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Januar 1S»O (<)iel;ener Anzeiger Hmeral-Anzeiger Bei Postbezug 2 Mark 50 Psg. vierteljährlich. Bezugspreis vicrletjähruch 2 Mark 20 Psg. monatlich 75 Psg. mil Briugerlohn. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen dcö In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Aamikieubtätter werden dem Anzeiger wdcheatlich viermal beigelcgt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag« für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Amts- und Auzeigeblatt für den Urei» Giefzen. Reaktion, Expedition und Dru«kcvei: Kchulftratze Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener ZamilienblSNer, Der hessische Landwirt, Dtätter für hessische Uotkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher M. Gießen, den 18. Januar 1899. Betr.: Die Ausführung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, die Abänderung der Gewerbeordnung, insbesondere die Sonntagsruhe im Gewerbebetriebe. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien und OrtS- polizeibehördeu des KretfeS. Wir erinnern Sie daran, daß nach unserem Amtsblatt Nr. 8 vom 7. August 1896 die von Ihnen über die auf Grund der §§ 105o Abs. 4 und 105 f ber Gewerbeordnung gestatteten Ausnahmen von dem Verbot der Sonntagsarbeit geführten beiden Verzeichnisse bis längstens 15. Januar jeden Jahres in Urschrift oder beglaubigter Abschrift bei »ns einzureichen sind. Falls keine Ausnahmen gestattet worden sind, ist dies zu berichten. v. Becdtold. Gießen, den 16. Januar 1899. Betr.: „Die Mission in der Schule" von Dr Gustav Warneck. Die Großh. Kreis-Schulcommission Gießen an die Schulvorstände des Kreises. Nachstehende Verfügung Großh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, teilen wir Ihnen zur Kenntnisnahme mit. v. Bechtold. Darmstadt, den 10. Januar 1899. Betr.: Wie oben. Das Großh. Ministerium des Innern (Abteilung für Schulangelegenheiten) an die Grotzh. Kreisschttlkommisfiotten. Im Verlage von C. Bertelsmann in Gütersloh ist die obengenannte Schrift des Dr. theol. Gustav Warneck, eines der gründlichsten Kenner der evangelischen Heiden- mission, erschienen, welche als ein beim evangelischen Religionsunterricht^treffliche Dienste^leistendes Lehrmittel'zu betrachten ist. Indem wir Sie auf diese Schrift aufmerksam machen, empfehlen wir Ihnen, dieselbe gelegentlich für die Schulbibliotheken anzuschaffen. Der Preis beträgt 2 Mk., gebunden 2 Mk. 50 Pfg., mit der Missionskarte von K. Heilmann 2 Mk. 70 Pfg. bezw. 3 Mk. 20 Pfg. _________ Sold an.________de Beauclair. Bekanntmachung. Das Großh. Ministerium des Innern hat die der Versicherungsgesellschaft zu Schwedt erteilte Konzession, nachdem dieselbe ihren Geschäftsbetrieb im Großherzogtum aufgegeben hat, zurückgenommen. Gießen, den 17. Januar 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________v Bechtold.___________________ Ludwig Göbel von Mendorf a. d. Lda., 14 Jahre alt, seither in der Lehre bei Spenglermeister Fuchs in Lollar, war am 8. Januar l. I. zu Besuch bei seinen Eltern, den Jakob Göbel Eheleuten in Allendorf a. d. Lda., ging Tags darauf dort weg, um sich wieder nach Lollar zu begeben und ist seitdem spurlos verschwunden. Um Nachforschung und Nachricht an Großh. Kreisamt Gießen wird gebeten. Personalbeschreibung. Größe: ca. 1,10 Mir. Gestalt: gesetzt. Haare: blond. Augen: braun. Kleidung: schwarzer Filzhut, schwarzerAnzug, Arbeitsschuhe. Bekanntmachung. Nachdem von berechtigter Seite die Rückgabe der von dem verstorbenen Dienstmann Heinrich Lerch dahier gestellten Dienstkaution verlangt worden ist, fordern wir Diejenigen auf, welche Ansprüche an diese Kaution aus der Eigenschaft des p. Lerch als Dienstmann erheben zu können glauben, solche bei Meldung des Ausschluffes binnen acht Tagen bei uns vorzubringen. Gießen, den 18. Januar 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl. Die Rechtfertigung des griechischen Kronprinzen. Das Jnteresie, welches wir Deutschen für Griechenland haben, stützt fich auf drei Punkte. Einmal ist es das alte Kulturland, welches in Erinnerung an feine große Vergangenheit heute noch die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Zweitens bewahren auch jetzt noch viele Deutsche dem griechischen Staate ein wenig freundliches Gedenken, weil er sie um einen großen Teil ihres Vermögens gebracht hat. Denn wenn auch die europäische Finanzkontrolle hoffentlich mit dem bisherigen System, welches die griechische Regierung in Bezug auf die Befriedigung ihrer Gläubiger befolgte, aufräumen wird, so dürfte es doch noch lange Zeit dauern, ehe das volle Vertrauen Europas zu Griechenland zurückgekehrt fein wird. Ein dritter Grund für unser Interesse an dem hellenischen Staat ist der, daß die Schwester des deutschen Kaisers. Prinzessin Sophie von Preußen, mit dem griechischen Thronfolger vermählt und also aller Voraussicht nach dazu bestimmt ist, die Landesmuttcr der Hellenen zu werden. Gewaltig war der Schlag, welcher Griechenland in dem unglücklichen Feldzuge gegen die Türket traf, aber man darf hinwiederum auch annehmen, daß, wenn die Lehren, welche Griechenland aus dem Feldzuge ziehen konnte, beherzigt werden, diese ihm zum Segen gereichen müssen. Zum Selbstdünkel, der vor dem Kriege grassierte, liegt keine Veranlassung mehr vor. und es gilt heute, in ernster Arbeit und mit Selbstverleugnung nachzuholcn, was in Jahrzehnten versäumt worden ist. Als der letzte Krieg beendet war, richteten fich die Beschuldigungen auf griechischer Seite hauptsächlich gegen den mit dem Oberbefehl über die Armee betrauten Kronprinzen Konstantin, welchem man fehlerhafte Kriegsleitung vorwarf. Es ist noch in frischer Erinnerung, wie allgemeine Erbitterung gegen den Kronprinzen im Lande herrschte, die fich in mancherlei Demonstrationen Luft machte. Einer Rechtfertigung