Giesset? d Pr5“iieria. P: b" alle. 0^68oiuitaC| Ta?en L «v Pf. ktplatz finb vvU bi« «.August ___5312 u«g. etzkch: J«K«. raftt 02474 Besitzer. ch. ch DarmAdt 6r 55 Mn. er Vorstand. yal Nr. 164 Zweites Blatt Samstag den 15. Juli 1809 Gießener Anzeiger General -Anzeiger AeragrpretL vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 8ßfg. mit vringerloh«. Inna>0t mb Anzeigen zu der nachmittag- für de» Wißenden Lag erfcheinendm Nummer dis Dorrn. 10 Uhr. Alle Anzeigen-Bermittlung-stellen des In« und Au-laad«- nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeß«. Bei Postbezug U Mark 50 Pf,. >nert«ljährlich Arschetnt täglich mit Ausnahme der Montags. Vi« Gießener K»«4rte»ßlätter Werden dem Anzeiger «tchentlich viermal beigeiegt. Amts- unb Anzeigeblcrtt für den Ttveis Gieren. Redaktion, Expeditton und Druckerei: Ach»kstrahe Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblatter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße». Fernsprecher Nr. 51. Ein neues Heilverfahren. In ärztlichen wie auch anderen Kreisen erregt eine neue Heilanwendung mit ihren erstaunlichen Erfolgen nicht geringes Aufsehen. Die neue Erfindung auf dem Gebiete der Heilkunde nennt sich Vibrationstherapie, System Muschik. Diese neue Krankenbehandlung hat sich in jüngster Zeit durch ihre außerordentlichen Heilerfolge schon an zahlreichen Orten Eingang verschafft. Die große Anzahl der Anstalten, in denen jetzt derartige Behandlungen (Vibrationsmassage) ausgeführt werden und worunter solche von berühmtem Rufe, beweist, daß die neue Heilanwendung von vielen Aerzten anerkannt und verordnet wird. Die Vibrationstherapie, System Muschik (gesetzlich geschützt durch deutsches Reichspatent 99209), ist hauptsächlich anwendbar bei den verschiedenen Krankheiten des Stoffwechsels, bei Knochen-, Muskel- und Blutkrankheiten, insbesondere bei Skrophulose, Bleichsucht, Blutarmut, Fettleibigkeit, Gicht, Rheumatismus, Magen- und Darmleiden, Lähmungen, Verhärtungen, Zuckerkrankheiten, Frauenkrankheiten und namentlich auch bei Nervenleiden. Die Muschik'sche Vibrationstherapie ist im Prinzip eigentlich nichts neues; schon unsere Urgroßeltern wendeten -sie in allerdings primitivster Form an. Unsere Vorfahren benützten bei allerlei Krankheiten, zur Linderung von Schmerzen, zur Verteilung von Geschwülsten rc. ein Sägeblatt. Dieses wurde an einem Ende mit Wolle oder Watte umwickelt und an die schmerzende Stelle angesetzt. Während dann die eine Hand das Sägeblatt hielt, führte die andere ein Stück Holz auf den Zähnen desselben hin und her. Die heftigsten Schmerzen verschwanden durch die hervorgerufene Erschütterung sehr oft schon nach wenigen Minuten, weil die Blutanstauung in den Haargefäßen beseitigt wurde. Herr Muschik unternahm es nun, diese als heilkräftig erwiesenen Körper-Erschütterungen von aller zufälligen Wirkung abzulösen und einen Apparat zu konstruieren, der es ermöglicht, jene Heilwirkung in systematischer Weise, dem jeweiligen Zustand des Patienten entsprechend, zu erzielen. Dieser patentierte Vibrationsapparat entspricht in der That vollkommen diesen Anforderungen. Er wirkt nicht nur, wie das primitive Instrument unserer Großeltern, lokal, sondern je nach Bedarf lokal oder allgemein. An den Stellen, wo er aufliegt, wird die Erschütterung, die er hervorruft, und die stärker oder schwächer erzeugt werden kann, bis in die Tiefen des Körpers empfunden. Ein Gefühl unbeschreiblichen, mehrere Stunden andauernden Wohlbehagens, ein schmerzstillendes Gefühl der Beruhigung und der Erleichterung hinterläßt '.diese Erschütterungstherapie nach jeder Anwendung. Die alle Erwartungen übertreffenden Heilerfolge der Vibrationsmassage beruhen darauf, daß durch sie ein flotterer Blutumlauf erzeugt, die Funktionsfähigkeit der Muskeln, Nerven, Drüsen vermehrt, der Stoffwechsel beschleunigt, die Ernährung erhöht, die Ausscheidung verbrauchter Substanzen begünstigt werden. Durch die lebhaftere Ernährung der Hautzellen werden die Nervenendigungen günstig beeinflußt, daher die vorzügliche Heilwirkung der Vibrationstherapie bei allen Nervenleidenden. Von ganz besonders wohlthuender Wirkung ist die Vibrationstherapie bei Personen, die viel sitzen, die infolge der Überlastung des Unterleibes mit langsam strömendem Blut und Lymphe an Appetitlosigkeit, Verstopfung, Beklemmung, Atemnot, Hämorrhoidalzustände leiden. Anstalten für Vibrationstherapie sind bereits eingerichtet in Darmstadt, Mainz, Worms, Berlin, Hamburg, Köln, Dresden, München, Nürnberg, Heidelberg, Stuttgart, Kopenhagen, Amsterdam rc. rc. Die Centralanstalt befindet sich in Frankfurt a. M. Hoffentlich folgt Gießen, das in seinem „Volksbad" die bestgeeignete Anstalt besitzt, bald nach. Deutsches Reich. Berlin, 13. Juli. Die Kaiserin ist mit den drei ältesten Prinzen Mittwoch nachmittag 51 vv -x Ium Iamitienlage des Geschlechtes Mtaffert Deutsche geschlagen haben. Beherrschten sie im vorigen Jahre die schöne Aussicht, so haben sie diesmal Gelegenheit, Gießen auch von einer anderen Seite kennen zu lernen. Immerhin ist es noch eine der guten, und wenn die Hündchen einigermaßen für Naturschönheiten empfänglich sind, so wird es ihnen auf dem Trieb nicht minder gefallen, als auf der schönen Aussicht. Jedenfalls werden die Anwohner der letzteren es dankbar begrüßen, daß diesmal die Bewohner einer anderen Gegend von der Wachsamkeit der getreuen Vierfüßler überzeugt werden und Gelegenheit finden, belle-tristische Erfahrungen zu sammeln. Doch Scherz beiseite, mit Rücksicht auf die dem Hunde eigenen Fähigkeiten, als da sind Gelehrigkeit, Schnelligkeit, scharfer Geruch, Ausdauer im Laufen