IS»» Sonntag den 19. November Zweites Blatt Rr. 273 Sicherungsmaßregeln würden die berittene Infanterie davor KBe Anzrigtn-Berunn'un-Sfttürn lei Ja« nne Äuensckenverstand nichts gilt. Ernten wir jetzt dieses Verhalten einer Söldnertruppe zu dem Verhalten d I 9 s etxüAtc zu vieler günstigen Kriege gegen farbige numerisch so bedeutend schwächeren Burenmiliz m ^hIferf(6QYten* Haben die vielen leichten Siege uns ver- Kampfe bei Elandslaagte! . c . Ich komme immer mehr zu der bereits früher in englischen Manövern gewonnenen Ueberzeugung, daß die einzigen britischen Truppen, die durch und durch vori militärischem Geist beseelt sind, die Schotten sind, und daß die Kolonne bei Nicholsons' Nek sich nicht ergeben haben würde, wenn eines der dort anwesenden Bataillone ein schottisches gewesen wäre. Erinnern wir und, um das zu verstehen, doch nur der Thatsache, daß zwei englische Bataillone bei dem Sturm auf die Höhen von Dargai im Afridifeldzuge versagten und daß ein schottisches Bataillon nachher diese Stellung des Feindes mit kaum nennenswerten Verlusten nahm, und wir werden wiederum zu diesem Schluffe gebracht. Wenn Oberst Schiel als Gefangener der Engländer feinet Achtung vor der Tapferkeit der Schotten in dem Kampf bei Elandslaagte Ausdruck gibt, zugleich aber seine Verachtung für das Verhalten der englischen Ulanen tn diesem Kampfe nicht verbehlt, so bestätigt dies wiederum meine Ansicht. Nun muß ich allerdings gestehen, daß ich trotz des von Matthews gebrauchten Ausdrucks .nur widerwillig an eine feige Handlung englischer Offiziere glaube. Diese Herren setzen sich tn einer Weise dem feindlichen Feuer aus, daß man schlechterdings kaum glauben kann, daß sie bei irgend einer Gelegenheit es an Mut schien lassen sollten. Sollte dies aber wirklich unerklärlicher Weise der Fall gewesen fein, fo wollen wir nicht vergessen, daß auch preußische Offiziere nach der Schlacht bei ^ena in plötzlicher Mutlosigkeit eine Feighett an ben Taa legten, die eher alles andere, als preußisch zu nennen ist, und wir wollen nicht übersehen, daß auf oberen Stellen des augenblicklichen Kriegstheaters mieber in ganz hervorragender Weise Mut zeigen. Darüber liegen zwei weitere Nachrichten vor, die eben durch den großen Offiziersverlust den Verdacht der Mutlosigkeit auf die Truppen ablenken müssen. So hören wir von einem Ausfallgefecht vor Kimberley, bei dem ein und eine halbe Kompagnie berittener Infanterie eine Umgehung des Feindes zu machen hatten. Die Truppe kam, um die Worte der offiziellen Nachricht zu ge- enaliscken l brauchen, „in ein unerwartetes heftiges Feuer feindlicher I schützen" und zog sich, nachdem der Kommandeur sowie 1 ein Offizier gefallen, zwei weitere Offiziere und zwei Mann verwundet waren, zurück. Vier Offiziere und zwei Mann! — Wo blieben dann die anderthalb Kompagnien ? Betrachten wir endlich die heute eingehende offizielle Mitteilung von dem Burenangriff auf Mafeking, so vernehmen wir mit wachsendem Staunen, daß dieser abgeschlagene Angriff den Engländern zwei Hauptleute, zweiUnter- offiziere und einen Mann an Toten, drei Unteroffizire und zwei Mann an Verwundeten kostete. Demnach kann man sich kaum mehr dem Eindruck verschließen, daß in den englischen Reihen nur noch Offiziere und Unteroffiztere den nötigen Mut besitzen, dem Feuer des Feindes Stand zu halten. Dann aber sieht es, darüber kann fein Zweifel herrschen, um die englische Armee höchst traurig aus, und wir können täglich merkwürdige Nachrichten erwarten, wenn nicht ein besserer Mut in den nun anlangenden, noch kampfes- frischen Truppen steckt. , Zum Beweise dafür, daß meine Kritik des englischen Offizierkorps, die ich vor Beginn des Krieges in der „Frankfurter Zeitung" gab, mit der Zett auch in der englischen Presse als richtig anerkannt wird, möchte ich schließlich eine Auslassung des konservativen „Standard über den letzterwähnten Ausfall aus Kimberley mitteilen. Dieses Blatt sagt nämlich: »Daß Offiziere und Mannschaften bei Rekognoszierungen fallen, ist unvermeidlich. Es ist manchmal nötig, viele Leute zu I verlieren, nur um nothwendige Informationen zu erhalten. I Wie kann aber die berittene Infanterie in unerwartetes Feuer geraten, wenn sie den Feind zu umgehen versucht? Es war doch nicht zu erwarten, daß die Buren, I als geschickte Soldaten, keine Maßnahmen zur Sicherung fettet IMO* ■m KMUfl. V* Meiner frjeNtteMttter •erlcw tem Tätigte »»chewtttch wHrmel Mgdett «Ireffe für Drprschm: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. Kirche und Schule nungen anerkannt wurde. △ Neu-Isenburg, 17. November. Nach einem alten, aus der Gründungszeit Neu-Isenburgs stammenden Reservatrechte hat die hiesige Stadt die Befugnis, den Lehrer der ersten Schul stelle durch freie Wahl zu bestimmen. Dieses Recht wurde zuletzt vor 41 Jahren ausgeübt, als der nachmalige Oberlehrer Luley hier Anstellung fand. Durch die Pensionierung Luleys wurde fragliche Stelle vakant, weshalb die