konnte der Thronfolger sich deshalb nicht entziehen, wenn auch außerhalb Griechenlands die wahre Ursache der Niederlagen sehr wohl erkannt worden war. Insofern bietet die Rechtfertigung nichts Neues mehr. Mangelhafte Organisation und Disziplinlosigkeit, Widersetzlichkeit und Eigenmächtigkeit der Befehlshaber gegen das Oberkommando haben nach Ansicht des Kronprinzen den Sieg der Türken erleichtert. Ein Heer, in welckem Zustände herrschen gleich denjenigen in de Die Ztaaissteoerreform im Grsßherpgtum Hessen. (Nachdruck verboten.) Schon seit etwa 10 Jahren haben die Stände des Großherzogtums, und vor allem die Zweite Kammer, auf eine umfassende Umgestaltung der zur Zeit bestehenden Steuergesetzgebung gedrängt, und in erster Linie die Umwandlung der Grund- und Gewerbesteuer angeregt. Man nahm hauptsächlich — und mit Recht — Anstoß daran, daß bei diesen beiden Steuerarten die auf den Grundstücken, Gebäuden und dem Gewerbebetrieb lastenden Schulden nicht berücksichtigt werden, so daß dasselbe Grundstück, derselbe Gewerbebetrieb mit der gleichen Steuer belastet werden, einerlei, ob sie überschuldet oder völlig schuldenfrei sind. Die Grundsteuer beruht in der Hauptsache noch heute auf den Abschätzungen des mittleren Reinertrags der Grundstücke, die in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts stattgefunden haben. Die enormen Wertverschiebungen, welche die Grundstücke seit mehr als 60 Jahren erfahren haben, sind also fast ohne jeden Einfluß auf die Veranlagung der Grundsteuer geblieben, so daß häufig sogar in derselben Gemarkung Grundstücke mit hohem Ertrag mit einer geringeren Steuer belegt sind, als solche mit schlechtem Ertrag. Ebenso wird die Gewerbsteuer nur auf Grund äußerer Merkmale veranlagt, und nimmt weder auf die persönlichen Verhältnisse, und insbesondere die Leistungsfähigkeit des Gewerbtreibenden, noch auf den thatsächlichen Reinertrag Rücksicht. Auch die Regierung mußte die dem bestehenden Steuersystem anhaftenden Mängel anerkennen. Nachdem bereits im Juni v. I. den Ständen eine vorbereitende Denkschrift zur Steuerreform vorgelegt worden war, welche Ziel und Umfang der Reform erörterte, und das historische, wirtschaftliche und gesetzliche Material übersichtlich zusammenstellte, hat nunmehr die Negierung den Ständen fünf Gesetzentwürfe zur Beratung übergeben, die sich nicht auf eine Reugestaltung der direkten Staatssteuern beschränken, sondern eine weilergehende Finanzreform bezwecken, weil es sich als unmöglich erwiesen hat, den durch die Aufhebung von Grund- und Gewerbsteuer entstehenden beträchtlichen Ausfall an Staatseinnahmen allein durch andere direkte Steuern völlig zu decken. Es liegen daher außer einem Gesetzentwurf über die Vermögenssteuer und einem solchen über die Abänderung des zurzeit bestehenden Einkommen- steuergesetzes noch Gesetzentwürfe über die Einführung einer staatlichen Klassenlotterie, über die Weinsteuer und die Hundesteuer vor; ferner ist der Entwurf eines Gesetzes über Abänderung und Ergänzung der derzeitigen Bestimmungen über den Administrativ-(Verwaltungs)Stempel, dessen Erhöhung demnächst gleichzeitig mit einer Neuordnung des gerichtlichen Stempelwesens erfolgen soll, in Aussicht gestellt. Diesen Entwürfen soll sich nach einer offenbar offiziösen Zeitungsnotiz demnächst der Entwurf eines Gesetzes über die Gemeinde-Umlagen anschließen, durch welchen die bestehende Gemeinde-Besteuerung diejenigen Aenderungen erfahren soll, welche sich aus der Reform der Staatssteuern, und insbesondere der UeberWeisung der Realsteuern (Grund- und Gewerbesteuer) an die Gemeinden, ergeben. Diesen Vorlagen ist eine gemeinsame Begründung beigegeben, in welcher als Ziel der Reform bezeichnet ist: die Ungleichheiten derBelastung, wiefie seither in der Besteuerung der Grundbesitzer, Gewerb- treibenden und Kapitalisten zu Tage getreten ist, zu beseitigen, und die Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers zum Maßstabe seiner Belastung zu machen. Die Begründung gipfelt in dem Hauptsatze: daß die erwerbsthätige Arbeit in unserem Lande unter keinen Umständen unter wesentlich ungünstigeren Bedingungen ausgeübt werden darf, als in dem uns zunächst interessierenden Preußischen Nachbar-Bundesstaate. Da unser Großherzogtum fast ganz von Preußen umschlossen ist, wird man sich mit dieser Forderung einverstanden erklären müssen, um die hessischen gewerblichen und landwirtschaftlichen Betriebe konkurrenzfähig zu erhalten. Liegt daher die Beachtung dieses obersten Grundsatzes einerseits im Interesse der wirtschaftlichen Verhältnisse der Steuerzahler, so ist sie doch auch andererseits nicht minder für die Staatswirtschaft von Bedeutung. Denn wollte man in unserem Lande die Steuerlast über das in Preußen bestehende Maß erhöhen, so bestünde die Gefahr, daß ein beträchtlicher Teil der Steuerzahler aus dem Lande vertrieben würde, und dadurch ein bedeutender Steuerausfall entstünde. Dies würde sich besonders bei neu zu gründenden Unternehmungen, die bei der Wahl des Betriebsortes nicht in letzter Linie die in dem betreffenden Lande zu zahlenden Abgaben berücksichtigen werden, geltend machen. Aber auch bei leicht beweglichen, bereits bestehenden Unternehmungen kann unter Umständen eine bedeutende Vermehrung der Steuerlast den Anlaß zu einer Verlegung geben. Am leichtesten wird sich der Kapitalrentner durch Veränderung seines Wohnsitzes einer schärferen Heranziehung zur Steuer entziehen können. Es lagen hiernach zwingende Gründe praktischer Natur vor, bei der geplanten Steuerreform unbedingt die preußische Gesetzgebung wenigstens insoweit zu berücksichtigen, als es sich um die Höhe der Belastung der Steuerzahler handelt. Aber auch in der Form der Gesetzgebung war ein möglichst enger Anschluß an Preußen schon um deswillen wünschenswert, weil nur dann übersehen werden kann, ob die