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Hionatlid) 75 Psg. mit Bringerlohn. «unahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer biö vorn,. 10 Uhr. Alle Anzeigen-BermittlungSsteVen de« In- und ArrSlandeS nehmen Anzeige» für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Iamilienbtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigclegt. Arnts- und Anzeigeblcttt für den Ureis Gieszen. Siedaktion, Expedition und Druckerei: ^chnlstrahe Z»r. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Glatter für hessische UolKslrunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Die Frankfurterstraße, zwischen Liebig- und Wilhelm- Lraße, ist am 16. «ud 17. l. MtS. wegen Erneuerung des Schienengeleises von dem Uebergang der Frankfurter- Straße für Wagen und Reiterverkehr gesperrt. Gießen, den 14. Januar 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. __________ Muhl. _______________ Gesunde« : 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Geldstück, 1 Geldbeutel mit Inhalt, 1 Zwicker, 1 Filzhut, 2 Schirme, 1 Handschuh und 3 Weckbeutel. Gießen, den 14. Januat 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Muhl.________________ Deutscher Reichstag. 10. Sitzung am 13. Januar. 12 Uhr. Am Bundesratstische: Kriegsminister v. Go hier. Tages-Ordnung: Fortsetzung der ersten Lesung der Militärvorlage. Abg. Bebel (Soz.) berührt das Friedensmanifest des Zaren und meint, die Worte, die dasselbe enthalte über den Zustand in Europa, über den Militarismus und seine Gefahren würden in keinem europäischen Parlament mehr aus der Erörterung verschwinden. Und wenn da unsere Diplomatie diesen kaiserlichen Worten zustimme, so erscheine es geradezu als eine Verhöhnung, wenn in einem solchen Augenblicke eine solche Vorlage dem Reichstage unterbreitet werde. (Präsident Graf Ballestrem bezeichnet den Ausdruck „Verhöhnung" in einem solchen Zusammenhänge als parlamentarisch unzulässig). Nachdem Redner nun behauptet, daß, wenn es nicht parlamentarisch sei, so sei es doch wahr, wird er vom Präsidenten zur Ordnung gerufen. Redner fährt fort, wenn erst einmal die fünfzehn Millionen Soldaten in Europa einander im Kriege gegenüber- gestanden hätten, dann werde auch die letzte Stunde der bürgerlichen Gesellschaft gekojnrnen sein. Abg. Bebel beleuchtet alsdann die schweren finanziellen Lasten, die der Militarismus Deutschland und ganz Europa auferlege. Für alle die politischen Mützchen, für alle die Zwecke, die heutzutage am politischen Horizont auftauchen, sei der deutsche Sozialdemokrat nicht geneigt, sein Leben in die Schanze zu schlagen; wenn das Vaterland aber ernstlich bedroht sei, werde auch der Sozialdemokrat seine Schuldigkeit thun. Er empfehle Einführung des Milizsystems, das fich beispielsweise in der Schweiz musterhaft bewähre. Kriegsminister v. Goßler entgegnet dem Vorredner, die Auffassung der Regierung von dem Manifest des Zaren sei eben eine andere, als die der Sozialdemokratie. Den Vorwurf, daß zu zahlreich intelligente Industriearbeiter eingezogen würden, müsse er zurückweisen. Was das Milizsystem anlange, so würde dasselbe wohl noch kostspieliger sein als die jetzige Organisation. Den Bebel'schen Gedanken militärischer Jugenderziehung müsse er als Spielerei bezeichnen, und betreffs des Wunsches Bebels, die Armee zu demokratisieren, wolle er, Redner, nur sagen, daß alles geschehen werde, um diesen Wunsch zu vereiteln. Abg. Frhr. v. Hertling (Zentr.) bezeichnete die Vorlage als eine Konsequenz derjenigen von 1893. Das Zentrum sei entschlossen, die Interessen der nationalen Verteidigung durchaus über die Interessen der Parteitaktik zu stellen, doch könne es sich freilich nicht verhehlen, daß die Vorlage unliebsam überraschte, zumal eben erst die Seemacht so außerordentlich verstärkt worden sei. Zahlreiche Widersprüche seien in der Vorlage vorhanden. Wünschenswert sei es im hohen Grade, wenn die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festgelegt würde. Den Einzelheiten der Vorlage stehe das Zentrum mit abgestuftem Wohlwollen gegenüber. Auch seine, Redners, Freunde hätten die Empfindung, als ob mit dieser Vorlage die Neuforderungen nicht abgeschlossen seien. Was die zunehmenden Bestrafungen beim Heere beträfen, so hingen dieselben offenbar zusammen mit dem allgemeinen Rückgänge der moralischen Kräfte und der zunehmenden Jdeallosigkeit. Das vom Zaren entworfene Bild des ewigen Friedens sei zu schön, als daß man daran glauben könnte. Abg. Sattler (nl.) führt aus, seine Freunde verständen die Notwendigkeit einer Vervollständigung der Artillerie, sowie einer Vermehrung der Kavallerie und seien bereit, dieselben zu bewilligen. Die finanzielle Belastung werde sich hoffentlich weniger schwer erweisen, als es bisher den Anschein habe. Die Vorlage habe im Volke keine Aufregung hervorgerufen. Der Erlaß des Zaren habe wohl nur die Bedeutung, nach außen hin den idealen Sinn des russischen Kaisers zu zeigen, der noch kurz vor jenem Aufruf 90 Mill. Rubel zur Verstärkung seiner Flotte aufgewendet hatte. Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) legt der Friedenskundgebung des Zaren keine besondere Bedeutung bei. Redner geht auf die Einzelheiten der Vorlage näher ein und bezeichnet die Aufhebung des einjährig-freiwilligen Dienstes als eine Forderung der Gerechtigkeit unter den heutigen Verhältnissen. Die Billigkeit erfordere eine größere Berücksichtigung der landwirtschaftlichen Bezirke bei der Rekrutenaushebung. Im Interesse der Erhaltung und Förderung des Mittelstandes liege eine Einschränkung des Geschäftskreises des Offiziersvereins und eine Erhaltung der Garnisonen in kleineren Städten. Er, Redner, sei mit seinen Freunden bereit, zum Zustandekommen der wesentlichen Bestimmungen der Vorlage mitzuwirken, verlange aber gesetzliche Festlegung der Kostentragung, so daß diese nicht auf die schwächeren Schultern falle. Abg. Rickert (frs. Vp.) erwartet, daß die Regierung in der Kommission über etwaige Zukunftspläne offen Auskunft geben möge. Von dem Milizsystem halte er nichts; denn cs sei Thatsache, daß bei schweizerischen Offizieren ein starkes Mißtrauen gegen die dortige Heeresverfassung herrsche. Die zweijährige Dienstzeit müffe unbedingt beibehalten werden, denn sie habe sich durchaus bewährt. Die Kundgebung des Zaren sei sehr wertvoll, solche Worte eines mächtigen Herrschers könnten nicht in den Wind gesprochen sein. (Beifall.) Die Vorlage wird an die Budgetkommission verwies en. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. • Tages-Ordnung: Zweite Lesung des Etats. Schluß 3»/. Uhr. Deutsches Keich. Berlin, 13. Januar. Die Budget-Kommission des Reichstages trat heute in die Beratung des Postetats ein. Auf eine Anfrage des Abgeordneten Müller- Sagan erklärte Staatssekretär Podbielski, daß eine Vorlage betreffend Herabsetzung der Fernsprechgebühren für kleinere Orte ausgearbeitet sei. Das System West, welches den Anschluß mehrerer Teilnehmer an eine Leitung ermöglichen soll, halte die Postverwaltung zur Zeit noch nicht für reif. Weiter führte der Staatssekretär auf eine Anfrage des Abgeordneten Paasche aus, eine Novelle zum Post-Zeitungs- tarif liege gegenwärtig dem Bundesrat vor. Sie beruhe auf der Grundlage von Leistung und Gegenleistung. Die Zeitungsmeldung,' daß eine Verteuerung der Telegramm- bestellung beabsichtigt werde, sei falsch. Er wolle eine Beschleunigung der Bestellung dadurch herbeiführen, daß er anstelle der ausrangierten, über 50 Jahre alten Postbeamten versuchsweise junge von 16 Jahren für diesen Dienst einstelle. Weiter sprach sich der Staatssekretär gegen eine angeregte Erhöhung der Taxe für Sonntags-Telegramme aus. Die Beratung wird morgen fortgesetzt. Berlin, 13. Januar. Die Verdeutschung der Armeesprache scheint sich noch weiter zu erstrecken, als es der Wortlaut der betreffenden kaiserlichen Kabinettsordre vorschreibt. Wie nämlich die neueste Nummer des „Mil.- Wochenbl." meldet, ist Prinz Bernhard Heinrich von Sachsen- Weimar, Herzog zu Sachsen, Leutnant, unter Belastung L la suite des 5. Thür. Infanterie-Regiments Nr. 94 (Großherzog von Sachsen) in das 3. Garde-Ulanen-Regi- ment „eingereiht" worden, während es bisher „einrangiert" hieß. — Die Verdeutschung einzelner militärischer Fremdausdrücke wurde auch beim Württemberg! sch en Armeekorps eingeführt. Berlin, 13. Januar. Der Ausschuß der Deutschen Kolonialgesellschaft hat eine Kommission zur Vorprüfung des Entwurfs zur Gründung einer deutschen Nyassa- Gesellschäft eingesetzt. Die zu gründende Gesellschaft soll vornehmlich zwei Aufgaben haben, einmal die Einrichtung eines Transportverkehrs auf dem Wege Sambesi- Shire-Nyassa und sodann die Besiedelung des Kondelandes. Der Gouverneur von Ostafrika wie die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes stehen dem Unternehmen sympathisch gegenüber, letztere legt allerdings den größten Wert auf das Transportunternehmen. — Ein preußischer Gemeindebeamtentag, d. h. ein Kongreß der Stadt- und Gemeindesekretäre, Gemeindekassenrendanten usw. soll in Berlin dem allgemeinen preußischen Städtetag folgen und zu dem Gesetzentwurf über die Rechtsverhältuiste der Gemeindebeamten Stellung nehmen. Er ist einberufen vom Centralverband der Gemeindebeamte« Preußens für den 29. Januar oder 4 Februar. M.P.C. Das Plenum des wirtschaftlichen Ausschusses wird darüber beraten, wie weit die bei den produktionsstatistischen Erhebungen gewonnenen Resultate veröffentlicht und damit auch der ausländischen Konkurrenz preisgegeben werden sollen. M.P.C. Wenn die ausländische Presse bei jeder Gelegenheit Anzeichen dafür wittert, daß deutscherseits überseeische Annexionen beabsichtigt seien, so wird sie bis zu einem gewissen Grade hierzu herausgefordert, durch das von gewisser Seite bei uns immer erneut geltend gemachte Verlangen, wir müßten Kohlenstationen usw. haben. So lange unsere Flotte noch so klein ist wie jetzt, können wir Kohlenstationen nicht so leicht erwerben, wie manche Kolonialpolitiker sich denken. Zunächst handelt es sich darum, das, was wir haben — wie z. B. Kiautschou — auszubaüen. Dieser Stand der Dinge sollte die deutsche Presse veranlasten, allen Nachrichten, die wie neuerdings die von einer geplanten deutschen Annexion in der Südsee, besonders über uns von London aus lanciert werden, von vornherein den bündigsten Unglauben entgegenzusetzen. Ausland. Wien, 13. Januar. Innerhalb der oppositionellen Parteien besteht die starke Strömung, in der nächsten Abgeordnetenhaus-Sitzung sofort mit der entschiedensten Opposition einzusetzen, weil der Präsident auf die Tagesordnung vor der Minister-Anklage die erste Lesung des Rekruten-Gesetzes