und Schwimmen, sowie seine Gutmütigkeit und Treue, ist er einer ernsten Betrachtung nicht unwert, und wir können Kennern und Liebhabern nur raten, die reich beschickte Ausstellung zu besuchen. Kann es auch nicht unsere Aufgabe sein, hier auf beschränktem Raume eine übersichtliche Darstellung an Größe und Stärke dem weltweisen Spitz überlegen ist, ersetzt er durch Behendigkeit und Wachsamkeit. Der eigensinnige Dackel weiß, daß er dem Jäger für unterirdische Kundschafterdienste unentbehrlich ist; er macht die Sache nach seinem Kopf und hofft, trotzdem volle Anerkennung zu finden, sofern es ihm nur gelingt, den Grimmbart oder Freund Reinecke zu stellen. Hühner- und Vorstehhund leisten dem Jäger gleichfalls treffliche Dienste, und man braucht nicht erklärter Hundefreund zu sein, um von ihrem klugen und treuen Blick angezogen zu werden. Pinscher und Pudel besitzen wir leider nur in niegesehenen Exemplaren. Es ist ein erfreuliches Zeichen, daß unsere Gießener Hunde-Aus- stellung derart reich und aus aller Herren Ländern beschickt ist, daß man sie unbedenklich als eine internationale bezeichnen darf. Möchten die auf ihr zur Verteilung gelangenden Preise dazu beitragen, das Verständnis für Zucht, Wartung und Pflege reiner Hunderassen zu fördern und möchten die hiermit im voraus losgelassenen hundekundlichen Ansichtskarten den Besuch der Ausstellung vorteilhaft beeinflussen. Wer, wie Schreiber dieses, einen in jeder Beziehung — auch was Eigensinn anbetrifft — echten Dackel oder ein sonstiges getreues Hundevieh sein eigen nennt, der wird trotz der geräuschvollen Unterhaltung vor einem Besuch des — sagen wir verhunzten — Triebes nicht zurückschrecken und seinen Wagemut be- /' lohnt finden. aller Hunderaffen zu geben, so wollen wir doch aus unserem Hundepark vorführen, was an charakteristischen Exemplaren darin ist. Da ist zunächst der Liebling des großen Friedrich, der Windhund, mit dem es der behende und lebhafte Fox-Terrier noch am ehesten aufnchmen dürfte. Der fratzenhafte Mops verdankt sicher einer humoristischen Schöpferlaune fein Dasein. Was die ungeschlachte Dogge Obschon die eigentlichen Hundstage erst am 23. ds. beginnen, erlauben es günstige Umstände dem Verein zur Züchtung reiner Hunderassen in Gießen, bereits am 15. und 16. Juli eine derartige Veranstaltung zu treffen. Jäger und Hunde gehören ja einmal zusammen, so darf es kaum wunder nehmen, daß auf dem Festplatz, daraus vor kurzem die Schützen und ihre Gastgeber sich ergangen haben, nunmehr die Hunde, des Menschen treueste Begleiter, sich tummeln und in den Hallen, darin vielleicht mancher Gefahr lief, auf den Hund zu kommen, ihr Quartier auf- Spitz. vorhanden Es bellen und heulen und winseln die Hunde, Die großen und kleinen in stattlicher Runde: Gelt Schützen, ihr braven, das ist doch zu stark, Zu stempeln den Festplatz zum Hundepack! Verzeiht, daß betriebsam wir wohlgemut wedeln, Ihr wißt ja, man will uns planmäßig veredeln: Trug unlängst Hundewetter was ein, Gönnt billig den Hunden man — Sonnenschein. Bdt. if. MopS. Windhund. Fox-Terrier. Dachshund. Kurzhaariger deutscher Hühnerhund. % r Händen, als die Gemeinden durch Umlagen aufzubringen haben. Berlin, 13. Juli. Vor dem Schwurgericht des Landgerichts I fand heute die Verhandlung gegen fünf wegen Landfriedensbruch angeklagte Arbeiter statt. Es handelt sich um ein Renkontre, welches die fünf Angeklagten am 1. Mai nachmittags, als sie von der Maifeier kamen, mit einer Kolonne Steinsetzer hatten. Die Feiernden machten den Steinsetzern Vorwürfe, daß sie arbeiteten. Dabei kam es zu Streitigkeiten, welche in eine Prügelei ausarteten. Es entstand eine förmliche Schlacht, bei welcher mit Pflastersteinen geworfen wurde. Eine große Anzahl Polizeimannschaften wurde requiriert, um die Ruhe wiederherzustellen. In der heutigen Verhandlung bestritten die Angeklagten, daß sie irgendwie die Absicht gehabt hätten, Gewaltthätig- keiten zu begehen. Sie seien schwer betrunken gewesen und könnten über die Einzelheiten keine Auskunft geben. Das Urteil steht noch aus. Marburg, 13. Juli. Der Direktor der mediznnschen Poliklinik, Professor Müller, hat einen Ruf in gleicher Eigenschaft nach Basel erhalten und angenommen. — lieber die bayerischen Wahlen wird heute gemeldet: Nach den Urwahlen wird sich die Abgeordnetenkammer wie folgt zusammensetzen: Zentrum 81 Sitze (bisher 73), Sozialdemokraten 11 Sitze (bisher 5), Bauern- bündler 7 Sitze; die übrigen 59 entfallen auf die Liberalen, den Bund der Landwirte und die Konservativen. — König Albert von Sachsen über den modernen Kaufmann. Bei der Uebernahme des Protektorats über die „Deutsche Stiftung zur Ausbildung junger Kaufleute" wies König Albert von Sachsen darauf hin, wie der deutsche Kausmannsstand durch die an seinen Nachwuchs gestellten höheren Anforderungen sich selbst am besten ehre und seine allgemeine bürgerliche Position erhöhen würde. Er habe deshalb die Errichtung einer Handelshochschule mit Freuden begrüßt, und der Erfolg, den die erste derartige Anstalt in seinem Lande bereits aufzuweisen habe, spreche dafür, daß der Gedanke ein gesunder gewesen sei. Er habe sich in Leipzig persönlich von den Einrichtungen der ersten deutschen Handelshochschule überzeugt und könne nur sagen, daß ihn das hohe Maß der Anforderungen, welche der Kaufmann heute an die ersten seines Standes stelle, mit Befriedigung erfülle. Er sei auch überzeugt, daß mit der höheren Ausbildung des Geistes eine straffere Zucht der Charakterbildung Hand , in Hand gehen werde. Ihm sei es bei den ihm vorgelegten Begnadigungsgesuchen öfters schmerzlich ausgefallen, wie stark der Prozentsatz der Kaufleute unter den mit den Gesetzen in Konflikt Geratenen vertreten sei. Auf die Charakterbildung müsse gerade auch bei der Ausbildung des jungen Kaufmannes, der so vielseitigen Versuchungen ausgesetzt sei, besonderes Gewicht gelegt werden. Mit den Worten: „Ich freue mich, mit Ihnen, meine Herren, künftig zusammen arbeiten zu können" verabschiedete der König die aus dem Vorsitzenden des deutschen Verbandes für das kaufmännische Unterrichtswesen, Reg.