001; gut gut boi nicht geholt 6otf nicht grhail ler noch großer Lagri töerffoffe (Motte öenttoffe 'traten rdinm itfttiüm eisen. teste Md Robe» Ldgetzcken. ichfolger, mhenser I.__ ne KonknM. !H Austteluitgtn, «c. in 3HM“- gnb lein u«*1 Th" •ff« iS®*** Freitag den 14. Juli ISO» Erstes Blatt. Nr. 163 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Aezugsprei« vierteljährlich | 2 Mark 20 Pfg. i monatlich 75 Pfg. mit Bringerloh«. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen de- In- und AuSlandeG nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgegm. tägNch mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchutstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienbtätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Uatkskunde._____________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Wl. Nr. 27 des Reichsgesetzblattes, ausgegeben den 10. d. Mts., enthält: (Nr. 2588.) Gesetz wegen Verwendung von Mitteln des Reichs'Jnvalidenfonds. Vom 1. Juli 1899. (Nr. 2589.) Gesetz, betr. die Feststellung eines zweiten Nachtrags zum Reichshaushalts-Etat für das Rechnungsjahr 1899. Vom 1. Juli 1899. (Nr. 2590.) Gesetz, betr. die Feststellung eines zweiten Nachtrags zum Haushalts-Etat für die Schutzgebiete auf das Rechnungsjahr 1899. Vom 1. Juli 1899. (Nr. 2591.) Gesetz, betr. die Aufnahme einer Anleihe. Vom 1. Juli 1899. (Nr. 2592.) Gesetz, betr. die Handelsbeziehungen zum Britischen Reiche. Vom 1. Juli 1899. Gießen, den 12. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Gießen, den 12. Juli 1899. Betr.: Das deutsch-österreichisch-ungarische Viehseuchen- Uebereinkommen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises «ud das Großh. Polizeiamt Gießen. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß die Zulässigkeit des Passierens der Grenze für Transporte von Tieren, welche nach Oesterreich-Ungarn bestimmt sind, nach dem deutsch-österreichisch-ungarischen Viehseuchen-Uebereinkommen vom 6. Dezember 1891 (Reichsgesetzblatt von 1892) von der Vorlage eines von der Ortsbehörde des Orts der Herkunft der Tiere ausgestellten Ursprungszeugnisses und einer Bescheinigung des beamteten Tierarztes über die Seuchenfreiheit der Tiere sowie darüber abhängig ist, daß der Ort, aus dem sie stammen und die angrenzenden Orte seit 40 Tagen seuchenfrei sind. Wir empfehlen Ihnen, die Interessenten in geeigneter Weise hiervon in Kenntnis zu setzen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Das Großh. Ministerium des Innern hat der Londoner Phönix Feuer-Assekuranz-Sozietät in London die Ausdehnung ihres Geschäftsbetriebs auf die Versicherung gegen Einbruchsdiebstahl auf Widerruf gestattet. Gießen, den 10. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises, insbesondere Saasen, Göbelnrod, Beltershain, Queckboru, Weickartshain, Stockhausen, Burkhardsfelden, Leihgestern, Laug Göns, Watzenborn-Steinberg, Lauter, Reiuhardshaiu, Stangenrod, Reiskirchen, Heuchelheim. Ich erinnere Sie an Erledigung meines Ausschreibens vom 27. Juni l. I. (Anzeiger Nr. 151.) Gießen, den 12. Juli 1899. Der Direktor des Zuchtvereins. Boeckmann. Bekanntmachung, betr.: Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1899. Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1899 ftattsindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre desfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung spätestens bis zum 1. August 1899 bei der unterzeichneten Kommission einzureichen. Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Speziellen )as Folgende bemerkt: 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Kommission nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogtum Hessen seinen dauernden Aufenthaltsort hat. 2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adresse angegeben wird. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen: a. Geburtszeugnis; b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen aktiven Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein. c. ein Unbescholtenheitszeugnis, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde auszustellen ist; d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf. 5. In dem Gesuch ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, Lateinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will. 6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prüfung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugnis beizulegen. Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anl. 2 zur Wehr-Ordn. vom 22. Novbr. 1888 — Reg.-Bl. Nr. 27 von 1894 —) Aufschluß. Bezüglich des Prüfungstermins sowie des Lokals, in welchem die Prüfung stattsind-t, erfrlgt evcnt. weitere Bekanntmachung; auf spezielle Ladung kann nicht gerechnet werden. Darmstadt, den 3. Juli 1899. Großherzogliche Prüfungskommission für einjährig Freiwillige. Der Vorsitzende: I. V.: v. Hahn. Höerhesstscher Mstöauverein. WereiusöezirL Kießen. Am Sonntag dem 16. Juli, nachmittags 4 Uhr, findet im Saale der Wirtschaft „Zum Englischen Hof" in Grüuberg eine Versammlung des Oberhessischen Obstbau- Vereins statt, in welcher der Sekretär des Vereins, Herr K. Reichelt, Lehrer für Naturwissenschaften und Obstbau an der Großh. Obstbauschule und Landw. Winterschule in Friedberg, einen Vortrag über Obstbaumpflege mit besonderer Berücksichtigung der Obstbaumkrauk- heiten und Schädlinge halten wird. Die Mitglieder des Vereins sowie sonstige Interessenten werden hierzu freundlichst eingeladen. Gießen, den 6. Juli 1899. Der Vorsitzende des Vereinsbezirks Gießen des Oberhessischen Obstbauvereins. Frhr. Schenck. Gießen, den 6. Juli 1899. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien von Grünberg und den benachbarten Orten. Obige Versammlung wollen Sie im Interesse Ihrer Gemeindemitglieder auf ortsübliche Weife bekannt machen. Zugleich verweisen wir Sie auf unser Ausschreiben vom 1. November 1898 (Kreisblatt Nr. 258), wonach die Mitglieder der Blutlaus- 2c. Kommissionen besonders aufzufordern sind, den fragt Vortrag zu besuchen. ________________I. V.: Frhr. Schenck.________________ Gießen, den 12. Juli 1899. Das Großh. Steuerkommiffariat Gießen an die Großh. Bürgermeistereien des Bezirks. Diejenigen von Ihnen bezw. diejenigen Vorsitzenden der örtlichen Veranlagungskommissionen, welche mit der Rücksendung der Neklamationsregister noch im Rückstand sind, werden ersucht, dieselben alsbald erledigt an uns zurückzugeben. ___Bähr.___________________ Bekanntmachung. Diejenigen Ortsgerichte, welche sich mit der Einsendung der Bau- und Kulturveränderungsverzeichnisse noch im Rückstände befinden, wollen dieselben nunmehr umgehend hierher einsenden. Etwaige rückständige Meßbriefe können nachgeliefert werden. Gießen, den 12. Juli 1899. Großherzogliches Steuerkommissariat Gießen. Bähr. Der Schiedsgerichts-Entwurf. Als das Manifest des Zaren wegen Einberufung einer internationalen Friedenkonferenz veröffentlicht wurde, da gingen die Wogen der Begeisterung ungemein hoch, und nicht wenige waren der Ueberzeugung, daß das Wort „Krieg" für immer aus dem Wörterbuche verschwinden werde, daß Waffen und Munition jetzt einem Scheiterhaufen überantwortet werden könnten. Wir waren von vornherein nicht so optimistisch, wenn wir auch das Zarenmanifest als ein bedeutsames Ereignis ansahen; insbesondere standen wir den vielfach hervorgetretenen Anschauungen über eine allgemeine Abrüstung sehr skeptisch gegenüber. Wie sehr wir im Rechte waren, haben die Thatsachen bewiesen, und wie weit der Optimismus über die Erfolge der Friedenskonferenz abgenommen hat, das geht aus dem geringen Interesse hervor, welches man heute noch den Verhandlungen im Haag entgegenbringt. Als das Hauptergebnis der Beratungen ist der Entwurf wegen eines internationalen Schiedsgerichts anzusehen, welcher sich ja auch als ein beachtenswerter Erfolg, dar- stellen würde, wenn nicht in allen feinen Bestimmungen der Satz wiederkehrte: „soweit die Umstände es erlauben". Verschiedene Mitglieder dcr Konferenz wollten freilich weitergehen, und sie strebten ein obligatorisches Schiedsgericht an; aber dem glaubte insbesondere Deutschland aus gewichtigen Gründen opponieren zu müssen. Und daß schließlich die Anschauung der deutschen Delegierten von der Mehrheit der Mitglieder der Konferenz geteilt wurde, das geht aus dem Schiedsgerichtsentwurf hervor, dessen Inhalt jetzt bekannt wird. Wie bereits gesagt, tragen die Abmachungen keinen obligatorischen Charakter, sie sind vielmehr fakultativ, können also von den Mächten ganz nach Belieben in Anwendung gebracht werden oder nicht. Selbst die bloße Anrufung der Vermittelung einer befreundeten Macht im Falle ernster Meinungsverschiedenheiten ist dem freien Willen anheimgestellt, sodaß es zur Verhinderung eines Krieges wirksamer erscheint, daß nach den weiteren Bestimmungen die nicht am Streite beteiligten Signatarmächte ihre guten Dienste aus eigenem Antriebe anbieten können. Dies müßte also immer zu geschehen haben, wenn keine der streitenden Parteien eine Vermittelung anruft. Letztere soll durch internationale Untersuchungskommissionen eingeleitet werden, und ihren Abschluß finden durch ein permanentes Schiedsgericht, dessen Mitglieder von den streitenden Mächten gewählt werden. Ein permanenter Rat, welcher sich im Haag aus den dortigen Vertretern der Signatarmächte unter Vorsitz des holländischen Ministers des Aeußern konstituieren wird, soll alle in Frage kommenden Maßnahmen zur Einrichtung eines ständigen Bureaus vorbereiten und abschließen. Das ist in kurzen Worten der Inhalt des Entwurfs. Es hängt alles von dem guten Willen der Mächte ab, und aus diesem Grund kann heute noch nicht beurteilt werden, ob wenig oder viel erreicht worden ist. Es wäre nicht richtig, von vornherein den Mächten den guten Willen ab* sprechen zu wollen; viel eher darf man annehmen, daß keine Gelegenheit unbenutzt gelassen werden wird, um einen Krieg mit seinen schweren Opfern an Gut und Blut zu vermeiden. Hoffen wir, daß „die Umstände es immer erlauben werden", bei Streitigkeiten eine Vermittelung anzurufen, dann stiftet auch der anscheinend so dürftige Schiedsgerichtsentwurf immerhin Segen. (xx) Errichtung einer Proviuzialsiechenanstalt für Oberhessen. Der Provinzialtag verhandelte am Samstag über folgenden Antrag des Provinzialausschusses: „Der Provinzialtag wolle die Errichtung einer Provinzial-Sieche n- anstatt für zunächst 300 Pfleglinge nach Maßgabe des vorliegenden generellen Planes auf dem von der Stadt Gießen unentgeltlich angebotenen Gelände beschließen; den Provinzialausschuß ermächtigen, die zu rund 720000 Mk. veranschlagten Anlagekosten — insoweit dieselben nicht aus dem eigenen Vermögen der Provinz bestritten werden können — durch