Samstag den 18 November 1899 Nr 272 Zweites Blatt Gießener Anzeiger Wt •*«|cnn General-Anzeiger Anrts- und Zlttzergebt^Lt für den Tkreis Giefzen. DCW 8066 zur Verfügung: Kapstadt, 16. Oktober. Ute 8^ Mn RSe Wnjtigen»i*ermi:daB»j4t#es Fernsprecher Nr. 61. Mirawn—■■■■■II wwiiiiw............ Feuilleton. Stimmungsbild aus dem Hteichstage. (Nachdruck verboten.) ob. Berlin, 16. November 1899. Die Beratung des Postgesetzes geht sehr langsam vorwärts. Der Reichstag hat, scheint es, keine große Eile, um zu den aufregenden Debatten über die Zuchthausvorlage zu kommen, die sich unmittelbar an die Erledigung der Post- und Fernsprech-Vorlagen anschließen sollen. Leute machten die Reichsboten sogar zu verhältnismäßig früher Stunde Feierabend, nachdem sie nur den zweiten und dritten Artikel des Postgesetzes absolviert hatten. Düse beiden Artikel hoben für unsere Großstädte em recht bedeutendes, unmittelbares Interesse. Denn sie sind es, die den teilweise aut florierenden und auch tüchtige Leistungen aufwersenden Prwatposten das Lebenslicht ausblasen sollen. Das Postregal für verschlossene Brrese, das bisher sich auf Sendungen, deren Aufgeber und Empfänger mner- halb desselben Gemeindebezirks wohnen, mcht bezogen hatte, soll nun auch auf diese ausgedehnt werden; und da hiermit den Privatposten der Lebeusfaden sowieso abgeschnitten wird, ging die Kommission soweit, in ihrem Anträge Anstalten zur gewerbsmäßigen Einsammlung, Beförderung und Verteilung von unverschlossenen Briefen, Karten, Drucksachen und Warenproben, die mit der Aufschrift bestimmter Empfänger versehen sind, vom 1. April 1900 ab, gänzlich zu verbieten, während die Regierungsvorlage den Betrieb solcher Anstalten von der Erlaubms der höchsten Behörde abhängig machen wollte. . Gegen die Erweiterung des Postregals richtete sich ein prinzipieller Widerstand nur von den freisinnigen Bänken her. Allerdings fehlte chm der richtige Elan, da an dem Schicksal der Privatposten doch nichts mehr zu ändern war, und so gestalteten sich die Reden der Herren Dr. Müller- Sagan (frei). Vp.) und Dr. Pachnicke (freis. Vgg.) weniger zu scharfen Kampskundgebungen, als zu elegischen Nachrufen und Leichenreden, in denen die vorzüglichen Leistungender Privatposten hervorgehoben wurden, denen es in erster Linie gedankt werden müsse, wenn die Reichspostmaschine nicht eingerostet sei. Nur einmal ve, suchte Dr. Müller, durch einen flammenden Appell nach links, wenigstens auch die Sozialdemokraten mit in die Opposition hineinzuieißen, sie an ihre Abstimmung beim Bankgefetz erinnernd. Vergebens! Die Sozialdemokraten waren heute vollständig Regierungspartei, und Abg. Singer hielt sogar eine Lobrede auf den Staatssekretär v. PodblelSkt, der immerhin versucht habe, mit dem alten Schlendrian auf einigen Gebieten zu brechm, und dem er durch die Ausdehnung des Postregals Gelegenheit geben wolle, noch bessere Verhältnisse zu schaffen, namentlich in Bezug aus die materielle Lage der Unteröeamten, die ja übrigens auch jetzt schon bei der Reichspost beträchtlich besser gewesen sei als bei den Prioat- posten. Nur ein thiner Teil des ZmtrumS unter Führung des Abg. Rintelen kam dem freisinnigen Standpunkte durch einen eigenen, aber ganz unpraktischen Antrag etwas entgegen. Der überwiegende Teil des Zentrums, und ebenso Dr. Bertel im Namen der Rechten, stellten sich ganz aus den Boden der Regalerweiterung, und so wurde diese denn auch mit großer Mehrheit beschlossen. Im Lause der Debatte hatte der Staatssekretär noch die erfreuliche Versicherung abgegeben, daß die zu erwartenden Ueberschüsse zu Dnkehrserleichte- rungen benutzt werden sollen, eine Aeußerung, auf den ihn Abg. Singer (Soz.) sofort festnagelte. ®l6i. «Frau * lsch-ft. tote 8l/2 M: MnMs M U. chmittags 4 Uhr: eöigshöhe. -W Der Vorstand. M str W > tX*«w** r: stH- —---- Saison Ä* M M * * v M". -M Markt Wei*6' )r träge 'n8 W abenis; 1 «1ms n, M, W Ap'2pen* S*’,ch® BuMm. ^11^05. itoNt. hrer-Papiere bei dem mit: >en. GrsttsdeiiAtzen: Gießeser Vrr hlMchr ßgndwirt, . Klöster für hessische -----jte» — Der Hofbericht meldet: Auf der Reise des Kaisers und der Kaiserin sowie der Prinzen August Wilhelm und Oskar nach England werden sich befinden: im Gefolge I. Maj. der Kaiserin Hofdame Fräulein v. Gers- dorff, Hofdame Gräfin zu Stolberg Wernigerode, Kammerherr Vice Oberzeremonienmeister Baron v. d. Knesebeck; im Gefolge des Kaisers Ober Hof- und Hausmarschall Graf A. zu Eulenburg, Kommandant des Hauptquartiers, General- adjutant, General d. Inf. v. Plessen, der Chef des Marine- kabinets, Admiral ä la suite, Contreadmiral Frhr. v. Senden- Bibran, General ä la suite Generalmajor v. Scholl, Flügel- adjutant Oberstleutnant v. Pritzelwitz, Leibarzt Oberstabsarzt Dr. Jlberg; ferner der Gouverneur der Prinzen Flügeladjutant Kapitänleutnant