inen: 7444 °>°i- lieber mtnU, daß wir bei ge- >d=$utfud im Schreien m 18. bis 21. EMtt, Schule - Erbanlage 16 7447 mW« fo^ilr. ebertrifft die besten fischen Marken und ist 6 ch Ersparung von Zoll und Fracht noch Pfennig per Flasche billiger. mv I ■Kakao Gegenwart wegen seines egen seines bedeutenden Krankenkost empfohlen. B Vorzug leichterer Verteil Gehaltes an Eiweiss, del eher zuträgliches o. rs T .und rflicN- Rr. 245 Zweites Blatt Mittwoch den 18 October 180» Gießener Anzeiger General-Anzeiger USr Lnzrtzen-BermNNmlßsftesen M In« und Lusl«t*D «rtzmkn Nuzeigeu für dco Gutzener Lnzeiger eatfiye,. üorHh»« Sn feigen zu tzer ««♦erittagl für bte >v4y»»m leg erscheinen»«» «umntt H ner*. 10 Uhr. 3U|*8»prrüi vierrrtjährlich L Mark 20 Pf» msnatlich 75 Pf» Mit Brrngerloh«. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pf» vierteljihrlich. --- WH Wltptslti SSewNWMM4M(tt -Eben Icm Anzeiger »Dchintttch »iermul »etgclegt. MM«1 ttHÜch <*4t SaMu^ee M Rentql. Aints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieszen. tpebi'den und Druckerei: >4*tHr*|e Mr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Zamiiienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische DalKsKunde. Ldreffe für Depeschen: Anzeiger -tetze«. Fernsprecher Nr. 51. * Bermittelungspolitik und Fürst Bismarck. Gießen, 17. Oktober. Der große Stillstand, der in der Transvaal-KrisiS am Ende der vergangenen und am Anfänge der laufenden Woche eingetreten war, hatte natürlich neue Anregung gegeben, «och durch Vermittelungsversuche den Frieden zu erhallen. Nicht nur in der ausländischen Presse, sondern auch in Deutschland selbst fehlte es nicht an Leuten, die der deutschen Regierung zumuteten, in erster Reihe England zu zwingen, Frieden zu halten. Diese Leute riefen dann wohl wehmütig aus: „Ja, wenn Fürst Bismarck noch lebte . . . .!" Dieser Wunsch gehört nicht zu den sogenannten frommen, d. h. unerfüllbaren Wünschen, ^.rst Bismarck lebt noch. Ein Mann wie er ist nicht tot, wenn das Herz zu schlagen aufhört, und wie er im gegebenen Falle gehandelt hätte, können wir aus seinen Werken, seinen Schriften und seinen Reden entnehmen. Die Zumutung, einer anderen Macht in einer nicht ganz unmittelbar die deutschen Interessen betreffenden Frage den Frieden aufzuzwingen, hat Fürst Bismarck, als es sich um den russisch-türkischen Konflikt vor 20 Jahren handelte, mit größter Schärfe zurückgewiesen. Er sagte: „Die Freundschaft, die uns glücklicherweise mit mehreren europäischen Staaten verbindet, deshalb aufs Spiel zu setzen mit dem einen Freunde, um einen anderen in Fragen, an welchen wir Deutsche ein direktes Interesse nicht haben, gefällig zu sein, ... das kann ich wohl, wo ich nichts als meine Person in die Schanze schlage, ich kann es aber nicht, wenn ich die Politik eines großen, mitten in Europa gelegenen Reiches von 40 Millionen Seiner Majestät dem Kaiser gegenüber zu beraten habe, und deshalb erlaube ich mir, hier allen diesen Stimmen und Zumutungen eine offene Absage zu erklären, daß ich mich darauf unter keinen Umständen einlassen würde." Fürst Bismarck hat sich denn auch damals vor und «ach dem Kriege und während desselben sehr reserviert verhalten. Daß er Konferenzen zur Verhütung eines Krieges keinen großen Wert beimaß, hat er offen erklärt. Damals hatte der russische Kaiser nämlich vor dem Beginne des Krieges eine Konferenz der europäischen Mächte angeregt. Dazu sagte Fürst Bismarck: „In der augenblicklichen Sachlage liegt die Möglichkeit sehr nahe, daß trotz der Ueber- einstimmung diese Konferenz resultatlos verläuft, und es ist nach den Erklärungen der russischen Regierung für diesen Fall die Wahrscheinlichleit sehr nahe gelegt, daß Rußland auf eigene Hand vorgehen würde, um der Pforte mit den Waffen abzukämpfen, was sie freiwillig nicht bewilligen will." Wohl gemerkt, Fürst Bismarck verhielt sich selbst einer von einer der streitenden Parteien angeregten Konferenz gegenüber mißtrauisch. Vollends lehnte er es ab, selbst zwischen die streitenden Parteien zu treten. Da sagte er, gewiß habe Deutschland die Macht gehabt, den Krieg zu verhindern. „Es wäre das aber eine sehr große Thor- heit, um mich nicht eines stärkeren und geläufigeren Ausdruckes zu bedienen, wenn wir das gethan hätten. Es sind ja dergleichen Versuche in der neuesten Geschichte mehrere gewesen. Sie sind nie demjenigen, der auf diese Weise einen Krieg anderer verhindert, der mit einem quos ego den Frieden geboten hat, sie sind ihm niemals gedankt worden." Fürst Bismarck erinnerte dann an das Verhalten des Kaisers Nikolaus bei den Verhandlungen von Olmütz. Der russische Kaiser habe damals den Krieg zwischen Preußen und Oesterreich verhindern wollen und auch verhindert. Sei ihm dies gedankt worden? Von Oesterreich nicht, das habe der Krimkrieg bewiesen. „Bei uns in Preußen ganz gewiß nicht. Die edlen Absichten dieses Herrn wurden verkannt gegenüber der Empfindlichkeit, die das nationale Gefühl einer großen Nation berührt, wenn eine andere Macht ihr gebietet ooer verbietet, was sie in einer Frage des eigenen Interesses, die