Nr. 17 Zweites Blatt Freitag den 20. Januar 1S99 Gießener Anzeiger Heneral-Anzeiger Unnahmr von Anzeigen za der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis norm. 10 Uhr. Bezugspreis viertel sährlich 2 Mark 20 Psg. monüihd) 75 Psg. mit Bringerlohn. Bri Postbezug 2 Mark 50 Psg. virrteljährlich. Alle Anzeigen.Bcrmittlungsstcllen de« In- und Auslände- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint lägtich mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener Aamilienbtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Anrts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren. Redatdion, Expedition und Druckerei: Sch«kfiratze Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Zandwirt, Mittler für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießen. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Feil. Bekanntmachung. Wegen Erneuerung des Oberbaues wird der Bahnübergang in der Liebigstraße am 19. und 20. I. Mts. für den Wagen- und Reiterverkehr gesperrt. Gießen, den 17. Januar 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl. Schäden der Zeit. Der Prozeß Grützmacher, welcher in diesen Tagen in der Reichshauptstadt zur Verhandlung kam, hat uns einen Blick thun lasten in Zustände, welche dem Eingeweihten längst bekannt waren, von denen Fernerstehende aber keine Ahnung hatten. Die große Oeffentlichkeit hielt die Privatdetektivbureaus für notwendige Institutionen, bestimmt, in großen Städten die staatliche Polizei gewistermaßen zu ergänzen. Man darf nun keineswegs alle solche Büreaus gleich niedrig schätzen, es giebt zweifelsohne auch viele, welche das Licht nicht zu scheuen brauchen, aber die Gerichtsverhandlung hat gezeigt, welche Gefahr in der Einrichtung besteht und welchen Versuchungen solche Institute ausgesetzt find. Bekanntlich soll dem Parlament ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, welcher die Stellenvermittelungsbüreaus konzesfionspflichtig machen will, um die Auswüchse, welche fich dabei gebildet haben, zu entfernen. Es würde fich vielleicht empfehlen, auch die Detektiobüreaus einer staatlichen Kontrolle zu unterwerfen und ihr Thun und Treiben unter die polizeiliche Lupe zu nehmen- jedenfalls aber müßten zweifelhafte Existenzen verhindert werden, derartige Institutionen zu gründen, welche, wie wir aus dem Prozeß Grützmacher ersehen haben, so tief in das gesellschaftliche und Familienleben einzelner einzuschnetden geeignet sind. Weil wir gerade von Schäden der Zeit sprechen, so möchten wir noch auf einen solchen aufmerksam machen, der einen immer breiteren Raum einnimmt. Nicht nur in den hauptstädtischen Blättern, auch in der Provinzpresie stößt man heute täglich auf verlockende Inserate, welche anscheinend allen Sorgen, allem Kummer und bitteren Mangel derer, die in Geldverlegenheit sind, ein Ende machen wollen. „Diskret sofort unter koulanten Bedingungen, reell, ohne Anzahlung erhält jedermann Geld von den niedrigsten bis zu den höchsten Beträgen, so kann man in allen möglichen Variationen in den Zeitungen lesen, und ein Berliner Blatt füllt täglich eine ganze Spalte mit solchen mehr oder weniger auf die Klug heit (!) der Geldbedürftigen berechneten Anzeigen. Gebe fich mir niemand falschen Hoffnungen hinl Wer in Geldverlegenheit ist und nicht Kapitalien auf Zinsen liegen hat oder sichere crftf Hypotheken ausweisen kann, der bekommt keinen Pfennig Feuilletan. Briefe aus der Wesidenz. VI. (Ortgkmlbericht für den „Gießener Anzeiger".) (Nachdruck verboten.) Aus der Gesellschaft. Großherzogliches Hoftheater. Musikleben. Zwei Hofbälle haben bereits stättgefunden, in rascher Aufeinanderfolge. Man hat sich auf denselben sehr gut unterhalten, und die Geladenen wußten von der Liebenswürdigkeit der hohen Gastgeber und dem Charme des ganzen Arrangements viel zu erzählen. Großherzog und Großherzogin werden, sobald die Feier der silbernen Hochzeit in Koburg vorüber sein wird, die projektierte Reise nach Aegypten antreten. Auf eine zu lange Frist kann die Abwesenheit übrigens nicht bemessen fein, da der Großherzog seine Gegenwart an einem Mitte März stattfindenden hessischen Reiterfest zugesagt hat. Das kleine Prinzeßchen, dessen Bild bei der Jahreswende vielfach auf Neujahrspostkarten figurierte, wird demnächst auch gemalt werden, und zwar hat unsere tüchtige Portraitmalerin Clara Grosch, die gegenwärtig für die Fürstin von Leiningen in Amorbach beschäftigt ist, diesen Auftrag erhalten. Im Kunflverein am Rheinthor nehmen sechs vortraits des jungen Malers Philipp Otto Schäfer, der eine ganz überraschend erfolgreiche AKnstlercarriöre geliehen. Wohl aber hat jedermann, bevor ihm Aussichten gemacht werden, bei denen es wohl regelmäßig bleibt, die Kosten für Auskünfte und dergleichen zu erlegen. Uns ist ein Herr bekannt, welcher fich in ganz gesicherter Position befand. Er bezog ein Einkommen von 3000 Mk., hatte eine schuldensreie Einrichtung im FeuerverficherungSwerte von etwa 3600 Mk. und war mit 6000 Mk. in der Lebensversicherung. Der betreffende Herr konnte von den in den Blättern fich anpreisenden Geldvermittelungsinstituttn nicht einen Pfennig erhalten, wohl aber mußte er für den Auftrag, der sich auf etwa 300 Mark belief, vorher Gebühren von 2, 3, 4, 5 oder 6 Mark erlegen. Jeder fd also gewarnt! Mögen die Anerbietungen noch so verlockend lauten, nur ein ganz geringer Prozentsatz der Geldbedürftigen hat Aussicht, befriedigt zu werden, und das sind nur solche, welche von jeder soliden Bank auf einfachere Weise Darlehen erhalten würden. Auch diese Geldvermittelungsinstitute gehören zu den Schäden der Zeit und verdienen unter strengere Aufsicht der Regierung gestellt zu werden. (xx) Deutsches Reich. Berlin, 18. Januar. Die Budget-Kommission des Reichstages setzte heute die Beratung des Postetats fort. Staatssekretär v. Podbielski erklärte, daß die Assistentenfrage in nächster Zeit eine für die Assistenten wesentlich günstigere Erledigung als bisher finden werde. Als Sommer-Dienstkleidung für die Briefträger sei eine leichte Tuchjoppe in Aussicht genommen, die dem Kaiser zur Genehmigung vorliegt. Der Postetat wurde erledigt. Morgen Etat der Reichsdruckerei und Etat für Kiautschou. M.P.C. Berlin, 18. Januar. Es gilt für durchaus unwahrscheinlich, daß die vorjährige internationale Konferenz zur Abschaffung der Zucker Prämie in diesem Jahre ihre Fortsetzung finden werde. Die Frage würde sofort in ein neues Stadium treten und eine glatte Erledigung finden können, wenn England sich dazu entschließen möchte, Ausgleichszölle entsprechend den gezahlten Prämien einzuführen. Daran ist aber einstweilen nicht zu denken. M.P.C. Wie uns aus Wien geschrieben wird, sind einflußreiche Kreise dabei, auf eine Wiederherstellung des Dreikaiserverhältnisses hinzuarbeiten. Ob die bezüglichen