iWanolin a nur ölin-Cream üygen zurück. M «nseres test ein- IO" Ajirma, weiche iw Rechnung erfolg- inigen Tagen dort, mter 8655 an die linger Telephon 78. euer . Lederwaren rtoiMarw id Munition ihrplatlenkofier Sichts-Ersparnis 50 bis 60pCt cht WBA* le»**® ,ewber W- 97 SS 9768 2440 c. ßtlbernnie |olbW‘ 41.70 4700 «n 1635 h. Menb. OM. viSObl. der ktN*" <-1:“4 nU.SO‘*,eIT Rr. 295 Kwcttcs Blatt Freitag den 15. December 1899 Zlints- und Anzeigebtatt für den Urei» Gissten Alle Anzeigen-DermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegn». Bei Postbezug 2 SDlart 50 Pfg. vierteljährlich. Annahme wen Anzeigen zu der nachmittag- für den Mgenden Lag erfcheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. ZZezugspreir vierteljährlich 2 Mark 20 M, monatllch 75 ’Vlg. mit Bringerloiin. Erscheint iägtich mit Ausnahme der MdNtagS Die Gießener Kamilten-tälter »erden dem Anzeiger Wöchentlich viermal bdgeUgt. Redaktion. Expedition und Druckerei: Kchnkstratze Ar. 7. scheinlich noch weiter verschärfen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß wir schweren Krisen entgegengehen, insbesondere wenn in der Flottenfrage der Reichstag Schwierigkeiten machen sollte. Wird der Kampf um Miquel oder Hohenlohe vielleicht in gleicher Weise geschlichtet werden wie s. Z. derjenige um Caprivi und Eulenburg? wirklich nicht weiß, was man glauben soll. Jedenfalls gehört aber eine so offene und scharfe Kriegserklärung gegen einen Minister von Seiten einer bürgerlichen Partei zu den größten Seltenheiten unseres parlamentarischen Lebens, und diejenigen, die der Szene beigewohnt haben, können sie den interessantesten anre-.hen, die sie jemals erlebt haben. Damit war aber Herr v. Miquel noch nicht abgethan. Er scheint es so ziemlich mit allen verdorben zu haben, denn er empfing nachher noch einen indirekten Rippenstoß von seinem einstigen Parteigenossen Dr. Sattler (ul.), weil die offiziöse Presse in der Kanalangelegenheit gegen die nationalliberale Partei in unlauterer Weise in- triguiert habe, und einen direkten von Herrn v. Kardorff (Rp) wegen der Beamtenmaßregelungcn anläßlich der Kanalabstimmung, worüber er eine scharfe Abrechnung im preußischen Landtage in Aussicht stellte. Und wenn nicht alles trügt, wird morgen sich auch noch Abg Richter sehr lebhaft an dem Kefleltreiben gegen den F nanzminister beteiligen Ob der in den Witzblättern so häufig als schlauer Fuchs dargestellte Miquel dem heil entkommen wird? Bisher ist in der Etatsberatung vom Etat schon sehr wenig die Rede gewesen wegen der Flottenvorlage, und nun ist noch eine neue Frage hinzugekommen, die einen breiten Raum in den Erörterungen einnimmt. bie gtagC bcr Erörterung kaiserlicher Reden. Praktisch ist die Sache durch die Stellungnahme des Präsidenten ja bereits entschieden, da der Reichstag von ihr sicherlich nicht abgehen wird; und Dr. Lieber sagte auch heute wieder, daß er sich das Recht nicht verschränken lassen wird, in den angemessenen Grenzen auch dem Kaiser zu sagen, was er für richtig hält. Aber der Regierung scheint diese Ge. pflogenheit doch sehr unangenehm zu sein, denn immer wieder versucht sie, dagegen zu protestieren. Gestern war es der Reichskanzler, der dadurch eine entgegengesetzte Erklärung des Präsidenten provozierte, heute waren es Herr v. Miquel und Graf Posadowsky, die den Reichstag dringend baten, an dem alten Grundsatz festzuhalten, den Kaiser nicht in die Debatte zu ziehen. Der Präsident reagierte heute darauf nicht, aber wohl nur deshalb, well er die Sache für abgethan erachtet, denn Dr. Lieber berief sich heute ausdrücklich auf die gestrige Kundgebung des Grafen Ballestrem. Die Rechte stellte sich in dieser Frage auf den Standpunkt der Regierung, wie heute wieder Herr v. Kardorff konstatierte, aber Dr. Sattler, der früher gleichfalls die Meinung teilte, erklärte fich Partei zu den politischen Fragen durch die Gestaltung ihres Verhältnisses zu einzelnen Staatsmännern beeinflußt werden könnte, im Hinblick auf den bewährten Patriotismus dieser Partei weit von der Hand gewiesen werden. für bekehrt; die Katserredcn seien für die Flottensrage von so groß« Bedeutung, daß sie im Parlament nicht unerwähnt bleiben könnten. Gr persönlich freilich dankt dem Kaiser für dieselben. Herr v. Miquel benutzte seine heutige Anwesenheit im Reichstage, um auch gleich eine Lanze für die Flottenvorlage einzulegen. Unb er that das in sehr geschickter Weise. Vor allem behandelte er die wirtschaftliche Seite der Frage und gab dabei seiner Überzeugung Ausdruck, daß Steuererhöhungen sich nicht als notwendig erweisen würden Entschieden freundlich stellten sich zu der Vorlage von den drei Rednern au6 dem Hause, die heute wieder zu Worte kamen, die Abgg. v. Kardorff (Rp ) und Dr. Sattler (nl.), entschieden feindlich der Pole Mottp, der die Gelegenheit benutzte, zugleich die Beschwerden seiner Volksgenossen vorzubringen. Dr. ©eitler stellte dem gestrigen Mißtrauensvotum des Grafen Limburg (k.) ein entschiedenes DertrsuenSvotum an den Reichskanzler entgegen, während v. Kardorff sich dem Vertreter seiner konservativen Nachdarpartet anschlosz. Er warf der Regierung Deinachlässtgung der Landwirtschaft vor, bedauerte ihre Zustimmung zu der Aushebung des VeibindungsoerbotS und ging dann endlich zu seiner gettebten Doppelwährung über. Gras PosadowSky antwortete ihm in recht entschiedenen Tone auf feine B merkung, daß die R-gierung ab- wechs-lnd Bücklinge mache vor der Sozialdemokratie und dem Grob- kapital, daS Verbtndungsverbot hätten die Konservattoen selbst alS überlebt und zwecklos bezeichnet, unb eine ehrliche Regierung rönne nicht aufrecht erhalten, was innerlich hinfällig sei. Und daS Rufen nach einem sogenannten starken Manne, der die Soztaldemokratte vernichten solle, sei sinnlos, wenn man nicht den Beifassungsbruch wolle, da der Reichstag AuSnahmemaßregeln nun einmal nicht bewillige. Sehr bezeichnend ist es, daß fast alle Redner auch auf den Transvaalkrteg zu sprechen kommen, und daß fie durchweg ihrer Sympathie für die Buren Ausdruck geben, wcnn fie auch naiü'lich die freunbltaen Beziehungen zu England aufrecht erhellen wolle». Groß- Heiterkeit erregte heute Herr v. Ka-dorff, al- er den Krieg als eine Kons-quenz der Goldwährung bezeichnete und dann da- hübsche Wortspiel daran schloß: ES sei ein Krieg der Kurse gegen die BurS. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Aandwirt, Dtätter für hessische Volkskunde._________________ Deutscher Reichstag. 121. Sitzung Dom 13. Dezember. 