Steuerbelastung der einzelnen Steuerpflichtigen, die Wirkung der Gesetzgebung auf die Steuerzahler thatsächlich in beiden Ländern gleich sein wird. Hierzu kommt aber, daß eine Anlehnung an das preußische Muster auch deshalb als ba: allein richtige Weg bezeichnet werden muß, weil das durch den derzeitigen preußischen Finanzminister eingeführte Steuersystem die Forderungen, welche an eine gerechte und zwea- mäßige Steuerveranlagung in der neuesten Zeit geste werden, am vollkommensten erfüllt. (Fortsetzung folgt.) griechischen Armee im türkisch'« Kriege, ist haltlos und kann von dem befähigtsten General nicht zum Siege geführt werden. Den maßgebenden Personen in Griechenland kann die offene Darlegung des Kronprinzen nur heilsam sein, und wir wollen hoffen, daß die Frucht nicht ausbleibt. Freilich wird auch die Rechtfertigung nicht unwidersprochen bleiben, insbesondere da der Kriegsminister Smolen-ki, welcher nach dem Kriege stck als Nationalheld gerierte, sehr scharf angegriffen wird. Zu wünschen ist, daß die Rechtfertigung des Kronprinzen nicht zur Verschärfung der innerpolitischen Situation beiträgt, sonst wäre sie beffer unterblieben (xx) Deutscher Reichstag. 12. Sitzung am 18. Januar. 1 Uhr. Tagesordnung: Initiativanträge. Zuerst gelangte der Antrag Klinkowström (kons.) zur Beratung. Derselbe verlangt die Hinzufügung des folgenden § 353a. zum Strafgesetzbuch: „Ein Beamter, welcher amtliche Schriftstücke, deren Geheimhaltung angeordnet ist, anderen zur Veröffentlichung durch die Presse widerrechtlich mitteilt, wird mit Geldstrafe bis 1000 Mark oder mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft." Ein Absatz 2 richtet sich gegen die Presse, welche dergestalt erlangte Schriftstücke veröffentlicht. Abg. Graf Klinkowström (kons.) bemerkt, bei Einbringung seines Antrages habe er an die Publikation diskreter Erlasse durch die sozialdemokratische Presse gedacht. Es handele sich da um gemeine Verbrechen, in der Regel um Bestechung und Bestechlichkeit von Beamten. Von anständigen Beamten würden derartige Vertrauensbrüche entschieden verurteilt. Er, Redner, bitte um Verweisung seines Antrages an eine besondere Kommission. (Lachen links.) Abg. Lenzmann (frs. Vp.) bittet namens seiner Fraktion um rundweg Ablehnung des Antrages. Solche Ausnahmebestimmungen gegen die Sozialdemokratie, wie sie der Antrag fordere, wolle seine Fraktion nicht, obwohl sie kein Freund dieser Partei sei (Rufe rechts: Na, na !). Die jetzige Zeit mit ihren reaktionären Bestrebungen sei überhaupt nicht geeignet für eine Revision des Strafgesetzbuches. Unbegreiflich sei, wie der Antragsteller durch diesen Antrag Schutz gegen die „Kölnische" und gegen die „Vossische Zeitung" erlangen wolle (Heiterkeit). Möge man den ehrlosen Beamten bestrafen, d. h., wenn man ihn erwische, die Presse aber nicht! (Gelächter rechts. — Dieses Lachen veranlaßt den Redner zu der Aeußerung, daß anscheinend die neuen Mitglieder des Hauses nicht wüßten, was parlamentarischer Anstand sei.) Präsident Graf Ballestrem entgegnet dem Redner auf diese Bemerkung, derselbe habe damit, der selbst ein altes Mitglied sei, den neuen Kollegen kein gutes Beispiel gegeben (Heiterkeit). Abg. Hofmann (nl.) ist gegen den Antrag. Ein Bedürfnis für denselben liege nicht vor. Abg. Liebknecht (Soz.) bezeichnet den Antrag als einen Versuch zu einem neuen Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie. Der Zeitungsredakteur wisse gar nicht, ob ein Erlaß geheim sei und wer ihn der Zeitung gesandt habe. Die Rechte möge sich daran erinnern, daß in den 50 er Jahren von Konservativen dem Prinzen von Preußen Akten gestohlen worden seien. Bismarck habe nach seiner Entlassung amtliche Akten veröffentlichen lassen, sogar solche wichtigster Art. Die Sozialdemokratie veröffentliche amtliche Erlasse stets im öffentlichen, im Staatsinteresse und niemals gegen das Staats-, gegen das öffentliche Interesse. Geheime Erlasse nützten gar nichts; sollten Erlasse etwas nützen, dann müßten sie öffentlich bekannt werden. Uebrigens könnten Ausnahmegesetze gemacht werden, so viele man wolle, die Sozialdemokraten würden mit ihnen ebenso gut fertig werden, wie mit dem Fürsten Bismarck (Beifall). Abg. v. Kardosf (Rp.) hält den Antrag für durchaus angezeigt und wünscht kommissarische Beratung desselben. Die Verweisung desAntrages an eine Kommission wird abgelehnt. Es folgt die Beratung des Antrages Agster (Soz.) betr. Vorlegung eines Gesetzentwurfs zwecks Errichtung obligatorischer Gewerbegerichte und Erweiterung der Kompetenz derselben auf Handelsangestellte, Gesinde, sowie land- und forstwirtschaftliche Arbeiter, und zwar überall ohne Rücksicht auf das Geschlecht. Abg. Zubeil (Soz.) empfiehlt den Antrag. Inzwischen ist ein Antrag Trimborn-Hitze (Ctr.) eingegangen, welcher erstens kaufmännische Schiedsgerichte einführen und zweitens die Gewerbegerichte innerhalb ihrer bisherigen Kompetenzgrenzen obligatorisch machen will mit der Maßgabe, daß die Landesregierungen hiervon Ausnahmen gestatten können wegen mangelnden Bedürfnisses. Abg. Trimborn (Ctr.) begründet seinen Antrag und befürwortet dabei noch zwei Detailforderungen seines Antrages: beffere Regelung des Wahlverfahrens durch geordnete Aufstellung der Wählerlisten, sowie Ermöglichung eines spontanen Eingreifens der Gewerbegerichte als Einigungsämter auch ohne Anrufung seitens der streitenden Parteien. Staatssekretär Nieberding bemerkt, angeregt durch eine Aeußerung des Vorredners, die Verhandlungen über die Frage kaufmännischer Schiedsgerichte seien noch nicht abgeschlossen. Ueber einige Einzelheiten herrschten noch Meinungsverschiedenheiten. Man sei aber unausgesetzt mit dieser ganzen Frage beschäftigt. Abg. v. Stumm (Rp.) führt aus, selbst bei den Arbeitern seien die Ansichten über die Thätigkeit der Gewerbegerichte sehr geteilte. Fest