Samstag den 15 April 1S99 Zweites Blatt Mr. 88 Zlints- unb 2lnzeigebltttt für den Ttreis Giefzen ireou' uv Hüt Anzeigen-BermittlungSsteüeu beS In» und HuSlanbtl »ehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. tknstal: HtM* Ihbuttion, Lxprdition und Druckerei: Schnlstra-e Ar. 7. erwünschter Uebergang zu einem dauernden Handelsvertrag angesehen wird. Für uns entsteht die Frage, wie lange ein solches Provisorium noch wünschenswert sein kann. Im Juni 1898 ist durch Beschluß des Bundesrates verfügt worden, daß nach Ablauf des englischen Handelsvertrages am 31. Juli 1898 den Erzeugnissen des Vereinigten Königreiches und seiner Kolonien, mit Ausschluß Canadas, bis auf weiteres die Meistbegünstigung zuzugestehen sei. Dieses Verhältnis der Meistbegünstigung würde mit dem 31. Juli 1899 aufhören. Da es nun selbstredend als ganz ausgeschlossen gilt, daß innerhalb der nächsten drei Monate ein Handelsvertrag zum Abschluß kommen kann, so steht zu erwarten, daß in kürzester Zeit dem Reichstag eine neue Vorlage, betreffend die Verlängerung des Meistbegünstigungsverhältnisses auf ein weiteres Jahr, zugehen wird. Die Genehmigung dieser Vorlage muß als außer Frage stehend, angesehen werden. Denn wenn auch nach den Erklärungen der Regierung bereits im vorigen Jahre von England ein Entwurf zu einem neuen Vertrage vor- gelegt worden ist, so bestehen doch zurzeit keinerlei Anhaltspunkte, nach denen man den Inhalt dieses Entwurfs und den gegenwärtigen Stand der Verhandlungen mit einiger Sicherheit beurteilen könnte. Es wird daher auf unserer Seite als eine nicht unnatürliche Lösung angesehen werden müssen, wenn wir uns mit einem von Jahr zu Jahr verlängerten Provisorium so lange begnügen, bis auch unsere Handelsbeziehungen zu anderen Mächten auf einen neuen Boden gestellt werden, d. h. bis zum Jahre 1904. Wir wissen, mit welcher Sorgfalt die produktionsstatistischen Erhebungen angestellt werden. Sie sollen das Fundament für die neuen Verträge liefern; ihre Beendigung aber steht noch in weitem Felde und es ist nur eine logische Konsequenz, wenn wir für einen Handelsvertrag mit England die gleiche Vorbereitung auf statistischer Grundlage verlangen, wie bei den demnächst abzuschließenden Verträgen mit Rußland, Oesterreich, Italien u. s. w. Man wird deshalb vom Standpunkt unserer deutschen Interessen keinen erheblichen Einwand gegen den Abschluß des definitiven englischen Handelsvertrages im Jahre 1904 erheben können, um so weniger, als der gegenwärtige Zustand keinen Anlaß zu Klagen bietet und außerdem im Laufe der nächsten Zeit gewisse Wandlungen in Aussicht stehen, die unsere Stellung, wenn auch nicht zu England selbst, so doch zu einigen seiner wichtigsten Kolonien beeinflussen könnten. In Kanada hat man von dem Versuch, die wirtschaftliche Stellung zum Mutterlande ebenso unabhängig zu gestalten wie die politische, zunächst noch keine goldenen Früchte iachfolgerv 12. den Renaissancestil pflegende Periode weist Namen wie Gottfried Semper (1803—1879), Heinrich v. Ferstel, Leins, Naschdorf, Zitek usw. auf. Von Semper stammen unter anderem das 1869 abgebrannte Hoftheater und Museum in Dresden, besonders durch den Bau des ersteren wirkte er bahnbrechend für den modernen Theaterbau, während er in seinem epochemachenden Werke über den Stil (1863) eine ganz neue Epoche für die archäologisch-ästhetische Forschung und für das Kunstgewerbe ins Leben rief. Auch in den letzten 20 Jahren entwickelte die Baukunst eine außerordentlich mannigfache Thätigkeit, die öffentlichen Bauten und Privathäuser erfuhren eine immer künstlerische Ausführung, ältere Kunstwerke wurden wieder hergestellt. Künstler wie Wallot, Ludwig Hoffmann. Hugo Licht, Roßbach beteiligten sich an der Lösung dieser Aufgaben. Die Bildhauerkunst erfuhr im 19. Jahrhundert einen großartigen Aufschwung. Bahnbrechend wirkte vor allem der Italiener A. Canova (1757—1822, deffen Werke, wie Theseus und Minotaurus, Amor und Psyche, Hebe, Statue Napoleons, sich durch große Formenschönheit auszeichnen. Ferner Joh. Hch. Dannecker in Stuttgart (geft. 1841), der Schöpfer der Kolossalbüste Schillers m Stuttgart und der Ariadne in Frankfurt a. M., der Däne B. Thorwaldsen (gest. 1844), der, wie Kugler treffend ausführt, „den Adel und die Keuschheit der griechische« Meisterwerke in sich aufzunehmen und mit ebenso reichem Geiste, wie mit tiefem innigem Gefühle zu durchaus neue« und eigentümlichen Schöpfungen zu beleben vermochte". Gottfried Schadow aus Berlin (gest. 1850), ein vorzüglicher Charakteristiker, der Bildner des Wittenberger Luthers, des Deffauer in Berlin und des Blücher in Rostock. Schadow ist wesentlich der Vorarbeiter des Realismus in der Kunst. In München zeichnete sich Ludwig Schwanthaler, der Schöpfer der Bavaria, ein mit unerschöpflicher Phantasie Utng 1898/Ü 1899/1900 Der Bori Adresse für Depeschen: «Änjeiger Rieften« Fernsprecher Nr. 51. geerntet. Nach Ablauf des englisch deutschen Handelsvertragehat der Bundesrat Kanada von den den MeistbegünstigungS- ändern zuteil werdenden Zollermäßigungen ausgeschloffen. Von der kanadischen Einfuhr nach Deutschland werden dadurch Getreide, Hülsenfrüchte und Holz empfindlich getroffen, während andrerseits unser Rohzuckerexport nach Kanada durch die britisch-westindischen Kolonien konkurrenziert wird. Gleichzeitig hat Kanada der Einfuhr aus England einen Zollnachlaß von 25 Prozent gewährt. Es hoffte, damit den Anstoß zu einer ähnlichen Vorzugsbehandlung Englands seitens der übrigen Kolonien zu geben, ist jedoch mit dieser Maßregel vereinsamt geblieben trotz der zeitweilig erklingenden Lobgesänge auf den „Großbritannischen Zollverein". Keine der anderen Kolonien hat sein Beispiel