Ar. 118 Sonntag den 21. Mai Viertes Blatt. 1S99 Gießener A nzeiger General-Anzeiger 2lnrts- und Anzeigeblutt für den Atveis Gieren. Bei Postbezug R Mark 50 Pfg. -ierttljShrliö fl»t e bm t ton Nnzeigrn zu der nachmittag- für des W|fni.tr. Zog erichnnrnden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. "«Nch E luSnobmk de« MoniogS. Llle Anzeigen-BermittlungSstellen de« In- und 8u«t(ii*H nehmen Anzeigen für dm Gießener Anzeiger rntgege« A-,»g«,ret- vierleljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg mit Bringerlohn. ht G'eßmer 3inairie«t f«tfCK Wei! dem Anzeiger ■UtTtlid) viermal beigelegt. llGille Friedenskonferenz. Eine L i.entrittS dieser Konferenz wird einer der hervor- Kilahion, Expedition und Druckerei: -4»t-r«he Ar. 7. Präsident v. Staal beantragte hierauf unter Zustimmung, den Minister de Beaufort zum Ehrenpräsidenten und den ersten niederländischen Vertreter Jonkheer van Karnebeek zum Vizepräsidenten zu ernennen. Weiter wurden neun Schriftführer ernannt. Der Antrag v. Staals, die Verhandlungen der Konferenz als geheime zu behandeln, wurde gleichfalls angenommen. Nachdem die nächste Sitzung auf Sonnabend 11 Uhr angesetzt war, um die Kommissionen und sie Abteilungen zu wählen sowie das Arbeitsprogramm aufzustellen, wurde die Eröffnungssitzung nach einer Dauer von knapp einer halben Stunde aufgehoben. Oben auf der Galerie hatte auch Frau Bertha von Suttner als einzige Dame der Eröffnung beigewohnt. Fortwährend treffen Abgesandte von Gesellschaften der Friedensfreunde aus den verschiedenen Ländern im Haag ein, und fast allabendlich finden seit einigen Tagen Versammlungen statt, in welchen die Frage der Abrüstung behandelt wird. Tägl. Rundsch. Gratisbeilagen: Gießener Famitienbtätter, Der hessische Handwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger chtetze». Fernsprecher Nr. 51. unitootts Völker Europas sich untereinander verständigen, ■ith als Brüder zu leben und sich gegenseitig in ihren Be- düÄchiffrm zu unterstützen. Geleitet von diesen edlen Tra- hitim seines erhabenen Ahnen hat Se. Majestät allen Die Friedenskonferenz legt zu Füßen Eurer Majestät ihre ergebensten Glückwünsche zu dem heutigen Geburtstage nieder, und drückt ihre aufrichtigste Befriedigung darüber aus, an der Vollendung des großen und edlen Werkes mitwirken zu dürfen, für welches Eure Majestät die hochherzige Initiative ergriffen haben, und für welche die Kommission ihre ergebenste und tiefste Dankbarkeit anzunehmen bittet. Auch der von de Beaufort gemachte Vorschlag, den russischen Botschafter v. Staal zum Vorsitzenden zu wählen, fand einhellige Zustimmung. Dieser trat sofort sein Amt an, und hielt folgende Ansprache: „Meine erste Pflicht ist, dem niederländischen Minister der auswärtigen Angelegenheiten meinen Dank auszusprechen für die edlen Worte, welche er soeben meinem erhabenen Herrn gewidmet hat. Seine Majestät wird tief gerührt sein von den hohen Gesinnungen, von denen der Minister de Beaufort sich hat leiten lassen, und von der Bereitwilligkeit, mit welcher diese hohe Versammlung sich diesen Bestrebungen angeschlossen hat. Wenn auf den Kaiser von Rußland die Initiative zur Einberufung der Konferenz zurückzuführen ist so verdanken wir es der Königin der Niederlande, in ihrer Hauptstadt zusammenberufen worden zu sein. Es ist eine glückliche Vorbedeutung für den Erfolg unserer