stehe, daß bei den Beisitzerwahlen die Arbeiter die Handwerker majorisierten und die Handwerker wiederum die großen Fabrikanten. Redner erklärt sich weiter entschieden gegen jede Kompetenzerweiterung der Gewerbegerichte und dagegen, sie obligatorisch zu machen. Er und seine Freunde würden keinem Gesetz zustimmen, das der Macht und der Autorität der Sozialdemokratie neue Nahrung gebe. Abg. Hilbeck (nl.) empfiehlt, entsprechend dem Antrag Trimborn und einem Antrag Bassermann, besondere kaufmännische Schiedsgerichte. Mit Ausdehnung der Gewerbegerichte auf Gesinde, Land- und Forstarbeiter seien seine Freunde nicht einverstanden. Abg. Schrader (frs. Vp.) bezeichnet die Ausdehnung und den weiteren Ausbau der Gewerbegerichte als sehr wünschenswert, nur ginge die Sache nicht so leicht, wie sich dies die Antragsteller links vorstellten. Er und seine Feunde eien bereit, in einer Kommission mitzuarbeiten. Es tritt nun Vertagung ein. Nächste Sitzung morgen 1 Uhr. Tagesordnung: Etat des Reichsamt des Innern. Schluß 51/4 Uhr. __ Deutsches Reich. Darmstadt, 18, Januar. Seine Königliche Hoheit der Großherzog werden sich heute abend 10 Uhr 24 Min. nach Gotha begeben, um der am 23. d. M. stattfindenden Feier des silbernen Ehejubiläums Seiner Königlichen Hoheit ,es Herzogs und Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Hoheit >er Frau Herzogin beizuwohnen. Im Gefolge Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wird sich der Ordonnanzoffizier Leutnant v. Klipstein befinden. — Wie der „Darmst. Ztg." aus Gotha berichtet wird, sind Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin mit der Prinzessin Elisabeth gestern nachmittag 6Uhr 23 Min. wohlbehalten dort eingetroffen. Darmstadt, 18. Januar. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am 18. Januar den Major v. Görne, Kommandeur des 1. Großh. Dragoner-Regiments (Garde-Dragoner-Regiments) Nr. 23, den Forstmeister Schober von Grünberg, den Forstmeister Kull mann von Seligenstadt, den Baurat Schnitzel von Friedberg, den Hofschauspieler Hacker, den Rendant Lautz von Groß-Umstadt, die Maler Bad er, Beyer und Schäfer; -um Vortrag den Staatsminister Rothe, den Geheimerat Schäffer, den Kabinettsrat Römheld. — Seine König- iche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 11. Januar l. I. gnädigst geruht, den Kammerjunker Max v. Loehr, Kaiserlich deutscher Konsul in Sarajevo, zum Kammerherrn zu ernennen. Darmstadt, 18. Januar. Das Großherzogliche Paar wird, wie schon kurz gemeldet, im Anfang nächsten Monats mit größerem Gefolge in Kairo erwartet. Es gedenkt am 20. Februar auf einem Cook'schen Nilboote einen etwa fünfwöchentlichen Ausflug nach Oberägypten anzutreten. Berlin, 18. Januar. Der Geheime Rechnungsrat Gall, der seit der Erkrankung des Geheimrats Kleinschmidt im Oktober 1897 die Leitung der Bureau-Geschäfte vertretungsweise übernommen hatte, ist zum Bureau-Direktor des Abgeordnetenhauses ernannt worden. Berlin, 18. Januar. Zur Frage der Deportation schreibt der „Windhoeker Anz.", daß ein Versuch, Verbrecher aus Deutschland nach Südwest-Afrika zu deportieren, im Schutzgebiet allgemeinem Widerstand begegnen und allgemeine Unzufriedenheit Hervorrufen würde. Die Gründe dafür sind folgende: Einmal würde das Ansehen der Weißen gegenüber den Eingeborenen in bedenklicher Weise erschüttert werden. Dem Eingeborenen müsse das Bewußtsein erhalten, und wo es noch nicht vorhanden ist, beigebracht werden, daß er ohne den Weißen nicht vorwärts zu kommen vermag, daß er der Anleitung des Weißen bedarf und dieser folgen muß, daß der Weiße sein Lehrer und Herr ist. Wir können die Farbigen als Arbeiter nicht entbehren. Soll zur Aufrechterhaltung der notwendigen Achtung und Ordnung nicht von vornherein die rücksichtsloseste brutale Gewalt als das einzige Mittel gelten, so ist man genötigt, dafür zu sorgen, daß die Eingeborenen möglichst ein moralisches Uebergewicht der Weißen anerkennen müssen. Zweitens wüßte man nicht, was nach beendeter Strafzeit mit den Sträflingen zu machen wäre, denn von einem von Hause aus minderwertigen Menschen, wie es der Verbrecher in der Regel sei, sei in einer Kolonie, wo die Lebensbedingungen schwierig seien, nicht viel zu erwarten. Einzelne der Entlassenen würden vielleicht imstande sein, sich emporzuarbeiten, die Mehrzahl würden arbeitsscheue Landstreicher werden. Von emer Ansiedlung der Sträflinge, die sie von vorneherem selbständig stellte, könne keine Rede sein, denn wer als Ackerbauer vorwärts kommen und auch nur sich erhalten wollte, bedürfte Mittel und besonderer Tüchtigkeit, Dinge, die dem Sträfling fehlen. Die Kosten des Strafvollzuges würden sich auch ganz erheblich höher stellen als in Deutschland. Daß die Kosten des Unterhalts der Gefangenen auf lange Zeit noch erheblich höher sein müssen als in Deutschland, folge aus der Notwendigkeit, den größten Teil der Lebensbedürfnisse erst vom Auslande her in das Land einzuführen. Was endlich die Kosten der Beaufsichtigung anbelangt, so wird man mit weniger Personal als zu Hause, sofern überhaupt einigermaßen die heimischen Grundsätze übertragen werden sollen, schwerlich auskommen. Wenn man Auswanderungslustige mit Mitteln unterstützen wolle, so möge man unter tüchtigen Leuten die tüchtigsten wählen. Dann würden diese, die Kolonie und die Gesamtheit von der Unterstützung einen Vorteil haben. Köln, 18. Januar. Die „Köln. Ztg:" schreibt zu der Aeußerung eines französischen Ministers, überall wo es angängig sei, werde er gemeinsam mit Deutschland marschieren: Wir haben keinen Grund, die Richtigkeit jener Mitteilung in Zweifel zu ziehen. Es ist erwähnenswert, daß französische Blätter und Politiker derartige Aussagen machen dürfen, ohne von Ausdrücken der Entrüstung wcggeschwemmt zu werden. Karlsruhe, 18. Januar. Der Verwaltungsrat der General-Brandkasse des Großherzogtums