Graf v. Platen-Hallermund. An Bord der kaiserlichen Jacht machen außerdem die Reise mit Staatssekretär Staatsminister Graf v. Bülow, Geheimer Legationsrat Klehmet, sowie Prinz Albert zu Schleswig- Holstein. — Bei dem Finanzminister v. Miquel fand gestern abend ein parlamentarischesDiner statt, zu dem eine Reihe von Abgeordneten geladen waren. — Der nationalliberale Antrag zur Zuchthaus- Vorlage gelangte heute im Reichstage zur Verteilung. Er entspricht der „National Ztg." zufolge den bekannten Gesichtspunkten für die Wahrung des Koalitionsrechtes und die Bekämpfung des Koalitionszwanges. — Der „Reichs Anzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Direktors im Reichs-Schatzamt, Dr. von Körner zum Direktor im Auswärtigem Amte und des württembergischen Ministerial-Direktors von Fischer zum Direktor im Reichs-Schatzamt. — Der englische Botschafter am hiesigen Hofe, wird während der Anwesenheit des deutschen Kaisers in England sich in London aufhalten. — Ein polnisches Blatt läßt sich von seinem römischen Korrespondenten die Nachricht übermitteln, daß die Errichtung einer päpstlichen Nuntiatur in Berlin beschlossene Sache sei. Diese Meldung entbehrt aber nach den Informationen der Post noch genau so jeder Begründung, wie damals, als der „Gaulois" sie zuerst in die Oeffentlichkeit lanzierte. — Der Allgemeine Schulverein zur Erhaltung des Deutschtums im Ausland erläßt wieder einen Aufruf, der unter den gegenwärtigen Umständen besondere Beachtung verdient. Bezüglich der schwer bedrängten Deutschen in Oesterreich heißt es in dem Aufruf: „Jeder Deutsche ist verpflichtet, sittlich vor seinem Gewissen und vor dem Urteil der Geschichte, nach Kräften Beistand zu leisten. Dieser Beistand kann nur bestehen in Geldbeiträgen zur Erhaltung der deutschen Schulen, der deutschen Sprache, der deutschen Volkssitte in der Ostmark; ja, schon die Selbst- erhaltung drängt die Deutschen im Reich hierzu; ein slavisch gewordenes Oesterreich ist kein Verbündeter, ist ein gefährlicher Nachbar, ein Feind." — Welcher Art Arbeit der Verein leistet, ergiebt sich aus der Abrechnung, wonach u. a. für die Erhaltung und Neugründung deutscher Schulen und Kindergärten in Oesterreich im letzten Berichtsjahr 65000 Mark ausgegeben worden sind, gegen 50000 Mark im Jahre 1891. Zur Aufbringung dieser Kosten tragen in Bayern 3000 Mitgliedern in 27 Ortsgruppen bei — eine stattliche Zahl, die aber doch weit hinter dem zurückbleibt, was das viel kleinere Sachsen leistet. Die Berliner Geschäftsstelle des Schulvereins ist in der Wichmannstraße 2a; der Jahresbeitrag beträgt mindestens 3 Mark, die lebenslängliche Mitgliedschaft wird durch einmalige Zahlung von 60 Mark erworben. Wilhelmshaven, 16. November. Der Großherzog von Oldenburg spendete hundert Mark für die verwundeten Buren. Breslau, 16 November. Der Kaiser belehnte als Nachfolger des verstorbenen Herzogs Ludwig vonSagan den in Paris lebenden Prinzen Boson mit dem Herzogtum Sagan. Lehensvormund für den erkrankten Herzog Boson bleibt Graf Kanitz. Für die Allodialverwaltung in Frankreich ist ein Vertreter bestellt. Die Verwaltungsgeschäfte des Herzogtums leitet Kammerdirektor Fincke. Karlsruhe, 16. November. Der Ausfall der heute stattgehabten Abgeordneten-Wahlen zum Landtage entspricht dem Ausfall der Wahlmännerwahlen. In dem als zweifelhaft bezeichneten Bezirk Lahr-Land wurde Professor Heimburger (Dem.), in Karlsruhe Land von Stockhorner (kons.) und in Eppingen Bürgermeister Burkhardt (Bund der Landw.) gewählt. Der Landtag wird am 23. November einberufen. Zum Präsidenten der ersten Kammer wurde wiederum Prinz Karl von Baden ernannt. Leipzig, 16. November. Der Schriftsteller Dr. Moritz Busch, bekannt durch seine frühere Thätigkeit im Auswärtigen Amte und seine persönlichen Beziehungen zum Fürsten Bismarck, ist heute vormittag im 79. Lebensjahre hier gestorben. — (Der streitbare Mann, der noch in seinen alten Tagen es verstand, das Interesse der Welt in hohem Grade durch seine Publikationen zu erregen, ist zum ewigen Frieden eingegangen. Mit dem alten Schildknappen des großen Kanzlers wird nicht nur eine originelle Persönlichkeit, sondern auch ein lebendes Memoirenwerk aus großer Zeit begraben. Obwohl mehrere Schlaganfälle Moritz Busch betroffen hatten, wehrte sich seine kräftige Natur gegen das körperliche Gebrechen, und sein Gedächtnis blieb so frisch, wie in seinen besten Tagen. Wem der kleine Mann mit dem energischen Gesicht sein Vertrauen schenkte, der erfuhr von ihm noch viele interessante Dinge über den großen Kanzler und seine Zeit, die nicht in Buschs Büchern stehen. Es waren dies meist Mitteilungen, die überhaupt nicht zu drucken waren. Wehe den Ungetreuen, die, als Bismarck nicht mehr der Allmächtige war, von ihm abfielen! Für sie hatte Busch nicht