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Miquel, v. Goßler, Graf Posadowsky und T irp itz In dritter Lesung wird zunächst das Telegraphenwegegesetz debatteloS angenommen, ebenso in dritter Lesung der von den Abgg. Groeber, Bassermann und Ge- n assen beantragte Gesetzentwurf betr. Aenderung beä $ 816 bes Strafgesetzbuches (Gefährdung von Eisenbahntransporten). Sodann wird die erste Lesung des Etats fortgesetzt. Minister v. Miquel kommt auf die gestrige Rede des Abg. Lieber zu sprechen. Er bemerkt, Herr Dr. Lieber habe gestern Kritik an einer Rede des Kaisers geübt und deren Inhalt mit seinen, des Red- ne s, Person in Verbindung gebracht. (Unruhe). Er habe von unverantwortlichen Ratgebern gesprochen, die das deutsche Volk beim Monarchen verdächtigt hätten. Herr Dr. Lieber habe aber für diese Behauptung keinen Beweis erbracht. Der Kaiser brauche keine Ratgeber, (Lachen) um zu wissen, was er dem deutschen Volke zu sagen habe. Geradezu lächerlich sei die weitere Äußerung, der Kaiser, dieser erste Patriot Deutschlands, habe das deutsche Volk in Hamburg verdächtigt. Wenn Herr Dr. Lieber gemeint, er, der Minister, sei vom Kommunist« zum Agrarier geworden und übeihebe sich jetzt ob seiner Parteilosigkeit, so wolle er erwidern, daß er absolut nicht leugne, früher der Dialektik eines Marx erlegen zu sehr. Gründliche geschichtliche Studien hätten ihn aber von der Unhaltbarkeit der sozialistischen Ideen überzeugt. Agrarier sei er, wenn es Agrarier sein huße, Landwirtschaft und Industrie als gleichberechtigt anzusrhen und für die Landwirtschaft zu thun, was Adreffe für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Rr. 51. * Die irrrrerpolitische Situation. Gießen, den 14. Dezember 1899. Wenn auch die im Reichstage angeschnittene Flottenfrage mit Rücksicht auf die auswärtige Politik, zur Stärkung des deutschen Ansehens im Auslande und natürlich auch zum Schutze unseres Handels ihre Bedeutung erhält, so haben die bisherigen Verhandlungen starke Streiflichter auf die innere Politik geworfen. Die Reichstagssitzung vom Montag war bedeutungsvoll durch die vom Regierungstische abgegebenen Erklärungen, insbesondere durch die Kundgebung des Reichskanzlers, durch welche dem Reichstage offiziell von der Absicht der Regierung Mitteilung gemacht wurde, unsere Marine neuerdings zu verstärken. Nicht minder bemerkenswert war aber auch die Sitzung vom Dienstag, m welcher die Hamburger Rede des Kaisers vom Zentrum in die Debatte gezogen und dem Vizepräsidenten des preußischen StaalsministeriumS, Johannes v. Miquel, der Fehdehandschuh hingeworfen wurde. Daß ein Minister in gleicher Weise angegriffen und verdächtigt wird, den Monarchen beeinflußt und in dessen Augen das Volk herabgesetzt zu haben, ist bei uns kaum vorgekommen. Man hörte eS den Worten Dr. Liebers an, daß er lange auf- gespeichertem Groll Luft machen wollte, daß seine Rede nicht dem Reichstage allem galt, daß sie insbesondere außerhalb desselben gehört werden sollte. Mit der Rede Lieber- ist unsere innerpolitische Situation ungemein gespannt geworden, und es würde uns nicht wundern, wenn der Ruf „3tüt oder wider Miquel" der Angelpunkt des politischen Lebens der nächsten Zeit wird. Wir sagten eben „für oder wider Miquel", noch richtiger wäre es zu sagen: „Miquel oder Hohenlohe". Denn so wie Dr. Lieber den Finanzminister Preußens angriff, so gab Graf Limburg-Stirum namens der Konservativen dem Fürsten Hohenlohe ein Mißtrauensvotum. Wer aus dem Kampfe als Sieger hervorgehen wird? Herr v. Miquel huldigt dem Grundsätze: Beuge vor! Er hat den etwas ungewöhnlichen Schritt in die Oeffentlichkeit gethan, den Frhr. v. Marschall mit dem Verlust seines Amts als Staatssekretär bezahlen mußte. Zugegeben kann werden, daß Herr v. Miquel schon seit langer Zeit der meistgehaßte Mann, mindestens in Preußen, ist. Er wird in der mannigfachsten Weise verdächtigt, den Mantel auf beiden Schultern zu tragen, es mit der Verteidigung von Regierungsvorlagen nicht ehrlich zu meinen u. s. w. Man kann ihm ja nachfühlen, daß ihm die Galle einmal überlaufen muß, ob er freilich mit seinem kategorischen Dementi alle Widersacher überzeugt. bleibt eine Frage. Viele werden sagen: „Papier ist geduldig"; überzeugen werden sie sich nicht lassen. Man darf auf die Weiterentwickelung der politischen Situation sehr gespannt sein; die letztere wird sich wahr- Deutsches Reich. Berlin, 13. Dezember. Zur gestrigen Frühstückstafel beim Kaiser paare war Gesandter Graf von PourtalöS, Legationsrat Prinz v. LichnowSky und Regierungspräsident v. Holleufer geladen. Nachmittags unter- nahm der Kaiser eine Spazierfahrt und erledigte später Regierungsgeschäfte. Heute morgen hatte der Kaiser im Auswärtigen Amte eine Besprechung mit dem Staatssekretär Grafen v. Bülow und hörte von 10 Uhr ab den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts v. Lukanus. — Im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist man, wie die „N.-Ztg." hört, mit den Vorarbeiten für den masurischen Seekanal beschäftigt, und es wird an der Fassung festgehalten, daß seine Aufnahme in die neue Kanalvorlage möglich sein werde. — Der Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung des Verbindungsverbotes, ist am 11. ds. Mts. vom Kaiser sanktioniert worden und wird heute im „Reichsanzeiger" veröffentlicht. — Wie der „Reichsanzeiger" amtlich meldet, wurde der bisherige Gesandte am niederländischen Hofe, Freiherr v. d. Brincken, seinem Anträge gemäß von diesem Posten ab berufen und unter Verleihung des Roten Adler-Ordens mit Eichenlaub in den Ruhestand versetzt. — Gegenüber den Angriffen des konservativen Abgeordneten Grafen Limburg Stirum in der gestrigen Reichstogssitzung auf die Amtsführung des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe erklärt die „Nordd. Allgem. Ztg." in offiziösem Sperrdruck an der Spitze ihrer heutigen Nummer: Die Annahme des Grafen Limburg sei schon deswegen als irrig zurückzuweisen, weil gerade während der Amtsführung des Fürsten Hohenlohe zahlreiche gesetzgeberische und administrative Maßregeln zur Hebung und Förderung der Landwirtschaft ergriffen worden seien. Es sei wohl nicht anzunehmen, daß mit der Erklärung des genannten Abgeordneten eine Erschütterung der Stellung des Reichskanzlers beabsichtigt worden sei, da die Stellung der Staatsmänner in Preußen und Deutschland von ihrem Verhältnis zu einer einzelnen Partei nicht abhänge. Auch würde die entgegengesetzte Auffassung gerade den konservattven Grundsätzen durchaus