nachgeahmt und keine macht Miene, es zu thun. Andererseits ist auch England nicht geneigt, die von Kanada verlangte Gegenleistung, die Einführung eines Differenzialzolles auf nicht britische Rohstoffe und Lebensmittel zu bewilligen. Vor allem aber ist Kanada mit seinem autonomen Zolltarif in einen sehr unangenehmen Konflikt mit den Vereinigten Staaten geraten. Wir haben diese Differenzen mit dem mächtigen Nachbar kürzlich im Handelsteil geschildert und verweisen auf das damals Gesagte. Jedenfalls sind alle diese Erfahrungen, die Kanada bisher mit seiner zollpolitischen Scheidung von England gemacht hat, wohl dazu angethan, die Nachteile dieses Schrittes recht fühlbar zu machen, so daß unter dem Einfluß dieser Erkenntnis Kanada vielleicht in ein oder zwei Jahren bei einem abzuschließenden Vertrage unseren Exportmtereffen ein größeres Entgegenkommen zeigen wird, als zur Zeit der Kündigung des englisch-deutschen Handelsvertrages. Nächst Kanada ist es in jüngster Zeit Indien, das mit seiner Zollerhöhung auf Prämienzucker der deutschen Ausfuhr Schwierigkeiten zu machen droht. Der indische Staatssekretär hat den protektionistischen Charakter dieses Zuschlagzolles offen eingestanden, wenn er als sein Ziel bezeichnete, „zu verhindern, daß eine große einheimische Industrie Indiens, die auf freies Unternehmen und freie Industrie gegründet ist, nicht durch die subsidierten Produkte fremder Länder untergraben wird". Die freihändlerische Presse weist darauf hin, daß dieses Prinzip, wenn es richtig wäre, auch auf Großbritannien angewandt werden müßte, das durch Exportprämien nicht weniger affiziert sei, als Indien. Die Opposition befürchtet, daß hinter der ganzen Sache die Absicht der englischen Negierung steckt, die öffentlichen Meinung auf die Einführung einer ähnlichen Maßregel seitens Großbritanniens selbst vorzubereiten. Der unionistische „Daily In der neuesten Zeit hielt auch die allgemeine realistische Richtung ihren Einzug im Reich der bildenden Künste, vor allem gewann die japanische Kunst einen erheblichen Einfluß auf das moderne Schaffen. Betrachten wir zuerst kurz die Entwickelung der Architektur, so treffen wir Schinkel (1781—1841) als denjenigen Meister, welcher sich an die Spitze der auf das Erfassen der Antike gerichteten Bewegung stellt. „Er erfüllte die entartete Architektur", sagt Lübke, „zuerst wieder mit dem reinen Hauche antik-hellenischer Werke; er lehrt sie, die nach bachantischem Taumel erschöpft einherschwankte, den elastischen, edel gemessenen Schritt griechischer Schönheit. Seine Säulenhalle des (alten) Berliner Museums ist ein köstliches Zeugnis von der Frische und dem feinen Geiste, mit welchem er die Antike wiederzugeben wußte." Der Wirkungskreis Karl Friedrich Schinkels war Berlin, wo er von 1830 ab als Baudirektor und seit 1838 als Oberlandesbaudirektor wirkte. Die Reichshauptstadt verdankt seinem Schaffen das Schauspielhaus, das Museum auf der Museumsinsel, die Wache usw. In München verfolgte zu gleicher Zeit dieselben geistigen Ziele Leo v. Klenze (gestorben 1864), der Erbauer der Glyptothek und Pinakothek. Unter den Schülern Schinkels ragten Schadow, Persius, Heffe, Strack und andere hervor. Die romantische Richtung fand ihre Pflege vorwiegend in dem katholischen München, wo in König Ludwig der Kunst ein opferfreudiger und begeisterter Protektor erstanden war. Friedrich v. Gärtner (gestorben 1847) erbaute die Ludwigskirche, die Bibliothek und Universität in München. O h l m ü l l e r bevorzugte die gothischen Formen, ebenso Ernst Friedrich Zwirner (1802—1861), der sich vor allen Dingen als Baumeister der Vollendungsarbeiten am Kölner Dom hervorthat. In Frankreich find in erster Linie Biollet-le-Duc und in England Barry als Vertreter der mittelalterlichen Baukunst hervorzuheben. Die Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Mütter für hessische Ualksbunde.__ Unser handelspolitisches Verhältnis zu England. Hierüber schreiben treffend die „Münch. N. Nachr." In dem Maße, als Deutschland ein ausschlaggebender Maltor in der Weltpolitik geworden, hat auch die Nervo- prlit umseres öffentlichen Lebens in merkbarer Weise zu- glommen. Die Zahl der Punkte, an denen uns der Strom dim Ei eigniffe berührt, ist größer geworden, und die Sensi- tnflitit unseres politischen Empfindens hat sich in entsprechender LÄrisc verschärft. Das zeigt sich namentlich dort, wo große IQanbliungen auf dem Gebiet der internationalen Wirtschaft trat gehen, und zugleich in die politischen Tagesfragen eemgrtiFen, denn Weltmarkt und Weltpolitik sind heute zwei NÄH gegenseitig bedingende Größen. Gerade hier aber ist roßtroiffe philiströse Ruhe eine Tugend, die es am leich- tit^trt ermöglicht, Anfang und Ausgang eines Ereignisses i listig abzuschätzen und — auszunützen. Das mag nicht jisillrtzt derjenigen Macht gegenüber gelten, mit der uns die c ngi'td wirtschaftlichen Beziehungen verknüpfen, England. 