Nr. 165 Erstes Blatt.________Sonntag den 16. Juli Meßmer Anzeiger General-Anzeiger Aints- unb Anzeigeblatt für den Ttreis Kielen Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Alle AnzeigeN'BermitklungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger enlgege». fr(4thrt ttglich mit Ausnahme der Montag«. Die Gießener werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Aezugsprelr vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. i monatlich 75 Pfg. [ mit Bringerlohn. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Lag erfcheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. «edaktion, rxpedition und Druckerei: Kchnkstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Zer hessische Landwirt, Kälter für hessische Volkskunde._____________ Adresse für Depeschen: Anzelger Fernsprecher Nr. 51. des der sich demnach 42 727 360 45234061 46 855 701 49420470 52 279 901 Drei Ortsschaueu für Herdbuchtiere von Zuchtvereinsmitgliedern, zwei für die Vogelsberger und eine für die Simmenthaler Rasse; sie werden Preise im Gesamtwert von je 440 Mk> erhalten und an naher zu bestimmenden Orten und Tagen im Monat Oktober ds. Js. abgehalten. Ich gebe dies schon jetzt bekannt, um den Viehbesitzern und Gemeinden Gelegenheit zu geben, sich für die Schauen durch Verbesserung der Pflege und Stallhaltung in zweckmäßiger Weise vorzubereiten. Da für die Konkurrenz der Eber die vorherige Ankörung durch die Kreiskörkommission notwendig ist, so empfiehlt es sich dringend, daß Besitzer von Ebern reiner Rasse diese Ankörung, die dann auch zugleich auf die Ziegenböcke auszudehnen wäre, möglichst bald veranlassen. Die Herren Bürgermeister ersuche ich, dahin zu wirken, daß die Schauen, insbesondere die Bullenschau, recht zahlreich beschickt werden. Sobald die Beschlüsse im einzelnen gefaßt sind, wird weitere Bekanntmachung erfolgen. Gießen, den 14. Juli 1899. Der Direktor des landw. Bezirksvereins. v. Bechtold. Bekanntmachung, Hebung der Viehzucht. Nach dem vomAusschuß des landwirtschaftlichen Provinzialvereins festgestellten Plan haben in diesem Jahre im Kreise Gießen noch folgende Schauen stattzufinden: Bulleuscharr für reinrassige Bullen der Vogelsberger und Simmenthaler Nasse, sowie für angekörte Eber reiner Rasse, welche zu Zuchtzwecken im Dienste von Gemeinden oder Zuchtvereinen stehen; die Schau wird im September ds. Jahres an einem noch zu bestimmenden Orte (wahrscheinlich Langsdorf) abgehalten und mit Preisen im Gesamtwert von 1000 Mk. ausgestattet. Am 1. 12. 1871 „ 1. 12. 1875 „ 1. 12. 1880 „ 1. 12. 1885 „ 1. 12. 1890 „ 2. 12. 1895 Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung Ringelshausen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß wegen Verlegung bezw. Neuherstellung eines gewölbten Durchlasses im Zuge des Verbindungsweges von der Kreis- stroße Rodheim—Rabertshausen nach der Kreisstraße Rod- hcim—Nidda dieser Weg vom 24. Juli l. Js. ab bis zur Vollendung der Arbeiten für Fuhrwek unpassierbar und daher für den Fuhrwerksverkehr gesperrt ist. Gießen, den 13. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Die Einwohnerzahl „ 72,3 „ 78,2 „ 87,9 „ 98,9 Staaten Frankreich höchstens einen Zuwachs von 30 Prozent aufweist. Im größeren Teile des Departements ist die Einwohnerzahl zurückgegangen, nur in den Großstädten und Jndustriegegenden hat sich die Vermehrung vollzogen. Innerhalb der 26 Staaten des Deutschen Reiches ist die Zunahme auf Hundert naturgemäß eine sehr verschiedene, im Staate Hamburg eine andere als in den thüringischen Herzogthümern und Fürstentümern, im Könistreich Sachsen verschieden von Mecklenburg-Strelitz, in Preußen anders als in Waldeck. In der nachfolgenden Tabelle wird die Bevölkerungs- Zunahme in den deutschen Staaten vom Jahre 1820 bis zum Jahre 1895 festgestellt, dabei bildet der Flächeninhalt von 1895 die Grundlage für 1820. Preußen zählte vor 3/. Jahrhundert eigentlich nur 11633177 Einwohner, sem Gebiet nahm aber in den Jahren 1834, 1850, 1853, 1864, 1866 und 1890 zu, sodaß die Ziffer für 1820 fast drei Millionen höher eingestellt werden muß. Auch Hessen wurde durch den deutschen Krieg in Mitleidenschaft gezogen, es verlor 74000 und erhielt dagegen 12 000 Seelen, die Differenz von 62 000 im Jahre 1866 mochte um das Jahr 1«2U etwa 40000 betragen haben. Statistische Erhebungen und Berechnungen aus dem Heöiete der Movinz Kberhesseu (1820 öis 1895). Historisch-statistische Skizzen von Prof. Dr. E. F. Riemann-Leipzig. (Alle Rechte Vorbehalten.) I. Einleitung. Im Dezember 1820 zählten die Staaten, welche gegenwärtig das Deutsche Reich bilden, nur 26 294000 Seelen. Für die 6 Zähltermine im Deutschen Reiche liegen folgende Ergebnisse und prozentuale Zunahmen seit dem Jahre 1820 vor: Deutschen Reiches verdoppelte beinahe während 75 Jahren (1820 bis 1895). 