Gemeinde nunmehr vor der Neuwahl steht. Diesmal ringen fünf Bewerber aus Nah und Fern um die Siegespalme. Die Wahl wird nächsten Sonntag in der evangelischen Stadtkirche vollzogen. A Vom Main, 17. November. Innerhalb der letzten Tage wurden zurFörderung der Fischzucht für etwa 700 Mark Setzlinge von Karpfen, Schleien und Zandern bei verschiedenen Stationen des mittleren Maingebietes in den Strom ausgesetzt. Die Setzlinge waren von der besten Frankenart und durchweg sehr kräftig. — Auf dem Mainstrome herrscht gegenwärtig, Dank der vortrefflichen Witterung und des günstigen Wasserstandes, ein überaus lebhafter Floß- und Schiffsverkehr, wie er in der vorgerückten Jahreszeit wohl selten zu verzeichnen war. man denke nur an den Arbeitermangel und hohen Lohn, und den vielen Arbeitsgelegenheiten kann übrigens auf soviel Verdienst, als die wenigen Fortbildungsschulstunden wegnehmen, verzichtet werden. Wären denn bet solchen Rücksichten überhaupt die militärischen Hebungen, die von ungefähr gleicher Zeitdauer sind und in der Sommerszeit liegen, möglich? Wenn der städtische Bürger den Fortbildungsschülern nach 8 25 des Volksschulgesetzes die Zeit für die frühere Fortbildungsschule gewähren muß, dann haben die ländlichen Eltern umsoweniger ein Recht darauf, ihren Söhnen eine bessere Schulbildung vor- zuenthalten. Wer aber seine Gehilfen der früheren Schule halber entlassen will, schadet sich selbst wohl am meisten. Wer es mit der Jugend- und Volksbildung ernst nimmt, und den materialistischen und vergnügungssüchtigen Bestrebunoen langsam, aber sicher ent- llegenarbeiten will, der reiche denen die Hand, die am Volkswohle at betten, und unterstütze die Bestrebungen der Lehrer und Schulbehörden, damit die Lehrer ihr Amt in der Fortbildungsschule „mit Freuden thun und nicht mit Seufzen; den« das ist auch nicht gut." — Von dritter Seite wird unS Izu dem an gleicher Stelle in Nr. 271, Blatt 2, im „Gießener Anzeiger" wtedergegebenen Artikel geschrieben: Die frühere AortbildurrgSschnle! „Das Gute bricht sich nur langsam Bahn!" Viele Jahre stand die Fortbildungsschule tm Verdachte, daß sie nur wenig ober gar nichts leiste. Diese einseitigen Vorurteile find nach den gemachten Erfahrungen einer besseren Heberzeugung gewichen. Nach den Aussprüchen der meisten erfahrenen Fachleute, deren Urteil doch wohl allein maßgebend sein kann, bildet die Fortbildungsschule bei ihrem weiteren Aukbaue das beste Bindeglied, die beste Brücke zwischen der Volksschule und dem bürgerlichen , , - « « . ----। Aben. 2ß«nn aber an einen weiteren Ausbau der FortbildungS- zu hoher Blute zu bringen, was durch vielfältige Ausreich- gedacht werden soll, dann muß erst die entsprechende, nämlich nungen anerkannt wurde. I >r ühere Zeit dafür vorhanden sein. Dm Anfang zu diesem I AuSbaue haben die größten Städte unseres Hesienlandes bereits „Wo ein Wille ist, da gtebt es auch einen Weg". Die Behörde wird hoffentlich auf ihrem wohlerwogenen und eingenommenen Standpunkte verharren, und den Widerwillen durch den heilsamen Zwang beseitigen. Dortmund, 17. November. Der Magistrat beschloß die Hm- wandlung der Realschule in eine O errealsckule. Wetzlar, 17. November. Zu Lehrern sind endgültig ernannt: Herr Lehrer Adolf Echternacht an der evangelischen Schule zu Lützellinden, Herr Lehrer Wilhelm Drescher an der evangelischen Schule zu Hochelheim und Herr Lehrer Messerschmidt an der evangelischen Schule zu Katzcnfurt. Einstweilen sind als Lehrer ernannt: Herr Heinrich Watz aus Münchholzhausen an der evang. Schule zu Dorlar und Herr Lehrer Heinrich Tiers aus Niederweidbach an der evangelischen Schule zu Daubhausen. Gaffel, 16. November. Vor dem Weserthore, in der Nähe des Fasanenhofes, wurde gestern in einem Strohhaufen versteckt die erstarrte Leiche eines unbekannten Mannes aufgefunden, dessen Züge schon sehr entstellt waren, sodaß die Feststellung der Persönlichkeit auf Schwierigkeiten stößt. Man nimmt an, daß der Aufgefundene mit einem seit einigen Tagen hier vermißten Arbeitsmann identisch ist, welcher sich angeblich aus Furcht vor Strafe entfernt hat und von dem man bisher jede Spur vermißte. In den Taschen des Mannes wurde noch ein Portemonnaie mit einem Barinhalt von 95 Pfennigen vorgefunden. Ob der Verstorbene des abends in den Stroh- Haufen hineingekrochen ist, um darin billig und bequem zu nächtigen und dann während der Nacht infolge des Um» schlags der Witterung nach vorausgegangenem reichlichen Genüsse von Spirituosen erstarrt ist, muß die eingeleitete gerichtliche Untersuchung ergeben. Tau» i. d. Rhön, 17. November. Der Bildhauer Pfannenschmidt in Berlin hat das für das Städtchen bestimmte Denkmal des bayerischen Generals v. d. Tann, wie aus Berlin gemeldet wird, nunmehr bis in alle Einzelheiten künstlerisch fertig modelliert und in seinem Atelier aufgestellt. Die Figur des bayerischen Heerführers überrascht durch ihre lebendige Darstellung und glückliche Auffassung; der General