nur die kräftigsten Worte des Hasses und der Verachtung, sondern, was bitterer war, die beißendsten Bemerkungen tätlicher Satire. Drei Bücher über den großen Kanzler haben, den Namen Moritz Busch, wenn auch von der Parteien Haß und Gunst verwirrt, in der Geschichte der Bw- graphieen bedeutsam gemacht. Ob Busch in seinen Aufzeichnungen von Aeußerungen Bismarcks, den er aufrichtig verehrte, Indiskretionen begangen, ob ihn der Vorwurf derTakt- losigkeit trifft, das läßt sich augenblicklich nicht erörtern. Angesichts des Toten mögen solche Vorwürfe schweigen, anderseits aber steht unsere Zeit noch zu sehr im Zeichen Bismarcks, als daß eine objektiv geschichtliche Würdigung der litterarb schen Porträtierung des unsterblichen Kanzlers möglich wäre). Males und Vrovinfielles. Gießen, den 17. November. ** Gefchichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 72 Jahren, am 18. Nooemlxr 1827, starb in seiner Vaterstadt Stuttgart der Dichter Wilhelm Hauff. In seinen Märchen und Novellen offenbarte er ein treffliches Erzählertalent. Seine zwei Lieder: „Morgenrot" und „Steh' ich in finstrer Mitternacht" find zu Volks liebem geworden. Hauff wurde am 29. November 1802 in Stuttgart geboren. _____________ ** Frühling mitten im Winter? Wer uns den Frühling zu zaubern vermöchte, wenn der Blick durch die Lücken gefrorener Fensterscheiben über das weiße Dächermeer der Stadt oder über verschneite Fluren, Felder, Wald- und Berggelände schweift! Und doch vermögen wir uns den Frühling zu zaubern, nicht draußen in der Natur, sondern in unserem trauten Heim. Wer es liebt, neben dem strahlenden Tannenbaume am Weihnachtsabend frisches Frühlingsgrün auf dem Weihnachtstische zu sehen, der treffe jetzt im November dazu Vorbereitung. Er gehe hinaus in die freie Natur und schaue sich aufmerksam um. Die Zweige des Flieders tragen bereits die Knospen, an den Kirschbäumen quellen schon dicke Augen hervor. Die Kastanien sind von neuem mit ihren klebrigen Sprossen bedeckt, auch die Weiden und Haselnußsträucher tragen sichtbare Zeichen des neuen Lebens, obwohl der Winter noch garnicht begonnen hat. Von allen diesen Gewächsen, und noch von einigen anderen, die gerade hoffnungsvoll erscheinen, schneide man junge Triebe ab, setzte sie zu Hause im erwärmten Raume in lauwarmes Wasser, besprenge sie täglich, und bald wird man daran seine helle Freude haben. Es fängt an zu grünen und zu sprossen, daß es eine wahre Lust ist. Hellgrüne, zarte Blättchen, wohl auch gar Blüten und weiche Kätzchen werden bald in wunderbarer Weise hervorgezaubert erscheinen, und in diesen kurzen Tagen den Trost auf das Wiedererwachen des Frühlings lebendig erhalten. Und sollten die Zweige zur Weihnachtszeit noch nicht grünen, dann erfreuen sie sicherlich im Jannar, und erwecken die Hoffnungen auf die Maienzeit gerade in den Tagen, da der Winter mit seinen Schneestürmen und hartem Frost am unerbittlichsten sein Szepter schwingt! * * (•) Vom Laude, 16. November. Immer noch werden weitere Gehöfte und Gemarkungen wegen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche gesperrt. In manchen Ortschaften sind sämtliche Stallungen bis auf wenige Ausnahmen verseucht. — Auf dem Lande wird jetzt mit den Hausschlachtungen begonnen. Die Preise der fetten Schweine sind sehr niedrig; die Metzger zahlen nur50Pfg. für das Pfund Schlachtgewicht, der Ladenpreis beträgt jedoch nach wie vor 64 Pfg. Unter diesen Umstände ziehen es viele Landwirte vor, ihre fetten Schweine selbst zu schlachten, anstatt so billig abzusetzen und das Fleisch wieder teuer einzukaufen. — In den Haushaltungen ist jetzt, um „Martini", der Gansbraten eine sehr beliebte Speise. Die fetten Gänse werden zu 60 Pfg. das Pfund verkauft. x Grüuberg, 16. November. Der Besuch des heute hier stattgehabten sogen, kleinen Gallusmarktes war durch das Verbot, des damit in der Regel verbundenen Viehmarktes stark beeinträchtigt. Der Krammarkt, welcher nach altem Brauche auf dem Marktplatz inmitten der Stadt abgehalten wurde, war mit Verkaufsständen ziemlich gut besetzt. Um die Mittagszeit war auch der Verkehr recht lebhaft, aber mit dem an früheren Märkten nicht zu vergleichen. Es zeigte sich heute wieder recht deutlich, daß sowohl die Landwirte, als auch die Geschäftsleute durch die unter dem Vieh herrschende Maul- und Klauenseuche benachteiligt sind. Der Bauer kann kein Stück Vieh absetzen, und muß infolgedessen manche Anschaffung auf günstigere Zeit verschieben. -f- Grüuberg, 16. November. Anläßlich des bevorstehenden Geburtstages Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin wird im Gasthof „Zum Hirsch" hier ein Festessen veranstaltet werden, bei welchem der Musikverein konzertieren wird. r. Echzell, 15. November. In der Nacht vom SamStag auf den Sonntag waren zwei fremde Hunde in eine