Aufnahme eines mit höchstens 4 pCt. zu verzinsenden und mit mindestens l/2 PCt. jährlich zu tilgenden Anlehens zu beschaffen und danach die Anstalt im Rahmen dieses Gesamtkredits zu erbauen und bezugsfertig herzustellen; die von den verpflichteten Armen-Verbänden für die Pfleglinge zu vergütenden Pflegekosten mit 10 Mk. per Monat, diejenigen Pfründner, welche in einzelnen Zimmern untergebracht werden sollen, dagegen auf 30 Mk. per Monat festsetzen." . . Bereits im Jahre 1880 hatte sich der Provinzialtag mit einem gleichen Anträge befaßt, der aber der bedeutenden Kosten wegen abgelehnt worden war. Die Anstalt sollte zunächst zur Aufnahme von etwa 300 Siechen eingerichtet werden, entsprechend der ungefähren Zahl der nach angestellten Erhebungen in der Provinz Oberhessen vorhandenen Siechen. Um die Gründung der Anstalt hatten sich die Städte Alsfeld, Gießen und Grünberg beworben und das erforderliche Gelände kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Provinzialausschuß hat sich nach Anhörung medizinischer Sachverständiger nahezu einstimmig für Gießen entjHieden. Maßgebend hierbei waren: die geographische Lage Gießens mit seinen günstigen Eisenbahn-Verbindungen, die klimatischen Verhältnisse Gießens, welche in Gießen günstiger sind, wie in den rauher gelegenen Orten Alsfeld und Grünberg; die Eigenschaft Gießens als Universität, da es im Interesse der Siechen wichtig, daß die Anstalt an einem Orte sich befindet, wo hervorragende medizinische Spezialisten und technische Hilfsmittel verschiedenster Art unmittelbar zur Verfügung stehen (auch sind dabei Fälle ins Auge gefaßt, wo es sich um zeitweise Verbringung chronisch Geisterkranker in die psychiatrische Klinik handelt). Hierbei kommt noch in Betracht die unvergleichlich günstige Lage des von der Stadt Gießen angebotenen Geländes; dasselbe liegt unmittelbar an der Stadt, doch so abseits, daß es unter der Unruhe des städtischen Verkehrs nicht leidet; es ist gegen Nord- und Ostwind geschützt, es hat die gewünschte Größe von 20 Morgen und kann jederzeit, weil im Eigentum der Stadt, vergrößert werden; es liegt unmittelbar am Niederdruck- Reservoir der städtischen Wasserleitung, so daß die wichtige Wasserversorgung auf einfachste Weise sich ergibt. Gegen die Errichtung des Siechenhauses haben sich die ärztlichen Kreisvereine Friedberg, Büdingen und Schotten ausgesprochen; sie bezeichnen eine solche Anstalt für die betreffende Person als selbst wenig nützlich; die Aufhebung der zahlreichen kleinen, über die Provinz zerstreuten Hospitäler würde eine der Hauptbedingungen für die gesunde wissenschaftliche Fortentwickelung des ärztlichen Standes auf dem Lande hinwegnehmen, sie böten den Aerzten des flachen Landes die Möglichkeit, sich an den der gemeinsamen Oeffent- lichkeit angehörigen Stätten, welche den Heilzwecken gewidmet sind, zu vereinigen und sich auf diese Weise auch für die schwierigen Aufgaben ihrer Kunst die unentbehrliche Hebung zu erhalten; es würde mit Anlage einer Zentral-Siechen- anstalt ein Zustand herbeigeführt, der den Aerzten auf dem Lande nur die Bagatellsachen läßt; dies würde eine Herabminderung des Berufswertes des Arztes des flachen Landes zur Folge haben. Für die Notwendigkeit der Errichtung eines Provinzial- Siechenhauses haben sich auf Grund ärztlicher Gutachten sämtliche Kreisämter ausgesprochen, ebenso die medizinische Fakultät der Landes-Universität, da nach ihren Darlegungen die Fürsorge und Pflege in einzelnen kleinen Krankenhäusern eine unzweckmäßige und ungenügende sei; der Aufenthalt Siecher in einem Krankenhause beeinträchtige die rasche Fürsorge für Akutkranke. Dem Antrag des Provinzialausschusfes ist ein generelles Projekt des Herrn Geh. Oberbaurat i. P. v. Weltzien beigegeben, wonach sich die Baukosten auf 876000 Mk. stellen würden. Die. Einnahmen sind einschließlich eines Staatszuschusses von 20000 Mk. und eines Zuschusses der Provinz im Betrage von 50000 Mk. auf 113600 Mk. jährlich veranschlagt. In der Sitzung des Provinzialtags beantragte nach der „Drst. Ztg." Se. Erlaucht Graf zu Solms-Laubach die Vertagung der Sache und stellte sich im großen ganzen auf die Seite der ärztlichen Kreisvereine, bezeichnete die Provmzial-Siechenhäuser als eine Gefahr für die kleinen Krankenhäuser, welche die Siechen nicht entbehren könnten, bestritt das Bedürfnis für die Unterbringung einer so großen Anzahl Siecher, und hielt auch die Ortsfrage noch nicht für gelöst. Graf Oriola sprach sich ebenfalls für die Vertagung aus, um zu prüfen, ob man die Anstalt nicht auch an einem andern Orte errichten könne, ist aber dafür, daß eine Pro- vinzial-Siechenanstalt errichtet wird. Oberbürgermeister Gnauth führte die rein sachlichen Erwägungen ins Feld, die für Gießen sprachen, betonte auch, daß die Stadt Gießen das Recht habe, eine eigene Anstalt zu errichten und dazu auch in der Lage sei. Es wurde beschlossen, eine aus 5 Mitgliedern bestehende Kommission einzusetzen, welche die von Sr. Erl. dem Grafen zu Solms-Laubach erhobenen Bedenken prüfen und auch die Ortsfrage nochmals erörtern soll. Deutsches Mich. Darmstadt, 12. Juli. Wegen des Ablebens Seiner Kaiserlichen Hoheit des Großfürsten - Thronfolgers Georg von Rußland ist auf Allerhöchsten Befehl eine Hoftrauer vom 10. bis einschließlich den 24. dss. Mts. verordnet worden. Berlin, 12. Juli. Wie aus Soeholt gemeldet