stellte. Auch die radikale Strömung innerhalb der Linken ist während der Vertagung des Parlaments gewachsen. Allgemein wird angenommen, die bevorstehende Tagung des Reichsrates werde nur kurz sein, da die Wiederaufnahme der Obstruktion zweifellos ist. Die radikale Gruppe des Vorstandes der deutschen Volkspartei wird verlangen, daß sich der Verband dem Standpunkte der Deutsch-Radikalen nähert. Falls diese Forderung abgelehnt wird, will die radikale Gruppe aus der deutschen Volkspartei austreten und mit der Schönerer-Partei in engste Fühlung treten. Die Gruppe, welche unter Führung der Abgeordneten Sylvester, Lemisch und Dobcrnig steht, zählt etwa 15 Mitglieder. Paris, 14. Januar. Fortwährender großer Lärm war das Hauptkennzeichen der Donnerstagssitzung, in welcher die Deputiertenkammer sich mit der Angelegenheit Quesnay dc Beaurepaires beschäftigte. Zunächst hielt Deschanel seine Antrittsrede als neuerwählter Präsident. Er sagte, daß Frankreich das Heer, aber auch die Gerechtigkeit liebe und wies auf die Gefahren der inneren Zwistigkeiten hin. Millevoye wies als erster Interpellant auf die Erregung hin, welche durch die von Beaurepaire gegen gewisse Richter vorgebrachte Anschuldigung verursacht sei. (Lebhafte Zwischenrufe.) Er verlangt eine Untersuchung (Tumult) und Disziplinarmaßregeln gegen die Schuldigen. — Lasies (Antisemit) wirft schließlich unter großem Lärm der Kammer der Kriminalkammer Parteilichkeit vor; die Dreyfus-Kampagne werde mit fremden (Selbe unterhalten. (Lärm.) Der Justizminister Lebret erklärt, er habe im Jn- tereste des Richterstandes Erhebungen hinsichtlich dieser Vorwürfe anstellen lassen, diese Erhebungen seien umfassende und loyale gewesen. Er teilt nun die verschiedenen, jedes allgemeinen Interesses entbehrenden Einzelheiten mit. — Castagnac nennt die Haltung Lebrets zweideutig. Die Republikaner seien verantwortlich für die gegenwärtige Lage. (Widerspruch links, Rufe: Und Sedan?) Redner fährt fort, es gebe nicht allein militärische Sedans, und wenn man eben von Faschoda komme, habe man nichts zu sagen. (Heftiger Lärm, Rufe: Zur Ordnung.) Die Republik endige im Schmutz. — Ministerpräsident Dupuy erklärt hierauf: „Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Das Land weiß, daß wir dem Heere alle unsere Fürsorge angedeihen lasten, daß Achtung vor dem Gesetze und Liebe zur Freiheit alle Re publikaner einigen. Eine dritte Untersuchung ist eröffnet und alle, die es angeht, werden ihre Aussagen machen können. Was die Dreyfus-Angelegenheit betrifft, so lasten Sie uns mit ihr so schnell wie möglich zu Ende kommen und dem Lande die Ruhe wiedergeben. Lasten Sie uns nicht vergesten, daß es ernste Fragen giebt, mit denen wir Aus -er Zeit für die Zeit. Vor 417 Jahren, am 15. Januar 1482, wurde zu Weinsberg der Schweizer Reformator Johann Oeko- lampadius, eigentlich Huß genannt, geboren. In Basel, Ulm und anderen Städten nahm er an dem Werke der Reformation thätigen Anteil, das er neben Zwingli mit Males und MsoinMes. Gießen, den 14. Januar 1899. ’ Gendarmeriekorps. Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben Allergnädigst geruht, am 16. November 1898 den Kommandeur des Gendarmeriedistrikts Ober- I Hessen, Oberstleutnant Karl Cullmann zu Gießen, zum Kommandeur des Gendarmeriedistrikts Rheinhessen, und den I Kommandeur des Gendarmeriedistrikts Rheinhessen, Major Friedrich Herpel zu Mainz, zum Kommandeur des! Gendarmeriedistrikts Oberhessen, beide mit Wirkung vom I 1. April 1899, zu ernennen. Kirchliche Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit I der Großherzog habenAllergnädigst geruht, am 7. Januar I dem Pfarrverwalter Valentin Brück zu Groß-Eichen, I Dekanat Grünberg, die evangelische Pfarrstelle daselbst zu I übertragen. P. Stadttheater. Vielleicht die gewaltigste Aufgabe I dieser Wmterspielzeit galt es gestern Abend zu bewältigen: I Shakespeares erhabene Tragödie „König Lear". Als In- I Haber der Titelrolle schloß Herr Karl Pepp ler vom Hof- I theater in Hannover sein Gastspiel mit dem denkbar größten Erfolge ab, indem er den königlichen Greis mit unübertrefflicher Meisterschaft darstellte. Jene eigentümliche Mischung von Heldenkraft und Hilflosigkeit, von männlicher Leidenschaft und kindischem Eigensiiln glückte nicht minder gut, wie die Umnachtung, die mit den Worten: „Mein Geist beginnt zu schwärmen" zu erschütterndem Durchbruch gelangte. Ebenso rührend war das letzte Aufflackern der Vernunft beim Wiedererkennen der heißgeliebten Tochter Cordelia. Die Behandlung des Organes, dem während des ganzen Abends eine rauhe Klangfarbe eigen war, die Heraus- »rbeitung der so unendlich verschiedenen Einzeleffekte, die überwältigende Erscheinung und das realistische, doch stets ben Gesetzen der Schönheit huldigende Spiel, ließen in Herrn Peppler einen hochbedeutenden Künstler erkennen, den wir sehr gern in Gießen, seiner Vaterstadt, späterhin Wiedersehen möchten. Der Abend bot gleichzeitig Gelegenheit für die Prvbegastspiele der Herren Alfred Bernau vom Stadt- thcater in Crefeld, und Joseph Co mm er vom Stadttheater in Hanau. Der letztere spielte den Narren in durchaus verständiger Weise und mit der erforderlichen Gewandtheit; Phantasie erst umdenken. Die Wut der Elemente wurde mit leidlicher Täuschung dargestellt, und daß der künstliche Sturm den natürlichen