in den Hürden lagernde Schafherde eingedrungen, haben ungefähr 30 Stück schauderhaft zerrissen, die übrige Herde wurde zersprengt, einige Schafe gerieten in die Horloff und ertranken. Der Schäfer, ein alter, sehr schwerhöriger Mann, soll dieses erst gemerkt haben, als die That vollbracht war. Die Schafe sollen einem Herrn von Villingen gehören. A Langstadt (bei Babenhausen), 16. Nov. (Großfeuer.) In unserer Gemeinde wütete während verwichener Nacht ein furchtbares Schadenfeuer, welches das ganze Anwesen des Johannes Weidel, sowie die Scheunen und Stallungen des Nathan Oestreich und des Landwirts Lick total einäscherte. Zu den Brandbeschädigten zählt überdies der bei Weidel in Miete wohnende Jakob Trippel, dessen Hausrat ein Raub der Flammen wurde. Die Feuerwehren aus Babenhausen, Kleestadt und Schlierbach arbeiteten mit der hiesigen Wehr eifrig an der Dämpfung des gewaltigen Feuermeeres. Die Entstehungsursache des Brandes ist bis zur Stunde noch unaufgeklärt. Der erwachsene Brand« schaden ist sehr beträchtlich, wenn auch durch Versicherungen meist gedeckt. Mainz, 15. November. Gutenbergfeier 1900 in Mainz. Der Finanz-Ausschuß trat gestern nachmittag 5 Uhr im Stadthause zu seiner ersten Sitzung zusammen. Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner eröffnete die Sitzung und machte die Kommission mit dem Resultat der seitherigen Vorarbeiten bekannt. Die Feier werde durch ein Oratorium der „Liedertafel" eingeleitet werden, die am Samstag, dem 24. Juni durch ein besonderes Konzert ihr Schärflein zu der vaterstädtischen Feier beitragen will. Das übrige Programm wie bekannt. Der Ausschuß konstituierte sich hierauf wie folgt: Vorsitzender Herr Stadtv. M. M. Mayer, Stellvertreter Herr Stadtv. Thomas Falk, Schriftführer Herr Finanzsekretär Walther. Herr Oberbibliothekar Prof. Dr. Velke berichtet nunmehr über die projektierte Gründung des Gutenberg-Museums. In Mainz soll darnach ein Mittelpunkt für die Gutenberg-Forschung gebildet werden, der für alle Welt nutzenbringend sein wird. Die Kosten für das Museum sollen aus allgemeinen Beiträgen bestritten werden, und es sind bereits freiwillige Beiträge von mehreren Seiten angeboten worden. Gleichzeitig soll auch die Gründung einer Gutenberg- Gesellschaft mit dem Sitze in Mainz, etwa nach dem Vorbild der Goethe-Gesellschaft, ins Auge gefaßt werden, die sich die Leitung und Förderung des GutenbergmuseumS besonders angelegen sein läßt. Herr Stadtv. Dr. Rau- tert erstattete sodann Bericht über das Wesen der geplanten Gutenberg-Ausstellung und über die bezüglichen Vorarbeiten des Ausstellungs-Ausschusses. Im Anschluß an dieses Referat berichtete Herr Prof. Dr. Velte über die historische Ausstellung, welche ausgewählle Druckwerke von der Urstufe der Druckkunst bis auf die Vollendung der graphischen Künste in der Gegenwart darbieten soll. Es würde ein reiches Material, wie es in dieser Weise noch nie beisammen war, hier zur Ausstellung kommen. Diese Ausstellung werde zweifellos in ganz hervorragender Weise beschickt werden. Nunmehr übernahm Herr Stadtv. M. M. Mayer den Vorsitz mit einer kurzen Ansprache, in der er hervorhob, daß er sich wohl bewußt sei, daß beim Finanzausschuß viel Arbeit und wenig Dank zu erwarten sei. Er wolle aber mit Freuden seine Kraft in den Dienst des vaterstädtischen Festes stellen und bitte um allseitige Unterstützung. ES wurden schließlich noch zwei Unterausschüffe gewählt, da der Finanzausschuß überall dort vertreten sein soll, wo eS sich um Beschaffung größerer Mittel handelt. (M. A.) Mombach, 16. November. Ein hiesiger 11 jähriger Volksschüler, Sohn eines Fabrikarbeiters, wird seit acht Tagen vermißt. Die Eltern sind der Meinung, daß der Junge sich in den Nachbarorten herumtreibt. Frankfurt a. M., 16. November. In einem in der Nähe des Dorfes Lutterbach gelegenen Walde kam es zwischen neun Jagdhütern und mehreren Wilddieben zum Kampfe, wobei drei der letzteren tätlich verletzt wurden. Cassel, 15. November. Ein Fall von Vergiftung durch ausströmendes Gas, dem um ein Haar drei Menschenleben zum Opfer gefallen wären, hat sich vergangene Nacht im Stadtteil Wehlheiden ereignet. Drei Knechte des Herrn Ackermanns Kersten begaben sich gestern abend, wie gewöh- lich, gegen 9 Uhr in ihren an den Pferdestall angrenzenden Schlafstellen zu Bett. Für gewöhnlich liegt einem der Knechte morgens früh 4 Uhr das Wecken ob, d. h. derselbe muß sowohl die Bewohner des Wohnhauses, als auch das übrige Gesinde wachklopfen. Heute früh unterblieb indessen dieses Wecken, doch wachten die Bewohner des Wohngebäudes gewohnheitsmäßig gegen viertel nach 4 Uhr von selbst auf und begaben sich nach dem Pferdestalle, um den, wie sie glaubten, verschlafenen Knecht aus den Federn zu scheuchen. Bei Oeffnen der Thür des Pferdestalles, den man beim