Bemühungen von Erfolg gekrönt sein werden, steht dahin. Jedenfalls dürfte es als ausgeschlossen zu betrachten sein, daß eine Begegnung der drei Kaiser in Wien stattfinden wird. M.P.C. Was in den letzten Tagen an unglaublichen Verstellungen der Richtung und Ziele der deutschen sogen. Philippinen-Politik in amerikanischen Blättern zu lesen war, beweist von neuem, wie wenig aufgeklärt die öffentliche Meinung in Nordamerika über das ist, was in gemacht hat, die Aufckerksamkeit in Anspruch. Das Jn- tereffe ist erstens ein sachliches, insofern die Portraits Mitglieder einer sehr alten und bekannten hessischen Adelsfamilie von D......darstellen, und sodann auch ein ästhetisches, in diesem Fall dirigiert durch die Thatsache, daß der Künstler das Studium alter Meister mit seinen eigenen Erfahrungen so verschmolzen hat, daß die Gemälde wie im alten Tone wirken und fast den Eindruck machen, als wären sie von den Wänden einer Ahnengalerie in die Räume eines modernen Kunstsalons versetzt worden. Im Großherzoglichen Hoftheater wird bei der Novitätenwahl gegenwärtig den verschiedensten Geschmacksrichtungen Rechnung getragen. Wer sich, ohne geistige Anspannung, schlecht und recht amüsieren will, wird über die Einstudierung des Berliner Schwanks „Im Fegefeuer" nicht ungehalten fein. Wer es mit den psychologischen formellen Feinheiten der vorgeschrittensten Modernen hält, wird die Einverleibung der Schnitz! er'sch en „Liebelei" in das Repertoire des Schauspiels mit Genugthuung begrüßen. Ueber die strichlose Aufführung des „Siegfried", die kürzlich die Zeitdauer von 6 bis 11 Uhr in Anspruch nahm, konnte man in Presse und Publikum viele Für und Wider hören. Wir sind im allgemeinen für die Beobachtung größter Pietät gegenüber den Wagner'schen Gedanken und erinnern uns noch mit einem gewissen Schrecken des ersten Aufführungsjahres des „Siegfried", in welchem das Werk ohne die Erda-Szene erschien. Aber einer unverkürzten Deutschland und seitens der verantwortlichen Leitung der deutschen Reichsgeschäfte erstrebt wird. Die deutschen Dinge und das deutsche Leben und Streben erscheinen danach für die Amerikaner mit einem trügerischen Schleier verhüllt. Die Schuld daran trifft in erster Linie den Umstand, daß direkte Kabelverbindungen in wünschenswertem Umfang zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika nicht bestehen. Um so notwendiger erscheint es, daß die deutsche Presse thunlichst einig sich in dem Bestreben zeigt, der Wahrheit gemäß von einer schlecht unterrichteten öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staate» an eine bessere zu appellieren. Es ist einfach wahrheitswidrig, daß unsere Regierung auf den Philippinen etwas anderes erstrebt, als den berechtigten Schutz der dort vorhandenen deutschen wirtschaftlichen Interessen. Honny eoit qui mal y pense. M.P.C. Große soziale Mißstände werden dadurch herbeigeführt, daß durch die private Bauthätigkeit in den großen Städten fast nur für die Herstellung größerer Wohnungen gesorgt wird. Dadurch werden viele Familien genötigt, eine größere Wohnung zu mieten, als ihrem Vermögen entspricht. Ihre Existenz wird von vornherein gewaltsam auf eine Höhe des Verbrauchs geschraubt, die zum Schuldenmachen zwingt. Das ist nicht nur in Berlin, sondern auch in den meisten anderen großen und größeren Städten der Fall. Umsomehr ist es zu begrüßen, wenn sich entweder, wie es in Frankfurt a. M. unter der Aegide des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Miquel bekanntlich der Fall gewesen ist, Erwerbs-Aktiengesellschaften zur Herstellung, Unterhaltung und Verwertung von kleineren Wohnungen bilden, oder Miets- und Bauvereine auf genossenschaftlicher Grundlage zu Stande kommen. Letzteres ist neuerdings in Karlsruhe der Fall gewesen. Der dortige Mieter- und Bauverein beabsichtigte die Erbauung von nicht weniger als 250 Einfamilienhäusern. Diese sollen mit je drei Zimmern, Küche, Mansarden, Veranda und Hausgärten zum Preise von insgesammt je 6100 Mk. in Albthal oberhalb Ettlingen hergestellt werden. Die Mitglieder des Vereins würden die Häuser ohne Anzahlung durch jährliche Abgabe von 300 Mk. in 28 Jahren als Eigentum erwerben können. Zur Fortsetzung dieses Ziels soll der Versuch gemacht werden, die Baukosten im Wege dreiprozentiger Kapitalanleihen bei der gut situierten Bürgerschaft der Stadt aufzubringen. Der Großherzog und die Großherzogin haben sich bereit erklärt, mit einem Betrage von 100000 Mk. an die Spitze der Zeichner zu treten. Aus Deutsch-Südwestafrika. Am 30. November ist Major Leutwein von dem Zuge nach dem Süden in Windhoek wieder eingetroffen, und bald folgte ihm auch die Truppe nach. Die Beilegung der Bewegung ist schon berichtet worden, doch ist noch zur Ergänzung nachzutragen, daß die beiden schuldigen Kapitäne (Willem Christian der Bondel- Wiedergabe der umfangreichen Partitur, die mehr als irgend ein anderes Stück der Tetralogie auf epischen Rückblicken verweilt, können wir nur dann das Wort reden, wenn zufällig ein Elite-Ensemble vorhanden ist, Künstler, die das Durchschnittsmaß überragen und jede Szene in ihrer Klarheit und charakteristischen Bedeutung herauszuarbeiten vermögen. Der Frauenchor des Vereins hessischer Lehrerinnen, der fich unter Leitung des Fräulein Luis a Müller bereits eines guten Rufes im hiesigen Musikleben erfreute, trat zu Beginn des neuen Jahres zum erstenmal mit einem gehaltvollen Konzertprogramm in die Oeffentlichkeit, das u. a. recht schwierig zu verarbeitende Chorkompositionen von Brahms und Rossini enthielt. Der „Familien-Abend" des Musikvereins am letzten Samstag that sich durch ein sehr abwechselungsvolles Repertoire hervor: eine Lustspielouverture für großes Orchester, das die Freunde und Mitglieder des Vereins stellten, ein Lustspiel von I. Sommer, eine allerliebste Operette von Ferd. Gumbert: „Die Kunst, geliebt zu werden", und zum Schluß eine flotte Quadrille, arrangiert von der Hofsolotänzerin Fräulein Swoboda. Die 16 Paare trugen die Tracht von Schulmädels und Schulbuben. Auf der kleinen Bühne des Saales, deren Prospekt die Front des Viktoria-Schul-Gebäudes zeigte, entwickelte sich die Quadrille und erreichte ihren Höhepunkt in einem kleinen mimischen Intermezzo, das die Dazwischenkunft der zürnenden „Lehrerin" behandelt, die schließlich in den Kreis der tanzenden Schuljugend hineingezogen wird. -sch. zwarts und Paul Frederiks von Bethanien), als die Nachricht von dem Herannahen des Gouverneurs mit der Truppe sie erreichte, sich freiwillig zur Bestrafung gestellt haben. Die beiden Kapitäne wurden der Verletzung der in den Jahren 1890 bezw. 1884 mit Deutschland eingegangenen Schutzverträge schuldig befunden, indem sie zum Abschluß eines Bündnisses sich vereinigten; nach ihrer Behauptung hatten sie durch das Bündnis nur gegenseitige