-Rat Dr. Stegemann-Braunschweig und den Vorstandsmitgliedern der „Deutschen Stiftung" (Vizepräsident Uebel-Plauen, Vizepräsident Dr. Schmidt-Braunschweig und Handelskammerpräsident von Cölln-Hannover) bestehende Abordnung. — Die ganze Presse bespricht die Meldungen aus England, denen zufolge die berüchtigten Dumdum- Geschosse jetzt im Zeitalter der Haager Friedenskonferenz im größten Maßstabe in der englischen Armee eingeführt werden. Nach der einen Nachricht ist in Birmingham eine neue Kugel derzeit der Gegenstand umfassender Proben, wodurch derselbe Erfolg erzielt werden soll, der mit der berüchtigten Dumdum-Kugel beabsichtigt wird, nämlich den Getroffenen sofort kampfunfähig zu machen, anstatt ihn blos zu durchbohren. Das Projektil ist eine Erfindung des Mr. Leslie Taylor, des Direktors der Firma Westley, Richards & Co. Das neue Geschoß bringt auf kurze Entfernungen eine größere Wunde hervor, als es mit dem gewöhnlichen englischen Armeegeschoß möglich war. Es hat einen flachen, unbedeckten Bleikern, der aus der Nickelhülle hervorragt. Weiter wird gemeldet, daß auch die Patronen der Maschinengewehre nach der Theorie der Dumdum- Geschosse hergestellt und nach Afrika geschickt werden. Austmd. Brussel, 13. Juli. Der Wahl-Reform-Ausschuß hält morgen seine erste Sitzung ab. Die Sozialdemokraten werden morgen sofort eine Erklärung abgeben, daß sie keiner Wahl-Reform zustimmen, falls nicht vorher die Verfassung geändert und das Plural-Stimmrecht abgeschafft wird. — Der Pap st verweigerte trotz dringender Vorstellung der Regierung jede Intervention bei den katholischen Demokraten wegen ihrer Haltung während der letzten Krise. Belgrad, 13. Juli. Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchung in der Attentats-Angelegenheit werden streng geheim gehalten, doch verlautet, Knesevic habe alle Mitschuldigen genannt, und es sei erwiesen, daß das Attentat lange vorbereitet war. Daher erklärt sich die Proklamation mit der Todesnachricht. Gestern wurde neu verhaftet der Advokat Nuja Martinac. Der Verhaftete Milikovic verbrannte alle Papiere, ehe die Haussuchung durchgeführt wurde. Washington, 11. Juli. Handelsverträge werden jetzt mit fliegender Hast erledigt, da am 24. Juli die Frist für den Abschluß von solchen abläust. Allerdings ist die Regierung der Ansicht, daß auch nach diesem Zeitpunkt Verhandlungen geführt und Verträge eingegangen werden können — beides ist ja ein Verfassungsrecht des Präsidenten —, man ist aber wenigstens bemüht, dem ausgesprochenen Wunsch des Kongresses nachzukommen. So wurden denn mit den britischen Kolonien hintereinander Abkommen erzielt, am 16. Juni mit Barbados, am 21. mit Guyana, am 27. mit Bermuda. Nur noch Jamaica ist übrig, und dessen Abordnung ist viel gnädiger empfangen worden, als es jüngst geheißen hatte. (Der Abschluß ist bereits erfolgt). Alle vier Kolonien hatten ihre eigenen Vertreter nach Washington geschickt. Die Abmachungen werden geheim gehalten, bis sie dem Senat vorgelegt werden können, doch verlautet, die Grundlage für den Vertrag mit Barbados, also auch wohl mit Guyana, sei eine Zollherabsetzung von 12 Prozent; worauf, wird nicht gesagt, aber es ist natürlich der Zucker; der Dingleytarif erlaubt eine Verminderung um 20 Prozent. Verhandlungen schweben mit Brasilien, dessen Kaffee mit einem Kampfzoll von 3 Cents das Pfund bedroht ist, falls es nicht erhebliche Nachlässe gewährt, die man hier besonders für Nahrungsmittel, Maschinen, Werkzeuge und Baumwollwaren haben möchte. Portugal hat ein vorläufig geheim gehaltenes Abkommen getroffen, wonach ihm die Begünstigungen des Sondervertrags mit Frankreich zugestanden worden sein sollen. Frankreich wünscht gegenseitige Bewilligung des Mindesttarifs, während Kasson meint, Frankreich mache dabei ein zu gutes Geschäft. Die Verhandlungen mit Deutschland sollen erst wieder ausgenommen werden, wenn das Schicksal der Vorlage für Fleischbeschau besiegelt ist. • «Köln. Ztg." Lokales und Provinzielles. Gießen, 14. Juli 1899. * * Der Jahresbericht der Großherzoglichen Handelskammer Gießen für 1898 ist erschienen. In der Einleitung besagt der Bericht: Mit Befriedigung können wir auch in diesem Jahre von einer weiteren günstigen Entwickelung der Industrie unseres Bezirkes berichten. Die Metall- und Gießerei waren fabrikation sowie die Fabrikation von Badeeinrichtungen blicken wiederum auf einen sehr lebhaften Geschäftsgang zurück, wie dieses auch bezüglich der in unserem Bezirke neu entstandenen Acetylen-Apparate-Fabrikation zn- trifft, welche einen sehr befriedigenden Erfolg ihrer erst« jährigen Thätigkeit zu verzeichnen hat. In der Rauchtabak- und Cigarrenfabrikation liegen dagegen die Verhältnisse weniger günstig. — Besonders machte sich die durch den verschäften Wettbewerb hervorgerufene Ueberproduktion fühlbar, welche naturgemäß preisdrückend wirkte. Der frühere Geschäftsumschlag konnte nur durch angestrengteste Thätigkeit und Vermehrung des Reisepersonals aufrecht erhalten werden. Als großer Mißstand wird sodann empfunden, daß das in dieser Branche übliche sechsmonatliche Ziel von der Kundschaft vielfach nicht eingehalten wird. Die uns