Betreten der Schlafstellen betreten muß, quoll ihnen ein intensiver Gasgeruch entgegen. In den Schlafräumen angelangt, fand man die drei Knechte anscheinend leblos im Bette, bezw. auf dem Fußboden liegend. Wahrscheinlich hatte der auf dem Fußboden Aufgefundene den Versuch gemacht, sich zu retten, was ihm infolge der zunehmenden Betäubung nicht gelang. Herr Kersten ließ die Knechte sofort nach dem Gesindezimmer tragen, wo man Wiederbelebungsversuche mit ihnen anstellte. Der herbeigerufene Arzt, Herr Dr. med. Weber ordnete die sofortige Uebcr- führung nach dem Roten Kreuz-Hospitale an, woselbst sie noch jetzt zu Bette liegen. Bei Zweien von ihnen waren die Wiederbelebungsversuche von Erfolg, der Zustand des Dritten soll nach Ansicht der Aerzte hoffnungslos sein. Cassel, 15. November. Die Maschinenfabrik von Henschel u. Sohn hier wird, wie wir hören, die nächstjährige Pariser Weltausstellung mit zwei Lokomotiven beschicken, von denen die eine eine vierachsige Tender-Loco- motive mit vorderer und hinterer Laufachse von etwa 53,000 Kilogramm Dienstgewicht, die andere ebenfalls eine Tender-Lokomotive, und zwar Curven-Lokomotive, mit fünf gekuppelten Achsen von etwa 72,000 Kilogramm Dienstgewicht ist. Köln, 16. November. Gestern nachmittag um 3 Uhr fand auf dem Frankenwerft die Verlegung der ersten Schienen für die elektrischen Bahnen statt. Gerichtssaal. nn. Darmstadt, 16. November. Vor der hiesigen Strafkammer II des Landgerichts Darmstadt wurde heute gegen sechs R o w d l e s allerschlimmster Sorte verhandelt, denen es aber, Dank der gegen sie erkannten Strafe für die Folge vergehen dürfte, harmlose Radfahrer auf der Straße anzufallen und zu mißhandeln. Dre Anklage richtet sich gegen die Fabrikarbeiter Friede. Spieß aus Groß-Bockenheim, Joh. Steinmann, August Haß, Georg Dapper, Phil. Dapper und AlbertKanis sämtlich in Worms. Im Mai d. I. an einem Samstag unternahmen dieselben einen Nachtausflug nach Robstadt und Hofheim, um daselbst eine „Maikur" zu machen. Schon auf dem Marktplatz zu Worms zog Spieß das Meffer und stellte von seiner Seite etwas in Aussicht. Beim Passieren der Schiffbrücke nach Worms boten sie dem Brückengelderheber statt Geld einen Buckel voll Schläge an und nannten denselben einen alten Schnapslump. Aus der Chaussee nach Hofheim kamen ihnen zwei Rad Mit Genehm d. 3«. hat eine 2.1891 f( im städtischen Das Schlack Mfinben: a. vom 1. Mai b- vom 1. Septei Das Schlach Moml.Wib b vom I.Seplet Mr bringen -'Milchen Mtn ®i?fcen, br G Me ---g ernt, 16. N°v KÄ» bk ürbdltr da cchm nichts zu thun Haden, gewaltsam von den 5tl6plno StM der einen Revolverschuß, b Won M jknntni« bei Ausstand Kerlen angehalten. » Schwitz Arbeit zu suche bem Revolver ohne wei 'eine Spur. Nachdem ■SmWWm v°f? Rontonl MW rin? Gimrüumsch in der Umgebung ° alarmiert. 64 Herrs sammelte sich die in geldmäßig auSgeiüst« Strokalger. Gletchj 1200 Arbeitern aus i abgehalten. Es sp Morgari, der die Au zu verhalten und im um den Ausstand 11 ferner dle Mahnung, scheinen unter den 6 zu Detmtibtn. $it m ilb sich blt Serfammk illmMch nach fJlttnS, tagen lamm nicht eine Abordnung der äi T.MM AuStM zu Arbeiter nichts zu V Die am 6. h ™!ttm W Se»! s n ®lon 2?'* ««I t V »An kommen. ' ®iefecn, h 8025 H--DZ M los Lch R o b harsch n Norins ' auf eint überfiet'«J!' ?'«“"» 1' bu-i) ti» '«i=rt ihr L> btai Ä1«« tu '“nftituütte *■ Di. »"Vleta“f ’oä galt , 6etr öuÄSPWjttr -hr äfctb?11'*« ***£&* S-- Kd bfc» .««• S'b°I.n äs wte "Och dm 1 btgaJtyfr tocM ©MM». Dr. Ran- b’äffiefra btt gemiauten WWW m bit^s $t'u "btt bit bitote tudwerte wn bet Utto y«b«H9 bet WM,, ?Wt ,in ~?!eM n'e btijammtii • Dreie Ausstkllung werde r Ne beschickt werden. !0, M. Mayer den ye, m der er hcrvorhob, beim Finanzausschuß t>icl 'len sei. Er iMe aber lenst des vaterstädtischen ritige Unterstützung. ES rranrsWe grwM, ba vertreten \räi M, m itel handelt. M. A.) in hiesiger N jähriger Arbeiters, wird seit acht :nb der Meinung, daß der herumtreibt. mber. In einem in der enen Mde kam es zwischen reren Wilddieben zum een tätlich verletzt wurden. 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Verschiedenes r Zum Zweck der Habilitatron als Privatdozmt in der theologischen Fakultät der Universität Jena hielt gestern der Licentiat Fritz Lipsius in der Universitätsaula eine -r.'..