1899 Freitag den 15. December 13 und 15 Erstes Blatt. Nie. 295 *11 Amts- und Anzeigeblatt für den Urei» Gietzen 16 Alle AnzrlgrN'Vkrm'nlungsstrlltu b«8 In- nnb Auslandes ntbmtn Anzeigen für brn Gießener Anzeiger entgegn». An«ah»e »on Anzeigen zu bec nachmittags für den felfltnjbra Laz erscheinenden Nummer bi8 norm. 10 Uhr. rnagel, äue 10. ÄeMattion, <$rpfbition und Druckerei: Kchulstraß« Nr. 7. dürften sich dieselben für Knechte auf 30 biß 35 Mk., für Mägde aber höher stellen. Die Lohnsätze werden für Knechte auf 180 bis 300 Mk., für Mägde auf 150 bis 200 Mk. angegeben. Ich ersuche diejenigen Landwirte, welche von dieser Vermittlung Gebrauch machen wollen, ihren eventuellen Bedarf unter Angabe der Art der Arbeiter bis spätestens den 20. dS. Mts. bei der Geschäftsstelle deS Vereins in Alsfeld anzumelden. Die endgiltige Anmeldung von Erntearbeitern kann auch noch später geschehen. Laub ach, den 10. Dezember 1899. Der Präsident des landwirtschaftl Vereins von Oberhessen. Friedrich Graf zu Solms-Laubach. Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessische Volkskunde.______________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Bezugspreis vierteljährlich 2 Mart 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg vierteljährlich. 2. Jede Privatperson, welche Militärbrieftauben halten will, muß Mitglied eines Vereins sein, der dem Verband deutscher Brieftaubenliebhaber-Vereine angehört und statutengemäß feine Brieftauben der Müitär- (Marine-)Berwaltung zur Verfügung stellt. Jeder Verein erhält zur Abstempelung der seinen Mitgliedern gehörigen Militärbrieftauben einen Stempel, bet von dem zuständigen Kriegsministerium (Reichsmarineamt) beschafft wird und dessen Eigentum bleibt. 3. Die Ortspolizeibehörden erhalten alljährlich im Laufe des Dezember durch die vorgesetzten Verwaltungsbehörden — denen das zuständige Kriegsministerium die erforderlichen Unterlagen zukommen läßt — 93er« zeichnisse der in ihrem Bezirke befindlichen Brieftaubenliebhaber-Vereine. Die Vereine haben zum 15. Dezember jedes JahreS der Ortspolizeibehörde Listen einzureichen, aus welchen sür jedes einzelne Mitglied hervorgehen muß: Name, Stand, Wohnung jedes Mitgliedes, Zahl seiner Militärbrieslauben und Lage des Taubenschlages. Die Ortspolizeibehörde erläßt hieraus bis zum 15. Januar des folgenden Jahres die im § 3 Abf. 2 des Gesetzes vorgeschriebene Bekanntmachung. 4) Die Ortspolizeibehörden haben die Befolgung der gesetzlichen Vorschriften und dieser Ausführungs- Vorschriften seitens der Privatpersonen zu überwachen, insbesondere jeden Mißbrauch des Stempels zur strafrechtlichen Verfolgung zu bringen. Darmstadt, den 10. Dezember 1894. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz. Finger. Rößler. Bekanntmachung. In Folge eines Beschlusies des Vereinsausschuffes vom 4. dS. Mts. ist die Beschaffung landwirtschaftlicher Arbeiter für die Landwirte der diesseitigen Provinz beabsichtigt. SS wird daher in Kürze eine geeignete Persönlichkeit m die östlichen Provinzen reifen, um solche Arbeiter kontraktlich au- zumieten. Es sollen vermittelt werden:' Groß- und Klem- knechte und Mägde, mit Diensteintritt in der ersten Hälfte des Januar, Erntearbeiter mit Diensteintritt im Frühjahr. Die Kosten deS vom Verein Beauftragten trägt dieser, die Reisekosten fit den betr. Arbeiter nach hier unb d,e Pro- vifionsgebühren für Agenten usw. tragen d,e Besteller, und Bekanntmachung. Betr.: wie oben. Nachdem in Ettingshausen die Maul- und Klauenseuche in vier Gehöften festgestellt worden ist, wird Ge- markungSfperte angeordnet. Gießen, den 13. Dezember 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Bekanntmachung. Nach Beschluß des landwirtschaftlichen