sie glaubt selbst zu verstehen, thun oder lassen soll." Dieser Satz über die nationale Empfindlichkeit, die durch die Intervention einer anderen Macht berührt wird, trifft auf die gegenwärtige Situation so zu, als wenn Bismarck den gegenwärtigen Zustand vorausgeahnt hätte. Denn wenn man auch gewiß der Ansicht ist, daß England sich im Unrechte befinde, so wird doch niemand bestreiten wollen, daß es sich um englische Interessen handelt, und zwar um Interessen, die die Engländer selbst zu verstehen glauben. Bei den Verhandlungen von Olmütz wird es sicherlich nicht an Dritten gefehlt haben, die, je nach ihrem Standpunkte, Preußen bezw. Oesterreich als im Unrechte befindlich ansahen. Aber diese Ueberzeugung giebt eben nach des großen Staatsmannes Ansicht kein Recht zur Intervention. Ob ein Volk im Rechte oder Unrechte ist: seine nationale Empfindlichkeit wird verletzt, wenn eine andere Macht, wie Fürst Bismarck sich ausdrückt, „ihr gebietet oder verbietet, was sie in einer Frage des eigenen Interesses thun oder lassen soll." Fürst Bismarck war sogar so vorsichtig, daß er ganz und gar nicht den Wunsch Hegte, daß der Kongreß, der nach dem russisch-türkischen Kriege abgehalten wurde, i» Berlin stattfände. Er erklärte vor dem Kongreffe ausdrücklich, er wäre ebenso mit Wien, Brüssel, einem Orte in der Schweiz oder irgend welchem anderen Orten einverstanden. Fürst Bismarck wußte eben, daß, wenn der Kongreß in Deutschland stattfände, Deutschland das Präsidium übernehmen und dann naturgemäß eine besonderhervorragende Rolle als Vermittler der Gegensätze spiele» müßte. Die Voraussetzung Bismarcks traf ein. Da der Kongreß in Berlin stattfand, mußte Bismarck eine hervorragende Rolle als „ehrlicher Makler" spielen. Er verfuhr dabei auf das Gewissenhafteste, er vernichtete bei der aufreibenden Thätigkeit seine angegriffene Gesundheit vollends, und was war der Dank? Eine langjährige Verstimmung mit Rußland, über die er sich bekanntlich in seiner große» Rede vom 6. Mai 1888 mit der halb humoristischen, halb bitteren Bemerkung äußerte, er hätte gedacht, wenn er nicht schon den höchsten russischen Orden gehabt hätte, müßte er ihn für seine Thätigkeit auf dem Kongreffe erhalten, statt dessen seien nur Angriffe seine Belohnung gewesen. Die hier erwähnten Reden des Fürsten Bismarck falle» mit Ausnahme der letzterwähnten Aeußerung sämtlich in die Zeit vor dem Berliner Kongresse. Wenn er schon damals eine sehr energische Abneigung gegen Interventionen empfand, so konnten die bitteren Erfahrungen nach dem Berliner Kongreffe ihn nur in der Anschauung bestärken, sich um fremde Angelegenheiten so wenig wie möglich zu kümmern. „Eine sehr große Thorheit, um mich nicht eines stärkere» Ausdrucks zu bedienen", hat Fürst Bismarck das Verlange» genannt, sich zwischen zwei kampfbereite Gegner zu stellen. Wer also behauptet, die Auffassungen Bismarck'scher Politik als richtig und für die eigenen Grundanschauungen maßgebend anzusehen, handelt doch eigentlich recht unhöflich, wenn er dem gegenwärtigen Leiter der auswärtigen Politik zumutet, etwas zu thun, was Fürst Bismarck mit so derben Worten charakterisiert hat. Nun ist es ja nicht unmöglich, daß durch,den Verlauf des Transvaalkrieges deutsche Interessen nicht nur mittelbar, sondern unmittelbar bedroht werden. Wenn aber dieser Fall eintritt, so befinden wir uns einer ganz anderen Lage gegenüber. Der bloße Ausbruch des Krieges schädigt unsere Interessen nicht. Wenn später eine Schädigung z« besorgen ist, so wird es Zeit sein, sich die Frage vorzulegen, was zur Abwendung dieser Gefahr zu thun sei. Und bann wird uns auch der Bismarck, der in seinen Werken fortlebt, nicht im Stiche laffen. Feuitletsn. • Ohm Paul. Von einem Deutschen, der nach sieben- ;ährigem Aufenthalt in Transvaal nach Berlin zurückgekehrt ist, erhält der „Hann. Cour." eine Schilderung des Präsidenten Krüger: „Es ist heutzutage eine seltene Erscheinung, daß ein Mann, der mit steifer Hand nur bte Buchstaben seines Namens malen kann, int Staube ist, seit Jahren schon bte Welt in Spannung zu halten, unb mit den gewiegtesten Diplomaten Englanbs fertig zu werden: einen Shepstone um die Früchte seiner Erfolge zu bringen, einen Kimberley und Loch nach Hause zu schicken und einem Lharnberlain empfindliche Schlappen beizubringen. Dazu genügte nicht die angeborene Bauernschlauheit, es gehörte ein Leben voll politischer Kämpfe und eine so intime Kenntnis von den Traditionen der englischen Politik dazu, wie sie der Patriarch von Prätoria im Verlauf von fünf Dezennien erworben hat, um sie zum Vorteil seines Vaterlandes zu verwerten .... Jetzt schwört jeder Bur, mit Ohm Paul zu stehen und zu fallen. Jetzt sind sie auch für sein Leben besorgt, und der Volksraad hat ihm einen Wagen zur Verfügung gestellt, in dem er, von Polizisten begleitet, seine Ausfahrten macht. Sonst aber ist er durchaus primus inter pares, und er hütet sich wohl, durch irgend welchen Aufwand Unwillen zu erregen. So bewohnt er, obwohl er ein reicher Mann ist, eine bescheidene Cottage, die nur aus Parterreräumen