, iso» Freitag den 21. Juli Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren 5439 tglieder. mmlung b. 1880 und 1885. *N( 63 Stadt £ Alle Anzeigen-BermittlungSstellen M In« und AuslantzaK nehmen Anzeigm für den Gießener Anzeiger enty**. 726 499 373 350 250 5500 3019 2142 2122 1908 7.58 6,05 5,74 6,06 5,63 reit« i« 1 2 3 4 5 Durchschnitts- Ziffer für ein HauS fctn von «b. Oil Gießen . Alsfeld . Grünberg Büdingen Ltch . . Orfchei»t UeO* mit Ausnahme bei ManlagS. Die Gießener Ma«4tt<»AtKtter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal bei gelegt. TiMls if' Nedaktioa, Expedition und Druckerei: Zchnkßraße Kr. 7. Aenderung des Kriegsrechts. Die Haager Konferenz hat sich in folgenden Punkten über die Aenderung des Kriegsrechts geeinigt: Die Bestimmungen über die Anerkennung eines Staates als kriegführende Macht bleiben bestehen. Nach einer Besetzung feindlichen Landes hat der occupierende Teil die Ordnung und das öffentliche Leben zu sichern, aber, soweit nicht unüberwindliche Hindernisse entgegen stehen, die Landesgesetze zu beobachten. Auch soll er die Steuern in hergebrachter Art erheben und damit die Verwaltung im Gange erhalten. Er soll berechtigt sein, das bewegliche Eigentum des Staates mit Beschlag zu belegen, das unbewegliche nur als Nutznießer zu verwalten. Das vorgefundene Eisenbahn-Material, das einem dritten Staate gehört, soll diesem so bald wie möglich zurückgegeben werden. Staatsgebäude und Einrichtungen, die dem Kultus, dem öffentlichen Unterricht, der Wissenschaft, Kunst und der Mildthätigkeit dienen, sollen geschont werden, wie das Privat-Eigentum. Als Kampfmittel sind untersagt Gift, vergiftete Waffen, ferner solche, die geeignet sind, nutzlos Schmerzen zu bereiten, speziell die schon auf der Petersburger Konferenz 1868 verbotenen Explosivgeschosse aus Handwaffen. Ein Soldat, der die Waffen niederlegt, hat Anspruch auf Gnade. Die englische Forderung, daß die berüchtigten Dumdum-Geschosse im Kampfe gegen wilde Völker gestattet sein sollen, ist einstimmig abgelehnt. Unverteidigte, offene Orte dürfen nicht beschossen werden, in anderen ist die Absicht der Beschießung anzukündigen, Kirchen, Krankenhäuser, Museen sind zu schonen. Gefangene Spione sollen straflos sein, wenn sie nach der Spionage zu ihren Truppen zurückgekehrt und erst später in Gefangenschaft geraten sind. Im allgemeinen werden Kriegsgefangene gleich den eigenen Soldaten behandelt, Fluchtversuch und Flucht ist nur strafbar, wenn das Ehrenwort verpfändet und gebrochen worden ist. In diesem Falle soll der Wortbrüchige von seiner Regierung nicht wieder in die Armee ausgenommen werden. Die geltenden Bestimmungen über Kranke und Verwundete und über die militärische Gewalt gegen Privatpersonen bleiben bestehen, desgleichen die über Natural-Requisitionen im feindlichen Lande, über Parlamentäre, Kapitulation, Waffenstillstand. Der neutrale Staat kann den Transport Kranker und Verwundeter durch sein I Gebiet erlauben, ist aber nicht dazu verpflichtet. Ein stärkeres prozentuales Wachstum als das Reich (1,15) zeigten Gießen und Büdingen, eine regere Vermehrung als das Großherzogtum (0,93) wies Alsfeld auf, Wieseck hatte nur mäßige Zunahme, in Grünberg und Lich kam es zu Rückgängen der Einwohnerschaft. d. Historisch-statistische Erhebungen aus dem Anfang der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts. lieber Wieseck fehlen für die Zeit um 1820 die Angaben. Die übrigen fünf Städte hatten nachstehende Häuser - und Jnsassenzahlen, woraus sich die Durchschnittsziffern für je ein Haus ergeben: Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Annahme hr Anzeigen zu der nachmittag- für bei 5e4|cn>ea tag erscheinenden Nummer bis norm. 10 Uhr. «dreffe für Depeschen: Anzeiger Gießei« Fernsprecher Nr. 51. 89.90 100.05 25.60 100.25 1861 bl.50 100.20 9886 Ans Rußland. Verschiedene Ereignisse — der Tod des Großfürsten- Dhronfolgers, die Vergewaltigung der Finnen usw. — lenken neuerdings die Aufmerksamkeit wieder mehr den inneren Zuständen des großen Nachbarreiches im Osten zu. Man muß zugestehen, daß Rußland seit dem Regierungsantritt Nikolaus II. gewaltige Erfolge auf dem Gebiete der äußeren Politik errungen hat, aber wer objektiv urteilen will, der muß erkennen, daß es in Rußland selbst so ziemlich beim alten geblieben ist, daß die fünf Jahre der neuen Regierung keine wesentlichen Aenderungen und Verbesserungen gezeitigt haben. Allzuviel konnte Nikolaus II. freilich auch nicht zugemutet werden. Der Tod seines Vaters war ihm plötzlich gekommen, und der Zar stand nicht nur den Geschäften, sondern auch den Männern, welche sie bis dahin geleitet hatten, fremd und befangen gegenüber. Es fehlte ihm überdies die impulsive Kraft, und die Arbeit am Staate war ihm zu neu, als daß man durchgreifenden Reformen bald hätte entgegensehen dürfen. Vielleicht oder vielmehr wahrscheinlich mochte er mit den Anschauungen seines Vaters nicht übereinstimmen, aber er war nicht der Mann, das System zu erschüttern, vielmehr neigte sein ganzer Charakter dazu, die Dinge gehen zu lassen und sich abwartend zu verhalten. Wir haben die feste Ueberzeugung von dem guten Willen des