1S99 Dienstag den 15. August Zweites Blatt 11 Wres Aints- und Anzeigeblntt für den Atveis Greszen. Len. 5910 LSe «nzeigcn-Bermittlun,-stellen H In- uni ÄuilenH. nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entyf*. InneN*« »en Lnzei-en zu der n-chmittag- für d« Uzenden £q erscheinenden Nummer di- »or«. 16 Uhr. da Coqjs (Parademart ■ v. Mozart 3. Ich send» Walzer t. Joh. Straw. t. H. Fischer. des Eremiten1“ v. Mailari Bich. Wagners, Walküre1 eise, Fantasie für Corn Trompeter- und Pank«' irhondert. 12 Potpomr. ka t. Eilenberg. 14. Äd reite (Zapfenstreich uni ntree 75 Pfg, n Ernst Challier, Htieftien, Lspedition und Druckerei: Schnkßrnße Ar. 7. hält, zur Verlesung. In demselben dementiert Dr. Ramson das von nationalistischen Blättern in Umlauf gesetzte Gerücht, daß er wichtige Aussagen über die Schuld Dreyfus zu machen hätte. Es folgte nun die Vernehmung des Attachees Delaroche-Vernet von der französischen Botschaft in Berlin über das Pannizzardi-Telegramm, welches an das Kriegsministerium gelangt ist. Derselbe weift Palöologue, dem er gegenübergestellt wird, nach, daß das Telegramm vom Auswärtigen Amt richtig übersetzt sei. Die Uebersetzung des Kriegsministeriums sei indessen gefälscht. Durch btefe Aussage wird Dreyfus nicht belastet. Hierauf begann das Verhör des früheren Präsidenten der Republik Casimir Perier. Derselbe erklärte, es sei unrichtig, daß er irgend etwas neues auszusagen habe, was er nicht bereits vor dem Kassationshofe gesagt habe. General Mercier sei es gewesen, der ihm zuerst mitgeteüt habe, es seien militärische Geheimnisse aus dem Generalstab entwendet worden. Verschiedene Dokumente [feien in einer fremden Gesandtschaft in Paris wiedergefunden worden. Später, nach der Verurteilung Dreyfus, habe ihm General Mercier gesagt, er habe dem Kriegsgericht von dem Schriftstück „Ce canaille de D.“ Mitteilung gemacht: Casimir Perier nahm an, daß dies auf gesetzmäßige Weise geschehen sei. General Mercier habe ihm erst 4 bis 5 Tage nach der Degradation Dreyfus von Geständnissen erzählt, die Dreyfus dem Hauptmann Lebrun-Renault gemacht. Auch über den Besuch des Grafen Münster machte Perier dieselben Aussagen, wie vor dem Kassationshofe. Seine Demission als Präsident der Republick habe mit der Dreyfus- angelegenheit und mit der Unterredung des Grafen Münster nicht in Verbindung gestanden. Des weiteren sagte Zeuge aus, Oberst Piquart habe ihn besucht und ihn darauf aufmerksam gemacht, daß die Aussagen des Schriftsachverständigen Bertillon wertlos seien. Vom geheimen Dossier habe er 14 Tage nach der Verurteilung Dreyfus Kenntnis erhalten, und er habe dasselbe genau studiert. Was die Persönlichkeit Dreyfus anlange, so habe er denselben niemals gekannt und niemals mit einem Mitgliede der Familie Dreyfus eine Unterredung gehabt. Zeuge Pürier schloß seine Aussagen mit den Worten, dieser Ort sei nicht der richtige, um Mitteilungen über die Befugnisse zu machen, welche einem Präsidenten der Republik zustehen. Er befinde sich hier vor dem Militärgericht, und wie immer sei er auch heute der Ansicht, sei es als Oberhaupt des Staates oder als einfacher Bürger, jeder müsse dazu beitragen, daß im Lande die Wahrheit aufgedeckt werde. Damit schloß das Verhör Casimir Püriers, das allgemeine Erregung hervorrief. Nunmehr begann das Verhör des Generals Mercier. Derselbe überreichte dem Präsidenten des Kriegsgerichts einen Brief, den Dreyfus an Casimir Pürier gerichtet, und worin dieser den Präsidenten daran erinnert, daß er ihm versprochen, sein Möglichstes zu thun, damit kein Ausschluß der Oeffentlich- keit stattfinde. Dreyfus bestritt, diesen Brief geschrieben zu haben. Alsdann wiederholte Mercier, der feine Aussagen nicht die Rede fein von denjenigen, die mit verwegenem Leichtsinn selbstmörderische Aufstiege an Stellen versuchen, die nicht einmal den Hufen der flüchtigen Gemse und des Steinbocks Halt gewähren, oder von jenen, die durch irgend eines der unvermeidlichen Naturereignisse, wie Steinsturz oder Lawinen, ihr Leben verlieren, sondern jene bedauerlichen Unfälle sollen besprochen werden, die im Gebirge jedem zustoßen können, der in Ueberschätzung seiner Kräfte durch seine Willenskraft den Körper zu Leistungen zwingt, welchen derselbe nicht gewachsen ist. Der „Bergkrankheit", unter welchem Namen man seit einigen Jahren die schwersten Erscheinungsformen der Ueber- anstrengung durch Steigen und Klettern im hohen Gebirge zusammenfaßt, erliegt immerhin in jeder Saison eine ganze Anzahl Menschen. Ungleich größer aber ist die Zahl derjenigen, welche zwar nicht jählings wie eine vom Blitze gefällte Eiche niederstürzen, um nie wieder aufzustehen, aber doch eine bleibende Schädigung im Organismus, namentlich eine Schwächung der Herzkraft, erleiden, und einem frühzeitigen Siechtum verfallen. Wir leben in einer Zelt, welche nicht nur die geistigen Kräfte, sondern auch die körperlichen bis an ihre Elastizitätsgrenze anspannt. Letzteres ist aber namentlich gefährlich für den Stadtmenschen, der nach 11 Monaten relativer körperlicher Ruhe im zwölften Monat, der seine Urlaubs- und Erholungszeit ist, Berg- partieen unternimmt, zu denen zum mindesten eine vorangegangene Hebung