w«* rr, ,d fiifimttit, rrente iite feilring“ heif des m-lanolin 101.00 100.60 28,80 99.80 49'9° edjen 1887 100.20 end. 0K 99.60 nÄ 99.00 HSZs gitS-, ovios c leone j , t„,teofr»<. » leate^^>i DOO55-" 1899. Nr. 18 Erstes Blatt. Samstag den 21. Januar 1S99 Gießener Anzeiger General-Anzeiger 8ei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Bezugspreis DiertfiioUihd) 2 Mart 2U Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Alle Anzeigen.Vermittlungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Giehener Anzeiger entgegen. -Annahme von Anzeigen zu der nachiniltagS für den «folgenden Tag erscheinenden Nuunuer bis vorm. 10 Uhr. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamilienbtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Anrts- und Anzeigeblntt für den Krcti Gieren. Nebaltion, Ezpedttion und Druckerei: Schulstrahe Mr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Ließen. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Gieße n, den 17. Januar 1899. Betreffend: Die Ausführung des Gesetzes vom 10. September 1878 über den Schutz der in fremde Verpflegung gegebenen Kinder unter 6 Jahren. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ee die Grosth. Bürgermeistereien de- Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 15. Dezember 1898 (Gießener Anzeiger Nr. 298) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung mit Frist von 8 Tagen erinnert. v. Bechtold. Gießen, den 14. Januar 1899. Betreffend: Gesetz: Die Anschaffung und Unterhaltung des Faselviehes. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a» die Orostd. Bürgermeistereien des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 19. Dezember 1898 (Gießener Anzeiger Nr. 300) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert. v. Bechtold. Gießen, 16. Januar 1899. Betreffend: Die Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät Kaiser Wilhelms II. Die Großh. Kreis-Schulcommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Wir beauftragen Sie, rubr. Feier in den Ihnen unterstehenden Schulen in herkömmlicher Weise abhalten zu lassen. v. Bechtold. Deutscher Reichstag. I 13. Sitzung am 19. Januar. 1 Uhr. r Tagesordnung: Fortsetzung der zweiten Lesung des Etats. Etat Reichsamt des Innern. Titel Staatssekretär. Abg. Roesicke (wildliberal) wendet sich gegen die Ausführungen des Staatssekretärs und bezeichnet die Thätigkeit des Bundesrats als eine rein negative, weil er häustg sehr berechtigte Wünsche ahlehne, so in Bezug auf Koalitionsfreiheit der Arbeiter, Zulassung von eingetragenen Berufsvereinen, Aufhebung des Verbindungsverbots. An der Thronrede habe er, Redner, Verschiedenes auszusetzen; viel Positives bringe sie nicht. Sehr bedenklich sei die Ankündigung eines Gesetzes, welches sich direkt gegen die Arbeiter richte. Die Thronrede sage, die Verhältnisse in Bezug auf Streiks und Terrorismus seien geradezu gemeinschädlich geworden. Er, Redner, sei entgegengesetzter Ansicht, seit 1890 hätten sich die Verhältnisse gebessert. Vergessen dürfe man auch nicht, wie seitens der Arbeitgeber Massenaussperrungen in zunehmendem Umfange stattgefunden haben. Er sei überzeugt, daß, wenn der Kaiser über die Verhältnisse besser von seinen Räten unterrichtet worden wäre, er die Rede in Oeynhauseu nicht gehalten haben würde. Zu empfehlen sei die Errichtung eines Arbeitsamtes. Es sei Pflicht der verbündeten Regierungen, und des Reichstages, Einrichtungen zu treffen zum Schutze der wirtschaftlich Schwachen. Abg. Wurm (Soz.): Der Terrorismus der Arbeitgeber sei nicht nur eine Möglichkeit, sondern eine ganz unbestreitbare Thatsache. Es existierten Arbeitsnachweise der Unternehmer, die thatsächlich uichts weiter seien als Maßregelungsbureaus. Die von Herrn Roesicke empfohlenen Arbeitsnachweise unter gemeinsamer Leitung würden wohl nicht viel nützen, denn Herr Roesicke sei ein weißer Rabe unter den Arbeitgebern, den die vielen schwarzen Raben bald überflügeln würden. In seinen weiteren Ausführungen betont Redner, bei den meisten obrigkeitlichen Verordnungen, welche in die Arbeiterverhältniffe eingriffen, habe man nie vorher Arbeiter gefragt. Die Revision der gewerblichen Anlagen auf das Vorhandensein der Arbeiterschutzvorrichtungen sei unzulänglich. Im vorigen Jahre seien nur 30 Prozent der Betriebe revidiert worden, desgleichen sei die Zahl der preußischen Gewerbebeamten unzureichend, es scheine aber, als ob in Preußen für solche Zwecke kein Geld vorhanden sei. Wenn Arbeitgeber sich noch so sehr gegen die Arbeiterschutzvorschriften vergehen, so kämen sie mit Geldbußen weg, wenn aber ein Redakteur eine Majestätsbeleidigung übersieht, dann bekommt er 4 Jahre Gefängnis. Da dürfe man sich nicht wundern, wenn der Arbeiter an die Unparteilichkeit der Gerichte nicht glaube. Abg. Möller (nl.) wünscht eine Verständigung über die Revision des Unfallgesetzes und ist der Meinung, daß der gegenwärtige Zustand der Terrorisierung von Arbeitswilligen nicht fortbestehen dürfe. In England werde solcher Terrorismus auch ohne besonderes Gesetz bestraft, dafür sorge doch der gesunde Menschenverstand, von dem sich die Richter in solchen Fällen leiten ließen. Im Gegensätze zu Herrn Wurm behaupte er, daß seitens der Arbeitgeber häufiger freiwillige Lohnerhöhungen erfolgten. Im Auge behalten müsse man, daß man in Deutschland mit der sozialpolitischen Gesetzgebung allen anderen Ländern der Welt weit voraus sei. Täglich werde im Reiche eine Million für Unfall-, Kranken- und Invaliditäts-Versicherung von den Arbeitgebern und zum Teil allerdings auch von den Arbeitern aufgebracht. Und gegen alle diese Versicherungsgesetze