Sonntag den 19. März ISO» Zweites Blatt SSqttflsprcl* Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen Alle Anzeigen-BermittlungSstelleo bei In- unb ÄullanbcS nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegm. Rtbeftlen, Expedition und Druckerei: Zchnkftraße Ar. 7. der mit richtigem Verständnis die hervorragende Bedeutung des Rudersports für die körperliche Ausbildung erkannte und ein mächtiger Förderer desselben geworden ist, einen Preis, desgleichen ist ein solcher vor wenigen Tagen von Seiner Königl. Hoheit dem Prinzregenten Luitpold von Bayern, dem Förderer alles Edlen und Schönen, hier eingetroffen. Im weiteren ist zu erwähnen, daß auch die hiesige löbl. Stadtverwaltung, der Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs und verschiedene Freunde und Gönner des Klubs Preise in Aussicht gestellt haben, so daß die Regatta mit prächtigen Ehrenpreisen reich dotiert sein wird. — Der musikalische Teil des Festes ist der vollständigen Kapelle des königl. bayer. 5. Infanterie-Regiments (Bamberg) unter der persönlichen Leitung des königl. Musikdirektors Herrn E. Burow übertragen. * Allgemeine deutsche Sport Ausstellung München 1899. Don den verschiedensten Seiten erfahren die Abteilungen wertvolle Unterstützung. Für „körperliche Hebung" hat das k. b. Kultusministerium Pläne von Turnhallen zugesagt, gleiches Entgegenkommen zeigen andere Behörden, wie das Hygiene-Museum in Berlin, das städtische Bauamt Reutlingen. Der k. b. Obersthofmai schallstab stellt der Abteilung „Reit- und Fahrsport" Prachtstücke von Schlitten und Wagen aus der Zeit König Ludwig II. und aus älterer Zeit zur Verfügung, die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger in Bremen hat versprochen, bei der Abteilung „Wassersport" auszustellen. Die Abteilung „Radfahr- und Automobilsport" ist schon im Besitze eines entzückenden Modells aus der Hand des Herrn Hoftheatermalers Frahm, nach dem ihr Raum dekorativ ausgestaltet werden soll. Es wird ein Panorama dargestellt werden nach Motiven teils aus oberbayerischer Landschaft, teils vom Rhein: reizender hat jedenfalls die Fahrradindustrie, und was dazu gehört, noch nie ausgestellt, als es hier geschehen wird. — Zur Aufklärung von Mißverständnissen sei beigefügt, daß der Abteilung „Sammelsport" eingereiht wurden: Sammlungen von postalischen und fiskalischen Wertzeichen, dann Ansichtspostkarten, Plakaten 2C., dann Liebhaberphotographie und deren Instrumente, Liebhaberkünste und deren Instrumente, sowie Litterarur und Kunst dieser Richtungen. — Wiederholt wird, daß die Anmeldefrist bis zum 1. April verlängert und daß die Verleihung bronzener, silberner und goldener Medaillen beschlossen wurde. * Die Universität Greifswald mit ihren Ferienkursen ist seit 1894 vorangegangen in dem — jetzt so viel besprochenen — Streben der Hochschulen, sich an weitere Kreise der Gebildeten zu wenden. Die diesjährigen Kurse (VI. Jahrgang) finden vom 10. bis 28. Juli statt. Die Fächer sind folgende: Sprachphysiologie (Geh. R. Prof. Landois); Deutsche Sprache und Litteratur (Prof. Siebs, Privatdozent Bruinier); Englisch (Prof. Konruth, Mr. Quiggin); Französisch (Mr. Brandin); Religion (Konsistorial- rat Prof. Cremer); Pädagogik (Geh. R. Prof. Schuppe); Geschichte (Proff.Seeck, Bernheim, vr.Altmann); Geographie (Prof. Credner); Physik (Prof. Richarz); Botanik (Prof. Schütt). Auch findet, wie in den letzten Jahren, eine Ausstellung bedeutenderer Erscheinungen der neuesten deutschen Litteratur statt. Die Kurse sind in erster Linie für Lehrer und Lehrerinnen eingerichtet, doch nehmen auch stets Damen und Herren teil, die nicht dem Lehrstande angehören, die aber gern die Gelegenheit zur Fortbildung benutzen. Im Sommer 1898 beteiligten sich 450 Herren und Damen (Deutsche, Oesterreicher, Skandinavier, Engländer, Amerikaner usw.). Für billige Unterkunft und Ferien-Erholung wird, wie in früheren Jahren, Sorge getragen werden. Um nähere Auskunft wende man sich an die Adreffe „Ferienkurse. Greifswald." * Zum Militärdienst untaugliche Athleten. In letzter Zeit ist zu Wiederholtenmalen die Beobachtung gemacht worden, daß junge Leute, die sich durch besondere Leistungen, sei es im Heben von Gewichten, sei es als gute Fußgänger, in Athletenvereinen hervorgethan halten, bei der Aushebung als untauglich befunden wurden. Das merkwürdigste aber ist, daß gerade diejenigen Körperteile, durch die sie sich besonders auszeichneten, als für den Militärdienst zu schwach befunden wurden. So wurde bei der letzten Rekrutierung in Kopenhagen der als Gewichtsstemmer bekannte Vigg» Jensen wegen — zu schwacher Arme der Militärpflicht enthoben. Viggo Jensen ging bekanntlich bei den olympischen Spielen in Athen im Stemmen als Sieger hervor. Ueb- rigens ist auch Petersen, der beste dänische Fußgänger deshalb nicht Soldat geworden, weil er nicht gehen könnte. Näheres über die Begründung dieser Erscheinung zu erfahren, wäre nicht uninteressant. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Ualkskunde._________________ •Ina »Nm« »sn Anzeigen zu ber nachmittags fit ben graben Lag erscheinenden Stummer bis norm. 10 Uhr. Adreffe für Depeschen: Anzeiger chtrtz«. Fernsprecher Str. 51. vierteljährlich 2 Mart 20 Psg. ' monatlich 75 Psg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mart 50 Psg. vierteljährlich. Begründung der Militärvorlage ist dieses Moment ausdrücklich hervorgehoben. Wenn aber die Mittel hierzu — wie es die Anträge Lieber thun — erheblich verringert werden, so sind wir nicht imstande, denjenigen Vorsprung in der Qualität der Infanterie zu erreichen, der notwendig ist, um den sehr erheblichen Unterschied in der Zahl der Bataillone einigermaßen auszugleichen, der sowohl in Frankreich als in Rußland unleugbar besteht und zwar zu unseren Ungunsten. In Frankreich wurden in den letzten Jahren durchschnittlich 250000 Rekruten eingestellt für Landheer und Marine-Infanterie, in Rußland 300000 Rekruten. In Deutschland nur etwa 227 000 und unter Zurechnung von ca. 9000 Einjährig-Freiwilligen, welche bei uns nicht zur etatsmäßigen Rekrutenziffer zählen, 236000. Selbst unter Zurechnung der 11000 Rekruten nach der Militärvorlage würden wir immer noch hinter dem französischen Rekrutenkontingent zurückbleiben, nach Annahme der Anträge Lieber um 5 — 6000 Mann. Daraus geht auch hervor, daß es eine Täuschung bedeutet, wenn die französische Heeresverwaltung so thut, als ob das stehende Heer Deutschlands stärker sei als das Frankreichs, liebet diesen Punkt entscheidet allein die jährliche Rekruten-Quote, denn nur sie giebt sicheren Anhalt dafür, wieviel ausgebildete Mannschaften für den Kriegsfall vorhanden sind. Darauf kommt es aber an, wenn man die militärische Leistungsfähigkeit der Staaten in Vergleich stellen will. Dieser Vergleich fällt, wie nachgewiesen wurde, nicht einmal zu unseren Gunsten aus. Daran kann alles Rechnen mit brüt und net nichts ändern. Dabei zählt Frankreich 15 Millionen Menschen weniger als Deutschland. Die allgemeine Wehrpflicht ist dort demnach viel mehr Wirklichkeit geworden als in Deutschland. Trotzdem hört man in Frankreich im Parlament keine Klagen über „Militarismus", dessen „Anwachsen" entgegenzutreten die Erklärung der Zentrumsfraktion für ihre „vornehmste" Pflicht als Volksvertretung erklärt hat. liebet die Gründe dieses Verfahrens wollen wir heute nicht urteilen; aber nur soll man nicht versuchen, speziell die Heeresverhältnisse Frankreichs heranzuziehen bei der Be- gründung des Bestrebens, „die Friedenspräsenzstärks möglichst zu beschränken". Diese Begründung steht mit den Thatsachen, wie nachgewiesen, in Widerspruch. Ausland. Paris, 17. März. Der Matin veröffentlich heute die Fortsetzung des Interviews seines englischen Vertreters mit Esterhazy; über den Anschlag Deroulöde's befragt, sagte Esterhazy, die That sei die eines Geisteskranken, es sei denn, daß verschiedene Generale ihm versprochen hätten, ihn zu unterstützen. Diese Gernerale, sagte Esterhazy, seien zu allem fähig. Alle seien ehrgeizig, besonders diejenigen, welche ihre republikanische Gesinnung hervorkehren. Was bleibe heute noch von Frankreich übrig? Die Armee liege besiegt am Boden, die Justiz sei entehrt. Frankreich verende an der Revolution von 1789, welche es nicht verdauen konnte.________________________________________ Vermischtes. * Schweinfurt, 15. März. Nur wenige Monate noch und auf unserer herrlichen Stromfläche werden sich anläßlich der Zweiten Fränkischen Verbands-Regatta, verbunden mit Internationaler Regatta, zahlreiche Ruder- vereine zusammenfinden, um im heißen Wettkampfe die Siegespalme zu erringen. Unser Ruderklub „Franken", der 'die Ausrüstung des Festes übernommen hat, ist mit der Vorbereitung hierzu bereits eifrig beschäftigt — gilt es doch nicht allein, die zahlreichen Gäste mit jener Gastlichkeit empfangen zu können, wie sie von jeher in der alten Reichsstadt geübt wurde, sondern insbesondere auch, um ebenbürtig mit den fremden Spottgenossen im friedlichen Wettkampfe sich messen zu können. — Der milde Winter gab