besteht. Hier hat jeder Bur das Recht, ihn zu besuchen, und auszufragen und eine mächtige Taffe Kaffee zu trinken. Dafür bekommt der Präsident jährlich 500 Pfund Kaffeegeld. Außerdem gehört es zu den demokratischen Pflichten des Präsidenten, in bestimmten Zwischenräumen durch das Land zu reisen und den Bürgern Rede unb Antwort zu stehen. Da fährt er zu Wagen von Dorf 4» Dorf. Zur angekündigten Stunde kommen die Buren herbeigeritten. Der Präsident sitzt gewöhnlich unter einem Baume, denn größere Säle giebt es im Lande nicht, und nun beginnt das Verhör. Alle nur denkbaren Fragen über die innere und äußere Politik werden an ihn gerichtet, und der Dümmste hat gewöhnlich auch die meisten Fragen. In dieser Lage muß man nur einmal Ohm Paul sehen, um zu verstehen, wie er seine Leute zu meistern weiß. Wenn ihm verständige Fragen vorgelegt werden, denkt er einen Augenblick nach und giebt dann kurze, kluge Antworten. Sind ihm die Fragen aber unbequem, so weiß er sich aalglatt zu entwinden. Er treibt den Frager in sokratischer Weise durch eine Reihe von Gegenfragen in die Enge ober antwortet in Parabeln und Gleichnissen, und wenn er gar zu hartnäckig bedrängt wird, so macht er einen derben Scherz, durch den er die Lacher auf feine Seite bringt. Oft war ich Zeuge, wie er unbequeme Frager unter allgemeiner Heiterkeit abgeführt hat. Einmal hörte ich, wie ein vorlauter Bur ihn fragte, weshalb die große Summe von 30000 Pfund für den geheimen Fonds in den Etat eingestellt worden sei. Da blinzelte er mit den Augen und antwortete unter schallendem Gelächter: „Wenn ich Dir das sagen würde, Neffe, wäre es doch kein geheimer Fonds mehr." Von anderer Art ist Krügers Beredsamkeit im Volksraad. Wenn er sich hier schwerfällig vom Sitze erhebt, kommt in seine kleinen Augen Leben und Feuer. In gebückter Haltung, mit vorgebeugtem Kopfe spricht et unter lebhaften Gesten und mit lauter etwas krächzender Stimme und mit einer Ueberzeugungskraft, die fortreißt. Auch hier bedient er sich häufig biblischer Gleichnisse, wie er es überhaupt liebt, Gitate aus der Bibel heranzuziehen. Man hat ihm in dieser Beziehung häufig den Vorwurf der Heuchelei gemacht, aber wer den Mann kennt, weiß, daß in ihm eine wirklich kindliche Frömmigkeit und ein seltenes Gottvertrauen lebt, und daß er auch in seinem Privatleben streng biblische Grundsätze verfolgt. Er steht daher in unbezweifelter Integrität da, und selbst die englisch südafrikanische Presse hat seine Unbestechlichkeit nie angetastet. Man kann sage», daß sich in ihm die schätzbaren Tugenden der Buren vereinigen : die zähe Beharrlichkeit, die simple Frömmigkeit, die natürliche Schlauheit. Im beständigen Ringen um die Freiheit seines Volkes hat er sich zu einem diplomatische» Talent ersten Ranges entwickelt, das den Engländern noch manche Schwierigkeit machen wird." • ein schwarzer Rekrut befindet sich unter dem für da- Leib-Grenadier-Regiment König Friedrich Wilhelm III. Nr. 8. in Frankfurt a. O. bestimmten Ersatz. Der junge Mann, Namens Kongo, der in Afrika geboren ist, aber von seinem fünften Lebensjahre an in Deutschland lebt, war bis vor kurzem Diener iu einer adeligen Familie, die ihn seinerzeit als Kind in Tunis auf dem Sklavenmarkt gekauft und mit hierher gebracht hat. Der Schwarze, welcher große Neigung zum Soldatenstande zeigt, hat sich freiwillig bei dem achten Regiment gemeldet und wird von seiner früheren Herrschaft während feiner Dienstzeit unter- stützt werden. • DaS Burenlied. Wie weit in Deutschland die Begeisterung für die stammverwandten Buren geht, zeigt am deutlichsten die Tatsache, daß unter den neuesten Kompositionen sich ein Burenlied von Dr. G. Leonhardt in Dessau (Verlag Osterwitz) befindet. Eine kernige Melodie zu einem freiheitsbegeisterten Texte, von dessen in deutscher und holländischer Sprache beigedrucktem Inhalte man sich einen Begriff aus dem Schluffe „Eine feste Burg in jeder Not Ist meine Büchse unb mein Gott." machen kann. Es ist nicht zu bezweifeln, daß da- Sieb t» vielen deutschen Herzen widerhallen und a»S viele» deutsche» Kehlen erklingen wird. Zskairs und ProvmMÜrr. vieße», 17, Oktober 1899. ** Nach de» Darmstädter Preß-rozetz: Die „Frankfurter Zeitung" widmet heute diesem Urteil einen Leitartikel, in welchem sie unter starker Hervorhebung des hohen Strafmaßes diese 6 Monate Gefängnis als das Ergebnis der Bemühungen, Aufklärung über die „verschiedenen hessischen Fälle" zu schaffen, bezeichnet. DaS Blatt stützt sich darauf, daß es anerkanntermaßen zur „Heilung der vorhandenen Schäden" beigetragen habe und es gibt dann des Längerem seinem Befremden darüber Ausdruck, daß Giesen dennoch und noch dazu zu einer derartig hohen Strafe verurteilt worden sei. Im Weiteren geht die „Franks. Zeitung" auf die Verhandlung selbst ein, sie stellt die Ergebnisse der Beweisaufnahme, soweit sie den Fall Küchler angeht, zusammen und geht dann zur Frage der Verfassungsverletzung über, in der sie im Grunde und unter Hinweis auf das Aussageverbot für die als Zeugen geladenen Beamten ihre Behauptungen aufrecht erhält. Der Artikel