Bezirksvereins Gießen soll der Bezug von Thomasphosphatmehl, Superphosphat und Kainit durch den landwirtschaftlichen Bezirksverein, jedoch ohne jegliche Garantieleistung durch den Verein, vermittelt werden. Es wird dies unter dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis gebracht: 1) daß bei Bestellungen von Mitgliedern des landwirtschaftlichen Bezirksvereins, die den Betrag von 40 Mk. nicht übersteigen, die Kosten des Transport der künstlichen Dünger per Bahn bis Gießen, Grünberg, Hungen, Lollar, Lang-Göns aus die Bezirksvereinskaffe übernommen werden; 2) daß Bestellungen von Landwirten, welche nicht Mitglieder deS landwirischaftlichen Bezirksvereins find, ebenfalls ausgeführt werden. Dieselben haben aber, wenn sie nicht vorher noch Mitglieder des landwirtschaftlichen Bezirksvereins werden und sich zu diesem Behufs bei dem Unterzeichneten anmelden sollten, den vollen Kostenbetrag für Ausführung ihrer Bestellungen zu vergüten; 3) daß zur Ausführung der Bestellungen :c. eine Kommission gebildet werden wird; 4) daß Bestellungen bei dem Unterzeichneten bis längstens 10. Januar 1900 einzu- reichen sind; , . 5) daß die Zahlung des Düngers bet Empsang der Ware alsbald zu erfolgen hat. «' Die Vermittlung wird nur dann ausgeführt, wenn biS zum 10. Januar Bestellungen in genügender Zahl- ein« gelaufen sind. Die Herren Bürgermeister werden ergebenft ersucht, vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden zu veröffentlichen, Anmeldungen entgegenzunehmen und längste»- bis zum 10. Januar an den Unterzeichneten einzusenden. Gießen, den 11. Dezember 1899. v. Bechtold. ßrlcheinl Isgltch m,r Ausnahme deS MentagS Di« Gießener 9*rnUte*mtttr »erben btm Anzeiger »schenilich viermal brigeleßi. aaerei KHürzen. Plockstr. 2. »bett. uMimg «reuten, re. lten b Körbchen. ionie^r iflläser I IS" pinc*neL^ Bekanntmachung. Großh. Ministerium des Innern hat der Faselmarkt- Kommission zu Butzbach die Erlaubnis zu einer am 16. März 1900 stattfindenden Verlosung von Faseln, Rindern, Schweinen, Geflügel und landwirtschaftlichen Geräten unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 12000 Lose zu 1 Mark das Stück abgegeben werde» dürfen, und abzüglich eines Betrages von 350 Mark für Prämiierung mindestens 60 Proz. des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Lose zum Ankauf von Gewmngegenstanden zu verwenden find. Gleichzeitig ist der Vertrieb der Lose in der Provinz Oberhessen gestattet worden. Gießen, den 12. Dezember 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. _________ v. Bechtold._____________ ’ Bekanntmachung Betr.: Maul- und Klauenseuche. In Münster ist in einem Gehöfte die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre augeorduet worden. Gießen, den 13. Dezember 1899. Großherzogliches KrejDamt Gießen, v. Bechtold. treuzucker strenafl des Oe- n Stelle von V*- iciei.m Beuteln X10 Pfg. dieee Pictang™ Kanter OinnV Wi Origio»h>fl*ä* ÄL4 M mit Hu« mann k Reimer -ersten. xM i von den a n, die in der f knuktai«r 2 jthoten. ** Iresden. bei: NoU. 7976 Soll, rbig. :hwb, Wallenfels allenfel». Walter- Amtlicher Heil. Bekanntmachung, Das nachstehend abgedruckte Reichsgesetz vom 28. Mai 1894 betr. „Den Schutz der Brieftauben und den Bries- tauben-Berkehr im Kriege" bringen wir nebst den hierzu erlaffenen Ausführungsbestimmungen wiederholt zur öffent- lichen Kenntnis. Gießen, den 8. Dezember 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. (fit. 2182.) Gesetz, betreffend den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege. Vom 28. Mai 1894. Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc. verordnen im Namen des Reichs, nach erfolgter Zustimmung des Bundesrats und des Reichstags, was folgt: §. 