41058 792 Seelen, Zunahme 56,2 Proz. 62,5 „ Unser Nachbarland Frankreich hatte vor 3; Jahrhundert 30000000 Einwohner in 86 Departements. Im Jahre 1860 erhielt Napoleon III. für die Hilfe, welche er Sardinien gegen Oesterreich geleistet hatte, das Stammland des italienischen Königshauses, Savoyen, und die Vaterstadt Garibaldis, Nizza; aus diesen Erwerbungen wurden 3 Departements gebildet. Im Frieden zu Frankfurt mußte Frankreich an das Deutsche Reich elf Jahre später ein Gebiet abtreten, das ebenfalls 3 Departements um aßte und ziemlich denselben Flächeninhalt hatte wie die Erwerbung des Jahres 1860. Die oberrheinische Tiefebene und das lothringische Hügelland waren zwar dichter bevölkert als das Alpen- und Küstengebiet, aber während aus der dortigen Gegend fast niemand ins Ausland wanderte, ging onn Elsaß-Lothringen aus ein beständiges Abströmen der Bevölkernng nach Frankreich, namentlich durch die Option, die Wahl des Staates, dem ein Jüngling als Soldat dienen wollte. Im Jahre 1872 betrug die Bevölkerung Frankreichs 36102921 Köpfe gegenüber 38067 094 im Jahre 1866. Während eines halben Jahrhunderts hatte sie nur um ungefähr 20 Prozent zugenommen;im Jahre 1891 zählte man jenseits der Vogesen 38 133 385 Personen, bei Hinzurechnung der Zunahme bis 1895 ergiebt sich, daß bei gleichem Flächeninhalt wie im Jahre 1820 Amtlicher Teil. Bekanntmachung, betreffend: Schießübungen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Infanterie-Regiment „Kaiser Wilhelm" am 19., 20,21., 22., 24. n. 25. Juli I. I. jedesmal von morgens 8 bis nachmittags A Uhr Schießübungen mit scharfen Patronen in dem Gelände des Wißmar-Baches, aufaugeud von dem Wege der von Krofdorf kommend, das Wißmar-Bachthal von Südwesten nach Nordosteu durchfchueidet mit allgemeiner Schietzrichtuug von dem Schnittpunkt diefes Weges mit dem Wiß- mar-Bachthal aufwärts in der ungefähren Richtung auf Kirchvers abhalteu wird. Die Straße Wißmar—Aorfthaus—Waldhaus—Schmelz-Salzböden — Odeuhaufeu-Rut- tershauseu—Wißmar find ungefährdet. Die Wege, welche in das von vorgenannten Straßen umgrenzte Gelände führen, werden während der Dauer des Schießens durch Posten gesperrt und dürsen daher nicht betreten werden. Besonders wird noch darauf hiugewiefeu, daß an den oben genannten Tagen während der Dauer des Schießens fich keine Holzhauer und Holzsammler in den gefährdeten Waldungen aufhalten dürfen. Gießen, am 14. Juli 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold._______________ Gießen, den 12. Juli 1899. Betr.: Bürgermeisterversammlung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreifes. Wir beabsichtigen, demnächst eine Versammlung der Bürgermeister des Kreises abzuhalten und sehen der Mitteilung etwaiger Wünsche bezüglich auf die Tagesordnung zu setzender Gegenstände entgegen. v. Bechtold. Bekanntmachung. WAWir machen darauf aufmerksam, daß von Heuchelheim wegen der dort herrschenden Maul- und Klauenseuche kein Klauenvieh auf den Gießener Markt gebracht werden darf. Die Großh. Bürgermeisterei Heuchelheim wolle die Beobachtung des Verbots überwachen. Gießen, den 15. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Bo eck mann. Gefunden: Geld, 2 Portemonnaies mit Inhalt, ein Korallenarmband, 1 Taschenmesser, 1 Regenschirm, 1 Strohhut, 1 Kaffeelöffel, 1 Arbeitsbeutel, 1 Umhang, 1 Damen- Jacke, 1 gelb. Damenschuh, 1 Damen-Gürtel, 1 Eisdeckchen, 1 Paar Lederhandschuhe und 5 kleine Bilder. Zugeflogeu: 1 Brieftaube. Gießen, den 15. Juli 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl. Deutsches Keich. M.P.C. Berlin, 14. Juli. Aus Hofkreisen schreibt man uns: Vielfach besteht die Meinung, es sei bereits so- gut wie sicher, daß der deutsche Kaiser die nächstjährige Pariser Weltausstellung besuchen werde. Das ist ein Irrtum. Wenn in Frankreich und speziell in Paris der Wunsch keineswegs vereinzelt auftritt, daß Kaiser Wilhelm II. zur Weltausstellung nach Paris kommen möchte, so würden doch auch, wenn der Kaiser selbst persönlich nicht abgeneigt sein sollte, eine solche Reise ins Auge zu fassen, einer Ausführung des Planes von vornherein so erhebliche Bedenken sich entgegenstellen, daß einstweilen nicht recht abzusehen ist, ob sich ihre Entkräftung als möglich erweisen werde. Der im vorigen Jahr geplante Besuch des Pharaonenlandes unterblieb, weil an bestimmten Stellen des Erdenrunds die Neigung stark sich bemerkbar machte, eine Hinkunft