Baden lehnte einen von der Schwarzwälder Handelskammer gestellten Antrag auf staatliche Zwangs-Versicherung der Mobilien ab. Mottraiutg, 18. Januar. Gestern vormittag sand hier die Inthronisation des neuen Bischoss Paul Keppler statt in Gegenwart des Ministerpräsidenten Frech-rrn v. Mittnacht, des Kultusministers v. Sarwey, des Ministers des Innern v. Pischek, des Erzbischoss von Freiburg, sowie mehrerer Bischöfe. Ausland. Wien, 18. Januar. Das Gerücht von der bevorstehenden Schließung des Reichsrats wird von in- ormirter Seite als unbegründet bezeichnet. Wien, 18. Januar. Die deutsche Obstruktton un österreichischen Abgeordnetenhause setzte, tote noch nachqetragen sei, am Dienstag ein, um die vom Präsidenten anberaumte erste Lesung des Rekruten-Kontingents zu verhindern, und zwar durch namentliche Abstimmungen. Daber kam es zu einem Zwischenfall. Dr. Pergelt beantragte, ausschließlich die Ministeranklagen auf die nächste Tagesordnung zu setzen. Präsident Fuchs begründete dagegen ein Vorgehen und sagte: „Was insbesondere das Rekruten- Kontingent anbelangt, so bin ich der Anschauung, daß es Staatsnotwendigkeit ist.. ." (Unterbrechung, Lärm, Gelächter links.) Man hört die Rufe: „Der Ausgleich mit den Deutschen ist die erste Staatsnotwendigkeit!" „Zurückziehung der Sprachenverordnungen ist Staatsnotwendigkeit!" „Gerade diejenigen, welche am allermeisten dagegen remonsttieren, sollten schon aus Interesse für das Bündnis mit Deutschland diese Vorlage in Verhandlung nehmen...' (Abermaliges Gelächter links.) Prade: „Sie gehören selbst zu den ärgsten Gegnern des deutsch-österreichischen Bündnisses!" Wolf: „Lesen Sie Bismarcks Aeußerungen über Oesterreich in seinen „Erinnerungen" !" Die Sitzung schloß mit der Ablehnung des Antrages Pergelt mit 165 gegen 101 Stimmen. — Die Mehrheit will nun den Versuch machen, die deutsche Fortschritts- und die deutsche Volkspartei, welche, unterstützt von einigen Mitgliedern der Freien deutschen Vereinigung und der Schönerer-Gruppe, die Obstruktions-Anträge stellen, zu ermüden, und, wie es scheint, rechnen die Mehrheit und die Regierung darauf, daß es den Obstruktions-Parteien schwer sein wird, ständig die fünfzig Abgeordneten im Saale zu erhalten, welche zur Unterstützung eines Antrages auf namentliche Abstimmung erforderlich sind. Trotz der Meinungsverschiedenheit, welche unter den Parteien der deutschen Opposition über die Frage der Obstruktion besteht, soll jedoch Aussicht vorhanden sein, eine Organisation dieser Parteien, wie sie vor Weihnachten angestrebt wurde, zu schaffen. — Auf der Rechten verlautete andererseits auch, die Regierung wolle die Obstruktion gewähren lassen, bis der Ausgleich im Ausschüsse durchberateu und die Lage in Ungarn geklärt sei. „Tägl. Rundsch." Paris, 18. Januar. Die vom „Matin" veranstaltete Sammlung von Geldern zum Bau eines zweiten unterseeischen Torpedo-Schiffes nach dem System Gustave Zsdü hat bisher 82 000 Francs ergeben. Paris, 18. Januar. Präsident Faure wird heute die Liste der neu zu ernennenden Ritter der Ehrenlegion unterzeichnen. Morgen wird die Liste im Amtsblatt veröffentlicht. Paris, 18. Januar. Ueber das Verhalten Delcaffes zum Friedens-Kongreß wird während der Budget- Debatte eine allgemeine Aeußerung fallen, welche die Richtung geben soll. Paris, 18. Januar. Der Kassationshof wird Esterhazy ganz besonders über das Bordereau und über das Pauspapier verhören. Paris, 18. Januar. Der „Soleil" meldet aus Petersburg, der Zar werde Ende Februar reisen und nach Mailand kommen, wo eine Begegnung mit König Humbert ftatt- finden soll. Die italienische Regierung gebe sich alle Mühe, daß der Zar auch nach Rom komme. Der Zar sei jedoch nicht geneigt, auf diesen Vorschlag einzugehen, weil er die Empfindlichkeit des Papstes nicht verletzen wolle. Sodann soll der Zar mehrere Tage die französische Küste besuchen, woselbst eine Begegnung mit dem Präsidenten Faure stattfinden soll. Die Königin von Spanien soll den Wunsch ausgedrückt haben, den Zaren in Barcelona zu begrüßen, weil sie dadurch hofft, das Ansehen Spaniens heben zu können. Endlich soll Kaiser Wilhelm während der Anwesenheit des Zaren in Nizza demselben einen Besuch abstatten, welcher damit motiviert sein wird, daß die Kaiserin Friedrich um diese Zeit ebenfalls dort sein wird. Kaiser Wilhelm würde mit dem Zaren und dem Präsidenten Faure auf französischem Boden Zusammentreffen. Sollte dies der Fall sein, so sagt das Blatt, so wäre das gleichbedeutend mit der Anerkennung des endgültigen Verlustes von Elsaß- Lothringen für Frankreich. Paris, 18. Januar. Ein Manifest an die organisierten Arbeiter und Sozialisten in Eng-, land wird soeben, wie man der „Tägl. Rundschau" aus Paris meldet, von dem Einigungsausschuß der fünf sozialdemokratischen Gruppen in Frankreich erlassen. Der wesentliche Inhalt lautet: „Mit der lebhaftesten Unruhe und Entrüstung sehen wir, wie auf beiden Seiten des Kanals zwei große Völker gegeneinander gehetzt werden,, die zum Heil der Menschheit vereint bleiben müßten. Hoffen wir, daß das englische und französische Proletariat einen verhängnisvollen Zusammenstoß verhindert. Wir wissen und sagen es laut, daß unsere besitzenden und leitenden Klassen einen großen Anteil an der Verantwortlichkeit für diese Krise haben. Immer bereit, wie Emporkömmlinge, ihre republikanische Herkunft zu verleugnen, fühlen sie sich mehr geschmeichelt von der trügerischen Freundschaft der Tyrannen, als sie bemüht sind, sich die Sympathie eines freien Volkes zu erwerben. Ihre Kolonialpolitik verletzt die berechtigten Interessen der anderen Völker, beraubt die Eingeborenen und hält den Fortschritt der Menschheit auf. — Eure leitenden Klassen, durch die Ausschreitungen des ' «'Met " Zrchenn Eifler» e ut9, fowit bon in. bitruttira im '■ »ie nti «Htbtnte» ä'W j« dkr- **■ »ab« « beantragte, Ochste Tages- I nbete dagegen bas Rekruten- luung, daß es Lärm, Ge- Ausgleich mit i'" „Zurück- ipttoenbigfeit'" isten dagegen das Bündnis l nehmen.. gehören selbst hischen Bund- zrungen über Litzung schloß iit 165 gegen n den Versuch deutsche Volks- Htgliebetn der önerer-Gruppe, n, und, wie es jerung darauf, i wird, ständig ten, welche M )e Abstimmung denheit, welche aber die Frage orhanden sein, >r Weihnachten chten 'oerlautete OMMvn geäste durchberaten igl. Rundsch." 