2®qii erinnert sich noch der außerordentlichen Bewegung, uHldjc die Kündigung unseres Handelsvertrages seitens Eng- I InM ivor zwei Jahren hervorrief. Damals glaubte die öGnt^che Meinung, vor einer entscheidenden Wendui.g v mitter internationalen wirtschaftlichen Beziehungen zu s hchn. Man sah England bereits im Banne des Schutz- t W ntnb unseren Handel nach seinen Kolonien durch das ^Arcikgebilde eines Großbritannischen Zollvereins lahm- galigt. Eine tiefe Verstimmung ergriff damals unsere pro- b’iyjifTflnbe und exportierende Gesellschaft, und es hat unter d Lu Einfluß agrarischer Anschauungen nicht an Stimmen g^skhlt die zu Retorsionen rieten, und einer Politik wilder winisschuftlicher Fehde das Wort redeten. Inzwischen sind s zwei Jahre vergangen, und man hat sich allmählich bkutan gewöhnt, unser handelspolitisches Verhältnis zu Eng- I mb t üchterner und ruhiger aufzufassen. Die drohenden CAMnisse sind nicht eingetreten. Der Traum eines Groß- bmtamtischen Zollbundes ist heute noch nicht viel weiter ge- b fein, als im Sommer 1897 nach der Konferenz der Klulonmlminister in London, und die Abwendung vom System d » Freihandels stößt auch heute noch in England auf einen »GMtanb, ber schwer zu brechen ist, weil er mit bem Jn- t.rrqjc ber großen Mafien ber konsumierenben Bevölkerung z -chvimenfällt. So hat es geschehen können, baß bie Aufhebung eines u miatgsmäßigen unb bie Substituierung eines provisorischen ^örnhältnifieS zu Englanb nun schon balb ein Jahr bauert, «mt allf beiben Seiten nicht als eine Störung, sonbern als Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatüd) 7.'» Pfg. eilt Bringerloh». Bei Postbezug Mark 50 Pfg. vierteljährlich. * feint täglich er Ausnahme des MontagS. die Gießener Zß liilienblätter iHtm dem Anzeiger »MaMich viermal beigelegt. Feuilleton. Pas 19. Jahrhundert. Unter Mitwirkung hervorragender Fachgelehrter herauSgegeben von Friedrich Thieme. (Nachdruck oder AuSzug verboten.) VIII. Bildende Künste (Kuustgewerbe). Auf allen Gebieten ber Kunst unb bes geistigen Lebens f ityn wir am Enbe bes vorigen unb am Anfang unseres £ unbcrtS bie klassische Richtung triumphieren. Was für b^ii sicheren Materien zutreffenb war, gilt auch für bie s iöfinonnten bilbenben Künste; an ber Hanb der Antike s altem deutsche wie französische Künstler einen Ausweg aus tx to Unnatur und dem trockenen Fanatismus der .vorher- g pl'nioen Periode. Das Streben nach reineren, strengeren g^-rnen und einem ernsteren Inhalt wurde allgemein. „,Wisar klassizistischen Richtung", sagt Bruno Bucher, „welche i: ii beit französischen Revolution und unter Napoleon I. z,gleich politischen Ideen dient, und in welcher bald eine i! deistische und eine realistische Strömung sich sondern, ttnih im Anfänge dieses Jahrhunderts bie Romantik ent» g^tyn, welche im Zusammenhänge mit ber romantischen Be- »[«jniug in ber Xlitteratur unb indbefonbere ber neu erwachten rtijiö'ien Begeisterung sich an ber im 17. unb 18. Jahr- h mbcvt verachteten Kunst bes Mittelalters bilbet unb Fühlung lü biem nationalen Geiste sucht. Von ber Mitte beS rk verkauft- 1* , die unerreicht/ [fltdesOrigiR^ 5 sowohl die ider, als auch* irf der Waare* s. Jedes W61 Qualitäten. tlllnihme von «»zeigen zu der nachmittag» für de» f tag erfcheincnden Nummer bis vor«. 10 Ahr. ?k w ifaaft, Rcham, Lchtztz d-i S« Pch. --—- Ww 8-/2 w mht ng). Mehener Anzeiger General-Anzeiger WnteV New-York. (Schluß folgt.) Graphic" bemerkt: Der Zoll wird eingestandenermaßen jährlich nicht mehr als 50,000 Pfund Sterling einbringen, und für diese lumpige Summe ist die Regierung offenbar bereit, den ganzen Handel zwischen Indien und Deutschland zu gefährden. Dieser Handel hat sich während der letzten 10 bis 20 Jahre stetig entwickelt und beträgt nun durchschnittlich 7,500,000 Mk. Ausfuhr nach Deutschland und etwa 2,300,000 Mk. Einfuhr aus Deutschland. Beinahe die Hälfte der deutschen Einfuhr besteht aus Zucker, für den der indische Konsument wegen seiner ausgezeichneten Qualität gerne einen höheren Preis zahlt. In Bezug auf die Frage des indischen Zolles wird man zunächst das Ergebnis der Verhandlungen im englischen vnterhause abwarten müssen. Man wird jedoch sich wohl der Hoffnung hingeben können, daß auch Indien gegenüber das Mutterland eine reinliche Scheidung vornehmen und der Kolonie die selbständige Wirtschaftspolitik zugestehen wird, ohne sich derselben gegen die Interessen des Insel- reiches anzuschließen. In jedem Falle wird die in den beiden großen Kolonien hervortretende Bewegung gegen die nichtbriiische Einfuhr in den nächsten Jahren die Probe auf ihre Durchführbarkeit zu bestehen haben, und wir werden inzwischen bei der Vorbereitung neuer Handelsverträge die in den britischen Kolonien eingetretene Wandlung in Rücksicht ziehen müssen. Nach zwei Richtungen hin werden die Borgänge in Kanada und Indien vornehmlich als Fingerzeige dienen können: Einmal werden wir uns daran erinnern, daß nur die größtmöglichste Entwicklung unserer eigenen Kolonien den besten und zuverlässigsten Absatzmarkt zu schaffen vermag, und dann werden wir uns sagen müssen, daß die dauernde Förderung einer großen Industrie durch künstliche Maßregeln, wie die Prämienwirtschaft, notwendig zu Gegenmaßregeln der durch unsere Prämien benachteiligten fremden Länder führen muß. Das ist ein circulus vitiosus aus dem es keinen Ausweg gibt und dessen absurde Konsequenz dahin führt, daß zum Beispiel deutscher Zucker in England billiger ist als in Deutschland. auch wahrscheinlich gern abends zu einem Glase Bier in einer gutbesuchten Kneipe niederlassen, wie er dies als Senatspräsident gethan; indessen scheint das dem Bewohner des Elysees nicht gestattet zu sein. Selbstverständlich hat Montjarret seine Rolle ausgespielt. Montjarret ist des Präsidenten Leibkutscher, und leitet bei festlicher Gelegenheit den Staatslandauer des ersten Beamten der Republik. Unter Felix Faure aber hatte er fast die Würde eines Oberstallmeisters des Elysees angenommen, litt in besonderer Tracht dem Wagen des Präsidenten voraus und sah es nicht ungern, wenn die Presse von seinem Thun und Treiben Mitteilung machte. Unter Loubet aber ist er wieder zum bloßen Leibkutscher geworden. Daß Loubet seine erste Amtsreise nach dem Schauplatz seiner früheren Thätigkeit unternahm, ist ein Zeichen seiner Pietät. An sich ist er überhaupt nicht zu Amtsreisen verpflichtet. Thiers und Grevy waren sehr sparsam damit; wenn Carnot und Faure umgekehrt bei jeder Gelegenheit