willkommene Gelegenheit, sich in Hebung zu erhalten, — em Umstand, der gerade beim Rudersport von außerordentlicher Bedeutung ist, denn ,,ohn'Fleiß kein Preis" — und an Fleiß läßt es unser Ruderklub nicht fehlen. In allen Kreisen, bei höchsten Herrschaften macht sich teilnehmendes Interesse für die bevorstehende Regatta bemerkbar. Seme Königl. Hoheit Prinz Ludwig von Bayern, der hohe Protektor des Fränkischen Ruderverbandes, der erhabene Förderer aller Bestrebungen, welche eine Belebung unserer Wasserstraßen verheißen hat bereits eine wertvolle Preisgabe für die Regatta gespendet, ebenso stiftete Seine Majestät Kaiser Wilhelm II., Deutsche und französische Heeres- Verhältnisse. Die „Jenaische Zeitung" schreibt hierüber: Die Verteidiger der Anträge Lieber zur Militarvotlage glaubten die jüngsten Verhandlungen int französischen Parlament zur Unterstützung ihrer Stellung verwerten zu sollen. Sie berufen sich dabei in erster Linie auf die Steuerungen dk- Kriegsministers Fr eycinet, aus denen hervorgehen ssll, daß Frankreich es endgiltig aufgegeben habe, die Heewsstärke Deutschlands zu übertreffen oder auch nur zu «reichen. . Herr de Freycinet führt nicht umsonst den Beinamen weiße Maus", und er müßte sehr thöricht sein, angesichts der Verhandlungen über unsere Militärvorlage die Lahr heil zu sagen über die französischen Heeresziffern. M heißt: die volle und ganze Wahrheit. Wenn er sagte, l>aß -er eine „Steeplechase" auf dem Gebiete der Friedens- fiärken für eine Thorheit halte — soweit Frankreich in Lelmcht komme — so giebt er dafür auch gleich den Grund an die Ueberlegenheit Deutschlands in der steigenden «evS-lkernngsziffer. Das ist eine aller Welt offenkundige lha! fache. Es ist aber Frankreich bisher trotzdem garnicht rmgr fallen, in der Verstärkung seiner Armee einzuhallen. 5m Gegenteil, es sind dort für alle Infanterie-Regimenter nette Bataillone eingeführt worden. Natürlich reichten die Wnuten nicht aus, um diese Vermehrung auf einmal durchschreit. Deshalb wurden die vierten Bataillone nach und Ich errichtet. Für das Jahr 1898 waren hierfür 12 693 Mann vorgesehen, die mehr ausgehoben worden find. Für das laufende Jahr und für die nächsten Jahre :,ird in der Neuaufstellung der vierten Bataillone fort- ritiabreit — denn dieselben sind int Prinzip vom Parlament !jmchmigt — und da in Frankreich die gesetzliche Fest- lijpimg der Heerespräsenz in jedem Jahre, in Deutschland .kgeycn nur alle fünf Jahre stattfindet, so unterliegt es gar dtmeim Zweifel, daß nach einigen Jahren die sämtlichen chaiiKösischen Jnfanterieregimenter 4 Bataillone stark sein »erben. In ben durchaus zuverlässigen Löbell'schen Jahres- ltknchten wird sogar angegeben, daß wahrscheinlich schon in B.efern Jahre sämtliche 163 Linien-Regimenter ihren Stand non vier Bataillonen erreichen werden. Dann zählt die ßimj»ösische Infanterie 729 Bataillone gegenüber 624 deut- sstm Bataillonen. Das ist eine Ueberlegenheit von 105 Ba- liilloinen auf französischer Seite. Wohlgemerkt: bereits int Frieden. Das verschweigt aber der französische Knegs- miiijter, und die Herren Lieber und Richter verschweigen Bl auch. , Was nun die von Herrn de Freyemet angegebene Sliedensziffer des französischen Heeres angeht, welche er auf 5000 Mann berechnet, so ist hierzu folgendes hmzuzu- lägen. Erstens giebt diese Zahl an sich gar keinen bestimmten Achaltspunkt, da in Frankreich ein Unterschied zwischen „brüt“ ncb „not*" in der Effektivstärke gemacht wird, den wir in 8^ t schlau d nicht kennen. Hinter die Geheimnisse dieses Sffeklivs sind aber bis jetzt nur wenige Rechenmeister g^mnten, auch in Frankreich; jedenfalls kann durch jenen Lierschied die eben erwähnte Thatsache nicht aus der Welt schafft werden, daß Frankreich in absehbarer Zeit Deutsch- iinb an Infanterie-Bataillonen im ^rieben und natürlich Mift recht int Kriege überlegen sein wird. Im Kriege Ml aber die Anzahl der Bataillone, zumal, sie in beiden 'Innieen nahezu gleich stark sind, was die Kopfstärken betrifft, .seitens ist in jener Ziffer des Herrn de Freycinet die Marine-Infanterie außer Ansatz geblieben. Dieselbe Mk aber im Krieg zum. Landheer, und für den Kriegsfall :ii un Frankreich die Aufstellung eines ganzen Armeekorps Muine-Jnfanterie zu zwei Divisionen von je vier Regi- nmltern vorgesehen. Daß diese Marine-Infanterie eine ^gezeichnete Truppe ist, hat der Krieg von 1870/71 be- msiltt, und für den militärischen Effekt ist es ganz gleich- Mig, ob dieselbe auf dem Papier int Frieden nicht zum Hnühee-r