'n" veranstaltete feiten unter-' Gustave Adö wird heute die Lhreulegion Amtsblatt verhalten Delcasses nb der Budget- melche die Rich' ms wird Ester- au und über das reibet aus Peters- Humbert statt- .8 sich alle Muhb h- w b°!"A ’S 55 & W- *5** -st *6 h «>»)!'"'mich- -bh-st-L W er 9< H-Ü-« > fr-'-'A «#« ldert- *$ lcitenb;n tben Lfeit P 'iKs I *»#,«» -bi» ’"Äi Kapitalismus verurteilt, nur von der Ausfuhr zu leben, betrachten jede Ausdehnung anderer Völker als einen Eingriff. Eure Staatsmänner haben in tückischer Weise unredliche Unternehmungen, wie diejenige Jamesons gebilligt, und ihr herausfordernder Imperialismus ist eine beständige Drohung für den Frieden der Welt. Der kleinlich-eifersüchtige französische Kapitalismus und der gierige, freche und gewissenlose Kapitalismus in England vermehren die Streitanlässe bei beiden Völkern, und jetzt versucht man auch einen Teil der Arbeiter hineinzuzieheu, indem man sagt, die Arbeiter seien bei den Kolonialbestrebungen interessiert. Das Heil liegt aber nur im korporativen Kommunismus und zu seiner Einführung brauchen wir den Frieden u. s. w." — Der sozialistische Abg. Jaurös wurde beauftragt, auf der internationalen Versammlung, die am 8. März in London stattfindet, die französische Sozialdemokratie zu vertreten. Paris, 18. Januar. Oberst Cordier erklärte in einem Interview, er habe vom Befehlshaber der Stadt Paris bis jetzt noch keine Antwort auf sein Gesuch erhalten, das Blatt „Libre Parole" wegen Verleumdung zu verfolgen. Der Oberst erklärte, er verstehe recht wohl, daß gewisie Blätter ihn zu verleumden versuchten, denn die Aussagen, die er vor dem Kassationshofe gemacht, gäben den Revisionsfeinden Anlaß, mißmutig zu fein. London, 18. Januar. Baron Leopold von Rothschild blieb gestern gelegentlich einer Fuchsjagd in der Nähe von Buckingham an einem Baumaste hängen, wurde vom Pferde geriffen und brach das Nasenbein. Die Verletzung ist nicht gefährlich. London, 18. Januar. Die Blätter erklären die Nachricht von der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin vonWales mit dem Prinzen Georg von Griechenland als unbegründet. Amerika. Hinter der Philippinenfrage war die Angelegenheit des Nikaragua-Kanals etwas in den Hintergrund getreten. Jetzt verlautet aus Washington, die Aussichten für die Annahme der Vorlage im Senate seien gestiegen. Der Staatssekretär bringe darauf, daß die Bill in der Weise abgeändert werde, daß der Regierung der Bau des Kanals und der Besitz desselben gesichert werde, und sei davon überzeugt, daß Großbritannien bereitwillig auf den Clayton-Bulwer-Vertrag verzichten werde, wenn ihm Sicherheit gegeben werde, daß der Kanal ebenso wie für die Schiffe der Bereinigten Staaten auch für die britischen Schiffe offen sein solle. Er empfehle einen Zusatzantrag, welcher die Einholung der Zustimmung Großbritanniens vorsieht. — Auf dem Gebiete der Sozialpolitik in den Vereinigten Staaten macht dort ein Vorgang von sich reden. Zum ersten Male in der Geschichte des Landes sind kürzlich zwei eingestandene Sozialisten in eine Staats- legislatur gewählt worden, und die betreffende Staatslegislatur ist keine andere, als die von Massachusetts. Einem dritten Sozialisten fehlte wenig, daß er auch erwählt wurde. Die zwei erwähnten sozialistischen Abgeordneten sind nicht Mitglieder der „vagen Arbeiter"-Partei, sondern Sozialisten im europäischen Sinne des Wortes. Beide sind geborene Amerikaner. Die Stadt Haverhill, der Sitz einer blühenden Schuhindustrie, hat diese beiden erwählt. Auch bei der Gouverneurswahl in Massachusetts sind bedeutend mehr sozialistische Stimmen abgegeben worden, als früher. Kukates und Provinzielles. Gießen, den 19. Januar 1899. • • Aus dem Gerichtsdienst. Durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern wurden die Gerichts- aceeffiften 1) Heinrich Herberg aus Alzey, 2) Karl Löslein aus Heppenheim, 3) Dr. Otto Philipp Michel aus Neu-Bamberg, 4) Otto Schnittspahn aus Salzhausen, 5) Wilhelm Schön aus Lich, 6) Ernst Werner aus Darmstadt zu Regierungsassefforen, — die Gerichts- aceessisten-. 1) Philipp Bechtold aus Alzey, 2) Gustav Ellenberger aus Ortenberg, 3) Ernst Fricker aus Darmstadt, 4) Franz Gros aus Gießen, 5) Moritz Hansult aus Lehrbach, 6) Emil Hof aus Babenhausen, 7) Fritz Hoos aus Lauterbach, 8) Theodor Jost aus Schotten, 9) Dr. Gustav Mvurer aus Darmstadt, 10) Hermann Müller aus Darmstadt, 11) Alexander Paul aus Darmstadt, 12) Ludwig Raab aus Laubach, 13) Johannes Schäfer aus Monsheim, 14) Georg Sohl aus Darmstadt zu Gerichtsassessoren ernannt. • • Kreisausschuß-Sitzung. Samstag den 21. Januar 1899, vormittags 9 Uhr, findet in dem Regierungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses des Kreises Gießen mit folgender Tagesordnung statt: Einwendungen gegen die Ergänzungswahl der Mitglieder der Stadtverordneten-Versammlung zu Gießen, und Gesuch des Agenten Hermann Christian Werner zn Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb. • • Wechselstempelsteuer. Im Dezember 1898 ertrug bie Wechselstempelsteuer im Oberpostdirektionsbezirk Darm- jtabt 15,210 Mk. 90 Pfg. Der Gesamteingang in dem laufenden Etatsjahre 1898/99 (ab 1. April 1898) war 136 291 Mk. 50 Pfg. (8171 Mk. 90 Pfg. mehr als im vorhergegangenen Etatsjahre). Kaiser-Panorama. Die neue Serie im Kaiser-Pano- rama (Neuen Bäue 1), Palästina, ist von überraschender