und Gewöhnung gehört. Durch mißverständliche Auffassung der Worte Alexanders v. Humboldt, der gelegentlich der Bereisung Südamerikas «treffe für Depeschen: Anzeiger $U|au Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Mütter für hessische Volkskunde._______________ und Mexikos die hohen Vulkankegel der Anden und Cordilleren bestieg und dabei von der Bergkrankheit heftig ergriffen wurde, ist in die Begriffsbestimmung dieses Zustandes eine heillose Konfusion eingerissen. Man nahm nämlich fast allgemein an, daß die Bergkrankheit erst in Höhen von etwa 5000 Meter und darüber sich geltend mache — und eine Folge der großen Luftverdünnung fei, bei welcher der Körper unter Sauerstoffmangel und Ueberproduktion von Kohlensäure leide, und schließlich zugrunde gehe. Das ist aber nut zum Teil wahr; denn obwohl die große Luft- verdünnung unzweifelhaft ein wirksamer Faktor für das Entstehen der Krankheit ist, sind doch einerseits Hochgebirgstouristen, wie Whymper und Güßfeldt, in neuerer und neuester Zeit im Himalaya, am Aconcagua in Südamerika und am Kilimandscharo in Deutsch-Ostafrika zu viel bedeutenderen Höhen vorgedrungen, und Luftschiffer haben mehrfach auch ohne künstliche Sauerstoffatmung Höhen von 7000 bis 8000 Meter erreicht, ohne an ihrer Gesundheit Schaden zu nehmen, andererseits zeigen viele Personen schon auf viel geringeren Bergen von 1500 bis 2000 Meter Höhe an, welche also wenig oder garnicht über die höchsten Spitzen unserer deutschen Gebirge hinausgehen, alle charakteristischen Symptome der Bergkrankheit. Logischerweise faßt man darum auch alle Schwäche- und Ermüdungszustände ernsterer Natur, welche beim Erklettern beträchtlicher Berge auftreten, so verschiedenartig sie sich auch gestalten mögen, unter dem Namen „Bergkrankheit" zusammen. . , Führen wir der Anschaulichkeit wegen einmal einige Beispiele vor. Die Kaiserrede in Dortmund. Wir haben immer die Auffassung vertreten, daß, nachdem der Kaiser zugesagt hatte, der Einweihung des Dort- mund-Ems-Kanals in Dortmund beizuwohnen, er auch diese Gelegenheit benutzen werde, um seine Willensmeinung bezüglich der Kanalfrage darznthnn. Bekanntlich nimmt diese Angelegenheit in Preußen gegenwärtig das ganze Interesse in Anspruch, und die Lage ist um so verwickelter, als die sonstigen unbedingten Anhänger der Regierung sich in der Opposition befinden. Die Feier in Dortmund hat am Freitag stattgefunden, und der Kaiser hat gesprochen. Kurz und bündig ist die Rede, dazu unzweideutig. Der Monarch betrachtet den fertiggestellten Kanal als ein Teilwerk; er — der Kaiser — und die Negierung seien fest und unerschütterlich entschlossen, weiterzugehen. Nun wissen es alle Kanalgegner, ein Zurück gibt es für die preußische Regierung nicht mehr, und wenn bei der demnächst im Abgeordnetenhause stattfindenden Abstimmung die Opposition in der Majorität bleiben sollte, dann ist also die Regierung entschlossen, an das Land zu appellieren und das Parlament aufzulösen. Der Beifall ohnegleichen, der den kaiserlichen Worten in Dortmund gezollt wurde, darf der Regierung eine Gewähr dafür sein, daß ihr Bestreben, neue Verkehrswege zu schaffen und immer weitere Gegenden unseres deutschen Vaterlandes dem Verkehre zu erschließen — fei es nun durch Eisenbahnen oder Kanäle — stets auf Zustimmung in den breiten Volksschichten rechnen darf. Wir stehen im Zeichen des Verkehrs , das sollten sich ässe diejenigen gesagt fein lassen, weiche darauf ausgehen, dem Verkehre die Lebensadern zu onierbinden. Viel bemerkt wird in politischen Kreisen, daß Herr v. Miquel an der Feier in Dortmund nicht teilnahm, sondern wegen dringender Geschäfte nach Berlin zurückgekehrt ist. Jedenfalls steht man in Preußen am Vorabend wichtiger Entscheidungen; die bevorstehenden Landtagsverhandlungen dürften von großer Bedeutung werden. Prozeß Dreyfus. Rennes, 12. August. Um 6y2 Uhr heute früh erschien Dreyfus in der gewöhnlichen Begleitung im Sitzungsfaale des Kriegsgerichts. Nach Eröffnung der Sitzung fragte der Präsident den Angeklagten Dreyfus über die Kopie des Bordereaus, welches man in seiner Westentasche gefunden, als er von der Insel Ae nach der Teufelsinsel gebracht wurde. Dreyfus erwiderte, daß er den Wortlaut des Bordereaus, auf Grund dkffen er verurteilt worden fei, besitzen wollte, was der Präsident auch als fein gutes Recht bezeichnet. Hierauf verlas Oberst Carriüre einen Bericht von Dr. Ramson, der dieselbe Angelegenheit betrifft. Weiter gelangte ein Brief desselben Herrn aus Pondichüry, wo er sich zur Zeit auf- vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pf§. mit Brmgerloh«. . Bei Postbezug R Mark 50 P,.. ^erleljährlich Deutsches Keich. Berlin, 12. August. Der Kaiser hat sich heute früh 8l/z Uhr von der Station Hügel bei Essen nach Rernscheidt n loche bei Solingen. im Platze. 