schließt mit folgenden Worten: „Wir haben das befriedigende Bewußtsein, dem Hessenlande durch die Befreiung von Herrn Küchler einen guten Dienst erwiesen zu haben. In diesem Bewußtsein nehmen wir das Urteil gelassen hin, und wünschen unfern Gegnern nichts besseres, als daß sie sich eines gleich guten Gewissens zu erfreuen haben wie wir." Zu diesem Epilog schreibt die „Offenb. Ztg.": Unserer Meinung nach wird mit diesen Ausführungen die eigentliche Unterlage der Anklage in dem Prozeß, mehr als für die objektive Beurteilung gut ist, in den Hintergrund gedrängt. Denn nicht, weil die „Frankfurter Zeitung" den „Fall Küchler" aufdeckte und nicht, weil sie zur Klärung beitragen wollte, ist diese Anklage erhoben worden, sondern lediglich darum, weil die an Einzelheiten des Falles Küchler geknüpfte Kritik der hessischen Verhältnisse überhaupt alles Maß überschritt. In erster Linie stand doch der von jedem Gesichtspunkt aus ungeheuerliche Vorwurf unter Anklage, daß das Verfahren gegen Küchler nur auf höhere Weisung hin unterblieben sei, und alle Beteuerungen der „Frankfurter Zeitung" werden uns nicht davon zu überzeugen vermögen, daß sie auch diesen Vorwurf nur darum erhoben habe, weil sie der Klärung der Sache habe dienen wollen. Man muß sich eben vorstellen, was es heißt, dem Justizminister als dem Leiter der Justizpflege, den Organen der Justiz vom Generalstaatsanwalt bis zum Staatsanwalt und Richter herab den Vorwurf in's Gesicht zu schleudern, daß sie gegen ihre Ueber- zeugung gegen Pflicht und Gewissen einen Verdächtigen außer Verfolgung gesetzt haben sollten — nur weil es einer höheren Stelle beliebt habe, eine dahingehende Weisung zu geben! Wie sehr wir bereit sind, anzuerkennen, daß die „Frankfurter Zeitung" den unmittelbaren Anstoß zu der wünschenswerten Beseitigung Küchlers gegeben, so wenig vermögen wir uns gegen die Empfindung zu wehren, daß das Frankfurter Blatt sich recht sehr auch von dem Vergnügen hat leiten lassen, den hessischen Behörden einmal auf, wie sie meinte, guten Grundlagen, etwas am Zeuge flicken und der Welt zeigen zu können, welche Zustände im Großherzogtum Hessen herrschen. Und es ist doch auch charakteristisch für die Wirkung der aufklärenden" Thätigkeit der Zeitung, daß alle Blätter im Reiche den Fall Küchler und später den Fall Dettweiler nur als Beispiel für die im Hessenlande eingerissen sein sollende „Korruption" Beachtung geschenkt haben. Die Wirkung der Frankfurter Preßthätigkeit ist eben nicht nur eine aufklärende gewesen — sie hat auch die hessische Regierung und ihre Organe in der breitesten Oeffentlichkeit beschimpft und beweislos verdächtigt, lediglich diese letztere Wirkung mußte unter allen Umständen zur Anklage und Bestrafung führen und es nimmt sich ein wenig sonderbar aus, wenn die Zeitung sich nun als Opfer ihrer Wahrheitsliebe hinstellen möchte. Nun stützt sich die Zeitung allerdings auch darauf, daß ihr der Wahrheitsbeweis in dem weiteren Anklagepunkt über die vorgeworfene Verletzung der Verfassung unmöglich gemacht worden sei; aber abgesehen davon, daß dieser Punkt nur sekundäre Bedeutung hat, fehlt zum mindesten ausreichender Grund zu der Annahme, daß das Beweisverfahren hier anders als in der Beweisaufnahme über die behauptete „höhere Weisung" ausgefallen wäre: nämlich durchaus negativ. Man kann recht sehr bezweifeln, ob private Aeußerungen und Meinungen, auch wenn sie von Beamten kommen, zwingende Beweiskraft haben, andererseits aber ist doch klar, daß cs die Verfassung gewaltsam interpretiren heißt, wenn man aus ihr das Recht auf Anstellung für Personen und Beamte herleiten will. Uns, die wir die Verhältnisse in Hessen kennen, genügt die Erklärung des Ministers über die der Anstellung jüdischer Richter entgcgenstehenden Schwierigkeiten, und an diesen Verhältnissen hätte keine Beweisauf nähme etwas ändern können. Was nun die Strafe angeht, so ist sie sehr hoch bemessen worden; aber bei aller rein menschlichen und persönlichen Teilnahme kann man sie, wenn man die Ungeheuerlichkeit und Leichtfertigkeit der erhobenen Beschuldigung in Betracht zieht, zum mindesten nicht, wie es geschehen ist und noch geschieht, als exorbitant bezeichnen. Sie ist auch hart, gewiß, und besonders darum, weil der eigentliche Verfasser sich hinter dem Redakteur versteckt und weil dieser nun die ganze Schwere der Strafe, die vor allem doch den Verfasser treffen soll, tragen muß. Aber man darf doch andererseits auch die Härte nicht einseitig betonen, und wenn von ihr die Rede ist, dann darf der Zusatz nicht fehlen, daß die Strafe an sich auch gerecht ist. " Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Taglöhner Heinrich Albohn aus Hattenrod wegen Diebstahls, Kellner Max Braun aus Plauen wegen Unterschlagung, Schirmmacher Franz Eschweiler aus Köln wegen Betrugs, Zimmergeselle Heinrich Metzler aus Oberkleen wegen Betrugs, Mechaniker Platt aus Sachsenhausen wegen Betrugs und Metzgergeselle Jakob Schickcdanz aus Dietzenbach wegen Unterschlagung, sämtlich vom Großh. Amtsanwalt zn Gießen. Christoph Beck aus Schoppershof wegen