in voller Uniform mit Hut hält den Blick forschend in die Weite gerichtet; die rechte Hand leicht in die Seite gestützt, trägt den Feldstecher. Wie man hört, soll das Denkmal im nächsten Herbste hier in Tann enthüllt werden. dienst zu schaffen. Etwas Bestimmtes, insbesondere für die höhere Laufbahn, ist bisher kaum bekannt geworden; indes hatte das vielfach verbreitete Gerücht, daß beabsichtigt sei, die höheren Dienststell n mit juristisch vorgebildeten Be Werbern zu besetzen, und aus diesem Anlaß demnächst eine Anzahl von Assessoren in die Reichspostverwaltung zu Über, nehmen, in den beteiligten Kreisen eine gewisse Beunruhigung hervorgerufen. Jetzt wird dieses Gerücht von Berlin aus als „völlig aus der Luft gegriffen" dementiert. ** Die Zahl der Todesfälle, ausschließlich der Tot geborenen, betrug in der Woche vom 29. Oktober bis 4. November in Mainz 21, in Darmstadt 21, in Offenbach 9, in Worms 13 und in Gießen 6, zusammen 70, darunter 22 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 13,6, Darm stadt 15,8, Offenbach 11, Worms 18,1 und auf Gießen 12,7. — Die Todesursache anbelangend, verstürben an Halsbräune 1 (Mainz), an Unterleibstyphus 1 (G i e ß e n), an Diarrhöe und Brechdurchfall 5 (je 1 in Mainz, Darmstadt und Offenbach, 2 in Worms), an Wochenbettkrankheit 1 (Worms), an Lungenschwindsucht 5 (je 1 in Mainz und Darmstadt, 3 in Offenbach), an akuten entzündlichen Krankheiten der Atmungsorgane 5 (je 2 in Mainz und Darmstadt, 1 in Worms)', an Gehirn-Apoplexie 5 (je 2 in Mainz und Darmstadt, 1 in Worms), an sonstigen Krankheiten 44 (13 in Mainz, 14 in Darmstadt, 4 in Offenbach, 8 in Worms und 5 in Gießen); gewaltsamen Tod erlitten 3 Personen (je 1 in Mainz, Darmstadt und Offenbach). Grimberg, 16. November. Eine erfreuliche Nachricht ist im Laufe dieser Woche dahier eingetroffen: Das Eisen- bahnbaubureau, dessen Auflösung für Ende dieses Jahres verfügt war (einzelne Beamten waren am 1. November bereits weggezogen), verbleibt nach einer neuerlichen Anordnung bis auf weiteres hier. Das Gleiche soll mit dem Friedberger Baubureau der Fall sein. 4~ Nidda, 17. November. Wegen des unlängst berichteten qualifizierten Diebstahls amtierte der Untersuchungsrichter von Gießen, Herr Landgerichtsrat Schnecken- I becher, heute wieder dahier. Die in der Hofraite des Bestohlenen am nachmittag unter Zuziehung des inhaftierten I Beschuldigten stattgefundene Augenscheinseinnahme, lockte I eine große Menge Neugieriger in die Nähe der Thatstelle I und des Gefängnisses. Dem Vernehmen nach fallen dem I Angeschuldigten noch weitere Diebstähle zum Nachteile des I Kaufmanns Roth aus früherer Zeit zur Last. 0 Bannerod (Kreis Lauterbach), 15. November. Heute I sand hier Beigeordnetenwahl für hiesige Gemeinde I statt- Der seitherige Beigeordnete Johannes Luft, welcher sein Amt schon zwei Jahre lang bekleidet, wurde einstimmig I mit 29 Stimmen wiedergewählt. Nach der Wahl fand dann ein gemeinschaftliches Essen und Trinken für die I Wähler statt. Gewiß ein Beweis, daß Genannter sein I Amt seither zur Zufriedenheit unserer Bewohner ver- I sehen hat. Kloppenheim. Arn Dienstag, den 14. November fand I in unserer Gemeinde die Feier des 25jährigen Amtsjubiläums unseres Bürgermeisters Kliem statt. Die I Zuneigung und Achtung, welche sich der Jubilar durch seine gewissenhafte Amtsführung erworben hat, fand ihren Ausdruck in dem Überaus zahlreichen Erscheinen der Festgäste. I Nachdem die Feier durch einen erhebenden Gottesdienst ein- I geleitet war, fand im Schulsaal die Ueberreichung der I äußeren Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung statt, I und übergab Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Braden mit warmen I Worten die dem Herrn Jubilar verliehene Ordensauszeich nung, während die Gemeinde, der Kriegerverein, Freunde I und Bekannte ihre Liebe und Anhänglichkeit durch teilweise sehr wertvolle Geschenke bekundeten. Bei dem hierauf im Gasthofe von Gerlich beginnenden Bankett brachte Herr Geh. Reg.-Rat Dr. Braden das Hoch auf Kaiser und Großherzog aus, worauf Herr Dekan Friedrich die Festrede hielt. Dann folgten in bunter Reihenfolge die Toaste, von denen I die Mehrzahl immer wieder die Verdienste des Jubilars I hervorhob. Da Küche und Keller Vortreffliches leisteten, so setzte alsbald auch die richtige Jubiläinnsstimmung ein, I und als Herr Graf Oriola der deutschen Treue sein Glas weihte, und dabei unserer Stammesgenossen gedachte, die I im fernen Afrika für ihr Heiligstes ihr Herzblut hergeben, da brach em Betfallsturm los, der sich auch praktisch bewährte, indem man das Ergebnis einer Tellersammlung tm I Betrag von 32 Mk. an die Zentralkasse für Unterstützung I der Buren absenden konnte. Darmstadt, 17. November. Auch die Darmstädter Handwerker sind sehr eifersüchtig auf ihr Renommv. Sobald öffentliche Arbeiten an auswärtige Firmen vergeben werden, beschweren sie sich bitter. Das hatte sich die städtische Bauverwaltung zu Herzen genommen und beim Vergeben der Handwerkerarbeiten für den Neubau der ^Etoriaschule die hiesigen Handwerker in erster Linie berücksichtigt. Gestern nun konstatierte, wie der „Fft. Ztg." gqcgrteben wird, der Stadtverordnete Schädler in der Stadtverordnetenversammlung, daß die hiesigen Handwerker nichts eiligeres zu thun hatten, als die an sie vergebenen Arbeiten i •L1”?