'M «rM rohr U 8Ö tiaNttirptr mi Libn- [6dinienu.3W^n, grosse Fern» in Stui M 6 Mark per Feuilleton. Der Mensch auf den höchsten Merzen. Ei» hygienischer Beitrag zur Lommcrtouristik. Von Dr. med. Kurt Rudolf Kreusner. (Nachdruck verboten.) Der Bergsport und die Touristik sind heute ein Gemeinst aller Kreise, sei es Jung oder Alt, Hoch oder Niedrig. Früher war es nicht so. Unsere Vorfahren vor einigen Generationen waren im allgemeinen den körperlichen Anstrengungen ziemlich abhold, auch wo es Berge zu ersteigen galt, und das Hochgebirge gar stellte man sich je nach dem Grade von Bildung und Unbildung als den Hort eingebildeter Gefahren oder finsterer Dämonen vor; denn der Dichter sagt: „Und willst du die schlafende Löwin mcht wecken, So wandere still durch die Straße der Schrecken." Heute aber jauchzt dem Flachländer freudig das Herz in Der Brust, wenn er im Sommer zurzeit des Ferienbeginns und Urlaubs in den Bahnzug steigt, der ihn hinausträgt ins Bergrevier, wo das Wasser in frischem, krystallenem Boine über den Fels zu Thal stürzt, wo der Himmel in tiefiazurnem Blau sich wölbt und wo die Luft reiner und hinter ist. Ganz ohne Gefahren aber ist das Gebirge doch nicht, nnbo es fordert alljährlich seine Opfer an Menschenleben, »ie: der Minotaurus seinen lebenden Tribut. Es soll hier sitzend abgab, was du Paty de Clam von den Gesprächen mit Dreyfus berichtete. Alle Berichte lauteten: Dreyfus hoffe, früher oder später rehabilitiert zu werden. Von Geständnissen habe du Paty allerdings nichts berichtet. Er (Zeuge) habe 1894 dem Kriegsgericht vier Gehemi- akten vorgelegt, von denen selbst Casimir Perier nichts gewußt habe. Die Verantwortung dafür werde er vor der Geschichte Frankreichs tragen, das damals ernstlich von einem Kriege bedroht gewesen sei. Er (Zeuge) sei arm; er habe zu feiner Verteidigung nicht die 37 Millionen, welche Deutschland und England zu Dreyfus' Rettung aufgebracht hätten. (Heiterkeit.) Es tarnen nunmehr verschiedene Briefe zur Verlesung, von denen derjenige des Leichenbestattungsdirektors Ferre, welcher bei einem Leichenbegängnisse ein verdächtiges Gespräch Dreyfus' mit einem anderen Offizier angehört haben will, große Heiterkeit erregte. Nach seiner (Merciers) Ansicht ist das Bordereau von einem professionellen Verräter, also von Dreyfus, geschrieben. Dreyfus erhob sich bei diesen letzten Worten Merciers, und es hatte den Anschein, als ob Dreyfus dem Zeugen in die Rede fallen wollte. Das Schweigen schien Dreyfus schwer zu werden. Er kreuzte die Arme über der Brust und wandte sich gegen Demange, der eine beruhigende Geste machte. Aufsehen erregte, daß Mercier einen Brief des Grafen Münster an den Oberst Schwartzkoppen von 1895 verlesen ließ, worin Graf Münster aus Berlin berichtet, daß man in hohen Kreisen über die Affaire beruhigt sei. Dieser Brief ist ohne Unterschrift. Mit unverkennbarer Absichtlichkeit kommentiert General Mercier diesen Brief, jeden deutschen Namen scharf betonend. Mercier kam dann auf die Vorgänge im Beratungszimmer des Kriegsgerichts von 1894 zurück; er sagte, der Präsident des 1894er Kriegsgerichts habe von ihm nicht den eigentlichen Befehl erhalten, die Geheimakten mitzuteilen, wohl aber die moralische Ermächtigung. Diese Erklärung rief im Saale allgemeine Erregung hervor. Vom Bordereau sprach Mercier relativ wenig, desto mehr von Briefen jener Offiziere, welche Dreyfus kannten. Unter diesen Briefen ist einer der interessantesten der, welcher sich auf das Zeugnis des Obersten Bertol bezieht. Bertol ist vor zwei Monaten gestorben. In diesem Brief wird Dreyfus verdächtigt, von einem Detailplan heimlich gewisse Ziffern abgeschrieben zu haben. Der Schluß der Aussagen Merciers gestaltete sich äußerst dramatisch. Er bezeichnete wiederholt Dreyfus als den zweifellos Schuldigen, worauf dieser laut aufschrie und die geballte Faust Mercier entgegenstreckte. Das Publikum brach in laute Rufe aus. Casimir Perier erhob sich und forderte eine neue Gegenüberstellung. Damit war das Verhör Merciers beendet. Als dieser auf der Straße erschien, empfingen ihn die Antisemiten mit Hochrufen. >!r. 190 Bitt Ausnahme bet Msntsß-. •itfcener iurben bem Anzeige uechcntlich viermal beigekft j.. Nähr- * ’?e’Xl Zu®* leichsneht. 1Vale8ceflZ' ilen«*ert ;en. rüst; '■tefi 5882 i-13 aus Hannover heim II.) H. Eiseber. pel-Fernglas "ülililit und It» /»rgrössenmg, rosses Gesicht’* •»'•ÄnS „ 10 n»rk- M*. * **£*'•*? .(BeaenfiW1/' $6 Gießener Anzeiger General-Anzeiger und von dort per Wagen nach der Remscheider Thalsperre begeben, wo die Ankunft gegen 11 Uhr vormittags erfolgte. Nach Besichtigung des Werkes begab sich der Kaiser nach Schloß Burg. Berlin, 12. August. Das kaiserliche Hoflager in Wilhelmshöhe wird am 18. ds. aufgehoben werden. Während der Kaiser einen Tag zuvor, und zwar wie verlautet, in Begleitung der Kaiserin nach Lothringen zur Teilnahme an den Denkmals-Enthüllungsfeierlichkeiten sich begiebt, siedeln die noch auf Wilhelmshöhe anwesenden kaiserlichen Kinder in das neue Palais bei Potsdam über. Berlin, 12. August. Der „Post" zufolge ist an hiesiger unterrichteter Stelle nichts davon bekannt, daß, wie ein holländisches Blatt zu melden weiß, die deutsche Regierung zwischen Aden und Singapore eine Kohlen-Station erworben hat. Berlin, 12. August. Wie dem „Berliner Tageblatt" gemeldet wird, ist die Stadt Marienburg, welche noch unter dem Eindruck der furchtbaren Feuersbrunst vom 25. Juli steht, in der vergangenen Nacht abermals von einem Brande heimgesucht worden, der indessen glücklicherweise keinen großen Umfang annahm. Um Mitternacht brach in dem Hause des Kaufmanns Kohrtmann in den unteren Lauben Großfeuer aus, das den ganzen Stadtteil gefährdete. Eingedenk des großen letzten Brandes räumten viele Einwohner ihre Wohnungen. Besonders herzzerreißende ©eenen spielten sich an den Fenstern ab, wo nur notdürftig bekleidete Menschen um Hilfe riefen, da die Treppen bereits brannten. Viele Menschen wurden durch Sprungtücher gerettet. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Nach fünfstündiger Thätigkeit der Feuerwehr wurde der Brand gedämpft. Zwei Häuser sind niedergebrannt, während ein drittes von dem Feuer nur ergriffen wurde. Berlin, 13. August. Finanzminister Dr. vonMiquel ist gestern abend 5 Uhr von Langenschmalbach kommend, in Berlin wieder eingetroffen. Er wurde auf dem Anhalter Bahnhof vom Chef des Civilkabinetts von Lucanus empfangen. Die „Staatsbürger-Zeitung" nimmt von dem Gerücht Notiz, daß der preußische Finanzminister bereits an maßgebender Stelle den Wunsch zu erkennen gegeben hat, von der Verantwortung für die preußische Finanz-Verwaltung fürderhin befreit zu sein. Hierfür spricht vielleicht die Anwesenheit des Herrn von Lucanus auf dem Bahnhof und der weitere Umstand, daß der Reichskanzler noch gestern abend unmittelbar? nach seiner Rückkehr von Dortmund Herrn von Miquel einen längeren Besuch abgestattet hat. M.P.C. In politischen Kreisen wird angenommen, daß der Kaiser während der entscheidenden Beratungen des Abgeordnetenhauses resp. des Landstags über die Kanalvorlage in Potsdam resp. in Berlin sein werde. M.P.C. Wie wir aus Potsdam erfahren, glaubt man dort, daß der Kaiser als Nachfolger des verstorbenen Oberpräsidenten Dr. von Achenbach den Chef des Geheimen Civilkabinetts von Lucanus ernennen werde. M.P.C. Aus den Verhandlungen des vierten Verbandstages der Baugenossenschaften Deutschland geht hervor, daß die Hauptgeldquelle für die letzteren die Jnvalidenversicherungsanstalten bleiben, welche Ende 1897 bereits 35,4 Millionen Mark für Arbeiterwohnungen gegeben hatten. Als besonders bedeutsam für die Zukunft wurde das Verfahren hingestellt, welches die Jnvaliden- versicherungsanstalt Hannover einschlagen will. Sie hat mit dem hannoverschen Sparkassenverbande die Vereinbarung getroffen, daß die Sparkassen das Geld zu 3 v. H. erhalten und ihrerseits zu 3*/, v. H. an die Baugenossenschaften weiter geben sollen. Dadurch werden die Gelder mündelsicher angelegt, während die Versicherungsanstalt den Betrag ihres Vermögens, den sie für Arbeiterwohnungen aufwenden kann — ein Viertel — zu zweiten Hypotheken verwendet. Daß dieses Beispiel in anderen Provinzen Preußens Nachahmung finden werde, wurde allerdings bezweifelt; haben doch einige Provinzen, z. B. Schlesien, noch nicht einen Pfennig für Arbeiterwohnungen hergegeben. Aus den Genossenschaften heraus wurde berichtet, daß nach Ueberwindung Ein korpulenter Herr in den dreißiger oder vierziger Jahren, der bequem in der Ebene oder im Hügellande trotz seines stattlichen Gewichtes von 100 Kilo und darüber Tagestouren von 25 bis 30 Kilometer und mehr mit ziemlicher Geschwindigkeit absolviert, unternimmt eine Besteigung der Schneekvppe, des Karwendelsteines oder eines anderen Berges von ungefähr gleicher Höhe. Anfangs geht die Sache in sehr flottem Tempo; dann stellt sich starker Schweißausbruch ein mit Schmerzen im Rückgrat während des Steigens. Nach 1 bis l* 1/, Stunden, während der säftereiche Körper durch Schwitzen und stärkere Ausatmung etwa 1 bis 2 Kilo Wasser verloren hat und kühlere Regionen erreicht worden sind, verlieren sich diese Beschwerden gänzlich; der Tourist glaubt sich zu den höchsten Besteigungen befähigt; aber nach einiger Zeit beginnt die Spannkraft nachzulassen; man ist inzwischen bedeutend höher hinauf- gelangt, und der Weg ist steil. Unser Tourist merkt, daß es ihm sichtlich Mühe macht, mit seinen schlanken Gefährten Schritt zu halten; mit Willensanstrengung setzt er die Füße vorwärts, und doch muß er immer häufiger rasten. Sein sonst mit etwa 70 Schlägen normaler Puls hat längst 100 überschritten; er hat das Gefühl eines immer heftiger werdenden Fiebers und der Benommenheit im Kopfe; die Atemzüge jagen sich, und er sieht die herrliche Umgebung nur wie durch einen Schleier; erreicht er zur rechten Zeit fein Ziel oder eine Zwischenstation, und kann er den Flüssigkeitsverlust ausreichend ersetzen, so erfolgt binnen kurzem vollständige Wiederherstellung. Werden aber die Warnungen, welche die Natur giebt, nicht beachtet, so kann es zuweilen auch zur Herzlähmung kommen, und in wenigen Minuten ist alles vorbei. (Schluß folgt.) der ersten Schwierigkeiten die Baugenossenschaften teils bei verständigen wohlhabenden Personen, namentlich auch bei Unternehmern Geld bekommen hätten, daß insbesondere aber die Arbeiter ihre Ersparnisse bei den Sparkassen abgehoben und bei den Baugenossenschaften zur Verstärkung der Betriebsmittel derselben angelegt hätten. Frankfurt a. M., 13. August. Der bekannte Dermatologe, Sanitälsrat Dr. Herxheimer ist gestern in Tyrol, wo er in der Sommerfrische weilte, an einem Herzschlage plötzlich verschieden. Ausland. Wien, 13. August. Die gesamte hiesige