Sittlichkeilsverbrechens von Großh. Staatsanwaltschaft Mainz; Buchhalter Gg. Beckers aus Köln wegen Unterschlagung, Hausbursche Anton Dunnert aus Paulusbrunn wegen Diebstahls, Hofmaler Otto Fürtner aus Teutschen Thal wegen Betrugs, Knecht Heinrich Hedtler aus Sulzbach wegen Diebstahls, Maschinenschlosser Hch. Jordan aus Hausen wegen Diebstahls, Schlosser und Taglöhner Moritz Menkes aus Lemberg wegen Unterschlagung, Handarbeiter und Dienftknecht Ernst Reifschneider aus Wolferborn wegen Betrugs, Bäckergeselle Markus Rischbeck aus Ostergaden wegen Diebstahls, Hausbursche Paul Große aus Sangerhausen wegen Diebstahls, und Dienstmagd Katharine Rockel aus Eichelhain wegen Diebstahls, sämtlich von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Peter Braun aus Nieder-Bronn, wegen Anstiftung zu dem Verbrechen des § 229 des St.-G.-B., von Großh. Staatsanwaltschaft zu Mainz; Gerbergeselle Johann Diemel aus Waismain wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Butzbach; Korbmacher Franz Ebender aus Klein-Steinheim und Kurzwaaren- händler Michael Morgulis, zuletzt in Gießen, beide wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Grünberg; Taglöhner Georg Peter Gerhardt 1. aus Erbach i. O. wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Michelstadt; Will). Hroneck, Sohn von Joseph Hroneck in Worms, wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Lorsch; Knecht Peter Jakob Lambh aus Ockenheim wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Bingen; Jakob Lotz aus Leiselheim wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Pfeddersheim; Dachdecker Joseph Scheurer aus Obertiefenbach wegen Strafvollstreckung vom Großh. Amtsgericht Friedberg; Taglöhner Ludwig Schmidt aus Alten-Buseck wegen Diebstahls, Fahrbursche Gustav Seifert aus Brandenburg wegen Unterschlagung und Müllerbursche Gustav Wirth aus Ortenberg wegen Diebstahls, sämtlich von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Schreiner Julius Christanz aus Gelnhausen wegen Diebstahls vom Großh. Amtsanwalt zu Zwingenberg; Schreinergeselle Wilhelm Dionys Häfner aus Finthen wegen Betrugs von Großh. Staatsanwaltschaft Gießen; Handelsmann Hermann Walldorf aus Gießen wegen Strafvollstreckung vom Amtsgericht Gießen; Uhrmacher Karl Rudolf Weißbach aus Tannenberg wegen Unterschlagung vom Großh. Amtsanwalt zu Offenbach; Bäcker Friedrich Wolf aus Dauernheim wegen Zechbetrugs vom Polizeiamt Mainz; Taglöhner Eduard Matull aus Puschdorf wegen Unterschlagung von der Polizeiverwaltung Worms. A Seligenstadt, 15. Oktober. Bei der Jubiläums- Provinzial-Ausstellung wurden von den 11 hiesigen Ausstellern 6 mit Prämien bedacht. Eine Preismedaille mit Begleitschreiben erhielt Herr Franz Schmitt, während die Herren Georg Lorenz Hofmann, Moses Kleeblatt und I. B. Leist mit einem Anerkennungsdiplome bedacht wurden und die Herren Johann Löhr und Rudolf Neubauer eine lobende Erwähnung fanden. — Die am Freitag einberufenen Rekruten aus der Umgebung wurden schon an den resp. Bahnhöfen von Unteroffizieren oder Gefreiten der betreffenden Regimenter in Empfang genommen und nach ihren künftigen Garnisonen Darmstadt, Worms, Mainz und Gießen geleitet. Den Rekruten war aufgegeben, ihre Angehörigen zu veranlassen, fie nicht zu den Bahnhöfen zu begleiten. Umversttüts Nachrichten. — Berlin- Heute findet hier eine Versammlung der Rektoren der deutschen Universitäten statt. Die Herren werden an den folgenden Tagen der Hundertjahrfeier der Technischen Hochschule beiwohnen. — Heidelberg. Der Profeffor der Geschichte Dr. Arthur Kleinschmidt verläßt die hiesige Hochschule und siedelt nach Marburg über. — Heidelberg. Zu Ehren des Hofrats Professor Dr. Moritz Cantor, der am 23. August seinen 70. Geburtstag gefeiert, haben seine Verehrer und Freunde unter der Redaktion von Dr. Curtze in Thorn und Dr. T. Günther in München eine umfangreiche Festschrift herausgegeben, die als Supplement zum 41. Jahrgang der Zeitschrift für Mathematik und Physik (Verlag von B. G. Teubner in Leipzig) erschienen ist. In der Widmung dieses mit dem Bilde des Hofrats Dr. Cantor geschmückten, stattlichen Bandes wird der Verdienste des Gefeierten gedacht und auf die vielfachen Anregungen hingewiesen, die besonders seine Vorlesungen über die Geschichte der Mathematik gegeben haben. Die F stschrift enthält eine Reihe von wertvollen Abhandlungen zur Geschichte der Mathematik aus den Federn hervorragender Forscher aus fast allen Kulturländern Europas. — Heidelberg. Am 29. Oktober veranstaltet die hiesige Universität eine Goethes eier, bei welcher Geheimrat Kuno Fischer die Festrede halten wird. — Jena. Profeffor Haeckel hat bei dem aus Rom gemeldeten Sturz von einem Maulesel nur eine leichte Kontusion am Knie erlitten; nach einem hier eingetroffenen Telegramm kann er bereits wieder gehen. — Jena. Der außerordentliche Profeffor Dr. Ludolf Krehl hat den Ruf an die Universität Marburg als ordentlicher Profeffor der inneren Medizin und Direktor der medizinischen Poliklinik angenommen und wird ihm Ende dieses Monats folgeleisten. — Tübingen. Der