Zaren, die Härten und Grausamkeiten des früheren Regiments zu mildern, jedoch darf man kein allzu großes Vertrauen setzen auf den Erfolg der nach einzelnen Richtungen hin gemachten Anläufe. Das Verhalten der Petersburger Regierung gegenüber den verbrieften Rechten des Großfürstentums Finnland hat wohl in ganz Europa ein absprechendes Urteil gefunden. Allenthalben herrschte Verwunderung darüber, daß unter „diesem" Zaren derartiges geschehen könne, daß dieser gütige Herrscher solchen Rechtsbruch zulasse. Wir meinen aber, der Zar kann noch so viel Gerechtigkeitsliebe besitzen, er muß dennoch mit der herrschenden Strömung rechnen. Der Angriff auf die Sonderstellung Finnlands war schon von Alexander III. vorbereitet worden und den ausführenden Organen derart in Fleisch und Blut übergegangen, daß Nikolaus II. die weiteren Konsequenzen nicht zu verhindern vermochte. Einzelne unumgängliche Neuerungen, welche übrigens die russische Staatsmaschine auf die Dauer nicht entbehren konnte, sind zwar unter dem jetzigen Zaren eingeführt worden, auch soll er reges Interesse für die Hebung des russischen Volksschulwesens zeigen. Letzteres liegt bekanntlich in dem großen Reiche noch sehr im argen, und es muß zugegeben werden, daß hier der Hebel anzusetzen sein wird, sollen die großen Maffen des Volks mit der Zeit der Segnungen der Kultur teilhaftig werden. Freilich ist es eine Riesenaufgabe, die dem Zaren auf diesem Gebiete gestellt ist, und es erscheint deshalb fraglich, ob er sie bezwingen wird. Schon kraftvollere Naturen sind auf halbem Wege wieder umgekehrt, und alle aufgewendete Mühe war umsonst gewesen. Eine große Enttäuschung wird der Zar erleben mit der In Gießen, Wieseck und Lich war die prozentuale Zunahme der Bevölkerung reger als im Deutschen Reiche (1,02), in Alsfeld etwas stärker als im Großherzogtum (0,92), Büdingen und Grünberg zeigten ein schwächeres Wachstum als das Reich und der Staat. Rr. 169 Zweites Blatt Nezi-sprew vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit vringerlohl. Bei Postbezug 8 Mark 50 Pfg. ^erteljährlich >nzert U . 5<18 Ka|ser Wilhelm ausse. ntr6e 50 pfg. r Vorstand. Häuser- Jnsassen- Zahl um daS Jahr 1820 kein. > W: ilung lusstcht. !nheiten. tt Vorstand. Deutsches Reich. Berlin, 19. Juli. Nach neueren Meldungen aus Berchtesgaden ereignete sich der gestrige Unfall der Kaiserin auf einem Feldwege zwischen der Eiskapelle und St. Bar- tholomae. Die Kaiserin glitt auf einem über einen Bach führenden glatten Brett aus und kam dabei zu Fall. Trotz heftiger Schmerzen ging die Kaiserin noch eine kurze Strecke, wurde dann aber auf einem herbeigeholten Stuhl weiter getragen und kehrte erst in einem Boot, dann zu Wagen nach Berchtesgaden zurück. Die Nacht verlief befriedigend. Die Schmerzen waren nach Anlegung des Verbandes gering. Die Schwellung des verletzten rechten Unterschenkels ist mäßig, macht jedoch die Anwendung einer Eislage notwendig. Voraussichtlich bedingt die Verletzung eine längere Ruhelage. Berlin, 19. Juli. Das Ministerium der öffentlichen Arbeiten hat gestern an den Magistrat von Dortmund ein Telegramm gesandt, wonach der Kaiser seine persönliche Anwesenheit bei der Eröffnung des Dortmund-Ems-Kanals aufgeben müsse und einen Prinzen mit seiner Vertretung betraut habe. Meßmer Anzeiger Mneral-Anzeiger auf seine Anregung hin ins Leben gerufenen Friedenskonferenz, i Hoffentlich verstimmt dieser Fehlschlag nicht sein Gemüt und | macht ihn verzagt, den Reformen im Innern seines Reiches seine Kraft zu widmen. Wir stehen an der Wende des Jahrhunderts, welches ganz Europa in kultureller Beziehung gewaltig gehoben hat; nur Rußland ist zurückgeblieben und hat Mühe, im nächsten Jahrhundert dahin zu gelangen, wo wir uns heute schon befinden. (xx) Statistische Krheöungen und Berechnungen aus dem Hebiete der Provinz Köerstessen (1820 öis 1895). Historisch-statistische Skizzen von Pros. Dr. E. F. Riemann-Leipzig. (Alle Rechte Vorbehalten.) II. Die Kreise Gieheu, Alsfeld und Büdingen. a. 1871 und 1875. «I. tlmg er. Anstand. Wien, 19. Juli. Wegen der Zunahme der Ohrenkrankheiten bei den Mannschaften verbot der Korpskommandant des 7. Armeekorps das Schlagen auf die Ohren. (!!) Wien, 19. Juli. Der Kaufmann Schön ist unter Zurücklassung von 150,000 Gulden Schulden nach Amerika geflüchtet. London, 19. Juli. Eine bei verschiedenen hervorragenden Persönlichkeiten veranstaltete Umfrage über die wirklichen Ursachen der Hartnäckigkeit der Forderung Chamberlains betreffs der Neutralität der Uitländer führte zu dem Ergebnis, Chamberlain wolle für die im Jahre 1903 stattfindende Päsidentenwahl die Zahl der Wähler so vermehren, daß Präsident Krüger eine Niederlage erhalten würde und ein englisch gesinnter Präsident ans Ruder käme. London, 19. Juli. „Daily Mail" meldet aus Washington, die Schwierigkeiten betreffs der Absteckung Alaskas seien überwunden. Transvaal. Der „Kölnischen Zeitung" wird unterm 26. Juni aus Johannesburg geschrieben: Mit unsagbarer Spannung sieht man hier der weitern Entwicklung der Dinge entgegen, und der allgemeine Wunsch geht dahin, der herrschenden Ungewißheit ein Ende bereitet zu sehen. Friede oder Krieg, nur