/ Eigen Firmen zu übertragen und ohne jede Arbeitsleistung die Differenz von 5 bis 10 Prozent in die Tasche zu stecken. Die Vertreter der Bürgermeisterei mußten zugeben, daß dergleichen vorgekommen sei und versprachen, ihre Lehre daraus zu ziehen. Darmstadt, 17. November. (Todesfall.) Herr Stadtverordneter und Hofbouquetlieferant Heinrich Henkel ist gestern nachmittag in Göttingen, woselbst er Heilung von einem schweren Leiden, das ihn seit längerer Zeit befallen hatte, zu finden hoffte, gestorben. Der Verstorbene hat es verstanden, durch Fleiß und Intelligenz sein Etablissement Oerichtssaal. Birkenau, 15. November. Ein eigenartiger und in seiner Art wohl einzig dastehender Rechtsfall kam in der L^^^chöffengerichtssitzung zu Fürth f. O. zur Verhandlung. Bei der Ausstellung der diesjährigen Jmpflifle der hiesigen kathol. Schulen wurde unterlassen, einen zugezogenen Wtederimpfltng in die Liste einzutragen bezw. durch Einfordern der vorgeschrtebenen Bescheinigung festzustellen, ob die gesetzliche Wiederimpfung erfolgt sei. Auf Anzeige des Großh. Kreisarztes Dr. Schwarz zu Heppenheim wurden denn auf Antrag der Großh. Staatsanwaltschaft sämtliche sechs Mitglieder deS betr. Schulvorstandes wegen Hebeitretung deS JmpfgesetzeS vom 8. April 1874, § 13, 15, von Großh. Amtsgericht zu Fürth in eine Strafe von je einer Mark genommen. Der Vorsitzende und Lehrer nahmen die Strafe an, die vier übrigen Mitglieder dagegen erhoben Einspruch aegen den Strafbefehl. Bet der gestrigen Schöffengerichtssitzung wurde aber der Einspruch verworfen, die angesetzte Strafe aufrecht erhalten und die Reklamanten noch in die Kosten des B-rfahrens verurteilt. Selbstverständlich we-den die Bestraften nochmals Einspruch gegen die zweite Verurteilung erheben, und nach unserer Anstcht mit vollem Recht; denn es ist kaum anzunehmen, daß die unständigen Mitglieder des Schulvorstandes mit der Aufstellung der Jmpfliste oder mit dem Etnfordern der Jmpfzetlel etwas zu ihun haben. Auf Anregung der beiden hiesigen Schulvorstände wird mit dieser Angelegenheit sowohl die Großh. Kcetsschulkommisston zu Heppenheim, als auch das Schulministerium zu Darmstadt demnächst beschäftigt werden. H. VolkSbl. Cleve, 17. November. Vor dem Schwurgericht wurde gegen den Sattler und Kolonialwarenhändler Hoff ans Dülken verhandelt, der angeklagt war, am 15. Juni d. I. seine Frau ermordet zu haben. Der Angeklagte räumte das Verbrechen ein, doch behauptete er, seine Frau babe von ihm verlangt, daß er sie töte. Darauf habe er sie erdrosselt, ihren Schädel durch Beilhiebe zertrümmert und ihr mehrere Meffersttche beigebracht. Er habe dann die Leiche nach Venlo fahren und dort in die Maas werfen wollen. Der achtjährige Sohn des Hoff, den der Vater von Hause abwesend wähnte, hatte die Thal durch das Schlüsselloch beobachtet und in der Nachbarschaft weilererzählt. Die Frage, ob der Mörder bei Ausübung der Tbat etwa geistesgestört gewesen sein könne, wurde von dem Kreisphystkus Dr. Paffrath entschieden verneint. Die Geschworenen bejahten die Schuld- frage wegen Mordes, und der Angeklagte wurde zum Tode verurteilt. — Die Leidensgeschichte eines Kindes. Zwei Bestien in Menschengestalt standen vor den Geschworenen in Wien: Das Ehepaar Josef und Juliane Hummel. Sie waren angeklagt, ihr fünfjähriges Töchterchen Anna, langsam zu Tode gemartert zu haben. Die „N. Fr. Pr." giebt dem Verhandlungsbericht folgende Einleitungs» hinter sich. Auch find schon hier und da auf dem Lande erfolgreiche Ver uche gemacht worden. Ändere Versuche sollen vollständig ge- scheilert sein. Scheiterungen können mancherlei Ursachen haben. Sind die Gründe, die einer Früberlegung der ländlichen Fort- btl'ungsschule entgegenstehen, schwerwiegender, als die bei der städtischen Fortbildungsschule? Hnseres Erachtens standen der Einführung der städtischen früheren Fortbildungsschule noch schwere Bedenken, welche alle verschwunden find, gegenüber. Wenn alle die Stimmen, die einer späteren Fortbildungsschulzeit das Wort rebm, jetzt an Stelle der Schüler und Lehrer in der Fortbildungsschule zu arbeiten hätten, sie würden gewiß die energischsten Verteidiger des früheren FortbildunpSschulunterrichts werden. — „Niemand kann zwei Herren dienen!" So kann auch nicht der Schüler nach schwerer körperlicher Arbeit, erfolgreich geistig arbeiten. Ist es überhaupt nach unseren heutigen Arbetterschutz- gesetzen zulässig, daß die Fortbildungsschüler — bis zum 16. Jahre dürfen Arbeiter überhaupt nicht länger als 10 Stunden gewerblich beschäftigt werden — morgen« um 5 Hhr ihre