Unterstützung für den Fall eines Angriffs durch die Deutschen beabsichtigt. Das Urteil lautete, wie gemeldet, auf Tragung der Kosten der Expedition und gegen Paul Frederiks außerdem auf Abtretung eines Stück Landes. Hendrik Witbooi erklärte dem Gouverneur, die Kapitäne hätten damals gar nicht verstanden, was sie unterschrieben. Er habe den Inhalt der Verträge verstanden, deshalb habe er, feinen Vertrag abgeschlossen, sondern zu den Waffen gegriffen. Der Gouverneur legte den Kapitänen, die bei der Fällung des Urteils mitgewirkt hatten, die Verantwortung auf, daß sie dafür sorgten, daß die Verurteilten sich nunmehr als treue Unterthanen des deutschen Kaisers bewährten. Bei dem Parademarsch der Truppe erregte das mitgeführte Gebirgsgeschütz, das erst im April vorigen Jahres herausgebracht worden war, die Aufmerksamkeit Witboois. Als das Geschütz vorüberkam, ließ er sich alles erklären. Es wurde später auch nach Zielen in den Bergen geschossen. Als Witbooi die Wirkung der Geschosse wahrnahm, äußerte er, es sei doch gut, daß die Deutschen das Geschütz nicht schon besessen hätten, als sie sich mit ihm schossen, es hätte ihm sonst noch schlechter gehen können. Das Gebiet von Keetmanshoop, das wir jetzt gewonnen haben, ist ein Besitz, der der Regierung schon lange wünschenswert erschien. Aus Elsaß-Lothringen, 13. Januar. Fr an zösische Zollmaßregeln. Direkte Anfragen beider französischen Zollverwaltung haben die Richtigkeit der Zeitungsmeldung ergeben, daß vom 1. Februar ab die aus Elsaß-Lothringen auf dem Rhein-Marne- und Rhein-Rhone-Kanal nach Frankreich kommenden Schiffe, gleichviel ob leer oder geladen, mit einem auf 40, beziehungsweise 10 Franks pro Tonne berechneten Zoll belegt werden, der durch Kaution sicher- gestellt werden muß. Wie groß der Verkehr mit Frankreich ist, geht daraus hervor, daß 1897 auf den beiden Kanälen 330,493 Tonnen nach Frankreich gingen und 350,809 Tonnen von dort eingeführt wurden. Wenn der Zoll that- sächlich erhoben wird, so wird dieser Verkehr zum großen Teil aufhören. Anscheinend sollen jene Maßnahmen die Konkurrenz der preußischen Steinkohlengruben mit den französischen Kohlenlagern beseitigen. Den Hauptschaden werden aber die elsaß-lothringischen Schiffahrtsunternehmer haben. Diese wandten sich daher mit dem Ersuchen an die deutsche Regierung, den von Frankreich geplanten Schlag in geeigneter Weise zu parieren. Hoffentlich gelingt es, Mittel und Wege zu finden, die gefährdeten Interessen zu wahren. Bei der Bevölkerung wird das ungerechtfertigte Vorgehen der französischen Regierung als eine große Unfreundlichkeit empfunden. Ausland. Wien, 18. Januar. Ministerpräsident Graf Thun wurde heute vormittag vom Kaiser in Audienz empfangen. Auch der Obmann des Jungtschechen-Clubs, Dr. Engel, sowie der ehemalige Minister v. Bielinski sind zum Kaiser berufen worden. Budapest, 18. Januar. Im Magnaten hause hielt Banffy eine längere Rede, in welcher er Erklärungen über den außergesetzlichen Zustand gab uu*d schließlich erklärte, daß er gern bereit sei, seinen Posten zu opfern, wenn dadurch erreicht werde, daß in Zukunft die Majorität nicht von der Minorität perhorresziert und das Zustandekommen des Ausgleichs garantiert werde. Paris, 16. Januar. Frankreich und Deutschland. Im „Eclairs bespricht der Abgeordnete Alphonse Humbert die auswärtige Lage. Er hält es für eine Pflicht der französischen Diplomatie, einen Zusammenstoß mit England zu vermeiden. Die Kammern und die Presse sollen ihr diese Aufgabe erleichtern, indem sie allen Aufreizungen der Engländer gegenüber kalt bleiben und die Verstärkung der französischen Flotte mit allen Mitteln betreiben. Der diplomatische Mitarbeiter des „Figaro", Whist, erwartet dagegen nichts Gutes von England und rät im jüngsten „Figaro" zu einer Abmachung zwischen Deutschland und Frankreich, um auf allen Kolonialgebieten gemeinsam vorzugehen. Er legt großes Gewicht darauf, daß das herausfordernde englische Blaubuch über Madagaskar in Deutschland keine Billigung gefunden habe, und sieht den Besuch, den der Deutsche Kaiser sofort nach seiner Genesung dem französischen Botschafter, Marquis de Noailles, machte, als ein wichtiges Symptom an, daß Deutschland eine solche Annäherung an Frankreich auf dem Kolonialgebiet nicht zurückweisen würde. Whist schließt mit den Worten: „Eine allgemeine Allianz zwischen Frankreich und Deutschland würde nach meiner Ansicht alle Franzosen vor den Kopf stoßen, die den Krieg von 1870 erlebten, aber ein Kolonialvertrag zwischen beiden würde weder den gleichen Widerwillen, noch die gleichen Vorurteile gegen sich haben. Die äußere Lage ist schwierig, und die Verteidigung des Vaterlandes zwingt uns, in Zukunft auch um den Preis der Qngenhebe für wirksame Bedeckung zu sorgen. Ich weiß mty, ob schon Unterhandlungen zwischen Paris und Berlin un Gange sind, aber ich gestehe offen, daß sie mir in der angegebenen Beschränkung nicht zuwider wären." M P C England. Auf Anregung des englischen Kriegs- mmlstermms beschäftigen sich dortige Geschützfabrikanten mit öcr Konstruktion eines Motors zum Transport von Geschützen. In Frankreich und Oesterreich sind überraschend günstige Erfolge mit ähnlichen Wagen erzielt worden. Für England wurden solche Motorwagen hauptsächlich in Indien von großer Bedeutung fein, denn die zwischen den großen Eisenbahn-Basen liegenden Wege sind zwar nur wenige, dafür aber in ziemlich guter Verfassung. Die Anregung zu dem befohlenen Versuch geht von Indien aus. Petersburg, 18. Januar. Im Auswärtigen Amt wird die Meldung von einem Abschluß eines russisch-afghanischen Bündnisses als Erfindung bezeichnet. Aus Sofia schreibt man den „M. N. N.": So ganz harmlos, wie die hiesigen Offiziösen sie darstellen, ist die plötzliche Abreise des russischen Vertreters Bachmetiesf nach Petersburg durchaus nicht. Es steht vielmehr fest, daß ein tiefer Gegensatz zwischen dem Fürsten Ferdinand und dem das Wetter in Sofia machenden russischen Agenten eingetreten ist. Ob der Widerstand Bachmetieffs gegen die Entsendung einer bulgarischen Militärmission zur russischen San Stesanofeier den einzigen Grund zu dieser Entfremdung abgegeben hat, oder ob auch die von der Opposition in Bulgarien festgehaltene Meinung, Rußland mißbillige die Finanzmaßnahmen und insbesondere die 290 Millionen- Anleihe, ein wenig mitspielt, ist bisher nicht festzustellen. Die immer unter den Zeichen des Mißtrauens stehenden Gesinnungen der russischen Regierung gegen den Fürsten werden keineswegs durch die mündliche Berichterstattung Bachmatieffs in Petersburg gewinnen können. Das Gegenteil ist aber mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen. Und wenn Bachmatieff thalsächlich, was wir nicht glauben, auf einen Posten berufen werden sollte, wird fein Nachfolger gewiß unter