hätten die sozialdemokratischen Abgeordneten gestimmt. Dem Wunsche nach einer Zentralstelle für Arbeiterstatistik stimme auch er. zu. Die Arbeiterschutzvorschriften nach einer Schablone zu handhaben, sei nicht möglich. Zu einer Fabrikaufsicht durch weibliche Personen könne er sich nicht bekennen; die Frauen würden nicht objektiv genug sein, das warme Herz würde mit ihnen durchgehen (Lachen links). Staatssekretär Graf Posadowsky führt aus, über gesetzgeberische Entwürfe, die noch nicht an das Haus gelangt seien, sei er nicht in der Lage, sich zu äußern. Eine Erlahmung der sozialpolitischen Gesetzgebung sei nicht eingetreten; nur könne man darin kein schnelles Tempo einschlagen. Daß Vergehen von Arbeitgebern gegen Arbeiterschutzvor- Die ZiMrsteukttefom im Großhmogtum Hessen. (Nachdruck verboten.) (1. Fortsetzung.) Der Fiuauzplau. Der in der bereits erwähnten gemeinsamen Begründung mitgeteilte Finanzplan ist der folgende: In dem laufenden Hauptvoranschlag sind als Ertrag aus Grund-, Gewerbe- und Kapitalrentensteuer eingestellt . . . Diese 3 Steuerarten sollen in Zukunft Wegfällen und durch eine Vermögenssteuer ersetzt werden, welche (bei einem Satze von 0,55 M. Steuer auf 1000 M. Vermögen) einen Ertrag verspricht von....... Durch Abänderung des Einkommensteuertarifs erhöht sich die Staatseinnahme um . . . Aus direkten Steuern können sonach gedeckt werden . . . so daß durch andere Einnahmequellen aufzubringen wären Hiervon sollen aufgebracht werden: 1) aus den Ueberschüssen der Eisenbahnbetriebsgemeinschaft 2) durch Errichtung einer Staatslotterie ....... 3) durch Neuordnung der Weinsteuer ........ 4) durch Erhöhung des Ver- waltungsstempels .... 5) durch Erhöhung der Hundesteuer ........ Mk. 4,700,000 1,980,000 Mk. 650,000 Mk. 2,630,000 2,070,000 670,000 Mk. 500,000 „ 500,000 „ 250,000 .. 165,000 „ 2,085,000 Obwohl die Eisenbahnüberschüsse im Jahre 1897/98 hie budgetmäßig vorgesehenen Beträge um 1,067,000 Mk. überstiegen haben, so entspricht es doch einer weisen Finanzpolitik, nur auf einen Teil derselben bestimmt zu rechnen, da es die Regierung nicht in der Hand hat, Schwankungen in den Eisenbahn-Erträgnissen zu vermeiden. Es sind deshalb nur etwas mehr als 2/s der Ueberschüsse vorsichtigerweise in Rechnung gezogen worden. Da man aus den oben näher angegebenen Gründen weder die Einkommen-, noch die Vermögenssteuer einträglicher gestalten konnte, so war man genötigt, noch zu anderen Einnahmequellen seine Zuflucht zu nehmen, aus denen man — wie oben unter 2) bis 5) bezeichnet — etwas mehr als 1,400,000 Mk. zu erzielen hofft. Es kann zwar nicht erwartet werden, daß die Einführung einer Staatslotterie und die Wiedereinstcllung der Weinsteuer, sowie die Erhöhung des Verwaltungsstempels und der Hundesteuer allgemein Beifall finden werden, und es wäre gewiß wünschenswert gewesen, wenn man ohne sie hätte auskommen können. Da dies aber ausgeschlossen war, und die Durchführung der Steuerreform von der Annahme sämtlicher Gesetzentwürfe abhängig ist, so werden die Ständekammern gezwungen sein, die in Vorschlag gebrachte Neugestaltung der Staatseinnahmen entweder in ihrer Gesamtheit anzunehmen — wobei selbstverständlich nicht alle, zum Teil wohl berechtigten Wünsche der Volksvertretung erfüllt werden können — oder überhaupt vorerst auf eine Reform zu verzichten. Volkswirtschaftlich und steuertechnisch brauchbarere Vorschläge zu machen, wird wohl niemand imstande sein. Aenderungen der Gesetze im einzelnen werden allerdings nicht ausbleiben können, und es wird sich die Regierung hiergegen wohl auch nicht verschließen können, so lange der finanzielle Erfolg im ganzen nicht gefährdet wird. Die Bermögeusfteuer. Unter den vorgelegten Gesetzentwürfen ist der wichtigste derjenige über die Vermögenssteuer, nicht nur, weil diese Steuer den höchsten Ertrag liefern soll, sondern auch, weil gerade sie berufen ist, die Mängel der jetzigen Steuergesetzgebung, welche eine Reform wünschenswert erscheinen lassen, zu beseitigen, und den Gewerbebetrieb sowohl, wie die Landwirtschaft von drückender Steuerlast befreien wird. Soll doch die Ermäßigung bei schuldenfreiem Grundbesitz etwa 60 °/0, bei dem zurzeit gewerbsteuerpflichtigen Vermögen etwa 28 °/8 betragen. Bei verschuldetem Grundbesitz oder Gewerbebetrieb würde die Entlastung sogar noch bedeutender sein, so daß z. B. für Grundbesitz, der zur Hälfte mit Schulden belastet ist, durchschnittlich nur noch etwa 20 % der jetzigen Grundsteuer zu zahlen wäre. Daß dafür die Besteuerung des Kapitalvermögens gegenüber der derzeitigen Kapitalrentensteuer eine Erhöhung um etwa 15 °/» erfahren wird, kann nur erwünscht sein. Selbstverständlich bezieht sich die Entlastung vorläufig nur auf die Staatssteuer, weil die Regelung der Gemeindesteuer einem besonderen Gesetze überlassen bleibt. Da von der Vermögenssteuer auch das Kapitalvermögen getroffen wird, so kommt natürlich auch die Kapitalrentensteuer künftig in Wegfall. Nach dem Entwürfe sollen alle Arten des Vermögens mit dem gleichen Steuersatz belegt werden. Hierdurch wird allerdings in Zukunft die Möglichkeit genommen, wie seither Grundbesitz, Gewerbebetrieb und Kapitalbesitz verschieden hoch zu belasten. Es bleibt jedoch auch fernerhin den Ständen das Recht gewahrt, für jede Finanzperiode über die Höhe des allgemeinen Vermögensfteuersatzes zu beschließen, so daß unter Umständen der Satz von 55 Pf. pro 1000 Mk. einmal erhöht oder ermäßigt werden kann. In der dem Gesetzentwnrfe beigegebenen besonderen Begründung wird hervorgehoben, daß die juristischen Personen (also in erster Linie die Aktiengesellschaften) von der