erstatteten Spezialberichte besagen das Nähere. Aus ihnen geht auch hervor, daß die Verhältnisse im Groß- und Kleinhandel nach wie vor wenig günstig liegen. Letzterer hat vielfach unter der Konkurrenz der großen Versandgeschäfte, Einkaufsgenossenschaften und Konsumvereine zu leiden, wie wir dieses bereits in unserem Jahresbericht für 1897 des näheren ausgeführt haben. — Die Erhebungen über die Lage des Kleinhandels sind — soweit uns bekannt — noch nicht von den Gr. Kreisämtern, welche hiermit von Gr. Negierung beauftragt werden sollten, in Angriff genommen worden. Sehr erfreulich ist die Thatsache, daß bereits für 1898 aus dem Kreise Alsfeld mehrere Geschäftsberichte uns erstattet worden sind. Sie beweist, daß die Interessen jener Gegend ihre natürliche Vertretung in unserer Kammer suchen. Die geplante Einteilung des ganzen Großherzogtums Hessen in Handelskammerbezirke steht uns in 1899 bevor; sie wird — wie bestimmt zu erwarten ist — eine außerordentliche Vergrößerung unseres Wirkungskreises im Gefolge haben, der sich hierdurch auf die Kreise Alsfeld und Lauterbach, sowie den ganzen Kreis Gießen ausdehnen wird. Was die auswärtigen Handelsbeziehungen des Deutschen Reiches betrifft, so ist zunächst die durch Gesetz vom 13. April 1898 geschaffene Vermehrung und Beschleunigung der Postdampfschiffverbindungen, ihre Unterstützung aus Reichsmitteln auf weitere 15 Jahre und die Erweiterung des Postdampfer- dienstes nach Ost-Asien zu erwähnen. Die Entsendung einer Kommission aus kaufmännischen und industriellen Kreisen nach jenen Gegenden zeigte das Interesse unserer Reichsregierung an der Erweiterung und Stärkung der deutschen Handelsbeziehungen nach überseeischen Ländern. Der zum Zwecke der Vorbereitung künftiger Handelsbeziehungen eingesetzte „Wirtschaftliche Ausschuß" hat seine Thätigkeit begonnen, welche sich naturgemäß der Oeffentlichkeit entzieht. Für den Abschluß von Handelsverträgen hat der Deutsche Handelstag sich in folgender Resolution ausgesprochen: „Der Abschluß von Handelsverträgen hat hauptsächlich den Zweck, den Absatz deutscher Erzeugnisse im Ausland zu fördern und vor Störungen durch die Gesetzgebung des Auslandes nach Möglichkeit zu bewahren. Die Erfüllung dieses Zwecks ist um so wichtiger, als Deutschland bei stark wachsender Bevölkerung zur Bezahlung der notwendigerweise vorn Ausland zu beziehenden Waren und zur lohnenden Beschäftigung seiner Arbeiter in hohem Maße darauf angewiesen ist, die Erzeugnisse seines Gewerbfleißes dem Ausland zu verkaufen. Nur bei kräftiger Entwickelung feiner Ausfuhr, bei erfolgreicher Teilnahme am Weltverkehr, wird Deutschland wirtschaftlich gedeihen und politisch seine Machtstellung behaupten können. Die feit 1891 mit einer Reihe europäischer Staaten geschlossenen Handelsverträge haben bei allen Mängeln, die im einzelnen vielleicht ihnen an- hasten, und allen Fehlern, die wegen ungenügender Zuziehung von Vertretern des Erwerbslebens begangen sein mögen, grundsätzlich richtige Wege eingeschlagen. In Ueber- einftimmung mit der in ihnen befolgten Politik ist für künftige Handelsverträge dahin zu streben, daß die auswärtigen Staaten für eine längere Reihe von Jahren die Zölle auf die hauptsächlichsten von uns bei ihnen eingeführten Waren ermäßigen oder wenigstens nicht zu erhöhen sich verpflichten, und uns die Meistbegünstigung gewähren. Können in einem Handelsvertrag keine Zugeständnisse in Bezug auf die Zollsätze erreicht werden, so ist auch die Meistbegünstigung allein ein wertvoller Gewinn. Die Entscheidung über einen Handelsvertrag muß davon abhängen, ob er bei sorgfältiger Abwägung Der gegenseitigen Zugeständnisse im ganzen als vorteilhaft erscheint. Kein einzelner Erwerbszweig, und wäre er auch noch so bedeutend, darf den Anspruch erheben, daß die Rücksicht auf ihn allein maßgebend sei und hinter seine Interessen alle anderen zurückgesetzt werden müßten. Nur das Wohl der Gesamtheit darf die Richtschnur der Handelspolitik bilden. In dieser Ueberzeugung spricht der Deutsche Handelstag den Wunsch aus, daß es Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser unter Zustimmung des Bundesrats und Genehmigung des Reichstags gefallen und gelingen möge, die wirtschaftliche Entwickelung Deutschlands durch den Abschluß solcher Handelsverträge zu fördern,die den entwickeltenGrundsätzen entsprechen." Die handelspolitischen Beziehungen zu England sind vorläufig durch das Gesetz vom 11. Mai 1898 und den Bundesratsbeschluß vom 11. Juni 1898 geregelt, der besagt, daß den Angehörigen und den Erzeugnissen des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland sowie der britischen Kolonieen und auswärtigen Besitzungen mit Ausnahme von Kanada vom 31. Juli 1898 ab bis auf weiteres diejenigen Vorteile einzuräumen sind, die seitens des Reiches den Angehörigen und Erzeugnissen des meistbegünstigtsten Landes gewährt werden. Der in 1896 mit Japan abgeschlossene Handels- und Schiffahrtsvertrag wird am 17. Juli 1899 in Kraft treten. Der 30. Juli brachte für Deutschland einen Tag tiefer Trauer durch den Heimgang des großen ersten Kanzlers Fürsten Otto von Bismarck, des verdienstvollen geistigen Schöpfers unserer politischen Einheit. Sein Name gehört in unvergänglichen Lettern der Geschichte an und späteste Geschlechter werden zu diesem genialen Mitbegründer unseres Reichs mit Verehrung und Dankbarkeit aufblicken. * * Witwenkasse. Nachdem von der Regierung beabsichtigt ist, auch die Beiträge der Volksschullehrer zu deren Wittwenkasse aufzuheben, so sind die Mitglieder der Großh. Hess. Offiziers- und Unteroffiziers-Witwen- taffe noch die einzigen