den russischen Diplomaten schärferer Observanz zu suchen sein. Das Schwanken des Fürsten, sein Liebäugeln mit der Opposition, und doch wieder der Mangel an Mut, sich für ein ganz ruffophiles Kabinet offen zu erklären, gefällt durchaus nicht in Petersburg, von wo man ihm wohl bald einen strengeren russischen Vormund an die Seite geben wird. M.P.C Bereinigte Staaten. Es sind einleitende Schritte ge- than worden, um in allen neuen amerikanischen Besitzungen Kohlenstationen anzulegen oder zu erweitern. Augenblicklich werden die Stationen in Portorico und Havanna vergrößert, während an anderen Orten Cubas nur Kohlenschuppen angelegt werden mit gleichzeitiger Ladegelegenheit. Honolulu wird in kurzer Zeit die Hauptstation des stillen Ozeans bilden, und im Perl-Hafen werden demnächst die großartigsten Werften und Docks entstehen. Innerhalb der nächsten sechs Monate sollen dort 25000 t Kohlen niedergelegt werden. Die Verladungen nach Pago-Pago haben Anfang dieses Monats begonnen. Ferner sollen die Hafenanlagen von San Juan, welche sich in schlechtem Zustande befinden, erneuert werden. Außer Cuba und Portorico wird die amerikanische Marine also demnächst Stationen besitzen in Manila, Pago-Pago, Honolulu und Juan. — Infolge der verheerenden Feuerwirkung der Schrapnellschüsse im letzten Kriege hat die amerikanische Regierung eine Lieferung von 2500 Schrapnells Kaliber 23 Ctm. ausgeschrieben. Die Kosten betragen ca. 50000 Dollars. Males und Provinzielles. n AuS Oberheffeu, 17. Januar. In Heuchelheim, Kreis Büdingen, wurde der Bürgermeister Krug auf fein Nachsuchen von seinem Amt entbunden und Beigeordneter Stoll mit der Führung der Bürgermeistereigeschäfte beauftragt. — In Oberau trat der langjährige Bürgermeister Frdr. Wilh. Braun I. vom Amt zurück. Die Wahl seines Nachfolgers Frdr. Wilh. Braun II. hat nun die behördliche Bestätigung erhalten. — Für die Gemeinde Rinderbügen wurde ein neues Ortsstatut erlassen, das die Ablösung der auf dem Büdinger Wald ruhenden Berechtigungen und die Gemeindenutzungen der Ortsbürger überhaupt betrifft. — Nidda, Horloff und Nidder haben Hochwasser. Die Wiesengründe an diesen Flüßchen sind unter Wasser gesetzt. — Nach der jetzt veröffentlichten Uebersicht über die Geschäftstätigkeit der Pfennigsparkassen im Kreis Büdingen im zweiten Halbjahr 1897 bestanden solche Kassen in 38 Gemeinden. Die Zahl der Einleger ging von 2583 auf 1088 zurück. Das Gesamtguthaben der Mitglieder betrug am Anfang der genannten Zeit 153,481 Mk. 48 Pfg. Die Einlagen betrugen in den folgenden Monaten 2832 Mk. 34 Pfg., 2638 Mk. 57 Pfg., 3036 Mk. 21 Pfg., 2583 Mk. 78 Pfg., 3026 Mk. 27 Pfg., 3375 Mk. 16 Pfg. Die Rückzahlungen waren im November, wo sie 8225 Mk. 49 Pfg. betrugen, am stärksten. Die größte Einlegerzahl hatte Ende Dezember Gettenau, nämlich 184, die geringste Diebach, nämlich 1. - Der Oberhessische Obstbauverein bestand am 13. Januar zehn Jahre. Von zwölf Herren in Butzbach 1889 gegründet, hat er jetzt 4433 Mitglieder. Unter tüchtiger, sachkundiger Leitung stehend, hat der Verein in dem kurzen Zeitabschnitt in der ganzen Provinz Oberhessen ungemein ersprießlich gewirkt. Darmstadt, 18. Januar. In dem Schaufenster der Firma E. L. Victor, Wilhelminenstraße, sind gegenwärtig eine Zahl kunstvoll und reizend gearbeiteter silberner Myrtenbäumchen ausgestellt, die dem Publikum manches Rätsel zu lösen geben. Es hat damit folgende Bewandtnis: Diese Myrtenbäumchen, welche sich alle gleichen, sind als Geschenk zur silbernen Hochzeit für I I. K.K. H.H. den Herzog und die Herzogin von Coburg bestimmt und zwar schenkt je eines der Kinder und Enkel dem hohen Paare ein solches Bäumchen. Da die Zahl der letzteren zwölf ist, so ist es auch gerade ein Dutzend. Aus den Kübelchen, in denen die Bäume stehen, und die nach dem Muster der in der hiesigen Orangerie befindlichen gefertigt sind, sind die einzelnen Monogramme der hohen Kinder und Enkel des fürstlichen Jubelpaares mit Krone eingraviert. A Mainz, 18. Januar. Bezüglich der gestern im hiesigen Flußhafen stattgehabten Rutschung eines Eisenbahndammes, bei welcher, wie schon mitgeteilt, fünf Transportwagen und eine Lokomotive in das Wasser stürzten, ist alsbald sowohl durch das Gericht wie auch durch die Staatsbahnverwaltung eine Untersuchung vorgenommen worden, die zu dem Ergebnis geführt hat, daß das Vorkommnis durchaus nicht in einem Konstruktionsfehler der neuen Dammanlage oder in einer übermäßigen Belastung des Dammes gelegen ist, sondern, daß der in den letzten Tagen herrschende, orkanartige Sturm in Verbindung mit dem Hochwasser lediglich die Schuld an dem Unfall trägt. Wie schon bei der staatlichen Abnahme des Schienenstranges konstatiert worden war, erwiesen sich das Material wie die Konstruktion des Dammes als ganz vorzüglich. Der direkte und indirekte Schaden des Unfalls, den wohl die Stadt zu tragen haben wird, ist ein sehr bedeutender, indem, abgesehen von dem Materialschaden und den Kosten, welche die Hebung der in das Wasser gestürzten Wagen und Lokomotive verursachen, wieder bedeutende Mittel für die Wiederherstellung des auf feiner ganzen Länge bis auf den Mutterboden unterwühlten Dammes aufzuwenden sind, wozu noch kommt, daß die auf der Engelheimer Aue int Werden begriffenen neuen städtischen Gas- und Elektrizitätswerke in ihrem Bau sehr behindert sind, indem durch den Dammrutsch die Herbeischaffung des zur Erhöhung der Aue erforderlichen Materials außerordentlich erschwert und auf Monate hin verzögert wird. Mainz, 18. Januar. Hochwasser und lieber« schwemmung. Wie es bei den fortgesetzten, fast ununterbrochenen Niederschlägen kaum anders zu erwarten ist, steigt der Rhein noch immerwährend und hat jetzt hier eine Höhe erreicht, daß er schon an verschiedenen Stellen die Ufer überflutet. Die Zunahme von gestern abend 8 Uhr bis heute abend zur selben Stunde beträgt nahezu einen Meter, und ist der gegenwärtige Pegelstand 3,60 Meter. Vom Oberrhein und teilweise auch vom Neckar wird langsames Fallen und Stillstand gemeldet, wogegen die am morgen von Mannheim und Worms eingetroffenen amtlichen Mitteilungen weiteres Steigen anzeigen. Der vordere Teil des Riedes wie auch die ebenen Felder zwischen Worms und Bingen sind bereits weithin überflutet und zeigen das unfreundliche Bild der Ueberschwemmung. Hier beginnt man damit, die nicht sehr hochgelegenen Magazine auf dem Rheinquai zu räumen. Mainz, 18. Januar. Der langjährige Leiter des Philharmonischen Vereins hier, der verdienstvolle Kapellmeister Heinrich Rupp, hat heute seine Stelle als Direktor des genannten Vereins niedergelegt. Heber die Gründe zirkulieren verschiedene Versionen. Bodenheim, 18. Januar. Am Dienstag feierte die älteste Frau Rheinhessens, die Witttve Christine Cordini, ihren Geburtstag. Die körperlich allerdings