Plastik und Farbengebung, sieht man doch alle die Stätten, die von unserem Kaiser und Kaiserin besucht wurden; ^amentlich das Innere der Grabeskirche und die historischen Grabstätten, sowie alles dasjenige, wo Christus gelebt und Evangelium verkündet hat, fesselt unser Auge, so daß >"an sich schwer davon trennen kann. • • Wetterbericht. Die Herrschaft des hohen Druckes Dauert an. Das Depressions-Centrum liegt heute über dem -vteerbufen von Riga. Gleichzeitig rückt aber vom Ozean her wieder ein neues Minimum an. Infolgedessen ist das Barometer übet den britischen Inseln wieder ziemlich erheblich gesunken. Hoher Druck bedeckt den Südwesten Europas, und erstreckt sich ein schmaler Rücken desselben ostwärts bis über das ganze Alpengebiet. Das Wetter ist vielerorten trüb, und fallen allenthalben Niederschläge, zum Teil als Schnee. — Voraussichtliche Witterung: Trübes Wetter mit stellenweisen Niederschlägen. Nidda, 17. Januar. Infolge der nach den orkanartigen Stürmen der letzten Tage niedergegangenen Regenmassen ist heute nacht die Nidda über ihre Ufer getreten, und die niederen Stadtteile sowie die Thalgründe oberhalb und unterhalb der Stadt sind überschwemmt. Die Ueberschwemmung unterhalb Niddas ist so groß, daß beispielsweise die Passage zwischen dem Oberdauernheimer Hof und der Bahnstation Ranstadt ganz unterbrochen ist. □ Darmstadt, 18. Januar. Die an und für sich nicht besonders umfangreiche Aula der Technischen Hochschule war zur heutigen Gedächtnisfeier an Fürst Bismarck von Eingeladenen (darunter Staatsminister Rothe und der ehemalige Minister Finger), Professoren und Studentenschaft, dicht gefüllt; aus einem Lorbeer- und sonstigem Pflanzen- arranZLw.ent saff^die Bismarck-Büste heraus. Der neue -Akademische Chor" unter Privatdoeent Dr. Nagels Leitung trat mit passend-ernsten Gesängen vor und nach der Gedenkrede zum erstenmale in die Öeffentlichkeit. Letztere hielt Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Lepsins. Der sehr beredte Gelehrte (ein Sohn des ehemaligen Aegyptologen und Schwiegersohn von Ernst Curtius) zeichnete in der Spanne von Fünfviertelstunden eine hochinteressante Skizze des gewaltigen Lebenswerkes Bismarcks, des Schöpfers unseres einigen deutschen Reichs, in wiederholter Anlehnung und im Hinweis auf die Hinterlassenschaft seines gedankenschweren Werkes „Gedanken und Erinnerungen". Bismarcks Hauptdomäne war die auswärtige Politik; in seiner Behandlung des Kulturkampfes und der sozialen Frage, die er als politische auffaßte, zeigten sich die Grenzen seiner Begabung. Leider war es auch einem Bismarck nicht vergönnt, der Hydra der unheilvollen Parteizersplitterung in Deutschland den Kopf abzuschlagen. Bismarck ist uns allen ein hohes Vorbild; ihm nachzufolgen in echt deutscher Gesinnung, in Treue zu Kaiser und Reich unsere Aufgabe. Mit kräftigem Appell hierzu an die Studentenschaft schloß die glänzende Rede. X. Darmstadt, 18. Januar. Diesen Winter hat die Bauthätigkeit in unserer Stadt, von wenigen Tagen starken Regens abgesehen, noch nicht geruht. Ob die Vermehrung der Zahl der Mietsluftigen mit der Erhöhung der Zahl der neuen Wohnungen demnächst Schritt halten wird, ist zweifelhaft. Die Putz- oder mit Cement-Dekorations- gliebern versehenen Bauten sind leider in der Mehrzahl; schöne Villen sind am Karlshof, nächst der Rosenhöhe usw. entstanden. Vom neuen Museumsbau steht jetzt der Hintere Trakt (nach dem Herrengarten zu) bis aufs Dach fertig. Bensheim, 17. Januar. Die Weinproduzenten der hessischen Bergstraße hielten am Sonntag hier eine Versammlung ab, in der sie nachstehende Entschließung annahmen: 1. Als Naturwein darf nur dasjenige Getränk angeboten werden, welches aus Gährung des Traubensaftes ohne irgend einen Zusatz entstanden ist; 2. die maßlosen Vermischungen des Naturweines mit Wasser und Zucker werden gesetzlich wirksamer eingeschränkt als bisher, jedoch erscheint eine zeitliche Beschränkung der Zusätze von Wasser und Zucker nicht zweckmäßig; 3. die Herstellung und der Vertrieb des Kunst- weines ist zu verbieten und von der Einführung einer Reichssteuer auf Kunstwein abzusehen; 4. nach Ablauf der gegenwärtig zu Recht bestehenden Handelsverträge soll der Verschnitt von Weißwein mit Rotwein und der Vertrieb des so «hergestellten Weines verboten werden; 5. unter allen Umständen sollen die vom Bundesrat bestimmten Grenzteile für den Extrakt und Aschengehalt des Weines aufgehoben werden. A Mainz, 19. Januar. (Privattelegramm.) Der Rhein ist hier aus seinen Ufern getreten; das Wasser steigt langsam.__________________________________________________ Aus der Zeit für die Zeit. Vor 86 Jahren, am 20. Januar 1813, starb in Weimar der Dichter Christoph Martin Wieland, der heitere Lebensphilosoph, welcher in seinen Romanen der Gesinnung und Denkweise der höheren, französisch gebildeten Stände das Wort redete und in leichter, lüsterner Sprache reichen Genuß des Lebens predigte. Zugleich erneuerte er in seinem Epos „Oberon" die romantische Heldendichtung des Mittelalters. Wieland wurde am 5. September 1733 in Oberholzheim bei Biberach al« Sohn eines schwäbischen Geistlichen geboren. Vermischtes. ♦ Frankfurt a. M., 17. Januar. Die Stadtverordneten genehmigten die Anstellung von elf Schulärzten mit je 1000 Mk. Jahresgehalt. * Berlin, 17. Januar. Der starke Sturm der letzten Tage nahm in der vergangenen Nacht einen orkanartigen Charakter an. Er verursachte ganz besonders durch sein stoßartiges Auftreten bedeutenden Schaden. In den Waldungen der Umgegend von Berlin hat der Sturm bedeutenden Windbruch angerichtet. Auch in Berlin hat der Sturm viel Schaden angerichtet. * Köln, 17. Januar. Als heute Abend der Dampfer „Mannheim" von der Köln - Düffeldorfer Dampfschiffahrt. gesellschast seine oberrheinische Fahrt angetreten hatte, erfolgte auf der Mitte de« Stromes ein