1899 Freitag den 20 October Erstes Blatt. Nr. 247 Anrts- und 2lnzeigeblntt fut? den ICreU Gieren. Kreisamt Gießen. Großh. v. Bechtold. ico«s r r M ' 1 ♦» Alle Anzeigen-BernnttlungSstellen deS In- und '2üi6taiti)eS vchmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. mit Brtngerlohn. Lei Postbezug 2 Mart 50 Pfg. vierteljährlich. aMltN dto. X •• Redaktion. Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar. 7. ♦♦ ff ff Sstberren« burger Kaiserrede anders aufzufasien, als eine, übrigens ehrenwerte Kritik in öffentlichen Blättern insgemein gelhan hat. Die Anrede „edle Herren der Kirche" hatte einen ironischen Beigeschmack. Natürlich redete der Kaiser nicht, wie wir sonst in der öffentlichen Debatte thun, so im Stil diplomatischer Höflichkeit. In undiplomatisches Deutsch übersetzt, war sein Gedanke wohl dieser: Ihr hohen Herren von der römischen Kirche, nehmt Euch in acht und laßt von den Wühlereien gegen Kaiser und Reich. Bedenket, daß nicht die Kirche Christi, nicht das Reich Gottes, wohl aber Euer Reich, Eure Kirche dem überall gegen sie an- I brandenden Zeitgeist gegenüber in Deutschland lediglich auf dem Halt und Schutz ruht, den die Staats- und Reichs- qewalt Euch durch außerordentliche Ehrungen und Begünstigungen gewährt!" — (So verstanden, war die kaiserliche Rede von tiefer Wahrheit.) , — Wie aus Brüssel gemeldet wird, haben sich sett gestern die Arbeiten der Gesandtschaft derart gehäuft, daß die Abreise des vr.Leyds nachBerlin verschoben werden mußte. ______ Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische Uolbskunde.______________ M 2 Ma.k 20 Pfg. rnouallich 75 Pfg. 98 W 9684 tb !• 100.08 48»0 100.J ooot Bezugspreis viertel lährtich Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Ä*S5 *x * Deutsches Reich. Berlin, 18. Oktober. Der Kaiser fuhr heute morgen 71/, Uhr vom Neuen Palais nach dem Mausoleum bei der Friedenskirche in Potsdam und legte am Sarge Kaiser Friedrichs einen Kranz nieder. Um 8 Uhr trat der Kaiser mit Gefolge von der Station Wildpark aus die Reise nach Hamburg an, woselbst die Ankunft heute nachmittag 1 Uhr erfolgte. Nach der Begrüßung durch den Bürgermeister fuhr der Kaiser nach der Wohnung des preußischen Ge« sandten. An dem Frühstück, welches gleich nach dem Em- treffen in der Gesandtschaft stattfand, nahm auch der General- Oberst Graf Waldersee teil. Sodann besichtigte der Kaiser den Kreuzer Falke und wohnte dem Stapellauf des Linienschiffes B. bei und kehrte zum Gesandten Grafen Wolff Metternich zurück. Abends 7 Uhr beabsichtigte der Kaiser an einem Diner am Rathause teilzunehmen und um 10 Uhr die Rückreise nach Berlin anzutreten. Berlin, 19. Oktober. Ueber die Ansprache des Kaisers in Straßburg an „die edlen Herren der Kirche" ist schon manches gute Wort gesagt worden. Aber kems ist treffender, als was Professor Beyschlag (Halle) in feinen „Deutsch-evang. Blättern" soeben zum besten giebt. Er glaubt, die Anrede „edle Herren der Kirche" ironisch verstehen zu müffen. Nach längerer Ausführung schreibt der kundige Ausleger: „Das alles bestimmt mich, die Straß- Bekanntmachung, betr.: Maul- und Klauenseuche. Wegen der immer noch starken Verbreitung der Maul- und Klauenseuche in unserem Kreise und den benachbarten Kreisen und insbesondere wegen der in Gießen selbst in einem Gehöft herrschenden Seuche muß der auf den 24. u. 28. d. Mt6. itt Gieße« festgesetzte Viehmarkt verboten werden. Gießen, den 17. Oktober 1899. Kskitrs and PrornnMes. Gießen, den 19. Oktober 1899. ** Geschichtskalerrver. (Nachdruck verboten.) Vor 72 Jahre», am 20. Oktober 1827, wurde die türkisch ägyptische F^tte tm Hase» von Navartn von den Engländern, Franzosen. und Russen an» fltnvff n. Schüss-, die v elle.cht zufällig von türkische, Seite auf bas englische Admiralsschiff fi len, gaben das Signal zum Kampfe. Nach vier Stunden war die Flotte der Osmanen vernichtet. *» TaS Herbstwetter macht große Fortschritte. Die Tage werden nicht nur mit Macht kürzer, sondern, abgesehen von wenigen Stunden über Mittag, auch schon empfindlich kalt. Allenthalben hat man schon Nachtfröste beobachtet, und der Reif, den man bei Sonnenaufgang über die Felder aus- qebreitet liegen sieht, kann keinen Zweifel mehr darüber bestehen lassen, daß der Winter mit schnellen Schritte» näher kommt. Trotzdem darf man nun nicht gleich dar warme Zimmer für den einzigen