6971 ogooQQQi lt 34 Wtaje). oese, itkjm i. y. 1« »MchNih«. Ärläge^ leßM eine Hsuptstitd». 14, w ML tottbro zu HL 7208 . Aem-andkvug. Weiß« und Rotveim von 'n 90 Pfg. an. Bei Abnahme Pfg. mehr. Devtsche on> en, ßb-l-rch 14. inpf= ui Mtichi [I O JlltfiBttitl 'ein «*ääP* Mäuschen rc. nUtteartitd re. Msweg 2. XXXXXXXXXXXXX ^MerAmviati,'»* den einfachsten bi. den feinsten. Petroleum- , ZMA-83. 1*° kS””n werd«1' , be»oge° Nr. 243 Viertes MM, Sonntag den 15. October 1899 Gießener Anzeiger General-Anzeiger leaHeit »•« ln|eigtn zu Vt ne^Mtttagl Mr H (■tgmTrr Sag erschNnenvw Wn»met HO »»ne. 19 Ntzr. 11t lngdgtn»Bcnnitthmg«lelai M In- nx> InttxEfc* •tarnen Ingdgen für le« Gieße»« Inzeig« oüfagr» Bei Postbezug 9 Mark 50 ^erleltLhrlich Bt|* *gsprcto oierleljährlich 2 Mark 20 Pf, monatlich 75 Pfz mit vringerlabm Gr^cheNN UgM ■rtt lain^DW de« W»Rt8,«. We Gieß—M-M— » II I 1 '1 ............." *- L Grsttsbettagr«: Gießener ZamilienbläNrr, Der hessische Kandwirt, KlSiter für hessische DoiK? Kunde. ——WWW———WP«—»WB—I« ^»»^1 i> »ui»«»« Ibrefst für Depeschen: Auzeig« Fernsprecher Nr. 51 mm—ia———n>i>M mi.■■ • Volitische Wochenschau. ** Gießen, den 14. Oktober. Daß die Krisengerüchte immer noch nicht verstummen wollen und sich besonders an die Person des Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums Herrn von Miquel knüpfen, haben wir schon berichtet. Aber wer vermag bei uns die kommenden Ereignisse vorherzusagen! Daß der Allgewaltige stark ins Schwanken geraten war, kann niemand leugnen, aber vielleicht hat er seine Position wieder gesichert. Es ist eine fatale Sache, mit Schützlingen Pech zu haben, und Frhr. von Zedlitz, der gewesene Präsident der Seehandlung, war ein Schützling des Herrn von Miquel. Für unsre heutigen Verhältnisse ist es überhaupt bezeichnend, daß man mehr vom Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums redet als vom Präsidenten und Reichskanzler Fürsten Hohenlohe. Doch das ist gar nichts neues mehr! Das allgemeine Interesse ist jetzt auf die Ereignisse in Südafrika gerichtet: die Buren haben neulich die Offensive ergriffen und sind in Natal eingerückt. Mit großer Spannung sieht man dem Verlaufe des Kriegs entgegen, der nicht durch den Transvaalstaat heraufbeschworen, sondern durch die abenteuerliche Politik der englischen Regierung veranlaßt worden ist. Man mag den Wagemut der kleinen Burenrepubliken bewundern, aber sie kämpfen um ihre Existenz, deren sie bei weiterer Nachgiebigkeit gegenüber den englischen Forderungen so wie so verlustig gegangen wären, lieber die Folgen des Kriegs schon heute Betrachtungen anzustellen, wäre verfrüht, noch haben ja die Kämpfe nicht begonnen, und die Mächte hatten bisher keine Veranlaffung, zu dem Kriege Stellung zu nehmen. Vielleicht erringt England Erfolge, aber es sollte sich ein Exempel genommen haben an den letzten kriegerischen Lorbeeren der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Diesen machen die neuen Kolonieen vielen Kummer, und wer weiß, ob sie jemals Freude daran habey werden. In Bulgarien ist eine Ministerkrisis ausgebrochen, was ja nicht weiter verwunderlich ist in diesem Lande, das noch nicht recht weiß, ob es sich nach rechts oder links, an Oesterreich oder an Rußland lehnen soll. Man behauptet ja, daß Fürst Ferdinand ein persönliches Regiment