widersprechen; anderseits müsse die Befürchtung, daß das sachliche Verhalten der konservativen Mehener Anzeiger Heneral-MiZeiger Ausland. London, 13. Dezember. Die „Times" melden aus Honkong: Die Blätter fordern Frankreich auf, Canton zu bombardieren, wenn die chinesische Regierung der französischen nicht Genugthuung leiste. Französische Infanterie und Artillerie sind nach Hainan aufgebrochen. Paris, 13. Dezember. Auf Antrag der türkischen Regierung ist ein gerichtliches Verfahren gegen die „Aurore" eingeleitet worden, weil dieselbe eine Serie Artikel veröffentlicht hat, worin der Sultan beschimpft wird. — Die Regierung wird von der Kammer vorläufig die Gewährung von zwei Zwölfteln fordern, da das Budget nicht rechtzeitig votiert werden kann. — Die Behörden zu Angens haben das katholische Kloster „Zum guten Hirten" zur Zahlung von 162500 Fcs. wegen hinterzogener Steuern verurteilt. — Mit größter Bestimmtheit wird berichtet, daß Rußland augenblicklich mit Spanien und Marokko über die Abtretung von Ceuta unterhandle. Frankreich soll bereits seine Zustimmung hierzu gegeben haben. Stimmungsöitd aus dem Reichstage. (Nachdruck verboten.) nh. Berlin, 13 Dezember 1899. Die Ueberraschungen reißen bei dieser ersten Etatsberatung nicht ai. Jeder Tag bringt neue, unerwartete Ereignisse, denen man eine gewisse Tragwette nicht absprechen kann. Heute gab es nun für Freunde paprizierter parlamentarischer Kost einen ganz besonderen Genuß, nämlich ein ganz offenes Rededuell von ungewöhnlichster Heftigkeit zwischen zwei Männern, die zu den einflußreichsten Politikern Deutschlands zählen Die gestrige Rede des Zentrumsführers Dr. Lieber hatte nämlich einen seltenen Gast in das Reichshaus gelockt, den preußischen Fmanzmimster v. Miquel. Auf diesen hatten nämlich deutlich einige Bemerkungen Liebers abgezielt, die sich mit der Verdächtigung des Volkes und speziell seiner Partei bei dem Monarchen befaßten. Miquels Erscheinen am Bundesratstische rief wahre Sensation hervor, und wahrhaft sensationell kann man auch in der That die Szene nennen, die sich nunmehr gleich zu Anfang abspielte. Der Finanzminifter ergriff sofort das Wort, um Dr. Lieber zum Beweise für seine Behauptungen aufzufordern, die et entschieden bestritt. Mit den schärfsten Ausdrücken belegte er diese Kampfesweise und sprach von einer fortwährenden Hetze gegen ihn in ber klerikalen Presse. Er gestand gegenüber den vielfachen Sticheleien über seine Vergangenheit unumwunden zu, daß er in seiner Jugend Kommunist und Sozialdemokrat gewesen sei. diese Anschauungen aber balb überwunden habe. Man kann sich denken, daß diese Ausführungen die ungeteilteste Aufmerksamkeit des ganzen Hauses fanden, wenn sie auch oft durch stürmischen Widerspruch unterbrochen wurden. Dr. Lieber bteb dem Minister die Antwort nicht schuldig. Er sprach in sehr gereiztem Tone, unb man sah es ih« an, baß zwischen ihm unb Herrn ». Miquel baS Tischtuch auf immer zerschnitten worben ist. Er legte dem Minister in mehreren wichtigen Reichsfragen einen auf einen Konflikt mit der Volksvertretung hinarbeitenben Einfluß zur Last und warf ihm »or, daß er ganz gewissenlos die Parteien untereinander verhetze und speziell gegen die Zentrumspartei intriguiere. Mit Beweisen fteilich Sonnte oder wollte Herr Lieder seine Behauptungen nicht belegen, er versicherte nur, daß fie auf unanfechtbaren Informationen beruhen. Der Minister dagegen erklärte sie für unrichtig, so daß man nun mit dem Interesse von Industrie und Allgemeinheit vereinbar sei. Dann nenne er sich mit Stolz Agrarier. (Beifall.) Daß er beim Kaiser den unverantwortlichen Ratgeber gespielt hätte, erwecke in ihm nur moralischen Widerwillen; widerlegen könne er das kaum in parlamentarischer Form. Was die Sache selbst anlange, so strhe die Flottenvermehrung in keiner Weise im Widerspruch zu der Leistungsfähigkeit, zu den Kräften des deutschen Volkes Durch die Flotte werde die politische Macht Deutschlands gehoben. Eine negative Haltung in Bezug auf die Flotte würde nicht nur Deutschland gefährlich werden, sondern auch der Partei, die diese negative Haltung treibe. Deutschland brauche nicht nur eil» starkes Landheer, sondern auch eine starke Flotte. Rückwärts werde man doch nicht wollen, und vorwärts müsse man doch. Fürsten und Regierungen wollten diese Opfer bringen, die das Volk auch tragen könne. Hier sei kein Gegensatz zwischen Staat und Reich. Möge doch auch der Reichstag dieses Opfer bringen! (Beifall rechts). Abg. Lieber (Zlr.) hofft, day das irühere gute Einvernehmen zwischen ihm und dem Fman»minis1.r wieder hergefteUt werde. Dem Herrn v M quel wolle er erwidern, dah er sich auch ftrnerhin nicht abhalten lassen werde, in aller Ehrerbietung zu sagen, was man im Volke denkt. Mit den unverantwortlichen Raigebe n habe er nicht an den verehrten Herrn gedacht, der ja allerdings sein Portrait tn der Sch lderung, die er gestern gegebm, zu erkennen die Güte gehabt habe. (Heiterkeit.) Woher der plötzliche Zo>n gegen den verehrten Herrn komme, wolle er ihm gern sagen. Er (Redner) erkenne an, daß er in konfesstonellen F-agen schon zu Zeiten mit gröhier Obj kttvitäk gehandelt habe, wo es bet anderen noch daran gefehlt. W r plauden, so fährt Redner fort, dah Herr v Miquel als preuhischer Fmanz- uiLirter immer und immer gegen die Finanzpolitik des Zentrums im Reich mobil gemacht hat. Das war ein verhängnisvolles Thun. Wir hatten mit vieler Mühe vor zwei Iihren das F.ottenpesetz zu stände gebracht unter Mithilfe des Drckungc Paragraphen. In und auf diesen entstanden damals viele Schwierigkeiten. Erst spater wurde uns die Lösung, dah der preußische Ftnanzmintster an diesen Schwierigkeiten nicht unschuldig war. Und »eiter, bet der Militär- vorlaae im Vo-jahre entstanden über die 7000 Ma^n ganz urplötz lich Schwierigkeiten, nachdem schon alles gereoelt »chien. Und auch da erfuhren wir hinterher wieder, daß die Ou lle der Schwierigkeiten beim Ftnanzmintster lag. Ich gebe zu: Namen kann ich hier nicht nennen, da kann er mich eher totschlagen! (Heile kett.) Und weiter, als die Kanalov'lage gefallrn war, hat derselbe Herr dem ersten Berichterstatter, der ihm begegnete, gesagt: „Daran ist das Zentrum schuld!" DaS alles erklärt wohl genügend, wer halb unsere politische Freundschaft geendet hat (Bti'aU.) Minister von Miquel bezeichnet sämtliche gegen ihn vom Vorredner gemachten Vorwürfe als falsch. (Heiterkeit.) Uebrigens würde auch durch diese Vorwürfe nicht der plötzliche Zorn erklärt, denn alle diele Dinge