Presse, mit Ausnahme der antisemitischen Blätter, bespricht an leitender Stelle die Vorgänge in Frankreich und gibt der französischen Regierung den Rat, mit äußerster Strenge gegen die Verschwörer vorzugehen. Das „Fremdenblatt" hält die Lage für eine derart gespannte, daß bei dem geringsten Zeichen von Schwäche die französische Regierung unbedingt verloren sei. Ischl, 13. August. Heute vormittag sollte hier ein Mini st er rat unter dem Vorsitz des Kaisers stattfinden, um, wie verlautet, den Termin für die Einberufung der Delegationen festzusetzen. Budapest, 12. August. Anläßlich der feierlichen Einweihung des Hentzi-Denkmals, welcher die gesamte Garnison beiwohnte, veranstaltete die Unabhängigkeits-Partei eine Gegendemonstration vor dem Honved-Denkmal, wobei zwei Abgeordnete an das Volk aufreizende Reden hielten. Als die Truppen von der Hentzi-Feier zurückkehrten, wurden dieselben von den Demonstranten bedroht, worauf das Militär mit aufgepflanztem Bajonnet vorging. Reitende Polizei zerstreute schließlich die Demonstranten. Semlin, 13. August. Entgegen den offiziellen Berichten behaupten hier eingetroffene serbische Unterthanen, daß die Verhaftungen im großen Stile fortdauern. Zürich, 12. August. Die oberhalb Zinal abgestürzte Engländerin ist die Schwester des Admirals Bridge. Die Leiche wird in Sieders (Kanton Wallis) beigesetzt werden. Paris, 12. August. Dvroulede wurde heute morgen 11 Uhr auf seinem bei Paris belegenen Landgute verhaftet. Die Verhaftung Derouledes sowie diejenige des Präsidenten der Antisemiten-Liga erfolgte infolge der ergänzenden Untersuchung, welche über das Komplott im Gange ist. Weitere Verhaftungen von Royalisten, Monarchisten und Nationalisten sollen bevorstehen. Paris, 13. August. Bis gestern abend sind 48 Royalisten und Antisemiten wegen des Komplottes verhaftet worden. Obwohl Ruhe herrscht, ist doch die gesamte Garnison konsigniert. Paris, 13. August. Antisemiten und Nationalisten versuchten gestern abend Kundgebungen zu veranstalten, wurden aber energisch verjagt. Im ganzen wurden 36 Personen wegen Teilnahme an dem Komplott verhaftet. Paris, 12. August. Zu den heute erfolgten Verhaftungen von Mitgliedern der Patriotenliga und der Antisemitenliga wird noch gemeldet, daß der Verhaftsbefehl gegen den Präsidenten der Antisemitenliga Guerin noch nicht ausgeführt werden konnte, weil derselbe sich weigert, die Thür zu seiner Wohnung zu öffnen. Er erklärte dem mit der Verhaftung beauftragten Polizei-Agenten, er sei entschlossen, sich mit Gewalt seiner Verhaftung zu widersetzen. Die Thüren und Fenster zu seiner Wohnung hat er verbarrikadiert und er verteidigt sich mit dem Revolver in der Hand. Er erklärte dem Polizei-Agenten, er könnte es drei Wochen lang aushalten, ohne sich zu ergeben. Die bei der Haussuchung beschlagnahmten Papiere lassen keinen Zweifel, daß ein neues Komplott geplant war, welches sofort nach dem Dreyfus-Prozeß ausgeführt werden sollte. Paris, 12. August. Von der heutigen Sitzung des Renner Kriegsgerichts wird noch gemeldet, daß Mercier, als er den Saal verlassen wollte, vom Publikum ausgepfiffen wurde. Dreyfus zeigte sich furchtbar erregt. Gegen 1 Uhr mittags wurde die Sitzung geschloffen. Paris, 12. August. George Thiebaud, die rechte Hand von Däroulede, ist ebenfalls verhaftet, sowie auch Depressencourt, ein Redakteur der monarchistischen „Gazette de France". Eine Haussuchung fand bei dem Royalisten Vicomte de Ramel statt. Das Ergebnis derselben ist nicht bekannt, doch steht die Verhaftung desselben bevor. Alle Verhafteten sind der Teilnahme an einem Komplott gegen die Sicherheit der Republik beschuldigt. Kopenhagen, 13. August. Nachdem alle Verhandlungen gescheitert sind, haben die Arbeitgeber beschlossen, die Sperre auf mehrere Gewerbe auszudehnen. Dieselbe wird über 50000 Arbeiter umfassen. Petersburg, 13. August. Die Verhandlungen des päpstlichen Stuhles wegen der Errichtung einer Nunziatur hierselbst wurden wieder aufgenommen. Der Nuntius im Haag, Carlotti, soll demnächst hier eintreffen, um die Verhandlungen zu beendigen. Lokales and Provinzielles. x Mendorf a. d. Lumda, 12. August. Der Verschöne rungsverein „Lumdathal" hat sich in einer gestern abend im Gasthaus „Zur Post" dahier abgehaltenen Hauptversammlung endgiltig konstituiert. Die vorher entworfenen Statuten wurden beraten und unterzeichnet. Nach denselben ist jedes Mitglied zu einem jährlichen Beitrag von drei Mark verpflichtet. Für das laufende Jahr werden nur die freiwilligen Beiträge erhoben, welche vor einigen Wochen bei Errichtung des gegen vierhundert Mark kostenden Badehauses gezeichnet worden sind. Dem Vorstand des Vereins gehören an die Herren Kaufmann Moll-Allendorf als erster Vorsitzender, Pfarrer Walter-Londorf als zweiter, Pfarrer Eckstein-Allendorf als Schriftführer, Gutsbesitzer Mollineus- Nordeck als Rechner, Ingenieur Kraff-Kesselbach und Lehrer Friesleben-Winnen. Als spezielle Verschönerungs-Kommission sind dem Vorstande noch beigegeben die Herrn Kaufmann Braunwarth und Lehrer Eimer zu Allendorf, Postverwalter Hottes, Lehrer Stohr und Pfarrer Weber zu Londorf und Lehrer Koch zu Nordeck. + Gränberg, 13. August. Gestern und heute fand