schwache, aber geistig noch rüstige Frau ist jetzt 103 Jahre alt. Sie erinnert sich gerne, als eine geborene Cauberin, an Blüchers Rheinübergang in der Neujahrsnacht 1814 und will den Marschall „Vorwärts", wie auch Kaiser Wilhelm I. und Napoleon Bonaparte persönlich gekannt haben. Vermischtes. • Zlmenau (Thüringen). Das hiesige Thüringische Technikum — eine höhere und mittlere Fachschule für Maschinenbau - und Elektrotechnik — wird im Winter- Semester 1898/9 von 676 Technikern besucht, im Sommer 1898 besuchten 600 Techniker die Anstalt, mithin stellt sich die sogenannte Jahresfrequenz auf 1276 Besucher. An den Diplom- und Abgangs-Prüfungen, die unter Vorsitz des Staatskommissars, Herrn Professor Dr. Leidenfrost, Großherzoglicher Oberschulrat a. D., zu Weimar stattfanden, beteiligten sich im letzten Schuljahre 308 Absolventen, hiervon bestanden 32 mit Auszeichnung, 58 mit Nr. 1 (recht gut), 143 mit Nr. 2 (gut) und 75 mit Nr. 3 (genügend). Nach den Absolventen herrscht eine große Nachfrage, der leider nicht in ganzem Umfange entsprochen werden kann, weil dieselben in der Regel schon lange vor ihrem Abgänge gute und lohnende Stellen, meistens durch Vermittlung der Direktion, erhalten. Am Thüringischen Technikum wirken 20 Fach- und 8 Hilfslehrer; es ist jede lehrplanmäßige Unterrichtsstunde ordnungsmäßig und gut besetzt, so daß alle Techniker bei regem Fleiße vollkommen ihren Zweck erreichen werden. Das Schulgebäude wurde int Sommer 1898 abermals durch einen Anbau erweitert, die Anstalt kann jetzt ca. 700 Techniker aufnehmen und will mit dieser Frequenz ihre Entwickelung abschließen. Findet zum Sommer 1899 eine ähnliche Frequenzzunahme wie zum Sommer 1898 statt, was wahrscheinlich ist, so müssen ca. 40 Anmeldungen zurückgewiesen werden. Es ist daher dringend geboten, die Anmeldungen rechtzeitig zu vollziehen, wenn die Aufnahme bestimmt zugesichert werden soll. Das Sommer-Semester 1899 beginnt am 7. April; der Vorunterricht am 20. März. Weitere Auskunft erteilt die Direktion, durch die Programme und Jahresberichte zu beziehen sind. * Deutsch-Brasilischer Verein. Vor einiger Zeit ist in Berlin ein Verein begründet worden, der den Zweck hat, „die geistigen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien zu pflegen und zu fördern und in beiden Ländern die allgemeinen, deutsch- brasilischen Interessen zu vertreten." Unter den Begründern befinden sich Direktor Kurella, General von Alten, Geheimrat Bormann, Direktor Fabri, Heinrich Schüler (Porto Allegre) u. v. a. Der Jahresbeitrag beträgt mindestens 3 Mark. Schatzmeister ist Herr Verlagsbuchhändler Alfred Paetel, Berlin W., Elßholzstraße 12, Schriftführer Herr Rechtsanwalt Selle, Berlin SO., Schmidstraße 9. * Nahrungsmittel-Industrie: Wir lesen in der Konstanzer Zeitung vom 13. d. Mts., daß die Firma Maggi in Singen (Amt Konstanz) ca. 150000 qm Land zum Bau großer Fabriken erworben hat. Außer dem wohl in ganz Deutschland bekannten Maggi zum Würzen der Suppen, das ein hervorragendes und dabei wohlfeiles Mittel zur Kräftigung von Suppen und Speisen darstellt, sollen in Singen nunmehr noch zwei weitere Spezialitäten „Gemüsekraftsuppen in 50 verschiedenen Sorten" sowie „Bouillon- das !Bot, °*Ier der . !.bktn letztcÜ '^n>ng mit ^njau ttQqt 7"?stranges tote die 'indirekte b,e Stadt iu , '"dem, abae- lcn- welche die £n und Loko- rtt.e! für die e bis auf heu "en sind, woiu lm Werden be= 'zitätstoerke in $ den Damm- Mg der Aue Mert und ans und Utbet= l' W nnunter- arten ist, steigt hier eine M teilen die User end 8 Uhr bis u einen Meter, Meter. Gom 'ird lan^ames ie am Mrgen amtlichen Mit- iDtbete Teil des len Worms und zeigen das un- iet beginnt man Mine aus dem Leiter des Phil- Ile Kapeümchn >ls Direktor des ! Gründe zirku- 'eierte die älteste ordini, ihren .che, abet geistig ,t. or ibrtiu AbM i SermitlM letaita» ®'*' de i-hrpl^i «t w* fJj J gom»« »'M«« ’Ä mit W“ "o^mtlbuny« der de" ^Hungen stlich-n^d >u M d-'^S-h»' von (fod <;?S> !-n fn J jJlo^L ( .’nem SUPP'"; jjürj» .C jjittd 1“ rs* s kapseln" hergestellt werden. — Die kaufmännische Leitung des Unternehmens bleibt in Berlin. — Wir begrüßen aufs wärmste diesen neuen Aufschwung unserer einheimischen Industrie. ' B6n6dictine. Es muß selbst den Unbeteiligten Freude machen, festzustellen, wie bei der großen Konkurrenz in seinen Likören, die Bönedictine, FScamp, nicht allein ihren alten Platz behauptet, sondern immer mehr an allererste Stelle rückt. Mit der Zivilisation gleichen Schritt haltend, ist die B6n6dictine in der alten und neuen Welt gleich heimisch und zur Königin aller Liköre geworden. Stehe man nicht vom Tisch auf, ohne sich ein Gläschen B6n6dictine servieren zu lassen; Schreiber dieses bleibt ihrer wie eines guten Freundes stets gedenkend. * Welche Ausdehnung das Fortbildungsschulwesen im Königreich Sachsen genommen hat, geht aus folgenden Zahlen hervor, die wir einer Mitteilung des Internationalen Patentbureaus Karl Fr. Reichelt, Berlin NW. 6 verdanken. Bei einer Einwohnerzahl von 3783 000 Einwohnern besitzt das Königreich 1953 dieser Schulen, die von 75358 männlichen und 1699 weiblichen Schülern besucht werden. Außerdem existieren noch 39 höhere Industrieschulen, mit einer Besucherzahl von 10 660 Personen; 112 technische Fachschulen mit 10 119 Schülern, 44 Handelsschulen, deren Schülerzahl sich auf 4781 beläuft. In 11 landwirtschaftlichen Schulen erhalten 691 Schüler Unterricht. 7 Schulen sind speziell zur Erteilung von Handfertigkeitsunterricht an Schülerinnen vorhanden, dieselben werden von 1569 Schülerinnen besucht. 2445 Schülerinnen erhalten Unterricht in 18 technischen Fachschulen. Sachsens industrielle Entwickelung und der große Absatz, welchen seine Erzeugnisse auf dem Weltmarkt gefunden haben und noch finden, ist nicht zum wenigsten auf die Entwickelung dieser Schulen zurückzuführen. Jeder bedeutendere Industriezweig hat seine eigene Fachschule, und in den Zweigen, in denen man besonderen Wert auf eine, mit der praktischen Hand in Hand gehende theoretische Ausbildung Wert legt, sind verschiedene Schulen vorhanden, deren jede sich mit ihrem Lehrgang einer ganz bestimmten Borbildung anpaßt. * Kurzsichtigkeit der Schüler. Unter Genehmigung der Schuldeputation hatte der berühmte Augenarzt Herm. Cohn im vorigen Sommer an allen Volks- und höhern Schulen Breslaus die Sehleistungen der Schüler geprüft, lieber die Ergebnisse seiner Untersuchungen hielt Professor Cohn am 8. d. M. einen Vortrag. 