des Kaisers politisch auszubeuten in einem Sinne, welcher vom Standpunkt der deutschen Politik als ein erwünschter nicht betrachtet werden konnte. Das würde bei einem Kaiserbesuch in Frankreich wahrscheinlich in noch verstärktem Grade der Fall sein. Außerdem aber weiß doch noch kein Mensch, und auch der klügste politische Prophet vermag darüber noch keinerlei irgendwie verläßliche Vorhersage zu machen, wie im Jahre 1900 die politischen Verhältnisse im allgemeinen und die in Frankreich im besonderen sich gestaltet haben dürften. Frankfurt a. M., 14. Juli. Die „Franks. Ztg." meldet aus Paris: Die Ankunft des Präsidenten Loubet auf dem Paradefeld erfolgte ohne Zwischenfall. Neben Loubet saß Gallifet in Uniform im offenen Wagen. Das Publikum rief: „Hoch Loubet!" „Hoch die Republik!" und „Hoch die Armee!"________________________ Ausland. Wien, 14. Juli. Graf Thun und die Tschechen haben sich wieder gefunden. In einer Konferenz des jungtschechischen Komitees in Prag wurde mitgeteilt, daß trotz aller Ableugnungen zwischen der tschechischen Partei und dem Grafen Thun Verhandlungen geführt sind, die zu einem Eingehen des Ministers auf die tschechischen Forderungen geführt haben. Die jungtschechischen Führer waren in Wien erschienen, um den Grafen Thun zur Erfüllung der Verbindlichkeiten zu drängen, die er den Jungtschechen gegenüber übernommen hat, und sie haben vom Ministerpräsidenten die Versicherung empfangen, daß die Regierung ihren Verbindlichkeiten gegenüber den Tschechen nachkommen, und daß sie zur Lösung der Sprachenfrage nur nach Anhörung der Parteien schreiten wolle. — Daraus ergiebt sich, daß Graf Thun die Lösung der Sprachenfrage durch den Erlaß eines selbständigen Sprachengesetzes auf Grund des § 14 vollkommen aufgegeben hat. Es werden jetzt auch die ungemütlichen Artikel der tschechischen Preffe gegen den Grafen Thun erklärlich — es galt diesen Herrn empfänglich zu machen für die tschechischen Forderungen, und Graf Thun hat sich wieder einmal von den Tschechen breitschlagen lassen. Rußland. Das Marineministerium hat 13 611 300 Rubel für Vergrößerung und Verbesserung des Kriegshafens Wladiwostock bestimmt. Hiervon sollen in diesem Jahre 2 Millionen Rubel verbaut werden. Griechenland. Der griechischen Deputiertenkammer ist, wie wir schon kurz meldeten, eine Gesetzesvorlage wegen Berufung ausländischer Offiziere zur Umgestaltung der Armee zugegangen. Die Umgestaltung der Flotte soll ausschließlich englischen Offizieren übertragen werden. Aehn- liches war bereits früher gemeldet, aber es hieß, König Georg sei nicht in allen Punkten mit dem Plan des Marineministers einverstanden. Jetzt wird berichtet, daß der Plan der Marine-Organisation Griechenlands nach englischem Muster und unter der Leitung englischer Offiziere gänzlich neu geschaffen werden soll. Die englische Presse folgert daraus, daß Griechenland aus der Einflußsphäre Frankreichs nunmehr auch formell ausscheide und sich sozusagen unter englische „Oberschirmherrschaft" begebe. Balkanstaaten. Aus Belgrad erführt die „Köln. Ztg.", der russische Geschäftsträger Mansurow habe im Namen seiner Regierung amtliche Erkundigungen über die Ursache der Verhaftungen, welche die serbische Regierung unter den Radikalen vorgenommen hat, eingezogen. Die Verhaftungen dauern fort, und auch die Einmischung der österreichischen Regierung ist wahrscheinlich. Afrika. Der erste Volksraad hat heute die einleitenden Bestimmungen des neuen Wahlrechts-Gesetzes angenommen. — Die englischen Morgenblätter sprechen sich über die letzten Wahlrechtsvorschläge der Regierung der Südafrikanischen Republik ungünstig aus. Die „Times" sagt, die Vorschläge seien Spott und Hohn, „Daily Telegraph" nennt sie eine Litanei von Ungereimtheiten und Widersprüchen, „Standard" bezeichnet sie als unklar und verworren, „Chronicle" als seltsam verwickelt. Males und Provinsielles. Gießen, den 15. Juli 1899. ♦ * Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- h erzog haben Allergnädigst geruht, am 12. Juli den Kreisarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Oppenheim Dr. Wilhelm Groos zum Kreisarzt des Kreisgesundheilsamts Bensheim, — den Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Alzey Dr. Hermann Stigell zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Oppenheim, — den Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Erbach Dr. Wilhelm Schäffer zum Kreisarzt des Kreisgesundheitsamts Alzey zu ernennen. * • In Sachen des Herrn Geh. Oberschulrats Profestor Dr. Schiller stellt die „Franks. Ztg." ihre Nachricht vom 13. ds. Mts. dahin richtig, daß, wie gen. Blatt