zählt. Unsere drei Seebataillone können jedenfalls Üequivalent hierfür nicht angesehen werden, ganz ab» Men davon, daß sie mit dem Landheere gar nichts zu tjiini haben. Bei dieser Sachlage, also der großen numerischen Heber» iMheit der Franzosen, was der Zahl der Bataillone angeht, V ber französische Kriegsminister allerdings gut reden, daß 8llll.ckreich jetzt nicht mehr beabsichtige, seine Effektivstärken jtüe'tr mehren, sondern mehr auf innere Festigung der Truppen- kiMnde bedacht zu sein. Das Letztere ist auch bei uns I -kl Leitmotiv für die Regierungsvorschläge gewesen, als sie ühii: Mannschaften für die Infanterie verlangte. In der Gießener Anzeiger General-Anzeiger Rk. 67 trWdnt täglich rit Ausnahme des MontagS. Dir Gießener ^«miltenSlätter wrben dem Anzeiger athentlich viermal deigelegt. * Zu den unentbehrlichen „Unsichtbaren", die hinter den Kulissen der Theater ihres Amtes walten, gehört der Requisiteur, und seiner vielseitigen Thätigkeit widmet das „N. Wiener. I." eine Schilderung, der wir solgende Stellen entnehmen: Ein Essen sür fünfzehn Personen, das im Hotel erster Klasse zweihundert Gulden kostet, stellt der Requisiteur um den bescheidenen Preis von neunzig Kreuzern her. Er gruppiert den köstlichen Salat aus grünen Papierschnitzeln um einen kachierten Fasan, der für jede Vorstellung frisch lackiert wird. Er bereitet das appetitlichste Eis aus gefärbter Baumwolle und fabriziert aus Pappendeckel einen Hummer von so täuschender Naturtreue, daß ich fest überzeugt bin, er würde jedem eben so schwer im Magen liegen, wie ein wirklicher. Das leistungsfähigste Weingroßhandlungshaus kann sich in der Geschicklichkeit, aus Wasser die feinsten und teuersten Weine zu bereiten, nicht mit dem Requisiteur messen. Natürlich werden diese kostbaren Flüssigkeiten in den Bühnensalons meist aus grünen Gläsern genossen, damit man nicht merkt, daß die vornehmen Wüstlinge nichts trinken. Die sprödesten Stoffe versteht der Requisiteur sich dienstbar zu machen. Er macht aus Holz Havanazigarren und Kaviarbrötchen, Ehrenketten aus alten Kastenbeschlägen nnd Schmuckschatullen von unermeßlichem Werte ans Zigarrenkistchen. Er erzeugt Papiergeld aller Länder nach Bedarf und verteilt mit vollen Händen das Gold an leichtfertige Spieler. Alle die kolossalen Summen, die jeden Abend auf dem Theater geerbt, gestohlen oder verschenkt werden, stammen aus seiner unerschöpflichen Kasse. Dem Requisiteur ist nichts Menschliches fremd, nichts Irdisches Unmöglich. Den Rosenkranz der Stuart, die Leier der Sappho, das Giftfläschchen der Julia, die große Brieftasche tzes Onkels, der immer wieder aus Amerika kommt, und ähnliche Requisiten des theatralischen Alltagslebens hat er beständig auf dem Lager; aber auch die seltensten und unbekanntesten Dinge, von denen er nie in seinem Leben etwas gehört hat, schafft er auf irgend eine Weise irgendwoher herbei. Neben den geschilderten Aufregungen und Mühen, bie der Berns des Requisiteurs mit sich bringt, hat der Wackere noch schwer zu leiden unter den Kränkungen und Beleidigungen, die überspannte Künstlernaturen in der Hitze des Gefechtes ihm zufügen. In Preßburg sagte Mitter- wurzer zu dem Requisiteur, der ihm in „Kean" statt eines holländischen Thonpfeifchens eine wunderschöne Meerschaumpfeife brachte: „Reitmann, Sie sind ein Ochs!" „Das weiß ich, Herr von Mitterwurzer", antwortete Reitmann, „wir sind ja alte Bekannte." Und der wackere alte Michely vom Burgtheater, dem einst die übelgelaunte Wolter als Gräfin Orsina den gelieferten Dolch als unbrauchbar vor die Füße warf, entgegnete mit der größten Seelenruhe: „Aber Frau Gräfin, zwanzig Jahr' spielst jetzt schon mit dem Dolch, und heut' is er Dir auf einmal net recht!" * Pariser Allerlei. Felix Faure ist von einem ehemaligen kaiserlichen Hofkutscher auf den Kirchhof gefahren worden, Henry Lavielle, der ihm bald nachfolgte, da er am 10. März, 70 Jahre alt, gestorben ist. Lavielle hat überhaupt viele bedeutende Persönlichkeiten zur letzten Ruhestätte befördert, namentlich Viktor Hugo, Carnot, Gambetta, Mac Mahon und Pasteur. Die Leichenfeier-Gesellschaft (sociöte dos Pompes funebres) hatte ihm, seitdem er in ihre Dienste getreten war, stets die vornehmsten Beerdigungen anvertraut. Henry Lavielle hatte in der Leibwache Napoleons III., den glänzenden Hundertgarden, gedient, bevor er Hofkutscher wurde. Als solcher fuhr er Napoleon 111. zum erstenmale bei der Eröffnung der Weltausstellung 1867. Der ehemaligen Hundertgarden giebt es laut der „Voss. Ztg." noch