Samstag den 19. August 1S99 Rt. 194 Erstes Blatt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger ggcjHßspreU nirrlkljährlich 2 Mark 20 Pf, monatlich 75 Pt, mit Bringerloh» Sa»*M»t »•« Anzeigen zu der nachmittags für tat Mttnbea X*% erscheinenden Nummer Hl vor», 10 Uhr. Bei Postbezuz 2 Mark 50 Pf», vierielsährlich Alle Anzeigen-BermtttlungSstrllen M In- und ÄullaaM nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgi-e« Or^tnt UßNch »ii «nsn»h»e des . Rrnttti Wh Gießener »erden dem Anzeiger »ßchrntttch viermal hrißelagt. Aints- und Anzeigeblutt fiw den Tkveis Gieszen. Ikbehien, Expedition und Druckerei: Fch»kstr«ße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familiendlütter, Der hessische Landwirt, Klättcr für hessische Uotkskunde. _______ MlULIMJlUUmUlllllIMUW1«1 HHIh1 I..... .11 I III UNIIIW « ll«III»III»»l III '«WM ««Wil I II II III II lll UfT .TT—'.■■”T±L!-------■■■-—!_!LllBa Adrcffe für Depeschen: Anzeiger Hi«h«d. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Geil. Gießen, den 16. August 1899. Betreffend: Die Vorschriften des Arbeiterschutzgesetzes vom 1. Juni 1891 über die Arbeitsbücher und die Beschäftigung jugendl.Arbeiter und Arbeiterinnen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen a« die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des KreiseS. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 1. Juli l. Js. — Gießener Anzeiger Nr. 155 — noch nicht nachgekommen sind, werden an deren Erledigung mit Frist »on 8 Tagen erinnert. ____________________v. Bechtold.____________________ Bekanntmachung. Betreffend: Maul- und Klauenseuche zu Hungen. Nachdem die Maul- und Klauenseuche in einem größeren Gehöfte zu Hungen amtlich festgestellt worden ist und mit Rücksicht auf die zurzeit bestehende erhöhte Seuchengefahr haben wir Gemarkuugssperre über die Gemarkung Hungen angeordnet. Der Durchtrieb von Klauenvieh durch die Gemarkung Hungen ist danach verboten. Aus der Molkerei Hungen darf ungekochte Milch nicht weggegeben werden. Gießen, den 18. August 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ________________I. V.: Frhr. Schenck._______________ Bekanntmachung. Unter den Rindviehbeständen des 1) Johannes Jost Wagner zu Roth, 2) Johannes Ludwig III. M 3) Jakoh Simon V. „ Lixfeld, 4) Johannes Simon XIII..... 5) Gottfried Simon „ „ 6) Heinrich Roth I. „ Simmersbach, 7) der Karl Adam Biek Wwe. zu Bottenhorn, Kreis Biedenkopf ist die Maul- und Klauenseuche amtlich festgestellt und Gehöftsperre angeordnet worden. Wegen Verdachts der Maul- und Klauenseuche sind die Gehöfte des 1) Jost Thome III. zu Breidenbach, Kreis Biedenkopf, sowie 2) der Wwe. Dintelmann zu Simmersbach, Kreis Biedenkopf, gesperrt. Unter dem Viehbestand der Handelsleute Isaac Seligmann, Hirsch Seligmann und Ruben Salomon zu Wetzlar, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftesperre angcordnet worden. In Münchholzhausen, Kreis Wetzlar, ist die Klauenseuche erloschen. Wegen weiterer Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche in Nieder-Ohmen und Merlau, Kreis Alsfeld, ist über die genannten Gemeinden Gemarkungssperre verhängt worden. Die für Merlau angeordnete Sperre wird sich zugleich auf den in der Gemarkung Flensungen gelegenen Teil des Bahnhofs Mücke miterstrecken und ist somit das Verladen von Vieh auf diesem bis auf weiteres verboten. Gießen, den 18. August 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. " Das Königliche Proviant in Hanau kauft jetzt schon direkt von Landwirten gesunden, trockenen und gut gereinigten Roggen und Hafer frei Magazinhof Hanau. Einsendung einer ungeschmeichelten Probe von reichlich V, Liter ist erforderlich. Zur schnellen Abfertigung wird es wesentlich beitragen, wenn das Getreide zu einem gleichmäßigen Gewicht eingesackt wird. Das Königl. Proviantamt wird den Produzenten in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegenkommen, auch wird dasselbe auf Wunsch der Verkäufer Magazinsäcke, jedoch unfrankiert, zur Verfügung stellen. Die Abfuhr von der Bahn in Hanau, welche 6 Pfg. pro Zentner kostet, wird auf Wunsch und für Rechnung des Verkäufers übernommen. Bei Bahnsendungen ist die Adresie: Proviantamt Hanau, Bahnhof Nord. Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem genannten Amte mündlich, wie schriftlich erteilt. Gießen, am 12. August 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Bei dem technischen Bureau des Kreises Gießen ist die Stelle eines Bautechuikers zu besetzen. (Anfangsgehalt 1600 Mark). Bewerber wollen ihre Meldungen unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes und von Zeugnissen über seitherige Beschäftigung bis zum 16. September anher einreichen. Gießen, am 11. August 1899. Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Bei dem technischen Bureau des Kreises Gießen ist die Stelle eines Geometers II, Klasse zu besetzen. (Anfangsgehalt 1500 Mark). Bewerber wollen ihre Meldungen unter Beifügung eines selbstgeschriebenen Lebenslaufes und von Zeugnissen über seitherige Beschäftigung bis zum 16. September anher einreichen. Gießen, am 11. August 1899. Der Kreis-Ausschuß des Kreises Gießen, v. Bechtold. Prozeß Dreyfus. Rennes, 17. August. Die heutige Verhandlung des Kriegsgerichts begann wiederum um 6*/, Uhr. Nachdem Dreyfus auf der Anklagebank Platz genommen und die Mitglieder des Kriegsgerichts erschienen waren, wurde das Verhör des Generals Roget fortgesetzt. Derselbe verbreitete sich ausführlich über Esterhazy, dessen Lebenswandel er einer scharfen Kritik unterwarf, den er aber trotzdem für das Opfer einer abscheulichen Verfolgung halte. Zeuge kam alsdann auf Picquart zu sprechen, von dem er glaube, daß er sich besonders bei seinen Vorgesetzten habe hervorthun wollen. Dem Picquart müsse er den Vorwurf machen, für die Ueberwachung Henrys und der Frau Pays, Der Geliebten Esterhazys, Geld ausgegeben zu haben. Aus allem, was Zeuge über Picquart aussagte, war zu ersehen, daß er es darauf anlegte, die Wirkung des Zeugnisses Picquarts schon von vornherein zu zerstören. Zeuge Roget kam alsdann auf Dreyfus zu sprechen, der eine allzu große Neugierde an den Tag gelegt habe, indem er Einzelheiten über Truppenkonzentrationen sich zu verschaffen suchte und seine eigenen Arbeiten vernachlässigte. Vom Verteidiger Demange in die Enge getrieben, mußte Zeuge jedoch zugeben, daß Dreyfus, der unter Rogets Befehl gedient, ein musterhafter Soldat und Offizier gewesen sei. Dreyfus standen bei diesen Worten die Thränen in den Augen. Uebrigens machte Der Angeklagte heute einen sehr müden und leidvollen Eindruck. Ueber das Verschwinden gewisser Schriftstücke gefragt, erklärte Zeuge, er glaube, daß auch hier du Paty de Clam die Hand im Spiele habe. Was die Blanche- und Sperauza-Briefe und Telegramme anlange, so sei es wohl möglich, daß du Paty dieselben geschrieben habe; bewiesen sei es aber nicht, denn der Telegraphenbeamte habe du Paty nicht bestimmt erkannt. Ob du Paty das berühmte rettende Schriftstück Esterhazy geschickt habe, wisse er nicht; Esterhazy behaupte es; doch bewiesen sei es nicht. Demange: „Wie erklärt Zeuge aber das Eintreten du Patys für Esterhazy, das doch nicht strittig ist?" General Roget: „Der Generalstab war überzeugt, daß Dreyfus schuldig ist, folglich war Esterhazy unschuldig. Er wollte also natürlich Esterhazy helfen, seine Unschuld zu beweisen und sich gegen seine Angaben zu verteidigen." Demange frug weiter, was General Roget von dem Schritte denke, den Esterhazy bei Schwartzkoppen gethan, damit dieser erkläre, daß Esterhazy nicht in diese Angelegen- heil verwickelt sei. Roget erwiderte, von diesem Schritte wisie er nichts. Demange: „So? Sie wissen davon nichts? Also hören Sie die Aussage Generals Chamoins vor dem Höchsten Gerichte." Demange verlas alsdann die Bekundung und sagte weiter zu Roget: „Der Zeuge weiß aus eigener Wissenschaft über den Fall überhaupt nichts; er hat es selbst gesagt; er schöpft seine ganze Kenntnis aus dem Lesen von Niederschriften anderer und aus Gesprächen mit anderen. Das hindert ihn aber nicht, drei Stunden über den Fall auszusagen. Ich möchte also, nachdem er wieder etwas von anderen erfahren hat, wissen, welchen Eindruck diese urkundliche Zeugenaussage des Generals Chamoin auf ihn macht. Roget entgegnete, darauf habe er nicht zu antworten. Demange kam alsdann auf Henrys Begegnung in Basel mit dem Agenten Richard Cuers zurück. Nun wurde Roget unwillig. Er rief aus: „Ich habe nicht über alle diese Dinge Auskunft zu geben!" Als der Präsident dem Verteidiger Demange bedeutete, diese Fragen auf einen späteren Zeitpunkt aufzuheben, erwiderte Demange gereizt, er spreche im Interesse des Angeklagten, gegen welchen gerade dieser Zeuge, ohne Angabe positiver Dinge, die schwersten Anschuldigungen erhebe. Zeuge Roget entgegnete, Dreyfus solle selbst auch etwas zu seiner Verteidigung sagen. Wenn er, Zeuge, der Spionage angeklagt wäre, wie Dreyfus, dann wäre er um Argumente für seine Rechtfertigung sicher nicht verlegen. Dreyfus, der nunmehr das Wort erhielt, entgegnete ruhig: „Der Herr Zeuge hat eben nur Argumente ohne Thatsachen gegen mich vorgebracht. Ich will vorläufig nur eines her- vorheben: Der General behauptete, ich hätte Detailpläne der Konzentration gezeichnet; das ist absolut unrichtig. Was ich zeichnete, war ein Konzentrationsplan en gros, und ich frage, ob dies nicht zu den Obliegenheiten eines Generalstabsoffiziers gehört." Demange brachte hierauf die Angelegenheit des int Nachrichtendienst verwendeten Lajoux zur Sprache, der eines Tages dem Generalstab die von einem deutschen Agenten herstammende Nachricht brachte, der deutsche Generalstab erhalte alles, was er Über das französische Heer brauche, von einem Major des französischen Generalstabes geliefert. Er wurde wegen Unterschlagung von Geldern bald darauf aus Dem Dienst entlassen. Als die Bewegung zur Erlangung der Wiederaufnahme des Prozesses Dreyfus begonnen, habe man Lajoux nach Brasilien geschickt. Wie erkläre sich also Zeuge Roget die Anteilnahme der Nachrichtenabteilung an dem Beamten, der wegen Unterschlagung entlassen worden sei? Zeuge Roget: „Ich weiß kein Wort von dieser ganzen Geschichte." Negierungskommissar Carriere schrie im Tone höchster Wut: „Ich verbiete, daß man hier von solchen Sachen spricht. Diese Geschichte geht Roget gar nichts an!" Vorsitzender Jouauft: „In der That, diese Frage wird nicht gestellt!" (Tiefe Bewegung im Saale). Demange verlas weiter die Erklärung, die Herr v. Bülow im deutschen Reichstag über den Fall Dreyfus gegeben. Die Vernehmung Rogets war damit beendet. Als er die Estrade verließ, reichte ihm General Zurlinden Die Hand. Es folgte die Vernehmung des Zeugen Bertulus. Derselbe erzählte ausführlich die Verhaftung Esterhazys und der Madame Pays und schilderte den bekannten Auftritt, der in seiner Amtsstube zwischen Henry und ihm stattgefunden und den Henry noch an demselben Tage vor seinen Vorgesetzten geleugnet. Er, Zeuge, habe durch die Beweisführung die Gewißheit erlangt, daß Esterhazy, Henry und Paty du Clam schuldig seien. Als er dies Henry