erste Prosektor des hiesigen anatomischen Instituts, Profeffor Dr. Michael v Lenhosssk wird einem Rufe nach Budapest als ordentlicher Profeffor der Anatomie und Direktor des dortigen anatomischen Universitäts-Instituts folgeleisten. Lenhossök, der sich insbesondere durch Forschungen auf dem Gebiete der mikroskopischen Anatomie verdient gemacht hat, tritt in Budapest an die Stelle des verstorbenen Anatomen Profeffor v. Mihälkowics. — Wie«. Der Chemiker der h'esigen Universität, Hofrat Prof. Ludwig, feierte am 14. ds. sein 2öjähriges Profeffor-Iubiläum. — Wien. Der Professor der Philosophie, Hofrat Dr. Ernst Mach, wird krankheitshalber im laufenden Wintersemester keine Vorlesungen halten. — Wien. Der Profeffor der Botanik an der Technischen Hochschule, Dr. v. Höhnel, ist von einer mehrmonatlichen Forschungsreise durch Brasilien mit reicher botanischer Beute nach Wien zurückgekehrt. — Weimar. Der Profeffor an der großherzogl. Kunstschule, Herr O. Sartoria, der Nachfolger des Tiermalers Brendel, ist von hier wieder nach Italien zurückgekehrt. — Petersburg. Med.-Dr. Eduard Juliewitsch Petri, Profeffor der Geographie und Ethnologie an der hiesigen Universität, ist am 10. Oktob r im 45 Lebensjahre gestorben. Petri, der früher Profeffor in Bern gewesen, hat zahlreiche Schriften in deutscher und russischer Sprache über Geographie, Anthropologie und Physiologie veröffentlicht. Kirche und Schule. vom hannoverschen Mädchenghmnafium. DaS zweite Dom Verein „Frauenbildungs Reform* errichtete Mädchengymnasium, das zu Hannover bestehende, ist in voriger Woche in das zweite Halbjahr seines Bestehens eingetreten. Allem Anscheine nach hat die Anstalt Aussicht auf eine gute Frequenz, wie das bei der günstigen Lage der Stadt und bei dem seit alters bekannten hervorragenden Rufe der hannoverschen Schulen überhaupt auch kaum anders zu erwarten war. Bereits heute liegt eine größere Zahl von Anmeldungen neuer Schülerinnen für das nächste Unterrichtsjahr vor. Eltern, die chrer Tochter eine gymnasiale Ausbildung geben lassen wollen, dürften daher gut thun, ihre Anmeldung baldigst vorzunehmen Der Verein „Frauenbildungs-Reform" in Hannover nimmt Anmeldungen entgegen und vers ndet auf Wunsch den Prospekt der Schule. Infolge ministerieller Bestimmung müssen die aufzunehmenden Schülerinnen vorher eine Höhere Töchterschule absolviert haben oder den Besitz der dementsprechenden Kenntnisse nachweisen. Die Schule beginnt nut der Obertertia, wird also 5 Schuljahre umfassen, sobald Oberprima eingerichtet ist. Die vom genannten Vereine angestrebt« Erweiterung der Schule nach unten hin, also die Aufnahme der Schülerinnen in einer früheren Altersstufe, ist einstweilen infolge jener ministeriellen Verfügung in Preußen noch nicht zulässig, während sie in anderen deutschen Staaten bereits gestattet ist. Landwirtschaft. Bald kommt die Zeit der Winterruhe für den Landwirt, die allerdings nicht, wie so viele Städter meinen, als Winterschlaf aufgesetzt werden darf, währenddesskn der Landwirt sozusagen mit der Hand im Schoße dasitzt. Diese Zeiten sind längst vorbei, da es so war. Die Winterruhe des Landwirts ist nur beziehungsweise zu verstehen als die ruhigere Zeit gegenüber der des Sommers; die äußere Arbeit wird eingeschränkt und die Zahl der Arbeiter vermindert Aber durch die Der« Minderung der Arbeitskräfte kommt auf den einzelnen mehr Arbeit und da ist denn der Wirtschaftsleiter sehr erfreut, wenn er einen kräftigen Sohn heranwachsen sieht, der ihm in Hof und Stall bei Arbeit und Aufsicht helfen kann. Viele Landwirte würden sogar noch ihre schulpflichtigen Kinder lieber mehr zu Dievstzwecken heranziehen, wenn nicht das Schulgesetz zum Besuche der Schulen zwänge. Ist das 14. Lebensjahr aber erreicht — dann besteht zwar kein Schulzwang mehr, außer dem zur Fortbildungsschule; der einsichtsvolle Vater aber, der seinen Sohn im Berufe weiter bringen will, läßt ihn noch die Fachschule besuchen, als welche die Winterschule ganz dem Bedürfnisse und dem Zwecke des mittleren und kleineren Bauernstandes angepaßt ist. Wenn derseibe gehoben werden soll und er verlangt es doch vom Staate, so muß er seine Bildung und sein Wissen, sein Können und Umsicht mit den Mitteln, die ihm der Staat an die Hand gibt, heben. Ohne eigenen Willen und die eigene Kraft hierzu wird wenig erreicht, aber blos durch eigene Schulung und Erfahrung auch sehr roenig, wie uns das tägliche Leben zeigt, woselbst eine Menge Schädigungen nur infolge mangelnder Erkenntnisse und mangelnder Voraussicht und Uebersicht den Landwirt treffen, indem er einerseits gegen guten Rat oft mißtrauisch ist, andererseits leicht auf die Leimrute eines eigennützigen Geschäftsmannes geht. Kurz die beffere Ausbildung der jungen Landwirte ist heutzutage nicht zu entbehren. Das letzte Programm der Friedberger Großh. Obstbau- und landw. Wmterschule enthält über die Ausbildung der jungen Landwirtssöhne folgende beachtenswerten Sätze: Der immer mehr sich steigernde Notstand bezüglich der Arbeiter hält eine Menge junger Leut» vom Besuch der Schule ab, die sonst