der vorhergehenden Nacht an Stärke lange nicht erreichte, war für schwache Nerven gut. ** Stadttheater. Montag den 16. und Dienstag den 17. Januar wird der Komiker Karl William Büller als „Cäsar Wichtig" in „Registrator auf Reisen" und als Amtsvorsteher Wehrhahn in Gerhardt Hauptmanns Diebskomödie „Der Biberpelz" in unserem Theater gastieren. Bei der großen Beliebtheit, deren sich Büller auch in unserer Musenstadt erfreut, wird es den hiesigen Theaterfreunden von Interesse sein, etwas über seinen Lebensgang zu erfahren. Büller ist als Sohn des Rechtsanwalts L)r. C. W. Büller am 23. Februar 1853 in Hamburg geboren, bildete sich zum Ingenieur aus, war 1874 in Leipzig I als solcher thätig und spielte dort im Verein „Thalia" als Dilettant öfter Komödie. Bei dieser Gelegenheit wurde Friedrich Haase, der damals Direktor in Leipzig war, auf Büller aufmerksam ; kurz entschlossen, kam dieser einer Aufforderung, einmal im Alten Theater aufzutreten, nach und spielte die komische Rolle des Kellners in „Wenn Frauen weinen". Der Erfolg war ein sehr schöner und Büller ging darauf endgiltig zur Bühne. Nach der sogen. Sturmund Drangperiode, die aber nur ein Jahr dauerte, kam Büller bald in geregelte Verhältnisse, spielte zwei Jahre lang jugendliche Helden und Liebhaber und widmete sich dann ganz dem komischen Fach. Büller war an den Theatern in Halle, Zürich, Kassel (Hoftheater), Dresden (Hoftheater), Leipzig (sechs Jahre als Regisseur und erster Komiker), Berlin (Wallnertheater) engagiert. Seit acht Jahren gastiert er; man darf wohl mit recht behaupten, daß er zu den gesuchtesten Schauspielgrößen zählt. Sein Domizil war I während dieser Zeit sechs Jahre Berlin, zwei Jahre Wien, und jetzt ist er wieder nach Leipzig übergesiedelt, da diese Stadt im Zentrum Deutschlands liegt und er von dort aus alle Städte des Nordens und Südens, wie des Ostens und Westens bequem erreichen kann. Seine Gastspiele erstrecken sich ans Deutschland, Oesterreich, Rußland und die Schweiz. Für diesen Winter ist seine ganze Turnee schon festgestellt. Büller hat u. a. für diese Saison Gastspiele an folgenden Theatern mit großem Erfolg vollendet, teils noch zu leisten: Leipzig (Stadttheater), Petersburg (Alexandertheater vier Wochen), Riga (Stadttheater 14 Tage), Frankfurt a. M., Nürnberg, Freiburg i. B., Basel, Augsburg, Mannheim (Hoftheater), Kassel (Hoftheater), Halle, Elberfeld, Stuttgart (Hoftheater), Köiiigsberg rc. Im Mai v. I. spielte I er in seiner Vaterstadt Hamburg am Thalia-Theater. Er | war dort ein vollständig Fremder. Der künstlerische Erfolg war aber ein derartiger, daß Büller zehn Abende spielen I mußte und zwar bei ausverkauften Hausern. Bei dem am 11. November v. I. veranstalteten Subskriptions-Ball des Albert-Zweigvereins wurde Büller durch eine Ansprache der I Königin von Sachsen ausgezeichnet. Die „Leipziger Ztg." schreibt hierüber: „Da erhebt sich der Vorhang aufs neue. Direktor Striese tritt auf, kein Geringerer, als unser altbekannter William Büller, der mit verblüffender Geschwindlg- keit und Geschicklichkeit, bei gewandtester Unterhaltung, allerhand Taschenspielerknnststücke zum besten giebt. Das war i keine bloße Unterhaltung mehr; das war wirklicher Zauber, zwerchfellerschütterndes Amüsement. Büller ließ seinem unverwüstlichen, immer zündenden Humor so recht nach Herzens- | lust die Zügel schießen. Das Publikum kam aus dem Lachen | I nar nicht heraus, und auch Ihre Majestät die Königin sah man wiederholt herzlich lachen. Während des Balles befahl Ihre Majestät den Zanberkünstler „Striese" und ließ sich von ihm die vorgeführten Kunststücke erklären, ihm unter herzlichem Lachen versichernd, daß ihr dieselben großes Ver- I gnügen bereitet hätten." I ** Der große Maskenball des Gießener Turnvereins, der bekanntlich möglichst alle Jahr in den Vereinslokali- I täten abgehalten wird, dürfte auch wieder in dieser I Karnevalsaison der Hauptanziehungspunkt seiner Mitglieder I sein. Schon seit Wochen ist der Vorstand des Vereins mit den Vorbereitungen beschäftigt Um nun gewiß in jeder Beziehung den Wünschen der Mitglieder zu entsprechen, ist eine besondere Kommission gewählt worden, bestehend aus I geeigneten bewährten Mitgliedern, denen das ganze Arrangement übertragen ist. Wie ja unseren Lesern, soweit sie I Mitglieder des genannten Vereins sind, bekannt ist, bieten I gerade zu den Karnevalsfestlichkeiten unsere Turner alles I auf, um den Teilnehmern nicht allein zu einem genußreichen I Abend, sondern auch einem solchen, der lange in der Er- I innerung derselben bleiben soll, zu verhelfen. *• Strafkammer. Gestern verurteilte die Strafkammer I den Schreiber Ehr. Herbert, sowie den Tapezier Hrch. die Vereinigung von bitterem Ernst und angelernter Schalkheit wurde richtig getroffen, die Stimme klang manchmal etwas dünn, aber nicht unschön. Kaum vermochte dagegen Herr Bernau als Edgar zu befriedigen. Er machte nur schwache Versuche zu charakterisieren, Haltung und Bewegungen waren meist steif, die schrillen Töne, die er in der Narrenszene anschlug, beleidigten das Ohr. Die neu eingetretene jugendliche Liebhaberin, Frl. Alice Schloß, machte als Cordelia einen günstigeren Eindruck wie am Mittwoch als Dina Dorff. Die beiden unmenschlichen Töchter Lears, (Frl. Cronegg und Rux) vermochten es wenig glaubhaft zu machen, daß