Arbeiten, daß wir unter den Auspizien einer jungen Herrscherin versammelt sind, deren bezaubernde Anmut bis in die weiteste Ferne ihre Wirkung übt, und deren, allem Großen und Edlen zugängliches Herz so viel Sympathie bezeugt hat für die Sache, die uns hierher geführt hat. Inmitten der Ruhe des Haag und im Schooße eines Volkes, das einen so hervorragenden Faktor der allgemeinen Zivilisation bildet, haben wir ein leuchtendes Beispiel dessen vor Augen, was Tapferkeit, Patriotismus und Thatkraft für das Wohl eines Volkes vermögen. Auf dem geschichtlichen Boden der Niederlande sind die größten Probleme des politischen Lebens der Staaten diskutiert worden. Hier, kann man sagen, stand die Wiege der Wissenschaft vom internationalen Recht. Jahrhunderte hindurch wurden hier die hauptsächlichsten Verhandlungen zwischen den europäischen Mächten gepflogen. Hier endlich wurde der bemerkenswerte Vertrag unterzeichnet, welcher einen Waffenstillstand in den blutigen Kämpfen zwischen den Staaten herbeiführte. Wir befinden uns also in lauter historischer Ueberlieferung. Es erübrigt mir noch, dem Minister des Auswärtigen der Niederlande meinen Dank abzustatten für die so schmeichelhaften, zu schmeichelhaften Worte, die speziell mir galten. Ich bin sicher, den Gefühlen aller Mitglieder dieser hohen Versammlung Ausdruck zu geben, wenn ich Exzellenz de Beaufort versichere, wie glücklich wir gewesen wären, wenn wir ihn bei unseren Versammlungen die Präsidentschaft hätten führen sehen. Sein Platz für daö Präsidium war nicht nur durch Vorgänge bei ähnlichen Gelegenheiten, sondern durch die Eigen- schckften des hervorragenden Staatsmannes angezeigt, der gegenwärtig die auswärtige Politik der Niederlande leitet. Sein Präsidium wäre überdies eine weitere Höflichkeitsbezeugung gewesen, welche wir seiner erhabenen Herrin hätten abstatten wollen, die geruht hat, uns liebenswürdige Gastfreundschaft anzubieten. Was mich betrifft, so kann ich die Wahl meiner Person für das Präsidium nur damit als begründet ansehen, daß ich Bevollmächtigter des Kaisers Nikolaus, meines erhabenen Herrn bin, der den Gedanken zur Konferenz angeregt hat. In dieser Eigenschaft nehme ich mit tiefer Dankbarkeit die ausgezeichnete Ehre an, welche mir der Minister des Auswärtigen erwiesen hat, indem er mich für das Präsidium vorschlug und die mir auch die Mitglieder der Konferenz erwiesen, indem sie diese Wahl guthießen. Ich werde alle meine Kräfte anwenden, um Ihr Vertrauen zu rechtfertigen, aber ich lege mir vollkommen Rechenschaft darüber ab, daß das vorgerückte Alter, welches ich erreicht, leider ein trauriges Privileg und ein schwacher Bundesgenosse ist; ich glaube indes, daß dies ein Grund für Sie sein wird, gegen mich nachsichtig zu sein." Während der Rede des Barons Staal, der übrigens etwas leise sprach, war ein Photograph eifrig an der Arbeit, den geschichtlichen Augenblick der Eröffnung der Konferenz durch verschiedene Aufnahmen zu verewigen. — Folgendes von Staal vorgeschlagene Telegramm an die Königin der Niederlande ward weiter angenommen: Die zum ersten Male im schönen Schlosse „Huis ten Bosch" versammelten Mitglieder der Konferenz beehren sich Euer Majestät ihre besten Wünsche zu Füßen zu legen mit der Bitte, den Ausdruck ihrer tiefsten Ergebenheit und ihrer Dankbarkeit für die Gastfreundschaft entgegenzunehmen, welche Ew. Majestät geruht haben, denselben in so huldvoller Weise zu gewähren. Deutsches Keich. Darmstadt, 19. Mai. Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin sissd am 17. d. M. abends mit Ihrer Majestät der Königin wieder in Schloß Windsor eingetroffen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatten vorher Ihre Majestät die Königin zur Grundsteinlegung des Kensington-Museums begleitet. Berlin, 19. Mai. In einem Artikel, betitelt: „Die Waffen nieder", welchen Baronin v. Suttner in der heutigen „Zukunft" veröffentlicht, teilt dieselbe mit, daß ihr der Delegierte einer großen Macht von der Friedens- Konferenz vor einigen Tagen folgendes geschrieben habe: Ich glaube, und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, daß die Konferenz sich der Notwendigkeit nicht wird entziehen können, etwas gutes zu schaffen, mehr als man erwartet. Man wird freiwillig oder widerwillig etwas gutes bieten und einmal auf diesem Pfade bis ans Ende gehen müssen. Man wird nicht mehr innehalten können, innehalten dürfen. Berlin, 19. Mai. Die Nachricht, daß die Gruftkapelle in Friedrichsruh am 1.Juni dem allgemeinen Zutritt geöffnet werden würde, ist, wie die „Hamb. Nachr." melden, nicht zutreffend. Die Arbeiten in der Umgebung der Kapelle sind noch nicht beendet, und die Heizungen im Innern haben bisher nicht eingestellt werden können, sodaß sich heute noch nicht übersehen läßt, zu welchem Zeitpunkte der Besuch wird freigegeben werden können. Es besteht die Absicht, Besucher an zwei oder drei Tagen in der Woche zuzulassen, sobald alle Arbeiten beendet sein werden; zur Ermöglichung der Aufsicht für den Wächter wird der Besuch aber selbstverständlich immer nur in kleinen Abteilungen von sechs bis acht Personen erfolgen können. — Zur Arbeiterschutz-Konferenz. Betreffs der Beteiligung Deutschlands an der internationalen Vereinigung zur Förderung des Arbeiterschutzes berichtet die „Soziale Praxis", daß eine große Anzahl Zuschriften von Herren vorliegt, die zu der Arbeiterschutz-Konferenz am 3. Mai in Berlin eingeladen, aber am Erscheinen verhindert waren. Mit dem Plane selbst bekundeten diese Zuschriften durchweg volles Einverständnis. Unter anderem schreibt Kardinal Kopp-Breslau: „Ich halte die private internationale Vereinigung für den Arbeiterschutz für das zurzeit einzig mögliche Mittel, um rückläufigen Bestrebungen entgegenzuwirken und die soziale Gesetzgebung auf einem ruhigen, aber fortschreitenden Gange zu erhalten. Ich trete der Vereinigung daher mit Freuden bei." — In Heidelberg starb vorgestern der außerordent- liche Professor Di. F. Meyer im Alter von 75 Jahren. Der Verstorbene ist unter seinem Schriftstellernamen Meyer von Waldeck bekannt. Der Schwerpunkt der Arbeitsleistung Meyers liegt in dem, was er für die Kenntnis russischer Zustände in Politik und Litteratur gethan hat. Seine Kenntnis Rußlands gründet sich auf langjährige eigene Anschauung russischen Lebens, wozu Meyer in verschiedenen Stellungen die Gelegenheit gegeben war. Mehrfach versuchte sich Meyer auch im Drama und Epos. Sehr ansprechend sind seine Schilderungen der russischen Preßverhältnisse. — Aus Bayern. Die Kammer der Reichsräte hat in ihrer gestrigen Sitzung mit allen gegen 9 Stimmen den neuen Gewerbesteuer-Gesetzentwurf nach den Beschlüssen des Reichsrats-Ausschusses angenommen. Im Laufe der Debatte ergriff auch Prinz Ludwig zweimal das