1. Die Vorschriften der Landesgesetze, nach welchen das Recht, Tauben zu halten, beschränkt ist, und nach welchen hn Freien betroffene Tauben der freien Zueignung oder der Tötung unterliegen, finden auf Militärbrieftauben keine Anwendung. Dasselbe gilt von landesgesetzlichen Vorschriften, nach welchen Tauben, die in ein fremdes Taubenhaus übergehen, dem Eigentümer des letzteren gehören. §• 2- Insoweit auf Grund landesgesetzlicher Bestimmungen Sperrzeiten für den Taubenflug bestehen, finden dieselben auf die Reiseflüge der Militärbrieftauben keine Anwendung. Die Sperrzeiten dürfen für Militärbrieftauben nur einen zusammenhängenden Zeitraum von höchstens je zehn Tagen rm Frühjahr und Herbst umfaffen. Sind länger als zehntägige Sperrzeiten eingeführt, so gelten für Militärbries- taubeu immer nur die ersten zehn Tage. §. 3. Als Militärbrieftauben im Sinne dieses Gesetzes gelten Brieftauben, welche der Militär (Marine-)Derwaltung ge- hören oder derselben gemäß den von ihr erlassenen Vorschriften zur Verfügung gestellt und welche mit dem vorgeschobenen Stempel versehen sind. Privatpersonen gehörige Militärbrieftauben genießen den Schutz dieses Gesetzes erst dann, wenn in ortsüblicher Weise bekannt gemacht worden ist, daß der Züchter seine Tauben der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt hat. §. 4. Für den Fall eines Krieges kann durch Kaiserliche Verordnung bestimmt werden, daß alle gesetzlichen Vorschriften, welche das Töten und Einfangen fremder Tauben gestatten, für das Reichsgebiet oder einzelne Teile desselben außer Kraft treten, sowie daß die Verwendung von Tauben zur Beförderung von Nachrichten ohne Genehmigung der Militärbehörde mit Gefängnis bis zu drei Monaten zu de strafen ^ist.^^ Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnsiegel. Gegeben Neues Palais, den 28. Mai 1894. Wilhelm. Graf von Caprivi. Bekanntmachung, dir Ausführung de» Reichsgesetzes vom 28. Mai 1894 über den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubenverkehr im Kriege betreffend. Vom 10. Dezember 1894. Die von dem Bundesrat in seiner Sitzung vom 8. November d. I. beschlossenen, im Zentralblatt für bafl Deutsche Reich Nr. 49 vom 30. v. Mts. veröffentlichten nachstehenden Aussührungsbestimmungen zu dem Gesetz vom 28. Mai d. I. (Reichsgesetzblatt S. 463) werden hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht. 1. Als Stempel zur Bezeichnung der Militärbrieftauben, »hneUnterschied,ob sie der Militär-(Marine-)Verwaltung oder Privatpersonen gehören, dient das Kaiserlich- «appen in beistehender Form und Größe.") Stempel wird auf der Innenseite beider Flügel auf- gedrückt. *) Bergt. Sentralblatt für dsS Deutsche Aeich Nr. 4S. Bekanntmachung. In Hungen ist in einem Gehöfte die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre verfügt worden. Gießen, den 14. Dezember 1899. Großh. Kreisamt Gießen. ________I. 93.: Boeckmauu._______________ Bekanntmachung. I» AlH ach ist in vier Gehöften die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und Sperre dieser Geh oste und derGemarkung verfügt worden. D,e GemarkungS- sperre hat die des öfteren bekannt gemachten Wirkungen. Gießen, den 14. Dezember 1899. Großh. Sreisamt Gießen. I. V.: Boeckmann. Bekanntmachung. Betr.: wie oben. Ju Ruttershausen ist die Maul- und Klauenseuche erloschen und Aufhebung der Sperrmaßregeln Verfügt worden. Gießen, den 13. Dezember 1899. Großherzogliches KreiSamt Gießen. ____________________v. Bechtold.