wird, machte der Kaiser gestern mit sämtlichen Herren seiner Umgebung eine Partie nach dem Djubrand, welcher fest zugefroren war. An Bord ist alles wohl. Berlin, 12. Juli. Wie skandinavische Blätter melden, hat sich der Kaiser gelegentlich seiner Abreise aus Norwegen bei dem schwedischen Hofjägermeister Grafen Thott aus Skabersjoe als Jagdgast angemeldet. Berlin, 12. Juli. Die Kaiserin ist mit den ältesten drei Prinzen heute mittag gegen 1 Uhr in München eingetroffen. Auf dem Bahnhofe halten sich zur Begrüßung u. a. cingefunden: der Prinzregent von Bayern, Prinz und Prinzessin Ludwig und der preußische Gesandte Graf Mons. Die Kaiserin setzte nach kurzem Aufenthalt die Fahrt nach Berchtesgaden fort. Berlin, 12. Juli. Dem „Berliner Tageblatt" wird von unbedingt zuverlässiger Quelle versichert, daß die Aenderung in dem Stenogramm des Reichstags-Präsidenten von keinem stenographischen Beamten herrührt, daß das gesamte stenographische Bureau, die Vorsteher, die Stenographen, die Stenographenschreiber vollkommen unbeteiligt sind an jener Aenderung. Auch von einer Schuld der Korrektoren sei keine Rede. Was die Wendung in der bekannten Erklärung des Präsidenten Grafen Ballestrem vom „Bureau des Reichstages" betrifft, so erfährt das „Berliner Tageblatt" aus Abgeordnetenkreisen, daß hierunter, parlamentarischem Brauch zufolge, nur das Bureau des Direktors, Geheimen Regierungsrat Knack, verstanden werde, ob auch in diesem Falle, das entzieht sich der Mitteilung. Berlin, 12. Juni. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." meldet, hat die Königin-Regentin von Spanien dem Staatssekretär des Auswärtigen, Grafen v. Bülow, das Großkreuz des Ordens Karl III. verliehen. Berlin, 12. Juli. Im Herrenhause ist heute unter dem Vorsitz des Kammergerichts-Präsidenten Trenkmann die verstärkte Justiz-Kommission zusammengetreten, um die sieben im Anschluß an das bürgerliche Gesetzbuch eingegangenen preußischen Gesetzentwürfe zu beraten. Der Justizminister Schönstedt nahm an den Verhandlungen teil, welche sich auf etwa 8 bis 10 Tage erstrecken dürften. Es ist nicht ausgeschlossen, daß das eine oder andere der Gesetze nochmals das Abgeordnetenhaus beschäftigt, da in der Kommission des Herrenhauses eine Anzahl von Abänderungsanträgen eingebracht worden ist. Berlin, 12. Juli. Viele, denen das Zustandekommen der lox H einz e und damit ein schärferes Vorgehen gewisse, die Sittlichkeit gefährdende Erscheinungen ehrlich am Herzen liegt, sind bekanntlich geneigt, die Befürchtungen, die an einzelne der vorgeschlagenen Paragraphen geknüpft werden, für übertrieben zu halten. Daß man aber heutzutage gegenüber dem bei Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden vielfach herrschenden Geiste gar nicht vorsichtig genug sein kann, beweist die Mitteilung eines Berliner Verlags an ein hiesiges Blatt anläßlich der Beschlagnahme einiger „sittliche Bedenken" erregenden Bücher. In dem Schreiben des Verlags heißt es: „Einer der mit der Voruntersuchung betrauten Herren sagte uns, er würde heute Goethes „Gott und die Bajadere" ebenfalls mit Beschlag belegen, wenn das Buch (?) innerhalb der letzten Jahre gedruckt wäre!" Damit sind wir so ziemlich auf dem Niveau der russischen Zensurbehörden angelangt. Berlin, 12. Juli. Wehrkraft und Sozialreform. Aus der Feder des Generals z. D. v. Blume ist jüngst eine Schrift: Die Grundlagen unserer Wehrkraft, erschienen, die in gewissem Sinne ein förmliches Programm für die Fortführung der Sozialreform im Interesse der Wehrkraft der Nation enthält. Wird doch ausgeführt, daß alle Maßnahmen des Schutzes und der Fürsorge für die gewerblichen Arbeiter, sowie die Hebung der arbeitenden Klassen überhaupt auch der Wehrfähigkeit unseres Volkes zu gute kommen. Es heißt in der Schrift u. a.: Besondere Sorgfalt ist im Interesse der Wehrhaftigkeit der Nation der richtigen Bemessung der Arbeits- und Erholungszeiten für die noch in der körperlichen Entwicklung begriffene Jugend zuzuwenden. Die Heranziehung schulpflichtiger Kinder zu gewerblicher Thätigkeit sollte aus Rücksicht auf ihr körperliches Gedeihen und aus sittlichen Gründen gänzlich untersagt sein. Die Kraft der nachfolgenden Generation hängt in hohem Maße von der Gesundheit und Tüchtigkeit der Frauen ab. Deren Heranziehung zu Arbeitsleistungen, die ihre Kräfte übersteigen, schädigt die Zukunft der Nation. Möchten diejenigen, die berufen sind, zur Ausfüllung noch bestehender Lücken unserer Arbeiterschutzgesetze beizutragen und die Ausführung dieser Gesetze zu überwachen, nicht erlahmen. Die Wehrkraft des Landes zieht daraus großen Gewinn. Des weiteren werden die kultur- und gesundheitswidrigen Wohnungsverhältnisse weiter Volkskreise als die Wehrkraft des Landes schädigend bezeichnet und auf die Wichtigkeit einer guten Ernährung hingewiesen. Daß ein hoher Ofsizier sich in diesem Sinne ausspricht, kann von den Freunden der Sozialreform nur freudig begrüßt werden. In Oesterreich wird seit Jahren festgestellt, daß die Zahl der zum Militärdienst Untauglichen in den Jndustriebezirken stetig zunimmt. — Der Gesetzentwurf über das Urheberrecht soll, wie offiziös mitgeteilt wird, morgen im „Reichsanzeiger" veröffentlicht werden. Die „N. A. Z." bemerkt hierzu: Der Gesetzentwurf ist innerhalb der Reichsverwaltung ausgearbeitet und zunächst den Bundesregierungen zugegangen, um von diesen