sie von königlicher Abstammung sind. Die Rolle des Grafen Gloster sagt Herrn Liebscher wenig zu, immerhin wurde ihr der Künstler einigermaßen gerecht. Ganz wacker war Herr Walter als Kent, auch Herr Dietz sch bot als Edmund in mancher Hinsicht tüchtiges, hätte indes die Verworfenheit und Schurkerei dieses entarteten Sohnes weit mehr betonen müssen. Die kleinen Rollen waren durchschnittlich angemessen besetzt; auch die Regie des Herrn Direktor Helm ist zu loben. Bei dem häufigen Wechsel der Szene, der sich leidlich rasch abspielte, kam man mit den vorhandenen Dekorationen ins Gedränge. Die Heide des dritten Aktes mußte sich der Zuschauer mit freischaffender uns beschäftigen müssen." (Beifall.) — Der vormalige ; Kriegsminister Cavaignac erklärt, die Achter hatten Plcquart gegenüber zu viel Entgegenkommen gezeigt (Lebhafte Zwischenrufe auf der äußersten Linken), und verlangt Maßregeln, xm der richterlichen Gewalt Achtung zu verschaffen. Von vielen Seiten wird hierauf Mitteilung des Berichtes des Hauptmanns Herqne verlangt. Der Justizminlster verliest den Bericht, in welchem großes Entgegenkommen gegenüber Picqnart festgestellt wird, dem man Grog habe reichen lassen. (Gelächter.) Dupuy erklärt, die von der Linken eingebrachte einfache Tagesordnung zu billigen, die allein die Debatte beendigen könne. Cavaignac steigt noch einmal auf die Tribüne, kann aber wegen heftiger Zwischenrufe nicht zu Worte kommen. Hierauf wird die einfache Tagesordnung angenommen mit 423 gegen 124 Stimmen. — Die meisten republikanischen Blätter bezeichnen die Kammersitzung als eine neue Brandmarkung Baurepaires. Die nationalistischen Organe dagegen erklären, die Angelegenheit sei durch die von der Kammer angenommene Tagesordnung keineswegs erledigt, sondern werde demnächst in der Kammer neuerdings zur Sprache kommen, so daß man sich dort schon bald auf neue Tumulte gefaßt machen kann. (T. R.) Paris, 13. April. Zu: „Quesnay de Beaurepaire und die Deputiertenkammer" schreibt die „Köln. Ztg.": „Es muß weit gekommen sein mit Frankreich, wenn man in dem einst so lustigen Lande des leichtgeschürzten Witzes über den Klatsch und Tratsch Beaurepaires nicht mehr aus vollem Halse zu lachen wagt. Die gestrige Epistel in seinem Leibblatte „Echo de Paris", das seine Feder um 50 000 Franken jährlich gewonnen haben soll, widmete Quesnay de Beaurepaire einem Aufruf an die Volksvertreter, in dem er sagte: „Ich wollte Ihnen gegenüber die Rolle der bescheidenen Turmwächter spielen, die ehedem das Nahen des Feindes von der Ringmauer ankündigten; sie stießen den Alarmruf aus, um dann zu verschwinden, während die Leiter der Stadt sich znm Rettungskampfe rüsteten." Was anders sollte der Vertreter der Grog- und Biltterbrotgeschichten des Jnstiz- palastes damit in unfreiwilliger Selbstkritik gemeint haben als das Geschnatter der Wächter des Kapitols? Trotzdem ist sein Ruf gehört worden, und die Folge war gestern eine an die Revolutionszeit erinnernde Sturmsitzung der Deputiertenkammer. Zwar werden die republikanischen Blätter, die für jeden Strohhalm dankbar sind, der sich ihrem versinkenden Ideale rettend entgegenstreckt, einen Jubelgesang darüber anslimmen, daß es der Regierung gelungen ist, über Quesnay de Beaurepaire hinweg mit 423 gegen 124 Stimmen zur Tagesordnung überzugehen. Aber es ist nicht genug, daß sich 124 Volksvertreter auf die Seite dieses Boulanger in der Richterrvbe schlagen, den die Kammer noch im vorigen Jahre einstimmig verurteilt hatte; ist eS nicht einer ernsten Regierung unwürdig, daß sie den Präsidenten der Kriminalkammer dem Hasse seines unbotmäßigen Kollegen preisgiebt und statt seiner dem ersten Vorsitzenden Mazeau die Leitung der Verhandlungen überträgt, daß der Jnstizminister feierlich ankündigt, es werde wegen der Grogs und der Butterbrote eine neue Untersuchung eingeleitet werden? Das einzige erfreuliche Ergebnis der gestrigen Aussprache war eine reinliche Scheidung in Freunde und Feinde der Republik und die klare Erkenntnis, daß die Gefolgschaft de Beaurepaires lediglich aus Leuten besteht, die kein Hehl daraus machen, daß sie der Republik an Hals und Kragen wollen, aus Monarchisten, Nationalisten und Antisemiten. Wie lange diese Sammlung der republikanischen Kräfte vorhalten wird, muß die Zukunft lehren, denn seinen letzten Trumpf wird Quesnay de Beaurepaire noch nicht ausgespielt haben." R-nner unb Sibert Bill, sämtlich u°n Gießen, wegen Körperverletzung zu 6, 5, bezw. 4 Monaten Gesangnts. Dem Bill, der von anfang an geständig war, wurde die zweimonatliche Untersuchungshaft aus die zu verbüßende Strafe angerechnet; der vierte Mitangeklagte, Sp-ngler G o g Eisenbrandt, wurde sreigesprochen. Es handelte sich um die Asfaire, welche in der nacht vom 29. auf den 30. Oktober v. I. am Seltersweg, in der Nahe von Teufelslustgärtchen, sich abspielte, wobei der cand. med. Sager fünf Wunden, darunter vier am Kopfe, erhielt, ^ager ist einige Tage darnach, wie gerichtsärztlch festgestellt wurde, aber nicht an den erhaltenen Wunden, gestorben. * • Dem beantragten Wiederaufnahme-Verfahren^des vom Schwurgericht zu 1 Jahr Zuchthaus verurteilten Schlossers Hrch. Schmidt ist vom Landgericht stattgegeben worden. Die vom Verteidiger, Rechtsanwalt Katz, gleichzeitig beantragte Haftentlassung wurde jedoch abgelehnt. * • Besitzwechsel. Der