gegen fünfzig, die einen kameradschaftlichen Verein bilden unter dem Vorsitze des Obersten Verly. Diese alten Hofkrieger — anders kann man sie kaum nennen — haben seither die verschiedensten Berufe ergriffen, sich aber doch alle eine Lebensstellung errungen. Einer davon, Garnier, hat sogar studiert und als Arzt einen gewissen Namen erworben. Er schrieb namentlich Werke über künstliche Befruchtung, die viel Aufsehen erregten, von der Akademie der Heilkunde wie von den Behörden jedoch sehr abfällig beurteilt wurden. — Daß jemand seiner eigenen Beerdigung beiwohnt und dabei verhaftet wird, gehört nicht zu den alltäglichen Ereignissen. Ein Geheimpolizist begegnete unweit des Kirchhofes Saint-Ouen einem Leichenzuge, an dessen Spitze er den Sträfling Prosper Romien erkannte, der als erster Leidtragender und Familienangehöriger entblößten Hauptes einher wandelte. Der Polizist schloß sich dem Zuge an und befragte dessen Mitglieder; alle gaben die gleichlautende Antwort: Es ist Herr Prosper Romien, der begraben wird. Der Polizist zog das Lichtbild des Genannten heraus, um sich vollständig zu vergewissern, daß es wirklich Prosper Romien sei, den er vor sich sah. Nach der Beisetzung des Sarges auf dem Kirchhof trat der Polizist an den Verdächtigen heran, der sofort antwortete: „Ich bin Emil Romien, wir haben meinen Bruder Prosper begraben." Der Polizist aber ließ sich nicht abweisen, sondern zwang den Angeredeteu, mit ihm eine Droschke zu besteigen. Auf der Polizeipräfektur wurde durch Körpermessung unwiderleglich festgestellt, daß der Verhaftete wirklich Prosper Romien sei, auf den, ob der Begleichung seiner letzten Strafe, fünfzehn Monate Gefängnis wegea Betrugs, gefahndet wurde. Der Bursche hatte seinen Bruder unter dem eigenen Namen begraben lassen, um sich selbst unter dessen Namen zu verbergen. Das wird ihm einige weitere Jahre, jedoch Zuchthaus, eintragen. * Chinesische Justiz. Als Probe dafür, wie man in China die „kleinen Diebe" abstraft, geben wir nachstehend den Bericht wieder, den der kürzlich eingetroffene Ostasiatische Lloyd über die am 4. Februar stattgehabte Sitzung des „Gemischten Gerichtshofes" von Shanghai enthält. Es heißt dort: „Vor dem Magistrat Cheng und Dr. Betz, vom Deutschen Generalkonsulate wurden heute nachstehende Fälle verhandelt: 1. Ein Chinese wird wegen Verkaufs von mexikanischen Juarez-Lotterie-Losen mit 5 Dollars bestraft. Eine Chinesin ist verdächtig, Silber- und Goldsachen im Werte von 600 Dollars gestohlen zu haben; der Fall wird bis zur Beibringung neuen Beweismaterials vertagt. 3. Wegen Unterschlagung von 145 Dollars wird ein Chinese zu einem Monat Gefängnis und Rückzahlung der 145 Dollars verurteilt. 4. Ein Mafu wird wegen Verübung ruhestörenden Lärms mit drei Dollars bestraft. 5. Ein Rickscha- Kuli erhält wegen thätlicher Beleidigung seines Herrn sieben Tage Kang. 6. Wegen Diebstahls geringwertiger Gegenstände werden eine Anzahl Kulis mit je 200 Hieben bestraft. 7. Wegen Raubes eines neunjährigen Mädchens und Verkaufs desselben zu zwölf Dollars erhält ein Chinese 200 Hiebe und ein Jahr Gefängnis. 8. Ein altes Weib, das Baumwolle gestohlen, bekommt 200 Hiebe auf die Hand. 9. Wegen öffentlichen Würfelspiels erhält ein Diener 200 Hiebe auf die Hand und drei Monate Gefängnis. 10. Wegen Einbruchsdiebstahls werden 200 Hiebe und drei Monate Gefängnis verhängt. 11. Eine Chinesin beschuldigt ihren früheren Geliebten, ihr Schmuckgegenstände gestohlen zu haben. Trotz Leugnens erhält er 200 Hiebe, aber auch der ungetreuen Geliebten werden wegen liederlichen Lebenswandels 100 Hiebe auf die Hand gezählt." * Den kleinsten Baum der Erde hat der bekannte amerikanische Botaniker Bessey am Colorado gefunden. In der gewaltigen Schlucht dieses Stromes finden sich in den Felsspalten Gewächse, die ihrer Art nach echte Bäume sind, die aber nur eine ganz ungewöhnlich kleine Entwicklung genommen haben. Unter diesen bemerkte der Forscher eine Kiefer der Gattung pinne albicaulis, die nur 13 cm in der Höhe und an ihrem Stamme nur 5 mm im Durchmesser besaß. Sie trug überhaupt keine Zweige, und das Stämmchen endigte in ein einziges, ziemlich dürftiges Büschel von Nadeln. Bessey war begierig, das Alter dieses Miniaturbäumchens festzustellen, und schnitt daher den Stamm ab, um die Jahresringe zu zählen; dabei stellte sich heraus, daß dieses winzige Gewächs bereits 25 Jahre alt war. Der Gelehrte meint, daß dies das auffallendste Beispiel von natürlichem Zwergwuchs sei, das bisher jemals im Pflanzenreich ermittelt