an der Hand ihrer Erfahrungen beurteilt zu werden. Seine bevorstehende Bekanntmachung bezweckt, auch die öffentliche Kritik für die wichtige gesetzgeberische Aufgabe zu verwerten. Auf Grund der so gewonnenen Begutachtung soll der Entwurf im Spätherbst dem Bundesrat vorgelegt werden. Vor der Aufstellung des Entwurfs haben im Reichs-Justizamt eingehende Beratungen mit Sachverständigen stattgefunden. Zunächst sind im vorigen Herbst mit einer größeren Kommission die für die Revision des Urheberrechts wichtigsten Fragen im Allgemeinen besprochen worden. Nachdem die Ergebniffe dieser Verhandlungen erwogen worden waren, sind im Frühjahr mit drei gesonderten Gruppen von Sachverständigen noch die Punkte erörtert worden, die für die dichterischen Erzeugnisse, für die musikalischen Werke und für die Tagespreffe von Bedeutung erscheinen. Wenn sonach bisher hauptsächlich Vertreter der Berufsstände, für die eine Verstärkung des Urheberschutzes von Wert ist, zu Worte gekommen sind, so wird die nunmehrige Veröffentlichung nicht nur den beteiligten Berufskreisen zu einer wiederholten Würdigung der amtlichen Vorschläge Anlaß geben, sondern auch den übrigen Volkskrersen Gelegenheit bieten, die in Ansicht genommenen Abänderungen unseres Urheberrechts vom Standpunkte der allgemeinen Interessen zu prüfen, die in dieser Gesetzgebung Anspruch auf Beachtung haben. Potsdam, 12. Juli. Heute nachmittag hat die Beisetzung des verstorbenen Oberpräsidenten von Achenbach stattgefunden. Im Auftrage des Kaisers legte der General-Leutnant von Pleffen einen prachtvollen Kranz nieder. Auch die Kaiserin, die Kaiserin Friedrich, sowie andere Fürstlichkeiten ließen Kränze niederlegen. Fmnksurt M., 12. Juli. Der „Franks. Ztg." wird aus Darmstadt gemeldet: Das Ministerium hat die Einleitung des Disziplinarverfahrens gegen den Geheimen Oberschulrat Dr. Schiller in Gießen beschlossen. Frankfurt a. M., 12. Juli. Die „Franks. Ztg." meldet aus New-York: Der deutsche Botschafter v.H oll eben machte heute im'Auswärtigen Amte seinen Abschiedsbesuch. Er verläßt Washington am Donnerstag, nach einer Konferenz mit seinem Stellvertreter Mumm v. Schwarzenstein in Newyork reist Herr v. Holleben von hier nach Europa. — Die „Sun", ein Organ der Administration, meldet den Rücktritt des Kriegsministers Alger infolge von Zerwürfnissen mit dem Präsidenten. — Zu den bayerischen Wahlen schreibt die „Tägl. Rundsch.": Soweit sich das Ergebnis der Urwahlen für die Kammer der Abgeordneten nach den bis gestern Abend vorliegenden Meldungen überblicken läßt, hat das Zentrum die drei Mandate in Straubing verloren. Es hat dagegen Mandate gewonnen in Deggendorf, Passau, Regensburg und Weiden; ferner gemeinsam mit den Sozialdemokraten in München I, in Steyr und voraussichtlich in Zweibrücken. Das Zentrum dürfte bei den Hauptwahlen gegen 10 Mandate erlangen. Damit bestätigt sich, was wir bereits melden konnten, daß das Zentrum die absolute Mehrheit in der Kammer der Abgeordneten erhält. Die Sozialdemokraten haben ihre bisherigen Sitze behauptet und gewinnen dazu durch Kompromiß mit dem Zentrum im ganzen vielleicht sieben neue Mandate. Der Wahlkreis Fürth ist nicht von den vereinigten Sozialdemokraten und Demokraten erobert, sondern dürfte den Liberalen verbleiben. — Heber den Kompromiß zwischen Zentrum und Sozialdemokraten läßt sich die „K. Z." melden: Die bayerischen Zentrumsblätter scheinen sich des Bündnisses mit den Sozialisten zu schämen, das sie mit einer Ausnahme unerwähnt lassen. Bloß das „Münchener Tageblatt" empfiehlt ein ähnliches Bündnis auch für die Gemeindewahlen. Die übrigen Zentrumszeitungen erwähnen bloß, daß die Parole ausgegeben worden sei, unter keinen Umständen für einen Liberalen zu stimmen. Auch die Sozialisten, die bis vor kurzem die unglaublichsten Angriffe gegen das Zentrum gerichtet haben, scheinen sich dieses hinterlistigen Bündnisses zu schämen. Das Zentrum hat augenscheinlich die Anschauungen seiner aristokratischen Mitglieder außer acht gelassen. Ausland. Wien, 12. Juli. Der ungarische Ministerpräsident Koloman v. Szell hat mit dem österreichischen Ministerpräsidenten Grafen Thun und dem östereichischen Handelsminister Baron Dipauli den Zeitpunkt für das Inkrafttreten der Ausgleichsgesetze vereinbart. Mit Rücksicht auf den Beginn der Produktions-Kampagne soll zuerst das Zuckersteuergesetz bekanntgegeben werden und dann nach und nach die Veröffentlichung der übrigen Gesetze; das Bankstatut soll erst nach der für den Monat September anberaumten Generalversammlung der österreichisch-ungarischen Bank veröffentlicht werden. Großes Aufsehen erregt in Pest die Rede des österreichischen Handelsministers Dipauli im österreichischen Jndustrierate, in der er erklärte, die österreichische Regierung habe die Bestimmungen über das Erlöschen der Handelsverträge im Jahre 1903 samt allem, was darauf Bezug habe, in bindender Weise überhaupt nicht angenommen. Wien, 12. Juli. Der Arbeiterführer Bretschneider, der anläßlich der jüngsten sozialdemokratischen Kundgebungen verhaftet wurde, ist vom Gerichtshöfe zu sechs Wochen strengen Arrests verurteilt. Prag, 12. Juli. Die Meldung klerikaler Blätter von der Berufung des Prinzen Max von Sachsen auf den hiesigen Erzbischofsstuhl ist vollständig unbegründet. Budapest, 12. Juli. Der Reichsrat ist bis zum 28. September vertagt. Ein Teil der