____________________ Bekanntmachung. Betr.: wie oben. In Lang-Göns ist die Maul- und Klauenseuche erloschen. Gießen, den 13. Dezember 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. S Lokales und Vroviryielles. Gießen, den 14. Dezember 1899. *• Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Die Sitzung des 12. Dezember fand wiederum in der großen Aula der Universität statt, wo auch die übrigen Vorträge voraussichtlich abgehalten werden sollen. Der Vorsitzende gedachte zunächst des allzu frühen schrecklichen Tode- eines früheren Redners in der Gesellschaft, Dr. G. Kolb, der im September nahe dem Flusse Guaso Njiro durch ein Nashorn getötet wurde, und wies dann auf die bevorstehende Rückkehr der Expedition des Herrn Dr. Hermann Meyer aus Zentral- brasilien hin, an der auch Herr Assessor Koch aus Grünberg teilnimmt; wenn auch diese Unternehmung infolge von widrigen Umständen ihr Ziel nicht ganz erreicht hat, so sind doch ohne Zweifel auch so noch wertvolle Ergebnisse zu erwarten. Hierauf hielt Herr Dr. Deckert aus Washington einen Vortrag über die Nordamerikanische Union als Weltmacht. Daß der junge, demokratisch-förderalistische Freistaat Weltmachtbestrebungen, die denjenigen von Alt- Rom und Britannien nicht unverwandt sind, verfolgte, war denen, die sich mit der Weltpolitik der westlichen Erd- hemisphäre beschäftigen, seit lange bekannt, und in der sogenannten Monroe-Doktrin war das Programm jener Bestrebungen bestimmt formuliert. Deutlich vor Aller Augen trat die Thatsache aber erst durch die Ereignisse des Jahres 1898, als durch die leichten Siege der Amerikaner über die Spanier nicht blos in Westindien und Mittel.- und Südamerika, sondern auch im Stillen Ozean eine von Grund aus veränderte Weltlage geschaffen wurde. Die Zerstörung des spanischen Kolonialreiches konnte ohne Aufwand von großer militärischer Kraft gelingen, weil dasselbe ganz besonders durch die von den Unionsbürgern betriebene langjährige Unterminierungsarbeit vollkommen termitenhohl war. Das Festhalten der gewonnenen Positionen auf den Philippinen, sowie auf Kuba und Puertorico hat bereits größere Anstrengungen gekostet, wird aber noch viel größere kosten. Außerdem wollen die Amerikaner aber auf der betretenen Bahn offenbar noch weiter vorwärts gehen, und die geschaffene Lage im Stillen Ozean macht namentlich die Verbindung ihrer beiden Küsten durch einen interozeanischen Kanal zum dringenden Bedürfnis. Der von ihnen geplante Nicarragua-Kanal könnte aber gerade leicht die Achillesferse der Union werden. Technisch recht wohl ausführbar, wird er doch ungleich höhere Kosten verursachen, als veranschlagt ist (ursprünglich 41, jetzt 125 Millionen Dollars) und fein Betrieb würde schwerfälliger und langsamer sein, als bei dem halbfertig liegen gebliebenen Panama-Kanal, der viermal größer ist. Wirtschaftlich würde aber in absehbarer Zeit weder der eine Kanal, noch der andere die Ausführung lohnen, außerdem aber auch schon vor Beginn des Werkes vielfache Verwickelungen mit England und mit den mittel- amerikanischen Republiken erzeugen, welch letztere einschließlich Mexikos und Westindiens eine der amerikanischen fremdartige Bevölkerungsmasse von 20 Millionen darstellen, die sich ein von den Amerikanern zum Schutze des Kanals geplantes „Gibraltar" schwerlich gefallen lassen werden. — Die natürlichen Voraussetzungen der Welt- machtbestrebungen der Union sind im übrigen in vielfacher Beziehung außerordentlich günstige. Schon durch ihre Volkszahl von 70 Millionen, die auch die mexikanische ungefähr sechsmal überragt und die Gesamtvolkszahl der südamerikanischen Republiken zweimal, ist ihr Uebergewicht auf der Westhemisphäre erklärlich. Dazu stützt sich die Union auf phänomenale Hilfsquellen beinahe in jeder Beziehung, und vor allem ihre durch ungeheure Eisen- und Sohlenschätze sowie durch zahllose starke Wasserkräfte geförderte und durch den Mac Kinley-Tarif treibhausartig