führt, deshalb kann es die Außenwelt wenig interessieren, ob dieser oder jener bulgarischer Ministerpräsident ist. Bulgarien wird erst dann eine entscheidende Rolle spielen, wenn die orientalische Frage aufrollt werden wird, was vielleicht nicht mehr in weiter Ferne liegt, da es im türkischen Reiche neuerdings anfängt, zu kriseln. Zwar werden von der Pforte armenische Unruhen in Abrede gestellt, aber wer kann etwas auf türkische Dementis geben! Oesterreich steht noch vor dem Wendepunkt in feiner inneren Politik. Vorläufig hat das neue Ministerium nichts von sich hören lassen, aber der Reichsrat tritt ja binnen kurzem zusammen, und dann muß es Farbe bekennen. Vermischtes. * Hagen, 13. Oktober. Die große Eisenwaren- und Blechfabrik von Alfred Winkhaus in Oeckinghausen (Kreis Halver) ist heute früh nieder gebrannt. * Köln, 12. Oktober. Auf dem Bahnhof Deutzer-- feld geriet heute nachmittag der Lademeister -Münster zwischen die Pfuffer zweier Waggons. Er wurde sofort getötet. Der Verunglückte hinterläßt eine zahlreiche Familie. * Osnabrück, 12. Oktober. Bei dem Neubau der Herz Jesu-Kirche stürzte das Gerüst ein. 5 Maurer kamen dabei zu Schaden und trugen zum Teil schwere Verletzungen davon. * Eschwege, 12. Oktober. Von einem sehr harten Schlag wurde hier die Witwe L., welche in der Herrengasse ein Klempnergeschäft betreibt, betroffen. Dieselbe hatte einen einzigen, zwanzigjährigen, sehr hoffnungsvollen Sohn, welcher in Charlottenburg bei Berlin als Elektrotechniker thätig war. Gestern nun traf telegraphisch die Nachricht von dort hier ein, daß der junge Mann in seinem Berufe durch einen elektrischen Strom getötet worden sei. Die Leiche wird nach Eschwege gebracht. Der traurige Fall erregt die allgemeinste Teilnahme. * Berlin, 12. Oktober. Verkommen! Die ehemalige Circuskünstlerin Margarete Otto, zu Anfang der achtziger Jahre eine gefeierte, vielumworbene Schönheit und in Artistenkreisen berühmte Parforcereiterin, voll eleganter Schneidigkeit und unerschrockener Kühnheit, ist gestern in Rixdorf — von zwei Gendarmen aufgegrisfen und verhaftet worden. Sie irrte dort in den Straßen in total verkommenem, erbärmlichem Zustande umher, war bereits seit längerer Zeit ohne Obdach und fristete ihr armseliges Leben durch Bettel. Dieses Ende der einst so vornehmen Reitkünstlerin, die während ihrer Glanzzeit in Gold und Brillanten förmlich wühlen durfte, die über einen Troß von Dienerschaft verfügte und sich nie anders zeigte, als in kostbaren Pariser Toiletten, von denen jede einzelne ein kleines Vermögen repräsentierte, hätte kein Mensch vorausahnen können. Man braucht sich nur jener Zeit zu erinnern, da sie im Zenith ihrer Bedeutung stand; da lag die gesamte jeunesse dorße zu ihren Füßen, bereit, jeder ihrer tollsten Launen nachzukommen, sich für die schöne Grete, wie sie kurzweg genannt wurde, zu ruinieren; wenn sie aber in der Manege erschien und ihre Parsoreeschule int Stile des alten Cuizot ober Welbosque ritt, da umrauschte sie beifallsfreudiger Jubel, der kein Ende nehmen wollte. Doch dieses Glück hielt nicht lange an; ebenso leicht, wie sie Reichtümer erwarb, warf sie Reichtümer zum Fenster hinaus, sich einem verschwenderischen Leben hingebend, das unter Cireusleuten bald sprichwörtlich wurde. Ihr tolles Leben untergrub schließlich