Vermögenssteuer befreit bleiben sollen, weil dieselben auch in Preußen nicht von der Ergänzungsstener getroffen werden. Man glaubt für die hessischen Aktienunternehmungen aus den bereits oben näher dargelegten Gründen keine ungünstigeren Bestimmungen einführen zu dürfen, als dies in Preußen geschehen ist. Obwohl an sich eine Heranziehung dieser Gesellschaften zur Vermögenssteuer besonders erwünscht scheint, so wird man sich doch wohl dem angeführten Bedenken nicht verschließen können, und sich damit begnügen müssen, daß dieselben wenigstens zur Em- kommensteuer herangezogen werden. Selbstverständlich unterliegen danach auch die eingetragenen Genossenschaften aller Art und die Konsumvereine als solche nicht der Vermögenssteuer. (Fortsetzung folgt.) schriften bestraft werden, wünsche auch er; er wisse, daß der preußische Handelsminister den Justizminister gebeten habe, soweit möglich darauf hinzuwirken, daß solche Vergehen streng bestraft werden. Wir, so schließt Redner, werden in der Fürsorge für die arbeitenden Klassen nicht ruhen, werden uns aber durch nervösen Dilettantismus nicht dazu treiben lassen, unreife Gesetze zi; machen. Abg. Agster (Soz.) verbreitet sich ausführlicher darüber, wie häufig die Arbeiter litten durch den Terrorismus der Arbeitgeber. Nunmehr vertagt sich das Haus auf morgen 1 Uhr. Fortsetzung der Debatte. Schluß 53/4 Uhr. Deutsches Reich. Berlin, 19. Januar. Der Kaiser empfing gestern mittag den Prinzen Albert von Schleswig-Holstein. Zur Frühstückstafel waren geladen der Botschafter Graf v. Münster und der Staatssekretär v. Bülow. Heute vormittag um 10 Uhr hörte der Kaiser den Vortrag des Generals v. Hahnke. Um 12 Uhr besichtigte der Kaiser im kleinen Schloßhofe eine für den Sultan zum Geschenk bestimmte Kanone. Berlin, 19. Januar. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht eine große Anzahl von Ordensverleihungen an türkische Offiziere. Berlin, 19. Januar. Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Ein Wiener Blatt hat sich aus London über Aeußerungen berichten lassen, welche der Kaiser in einer Unterredung mit einem Mitgliede des Londoner Junior Carlton-Klub, Dr. Fenner, gethan haben soll. Wir stellen fest, daß keine derartige Unterredung stattgesunden hat, Berlin, 19. Januar. Die Präsidien beider Häuser des Landtages wurden gestern abend 7 Uhr gleichzeitig vom Kaiser und der Kaiserin empfangen. Berlin, 19. Januar. In der heutigen Sitzung der Budget-Kommission des Reichstages brachte beim Etat der Reichsdruckerei der Abgeordnete Müller-Fulda den Fall Grünenthal zur Sprache. Er erbat vom Staatssekretär Auskunft darüber, wie hoch der von Grünenthal angerichtete Schaden sei und ob Maßnahmen ergriffen seien, welche derartige Veruntreuungen für die Zukunft unmöglich machten. Staatssekretär Podbielski antwortete, im ganzen habe sich Grünenthal 489 300 Mark angeeignet. Durch den Nachlaß Grünenthals seien 314 000 Mark gedeckt, sodaß der wirkliche Betrag, der von der Reichsdruckerei zu decken sei, sich auf nur 145300 Mark belaufe. Im übrigen seien die Kontroll-Maßregeln derart verschärft worden, daß ähnliche Veruntreuungen für die Zukunft ausgeschlossen erscheinen. Der Etat der Reichsdruckerei wurde bewilligt. Es folgte die Beratung des Etats für Kiautschou, für welches 8500000 Mark gefordert werden. Einnahmen sind nicht vorhanden. Staatssekretär Tirpitz teilt auf eine Anfrage mit, daß acht Todesfälle an Malaria und Ruhr vorgekommen seien. Nach seiner Beurteilung werde Kiautschou künftig, wenn die Grundarbeiten beendet seien, andern Orten an der chinesischen Küste gesundheitlich überlegen sein. Die neuesten Nachrichten über die Kohlenverhältnisse lauteten recht günstig. Zur Zeit würden die Vorarbeiten für die Hafen-Anlagen gemacht. Verträge mit Unternehmern seien noch nicht abgeschlossen, Verhandlungen aber im Gange. Der Etat wurde schließlich bewilligt. Morgen steht der Reichs-Eisenbahn- und« Militäretat auf der Tagesordnung. Berlin, 19. Januar. Das Bankgesetz ist in der heutigen Sitzung des Bundesrats nach den Vorschlägen der Ausschüsse, denen die Vorlage zur Prüfung überwiesen war, augenommen worden. Die Vorlage soll sofort dem Reichstage zugehen. Berlin, 19. Januar. Die dem Bundesrat vorliegende Novelle zur Gewerbe-Ordnung sieht, wie die „National-Zeitung" berichtet, zunächst eine Kontrolle der Gesinde-Vermieter und Stellenvermittler vor. Der Betrieb dieser Gewerbe soll von besonderen polizeilichen Konzessionen abhängig gemacht werden. Ferner schlägt die Novelle neue Bestimmungen vor über die Einführung von Lohnbüchern und Arbeitszetteln, sowie über die Mitgabe von Arbeit nach Hause und die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter, namentlich in der Konfektionsbranche. Sodann werden eingehende Bestimmungen vorgeschlagen über die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen und Arbeitern in offenen Läden. Schließlich enthält die Novelle eine Ergänzung der Bestimmungen über das Verfahren bei Errichtung genehmigungspflichtiger Anlagen und Erweiterung der Zahl der vom Gewerbebetriebe im Umherziehen ausgeschlossenen Gegenstände. MP.C Berlin, 19. Januar. In der Reichslagssitzung vom 17. Januar er. ist der süddeutsche Abgeordnete Beckh wie im Vorjahr auf den Massenmord unserer Singvögel in Italien zurückgekommen. In Mailand hätten sich Bauern gerühmt, einer Wirtschaft in einem Monat 9 Doppeleentner kleiner Vögel geliefert zu haben. Wir können bei dieser Gelegenheit darauf Hinweisen, daß alljährlich Tausende von lebenden Wachteln namentlich von Aegypten aus nach England befördert werden. Es liegt danach die Gefahr vor, daß diese