eine Entscheidung, kein Hangen und Bangen, das mit seinem lähmenden Einflüsse auf Handel und Wandel alle Geschäftsleute dem Ruine zutreibt. Man berechnet, daß während der letzten Wochen schon an 10000 Personen, meist wohlhabende Familien, die Stadt verlassen - haben. Der Einfluß auf das Geschäft läßt sich leicht ermessen. Die besten Kunden gehen verloren, und die Kauflust der Zurückgebliebenen bleibt auf die notwendigsten -__5359 tCUL Zull d. Z.: ntie gsömnllen. idspiele. n LudwtgSplatz aus. iitteroug: Saalbau. t Vorstand, erteil Gießen war der Sitz der oberhessischen Landeskollegien und besaß ein Zeughaus. Die Universität zählte im Jahre 1824 29 Lehrer, zu denen Liebig gehörte, und 400 Studenten. Sie hatte ein philologisches Seminar, ein Mrneralienkabmett, ooow.1 .«10 Seit'"- ,.<905 101-5? $ss * Tu0 169.60 4.16'/, SS Ortschaft Ortsanwesende Bevölkerung Bevölk.Z Abnahr unahme ne(-) durchschn. am am absolut jährlich 1. 12 1880 | 1. 12 1885 in % 1 (Kietzen . . 16855 18836 1981 2 22 2 Wtefeck . - 2248 2337 89 0 78 3 Büdingen 2486 2540 54 0,53 4 5 Alsfeld . . Lich . . . 3882 2514 3882 2485 — 29 - 0,23 6 Grünberg . 2209 2107 - 102 — 0,95 GieKen und Wieseck nahmen aus hundert Seelen mehr zu als das Reich (0,72), Büdingen mehr als das Großherzogtum (0,43), Alsfeld zeigte Stillstand, Licy und Grünber g Rückgang der Bevölkerung. c. 1890 und 1895. --- Ortsanwesende Bevölk -Zunahme Abnabme (—) u Ortschaft Bevölkerung durchschn. am am absolut jährlich 1. 12. 1890 2. 12. 1895 in °/o 1 2 3 4 5 6 (Kletzen . Büdingen AlSfeld . Wieseck . Grünberg L'ch - - 20571 2819 4085 2461 2066 2551 22924 2989 4290 2499 2032 2448 2353 170 205 38 - 34 — 103 2,1b 1.17 0 98 0,31 - 0,33 — 0,82 £ Ortschaft Ortsanwesende Bevölkerung Bevölk.-Zunahme absolut durchschn. jährlich in o/o am 1. 12. 1871 am 1. 12. 1875 1 (Kietzen . - 12128 13858 1730 3,33 2 Wieseck . . 1913 2069 156 1,96 3 Ltch . . . 2250 2360 110 1,19 4 Alsfeld . . 3504 3643 139 0,97 5 Büdingen . 2340 2386 46 0,49 6 Grünberg . 2145 2185 40 0,46 Lebensbedürfnisse beschränkt. Jeder glaubt, sein Bargeld für erwartete Möglichkeiten festhalten zu müssen; es wird nichts gekauft, und Schulden werden nicht abgetragen. Alle kleineren Geschäftsleute und Handwerker sind im Gedränge. Ueberall Ausverkäufe zu Schleuderpreisen und dennoch keine Käufer. Selbst die Wirtschaften und Tabakläden leiden und decken kaum die Kosten. Die Zahl der leerstehenden Häuser und Läden mehrt sich auffällig. Auf Schritt und Tritt starrt uns das To Let entgegen, und die Lage derjenigen, die sich in Bauspekulationen eingelassen oder ihre Ersparnisse in Bauwerten angelegt haben, wird bedrohlich, da die Banken ihre Hypotheken kündigen und neue Darlehensgeber schwer zu finden sind. Die Lage wird noch durch die vielen Entlassungen Angestellter und das Stocken aller Bauthätigkeit verschlimmert. Wie weit dies reicht, läßt sich daraus ermessen, daß eine Großfirma allein von 22 Angestellten 14 entlassen hat! Wir haben in der schlimmen Zeit auf diese Weise noch ein beständig wachsendes Heer von Arbeitslosen in unserer Mitte. Wie es steht, zeigen am besten die städtischen Einnahmen, die um die Hälfte von rund 1000 L. wöchentlich auf 500 L. gesunken sind, und Einschränkungen im Gemeindehaushalte notwendig machen, was wieder die Zahl der des Dienstes Entlassenen vermehren wird. Die in Aussicht genommenen Ersparnisse sind mit monatlich 1850 L. veranschlagt; der Fehlbetrag läuft aber trotzdem für dieselbe Periode hoch in die Tausende. Die schwebende Schuld bei der Nationalbank ist bereits auf 105 000 L. aufgelaufen und damit ist der Kredit erschöpft, sodaß die Stadt in arge Finanznöte geraten ist und nun den Ausweg übrig hat, die Regierung um Hilfe zu bitten, was noch im Laufe dieser Woche geschehen soll. Die Hilfe wird, wie bei einem früheren Anlasse, nicht vorenthalten bleiben, da Präsident Krüger selbst um die Lage der Stadt ernstlich besorgt scheint. Was Johannesburg im Kriegsfälle am meisten bedroht, ist, da die Stadt ganz auf die Einfuhr von auswärts angewiesen ist, der Hunger. Präsident Krüger hat darum, wie zuverlässig verlautet, große Vorräte an Mehl, Büchsenfleisch und andern Lebensmitteln angekauft, im Fort und in den Lagerhäusern einiger Privatfirmen hinterlegen lassen und bestimmt, daß im Kriegsfälle Rationen an mittellose Ausländer durch die betreffenden Konsuln verteilt werden sollen. Weiter soll kein Ausländer ausgewiesen werden, der sich bei Ausbruch des Krieges eidlich verpflichtet, neutral zu bleiben und nicht die Waffen gegen die Republik zu ergreifen. Vom Fort hat Johannesburg, wie durch den Kommandanten Hauptmann Eloff (einen Enkel des Präsidenten) erklärt wurde, auch nichts zu fürchten. So lange die Stadt loyal bleibt, sagt er, so lange wird auch nicht ein Schuß gegen sie abgefeuert. Diese höchst anerkennenswerten Maßnahmen und Versicherungen haben beruhigend gewirkt, den Wegzug aber nicht vermindert, und jeder Zug nach den Hafenstädten nimmt ein Stück der Johannesburger Bevölkerung mit fort. Die Stimmung ist noch immer pessimistisch. Seitens der maßgebenden Persönlichkeiten der Randpartei der Kapkolonie und vom Freistaat aus werden