lägen Jahre zurück. (Widerspruch.) Der Minister tritt sodann dem Widerspruche des Centrums gegen den Bau der neuen Schiffe aus Anlechen entgegen. Abg. Sattler (nl.) bespricht die Angriffe, die nach dem Scheitern der Kanalvorlage nicht nur gegen das Centrum, sondern auch gegen die Nationalliberalen gerichtet worden seien. Man habe offiziös die Nationalliberalen als Totengräber der Kanalvorlage bezeichnet, weil sie aus Herrschsucht uvb Herrschbegier selbst den Teilkanal zu Fall gebracht hätten Was die Kaiserreden in Dordmund und Homburg anlange, so seien die Nationalliberalen dem Kaiser dankbar dafür, daß er dem deutschen Volke so offen und klar die Aufgaben, die zu erfüllen seien, gezeigt habe. Auf Etat und Finanzlage eingehend, wünscht Redner ein Reichskomptabilitätsgesetz und strenge Scheidung außerordentlicher Ausgaben. Mit Erhöhung des Betriebsfonds aus den diesjährigen Ueber- «eisungen, seien seine Freunde einverstanden. Was die auswärtige Politik anlange, so muffe er die Aufrechterhaltung der alten Bismarck'- schen Dreibundspolitik als erfreulich bezeichnen. Die Politik, welche die deutsche Regierung in den letzten Monaten gegenüber England eingeschlagen, sei nur zu billigen. Der Flottenvermehrung stünden seine Freunde freundlich gegenüber, sie hielten sie gar für notwendig. Vor Maßlosigkeiten und Uebertreibungen sei allerdings zu warnen, deshalb sei auch den Leitern des Flottenvereins zu raten, sich nach geeigneteren Vertretern umzusehen. Herrn Bebel wolle er, Redner, antworten, daß in keinem Lande so viel für die Arbeiter geschehe, als in Deutschland. Abg. von Kardorff (Rp.) widerspricht der Auffaffung der Abgg. Lieber und Graf Limburg, daß die Einnahmeoeranschlagungen diesmal etwas zu optimistisch aufgestellt seien und beklagt die fvitgesetzt mißliche Lage der Landwirtschaft. In Bezug auf die auswärtige Politik schließe er sich Herrn Sattler an. An einen Zerfall der englischen Macht, selbst nach einem unglücklichen Kriege mitTransvaal, glaube er nicht. In der Sozialpolitik der Regierung finde er nur abwechselnde Bücklinge vor dem Großkapital und vor der Sozialdemokratie. Die Hereinziehung der Person des Monarchen in die Debatte des Parlaments mißbillige er. Reden des Monarchen würden erst dann diskutabel, wenn sie vom gesamten Staatsministerium gegengezeichnet seien, das sei nötig, denn sonst verflüchtige sich die ganze Mmisterverantwortlichkcit. Was die Beamtenmahregelung anlange, so werde man sich wohl im Landtage noch näher darüber unterhalten. Der Krieg in Südafrika sei das Werk der Londoner Börsemänner und eine Konsequenz der allgemeinen Einführung der Goldwährung. (Große Heiterkeit.) Von den Flottenplänen wiffe man noch sehr wenig; er hoffe aber, daß dieselben zu einem Abschluffe kommen möchten, der dem Vaterlande zum Segen gereiche. Vizepräsident Dr. Frege bemerkt, der Redner habe von der Un- stthigkeit einer ganzen Beamtenkategorie gesprochen; et nehme an, daß dies nur im objektiven Sinne gemeint gewesen sei. (Stürmische Heiterkeit) Staatssekretär Graf Posadowski verteidigt einigen Bemerk- Mngen des Abg. v. Kardorff gegenüber die Haltung der verbündeten Regierungen in der Vereinsverbindungsfrage. Was die Erörterung über Aussprüche des Kaisers anlange, so glaube er, werde an dem Grundsätze festgehalten werden müssen, daß die Verantwortung von den Vertretern der Regierung zu tragen fei, daß die Person des Monarchen unter allen Umständen aus den Erörterungen des Parlaments fern gehalten werden müsse. Abg. Motty (Pole) vertritt die Meinung, daß beffer als große Rüstungen der Friede durch Bündnisse erhalten werden könne. Weiter betont Redner die den Pol n garantierten Rechte und die ihnen gegebenen Versprechungen und beschwert sich namentlich über das Ansiedelungsgesetz. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. Tagesordnung: Weiterberatung des Etats. Schluß 51/2 Uhr. * Vom Kriegsschauplatz liegen heute so entscheidende und wichtige Nachrichten vor, daß dieselben ohne Kommentar für sich selbst sprechen. — Wir begnügen uns mit der einfachen Registrierung der ein- gegangenen Meldungen und Telegramme: London, 13. Dezember, lieber das letzte Gefecht am Modder River ist einer offiziellen Depesche Melhuens noch zu entnehmen, daß die englische Artillerie die Stellung des Feindes bis Montagnachmittag beschoß. Die Attaque der Hochländerbrigade mißlang vollständig. Am Dienstag war Methuen im Begriff sich zu verschanzen. Die Stärke der Buren beträgt nach seiner Angabe mindestens 12000 Mann. Die englischen Verluste sind groß. — General Gatacre berichtet in einem weiteren Telegramme, daß die von den Buren besetzten Höhen fast uneinnehmbar sind. Ihre Geschütze sind vortrefflich bedient und auf 5000 Meter noch von größter Treffsicherheit. — Der „Central News" wird von ihrem am Modder- flusse besindlichen Korrespondenten von Dienstogmorgen gemeldet, daß General Methuen die verschanzten Positionen der Buren bombardierte, welche sich bei MagerSsontein befanden. Darauf ließ Lord Methuen am Montag die Infanterie gegen die Buren vorgehen. Letztere trotzten jedoch dem mörderischen Feuer der Engländer und ließen sich aus ihren Stellungen nicht vertreiben. Als die englische Infanterie avancieren wollte, wurde sie vom Feinde mit einem totbringenden Gewehrfeuer empfangen und erlitt schwere Verluste, besonders die Highland-Brigade. — Nach einer Meldung aus Molteno vom 11. d. M. hält sich -Gatacre in Cypkergat auf, um Verstärkungen zu erwarten. Die Buren werden Molteno wahrscheinlich besetzen. — Wenngleich die angebliche Vernichtung einer weiteren Burenhaubitze auf Surprise Hill in London große Freude entfacht, sinden Sachverständige, daß die englischen Verluste dabei — 1 Offizier und 11 Mann tot, 3 Offiziere und 41 Mann verwundet, 6 Mann gefangen — ermäßig für ungefähr 500 Mann seien. Es fragt sich noch, ob die Haubitze auch thatsächlich zerstört ist. Die Sache hat vielmehr den Anschein, als sei sie eine Falle für die Engländer. Es dürften, da sechs Mann bei den Verwundeten zurückgeblieben sein sollen, viel mehr gefangen genommen worden sein. — Gerüchtweise verlautet, daß General Gatacre seines Postens enthoben werden wird, weil man ihm in höheren militärischen Kreisen praktische und taktische Fehler zur Last legt. — Im Auftrage des Präsidenten Krüger veröffentlicht die Vertretung Transvaals in Paris einen Aufruf an alle Staatsangehörigen, sofort ihre Dienstpflicht zu erfüllen: Freiheitsstrafe und Einziehung der Güter wird denjenigen