Mechaniker WilhelmS ch m i d t (Seltersweg 30) kaufte das dem Kaufmann Schmidt gehörige, Goethestraße 35 belegene Besitztum für 39 000 Mk * ' Auf dem Transport gestorben. Von Reichenborn aus sollte gestern nachmittag der 70jährige August Seim aus Gießen, der als Handwerksbursche umherzog und krank geworden war, in die hiesige Klinik gebracht werden, verstarb aber auf dem Transport im Eisenbahnwagen. Die Leiche wurde in die Leichenhalle auf dem Friedhöfe gebracht. "" Der gestrige Sturm riß an der Marburgerstraße eine Feldscheune, sowie ein Staket an Steins Garten um und entwurzelte verschiedene Bäume in der Stadt. ** Abfertigung und Beförderung unverpackter einsitziger Zweiräder. Die Abfertigung und Beförderung unverpackter einsitziger Zweiräder auf den preußischen Staatseisenbahnen ist in einer vom 1. Januar d. I. ab gütigen Dienstanweisung einheitlich für das ganze Staatsbahnnetz geregelt worden Ans diesen Bestimmungen ist besonders hervorzuheben, daß nunmehr die Auflieferung einsitziger Zweiräder bei den Gepäckabfertigungsstellen als Expreßgut — ohne gleichzeitige Lösung von Fahrkarten — wieder zu- gelassen ist. Es gelangt alsdann die Gepäckfracht für mindestens 20 Kilogramm, und zwar bei Beförderung in gewöhnlichen Personenzügen mit wenigstens 50 Pfg., in Schnellzügen mit wenigstens 1 Mk. zur Erhebung. Die Auflief^ rung unverpackter einsitziger Zweiräder als Gepäck hat durch den Reisenden unter Vorweisung seiner Fahrkarte, sowie der Fahrradkarte beim Packmeister am Packwagen des Zuges zu geschehen. Auf einen Fahrtausweis können höchstens drei Fahrräder aufgegeben werden. Die Beförderung findet im Direktionsbezirk Mainz und Frankfurt a. M. mit sämtlichen Zügen — ausgenommen die O-Züge 5/6, 109/110, 163,164 und die Schnellzüge 113/114 zwischen Frankfurt und Koblenz und 43/44 zwischen Frankfurt und Mannheim — statt. Will ein im Besitze eines für alle Züge gültigen Fahrtausweises befindlicher Reisender einen von der Beförderung unverpackter einsitziger Zweiräder ausgeschlossenen Schnellzug benutzen, so kann das Rad mit einem diesem Schnellzuge voraussahrenden oder nachfolgenden Personenzuge befördert werden. In diesem Falle ist es rechtzeitig vor Abgang des Zuges bei der Gepäckabfertigungsstelle gegen Gepäckschein aufzugeben. Der Fahrtausweis und die Fahrradkarte sind bei Auflieferung der Gepäckabfertigungsstelle vorzuzeigen. Auf jede Fahrradkarte ist eine einmalige Fahrtunterbrechung gegen Bescheinigung des Stationsvorstandes gestattet. Die Weiterreise muß jedoch spätestens am nächstfolgenden Tage erfolgen. Beim Uebergang des Reisenden unterwegs von Zug auf Zug ist es seine Sache, sich das Zweirad aus dem Packwagen zurückgeben zu lassen und es zum Packwagen des neuen Zuges zu bringen. Das gleiche gilt, wenn der Packwagen aus dem von dem Reisenden benutzten Zuge in einen anderen übergeht. i Meldet sich auf einer Zug-Endstation niemand zur Abnahme eines noch im Packwagen befindlichen Zweirades, so wird es der Gepäckabfertigungsstelle dieser Station übergeben. Falls es dann innerhalb 24 Stunden nach Ankunft des Zuges nicht abgeholt ist, wird das tarifmäßige Lagergeld dafür erhoben. Hat ein Reisender versehentlich unterlassen, das Rad am Packwagen abzuholen, so ist zu seiner Wiedererlangung die Abgabe von Depeschen auf den Bahntelegraphen zulässig. Wird die Fassung der Depesche dem Stationsbeamten überlassen, so ist ohne Rücksicht auf deren Wortzahl eine Gebühr von 50 Pfg., andernfalls die tarifmäßige Depeschengebühr zu entrichten. Die Dienstanweisung kann auch bei unseren größeren Fahrkarten- | ausgabe- und Gepäckabfertigungsstellen eingesehen und von I diesen kostenfrei bezogen werden. •• Wetterbericht. Von dem Minimum, welches gestern I im Norden der britischen Inseln lag, ist ein Teil nordostwärts nach der mittleren norwegischen Küste abgezogen, während das Haupt-Centrum äußerst rasch bis zur südlichen I Ostsee hereingedrungen ist, und zugleich einen Ausläufer in I südlicher Richtung bis zur Adria entsendet. Da zugleich im I Südwesten hoher Druck nahezu unverändert fortbesteht, sind I nunmehr über Central-Europa die Druckunterschiede sehr I bedeutend geworden, und wehen heute vom deutschen Küsten- I gebiete bis zu den Alpen herab böige Winde, welche zeit- I weise volle Sturmesstärke erreichen. Dabei liegen die I Temperaturen andauernd sehr hoch. Nachts sind in Süddeutschland zumeist Niederschläge gefallen, im Flachlande I als Regen, in den höheren Lagen als Schnee. — Voraus- I sichtliche Witterung: Zunächst noch ziemlich mildes I Wetter mit unbeständigem, zeitweise regnerischem Charakter. empfiehlt FLEISCH-EXTRACT. 627 622 608 Dec Konkurs-Verwalter: Aldefeld, Justrzrak. Ikhinintiniuljiiniieii ö^11 an d>e Erpediiion d BI erbeten. Zmmobiliar-VersteigsrttNg. Die zur Konkursmasse Gustav Scheyda gehörigen Immobilie >, Katastralgemeinde Wetzlar: 1. Flur 3 Nr. und Flur 3 Nr. Sophtenstraße, Wohnha!S Nebengebäude, Hofraum und Hausgarten von 8 Ar 5 Hl-Meter, 2. Flur 3 Nr. Sophienstcaße Nr. 10, Wohnhaus mit Hofcaum und Hausgarten von 6 Ar 3 -Meter werden am Montag dem 23. Januar d. J., vormittags 11 Mr, aus dem Bürean des Unterzeichneten unter günstigen Zahlung-- bedingungen freiwillig v rsteigert. Die noch neuen und in gutem Zustande befindlichen Gebäulichkeiten können jederzeit eingesehen werden, auch ist der Unterzeichnete zu jeder weiteren Auskunft bereit. Wetzlar, den 13. Januar 1899. Mermietungen Bekanntmachung. Dienstag bett 17. Januar, nachmittags 3 Uhr, Md» Abfallholz aus den Anlagen in der Südanlage, in der fiüher Scküler- s hen Besitzung und in dem Wiener Hof, darunter ein Linden und ein Platanenftamm, meistbietend versteigert werden. Gießen, den 13. Januar 1899. 