766 Lehrer haben 52 159 Schüler untersucht und somit ein Material aufgehäuft, wie es bisher noch nicht vorhanden war. Im Jahre 1865 hatte Cohn schon 10000 Kinder Breslaus untersucht und gefunden, daß Zahl und Grad der Kurzsichtigkeit von den nieder» zu den höhern Schulkategorien zunehmen; ebenso von den untern zu den obern Klassen der Schulen. Später merkte Professor Cohn, daß die Ergebnisse der Untersuchungen im Freien ganz andere als in der Schulstube sind, und so ließ er bei den Untersuchungen im vorigen Jahre, an denen 93 Prozent der Volksschulen, 87 Prozent der höhern und 49 Prozent der Privatschulen beteiligt waren, bei Hellem Sonnenschein 76 Klassen, bei bedecktem Himmel 40 und bei wechselndem Himmel 29 Klassen einer Prüfung unterziehen. Auffallend ivar, daß sich auch bei einer Trübung des Himmels keine beachtenswerte Abschwächung der Sehleistungen feststellen ließ; bei doppelter Sehweite sahen bei bedecktem Himmel 38 Prozent, bei heiterm Himmel 37 Prozent gleich gut. 5426 Schüler konnten den vorgehaltenen Buchstaben auf 6 Meter Entfernung nicht sehen. 3,5 Prozent der Schüler waren imstande, den Buchstaben auf 18 Meter zu erkennen. Die größte Entfernung betrug 27 Meter (in Aegypten 48 Meter). Entfernung von 12,1 Meter war die durchschnittliche Sehweite im Freien. Es zeigte sich, daß die Augen unserer Kinder nicht schwächer als die der Wilden sind. In den letzten 33 Jahren sind die schlechten Seh- leistungen von 19 auf 18 Prozent gesunken. Vor 33 Jahren waren 25 Kinder augenkrank, im vorigen Jahre nur 3. Die Augenkrankheiten haben also unter den Schulkindern abqe- nommen. Im Alter von 17 und 18 Jahren wurden die meisten Kurzsichtigen festgestellt. Als praktisches Ergebnis der Untersuchung ist anzusühren, daß sich die Kurzsichtigen sofort von Aerzten prüfen ließen. An die Sehkraft der Soldaten wird man daher auch höhere Anforderungen stellen können. Der Vortragende hofft, daß sich nach 30 bte 40 Jahren jede nicht angeborene Kurzsichtigkeit verloren haben werde. 7 * Die Malaria. Das größte Uebel, mit dem wir in den tropischen Gebieten nach dem Aussprüche des Generals Lleberi zu kämpfen haben, ist die Malaria. Zn ihrer Bekämpfung auf wissenschaftlichem Wege ist bekanntlich auch m dem neuen Reichs-Etat eine Summe von 60000 Mark als erste Rate ausgeworfen worden. Mit Rücksicht auf die Verluste, die wir schon durch diese Tropenkrankheit erlitten •fA Än cinc Äußerung der amerikanischen presbyte- r!,^n Missionare m dem Kameruner Bataugagebiet die höchste Achtung und Nachahmung. In dem Berichte über das verflossene ^ahr heißt e«: .Unser weißes Missions- ^jt°nal bestand aus 19 Arbeitern, nämlich 13 Missionaren ^3 Misstonsdamen; die meisten von uns dürsten wahrend des ganzen Jahres in voller Kraft wirken, nur ,auS gesundheitlichen Rücksichten gezwungen, m t ^nfenthalt zu wechseln. Den verhältnismäßig guten Gesundheitszustand unserer Missions-Geschwister führest wir L. ecC. langiahnge Erfahrung in der Behandlung des Kustenfieb-rs zurück di- uns manche Vorsichtsmaßregel b.ann auch auf die nicht genug zu schätzende ^hatigkeit unserer Mlssionsärzte. Von den 13 Missionaren m sieben ordinierte Pastoren, drei Aerzte und drei Laien- 9?°rCe Es würde sich wohl empfehlen, dem Beispiele der Amerikaner zu folgen. Hn»«*r^uet.8&run? auf einem Schiff. Einem Privatbriefe nomm, t^ljer6 i" Alicante ist folgender Bericht entnommen: Gestern, 11. Januar, vormittags 11 Uhr, hat ein großer atlantischer Dampfer italienischer Herkunft (von der „Veloce") mit Namen Vittorio in der Nähe unseres Hafens geankert. Da man auf dem Verdeck große Ranch« wölken bemerkte, konnte man schließen, daß auf dem Schiff Feuer ausgebrochen sein mußte. So war es auch. Ein ungewöhnlich starker Wind begünstigte die Feuersbrunst, und da keine Aussicht mehr vorhanden war, des Feuers Meister zu werden, wurden im Laufe des Nachmittags sämtliche Reisende (415 im Ganzen) ausgeschifft und in Alicante untergebracht. Es verunglückte niemand. Nachts brannte der Dampfer vollständig aus. Das Feuer war im Verdeck entstanden, wo 4000 Kilo Schwefel verladen waren. Der Schaden soll etwa anderthalb Millionen Franken betragen. * lieber die kaiserlichen Finanzen spricht sich C. v. Massow in den „Grenzboten" dahin aus, daß Kaiser Wilhelm recht sparsam wirtschafte; die Feste seien auf das notwendigste beschränkt, er verbrauche für Gastfreundschaft recht wenig u. s. w. Als König Wilhelm I. den Thron bestieg, waren außer dem königlichen noch folgende Höfe vorhanden: 1. der Hof der verwitweten Königin Elisabeth; 2. der des Kronprinzen, späteren Kaisers Friedrich; 3. der des Prinzen Karl; 4. der seines Sohnes, des Prinzen Friedrich Karl; 5. der des Prinzen Albrecht; 6. der seines Sohnes, des jetzigen Regenten von Braunschweig; 7. bis 9. die des Prinzen Friedrich und seiner beiden Söhne, des Prinzen Alexander und Georg; 10. der der Fürstin Liegnitz, verw. Gemahlin Friedrich Wilhelms III. Die Königin Elisabeth residierte im Winter in Charlottenburg, im Sommer in Sanssouci, der kronprinzliche Hof in Berlin und im Neuen Palais bei Potsdam, die Prinzen Karl und Albrecht (Vater) in ihren Palais in Berlin und in Glienicke und auf der Albrechtsburg bei Dresden, Prinz Friedrich Karl im Berliner Schloß und im Jagdschloß Glienicke. Damit vergleiche man den heutigen Zustand: 1. die Kaiserin Friedrich führt ihr stilles Witwenleben meist außerhalb Berlins; 2. dasselbe gilt von der verwitweten Prinzessin Friedrich Karl; 3. Prinz Heinrich, der in Kiel residiert, hat bedeutende Vermächtnisse, darunter auch Landbesitz, von seinen Großeltern geerbt; 4. Prinz Friedrich Leopold, der soeben ein Kommando in Kassel erhalten hat, lebte bisher verhältnismäßig in Zurückgezogenheit auf dem Jagdschloß Glienicke und bewohnte sein Berliner Palais nur selten. Er bezieht die Einnahmen aus den Fideikommiß- herrschaften Flatow und Krojanke; 5. Prinz Albrecht wird durch seine Regentenpflichten in Braunschweig festgehalten und lebt im übrigen auf seinem schlesischen Schlosse Camenz; 6. Prinz Georg, der unvermählt ist, bringt den größten Teil des Jahres auf Reisen zu und hält sich seines hohen Alters und seiner Gesundheit wegen schon seit Jahren von allen Festlichkeiten fern. Außerdem sind sowohl er wie der Prinz Albrecht im Besitz eines sehr bedeutenden mütterlichen Vermögens. Somit haben sich nicht nur die Höfe der Zahl nach vermindert, sondern auch ihre Bedürfnisse und damit sind ihre Ansprüche an die königliche Kasse weit geringer geworden. Der Verfasser des Aufsatzes in den „Grenzboten" behauptet, daß die Art und Weise, wie der Kaiser zu reisen pflegt, nämlich im Hofzug oder auf der „Hohenzollern", unvergleichlich billiger sei als die sonst üblich gewesene. * Hebet den Argwohn nnd die Dentschenfnrcht der Chinesen von Sch an tu n g äußerte sich Herr v. Hesse-Wartegg in seinem Vortrag über China, den er am 11. ds. M. in der Lesegesellschaft zu Köln hielt, folgendermaßen: In jedem noch so harmlosen Deutschen, der seit der Besitzergreifung von Deutsch China sich in das Innere des Landes wagte, wittern sie irgend einen Regierungsbeamten mit geheimen Aufträgen, wenn