Beamten, welche zu einer hessischen Witwenkasse beitragspflichtig sind. Nach dem Expos« des Finanzministers über die Finanzlage steht wohl auch deren baldige Aushebung zu erwarten, zumal alle betreffenden Mitglieder (ältere Offiziere, Aerzte, Militärbeamte und Unteroffiziere) schon vor 1872 eingetreten sind, und deren Zahl so abgenommen hat, daß die gegenwärtige Jahresausgabe etwa 9 bis 10 000Mk. beträgt, welche sich naturgemäß weiter alljährlich durch Todesfälle, Austritt rc. verringern muß, da seit 1872 ein Beitritt zu der Kasse nicht mehr stattfinden kann. * * Von hessischen Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Schneider Johannes Erbes aus Lehnheim wegen Bettelns vom Staatsanwalt in Büdingen; Taglöhner Karl Grübner aus Sodeiken wegen Diebstahls und Kaufmann Moritz Speier aus Melsungen wegen Pfandveräußerung von der Staatsanwaltschaft Gießen; Dreher Karl Rabe aus Schmölln wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Mainz; Weißgerbergeselle Gustav Schäfer aus Friedberg wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; Russenmacher Anton Sabiwolsge aus Daschwitze wegen Diebstahls von der Staatsanwaltschaft Gießen; ferner wegen Strafverbüßung: Weißbinder Christoph Barthel aus Neu-Isenburg vom Amtsanwalt in Offenbach; Reisender August Heinecke aus Marienhof und Taglöhner Johann Bauer aus Mittereich vom Amtsgericht Bingen, Bierbrauer Wilhelm Hroneck aus Worms vom Amtsgericht Lorsch, Bäcker Heinrich Lehn- hardt aus Caub, Joseph Nerici, Gipsfigurenhändler, aus Craßciania und Schmied Albert Greifender aus StefansDorf, sämtlich vom Amtsgericht Mainz; Korbmacher Georg Linder aus Abenheim und Dienstmagd Alwine Schönbdube aus Varsleben vom Amtsgericht Osthofen, Knecht Karl Litschke aus Kamnitz vom Amtsgericht II Darmstadt, Fabrikarbeiter Christian Stolz aus Weinheim vom Amtsgericht Alzey. * * Große Ersparnis auf Reisen erzielt jeder Reisende, welcher sich mit Karl Riesels Hotelführer versieht. Derselbe enthält ein Verzeichnis guter und empfehlenswerter Hotels für alle bedeutenden Städte und Touristenplätze, bringt für jeden Ort eine kurzgefaßte Beschreibung aller hauptsächlichen Sehenswürdigkeiten, und gewährt dem Inhaber eine erhebliche Preisermäßigung auf die Hotelrech- nuug. Gegen Einsendung von 10 Pfg. Porto ist der Hotelführer durch Karl Riesels Reifebureau, Berlin, Unter den Linden 57, gratis zu beziehen. § Vom nordwestlichen Vogelsberg, 13. Juli. DieHeu- ernte ist nun als beendigt anzusehen. Sie hat volle fünf Wochen lang gedauert, gewiß eine lange Zeit. Bei anhaltend gutem Wetter macht man das Heu in 14 Tagen. Im oberen Vogelsberg, wo die Heuernte später ihren Anfang nimmt, wird man später damit fertig. Das schöne Wetter dieser Woche hat noch eine recht gute Qualität Heu ernten lassen. Das Gesamtergebnis der Heuernte muß, abgesehen von dem Verregnen eines großen Teiles als ein reiches bezeichnet werden; der Landmann kann mit dieser ersten Dörr-Futterernte wohl zufrieden sein. Der Preis für unberegnetes Heu dürfte indessen doch etwas höher sich stellen, als seither, wo man letzthin seitens der Heuhändler nur 1.50 Mk. für den Centner gab. Daß es „Hafer ins Heu" geregnet hat, zeigt der sich viel gebesserte Stand des Hafers und der Gerste. Ebenso wachsen die Hackfrüchte recht üppig. An den Setzpflanzen haben die Raben wiederum, wie es nun seit einigen Jahren fast zur Gewohnheit geworden ist, mitunter namhaften Schaden angerichtet. So fehlen nicht selten auf einem Acker bis zu 400 Stück der eingesetzten Pflänzchen. Es ist doch eigentlich eine eigentümliche Erscheinung, daß das Rabenvolk erst in neuester Zeit — früher nicht — die Setzpflanzen auszieht. S.W. Ans der südlichen Wetterau, 13. Juli. Wie sehr die zweite Juliwoche mit ihren warmen, sonnigen Tagen auf Regierung beab- ullehrer zu deren lieber her Großh. ers-Witwen- u einer hessischen dem Expose des wohl auch deren alle betreffenden Mitarbeamtc und i sind, und deren enwärtige Jahres- welche sich natur-- , Austritt rc. ver- zu der Kasse nicht elkbntsiich verfolgt: m wegen Bettelns intr Karl Grübner Kaufmann Moritz iußcrung von der labe au$ Schmölln ist Mainz; Weiß- itig wegen Diedern Rusienmacher in Diebstahls von oegen Strasver- aus Neu-Uenburg 'er August Heinecke Bauer aus Mitte- Wilhelm Hroneck .der Heinrich Lehn- igcrenhändler, aus [r aus Stesansoors, racher Georg Linder ie Schönbdube aus «iiichl ^Mke tabt, gabrifarbeitet «z-richl W- jell j-d-r 'M* ter !b 11b , Jesch-nbimg * d gewähr auf bi=$°ä'. W ist d-l E gcrltn, 1Btir t 9e" 8* ,$e'" ein, J” bedeniend n“f «fein ? ««deren Ju, en" *f«4it • dieser 2 fiben Wunsch » Mer Z des Reichs, ^chaftliche gut: °'cher Handels, ^uentsprech^ *• land sind vor- und den Bun- U. der besagt, des Bereinigten > sowie der bri- um Ausnahme lul weiteres die- ens des Reiches ^sttbegünstigtsten 3upan abge- ntb am 17. Juli hte für Deutsch- 1 Heimgang be§ n Bismarck, des olitischen Einheit, 'rn der Geschichte em genialen Mit- und Dankbarkeit Quli Dtt HeU' Lh-t »»»'M . «eit ®" 9Min H nn^ann I^mas dher s'ch >och Heuhiindler tenS der v ins Daß^. "Ziand W »es> t )t" aE Stück der »“feine eigen; igentl^ „eurfier >olk erst '" a*%ie «* ’3- ÄnTagen all Ine feineren Gewächse eingewirkt hat, beweist, daß heute auf Margaretentag ein F r ii h gn t ed el t r a n b e n st ock des Einsenders vollkommen durchgeblüht hat, und bereits Träubchen in der Stärke von Hasenschrot besitzt. Die übrigen Traubensorten blühen seit Dienstag, und verbreiten einen köstlichen Geruch im Garten. Von Sauerwurm oder Blattkrankheiten ist nichts zu sehen, alles steht frisch, freudig und üppig da. Wir können darum immer