Ausgleichsbestimmungen wird sowohl in Ungarn als auch in Oesterreich im Laufe des Juli in Kraft treten. Rom, 12. Juli. Die französische Regierung hat das Königspaar offiziell zum Besuch der Weltausstellung im Jahre 1900 eingeladen. Paris, 12. Juli. Der Generalissimus J amo nt erhielt laut einer Note des Ministerrates das volle Vertrauen der Regierung, insbesondere des Kriegsministers, dagegen wurde General I u i l l a r d, der Kommandeur des 10. Armee-Korps in Rennes aufgefordert, sich in seinen Tagesbefehlen größere Reserve aufzuerlegen. London, 12. Juli. Die Patronengurte der pro Minute vierhundert Schuß feuernden Maxim-Geschütze, welche nach Südafrika abgegangen sind, sind ebenfalls mit Dum- Dum-Geschossen geladen. London, 12. Juli. Die Mobilmachung der englischen Reserveflotte zu den größten Manövern, welche seit Jahren stattgefunden, hat gestern begonnen. Nicht weniger als 120 Schiffe nehmen daran teil. Die Flottenreserve war in Portsmouth bereits seit Montag abend vollständig. Sämtliche Offiziere und Mannschaften (7000 Mann stark) schliefen in den alten Depotkähnen, wo K »-'HL WSeihi nej' .HtÖOUtn nebetlegtn. ’* 3tg." wird yat die Ein, Geheimen Oberin. 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Mit Rück- Rpagne soll zuerst )tn und dann nach eigen Gesetze; das Monat September sstrrreichisch-ungan- es Aufsehen erregt ; Handelsministers in der er erklärte, Bestimmungen über c>ahre 1903 samt ;benbtr Weise über- Bretschlttider- scheu Kundgebungen „sechs Woche" ikaler Sachse" aus den .igunbegründel. rat ist bi§ .M >;«s: » riatnon* lt^* -ole «2*4 5ä®> n* mit DUM' ebenfalls llvßte" tegonnen- gester" 9 $It ;n dar"" ^ontag fie wie die Heringe zusammengepackt waren, so gut sie konnten. Um die Leute einigermaßen in Stimmung zu halten, hatten die Offiziere ein großes Monstre-Rauchkonzert auf dem Paradeplatze veranstaltet, dem die 7000 Mann beiwohnten. Gestern früh begann die eigentliche Mobilisierung, um 3 Uhr und um 5 Uhr morgens waren sämtliche Leute den einzelnen Schiffen zugeteilt. Die Portsmouth- Reserveflotte allein besteht aus drei Kreuzern erster Klasse, -fünf Kreuzern zweiter Klasse, zwei Torpedoboot-Zerstörern von 30 Knoten Geschwindigkeit, zehn Torpedobooten nnd drei Schlachtschiffen. Die Reserve-Flotte in Chatham besteht aus elf Kreuzern und acht Torpedobooten, welche -gestern früh in rascher Reihenfolge ihren Standhafen verließen. Die beiden deutschen Kriegsschiffe „Prinzeß Wilhelm" mnd „Moltke" trafen Montag an der Manöverstelle ein und werden Augenzeugen der Mobilisierung sein. Petersburg, 12. Juli. Für den verstorbenen Groß- fürsten-Thronfolger Georg Alexandrowitsch wurde gestern in der Isaaks-Kathedrale eine Seelenmesse zelebriert, der das diplomatische Korps, die Spitzen der Zivil- und Militärbehörden, sowie die Offizierkorps des deutschen Schulschiffes „Charlotte" und des dänischen Panzerschiffes ^.Tordenskjold" beiwohnten. — Ein grelles Licht auf russische Zustände und vor allem auf die Lage der den niederen Ständen angehörigen russischen Frau wirft eine Petersburger Zuschrift des ^.Rigaer Tageblatts". Sie macht auf eine Senatsentscheidung vom Jahre 1897 aufmerksam, die den Bauernfrauen, die von ihren Männern gröblich mißhandelt und gequält werden, das Recht gibt, von der Gemeindeverwaltung einen besonderen Aufenthaltsschein trotz aller Proteste des Mannes Zu verlangen, und verlangt, daß dieser „Eventualschutz" auch den Frauen des sogenannten Kleinbürgerstandes zu Teil werde. — Die verheiratete Kleinbürgerfrau darf von der Gemeindeverwaltung nur mit Einwilligung und auf ausdrücklichen Antrag des Mannes einen Aufenthaltsschein zum Alleinleben erhalten, und zwar auch nur auf die Zeit, die der Mann großmütig angibt. Bisweilen ist es ein Jahr, bisweilen sind es auch nur einige Monate, und jedesmal, wenn die Frist dem Ablaufen nahe ist, muß eine neue Erlaubnis des Mannes beigebracht werden. Viele arme Frauen befinden sich hierdurch in dem Zustande einer ewigen Sklaverei. Sie dienen irgendwo oder sie ernähren sich als Wäscherinnen u. bergt, aber wenn sie aufatmen wollen, daß sie nun einem Leben voll täglicher schwerer Mißhandlungen entronnen sind, so steht hinter ihnen der Mann, gewöhnlich ein arbeitsscheues Subjekt, das ihnen die letzten Kopeken auspreßt, um sie in der Schänke zu vergeuden, denn sonst wird der — besondere Aufenthaltsschein nicht verlängert, und der Mann hat das Recht, zu verlangen, daß ihm seine Frau per Etappe von der Polizei wieder zugestellt wird. Kopenhagen, 12. Juli. Der General-Gouverneur von Finnland, General Bobrikow, erklärte einem dänischen Journalisten gegenüber, die internationale Deputation sei vom Zaren deshalb abgewiesen worden, weil er nicht wünsche, in seinem eigenen Hause belehrt zu werden, wie er Rußland regieren solle. Konstantinopel, 12. Juli. 30 000 Armenier und 50000 Nestorianer traten in der Gegend von Mossues zum römisch-katholischen Glauben über. Lokales und Provinzielles. Gießen, den 13. Juli 1899. • • Empfang. Se. König!. Hoheit der Großherzog empfingen am 12. Juli u. a. die Pfarrer Gürtler von Engelrod und Brück von Groß-Eichen, den Kreisamtmann Hechler von Schotten, den Pfarrer Heyl von Reichelsheim. • • Ernennungen und Ruhestandsverfetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 12. Juli 1899 den Steuerkommissariatsassistenten Georg Hellwig aus Pfeddersheim