Paris verließen, so lag das in ihrer besonderen Vorliebe für diese Schaustellung. Loubet wird sich darin jedenfalls an das Beispiel Thiers und Grsvys halten. Sonst unterschied sich seine erste Reise von allen übrigen durch ihre Originalität. Noch ist es nicht vorgekommen, daß sich ein Präsident von seinen früheren Freunden öffentlich duzen und sogar küssen läßt; daß er ferner beim Einzug in die Stadt seinen Wagen allen Anordnungen entgegen zu halten befiehlt und eine Schaubühne erklettert, um dort seine Mutter zu begrüßen und sechsmal auf die Wange zu küssen. Die Form einzelner Anreden war geradezu klassisch: „Nun, da bist Du ja, Emile; wie gehts Dir denn, Herr Präsident?" Die Montelimarer, denen es nicht immer passiert, daß ihr Bürgermeister Präsident der Republik wird, hatten ihre Stadt festlich mit Fahnen und Triumphbogen ausgeschmückt, und auf dem Rathause war über der Thür, die zu Loubets früherer Amtsstube führt, eine Marmortafel mit Goldinschrift angebracht, welche das große Ereignis vom 10. Februar 1899, als er in Versailles erwählt ward, verewigte. Der Aufenthalt des Präsidenten dauerte im ganzen nur 24 Stunden. Mittags fand ein großes Festmahl statt, abends Stadtbe- leuchtung und Ball; letzterem aber blieb Loubet als weiser Mann ferne, ebenso erschien er gegen die allgemeine Erwartung am andern Tage nicht in seiner Stammkneipe, um mit seinen Freunden zu kannegießern; dagegen war er ohne besondere Einführungszeremonien für alle in seinem Hause sichtbar. Eine politische Bedeutung hatte die Reise sonst nicht, sie dient nur zum gemütlichen Aufputz seines Regierungsantritts. Nachträglich noch die Beobachtung, daß in Montelimar sein Name nicht, wie die Pariser Spötter anfangs behaupteten, Loubette ausgesprochen ward, sondern Loube. begabter Künstler, aus, inBerlinChristianRauch (gest. 1857), I aus dessen Hand die großartigsten Meisterwerke in schier 1 unerschöpflicher Fülle hervorgingen. Berühmt sind vor I allem sein Grabmal der Königin Louise und sein Denkmal | Friedrichs des Großen. Unter seinen Schülern erlangte I vor allen Ernst Rietschel (geb. 1804 zu Pulsnitz, gest. 1861), einen europäischen Ruf. Sein bildnerischer Geist vereinigte die Vorzüge der klassischen und modernen Kunst. Die Reihe seiner Meisterwerke eröffnete das Hochrelief für das Giebelfeld des Berliner Opernhauses (1844), ferner verdanken wir ihm das Lessingdenkmal in Braunschweig, die Dichtergruppe Schiller und Goethe zu Weimar, die Lutherstatue in Worms, die er allerdings bei seinem Tode erst im Modell vollendet hatte. Seine namhaftesten Schüler und Nacheiferer sind unter anderen Joh. Schilling, der Schöpfer der „Germania" auf dem Niederwald, ! A. Donndorf, Jul. Hähnel (1811 — 1891). Von Rauchs Schülern nennen wir noch F. H. Schievelbein und F. Drake, eine mehr realistische Richtung schlugen A. Wolff und R. Siemering ein; Fritz Schaper (geb. 1841) zeichnete sich in charakteristischen Porträtstatuen aus. In neuester Zeit erwarb sich R. Begas (geb. 1831) einen ehrenvollen Namen. In Wien wirkten A. v. Fernkorn, Hans Gasser, K. Zumbusch u. s. w. Die italienische Richtung vertrat unter anderen noch K. Cauer (1828—1885). Um den Erzguß machten sich vorwiegend G. Howaldt in Braunschweig, F. v. Miller in München, Fernkorn in Wien und Burgschmiet in München verdient. In England stehen oben an John Flaxman (gest. 1826), Gibson (gest. 1866), Chantrey (gest. 1841), in Frankreich begründeten P. I. David von Angers (gest. 1856), F. Rude und F. Duret die realistische Schule, ersterer schuf sowohl große Monumentalwerke als Standbilder berühmter Zeitgenossen. Don italienischen Bildhauern nennen wir Giov. Duprs (geb. 1817), G. Monteverde und Panciera-Besarel. In Amerika herrschte in der Plastik meist ein ausgesprochen realistischer Zug; hervorragend ist Henry Brown (geb. 1814), der Schöpfer des Reiterbildes Washingtons für Ueber den Präsidenten Loubet und seine erste Reise läßt sich die „Köln. Ztg." aus Paris folgendes schreiben: Erst wenige Wochen ist der anscheinend unersetzbare Felix Faure, das Muster aller Präsidenten und der Freund des Zaren, tot, und schon spricht man kaum mehr von ihm oder, wenn es geschieht, nicht immer in der blumenreichen Sprache seiner Nachrufe. Umgekehrt genießt sein Nachfolger, der vielgeschmähte Bauernpräsident Emile Loubet, der am Tag seiner Wahl von den Parisern mit Geheul und Geschimpfe empfangen ward, schon einer unleugbaren Beliebtheit. Am vorvorigen Sonntag zeigte er sich bei dem Wettrennen zu Auteuil in der Präsidentenloge dem Volke und unternahm in der abgelaufenen Woche seine erste Amtsreise nach Montelimar, wo er 30 Jahre lang Bürgermeister gewesen ist. Hier wie dort ward er mit Achtung und Beifall begrüßt, ist überhaupt auf dem besten Wege, in seiner Art ein Musterpräsident zu werden. Und dabei ist er das gerade Gegenteil von seinem Vorgänger, »erachtet als aufrichtiger Republikaner den Etikettenkodex, das sogenannte Protocole, das der Kaiserzeit entstammt, und ließ gar den Zeremonienmeister Crozier, ohne den Felix Faure undenkbar war, zu Hause. Im Elysee hat er kaum eine nennenswerte Veränderung vorgenommen; er ließ alles, wie er es vorfand; ihm scheint es schon gut genug, im übrigen lebt er patriarchalisch einfach, raucht verstohlen seine Pfeife, spaziert mit seinem Sohne in den Champs Elysees umher, ohne darüber die Hauspolizei und die Presse zu verständigen; und würde sich Ausland. Petersburg, 12. April. Russischerseits sucht man durch allerlei Verheißungen Einfluß auf die unteren Bevölkerungsklassen Finnlands zu gewinnen, nach dem Grundsätze: „Zerspalte und herrsche." Man besinnt sich in Petersburg und Moskau jetzt ganz plötzlich darauf, daß Rußland