Wort und trat der Behauptung entgegen, als ob das neue Gewerbesteuergesetz die Großindustrie zu stark belaste. Prinz Ludwig schilderte U|JM inti kLgrüßte die ankommenden Wagen. Um halb zwei ' '.hi btogann die Auffahrt zur Konferenz, die sich ungemein jj, doch tarnt out' gestaltete. Die Delegierten kamen in zweispännigen Vwnbmrn. Alle, auch die militärischen Vertreter, trugen slHüMM Rock; nur einige Holländer waren in Uniform ßttttft 'r#iian._ Jonkheer van Hoefft in großer Kammerherrn, jum & bewillkommnete die diplomatischen Gäste namens der K'MÜ» und machte die Ehren des Hauses in der Vorhalle, ifte 1 UV« sfr he der kleinen Freitreppe waren zwei Militärposten : dieselben zugesandt. 1 welche vor jeder Equipage das Gewehr präsen- :i vNei!. Die einzigen bunten Elemente in dieser Auffahrt M schwarzen Röcken waren die Türken mit ihrem roten 3 frq untD der Chinese mit seinem blauseidenen Staatskleide. ’lMlflll J-^^aniensaale nahmen die Ankommenden ihre Plätze wllllM/ll ci in, wrllche durch Zettel bezeichnet waren, und allsogleich croiwickillte sich eine lebhafte, wenngleich gedämpfte Unter# OS« tkilhing Das Ganze machte den Endruck eines Parlamentes. U Ä zwei Uhr nahmen alle Versammelten ihre Sitzplätze i m Der niederländische Minister that drei Schläge mit ^"^^^^deimPinsidentenhammer und begrüßte stehend die Mitglieder »MWDUWM'c'Zsil>ttgresseS. Seine Rede lautete wie folgt: Mr*i, im |ti Die Bevölkerung des idyllischen Haag scheint der __? Hiirde- iskonferenz wenig Beachtung zu widmen. Am Tage tote Eröffnung war das Gehölz fast ganz menschenleer. . Thr iii der Allee, die zum Parkgitter von „Huis ten Bosch" ' ührt, bildeten etwa zweihundert Zuschauer Spalier. Am C Silier war eine militärische Wache aufgestellt, welche nur ■ 1^2' rit ntitt Karten versehenen Personen passieren ließ. Ein ■ Pferde hielt in der Allee hinter dem Gitter 3n: Namen meiner erhabenen Herrscherin habe ich die Sie willkommen zu heißen und dem Kaiser aller Mm 'H'inficn, welcher durch die Wahl des Haag zum Sitze der jOU 'tclinierenj unserem Lande eine große Ehre erwies, meine chchü W tlM "ieiffilt Ehrerbietung und lebhafte Dankbarkeit auszudrücken, oijleneflötin. Dimchfeine edle, in der ganzen zivilisierten Welt mit Beifall L beiWßü Initiative hat der Kaiser von Rußland den von mflw -^ura iriner erhabenen Vorgänger, dem Kaiser Alexander I. ' riusSjibriucften Wunsch erfüllen wollen, daß alle Herrscher Veuver'schek läM- W ’SNehWMgen, deren Vertreter hier anwesend sind, den Zu- iit iarMmiiritt einer Konferenz vorgeschlagen, welche die Auf- ßunfemil qalH« halben soll, nach Mitteln zu suchen, um den unaufhör- j;Äen. üchpc Mstungen ein Ziel zu setzen und die schwere Not, weÄ'h bie ganze Welt bedroht, zu beendigen. Der Tag des Zw issiM entritts dieser Konferenz wird einer der hervor- ***** jpib i achtem Tage in der Geschichte des zur Neige gehenden für die 8- JabMmderts sein. Er fällt zusammen mit dem Festtage, beni aller Unterthanen des Zaren als nationalen Suche ein Feijiwiag begehen, und indem ich mich aus tiefstem Herzen Men. alle eit Wünschen für das Glück des großherzigen Souveräns schast |U $ anfetWe, will ich mir erlauben, als Wortführer der ganzen S! n bieieS siöirillMen Welt der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß der y? KaM, der in den Arbeiter dieser Konferenz die Ver- TirÄ.ng seiner großherzigen Ziele