angenehmen und gesunden Aufenthalt ansehen, was bezüglich der Kinder von so viele» Eltern gern geschieht. Ist die Sonne hoch genug emporgestiegen, sodaß man ihrer Wärme froh wird, dann sollen auch die kleineren Kinder, die durch den Schulbesuch noch nicht an der freien Ausnutzung des Tages gehindert sind, ins Freie geschickt werden. Muß die Kleidung entsprechend der Jahreszeit auch schon etwas wärmer ausgewählt werden, so geht es ohne dicke Wintermäntel und schwere Halstücher Kehwer Anzeiger Heneras-Anzeiger Ausland. Wien, 18. Oktober. Die Eröffnung des Reichsrates verlief programmgemäß. Die Wahl des Präsidenten Dr. Fuchs wurde ohne besonderen Zwischenfall vorgenommen. Nur die Schönerer-Gruppe protestierte gegen dieselbe. Graf Clary hielt namens der neuen Negierung seine Programmrede, in welcher er das neue Ministerium als ein vollkommen neutrales bezeichnete, welches sich die Aufgabe gestellt habe, die parlamentarischen Zustände wieder herbeizuführen. Die Rede Clarys wurde von den Jungtschechen fortwährend lärmend unterbrochen, dagegen an vielen Stellen von der Linken beifällig begrüßt. Unter den von der Regierung eingebrachten Vorlagen befinden sich auch die Aufhebung des Zeitungs- und Kalender-Stempels. Nachdem die Abgeordneten Dr. Bück und Dr. Nappaport eine längere Interpellation wegen der Polnaer Mord- affaire und der wegen dieses Prozesses von den Antisemiten eingeleiteten Judenhetze eingebracht und verlesen hatten, wurde die Sitzung geschlossen. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt. — Die Parteien der Linken einigten sich dahin, einen gemeinsamen Antrag auf Aufhebung des § 14 der Verfassung einzubringen. , ,, Rom, 18. Oktober. Mehrere Mächte beschlossen, Militärbevollmächtigte in das englische Hauptquartier in Südafrika zu entsenden. Die englische Regierung hat dazu ihre Einwilligung gegeben. Paris, 18. Oktober. Die Untersuchungskommission 1» der Komplottaffaire wird ihre Arbeiten morgen oder spätestens übermorgen beendet haben. London, 18. Oktober. „Daily Chronicle" melden aus Wien, daß die Trauung der Erzherzogin Stephanie mit dem Grafen Elemer Lonyay in London am 22. November stattfindet. Dagegen verweigerte Kaiser Franz Joseph die Bewilligung zu einer Vermählung des i Thronfolgers mit der Gräfin Sophie Chotek. Bekanntmachung, betr.: Erweiterung des Bahnhofs Gießen; hier: Enteignungsverfahren. Zur Fortsetzung der am 18. Oktober l. Js. unterbrochenen Verhandlungen, insbesondere auch zur Verpflichtung und Jnstruierung der Sachverständigen, Einsichtnahme an Ort und Stelle, Vernehmung der Beteiligten u. s. w. gemäß Art. 34 und 35 des Enteignungsgesetzes vom 26. Juli 1884 ist Tagfahrt auf Gamstag, 28. Oktober l. Js., vormittags 9 Uhr im Regierungsgebäude dahier, Brandplatz Nr. 9, anberaumt worden. Die Beteiligten werden hierzu unter Wiederholung der in der Bekanntmachung des Großh. Kreisamts Gießen vom 20. September 1899 (Kreisblatt Nr. 222) angedrohten Nechtsnachteile geladen. Gießen, den 18. Oktober 1899. Der Vorsitzende der Lokalkommission. Frhr. Schenck._________________ Bekanntmachung, betr.: Maul- und Klauenseuche zu Hungen. Nachdem die Maul- und Klauenseuche zu Hungen völlig erloschen ist und die angeordnete Desinfektion ftattgefunden hat, wird die Sperre der verseuchten Gehöfte und der Gemarkung wieder aufgehoben. Gießen, den 19. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gieße». v. Bechtolds____________________ •iH go.88 Erscheint 1ägki<6 mu AuSnadmk drS Montag». Gießener AamllieavtLlter »erbt* btm Anzeiger wüchmNich viermal beigelegt. Sstraße). >ese, Mehrer i. ittrom, eitflfifdje Wagen *Ä.-. *** Randpolslerung und Feder» 1 Mk. 16.-. "Mche B«gen gewünschten Lackinung und ij« Nt in Wtis«. ■)3W , Mrmg 19. Mer «•plan Stationen Sie«*»’ Friedberg, I* j itz Fulda, Alsfeld, , Jedem, und *he* Bkberth»lb-*bn; ] rjrrs bezogen W* A itn- ton* bti ’——__IM rSrtzsS Aouahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den felynfcen Tag rrfcheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. dtung* Amtlicher Kett. Gießen, den 17. Oktober 1899. Betr.: Müllerei Berufsgenossenschaft. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au das Großh. Polizeiamt Gieße« und die Großh. Bürgermeistereien der Laudgemetudeu desKreiseS. Wir benachrichtigen Sie, daß für den Bezirk des Kreises Gießen Herr Mühlenbesitzer Hch. C. Zimmer in Grünberg als Vertrauensmann und Herr Mühlenbesitzer Daniel Christ in Lollar als dessen Stellvertreter für die Zeit vom 1. Oktober d. Js. bis dahin 1901 gewählt worden sind, und daß der Geschäftsführer der rubr. Berufsgenossenschaft Herr Val. Feldmann in Frankfurt a. M., Moselstraße 29 als Beauftragter gemäß des § 82 des Unfalloersicherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 für den Bezirk der Sektion XL bestellt worden ist. v. Bechtolds Bekanntmachung. Nachdem das Erlöschen der Maul- und Klauenseuche in den Gemeinden Babenhausen und Klein-Eichen (Kreis Schotten) festgestellt worden ist, ist die s. Zt. angeordnete Ge mar kungS sperre wieder aufgehoben worden. Für einzelne Viehbestände, bei welchen eine genügende Desinfektion noch nicht durchgeführt ist, wurde Stallsperre angeordnet. Gießen, den 14. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ____________________v. Bechtold.____________________ Bekanntmachung. Der Vortrag in Oberhörgeru über Molkereiwesen und Gründung einer Molkerei am Sonntag dem 22. Oktober muß wegen eingetretener Verhinderung des Herrn Direktor Dr. v. Peter auf Gouutag d-u L2. November v.J. 1 uü pnsimmn letteartikel re. Mersweg 2. ein sät, als: magnum bonum, be Wäusfyn tcfrei in» 735t , Zmchch 6. bK »auses iv der Markt' 7448 verschoben werden. Die Herren Bürgermeister von Ober- I Hörgern und Umgebung werden um Bekanntmachung im I Orte ersucht. Gießen, den 19. Oktober 1899. Der Direktor des landw. Bezirksvereins. I. V.: Boeckmann. ____ ______ I ♦ Vom Kriegsschauplatz. London, 18. Oktober. Der deutsche Reichspostdampfer „Kaiser" hat die für Transvaal bestimmten 4000 Kisten I Munition in Port Said ausgeladen, um die I Beschlagnahme derselben durch britische Schiffe im Roten Meere zu vermeiden. Auf dem „Kaiser" sollen sich auch deutsche Offiziere befinden, welche nach Transvaal gehen. London, 18. Oktober. Die Buren lagen in der Nacht von Montag zu Dientag in der Nähe van Glencae. Die Kalanne des Generals Jaubert steht in der Nähe van Dannhauser und bewegt sich langsam nach dem Süden. Die Buren sind durch die Besetzung van New-Castle in den Besitz beträchtlicher Vorräte gelangt. London, 18. Oktober. Hier verlautet, daß der Prä- I sident Krüger eine Circularnote an die Mächte richten werde, in welcher er seine Haltung rechtfertigen wird. London, 18. Oktober. Die „Times" melden, die vom Parlament verlangte Summe für die Ereignisse in Südafrika werde ungefähr 10 Millionen Pfund betragen. Dieselben werden nicht als Kreditvotum gefordert, sondern als Supplement zum Armee Etat. Loudon, 18 Oktober. „Daily Mail" berichtet, daß die englischen Kreuzer „Philomene" und „Tartar" beauftragt sind, alle Dampfer, welche sich auf den südafrikanischen Gewässern befinden, nach Kriegs-Kontrebande zu durchsuchen. Dasselbe Blatt erfährt, daß der eingeborene Häuptling Bunia seine Streitkräfte zusammenzieht, angeblich um die Buren anzugreifen. London, 18. Oktober. Der Kriegsminifter ver- I öffentlichte heute morgen folgende Note: Seit der Note, I welche der Presse am Dienstag mitgeteilt wurde, hat sich I in Südafrika kein ernster Zwischenfall er- I eignet. (??) Alle diesbezüglichen Meldungen der Blätter I sind daher mit Vorsicht aufzunehmen. London, 18. Oktober. Amtlich wird die Meldung, daß I die Buren bei Mafeking eine Niederlage er» I litten, dementiert. Vor Mafeking befinden sich 9000 Buren. I Die englischen Vorposten sind zurückgedrängt worden. Mafe- I fing ist vollständig isoliert. Für morgen wird das Resultat I des Angriffes auf Mafeking, welcher gestern begonnen hat, I erwartet. Kapstadt, 18. Oktober. Aus Harrysrnith eingetroffene Flüchtlinge erklären, daß der Vanreenenpaß groß- I artig befestigt sei. Die gesamten Truppen des Oranje» I freistaats an der Grenze werden auf 11000 Mann ver- I anschlagt Diese befinden sich mit 12 Kanonen bei Dann- I Hauser. _____________________________ doch noch lange. Was soll man den Kleinen denn im kalten Winter bei Schnee und Eis anziehen, wenn man sie jetzt schon in Watte packen möchte? Der Herbst bietet die beste Gelegenheit, durch Abhärtung des Körpers für eine feste xnb dauernde Gesundheit zu sorgen! * • •• Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 18. Oktober u. a. den Bauinspektor Becker von Gießen. •* Erlaubnis zur Annahme eines fremden Ordens. Seine Majestät der Kaiser