empor getriebene Industrie fordert heute die Eroberung neuer Märkte über See, sowie Kolonialerwerb. Die Lage zwischen ihren beiden großen Ozeanen macht sie an und für sich beinahe unverwundbar, ihre überseeischen Besitzungen würden aber jedem Gegner, der stark zur See ist, bequeme Angriffspunkte bieten. Auch für den Welthandel sind ihre geraden und vergleichsweise kurzen Seewege nach Europa und Asien, sowie nach den afrikanischen und amerikanischen Tropen die denkbar vorteilhaftesten. Ihre Küsten haben indessen das Heranwachsen eines tüchtigen Seemannsgeschlechtes nur in Neu-England begünstigt, und nur von Alaskas Aufblühen hat sie zur Abstellung dieser Schwäche vielleicht noch viel zu erwarten. Die amerikanische Hochseehandelsflotte ist daher zur Zeit verhältnismäßig unbedeutend, und die Entwickelung der Kriegsmarine stößt in dem Mannschaftenmangel auf eine Hauptschwierigkeit. Die Expansion im Sinne der Monroe-Doktrin würde in der Union naturgemäß zu einer stärkeren Centralisation der Staatsgewalt und zu einer Vergrößerung der Befugnisse der Exekutive führen. Wir Deutschen haben uns namentlich in Westindien und Mittel- und Südamerika, wo unsere Kaufleute sich eine so stolze Stellung errungen haben, auf einen sehr harten Wettbewerb mit der Union gefaßt zu machen. Im Inneren des Unionsgebietes beeinträchtigen vor allem die riesigen Entfernungen und die dadurch entstehenden Transportkosten die Konkurrenzfähigkeit der amerikanischen Ware. ** Fräulein Johanna Orth aus Darmstadt, seither Schülerin der Gcsangschule des Herrn Richard Senfs dorten, sang vor kurzem mit großem Erfolg in einem Konzert des Darmstädter Lehrer Sängerchvrs. Die dortige Preffe rühmt einstimmig die sympathische Stimme, sowie deren vortreffliche Schulung. Grimberg, 13. Dezember. Wie nunmehr dem Vorsteher der hiesigen Neubauabteilnng für Nebenbahnen amtlich mitgeteilt wurde, bleibt das Eifenbahnbauamt vorläufig hier. Diese für unsere Stadt günstige Entscheidung der Behörde ist hauptsächlich den Bemühungen des hiesigen Stadtvorstandes, der in der Angelegenheit vorstellig wurde, zu verdanken. — Wie schon seit Jahren, so zirkuliert auch jetzt wieder unter der Bewohnerschaft eine Liste zur Zeichnung von freiwilligen Beiträgen zur Veranstaltung einer Christbescherung für die Kinder unbemittelter Eltern. Die Feier selbst wird auch diesmal wieder im Saale der Kleinkinderschule stattfinden. — Der Süb- amerikaforscher Herr Dr. H. Meyer trat vor Jahresfrist wieder eine Reise in das Innere Brasiliens an. An derselben beteiligte sich auch Herr Lehramtsasseffor Koch von hier. Wie jetzt bekannt wird, ist die Expedition durch die Ungunst der Verhältnisse unterbrochen worden, und die Teilnehmer sind nach Cuyaba zurückgekehrt, von wo aus sie die Rückreise nach Europa bereits angetreten haben. Ende dieses Monats dürften die Herren voraussichtlich wieder in der Heimat eintreffen! W. Aus der Wetterau, 13. Dezember. Mit der hessischen Landeslotterie wird es nun wirklich Ernst; in Nidda wurde eine Unterkollektur errichtet und man kann sich zum Ankauf von Losen melden. Wir hatten Gelegenheit, die Spielpläne einzusehen, wahrscheinlich wird derjenige mit einer geringeren Anzahl von Losen, aber hohen Gewinnen, zur Durchführung gelangen. Der höchste Gewinn mit der Prämie wird 700 000 Mark betragen, die Lose sollen noch vor den Weihnachtsfeiertagen erhältlich fein, es werden bereits Anmeldungen darauf entgegen genommen. Bei uns in der Wetterau ist man sehr begierig darauf. Bekanntlich fielen im vergangenen Sommer bedeutende Gewinne aus auswärtigen Lotterien in die Dörfer Reichelsheim, Leidhecken, Bisses und nach Hungen. Das hat die Leute sehr angefeuert, und jeder möchte