in unserem Städtchen der diesjährige (dritte) Verbandstag des Gabelsberger Stenographenverbandes für Hessen und Nassau statt, zu welchem die meisten Vereine Vertreter entsendet hatten. Die Delegiertenversammlung, auf deren Tagesordnung als wichtigster Gegenstand „die Vereinigung des Main-Rheingau-Verbandes mit dem Verband Hessen und Nassau" stand, tagte gestern abend im Gasthaus „Zum wilden Mann". Der heutige, eigentliche Festtag begann mit dem Preis-Wettschreiben, das im Gasthof „Zum Hirsch" in sieben Abteilungen unter reger Beteiligung veranstaltet wurde. — Um 12 Uhr wurde die Hauptversammlung durch den Vorsitzenden, Herrn Kammerstenographen Winkler aus Darmstadt namens des Vorstandes mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet. Der Vorsitzende des hiesigen Stenographenvereins, $err Feldbacher entbot hierauf den zahlreich erschienenen Gästen ein herzliches Willkommen, und im Auftrage des Stadtvorstandes begrüßte Herr Kaufmann 'Louis Moll die Festteilnehmer, indem er gleichzeitig der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Stenographie immer mehr Gemeingut des Volkes werde, schließend mit dem Wunsche, daß die Arbeit des Verbandes besten Erfolg haben und es den Teilnehmern des Berbandstages in unserem gastlichen Städtchen gut gefallen möge. Alsdann ergriff Herr Lehrer und Redakteur Heck-Meiderich das Wort zu dem Festvortrage über „Fortschritt und Einigung, stenographische Grundgedanken." In seinen trefflichen Ausführungen wies der äußerst gewandte Redner hin auf den bedeutenden Aufschwung, den die Schule Gabelsbergers genommen. Zählt dieselbe doch bereits an 2000 Vereine mit 100,000 Mitgliedern, und wird die Gabelsberger Stenographie heute in allen Berufskreisen gelehrt. Nachdem sodann auf die Vorzüge der Gabelsberger Schrift, die ein wörtliches Nachschreiben des gesprochenen Wortes sein will, hingewiesen, und betont worden war, daß die Gabelsberger Vereine von jeher dem wirklichen Fortschritt auf stenographischem Gebiete huldigen, schloß der etwa einstündige Vortrag mit dem Ausdruck der Hoffnung, daß bei den Anhängern der verschiedenen Systeme der Geist der Versöhnlichkeit immer mehr Platz greifen möge, damit in nicht all zu ferner Zeit eine Einigung zustande komme. Namens der Versammlung sprach der Vorsitzende dem Referenten den Dank der Zuhörer für den anregenden Vortrag aus, und schloß um Va2 Uhr die Versammlung. Das um ya4 Utjr beginnende Konzert des hiesigen Musikvereins war sehr gut besucht. — Die Preisverteilung wird heute abend zu Begin« des Festballes, der den Schluß des Verbandsfestes bilden wird, stattfinden. Bad Nauheim, 10. August. Wie schon berichtet, ist heute früh der Fürst Ferdinand von Bulgarien zum Kurgebrauch hier angekommmen. Der Fürst hat sich als Graf v. Murany angemeldet und sich in die Behänd- lung des Medizinalrats Dr. Groed el begeben. Im Gefolge des Fürsten befinden sich: Geh. Hofrat Peter Ritter v. Fleischmann, Oberst Peter Marcow, Flügeladjutant; Rittmeister Alexes Storanow, Ordonnanzoffizier; Dr. med. Stanislaus Ludwig, Leibarzt, und Dienerschaft. Alle wohnen in der „Villa Tielemann". — Im Schlosse zu Friedberg wird, so verlautet mit Bestimmtheit, für das russische Kaiserpaar eine Wohnung eingerichtet; der russische Kaiser wolle vom Schlosse zu Friedberg aus die Nauheimer Bäder gegen sein Herzleiden besuchen. Thatsache ist, daß in dem Schlosse mit fieberhafter Eile an der Einrichtung mehrerer Zimmer gearbeitet wird und fortwährend große Kisten mit Weißzeug rc. von Darmstadt eintreffen. Viernheim, 8. August. Der beim Böllerschießen verunglückte Peter Müller wurde in vergangener Nacht durch den Tod von seinen Schmerzen erlöst. Alzey, 11. August. Am 10. Mai d. Js. wurden auf der Pariser Straße eine große Reihe junger Nußbäume freventlich abgebrochen. Es gelang der Gensdarmerie, den Thäter zu ermitteln, der heute, ein ziemlich harmlos aussehender junger Bursch, vor dem hiesigen Schöffengericht stand. Der angerichtete Schaden wurde auf etwa 40 Mk. festgestellt, doch kam das wohl weniger in Betracht gegenüber der beispiellosen Rohheit der Gesinnung, die sich in der That ausdrückte. Angeklagter hat sich sogar ausgedrückt, daß der Staat derartiger Bäume genug habe. Der Amtsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von vier Monaten, das Gericht schloß sich vollinhaltlich den Ausführungen des Herrn Amtsanwalts an, sah sich veranlaßt ein Exempel zu statuieren und erkannte auf drei Monate Gefängnis. (A. Beob.) Vermischtes. * Zur Dienstboteufrage wird aus Berlin geschrieben: „Es scheint, als ob die Dienstbotenfrage, die seit ein paar Wochen aufgerollt worden ist, von anderen Leuten viel ernster genommen wird, als von denen, die es am meisten angeht, d. h. von den Dienstboten selber. Darauf lassen wenigstens die Berichte über die Versammlungen schließen, die jetzt hie und da stattgefunden haben. Daß diejenigen, welche die „Bewegung" ins Leben gerufen haben, und die damit ein besonderes Interesse verfolgen, sei es die Einführung eines Blattes oder die Reklame für ein Zahn- Atelier ober dergleichen, die Sache möglichst wichtig nehmen, ist selbstverständlich. Aber alle anderen, soweit sie eben nicht blos