haben Allergnädigst geruht, dem Generalmajor v. Madai, Kommandeur der 79 Infanterie- Brigade, die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Komturkreuzes 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen und der Kommandeur-Insignien 1. Klasse des Herzoglich Anhaltischen Hausordens Albrechts des Bären zu erteilen. ** Theaterverein. Nach dem in der nächsten Woche stattfindenden, allseitig mit Spannung erwarteten Gastspiel Adalbert Matkowsky's als Sigismund in Calderon's „Das Leben ein Traum^ folgt in der zweiten Vorstellung, Mittwoch den 8. November, ein Gastspiel von Karl William Büller. Der von seinem Auftreten im vorigem Winter in ausgezeichneter Erinnerung stehende Künstler wird den weiberhassenden Junggesellen in Dreyers Schwank „Großmama" spielen und in dieser Rolle die denkbar beste Gelegenheit haben, die Lachmuskeln der Zuschauer in ständiger Bewegung zu halten. *' Aus dem Theaterbureau. Herr Karl Schönfeld, der frühere beliebte Bonvivant des Frankfurter Schauspielhauses, jetzt als hervorragender gastierender Künstler an allen deutschen Bühnen von Ruf gern gesehen, tritt hier morgen zum erstenmale als „Bolz" in „Journalisten" auf. Die „NeueHamb.Ztg." schreibt über KarlSchönfeld: Von ganz besonderem Interesse war uns Herr Schönfeld als Konrad Bolz. Eine ganz bedeutende Leistung. Gerade in der Rolle dieses Journalisten kommt alles auf denkbar größte Bühnen- und Salongewandheit an. Dabei wußte Herr Schönfeld die Figur auch mit der nötigen Derbheit, Unverfrorenheit und Schlauheit auszustatten. Und dann vor allem noch eins: das gute Herz des Herrn Konrad Bolz. In keiner Szene kam das schöner zum Vorschein, als in dem Augenblick, wo er Adelheid Runeck gegenüber von Eltern und Jugend sprach. In jedem Worte Frcytag- scher Geist: Ein bischen Romantik, ein bischen Spießbürgertum, dazu eine Dosis Realismus, und das ganze getaucht in die Sonnenstrahlen des deutschen Gemüts. ** Gabelsberger Stenographeuverein Gießen. Der zweite Anfangskursus für Damen hat soeben unter reger Beteiligung begonnen. Der Unterricht wird wieder von dem bewährten Leiter des ersten Kursus, Herrn Lehrer Müller, erteilt. Hoffen wir, daß der Verein auch bei diesem zweiten Kursus gleich schöne Erfolge wie beim ersten Anfangskursus erzielen möge. Es sei hier nun nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß es noch Zeit ist, sich an dem Unterricht in der Gabelsbergerschen Stenographie zu beteiligen, und werden die verehrten Damen höflichst gebeten, ihre Anmeldungen (schriftlich) an den Vereinsvorsitzenden Herrn Realgymnasial- lehrer Dr. Pitz, Grünbergerstraße 14 alsbald gelangen zu lassen. (An dem Kursus nehmen nur Damen teil.) *• Radsport. Von den in hiesiger Stadt bestehenden zwei Bundesvereinen war bekanntlich hinsichtlich der Preisverteilung, bezw. Wertung einer Korso Konkurrenz zu Wetzlar am 7. Mai Beschwerde bei dem Vorstand des Gau-Ver- band 9 des D. R. B. eingereicht. Vergleichsweise wurde in einer am 15. Oktober zu Frankfurt a. M. stattgehabten Gau'Vorstandssitzung, zu welcher Vertreter der beiden hiesigen Vereine zugezogen waren, vereinbart, anzunehmen, daß der Gießener Radfahr-Verein 85 an erster und „Die Wanderer", Gießener Radfahrer Gesellschaft", an zweiter Stelle rangieren. Die überreichten Ehrenpreise bleiben belassen. Die Diplome werden entsprechend ausgefertigt. Erwähnte Einigung ist im Interesse des guten Einvernehmens der berufenen Vertreter des hiesigen Radsports mit Freuden zu begrüßen. ** Landwirtschaftliche Landesausstellung. Der Hessische Landwirtschastsrat hat in seiner Plenarsitzung am 9. Oktober d. I. beschlossen, im Jahre 1900 (voraussichtlich im September) gelegentlich der Abhaltung der Generalversammlung der drei landwirtschaftlichen Provinzialvereine eine landwirtschaftliche Landesausstellung in Darmstadt zu veranstalten. Die Vorbereitungen werden bereits in Angriff genommen. ** In Dahlhausen an der Wupper ist am 15. d. Mts. das dritte Mädchenheim des ev. Diakonievereins eröffnet. Dort finden Mädchen schon gleich nach der Schulentlassung, aber auch ältere, Aufnahme. Sie erhalten genossenschaftlichen Schutz, christliche Erziehung und Unterricht in allen Haus- und Handarbeiten und erwerben sich durch leichte Arbeit in der neben dem Heim gelegenen Spinnerei in 6 Jahren mindestens 1000 Mark. Auskunft erteilen gerne die Schwestern