ihre Gesundheit, sie konnte bald ihre Reitkunst nicht mehr aus- üben, und mußte dem Circus entsagen. So lange der Schmuck noch anhielt, der ihr aus ihren besseren Tagen geblieben war, ging es noch an, — bald war aber auch das letzte Stück versetzt oder verkauft, und eines schönen Tages hatte die schöne, gefeierte und — bereits vergessene Grete nichts mehr, gar nichts, das sie an die einstige, glanzvolle Vergangenheit hatte erinnern können. Mit dem Reichtum und Glanz waren auch Schönheit und Jugend dahingeschwunden. Margarete Otto sank immer tiefer und tiefer, wurde zur Betrügerin und mußte schließlich durch den Verkauf von Blumen und Streichhölzchen ihren Lebensunterhalt verdienen. Gestern ist sie nun auf einer neuen Stufe ihrer abwärts geratenen Existenz angelangt — sie wurde auf Grund eines gegen sie von der Berliner Staatsanwaltschaft erlassenen Steckbriefes auf der Straße aufgegriffen und ins Untersuchungsgefängnis abgeführt. * Breslau, 12. Oktober. In Kochanowitz, Kreis Lublinitz, sind neun Bauerngüter nebst der gesamten Ernte niebergebrannt. Mit Feuer spielende Kinber verursachten die Feuersbrunst. * Chemnitz, 12. Oktober. Um einen „Studenten - ulk" auszuführen, setzten im vergangenen Sommer die beiden Schüler der technischen Staatslehranstalt Nickel und Claise aus Limbach, eine Scheune in Brand, in der ein Handwerksbursche nächtigte. Der arme Teufel ist in den Flammen umgekommen. Die beiden Techniker wurden jetzt vom Geschworenengerichte in Chemnitz zu je einem Jahre und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. • Altenburg i. S. A., 10. Oktober. Der im 94. Lebensjahre stehende Pfarrer der Gemeinde Raseph as, Dr. phil. und theol. Julius Löbe, kann jetzt auf eine 60jährige seelsorgerische Thätigkeit in genannter Gemeinde zurückblicken. Am 8. Oktober 1869 wurde Löbe Nachfolger des Pfarrers Seidel, der feit 1794 Pfarrer in Rasephas war. Ein ge- Feuilleton. Berliner Aries. (Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) Kutfcherpech und Prinzengluck. — Worüber Berlin lacht. — Eine halbe Stunde in der Stadtbahn. In Potsdam geht seit etlichen Tagen ein Geist spuken, der zur Zeit des alten Fritz mit einer kurzen Unterbrechung die Zügel in der Hand hatte und dessen Führung der große König sich stets und ohne Bedenklichkeit anvertraute; ein Diener des Weisen von Sanssouci, der nie auf einen Holzweg oder in eine Sackgasse, viel weniger noch in einen Sumpf geriet und der daher auch ein Denkmal in Stein auf dem — Marstall in Potsdam erhalten haben soll: es ist der Leibkutscher des Helden von Roßbach und Leuthen, der brave Pfund, den der alte Fritz einst, weil er die Grobheit dieses Getreuen nicht mehr ertragen mochte, zum Teufel jagte. Aber nach kaum einem Jahre, gerade als Pfund mit einer Fuhre kieferner Knüppel in Potsdam einfuhr, setzte der König den Zuverlässigen wieder in sein altes Amt, der ihm erklärt hatte, wie einerlei es ihm sei, ob er Majestät ober Knüppel fahre. Nach Kopisch enbete bie Zwiesprache zwischen beiben mit den weisen Worten bes Philosophen von Sanssouci: „Hüm finb’t Er nichts dabei Und ist Ihm einerlei Ob es Pferd, ob Esel, Knüppel oder ich Lad' Er ab und spann' Er um und fahr' Er wieder mich!" Dieser alte Pfunb also geht spuken in Potsbam unb entrüstet sich, daß die Wege immer