theoretisch an die Sache herantreten — manche Artikel, die darüber geschrieben sind, verraten direkt, daß der Der- f aff er ein Junggeselle ist: — sollten sich doch darüber klar werden, daß für eine Dienstboten-, speziell Dienstmädchen- Bewegung in Berlin recht wenig Raum ist. Der Grund liegt von vornherein darin, daß der Dienstmädchen-Beruf eben kein Beruf ist. Er ist lediglich ein Durchgangsstadium. Wenn ein junger Mensch die Schule verläßt und sich sagt: ich will Maschinenbauer, oder Schlosser, oder auch Arzt oder Geistlicher werden, so wendet er sich damit einem Berufe zu, und was zur Hebung dieses Berufes geschieht, das geschieht für ihn mit. Aber kein Mädchen von 14 Jahren ergreift den „Dienst" als Beruf. Es nimmt eine Stellung an, es geht in Dienst, aber es fällt ihm nicht im Traum ein, zeitlebens Dienstmädchen bleiben zu wollen. Wie viel alte Osenstmädchen gibt es denn auch? Wir haben weibliche Dienstmädchen unter 20 Jahren rund 16—17,000, von 20 bis 30 Jahren 32,000, von 30 bis 40 Jahren blos noch (hochgegriffen) 8000 und dann fällt es immer mehr. Es ist für ein Dienstmädchen ein schrecklicher Gedanke zeitlebens Dienstmädchen zu fein; und bei den wenigen, welche die Statistik im Alter von 60 oder 70 Jahren noch als „Dienstboten" im Haushalt aufführt, walten besondere Umstände ob, das sind Wirtschafterinnen, Kastellaninnen, Portiersfrauen u. dgl. m., zum Teil verheiratete Frauen und Witwen. Das Dienstmädchen, das in Stellung geht, denkt zunächst daran, sich später zu verheiraten, oder es will sich eine kleine Barschaft ersparen, um später die Schneiderei zu erlernen, oder es geht später in irgend einen fabrikmäßigen Betrieb über, wird auch, wenn es Glück hat, Verkäuferin im Ladengeschäfte oder ergreift irgend etwas anderes; jedenfalls bleibt es nicht Dienstmädchen. Und genau so ist es bei dem männlichen dienenden Personal; auch diese wollen nicht ewig Laufburschen, Boten, Hausknechte u. s. w. bleiben. Daß es natürlich manchem nicht gelingt, ist eine andere Frage; aber das ist nicht nur beim Dienstpersonal so. Daß nun im Verhältnis zwischen Herrschaft und Dienstboten nicht alles so ist, wie es sein sollte, wird jeder, der die Verhältnisse kennt, gerne zugeben. Aber augenblicklich liegen bei uns die Verhältnisse eher so, daß die Herrschaften sich beklagen können, als umgekehrt. Angebot und Nachfrage regeln, wie alles im Leben, fcr auch die Dienstbotenfrage, und daß die Dienstboten den Vorteil, den ihnen die schon feit Jahren anhaltende Berliner Dienstboten-Kalamität bietet, redlich ausnutzen, weiß jede Hausfrau leider recht genau — vielleicht ist auch die jetzige sogenannte Bewegung eine Folge von dieser Sucht, eine günstige Konstellation auszunutzen. Indessen liegt die ganze Sache ihrer Natur nach so, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. * Nach den Mitteilungen des Geschäftsführers des Vereins zur Bekämpfung der Trunksucht, Dr. Bode, ist in Deutschland eine erhebliche Abnahme der Trunksucht zu verzeichnen. Der Alkoholverbrauch ist pro Kopf der Bevölkerung von 4,7 und 5,2 Liter zurückgegangen. Auf 100 Krankheitsfälle in Krankenhäusern und Heilanstalten kamen 1888 noch 2,7 Prozent von Alkoholismus vor, 1994 nur 1,3 Prozent. Die Sterblichkeitsstatistik der Standesämter bestätigt, daß die Zahl der „Todesfälle infolge von Alkoholmißbrauch" auf die Hälfte zurückgegangen ist. * Eine Million Katalogzettel. Von der Wiener Hofbibliothek berichtet die „Wiener Zeitung": In letzter Zeit mehren sich die Fälle, daß die ausländische gelehrte Forschung den außerordentlich reichen Beständen, welche unsere kaiserliche Büchersammlung namentlich aus vergangenen Jahrhunderten aufbewahrt, erhöhte Aufmerksamkeit zuwendet. Während in der vorigen Woche die Herzogin von Alba dem Institut einen längeren Besuch abstaltete, ist es in diesen Tagen der Herzog Viktor von Rivoli, der in Begleitung seines Bibliothekars in Wien zu dem Zweck eingetroffen ist, um in der Hofbibliothek sehr eingehende und weitreichende Studien zu pflegen. Der Herzog ist in gelehrten Kreisen nicht nur als Bibliophile, sondern auch als selbständiger Forscher bekannt. Er ist Besitzer einer Bibliothek von 20000 Bänden, durchwegs erlesenen Erzeugnissen der Buchdruckerkunst, und hat über ein eigenartiges Spezialfach, nämlich über venezianische Frühdrucke mit Holzschnitten, mehrere luxuriös ausgestattere Prachtwerke veröffentlicht. Der Anklang, den diese für die Kunst- und Kulturgeschichte wichtigen Publikationen fanden, hat den Forscher bewogen, diese Studien fortzusetzen und zu ergänzen, und hierzu wurde als eine der reichsten Fundgruben in erster Linie die Hofbibliothek in Wien ausersehen. Der Herzog von Rivoli gedenkt hier eine der weitestreichenden Arbeiten ausführen zu lassen, die je in der Bibliothek in Angriff genommen wurden: sämtliche Katalogzettel der Bibliothek, deren Zahl sich rund auf eine Million beläuft, sollen geprüft und die alten Venezianer Drucke genau beschrieben werden. * Die Frage einer Krankheitsiibertragung durch den Fernsprecher wird durch das in Chicago erscheinende „Journal der amerikanischen medizinischen Vereinigung" gründlich ab- gethan. Die Gesundheitsbehörde in