-- über Augustins Erkenntnistheorie und Psychologie. Fntz Lipsius 'st der Sohn b/d unvergeßlichen hervorragenden Professors der Theologie Richard Adelbert Lipsius (t am 19. August 1892). — Bei der akademischen Preisverteilung an der Universität Tübingen hielt, da noch kein Kanzler für den verstorbenen Geheimrat v. Weizsäcker ernannt ist, der derzeitige Rektor, Professor der katholischen Theologie Dr. Schanz, die Festrede über das zeitgemäße Thema „Universität und technische Hochschule". Der Redner kam dabei auch auf den neuen technischen Doktortitel zu sprechen, erkannte die Bedeutung der technischen Hochschule vollkommen an und erwartete von der Verbindung beider wiffenschaft- andermal der Umstand, daß wenigbemittelte, wenn auch hochbegabte junge Gelehrte die flattiere des Universitätslehrers gatnicht einschlagen und manchen Platz, den sie einnehmen könnten, für Söhne wohlhabender Eltern freüassen. Ist das ein richtiger, em würdiger Zustand? Soll nicht die Universitätslehrerschaft aus die reiche Heirat hingewi-sen werden oder soll nicht diese flarriöre ein Privilegium der Neichen werden, dann muß irgend etwas für die Privatdozenten und Extraordinarien geschehen. Die 3. Wohlfahrts-Lotterie zu Zwecken der Deutschen Schutzgebiete gelangt schon am 25., 27., 28., 29. und 30. ds. Mts. im Ziehungs- saale der Königlichen General-Lotterie-Direkcion in Berlin öffentlich zur Ziehung. Mit dem Bezug von Wohlfahrts-Losen ä Mk. 3,30 möge man sich beeilen, da infolge des gemeinnützigen Zweckes und der schönen Gewinne von 100,000 Mk, 50,000 Mk., 25,000 Mk. u. s. w., voraussichtlich wieder rasch ausverkauft sein wird. Die Lose sind vom General- Debit Lud. Müller & Co., Bankgeschäft in Berlin, Breitestraße 5 und hier von den bekannten Losverkaufsstellen zu beziehen. Von der I. Ricker'fchen Buchhandlung, hier, ©übenlagtö, sind soeben zwe, neue K-taloge zur Ausgabe g-langt, von denen der ,'ste Nr. 34 die medizinische Abteilung des umfangreichen Antiquartatslagers verzeichnet, der letztere Nr. 35 die schön wissenschaftliche deutsche Lilteratur nebst Uebersetzungen auS fremden Sprachen in sich schließt. — Beide Kataloge bieten in sorgfältiger Bearbeitung dem G lehrien und Bücherfteunde eine reichhaltige Lttteratur auS alter und neuer Zett zu außrro, deutlich billigen P^isfätzen. Der medizinische Katalog mit seinem Inhalte von über 1550 Werken wird nicht allein dem Studierenden, sondern auch dem praktischen Arzte eine willkommene Handhabe bet Zusammenstellung bez. Vervollständigung seiner Bibliothek bieten, der schönwtssenschast- l'che Kaialog, mit nahezu 2600 Werken wendet sich außer an den Literarhistoriker von Fach vernehmlich an d?n großen Teil des gebildeten Publikums und b etit dem Bildungs- und Lesebedürsttgen überaus reiche und mannigfaltige Nahrung. — Beide Kataloge werden jedem Interessenten gratis ve abfolgt und können wir dieselben zum nutzbringenden Gebrauche nur bestens empfehlen. :u v« , Das neue, der nationalen Politik in kolonialen und auswärtigen Probevorlesung Dingen gew-dmete Organ, die von Dr Hans Wagner heraus- '• - - ■ 1 gegebene „Koloniale Zeitschrift" (Vermag deS Bibliographischen Instituts tn L tpzig und Wien), ist mit der soeben zur Ausgabe gelangten Probenummer nunmehr ins Leben getreten. — DaS Programm dieser Zeitschrift wendet sich, wie von uns früher bereits hervorgehoben rou de, tn erster Linie an die Kreise, die tn 6 tennung der bisher auf dem Gebiete der kolonialen Presse zu Trge g.tretenen Mängel das Besteben eines gut geleiteten, dabei vollkommen unabhängigen, maßvoll kritisch n Organ? als dringendes Bedürfnis rrapfi '.ben. Auch das im Volke immer mehr erwachende Verständnis für die Notwendigkeit einer deutschen Weltpolitlk teilt der „Kolonialen Zeitschrift" weiterhin noch außerordentlich wichtige Aufgaben zu, die zu lösen die Redaktion unLr steter Hochhaltung des nationalen Gedankens bemüht bleiben will. Das vorliegende Probeheft nimmt bereits durch seine vorzügliche äußere Ausstattung für sich ein, während der Text und die Illustrationen erkennen lassen, daß das Blatt dem gesteckten Ziel mit weitem, praktischem Blick, lebendigem Deutschgefühl und feinem Verständnis zustreben wird. Eingeleitet wird die erste Nummer, die jedem Interessenten kostenfrei zur Verfügung steht, durch zwei vortreffliche Aufsätze deS Herausgebers: „Der Kapitalistenkrieg in Südafrika" und „Von der WestMte Afrikas . Ihnen folgt ein Nekrolog, den Professor Dr. Hans Meyer „Zum Gedächtnis an den Oscar Baumann" verfaßt hat. Aus dem übrigen reichen Inhalt seien nur noch die folgenden Beiträge und Mitteilungen hervorgehoben: Die Samoafrage. — Deutsche Unternehmungen tn China. — Spanisches und ausländisches Kapital in Spanien. — Dänische Bestrebungen in Ostasim. — Deutsche Kolonisten für Honduras. — Der neue Etat unserer Reichsrnarinevei waltung. — Kolonialer Warenmarkt in Hamburg. — Kolonialer Kurszettel rc. — Der Abonnementspreis beträgt bei jährlich 26maligem Erscheinen (von Neujahr 1900 ab) 2 Mark 50 Pfennig für daS Vierteljahr. — Bom Notstand bei den Professoren. Man schreibt der Frkf. Ztg." aus Heidelberg: In dem Feuilletonartckel: „Der Um- versitätsprofcffor als Hungerkünstler" (Vgl. Feuilleton in Nr. 269 des Gieß Anz.") ist gesagt, man könne aus jener Bemerkung Kästners