noch nicht besser, aber die Kutscher ganz bedeutend schlechter geworden sein müssen. Ihm wäre das ganz gewiß nicht passiert, zwei Königinnen elend in die Sumpfwiesen zu fahren und stecken zu lassen; es hätten dann welche von der Sorte fein müssen, die seinem Könige das Leben so schwer machten! Die hätte er auf Wunsch vielleicht noch tiefer in die Patsche gebracht! Nun, „ons Wilhelmintje" ist ja mit dem bloßen Schrecken davon gekommen und hat noch dazu das Glück gehabt, wie in einem romantischen Märchen von einem schönen Prinzen erlöst zu werden. Joachim Albrecht, der zweite Sohn des Prinzregenten von Braunschweig war der Vielbeneidete, den sein guter Stern just desselben Weges führte! Ach, unb in Potsbam gibt es so viele Prinzen, große unb kleine, mit einer rührenben Sehnsucht nach Holland im Herzen, die der schönen jungen Königin Beistand geleistet und sie behutsam -an der Hand auf den richtigen Weg — und am liebsten gleich vor den Trau-Altar geführt hätten! . m , Aber nicht nur in Potsdam haben die Kutscher Pech! Auch der Lenker manches Berliner Gefährtes ist irt letzter Zeit ein wenig seitab geraten. Herr von Miquel soll die Peitsche schon ein paar Mal haben weiter geben wollen, und Herr von Manteuffel, der die „Harmlosen" nach Moabit zusammengeholt hat, schaut mißvergnügt auf den Fuhrlohn, der ihm bis jetzt geworden. Natürlich hat sich die Berliner Bühne, allen voran das Metropol-Theater der dankbaren Stoffe bemächtigt und Berlin lacht! Berlin lacht so gern, nur muß ein wenig Schadenfreude dabei sein, wenn's ihm recht behagen soll! Daher haben auch die schier endlosen Anzapfungen, die Berlins erster Bürgermeister wegen seiner Nichtbestätigung erdulden muß, immer wieder ein dankbares Publikum. Aber die Sache hat doch eine recht ernste Seite! Und das Wort Kaiser Karls V. am Grabe Luthers zu Wittenberg, nut dem er den fanatischen Eifer Albas dämpfte, der die Gebeine des „Erzketzers" verbrennen lassen wollte, könnte man auch den Eiferern um das Friedhossportal für die Märzgefallenen zurufen: „Laßt ihn ruhen! Er hat seinen Richter schon gesunden. Ich führe Krieg mit den Lebenden, nicht mit den Toten!"' Aber Berlin lacht so gern! — Es lacht auch über feine eigenen kleinen Schwächen, wenn man sie ihm nur luftig zu Gemüte führt, und der fremde Besucher fühlt sich bald versöhnt mit der schneidigen Schnoddrigkeit, die in manchem Berliner Gewächs steckt, das die sogenannten „Pumphosen" noch nicht einmal abgelegt hat. Nur die Ungeniertheit und Rücksichtslosigkeit, die der Spree-Athener in seiner geliebten Stadtbahn entwickelt, erscheint manchen „von draußen" denn doch ein bischen stark. Thüren, die einem vor der Nase zugeschlagen werden, wollen nichts bedeuten, auch daß ein gut Teil der früh ins Geschäft Fahrenden ihren Koupee Genossen Einblick bis in den Magen gewährt und dabei Töne ausstößt, die allerlei Menagerie-Erinnerungen weckt, mag noch hingehn; selbst die Beendigung der Frühtoilette an den Fingernägeln, der zwanglose und unbedeckte Ausputz der Zähne soll ihnen verziehen werden; daß sie aber anderer Leute Stiefel zuweilen mit dem allerdings sehr notwendigen Institut der Spucknüpfe verwechseln, ist meiner Meinung nach denn doch etwas zu weit gegangen. Und wie sie lächeln, wenn ein Fremder zusteigt und höstich „Guten