sieht, in Zukunft ^SgLbiefW'$ag als den schönsten seines Lebens ansehen wird. N ajestät, meine erhabene Souveränin, die von den- Gefühlen durchdrungen ist, welche den Kaiser von . Mu.Wb zu seinem Vorgehen angeregt haben, hat der Kon- T\A (iMf i fennn; k».is schönste historische Bauwerk zur Verfügung stellen VOO r°Ä Elches sie besitzt. Der Saal, in welchem Sie sich H i&l) ist von den hervorragendsten Künstlern des 17. Jahr- * ™ iw «Hilf, ausgestattet und von der Witwe des Prinzen Heinrich zum Andenken an ihren edlen Gemahl FA^---^uslIerririchl worden. Unter den Gruppen und allegorischen P^eRM1^ welche Sie hier bewundern werden, befindet sich /Zl^-^^mc ^ttllche sich auf den Westfälischen Frieden bezieht und besondere Beachtung verdient, nämlich die Gestalt, ÜÜlV^M^vellch suh über der Eingangsthür dieses Saales befindet, -^M^wo ife .trie Friedensgöttin in diesen Saal eintreten sehen, »ihn Ianustempel zu schließen. Ich hoffe, daß diese V^^^ulss^s-ichöm AIIlegorie von guter Vorbedeutung für Jhre-Arbeiten fcirbc, und daß Sie nach Beendigung derselben sich ^^VslM^wer fiigen können, daß die Friedensgöttin, welche die KunHin diesen Saal zuerst eintreten liefe diesen wieder "verlHn hat, um ihre Wohlthaten der ganzen Menschheit jn 1 Mr den zu lassen. Üe Rede wurde mit allgemeinen Beifallszeichen auf- u 1 gcncwni. Das gleiche geschah mit dem Vorschläge de jon,r folgende Depesche an den Zaren zu richten: dabei den schweren Stand, welchen Bayerns Großindustrie habe, da es ihr an genügenden Wasserstraßen und an billigem Bezüge von Kohlen fehle, während sie andererseits hohe Löhne zahle. Nur der Tüchtigkeit der Leiter und Arbeiter sei es gelungen, die Großindustrie auf ihrer jetzigen Höhe zu erhalten. In seiner zweiten Rede sprach Prinz Ludwig über die Lage der bayerischen Mühlenindustrie und befürwortete einen gerechten Ausgleich zwischen den Interessen der Großmühlen und denen der Kleinmühlen. AuÄsnd. Wien, 19. Mai. Der Landtag nahm einen Dringlichkeits-Antrag an, damit vr. Lueger Vorkehrungen treffe, daß die Redefreiheit im Landtage gewahrt bleibe. Weiter erklärte vr. Lueger, Pflicht der Negierung sei es, solche Beamte, wie den Hofrat Heiterer, welcher sich durch die Herausforderung des Landmarschalls eines Verbrechens schuldig gemacht hat, nach den bestehenden Gesetzen zu bestrafen. Wien, 19. Mai. Das von den deutschen Vertrauensmännern mit Ausnahme der Nationalradikalen soeben beschlossene national-politische Programm der Deutschen Oesterreichs fordert an erster Stelle, daß die deutsche Sprache als allgemeine Vermittlungssprache, daher als Sprache der Armee, des Parlaments und der Zentralbehörden gesetzlich festgestellt werde, ferner die Jnartikulierung des deutschösterreichischen Bündnisses im Wege der Gesetzgebung und die Schaffung einer mitteleuropäischen Zollunion, in welche die ehemals dem deutschen Bunde angehörigen österreichischen Länder einzutreten hätten. Für Böhmen wird außer der Bildung nationaler Landtagskurien die Verwaltungs-Trennung des deutschen Gebiets und für dieses die ausschließliche Geltung der deutschen Sprache in Schule und Amt gefordert, wobei für das tschechische Gebiet die innere tschechische Dienstsprache zugestanden wird. Graz, 19. Mai. Der Gerichtsbeamte Brais, welcher wegen Beteiligung an der „L o s - v o n - R o m" - B e w e g u n g verhaftet worden war, wurde seiner Stellung