Vogelart schließlich ganz vernichtet wird. Es wäre in der That dringend erwünscht, wenn allgemeine internationale Vereinbarungen zum Schutz der heimischen Vogelarten recht bald zustande kämen. In erster Lime hat auch die Landwirtschaft ein hervorragendes Interesse hieran. M.P.C. Der Regierungspräsident in Kassel, Graf Clairon d' Haussonville, ist krankheitshalber gezwungen, in den Ruhestand überzutreten. Als sein Nachfolger wird vielfach der Regierungspräsident von Trott zu Solz angesehen. Frankfurt a.M., 18. Januar. Der Minister der öffentlichen Arbeiten und der Finanzminister haben sich bereit erklärt, den Beginn der Erhebung von Abgaben auf dem kanalisierten Main, der für den 1. April in Aussicht genommen war, bis zum 1. Oktober d. I. zu verschieben. Dieses Entgegenkommen ist in der Erwartung erfolgt, daß ein Abkommen mit der Stadt Frankfurt über die Verpachtung der Mainkanalabgaben an die Stadt unter angemessenen Bedingungen zustande kommt. Der Magistrat legte deshalb den Stadtverordneten eine entsprechende Vorlage vor, und nach zweimaliger Beratung sprach gestern die Stadtverordnetenversammlung in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig ihre grundsätzliche Zustimmung zum Abschluß eines solchen Pachtvertrages aus. Hanau, 19. Januar. Heute Vormittag wurde in der elektrotechnischen Fabrik von Schneeweiß & Engel durch Erplosion eines '.mit Luft und Wasser gefüllten Kessels der Ingenieur Luedde aus Braunschweig und ein Arbeiter getötet. _______________________________________________________ Ausland. Wie«, 19. Januar. Im Abgeordnetenhause wurde heute die Obstruktion fortgesetzt. Wien, 19. Januar. Der Vizepräsident der Prager Statthalterei, sowie der Polizeidirektor von Prag wurden nach Wien berufen, um über die jüngsten Straßen-Vorgänge in Prag zu berichten. Wien, 19. Januar. Die Nachricht von einer Einigung der Obmänner der deutschen Oppositionsparteien bestätigt sich. Das Kommunique besagt, daß nach eingehender Erörterung der politischen und nationalen Lage der Deutschen in Oesterreich die Parieivorstände einmütig die dringende Notwendigkeit anerkannten, gemeinsam die üanonälen und politischen Forderungen der Deutschen aufzustellen und zu vertreten. — Die deutsche Fortschrittspartei und der verfassungstreue Großgrundbesitz stimmten einhellig jenen Beschlüssen der Obmänner der Linken zu. Prag, 19. Januar. Der „Narodny Listi" zufolge ist die Regierung entschlossen, das Rekrut enge setz auf parlamentarischem Wege zu erledigen. Sollte dies verhindert werden, so werde die Regierung das Abgeordnetenhaus auflösen. Ebenso sei die Negierung entschlossen, trotz des Kampfgetöses der Opposition die Beseitigung der in Bezug auf die nationalen Rechte noch bestehenden Unbilden fortzusetzen. M.P C. Rom, 19. Januar. Es heißt, daß Crispi in der italienischen Kammer den italienisch-französischen Handelsvertrag energisch bekämpfen werde. Da die Vorteile, welche sich in dem Vertrag die beiden Con- trahenten einräumen, auch Deutschland zu gute kommen müssen, hat dasselbe kein Interesse daran, zum Abschluß eines möglichst vorteilhaften handelspolitischen modus vivendi zwischen Italien und Frankreich scheel zu sehen. Wenn Italien wirtschaftliche Vorteile von einer handelspolitischen Annäherung an Frankreich davon zu tragen glaubt, so kann uns das nur freuen und wird uns um so weniger grämen, je größeren Wert wir selbst darauf legen, auch unsererseits mit Frankreich uns handelspolitisch möglichst gut zu stellen. Wenn man jetzt mehrfach Betrachtungen in der Presse begegnet, nach denen es scheinen könnte, als seien vor dem neulichen Besuch des hiesigen Botschafters der französischen Republik, des Marquis de Noailles, in Potsdam die deutschfranzösischen Beziehungen solche gewesen, daß ein freundlicher Verkehr zwischen hervorragenden Persönlichkeiten beider Nationen als ausgeschlossen habe betrachtet werden müssen, so brauchen wir, um das Gegenteil zu konstatieren, nur daran zu erinnern, daß beispielsweise der Besuch, den der deutsche Reichskanzler vor einem Jahr auf dem Ausstellungsterrain in Patis abstattete, von der französischen offiziellen Welt sehr honoriert und von der Presse in Frankreich ganz allgemein als ein Beweis dafür aufgefaßt wurde, daß sich die Beziehungen zwischen beiden Ländern immer mehr besserten. Paris, 19. Januar. Esterhazy konferierte heute vormittag mit den Anwälten Cabanes und Sauvel, welch letzterer vor Esterhazys Erscheinen beim Kassationshofe mit dem Präsidenten Löw eine Unterredung haben wird. Unvermutet traf nach mehrjähriger Abwesenheit Charles Lesseps in seiner Pariser Wohnung ein. Man bringt seine Anwesenheit mit dem von Beaurepaire angedrohten Artikel in der Panama-Affaire in Zusammenhang. Paris, 19. Januar. Die Bordereau-Frage bildete den Gegenstand des Verhörs vor der Kriminalkammer des Kassationshofes. Dabei beharrten die Sachverständigen des Kriegsgerichts vom Jahre 1894 dabei, daß das Borderau von Dreyfus herrührte, während die Sachverständigen in dem Prozesse Esterhazy auf das bestimmteste die Ansicht aufrecht erhielten, daß das Borderau von Esterhazy herrühre. — In einer „großen" Rede hat sich der Kolonialminister Chamberlain wiedereinmal mit auswärtiger Politik beschäftigt, und zwar im besonderen mit den Beziehungen zu Frankreich. Er erwähnte die Beseitigung anderer Anlässe zur Erregung auf Seiten Frankreichs, darunter, nach dem Faschoda-Fall, die Nigerangelegenheit und die Zurücknahme der französischen Forderung auf Ausdehnung der französischen Niederlassung in Shanghai. Er freue sich über die Erklärungen einflußreicher französischer Staatsmänner und