Morgen" wünscht! Zehn gegen eins geweitet: unter Hundert danken ihm noch keine fünf! Und man fragt sich erstaunt: Sind das die selben Berliner, die in der Sommerfrische verlangen, von jedem Fischer oder Holzhacker gegrüßt zu werden und alljährlich so beweglich Klage darüber führen, daß die Leute auf dem Lande immer mehr verlernen, was sich schickt? A. R. wiß selten vorkommender Fall, daß in einem Ort in einem Zeitraum von 105 Jahren nur zwei Pfarrer amtiert haben. Löbe konnte bereits am 8 Januar 1881 sein goldenes Doktorjubiläum (Dr. phil) feiern. Aus diesem Anlaß wurde er von der theologischen Fakultät der Universität Jena zum Ehrendoktor promoviert. * München, 12. Oktober. Bei der heutigen Vorstellung von „Faust", zweiter Teil, im Hoftheater stürzte Stury, der Darsteller des Faust, im dritten Akt aus dem Wolkenwagen in die Tiefe und erlitt eine Gehirnerschütterung. Die Vorstellung mußte abgebrochen werden. • Linz, 11. Oktober. Nachdem erst am letzten Samstag nächst Pöstlingberg auf der Gramastettner Straße die 86jährige Taglöhnerin Rosa Haudum ermordet aufgefunden worden ist, wurde heute nächst der Militärschießstätte in Alharting, also ebenfalls in der nahen Umgebung von Linz, von einem auf Avisoposten gestandenen Jägersoldaten eine 50- bis 60jährige, bäuerlich gekleidete Frau ermordet aufgefunden. Dem Anscheine nach ist abermals ein Lustmord verübt worden. Seit der Mitte der achtziger Jahre ist dies der fünfte Lustmord; die Thäter der früheren Verbrechen sind bisher unentdeckt geblieben. * Rom, 12. Oktober. Professor Ernst Haeckel erlitt gestern durch Sturz von einem Maultier einige Verletzungen. * Amsterdam, 12. Oktober. Nach einem Telegramm des „Handelsblad" aus Batavia ist die Stadt Amahei an der Südküfte der Insel Ceram durch ein Erdbeben völlig zerstört worden. 4000 Menschen sollen umgekommen, 500 verletzt sein. • Warschau, 13. Oktober. Zwischen Skiernewice und Plycewia ist heute früh gegen 3 Uhr der gemischte Zug der Warschau-Wiener Bahn entgleist. 15 Waggons wurden total zertrümmert. Vom Zugpersonal sind zwei Personen tot, drei verwundet. • Konstantinopel, 12. Oktober. Gestern find in Bassorah fünf Todesfälle und eine Erkrankung an der Cholera vorgekommen. Arbeiterbewegung. ~ Berlin, 13. Oktober. Der Streik der Metallarbeiter hat eine Wendung angenommen, indem die Former und Gießereiarbeiter be- schloffen haben, in den Werkstätten künftig Streikarbeit anzufertigen, sofern die neunstündige Arbeitszeit dabei eingehalten wird. Die Arbeitseinstellung soll ziemlich vermieden, und ohne Genehmigung der Streikleitung darf der Ausstand nirgends mehr proklamiert werden. In der gestrigen Versammlung wurden diese Beschlüsse mit der Haltung der Arbeitgeber begründet, die nach der Meinung der Redner einen allgemeinen Streik in der Metallindustrie Hervorrufen wollten, der unter den heutigen Verhältnissen nur mit einer Niederlage der Metallarbeiter endigen könne. Aus dem gleiche« Grunde hat man auch von dem beabsichtigten scharfen Vorgehen gegen die Firma Borsig Abstand genommen. Es soll thunlichst vermieden werden, dort jetzt ernsthafte Differenzen hervorzurufen. Leipzig, 13. Oktober. Die Formstecher Leipzigs, wie ganz Deutschlands, sind am 9. d. M. in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie unterbreiteten ihren