sich allzuwenig um das „innere Leben" Finnlands gekümmert und daß dabei das Land zwar einen hohen Bildungs- und Kulturgrad erreicht habe, dies aber doch nur die „glänzende Außenseite" sei, hinter der sich viele sehr ernste Mißstände versteckten. Die Masse des Volkes sei ein landloses Proletariat, in steter Abhängigkeit von den „schwedischen Baronen" und anderen schwedischen Herren. Rußland müsse also jetzt dafür Sorge tragen, daß die Agrarfrage in Finnland befriedigend gelöst werde, da der finnische Bauer ebenso seinen Landanteil erhalte, wie der innerrussische. Dann werde das finnische Volk sehr bald erkennen, wo seine wahren Freunde zu suchen sind, und dann werde der unvernünftigen Agitation der oberen Klassen, welche sich in ihrer Verblendung gegen die Annäherung an Rußland sträubten, bald der Boden abgegraben sein. Diesem Plane setzen indes ihrerseits die Finnländer eine verstärkte Arbeit zur Hebung der Volksbildung und zur Aufklärung der niederen Klassen entgegen. Um die Mittel zu diesem Zwecke zusammenzubringen, werden Sammlungen und Konzerte veranstaltet, und zwar mit großem Erfolg. , Den Verlauf und das Ergebnis der beiderseitigen Bestrebungen wird man mit Aufmerksamkeit verfolgen und abwarten dürfen. Deutsches Reich. — Cecil Rhodes'Eisenbahnbaumotiv erfährt durch Nachrichten aus Kapstadt eine neue Beleuchtung. Dort ist man dahin orientiert, daß Rhodes in Berlin hauptsächlich auf eine Eisenbahn: Kilva—Südspitze des Tanganyka- Sees hingearbeitet habe, der er dann die Fortsetzung: Südspitze des Tanganyka-Sees—Bulawayo auf englischem Gebiete schaffen will. Die Bahn durch den Sudan sei auf lange hinaus aufgeschoben, da die auf hunderte von Meilen ausgedehnten Sümpfe zwischen dem Albert-See und Fa- schoda ein gewaltiges Hindernis der Rentabilität bildeten. Die Bahn Bulawayo-Tanganyka-Kilva aber verfolge ein vitales Interesse der englisch-südasrikanischen Minengesellschaften, welche in ihren Golddistrikten von Rhodesia, Transvaal und so weiter dem Arbeiter pro Woche 1 Pfund Sterling zahlen müssen, während die Schwarzen aus Deutsch- Ostafrika für wenige Schillinge pro Monat zu haben sind, sobald ein Transportmittel aus jenen entlegenen, dichtbevölkerten Bergthälern hergestellt ist. Also Import billiger Arbeitskräfte ist der eigentliche Zweck des ingeniösen Eisenbahn- und Minenspekulanten; die Durchquerung Afrikas und die kostspielige Ueberbrückung unabsehbaren Sumpfgeländes überläßt er den — Idealisten der Zukunft. I 'bl*8 । zu . Inti ■I toft ii H* 1,"- fät ™ I 41« 1,7 TM?, Vermischtes. • Sranlfurt M.. 12. April. In der S.-dw-rordn-I-n erstattete der g-m.scht- chuß se« Berich, Uber den Neubau des Schau,p.clhau. Sitzung der Stadtverordnete«. Vom 13. April 1899. Anwesend die Herren Oberbürgermeister Gnauth, geordneten Georgi und Wolff, von Seiten der Stadtverordnete» die Herren Brück, Euler, Faber, Flett, Hanau, Hauback Heichelheim, Helfrich, Heyligenstaedt, Huhn, Keller, Krumm Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Schiel/ und Wallenfels. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte Herr Ober, bürgermeister Gnauth des verstorbenen Herrn Stadtverordneten Hab enicht; derselbe hat dem Kollegium feit 1890 angehört, und sich als treuer Mitarbeiter und liebenswürdiger Kollege jederzeit gezeigt. Zum ehrenden Angedenken, iUm Zeichen des Dankes und der Trauer über diesen Verlust dem der Herr Oberbürgermeister bereits am Grabe des Entschlafenen Ausdruck verliehen, erhebt sich die Versammlung von den Sitzen. Hierauf brachte Herr Dberbüror meister Gnauth ein Dankschreiben des Sohne» de» storbenen zur Kenntnis der Versammlung. Ihr Fernbleiben von der heutigen Sitzung haben ent- schuldigt die Herren Beigeordneter Grüneberg, Stadtvei ordneten Emmelius, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Jughardt, Eche-1 und Schmall. Herrn Karl Rühl soll die Anbringung einer Laterne am Hause Schanzenstraße 2 widerruflich gestaltet werben. Das Gesuch der Freien Studentenverbindung Frau, konia um Erlaubnis zur Aufstellung einer Fahnenstancr in der Wagengasse am Restaurant „Postkeller" wird nächtig lich und widerruflich genehmigt. Herr W. Spörhase beabsichtigt an seinem Hausey der Steinstraße einen Anbau zu errichten. Der wegen Anbringung eines Erkers in Holzkonstruktion erforderliche Dispens wird befürwortet. Der nach §5 des Ortsbaustatuts erforderliche Dispent zu dem Baugesuche des Herrn Kaspar Heinzerling, welcher am Schiffenbergerweg ein Wohnhaus errichten irifl wird ebenfalls befürwortet, desgl. das Gesuch des Herrn Karl Schleenbecker, ivcldic an seinem Neubau in der Ebelstraße einen Erkeranbau er- richten will. Dem Gesuch des Herrn Karl Jughardt U. um Verpachtung eines Sandlagerplatzes an der Lahn soll unm den üblichen Bedingungen stattgegeben werden. Zur käuflichen Ueberlassung eines aus der Straßen' Herstellung an der Frankfurter Straße übrig gebliebenen Geländerestes an Herrn W. Weidtmann erteilt die Versammlung Genehmigung. Ferner stimmt die Versammlung dem Abschluß eine» Vertrages zu, dem zufolge ein dem städtischen Hospital gehöriger Acker zum Preise von Mk. 3.50 pro Klafter an Philipp Strack Eheleute in Eigentum übergeht. Ein weiterer, ebenfalls von der Versammlung genehmigter Vertrag betrifft den Uebergang des am Ausgang des Stadtbaches entlang dem Bahndamm zwischen Gerberhäuschen und derWieseck führenden Weges in das Eigr: tum und die Unterhaltung der Stadt. Der Weg soll indes in das Eigentum des preußischen Staates zurückgehen wenn eine Erweiterung der Bahnanlagen beschlosst werden sollte. Gegen den in einer früheren Versammlung gefaßte' Beschluß, den im Jahre 1878 für das Gebiet jenseits der Lahn aufgestellten Bebauungsplan, mit