aus zuverlässiger Quelle erfahren, der Herr Rektor der Landes- Universität, einer Einladung des Herrn Staatsministers Rothe folgend, sich mit drei Dekanen zu einer Besprechung der erfolgten Pensionierung Schillers am Mittwoch nach Darmstadt begeben habe. * * Ehrung. Der von den Schülern des hiesigen Gymnasiums zu Ehren ihres ehemaligen Direktors, Herrn Geh. Oberschulrats Professor Dr. Schiller, geplante Fackelzug ist von diesem, wie verlautet, dankend ab gelehnt worden. * * Die zweite internationale Hunde-Ausstellung wurde heute vormittag im Beisein der Mitglieder des Ehren- Komitees, des Nusstellungsvorstandes, der Preisrichter und zahlreicher Interessenten eröffnet. Der Ausstellungsleiter, Herr Adols Bieler, begrüßte die Versammlung, und dankte im Namen des Gießener Vereins zur Züchtung reiner Hunderassen für die reiche Beschickung der Ausstellung. — Herr Regierungsrat Dr. Wagner nahm in Vertretung des infolge anderweiter amtlicher Thätigkeit verhinderten Herrn Provinzialdirektors v. Bechtold das Wort; er erklärte, daß die Behörde gern der Einladung gefolgt. Der Zweck des veranstaltenden Vereins verdiene Verbreitung, es sei den Bestrebungen des Vereins Erfolg zu wünschen, damit die sogenannten Köter immer mehr verschwinden und edlen Rassehunden Platz machen; das Mittel dazu böten die öffentlichen Ausstellungen, und in dieser Beziehung habe sich der Gießener Verein durch die von ihm veranstalteten Ausstellungen ein Verdienst erworben. Die Ausstellung sei reich beschickt; er hoffe, daß sich die daraus gesetzten Erwartungen und Wünsche erfüllten, und daß der Ausstellung gutes Wetter beschieden sein möge. Herr Dr. Wagner erklärte hierauf die Ausstellung im Namen des Komitees für eröffnet. — Hierauf fand ein Rundgang durch die Ausstellung statt. Dieselbe ist, wie bereits erwähnt, zahlreich und zum Teil aus weiter Ferne beschickt; der Katalog weist zirka 600 Nummern auf, das Verzeichnis der Aussteller 400 Namen. * * Das Königs-Ulanen Regiment 1. Hannov. Rr. 13 wird auf Befehl des obersten Kriegsherrn an dem diesjährigen Kaisermanöver theilnehmen. Am 16. n. Mts. trifft dasselbe hier per Bahn ein und wird in der Umgegend von Gießen Quartier beziehen Es ist eines jener Regimenter, das sich in jeder Weise der Huld Seiner Majestät erfreut. Hat der hohe Herr doch diesem Truppenteile erst kürzlich den Garde-Adler und Stern verliehen. Am 24. Januar d. I. überreichte der Kaiser dem Regimente zwei kostbare silberne Kesselpauken. Der Lorbeer, welchen das ehemalige hannoversche Garde du Corps-Regiment sich erworben, ist nunmehr um die Standarte der Königs-Ulanen mitgewunden. Dieses Regiment sieht der oberste Kriegsherr als ein Fortbestehen der hannoverschen Garde du Corps an, und vor der Tschapka glänzen nunmehr die Namen der Schlachttage der Alt-Hannoveraner. Am 17. August wird die Kapelle desKönigs-Ulanen-Regiments in Steins Garten konzertieren. * * Die Volkszählung im nächsten Jahre soll in weiterem Maßstabe stattfinden, um ein möglichst genaues Abbild der Bevölkerungsverhältnisse des Deutschen Reiches am Ende des Jahrhunderts zu erhalten. Namentlich auf Nationalitäten und Sprachenverhältnisse soll diesmal mehr Rücksicht genommen werden als 1895. Mainz, 14. Juli. Gestern Abend wurde im Stadthaus unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Dr. Gaßner und unter Mitwirkung hiesiger Gesangvereinsvorstände und des Kapellmeisters Steinbach das Programm zum Empfang des Wiener Männergesangvereins festgestellt, der am 25. ds. Mts., vormittags, per Extrazug von Heidelberg her eintrifft. Am 25. ds. Mts,, vormittags, ist Empfang am Bahnhof durch sämtliche hiesige Gesangvereine, Oberbürgermeister Dr Gaßner wird eine Begrüßungsansprache halten. Von da geht es zur Stadthalle, woselbst ein Ehrentrunk vom hiesigen Männergesangverein gegeben wird. Abends gibt in der Stadthalle der Wiener Gesangverein ein Wohlthätigkeitskonzert, das zwölf Nummern umfassen wird. Für den anderen Tag ist vorgesehen: eine Rheinfahrt nach dem Niederwald, mittags Festbankett in der Liedertafel und abends Kommers in der Stadlhalle. Die Wiener werden am ersten Tage auch Wiesbaden einen Besuch abstatten. Am dritten Tage begibt sich der Verein per Extraboot nach Bonn. L. Mainz, 14. Juli 1899.' Der 14. Kongreß der Allg. Radfahrer Union wurde heute durch eine Automobilfernfahrt Mainz-Koblenz-Mainz eröffnet. 