mitgeteilt, sei Henry von seinem Platze aufgesprungen, habe ihm, den Zeugen, Stirn und Hände geküßt und gesagt: „Retten Sie uns! Netten Sie uns!" Er, Zeuge, habe aber Henry zurückgedrängt, worauf er mit Weinen aufhörte. Henry habe darauf Esterhazy einen Banditen geheißen, und als Bertulus Esterhazy als den Verfasser des Bordereaus bezeichnet, habe Henry weder ja noch nein gesagt. Er habe gebeten, nicht weiter in ihn zu bringen und Die Ehre Der Armee zu bebenfen. Während dieser Erzählung des Zeugen Bertulus lauschte die Witwe Henry aufmerksam; ihr Gesicht war stark gerötet. Plötzlich betrat sie die Tribüne und bat ums Wort. Dasselbe wurde thr erteilt. Alsdann rief sie: „Mein armer Mann sagte mir, daß er an Bertulus einen Freund habe. Ich aber entgegnete meinem Manne: Hüte Dich vor diesem Judas und seinem Kusse?" (Bewegung). Bertulus entgegnete hierauf kalt lächelnd: „Ich habe meine Pflicht gethan; mit einer Frau polemisiere ich nicht." Bertulus schloß seine Aussage mit Der Erklärung: „Das höchste Gericht hat enbgiltig geurteilt, Daß Das Begleitschreiben nicht von Dreyfus, fonbern baß es von Esterhazy ist. Dieses Urteil alter Berufsrichter ist souverän. Meine tiefe unb unerschütterliche Ueberzeugung ist, baß Dreyfus unschuldig ist. Der nächste Zeuge war Oberstleutnant Picquart. Derselbe widerlegte Die von mehreren Zeugen gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen und erklärte weiter daß er als Bureauches, dem Rat seines älteren Collegen Cordier folgend, eine italienische Abenteuerin, die ihre albernen Erfindungen lächerlich teuer verkaufen wollte, abgewiesen habe. Zeuge, der seine Aussagen mit deutlicher und klarer Glimme machte, sprach alsdann die Hoffnung aus, daß jedesmal, wenn er Angriffen gegen sich begegne, es ihm erlaubt sein werde, in voller Freiheit zu antworten. Der Präsident nickte hierauf. Des weiteren bekundete Picquart, er habe damals, als er Dreyfus zu plazieren hatte, schon die antisemitischen Vorurteile, die im Generalstab zu herrschen begannen, gekannt; deshalb habe er Dreyfus so plaziert, daß er mit dem Geheimdienst nichts zu thun hatte. Auf die Entdeckung des Bordereaus eingehend, bekundete Zeuge, daß alles aufgeatmet habe, als das Bordereau entdeckt gewesen sei. Man habe du Paty gerufen, weil dieser sich auf Handschriften verstand. Dieser habe die Schrift mit derjenigen Dreyfus' verglichen und eine Aehnlichkeit zwischen den beiden Schriften gefunden; er (Zeuge) habe diese Aehnlichkeit nicht schlagend finden können. Während des Prozesses Dreyfus, dem Zeuge beiwohnte, habe er den Eindruck gehabt, daß die Schuldbeweise nicht genügten, daß eine Verurteilung möglich oder sogar wahrscheinlich sei. Picquart gab weiter eine lebendige Darstellung der Aussagen Henrys und du Patys vor dem Kriegsgericht, wobei er Henrys theatralische Haltung nachahmte. Um 11 Uhr 40 Minuten wurde die heutige Verhandlung geschloffen. Morgen findet Fortsetzung des Verhörs Picquarts statt. Die Aussagen Picquarts erregten im ganzen Saale lebhafte Bewunderung; nur die Nationalisten und Generale teilten dieselbe nicht. Die Diskussion über das Bordereau war eine meisterhafte. Deutsches Reich. Berlin, 17. August. Der Kaiser hat an den ältesten Sohn des verstorbenen langjährigen Abgeordneten v. Benda ein Beileidstelegramm gerichtet. Berlin, 17. August. Dem „Lokal-Anzeiger" wird aus Wien gemeldet, daß daselbst im Ministerium des Aeußern von einer angeblichen Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland, Rußland und Oesterreich, welche der Petersburger Korrespondent des „Daily Teleg." für Oktober in Skierniewice ankündigt, nichts bekannt sei. Berlin, 17. August. Die „Post" meldet aus Marienburg: Hier herrscht große Aufregung, da mehrere offenbar angelegte Brände erfolgten; auch gelangten anonyme Brandandrohungen an angesehene Personen. Man nimmt an, daß die Brandstifter einer Diebesbande angehören, welche die entstehende Verwirrung zum Stehlen benutzen will. Anstand. Budapest, 17. August. Der hiesige Advokatenklub sandte an Labori folgendes Begrüßungstelegramm: „Das abscheuliche Attentat hat auch uns ins Herz getroffen. Die Kugel war gegen das heiligste Recht der Menschheit, gegen die Freiheit und den Schutz der Gerechtigkeit gerichtet. Wir zittern für Sie und die Gerechtigkeit. Wir wünschen beiden innigste Heilung." Paris, 17. August. Gestern abend fand eine Versammlung der Freunde DSrouledes statt, welcher 3000 Personen beiwohnten. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher gegen die Verhaftung Döroulödes protestiert wird. Nenues, 17. August. Der Sicherheitsdienst in den Straßen von Rennes, besonders an allen Brücken, ist erheblich vermehrt. Ueber die Veranlassung dieser Maßnahmen kursieren die verschiedenen Gerüchte. Die einzige Auskunft, welche auf Befragen erteilt wurde, lautete: „Es ist notwendig." London, 17. August. Von unterrichteter Seite verlautet, daß seit dem 2. August keine Depeschen zwischen den Regierungen Englands und Transvaals gewechselt worden sind. Die gestrige Mitteilung des Standard and Diggers News ist damit als eine abermalige Erfindung gekennzeichnet. — Die Times meldet aus Pretoria vom 16. August, die schließliche Annahme der Vorschläge Milners werde als sicher betrachtet. Köln. Ztg. Serbien. Die deutsche Kolonie in Belgrad hat beschlossen, an die Blätter des deutschen Reiches eine Kundgebung zu richten, in der gegen die Art und Weise, wie ein Teil der deutschen Presse die gegenwärtigen serbischen Vorgänge behandelt, protestiert und die fortgesetzte Veröffentlichung