nicht gar Kundschafter der vorrückenden deutschen Truppen. Don den besseren Ständen der Chinesen werden keine Vergnügungs- oder Jnstruktionsreisen unternommen wie bei uns, denn die Abwesenheit von Straßen und besseren Herbergen gestaltet das Reisen äußerst beschwerlich. Neben den Pilgern giebt es also nur Mandarinen, die zuweilen eine Dienstreise unternehmen müssen, oder Literaten, die zu den Prüfungen nach der Provinzhauptstadt ziehen. Die wandernden Deutschen können also nach Ansicht der Chinesen nur deutsche Mandarine im Dienst der deutschen Regierung sein. So erzählte der Mandarin der Kohlenstadt Pochan in Schantung Herrn v. Hesse-Wartegg, es wäre eben ein deutscher hoher Beamter bei ihm gewesen, i namens „Szamid", der für die Regierung Kohlengruben kaufen wolle. Derselbe entpuppte sich nachher als der Reisende „Schmidt" des Hauses Carlowitz in Shangai. In Kiusu, dem Geburtsort von Confucius, erkundigte sich der Orts- Mandarin nach dem Befinden des außerordentlichen Botschafters und Vetters des deutschen Kaisers, der kurz vorher von Peking aus dort durchgereist fei. Herr v. Hesse- I Wartegg vermutete schon, Prinz Heinrich hätte seinen Weg I quer durch Schantung genommen, als er in Tsining erfuhr, I unter dieser großen Persönlichkeit meinten die Chinesen den I der Gesandtschaft in Peking ungeteilten Gardeleutnant Baron I Teichmann, dessen prächtige Uniform mit Silberhelm einen I Rieseneindruck hervorgerufen hat. Der Berichterstatter der I „Münchener Neuesten Nachrichten", Major v. Sonnenburg, I wurde, wie jenes Blatt kürzlich erzählte, für den deutschen I Militärattache in Peking gehalten, und Herrn v. Hesse- I Wartegg glaubte man nicht, daß seine Reise einen privaten Charakter habe, sondern man sah in ihm den Abgesandten I des deutschen Kaisers an den Vizekönig von Schantung, I einfach deshalb, weil er ein amtliches Schreiben der kaiser- I lich chinesischen Gesandtschaft in Berlin an den Vizekönig besaß. Als er mit zwei katholischen Missionaren in der Geburtsstadt des Mencius, Tsu-hsien, einzog, ging es wie ein Lauffener durch die Stadt, die deutschen Truppen hätten die Stadt besetzt. Aus drei Deutschen wurden bald dreißig, dreihundert, und so ging es fast überall. Gefördert durch die Leichtgläubigkeit und Geschwätzigkeit der Chinesen, sind gewöhnlich die Diener, Pferdeknechte und Kutscher der europäischen Reisenden die Verbreiter solcher Uebertreibungen, um sich damit selbst höheres Ansehen zu geben und sich in ihrer Feigheit gegen etwaige Angriffe von Fremdenhassern zu schützen. In Italien ist jeder besser gekleidete Fremde eine Eccellenza, in Amerika ein Baron oder Count, in China ein Botschafter. Mteratur, Wissenschaft und Kunst. — In Dessau ist der bekannte volkswirtschaftliche Schriftsteller Dr. Rudolf Meyer gestorben. — »Der Stein der Weisen" enthält in seinem kürzlich zur Ausgabe gelangten 10. Heft (des 11. Jahrganges) folgende lesenswerte Betiräge: Im Hochmoor; Die Herstellung des BruchköiperS (33 Abbildungen); Englische KöntgSschlöstei; Die Spiegelteleskope (7 Abbildungen); Die römische Kultur in Zentral-Europa (mit Bilder); Das Luftschiff von de Santos Dumont (3 Abbildungen); Der Himmel auf Erden (5 Abbildungen); Ruine Dürrenstem (2 Abbildungen); Merkwürdige Crustaceen (2 Abbildungen); Das alte Kolchis (5 Abbildungen). Alles in allem sind es an 60 Illustrationen, Figuren u. f. w., welche zu Erläuterungen der gediegenen Abhandlungen dienen. Wir haben wohl nicht nötig, die unseren Lesern besten« bekannte populär-wtffenschaftliche Halbwonatschrtst (A. HartlebenS Verlag, Wien), deren Leitung unentwegt bestrebt ist, alle Neuerungen auf technischem Gebiete, die Resultate der naturwissenschaftlichen Forschung u. s. w. zu behandeln, besonders zu empfehlen. Jede Buchhandlung giebt Probehefte ab. — Netteste Erfindungen und Erfahrungen^ auf dm Gebieten der praktischen Technrk, der Elektrotechmk, der Gewerbe, Industrie, Cbemte, der Land- und Hauswirtschaft rc. 26. Jahrgang (A. Hartlebens Verlag in Wien) PränumerationSprettz ganzjährig für 13 Hefte franko 7,50 Mk. Einzelne Hefte für 60 Psg. in Briefmarken. Diese Zeitschrift dient ausschließlich nur der Praxis. Ihre Mitteilungen, die sich über alle Berufsarten verbreiten, bestehm in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, Arbettsverbesserungen und Neuerungen auf technischem und industriellem Gebiete. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Anweisungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. AuS der Fülle des Inhaltes des zweiten Heftes vom sechSundzwanzigsten Jahrgange seien besonders folgende Artikel hervorgehoben: Ueber Zurichten und Färben von lohgarem Leder. — Die rationelle Behandlung deS Stalldüngers. — Neuer Fratser-Hinterdrehapparat. — Neue kittlose GlaSbedachung. — Ein neuer Schaufenster-Reflektor für elektrische Beleuchtung. — Praktisch« Winke über das Ausbeffern von Leim- und Oelfarbeanstrichen. — Entwässerung von Baugruben. — Neues Verfahren zum Härten von Stahl in Milch. — Benützung von Kalk zum Weichen der Gerste. — Wertbestimmung von Calcium- carbid. — Neue Maschinen zum Vervielfältigen von Manuskripten. — Praktische Anleitung zur Herstellung von Verzierungen auf Elfenbein und Horn. — Neuerungen an Blasebälgen für Schmtedeseuer. — Anleitung zur Herstellung metallisch glänzender Bilder. — Neue Fortschritte in der Telephonie. — Elektrische Kraftübertragung durch die Luft. — Apparat zur Herstellung kohlensaurer Bäder. — Fabrikation der Lacke in England. — Herstellung blauer Anlauffarde auf Stahlfedern. — Neue Reklamevorrichlung mit wechselnder Schau- fläche. — Erfahrungm in der Carbtdfabrikation. — Befestigung btl Stantols bei Schaumwetnflaschen. — Vorrichtung für Rundstrick- maschtnm zur Herstellung plattirter Farbmuster. — Herstellung von Arrac. — Herstellung flüssiger konzentrierter Handschminke. — Bezugsquellen für Maschinen, Apparate und Materialien. — Rasche Darstellung von Lysol und Kreolin. — Ein neuer Absaugkolben. — Das erprobteste Verfahren, Sellerie durch den Winter zu bringen. — Meine Jauchenpumpe. — Bereitung guter Erden durch Zusatz von Nährsalzen. — Imprägnieren von Christbaumwatte. — Darstellung von gefahrlosem bengaltschm Feuer. — Seife gegen Kopf- schuppm. — Herstellung wafferdichter Leinwand. — Kleinere Mitteilungen. — Neuigkeiten vom Büchermärkte. — Eingegangene Bücher und Brochüren. — Neue Erscheinungen auf dem Patentgebiete. — Industrielles Feuilleton. — Elektrotechnisches Feuilleton. — Patent- technisches Feuilleton. — Kalender-Litteratur. — Fragekasten. — Beantwortungen. — Briefkasten. Die „Neuestm Erfindungen und Erfahrungen", im 26. Jahrgange erscheinend, bieten jedermann, insbesondere dem Techniker und Industriellen, die Mittel, alle neuen Erscheinungen und alle wertvollen praktischen Errungenschaften kennen zu lernen und so zu verstehen, daß er sie in seinem Geschäfte sofort verwerten kann und demzufolge immer auf der Höhe der Zett steht. Hunderte von Fragen aus allen BerufSfächern finden in dieser Zeit- fchrtft praktische und kostenlose Beantwortung. — »Theorie und Praxis des gesamten Abrechnung-» wesens, mit besonderer Berückfichtignng deS Depofiten- und CheckverkehrS.