16 Motorräder und Wagen nahmen an der Fahrt teil. Erster wurde mit Motorwagen I. Dietrich-Niederbronn in 4 Stunden 38. Min. Zweiter I. Schmitt-Nierstein (Wagen). Dritter E. Dietrich- Niederbronn mit Motorwagen. Erster mit Motorrad war Kirchheim-Eisenach in 4 Stunden 48 Min. Zweiter Kitt- steiner-Köln. Dritter Henken-Aachen. Vierter Mey-Frank- furt. Fünfter C. Heß-Mannheim. Den ersten Tag beschließt ein Nachtfest im Bassenheimer Hof. Ueber den weiteren Verlauf des Festes, das bei günstiger Witterung einen sehr schönen Verlauf zu nehmen verspricht, werden wir in der nächsten Nummer berichten. t* Ursprnngsbezeichuungen auf Weinfendungeu nach Frankreich. Nach Artikel 2 des französischen Gesetzes vom 1. Februar 1899 sollen bei der Einfuhr fremder Weine nach Frankreich die Behälter mit einer um zerstörbaren Marke zur Angabe des Ursprungslandes versehen sein. Wie der Großherzoglichen Handelskammer in Mainz auf Anfrage von zuständiger Seite mitgeteilt wird, genügt es, wenn bei Versendung von Wein nach Frankreich' in Flaschen und Kisten, die Kisten mit der Aufschrift „Alle- magne“ versehen sind. Diese Aufschrift kann mittelst Schablone angebracht werden, jedoch muß die verwendete Farbe sehr haltbarer Natur sein; Oelfarbe ist also der Wasserfarbe vorzuziehen. Daß auch jede Flasche eine Etiquette mit der Aufschrift „Allemagne“ trägt, ist nicht durchaus erforderlich. Aus der Zeit für die Zett. Vor 42 Jahren, am 16. Juli 1857, starb zu Paris der französische Liederdichter Pierre Jean de Beranger. Bekannt mit den Gefühlen und Stimmungen des Volkes, aus dessen Reihen er hervorgegangen, traf er in seinen Gedichten den natürlichen einfachen Ton, der zu Herzen ging, weil er von Herzen kam. Beranger ist der vollkommenste Ausdruck des französischen Nationalcharakters in seiner edleren Erscheinung. Er wurde am 19. August 1780 in Paris geboren. Vor 106 Jahren, am 17. Juli 1793, starb zu Paris Charlotte Corday auf dem Blutgerüste, nachdem vier Tage zuvor der schmutzige und in seiner ganzen Erscheinung ekelhafte Marat durch ihre Hand gefallen war, ein Mann, der alles, was sonst für ruchlos gegolten, Totschlag des politischen Gegners, Raub des fremden Eigentums, als das gute Recht des Volkes forderte. Marats Leiche wurde im Pantheon beigesetzt. Gingesandt. Gießen, 15. Juli 1899. Gestern Freitag, nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr, Hütte mich mein alltüglicher Spaziergang bald teuer zu stehen kommen können. Da es stch hier um die Sicherheit des eigenen LebenS handelt, möchte ich meine Beobachtung den Lesern deS Gieß. Anz. und speziell den Spaztergüngern und Besuchern der Wälder in der Nähe der „Hochwart- nicht vorenthalten. Am genannten Tage ging ich also, nachdem ich das Bahnwärterhaus an der Anneröder Chaussee erreicht hatte, der 5. Schneise entlang, die quer durch den Wald über den nach der Hochwart führenden schönen Fußpfad der Licher Straße entgegenzieht. In der Milte dieser Schneise angekommen, hörte ich plötzlich das scharfe Zischen mehrerer Geschosse, die in unmittelbarer Nähe an mir üorbeiflogen und Zweige von den Bäumcn rissen. Offenbar sind diese Kugeln über den Kugelfang der Militärschletz- stände htnausgegangen, wobei sie gottlob keinen Schaden angerichtet haben. Daß es mir in jenem Augenblick, mitten in einem einsamen Wald nicht wohl zu Mute war, wird mir der geehrte Leser aufs Wort glauben. Ich habe mich dann schnell auf die Licher Straße begeben, woselbst ich den Forstwart G. antraf. Als ich diesem von der Sache Mitteilung machte, äußerte er, daß er selbst bet seinen dienstlichen Geschäften, die ihn in die Nähe der Schleßstände führen, schon in Gefahr gewesen sei. Solcher Zustand erheischt öffentlich bekannt gegeben zu werden, damit solche, die in diesem schönen Wald Erholung suchen, nicht in Lebensgefahr geraten. Soviel mir bekannt ist, und mir auch jener Bahnwärter schon oft versicherte, konnte die 5. Schneise immer begangen werden. Ist es aber eben gefährlich, dann möge man diesen Weg und schließlich noch andere sperren, oder die hohe Militärbehörde möge, wenn eS angängltch, noch bessere Vorsichtsmaßregeln am Kugelfang treffen. M. AllSMg aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen. Aufgebote. Juli: 8. Heinrich Karl Wilhelm Ewald, Vicefeldwebel dahier, mit Wilhelmine Magdalene Marie Eva Weigel zu Ltch. 10. Ludwig Sann, Weichenwärter zu Gießen, mit Maria Reichel zu Nieder- Ohmen. 11. Ferdinand Adolf Philipp Johann Martin Mahr, Schlosser zu Gießen, mit Elise Landmann zu Gedern. 11. vr. Wilhelm Wetz, Universitäts-Professor zu Gießen, mit Ida Buisson zu Freiburg im Breisgau. 11. Heinrich Wilhelm Rieb, Kutscher dahier, mit Anna Görtg Hierselbst. 12. Heinrich Bechthold, Kutscher dahier, mit Elisa- bethe Momberger Hierselbst. 12. Wilhelm Sartorius, Gertchts- schretber-ASpirant dahier, mit Emilie Georgine Hammann Hierselbst. 