anscheinend große Anstrengungen gemacht, um Präsident Krüger zur weitern Nachgiebigkeit in der Bürgerrechtsfrage zu bewegen; die Versammlungen der Buren in Transvaal lassen auch erkennen, daß man geneigt ist, weitere Zugeständnisse zu machen. Trotzdem herrscht der Glaube vor, daß dieses Entgegenkommen nichts fruchten und daß England einen neuen Grund finden wird, die Dinge zum Aeußersten zu treiben. Die Buren bereiten sich darum auf den Krieg vor, und nicht nur die Buren Transvaals, sondern ganz Südafrikas. Aus der Kapkolonie und aus Natal kommen in dieser Richtung sonderbare Nachrichten, und die in Pretoria liegenden 60 000 Mausergewehre zeigen, daß die Stammes- und Bundesgenossen um ihre Bewaffnung nicht zu sorgen haben werden. Unter den nicht englischen Ausländern Transvaals, namentlich den Deutschen, treten die Sympathieen für die Regierung auch täglich deutlicher zutage, und eine kriegslustige Stimmung macht sich bemerkbar, die leicht die Katastrophe herbeiführen kann, die man heute noch gerne vermieden sehen möchte. Lokales «nd Provinzielles. Gießen, 20. Juli 1899. ** Dienstnachrichten. Am 27. Mai wurde der Lehrerin an der katholischen Schule zu Dieburg Anna Harr ach eine Lehrerinnenstelle an der Gemeindeschule zu Gonsenheim, Kreis Mainz, — am 30. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Johannes Fink aus Liederbach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Strebendorf, Kreis Alsfeld, übertragen; — am 31. Mai wurde dem Schulamtsaspiranten Philipp Unger aus Krumbach eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Klein Krotzenburg, Kreis Offenbach, übertragen. Am L Juni wurde dem Schulamtsaspiranten Johann Enders aus Hackenheim die Lehrerstelle an der gemeinsamen Schule zu Planig, Kreis Alzey, — am 2. Juli wurde dem Schullehrer August Otto zu Unter-Abtsteinach die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Aschbach, Kreis Heppenheim, — an demselben Tage wurde dem Schullehrer Peter Huth zu Gunzenau die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Leidhecken, Kreis Büdingen, übertragen; — am 3. Juni wurde der von dem Herrn Grafen zu Erbach-Fürstenau auf die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Hüttenthal, Kreis Erbach, präsentierte Schulamtsaspirant Karl Merkel aus Groß-Hausen für diese Stelle bestätigt. •’ Erledigte Lehrerstellen. Erledigt sind: An der Volksschule zu Worms sechs Lehrerstellen, von denen drei mit evangelischen und drei mit katholischen Lehrern zu besetzen sind, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährlichen Gehalt von 1400—2200 Mk. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende 5. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Büdingen; dem Herrn Fürsten zu Isenburg und Büdingen in Büdingen steht das Präsentationsrecht zu derselben zu. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Bubenheim, Kreis Bingen; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Die mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Vöckelsbach, Kreis Heppenheim. Eine mit einem evangelischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Ueberau, Kr. Dieburg; mit der Stelle kann Organistendienst verbunden werden. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Albig, Kreis Alzey; mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Sämtlich mit dem gesetzlichen, nach dem Dienstalter sich bemessenden Gehalt. •• Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Tot geborenen, betrug in der Woche vom 2. bis 8. Juli in Mainz 27, in Darmstadt 21, in Offenbach 15, in Worms 12 und in Gießen 10, zusammen 85, davon 29 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 17,4, Darmstadt 15,8, Offenbach 18,3, Worms 16,7 und auf Gießen 21,2. — Die Todesursache anbelangend, verstarben an Masern und Röteln 2 (je 1 in Mainz und Worms), an Rachenbräune 1 (Darmstadt), an Keuchhusten 3 (2 in Offenbach, 1 in Mainz), an Diarrhöe und Brechdurchfall 15 (5 in Offenbach, je 4 in Mainz und Darmstadt, 2 in Worms), an Lungenschwindsucht 10 (6 in Mainz, 2 in Gießen, je 1 in Darmstadt und Worms), an akuten entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane 12 (4 in Darmstadt, 3 in Offenbach, je 2 in Mainz und Gießen, 1 in Worms), an Gehirn-Apoplexie 4 (2 in Darmstadt, je 1 in Offenbach und Gießen), an sonstigen Krankheiten 34 (12 in Mainz, 9 in Darmstadt, 6 in Worms, 4 in Offenbach, 3 in Gießen); gewaltsamen Tod erlitten 4 Personen (2 in Gießen, 1 in Mainz und Worms). einen physikalischen Apparat, eine Bibliothek, ein Balser'sches Klinikum und eine Antikengalerie. Mit dem Entbindungsinstitut, in welchem seit 1813 während der zehnjährigen -Dauer desselben 931 Frauen entbunden worden waren, war eine Hebammenschule verbunden. Es gab auch einen ökonomisch-forstbotanischen Garten, ein Observatorium und ein Seminar zur Bildung von Landschullehrern. Im Jahre 1823 zählte das Pädagogium 239 Schüler. In Alsfeld arbeitete die Bevölkerung in Tuch- und Leinewebereien, in Schönfärbereien und auf Bleichen. Die Besitzungen des Grafen Isenburg-Büdingen umfaßten 3i/s Geviertmeilen mit einer Stadt, 19 Dörfern und 5 Höfen. Die Einwohnerzahl belief sich auf 10960, die