0171] Möbl. Zimmer billigst zu vermieten. Wagner, Neustadl 79. Berlin, 14. Januar. Das „Kleine Journal" meldet aus Paris: In republikanischen Kreisen herrscht Besorgnis vor einem militärischen Staatsstreich, falls das Endurteil des Kaffationshofes die Revision beschließt. Die Hetze gegen den Kassationshof in der Generalstabspresse gilt allgemein als Einleitung hierzu. Berlin, 14. Januar. Für nächsten Mittwoch ist im Reichstag der erste Schwerinstag in Aussicht genommen. Die Fraktionen haben nach ihrer Stärke das Vorrecht bet der Behandlung der Jnitiativ-Anträge. Demnach wird das Centrum den • Antrag auf Aushebung des Jesuitengesetzes zur Beratung Vorschlägen. Berlin, 14. Januar. Im Prozeß Grützmacher wurde Grützmacher zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und einem Jahr Ehrverlust, die Weyrauch zu einem Jahr vier Monaten Zuchthaus und zwei Monaten Gefängnis und die Becker zu neun Monaten Gefängnis sämtlich wegen wissentlichen Meineids verurteilt. Berlin, 14. Januar. Dem „Vorwärts" zufolge wurde der sozialistische Vertrauensmann für den sechsten Berliner Wahlkreis als Polizei-Spitzel entlarvt. Men, 14. Januar. Die Stimmung unter den deutschen Abgeordneten ist wegen der obergerichtlichen Entscheidung in der Reichenberger Sprachen-Affaire eine äußerst erregte. Wien, 14. Januar. Der Berliner Korrespondent des „Neuen Wiener Journal" erhielt in einem Interview über die Dreyfus-Affaire vom Oberst Schwartz- ko PPen die folgende Antwort: So leid es mir thut, ich kann und darf ohne Genehmigung meiner vorgesetzten Behörde nichts sagen. Wir haben offiziell die Erklärung abgegeben, daß wir mit Dreyfus niemals etwas zu thun hatten. Weiter kann ich nichts sagen. t ~ Wien, 14. Januar. An die aus tschechischen Quellen stammenden Meldungen über den Versuch einer Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen glaubt man in deutschen Kreisen nicht. Paris, 14. Januar. Der Kriegsminister setzte etue Kommission zur Reform der Militär-Justiz em, welche insbesondere prüfen soll, ob dem militärischen Uppeu- Hofe auch Zivilpersonen angehören sollen. Paris, 14. Januar. In seinen neuesten Enthüllungen wiederholt Esterhazy seine früheren Behauptungen, oay Dreyfus schuldig sei, und zwar sei das Bordereau der einzige materielle Beweis gewesen. Daß er, Esterhazy, das Borderau geschrieben, giebt er nicht mehr zu. Er erklär auch wieder, im Auftrage des Obersten Sandherr. dem Obersten von Schwartzkoppen wertlose Papiere und falsche Nachrichten überbracht zu haben, um ihn irre zu fuhren. fehlt, Wirsing pro Stück 10 Pfg. wird frei ins Haus geliefert. 612 Bestellungen per Postkarte erbeten. Kardthof 18. Bekanntmachung. Die Rechnung der Armenkasse und der Plockischen Stiftung für 1897/98 liegt zu jedermanns Einsicht acht Tage lang auf dem Armen- Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Gartenftrahe 2. Angebot der Arbeitnehmer r 2 Bäcker, 1 Glaser 3 Schneider, 1 »au* schlosser, 1 Bauschreiner, 8 Taglöhner, 2 Taglohner für leichtere 3 iM* knechte, 1 Kellner, 2 Hausburschen, 1 Haushälterin, 1 besseres Hausmädchen su Bad-Nauheim, 1 Dienstmädchen, 1 Büglerin, 1 Büreaugelnlfe. »ackfraae der Arbeitgeber r 1 Bäcker, 1 Krankenwärter, 3 tüchtige Bauschreiner 1 Taglöhner für zeitweise Arbeiten, 4 Dienstmädchen für Küche und Hausarbeit, 3 Laussrauen, 8 bis 10 Ausripperinnen, 3 bis 4 Lumpensortiererinnen, 2 Flickfrauen. n .. Lehrlinge r 1 Bäcker, 1 Barbier, 1 Buchbinder, 2 ®Iafer,_2 Sadtt«, 1 Mechaniker, 1 Sattler, 1 Schmied, 1 Schneider, 2 Schreiner, 4 Schuhmacher, 1 Spengler, 2 Schriftsetzer. Masken- g Anzüge, Dominos zu verleihen. Stets neue Anzüge auf Lager. Anfertigung nach Maß. Geöffnet bis abends 10 Uhr: auch Sonntags D. W. Karnöach, Kirchstratze 2, II. m wlltbe 5 l^ ^Oeko" Ml' 3°“"' S-r!° 5 n3 Verdingung von Fuhrlvhnen. Die Abfuhr des Stcaßea-KehrichtS im Rechnungsjahr 1899/1900 nach den städtischen Wiesen tm „Stolzen- morgen", in den „Torflöchern", an der „Traubentränke" am „Wall- brunnen" und an der „Plocksbrücke" soll Samstag, 21. Januar 1899, vormittags 11V, Uhr, öffentlich verdungen werden. Die Abfuhr umfaßt zirka 2040 cbm, die in 6 Los: geteilt sind. Die Bedingungen liegen während der Dienststunden bei uns zur Einsicht offen und sind Angebote aus vorgeschriebenem Formular bis zum genannten Termin einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, 12. Januar 1899. Das Stadtbauamt. Schmandr.60- »egt, "W Dm »Wei. ™bt Strafe * ©tot, 29- «uf ben 1)1)11 Teufels- ■ wt ist 9e)i«nt wurde, ttn. hreu des vom ten Schlossers lkden worden, ^chzeitiz beM- Schmidt 11 Schmidt qe» ür 39,000 Mk. ^ichenborn aus st Seim aus und krank ge- werden, ver- jnwagen. Die dhofe gebracht, arburgerstraße ns Garten um in der Stadt, ckter rmschiger 5 unverpaätn Öchen Staats- I. ab gütigen Staatsbahnnetz n ist besonders mng einsitziger als Expreßgut — wieder zu- sracht für min- rderung in ge- ffg., in Schnell- Die Austiefe- 'päck hat durch ahrkarte, sowie gen des Zuges untn höchstens findet a. M. mit M- je 5/6, 109/110, ischen Frankfurt und Mannheim e Züge gültigen on der Äeförde- ausgeschlossenen t einem diesm ^en Perionen- ijt es rechtzeitig gungsstelle gegen z und die Fahr- absertigungsstelle einmalige Fahrt- itationsvorstandes testens am nächst- rtq des Reisenden eine « igeben ju tgei i« bn«9e”- „ a«3 dem «° »beten Ä--O niemand zur ■ Käsender »er- ■ '"‘"S.2 K-- -SS >crt f» ffie # rui’"" 1,«»»' M'- ”teg(n d'i Dabe' Süd- !»chiS p"^chl-nd° 0164] Ein schön möbl. Zimmer zu vermieten- Schulsiratzc 10, Hl. 593] Zwei schön möblierte Zimmer per sofort zu vermieten. Näheres Neuen°Bäue10 imLaden. 