13. Friedrich Emil Diehl, Schlosser dahier, mit Katharine Wteßner hierselbst. 13. Heinrich Jung, Schneider zu Frankfurt a. M., mit Aana Maria Kappes daselbst. 14. Friedrich Lang, Mechaniker dahier, mit Georgine Katharine Körbächer hierselbst. Eheschlietzurrgerr. Juli: 8. Karl Wilhelm L-chwan, Kaufmann dahier, mit Anna Katharina Kreiling hierselbst. 8. August Hermann Friedrich Guntrum, Etsendreher dahier, mit Katharine Horn von Burkhardsfelden. 8. Otro Hermann August Wilhelm Günther, Kaufmann zu Stralsund, mit Anna Marie Katharine Elise Häuser hierselbst. 8. Heinrich Velten, Lohgerber dahier, mit Katharine Bartel hierselbst. Geborene. Juli: 3. Dem Sattler Johann Schweiger Zwillingstöchter, Marie und Martha. 5. Dem Schuhmacher Heinrich Döll eine Tochter. Louise. 6. Dem Wirt Andreas Sorgenfrei eine Tochter, Anna Luise Erna. 8. Dem Taglöhner Ludwig Becker eine Tochter. 10. Dem Wagenwärter Karl Klotz eine Tochter. 12. Dem Fabrikarbeiter Philipp Hahn eine Tochter, Gertrude. 13. Dem Maurer — Einwohnerzahl nach dem Zunahme s © t i a t heutigen Areal auf 1820 1895 Hundert 1 Preußen..... 14 572 253 31 855 123 118,6 2 Bayern..... 3 725 330 5 818 544 56,2 3 Sachsen..... 1 386 900 3 787 688 173,1 4 Württemberg . . . 1 447 108 2 081 151 43,8 5 Baden...... 1 090 910 1 725 464 58,2 6 Hessen...... 631 761 1 039 020 64 5 7 Mecklenburg-Schwerin 410 005 597 436 45,7 8 Sachsen-Weimar . . 205 900 339 217 64,7 9 Mecklenburg-Strelitz . 90 000 101 540 12,8 10 Oldenburg .... 240 700 373 739 55,3 11 Braur.schweig . . . 230 400 434 213 88,5 12 Sachsen-Meiningen . 111 403 234 005 110,1 13 Sachsen-Altenburg 109 403 180 313 648 14 Sachsen-Codurg-Gotha 118 598 216 603 82,7 15 Anhalt..... 128 100 293 298 129,0 16 Schwarzburg Sonders- bausen .... 46 500 78 074 67,9 17 Schwarzbg.-Rudolstadt 55 300 88 685 60,4 18 Waldeck..... 54 000 57 766 7,0 19 Reuß ilt. Linie . . 23 000 67 468 193,3 20 Reuß jung. Linie. . 53 800 132 130 145 6 21 Schau in burg-Lippe . 25 500 41224 61,7 22 Lippe...... 71 200 134 854 89,4 23 Lübeck...... 40 700 83 324 104,7 24 Bremen..... 48 500 196 404 305,0 25 Hamburg..... 134 500 681 632 406,8 26 Elsaß-Lothringen . . 1 242 229 1 640 986 32,1 Deutsches Reich . . 26 294 000 | 02 279 901 | 98,9 Vom Jahre 1820 bis zum Jahre 1895 nahm in den 26 Staaten des Deutschen Reiches die Bevölkerung auf je 100 Köpfe in folgender Abstufung zu: 1. Hamburg 406,8 14. Sachsen-Altenburg 64,8 2. Bremen 305,0 15. Sachsen-Weimar 64,7 3. Reuß ält. Linie 193,3 16. Hessen 64,5 4. Sachsen 173,1 17. Schaumburg-Lippe 61,7 5. Reuß jüng. Linie 145,6 18. Schwarzburg- 6. Anhalt 129,0 Rudolstadt 60,4 7. Preußen 118,6 19. Baden 58,2 8. Sachs.-Meiningen 110,1 20. Bayern 56,2 9. 10. Lübeck 104,7 21. Oldenburg 55,3 Lippe 89,4 22. Mecklenb.-Schwerin 45,7 11. Braunschweig 88,5 23. Württemberg 43,8 12. Sachsen Coburg- 82,7 24. Elsaß-Lothringen 32,1 Gotha 25. Mecklenb.-Strelitz 12,8 13. Schwarzburg- 26. Waldeck 7,0 Sondershausen 67,9 Diese Uebersicht zeigt gewissermaßen die Bevölkerungsvermehrung auch für andere Gebiete. Groß- und Industriestädte haben gewaltig zugenommen, die Industriestaaten zeigen ein kräftiges Wachstum, Gegenden, in welchen der Gewerbfleiß und der Ackerbau nebeneinander gepflegt werden, zeigen eine mäßige Vermehrung, am geringsten ist die Zunahme in gebirgigen und sandigen Landstrecken wegen der beständigen Auswanderung. Für spätere Vergleichungen folgt hier das Anwachsen der Seelenzahl im Großherzogtum Hessen vom Jahre 1820 an durch die sechs Termine von 1871 bis 1895: Um das Jahr 1820 631 761, am 1. 12. 1871 852 894, Zunahme 35,0 Prozent, „ 1. 12. 1875 884 218, 40,0 „ 1. 12. 1880 936 340, 48,2 „ 1. 12. 1885 956611; 51,4 // „ 1. 12. 1890 992 883, 57,2 „ 2. 12. 1895 1039 020, M 64,5 // Die nachfolgenden Skizzen führen die Bevölkerungsbewegung im einzelnen vor und zwar für die Ortschaften mit 2000 Seelen und darüber. In der Schlußskizze werden noch die kleinen Orte behandelt, soweit Einwohnerziffern für 1820 vorliegen. Bei Aufbewahrung der Erhebungen und Berechnungen bis zur nächsten Volkszählung kann jeder Interessent dann leicht die neuen Ergebnisse mit den Resultaten früherer Zeiten vergleichen. Nach sieben Gesichtspunkten soll der Gegenstand behandelt werden: a. Die Bevölkerungsbewegung in den Jahren 1871 bis 1875. b. „ „ „ „ „ 1880 „ 1885. c. „ „ „ „ „ 1890 „ 1895. d. Historisch-statistische Erhebungen aus dem Anfang der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts. 6. Die Einwohnerzahlen von 1820 bis 1895. f. Die Einwohner-Zunahmen, bezw. Abnahmen auf je 100 Personen von 1820 bis 1895. g. Vergleichende Ergebnisse. Heinrich Erb eine Tochter. 