angedroht, welche dem Aufrufe nicht folgeleisten. Ciue schwere Niederlage der Engländer wird uns noch in letzter Stunde gemeldet: London, 14. Dezember. General Methuen erlitt am Montag eine vernichtende Niederlage vor Magerfoutein. Seine Elite wurde von der Artillerie des unsichtbaren Feindes decimiert. Die Trümmer seines Heeres flüchteten in das Lager südlich vom Modderflusse, wo sie in Delarey und Prinslov im Osten und Süden eingefchloffen wurden. Die Verluste der Eng- lander sind enorm, die Demoralisation ist vollst äu di g. — General Gatacre hat auf dem Rückzüge von seiner schweren Niederlage am Stormberg auch die sehr wichtige befestigte Stellung von Bushmannshok geräumt. Der Verlust der Buren in dieser Schlacht soll nur 9 Tote und 11 Verwundete betragen. Die Engländer machten überhaupt keinen geregelten Angriff, da sie vom Feuer der Buren überrascht wurden, als sie sich noch in Marschkolonne befanden. Die Leute warteten gar keine Befehle ab. — „Daily Mail" bringt nähere Einzelheiten über die Schlacht bei Magerfonteia. Am Sonntagnachmittag begann Lord Methuen die Beschießung der verschanzten Buren. Am nächsten Morgen ging die Hochläuder-Brigade vor. Als sie über das freie Feld rückte, erhielten sie ein mörderisches Feuer. Sie erlitten innerhalb weniger Minuten furchtbare Verluste und mußten sich zurückziehen, sammelten sich aber wieder. Nun ging die Garde-Brigade vor und focht 15 Stunden gegen den unsichtbaren Feind. Das Gordon-Regiment wurde um 11 Uhr vorgeschickt. — Wie aus Kapstadt gemeldet wird, find ernste Differenzen zwischen General - Gouverneur Millner und dem Kap-Ministerium ausgebrochen und es gilt eine Ministerkrifis als bevorstehend. — Die Aufstellung eines Reservekorps von 500 0 0 Mann ist für Weihnachten vorgesehen. Am Weihnachtstage wird ein Auftuf an Freiwillige von 20 bis zu 50 Jahren erfolgen, welche in Friedenszeiten einmal jährlich einberufen werden sollen. Diese Idee stammt von Weruyn, dem ehemaligen Schatzmeister. Das Kriegsamt ist mit diesem Plan einverstanden. Loudon, 14. Dez. Das Kriegsamt veröffentlicht folgendes Telegramm über das Gefecht bei Magerfontein. Das Telegramm ist aufgegeben in Modder River am 6. Dezember 1 Uhr 15 Mm. nachmittags. Ein Gefecht hat bei Magerfontein vor Sonnenaufgang begonnen. Die Brigade der Hochländer unter General Warton drang bis 30 Meter an die Verschanzung des Feindes heran. In diesem Augenblick eröffnete der Feind ein verheerendes Feuer, welches die Hochländer zwang, sich zurückziehen, nachdem sie auf dem Kampfplatze etwa 100 der ihrigen zurück- gelassen hatten. Sobald der Tag anbrach, eröffnete unsere Artillerie ein konzentriertes Hochfeuer, welches dem Feinde, wie wir von Ambulanzen hörten, große Verluste bei- brachle. (??) Dem Kriegsamt ist ein weiteres Telegramm vom General Methuen vom 12. ds. 1 Uhr 30 zugegangen, worin er sagt, daß er sich zurückgezogen habe, weil der Feind neue Verstärkungen in seine Verschanzungen geworfen habe. — Der Brigade-General Wauchope, Kommandeur der Hochländer-Brigade, welcher am Montag vor Magerfontein gefallen ist, war einer der verdientesten Generale der britischen Armee. Er kommandierte die erste Brigade im Sudan-Feldzug im vorigen Jahre und wurde viermal, darunter dreimal schwer verwundet. — Ein Telegramm aus dem Lager von Frere berichtet vom 12. d. M., daß einige Marine-Geschütze dort aufgestellt worden sind. Koluües und Vrovinstettrs. Gießen, den 14. Dezember 1899. ** GefchichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 115 Jahren, am 15. Dezember 1784, wurde zu Berlin der Schauspieler Ludwig Devrtent g-doren. Sein großer Erfolg lag in einer genialen, natu, wahren Charakteristik, die ihn aufgeben ließ in seiner Rolle und den Z iscbauer in die bärgest, llten Vorgänge mitten hineinritz, dazu in dem sprudelnden Humor, der ihm eigen war. In Ber in als Franz Moor mit unerhörtem Beifall ausgenommen, dankte er tum Schluß also: „Vorher drückte ich auS, waS ich nicht fühlte: j.tzt fühle ich, waS ich nicht ausdrücken kann." *• „Strenge Herren regieren nicht lange", sagt man mit Bezug auf den Plötzlich eingetretenen scharfen Frost. Nach unseren langjährigen Aufzeichnungen und Erfahrungen dürfen wir uns jedoch auf einen kräftigen Winter aus folgenden Gründen gefaßt machen: Erstlich haben wir seit zehn Jahren exzessive Witterungserscheinungen, wenn es einmal anfängt zu toben, pflegt es eine Reihe von Wochen anzuhalten. Dann: hatten wir zwei schlackige, regnerische W nter, denen, da sich nichts mehr ausgleicht, als die Witterung, wahrscheinlich ein kalter folgen wird. Endlich pflegt Kälte, die in der ersten Dezemberdekade eintritt, gewöhnlich bis zum 28. Dezember anzuhalten, wenigstens in unserer Gegend. Auch einige andere Erscheinungen in der Pflanzen- und Tierwelt deuten auf einen gesunden, frostigen Winter. Wie dem auch sein mag, es empfiehlt sich, die Ställe und Keller sorgfältig zu wahren; die Ruhe in der Atmosphäre bei wolkenlos heiterem Himmel erinnert an den kalten Winter 1879 auf 1880, der bekanntlich nicht gespaßt hat. e • • •• Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 13. Dezember u. a. den Pfarrer Naumann von Siefersheim, den Oberamtsrichter Rabenau und den Schulrat Buß von Büdingen, den Rechtsanwalt Katz von Gießen, den Professor Ottmann vom Realgymnasium zu Gießen, den Lehrer Griedel von Petterweil, den Medizinalrat vr. Balser von Mainz, den Gerichtsschreiber Orth von Gießen. ** Ans dem Theaterbureau. Betreffs der morgen (Freitag) abend stattfindenden Aufführung von „Tasso iu Darmstadt" und der Operette „10 Mädchen und kein Mann" machen wir noch bekannt, daß, ungeachtet der hohen Kosten, eine Preiserhöhung nicht stattfindet und die Vorstellung im Abonnement gegeben wird. — Am nächsten Sonntag beginnt ein dreimaliges Gastspiel von Fräulein Lucie Vier na aus München. Die vortreffliche Künstlerin wird zuerst als „Frau Eva" in dem Lustspiel „Die goldne Eva" und ferner noch in „Frou-Frou" und Schillers „Kabale und Liebe" gastieren. ** Der Einbruchdiebstahl, welcher in der Nacht vom 1L zum 12. Dezember zum Nachteil der Firma Carl Nowack, Seltersweg ausgeführt wurde, ist bis jetzt nach keiner Seite aufgeklärt, trotzdem die Polizei angestrengt nach den Dieben fahndet. Leider ist der Geschädigte nicht versichert gewesen, und dürfte wohl kaum auf Herbeischaffung der gestohlenen Waren zu rechnen sei. Der Fall zeigt so recht wieder die Notwendigkeit der Versicherung gegen Diebstahl, welche in England schon lange Jahre populär und ebenso