Lagerstätte verlaffen, zur Bahn eilen, zehn Stunden angestrengt fast bei jeder Witterungsart beschäftigt, abends kurz vor 7 Hhr ihre Behausung erreichen, und dann von 7 bis 8 Hhr iu der Fortbildungsschule geistig arbeiten müssen, während ihre älteren Mitarbeiter der Ruhe pflegen? Nur mit dem Aufgebot aller Hnterrichtskünste und allen Lehrgeschicks ist eS da dem Lehrer kaum möglich, die jungen Menschen für bm Unter; rtcht empfänglich zu machen. Welch ganz anderrs Resultat muß der A . h । Unterricht zeitigen, wenn der geistigen Arbeit, ebenso wie der körper- A Mainflingen, 17. November. Einen woh lver- I "chen, die Helle Tageszeit, wie es ja auch die Großherzogliche dienten Denkzettel erhielten kürzlich zahlreiche hiesige ^sschulkommission für zwei Nachmittage mit je dreistündigem FortbilbungSschüler. Di- Großherzogliche Kr-isschulbchörb- mit an Ug.Uoi'ifdie «orlbllbunaSidml« unterzog ndmlidj unlängst bte hiesige Fortbildungsschule I auf die Hellen Nachmittage verlegt ist, werden viele Hebelstände, die einer Visitation. Trotz wiederholter Aufforderung fanden I besonders der Bevölkerung die Freude an der wohlihätigen Ein- sich indessen am Prüfungstermine von 31 Schülern nur 15 I rid^tun8 ber Fortbildungsschule verleiden, beseitigt. Der Straßen- ftaJÄ 16 wurden hierauf vor die Kreisschulkommission nach Offenbach zitiert, I den Unterrichtsstunden verübt werden, hört auf. Haben vielleicht die woselbst gegen jeden unbotmäßigen Schüler eine im hiesigen I Gegner der früheren Fortbildungsschule noch keine Gelegenheit ge- Schulhause unter Aufsicht zu verbüßende Arreststrafe von ^bt, zu sehen, daß ectabc vor sieben Uhr sich die jungen Mägdlein R-cktkw-a-n" °u-g°sp-°ch°n «urd-, und das gewiß von Är" Rechtswegen. w°hl bei der Tagetzfortbildungsschule der Fort- A Seligenstadt, 17. November. In unserer Einhart- bildungsschuler vor der Schule am Wittshause mit geistigen Ge- basilika wurde heute früh für die Seelenruhe des jüngst starken, wie es eben hier und da geschieh:? Ist das Slntrb^CMfin“a9sa69 ="rb" = *=n 93^Söte, JM* &Ä u.Vm" L-n.'Ln Präsident des hessischen Bauernvereins, em feierliches levi- I tragen sie auch die Verantwortung, aber nicht die Fortbildungsschule, tierte§ Requiem celebriert. — Unser hochw. Herr Stadt- I und dadurch indirekt die Lehrer, Schulvorstände und Schulbehörden. Pfarrer und Dekan Dr. Weckerle wurde zum Mitaliede unsittlich sein will, hat an den schulfreien Stunden und Abenden b£t ernannt. 'N » Warna, 16. November. Nach einem augenblicklich Schäden im Besuche der Spim.ftuben, Wirtshäuser und sonstiger ventilierten Plane soll zwischen Mainz und Wiesbaden auf zweifelhafter jugendlicher Vergnügungen ankämpfen, jetzt die beste hessischem Gebiete, in der Nähe der Amöneburg ein Kre- 018 $nen in bic Hand gegeben ist, unbenutzt in die Scheide *”ben-, Pr°i°kt erfreut sich, einiige offen-Trumpf, «-b«kt- unb g-h-im- gtebt es b«m wie man hort, der Protektion sehr potenter Kreise. — Die I noch andere, der gegen die frühere Fortbtldungsfchule ausgespteit Leiche des verunglückten Küfers Karl Kaspar I werden kann, ist der Verdienstoerlust. Allein ein wöchentlicher sechs- tourbe gestern auf dem Friedhöfe durch Herrn Kreisarzt bi8 zehnstündiger Arbeitsverlust, welcher bei sehr ungünstiger Witte» Dr. Balser im Beisein des fSerrn 9Im%rtrfitPrä (sHpV I 5un0, ?^l?ndem harten Froste, tiefem Schnee überhaupt nicht vor- K: 1 X Amtsrichters Eller kommt, ist im Vergleich zu den Ausgaben, die sich die jungen Leute Uls Todesursache wurde ein großer Sprung der I für allerlei erlaubte und unerlaubte Vergnügungen leisten, nicht Schadeldecke und starker Bluterguß in die Gehirnsubstanz erwähnenswert, und wird durch die bessere Schulbildung mehr als ermittelt. Der Sektion wohnte teilweise auch der Oberarzt I boppelt ausgewogen. Bei dem reichlichen Verdienste der Gegenwart, des St. Rochus-Hospitales, Herr Dr. Schrohe, bei. Eire nur Konfrontierung der Leiche mit dem in Untersuchungshaft sich befindenden Radfahrer, der den Tod des Kaspar verschuldet hat, fand nicht statt. sgy* so grausen leit, ° 9 ba8 tim Ml. b 6 Ld)ieb be' K lein ® V-aen beiden gsSi* KS EU ■Ts-fe SÄS* tu w MNM hab M ei unWitn ® man, aber man * Schlüsselbeins etldten- bein -iE gerieben Habe.- M schon mit einer furch was ist's mit bemSip — Präsident: Dem M weiß nur von Oberlippe zerrissen. W Mn -erausgeMen i|t Hagle: Rein Mann. - M? - Angeklagte: l Zbr Mann, sowie der k - Präsident: hätten E kante Rinb lausen unt Das mar nicht rnoztich dent: Sie haben gan; auf dem Soffet gelege Ein Decker!. - Präs das fiinb herunter^ heruntergefallen. - P Herunterfallen! Der Präsident allein in einer finster, mußte. Die Angeklac Kammer vor Hunger i» atzt Ttzausen ßcke Kanzleib, Mh-, Salon-,Aauck Luther- und gSin! Fluder-, Srinmpfßf S"Ä* Ä'4«»ä !"