gern den höchsten Treffer erzielen. Butzbach, 13. Dezember. Herr Bürgermeister Joutz ist auf feinen Antrag bis zum 1. Mai 1900 beurlaubt und sind Herrn Beigeordneten Bernh. Küchel die Geschäfte der hiesigen Bürgermeisterei übertragen worden. -g. Von der Bergstraße, 13. Dezember. Sie brachten vor einigen Wochen eine kurze Uebersicht über den Ausfall der Weinernte in Rheinhessen. Als Ergänzung dürften nachstehende Mitteilungen aus der hiesigen weinbautreibenden Gegend dienen. Bei uns, das muß voraus- geschickt werden, geht die Kultur der edlen Rebe mehr und mehr zurück. Die Fehljahre bringen zu starke Ausfälle im Budget des kleinen Mannes, der nicht im stände ist, viele Jahre zuzuschießen, ohne etwas zu ernten. Daher kommt es, daß manche Weinberge trostlos aussehen; von Düngung ist vielfach keine Rede mehr, kaum wird die nötige Behackung und Verpfählung vorgenommen. Wüste und verwahrloste Weinberge gewähren einen trostlosen Anblick. Wie waren wir anno 1870 stolz auf unsere Weinberge, als die Ostpreußen und Pommern mit ihren schweren Belagerungsgeschützen für Straßburg bei uns anhielten und voll Verwunderung hörten, daß die stundenweit au den Bergen hinziehenden grünen Flächen feine Kartoffeln, sondern edle Reben wären — und was wird nach und nach daraus! Die diesjährigen Erträge sind vielfach sehr unbedeutend und decken meistenteils die Kosten nicht. Wer in der Lage war, die Trauben im schönen Oktoberwetter noch ausreifen zu lassen, hat einen recht trinkbaren Stoff erzielt, dessen Haupt- gährung beendigt ist. Die Wein- und Mostpreise waren befriedigend. Da die meisten Winzer jedoch nichts, ober nur wenig zu verkaufen hatten, konnten diese Preise nichts nützen. □ Mainz, 13. Dezember. Gegenüber einer Meldung der „Pol. Korresp.", daß gegenwärtig zwischen dem heiligen Stuhle und der hessischen Regierung Unterhandlungen wegen der Besetzung des Bistums Mainz gepflogen würden, teilt das „Mainzer Journal" auf das bestimmteste mit, daß diese Gerüchte zurzeit jeder Unterlage entbehrten. Staatsminister Rothe habe noch vor wenigen Tagen erklärt, daß er nicht gesonnen sei, die Rechte des Domkapitels in irgend welcher Weise zu schmälern. — Nachdem die Feuerbestattung in Hessen gesetzlich zu- gelassen ist, plant der Verein für Feuerbestattung, auch hier ein Krematorium zu errichten und zwar in Gemeinschaft mit dem Wiesbadener Feuerbestattungsverein. Die Vorstände beider Vereine haben letzter Tage eine gemeinsame Sitzung gehabt, in welcher man beschlossen hat, daß der Bau eines Krematoriums in Mainz von beiden Vereinen betrieben werden soll. Man erwartet, daß die Stadtgemeinde Mainz den für das Krematorium und Kolumbarium nötigen Platz auf dem hiesigen städtischen Friedhof bewilligen, sowie demnächst das vorgeschriebene Ortsstatut betr. Feuerbestattung annehmen und die Verwaltung des zu übernehmenden Krematoriums übernehmen werde. Die für den Bau erforderlichen Mittel sollen durch freiwillige Beiträge aufgebracht werden. — Der Rhein geht feit verflossener Nacht in feiner ganzen Breite schwer mit Eis. Zahlreiche Dampfer beeilen sich, die vielen Schiffe, die noch auf dem Strome sind, in die Häfen zu schaffen, was der sich an den Ufern festgesetzten Eismassen wegen teilweise schon recht schwierig ist. Eben ist man damit beschäftigt, die Landungsbrücken abzufahren. An flachen Ufern und den Sandbänken haben sich große Eislehnen festgesetzt, deren Ausdehnung ein Zugehen des Stromes beschleunigen. Vor der Stadt hier waren verflossene Nacht 13 bis 14 Grad Kälte. Wetzlar, 14. Dezember. Wie der „Wetzl. Anz." vernimmt, hat sich der Minister der öffentlichen Arbeiten damit einverstanden erklärt, daß die voll- oder schmalspurige Schienenverbindung, welche