tn Göttmgen, daß er sich in Leipzig als Extraordinarius im Hungerleben geübt habe, ersehen, wie die Verhältnisse der Professoren vor 150 Jahren gewesen seien. Nun, so schlecht wie damals sind sie heute nicht, aber ein Extraordinarius, der nicht von wohlhabenden Eltern stammt oder sich zeitig nach einer reichen Frau umsah, könnte auch heute noch Peblern vom Hungerleiden singen Es gibt allerdings zwei Extraordmarien, die etatsmäßigen und die, welche zwar einen Titel, aber keine Mittel haben, es seien denn höchstens wenige Hunderte von Mark für einen Lehrauftrag. Die etatsmäßigen Extraordinarien sind nun keineswegs brillant bezahlt und auch auf Nebeneinnahmen, seien es Schriftstellerhonorare oder Renten angewiesen, wenn sie nur einigermaßen standesgemäß leben wollen und nicht Junggesellen sind. Ein Teil der etatsmäßigen und auch ein Teil der nur titulierten Extraordinarien find wohl besser daran, das sind die Mediziner, die praktische Aerzte oder Spezialärzte sind, und auch diejenigen, die Assistentenstellen bekleiden, haben wenigstens etn dürftiges Gehalt und Einkommen, was für einen Unverheirateten aus. reichen kann, aber die Theologen, Philologen, Historiker, Mathematiker, Juristen, Nationalökonomen und Philosophen haben, wenn sie nicht etatsmäßige sind, in der Regel nichts weiter, als die Kollegrenhonorar- anteile, und die reichen nicht, um den Buchhändler zu bezahlen. Von den 50 bis 60 Extraordinarien in Heidelberg ist die Mehrzahl ohne jegliches Gehalt und somit auf eigenes Vermögen oder Vermögen der Frau angewiesen, soweit sie Familie haben. An anderen Universitäten würde mancher dieser Professoren noch Privatdozent heißen, jedoch be- । züglich ihres Einkommens ist kein Unterschied. Was ist aber die Folge dieser Zustände? Einmal die Jagd nach dem Geld — der Frau, das fahrer, der Fabrikaufseher H a l t e n h ä u s e r und der Arbeiter Sam eh, . von einer General Versammlung in Hofheim kommend, entgegengefahren. Spieß, der Haupträdelsführer der Bande, warf sich vor Haltenhäuser zur Erde und brachte denselben zu Fall, während die anderen Kumpane den Sameli vom Rad warfen. Damit nicht genug, fielen sie sämtlich über die Radfahrer her und bearbeiteten sie mit Stock und Faust, und I Spieß stach mit dem zu Worms gezeigten Messer dem Haltenhäuser in den Rücken und Sameli erhielt einen Stich in die Hand, der ihn noch heute arbeitsunfähig macht. Nach Vollendung dieser grenzenlos rohen That setzten die Wegelagerer unbekümmert ihren Marsch nach Robstadt fort und trafen auf der Chaussee auf einen von Worms heimkehrenden Arbeiter Hamm von Hofheim. Auch diesen überfielen sie, warfen ihn in den Causseegraben und als er schrie, hielt ihm Spieß den Mund so fest zu, daß sich die Backenknochen seines Opfers verschoben, während die anderen Helden mit Stock und Faust aus den Arbeiter einhieben. Den Wehrlosen ließen sie dann liegen und Spieß entfernte sich mit den Worten: „Bis morgen früh hat der die flrent" Damit noch nicht genug, riß Spieß am Bahnübergang bei Botstadt eine Warnungstafel ab, während feine Kumpane die Barriere herausrissen. In Hofheim rissen sie die Zäune ein, legten einen Baumstamm quer über die Straße und warfen einen auf der Straße stehenden Pfuhlwagen um u. a. mehr, wobei sie vom Nachtwächter und Polizeidiener eetappt wurden. Die Angeklagten sind heute ihrer Schandtaten sämtlich geständig und nur Spieß stellt sich als unschuldig hin und leugnet alles ab. Die Herren Verteidiger Dr. Osann und Neuschaffer konnten aus diesem Grunde nur auf mildernde Umstände plaidieren. Das Urteil lautet gegen den 17jährigen Spieß als Hauptthäter in Anbetracht seiner vielen Vorstrafen auf 1 7 Monat 5 Tage Gefänonis und 5 Wochen Hast, für Steinmann, Haß und Phil. Dapper 4 Monat Gefängnis und 4 Wochen Haft, für Georg Dapper und Alb. Kanis auf 3 Monat Gefängnis und 4 Wochen Haft. Die Gerichtskosten wurden den Angeklagten zur Saft gelegt. Schranken de« Gesetzes halten, daß man aber scharf vorgeben würde, fallt ste Leute, die arbeiten wollen, gewaltsam von der Arbeit abhalten wollten ober sich G wallthä"gkeiten zu Schuld,n kommen ließen. Um H Uhr nach s i lickte et re halbe Komvagnie Infanterie aus Stilen auf d n Platz zur Derflärkun > der schon anwesenden Mannschaften und de. Bürgerwehl. Mm glaubt, daß der Ausstand m brere Wochen bau rn könnte. Vielen Ar beite-n, namentlich den Siztl ane-n, ga> der Ausstand d sch e Gelegenheit, die kalte Gegend zu verlass., und nach dem roo-men Süd n he'mrukehren. Heu e Dienstagabend ist dte Lage noch unverändert. Die Unternehmer bestehen -mmtr noch auf der Ablehnung sämtlicher Forderungen der Arbeiter Die Arbeiter hatten als Forderungen gestellt- Abschaffung der Akkords-beit, Lohnerhöhung um 50 Rappen pro Tag für alle Arbeiter. V rminderung der täglichen Arbeitszeit