des ev. Diakonievereins, die hierselbft in der königlichen Universitäts-Augenklinik thätig Die Abgeordnetenversammlung des hessischen Haupt- vererns des Evangelischen Bundes, die nach Beschluß der letzten Friedberger Generalversammlung alljährlich einmal im Herbst zusammentreten soll, fand zum erstenmal am Montag nachmittag in Frankfurt a. M. statt. Vertreten waren bei der zahlreich besuchten Zusammenkunft die Zweigvereme von Darmstadt, Groß-Umstadt, Wimpfen, Offenbach, Roßdorf, Alzey, Kastel, Mainz, Wöllstein, Weisenau, Wörrstadt, Alsfeld, Allendorf a. d. Lahn, Büdingen, Friedberg, Gießen und Rodheim. Bezüglich der von dem Bunde unternommenen Krankenpflege konnte ein endgiltiger Beschluß noch nicht gefaßt werden, da die mit dem Darmstädter Elisabetstift geführten Verhandlungen immer noch zu keinem Abschluß gelangt sind; die weiter zu unternehmenden Schritte wurden dem Vorstände überlasten. Bis jetzt sind Krankenschwestern des Evangelischen Bundes in Wörrstadt und Nieder-Jngelheim in Thätigkeit. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurde Hofprediger Ehrhardt-Darmstadt einstimmig zum Vorsitzenden des hessischen Hauptvereins gewählt. Weiter wurden Beschlüsse bezüglich einheitlicher Regelung des Rechnungswesens, eines Turnusj berj Wintervorträge in den einzelnen Vereinen und ber Preßagitation gefaßt. Allgemein war der Eindruck, daß die Sache des Bundes in Hessen im erfreulichen Vorwärtsschreiten begriffen sei. ** Wechselstempelsteuer. Im abgelaufenen Monat September bezifferte sich der Ertrag an Wechsel stempelsteuer im Ober-PostdirektionSbezirke Darmstadt auf 17 332 Mk. 20 Pfg., zusammen mit den Vormonaten des laufenden Etatsjahres 94 778 Mk. 60 Pfg. (6324 Mk. 20 Pfg. mehr als in der entsprechenden Periode des Rechnungsjahres 1898). + Gruuberg, 18. Oktober. Wenn auch die Jahrmärkte allenthalben viel von ihrer einstigen Bedeutung verloren haben, so übt doch unser „G allusmarkt", der sich längst zu einem Volksfeste für unsere Gegend entwickelt hat, immer noch seine alte Anziehungskraft auf die Bewohner der näheren und weiteren Umgebung aus. Die Befürchtung, daß der diesjährige Markt durch das Verbot des Viehmarktes beeinträchtigt sein würde, hat sich glücklicherweise nicht erfüllt. Am Vormittag war es allerdings weniger belebt, aber um die Mittagszeit, nachdem die verschiedenen Bahnzüge eingetroffen waren, war der Andrang von Fremden ungewöhnlich stark, und es entwickelte sich bald auf dem schön gelegenen Markplatze buntbewegtes Jahrmarkt- und Volksfesttreiben. Der Krammarkt war von hiesigen und auswärtigen Geschäftsleuten mit Berkaufsständen gut besetzt, und das Geschäft ging recht flott. Besonders lebhaft ging es auf dem Jux- platze zu, wo durch Karussel, Schieß- und Schaubuden mancherlei Art, durch Kasperltheater usw. für Unterhaltung und Belustigung hinreichend gesorgt war. In verschiedenen Wirtschaften fand Tanzbelustigung statt, woran sich die Jugend aus den verschiedenen Ortschaften mit gewohntem Eifer beteiligte. Auch die Konzerte und Vorstellungen der Spezialitäten - Truppe (Direktion Elzenheimer Kemp) im „Wilden Mann" erfreuten sich starken Zuspruchs. Ebenso wurden die von einer Zigeunerkapelle ausgeführten Musik- vorträge mit großem Beifall aufgenommen. Ein heute abend im Gasthof „Zum Hirsch" stattfindender Festball bildet den Schluß des ersten Markttages. Nidda, 17. Oktober. Gestern nachmittag entstand durch einen Haufen brennender Lumpen in der Wohnung eines Bewohners der „alten Gasse" ein Zimm er brand, der durch die Nachbarschaft gelöscht wurde. Die Bewohner fraglichen Zimmers waren abwesend; im Nebenzimmer schlief das kleine Kind derselben. — Wir haben seither nachts eine Kälte von 3° R. Dieselbe ist dem noch draußen stehenden Kraut sowie den Bäumen äußerst nachteilig. W. Friedberg, 17. Oktober. Unser Oberhessischer Obstbauverein hat auf der Jubiläumsausstellung in Dresden neue Lorbeeren errungen. Das große Sammelsortiment des Vereins hat nämlich den Ehrenpreis des Bayrischen Staatsministeriums erhalten. Darmstadt, 18. Oktober. (Vom Hofe.) Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin von Rußland, Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, Seine Königliche Hoheit der Herzog von Sachsen-Koburg und Gotha, Seine König!. Hoheit Prinz Niko,laus von Griechenland, Höchstweicher zum Besuche bei den Allerhöchsten Herrschaften auf Jagdschloß Wolfsgarten wieder eingetroffen ist, Seine Durchlaucht -der Erbprinz und Ihre Königliche Hoheit die Erbprinzessin zu Hohenlohe-Langenburg wohnten gestern den unter Herrn Hofrat Koflers Leitung im Distrikt Kalkofen stattfindenden Ausgrabungen bei. — Ihre Königlichen Hoheiten der Herzog von Sachsen- Koburg und Gotha und die Erbprinzessin zu Hohenlohe-Langenburg sind heute nach Koburg ab« gereist, woselbst Ihre Kaiser!, und König!. Hoheit die Herzogin aus Petersburg heute eintreffen. Im Gefolge Seiner Königlichen Hoheit befindet sich Rittmeister Freiherr v. Starck. Seine Durchlaucht der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg hat sich nach Straßburg begeben. A Seligenstadt, 18. Oktober. Heute morgen wurden die Bewohner unseres Städtchens frühzeitig durch Fen er- lärm in reges Treiben geschreckt. Um 7 Uhr brach auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise in der Hofraite des Landwirtes Franz Horn Feuer aus, welches, durch den am Morgen herrschenden Wind angefacht, sich rapid auf die mit Erntevorräten gefüllte Scheune mitteilte und, von dieser weiterspringend, binnen kürzester Zeit die Scheunen des S. Kleeblatt und Friedr. Jöckel und zum Teil auch dessen Wohnhaus in ein riesiges Flammenmeer verwandelte. Bei der Schnelligkeit und der fessellosen, elementaren Gewalt des Feuers konnte kaum das Vieh aus den Ställen gerettet werden. Nach großen Anstrengungen der hiesigen Feuerwehr gelang es schließlich, das Feuer auf das ergriffene Terrain einzuschränken und zu dämpfen. Noch selten wurde das Eingreifen unserer Feuerwehr so lange hinausgcdehnt, wie gerade bei diesem Brande, der in ununterbrochenem Flammenmeere bis 11 Uhr wütete. Scheune und Mobiliar des S. Kleeblatt, Franz Horn und Friedr. Jöckel sind versichert mit Ausnahme der Fruchtvorrüte und Oekonomie- geräte des Dominikus Horn und des Joseph Bügel, dessen Mobiliar beim Brande stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. A Mainz, 18. Oktober. Die zwischen der Stadt Mainz und dem Militärfiskus wegen Austausch größerer militärfiskalischer Komplexe getroffenen Vereinbarungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach noch nicht so rasch ihre enbgiltige Ratifikation finden, indem nach einer von Berlin hierher gelangten Nachricht, Kriegsminister von Goßler die diesbezüglichen Verhandlungsakten zunächst der Budgetkommission des Reichstags zur Begutachtung und Genehmigung unterbreitet hat. — Die von der gesamte» hessischen Lehrerschaft sehnsüchtig erwartete Aufbesserung der Gehalte hat wiederum aufs neue eine Verzögerung erfahren. Die von den Vorständen der Lehrervereine an die Landstände dieserhalb gerichtete Pctilion ist letzter Tage mit dem Anfügen zurückgekommen, daß dieselbe auf dem 30. Landtag ihre Erledigung nicht mehr hatte finden können. — Versuchsweise hat man letzter Tage hier einen Teil der Garnison mit gefrorenem russischen Schweinefleisch verköstigt. Das Fleisch — etwa 20 Zentner — kam in sehr stark gefrorenem Zustande in besonderen Eisenbahnwagen hier an und war steinhart. Die Probe soll schlecht ausgefallen fein, insofern als dem Fleisch ei» widerwärtiger Geruch entströmte. Weitere Versuche solle» vorerst nicht gemacht werden. Mainz, 18. Oktober. Leichenüberführung. Die Ueberführung der Leiche des so jäh ans dem Leben gerissenen Bataillons-Adjutanten Leutnant Hardt vom Pionier- Bataillon Nr. 11, vom Garnison-Lazaret nach dem Central- bahnhof, hat heute vormittag um 8 Uhr stattgefunden. Unzählig waren die Kranz- und Blumenspenden, die de» Sarg bedeckten und nachgefahren wurden. Die Beteiligung an der Leichenfeier war eine sehr stattliche. Vertreten war die gesamte Generalität und die Offizierkorps sämtlicher Truppenteile der hiesigen wie der nahegelegenen Garnisonen. Die Trauerparade bildete eine Kompagnie vom Pionier- Bataillon Nr. 11. Unter präsentiertem Gewehr und dumpfe« Trommelwirbel wurde der Sarg im Centralbahnhof vom Leichenwagen gehoben und in den bereitstehenden Eisenbahnwagen gestellt, um die Leiche des hoffnungsvollen jungen Offiziers in die Heimat zu bringen. — Wie wir hörten, war der kommandierende General v. Lindequist während des letzten Manövers im Hause des Vaters des Verstorbenen i» Groß-Rechtenbach für einige Tage einquartiert. M. A. Mainz, 18. Oktober. Der überzählige Rekrut. Als die Rekruten für