noch einen recht -trinkbaren 1899er erhalten. H. Aus dem Horloffthal, 13. Juli. Durch Schaden wird man klug, sagt ein altes Sprüchwort — aber mcht reich. Die Wahrheit dieser volkstümlichen Redensart haben verschiedene Kollegen in der Landwirtschaft gestern und vorgestern zu erproben Gelegenheit gehabt, und zwar in folgender Weise: Seit 1893 hat eS bei uns nicht mehr gehagelt. Das ermutigte etwelche Bauern so sehr, daß sie dieses Jahr ihre Versicherungen unterließen. Ende Juni bekamen wir ein kräftiges Hagelwetter, der Schaden wurde angemeldet, und in der Vorwoche erschien ein Inspektor mit einem Sachverständigen, um den Schaden festzustellen. Dies ist in sehr gründlicher, dabei aber doch anständiger Weise geschehen; um jeden Anschein von Reklame zu vermeiden, nenne ich die Versicherungsgesellschaft nicht. Die Beschädigten erhielten 10—70 Prozent Vergütung, je nach Verhältnis des abgeschätzten Schadens. Was die Leute seit sechs Jahren an Beiträgen entrichteten, das kam ihnen wieder zu gut und sie konnten ruhig und ohne Sorgen schlafen. Die Klughänse haben nichts, sie machen lange Gesichter und — — treten jetzt wieder ein. Vor vier Wochen vermahnte ich noch einen kleinen Bauer, an die Versicherung zu denken; er machte ein sehr kluges Gesicht und ließ es bleiben. Heute begegnete er mir und sagte: „Die Kauh is fort, eich kann de Stall zougemache!" Solche Beispiele muß man anführen, sie wirken besser als große Vorträge. W. Friedberg, 13. Juli. Am Montag 17. l. M., unmittelbar nach dem Bundesfest des Ev. Bundes tagt dahier (von Ui/2 l^r vormittags an), im „Hotel Trapp" die etwa ein Drittel der hessischen evangelischen Geistlichen zu Mitgliedern zählende „Evangelische Konferenz für Hessen". Herr Pfarrer Freundlieb-Ulrichstein wird über das wichtige Thema: „Unsere Stellung zu Sekte und Gemeinschaft", Thesen bieten, und referieren. Einem zahlreichen Besuch darf gewiß entgegengesehen werden. Auch Nichtmitglieder sind willkommen. n. Friedberg, 12. Juli. Unser heutiger Ferkel- mar k t verlief sehr flau. Es hatten sich nur wenige Käufer kingefunden; dagegen waren sehr viele Ferkel aufgetrieben, die Kartoffeln, das hauptsächlichste Schweinefutter, sind eben in den meisten Wirtschaften schon sehr rar geworden. Begehrt war unter diesen Umständen nur Primaware. Die Preise waren ungemein schwankend. Im Anfang des Marktes wurden wohl 20 Mk. für das Stück bezahlt, aber rasch sanken die Preise, und als gegen Schluß das Stück für 8 Mk. angeboten wurde, waren keine Käufer mehr da, sodaß die meisten Ferkel wieder mit nach Haus genommen werden mußten. n. Weckesheim, 12. Juli. Gestern vernahm ein hiesiger Einwohner beim Klötzeabladen ein verdächtiges Krachen in Ser Giebelwand des Stalles, neben der er arbeitete. Kaum war er ein paar Schritte zur Seite gesprungen, so stürzte die Wand ein. Mainz, 12. Juli. Mit der wachsenden Bedeutung des Fahrrades als Verkehrsmittel haben die Radfahrer- Kongresse an praktischer Bedeutung und an Interesse gewonnen. Deshalb rüstet sich unsere Stadt, dem vom 14. bis 20. Juli in ihren Mauern tagenden Kongresse der Allgemeinen Radfahrer-Union eine würdige Stätte zu bereiten. Nicht weniger als 6000 Radfahrer, die aus fast allen europäischen Staaten zusammenkommen werden, haben ihre Teilnahme zugesagt. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen hat das Protektorat über die Veranstaltung übernommen. Wie aus dem Programm ersichtlich, ist dem Vergnügen und der Erholung allerdings ein breiter Raum gegönnt, immerhin wird die ernste Arbeit, für die hinlänglich Gelegenheit und Stoff vorhanden ist, die Würde des Kongresses wahren. Für Sportsleute wird es von Interesse sein, zu vernehmen, daß bisher Fernfahrten selbst von Budapest und Petersburg .angemeldet sind. Zu der Motorfernfahrt Mainz-Koblenz- Mainz haben sich bisher 20 Motorräder und Motorwagen angemeldet. Eine noch stärkere Beteiligung der verschiedensten Systeme wäre wünschenswert. Dem Automobil soll es ja Vorbehalten sein, selbst der Eisenbahn als Personen- Beförderungsmittel auf die Dauer erfolgreich Konkurrenz zu machen und so das Vehikel der Zukunft zu werden. Eine große Reihe von Wettkämpfen ist vorgesehen. Wie überhaupt das Programm eine solche Reichhaltigkeit aufweist, daß wir hier nicht annähernd darauf eingehen können. Im großen Ganzen kann man demselben das Plaeet erteilen. Das Festbuch, das die Berechtigung zur Teilnahme an allen Veranstaltungen gibt, kostet 5 Mk., was in Anbetracht der in Aussicht gestellten sportlichen usw. Genüsse, die den Teilnehmer sieben oder acht Tagen lang nicht zu Atem kommen lassen könnten, ist der Preis ein „ziviler" zu nennen. Das hiesige Komitee, welches die Vorbereitungen zu treffen hatte, ließ es sich angelegen sein, allen Anforderungen gerecht zu werden. So weit es sich übersehen läßt, wird das ihm auch gelingen. Gutes Wetter vorausgesetzt — dann all Heil! Vermischtes. * Seewesen. Sämtliche bisherigen Rekorde hat der Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große", der Montag um 2 Uhr 45 Mm. nachmittags von New- York in Cherbourg eingetroffen ist, geschlagen und einen neuen Schnelldampfer-Rekord aufgestellt. Dauer der Reise nur 5 Tage 20 Stunden 55 Minuten. Geschwindigkeit im Durchschnitt 22,61 Knoten in der Stunde. — Auf den Werften zu Bremerhaven und Geestemünde liegen gegenwärtig nicht weniger als 7 Fischdampfer in den Doks. Sie werden sämtlich um je 7 Meter verlängert. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß auch die Mehrzahl unserer übrigen deutschen Fischdampfer in gleicher Weise vergrößert werden muß. Die Nordsee und die übrigen südlicheren Fischgründe sind notorisch übersischt und infolge dessen kommen die Fangreisen nach den reichen Gründen bei Island immer mehr in Aufnahme. Für diese Fahrten eignen sich aber unsere Fischdampfer in ihren gegenwärtigen Abmessungen nur wenig, da sie nicht das nötige Quantum Kohlen für die 2 bis 3 Wochen in Anspruch nehmenden Reisen in ihren Bunkern aufnehmen können. Als Notbehelf verstauen sie jetzt einen Teil der Kohlen auf Deck, was sowohl gefährlich wie unbequem ist. Der Umbau kostet für jeden Dampfer rund 20000 Mk. * Das Tuch der Königin. Das 200jährige Bestehen des Königlichen Schlosses zu CH ar lott enbur g bringt einen kleinen Charakterzug Friedrich Wilhelms III. in Erinnerung, der einen tiefen Blick in das Herz des Königs gewährt. Dieser Monarch hatte einen großen Hang zur Stille und Zurückgezogenheit. Ihm sagte das große Schloß zu Charlottenburg nicht recht zu; er ließ sich deshalb int Jahre 1825 an der Seite desselben eine kleine Wohnung von nur wenigen Zimmern erbauen. Ruhe und Friede lag auf diesem geschmackvollen Tuseulum. Als Privatmann wohnte er hier; nur wenigen Auserwählten war es gestattet, die Räume zu betreten. Im Wohnzimmer lagen auf den Tischen die Briefe feiner Kinder. Die Geschenke der Herzen und Hände seiner abwesenden Töchter standen und lagen in köstlichen Stickereien und Geweben umher. Das kleine, einfache, halbdunkle Schlafzimmer war ein Ort behaglicher Ruhe, und die Decke seines Bettes ein großes, schönes Tuch, das die Königin Luise lange und gern getragen hatte. Morgens, wenn der Diener das Bett ordnete, mußte er das Tuch gefaltet auf den davorstehenden Stuhl legen, und wenn der König sich zur Ruhe begab, breitete er selbst es jedesmal über sein Lager aus. * Ueberschwemmung. Aus Houston in Texas wird gemeldet: Die schönste und blühendste Gegend von Texas ist durch schreckliche Ueberschwemmungen eine völlige Wildnis geworden. Die Fluten des Brazo haben das ganze Brazo-Thal angefüllt, und an manchen Stellen steht das Wasser 30 Fuß hoch. Hunderte von Häusern sind zusammengestürzt oder vollständig weggeschwemmt. Das Ueber- schwemmungsgebiet ist 500 Meilen lang und 50 Meilen breit. Die Zahl der Ertrunkenen wird auf nahezu 300 geschätzt. * Die Berufswahl. In einem Londoner Blatte erzählt ein Humorist: Ein biederer Bürger unseres glorreichen Landes zerbrach sich den Kopf darüber, was er seinen Sohn werden lassen sollte. „Welcher Art sind seine Fähigkeiten und welchen Beruf wird er wählen?" fragte sich der besorgte Vater. Eines Tages fuhr ihm eine glänzende Idee durch den Kopf, wie er sich Gewißheit verschaffen könnte. Er ging ins Zimmer seines Sohnes und legte dort auf den Tisch eine Bibel, eine Flasche Whisky und ein Goldstück mit dem Bilde der Königin. Dann versteckte er sich, um zu beobachten, indem er zu sich selbst sprach: „Wenn mein Junge das Goldstück nimmt, so soll er ein Geschäftsmann werden; nimmt er aber die Flasche mit Whisky, dann ist er unrettbar dem Trünke verfallen und zu keinem Berufe tauglich." Wenige Augenblicke später kam der Junge pfeifend ins Zimmer, steckte das Goldstück in die Tasche, nahm das Buch unter den Arm, entkorkte die Flasche Whisky, trank zwei Gläschen davon und ging, sich die Lippen ableckend, wieder hinaus. „God graciousl“ schrie der Alte voll Entzücken, „der Junge wird ein Politiker!" — * Die größten Wälder der Welt zu besitzen, können sich ohne Zweifel die Amerikaner und Afrikaner rühmen. Nach neueren Vermessungen hat der Wald von Quebec und Ontario in (Sanaba eine Länge von 270 Kilometern und eine Breite von 1000 Kilometern. In den Niederungen an den Ufern des Amazonenstromes bedeckt der Wald einen Komplex von 3300 Kilometern Länge und 2000 Kilometern Breite. Den mächtigsten Wald hat aber jedenfalls das Innere Afrikas aufzuweisen mit einer ausgemessenen Länge von 4800 Kilometern und einer auf 2 bis 3000 Kilometer geschätzten Breite. * Kaiserin Eugenie hat eine zehntägige Fahrt an die Küste Norwegens angetreten, und es wird nun vermutet, daß sie mit Kaiser Wilhelm, der ja ebenfalls die nordische Küste befährt, zusammentrifft. Bei dieser Gelegenheit wird an eine Zusammenkunft mit der Exkaiserin erinnert, die bereits vor vier Jahren stattfand. Kaiser Wilhelm fuhr damals, als er in Cowes weilte, in der Uniform seines englischen Regiments nach Farnborough hinüber und blieb zum Thee bei der früheren Kaiserin von Frankreich. » Als Admiral Schley noch Seekadett war, befand er sich auf dem kleinen Kanonenboot „Owasco", dessen Kapitän als „Trinker" eine gewisse Berühmtheit genoß. Die „Owasco" gehörte zu einem kleinen Geschwader, dessen Hauptkommandant Kapitän Alden war. Schley war damals gerade mit der Marineakademie fertig geworden und kam auf das Schiff mit dem ganzen jugendlichen Feuer eines eben aus der Schule entschlüpften strebsamen Jünglings und natürlich mit etwas groß geratenen Begriffen von der Würde der amerikanischen Marine und ihrer staatlich beglaubigten Vertreter. Daß ihm unter solchen Umständen die durchaus nicht vorbildliche Art, wie sich der Kapitän der „Owasco" mit seiner Würde abfand, ein Dorn im Auge war, ist begreiflich. Eines Tages wird nun dem Kapitän Alden gemeldet, daß das Kapitänsboot der „Owasco" sich dem Schiffe nähere. Nichts lag näher, als die Vermutung, daß sich der Kapitän der „Owasco" im Boote befinde. Kapitän Alden zieht also seinen Uniformrock an, macht ein offizielles Gesicht und erwartet den vermeintlichen Kapitän. Das Boot nähert sich, und zur allgemeinen Verblüffung betritt nicht der Kapitän, sondern Seekadett Schley mit der unschuldigsten Miene von der Welt das Schiff. Als Alden nun sah, daß