von acht auf s chs Stunden für alle in Förd.rttellen Arbeitenden, Herabsetzung des A-beittztages von acht auf vier Stunden für d^e .m Wasser arbeitenden L ute, Herabf tzung der täglichen Arbeitszeit von zwölf auf acht Stunden für alle außerhalb des Tunnels Beschäftigten. und endlich B feitigung der im tunneltnnem errichteten Sprengstofflagern. Die Zchl der Ausständtschen durfte nunmehr Arbeiterbewegung. Bern, 16. November. Der am Sonntagabend begonnene Ausstand der Arbeiter em Simplontunnel hat in den beiden letzten Tagen weitere Kreise gezogen. Nun haben auch die Arbeiter derjenigen Gewerke, die mit der Tunnelunternehmung nichts zu thun Haden, die Arbeit niedergelegt. Die Arbester werden gewaltsam von den Werkplätzen vertrieben. Ein junger Italiener, Erispino Bertelli, der zur Arbeit gehen wollte, erhielt Montagabend einen Revoloerfchuß, dem er schon erlegen ist. Er kam über den Simplon frisch zugewandert. Als er, nichts böses ahnend und ohne Kenntnis de« Ausstandes nach Brteg kam, wurde er von einigen Kerlen angehalten. Auf seine Antwort, er wünsche hier in der Schweiz Arbeit zu suchen, streckte ihn einer der Ausständischen mit dem Revolver ohne weiteres zu Boden. Von dem Thäter bat man "eine Spur. Nachdem im Laufe deS DtontagS noch verschiedene GewaltthLtigkeiten oorgekommen waren, ordnete der Staatsrat des Kantons WalliS ein Aufgebot von Truppen an. In Brieg wurde Generalmarsch geschlagen, um die Leute unter die Waffen zu rufen; ♦n der Umgebung wurde Sturm geläutet uud die Burgerfchast alarmiert. Es herrschte ungeheure Aufregung. Um 4 Uhr versammelte fich die in Brieg wohnhafte Mannschaft des Bataillons 89, feldmäßig ausgerüstet, unter dem Platzkommandanten Hauptmann Strokalger. Gleichzeitig wurde eine Versammlung von etwa 1200 Arbeitern auf einer großen Wiese nahe dem Städtchen Brieg «bgehalien. Es sprach der italienische sozialistische Abgeordnete Morgari, der die Autzständischen ermunterte, auszuharren, sich ruhig tu verhalten und im Essen und Trinken sich möglichst ^iuschränken, um den Ausstand länger aushalten zu können. Der Redner erteilte ferner die Mahnung, Zusammenstöße mit den Truppen, deren Erscheinen unter den Arbeitern große Erregung hervorgerufen hatte, zu vermeiden. Die mondhelle Nacht war schon längst hereingebrochen, als sich die Versammlung auflöste. Die Arbeitermassen verzogeu.stch allmählich nach Naters, wo sich die Barackenstadt befindet. Ruhestörungen kamen nicht vor. Beim Bürgermeister von Brieg «schien eine Abordnung der Ausständischen, um über die Anwesenheit der Truppen Auskunft zu verlangen, und erhielt zur Antwort, baß die Arbeiter nichts zu befürchten hätten, sofern jsie sich innerhalb der i—--- Bekanntmachung. Mit Genehmigung Großh. Ministeriums des Innern vom 8. September b. Js. hat eine Abänderung der in § 3 drr Polizeiverordnung vom 2 Icmu>r 1891 festgesetzten Bestimmungen bezüglich der Schlachtzeiteu im ftädtischeu Schlachthause in folgender Weise stattgefunden: Das Schlachten von Horn« und Kleinvieh kann den Tag über ^a^vom l. Mai bis 31. August von 5 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, b. vom 1. September bis 30. April von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends. Das Schlachten der Schweine hat zu geschehen: a. vom 1. Mai bis 31. August von 6 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags, b vom 1. September bis 30. April von 7 Uhr morgens 6i§4 Uhr nachmittag?. Wir bringen diese von jetzt ab in Kraft tretende Abänderung zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 12. November 1899 8026 Grotzherzoglichs Bürgermeisterei Gießen. Gnautb. Bekanntmachung. Die am 6. d. Mts. abgehaltene Verpachtung von 110 Triebvierteln ist nicht genehm'gt wordm. Wir bringen dies mit dem Bemerken zur Kenntn-S, daß eine nochmalige Verpachtung der'elben auf Montag den 20. November d. I. festgesetzt worden ist und daß des Vormittags von 10 Uhr ab, mit Zu- fammenkunft auf der Straße nach Sich am Bahnwärterhäuschen, die rwifchcn altem Sftinbacherw.-g und der Grünbergerstraße geleoenen Tneb- viertel, und des Nachmittags von 3 Uhr ab, mit Zu-ammenkanft ani der Landman^straße, diejenigen unterhalb der Grürch.rgerftraye zum Ausgebot kommen. Gießen, den 15 Nooember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8025 G n a u tj. M.seraulhkrtkUWitM empfiehlt 7932 Adolf Möhl. Bauernbrod (Kornbrod) 4 Pfund 42 Pfennig bei -3598 Bäcker Klingel Höffer. Milchzucker garantiert chemisch rein, empfiehlt die 7518 Löwen-Drogerie von W. Kllbinger- Neue Linsen per Pfand 20, 24 und 30 Pfg., vorzüglicher Kochart, neues Grüukoru ganz und srisch gemahlen, 7542 neues Sauerkraut, neue Gurken Robert Stuhl, Neustadt 23. Täglich frische Eier. Marie BellofLll.Wwe., Kaplansg.27. 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