Achsenbruch. Die Passagiere wurden mittelst Booten an» Land gesetzt. * Elberfeld, 17. Januar. Die Wupper ist an einigen Stellen über die Ufer getreten. Hier mürben in der vergangenen Nacht verschiedene Fabrik-Etablissements unter Wasser gesetzt. Die von dem rapiden Steigen de» Wasser» benach. richtigten Vefltzer konnten noch alle» rechtzeitig in Sicherheit bringen. Seit der Ueberschwemmung im November 1890, bei der ungeheurer Materialschaden entstand und vier Personen chc Leben verloren, hat die Wupper eine solche Höhe wie jetzt, nicht wieder erreicht. Heute früh entlud sich über dem Wupperthal ein kurze» Gewitter. * Helgoland, 17. Januar. Außer dem englischen Voll- fchiss „Fours Wind»" ist noch ein englischerViermaster gestrandet und gesunken. Ein Boot mit 26 Mann Be- satzung des gesunkenen Schiffes wurde durch einen Schnell- dampfer gerettet. • Palermo, 17. Januar. Die hiesige Universität wurde zeitweilig geschlossen, weil die Studenten, die die Anberaumung eines außerordentlichen Termins zur Abhaltung der Prüfungen forderten, Ruhestörungen veranlaßten. * Cadix, 17. Januar. Der ©arg Christoph Columbus ist geöffnet worden. In demselben befanden sich nur Asche und einige Knochenreste. Der Sarg wurde darauf wieder geschloffen. Der Aviso „Giralda" bringt den Sarg morgen nach Sevilla, wo derselbe feierlich empfangen und in die Kathedrale übergesührt wird. • Kopenhagen, 17. Januar. Brauereibefitzer Karl Jacobsen teilte dem Magistrat von Kopenhagen mit, daß er alle feine Kunstsammlungen der Stadt Kopenhagen zu schenken beabfichtige unter der Bedingung, daß für die Kunstschätze ein zweckmäßiges Gebäude geschaffen werde. Der Wert der Sammlungen ist auf 5 Millionen Kronen veranschlagt. Eingesandt. Gießen, 19. Januar 1899. Würde bie verehrliche Theaterdirektion vielfachen Wünschen enigegenkommen und nochmals, vielleicht als VolkSoorstellung, »Die Brille* zur Aufführung gelangen lassen? Mehrere Theaterfreunde. Hottrsdirnst iu der Synagoge. Samstag den 21. Januar 1899. Vorabend 5 Uhr, Morgens 9 Uhr, Nachmittags 3 Uhr Schrifterklärrrng, Sabbathausgang 56) Uhr. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgrsellschast. Sabbathfeier am 21. Januar 1899. Freitag Abend 480 Uhr, Samstaa Vormittag 8«° Uhr, Nach« mittag 3 Uhr, Sabbathausgang 6“ Uhr. Nachmittag 2« Uhr Schrifterklärurrg in der Synagoge. Wochengottesdienst Morgens 7 Uhr, Abends 4<6 Uhr. Verkehr, Land- und Volkswirtschaft. LiMdrrrg, 18. Januar. Frachtmarkt. Roth er Wetz« X 14,11, weißer Weizen X 00.00, Kor« X 11.14, Gerste X 9.43, Hafer X 7.10. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 19. Januar. Im Reichstage hat zur zweiten Beratung des Etats Prinz Schönaich-Karolath einen Antrag gestellt, den Reichskanzler zu ersuchen, zur Errichtung eines Goethe-Denkmals in Straßburg den Betrag von 50000 Mark in Form eines Nachtrags-Etats gewähren zu wollen. Berlin, 19. Januar. Das „Kleine Journal" meldet aus Paris, die Auslieferung der diplomatischen Geheimakten an den Kassationshof soll erst nach der Versicherung, baß bie beutsche Regierung nichts dagegen einzuwenden habe, erfolgt sein. Wien, 19. Januar. Die deutschen Oppositions- Parteien, mit Ausnahme der Schönerianer, haben beschlossen, folgende Hauptbedingungen für das Aufgeben der Obstruktion zu stellen: Aushebung der Sprachen-Verord- nungen, Wechsel der Regierung, nationale Abgrenzung der Bezirke in Böhmen. Laibach, 19. Januar. Gestern Abend 9»/4 Uhr wurde hier ein schwacher, nur zwei Sekunden dauernder Erdstoß wahrgenommen, welcher keinen Schaden anrichtete. Paris, 19. Januar, lieber bie bevorstehenben Aussagen Esterhazys vor bem Kriegsgericht äußerte General Mercier, Esterhazy beschäftigte sich vielleicht aus Dilettantismus mit Gegenspionage. Was aber im Generalstabe vorging, konnte er nicht wissen, am wenigsten von bem Bvr- bereau, bas uns burch einen Agenten zuging. Brussel, 19. Januar. „Petit bleu" melbet, Esterhazy sei gestern Abenb um 6 Uhr, von Rotterbam kommenb, nach Paris weiter gereift. Brüssel, 19. Januar. Das Datum ber Weltausstellung für Lüttich ist gestern enbgütig auf bas Jahr 1903 festgesetzt worben. Paris, 19. Januar. Der Antrag bes Senators B isse n i l, ben Beschluß in ber Dreyfus - Enquete bem Gutachten ber brei vereinigten Zivilkammern bes Kassations- Hoses zu unterstellen, ist von bem Initiativ Ausschuß bes Senats mit 7 gegen 4 Stimmen angenommen worben. Senator Bissenil wirb heute im Senat seinen hierüber verfaßten Bericht Vorträgen unb bie Dringlichkeit für seinen Antrag forbern. Paris, 19. Januar. 4000 Mitglieber ber Liga ber Menschenrechte zu Marseille unterzeichneten eine Protestnote, welche bem Präfekten bes Departements Bauches bu Rhone von einem Delegierten überreicht werben soll, unb in welcher bie Unterzeichner ihrer Entrüstung barüber Ausbruck geben, baß man beabsichtige, allen Präzebenzsällen entgegen, das Urteil in ber Dreyfus- Affaire vollstänbig ber Kriminalkammer zu entreißen. Sie brückt ihr Vertrauen bem Kassationshofe unb ber Armee gegenüber aus unb forbert bie Regierung auf, gegen bie reaktionären Elemente vorzugehen, bie unter bem Mantel, bes Patriotismus sich verschworen hätten, bie Republick zu vernichten. Danksagung 717 713] Zum Eintritt per 1. April suchen wir Giessen, den 18. Januar 1899. 728 Gießen, Neuen-Bäue. 730 Ein Mtnerlchlling gesucht. Bal. Moser Wwe. 0217 708 .uageführt von der Dr. Dieffenbach. 919 Prima Masta-päg-l 544 zu billigen Tagespreisen empfiehlt A. Steinreich, lindkügalse 2, Ecke MarKtlaidei. 0 G. F. L, 0 Kablian und Schellfische risch im Rebstock. 336 Betriebs-Inspektion 2 Fulda. Verlobung wozu ergebens! einladet 0220 729 Schloßgasse 5, Tiefenweg 6, n.d. Bahnbfstr. Etchen-Knüppelholz, Stähl. SchlchthM. 718 Adresse daselbst zu erfahren. 715 Diese Woche: 724 Schellfische treffen heute ein bei 362 0225 Riegelpfad 31. fhboction: