Nr. 12 Erstes Blatt. Samstag den 14. Januar 1S99 Weßmer Anzeiger Heneral-Anzeiger ^»ejußspreis vierteljährlich 2 Mar! 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Kamikteubtätter werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Aints- und Anzeigeblntt für den Ttvais Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schutstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klättrr für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietzen. Fernsprecher Nr. 51. Beunruhigung und Beschwichtigung. Die dem Deutschell zur Gewohnheit gewordene Sucht, an den Regierungsmaßregeln zu nörgeln, drückt sich natürlich in besonders hohem Grade in der Presse aus, und in pessimistischster Weise werden die Handlungen der Regierung beurteilt. Als im vorigen Jahre durch das Flottengesetz die Ausgaben für unsere Marine auf geraume Zeit festgelegt wurden, da herrschte auf der einen Seite Freude über die Opferwilligkeit des Reichstags uud über sein Verständnis gegenüber den nationalen Aufgaben. Andererseits aber wurde sofort der Gedanke ventiliert: Wenn die Negierung sich nur wirklich für gebunden hält, und nicht etwa schon im nächsten Jahre mit weitergehenden Plänen hervortritt! Und als nun gar der Staatssekretär des Reichsmarineamts, Kontreadmiral Tirpitz eine längere Urlaubsreise aus Gesundheitsrücksichten antrat, da war es in den Augen jener Nörgler ganz sicher, daß zwischen dem Marinekabinet und dem Reichsmarineamt Differenzen obwalteten, daß in ersterem an den uferlosen Flottenplänen festgehalten würde. Wir haben ja zu beobachten Gelegenheit gehabt, wie dieser Gedanke in der Presse lebhafteste Erörterung fand, wie man es als ganz sicher hinstellte, daß Mehrforderungen für die Marine im Reichsetat erscheinen würden, und daß man selbst einer offiziösen Blättermeldung, an jener Nachricht sei kein wahres Wort, nicht unbedingt Glauben schenkte. Es war ausgefallen, daß bei der Etatsberatung im Plenum des Reichstags die Negierung keine Veranlassung nahm, den immerhin eine gewisse Beunruhigung verursachenden Meldungen von weitgehenden Flottenplänen entgegenzutreten. Das hat am Mittwoch der Staatssekretär Tirpitz in der Budgetkommission nachgeholt und in unzweideutiger Weise erklärt, daß unter allen Umständen die für das Flottengesetz vorgesehenen Limitierungen innegehalten werden sollen. Wir wollen gar nicht behaupten, daß es auch nach dieser Erklärung nicht doch noch Leute giebt, welche der Regierung Hintergedanken zutrauen, aber für die große Oeffentlichkeit wirkt die Regierungskundgebung doch beschwichtigend. Wir sind im allgemeinen nicht dafür, daß bei allen minderwertigen, den Thalsachen nicht entsprechenden Meldungen die Regierungsmaschine in Bewegung gesetzt wird. Wenn es sich aber um Nachrichten handelt, welche geeignet sind, Beunruhigung zu erregen, und die öffentliche Meinung aufzuhetzen, dann sollte man keinen Augenblick zögern, mit Nachdruck einzuschreiten, um die Oeffentlichkeit zu beschwichtigen. Das Organ hierfür ist der „Reichsanzeiger". Erscheinen solche Dementis in anderen, vielleicht vielfach zu offiziösen Kundgebungen benutzten Blättern, so ist daraus doch nicht unzweideutig zu ersehen, ob es sich thatsächlich um eine Regierungserklärung handelt oder nicht. Vielmehr gehört auf jede thatsächliche Beunruhigung durch die Presse eine über jeden Zweifel erhabene Regierungserklärung. (xx) Deutscher Reichstag. 9. Sitzung am 12. Januar. 1 Uhr. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Lieber (Centr.), der Abg. Eßlinger habe ihm und dem Centrum gestern Mitgefühl für die Landwirtschaft abgesprochen. Dieser Vorwurf sei vollständig ungerechtfertigt. Tagesordnung: Erste Lesung der Militärvorlage. Kriegsminister von Goßler betont die Notwendigkeit der Heeresverstärkung, denn nur dann könne man der Zukunft mit voller Zuversicht entgegensehen. Die Friedenskundgebung des russischen Kaisers sichere Deutschland von Angriffen von jener Seite. Aber das könne nicht von einer Fortbildung unseres Heeres entbinden, denn man habe nicht gesehen, daß irgendwo in einem Staate die Rüstungen eingestellt würden. Redner begründet nun speziell die Schaffung der geplanten neuen Armeekorps, die Verbände dürften nicht zu groß sein, widrigenfalls die Generalkommandos außer stände seien, sie zu übersehen. Bei der Infanterie handele es sich nur um Etatsvcrstärkungen im Zusammenhänge mit der verkürzten Dienstzeit. Bei der Kavallerie sei die Schaffung mehrerer neuer Regimenter nötig. Was die Artillerie anlange, so habe diese den Sieg durch ihr rasantes Feuer vorzubereiten. Betreffs der verkürzten Dienstzeit sei zu bemerken, daß die bisher gemachten Erfahrungen noch zu kurz seien. (Der Reichskanzler betritt den Saal). Die Güte einer Truppe hänge wesentlich ab ron dem Kern alter Mannschaften. Es sei bereits vorge- Ichlagen worden, daß denjenigen Mannschaften, welche freiwillig ein drittes Jahr dienten, Urlaubs- und andere Vergünstigungen gewährt werden. Mit der abgekürzten Dienstzeit hätten die Strafen nicht ab-, sondern zugenommen. Der Minister spricht schließlich die Hoffnung aus, daß die Kommission das beschließen werde, was zum Heile des Reiches und der Armee gereiche. Abg. Richter (freis. Vp.) bezeichnet die Bemerkung des Ministers über die Zunahme der Strafen als sehr auffallend, da .ausweislich der Kriminalstatistik die Vergehen und Verbrechen sonst abgenommen hätten. Bei dem Bündel von Fragen, die die Vorlage enthalte, müsse man durchaus auseinanderhalten die Organisationsfrage uud die Frage der Vermehrung. Technischen Aendernngen könne man zustimmen; aber bisher habe beispielsweise niemand vorausgesetzt, daß bei Einführung neuer, besserer Geschütze auch die Zahl derBatterien vermehrt werden müßte. Die Vermehrung der Kavallerieregimenter sei umso auffallender, als ihre frühere Hauptaufgabe der Massenwirkungen gar nicht mehr so in Betracht komme, wie früher. Aber die hohen Herren könnten sich von den glänzenden Reiterregimentern nicht trennen. Auch die Jägerbataillone könnten verringert werden, desgleichen die Garde-Bataillone; letztere seien ja nur der adeligen Offiziere wegen da. Redner kritisiert die Abkommandierungen zu nicht eigentlich militärischen Zwecken, selbst zur Küche und die Thätigkeit der Offiziersburschen. Den an die Kriegsschule kommandierten Offizieren müßten die Burschen sogar die Schulmappe nachtragen. (Heiterkeit). Die Burschen führten dabei ein Leben, daß man beinahe sagen könne: Frei ist der Bursch! (Stürmische Heiterkeit). Durch die angekündigte gesetzgeberische Absicht, eine bestimmte Quote noch ein drittes Jahr zurückzubehalten, bringe man Unsicherheit in die bürgerlichen Verhältnisse aller Dienstpflichtigen, gleichviel wie hoch oder niedrig man die Quote greife. Hier wolle man wieder 28 Millionen dauernde und 133 Millionen einmalige Ausgaben beschließen. Herr v. Miquel kenne nur eine Finanznot fürs Civil. (Heiterkeit). Zum Schlüsse wolle er, Redner, dieselben Worte gebrauchen, die Herr v. Miquel bei der letzten Etatsrede gebrauchte: Nur ein starker Staat kann seine Kulturaufgaben erfüllen, und stark ist nur ein Staat, der gesunde und gute Finanzen hat. (Beifall links). Abg. Frhr. v. Stumm (Rp.) bemerkt, die Vorlage bewege sich durchaus auf dem Boden der 1893er Beschlüsse. Der Abrüstungsvorschlag des Zaren sei dankenswert, aber jedenfalls sei selbst im Falle der Annahme eines solchen Vorschlages derjenige Staat am besten dran, der im Augenblicke der Abrüstung in seinen Rüstungen am weitesten vorgeschritten sei. (Große allgemeine Heiterkeit). Aus den Reichsfinanzen, der Reichsschuld, ergäben sich keinerlei Bedenken gegen die Vorlage. Abg. v. Levetzow (kons.) tritt namens seiner Fraktion lebhaft für die Vorlage ein. Dieselbe werde in der Kommission allerdings im einzelnen sorgsam zu prüfen sein, denn sie enthalte offenbar Widersprüche in Bezug auf Organisationen. Auch schienen ihm in der Vorlage Zukunftspläne enthalten zu sein. (Rufe links: Hört! Hört!) Es sehe aus, als ob dem A noch ein B folgen solle. Eine gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit sei jetzt noch nicht ratsam, die Zeit, um Erfahrungen zu sammeln, sei zu kurz. Redner schließt: Wenn wir diese Vorlage annehmen, dann wird die ganze Welt sagen: Wir rüsten nur, um den Frieden zu wahren. (Beifall). Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. Tages-Ordnung: Fortsetzung der ersten Lesung der Militärvorlage. Schluß 5 Uhr. ___________ Deutsches Reich- Berlin, 12. Januar. Der Kaiser hörte heute Vormittag im hiesigen Schlosse die Vorträge des Kriegsministers v. G ö ß l e r und des Chefs des Militär-Kabinetts v. H a h n ke. Um 12i/3 Uhr empfing der Kaiser den Fürsten Herbert Bismarck, welcher die Orden seines verstorbenen Vaters zurückreichte. Berlin, 12. Januar. Der „Reichsanzetger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen vortragenden Rates im Reichs-Justizamt Freiherrn v. Seckendorfs zum Unterstaalssekretär im Staatsministerium. Berlin, 12. Januar. Die „Post" schreibt: Neuen Meldungen zufolge handelt es sich bei dem gestern erwähnten Vorgänge auf dem Tongaberge um eine Inspektionsreise des ersten Vize-Konsuls in Apia, v. Grünow, und nicht um eine solche des General-Konsuls in Apia, des Legationsrates Rose. Berlin, 12. Januar. Den „Bert. Neuest. Nachr." wird aus Prätoria telegraphiert, daß der Redakteur der „Johannisburger Randpost" wegen Beleidigung des gegenwärtigen diplomatischen Vertreters Englands in Transvaal verhaftet wurde. Die „Nandpost" hatte das von dem britischen Gesandten in letzter Zeit beobachtete Verhalten als mit den diplomatischen Bräuchen im Widerspruch stehend einer scharfen Kritik unterzogen. Gegen eine Bürgschaft von 100 Pfund wurde der Redakteur wieder auf freien Fuß gesetzt. Berlin, 11. Januar. Koloniales. Die Einrichtung einer unmittelbaren regelmäßigen Dampfschiffahrt von Deutschland nach Südwestafrika, die nach und nach zu einer monatlichen sich entwickelt hat, ist von dem erwarteten Erfolg gewesen. Die Handelsbeziehungen des Schutzgebietes zum Mutterland sind in fortwährender Steigerung, während diejenigen mit Kapstadt immer abnehmen. Auch in Groß- namaland, welches wegen seiner Lage schon stets sehr rege Beziehungen zur Kapkolonie unterhielt, ist ein Umschwung zu Gunsten des deutschen Marktes eingetreten, was namentlich die Wechselbeziehungen der Bezirkskasse in Keetmanshoop zur Legationskasse in Berlin beweisen. Auf Berlin wurden dort nämlich fast 300000 Mk., auf Kapstadt nur 23572 Mk. gezogen. Dort werden fast alle Geldvermittlungsgeschäfte von den amtlichen Kassen besorgt. Durch den neu eingeführten Anweisungsverkehr wird nun künftighin die Post einen Teil des Geldverkehrs übernehmen. Im Schutzgebiet ist gegenwärtig fast nur noch deutsches Geld in Umlauf, englische Münzen sind zur Seltenheit geworden. Bei der Landeshauptkasse haben die Buchungen voriges Jahr 15 Millionen Mark betragen. M.P.C. Ueber d i e Stellung des Cent rums zur Militär Vorlage erfahren wir von gutunterrichteter Seite folgendes: Das Centrum wird allerdings zunächst eine abwartende Haltung annehmen. Doch steht schon jetzt außer Frage, daß es die in der Vorlage enthaltenen Artillerie- Forderungen, sowie die damit zusammenhängenden zu bewilligen entschlossen ist, wegen der anderen dürften allerdings Vorbehalte gemacht und weitere Nachweise des Bedürfnisses gefordert werden. Von einer Geneigtheit des Centrums, die zweijährige Dienstzeit gesetzlich festzulegen, ist in dem Umfange nicht die Rede, wie mehrfach behauptet worden ist, prinzipiell hält die Partei an der zweijährigen Dienstzeit fest. Die Frage ihrer Nützlichkeit erscheint aber noch nicht geklärt genug, um eine gesetzliche Festlegung angezeigt erscheinen zu lassen. Auch herrscht mehrfach die Besorgnis, die verbündeten Regierungen würden, wenn eine gesetzliche Festlegung beschlossen werden sollte, mit ganz neuen Forderungen hervortreten. M.P.C. Wie aus London gemeldet wird, bestreitet man in dortigen politischen Kreisen, daß der Höflichkeitsbesuch, den der deutsche Kaiser dem französischen Botschafter am Berliner Hofe, Marquis de Noailles abstattete, irgend eine Veränderung in der Gruppierung der Mächte zu inaugurieren angethan sei. Man glaubt in Downingstret, daß im Laufe des Jahres eine Begegnung des deutschen Kaisers und der Königin von England stattfinden werde. Flensburg, 12. Januar. Sämtliche dänisch gesinnten Eltern des Amtsgerichtsbezirks Toftlund sind bis auf eine Witwe der Aufforderung des Amtsgerichts nachgekommen und haben erklärt, daß sie ihre Kinder von den dänischen Hochschulen zurückziehen wollen. Ausland. Nom, 12. Januar. In dem jetzigen Kabinett, so schreibt man der „Tägl. Rundschau", sitzen vier Generale und Admirale, unter ihnen der Ministerpräsident Pelloux. Die schwierige Frage der Lage in Erythräa könnte man also in guten Händen glauben. Denn sie werden doch eher als Laien in der Lage sein, die eigentliche und wahre Bedeutung der fortwährenden Bewegungen Meneliks und Makonnens zu erfassen. Amtlich und halbamtlich läßt die Regierung nun das Oel der Beruhigung in die Wogen der öffentlichen Aufregung fließen; sie erklärt, daß in Afrika nichts zu fürchten sei. Das wäre sehr zu wünschen; denn die jetzige Besatzung der Kolonie ist zu ernstlichem Widerstand nicht fähig. Hat doch Pelloux selbst als Kriegsminister des Rudini'schen Kabinetts freimütig erklärt, zur Zurückweisung eines Einfalls der Abyssinier in die Kolonie seien zwei Armeekorps nötig. Wann sollen die hinübergeschafft werden, wenn es drüben wirklich losgeht? Verfällt man in den alten Fehler, im letzten Augenblick freiwillige Truppen und Offiziere aus allen Armeekorps, die sich bis zu dem Augenblick der Landung in Afrika nicht kennen, zusammenzuwürfeln und in Hast und Eile hinüberzuwerfen'? Beruht die Zeitungsnachricht, daß die „Navigazione Generale Jtaliana" telegraphisch von der Regierung Befehl erhalten hätte, zwei Dampfer zur Einschiffung von Soldaten und Kriegsmaterial bereit zu halten, auf Wahrheit? Und ist also der Augenblick, eilig die Kolonie in Verteidigungszustand zu setzen, herangekommen? Auf alle diese Fragen läßt sich nichts antworten. Man tappt hier völlig im Dunkeln darüber, was eigentlich in Afrika vorgeht. Die Regierung läßt alle schwarzfärbenden Telegramme beschlagnahmen und versichert andererseits mit Standhaftigkeit, daß in der Kolonie alles eitel Friede und Freude sei. Ein Endurteil muß man sich aufsparen, bis die Sache zum Klappen kommt. Prag, 12. Januar. Mit der teilweisen Vertschechung der Gerichte in Deutschböhmen gemäß den Folgen der Sprach-Verordnungen wird es jetzt Ernst. Anläßlich des Reichenbacher Falles hat der Oberste Gerichtshof in Prag entschieden, daß die Parteien bei allen Gerichten Böhmens berechtigt seien, sich sowohl der deutschen wie auch der tschechischen Sprache zu bedienen, ferner daß der Grundsatz der Unmittelbarkeit und Mündlichkeit des Verfahrens die volle Gleichwertigkeit beider Landessprachen bei sämtlichen Gerichten erheische, sowie daß die Sprachen- Verordnungen vom 24. Februar 1898 den Gebrauch beider Landessprachen vor Gericht durchaus innerhalb jener Grenzen regelten, welche für diesen Fall schon in der kaiserlichen Entschließung vom 8. April 1848, also in einem noch heute geltenden Gesetze gezogen wurden. Paris, 12. Januar. Eine unangenehme Vermischung von Politik und Rechtspflege macht sich jetzt in Frankreich geltend. Quesnay de Beaurepaire, der als Kammerpräsident des Pariser Kassationshofes dieser Tage zurücktrat, ist eine typische Persönlichkeit im Richterstande der Republik, wo die monarchische Ueberlieferung rechtlicher Strenge nicht mehr geschätzt wird. Die Politik überwuchert die Rechtspflege Frankreichs mehr und mehr und an jeder Wendung des Weges, wo Staats- oder Parteiraison in die Justiz eingreift, taucht Quesnay de Beaurepaire auf. Er arbeitete früher für die damals vorherrschende Partei der liberalen Hochfinanz gegen die Nationalisten und Antisemiten. Jetzt ist er ins andere Lager übergegangen und attackiert seine ehemaligen Freunde Reinach und Genossen zum Vorteil seiner bisherigen Feinde. Das ist in den Augen der Dreyfusleute natürlich ein „namenloser Skandal". In Wirklichkeit thut Quesnay de Beaurepaire aber nur mit Eclat, was andere Richter im stillen besorgen. Die Strafkammer des Kassationshofes mit dem Vorsitzenden Loew und dem Berichterstatter Bard nahm vom Anfang der Dreyfus- sache an parteilich Stellung. Das Urteil des Schwurgerichts über Zola kassierte sie widerrechtlich, indem sie den Gesetzestext verstümmelte. Jetzt glaubt Quesnay de Beaurepaire eine Reihe von Punkten gefunden zu haben, in welchen seine Kollegen von der Strafkammer in der Dreyfus-Enquete den Oberst Picquart parteiisch bevorzugt und die zum Verhör gezogenen Generale benachteiligt haben. Was im einzelnen davon wahr ist, entzieht sich der Beurteilung, allgemein aber klingen Quesnays Behauptungen wahrscheinlich. Als nun der Justizminister die Klagen nicht berechtigt finden wollte, kam es zum offenen Bruch. Quesnay de Beaurepaire gab nach einem heftigen Wortwechsel, den er mit Lehret im Ministerium führte, seine Entlassung und begann sofort im „Echo de Paris", einem Organ der Generalstabspartei, einen Feldzug gegen die Regierung und den Kassationshof. So abfällig nun die Regierungsblätter dieses Vorgehen behandeln, hat Quesnay de Beaurepaire doch unmittelbar schon etwas erreicht: der Oberpräsident des Kassationshofes, Mazeau, macht bekannt, daß er beim Revisionsverfahren in Dreyfussachen, sobald dieses beginnt (bis jetzt läuft nur die Voruntersuchung), den Vorsitz selbst übernehmen werde. Der Präsident Loew wird also von seinem eigenen Vorgesetzten als nicht hinreichend unparteiisch und vertrauenswürdig betrachtet. — Inzwischen setzt Quesnay de Beaurepaire seinen Zeitungs- feldzng gegen den höchsten Gerichtshof fort und entwickelt ein förmliches Programm zu einer Umwälzung des bisherigen Rechtszustandes. Der Rest dieses Appells besteht in Klagen über den Verfall der Sitten und in patriotischen Wendungen, teilweise an die Adresse der Offiziere, denen Beaurepaire sagt: „Ihr lieben armen Offiziere, deren Uniform ein Opferschmuck ist" u. s. w. — lieber den Ausgang der auf den heutigen Donnerstag angesetzten Verhandlungen der Deputiertenkammer, denen man anfangs einen stürmischen Verlauf voraussetzen wollte, herrscht völlige Ungewißheit. Man weiß nur, daß die Regierung eine neue Ermittelung über die Behauptungen Beaurepaires anstellen will. Petersburg, 12. Januar. Ein neulich gebrachter Aufsatz der Londoner „Times" über die „Neidhammelpolitik" Frankreichs in Ostasien ist in Petersburg zum Anlaß genommen worden, in die erregten Debatten der Londoner und Pariser Blätter mit einigen Warnungen an die Adresse Großbritanniens einzugreifen. Mit bemerkenswerter Deutlichkeit ließ sich namentlich die „Nowoje Wremja" vernehmen. „Dieser streitsüchtige Ausfall der „Times", heißt es in dem genannten Blatte, „bestätigt die „komfortable" kriegerische Stimmung der Engländer. Die „Times" schleudern Frankreich direkt den Fehdehandschuh ins Gesicht, indem sie mit sofortigem energischen Widerstände in der Frage von der Erweiterung der französischen Konzession in Shanghai drohen. Aber nicht erst seit heute gilt das Wort „ne bis in idem“. Das Zeitungspulver darf nicht zu stark mißbraucht werden. Alles hat Maß und Grenzen, auch die „legitimen" Interessen Englands, welche nicht allein durch die Meldung der Engländer darüber, sondern auch durch das Urteil der Völker über ihre „gesetz- lichen' Interessen umgrenzt werden. In den Londoner Reglerungskreisen weiß man gut, daß Frankreich nicht vereinsamt ist, und man kann dort schwerlich überzeugt davon sein, daß Deutschland, die Vereinigten Staaten und Japan die Rolle spielen werden, welche die „Times" ihnen „großmütig zuerteilen." So die „Nowoje Wremja". Nach dem neuen Angriff der „Times" auf die „schäbige" Politik der französischen Negierung, „die unter großsprecherischen Phrasen gewohnheitsmäßig mit der Gier und List eines Bauern handle", zu urteilen, haben jedoch die Petersburger Auslassungen ihre Wirkung auf das Cityblatt verfehlt. M.P.C. Rußland. Die Durchführung der Gehaltserhöhungen im russischen Heere ist im allgemeinen gesichert. Die Erhöhung erstreckt sich hauptsächlich auf die Fähnriche und Leutnants, da dieselbe bei diesen 38 bis 61 Proz. beträgt. Das der Hauptleute wird um 22 Proz., das der Bataillonskommandeure um 26 Proz. erhöht. Was die höheren Grade anbelangt, so ist der Vorteil kein so besonders großer: Regimentskommandeure 5 Proz., Brigadekommandeure 13 Proz., Divisionskommandeure 14 Proz., Kommandirender 11 Proz. Die Gesamtmehrausgabe beträgt ca. 11 Millionen Rubel. lieber afghanische Verhältnisse wird der „Köln. Ztg." unterm 11. Januar aus London geschrieben: Hier wie in Indien gibt man sich seit einigen Wochen ernsten Besorgnissen wegen der weiteren Entwicklung der Dinge in Afghanistan hin. Der afghanische Herrscher scheint sich in sehr bedauerlichem Gesundheitszustand zu befinden, so daß sein Tod binnen kurzem zu erwarten wäre. Von der kleinen europäischen Kolonie in Kabul zieht einer nach dem andern ab. Abdurrahman zahlt den Leuten ihre Gehälter nicht mehr aus. Die meisten sind seit einer Reihe von Monaten im Rückstände. Sir ©alter Pyne, der Leiter der Arsenalwerkstätten des Emirs, befindet sich schon seit geraumer Zeit in Indien; anfangs hieß es, auf Urlaub, aber neuerdings verlautet, er werde nicht mehr auf feinen Posten zurückkehren. Neuerdings ist auch Herr Clements, der Tierarzt des Emirs, und mit ihm Fräulein Daly, die als Aerztin des Harems zu Kabul Fräulein Hamilton, die Verfasserin mancher interessanter Schilderungen über Land und Leute in Afghanistan, ersetzt hatte, von dort nach Indien zurückgekehrt. Gegenwärtig befinden sich nur noch drei Europäer in der Hauptstadt der Afghanen, der Engländer Frank Martin und zwei deutsche Handwerker, deren Namen auch bei Anfragen an kundiger Stelle nicht festzustellen waren. Falls Abdurrahman wirklich in nächster Zeit abgerufen werden sollte, wären die in dem wilden Lande bei Thronerledigungen hergebrachten Wirren mit annähernder Sicherheit wieder zu erwarten. Die Erbfolge ist dort sogar im besten Falle eine ziemlich ungewisse und regelmäßig scharf bestrittene Machtfrage. Der Emir selbst hat seinen ältesten Sohn Habiballah zum Nachfolger bestimmt und, soviel in seiner Macht stand, auch dazu vorbereitet und herangezogen. Habiballahas Mutter war aber, um mit unserem Sprachgebrauch zu reden, keine Prinzessin von Geblüt, und die heutige Fürstin ist im Interesse ihres eigenen minderjährigen Sohnes Mahomed Omar eine erbitterte Gegnerin der Nachfolge Habiballahs. In den meisten Fällen würde eine solche Gegnerschaft nicht allzuschwer ins Gewicht fallen, obschon auch im Osten die gewöhnlichen weiblichen Einflüsse nicht zu unterschätzen sind. Die Gemahlin des Emirs ist aber keineswegs eine der gewöhnlichen Haremspersönlichkeiten, sondern ein Weib von kühnem Mute und ungewöhnlicher Thatkraft. Es ist denjenigen, die sich für zentralasiatische Ereignisse interessieren, noch in lebhafter Erinnerung, wie vor mehreren Jahren, als in Abwesenheit des Emirs in Kabul ein sehr ernster Aufstand entbrannte, die Fürstin diese Bewegung mit großer Schuldigkeit