wurde. UniversMs Nachrichten. — Jen a. In dem Streben der Hochschulen, sich an wettere Kreise der Gebildeten zu wenden, ist, so schreibt man, die dortige Universität vorangegangen. Dozenten dieser Universität richteten im Jahre 1889 Fortbildungskurse ein, und zwar zunächst päda gogische und naturwissenschaftliche für Lehrer an höheren Lehran stallen. Diese Kurse find im Laufe des ersten Jahrzehnts immer mehr erweitert und ausgebaut worden. In diesem Jahre sollen diese Kurse vom 2. bis 22. August st-tlfinden. Das Programm, welches durch das Sekretariat (Spltzwetdenweg 4) zu Haden ist, enthält allgemeine Fortbildungskurse sür Damen unv Herren, sowie besondere Fortbildungskurse für Lehrer der Naturwissenschaften an. höheren Lehranstalten. Im vergangenen Winter wurden an vier zehn Samtztagen von Dozenteu der dortigen Untverstlät Vorlesungen für Volksfchullehrer Thüringens gehalten. Die Zahl der Teilnehmer an diesen Kursen betrug 330. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — »Hausschatz des Wissens". (Verlag von I. Neumann, Neudamm.) Der „Hautzfchatz des Wissens" ist, wie wir unseren Lesern schon öfters mitzuletlen Gelegenheit hatten, eine wohlfeile Hausbibltothek in vornehmster Form und stellt dar eine Sammlung von gemeinverständlichen Werken, welche das allgemeine Wissen unv fassen und zu billigsten Preisen bet bester Qualität des Gebotenen aus den Büchermarkt gelangen. Das Generalregtster ist derart angelegt, datz der „Hausschatz des Wissens" auch als Nachschlagewerk bestens zu benutzen ist. In der Sammlung erscheinen folgende Werke über unser Wissen von der Natur: Abt. 1. Entwtckelungsgeschtchte der Natur (Bd. 1 u. 2) Abt. 2. Die Physik (8b. 3 u. 4). Abt. 3. Die Cbemie (Bd. 5). Abt. 4. Das Mineralreich (Bd. 6). Abt. 5. Das Pflanzenreich (Bd. 7). Abt. 6. Das Tierreich (Bd. 8 u. 9) und nachgenannte Werke über unser Wissen von der Menschheit: Abt. 7. Länder- und Völkerkunde (Bd. 10 u. 11). Abt. 8. Geschichte der Menschheit (Weltgeschichte) (Bd. 12 u. 13). Abt. 9. Kunstgeschichte nebst Geschichte der Musik und £ per (Bd. 14). Abt. 10. Geschichte der Weltlitteratur nebst einer Geschichte des TheaterS aller Zetten und Völker (Bd. 15 u. 16), zum Schlüsse: Abt. 11. Gesamt register (Bd. 17). Gratiszugabe für die Abnehmer der ganzen Sammlung. Probehefte aller erschienenen und im Erscheinen begriffenen Abteilungen werden von der Verlagsbuchhandlang umsonst und portofrei geliefert. Die soeben zur Ausgabe gelangten Hefte 211 und 220 enthalten: Länder- und Völkerkunde von Dr. Paul Lehmann, Lfg. 17 bis 20. Der Verfasser hat sich das Ziel gesteckt, feinen Lesern die Wechfelwirkung vor Augen zu führen, die zwischen Natur- und Menschenleben besteht. - Indem er diesem Ziele nachstrebt, befleißigt er sich einer leicht verständlichen, klaren Schilderung der in Betracht kommenden Erscheinungen und hat aus dem in übergroßem Maße vorhandenen Stoff seine Wahl mit lobenswerter Sorgfalt getroffen. Da seine Arbeit in erster Linie für einen deutschen Leserkreis bestimmt ist, fällt der Schwerpunkt der Schilderung auf die Bedeutung jener Erscheinungen für die Entwickelung des deutschen Volkes. — Der Schilderung Deutschlands ist beinahe die Hälfte drS soeben vollständig gewordenen ersten Bandes gewidmet, die übrigen Staaten Europas find viel kürzer, aber, wie uns scheint, in dem Zweck deS Werkes entsprechender Weise behandelt. Außer zahlreichen Text Illustrationen sind diesen Lieferungen beigegeben: eine geographische Karte „Europa am Ende des 19. Jahrhunderts", sowie eine in feinstem Farbendruck ausgeführte Tafel „Rufsifche Volkstrachten". Das Mineralreich von Dr. Gürich. Lfg. 11 und 14. Das Mineralreich hat in Herrn Privatdocent Dr Gürich-BreSlau einen ganz eminent geeigneten Herausgeber gefunden. Der Verfasser, welcher im Auftrage der Regierung Südweft-Afrika auf feine Mtneralfchätze untersuchte und Venezuela bereiste, ist auf dem Gebieie der Gesteinskunde als eine Autorität ersten Ranges anzusehen. Wie alle übrigen Bände vom ..HauSfchatz des Wissens" dürfre auch diese Abteilung textlich wie illustrativ den Leser vollkommen befriedigen. Kunstgeschichte von Prof. Dr. Max Schmid, nebst Geschichte der Musik und Oper von Dr. Cl. Sherwood. Lfg. 1 enthält eine vorzüglich auSgesührte Buntdrucktafel „Pompeji, Vorhof und Tempel des Apollo". Nach Er- fchetnen weiterer Hefte werden wir uns mit dieser besonders in teressanten Abteilung deS „Hausfchah des Wissens" eingehend beschäftigen. Die Physik von H. Mafer, Lfg. 5. Wir verfolgen mit