der Bürgermeistereiverband Greifenstein (Ulm) .für den Personen- und Güterverkehr von Biskirchen durch das Ulmthal über Allen- borf, Ulm und Holzhausen nach Driedorf plant, als Kleinbahn gebaut werde Die Bahn wird in ihrem nördlichen Auslauf Anschluß erhalten an den künftigen Staatsbahnhof bei Driedorf der projektierten staatlichen Nebenbahn von Herborn nach Langenhahn oder an einem anderen Punkt der Linie Limburg Altenkirchen (Westerwald), im Süden sich an die Lahnbahn Limburg-Wetzlar anschließen. Marburg, 13 Dezember. Sein 25jähr. Dienstjubiläum feiert am heutigen Tage Herr Kapellmeister Otto Schonert. Die Jägerkapelle brachte ihm am heutigen Morgen ein Ständchen, das der frühere langjährige Dirigent der Jägerkapelle, Herr Kapellmeister a. D. Musiklehrer Noak leitete. Das Offizierkorps, die Oberjäger und die Kapelle beglückwünschten den Jubilar und ließen ihm Ehrengeschenke — darunter einen Ehrensäbel — überreichen. „Ob. Ztg." Biedenkopf, 12. Dezember. Wie man dem „H. A." mitteilt, sind die Hoffnungen, welche man auf ein aus- giebiges Kohlenlager bei der in der Nähe von Gladenbach b. Br. gelegenen Erzgrube Boxbach gesetzt hatte, zu Wasser geworden. Das Kohlenlager ist bereits erschöpft, und hat es sich nur um einen Haufen Kohlen gehandelt, der vor Jahren von Arbeitern in einem verlassenen Stollen liegen gelassen wurde. Vermischtes. • Würzburg, 12. Dezember. Einen traurigere Ausgang nahm verflossene Woche eine zwischen mehrere» jungen Leuten in Würzburg verabredete Wette. Der in einer Fahrradhandlung beschäftigte 19jährige Mechaniker Heller wettete, als blinder Passagier mit der Bahn nach Nürnberg zu fahren. Er verschaffte sich von einem Bremser eine Dienstmütze und gelangte damit auch auf einen Bahnzug. In der Nähe von Hellmitzheim stürzte er aber nachts vom Zuge, wobei ihm der Kopf vom Rumpfe getrennt wurde. Erst dieser Tage wurde durch die Untersuchung die Persönlichkeit des Verunglückten, in dem man zuerst einen Bahnbeamten vermutet hatte, festgestellt. ♦ Osnabrück, 12. Dezember. Prinz Leopold zu Isenburg und Büdingen-Birstein, der bei dem 78. Infanterie-Regiment eine außerordentliche sechsmonatliche Reserve-Uebung absolvierte, wird zur ostafrikanischen Schutztruppe übertreten. Prinz Leopold ist der älteste Sohn des Fürsten zu Isenburg. Des Prinzen Mutter ist eine österreichische Erzherzogin. Infolge besonderer finanzieller Umstände hat der Prinz auf einen Teil seiner Vorrechte, u. a. auf den Titel Erbprinz, verzichten müffen. Er trat 1886 bei dem 4. Kürassier-Regiment in Münster ein, verließ indessen schon im darauffolgenden Jahre den aktiven Dienst und begab sich auf Reisen. Jetzt ist Prinz Leopold Oberleutnant ä la suite der Armee und Reserve-Offizier im 78. Infanterie-Regiment, bei welchem er die erwähnte Uebung absolvierte. Während seines hiesigen Aufenthaltes hat er sich in weitesten Kreisen Sympathien erworben. * Wien, 12. Dezember. Ein hübsches Pröbchen von Künstler-Eitelkeit hat Frau Pauline Lucca geliefert. Bürgermeister Dr. Lueger verlas in der letzten Sitzung des Gemeinderats folgenden Brief der Lucca: „Hochverehrter Herr Bürgermeister! Erschrecken Sie nicht, wenn Sie auch meine Schrift sehen. Ich will Sie nicht wieder mit einem Anliegen belästigen, das heißt, ein Anliegen ist es allerdings, aber anderer Art. Es kränkt mich schon lange, daß im Rathause meiner Vaterstadt die Bilder so mancher Künstlerin und so manchen Künstlers sich befinden, die weder Oesterreicher sind, noch einen Weltnamen besitzen, und mein Bild, die ich doch meiner Heimat in zwei Hemisphären die größte Ehre machte, fehlt. Ich bitte daher um die Erlaubnis, dem städtischen Museum mein lebensgroßes Porträt, gemalt von Professor