sicher chr zugeführt würden häufig; aber es ist nicht die Unmöglichkeit Arbeiter zu bekommen, sondern di« Höhe der Löhne und die Unbequemlichkeit, mit mehr fremden Leuten wirtschaften zu müffen, welche die Eltern abhält, den Sohn das nach Ansicht aller tüchtiger Landwirte heute unentbehrliche Ausbildungsmittel der Fachschule benützen zu lassen Jedenfalls aber muß firtng darauf gesehen werden seitens der Schule, daß der ihr überantwortete Schüler auch die wenigen Wmterwochen ohne Unterbrechung ausnützt, auch selbst wenn zu Hause dringende Arbeiten vorliegen, denn sonst ist an einen Erfolg des Unterrichts, der systematisch aufgebaut ist, nicht zu benLn. Ist der S^hn der Schule überantwortet, so gehört er ihr ganz unb tritt eine Verhinderung des Schulbesuches ein, ist das unverzüglich de» Direktor mitzuteilen. Die Schule ist kein Taubenschlag und die Elter« sollten der Verpflichtung eingedenk sein, die sie bei der Anmeldung übernommen haben. Nicht ein Aushilfsmittel ist die Schule, gut zur Beschäftigung der noch halbwüchsigen Jungen, sondern ein notwendige- Glied in dem Bildungs- und Entwickelungsgang unserer Landwirt«. Nicht der Schule geschieht ein Gefallen, wenn ihr der junge Mann übergeben wird, sondern der Staat, der Kreis, also die Gemeinschaft aller Bürger bringen Opfer für die Möglichkeit der Unterweisung der Jugend und hierfür soll sich der Nutznießer dieses Vorteils dankbar erweisen, ebenso dem Lehrer gegenüber, der mit Liebe zu seinem Berufe und zur Jugend mit Esser sich seiner Aufgabe hingibt. Der Landwirt soll di« geistige Arbeit die an seinem Sohn vollbracht wird, schätzen lernen, denn nicht blos das mechanische und rein technische Können bringt dem Landwirt Geld ein, sondern die geistige Arbeit, wenn sie zum technischen Können hinzutritt, in weit höherem Maße. Ebenso wird mit Strenge auf ein gesittetes und anständiges Betragen in der Schule gesehen, denn die lockere Auffaffung von Gehorsam und Disziplin, wie sie vielfach im landwirtschaftlichen Haushalte besteht, wo der Sohn frühzeitig als ein selbständiges Glied in der Familie angesehen wird, kann in der Schule nicht Geltung haben. Diese stramme Gewöhnung mag einen Uebergang zur Militärdisziplin bilden, da das verwöhnte Muttersöhnchen sonst bitteren Erfahrungen entgegengeht. Nicht soll man aber nun glauben, daß die Söhne in eisernem Schraubstock hier gehalten würden, nein wir wissen recht gut, daß in erster Lmie zur freudigen Arbeit freudiges Empfinden des Schülers gehört. Wie die hellen schönen und luftigen Lehrsäle eine gewisse Behaglichkeit Hervorrufen, so soll der vertrauliche unb freundliche Ton des Lehrers neben der Anregung des Stosses die anregende Form des Unterrichtes geben, der durch den Humor der Schul« gewürzt sein darf. Nichts ist bedrückender für den Schüler als em grämlicher, pedantischer Schulmonarch; der Lebrer soll über seiner Aufgabe stehen, schnell vergessen und verzeihen können, wenn einmal das Ungewitter über den Saumseligen oder sonst Tadelnswerten dahingegangen ist. Soviel nur in Kürze über unsere Stellung zu den Schülern, die eine andere sein muß unb sein kann, als in solchen Anstalten, m benen eine große Anzahl Schüler in langjährigen Kursen zum gleiche« Ziel gebracht werden muß. Wir müssen bei jedem einzelnen Schüler uns ein anderes Ziel setzen nach seinen Fähigkeiten, seiner schulmäßigen und häuslichen Vorbildung, angepaßt den Verhältnissen des praktischen Lebens, wo auch jeder Mensch in gewisser Weise sein Wirken beschränkt sieht und darüber hinaus einfach nicht kann. Die Eltern werden daher einsehen, daß je ungleicher das Schülermaterial sonst ist, desto gleichartiger es im Alter fein müßte, sodaß namentlich in allen anzumeldende» Schülern das Bewußtsein herangereift fein sollte, nur für den Berns und nicht für den Lehrer zu lernen. Jeder Dame Befallen unsere garantirt soliden schwarzen, weissen und farbigen Seidenstoffe, die wir direct an Private zu billigsten Preisen Danz & Co., Barmen 822 tor.il Bchrtttmarke. Fleisch-Extract Obertrifft an Nähr kraft und Wohlgeschmack die Liebig'echen Ertracte und ist in allen besseren Drogen-, Delicatessen- und Colonialwaarea- Handlange» zu haben. den von rsUu la (Annen nM «’n der angege £ ii« e*1** Stehen, 7. Oho Grohhe Vergehn Für das Großh. Pro' haus dahier soll die x ra.l0000Kiloabge guter Tpeisekartos der folgenden, für du 1. November 1899 bis 1980 erforderlichen Ver rurd Verbrauchsgeg Bcod, ®ede, Ne 6^en, Knftn, 5 W hchrM Mehl, Wvlade, Kaffer, Mch, 5 Muskatnuß, M Lorbeerblätter, ( Schweineschmalz, nußbutter, Ochse steisch, Schweine fallet Würstche Durst, Heringe Mohnöl, CrpstM Mdhöher, Sefen »rt, Seife, Soda, Putzpulver Spiritus, weißer S Thran, Mchfi, 1 Uttttt bie tz der leut^tube Ehrend der angegebe' Eubmisstonswege vera M'ßelte Angebotei Anlich - Proben | ™2utn Eröffnunqster 5.0| , 10 dch», *• 43, niebei diesem Te, Wo) Gebote aus die 4dsile, 8amp-n unb | 4 te »"d beQ W s V* «f ba?