«"iK*s-‘i llht RA hu; ®tlWtil at: P'nnftube btaK ,2J?1?9blrin itüftimtt u "tin URb VMlkt ZM -ZML ^N.d^FortblldungSIchuIt, -s Witt i^kcht gtgm ble , ™gW« ,unb lonfllger vrt&pUn, M W M ‘v< unbtnuy in dir Tchridr 5 und geheim gitbt eS beren MlbilcungSichult -ukgrspleit »uein ein wöchentlicher sechser bei sehr ungünfllget Wille» n Schnee überhaupt nicht vor- rbm, die sich die jungen Leute Vergnügungen leistm, nicht desiere Schulbildung mehr oi$ itn Verdienste der Gegenwart, cl und hohen Lohn, und dm gentz aus soviel Verbimst, als wegnehwen, verzichtet werdm. Äerhaupr die mMrischm Seitbautr fmb unb In ber i Fortbildungsschülern nach die irührre ForMdungS- IlwMuMrm umivwrnign it drFrrr Tchuibiidung vvr- a der srüherm Schule halber am meistm. Wer eS mit der imt, und dm materialistischen itn langsam, aber sicher ent- iit Hand, die am VoUSwohle ungm der Lehrer und Schul- it in ber Fortbildungsschule Sechen; den, das ist auch auch einm Weg". Die Be- rwoaenm und etngmommenm narlüm durch dm heilsamen lerMrAaideMdieUm' erreaischuie^^^^^. (aal . „ rtjn eigenartiger und StfissÄ ?l°c6k!rn ha vorgeschrieberm ®lr«f‘ “’Ä m Ml t Mtmen k*‘“ „to@r«f= “'M^XunbM* e aufrecht erhauw ^mr- MmS °«u» ■ti Lnficht.?" Mtglteder des die upfttoÄÖ ober mit dem der Sp’RJfriugung d« ter ö°''»„u \ttac AAs- '-KM -SZS ig“ 8oe,Ä! ung^b^^ worie: -Unter fortwährenden Kundgebungen der Aufregung, der Entrüstung und Erbitterung spielte stch das Beweisverfahren ab. Was sonst Mörder zu einer schrecklichen und ruchlosen That treibt, wilde Habgier und unversöhnliche, wahnsinnige Rachsucht — es wären Moiive von förmlich befreiender Wirkung dem gegenüber, was heute zu Tage trat. Ist es jemals vorgekommen, daß Eltern gemeinsam ihr eigene« Kind, das ihnen nichts zu Leide gethan — nicht töten, nein, durch ersonnene Qualen, welche zuweilen an Dantes Hölle erinnern, langsam dem Tode zuführen? Daß sie mit einem gewiffen Vergnügen, mit leidenschaftlicher Gier ihrem Kinde ungeheure Leiden bereiten? Es fehlt den Angeklagten nicht an Elternliebe, beim sie lieben mit Zärtlichkeit ihr jüngeres Kind Max. Ja vielleicht haben sie, um diesem Kinde Reichlicheres bieten zu können, sich der armen kleinen Anna zu entledigen gesucht. Aber rätselhaft bleibt, weshalb sie mit solcher Leidenschaftlichkeit, mit so grausamen Mitteln dieses Ziel verfolgten. Und es ist ein Rätsel, daß sie das eine Kind liebten, das andere haßten, daß ihnen em geringer Unterschied des Alters ober etwa bie uneheliche Geburt, bie ihnen doch als kein Makel erscheinen konnte, eine solche Scheibewanb zwischen den beiben Kinbern aufbauen konnte. Eine vollstänbige Erklärung ist nicht zu finben. Mit peinvoller Ueberraschung sagt man sich, baß es im Zeitalter ber Zivilisation nur burch einen Atavismus solche Menschen geben kann. Bei Juliane Hummel hatte bie Strafe schon angefangen, als sie ben Gerichtssaal betrat. Mit ihrem schmalen unb fahlen Gesichte, bie Blicke gegen ben Boben geheftet, bot sie ben Anblick des bbfen Gewissens und schien von den Schauern des Geschickes erfaßt, bas ihrer harrte. Das Urteil war auch vernichtend. Beide Angeklagte wurden einstimmig des Mordes schuldig erklärt und zum Tode ver» urteilt. Bravo-Rufe im Publikum begrüßten bas Verbikt — eine Akklamation, welche wir uns nicht erinnern, jemals bei einer Verurteilung zum Tobe gehört zu haben." Der VerhanbluNg entnehmen wir nachstehenbe Einzelheiten: Präsident Dr. Feig! fragt bie Angekagte: Haben Sie bas Kinb geschlagen? — Angeklagte (weinerlich): Ich bitte, ich hab' bem Kinb bie Hänbe in heißes Wasser gesteckt. (Lebhafte Bewegung.) — Präsibent: Welch' eine unsagbare Rohheit, einem Kinbe bie Hänbe in heißes Wasser zu stecken! Warum haben Sie bas Kinb so mißhanbelt? — Angeklagte: Weil es unfolgsam war. — Präsibent: Ein unfolgsames Kinb straft man, aber man mißhanbelt es nicht. Wie hat bas Kinb ben Bruch bes Schlüsselbeins erlitten? - Angeklagte: Ich gestehe, baß ich bas Schlüsselbein vielleicht gebrochen habe, wie ich bas Kinb mit einer Salbe ein- gerieben habe. — Präsibent: Das ist sehr traurig, ba muß bas Einreiben schon mit einer furchtbaren Gewalt vorgenommen worben fein! Unb was ist's mit bem Rippenbruch? — Angeklagte: Davon weiß ich nichts. — Präsibent: Dem Kinb fehlten auch brei Zähne. - Angeklagte: Ich weiß nur von zwei Zähmn. — Präsibent: Das Kinb hatte auch bie Oberlippe zerrissen. Wann geschah bas? — Angeklagte: Wie ber zweite Zahn herausgefallen ist. — Präsibent: Wer hat bas gethan! — Angeklagte: Mein Mann. — Präsibent: Was für ein Lager hatte bas kranke Kinb? — Angeklagte: Es lag auf einem Koffer. — Präsibent: Sie unb Ihr Mann, sowie ber kleine Max lagen im Bette? — Angeklagte: Ja. — Präsibent: Hätten Sie nicht wenigstens eine kleine Matratze für bas kranke Kinb kaufen unb es auf bie Erbe betten können? — Angeklagte: Das war nicht möglich. Wir hatten nicht genug zum Leben. - Präsident: Sie haben ganz gut gelebt! Das Kind ist in Lumpen gehüllt auf dem Koffer gelegen. Hatte es wenigstens eine Decke?