14. Dem Lehrer Wilhelm Michel ein Sohn, Wilhelm Heinrich Karl August. Gestorbene. Juli: 3. Christian Dechert, 45 Jahre alt, Taglöhner dahier. 7. Wilhelm Mat, 55 Jahre alt, Bergmann von Holpe bet Hamm a. d. Sieg. 10. Raphael Katz, 76 Jahre alt, Rentner dahier. 10. Katharine Henz, geb. Ranft, 40 Jahre alt, Ehefrau des Taglöhners Christoph Henz dahier. 10. Christine Wolf, geb. Schüßler, 38 Jahre alt, Ehefrau von Ackersmann Wilhelm Wolf zu Mengerskirchen. 12. Elisabeths Peppel, geb. Claus, 32 Jahre alt, Ehefrau von Fahrburfchen Heinrich Peppel zu Heuchelheim, Kreis Gießen. 12. Katharine Schnorr, 54 Jahre alt, Ehefrau von Eisenbahninvaliden Georg Schnorr III. zu Münchholzhausen. 14. Charlotte Dehaie, 76 Jahre alt, Prtoatin dahier.__ Uerkehr, Kand und Volkswirtschaft. Gietzen, 15. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.80—1.00, Hühnereier per St. 6—7 2 St. 11—13 H, Enteneier 1 St. 7—8 H, Gänse- eier per St. 10—11 H, Käse 2 St. 5—6 H, Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 22 H, Linsen per Liter 32 Tauben per Paar JL 0.75—0.90, Hühner per St. ,* 1.00—1.50, Hahnen per Stück 0.65—0.90, Enten per St. JL 1.50—1.70, Gänse per Pfund v* 0.00—0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 60—72 H, Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Ä, Kalbfleisch per Pfd. 60—66 Hammelfleisch per Pfd. 50—70 H, Kartoffeln per 100 Kilo 7.00 bis 8.00 JL, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. JL 8.50—9.00, Milch per Liter 16 H, Kirschen per Pfd. 26 bis 30 Pfg. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr morgens bis 1 Uhr nach' mittags. Während der ersten 8 Stunden der Marktzeit darf im Umberziehen nickt feilgeboten werden. _________________ Wegen Raummangel mutzte der Auszug aus den Kirchenbüchern für die nächste Nummer zurückgestellt werden. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 15. Juli. Wie das „Kleine Journal" wissen will, sei es nicht unwahrscheinlich, daß Herr v. Lucanus zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg ernannt werde. Berlin, 15. Juli. Zu dem Dementi der „Berliner Polit. Nachr.", wonach Staatsminister Miquel durchaus nicht amtsmüde sei, meint das „Kleine Journal", es sei nicht ausgeschlossen, daß sich dieses Dementi als verfrüht Herausstellen werde, und Herr v. Miquel, falls bei der Beratung der Kanal-Vorlage sich Ueberraschungen ergeben sollten, immerhin amtsmüde werden könnte. Brüssel, 15. Juli. Das sozialistische Organ „Peuple" erläßt einen Aufruf an alle Parteigenossen, am nächsten Sonntag massenweise sich in den Hauptstraßen einzusinden, um der Einweihung des Denkmals für den Sozialistenvater Voler beizuwohnen. Brüffel, 15. Juli. Der König besteht auf dem Einzel- Bezirk-Wahlsystem, wodurch die liberale Partei die ihr gebührende Stellung im Parlamente wieder gewinnen würde. Damit ist auch der Kabinettschef van den Peere- boom einverstanden, aber die Mehrzahl der Minister widersetzt sich dem System und droht mit dem Rücktritt. Doch auch innerhalb des Wahlreform-Ausschusses liegen die Dinge so, daß die Niederlage der Regierung sicher ist. Schon die gestern abgehaltene erste Sitzung des Ausschusses ließ das erkennen, da der klerikale Parteiführer Wüste mit drei seiner Anhänger in das Lager der Opposition übergeht. Man ist allgemein der Ansicht, daß die Beratungen des Ausschusses ergebnislos verlaufen und daß die Kammer-Auflösung unvermeidlich sein wird. Paris, 15. Juli. Das Nationalfest verlief in ganz Frankreich ohne Störungen. Die Parade über die Truppen in Longchamp nahm der Gouverneur von Paris, General Brugöre ab. Den Sudan-Soldaten der Mission Marchand wurde eine besondere Ovation bereitet. Deroulöde und Habert legten einen Kranz an der Statue Straßburg nieder. Das diplomatische Korps war stärker vertreten als in den letzten Jahren. Nur der russische Botschafter fehlte wegen der Trauer um den Großfürsten Thronfolger. Loubet wurde überall sympathisch begrüßt. Fiasco machte ein mit Deroultzde's Portrait illustriertes Flugblattt, das gratis verteilt werden sollte. Die Kolporteure verschwanden, weil sie sehr sarkastische Worte zu hören bekamen, mit Bezug auf die 50000 Franks, mit welchen Doroulöde einen Staatsstreich machen wollte. Nach der Revue richtete Loubet ein Schreiben an den Kriegsminister Gallifet, in welchem er seine Befriedigung über den Verlauf der Revue, vor allem über die gute Haltung der reformierten Artillerie aussprach. Er befahl, dieses Schreiben den Truppen bekannt zu geben. Paris, 15. Juli. In Cherbourg herrschten gestern abend Unruhen, weil betrunkene