Einkünfte auf 40000 Fl. Die Hauptstadt Büdingen war der Sitz der großherzoglich hessischen, fürstlich und gräflich isenburgischen und gräflich stolbergischen Gesamtjustizkanzlei. Im Jahre 1823 wurde das Gymnasium daselbst von 76 Schülern besucht. Erwerbszweige waren: Weinbau, Tuch-, Zeug- und Strumpf-Fabrikation, Arbeit in einem Eisenwerk, in einer Salzsiederei und einer Glashütte. Die Besitzungen des fürstlichen Hauses Solms-Hohensolms umfaßten 2% Geviertmeilen mit 6025 Seelen. Die Stadt Lich war der Sitz des großherzoglichen Hoheitsbeamten für die solmsschen Lande und der großherzoglichen Steuerregulierungskommission für die Provinz Oberheffen, es gab daselbst eine Sparkasse. ______________________e. Einwohnerzahlen. Stadt Einwohnerzahl tm Jahre 1820 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1 Gießen . . 5500 12128 13858 16855 18336 20571 22924 2 Alsfeld . . 3019 3504 3643 3882 3882 4085 4290 3 Grünberg . 2142 2145 2185 2209 2107 2066 2032 4 Büdingen . 2122 2340 2386 2486 2540 2819 2989 5 Lich . . . 1908 2250 2360 2514 2485 2551 2448 f. Einwohner-Zunahmen bezw. Abnahmen (—) auf je hundert Personen. vJ Stadt Einwohner-Zunahme bezw. Abnahme (—) auf Hundert v 1871 om Jahre 1820 bis zum Jahre 1875 I 1880 1885 1890 1895 1 Gießen .... 120.5 152,0 206,5 233,4 274,0 316,6 2 Alsfeld .... 16,1 20,7 28,6 28,6 35,3 42,4 3 Grünberg . . . 0,01 20 3.1 - 1,7 — 36 - 5,1 4 Büdingen . . . 10,3 12,4 17,1 19,2 329 40,9 5 Lich . . ; . . 17,9 23,7 31,2 30,2 33,7 28,3 g. Vergleichende Ergebnisse. 1. In Gießen verdoppelte sich die Bevölkerung vor einem halben Jahrhundert, sie verdreifachte sich nach 60 und vervierfachte sich nach 73 Jahren; im ganzen zeigte es die Zunahme des Staates Bremen (305,0). Mit dem Wachstum von Darmstadt verglichen war die Vermehrung in Gießen nicht unerheblich stärker. Die Hauptstadt des Zahlen auf: 1820 18800 1871 33537 78,4 1875 36993 96,8 Großherzogtums wies folgende 1880 40874 117,4 1885 42792 127,6 1890 56399 200,0 1895 63745 239,0 Dasselbe gilt auch bei einer Die bezw. Ziffern lauten: 1820 I 1871 23296 46362 — ! 99,9 1875 1880 53043 58290 127,7 150,2 Vergleichung mit Kassel. 1885 64083 175,1 1890 72477 211,1 1895 81752 250,9 2. Alsfeld wies nur mäßigen Zuwachs auf, vom Jahre 1880 bis 1885 war vollständiger Stillstand, am Schluß württembergische Vermehrung (43,8). Die Be- ** Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Arbeiter Johannes Dewald aus Viernheim wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Darmstadt, Heinrich Füge von Eiderfeld wegen Notzucht und Dienstknecht Jakob Wettläufer aus Ibra wegen Betrugs von der Staatsanwaltschaft Gießen, OttoFried.Wilh. Grabow wegen Zechbetrugs vom Amtsanwalt in Friedberg, Bäcker Karl Kummer aus Erfurt wegen Diebstahls, Schlosser Jakob Jakob aus Lisdorf wegen Unterschlagung, Reisender Jakob Schuster aus Mainz wegen Betrugs, Zuschneider Johann Dörr aus Mergentheim wegen Bedrohung, Heizer Andreas Heinrich Joh. Dreesen aus Appeldüm wegen Bedrohung, Fabrikarbeiter Karl Fried. Fink aus Schneidheim, Maurer Anton Orth aus Hechts- Heim wegen Körperverletzung, Hausbursche Emil Simon aus Braubach wegen Körperverletzung, Schreiner Heinrich Berlau aus Eudorf wegen Körperverletzung und Messerschmied Joseph Lanz aus Goldbach wegen Diebstahls — sämtlich vom Amtsanwalt Mainz; Arbeiter Johannes Hosch aus Kleinhausen wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Darmstadt; Hausbursche Ernst Probst aus Unterlauter wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Mainz, Bäcker Ernst Fried. Martin recte Martins aus Nebra wegen Notzuchtversuchs von der Staatsanwaltschaft Gießen, Zwangszögling Hermann Ferd. Dahl aus Mainz wegen Entweichens aus einer Anstalt vom Kreisamt Mainz. Ferner wegen Strafverbüßung: Lackierer Franz Christian Appel aus Neu-Isenburg und Metzger Fried. Eberhard Scheu aus Bessingen vom Amtsanwalt in Offenbach; Knecht Jakob Reichert aus Udenheim und Lorenz Blum aus Siffingen vom Amtsgericht Vilbel; Knecht Jakob Börner aus Bernbach vom Amtsgericht Offenbach; Handarbeiter Adam Kunz aus Alzey vom Amtsgericht Alzey; Winzer Johann Neumer aus Dienheim vom Amtsgericht Oppenheim. Aus Oberhesieu, 18. Juli. Im vorigen Jahre schlossen sich die in verschiedenen Orten der Wetterau bestehenden Instrumental-Musikvereine zu einem Verband, dem „Ober- hessischen Musikbund" zusammen. Es gehören demselben an die Vereine zu Dorn-Assenheim, Echzell, Gettenau, Hungen, Laubach, Lich, Nidda, Reichelsheim und Schotten mit nahezu hundert Mitgliedern. Das erste Musikfest des Verbandes wird nächsten Sonntag, 23. d. Mts., zu Laubach stattfinden.. Vermischtes. * Vom Kasseler Gesangswettstreit. Arn 10. Juli fand behufs Entgegennahme des Berichts über die Abrechnung die Schlußsitzung der Ortskommission für den Gesangs- roettftreit statt. Die Einnahmen haben sich hiernach auf insgesammt 121,452 Mk. 18 Pfg. belaufen, und zwar erbrachten u. a. die Eintrittsgelder für den eigentlichen Gesangswettstreit 77,777 Mk. 50 Pfg., die Eintrittsgelder für Konzerte rc. 12044 Mk. 73 Pfg., der Festpostkartenverkauf 12,500 Mk. Die Ausgaben werden sich auf 260,700 Mk. belaufen, so daß die Stadtkasse