Interesse daS Weitererscheinen des „Hausfchatz des Wissens" und empfehlen unseren Lesern die Anschaffung dieses vortrefflichen und im Verhältnis zum Gebotenm sehr wohlfeilen Werkes. Der Preis einer Lieferung beträgt nur 30 Pfg. — Rollers Stenographie. Wenn ein Lehrbuch der Steno graphie 50 Auflagen erlebt, fo spricht dies für die Güte dieser Kurz schrtst. Das „Mannheimer Tageblatt" schrieb kürzlich darüber: Ein System, datz nicht mit der Reklame arbeitet und dennoch durch seine inneren Vorzüge sich empfehlend immer mehr Anhänger gewinnt, ist das Rollrrsche. Während bei den allen Systemen viele ihrer Schüler wieder abspringen, oder das Gclern'e wieder vergessen, ift das Rolle,sche Syst.m fo einfach und plaklisch, daß auch die ungefchickiest»! Hand etz in wenigen ©tu d.n leicht schreiben kann. Wer andere Systeme kennen gelernt bat und es mit Rollers System probiert, der unterschreibt gerne, was Spamers Illustriertes Lexckon darüber tagt: „Infolge des folgerichtigen Aufbaues auf ein»«cken fpiackwfffin- chafilichen Grundiätzen und vermöge der dadurch bebingten Eimack beit und leichten Eilernbaikeit eignet sich Rollers System für eile Kreise des deutsch-n Volkes und wie kein anderes zur Einfühlung in die Elementarschule. Seine praktifche Verwertbarkeit ist glänz'nd erwiesen." Im letztrn Jahre haben 200 ihrer Kenner, ost unter Bevorzugung vor anderen, als Stenographen Anstellungen bekommen feit zehn Jahren sind über 4000 Arbeiter, zum Teil der umfang- '«'chsten und fchwierigst'N Art (von Nichttach-Stenogrophen!) nach Rollers System ausgeiührt und etwa 300 Vereine pflegen und verbreiten bereits diese Kurzschrift in aller Welt, denn auch auf fremde Sprechen ift sie fchon vielfach angewendet. Die vollständigen L-Hr- miltel der R fchen Stenographie zum Selbstunterricht erhält man ür 3 Mark (auch Prosp kte gratis) durch daS Slenogr. Institut von H. Roller in Berlin N. 39 franko zugefandt. — Die Freilegung der Rikolaikirche in Berlin gibt htm „Bär, Jltuftr. Wochen fchrift für Gefchichte und moderne» Leben", Veranlassung, dieses bochinteressante Gotteshaus, die ,Lvov- mannskirche Io dem olden Berlin" eingehend zu behandeln. & ehrwürdige alte St. Nikolaiknche ist ungefähr 1220—1240 gedam. d. h. nicht etwa die heut stehende! Diese ist erst um die Wende des vierzehnten Jahrhunderts entstanden, teilweise fogar erst im N utau von 1460. Born ursprünglichen Gebäude stammt nur noch b-t granitene Unterbau der beiben gewaltigen Türme, der allein ben etb setzlichen Feuersbrünsten vom St. Laurentius- und St. Tiburtiutz- tage 1380 widerstanden hat. Einst stieg man Stufen empor zm Kirche, heut steigt man hinab. DaS Hauptportal und der Boden d r Kirche liegen unter dem Straßenniveau, das durch den Brand- schütt der ebenerwähntenFeuersbrünste um soviel erhöht worden ist Wenn man die Grabsteine in St. N colai durchgeht, findet man eint Fülle der bekanntesten Namen: Rücker, der Begründer des Berliner Gemeindeschulwesens, Pufendorf, Caspar Tbeiß, Haube, Spener, Dieffenbach, Blankenfelde, Wins, Matthias. Sie bilden ein wahres campo eanto für die Berliner Geschichte. Die jetzt niebergetiffenen Häubchen bildeten keine schlechte Umgebung für das mächtige Gotteshaus, sie hoben in ihrer Winzigkeit die Größe und Mächtigkeit bd ehrwürdigen Baudenkmals nur umfomehr hervor. Hoff-n wir, M es nicht verliert, wenn erst die Neubauten emporwochsen, die oc dieser Stelle doch wohl nur Kauf- und Warenhäufer werden können. Aus der Fülle der sonstigen Aufsätze fei noch auf „Großstadtpoefie' und das Städtebild „Lehnin" hingewiefen. I— Neueste Erfindungen und Erfahrungen" auf ben Gebieten der praktischen Techmk, der Elektrotechnik, bet Gewerk Industrie, Chemie, der Land- und Hauswirtschaft rc. 26. Iihsgai» (A. Hartlebens Verlag in Wien). PränumerationSpreiS ganMri.. für 13 Hefte franko 7.50 Mk. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in txW marken. Diese Zeitschrift dient ausschließlich nur der Praxis. Jh'e Mitteilungen, die sich über alle BerusSarten verbreiten, bestehen in praktischen, zuverlässigen und leicht ausführbaren Anweisungen, ArbeitSoerbesserungen unb Neuerungen auf technischem und tnbiv ftriellem Gebiete. Beson ders wertvoll find die zahlreichen Anw^f- ungen zu neuen, lohnenden Erwerbsarten. Die „Neuesten Erfindungen und Erfahrungen", im 26. Jahrgange erscheinend, bieten jedermann, insbesondere dem Techniker und Industriellen, die Mittel, alle neuen Erscheinungen und alle wertvollen praktischen Er- rungenschaften kennen zu lernen unb so