Ausnahme da Schützenstraße und des Krofdorfer-Weges, aufzuhebcn, uni für die NodHeimerstraße einen neuen Bebauungsplat auszuarbeiten, ist von drei Grundbesitzern Einspruch wegei angeblicher Beeinträchtigung ihres Besitzes erhoben worden. Es wird nach dem Anträge der Baudeputation beschlossen die Rodheimerstraße vorerst bis zur Happel'schen Hoftait' zur Bebauung freizugeben, im übrigen die Beschwerden frt auf eine für unbegründet zu erklären. Betreffs der letztere» soll eine Verständigung versucht, und nach deren losigkeit die Beschwerde zurückgewiesen werden. — Huhn fragte an, bis wann etwa der Bebauungsplans । die Querstraßen der Rodheimerstraße fertiggestellt werde» I könne. — Herr Oberbürgermeister Gnauth teilt nut, MB hierüber noch keine Angaben zu machen seien, die Fertig stellung des Stadterweiterungsplanes in anderen teilen erscheine nach der bisher beobachteten geringen »uw auf dem Gebiete jenseits der Lahn dringender, M "" Rücksicht auf die Zusammenlegung der Grundstücke' städter Feld und die geplante Geradelegung der SrcisMv • nach Krofdorf und Gleiberg sei es empfehlenswert. Gebiet vorerst nicht zum Bebauen freizugeben. Der Voranschlag der Realschule und Realgymnasiums, für 1900/1903, welches an per lichen Ausgaben 107 645, an sachlichen Ausgaben <600 I jährlich ausweist und die Stadtkasse mit 35080 11 - I lastet, wird gutgeheißen. Der Einstellung üon 11UU * als die Hälfte des Gehaltes für eine infolge Teilung- Obertertia der Realschule neu zu schaffende Lehrer, - I stimmt die Versammlung zu. — Die Ausgaben für -o - I material erhöhen sich durch den Erweiterungsbau oer x. I anstalt um 300 Mk. f bj In die Kommission, welche die Obstbaume aus 7 I Vorhandensein der Blutlaus zu untersuchen hat, wuro Herren L. Flett, Ehr. Haubach, Fr. Helfrich und Chr. «r | berger wieder gewählt. - r,mfriil Dem Gesuch des Herrn Alois Blum um I zum Verkauf von Branntwein über die -Straße T I HauS Steinstraße 78 stimmte die Versammlung zu- <■ ' -schieden« ÖF Sw« ! 'LLd-fl- eS& N, _ ben>N Sä S't-: DtO Sltz d *5 „L Mbad 3a» ont*° ? Kimmung Mntlich Destel a nitiigs ** Ws-nnerstags und -nilagr von 3 bi ♦ Köln, V- MLgen wurde g 5 Temperatur imui« -Mr trat anstelle Ganz in weiß gr itit Straßen begt 1 leihet heule br nnbtren Ntnb('- r ft jti btbeuttnba ♦lieber das j Ur ergangenen Winte 3:iger Ortslrai 1* 898 W Dagege' : .ui Februar M j Fälle, das sind mehr als im ga ♦ bint 33et liefet Werten ö uin Berlin stand« -derlich waren, ist ' rranSlocierung I Gärtner mit Sj 1 vor zwei Jahren ' e den MrM au# vgtfüüu Säbel ge, t)i< .W Don den iinb wurden am F mach erhaltenen w> nnb hin aufs ner * Anpe in 1 rufsverhältniste d ' die Deutsche Med i Medical Directoi Großbritannien . 1 Wiche Zunahn biefnnben. Währ 1 wurden, 1897 9? : neue Eintragi ' ® der Provinz * »394 und in Hr I iieren im Mai : es noch 2528 I 11 der Männer etw > nimmt das bei in London 47 ' 21 weibliche Ar r Hungen in ijfie I lu Schulärzten f ' W wurden it 1 •;m zwei I J VW. um unti i । r< ^^uudheitz der« Aviner etwas in der Abnahme begriffen zu sein scheint, ^leenbtdf ■ einen Erke -l Jughart! an der en werden, ines aus b ? raße übrig zä :mann erteÜie s erfoiberlit1 spar Heil,! ohnhaus ttr: Jede sorgsame Mutter sollte auf den Rat de« Arzte« hören und beim Waschen der Kinder die ärztlich em* psoblme Patent-Myrrholtn-Seife anwenden. So schreibt z. B. ein bekannter Arzt: „Set meinem Kindchen (z. Z. V, Jahr alt) wegen oberflächlicher Hautschrunden rc. zu Waschungen in Gebrauch genommen, hat sich großartig bewährt." Die Patent-Myrrholin-Seife, welche überall, auch in den Apotheken erhältlich, ist bereits in vielen Familien unentbehrlich geworden. irit:tiig6 von 3 bis 6 Uhr. ♦Aloin, 12. April. Unter zeitweiligen heftigen Nieder- fchßjgen wurde gestern abend und im Laufe der Nacht die tempere tur immer winterlicher, und heute morgen nach drei Uhm trai: anstelle der Regengüsse starker Schneefall ein. >r weiß gehüllt wurden die Leute, die um diese Zeit bitt btrußen begehen mußten. Aus Leipzig, Erfurt, Kiel neMl Leute der Telegraph starken Schneefall. Auch in »MW Gegenden, so in der Schweiz und Nordfrankreich, ift i bei tadeutendem Temperatursturz Schneefall eingetreten. ♦ lieber das starke Auftreten der Influenza in dem nun »ci:egongcnen Winter enthält der Geschäftsbericht der Leip« zi i,er Ortskrankenkasse nähere Angaben. Im Jahre '8^khsstte die Kasse insgesamt 2755Jnfluenzasälle zu ver- „eignen. Dagegen waren in diesem Jahre im Januar 484, um sstbrmar 1692 und in der ersten Hälfte des März 1619 dus sind in 2'/z Monaten 3795 oder über 1OOO uetty alö im ganzen Borjahr ^meldet. ♦ 6ine Versetzung von 8V0jährigen Eiben, die in dem tet ttlagerten östlichen Teile des Herrenhausgartens in i 8et(m standen und den hier geplanten Neubauten hin- »errllch'Mren, ist vorigen Freitag bewerkstelligt worden. Dieser TcMMo^ierung sah man in den Kreisen der Botaniker und (giiiitinet mit Spannung entgegen. Die alten Bäume sind Aerzte als Frankreich). • Ein alkoholfreies DereinShauS wurde Anfang 1898 in Altendorf bei Effen von einer Gesellschaft m. b. H., die sich fast ganz aus Arbeitern zusammensetzte, begründet. Es praktizierenden Aerzte in Frankreich bei Beginn des Jahres 1899 17 735 betrug. Im Jahre 1898 gab cS nur 13 984; es ist also eine Vermehrung um 1751 Aerzte eingetreten. Danach hat Großbritannien doppelt soviele nannte Blatt tiefsinnig: „Die Heiterkeit, mit der diese Bemerkung ausgenommen wurde, war uns nicht recht verständlich." — Die Herren Redakteure des „Berl. Tagebl." scheinen demnach nie Papier nötig zu haben! suchen werden. * Schutz der Arbeiter gegen Alkohol. Die General < Direktion der Badischen Staatseisenbahnen läßt jetzt in