tendenziöser Nachrichten aus Serbien, die der Wahrheit nicht entsprechen, mißbilligt werden soll. Ferner haben sämtliche Serben in Belgrad, die ihre Studien in Rußland absolviert haben, in einer gestern abgehaltenen Versammlung, unter Hinweis auf die Jahrhunderte alten brüderlichen Bande zwischen den beiden orthodoxen Staaten und Völkern, ihrer Verwunderung über die Sprache Ausdruck gegeben, die die russische Presse über Serbien führt. In einer von der Versammlung beschlossenen Resolution wird die Hoffnung ausgesprochen, oaß die russische Presse ihren Kommentaren nicht länger falsche, alarmierende und feindselige Nachrichten zu gründe legen, sondern sich bemühen werde, die in Serbien bestehenden Verhältnisse, sowie das Attentat auf König Milan in korrekter Weise zu beurteilen. Pretoria, 16. August. Die für die Prüfung der Dynamitfrage eingesetzte Kommission hat jetzt ihren Bericht vorgelegt. Es wird ein neuer Vertrag mit der Dynamit- Gesellschaft empfohlen, wodurch der Verkaufspreis des Dynamits herabgesetzt würde. Die Streitkräfte in Südafrika. Die „Fortnighily Review" bringt einen sehr interessanten Bericht aus der Feder eines „reichstreuen Konservativen", H. A. Bryden, über die Verteilung der Streitkräste in Transvaal im Fall eines Krieges, der umsomehr Beachtung verdient, als der Verfasser seine im Laufe eines 23jährigen Aufenthaltes in Südafrika persönlich gesammelten Erfahrungen dem Aufsatz zu Grunde gelegt hat. Er führt aus, daß der Thatsache besondere Wichtigkeit beigelegt werden müsse, daß die holländischen Afrikander den englischen an Zahl bei weitem überlegen wären, denn die Boercn des Transvaals, Oranje-Freistaats und der Kapkolonie fühlten sich durch Bande des Blutes eng mit einander verbunden und seien ausnahmslos „tüchtige Kerle". Die holländische Bevölkerung des Transvaals beträgt 80;—85 000, davon können 22000 sofort im Feld stehen. Die gesamte britische Bevölkerung, die sich hauptsächlich in Johannesburg konzentriert, beläuft sich auf nicht mehr als 9000 Männer, Frauen und Kinder, darunter befinden sich nur 3000 wirkliche Soldaten. Im Fall eines allgemeinen „Rassenkrieges" würden sich nun die Streitkräfte folgendermaßen verteilen: Kapkolonie 17 000 Engländer — 50000 Holländer, Oranje-Freistaat 1000 Engländer— 18000 Holländer, Transvaal 3000 Engländer — 22000 Holländer, Natal 6000 Engländer — 1500Holländer, Britisch Betschuanaland 500 Engländer — 500 Holländer, Rhodesia 2000 Engländer — 300 Holländer, zur Zeit in Südafrika stationierte englische Truppen 10000 Mann. Es stehen also insgesamt 39500 Engländern 92 300 Holländer gegenüber. Man sieht daraus, daß der status quo für England sehr ungünstig ist. Die Engländer würden wohl die festen Plätze halten können, aber bei einem Generalaufstand wären die Holländer Herren des Landes. Mr. Bryden zweifelt natürlich nicht daran, daß Großbritannien die Macht hätte, die Boeren zu unterjochen und Südafrika zu erobern. Dazu müßten aber die jetzigen Streitkräfte durch eine „vorzüglich" ausgerüstete Armee von 50000 Mann ergänzt werden unter der Leitung der „fähigsten" Offiziere, und selbst dann noch würde es ein Kampf werden, wie wir ihn bis jetzt jemals weder in Indien noch in der Krim geführt haben. Dieser von einem guten Engländer ausgehenden Schilderung kann man wenigstens nicht den Vorwurf mangelnder Objektivität machen. Lokales und MoomMes. Gießen, den 18. August 1899. * * Gewerbe-Inspektion. Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs wurde durch Entschließung Großherzoglichen Ministeriums des Innern dem Chemiker Dr. Franz Gerhard aus Friedberg die Stelle eines Assistenten bei der Gewerbeinspektion Darmstadt provisorisch übertragen. * * Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königl. Hoheit der Großherzog habenAllergnädigst geruht, am 12. August den evangelischen Pfarrer Georg Wilhelm Otto zu Maar, Dekanat Lauterbach, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 31. August l. I., aus dem Pfarramt innerhalb der Hessischen evangelischen Landeskirche zu entlassen. * * Oeffentliche Anerkennung einer edlen Thal. Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben dem Schiffskapitän Arnold Stenz zu Mainz, in Anerkennung der von demselben am 14. Juni d. I. mit Mut und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr bewirkten Rettung des Hermann Josef Nikolaus Ritz, Sohn des Taglöhners Stephan Nitz zu Mainz, vom Tode des Ertrinkens, die Rettungsmedaille zu verleihen geruht. * * Schenkungen und Stiftungen wurden von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog im 2. Quartal 1899 142,647 Mk. genehmigt, und zwar für die katholische Kirche 85,085 Mk., die evangelische Kirche 21,896 Mk. und die israelitische Religionsgemeinde 800 Mk., Bildungsanstalten 12,500 Mk., Gemeinden 10,200 Mk., Kranken-, Armen« und Waisen - Anstalten 9965 Mk. und für Sonstiges 3200 Mk. * * Steins Garten. Das gestrige Konzert der Kapelle des Königs-Ulanen-Regiments Nr. 13 aus Hannover war in Anbetracht der herrschenden Kühle gut besucht, und fanden die durchweg meisterhaft ausgeführten Vorträge lebhaften und zum Teil nicht enden wollenden Beifall seitens der Zuhörer. Aus dem gewählten Programm ragten besonders hervor: Der Parademarsch der Königsblauen, „Ich sende diese Blumen Dir!" (Lied von Wagner), „Ich und Du!" (Konzertpolka für zwei Trompeten jSoloj) von Fischer, „Herzkönigin", Gavotte von Thiöre, „Goldelse", Fantasie für Cornet (Solo) von Köpke, vorgetragen von Herrn Fr eise. Einen eigenartigen Reiz übten die Fanfaren aus der altritterlichen Trompeter- und Paukerkunst aus. Zu vollendetem Vortrage gelangte „Auf der Wacht!" Solo für Piston (in der Entfernung geblasen). Von altbewährtem Zauber endlich war Retraite (Zapfenstreich und Gebet der Kavallerie) von Wieprecht, das in dem ergreifenden „Ich bete an die Macht der Liebe" friedlich ausklingt. * * Tod durch Hihschlag. Der „Mainzer Anzeiger" schreibt: Vom Exerzieren auf dem ungewohnten großen Sande heimkehrend, wurde gestern mittag- auf der Eisgrube Musketier Fiedler von der 5. Kompagnie des 2. Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 116, Gießen (das zurzeit hier kantonniert), von einem Hitzschlage betroffen. Mehrere seiner Kameraden trugen den Besinnungslosen in das nahe St. Rochus-Spital, wohin auch der Compagnie-Chef und der Feldwebel, sowie der Bataillons-Stabsarzt folgten. Sämtliche Hospitalärzte waren anwesend und gemeinsam wurden die Wiederbelebungsversuche gemacht. Sie hatten den Erfolg, daß der Soldat die Besinnung wiedererlangte, leider aber nur auf sehr kurze Zeit. Um 4 Uhr schon verstarb der im ersten Jahre dienende Musketier. Seine Leiche wurde abends in die Leichenhalle des Garnisonlazaretts überführt und morgen nachmittag um 5 Uhr erfolgt von da aus die Beerdigung. Der Verlebte war aus Lanzenhain im Kreise Lauterbach. Er war freiwillig ein- gttreten, um recht bald wieder vom Militär abzukommen und dann seine Mutter unterstützen zu können. Die Ausführung dieser edlen Sohnespflicht hat jetzt ein unerbittlicher, frühzeitiger Tod vereitelt. Ueber das thatkräftige Eingreifen der Hospitalärzte, sowie über die sorgsame Pflege des Schwererkrankten durch die ehrwürdigen Schwestern im Spital sprach sich der Kompagnie-Chef sehr lobend aus. * * Wer damit umgeht, sein Haus zu verkaufen, ist leicht geneigt, es mit notwendig gewordenen Ausbesserungen nicht so genau zu nehmen, um die Kosten zu sparen. Das neue Bürgerliche Gesetzbuch für das Deutsche Reich, das von Neujahr ab gilt, enthält aber in § 936, Absatz 2, eine Bestimmung, die so denkenden Hausbesitzern recht gefährlich werden kann und deshalb Beachtung verdient. Nach dieser Bestimmung ist nämlich derjenige, der sein Grundstück an einen anderen verkauft, für den Schaden verantwortlich, der dadurch entsteht, daß durch Einsturz des Gebäudes oder durch Ablösung von Teilen des Gebäudes (Dachschiefern, Simsen und dergleichen), ein Mensch getötet oder verletzt oder eine Sache beschädigt wird, wenn der Einsturz oder die Ablösung die Folge fehlerhaften Bauens oder mangelhafter Unterhaltung ist. Die Verantwortlichkeit dauert ein Jahr von der Uebergabe des Grundstücks an den neuen Besitzer. Nur wenn der frühere Besitzer nachweisen kann, daß er während seines Besitzes die gehörige Sorgfalt beobachtet hat, kann er sich von der Verantwortung freimachen. • • In Amerika verstorbene Heffcu. In Johnstown^ Pa., Georg Kurz, 76 Jahre alt, aus Hessen-Darmstadt. — In Pittsburg, Pa., Kapitän Kaspar Kaufmann, 60 Jahre alt, aus Hessen Darmstadt. — In Credition, Ot., Elisabeth Wolf, geb. Hartmann, 89 Jahre alt, aus Rudingshain. — In Farmers Retreat, Jnd., Anton Opp aus Freimersheim. X Von der Lahn, 17. August. (Ein lohnender Ausflug). Unter der liebenswürdigen Führung von Herr» Kammerrat Bingel aus Braunfels unternahmen eine Anzahl Damen und Herrn am 16. d. Mts. von Braunfels aus einen herrlich gelungenen Ausflug teils zu Fuß teils zu Wagen über den Flecken Leun an der Lahn, zur Diana- burg und nach Schloß Greifenstein. Wenngleich manchen diese Stätten mit Prächtiger Rundsicht wohl bekannt fein mögen, so lenken wir doch in dankbarer Erinnerung an den gestrigen Tag wieder einmal die Aufmerksamkeit vieler (wie wir wünschen), auf diese genußreiche Tour. Es war der Fürst Ferdinand zu Solms (die Fürstin eine geb. Gräfin Laubach), der in der herrlichen Waldluft dem edlen Waidwerk fleißig obliegend oft wochenlang auf der Dianaburg (ca. 2 Stunden von der Station Braunfels entfernt) zubrachte, und bis heute geben die mannigfachen Jagdtrophäen innerhalb der Burg von jenen Zeiten beredtes Zeugnis. — Dem Hause Solms galt vor allem, inmitten dieser wunderbar erquickenden und anmutenden Wälder und fürstlichen Besitzungen ein mit lebhafter Zustimmung ausgebrachtes Hoch, woran sich später ein solches auf den vortrefflich orientierenden und unermüdlich sürsorgenden Leiter der Partie (Rat Bingel) anschloß. Hier bei einer solchen Rundsicht auf unendliche prächtige Waldungen, durch deren Wipfel der Wind sie hin und herwiegend hinrauschte, gedachten die Mitgenießenden des Goethe'schen: „Ueber allen Wipfeln ist Ruh", und der Uhland'schen Lieder: „Im Walde geh ich wohlgemut", und: „Kein' bessre Luft in dieser Zeit, als durch den Wald zu dringen", und sofort. Da man bei der Dianaburg willkommene Gelegenheit hat, sich zur Weiterwanderung zu stärken und die Lebensgeister anzufrischen, so erreicht man leicht von ihr aus — durch den Waldesschatten pilgernd — in ca. 2 Stunden die Ruinen der Burg Greifenstein, die seinerzeit einen so große» Umfang hatte, wie ein bekanntes Wort von den vielen Thoren des alten Greifenstein uns überliefert hat, und i» deren Ruinen noch heute die herrliche Kirche erhalten ist. Hier kann man die schöne Aussicht ins Dillthal mit Behagen genießen, und gelangt in 1 Stunde zur Station Katzenfurt (zwischen Herborn und Wetzlar). Die Tour ist nicht zu anstrengend, auch Damen können sie bewältigen. t* Gin einheitlicher Mietsvertrag für ganz Deutschland ist das Ziel, nach dem der Centralverband der deutschen Haus- und Grundbesitzervereine schon seit