Soldaten zu Krawallen Anlaß gegeben hatten. Die Truppen mußten einschreiten, wobei mehrere Personen verwundet wurden. Alle Stadtteile waren militärisch besetzt. Rennes, 15. Juli. Hier kam es zu antisemitischen Kundgebungen vor der Wohnung eines Universitäts- Professors, welche die Verhaftung von fünf Personen zur Folge hatten. Die Demonstranten wurden von der Polizei zerstreut. Rennes, 15. Juli. Den letzten Bestimmungen zufolge soll der Dreyfusprozeß zwischen dem 1. und 3. August beginnen. Die Verhandlungen werden allem Anscheine nach 20 Sitzungen in Anspruch nehmen. Belgrad, 15. Juli. Wegen Verschwörung gegen die Dynastie wurde gestern verhaftet der Vetter des Fürsten Nikola von Montenegro, Blascho Petrovic Nieg us, der als Flüchtling eine Pension von der serbischen Regierung bezog, und die Gemeindeärzte Mitanikolic und Dr. Wlado Georgievic. Der Prozeß gegen den Attentäter dürfte nicht sobald durchgeführt werden, da die Untersuchung mindestens einen Monat dauern wird, um alle Fäden des Komplottes klarzulegen. Aus 42 Städten, Kreisen und Bezirken, sowie von Vereinen kamen zahlreiche Glückwunsch-Deputationen an den königlichen Hof. Temperatur der Lahn und Lust nach Reaumur gemeffm am 15. Juli, zwischen 11 u. 12 Uhr mittags: Wasser 17'/,°, Luft 19'/,°. Rübsamen'sche Badeanstalt. FalldmrWftlicher Kvnsum-Verem WlksklK eingetr. Genoffenschaft mit unbeschr. Haftpflicht. Bilanz am 31. Dezember 1898. Aktiva. JL H Passiva. at H Kaffenbestand 4036.02 Warenbestände 27188.95 Mobilienwert 187.60 Forderungen 1200.— 32612.57 Geschäftsguthaben der Genoffen 3820.50 Reservefond 12737.33 Betriebsrücklage 2100.— Anlehen 5000.— Schulden an Lieferanten 3344 56 Rückständige Verwaltungskosten 33 33 Gewinn am 31. Dez. 1898 5576.85 32612.57 Mitgliederbestand Ende 1897 258 Zugang in 1898 7 Abgang in 1898 7 ____ Demnach Bestand Ende 1898 258 Wieseck, den 4. Juli 1899. Hildebrandt, Direktor. Generalversammlung*. Samstag den 22. Juli 1899, abends 9Uyr, bei Daniel Hrö. Tagesordnung: Vorlegung der Rechnung, Festsetzung der Dividenden, Verschiedenes. 5347 Für den Aufsichtsrat: Emil Schäfer. NB. Die Rechnung liegt 8 Tage bei Direktor Hildebrandt offeu. Abbruch - Versteigerung. Eine größere Partie Brennholz, Falzziegel, Fenster und Thüren soll am Mittwoch dem 19. Juli, vormittags 11 Uhr, im Hofe des Hauses IMF» Marktstrasse 8 (am Cafö Ebel) öffentlich meistbietend versteigert werden. 5352 ___________________________Wiun, Bauunternehmer. Fahrräder Fahrräder Preisabschlag. elegante, feine und leichte Tourenmaschine JjJ| Ü | M11 mit Glocke und Laterne, kostct von heute ab 4 a t v mit zweijähriger Garantie. Ferner verkaufe elegante Tourenmaschinen nebst Glocke und Laterne mit Garantie für Mk. 135. Letztere ist kein Gelegenheitskauf, sondern können Ersatz- und Zubehörteile, sowie Reparaturen stets besorgt werden. 5360 Willi. Hamel. Bleichstratze 7. Bleichftrafte 7. Original-Fläschchen werden mit echtem Maggi billig nachgefüllt. 5030 MAGGI Die Verdaulichkeit aller Speffen wird überraschend erhöht durch wenige Tropfen von ____ Zu haben in Original-Fläschchen von 35 Pfg. an bei Emil Fischbach, Seltersweg. llckiinntinuiljinißeii DkrgkbuW von MeWndttlirbeit. Die zur Erneuerung der Leim- uud Oelfarbeu-Austriche in den Gängen und Treppenhäusern des Gerichtsgebäudes zu Gießen nötige Weitzbiuderarbeit wird hierdurch unter Hinweis auf den Mtnisterialerlaß vom 16. Juni 1893 zur Vergebung auf dem Submissionsweg ausgeschrieben. Die Ausführungebedingungen und Arbeitsbeschretbungen liegen in unserem Amtslokal zur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum 27. Juli 1899, vormittags 10 Uhr, versiegelt und mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugeben. Zuschlagsfrist zwei Wochen. Gießen, den 14. Juli 1899. Großh. Hochbauamt. __________Neuling.______5345 Versteigerung. Dienstag den 18. Juli l. Js., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: 1 Schwein, 3 Fahrräder, eine Partie Schuhwaren, i Nähmaschine, einen Patentseffel, diverse Juwelen, ein Pianino und Möbel aller Art. 5356 Born, Gerichtsvollzieher. PlFehsluiM Neue Kartoffeln prima Ware, 50 K lo mit Sack ab Frankfurt'Friedaerg 4,— Mk. versendet unter Nachnahme 5344 Jacob Stern-Simon, Friedberg bei Frankfurt a. Di. 20000 Pracht-Betten wurden Vers., ein Beweis, wie beliebt m neuen Betten sind. Ober-, Unterbett u.Kiss.,reicht, m weick. Bettfed. gef., zus. 12'/,, prachtv. Hotelbetten nur i7‘/a, Herrschaftsbetten, rot, rosa Cöper, sehr empfehl., nur 22'/, JL Preisliste gratis. Nichtpaff, zahle vollen Betrag retour. A. 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