einen Zuschuß von 139,000 Mk. zu leisten hätte, der also gegen den zu Anfang bewilligten Betrag von 150,000 Mk. um 11,000 Mk. zurückbleibt. * Thorwaldsen-Geschichten erzählt der „H. K.": Der große dänische Bildhauer war, obschon er von fast allen europäischen Fürsten mit Orden dekoriert wurde, einer der bescheidensten und anspruchslosensten Künstler, der seine Orden fast nie trug. Als ihn einst ein Hofmann darauf aufmerksam machte, daß es doch angemessen sei, beim Hoffest mit feinen sämtlichen Orden geschmückt zu erscheinen, versetzte der Meister lächelnd: „Wenn es Euch um meine Orden zu thun ist, will ich Euch die Schachtel zeigen, worin sie liegen. Wer mich in meinem einfachen Rock nicht als den Thorwaldsen anerkennt, braucht mich gar nicht zu kennen." völkerungsvermehrung war noch etwas stärker als in Groß- 1871 1820 1890 2592 2758 j 2724 3071 8,7 15,6 I 14,2 28,8 2385 sich sames, aber stetiges Wachstum aufwies. 3. Wie in Alsfeld bezw. in Groß-Umstadt auch im allgemeinen in Büdingen, das 2615 9,6 1895 3341 40,1 verhielt es zwar lang- Umstadt, das nach tehende Ziffern zeigte: 1820 1871 1875 1880 I 1885 4. Lich zeigte zwei Rückgänge von 1880 bis 1885, sowie von 1890 bis 1895, demgemäß hatte es noch nicht elsaß-lothringische Vermehrung (32,1). 5. Am ungünstigsten lagen die Verhältnisse für Grünberg. Das Städtchen hatte 1871 fast genau soviel Einwohner wie im Jahre 1820, dann nahm cs bis 1880 noch ein wenig zu, sank aber bann beständig, und hatte 1895 weniger Köpfe als 1820. An der Hand der statistischen Erhebungen und Berechnungen fanden wir in Ostpreußen zwei Orte mit mehr als 2000 Seelen unter 48, die während 3/4 Jahrhundert in ihrer Bevölkerungszahl zurückgingen, nämlich Drengfurt um 10 und Pillau um 30 Prozent. In der Provinz Posen gingen auf 112 Ortschaften, von denen eine Anzahl unter 2000 Personen zählten, 5 zurück, nämlich Wittkowo, Zaborowo, Reisen, Bojanowo und Unruhstadt, und zwar um 4, um 2, um 6, um 24 und um 15 Prozent. Die Abnahme in Grünberg stimmte mit dem Rückgang in Reisen überein; letzteres Städtchen, im Kreise Fraustadt gelegen, war vor 75 Jahren die Residenz des Fürsten Sulkowski und hatte Schloß und Park. Auch heute blühen noch daselbst die Orangen und wohnen noch vermutlich die Nachkommen Fürst Anton Pauls, der in den napoleonischen Kriegen in Spanien, an der Moskwa und bei Leipzig auf französischer Seite focht, aber sich dann der preußischen Regierung unterwarf. __ Den vornehmen, naserümpfenden Herren und Damen Ihat er manchmal tüchtig Bescheid. Wenn er nach Dresden reiste, stieg er gewöhnlich bei seinem Landsmann, dem Landschaftsmaler Dahl, ab. Das erste war dann immer, daß dieser einen Kasten mit Bildhauerthon holen ließ. Da saß denn Thorwaldsen des morgens und modelierte fleißig, da er nie müßig sein konnte. Einmal kam eine vornehme Dame zu Dahl, und als sie den Bildhauer erblickte, wie er mit den Händen in den nassen Thon griff, meinte sie naiv: Wenn Sie, Herr Professor, in Rom sind, überlassen Sie gewiß diese schmutzige Arbeit Ihren Gehilfen!" — „Das lasse ich wohl bleiben", erwiderte der Künstler ernsthaft, „denn diese schmutzige Arbeit, Madame, ist gerade die Hauptsache!" * Van Dyck-Ausstellung in Antwerpen. Kürzlich gab der vorbereitende Ausschuß der Presse genauere Auskunft über die bevorstehende Ausstellung. Der König der Belgier hat das Protektorat, der Graf von Flandern den Ehrenvorsitz derselben übernommen. Aus Belgien selbst werden 31 Gemälde Van Dycks für die Ausstellung geliefert, und zwar 7 von Kirchen und je 12 von Privatleuten und Museen. England stellt 37, Frankreich 16, Oesterreich 5, Deutschland 4, Polen 6, Rußland 2 und Italien 4 Gemälde, sodaß sich deren Gesamtzahl auf 106 beläuft. Italien hat sich sehr zurückhaltend gezeigt; namentlich lehnte Genua jegliche Beteiligung an der 'Ausstellung ab. Die Gemälde werden insgesamt zu 10 Millionen Franken versichert. Neben den Gemälden werden 400 Photographien von Werken des Meisters sowie seine Radierungen (Portraits) ausgestellt. Es wird ein einfaches und ein illustriertes Verzeichnis der Gemälde u. s. w. herausgegeben. An 30 Gemälde sind bereits von auswärts in Antwerpen eingetroffen. * Ein Vorläufer Röntgens. Im 31. Jahrgang der „Wiener Zeitschrift für Kunst, Littcratur, Theater und Mode" (herausgegeben von Dr. v. Frank) in Nummer 234 vom 23. November 1846 findet sich auf Seite 938 folgende merkwürdige Notiz: „Der menschliche Körper durchsichtig. Der griechische Physiolog Esel tja hat, dem „Athenäum" zufolge, der Akademie der Wissenschaften in Paris die Anzeige gemacht, daß es ihm gelungen sei, mit Hilfe des elektrischen Lichtes durch den menschlichen Körper zu sehen. Er behauptet, selbst Krankheiten im Innern der Eingeweide gesehen zu haben, der Verdauungsprozeß, der Blutumlauf, die Bewegung der Nerven — dies alles ward dem Herrn Eseltja sichtbar. Wenn dieses Anthroposkop (so nennt er seine Erfindung) nicht ein bloßer Puff ist, so wird das alte Sprichwort zu schänden, welches da sagt, man könne niemanden ins Herz sehen. Herr Eseltja kann die Nieren prüfen." — Die Neue Freie Presse, der diese Notiz aus dem längst verschollenen Blatt mitgeteilt worden, bemerkt dazu: „Was dem vormärzlichen Journalisten wie ein Aprilscherz geschienen, wird für uns im Zusammenhalte mit der Erfindung des Professors Röntgen eine äußerst ernste Sache. Es wäre jedenfalls lohnend, wenn sich Fachleute für diese aus dem Jahre 1846 stammende Notiz interessieren -und dieselbe auf ihren Inhalt hin einer kritischen Prüfung unterziehen wollten." Univerfltüts Nachrichten. — Brüssel. An der Universit6 libre wurde der Physiologe Professor Heger zum Rektor für bas Studienjahr 1899/1900 gewählt. Kandwirtschafttiches. 