niederschlug. Sie warf sich in Männerkleider, stellte sich in Wehr und Waffen an die Spitze der wenig zahlreichen Truppen, fuhr wie ein Sturmwind unter die Empörer, verbreitete Furcht und Entsetzen und stellte in kürzester Zeit die Ruhe wieder her. Der zweite Sohn des Emirs, Nasrullah, der vor einigen Jahren in England war, gilt als eine Null und kommt für die Thronfolge einstweilen nicht in Betracht. Selbst fein Vater gab ihn auf und hat ihm nie verziehen, daß es ihm nicht gelang, die Ernennung eines englischen Gesandten für Kabul zu erwirken. Bisher ist nämlich Afghanistan stets im Geschäftsbereich der Regierung in Kalkutta geblieben, die sich durch einen ihrer Beamten, zumeist durch Eingeborene, in Kabul vertreten läßt. Die Thronfolgefrage wird diesmal besonders interessant durch die unmittelbare Annäherung der russischen Bahnlinie bis auf wenige Kilometer von Kuschk. Amerika. Die Besitzergreifung der Philippinen solle nur eine vorläufige fein — so verlautete mit etwas dunklen Hinzufügungen am Mittwoch im Senate zu Washington. Der Senator Foraker erklärte nämlich — und zwar, wie man annimmt, den Ansichten Mae Kinleys Ausdruck gebend —, die Vereinigten Staaten seien entschlossen, die Philippinen so lange in Besitz zu nehmen, bis die Bewohner imstande seien, die Regierung selbst zu führen. Wenn auch die Vereinigten Staaten volles Recht hätten, die Philippinen dauernd zu behalten, so erstrebe dies doch weder Mae Kinley, noch irgend ein Mitglied des Senats. Auf die Frage, weshalb mit den Philippinen nicht ebenso verfahren werden könne, wie mit Kuba, erwiderte Foraker, bei der kubanischen Frage kämen nur die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Spanien in Betracht, während bei den Philippinen andere Verwickelungen in Frage kämen, über die nur in einer geheimen Sitzung des Senats Aufschluß gegeben werden könne. Ackales und Provinzielles. Gießen, den 13. Januar 1899. **n. Vierte Vorstellung des Theatervereins. Aufgeführt wurde Ibsens „Stützen der Gesellschaft". Den Konsul Bernick spielte Herr Karl Peppler vom Hoftheater in Hannover. Wir lernten in ihm einen überau^ bühnengewandten und feiner Sache sicheren Künstler kennen* dessen durchdachtes Spiel und dessen charakteristische Erfassung seiner Aufgabe einen großen Eindruck machten. Der geschätzte Gast betonte in seiner Darstellung, was nach der Absicht des Dichters vorzugsweise in dem Konsul Bermck zu suchen ist, den brutalen, rücksichtslosen Willen nach Macht, das Jmperatorenhafte, das in der Enge einer kleinen Stadt zu der Politik der kleinen Mittel und der krummen Wege verurteilt ist. Weniger Wert legte Herr Peppler darauf, jene dem Konsul ebenfalls eigentümliche Anziehungskraft zu unterstreichen, durch die er einst als vollendeter Weltmann und Kavalier besonders die Frauen zu bezaubern verstand. Wohl etwas zu kräftig trug Herr Peppler gegen Schluß des Dramas die Farben bei des Zeichnung des von Gewissen- unb Todesangst Gequälten auf. Allerdings hat ja der Dichter dem Schauspieler die folgerichtige Durchführung feiner Aufgabe dadurch erschwert, daß er der Tragödie die Spitze abgebrochen und den versöhnlichen Schluß aufgesetzt hat. Die Mitglieder unseres Stadttheaters standen diesmal im allgemeinen dem Gast wacker zur Seite. Die Krone des Abends gehört hier Fräulein Würdig, die mit erfreulicher Frische und Entschiedenheit, in der Maske etwas zu jugendlich, das mahnende Gewissen des Konsuls in der Gestalt der Lona Hessel verkörperte Weniger gut fanden sich die übrigen Damen mit ihren Rollen ab. Frau Kruse (Frau Rummel) sprach viel zu leise, so daß fast alles von der wichtigen Vor- gefchichte verloren ging. Frau Helm (Frau Bernick), Frl. Cronegg (Frl. Bernick) Frl. Schloß (Dina Dorff) waren zu farblos. Von den Herren verdienen besondere Anerkennung Herr Dietzsch, der den Hilfsprediger Rohrland maßvoll und ohne Uebertreibung