Arbeitgebern folgende Forderungen: 1) 21 Mark Minimallohn bei zehnstündiger Arbeitszeit, 2) 15 Prozent Zuschlag für diejenigen Gehilfen, die jetzt schon einen Lohn von 21 Mark und mehr erhalten, 3) 25 Prozent Zuschlag für Ueberstundenarbeit, die jedoch nur im Geschäft geleistet werden darf, 4) auf je 5 Gehilfen darf nur ein Lehrling eingestellt werden. Da die hiesigen Firmen zum Teil sich bereit erklärt haben, die Forderungen anzuerkennen, so wird es hier zu einer Arbeitseinstellung nicht kommen. — Die streikenden Former und Eisengießereiarbeiter hielten gestern im Pantheon eine Versammlung ab, zu der wohl fast sämtliche Ausständige, 440 an der Zahl, erschienen waren. Es wurde namentlich gegen die angeblich entstellten Berichte in der bürgerlichen Presse Stellung genommen und durch die Situationsberichte aus den einzelnen Fabriken sestgestellt, daß der Stand des Streiks ein fortgesetzt günstiger sei. Alle Redner forderten deshalb zum Nusharren im Ausstande auf. In geheimer Abstimmung wurde mit 433 von 438 abgegebenen Stimmen beschlossen, den Streik weiter zu führen- Dieser Beschluß soll dem Verband der Metallindustriellen mit dem Bemerken mitgeteilt werden, daß die Ausständigen nach wie vor zu Unterhandlungen mit den Arbeitgebern bereit seien. Es streiken jetzt noch 374 .verheiratete Former und Eisengießereiarbeiter mit 880 Kindern und 66 ledige, zusammen 440 Arbeiter. Kunst und Wissenschaft. Oskar Baumann, f Der verdiente Afrikaforscher, deffen Name auf den Karten vielfach als Bahnbrecher, verzeichnet, ist wie gesteni kurz telegraphisch gemeldet, in seiner Vaterstadt Wien im Alter von 35 Jahren seinen Leiden erlegen. Baumann war von Hause aus Geograph. Ohne sich an einen festen Studiengang zu binden, hörte er in Wien Vorlesungen über Geschichte und Geographie, dann übte er sich auf dem militärisch-geographischen Institut int Aufnehmcn von Karten ein, um dann wohlausge- rüstet zuerst 1883 in Montenegro praktische Forschungen zu betreiben- Das Jahr 1885 brachte ihn zuerst nach Afrika, und zwar als Mitglied der österreichischen Expedition, die den Congo erforschte. Mit Chavanne machte er zuerst Aufnahmen am unteren Congo, dann mehr oder weniger auf sich allein angewiesen mehr stromaufwärts. Diese Arbeiten bildete« die Grundlage für die später» Forschungen der Belgier. Die Oesterreicher mochten indes Ursache gehabt haben, mit dem Verhalten der congostaatlichen Behörden nicht zufrieden zu sein. Baumann besuchte auf der Heimreise die bis dahin wenig bekannte, ttst in den letzten Jahren von Spanien dank fremder Anregung u«b ^rembem Kapital wirtschaftlich ausgebeutete Insel Fernando Po; tine Schrift, die er über diese Insel veröffentlichte, wurde als grundlegend betrachtet. Im Jahre 1888 begann er mit Prof. Hans M-yer die Forschungen in Deutsch-Ostafrika, denen er hauptsächlich seinen Ruf verdankt. Bei der Erforschung Usambaras, des heutigen Pflanzungsgebietes, geriet er in die Hände des Araberhäuptlings Buschin; durch ein Lösegeld wurde er aus der Gefangenschaft befreit. Nachdem er im folgenden Jahre abermals Karten im montenegrinischen Gebirge ausgenommen hatte, setzte er 1890, diesmal im Auftrage der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, die Erforschung Usambaras fort, reifte bis zum Kilimandscharo und unternahm