für verlustig erklärt. Budapest, 19. Mai. In der Ferenzer Zucker-Fabrik entdeckte ein Gerichtsbeamter im Hofe ein Packet, welches beim Aufheben explodierte. Der Beamte wurde furchtbar verstümmelt. Alle Fenster des Fabrikgebäudes sind zertrümmert. Man glaubt, daß einige fremde Arbeiter eine Bombe in das Packet gepackt haben. Rom, 19. Mai. Der Kassationshof entschied, daß die 1860beschlagnahmten Güter der Bourbonen denselben wieder zurückzustellen sind. London, 19. Mai. Aus Shanghai wird telegraphiert: Die chinesischen Truppen haben sich nach Schetung begeben, um die Italiener am Landen zu verhindern. Die chinesischen neuen Kreuzer haben in der Bay von Wei-hai-wei Auf- j stellung genommen, um ebenfalls eine Aktion der Italiener gegen die San-mun-Bay zurückzuschlagen. Die italienischen Kreuzer sind in der Bay von Wusang stationiert, und es ist vorauszusehen, daß die Chinesen den Italienern einen verzweifelten Widerstand leisten werden. England wird Italien keine Hilfe leisten. Petersburg, 19. Mai. Zwei bedeutsame Reformen werden, wie der Draht aus Petersburg wohl nicht ganz unabsichtlich gerade zum Beginn der Friedenskonferenz und anläßlich des Geburtstages des Zaren meldet, in Rußland geplant. Die erste betrifft die Anpassung des russischen Kalenders an den in fast allen gesitteten Staaten gebräuchlichen julianischen Kalender. Das Ministerium der Volksaufklärung ist nämlich amtlich davon benachrichtigt worden, daß bei der unter dem Vorsitz des Kaisers stehenden russischen astronomischen Gesellschaft ein besonderer Ausschuß zur Beratung der Kalenderreform eingesetzt sei. Man darf wohl annehmen, daß damit nun einmal Ernst gemacht werde. — Weiter wurde unter dem Vorsitz des Kaisers in Petersburg eine Konferenz zur Beratung der Deportationsfrage abgehalten. Dabei zog der Kaiser nachstehendes in Erwägung: Die seit dem 17. Jahrhundert bestehende Art der Verschickung von Verbrechern nach Sibirien hat sich, je mehr das Land durch freiwillige Ansiedler besiedelt wird, nicht nur als unnütz, sondern sogar als schädlich für Sibirien erwiesen. Mit der Verbesserung der Verkehrsmittel und der fortschreitenden kulturellen Entwickelung Sibiriens hat die Verschickung allmählich die Bedeutung einer Strafe verloren, während der Schaden, der dem Gebiete durch die Verbannung von Verbrechern dorthin zugefügt wird, mit jedem Jahre größer wird. Nachdem sich mit der Frage der Aufhebung der Verschickung und der Zwangsarbeit bereits die Kaiser Alexander II. und Alexander III. beschäftigt haben, betrachtet Kaiser Nikolaus diese Angelegenheit als ein Vermächtnis seiner Vorfahren und erblickt in der Verschickung ein schweres Hindernis für die Entwicklung Sibiriens. Er hat daher soeben (an seinem Geburtstage) befohlen, daß unter dem Vorsitz des Justizministers ein Ausschuß zusammentrete, der über den Ersatz der Verschickung durch andere Strafen und über die damit zusammenhängenden Angelegenheiten beraten soll. — Ein Aufsatz der „Times" besagt, daß die 'vom Präsidenten Krüger zugesagten Reformen völlig illusorisch und nicht vom geringsten Werte seien, die von ihm gemachten Konzessionen hinsichtlich des Wahlrechts feien offenbar ungenügend. — Ferner äußerte der Erste Lord der Admiralität, Goschen, in einer Rede auf einem Festmahle, daß die Lage in Afrika zwar noch zu Befürchtungen Anlaß gebe, daß er aber trotzdem