Zeitungen, welche darauf dringen, daß die Gelegenheit ergriffen werde, alle übrigen Fragen, die den Anlaß einer Reibung zwischen den beiden Ländern geben könnten, in freundschaftlicher Weise zu erledigen. Wenn dieser Wunsch bei dem französischen Volke und der französischen Regierung bestehe, so komme ihm das englische Volk mehr als auf halbem Wege entgegen. Dann wandte Chamberlain sich gegen den Teil der Pariser Presse, der England als kriegsbegierig darstelle, während England doch den Krieg hasse. Diese anscheinend, allerdings auf Kosten Frankreichs versöhnlichen Worte machte dann der Minister durch einige heftige Ausfälle wieder wett: Die zwei Fragen, betreffend Madagaskar und Neufundland seien noch unerledigt. Was Madagaskar angehe, so sei die englische Negierung der Ansicht, daß hier ein Treubruch vorliege. Feierliche Verpflichtungen seien ignoriert und umgangen worden, England sei um Vertragsrechte gebracht worden, der britische Handel habe hierdurch beträchtlichen Schaden erlitten. So lange die Frage nicht geschlichtet sei, werde ein tiefes Gefühl des Verdrusses beim englischen Volke bestehen bleiben. Die Regierung hoffe und glaube indes, daß diese Frage in einer für beide Länder annehmbaren Weise ihre Beilegung finden werde. Die Thatsachen betreffend Neufundland, so legte Chamberlain weiter dar, böten ein typisches Beispiel einer boshaften Politik, welche augenscheinlich darauf ausgehenden größtmöglichen Aerger und Schaden für andere mit möglichst geringen Vorteilen für ihre Urheber zu verbinden. Wenn Frankreich übrigens Willens sei, Anlaß und Quelle der Erregung zu beseitigen, dann werde England bereit sein, die Aufhebung dieser Rechte durch Gewährung einer billigen Entschädigung zu vereinbaren. Nachgerade scheinen die Briten zu glauben, den Franzosen auch jede Demütigung bieten zu können. Gleichzeitig liebäugelt Chamberlain wieder nach einer anderen Seite hin. Er glaube, so sagte er, daß die Annahme der „Politik der offenen Thür" in den deutschen Kolonien zu deren Gedeihen beitragen werde. England werde die Ausdehnung der Kolonien ohne Eifersucht betrachten und die Mitwirkung Deutschlands und der Ber> einigten Staaten begrüßen. Und (so schloß Chamberlain) er glaube, England ko,?."e, °hne allzu sanguinisch zu sein, sich auf deren Zustimmung unu M"w,rkung be.se, nem Bemühen verlassen, die allgemeine Annahme des Grundsatzes herbcizu- führen, dem es so hohe Wichtigkeit buve9^ — Gegenüber der Nachricht, daß Bismarcks „Gedanken und Erinnerungen" in Rußland nicht cingeführt werden dürfen, wird aus Odessa mitgeteilt: „Dieses Werk ist allein in Odessa in Hunderten von Exemplaren eingeführll >' ich besitze es seit Wochen. Der Stadthauptmann von Odessa, Graf Schuwalow, Sohn des ehemaligen russischen Botschafters in Berlin, ließ es per Draht bestellen und war somit der erste Empfänger."____________________ Lokales und Provinzielles. Gießen, den 20. Januar 1899. * • Auszeichnung. Seine Königliche Hoheit der G r o ß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 28.Dezember 1898 dem Ortsgerichtsmann Adam Kadel III. von Zotzenbach, das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für lang^ jährige treue Dienste" zu verleihen. • * Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 18. Januar 1899 die Finanzaspiranten Paul Schlamp aus Mainz und Richard Müller aus Alsfeld zu Hauptsteueramtsassistenten- bei dem Hauptsteueramt Mainz zu ernennen. * • Ernannt wurden am 15. Januar Johann Klopf aus Rothhausen und Wilhelm Freitag aus Hatzfeld zu Kulturtechnikern, mit Wirkung vom 1. Februar 1899 an. Aus dem Gebiete der Justizverwaltung. Das am 14. l. Mts. herausgegebene Großh. Regierungsblatt vom 13. Januar 1899 enthält Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Justiz vom 7. Januar 1899, den V or- bereitungsdienst und die Prüfung der Gerichtsschreiber und Gerichtsvollzieher betreffend, worin u. a. bestimmt ist, daß 1) wer Gerichtsschreiber bei einem Amtsgericht oder Hilfsgerichtsschreiber bei einem Gerichte werden will, wenigstens zwei Jahre mit Erfolg im Vorbereitungsdienste beschäftigt gewesen sein und hiernächst eine Prüfung bestanden haben muß; 2) zu dem Vorbereitungsdienste nur zugelassen werden darf, wer a. das achtzehnte Jahr vollendet hat, b. sich über den erfolgreichen Besuch einer höheren Schule des Großherzogtums Hessen ausweist, c. gute Sittenzeugnisse besitzt; 3) der unter Nr. 2)b. geforderte Nachweis nur erbracht werden kann durch Vorlage entweder des Abgangszeugnisses einer höheren Bürgerschule, worin keine geringere als die Durchschnittsnote „gut" erteilt ist,, oder des Zeugnisses eines Gymnasiums, eines Realgymnasiums oder einer Realschule, worin mindestens der erfolgreiche Abschluß der Untersekunda bescheinigt ist; 4) während des Vorbereitungsdienstes dem Aspiranten keinerlei Vergütung geleistet werden darf. * * Befitzwechsel. Das der Frau Friedr. Zimmermann- Witwe gehörige Haus, Seltersweg 34, ging zum Preise von 40,000 Mk. in den Besitz des Herrn Uhrmachers Heinrich Marx dahier über. * • Der große Maskenball des Gießener Zitherklub findet dieses Jahr am Sonntag dem 5. Februar im Cafe Leib statt. Derselbe scheint wiederum außerordentliches zu bieten, und wird demzufolge sicher an Anziehungskraft nicht verlieren. Von Seiten des Vereins wird alles aufgeboten werden, damit sich das närrische Publikum gehörig amüsieren kann. Da die erzielten Überschüsse zur Kleidung hiesiger armer Kinder verwandt werden, ist dem Verein für dieses Unternehmen guter Erfolg zu wünschen. — In der gestern Abend abgehaltenen Vereinssitzung wurde das diesjährige Sommerfest für den 4. Juni in Aussicht genommen. • • Wetterbericht. Den Nordwesten Europas bedeckt heute eine neue umfangreiche und tiefe Depression, deren Centrum am Morgen nördlich von Schottland zu erkennen war. Dieselbe erstreckt sich bereits nach dem Kontinent herein, und ist damit häufig das Barometer im Fallen begriffen. Gleichzeitig hat aber der hohe Druck zunächst über dem Süden des Erdteils an Raum und Intensität gewonnen. Demzufolge ist für unsere südlichen Gebietsteile- * !