selbstverständlich wie die Feuerversicherung ist. — Unter den deutschen Versicherungsanstalten, die diesen Zweig der Versicherung ausgenommen haben, ist es in erster Linie die altbewährte Frankfurter Transport-Unfall- und Glasversicherungs-Gesellschaft (Vergl. Inserat in heutiger Nummer), welche durch praktische, den Beoürfnissen der Interessenten angepaßte Einrichtungen sicheren und ausreichenden Schutz gegen die Folgen von Diebstählen gewährt. ** Christbescherung für brave, bedürftige Kinder. (Eingesandt.) Unterzeichneter hat auch in diesem Jahre wieder eine Christbescheerung (51.) für bedürftige Kinder veranstaltet, und mit großer Freude bekennt er hiermit öffentlich, daß es in seinem lieben Gießen noch recht viele edle Menschen giebt, die ein warmes, fühlendes Herz für die Notleidenden im Busen tragen, die daher gerne bereit find, ihre milde Hand aufzuthun, wenn es gilt, Dürftige zu unterstützen. Die Gaben sind namentlich in diesem Jahre wieder in so reichem Maße gespendet worden, daß ich in die angenehme Lage versetzt wurde, 266 Kindern eine recht schöne Weihnachtsfreude bereiten zu können, und ich spreche hiermit allen edlen Geberinnen und Gebern meinen herzlichsten Dank aus. Es wäre mir jedoch nicht möglich gewesen, eine so große Anzahl von Kindern zu beschenken, wenn ich nicht dabei auch die Zinsen aus meiner Stiftung und aus der der verstorbenen Elisabethe Schmidt, zusammen 196 Mark betragend, hätte verwenden können. Daher spreche ich auch den edlen Bürgern, die meine Stiftung bewirkt haben, und der hochverehrlichen Stadtverordnetenversammlung, die das Stiftungskapital in so hochherziger Weise erhöht hat, und die die Güte hatte, mir die Schmidt'sche Stiftung zur Anschaffung von Schuhen zu überweisen, abermals meinen wärmsten Dank aus. Ich danke auch noch der verehrliche« Redaktion dieses geschätzten Blattes, die wie alljährlich, so auch diesmal dieserEinladung unentgeltlicheAufnahme gewährte. — Zur Bescherung, mit der auch zugleich eine Christseier verbunden ist, und die in der Turnhalle der Stadtmädchenschule (Westanlage) am kommenden Sonntag, dem 17. Dezember, nachmittags 4 Uhr stattfinden wird, lade ich hiermit freundlichst ein. Die Gaben für die Kinder können schon von vormittags 10 Uhr an in Augenschein genommen werden, und bin ich mit Vergnügen be- bereit, über deren Verteilung nähere Auskunft zu geben. H. Curschmann, Lehrer i. P. — Wiefeck, 13. Dezember. Gestern abend stürzte hier die 78jährige Wittwe Döringer so unglücklich die Treppe hinunier, daß der Tod sofort ein trat. A Vom Lande, 13. Dezember. Die Tagesblätter berichten neuerdings wieder über die im deutschen Heere im Ersatzjahre 1898 eingestellten Analphabeten. So gering auch der diesmalige Prozentsatz der Analphabeten im Heere und in der Marine ist, nämlich 0,03 Prozent, so sehr mag es auffallen, wie es überhaupt möglich ist, daß trotz der günstigen Schulverhältnisse der einzelnen Bundesstaaten immer noch Analphabeten Vorkommen können. DeS Rätsels Lösung ist aber sehr leicht zu finden, wenn man die Umstände ins Auge faßt, unter denen die Kinder der als Nomaden umherziehenden „Künstler" und einheimischen «Zigeuner" 2c. aufwachsen. Wohl find dieselben zum Schuld ilRn Id)irr mit unbßf.^toft. , ®i|th(h b.hölnl«t aus : "'»n „ * “4iÄ* r folqen niirx' blt äembttbefQbe üblich £te 'N tintii Qt$Un^ in bet ch-n; di- ? ft -*Ä " b-'MEich 'L->....::r ^teantoait sa(l J ta™ l?’“M|iu“1 i« Äh”0?’ btn Mrdi- S’ btu MWä Setrejjj bet moraen lo'ÄT -T°II°'° i t tobd,,nu"b,ei" niAt » "ft"9'“*'1 d-r 5 «nb die ffiS-$m n*n .Mn 8Min "»«Mflifr giinftltri» ■Wel.Bie 8Dlb»e '-'6rou" unb SchEkr-s « in bet Nacht vom 11 ^ma Latt Nvwaä, bis jetzt nach teiner Seite je^trengt nach den Dieben e nicht versichert gewesen, ischasfung der gestohlenen zeigt so recht wieder die ng gegen Diebstahl, ahre populär und ebenso -erficherung ist. - Unter :en, die diesen Zweig der > ist es in erster Linie die rnsport-llnsall- und chajt (8trgl. Inserat in rattifät, btn StPärfnifftx nchtungen sicheren uni folgen von DiedMrn i, bedürstige Kinder. 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Zuweilen suchen die Eltern auch derartige Kinder der Schulpfl cht zu entziehen, bis die Polizeiorgqne einschreiten und den Schulzwang durchs setzen. Unlängst wurden zwei Knaben einer Seiltänzer« familie zwangsweise der Schule zugeführt. Sie standen im Alter von etwa 9 und 10 Jahren, hatten aber bis dahin auf ihren Wanderungen noch keine einzige Schule besucht. Bei dem einen der Knaben vermochte die Mutter weder Zeit noch Ort der Geburt anzugeben. Aus solchen Leuten rekrutieren sich dann vorzugsweise die Analphabeten. Die Schule aber kann hierfür keine Verantwortung treffen. Wer heutzutage bei geregeltem Schulbesuche ein Analphabet bleibt, der ist eben einfach bildungSunfähig und jedenfalls auch — militäruntauglich. △ Mühlheim a. M., 13. Dezember. Oberhalb des Frankfurter Schlacht- und Viehmarktes wurde am Sonntag die Leiche eines jungen Mannes geländet, welcher 62,49 Mk. bei sich trug. Dieselbe ist inzwischen identifiziert worden. ES ist der unverheiratete, 24 Jahre alte Tag- löhner Franz Anton Keller, Sohn des verwitweten Tag löhners Konrad Keller zu Seligenstadt. Derselbe beendete erst kürzlich seine Militärzeit und stand zuletzt bei einem hiesigen Zimmermeifter in Arbeit. Es liegt zweifelsohne Selbstmord vor, dessen Motive auf Liebeskummer zurück« geführt werden. Wiesbaden, 13. Dezember. Wie in der heutigen Magistratssitzung mitgeteilt wurde, zählt die Stadt nach der Personenstandsaufnahme vom 27. Oktober d. I. 27,143 männliche, 35,657 weibliche Personen über und 19,262 unter 14 Jahren, im Ganzen also 8 2,062 Einwohner, gegen das Vorjahr mehr 2305. Vermischtes. * Koburg, 13. Dezember. Der Schnellzug 192, der nachmittags 2 Uhr 36 Minuten von hier abgefahren ist, entgleiste bei Weilsdorf aus noch nicht festgestellter Ursache. Nennenswert ist niemand verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Das Geleis ist auf eine Strecke von 100 Meter zerstört. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrecht erhalten. Mehrere Waggons, die sich lcks- rissen, stürzten die Böschung hinab. * Berlin, 12. Dezember. Der stärkere Schneefall und die damit verbundene Glätte bereiteten heute morgen dem Straßenverkehr die grüßen Schwierigkeiten und brachten die empfindlichsten Störungen. Die großen elektrischen Sammelwagen kamen bei den ersten Fahrten auch auf ebener Erde kaum von der Stelle. Wo Aber Steigungen zu nehmen sind, blieben nicht nur die Sammler, sondern anch die Wagen mit oberirdischer Stromzuführung stecken. Auf den glatten Schienen drehten sich die Räder, ohne daß die Wagen sich von der Stelle rührten. Bei den Weichen haperte es ebenfalls nicht selten. Zwischen den Zangen und den Schienen bildete der Schnee Erhöhungen, über die die Wagen, wenn sie einmal im Gange waren, auf falsche Strecken hinüberrollten. Die Folge aller dieser Hindernisse war ein Wirrwarr, wie man ihn im Straßenbahnverkehr noch nicht gesehen hat. Die Wagen verschiedener Linien machte« allerhand Umwege und gerieten so in Stadtgebiete, die ihnen sonst ganz fern liegen, zum nicht geringen Erstaunen und Verdruß der Fahrgäste. Erst nach und nach überwand man die Schwierigkeiten, indem man genügend Sand auf die Schienen streute. Es dauerte wohl bis in die zehnte Stunde, bis alles wieder im richtigen Geleise war. ♦ Zürich, 12. Dezember. Kürzlich ist hier, wie schon wutgeteilt wurde, der Franzose Charles Bernard verhaftet worden. Der wegen eines bei einem Rentier in RosiHreS bei Nancy begangenen Einbruchdiebstahles von den französischen Behörden steckbrieflich verfolgt wurde. Dem Einbrecher fielen russische und französische Wertpapiere im Betrage von 120000 Franken in die Hände. Nun ist auch der Komplize des Bernard, ein gewisser Charles Messer, der hiesigen Polizei ins Garn gegangen, als er, ohne Kunde von der Verhaftung des Bernard aus Paris hierher zurückkehrte, wo er bei einem Italiener Unterschlupf gefunden hatte. Seiner Verhaftung suchte sich Messer mit Dolch und Revolver zu widersetzen und während dessen entfloh der italienische Gastgeber der Gauner, der wohl von diesen ins Vertrauen gezogen war. Wie es bei Leuten dieses Schlages der Fall zu sein pflegt, so waren sie auch Liebhaber des Ewig-Weiblichen; die Polizei hat sich der beiden Frauenzimmer der Gauner gleichfalls angenommen. Jrn Besitze der einen wurde ein kleiner zerlegbarer Koffer gefunden, der allerhand Einbrecherwerkzeug enthielt. Es hat den Anschein, daß die Verhafteten wie auch der flüchtige Italiener, Mitglieder einer größeren Einbrecherbande sind. Heber den Verbleib der in Rosiöres geraubten Wertpapiere verweigern die Gauner jede Auskunft. Die Auslieferung der Verbrecher an Frankreich wird erfolgen. Die Strafanstalten in Gießen.*) Nach den Mitteilungen, die H. B. Wagnitz über die Strafanstalten in Gießen giebt, befanden sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts dort ein Zucht- und ein StockhauS, beide nebeneinander unweit des Walles und des Stadtflutgrabens gelegen. Während die Zimmer in dem •) Wir entnehmen vorstehenden Artikel der soeben bei G. Weiß in Heidelberg erschienenen neuen Jnaugural-Dissertation d>S Geriärtb- acccsfisten E. Hoffmann tn Darmstadt, betitelt: „Das Gefängniswesen in Hessen. Seine geschichtliche Entwickklung und jetzige Lage." Wir werden auf einzelne Abschnitte dieser.interessanten Broschüre noch zurückkommen. D. Red. Stockhause dunkel waren, enthielt das damals neuerbaute Zuchthaus außer der Wohnung des Verwalters fünf große, helle Gefängnisräume, in denen die Züchtlinge, nach dem Geschlechte getrennt, arbeiteten und schliefen. Die in opere pablico stehenden Gefangenen mußten herrschaftliche Arbeit verrichten, während die zu Zuchthaus Verurteilten stricken und Flachs und Wolle spinnen mußten. Ferner wurden zu Anfang dieses Jahrhunderts als Strafanstalten benutzt: das Gefängnis auf der Neustädter Pforte, das zur Einsperrung von Forftfrevlern und Verbüßung von Polizeistrafen diente, das Gefängnis auf der Wache des Selterser Thores, welches wesentlich für Vagabunden bestimmt war, jedoch auch als Gefängnis für das Stadtgericht benutzt wurde, und das Gefängnis auf der Wache des Neustädter Thores als Gefängnis für das Landgericht. Das alte Stock- und Zuchthaus — seit 1825 „Arresthaus" genannt — entsprach in den 20er Jahren den Anforderungen nicht mehr. Obwohl etwa seit 1820 die schweren Verbrecher in dem Zuchthause Marienschloß und • die leichten Sträflinge in dem Korrektionshause in Darm- stadt untergebracht wurden, war das Arresthalls in Gießen stets überfüllt, Entweichungen und Kollusionen kamen wiederholt vor, die Militärwache vermittelte den unerlaubten Verkehr mit der Außenwelt. In den Jahren 1836—38 wurde daher auf dem Selterser Berg neben dem Universitätsgebäude ein neues Arresthaus errichtet. Das alte Gebäude wurde als „Bezirksgefängnis" dem Stadtgericht, dem Landgericht und dem Kreisamt zugewiesen und außerdem zur Unterbringung der Schüblinge und der nicht fluchtverdächtigen Honoratioren benutzt. Nachdem die beiden Anstalten im Laufe der Jahre mehrfach kleinere Veränderungen erfahren hatten, brachte die Justizorganisation von 1879 außer einem Gerichtsgebäude auch ein neues Arresthaus nach Gießen, das unmittelbar hinter ersterem liegt und am 25. Februar 1880 bezogen wurde. Während das alte-Arresthaus auf dem Selterser Berg seitdem als Hauptsteueramt und Lagerhaus benutzt wird, that das Bezirksgefängnis noch einige Jahre als Haftlokal seine Dienste. Doch bald erwies es sich auch hierfür als unzureichend und nicht mehr verbefferungSfähig. Es wurde daher 1882 die Vergrößerung des neuen Pro« vinzialarresthauseS durch dreistöckige Anbauten auf beiden Seiten beschlossen, und die Gefangenen wurden aus dem Haftlokal dorthin verlegt. Letzteres ist jetzt der Polizei überlassen, nachdem es im Laufe eines Jahrhunderts als „Stock- und Zuchthaus", als „Arresthaus", als „Bezirksgefängnis" und als „Haftlokal" gedient hat, in diesen Namen die Entwicklung des hessischen Gefängniswesens widerspiegelnd. In dem Provinzial-ArresthauS sind nunmehr die Straf- und Untersuchungsgefangenen von Gießen vereinigt, teils in Einzel«, teils in Gemeinschaftshaft. Die Anstalt genügt dem gegenwärtigen Bedürfnisse. Gerichtssaal. Wetzlar, 17. Dezember. Am 21. August ds. Js. war in Herborn Markt gewesen, wozu viele Leute aus der Umgegend herbeigeströmt waren. In den Wirtschaften ging es infolgedessen sehr lebhaft zu, so namentlich in dem Lokale von Haselhuhn, wo Tanzmusik abgehalteu wurde. Um 12 Uhr wurde in dem letztgenannten Lokale Feierabend geboten, aber ein Teil der Gäste weigerte sich, diesem Gebot Folge zu leisten. Diese Weigerung hatte die Wirkung, daß nunmehr der städtische Polizeidiener und Gendarmen gegen die Sitzenbleibenden einschritten. Allein auch dieses Vorgehen hatte die gewünschte Wirkung nicht. Mehrere der widerspänstigen Gäste, namentlich die Former Heinrich R. und Jakob P. aus Haiern und