hoffe, Präsident Krüger werde den Teil der Bewohner der Südafrikanischen Republik zufriedenstellen, welcher zu chrem Wohlstand beigenrr habe, und die Zufriedenheit und Loyalität im ganzen^, herbeiführen, wodurch die Unabhängigkeit des Lands n i besten gewahrt werde. Vermischtes. * Volksheilstätten für Lungenkranke. Der Verein • Begründung und Unterhaltung von Volks heilst;^ für Lungenkranke im Königreich Sachsen zählt nah r, eben erstatteten Jahresbericht 1399 Mitglieder mit 14 Beiträgen. Von den 362 in die Heilstätte für mfantig Lungenkranke in Albertsberg aufgenommenen schiede 11,16 v. H. ungebessert aus, während 88,84 v. H. gebessert die Anstalt verließen, und zwar 65,26 v. H erwerbsfähig, 17,79 als teilweise erwerbsfähig und J v. H. als erwerbsunfähig. Ein Todesfall kam nicht.- Die recht guten Erfolge würden noch zufriedenstellendir wenn nicht viele Kranke die Behandlung vorzeitig aufg^ weil ihre Angehörigen nicht ausreichend versorgt fink, Bau einer Anstalt für weibliche Lungenkranke hat Albert aus der Jubiläumsstiftung der Stadt 100000 Mk. überwiesen. * Gründung einer schiffsbautechmschen Gesellschaft dem Namen „Schiffbautechnische Gesellschaft^ am Dienstag, dem 23. Mai, in Berlin eine Gescllsh- begründet werden, die für Deutschland dieselben Zweckt:: folgen soll, wie die „Institution of naval architects Großbritannien. Die Gründung ist, nachdem ein in: Vorversammlung am 19. Februar d. I. gewählter fc schuß alle vorbereitenden Schritte bewirkt, hat, völlig gesichc da bereits namhafte Beträge, auch von Hamburgs Schiffswerften und Rhedereien gezeichnet sind. Der Z« der Gesellschaft, mit dem Sitz in Berlin, ist der ZusE schluß von Schiffbauern, Schiffsmaschinenbauern, Htdra Ofsizieren der Kriegs- und Handelsmarine u. s. w. jurt örterung wissenschaftlicher und praktischer Fragen Hinsicht: der Förderung der Schiffbautechnik. * Ein erfreuliches Zusammentreffen. Von Frant l erzählt der „Hann. Courier" nach einer italienifdjien 3ritirq folgende Anekdote: Liszt begab sich zurzeit, da sm Aw schon allbekannt war, aufs Land in einen Badeort ul wollte in einem Hause mieten. Bei der Unterredu'^7 dem Portier fragte ihn dieser: „Entschuldigen Sie, was haben Sie für einen 8mip „Ich bin Klavierspieler", antwortete Liszt. „Ach, wie sich das trifft", ruft der andere ersm „Ich spiele Klarinette, da werden wir zusammen musiziere Ob Liszt schließlich in dem Hause gemietet hat,- nicht bekannt. Bekanntmachung. Die Heberolle über die Beiträge zur land- und forstwirtschaftlichen Berufsgeuofseufchaft für das Jahr 1898 liegt von heute an während 14 Tagen auf der unterzeichneten Bürgermeisterei zur Einsicht offen. Innerhalb einer weiteren Frist von zwei Wochen, nach Ablauf der Offenlegungsfrist, kann der in der Heberolle als beitragspflichtig in Anspruch genommene gegen die Beitragsberechnung bei dem Vorstande der land, und forstwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft Einspruch erheben, (f. § 21 der Verordnung vom 11. Juli 1888, Regierungsblatt S. 83). Gießen, den 19. Mai 1899. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnautb. 