0. Aus Oberheffen, 16. Juli. Wir stehen unmittelbar vor der Ernte, der Bauer macht Sense und Sichel zurecht, er rüstet die Getreidewagen und hat jedenfalls die Regentage in der ersten Juliwoche benutzt, um seine Slrohsetle und Garbenbänder zur Verwendung fertig zu machen, lieber die Garbenbänder und Slrohsetle wurde schon viel geschrieben und gestritten. Um etwas Einblick in die Sache zu bekommen und da mich in dem „schwarzen Jahre 1893" die Not dazu drängte, schaffte ich mir eine kleine Partie von sechs Fuder Garbenbänder an. Meine Leute wollten nicht recht daran, besonders deshalb, weil fte sich mit den Stricken nach kurzer Zeit die rechte Hand wund rieben. Der Mann, der die Garben zu binden hatte, erhielt einen Handschuh zum Schutze dieser Hand, aber der Widerwille gegen die Erntestrtcke blieb und ist dis heute noch nicht verschwunden. Ein weiterer Mißstand zeigte sich beim Dreschen. Derjenige Mann aus der Dreschmaschine, welcher die Garben zu öffnen hatte, verstand den kleinen Vorteil des Ocffnens nicht, so einfach er auch ist; der Arbeiter zog das Messer und schnitt mir heimlich ein halbes Fuder Stricke durch, bis ich dahinter kam und ihm daS Handwerk legte. Im Jahr 1894 und bis heute gab es vieles und gutes Roggenstroh, auö dem die Erntestrohsetle angefertigt wurden. Die Stricke verwandle ich unterdessen zu vielen Dingen, z. B. ich wandte sie an, um schwerbeladene Zwetschen-, Birn- und Aepfelbäume, besonders jüngere Bäume, deren Aeste noch dünn und biegsam sind, zu binden. Sie wurden ferner beim Klee- und Futterbinden, beim Dickwurzelblättersammeln, beim Binden von Retsholz, beim Zusammenschnüren von schweren Postpacketen verwandt und überall haben sie sich recht gut bewährt. Hierdurch ergab sich, daß die Erntestrtcke von großem Vorteil sein werden, wo Mangel an Roggenstroh herrscht, dies also sehr teuer ist, wo hohe Taglöhne für das Herrichten der Strohseile zu zahlen sind und die Leute mit dem Gebrauch der Erntestricke, besonders auch beim Dreschen vertraut sind. Das Wundwerden der Hände kann durch Anwendung eines kleinen Knebels leicht vermieden werden. In größeren Betrieben sind demnach die Erntestricke zu empfehlen und ihre Anwendung ergibt sich bei Mäh- und Dreschmaschinen, die mit Selbstbindern versehm sind, von selbst. In kleinen Betrieben jedoch, wo der Bauer Roggenstroh genug besitzt und im Winter, sowie bet Regentagen hinlänglich Zett hat, seine Strohseile anzufertigen, thut er besser daran, kein Geld auszugeben, sondern die Slrohsetle aus selbst gezogenem Roggenstroh herzurtchten. DaS sind die von mir gemachten Erfahrungen, aus denen sich vielleicht mancher Leser etwas entnehmen kann. Aufruf wegen Errichtung eines Scheffel-Denkmals zu Reichelsheim im Odenwalds. Es ist beabsichtigt, einem Ltebltngsdtchter des deutschen Volkes: Joseph Viktor von Scheffel, ein Denkmal zu Reichelsheim im Odenwalde mit Rücksicht auf die Beziehungen des Dichters zu diesem Orte und dessen Umgebung zu setzen. Joseph Viktor von Scheffel hat sich für alle Zetten nicht nur die Bewunderung, sondern auch die begeisterte Verehrung der Deutschen erworben, denn ihm, dem liebenswürdigen Humoristen, ist es vor allen gelungen, die Eigenart in Sitten und Gebräuchen, im Denken und Fühlen seiner Stammes- genossen^mit lebensvoller Frische poetisch darzustellen. Seinem stark ausgeprägten Naturstnn, seiner gemütlichen Versenkung in die Schönheit seines Heimatlandes, seiner Neigung, von der Landschaft die Anregung zu dtchtertfchem Schaffen zu empfangen, seiner Vorliebe für die poetische Wiedergabe lokaler Sagen und Ueberlieferungen verdanken wir seine besten Werke, verdanken wir seine herrlichen Lieder, die ihre Bedeutung nicht verlieren werden, so lange in unserem Vaterlande und insbesondere in der deutschen Jugend ein gesunder Sinn für heitere und poestevolle Lebensauffassung eine Stätte hat. Wenn auch Sckeffel seine haupisächltchsten Anregungen von „den wildbachdurchrauschten Thälern des Schwarzwaldes, dem träumerischen Verweilen in zerfallenen Bergoesten und verlassenen Kloster- Höfen" seiner engeren Heimat empfing, so ist doch auch der Odenwald und vorzugsweise die Gegend von Reichelsheim auf feine dichterische Schöpfung in hervorragendem Maße von Einfluß gewesen. Sie hat ihm den Anlaß und Stoff zu einer Rrihe von Liedern gegeben, in denen ein unübertrefflicher Humor Herz und Gemüt erfreut, in denen aber auch ein gutes Stück Lebensweisheit verborgen liegt. ES werden die Lieder vom Rodenstein, diese in sich vollendeten Meisterwerke der humoristischen Kunst — wie Johannes Proelß, der ausgezeichnete Biograph des