und den Steuerassessor Wilhelm Ebert aus Darmstadt zu Ministerialsekretären bei dem Ministerium der Finanzen, sowie den Geometer erster Klasse Karl Blaß aus Siefersheim zum Wasserbaugeometer bei dem Wasserbauamt Worms zu ernennen; den Pfand- -meifter Christian Kemmer zu Gießen, auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts des Dienst- nachsolgers an, in den Ruhestand zu versetzen. • • Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 12. Juli dem Pfandmeister Christian Kemmer zu Gießen die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen zu verleihen. * * Proviuzialausfchußsitzuug. Samstag den 15. Juli I. Js., vormittags 9 Uchr, findet dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses mit folgender Tagesordnung statt: 1. Nebenbahn Friedberg—Friedrichsdorf; hier: Enteignung von Gelände in der Gemarkung Rodheim. 2. Klage des Landarmenverbandes der Rheinprovinz zu Düsseldorf gegen den Ortsarmenverband Freienseen wegen Unterstützung des geisteskranken Wilhelm Hanarius. 3. Gesuch des Hermann Löb von Berstadt um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein. 4. Gesuch der Wilhelm Poppelsdorf Ehefrau zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb. * * Einjährigen Prüfung. Diejenigen jungen Leute, welche sich der im Herbst dss. Js. stattfindenden Prüfung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst zu unterziehen beabsichtigen, werden aufgefordert, ihre desfallsigen Gesuche bis spätestens 1. August bei der Großh. Prüfungs- Kommission zu Darmstadt einzureichen. * * Die Anbringung einer Gedächtnistafel an dem Hopfner- Haufe (Ecke der Souneuftraße und der Neuen Bäue, frühere Mcker'sche Buchhandlung) ist entsprechend der in der vorgestrigen Nummer gegebenen Anregung geplant. Geldbeiträge hierzu werden von der Expedition des „Gießener Anzeigers" und auf der Universitäts-Bibliothek entgegengenommen. •* Photographische Aufnahmen. In der letzten Zeit sieht man in dem Schaufenster der Firma Heinrich Noll Serien von wunderbaren photographischen Aufnahmen. Die Bildchen, meistens Moment-Aufnahmen, so auch vom Schützenfest, sollen dem Interessenten die Güte der zum Verkauf ausgestellten Apparate zeigen, und was man mit den jetzt so sehr billig gewordenen Cameras leisten kann. Der Sport ist in anderen Städten bedeutend weiter ausgedehnt, und hat die Firma, um jedermann Geleg nheit zu geben, sich über die Preise rc. zu orientieren, ein^i umfangreichen Katalog anfertigen lassen, der kostenlos Interessenten zur Verfügung steht. *• Zwecks Ausschmückung seines Klubzimmers und Postkartenalbums bittet der Hessen-Klub von 1896 zu Hamburg, v. d. Klosterthor Nr. 6, Hansa-Hotel, die verehrten Landsleute in der Heimat um Zusendung von Ansichtskarten aus derselben. *• Huude-Ausstelluug. Der Ausschuß der Hunde-Aus- stellung hat heute, Donnerstag früh, schon das Sekretariat auf den Ausstellungsplatz verlegt. Eben wird daselbst für die Unterkunft der Hunde die letzte Hand angelegt. Die ersten Ausstellungstiere sind auch schon eingetroffen, darunter ein edler russischer Windhund, der trotz der Hitze die lange Reise von Jaroslaw (Galizien) bis hierher bestens ertragen hat. Der Fe st platz des Schützenfestes bildet für die Hunde-Ausstellung ein Gebiet, wie es so schön und geräumig kaum wieder zu finden sein dürfte. Ein leichter Luftzug verhindert dort oben auf der Höhe jede übergroße Hitze. Uebrigens ist für durstige Menschenkehlen gut gesorgt, die große Festhalle steht einzig und allein zu dem Zwecke der Restauration bereit. Zahlreiche Anmeldungen auswärtiger Festgäste sind in den Hotels der Stadt vorgemerkt. ** Von der Staatsregierung ist eine Aenderung der Fünfzigpfennigstücke in die Wege geleitet worden. Die neue Form dieser Münze soll sehr fühlbare Ränder erhalten, sodaß diese selbst unter starker Abnutzung entgegen den jetzigen nicht zu sehr leiden. Es ist derselbe Durchmesser wie bei den bisher geprägten Fünfzigpfennigstücken beibehalten worden. Das Gepräge auf den neuen Münzen bleibt dasselbe wie auf den alten Eine Aenderung des Reichsmünzengesetzes ist damit nicht bedingt. Selbstverständlich wird man bestrebt sein, die jetzt irn Verkehr befindlichen beiden Sorten von Fünfzigpfennigstücken so schnell als möglich einzuziehen. ** Hessische Lutherstiftung. Diejenigen Herren Studierenden der Theologie, welche sich um eines der am 1. Oktober dss. Js. frei werdenden Stipendien der hessischen Luther st iftung bewerben wollen, sind aufgefordert, ihre Gesuche bis zum 10. August l. I. bei dem Schriftführer des Vorstandes, Herrn Dekan Wahl in Hausen bei Gießen, einzureichen. Die hessische Lutherstiftung ist bestimmt, solche Studierende der evangelischen Theologie, welche sich verbindlich machen, der hessischen Landeskirche zu dienen, und sich durch erwiesene Tüchtigkeit würdig gezeigt haben, durch Stipendien bei ihrem Studium, vorzugsweise bei solchem auf der Landes-Universität zu Gießen, zu unterstützen. Die Stipendien betragen 350, bezw. 700 Mark, und werden in der Regel auf zwei Jahre verliehen. *• Schulbildung der Rekruten. Bei den im Ersatzjahre 1898/99 bei der Großh. Hessischen Division eingestellten 3678 Rekruten war einer ohne Schulbildung. Im Vorjahre war bei 3638 kein Analphabet. Im ganzen waren feit 20 Jahren unter 50,390 eingestellten Leuten 47 oder 0,08 Prozent ohne Schulbildung. + Vom Lande, 