° Ugte Bchl-l einet i ausgehe, den uut möglichst inhen. ®Cnn- -uelle her Er- ?n9 der Zln- ..Agland sei handel lllnae s Gefühl L selben. Die ^meiner mer billigen - scheinen die ,e Demütigung üerlain wieder 3 sagte er, daß ' in den beut« werde. Eng. ohne Eiserfucht und der Str?. \ Chamberlain) sch Zu sein, sich ’M Bemühen aßes Herbeizu- »tarcks „W id)t eingesührt „Dieses Werk len eingesührt^' mn von Odessa, sischen Botschas- und war somit te. uar 1899. eit her Groß- Dezember 1898 von Zotzenbachs i\V. W heit der Groß- 5. Januar 1899 ins Mainz und eramtsassistenten L Zohann rntz WW ia 3iat 1899 an. lung. Das am ierungsblatt vom Großherzoglichen 1899, den Vorder Gerichts- bettessend, worin „richt oder hilss- te werden will, n Borbereitungs- hiernächst eine jugelafjen w* „4 eiwW’" ^en ausweist, .«iS nur erbrait L b-- hule, worin M bescheMt \\V ’bemW* *y5 DrU^ -nsiB ¥ \ ®ebie,äl" »w" n E S? ’ ebrnal auM an auV .■‘ÄS'? •3“"' _a bedew ,n ®uto . „ beIi« wieder Föhnlage geschaffen, und hat es dabei hier allenthalben aufgeklart. Die Temperaturen erfuhren im Laufe des Tages eine beträchtliche Zunahme. — Voraussichtliche Witterung: Mildes, im Norden wolkiges oder trübes, im Süden zunächst noch heiteres Wetter. △ Son der Lahn, 20. Januar. Wie die Leser des „Gießener Anzeiger" aus den Inseraten ersehen haben werden, findet unter der Direktion von G. Trautmann am Montag wieder eine musikalische Aufführung int Gesellschaftshaus (Klub) statt, und werden alle Freunde der Mufik gern die ausgezeichneten Leistungen, die sorgfältige Auswahl und energische Direktion des genannten Musikdirektors anerkennen, dessen Leitung die vortrefflichen Chöre und die jeweilige Musikkapelle mit Hingebung Folge leisten. Zu besonderer Dankbarkeit stimmt viele im Blick auf den Chor der Umstand, daß auch heute noch bewährte und erprobte ältere Mitglieder ihre Mitwirkung freudig zur Verfügung stellen und somit die Gelegenheit bieten, daß zu dem alten Stamme jugendlich frische Geister und Stimmen sich gesellen. Wie das Hauptkonzert Montag, den 23. Januar um 6y2 Uhr abends beginnt, so geben wir zur Erwägung, ob nicht auch die theatralischen Vorstellungen, wenigstens die von längerer Dauer, hier und da schon um 7i/2 Uhr beginnen könnten. Die Möglichkeit geben auch Theaterfreunde aus Gießen selbst zu. Darmstadt, 19. Januar. Die im vorigen Jahr begründete „Beamten-Baugenossenschäft" hat die Erwerbung eines größeren Terrains am Südende der Stadt, nahe dem Endpunkte der elektrischen Stadtbahn Bötlenfall- thor und dem Walde, sehr schön und gesund gelegen, ins Auge gefaßt und will daraus, städtische und staatliche Genehmigung vorausgesetzt, ca. 60 villenartige Häuser zum Allein bewohnen für die Genossenschafter errichten. Ursprünglich war ein Gelände am Ostende der Stadt, nahe der Rosenhöhe in Aussicht genommen. Dieses Projekt ließ sich aber nicht verwirklichen. Wie man sich städtischerseits zum neuen Projekte stellt, muß abgewartet werden. Offenbach, 15. Januar. Im Jahre 1898 sind in Deutschland 1231 ländliche Genossenschaften neu gegründet und 146 aufgelöst worden. Insbesondere wurden 818 ländliche Spar- und Darlehnskassen neu gegründet und 69 ausgelöst. Bezugs- und Absatzgenossenschaften wurden 72 gegründet und 31 ausgelöst. 24 ausgelösten Molkereien stehen 164 neue gegenüber. Von sonstigen Genossenschaften sind 177 gegründet worden, besonders zahlreich neue Winzervereine, dagegen wurden 22 wieder aufgelöst, und zwar hauptsächlich Pferdezuchtvereine in Folge der veränderten preußischen Körordnungen. Das Gesamtergebnis des abgelaufenen Jahres ist eine Vermehrung der ländlichen Genossenschaften um 1085. Es bestanden Anfang 1899: 8655 Spar- und Darlehnskassen, 1059 Bezugs- und Absatz-, 1758 Molkerei- und 708 sonstige Genossenschaften, insgesamt 12180 landwirtschaftliche Genossenschaften. A Mainz, 19. Januar. Beigeordneter Baurat Kuhn gab in der gestrigen Stadtverordnetensitzung über den Dammrutsch in dem hiesigen Floßhafen die Erklärung ab, daß nach dem Urteil der Sachverständigen niemandem, nur dem Hochwasser und dem starken Wellenschlag eine Schuld an dem Vorkommnis beizumessen sei. Daß der Damm tragfähig gewesen sei, beweise die Thatsache, daß am Tage vorher ein Zug mit 22 Achsen über denselben gefahren und hierbei nicht die geringste Bewegung wahrgenommen worden sei. Auch die Breite des Dammes könne nicht beanstandet werden, indem bei der staatlichen Abnahme die technischen Sachverständigen die Erklärung abgegeben hätten, daß der Damm stark genug für eine Vollbahn sei. Heute morgen hat man damit begonnen, die Lokomotive und Wagen aus dem Wasser zu heben, wozu die hiesige Eisenbahndirektion die nötigen maschinellen Kräfte bereitwilligst zur Verfügung gestellt hat. — Bei der Anlage des neuen Schlacht- und Viehhofes hier sind die Dispositionen derart getroffen worden, daß Zucht- und Nutzviehmärkte auf demselben abgehalten werden können. Ein Antrag um Abhaltung solcher Märkte bei dem Ministerium lag dem Ausschuß des landwirtschaftlichen Vereins von Rheinhessen zur Begutachtung in seiner letzten Sitzung vor. Letzterer sprach sich für die Abhaltung der Märkte aus, jedoch mit der Bedingung, daß dieselben mindestens einen halben Kilometer von dem Viehhof entfernt stattfinden, welches Gutachten gleichbedeutend mit einer Verwerfung des von der Stadt gestellten Antrages ist, indem um den Mainzer Schlacht- und Viehhof herum in der angegebenen Entfernung überhaupt kein Meter freies Gelände mehr ist. △ Mainz, 19. Januar. Der Rhein ist, wie schon telegraphisch mitgeteilt, aus seinen Ufern getreten und hat einen Teil des Quais längs der Stadt überschwemmt. Beerst erscheint indes eine weitere Ueberschwemmungsgefahr k ■ t?