Jebens, dessen Kopie sich in Rußland in der Galerie berühmter Frauen befindet, anbieten zu dürfen. Ich würde mich glücklich schätzen, wenn Sie, hochverehrter Herr Bürgermeister, dies mein Anerbieten annehmen würden. Mit der größten Verehrung und Ergebenheit Pauline Lucca." Der Bürgermeister bemerkte hierzu, daß der Gemeinderat das Anerbieten dankbar annehme. Wöchentliche Uebersicht derTodesfälle in Gießen. Monat Dezember 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500, inkl. 1600 Mann Militär.) Sterblichkeitsziffer: 14,86, ohne Abzug der Ortsftemden 8,48°/«. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Lungenschwindsucht 1 CD 1 (1) Typhus 1 (1) 1 11) - - Schlagfluß 1 (0) 1 — — Empysem l (0) 1 — — Verbrennung 1 (0) 1 — — Bronchitis 1 (0) — 1 — — Scharlach 1 (1) - - 1 (1) Summa: 7 (3) 5 (2) 1 (0) 1 (1) Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Wetterbericht. Der Luftdruck hat noch an Intensität allenthalben verloren. Seine Verteilung zeigt jedoch im großen und ganzen das gleiche Bild wie gestern. Das Maximum hält sich im Nordosten, während über dem Mittelmeergebiet sowie westlich der britischen Inseln Depressions-Centren liegen. Letzteres Minimum breitet sich nunmehr auch gegen den Kontingent herein aus, wobei in Zentral-Europa der Luftdruck in sehr starkem Sinken begriffen ist. Die Witterung hat aus unserem Gebiete zunächst noch keine Aenderung erfahren. Der strenge Frost hält allgemein an. Der Himmel ist im Flachlande wolnq oder trüb, an den Hochstationen heiter. Voraussichtliche Witterung: Vorerst noch keine wesentliche Aenderung des bestehenden Witterungs Charakters. Vor Weihnachten werden die getarnten Vorräte hi Herren-Anzugen. Ueberziehern, Joppen, Hosen, Westen. 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Dirigent 6|l«r unb9 Lu,,b bi, 1 ^«nfätel 6111 > " über-. h- N« 1? .4. in bet^hp.Cln Quä; °kbach ‘Ser ist bereit?^/ U °ufen Kohlen Ksi, "—«'S 1(°) t .je viele Hfl ä bet bnK^r io®'c ®e^bikl M fitt o ^^Ze^L aui ws, Die streng .... b(t;,.W‘,L$r -i" ;■ ,l*2 -'.Ästö'» «orlö» Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Gartenstrahe 2. ««gebot der «rbettnehmerr 1 Bäcker, 1 Maschinist (geprüfter Heizer), l Bausckreiner, 1 Taqlöhner für leichtere Beschäftigung, 1 Hausbursche, 2 Lauf« frauen, 2 Schweizer, 1 Kontorist für Korrespondenz und Buchhaltung. »achfrage der Arbeitgeber r 1 Bäcker, 2 Bausckloffer, eine Anzahl Maschinenschlosser, 1 Schuhmacher, 2 Bauschreiner, 2 Hausbürschchen, 1 Mechaniker- lehrl ng, 1 Friseurlehrling, 4 Dienstmädchen, 2 Lauffrauen, 1 Putzfrau für einige Zage vor dem Weihnachtsfeste. ______ Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Lumda für das Jahr 1900/1901 liegt vom 16. Dezember 1899 an auf dem Bürgermeisterei- Bureau zur Einficht der Interessenten acht Tage lang offen. Lumda, dm 13. Dezember 1899. Großhsrzogliche Bürgermeisterei Lumda. Schultheiß 8668 7858] Mansardenwohnung, 3 freund!. Zimmer, Küchc, Wasserleitung nebst allem Zubehör, per sofort zu vermieten. __________ Srordanlage 11. 849V] Ltipharrftratze 15r Mansarde, 3 Zimmer und Küche, sofort zu vermieten. Näheres «liccstratze 19, I._________ 8548] Eine kleine 4'Zimmerwohnung mit Zubehör im 2. Stock per sofort oder später zu vermieten. Echottstratze l9. 8674] Zwei Wohnungen von 2 und 3 Zimmern mit Zubehör per 1. Januar zu vermieten. H. ttaetz Nackf., Kreuz 15. 85911 2- bis 3.Zimmerwohnung mit Wasserleitung zu vermieten. Näheres _________Schiffenbcrgerweg 58. 8641] Logis von 6 Zimmern mit allem Zubehör, durch Versetzung frei geworden, alsbald beziehbar. ________________Ludwigstratze 31. 04453] Kleine 3'Zimmerwobnung zu vermieten. 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