12. Juli. Eine sehr unliebsame Entdeckung machen gegenwärtig die Gartenbesitzer. Wie noch kürzlich berichtet wurde, versprachen die Stachel- und Johannisbeeren heuer wieder reiche Erträge. Diese Hoffnung wird sich leider nicht erfüllen. Der größte Teil der Beeren fällt ab, und bei näherer Untersuchung findet man, daß dieselben „angestochen" sind. Es ist dies augenscheinlich das Werk des Stachelbeerspanners. Es ist anzuraten, die abgefallenen Früchte zu sammeln, da sonst im nächsten Jahre wiederum das massenhafte Auftreten dieser Schädlinge zu befürchten ist. — Seit einigen Tagen haben wir nun richtiges „Heuwetter", das von den Landwirten auch fleißig benutzt wird. Wenn auch das Gras schon überreif, und infolgedessen hart geworden ist, so kann es doch gut gemacht, und trocken eingebracht werden, was bekanntlich für die Güte des Heues von großem Vorteil ist. Die überschwemmt gewesenen Wiesengründe liefern dagegen nur minderwertiges Futter, da das Gras vollständig verschlammt ist. — Die anhaltende Nässe hat das Wachstum der Kartoffeln und anderen Hackfrüchte derart befördert, daß das Hacken und Behäufeln nur schwer vorgenommen werden kann. — Hält die jetzige Witterung an, so wird voraussichtlich in vierzehn Tagen mit dem Kornschnitt begonnen werden können. nn. Von der mittleren Ridda, 11. Juli. Die Wiesen bei uns sind immer noch zum großen Teil überschwemmt. Vom Ackergelände ist das Wasser zurückgetreten, doch kann man jenes noch nicht überall betreten. Soweit es möglich ist, ernten die Leute von diesem Gelände jetzt die Kartoffeln ein, weil sie sich eben noch zu Viehfutter verwenden lassen. Sie sind bereits stark angefault und zu menschlicher Nahrung gänzlich ungeeignet. Nach der Erfahrung sind sie in wenigen Tagen vollständig verfault. Das letzte Heu wird eben eingethan; viel wert ist es indessen nicht mehr. An den Nidda-Ufern hat sich eine Menge Heu angelagert, das der Strom bei dem Hochwasser, das wir kürzlich hatten, weiter oben weggeschwemmt hat. Es ist aber so verschlammt, daß man es als Viehfutter nicht benutzen kann. L. Friedberg, 13. Juli. Nächsten Sonntag. 16. Juli, feiert hier der Hessische Hauptverein des Evangelischen Bundes fein Jahresfest. Der Festgottesdienst (Pfarrer Reinhardt-Wörrstadt) findet um 3 Uhr nachmittags statt. Abends sprechen in öffentlicher Festversammlung u. a. Pfarrer Dr. Weitbrecht-Wimpfen und Realgymnasiallehrer Waitz-Darmftadt. Alle Evangelische von nah und fern sind bei der Feier herzlich willkommen. (Letzte Züge in der Richtung Gießen ab Friedberg: IO26, ll53, 1240 Ut)r). n. Büdingen, 11. Juli. Der hiesige Vorschuß- und Kreditverein macht eben bekannt, daß er die Einlagen vom 1. Januar 1900 an mit 4 Proz. per Jahr verzinst. Der Zinsfuß für Hypotheken und Schuldscheine beträgt von da an 4» £Si 'M flinluM' 1 1WWW echt mit 99.80 90.25 97.40 000.00 000.00 Danksagung 5292 6297 Zucker-Kfferte 5308 Arbeiter gesucht WotvMhische 5301 I Happel. Appmle 6291 Bahnhofstraße 87. C’. F. Hacken berg, Lindenplatz 12 6293 Mäusburg 12, Frankfurter Börse vom 12. Juli 1899. Stadt Wormö unk. b. 1901 1887 Mrr. StaatSbchn v. 1885 86.60 4 Eisenb. Rentenb. DH. Jtal. staatSgar. Eisenb. 69.30 4 Buderus Obl. Frankftr. Hyp. Bk unk. b. 1906 96.80 Frkf.Hyp.Lred.B.unk.b.1906 96 60 dro. UNk. b-1907 101.40 4 Deutsche »rdsch.B. unk. b. 1904 101.50 4 Brief dto. 4.17 Americ. Darmfl. Bk.-Lctien Rebaftien: U. vurkharbt. 238.00 — *tx4 mrd «nla, der Brühl'schm UatversitStS-Buch. und Steinbruckerei (Pietsch' Erden) in Gtetz«. »V. 51/, 4 4 4 4 27 28 8 3 4 4 101.50 100.50 101.50 98.96 100.20 00.00 99.90 100.10 26 70 100.15 61 20 bin ich durch früh- auch heute noch zu •eit 81.10 169 40 4.15 Brief 16.26 00.00 4.21 Procenl 4*/6 Oesterr. Silberrente 4 Ung. Gold-Rente 8 Portugiesen 6 Mexicaner 4 Monopol-Griechen von Pfg- H // rSbendeourser 000.00 | Oesterr Eredit-Actien Procenr 81/* Deutsche ReichSanl. Für die vielen Beweise wohlthuender Teilnahme bei dem Heim- |t gange unseres lieben Entschlafenen und für die so zahlreiche Beteiligung beim Begräbnis desselben sagen wir hierdurch unseren innigsten Dank. tu alle« Preislagen. Man verlange gratis Katalog. H. Noll, Musbnrg 7. 5202] Himbeeren, Johannisbeeren, Stachelbeeren. Seltersweg 81, 11. in Größe von 2000000 SteiN'Pro°> duktion und entsprechendem Absatzgebiet in der Gegend von Cassel, Gießen und Frankfurt a. 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Mt«. ab das von ihm seither unter der Firma seines Namens betriebene Geschäft unter der anderweiten Bezeichnung „August Noll, Drogerie zum roten Kreuz", weiterführen und hat als weiteren Gegenstand seines Geschäfts - betrtebs angemeldet: Handel mit Drogen, Material- und Färb waren. 4. Nachdem Georg Adami infolge Ablebens aus der unter der Firma Gebr. Adami zu Gießen bestehenden offenen Handelsgesellschaft ausgeschieben ist, ist das Geschäft auf den Teilhaber Friedrich Adami daselbst als alleinigen Inhaber mit Aktiven unb Passiven unter Beibehaltung ber alten Firmenbezeichnung übergegangen. UB Sämtliche Kaffees sind stets frisch gevrannt und garantiert reinschmeckend. Kölner Konsum-Anstalt Bahnhofftratze 27. 0. F. Hackenberg. Liudeuplatz 12. MKkavckn-Wahf Wirtschaft zu mieten gesucht. Off, unt. W. 5155 an die Exped. d. Bl. Lehrmädchen zu baldigem Eintritt sucken 5305 C. Röhr & Co. 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