Dichters, hervorhebt — ihren Wert und ihre Wirkung nie einbüßen. Nachdem Scheffels erstes L«ed „Da? wilde Heer" in Heidelberg mächtigen Anklang und ungeahnten Beifall gefunden, hat dieser Erfolg auf den Dichter so ermunternd gewirkt, daß er nach einer Wanderung durch den Odenwald im Sommer 1857 dieselben humorvollen Töne erklingen ließ und die Lieder von den drei Dörfern schuf, die zu den Perlen der humoristischen Weltlitteratur gezählt werden. Durch diese und die daran anknüpfenden Dichtungen hat Scheffel die Gegend von Reichelsheim und insbesondere „Reichelsheim das treue" weit über die Grenzen Hessens hinaus bekannt gemacht. An der Stätte, an welcher der Dichter in seinem echten Sin« für volkstümliches Wesen, mit seinem urwüchsigen kerndeutschen Humor besonderes Interesse genommen, die er in schöpferischer Kraft für alle Zeiten mit seinem Ruhm verknüpft hat, ihm ein ehrendes Zeichen der Erinnerung zu widmen, ist gewiß ein Akt dankbarer Huldigung. DaS unterzeichnete Komitee für die Errichtung eines. Scheffel-Denkmals zu Reichelsheim glaubt daher, die so zahlreichen Freunde des Dichters in Nah und Fern zu Beiträgen für das Denkmal auffordern zu dürfen. Reichelsheim, im Juli 1899. Das Komitee. Kreisrat Fey, Erbach i. O. Realschuldirektor Dr. Gerhard, Michelstadt. (Vorsitzender.) (Schriftführer.) Kreisschulinspektor Kleinschmidt, Erbach i. O. (Rechner.) Arthur, Graf zu Erbach. Museumsinspektor Dr. Back, Darmstadt. Kaufmann Bauer, Reichelsheim. Provtnzialdirektor von Bechtold, Gießen. Hofkammerrat Bickelhaupt, Erbach. Oberlehrer Bormuth, Reichelsheim. Eisenbabndirektronsprästdent Breitenbach, Mainz. Ministerialrat Braun, Vorsitzender des Odenwald Klubs, Darmstadt. KreiS-Bauinspektor Diehm, Erbach. Bürgermeister Dingeldetn, Reichelsheim. Lehrer Fritz, Vorsitzender der Odenwald-Klubsektion Reichelsheim. Oberst Leutnant z. D. Gab, Vorsitzender des Journalisten- und Schriftstellervereins Darmstadt. Generalmajor Freiherr von Gemmingen, Fränkisch Crumbach. Provtnzialdirektor Freiherr von Gagern, Mainz. Rechtsanwalt Hallwachs, Darmstadt. Reichs- tagSabgeordneter Geheimer Regierungsrat Haas, Offenbach. Land- tagSabgeordneter Häusel, Michelstadt. Freiherr M. v. Heyl, Darmstadt. Oekonom Jost, Reichelsheim. Geheimer Hofrat Professor Dr. Kittler, Darmstadt. Geheimer Hofrat Professor Dr. Lepsius, Darmstadt. Dr. med. Lipp, Reichelsheim. Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Löhlein, Rektor der Universität Gießen. Oberpostdirektor Maier, Darmstadt. Rentner Marburg, Michelstadt. Geheimrat v. Marquardt, Großh. Provinzialdirektor, Darmstadt. Post- verwalter Mergell, Reichelsheim. Dr. W. Merck, Darmstadt. Karl Müller, Ehrenvorsitzender des Odenwald-Klubs, Darmstadt. Re- gierunasrat Noack, Vorsitzender der Centralstelle für Gewerbe, Darmstadt. Landtagsabgeordneter Ripper, Pfaffen-Beerfurth. Bürgermeister Ripper, Gersprenz. Kabinett^rat Römheld, Darmstadt. Karl Schäfer, Schriftsteller, Darmstadt. Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Schmeel I., Darmstadt. Pfarrer Schneider, Reichelsheim. Beigeordneter Werner, Reichelsheim. Regierungsrat Wick, Erbach. Karl Wittich, Darmstadt. Hauptmann ä la suite Zerntn, Schriftsteller, Darmstadt. Beiträge nimmt die Expedition des »Gießener Anzeiger" entgegen. -Mstkiyttnililtn' Hohversteigerung. Montag den 24. d. Mts., beginnend 9 Uhr vormittags, wird das Etcheufchälholz des Feld- Heimer Waldes im Hinterwald IX versteigert: 20 rm Prügelstangen, 58 rm Reiserprügel. 50 rm Durchforst- ungtzreiser, 103 rm Astreiser. Die Prügelstangen eignen sich zur Herrichtung von Kleereutern. Die Reiserprügel sind größtenteils zu Baumstützen aufgearbeitet. 5396 Arnsburg, den 17. Juli 1899. Gräff. Oberförsterei. -UpfelüuWjd Zwiebelkuchen täglich von 8 Uhr an. 4922 __________Carl Spamer. IMckllchkll Montag, Mittwoch und Freitag von Ä Uhr ab. 4743 Friedr. Noll, Kosbäcker. B * ' ' *** **** M. 2,60 M. 3,- M. 3,60 M. 4,- pr. 7i Literflasche käuflich in: Lieh in der Apotheke. 682 Meue Heringe 3 I und K^eueKartoffeln empfiehlt billigst 5389 Robert Stuhl, lleugadi 23. Schotts Weinstube Bahnhofstrasse Ecke Wolkengasse Täglich 6407 frische Erdbeerbowle. Versuchen Sie gefl. den vielfach preisgekrönten JAVA von 340 R. Schuster, Bonn, Dampf-Kaffee-Brennerei, gegr. 1857, , zu 60, 70, 75, 80, 85, 90 und 95 Pfg. daS halbe Pfund. Verkaufsstelle in Gießen r H Wallach, Marktplatz 8. HmkchOeil nach Maß oder Muster werden unter Garantie des guten Paffens in kürzester Zeit geliefert. Reiche Auswahl in 4882 Stoffen und Einsätzen. Geschw. Heer z Neuenweg 7. 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Anlage B zur ; Deutschlands, l (Nr. 2602.) Bestimmung im Haupteisenbahner Gießen,! Gros In Linze Wetzlar) ist in 1 feftgefteflt und1 Unter dem izu Günterod Klauenseuche fe| Gießen, Gro Im Anschlu 1 (ZreMatt Nr. . die praktischen । htty Herrn Ob Sa: MM im Garten, V hiermit nochmc Vereins und son i eingeladen. Der Bi I Ank, landw. Der landtv. von Ende August °°n Sachverstänt ond zwar aus bi m Ober-Baden I'Rttf wirklich Men und Kalbi Ü“ s S "«d Salti« Men etwas nj fcrClc* Be .'Mlaß dürste flc W । leiti d-r E 2®^" 'nen ei, ö« 3* »•taS -