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Januar. fPer transatlantischen Telegraph.] Dcr Postdampser Gera, CapttSn W. Meißel, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr nachts wohlbehalten in New York ""^Bremen, 10. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Postdampser Willehad, Eapi'än E Ra.tz, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern, 12 Uhr nachtS, wohlbehalten in Baltimore angekommen. Bremen, 13. Januar. sPer transatlantischen Telegraph.] Der Schnell-Postdampfer All-r, Eapitän R. Nletich, vom Nordd. Lloyd in Bremen, von New York kommend, ist heute 3 Uhr nachmittags wohlbehaltm in Genua angekommeu. Verkehr, Kmd- und Uolkswirtschast. Gietzeu, 14. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. O 7O-O.8O, Hühnereier per St. 7—9 2 St. 00—00 Enteneier per St. 9—10 Gänse- eiet per St. 14-15 H, Käse 1 St. 5-8 Käsematte per St. 3 Erbsen per Liter 20 Linsen per Liter 30 Tauben per Paar X 0.80-1.00, Hühner per St. jt 1.10-1.30, Hahnen per Stuck vtL 1.00—1.60, Enten per St. 1.90—2.20, Gänse per Pfund v# 0 50—0.60, Ochsenfleisch per Pfd. 68-74,$, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 Schweinefleisch per Pfd. 68—76 Schweine- fleisch^ gesalzen, per Psd. 80 Kalbfleisch per Wb. 64—66 A, Hammelfleisch per Psd. 50-70 4 Kartoffeln per 100 Kil° 6^0 biS 0.00 JL, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Ctr. M. 6.26—6.60, ^^^Dauer'^derMarktzeit von 8 Uhr Morgens bis 2 Uhr Nachmittags. Während der ersten 3 Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. Ruhe und Würde ernst und sicher begründete. Seine große Gelehrsamkeit zeigte er im glänzendsten Lichte bei den Badener und Marburger Religionsgesprächen. Er starb am 24. November 1531 zu Basel. V°r 110 Jahren, HH°nuar 1789, mürbe zu Nöttingen der große Theolog und Kirchenhi,t°rl er Angus N-and er geboren. Seit 1812 Professor au der Unwerstta Berlin entfaltete er eine ungemein segensreiche Wirksamkeit OODOOOOOOOOOOO« Anfertigung eleganter Costumes. g o Johanna Hermes 0176 o ▼ Frankfurterstrasse, Ecke Hillebrandtstrasse. L q Chice Balltoiletten. — Tailor inade Costnmes. q qoo o oooo oooooo ooo o■ Geschäfts-Verlegung. Wegen Neubau meines Hauses verlege mein Geschäft vom 16. Januar bi» auf weiteres nach 9 Seltersweg 9 618 neben Herrn Metzgermeister Gustav Sack. Jakob Braun, Mehgernlkisttt. Danksagung. Aus Anlaß des 25jährigen Bestehens der Balser'scheu Stiftung und der hiermit zusammenfallenden 25jährenden Amtsjubiläums des Leiters der Anstalt, des von uns hochverehrten Herrn Oberstabsarztes a. D. Dr. Wiuther, unseres treuesten Beraters, sprechen wir hiermit nachträglich in größter Dankbarkeit unsere herrlichsten Glück- und Segenswünsche aus. Möchte es dem edlen Herrn vr. Winther vergönnt sein, noch viele Jahre in voller Frische an der Spitze dieser segensreichen Anstalt zum Heile vieler Leidenden wirken zu können. 614 Die Patienten der Bayerischen Stiftung. Weinstube e Weinhandtang Vahnhofstratzen-Lcke — wolkengasse 27. empfiehlt seinereichhaltiges Lager in Rhein- u. Moselweinen, Französischen, Ungarischen, Spanischen und Griechischen Weinen sowie in Portugiesischen Gebirgsweinen, unter Garantie für absolute Reinheit. Deutschen und Französischen Champagner Deutschen und Französischen Kognak sowie diversen Liqueuren. * £ £ Cigarren und Cigaretten. Unserer heutigen Auflage liegt ein Prospekt der Firma Hermann Katz, Gießen, bei, auf den w.r hiermit aufmerksam macken. 622 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, bei dem mich so schwer betroffenen Verluste sage ich Allen hiermit meinen herzlichsten Dank. Die trauernde Gattin: Katharina Pitzer. Gießen, den 14. Januar 1899. 603 Kräftiger Bursche von 16 bis 17 Jahren gesucht. 0185 Ludwigstratze 26. Haupt-Agent. Bon einer soliden, gut eingeführten Lebensversickerungs-Gesellschaft wird für Giessen und Bezirk ein tüchtiger Kaupt Agent unter äußerst günstigen Bedingungen (Gehalt, Provision 2C.) gesuckt. Gefl. Offerten unter N. N. 220 befördert Haasenstein & Vogler, A. G., Frankfurt a. M. 605 Gin Lehrling gesucht 625 Ems [0184 Frau Heßler, Sonnenstraße 24. preiswert abgegeben. 617 Ende 10'/, Uhr. Anfang 8 Uhr. A.-G., Frankfurt a. M. 606 B. Wolf, Glasermeister, Bahnhofstraße 82. Montag den 16. Januar 1899: Erstes Gastspiel von Carl William Büller. Der Registrator auf Krisen Poste mit Gesang in 3 Akten von 81. L'Slrronge und G. v. Moser. Cäsar Wichtig . . Carl William Büller. Erhöhte Preise. 0173] Verlöret» ein wollenes g-häkeltes Tuch (olivgrün), von der Steinstraße- Dammstraße bis Seliersweg. — Gegen Belohnung abzugeben Bleichftr. 4 pari. 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