^ Ein Wegweiser für den modernen Geldoerkchr betitelt sich das neue Werk von Georg Obst, das Mitte Januar im Verlage von Strecker & Moser (Stuttgart) erscheint. (Geheftet Mk. 2,60, eleg. geb. Mk. 3,—). Obst, der bereits durch seine früheren Schriften „Kapitalanlage und Wertpapiere", „Wechsel-ABC" rc., eine gewisse Popularität erlangt hat, verbindet auch in seinem neuen Werke wieder bet seinen Darstellungen in geschickter Weise theoretische Kenntntffe mtt prakltschen Erfahrungen. Nach einer interessanten Schilderung der Entwickelung des Geld- und Kreditwesens macht der Derfaffer den Leser mit den Theorieen des Depositen-, Check- und Abrechnungswesens bekannt, weist auf den Nutzen hin, welchen dieser Verkehr für den Einzelnen wie für die Gesamtheit zur Folge bat, plaidirt für ein gutes, brauchbares Chrckgesetz und nimmt Stellung zu dem geplanten Post Checkoerkehr. Wa« dem Werke aber einen besonders hohen Wert verleiht, ist der Umstand, daß Obst — der, nebenbei gesagt, Beamter der Dresdener Bank in Berlin ist — auch in der Praxis wohl erfahren und so besser, als irgend lemanb, befähigt ist, die Technik deS Depositen- und Cbeckverkehrs schildern zu können. Infolge deS neu geplanten Check- und Ab- rechnungßoerfahrens durch Permittelung der Postanftalten hat daS Buch auch ein aktuelles Jntereffe und wird auS diesem Grunde nicht nur dm Bank' und Postbeamten, den Kaufleuten und Ge- werbetreibendm, sondern allm Gebildeten ein willkommener Wegweiser sein. UniversMs Nachrichten. — Berlin. Der Prtvatdozent für Geographie an der hiesigen Universität, Dr. Erich v. Drygaleki, der präsumtive Letter der geplanten deutschen Südpolar-Expedition, hat einen Rui als ordentlicher Proseffor an die Universität Tübingen erhalten. ES ist indeffm zu erwarten, daß mtt Rücksicht auf die langwierigen Vorbereitungen, welche die genannte Expedition erfordert, eS gelingen wird, Herrn o. Drygalski an Berlin zu fesseln. — Würzburg. Der Smat der Universität hat die Errichtung einer außerordentlichen Professur für Physik beantragt. Eine diesbezügliche Forderung wird demnächst dem Landtag zugehen. Mit der Schaffung dieser Profeffur wird eine der Bedingungen erfüllt, die Proseffor Röntgen an sein Bleibm in Würzburg fiffelt. — Kiel. Der außerordentliche Professor Lizmtiat Friedrich Bosse, der Sohn des Kultusministers, wird im Frühjahr nach Greifswald übersiedeln, besten theologischer Fakultät er schon früher als Prtvatdozent angehörte. — Leipzig. Dem ordentltchm Professor der Chemie an der hiefigen Universität, Geh. Hofrat Dr. phil. et meä. Johannes WiS- ltcenus, ist von der Royal Society zu London die diesjährige Davy-Medatlle zuerkannt worden. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Oartenftrabe 2. btt Arbeitnehmer r 1 Bäcker, 1 Krankenwärter, 1 Glaser, 2 Schneide 1 Bauschreiner, 10 Taglöhner, 4 Fuhrknechte, 1 Kellner, 3 Haus- butfcben, 1 Mechanikerlehrling, 1 Hausmädchen für Bad-Nauheim, 1 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit, 1 Haushälterin, 1 Bureaugehrlse. Nachfrage -er Arbeitgeber r 1 Drechsler, 1 tücht. Bausckloffer, 2 Schuh- Macher 3 Bauschreiner, 1 Hausbürschchen, 1 Hausmädchen, 3 Lauffrauen, 6 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit, 8 bis 10 Ausrrppennnen, 3 bis 4 Lumpensortiererinnen, 3 Flickfrauen.________ Orin pW hing en Dr. Kuntzes Hasten - Bonbons empfiehlt 334 Ang. Moll. Versuchen Sie gefl. den vielfach preisgekrönten iSchnsfezti \ JAVA- I Xkatfef/ VON 340 M. Schuster, Bonn, Dampf-Kaffee Brennerei, gegr. 1857, zu 60, 70, 75, 80, 85, 90 und 95 Pfg. das halbe Pfund. Verkaufsstelle in Gießen: H. Wallach, Marktplatz 8.____________________________ ff. Holgtinische Meiereibulter versendet in Postcolli, (Netto 9 Pfund) zn den billigsten Tagespreisen per Postnachnahme Meldorf L H. O. Sager» 661] Versandhaus Holst. Meiereibutter. Ttzl.snsihk Kredel Berliner Pfannkuchen Spritz- und Kaffeekuchen Thee- und Weingebäck sowie täglich von 1 Uhr nachmittags ab frische Brödchen empfiehlt 602 W.Amend, KahuWr. 62, Vorzngl. Salzgurken, „ Sauerkraut, gutk. Erbsen in 4 Qualitäten,! 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Februar ein in Küche und Hausarbeit erfahrenes Mädchen gesucht^Ludwigstratze 37, III. 552] Fleißiges, braves Mädchen für sogleich oder später gesucht. ____________Wallthorstratze 75, II. 619] Lauffrau oder Mädchen gesucht. Seltersweg 36. Li kllen-Gel licht' Kaufmann, zur Zeit Einjährig-Frei, williger, sucht per 1. April Stellung als Kontorist. Offerten unter X. W 369 an dieExpedition dieses Blattes. ZN verkaufen 0216] Billig zu verkaufen: eine Tisch- säuleulampc, eine Glasbowle mit 12 Gläsern, em Tafelaufsatz. Ludwigstr.6,11. Zwei Aeeker im Neustädter Feld, die sich zur Backstein - brennerei eignen, sowie ein Stück Land am Rodberg, zur Sandgewinnung geeignet, sind zu verkaufen. 0211 Näheres in der Expedition d> Bl. KanHGeftiche Hasenfelle, Jüchse, Marder und Iltisse kauft zu hohen Preisen 12084 1 Kretzschmar, Kürschner, Markt 22. Capitalien 10000 Mark auf erste Hypothek bei doppelter Sicher« heil und pünktlicher Zinszahlung zu leihen gesucht. 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Q OOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOfl Coursbericht m J. Kurz & Co., Giessen, -«h»pfßr»jt 63. Frankfurter Börse vom 18. Januar 1899. Proeenr 31/, Deutsche ReichSanl. 3 Preuß. EonsolS B1/, Gr. Hessische Obl. 4 Stadt Darmstadt v. 1891 4 Stadt WorrnS unk. b. 1901 101.75 93.70 99.70 000.00 000.00 Procent 476 Oesterr. Silberrente 4 Ung. Gold-Rente 3 Portugiesen 6 Mexikaner 4 Monopol-Griechen von 1887 3 Oesterr. StaatSbabn v. 1885 00.0014 Eisenb. Rentenb. Obl. 3 Jtal. staatSgar. Effenb. 59.1514 Buderus Obl. B1/, Hambrgr. Hyp Bk. unk. b. 1908 4 Preuß. Hyp. A. Bk unk- b. 1900 37, Pomm. Hyp.A.Bk.unk.b.l906 Frkf Ldw.Ered.Bk.unk.b.1900 87, Frankftr. HtzP. Bk unk. b.1906 99.00 37. Frkf.Hvp.Ered.B. unk. b. 1906 98.00 4 dto. unk. b.l 907 102.00 4 DeutscheGrdsch.B.unk.b.l904 101.d0 4 101.00 100.60 23.80 99.80 49.90 100.20 99.50 99.00 100.50 100.60 100.80 20 Franken-St. Engi. SovereignS Dollar- in Gold Darmll. Bk-Blctien Gekdsortenr Brief 16.19 20.40 4.21 Geld 16.15 20.36 4.17 Fran-. Banknoten Oesterr. dto. Americ. « deude ourser 154.50 s Oesterr. Eredit-Actien Brief 225.50 Geld | 80.95- 169.40 4.187, Redaclian: E. Burkhardt. — Druck und Verlag der Brühl'scheu UmversttätS-Buch- und Strindruckcrei (Pietsch Erbew ni Girßm