—Angeklagte: Ein Deckerl. - Präsident: Die Koffer sind gewölbt. Da mußte ja bas Kinb berunterfallen! — Angeklagte: Manchmal ist bie Anna heruntergefallen. — Präsibent: Der Koffer war eben hergerichtet zum Herunterfallen! Der Präsident hält nun der Angeklagten vor, daß das Kind oft allein in einer finsteren Kammer eingesperrt worden ist und dort hungern mußte. Die Angeklagte bestreitet dies. — Präs.: Das Kind hat in der Kammer vor Hunger geschrien und gewimmert. Fremde Leute haben sich des Kindes erbarmt und haben ihm durch eine Thürspalte Gebäck in die Kammer geschoben. Was haben Sie nun gethan, um die Leute zu hindern, menschenfreundlich zu sein?" — Angekl.: Ich habe eine Latte vor die Thürspalte genagelt. (Bewegung) — Präs.: Ist bas nicht eine grenzenlose Brutalität unb Rohheit? Begreifen Sie, baß bas ber herzloseste Akt war, ben Sie nur begehen konnten? — Die Angeklagte schweigt. — Präs.: Sie haben bas Kinb auch mit bem Schürhaken geschlagen. Das Kinb würbe vor Angst unrein, unb Sie haben ihm ben Unrat in ben Munb gestrichen! Zu Weihnachten war Max allein zu Hause, im kalten unb finsteren Zimmer. Das war bte Weihnacht bes Kinbes! Sie haben auch einmal bas Mäbchen mit einem Strick an ein Bett gebunben unb einen Kaffee so ,vor sie gestellt, baß sie ihn sehen, aber nicht fassen konnte. Das war boch eine raffinierte Quälerei! Roch nach bem Tode des Kindes hat Ihr Mann es beschimpft: Canaille, Luder usw. — Angekl: Mein Mann war gewohnt, solche Ausdrücke zu gebrauchen. Der Angeklagte Josef Hummel erklärt sich für „Nicht schuldig . Er behauptet, das Kind nur geschlagen zu haben, wenn seine Frau ihm gesagt habe, es sei ungezogen gewesen. Der Präsibent fragt ihn- Sie waren bie letzten zehn Tage vor bem Tobe bes Kinbes zu Hause? Angekl.: Ja. Aber erst am letzten Tag hat bie Frau gesagt, baß bas Kinb sehr schlecht ist. Ich hab' gesagt, sie soll zum Doktor geh'n, aber sie hat g’meint: 's is nit ber Müh' wert. (Bewegung.) — Präs.: Wo ist denn bas Kinb in ber letzten Nacht gelegen? — Angekl.: Am Koffer. — Präs.: Unb wo ist bas Kinb gestorben? — Angekl.: No, am Koffer. (Bewegung.) — Präsibent: Wie ist es mit bem Kinbe zu Enbe gegangen? Es ist in ber Nacht gestorben. Waren Sie ba auf? — Angeklagter: Ja. — Präsibent; Unb bie Mutter? — Angeklagter: Meine Frau h at geschlafen. (Bewegung) — Präs.: „In ber Sterbenacht'. Noch eine recht brutale Sache. Sie sollen ber Leiche bes Kinbes eine Ohrfeige haben geben wollen? (Nachhaltige Bewegung, Entrüstungsrufe.» — Angekl: Nein. - Präs.: Ihre Frau soll gesagt haben: „Er hat ber Anna schon eine geben wollen, berroeil hat sie sich schon g'streckt." Unb Sie sollen bas Kinb mit ben Worten beim Kopf genommen haben: „Das wär' jetzt g'rab ein Krennfleisch zum Essen.) (Große Bewegung.) — Angekl: Das ist nicht wahr. — Präs.: Ein Zeuge wirb Ihnen bas in's Gesicht sagen! — Staatsanwalt: Sie hatten bie Absicht, bas Kinb zu töten. Die Leute im Hause waren ja alle empört. Man sagte: Der Mann wird ja bas Kinb umbringen. Sie sagten: Die Canaille hat ein zähes Leben. (Bewegung) Man nötigte Sie bann, mit bem Kinbe in's Spital zu gehen. Da sagten Sie: Ich geh' mit bem Luder in's Spital unb laß' S' bott ausbeinbeln. (Lebhafte Bewegung.) Von ben Zeugen sagt eine Frau über bas Kind aus: „Die Annerl war so ein reizendes, blondes Maderl mit blauen Augen, brav, wie ein Lampert! — Eine andere Zeugin bekundet: Die Eltern sind oft mit dem Max weggegangen, und die Annerl war dann von 6 Uhr morgend bis 10 Uhr abends allein in ber Kammer eingesperrt. Das war brei- bis viermal iu ber Woche. — Präs.: Wissen Sie auch, baß bas Kinb geschlagen würbe? — Zeugin: Von beiben sehr viel. Es war ganz blau am ganzen Körper. Die Frau hat bas Kinb einmal mit einem heißen Stahl gebrannt unb gefragt: „Annerl, thut bas weh?" (Bewegung.) — Angekl.: Sie lügen! — Zeugin (schreiend): Sie lügen! — Angekl.: Unser Herrgott wird schon einen Richter machen. — Zeugin: Er hat schon einen Richter gemacht. Sie sitzen ja schon da! — Die Zeugin deponiert ferner: „Bei ber Verhanblung vor bem Bezirksgerichte (von bem bie Angeklagten seinerzeit einen Verweis wegen Miß- banblung ihres Kinbes erhalten haben) hab' ich ben Maxerl bei mir gehabt; wie bie Mutter abenbs gekommen ist bas Kinb abholen, hab' ich gesagt: „Jeffas, Sie kommen so spät?" Ich hab' nämlich geglaubt, sie wirb eingesperrt werben. „Was hat beim ber Richter gesagt?" hab' ich gefragt. — „Was ber Richter uns gesagt, hat", war bie Antwort, „hat uns nichts gemacht. Wir finb ms Wirtshaus gegangen, haben ein Schweinernes gegessen, unb die Angst war vorüber " — Verteidiger Dr. Barnegg fragt bie Zeugin, wer von ben beiben Gatten bie größere Rolle im Hause gespielt habe? — Zeugin: Sie. Er hat immer müssen waschen unb bie Hosen flicken, sie ist in bie Kirche gegangen. — Ein anberer Zeuge erzählt, baß bas Kinb eine Nacht über bei ber Wasserleitung im Hembe habe stehen müssen! DaS war im Februar. (Gemurmel beS Unwillens.) Der Angeklagte Josef Hummel, gegen ben biefe Aussage sich hauptsächlich kehrte, sagt: „Der sagt