Chicago hat alle öffentlichen Fernsprecher der Stadt genau untersucht und zwar mit dem Erfolge, daß keine Möglichkeit einer besonderen Ansteckungsgefahr nachgewiesen werden konnte. Die Benutzung des Fernsprechers verlangt keine direkte Berührung mit dem etwa verunreinigten Apparate und schließt auch die Möglichkeit einer Einathmung von Keimen aus, wenn der Apparat in der geeigneten Entfernung gehalten wird. Infolgedessen erscheint die Gefahr gering, selbst wenn ansteckende Keime vorhanden fein sollten; da aber nach den bisherigen Untersuchungen ihr Vorhandensein zu den größten Seltenheiten gehört, so kann man von einer Gefahr eigentlich überhaupt nicht sprechen. Es ist recht bezeichnend für die amerikanischen Geschäftskniffe, daß das medizinische Blatt darauf Hinweisen kann, die alarmierenden Artikel über die Ansteckungsgefahr durch Fernsprecher seien nur in die Presse gelangt, damit die Erfinder und Verkäufer eines neuen „aseptischen Fernsprechers" den von ihnen vertriebenen Apparat einführen und in möglichst großer Zahl absetzen könnten. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garterrftrahe 2 Angebot der Arbeitnehmer» 1 Eisendreher, 1 Bauschlosier, 1 Bauschreiner, 1 Dienstmädchen, 2 Taglöhner für leichtere Arbeit, 1 Fuhrknecht. Nachfrage der Arbeitgeber» 1 Drechsler, 2 Dachdecker, 8—10 Maschinenschlosser, 4 tüchtige Bauschlosier, 2 Schmiede, 1 Wagner, 1 Schuhmacher, 1 Bauschreiner, 1 Fahrbursche, 2 Fuhrknechte, 2 Hausburschen, einige Dienstmädchen wr Küche und Hausarbeit, 2 Laufmädchen, 3 landwirtschaftliche Arbeiterinnen, 1 Flick- srau, 1 Schreinerlehrling bei täglicher Vergütung. ~ . Nach auswärts: 1 Buchbinder, 3 Schneider, mehrere Anstreicher, 2 Dachdecker, mehrere Schlosier zum Beschlagen von Herden, 1 Schmied, 2 Muller, 8 bis 10 Maurer und Handlanger, 2 Zimmerleute, 2 bis 3 Strumpfmaschinenstrlcker, 100 Steinschläger, 100 tüchtige Erdarbeiter, 1 Schäfer, eine Anzahl Arbeiter für eine Gießerei und für Formmaschinen, Fuhrknechte und Dienstmädchen. Lehrlinge» 2 Bäcker, 1 Barbier, 1 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Drucker, 2 Glaser, 1 Kellner, 1 Küfer, 1 Kupferschmied, 2 Lackierer, 1 Sattler, 1 Schmied, 1 Schneider, 2 Schreiner, 1 Schuhmacher, 2 Spengler, 1 Tapezier, 1 Wagner. Grummetgras - Versteigerung der Stadt Hießen. Montag den 21. und Dienstag den 22. d. Mts., jede» mal vormittag» 9 Uhr beginnend, soll das GrummetgraS von den städtischen Wiesen, von dem Friedhof, von den Anlagen vor dem Friedhof und von den Wteseckböschungen meistbietend versteigert werden und zwar: Montag den 21. August: a) an Ort und Stelle von den Wiesen vor der Neustadt, von den Wieseckböschungen und von einem Grasstück auf dem Seltersberg, b) am Neuenwegerthor von den Wiesen im Heegstrauch und im Rußland, c) an Ort und Stelle vom Friedhof (Abteilung 1—8) und von den Anlagen vor dem Friedhof, d) im Philosophenwald, nachmittags 2 Uhr, von den Wiesen im Fürstenbrunnen, im Wieseckthal und von zwei Hospitalwiesen in der Gemarkung Wiesie Auspektiou der Zöitdunger Mineralquellen Mtien-Hesellschaft. Aachener Badeofen D. R.-P. Ueber 50 000 Oefen im Gebrauch. In 5 Minuten ein warme* Bad ! ggy* Original Houben’s Gasöfen P'L" * j G. Houben Sohn Carl Aachen. «SXr 3818 llekiimitmiuljiiniien Vergebung von Sauarbeiten. Die für die Umpflasterung einer Ortsstraße in Treis a. Lda. erforderlichen Arbeiten und Lieferungen und zwar: veranschlagt zu 1) Erd- u. Ausbruchsarbeiten 34,15 JU 2) Pflasterarbeiten ein- schließl.Sandlieferg. 231,50 „ 3) Fuhrleistungen 15,— „ sollen Donnerstag den 17. d. Mts., vormittags 10V2 Uhr, im Gemeindehause zu Treis a. Lda. öffentlich vergeben werden. Schriftliche Angebote sind bis zu gleichem Termin aus Großherzoglicher Bürgermeisterei Treis abzugeben, woselbst Voranschlag und Bedingungen zur Einsicht offen liegen. Der Großh. Kreisbauinspektor des Kreises Gießen. Stahl. 5946 Derdmgung. Die Weitzbiuderarbeiteu im Hauptgebäude der Stadtmädckenschule, gemäß Beschluffes der Stadtverord- neten-Versammlung vom 10. b. M-, sollen Dienstag, 15. August d.I., vormittags 11 Uhr, öffentlich verdunaen werden. Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen auf Zimmer Rr. 6 bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck sind spätestens bis zum genannten Termin einzureichen. Das Stadtbauamt. Schmandt. 5951 (liinpfehliiiiiU'ii Klauenöl, präpariert für Nähmaschinen und Fahrräder von 2171 H. Mödins & Sohn, Haimoer, Knochenölfabrik. Zu haben in allen besseren Handlungen Zwiedelkuchen I Dienstag, Donnerstag und Samstag von 9 Uhr ab. 4872 Kacker Schomber,Wallthorstraße. HitomMwrlÄ II. Hettler empfiehlt stets vorrätig: Kaffee- und Thee-Gebäck Kuchen und Aorten etc. Gefrorenes in verschiedenen Sorten und anerkannter Gute. Ausschank von 3912 la. echt Pilsener und Münchener Bier. Leibniz Cakes HANNOVERS CAKES-FABRIK u» 1Lj DE ERBESTE BUTTERCAKES * Bau de Cologne Zur Stadt Mailand älteste und heute noch beste Marke, allein prämiiert mit dem höchsten Preise: Kgl. Preuss. Staatsmedaille. Allein-Verkauf: 5655 Löwen-Drogerie (W. Kilbinger), Giessen, Feldbrandbacksteine empfiehlt 5046 Louis Tross. 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