Heidelberg im Bahnhofsgebiel eine Kaffeehalle von 7 Meier Breite und 11 Meter Länge nebst den nötigen Wirtschaftsräumen erbauen, um in dieser Halle einen alkoholfreien Wirtschaftsbetrieb für Eisenbahnbedienstete und Arbeiter einzurichten, der auch Nichteisenbahnern und besonders den am Güterbahnhof verkehrenden Fuhrleuten und Arbeitern, sowie den Arbeitern des an die Bahn sich anschließenden Industrieviertels zugänglich sein soll. Es soll da Thee, Kaffee, Milch, Mineralwasser zur Erfrischung bereit gehalten werden und auch ein einfacher Imbiß zu haben sein. Gleichzeitig wird am Heidelberger Bahnhof auch ein Aufenthaltsraum für Bahnarbeiter erbaut, sodaß ein Raum zum Ausruhen vorhanden ist, in welchem gar keine Versuchung zum Genießen und Geldausgeben geboten fein wird. So werden einerseits die Bediensteten und Arbeiter vor den Versuchungen des Wirtshauses bewahrt, andererseits wird die Betriebssicherheit dadurch erhöht, daß die Bediensteten und Arbeiter keinen Alkohol genießen, der ja bekanntlich auch schon in kleinen Mengen, nach einer kurzen Periode der Anregung, Erschlaffung erzeugt und vielfach schläfrig macht. * Au8 der Berliner Stadtverordnetenversammlung berichtet das „B. T." vom 7. April; Eine sehr bedauerliche Thatsache wurde gestern festgestellt: unsere Stadtverordneten verfügen nicht einmal über Tintenfässer? Seit Jahrzehnten beraten sie in dem Roten Hause über das Wohl der Stadt, sie haben Millionen und wieder Millionen für ihr Emporblühen und ihre Herrlichkeit bewilligt, aber an sich selbst haben sie nicht gedacht. Die Jahre kamen und gingen, jedes stellte höhere Ansprüche an den Stadtsäckel, der Etat stieg zu einer imposanten Höhe, aber einen Kredit I zur Beschaffung von Tintenfässern für die Stadtverordneten hat er noch nicht verlangt. Dieser Mangel wurde gestern endlich festgestellt. Es geschah bei der gelegentlichen Erörterung der Frage, auf welche Weise für den Zuwachs an Stadtverordneten, den die Versammlung zu erwarten hat, Plätze bereitet werden sollen. Der Vorsteher Dr. Langerhans machte den Vorschlag, zwei Gänge, die sich zwischen Sitzreihen befinden, zu beseitigen und dafür einen Gang in der Mitte zu schaffen. Dieser Vorschlag fand auf allen Seiten beifällige Aufnahme, und die Ausführung dürfte in der That jeder Verlegenheit vorbeugen. Aber wie erstaunt war man, als der Stadtverordnete Kyllmann bei der Besprechung dieser rein häuslichen Angelegenheit auf den besagten Mangel an Tintenfässern aufmerksam machte? Die Herren Stadtväter starrten verwundert auf ihre Pulte, und siehe da, es war so, wie Herr Kyllmann gesagt hatte. Auf keinem Pulte befand sich ein Tintenfaß! Und niemand hatte das bisher bemerkt! Seitdem der I Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung existiert, ist I ohne Tinte beraten und beschlossen worden! Man sollte es kaum für möglich halten. Aber damit noch nicht genug. I „Man hat nicht' einmal ein Stück Papier, wenn man es I nötig hat!" sagte Herr Kyllmann. Hierzu bemerkt das ge- bekämpfen. Für 20000 Mark Ersparnisse der Arbeiter | wurde Land gekauft und zwei Häuser gebaut; um die I weiteren Kosten zu decken, will die Alters- und Jnvaliditäts- I Versicherung 45000 Mark herleihen. Die Häuser enthalten eine Kaffee- und Speisewirtschaft mit Ausschluß geistiger Getränke, Wohnungen für junge Leute und Vereinssäle. * Eine teure Briefmarke. Einem raffiniert angelegten Gaunerstreich ist ein Gastwirt in Berlin zum Opfer gefallen. Ein anständig gekleideter junger Mann hatte bei ihm eine Zeche von 2 Mark gemacht. Aeußerst bestürzt | wandte sich der Gast an den Wirt mit der Mitteilung, daß er sein Portemonnaie vergessen habe und schnell nach Hause eilen wolle. Er ließ seine Brieftasche mit seinen Legitimationspapieren zum Pfand, wobei er den Wirt auf eine in der Brieftasche liegende, sehr wertvolle ausländische Briefmarke aufmerksam machte, deren Wert nach seiner Angabe den Betrag der Zeche zwanzigfach decke. Der Mann machte einen so vertrauenerweckenden Eindruck, daß Herr F. seinen Mitteilungen vollkommen Glauben schenkte. Durch die Angaben über den hohen Wert der Marke neugierig gemacht, besichtigte Herr F., als der Gast gegangen war, die Marke näher und zeigte sie auch seinen Gästen. Unter diesen befand sich zufällig ein Kenner, der die Marke als Neu-Seeländer Rarität auf 100 Mark abschätzte. Ein Anderer taxierte die Marke auf 150 Mark und suchte dies durch einen Katalog, den er aus seiner Tasche zog, zu beweisen. In dem Katalog fand sich auch die Marke, dieselbe Jahreszahl tragend, mit 150 Mark verzeichnet. Er bedauerte sehr, daß er nicht so : viel Geld besitze, um dem jungen Manne, der den vollen Wert der Marke anscheinend noch gar nicht kenne, diese abzukaufen, und riet dem Wirt, die Briefmarke zu kaufen, da er hiermit ein gutes Geschäft machen könne. Der Besitzer der Marke erschien denn auch bald, um seine Zeche zu bezahlen. Dabei machte ihm Herr F. das Anerbieten, die Marke zu kaufen. Man wurde schließlich um den Preis von 60 Mark einig, welchen Betrag Herr F. sofort auszahlte. Als nun Herr F. die Marke tags darauf einem Markenkenner anbot, erfuhr er zu seiner Ueberraschung, daß sie nur einen Wert von zwei Mark habe. Offenbar haben die beiden „sogenannten Kenner" mit dem Besitzer der Briefmarke Hand in Hand gearbeitet, und es ist leicht anzunehmen, daß sie ihr Gaunerstück noch anderswo ver« ng dem W. städtischen t'r. 3.50 pro ite tum übergeht btr Nar . bergangh JWjnbr ’ btxiN*- »t. i StaM atyiaitkgtn betz nirnmil Idas der Frauen zu; so wurden im vorigen Jahre in ii mtvon 47 neue weibliche Studenten immatrikuliert. 