zu verstehen, daß er sie u seinem Geschäfte sofort verwerten kann und demzufolge immer aus der Höhe der Zeit steht. Hunderte von Fragen auS allen vttuff- fächern finden in dieser Zeitschrift praktische und kostenlose Beantwortung — Emil Erckmann, der bekannte Mitarbeiter von Chatriar ist in Luneoille hochbetart gestorben. AlS Sohn eines Buch' Händlers am 20. Mai 1822 zu Psalzburg geboren, studierte er erst in Pari« die Rechte und folgte dann seiner schriftstellerischen Neigung. Er schloß ein Roman-Kompagniegeschäft mit dem Lothringer Alexandre Chatrian, der neun Jahre vor ihm starb, unb nun fitzte die Firma Erckmann Chatrian ihre Romane mit großartigem Gi- schäftserfolg ab. Von der Massenerzeugung der Erckmann Chatrian beben sich zwei Romane ab, btc auch in der Bearbeitung für bf? Bühne großen Erfolg hatten: „Freund Fritz" und „Die Rantzau" Diese beiden Werke find auch in Deuifchland bekannt gewoivm während die bedeutendste Arbeit der litterarifchen Firma, „Die schichte eine« Konskribierien von 1813" mit der Fortsetzung „Wat - loo", dem deutschen Geschmack weniger zusagte. Die Verfasser morn übrigens ausgesprochene Deutschenfeinde, das bewiesen sie auch durch die Option für Frankreich und durch heftige Artikel gegen da» ncie Deutfche Reich, alS ihre Heimat diesem zugefallen war. — Utber Unterricht und Erziehung der Neger plaudel der RegierungSlehrer Sembritzkt in V'tlorta (Kamerun) in der V- eben erschienenen Nummer 11 der Wochenschrift „Die Umschau, (Frankfurt a. M.). Nach den Erfahrungen des Autor« ist die Len- fähigkeit der schwarzen Brüder nickt so sehr unterschiedlich von b<^- jenigen unserer Kinder, nur find es der Stupiden, benen o® Denken große Schwierigkeit macht, ein größerer Prozentiatz daheim. Die Neger besuchen die Schulen freiwillig; selbst Menschs von 20 bis 40 Jahren wollen noch „klüger" werden, und befonbel die Sprache der Weißen verstehen lernen. Für mechanische Fnü^ teitm find alle sehr begabt; in kurzer Zeit erzielt man bet W- z. B. die schönste Handschrift. Nr. 11 der Umschau enthält auße dem Diätetik im Altertum von Dr. Julian Marcuse, TianA von Dr. Lampe, Holzflöße auf dem stillen Ozean von I. Gisss' Zur deutschen Volkskunde von Dr. F. T.tzner, Photochernie v» Dr. Brchhold, außerdem eine Reihe interessanter Betrachtungen kleiner Mitteilungen. Im Verlage von Earl Gerold's Sohn, Wien, I. Barbaragaffe! ■ ist erschienen: Homöopath Dr. Ernst Hausarzt für gebildete Stände Erfahrungen aus einer dreißigjährigen Spital- und Privat-Prar» j Dem Wohle der Leidenden gewidmet. Inhalt: Krankheiten deS Raches und Kehlkopfes, der Bronchien und Lunge, des Herzens, des Magen» Darmes. Ferner Krankheiten der Leber und Nieren, der Blase und tv Geschlechtsorgane. Schließlich die Krankheiten der Nerven unbt-t Rückenmarks, sowie die Krankheiten der Radfahrer. Bei jeder Krankt sind die Verhaltungsmaßregeln und bewährte Medicamente zu derer Heilung angegeben. Das Werke mpsiehlt sich besonders für schwer Leider* bei denen große Arzneidosen keine oder schlechte Wirkung erzielten, I Familien auf dem Lande. Zu beziehen durch jede Buchhandlung | In- und Auslandes. Preis Mk. 3. — Der Kunstwart. Herausgeber Ferd. Avenanus, Georg D. W. Eallwey, München (vierteljährlich Mk. 2.50, das e«^ Heft 50 Ps.) Heft 11 enthält: Ungekürzte Aufführungen u. f. w. Richard Batka. — Dekadenz in der Unterhaltungsliteratur. Von Bartels. — Architektonische Zeitfragen. (Schluß.) Von Paul Schum» — Der Fall Diefenbach. Von Wilhelm Schölermann. — Lose »tot* Aus „Prometheus und Epimetheus". Bon Felix Tandem. — Sunoic^ enthält u. a.: Friedrich Spielhagen. — Die Aufführung des „WV, Delje* in der Münchner literar. Gesellschaft. — Von Münchner Attl — Berliner Musik. — Vom Berliner Kunstleben. — Silberbeilagemjt’« bach-Fidus, Musizierendes Mädchen; aus „Per aspera ad aatra Notenbeilage: Sigmund von Hausegger, Mittag im Feld. neutsi Cogi rv etnM Ph. Hen rE „.SLY diäte»- b Mäa-barg- ____- -^vrimaEaU' — »Mrosa'K Jein Ausmkchei liefert ii frei in3 M v> W KM BdM Bi Vemhleimnngliniei mit den leit Jahre Waith Fichtemie Be Wtteile: M Fichtennad In Paketen r 30 Gustav lahr1, ‘“Mor f hs Tafel feinste »ün eingetrch Em । ®®iner — •• KiimK ,l’“ c. Ro1 MM Oberbeff. ? Hä . per Liter) foarie feinere M . Mail i empfie&ü * JLRothlt Rlieii MK MH SrossJ^ , Sus f.NW rer»endet in PoiteclH, den billigsten Tagespr niime 0. 1 Ml] Versandhaus H Meld, Braubach & Fischer in Giessen c> 1508 4 Yeuenweg 4 (am Kreuz) 33 Miueburg. 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