*« b Ä’o*“ 'S«*« Mn« bW’M«t hslr. :”»fc »•? *ne nach h. Halbjahr ber qün f b,‘ lnf|Q[t -nbeti |u ,? bet tw. ltm b^tautn"'^ ULr'"^ ä?t"ä r ExtraCLa , * Vie Lller- 2 ®mttW whthtt H ba es so mar. Dir J** v^slehrn alS dir bÄg!w mrt » ,bc.rt ,abct durch dir 8«. ^leinen Mehrarbeit und ' ®cn" er einen klüftige» unb etaH bei arbeit unb 3en s°M nach ihre en heranziehen, wenn nicht in?-- Ist bas 14.2ebenS= n Schulzwang mehr, außer le Later aber, der seinen ibn noch die Fachschule br- Bedürsnisse und dem Zwecke ngepaßt ist. Wenn derseibe h vom Staate, so muß er ren und Umsicht mit den ibt, heben. Ohne eigenen ig erreicht, aber bloa durch itnig, wie uni dai tägliche ,tn nur infolge mangelnd» nd dledechchl dm Landwirt ost mißtrauiich ist, anderei- tzigen SeschLmmanneS geht, andwirte ist heulzulage nicht sriedberger Großh. Obstbau- luäbildung der jungen Land- Der immer mehr sich ftei« Jt eint Menge junger Leut» ihr zugesührt würden häufig; zu bekommen, sondern di« , mit mehr fremden Leuten Mit, den Sohn das nach ntbehrliche Ausbildungsmittel ls aber muß str-ng darauf ■ ibt überantwortete Spület -echu"g duänüft, auch felbR , denn sonst ist an einen ebaut ist, nicht zu dentm. gehört er ihr ganz UN» n, ist dai unverzüM de» Laudmschlag und die 6Uer» bie ste bei bet Anmeldung Ittel ist die Schule, gut zur ien, sondern em notwmb gri mgsgang uns-rer Landwa^ nn ihr der jung-ME Üb^ also die Gemeinschaft all« der Unterweisung der Zagend .g Iorteils dankbar erweifefl, ■U Der Landwirt soll d>» ?srÄ*'** )en wird, I(*n . ueberganj o"*7 Mtiersohnchrn H rwb nte W'; glauben, soll man ober nwbb ier Seh°"en Adiges Em« „udigen Ar nt Lehr- S*un> , so so" der ° bit an« c durch al« * »er für be} A seiner Aust r f « Jm einmal ba« en k-nnen, dahi"^ sonst Tabelniw^chL-N, BW M Bekanntmachung, He Wahl der Beisitzer für das Gewerbegericht der Stadt Gießen'betreffend. Für dar Gewerbegericht der Stadt Gießen sind auf die Dauer von drei Jahren, beginnend mit 1. November 1899, 24 Beisitzer zu wählen und zwar die eine Hälfte aus der Zahl der wählbaren Arbeitgeber von den wahlberechtigten Arbeitgebern und die andere Hälfte aus der Zahl der wählbaren Arbeiter von den wahlberechtigten Arbeitern. Zum Beisitzer eines Gewerbegerichts kann nur berufen werden, wer da« dreißigste Lebensjahr vollendet, in dem der Wahl vorangegangenen Jahre für sich oder feine Familie Armenunterstützung aus öffentlichen Mitieln nicht empfangen, oder die empfangene Unterstützung erstattet hat «nd in dem Bezirk des Gewerbegerichis feit mindestens zwei Jahren wohnt oder beschäftigt ist. Personen, welche zum Amt eines Schöffen unfähig find, können nicht berufen werden. Die Wahl findet Tamstag, den 21. Oktober 1899 von mittags 18 bis abends 6 Uhr im Sitzungssaals des Bürgermeistereigebäudes statt. Die wahlberechtigten Arbeitgeber und Arbeiter «erden daher ein- geladen, in der angegebenen Abstimmungszeit fich persönlich einzufinden und ihre Stimme abzugeben. Gießen, 7. Oktober 1899. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff.7268 WeKimtMlhllHell Vergebung. Für das Großh. Provlnzial-Arrest Haus dahier soll die Lieferung von ea. 1OOOO Kilo abgetrockneter, guter Speisekartoffeln, forme dec folgenden, für die Zeit vom 1. November 1899 bis 31. März 1900 erforderlichen Berzehrungs- nnd Berbrauchsgegeustände: Beod, Wecke, Eier, Bohnen, Erbsen, L nsen, Reis, Geist, Gries, Hafergrütze, Nudeln, Mehl, Chokolade, Thee, Zucker, Kaffee, Milch, Salz, Pfeffer, Muskatnuß, Nelken, Kümmel, Lorbeerblätter, Essig, Gurken, Schweineschmalz, Butter, Cocos- nußbutter, Ochsenflersch, Kalb, fleisch, Schweinefleisch, Frankfurter Würstchen, gemischte Wurst, Heringe, Handkäse, Mohnöl, Crystallöl, Petroleum, Zündhölzer, Besen verschiedener Art, Seife, Schmierseife, Soda, Putzpulver, Vitriol, Spiritus, weißer Sand, Stroh, Thran, Wichse, Fensterleder, ferner die Entleerung der Senkgruben während der angegebenen Zeit im Submissionswege vergeben roeroen. Vsrsi'gelte Angebote und — soweit zhunlich — Proben sind kostenfrei bis zum EröffnunqStermme: Mittwoch htn 25. Moder 1899, Nomittags 10 Itljr, auf der Kanzlei Großh. Staats- anwallschäft dahier, Justizgebäude, Zimmer Nr. 43, niederzulegen. Bi« zu diesem Termine werden auch Gebote auf die sich im Pro- vinzial-Arresthause ergebenden Küchenabfälle, Lumpen und das abgängige Lagerstroh entgegengenommen. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerin!, erlaß vom 16. Juni 1893, das Berdingungswescn betr., enthaltenen allgemeinen und den von dem Unter- zeichneten aufgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Kanzlet Großh. Staatsanwaltschaft eingesehen «nd gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden können. Bezüglich der Cocornußbutter kann der Zuschlag erst nach stattgefundener Prüfung der vorzulegenden Proben durch den Anstaltsarzt erfolgen, im übrigen bleibt der Zuschlag 3 Tage Vorbehalten. Gießen, den 4. Oktober 1899. Der Grotzh. Oberstaatsanwalt am Landgericht der Provinz Oberhefseu. Dr. Güngertch. 7211 Guter Privat-Mittagstisch. 1708_________Goethestraße 46, 1 Tr. Zsikbcksches Montag, Mittwoch und Freitag von 9 Uhr ab. 4743 Friedr. Noll, tzssbacker. 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