Wilhelm B. aus Kölschhausen setzten dem Einschreiten dec Beamten thätlichen Widerstand entgegen. Sie wurden infolgedessen festgenommen Diese Verhaftung rief großen Lärm hervor, der sich noch steigerte, als die drei Verhafteten nach dem Gefängnis gebracht wurden, allwo sie einen Mordspektakel verübten und sich auch noch sonst recht wüst benahmen. Von den andern Lärmmachcrn stehen heute noch drei mit vor Gericht und zwar die Former Wilhelm H. aus Niederlemp, Louis R. aus Haiern und Heinrich B. aus Amdorf. Die Verhandlung, für welche eine Menge von Zeugen aufgeboten ist, endet damit, daß der Angeklagte H. R. zu 6 Monaten Gefängnis und 2 Wochen Hast, L. R. zu einem Monat Gefängnis, I. P. zu 5 Monaten Gefängnis und einer Woche Haft, SB. B. zu vier Monaten Gefängnis verurteilt wird. W. H. und H. B. werden frei- gesprochen. • Chemnitz, 12. Dezember. Vor dem hiesigen Geschworenengericht hatten sich an mehreren Verhandlungstagen 12 meistens dem Arbeiterstande angehörige Personen zu verantworten, die hervorragend an den großen Straßenkrawallen beteiligt waren weiche hier am Vorabend des Sedantages und an diesem selbst stattfanden. Zehn von den Angeklagten wurden des Aufruhrs schuldig gesprochen und zu Strafen von acht Monaten Gefängnis bis zu zwei Jahren Zuchthaus und mehrjährigem Verlust der Ehrenrechte verurteilt. Die insgesamt verhängten Freiheitsstrafen betragen 2 Jahre Zuchthaus und 10 Jahr 7 Monat Gefängnis. Universität und Hochschule. — Ernannt: Zum Direktor der jetzt der Züricher Universität angegliederten zahnärztlichen Schule der Denatoioge Professor Dr. F. Billeter. — Bern, 13. Dezember. Dem Kanton Bern ist eine Erbschaft zugefallen mit der Zweckbestimmung, daraus einen Stipendienfonds zu bilden für b dürftige Studentinnen schweizerischer Nationalität, die an der Hochschule in Bern Medizin, Pharmazie oder Chemie studieren wollen. Eine solche Stipendienstlftung für Studentinnen dürfte an einer europäischen Universität kaum noch existieren. — Verschiedenes r An dem Berliner Institut für Infektionskrankheiten sind in letzter Zeit mehrere wichtige Personalveränderungen vor sich gegangen. Die National-Zeitung berichtet darüber: Während der Direkior Prof. Robert Koch seit Monaten behufs Fortsetzung seiner Malariaforschungen in der Südsee weilt, ist der Vorsteher der wiffen- schaftlichen Abteilung des Instituts, Prof. Richard Pfeiffer, zum Profesior der Hygiene nach Königsberg berufen und zu seinem Nachfolger der bisherige Assistent Prof. Frosch ernannt worden. Auch der Vorsteher der Ktankenabteilung des Koch'schen Instituts, Geh Medizinal- rat Prof. Ludwig Stieget, rottb von diesem Amte zutücktreten, da er mehr für den m-dizinischen Unterricht an bet Universität herangezogen unb ein neues Lehrfach in bet Mebizin Iteiten soll. Dies ist zwar noch nicht entschieben, aber wohl mit Sicherheit bemnächst zu erwarten, denn zu seinem Nachfolget ist bereits bet Geh. Mebizinalrat Professor Dönitz ernannt worden. — Die Zahl der Damen, welche im Wintersemester an bet Kieler Universität Vorlesungen hören, beträgt 24. Davon find 16 unverheiratet, 8 verheiratet unb 4 Wittwen, 5 stehen im Alter von 50 bis 70 Jahren. — Die theologische Fakultät bet Universität Zürich «eist in diesem Winter einen so niebrigen Bestand an Studenten a*f, wie er wohl kaum noch an einer Universität zu verzeichnen war. Sie zählt nur 6 immatrikulierte Studenten, wozu noch 2 Hörer kommen; dagegen setzt sich der L.hrkörper der Fakukläl aus 10 Personen zusammen, aus 6 otdentl. Prof«stören, 1 auß-statistrsch«n Amtes d r Stabt Nürnberg zu übern«hmtN. Proseffor Büch»! war früher bereits in bet praktischen Statistik als Assistent beim statist schen Amt bet Stabt Straßburg i. E. thätig. — Prof. Dr. Georg Krukenbetg in Bonn, besten Hinscheiben angezeigt würbe, wat ein geschätzter Frauenarzt. Er war am 16. Dezember 1855 zu Kalbe a. o S. geboten, als Ablömmlin einefl Stammes, welchem hetvorragenbe Aerzte eigen waten, so Peter Krukenberg unb Peter Neil in Halle, Kieser in Jena Werntur. — Ein Weihnacht-lied von Humperdinck, gebetet von Abelheib Wette, bet Textverfasterin von „Hänsel unb Gretel", erschien soeben bei Max Brockhaus in Leipzig. (Preis 1 Mk.) Das schlichte, stimmungsvolle Lied sei den zahllosen Verehrern des Komponisten warm empfohlen. Da die Schlußverse nach Belieben auch von mehrstimmigem Chor gesungen werden können, eignet sich die schöne Komposition ganz besonders zum Vortrag in gesilligem Kreise. * Geist. Wie führt Goethe fein tiranltfches Faustproblem, das Bild seines eigenen Lebenskampfes, vollkommen einheitlich durch? (Verlag von Hcrmann Böhlau- Nachfolger Weimar, Preis M 6. Goethe hat nach seiner genialer, ti.f einbringenben unb allamfvssenben Weise in ber bramaitschen Person befi Faust seine eigene titanische, von göttl chen Kräften erfüllte Natur, in ber bramatischen Handlung ber Faustdichtung ben gewaltigen g iftigen Bttbungvgang unb zum Teil tragischen Ent- rmckelungsgang seines eigenen Lebens mit seinem Genuß-, Schön - Heils» unb Thatendrang im Silbe, symbolisch bargefteUi. Gemäß seinen ausdrückl chen Erklärungen hat Goethe ben einheitlichen Plan ber ganzen Faustdichtung von Anfang an festgehalten. Auch wirb diese Einheitlichkeit von einer erhaltenen, im Gotthe-Archtv vorhandenen frühen Skizze der dramaiischea Entwickelung des ersten unb zweiten Teils, unb ferner burch ben U> faust, ber b e Keime ber ganzen weiteren zusammenb2"genben Entwickelung behält, bewi'sin. Trotz biefer Sach.age mb Erklärungen be8 Dichters finbtt man Ungleichmäßigkeiten unb Wiberlprüche i.i ber Dichtung, beionbers im zweiten Teil trotz Goethes absichtlicher Wahl ber symbolischen Darstellung, trotz ber genialen, lebensvolle unb anschaulich dramatischen Durchführung derselben, trotz seines freien Verzichtes auf e'n bühnen- gei echtes Drama, Mängel, Fehler, Schwächen bJ * «W-H .Brranttvortlicher Redakteur: H. Koeglcr. — Druck und Verlag der Brühl'schcn UniverfitLtS-Buch- und Gteindruckerci (Pietsch Erben) in vießen. Kauariknvögtl;u v rkauftn Kirchenplatz II, Ik. 8213 kaufen. H. Gack, Neuenweg 58. abends 8 Uhr, 04492 wollen sicb melden bei 8666 Frau Antonie Throm, Hofmonnftr 1 04 4861 Ein fall neuer Handwagen, geeignet für Bäcker, eine Dezimalwage und eine längliche Waschbütte zu ver- Danubia Hidelga Britte Maschinka Pomaria Älminia Simonia Giletto Marianko Preziosa Gut möbliertes Zimmer mit Pension bei ruhigen Leuten von alleinstehendem Herrn gesucht. 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