längerer Zeit strebt. Auf dem diesjährigen Verbandstage in Elberfeld hat man die Sache in Form von 18 Paragraphen gebracht. Es ist darin auch nicht eines der Rechte übrig geblieben, welche das Bürgerliche Gesetzbuch dem Mieter gibt; auf jedes Recht muß der Mieter verzichten, nur nicht auf das Recht Miete zu zahlen. Von den Pflichten der Hausbesitzer ist aber auch nicht viel Übrig geblieben, denn der Hausbesitzer übernimmt nicht einmal die Pflicht, die Wohnung unter allen Umständen gebrauchsfähig dem Mieter zu liefern. Daß die Aftermiete ausgeschlossen ist, obgleich so viele Mieter heutzutage nur auf diese Weise die hohen Miete» erschwingen können, ist selbstverständlich. Aber auch die Aufnahme von Verwandten soll dem Mieter nicht ohne schriftliche Genehmigung des Vermieters möglich sein. DaS Bürgerliche Gesetzbuch befreit die Frau davon, daß ihre Habseligkeiten ohne weiteres für die Verpflichtungen des Mannes mit haften. Die Hausbesitzer erkennen diese Fortbildung des Rechtes nicht an, sie verlangen die Mitunterschrift der Frau unter den Mietsvertrag, die damit zur- Mitmieterin wird und im Falle des Todes oder der Versetzung des Ehemannes das Recht verliert, den Vertrag vorzeitig zu kündigen. Eine Ehefrau, deren Mann z. B. ei», großes, kostspieliges Geschäftslokal gemietet hat, kann bei ihrer Mitunterschrift vom Kontrakt nicht loskommen, sie muß ihn innehalten, auch wenn sie gar nicht im stände ist, das Geschäft des Mannes weiter zu führen. Die Aufrechnungen von Forderungen des Mieters gegen Forderungen des Hausbesitzers soll ausgeschlossen werden; die Miete muß prompt vorausbezahlt werden; auch wenn der Mieter als Schneider, Schuster rc. vom Hausbesitzer Geld zu fordern hat, darf er es nach dem neuesten Vertragsformular nicht abziehen von der Miete. Wenn die Wohnung unbrauchbar wird, so ist der Hausbesitzer nicht verpflichtet. W D- " Srunbftftjf a, "witoriii* u ®*b(j oblt ''I obre terlrtt , Ob’t “ °d-r manad. W"f bauert em « ben neuen tann, ?' Sotgfau be- "Mmchnt. ? 3”i"8toton, P'flra-Sarmjtabt ? Kaufmann, 3"Jrtbition, y Jahre alt, aus Jad., inton lohnender 'ährmg von Herrn lhmen eine Anzahl ! Braunfels aus iu W teils zu chn, zur Diana- lnglcich manche« ohl bekannt sein cinnmntz an den imhit vieler (wie x. Es war der eine geb. Gräfin dem edlen Waid, nf der Dianaburg fils entfernt) zu- ichen Jagdtrophäen cedteS Zeugnis. - in dieser wunderbar and fürstlichen Be- rusgebrachtes Hoch, vottrefflich orien- Seiter her Partie solchen Rundficht rch deren Wipfel anschie, gedachte» Mn allen hrn Lieder: ,Jm n' bessre Lust in Ingen", und sofort. ie Gelegenheit hat, d die Lebensgeister ihr aus - durch i. 2 Stunden die eit einen so großen 1 von den vielen liefen hat, und it Kirche erhalten'st. Diöthal mit Beende zur Station ar). Die Tour rst ;t 9«”i £e?tfÄ banb »er deiO » feit längerer M »mge i» E ragrapften gelt* te übrig ge Mieter s'w> nur nicht ans dg» n ber Ho"Ä-I>»» öenn der Haus zrsr ®°a * daß ihre i davon, d°b * “nflenbibe bamit i« tag- 11 Ar Ser =-h,ibt Sertrog«-1, ert,Den; , g, ei» " d” <«” k s^^'^en Fürder- lers 9ege n- die en; «wJL « ÄO Prozent extra Rabatt während des Ausverkaufs. Muster auf Verlangen franko. Meratur, Wissenschaft und Kunst. - Links am Rhei' ih gut fei'. Neue mundartliche Gedichte aus der yrffischen Pfalß von Elard Brtegleb. Verlag von Emil Roth in Gießen, 105 S., klein 8°. Von Dichtungen im Dialekt erwartet man mit Recht, daß sie volkstümlich gehalten seien, d. h. daß sie des eigentlichen werkthLtigen Volks, dessen Umgangssprache sie ja reden, ganzes DenkSK, Empfinden und Thun, seine Fr-uden und Leiden, seine Wünsche und B-strebunzen, wie sie in den verschiedensten LebenSverhättittssen sich äußern, frisch und ungeschminkt, getreu und naturwahr zum Ausdruck bringen. Dabei muß freilich mancke Derbheit der Redeweise und manches, was einer feineren Lebensauffassung gerade nicht zusagt, mit in den Kauf genommen werden, wer aber den Sinn für naturwüchsige Leber-S- gestaltung und für echte Volkesart und -Sitte sich bewahrt hat, für den haben solche Dialektdichlurgen, die ja durchaus nicht die niedrigsten Kreise einer Bevölkerung mit ihrer Anschauungsweise ins Auge zu saffen brauchen, als Spiegelbilder des wirklichen Lebens großen Reiz und als nicht unwichtige Materialien für eine genauere Volkskunde unverkennbaren Wert. Den vielen wertvollen dichterischen Erzeug- niffen der genannten Art, die unser Vaterland in allen seinen Teilen aufzuweisen bat, (man denke z. B. nur an I. M. Firmenichs „Germanias Volkerstimmen", Köln 1843, 3 Bände) schließt sich der Inhalt des obigen, gut auLgestatteten Büchleins würdig an. Der Verfasser desselben ist ja als ein ausgezrichneter Kenner des rhein- hessischen Volkslebens und der Pfälzer Mundart wie auch als humoristischer Dichter im Hochdeutsch schon weit über die Grenzen seiner heimatlichen Provinz hinaus rühmlich bekannt und hat bereits Aus der Zeit Mr die Zeit. Vor 44 Jahren, am 19. August 1855, starb zu Breslau der namhafte Geschichtsschreiber Karl Adolf Menzel. Er schrieb namentlich „Geschichte Schlesiens" und besonders „Neuere Geschichte der Deutschen von der Reformation bis zur Bundesakte", die aus gründlichen Quellenstudien hervorging und besonders die kirchlichen Bewegungen des Volkslebens behandelt. Außerdem setzte er auch Beckers „Weltgeschichte" fort. Menzel wurde am 7. Dezember 1784 zu Grünberg geboren. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold*. Berlin, 18. August. In parlamentarischen Kreisen wird angenommen, daß oas Abgeordnetenhaus Mitte nächster Woche das vorliegende Material erledigt hat. Alsdann soll wieder eine Pause eintreten, bis vom Herrenhause die abgeänderten Vorlagen eingegangen sind. — Das den ordnungsmäßigen Zustand wieder herzustellen, der Mieter darf für die Beeinträchtigung semes Wohnungsrechtes keine Entschädigung verlangen, er darf auch daraus keinen Grund zur Kündigung vor dem Ablauf des Vertrages r oder gar zur Kürzung der Miete abletten. — Es ist p dringend zu raten, jeden von eine mH a u s b e s t tz er vorgeleaten Vertrag genau zu prüfe n,u m nicht rechtlos gemacht zu werden. Wo schon Mtetvereme in den Städten bestehen, wird es den Hausbesitzern nicht leicht gelingen, mit ihrem neuen, einheitlichen Vertrag durchzudringen. A'" •+ Ein Sanatorium für Lungenkranke bei Marburg? Die Oberh. Ztg." schreibt: Die außerordentlich bedeutungsvolle "Lungenheilstättenbewegung zieht immer wettere Kreise. Bekanntlich sind bereits in verschiedenen Gegenden unseres Vaterlandes teils von Vereinen, teils von den Altersund Jnvaliditätsversicherungsanstalten Sanatorien für Lungenkranke errichtet worden. Dieser Heilstättenbewegung, die erst jüngst auf dem internationalen Tuberkulosekongreß in Berlin große Förderung erfahren hat und für die sich auch unsere Kaiserin auf das lebhafteste interessiert, wird es auch Marburg zu verdanken haben, wenn demnächst hier eine Lungenheilanstalt errichtet wird. Wie wir hören, soll der Plan des Baus einer derartigen Anstalt durch die Alters- und Jnvaliditätsversicherung bereits ziemlich gesichert sein. Dieser Tage weilte bereits eine Kommission in unserer Stadt, um sich die eventuell in Frage kommenden Grundstücke anzusehen. Sie soll sich für die Errichtung der Anstalt, die übrigens in Verbindung mit einem Universitäts- Institut geplant sein soll, auf einem Grundstück am Ortenberg ausgesprochen haben. eines Teilhabers im vorigen Jahre und die dadurch veranlasste Uebernahme des Lagers, welches nunmehr geräumt werden muss, nötigt uns zu einem wirklichen totalenAnsverkauf mit einem Extra-Rabatt von 20 Prozent auf sämtliche Stoffe einschliesslich der neuhinzugekommenen und offerieren wir beispielsweise: 6 Mtr. solid. Som.- u. Herbstst. z. Kl. f. Mk. 1.80 6 „ „ Winterstoff „ » » » 2.10 3 „ Buxkinst. z. ganz. Herrnanz. „ „ 3 60 sowie schönste Kleider- und Blousenstoffe versenden in einzelnenMetern bei Aufträgen von 20 Mark an franko Oettinger & Co., Frankfurt a. M„ Versamlhs Samstag den 19. August. Nachmittags um 2,/> Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zu? heil. Beichte. Sonntag den 20. August. 13. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6Va Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der hetl. Commumon; Vormittags um 8 Uhr: die zweite heil. Messe; „ um 9Vs Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2'/, Uhr: Sakramentalische Bruderschafts-Andacht. P-Uudirnst m der Synagoge. Samstag den 19. August 1899. Vorabend 7" Uhr, morgens 8» Uhr, nachmittags 4 Uhr Schrifterklürung, Sabbathausgang 8-- Uhr tzotteodtenft der israelitischen Keligionogeseüschafi. Sabbathfeier am 19. August 1899. Freitag abend 7" Uhr, Samstag vormittag 8 Uhr, nachmittag 4 Uhr, Sabbathausgang 8» Uhr. Wochengottesdienst morgens 6»° Uhr, abends 7 Uhr. Temperatur der Lah« und Luft nach Reaumur gemessen am 18. August, zwischen 11 u. 12 Uhr mittag?. Wasser 16Vs°, Luft 12°. Rübsamen'sche Badeanstalt. früher eine der vorliegenden ganz ähnliche Sammlung seiner mund- I Herrenhaus wird seine Arbeiten am 29. August wieder artlichen G-dtchtt unter dem Titel: „Wee's kltnat am Rhei'" in aufnehmen. demselben Verlag erscheinen lassen, die vielen Bttfsll gefunden haben. Wien, 18. August. Die Ablehnung der Kanal- Im vorliegenden Bändchen bietet er uns 4b nur ep sch g«ha ene Vorlage im preußischen Abgeordnetenhause gibt der hiesigen Ä,mtt hum°-°°ll-m Sinn er Presse Anlaß, über das Scheitern dieses großen Werkes die geheimsten Regungen des Volksgemüts belauscht hat und mit welches von unberechenbarem Nutzen für Deutschlands wie großer Begabung und Zuverlässigkeit er den gemütlichen heim- $Qnbel unb Gewerbe gewesen sei, ihr Bedauern auszu- ttch-n Dialekt handhabt. Sie endigen alle mit einer scharfen, meist I v u ’P Mnn, 18. August. Am 24. September findet hier unter den mancherlei launigen Zeugnissen rbeinhessischer Denkart ^r Gesamt-Parteitag der osterretchtschen Schilderungen wie: „Die net Zeit", „Der zufrieden«l Bauer , ,,Der Sozialdemokraten statt, in welchem die Stellung ber RothauS-R formader-, „Ess Mesttrig (gegen eittge) Sozialdemokratie zum Nationalitätenstreit in Oesterreich besprochen und das Festhalten an der deutschen Sprache die sicherlich besonders ansprechen werden. Darum empfehlen wir a[§ Verkehrssprache gefordert werden soll. das in kulturhistorischer und s prach'.icher Hinsicht beachtenswerte „aris, 18. August. Der „Figaro" erhielt em Tele- Büchlein aufs angelegentlichste. Möchte es recht viel- Leser"ftnden. Panizzardi welches derselbe aus Rom gesandt V Das LgLmm. lautet: Obgleich G ° n ° r a l R ° g e t ungen unter dem Text hinzugesügt werden sollen. B- in seinem gestrigen Verhör erklärt hat, daß ich an den Italienischen - Botschafter Reßmann einen Bericht gesandt hätte, roonn tch Äkthlirflt Nachriäslen. erklärt haben soll, daß Oberst v. Schwartzkoppen mit Dreyfus ® ' Jha» aJfflHnbt in Verbindung gewesen sei, so versichere ich, daß em «vaugelifche ®em^“beT solcher Bericht niemals existiert hat und daß auch ähnliche Sonntag den 20. August. 