die Vorstudien zu der Eisenbahn von Tanga nach Korogwe. Nach einem weitern Aufenthalt in Europa übernahm er 1892 die Leitung einer von der deutschen Antisklaverei Gesellschaft ausgesandten Expedition, die von Tanga aus durch die Massaisteppe nach dem Victoria Nyanza zog; von dieser Reise brachte er die ersten zuverlässigen Nachrichten über das Königreich Ruanda, sodaß Graf Götzen auf seine Mittellungen hin seine Erforschung dieses Landes unternehmen konnte. Auf dieser Reise erreichte Baumann auch die Quelle des gegenwärtig im wesentlichen erkannten Kagenaflusses. Im Jahre 1893 bereiste er int Auftrage der ostafrikanischen Zuckervereinigung den Unterlauf des Pangani, dann erforschte er die deutsch-ostafrikanischen Inseln. Auf all seinen Reisen machte Baumann Aufnahmen, die der Erschließung unseres Schutzgebietes zugute kamen und den heutigen Forschern als Leitfaden dienen. Auch seine Bücher und die zahlreichen Abhandlungen, die er in geographischen Zeitschriften veröffentlichte, werden in Fachkreisen geschätzt. Im Jahre 1896 ernannte die österreichische Regierung ihn zum Honorar-Konsul in Zanzibar. In dieser Stellung zeigten sich bei ihm die ersten Spuren der verheerenden Krankheit, die ihn nun hinweggerafft hat; er veröffentlichte in der „Wiener Zeit" eine Schilderung der deutschen Verwaltung Ostafrikas, die er wohl humoristisch aufgefaßt wissen wollte, die aber doch ohne Frage zu weit ging und als — natürlich ungerechtfertigte — Beschuldigung wirkte. Seine Regierung rief ihn von seinem Posten ab, und alsbald wurde Gehirnerweichung bei ihm sestgestellt. Seine Aeuße- rungen erschienen dadurch entschuldig, und lassen keinen Stachel zurück in Deutschland, wo man ihm nur als verdienstvollem Afrikaforscher ein eherndes Andenken bewahren wird. 7316 herabgesetzten Preisen. 7378 Während des Mittagessens findet Konzert statt. Ergebens! ladet ein W. Duchardt. 7381 Haus, Frankfurt a. M. 7385 M.Kammetfleisch empfiehlt 03660 Gouneustrasie 5. 7298 Möhl, Tauchhm nach keiner Familie fehlen. 7020 in Langsdorf. ILKIippstcin Verantwortlicher Redakteur: H. Ko eg l er. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. ' D'MNtMllMM KMklÜUNM Nn'slhitdeiltg WWllkPiM^ Red Starline M.t Rothe Stern KA ßinie E D°ßäm»M v°n Gansbraten Salat Kompott und Torte. Versteigerung. Dienstag den 17. Oktober l. Js., nachmittags 2 Uhr, versteigere ick gegen Barzahlung Neustadt 55 dahier: 1 Ziege, mehrere Eichenstämme, ein gold. 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Die in Amerika mit unbekanntem Aufenthalt abwesende Nichte des Verstorbenen, Katharina, geb. Damm, Ehefrau des Friedrich Schüler, früher in Denver, Colorado, wohnhaft, wird aufgcfordert, diese Testamente binnen 6 Wochen anzufechten und die Anfechtung hier nachzuweisen, widrigenfalls dieselben als von ihr anerkannt g-lten, und Veräußerungen von Nachlaßgrundstücken seitens der Witwe Damm bestätigt werden. Gießen, den 10. Oktober 1899. Großh. Amtsgericht. Schmidt. 7387 Wkstsälislhes 160 Zentimeter breit, in vorzüglicher Qualität, für den billigen Preis von Städtischer Arbeitsnachweis Gießen ©artenftrabe L. Angebot der Arbeitnehmer» 1 Heizer, 2 Hausburschen, 1 Fuhrmann, 1 Frau zur selbstständigen Führung eines Haushaltes, 1 Putzfrau. 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