nicht bie Wahrheit, bas ist ein Böhm'". Die Zeugin Amalie Hetz führte über bie Gemütsrohheit bes Angeklagten Hummel haar- flräubenbe Aussprüche an. Er habe u. a. gesagt: „Ich geh' ins Spital, ba fft bas „Ausbeinbeln" (bie Obbuktion), ba bekommt man noch a paar Sechserin auf an Branntwein " Als bas Kinb gestorben war, habe er, zu bem Leichnam gewenbet, gesagt: „Kanaille, halt' ben Schädel g’rab!" Nachbem bie Geschworenen beibe Schulbfragen auf Morb einstimmig bejaht hatten, bat ber Verteibiger ben Richter, bei ber Beratung über ben 93egnabigungöantrag bie beiben noch lebenben Kinber ber Angeklagten zu berücksichtigen (Juliane Hummel ist in ber Untersuchungshaft mit einem Mäbchen niebergelommen), damit nicht zu ihrer Schmach ihre Eltern bem Henker verfallen. Der Gerichtshof verurteilte, wie schon erwähnt, beibe Angeklagte zum Tobe burch ben Strang, unb zwar mit ber Bestimmung, baß Josef Hummel zuerst hingerichtet werbe, weil bem Gerichtshöfe Juliane Hummel als bie schwerer Schulbige erscheine. Die Angeklagten blieben bei ber Urteilsverkünbigung ganz ruhig. Die Wirkung des russ. Knöterich; Herrn E. Weidemann in Liebenburg am Harz. Bitte mir gefL noch 10 Packete Ihres Brustthees (russ. Knöterich) sofort zu fenben, bamit ich bie Kur nicht unterbrechen muß. Ich erwähne noch, baß mir ber Thee wunberbare Dienste leistet, mein Leiben, welches ich schon über 6 Jahre habe, ist fast vollstänbig nach nur 30tägiger Kur gehoben, boch werbe ich bie GOtägige Kur anwenben, um mein Leiden vollstänbig zu heilen. Ich werbe nicht verfehlen, benfelben in meinen Bekanntenkreisen zu empfehlen.___________ Otto H. in D. Hierburch gestatte ich mir, ben Erfolg Ihres Brustthees (russ' Knöterich), ben ich bei mir angewanbt, mitzuteilen. Ich leibe feit zwei Jahren an Lungentuberkulose, mein Zustanb war hoffnungslos, Husten, Auswurf, Abmagerung, Appetitlosigkeit, schlaflose Nächte, Hefiger Schweiß unb bestänbiges Fieber. Alle Anwenbung von Mebizm half nichts, bis ich vor einiger Zeit ben Versuch mit Ihrem Thee machte. Ich kann benfelben nicht genug empfehlen, wie vortrefflich dieser wirkt. Nach Verbrauch von 10 Packeten stellte sich eine bedeutende Besserung ein, nach 15 Packeten war ich vom Fieber befreit, Schweiß hörte auf, Schlaf trat wieder ein, und habe bis heute einen guten Appetit, sodaß die Kräfte zunehmen; das Beklemmen der Brust hat aufgehort, nur noch ein wenig Husten und etwas Auswurf sind noch die einzigen Zeichen des Leidens, die ich hoffe, durch weiteres Nehmen Ihres Thees auch noch zu verlieren. Daher kann ich nicht genug der leidenden Menschheit dieses Mittel empfehlen. Jean R. in B. NB. Die genauen Adressen werden auf Wunsch gern mitgeteilt. 8107 4 aV Giessen jOJtir Kirchenplatt 11, gegenüber der Stadtkirche. z vÄ • rp' errett- n. 3€na-Gen- Jton^e^tioti. fÄy ' X Anfertigung nach Mass V in eigener Werkstätte. Gasthaus lum Pfälzer Hof empfiehlt: gutes Logis gute« bürgerliche« Mittagstisch in und außer Abonn-r-ent. ff. Mer aus der Mauerei I. K. Ahring, cLich. 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Nachdem in der Versammlung vom 10. d. Mts. im Lenz'schen Felsenkeller Hierselbst einstimmig der Beschluß gefaßt worden ist, einen Eisenbahnverein ins Leben zu rufen, werden die sämtlichen Herren Beamten, Hilfsbeamten und Arbeiter der Staatseisenbahnverwaltung von Greßcn und Umgegend zum Zwecke der definitiven Gründung des Vereins zu der am Donnerstag, den 23. November, abends 8 Uhr, in Steins (warten Hierselbst stattfindenden w- konstituierenden Versammlung -w ergebens! einzuladen. Eine recht rege Beteiligung ist im Interesse eines glänzenden Verlaufs der Gründungsversammlung dringend erwünscht. Für die Vorstände der Kroßh. Kess. Kisenöahn-Uetrieös-Inspektion 1 und 2, der Waschinen-Inspektion und Oerkefirs-Inspektion, sowie der Ilrnöau-Aöleilurrg für den Aaijnhof Hießen Schoberth 8111 Großh. Hess. Eisenbahn Direktor. Kaufmännischer Verein uai Orts-Gewerbeverein Giessen. Mittwoch den 22. November er., abends 8'/r Uhr präzis, im Hotel Einhorn: Zweiter Vortrag. Herr Otto Beck, Regisseur des Stadt-Theaters in Köln: Rezitation: Rosegger. ZKauer'scher Gesangverein. Morgen, Sonntag den 19. November: M Familien-Abend im Wiener Kof. 8103 Der Vorstand. Kunstverein. Die Gernälde-Ausstellurg irn Turmhaus am Brand bleibt kommende Woche von Montag au wegen Wechsel der Gemälde geschloffen. 8109 Sonntag den IS d. Ms., abends 8V2 Mr: Vortrag* des Herrn Prof. Dr. Sauer über: Kelfische Baudenkmäler. Auch die Frauen unserer Mitglieder sind herzlichst willkommen. 8074 Der Vorstand. Gesangverein Aarmonie. Sonntag den 19. November: 8087 IM Familien-Abend in der Restauration zur Stadt Lich. Anfang 6 Uhr. Der Vorstand. JUlßflödntr Verein für Armen- nnh Krnnkenpßege. Unsere Nähabende sollen am 24. November wieder ihren Anfang nehmen und 8088 Bie Vorstände GGONGGGOGOGOOeOGOOOOSOGeSHGOKOSGGGTSO Xeii eröffnet! 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