das Brandb. Fuß-Artillerie-Regimeut Nr. 3 (G. F. Z.) in der vergangenen Woche aus Elsaß- Lothringen hier eintrafen und im Hofe der Bauhofkaserne abgezählt wurden, fand es sich, daß ein Mann zu viel war. Die Sache klärte sich dahin auf, daß ein junger Mann au« Mülhausen i. E., der zwar dieses Jahr gezogen war, aber keine Gestellungsordre erhalten hatte, seine Freunde an die Bahn begleitete, auch als Rekrut angesehen und mit hierhergenommen wurde. Auf Kosten des Regiments ist der junge Mann, der einige Tage noch blieb, vorgestern nach Mülhausen zurückgefahren. Sein hiesiger Aufenthalt hat ihm den Vorgeschmack gebracht von dem, was ihm bevorsteht, wenn er im nächsten Jahre selbst als Rekrut zur Ableistung seiner Dienstpflicht zum Militär einrücken wird. Höchst, 17. Oktober. Der Bau der Lungenheilanstalt bei Sandbach ist jetzt soweit gefördert, daß bet Hauptbau unter Dach gebracht ist. D Krofdorf, 18. Oktober. 50jähriges Amts- jubiläum des Herrn Pfarrer Gei bei. In der festlich geschmückten Kirche hierselbst fand um 11 Uhr ein Festgottesdienst zu Ehren unseres geliebten Pfarrers statt, welcher auf eine 50jährige Amtsthätigkeit blicken darf. Zahlreiche Freunde und Bekannte des verehrten Jubilars waren zu dieser seltenen Feier herbeigeeilt. Vor dem Gottesdienst fand die Gratulation sowie die Ueberreichung der Geschenke im Pfarrhause statt. Sodann bewegte sich ein großer Zug zahlreicher Festteilnehmer nach der Kirche. Der Herr Jubilar, begleitet von dem Herrn Superintendent Schoeler zu Wetzlar, an der Spitze des Zuges. Sämtliche Geistliche der Synode Wetzlar folgten im Ornate, auch sahen wir viele andere hohe Herrschaften, wie Herrn Landrat Goedeke, Herrn Oberförster Bussold u. s. f. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Dankliede: „Nun danket alle Gott", woran der Herr Jubilar seine Ansprache, gegründet auf da« Psalmwort: „Es ist mir lieb mein Gott, daß Du mich ge- demütigt hast, daß ich Deine Rechte lerne", anschloß. I» bewegten Worten schilderte der Herr Jubilar seine so lange, von Gott begnadete Amtsthätigkeit. Die Schüler fangen hierauf in schöner Weife „Ich bete an die Mackt Der Liebe." Herr Superintendent Schoeler gründete feine Ansprache auf den Konfirmationsspruch des Jubilars: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen". Es waren herzbewegende Worte, welche der Herr Vorgesetzte an den Denk- und Geleitspruch des so reich von Gott gesegneten Jubilars richtete. Für feine treuen Verdienste wurde ihm Der Note Adlerorden IV. Klaffe überreicht. An die kirchliche Feier schloß sich ein Festessen im „Freundschen Saale" an. lieber 150 Personen nahmen an demselben Anteil, und war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Zahlreiche Ansprache» wurden hier noch an den Jubilar gerichtet, worunter besonders das Gedicht des Herrn Lehrers Lochau zu Gleiberg großen Beifall fand. Möge sich der allseitige Wunsch erfüllen, daß von Seiten der Gemeinde dem lieben Ortsgeistlichen an seinem Lebensabende noch recht vie! Liebe zu Teil werde. Wie sehr derselbe auch weit über die Grenzen seiner Pfarrei hinaus im Ansehen steht, beweise» die zahlreichen Telegramme, die zu seinem Ehrentage ein- getroffen waren. Während der Tafel wurden allein 53 Begrüßungstelegramme verlesen. Mögen der frohe» Jubiläumsfeier noch viele sonnige, glückliche Tage folgen. Dillenburg, 17. Oktober. Ein eigenartiger Boy- fott, der wohl in Deutschland seinesgleichen nicht hat, spielt sich eben hier ab. Assessor Levysohn ist nämlich vom 1. November an zum Amtsrichter hier ernannt. Dillenburg war aber bisher eine Stadt ohne Juden. Und um diesen Vorzug zu erhalten, wird von den wenig judenfreundlichen Bürgern der jüdische Amtsrichter L. boykottiert und de« Manne trotz hoher angebotener Mietsgelder eine Wohnung verweigert. ift i>°« ’S» für 6,1 •'tf'JS für t»« SÄ»-- den Wagen verladen zu herausgeschlcisl ninden, iurhe. Das juche Pst angebunden. M » als biefe vom Heraus vaS an den Wagen Langeweile auf den Wc gemüht hatte, daß es einen nicht unbebeutenbi Str litt, 18. Oktober der heutigen Sitzung wird ji lktenstülle oorgenommen, un Wolff, den bekannten Falschs; befindet, das der Oberstaaisa Oberstaatsanwalt Jsenbiel teil die Mitteilung zugegangen st «nügungsreiie zunillgekehrt, > stelle sich dem Gerichte zur jetzt kein Interesse mehr an V M)alten sich ihre Anträge toi Bant mb yxau Voigt, die 8- sehr eingehend öder das W Gericht vermutet, daff hieran Spielgewinnen ersaht sind grau Boigt, ob sie es aus \\ Uhr, nachmittag 3 Uhr, Sabbathausgang 6*o Uhr. Nachmittag 2»° Uhr Schriflerklärung in der Synagoge. Wochengottesdienst morgens 7 Uhr, abends 5 Uhr. Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau .Herold*. Bad-Nauheim, 19. Oktober. Gestern begannen hier unter Leitung des Geh. Oberbergrats Dr. Lepsius von Darmstadt die Bohrungen nach einem weiteren Sool- sprudel. Wien, 19. Oktober. Sämtliche Morgenblätter besprechen die gestrige Regierungs-Erklärung im Abgeordnetenhause, vorwiegend in wohlwollendem Sinn. Prag, 19. Oktober. In Weinberge fanden nachts wieder große Exzesse statt. Hunderte von Fensterscheiben wurden eingeschlagen. Die Umzäumung eines WaldgartenS wurde demoliert und angezündet. Die Polizei wurde mit einem Steinhagel empfangen. Dieselbe gab Feuer, ohne jedoch jemand zu verletzen. Erst um Mitternacht konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Paris, 19. Oktober. Der Kriegsminister hat eine Untersuchung angeordnet über eine neue Loubet- feindliche Kundgebung seitens eines Leutnants im Lager von Chalons. Paris, 19. Oktober. Außer der Meldung über die Ermordung seines Sohnes in Afrika erhielt General Chanoine die Nachricht vom Tode seines andern Sohnes, welcher am Typhus gestorben ist. Bom Kriegsschauplatz. London, 19. Oktober. Wie aus Cardiff gemeldet wird, herrscht daselbst enorme Aufregung, da tausende junger Grubenarbeiter zu den Fahnen eilen müssen, während gerade die Kohlen Nachfrage rapide wächst. Aehnliche Berichte kommen aus allen Jndustrie-Centren. Ueberhaupt werden durch diese Einberufung Handel und Gewerbe schwer geschädigt. Ueber die Motive hierzu laufen verschiedene Versionen um, so der befürchtete Aufstand in der Kap-Kolonie, die Samoa-Krise, ein möglicher Protest der Mächte gegen Truppensendungen über die Delagoa-Bai oder eine anderweitige Intervention zu gunsten Transvaals. London, 19. Oktober. Die „Central News" melden, daß auch die Zulus sich gegen die Buren bewaffnen. London, 19. Oktober. Meldungen aus Johannesburg und Laurenzo-Marquez besagen, daß dort vollständige Ruhe herrscht. — Ueber die angebliche Uebergabe von Mafeking liegen noch keine vollständigen Meldungen vor. Die Blätter erwarten aber stündlich eine solche Nachricht. Sämtliche Telegramme des Times-Korrespondenten erfahren mehrstündige Verspätungen. — „Daily Telegraph" sagt, die Verluste der Buren bei Mafeking seien auf Grund ausführlicher Meldungen größer gewesen, als jene bei Majuba Hill in den Jahren 1881 und 1884. London, 19. Oktober. „Daily Tel." meldet aus Ncw- Aork: Der Kommandant Horn, früher amerikanischer Offizier, organisiert augenblicklich eine Kompagnie, welche nach Transvaal gehen soll, um die Arbeit in den Goldgruben wieder aufzunehmen. — Nach einem Telegramm, welches General White dem Kriegsminister gesandt hat, erwartete derselbe gestern ein Gefecht mit den Buren westlich von Ladysmith. London, 19. Oktober. Ein Telegramm aus Prätoria meldet: Nach einem Bericht an die Behörde wurde die Wasserleitung abgeschnitten. Nach wenigen Schüssen erschien die weiße Flagge in Mafeking. Die Buren entsandten eine Deputation mit Parlamentär-Flaggen, um anzufragen, ob die Stadt sich ergebe. Die Deputation wurde 6 Stunden mit verbundenen Augen zurückgehalten und dann ohne Antwort zurückgeschickt. Infolgedessen richteten die Buren Krupp'sche Geschütze auf Mafeking. — Di: Einberufung der Miliz und Reserven ruft überall Sensation und Bestürzung hervor. Bekanntmachung, bett.: Das Einhalte« der Taube« während der Saatzeit. Die B-.sitzer von Tauben werden unter Hinweis auf Artikel 79 des Feldstrafgesetzes aufgefordert, ihre Tauben vom 20, Oktober bis Ende Oktober d. I. in den Schlägen einzuhalten. Uebertretungen dieser Vorschrift müssen nach Maßgabe des Feldstrafgesetzrs zur Anzeige und Bestrafung gebracht werden. Gießen, am 18. Oktober 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 7495____________________Gnauth.______________________ Göerförsterei Johannisöurg, Post Löhnberg a. d. Lahn, »erkauft im Wege des schriftlichen Angebots vor Ennchlag: Los 1 Eichenstämme, Gruben« uno Wagnerholz, geringster Zopf 7 em, geringste Länge 3 m, bis 0,5 fm Inhalt, 200 fm. 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