21! mlbliche Aerzte erhielten im vergangenen Jahre An- stclangem in öffentlichen Aemtern. Zwei von ihnen wurden zu n Schulärzten für geistig zurückgebliebene Kinder ernannt, eimi.gr mürben in städtischen Siechenhäusern als Hausärzte encigitpM, zwei wurden von der Regierung nach Indien gesMil, um unter den pestkranken Frauen zu arbeiten, inii oitr wurden als Lehrer der Hygiene und der öffent- '.'.chb-Giesundheitspflege vom Londoner Schulrat beschäftigt. ®wrcjbne stetige Zunahme der Krankenkassen und vor allem bciii ’og-enannten Dispensaries, die zumeist von Laien aus- geEaiflkt werden, wird den Aerzten von Tag zu Tag der SriraÜoi b höher gehängt. Im Ausland ist man noch immer gerougi zu glauben, daß der englische Arzt sich vorwiegend barni ieschüftige, Guineen einzustreichen. Solchen opti- Universitäts-Nachrichten. — Bonn. Prof. Dr. Küstner, drr nach Hamburg übersiedeln wollte, hat hiervon Abstand genommen. Der geplante Neubau der Sternwarte in Hamburg ist auf Schwierigkeiten gestoßen, und da fo die Forderung KüftnerS nicht erfüllt wurde, bleibt er Direktor der Bonner Sternwarte. Letztere wird ein großes photographisches Fernrohr erhalten. . Ä „ „ — Leipzig. Professor Dr. Wilhelm Sieglln, KustoS an der hiesigen Univerfi'LtSbibliothek, wurde zum Direktor der Münzsammlung ernannt. _ , . ., . . _ — Leipzig. Dem Privatdozentin Dr. Friedrich wurde das neugegründete Exiraordinariat für Ohrenkrankheiten an der Kieler Universität übertragen. _ .. m , — Göttingen. Der bisherige außerordentliche Professor in der theologischen Fakultät unserer Universität Lic. Paul AlthauS wurde zum ordentlichen Professor in derselben Fakultät ernannt. — BreSlau. Der Professor für semitische Philologie an der hiesigen Universität, Dr. Friedrich Delitzsch, wurde, btr National- zeitung zufolge, in gleicher Eigenschaft an die Universität Berlin berufen mit befonderem Lehrauftrag für die Asiyriologie und al6 Direktor der durch den dieSjähiigen Etat neubegründtten vorderasiatischen Abteilung bei den hiesigen königlichen Museen. — Krakau. Der Privatdozent an der hiesigen Universität Dr. Alexander Rosner wurde zum Profesior der Geburtshilfe an der Hrbammen-Lehranstalt in Krakau ernannt. — Amsterdam. An der hiesigen Universität haben sich Dr. A. Aletrino als Privatdozent für kriminelle Anthropologie und Dr. JofephuS Jitta für Augenheilkunde habilitiert. — Leiden. Hier ist der Profesior der Naturwissenschaften, Dr. Rijke, im Alter von 85 Jahren gestorben. — In seinem HeimatSort Egltihofen im Kanton Thurgau verstarb im Alter von 66 Jahren der Botaniker August Gremly, der seine letzten Lebensjahre in Vevey zugebrachi hatte. Gremly ist in weiteren Kreisen bekannt geworden durch seine Flora der Schweiz. — Grenoble. An unserer Universität werden auch in diesem Jahre vom 1. Juli bis zum 31. Oktober Ferien-Kurse und -Vorlesungen für ausländische Studenten stattfinden, die sich in der praktischen Kenntnis der fianzöfischen Sprache vervollkommnen wollen. Die Kurse w'rden fich erstrecken auf die Lektüre und die Aussprache, d«e französische Grammatik, di« ltttirarfiche Analyse französischer Schriftsteller und die Korrektur schriftlicher Exercitien; ein besonderer Kur« wird der Improvisation und der Diskusfion gewidmet sein. Die Vorlesungen werden behandeln: die Geschichte der fianzöfischen Litteratur, die moderne Geschichte, die Derfasiung und Gesetzgebung des gegenwärtigen Frankreich, die Kunstgeschichte a. s. w. ’Nti 3 ,kt« Hi' *ft :t«U M b fe H-N' « Sch. mg. cn Eitzuiy ®tüntbni W 9n“ onrxAA cm—1 •«- k‘‘1‘ 9,r <”t*r gtfriiri und dafür unter Anrechnung der für die Planver- faMz bewilligten 34 572 Mark ein Gesamtkredit von 1 y 0)000 Mark — davon als zweite Baurate 600 000 DkaW - bewilligt werde. Für die Einhaltung der Bau- fumut fron Nicht nur Baumeister Seeling, der mit der Hälfte scii-6 Honorars garantiert, sondern auch das Hochbauamt Gouckhc leisten. Der Referent führt zur Beurteilung der Fr^t, • ov OTfxtmkttip Fipnriftpn in («»in (rfipint mb N bw”1 * roeMh der BebmA r«S- ■ Gnauthl^ t* 1* int8 i« ,ba^tetengeW: )« bri’9* der GrulldP -dil-gmgdn . es einpskhb n fteiiugtbtrt Realschul' /1903, wEßß . . , . minMin Anschauungen sei der Brief eines Arztes entlasse Viit- gecM^stellt, der sich im British Medical Journal ab- Lfeflung l-'.. geithr:dt findet. Der Schreiber dieses Briefes schildert, wie "eine * er uü Äassenarzt Familien für 25 Pfennig per Woche zu schaffet» befwni hat, die aus Vater, Mutter und 6—8 Kinder be- ^ieE' ftelbtr, für einzelne Personen über 14 Jahren werden ,7'eiteflÄr 8 finnige per Woche bezahlt, und dabei muß der Arzt basJ:Mb selbst eintreiben und findet dabei das auch dem . NiMfienarzte bekannte Widerstreben gegen Zahlungen, “W ü"« tad; so viele Kranke auszeichnet. Läßt sich der Kassenarzt flSir ebenmiit einer der vorher erwähnten Hilfsgesellschaften ein, t- r' ..... so iMonnmt er zwar fein Geld leichter, doch zieht ihm das M1101 ; : HMlimitee 25 Prozent feiner Forderungen ab, um feine tnre zu bezahlen. Der betreffende Briefschreiber sagt suB^^^sa-kuinchtig, daß, wenn er sich weigert, für diese schandbare e BekOIumg weiter zu arbeiten, die Hilfsgesellschaft keinerlei M8P! hlat, von auswärts einen jungen Arzt herbeizuziehen, , , >e*: angeseffenen Arzte nicht nur die Kaffen, sondern r aridtl au3^ der Privatpraxis fortnimmt. (T)ad $Ber= Qn b(t " lim« Mchblatt teilt gleichzeitig mit, daß die Zahl der pjnt®8*- 81kl /fi* I Mannheim, im Januar 1899. WN Kut^lyer ge^Utyl. Landwirtschaft. Bezirks-Verein. Badischer Renu'verrii. DiezstratzeT. 3180 Spazierstöcke 50 Pfg. 3011 2715 empfehlen Schrauth’s Gemahlene tauft werden. Warte. Krenzplatz 1 Kaufen Wist Feder ein Emil Bender, Schulstr. 5. 2664 3165 beten. Telterswep 2247 Rcdacsion: L. 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