4102 Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die Ttaats und Gemeindesteuer-Zettel in den nächsten Tagen den Steuerpflichtigen durch die Schutzmannschaft zugrstellt werden., Diejenigen Einwohner, welche bis zum 1. Juni keine Steuer» zettel erhalten haben, ihren Verhältnissen nach aber annehmen müssen, daß sie steuerpflichtig sind, werden hiermit aufgefordert, hiervon alsbald bei Vermeidung nachteiliger Folgen auf dem Bürgermeisterei Büreau — Zimmer Nr. 15 — Anzeige zu erstatten. Gießen, den 19. Mai 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 4103 Gnauth. Bekanntmachung. Da seitens des Stadtbauamts Gießen mit dem Ausbau der Bürgersteige in der Bahnhofstraße, zwischen der Wolkengasse und dem Bahnhofe, — in der Fraukfurterstratze, zwischen dem Selters- thore, und der Wilhelmstraße, — in ‘ der Steiustratze, zwischen der Nordanlage und der Dammstraße und zwischen dem Asterwege und der Schottstrabe, und in der vorderen Wilhelmstraße in nächster Zeit begonnen wird, so ersuchen wir die anliegenden Hauseigentümer der betr. Straben auch auf diesem Wege, uns bis Ende dieses Monats gefl. mitteilen zu wollen, ob jetzt ober in nächster Zeit ihre Häuser, welche zwar Wasser- aber noch keinen Gasanschluß b. sitzen, mit Gas versorgt werden sollen, damit wir die Gaszuleituugen vor Ausführung der Bürgersteige herstellen können. — Nach Fertigstellung der Bürgersteige sind solche Anschlüsse mit technischen Schwierigkeiten und großen Kosten verbunden. Gießen, den 20. Mai 1899. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. 4080 Otto Bergen. Evang. Gottesdienste der Method. Kirche Neuenweg Nr. 9, Hinterhaus 1. Stock, Eingang Erlengasse. Sonntag de« 21. Mai, nachmittags 3 Uhr: Predigt. Jeden Mittwoch abend Bibelstunde. Herr Pred. Barnickel. 1M9~~ Jedermann freund!, willkommen. "9M1 « Schützen-Verein. Mittwoch den 24. Mai, abends 9 Uhr: General-Ansammlung im Schützeuhaus. 4094 Kttlimslhk KkbkllS-UerßlhkttlUgg-GrseWast (grgränb. 1836). Zweiundsechszigster Geschäfts-Bericht. Im Jahre 1898, dem 62. Geschäftsjahre der Gesellschaft, wurden abeschloffen 3920 Aokizen mit........... Mk- 16251925 Kapital und Mk. 22251,50 Rente. Gesamte Aahres-Ginnahme pro 1898 ......Mk. 9 331027. Angemeldet 504 Steröesälle über.......Mk. 2 745 744»/7 Kapital. Geschäftsstand Ende 1898: RerstcherungsveSaud 39 636 Personen mit ... M8. 185663540 Kapital und Mk. 376245 Mente. Hesamt-Harantiefonds...........Mk. 65 372169. Anverteilter Reingewinn der lehte« 5 Jahre . Mk. 6152 270. Die Dividende pro 1899 beträgt für die nach Berteilungs-Modus I Versicherten 31% der 1894 gez. Jahresprämien und für die nach Verteilungs- Modus II Versicherten 3% der in Summa gez. Zahresprämieu. Berlin, den 12. Mai 1899. 4073 Direktion der Berlinischen Lebeus-Berficheruugs Gesellschaft Weitere Auskunft wird gern erteilt, auch werden Anträge auf «Zevens-, Spar- und Leivrenten-Aerficheruugen entgegengenommen von August Struck in Gießen, Bi-marckstrahe 6. Allein-Vertrieb für das Grossherzogtum Hessen: Brühl’sche Univ.-Buch- und Steindruckerei, Ft u. automatischer flbstendherstelLinq. KÖLN.Schildergassa 78. Berlin,Mohrenstr. 21. MK Weitaus vollkommenste Schreibmaschine, die HJaupIVorzüge sämtlicher Systeme vereinigend. ;___—----- Ei nziqe Ohr sichtbarer Giessen. Mein reich assortiertes Lager in echte« Schmtzn Ätrtitu Wr halte ich in Stücken von 4.20 Meter zu anherordentlich billigen Preisen bestens empfohlen. 633 J. Kaan jr., am Kttur. SRcbacrise: l. Burthartzr. — Ikrteg Wt vrü'ql'tchen llm»ersttit--Buch- und ©teinbnxderei (Pietsch Erbe«) in Gießen. Verdingung. 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