Seekadett Schley vor ihm stand, meinte er sarkastisch, er hätte gedacht, der Kapitän der „Owasco" wäre im Boote gewesen. „Ich bin der Kommandant der „Owasco", sagte Schley. „Seit wann?" fragte Kapitän Alden. „Seit einer halben Stunde", erwiederte Schley. „Wo ist Kapitän--?" „In seiner Kajüte eingeschloffen, betrunken." „Wer hat ihn eingeschlvssen?" „Ich. Ich habe ihm zuerst Arrest diktiert und ihn dann in seine Kajüte eingeschlossen. Dann habe ich das Kommado übernommen, und ich bin da, um Ihre Befehle zu empfangen." Der Kapitän hätte als Freund eines guten Scherzes am liebsten über dieses bündige Vorgehen des jungen Mannes laut aufgelacht. Schließlich sagte er: „Nun, der erste Befehl, den ich Ihnen zu geben habe, ist: Gehen Sie aufs Schiff zurück, schließen Sie die Kajüte auf und setzen Sie den Kapitän wieder in fein Amt ein. Dann schreiben Sie mir, in welchem Stadium sich die „Krankheit" befindet, und ich will sehen, was sich weiter thun läßt." Landwirtschaftliches. 0. Aus Oberhefsen, 11. Juli. Mit der zweiten Juliwoche ist eine Wendung zum Besseren eingetreten, das naßkalte Wetter ist verschwunden und an dessen Stelle trat Sonnenschein und intensive Wärme. Beides übt einen ausgezeichneten Einfluß auf alle landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, aber auch — auf das Unkraut. Der strebsame, denkende Landwirt muß diesem mit allen Krästen entgegenwirken, sonst büßt er einen großen Teil seiner Ernte ein. Was die Maikäfer in der Lust, die Engerlinge in der Erde ihrem Zerstörungstriebe und ihrer Schädlichkeit nach sind, das sind die verschiedenen Unkräuter aus der Erdoberfläche und unter diesen Un- kräuternffpielt die Quecke (Ariticum repens) eine sehr unliebsame hervorragende Rolle. Schon in früheren Jahren ist in dieser Zeitung auf die nichtswürdige Quecke hingewiesen worden; inzwischen hat man, wie auch mit dem Hederich, neue Erfahrungen in Bezug auf die Vertilgung der Schädlinge gemacht, weshalb auf die Sache «aus- merksam gemacht werden soll. Zuvörderst sei darauf hingewiesen, daß gerade jetzt eine recht geeignete Zeit zur Bekämpfung des Unkrautes ist. Der Bauer hat die Kartoffeln behäufelt, das Heu ist unter Dach, oder kommt recht bald darunter, die Ernte ist rum Schneiden noch nicht reif, es bleiben einige sogenannte „müssige Tage", die man vortrefflich verwerten kann. Also herbei mit dem Pfluge und die verqueckten Aecker zum zweiten, dritten oder auch zum vierten Male gezackert, je öfter, desto besser. Ist dies geschehen, so muß jedeSmal die Egge herbei und der Acker muß gekämmt, d. h. geeggt werden, daß der letzte Quckenfaden herausgerissen wird, nota bene es bleiben trotzdem noch Tausende darin. Nun aber kommt dre Hauptsache: Der Acker muß mit Senf, wohl zu merken, mit gelbem Senf eingesät werden und dazu ist gerade jetzt, in der ersten Julihälfte die geeignetste Zeit. Man kann noch bis in den August hinein sähen, der Erfolg ist jedoch nicht so sicher, und sitzt ist die Zeit um deswillen so sehr zu empfehlen, weil eine vierzehn- tägige Regenperiode vorausging, die den Ackerboden durchgeweicvt hat, wie's im Buche steht. Der Senf geht in wenigen Tagen aus, wächst in kurzer Zeit zu einem dichten Filz zusammen, versperrt der häßlichen Quecke Licht und Luft und erstickt sie völlig. Darin liegt das Geheimnis der Queckenvertilgung; das Unkraut mutz von den rascher und üppiger wachsenden Kulturpflanzen getötet werden, daS hilft besser und sicherer als Pflug, Egge, Hacke und Karst. Man sieht hieraus, wie in vielen anderen Fällen, daß die Natur auch wieder die Mittel bereit hat, die Schädlinge zu beseitigen. Wir Bauern drücken baß auch so au8, daß wir sagen: Für jedes Uebel gibt es in der Regel ein Gegenmittel, nur gegen den Tod ist kein Kraut gewachsen. Erfreulich ist bei der uns hier interessierenden Sache, daß der Senf aber nicht blos eine negative Rolle, die Beseitigung des Unkrautes, spielt, sondern daß er auch sehr positiv wirkt, nämlich: er ist ein recht wertvolles Grünfutter, das die Eigenschaft besitzt, die Milchabsonderung bei den Kühen zu befördern. Zum zweiten besitzt er die Eigenschaft, als Gründüngungspflanze nützlich zu sein. Wer je mit verqueckten Aeckern zu thun hatte — und das ist sicher jedem Bauer schon widerfahren — der weiß, wieviel Arbeit und Aerger die Beseitigung de8 Uebels verursacht. Nach der Behandlung, die wir hier vorschlugen, wird sich der Aerger sehr bald in Wohlgefallen auflösen. Darum nur herbei und einmal probiert, es geht über studiert! Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen. 27. Woche. Dom 2. Juli bis 8. Juli 1899. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 500 (incl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 21,22, nach Abzug der Ortsfremden 14,860/«. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr: A n m. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viele der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Lungenschwindsucht 2 (1) 1 (1) — 1 Gehirntuberkulose 1 — — 1 Lungenödem 1 1 — — Empyem 1 CD — — 1 (1) Schlagfluß 1 1 — — Krebs 1 (1) 1 (1) — — Krämpfen t — 1 — Selbstmord 1 1 — — Verunglückung 1 1 — — Summa: 10 (3) 6 (2) 1 3 (1) Der Postdampfer „Friesland" der „Red Star ßine* in Antwerpen ist laut Telegramm am 10. Juli wohlbehalten in New- Uork angekommen. eitttitotg, 12. Juli. Fruchtmarkt. Roter Weize» X 13,83, weißer Weizen X 13.60, Korn X 11.53, Gerste X 9 20, Hafer X 7 58. Mk praktische Haassraa wird eine soeben unter der Marke „Macks Pyrami-en'Glanz- Stärke" in den Verkehr gebrachte Neuheit mit Freuden begrüßen. 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