-u denn seit zwölf Uhr heute mittag ist der Rhein hier nicht mehr gestiegen und zeigt der Pegel als höchsten Stand 3,72 Meter. Auch vom Oberrhein und Neckar melden die Nachrichten sämtlich Fallen des Wassers, nur vom Main wird noch langsames Steigen signalisiert. Worms, 18. Januar. Die freiwillige Feuerwehr mußte gestern nachmittag von der Eisenbahnverwaltung herangezogen werden, um die Lokomotiven mit Wasser zu versorgen, da infolge der Störung im städtischen Wasserwerk auch der Bahnhof ohne Wasservorrat war. Zu diesem Zwecke mußte der größte Teil der Maschinen nach dem Rhein fahren, wo die Feuerwehr in Thätigkeit war, andere Maschinen verteilten sich zur Wasserversorgung nach Frankenthal und Osthofen. (W. Ztg.) Aus der Zeit für die Zeit. Vor 95 Jahren, am 21. Januar 1804, wurde zu Wien er Maler Moritz v. Schwind geboren, ein Künstler von weatem Schwung, hervorragender Tüchtigkeit und liebenswürdigem Humor. Er zählt zu den ausgezeichnetsten Historienmalern der jüngsten Vergangenheit- vor allem brachten ihm seine hochpoetischen Märchenpoefien: „Aschenbrödel", „Sieben Raben" und „Schöne Melusine" einen Beifall, wie er wenig künstlerischen Schöpfungen der neueren Zeit zu teil geworden ist. Schwind starb am 8. Februar 1871 in München. Vermischtes. * Koblenz, 19. Januar. Das Hochwasser der Mose richtet großen Schaden an. Die Orte auf dem rechten Ufer sind ohne jegliche Verbindung, da die Fähren ihren Betrieb eingestellt haben. Hier sind die Ufer überschwemmt und dar Wasser ist in die Keller eingedrungen. In Ehrenbreitstein steht der Rhein in den Straßen. * Bom Main, 19. Januar. Die Nebenflüsse des Maines, die Nidda, Schwarzbach und Wickerbach führendem Main gewaltige Wassermassen zu. Das angrenzende Acker- und Wiesengelände ist stellenweise überflutet. Auch der Main ist auf seinem Unterlauf an verschiedenen Stellen aus den Ufern getreten. Zwischen Flörsheim und Hochheim ist das Wasser bis an die Weinberge vorgedrungen und steigt noch fortwährend. Die amtlichen Wafferstands Telegramme melden von der Fulda, Eder und Diemel ein teilweises Stillstehen des Hochwassers, das indessen bereits vielfach die Niederungen überflutet hat. Der Weserstand bei Münden war 3 Meter, der Stand der Fulda bei Hersfeld 2,30 Meter, bei Fulda 1,40 Meter über Null. * Sturm und Unwetter. Aus Queenstown, ^.Januar, wird berichtet: Der Dampfer „Alesia", der „Hamburg- Amerika-Linie" gehörend, meldete heute der Marinestation Old Head of Kinsale, daß sein Ruder beschädigt und das Schiff schwer zu lenken sei, und verlangte Bugsierschiffe und Lotsen. Infolgedessen wurden Bugsierschiffe und ein Lotse von Queenstown abgesandt, kehrten aber später zurück mit der Nachricht, sie hätten von der „Alesia" in der Nähe von Corkhafen nichts gesehen und hätten sich infolge des sich steigernden Südweststurmes nach dem Hafen von Queenstown zurückbegeben müssen. Eine spätere Meldung besagt: Die „Alesia" nähert sich dem Hafen von Queenstown, wo sie den Ruderschaden ausbessern wird, um dann die Reise nach Boston sortzusetzen. * Die „Deutsch-asiatische Warte", das in Tfintau erscheinende deutsche Organ, bringt in der jetzt eingetroffenen Nummer vom 3. Dezember einige für die Entwicklung der neuen Kolonie bemerkenswerte Nachrichten. Das Verzeichnis über die Ergebnisse der Landversteigerung vom 3. Oktober weist als Hauptkäuferin die Deutsch-ostasiatische Bank auf, die zwei ganze Blocks gekauft hat. Großkäufer waren noch die Firmen Mandl u. Co. in Shanghai und v. Anzer, weiter Carlowitz u. Co., Snethlage u. Co., Kranz zu Shanghai und eine ganze Reihe von deutschen Kaufleuten. Lagerplätze erwarben, durchschnittlich um das zehnfache der Taxe: Schwarzkopf u. Co., Siemssen u. Co., Kröbel, Cheap Jack, Kröbel Kiautschougesellschaft, Sietas, Hambeck u. Co., v. Anzer. An nicht militärischen Ankömmlingen werden verzeichnet: Regierungs-Baumeister Knopf, Ingenieur Reichardt, Leitungsaufseher Baasch, Zollkommissar B. v. Dahlen, Kaufmann H. Jessen, kaiserlicher Richter Dr. Gelpke, Obersteiger Kampmeyer, Kaufmann Eberhardt, Kaufmann Karl, Schriftsetzer Concacao. * Der gekränkte Gemeindebürger. In einer Gemeinde nahe bei Zürich erhielt jüngst ein Gemeindebürger einen „Bußenzettel", auf 50 Rappen lautend, weil er die Gemeindeversammlung „geschwänzt" hatte. Er schickte darauf dem Gemeindeschreiber eine geharnischte Entgegnung, die der „Züricher Post" im Original vorlsegt. Sie lautet wörtlich und buchstäblich: jch muß Euch schreiben das jhr mir Sontag Einen Busenzettel geschickt haben, wegen das jch nicht an die gemeintz-fersamlung geckomen Bin; Warum das ich nicht geckomen Bin will jch es Euch schreiben fon wegen dem fillem Rauchen das man fast fersticken muß; An der Neujahrgemeint hab es dem Bresitend gesagt aber da war nur geschen an Selber gemeintzfersamlung, und fon Selbern mal nicht mer; jch kome nicht mer an Eine fer- . samlung wen das Rauchen nicht ferboten wird an Einer gemeintzfersamlung; das jch unter dem fenster Stehen muß wie Ehso Unarmensunter; und den fille Ein noch zum ge- spöt haben; jch muß es nur Bemerken, daß ich es 2 Tage nacher imer noch schwer macht, jch muß den Herrn..... Nun aufmerksam machen das Er den Brotickol nach schauen Soll den wird Er finden das es auch schon einmal ferboten worden ist; jch glaube es Sei noch das gleiche Recht wo dazumal; Wan Jhr mich andrecht gent so schlan jch Euch sofort Recht for; Wo mich 50 raben nicht umbrechten; wegen der Buß; Aber Ornung will jch haben; mit achtungs soll Bescheind.....in hier; man muß nur jeden 50 raben Busen machen es wird dan woll aufhören, das Rauchen." Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 22. Januar. 3. nach Epiphanias. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags 91/, Uhr: Pfarrassistent Dr. Heußel. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrassistenl Dr. Heußel. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Beichte und heil Abendmahl für die Markusgemeinde. Anmeldungen zuvor bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Freitag den 27. Januar: Kaisers Geburtstag. Vormittags 9/s Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Communion: „ um 8 Uhr: die zweite heil Mesie; „ um 9Ve Uhr: Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 5>/, Uhr: Christenlehre; darauf Andacht mit ___________Segen.______________________ Universitäts Nachrichten. — A*en. Der berühmte Zoologe Hofrat Friedrich Claus, früher Professor der Wiener Universität, ist, 66 Jahre alt, am 18. ds. hier gestorben. Prof. Karl Friedrich Wilh. Claus stammt aus Kassel. Er studierte in Marburg und Gießen Naturwtffen- schasten, insbesondere Zoologie. 1858 habilitierte sich ClauS in Marburg, 1859 in Würzburg alS Dozent der Zoologie. Ein Jahr später wurde er in Würzburg außerordentlicher Professor und 1863 ordentlicher Professor in Marburg, 1870 in Göttingen und 1873 in Wien. Der Verstorbene beschäftigte sich hauptsächlich mit Untersuchungen auf dem Gebiete der wirbellosen Tiere. ClauS war Anhänger der DeScenbenzlehre und Gegner des extremen Darwinismus, wie ihn Häckel vertritt. Die Ergebnisse seiner Forschungen hat der Gelehrte in vielen Schriften niedergelegt.___________________________ Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 20. Januar. Die Interpellation der freisinnigen Fraktion des Abgeordnetenhauses über die nord- fchleswigschen Ausweisungen wird voraussichtlich nach der ersten Beratung des Etats auf die Tagesordnung kommen. Die Begründung der Interpellation hat Abgeordneter Barth übernommen. In der Besprechung wird Abgeordneter Munckel das Wort nehmen. Berlin, 20. Januar. Der Abgeordnete Beckh von der freisinnigen Volkspartei hat im Reichstage zur zweiten Beratung des Etats die Interpellation eingebracht, für unschuldig erlittene Haftstrafen Entschädigung zu gewähren. Die wirtschaftliche Vereinigung des Centrums hat eine Interpellation bezüglich Ausführung des Weingesetzes im Reichstage eingebracht. Wien, 20. Januar. Nach einer Meldung deutschböhmischer Blätter wurde der Baron Ludwig Hopp im Walde von Prohosten meuchlings erschossen. Brünn, 20. Januar. Der deutsche Fortschrittsverein ist in Prohosten behördlich aufgelöst worden. Rom, 20. Januar. Der Besuch der französischen Flotte in den italienischen Häfen ist für das Frühjahr gesichert. Paris, 20. Januar. Unter den hiesigen Vertretern der Karlisten-Partei herrscht seit einigen Tagen besondere Aufregung. Es laufen Spezial-Kuriere ein und aus und ein reger Depeschen-Wechsel findet zwischen hier und Calais und zwischen hier und Bordeaux statt. Man nimmt an, daß die Karlisten-Bewegung in eine aufständische Bewegung ausarten wird. Brüffel. 20. Januar. Das sozialistische Blatt „Peuple" veröffentlicht einen viel bemerkten Artikel, in welchem König Leopold davon verständigt wird, daß die Sozialisten entschlossen seien, falls König Leopold bei den kommenden Wahlen durch einen Gesetzesvorschlag oder durch sein persönliches Eingreifen in die Wahlbewegung eingreifen sollte, die Sozialdemokraten die Revision der Verfassung betreffend Regelung der belgischen Dynastiefrage aufwerfen würden. London, 20. Januar. „Standard" meldet aus Kopen- ;agen, der Zar glaube nicht, daß es notwendig sei, die Abrüstungs-Konferenz in Petersburg selbst stattfinden zu lassen. London, 20. Januar. Infolge des Sturmes, welcher am Kanal herrscht, ist der Dampfer-Dienst mit Frankreich unterbrochen. Die Dampfer, welche in Calais anlegen sollen, müssen nach Folkestone gehen. Es herrscht ein heftiger Regen vermischt mit Schnee. In Schottland ind die Flüsse aus ihren Ufern getreten. In der Graf- chaft King mußten die Einwohner aus ihren Häusern lüchten. Viele Häuser sind infolge der Ueberschwemmung eingestürzt. London, 20. Januar. Ein hiesiges Blatt versichert, aus zuverlässiger Quelle zu wissen, daß die Königin Viktoria ür den Monat Mai einen Königs-Kongreß veran- talten werde, zu welchem alle regierenden Fürsten, sowie Präsident Faure und Mac Kinley eingeladen werden sollen, um über die Abrüstungsfrage, welche für die Königin eine höchst wichtige geworden ist, zu beraten. Bis jetzt erwartet man nur noch die Antwort Mac Kinleys. Algier, 20. Januar. Der Bäcker-Aus st and dauert ort. Die Militär-Bäckerei kann den Bedarf nicht mehr 'ecken, so daß Brotnot herrscht. Die Ausständigen ver- ;alten sich ruhig und erwarten die Vorschläge der Meister. Das schönste Gesicht "fi sich Unreinheiten der Haut wie Pusteln, Mitesser, Schrunden, ©ommertpi offen u. f. w. einstellen. Diese zu bekämpfen bedarf eS einer vernünftigen Gesundheitspflege der Haut und nicht der Anwendung scharfer, ätzender, die Haut in den meisten Fällen zerstörender Mittel. 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