12. nach TrimtatrS. Erttärungen niemals bestanden haben. Ich erfuhr den Namen Dreyfus erst nach seiner Verhaftung, wie ich be- 3n to? reits erklärt habe, und heute nochmals auf Soldatenehre Vormittags 9‘/i Uhr: Pfarrer Dr. Grein I Paris, 18. August. In der Rue Chabrol bildeten In der Johauueskirche. sich wieder den ganzen Nachmittag hindurch enorme An- Vormittags 8 Uhr: Siehe Stadtkirche. I sammlungen. Berittene und Fuß-Gardisten wurden herbei Vormittags 9»/, Uhr: Pfarrassistent Dr. Heußel. beordert, räumten die umliegenden Straßen und hielten sie Sonntag den 27. August findet Beichte und Heu. Abendmahl | , , gn;e verlautet bat Polizei, Municipalgarde und ss.'SMääm* """""""" Ä.””...... I ------------- I griffen. Der gegenwärtige Zustand ist unhaltbar. Katholische Gemeind-. Paris, 18. August. Der „Figaro" hat voml Obersten 1 ' Schneider, dem österreich-ungarischen Milttar-Attacho in Paris, eine Depesche erhalten, in welcher der von flieget citierte und vom 30. November 1897 datierte Brief des Obersten Schneider als eine Fälschung bezeichnet wird. Dieses Dementi gilt in den Dreyfus freundlichen Kreisen als Beseitigung der Aussagen Merciers und Rogets. Rennes, 18. August. Der Gendarmerie-Oberst Lohe, der am letzten Montag nach dem Attentat gesagt haben soll, daß es ein Coup des Dreyfus-Syndikates sei, ist gestern plötzlich verstorben. — Als Dreyfus gestern das Lyceum verließ, that der beim Thore stehende Leutnant, als sähe er weder Dreyfus noch den ihn begleitenden Hauptmann. Dreyfus rief laut: „Man salutiert die Uniform der Vorgesetzten, Herr Leutnant." Darauf erfolgte der Salut. Rennes, 18. August. Labori machte gestern, auf den Arm seiner Gattin gestützt, eine Promenade in dem Garten seines Gastfreundes Basch. Abends fand eine Unterredung zwischen Labori, Demange und Mornard statt. - Itdiiinntiniuijimßeii Verdingung. Die nachstehenden, zum Bau einer Brücke über die Wieseck im Zuge der Goethestraße noch erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen Donnerstag, 24. August, vormittags 11 Uhr, öffentlich verdungen werden. a) Maurerarbeit: 1. Versetzen von Hausteinen, Bordsteinen, Straßenstnk- kastm,Verlegenvon Röhren. 2. Liefern und Einbringen von Luhnkies (180 cbm). 8. Herstellung von Gement- beton mit Feinschichte (120 qm). b) Lieferung von Steiuzeug re. c) Lieferung vouBafalt-Kleiu- schlag (125 cbm). ä) Pflafterarbeit (190 qm). e) Zimmerarbeit, Uferbefestigung, f) Kuuftschmiedearbeit,Geländer Pläne, Arbettsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns auf Zimmer Nr. 7 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find bis zum genannten Termin einzureichen. Gießen, 16. August 1899. Das Stadtbauamt. Schmandt. 6069 Verdingung. Die nachstehenden, zum Bau einer Brücke über die Wieseck im Zuge der Moltkeftratze noch erforderlichen Arbeiten und Lieferungen sollen Donnerstag, 24. August, vormittags W/a Uhr, öffentlich verdungen werden. a) Maurerarbeit: 1. Versetzen von Hausteinen, Bordsteinen, Straßensink- kaften, Verlegen von Röhren, 2. Liefern und Einbringen von Lahnkies (130 cbm). 3. Herstellung von Cement- beton mit Feinschichte (105 qm). b) Lieferung von Steinzeug re. c) Lieferung von Basalt Klein- schlag (105 cbm). ä) Pflafterarbeit (182 qm). e) Zimmerarbeit, Uferbefestigung. f) Schlosserarbeit, Liefern von Klammern, Dollen re. Pläne, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen während der Dienftstunden bei uns auf Zimmer Nr. 7 zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Termin einzureichen. Gießen, 16. August 1899. Das Stadtbauamt. Schmandt. 6070 Dillenburg. Der zum 24. August austeheude Viehmarkt 6067 findet gF nicht *1 statt. -Pn'sttigmMM Das GruMktgras von der fiskalischen Sorauwiese bei Daubriuge« wird Mittwoch den 23. d. Mts., nachmittags um 2 Uhr, in der Wirtschaft des Herrn Schäfer zu Daubringen versteigert. Treis a. L., den 18. August 1899. Großh. Oberförsterei Treis a. L. Amendt.6066 Vermietungen 6077] Nebenhäuschen zu vermieten. Licherstratze 59, Zur Stadl Llch. 02901] Kleines Familienlogis, zwei Zimmer, Korridor mit Zubehör, zu ver- mielen. Wiegand, Löberstraße 5. 02898] Zwei kleine Fannlienlogis zu vermieten. Darmstädter Haus. 6068] Kl. Wohnung, neu hergerichtet, an ruhige Familie zu vermieten. Seltersweg 50. Mietgesuche Suche per 1. Oktober kleinen Laden mit Wohnung in guter Lage. — Offerten mit Preisangabe unter Nr. 02899 an die Expedition dieses Blattes. (!lui|ifebliiii(ieu Aeue Keü'erttnsen, neues Hrünkorn empfiehlt >6078 Fr. 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Ludwig Weiss IL, 02900________Littdenstruth.__________ Wäsche zum Waschen und Glanzbügeln wird angenommen in und außer dem Hause von 02897 Frau Klein Wwe., Mäusburg 12,111. Vereine Samstag den 19. Auguft, abends 8ya Uhr: 6072 FamilienAbend auf der Liebigshöhe. /Gesangverein ® °» Vlo o«-> Heiterkeit. Samstag de« 19. Auguft: FamilienAbend auf der fchöuen Aussicht. Freunde können eingeführt werden. Danksagung Herrn Emil Lotz sagen wir hiermit unseren tiefgefühltesten Dank. 6081 Giessen, den 18. August 1899. Danksagung It Lina Leih und Kinder Giessen, den 18. August 1899. 6085 Giessener Radfahrer-Verein 1885 Eintrittspreis 1 Mark. 5596 Sonntag den 20. August er WMell tim WmBmm 6O8L Hierzu laden ergebenst ein Durch Mitglieder eingtführte Gäste sind willkommen. mmans 6064 Nachmittags 4 Uhr und abends 8 Uhr. SSB* Tüchtige Näherinnen *"®8 Wiederoerkäufern hoher Rabatt. 6071 M. Levi, Schirmfabrik. te;.. BS Ntt N heran 100 100 100 02879] Dammftrahe 46, 2. Stocks ein Mädchen tagsüber gesucht. 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