spielte, ferner Herr Merker für feine warmherzige Darstellung des edelmütigen Johann Tönnefen; nicht minder zu loben ist Herr Walter, der in der Rolle des Schiffbauers Auler für die Herzensnot des kleinen Mannes, der sich gegen die Zumutungen des Konsuls zuerst empört und sich zuletzt schmerzlich fügt, die entsprechenden Töne fand. Etwas zu viel Karrikatur war der Hilmar Tönnesen des Herrn Köhler. Die Vertreter und Vertreterinnen der anspruchsloseren Rollen (die Damen Schuhmann, Pauli, Sitardi, Lahmann, Isenburg, die Herren Li eb sch er, Werner, Wilhelmi, Casterra) fügten sich befriedigend in das Zusammenspiel ein, wie sich überhaupt diese Vorstellung zu ihrem Vorteil auszeichnete und auch verdienten Beifall fand. • • Stadttheater. Es ist der Leitung unseres Stadttheaters gelungen, den berühmten Charakterkomiker Carl William Büller für ein zweimaliges Gastspiel zu gewinnen. Dasselbe findet am Montag den 16. und Dienstag den 17. d. Mts. statt. Der Künstler spielt hier zwei seiner hervorragendsten Rollen, in denen derselbe überall die größten Triumphe feierte, nämlich den „Cäfar Wichtig" in „Der Registrator auf Reifen" und den „Wehr- hahn" in „Biberpelz" von Gerhart Hauptmann. Wir lassen einen Bericht über Büllers Gastspiel am Mainzer Stadttheaterfolgen: „Der Registrator auf Reifen." Posse mit Gesang von L'Arronge und Moser. Musik von Bial. Gastspiel des Herrn Carl William Büller. Herr Büller ist einer von denjenigen Gästen, die man mit Freuden aufnimmt, und deren Abreise man schmerzlich empfinden wird. Das ist ein ganzer Künstler! Herr Büller ist einer der immer seltener werdenden echten Komiker L la Schweighofer. Was der Gast bringt in Rede und Geste, zeugt von Geist, und, was die Hauptsache ist, von unverfälschtem, herzerfreuendem Humor. Kann es da Wunder nehmen, daß jeder einzelne der Zuschauer den vortrefflichen Künstler sofort ins Herz schloß und seine herrlichen darstellerischen Künste durch den feurigsten Applaus ausgezeichnet? Herr Büller ist mit seinem gestrigen ersten Gastspielabend hier schon durchaus beliebt geworden. Der Registrator Cäsar Wichtig ist eine mit treffendster, feinster und dabei dezentester Komik in Darstellung und Rede gleich vorzüglich gegebene Figur des Herrn Büller, dessen hohe Kunst uns selbst über den faustdicken Schartekenstaub, der auf dem L'Arronge- Mofer'fchen Buche ruht, hinwegschauen ließ. Herr Büller sei uns also willkommen. Unseren Lesern raten wir, wenn sie einmal von ganzem Herzen lachen wollen, dem Künstler int Theater einen Besuch zu machen. * * Vortrag. Der gestern Abend im Cafs Leib statt- gefunbene Vortrag des Herrn Franz Fürsten berg erfreute sich eines überaus zahlreichen Besuches. Redner verstand es in allgemein verständlicher Weise, das Interesse für feine Ausführungen wachzuhalten, und erläuterte an der Hand gut gelungener Aufnahmen die Entstehung und Weiterentwickelung der lebenden Photographien. Anhaltender Beifall lohnte den Redner am Schluffe dieses äußerst interessanten Vortrages, und dürfte für die veranstaltenden Vereine wohl Veranlassung sein, derartige Vorträge fortzusetzen. * * Milde Stiftung. Am 5. Januar d. I. war ein Vierteljahrhundert verflossen, seit die in unserer Stadt errichtete Stiftung der verewigten Gräfin von Görlitz für Augen-, Krebs- und Knochenfraß-Leidende ins Leben getreten ist. Zur Erinnerung an diesen Gedenktag fand in ben Räumen ber Balser'ischen Stiftung eine kleine, erhebende Feier statt. In schlichten, herzerfreuenden Worten gedachte zunächst der Geistliche des Sprengels, in welchem die Krankenanstalt sich befindet, Herr Pfarrer Euler, der hochherzigen Stifterin der Frau Gräfin Görlitz, des unvergeßlichen Meisters der medizinischen Wissenschaft, des Geh.-Rats Professor Dr. Balser, dessen Name die Anstalt trägt, um das Andenken an den Berater und Helfer so vieler Leidenden auf lange Zeiten hin fortzuerhalten. Die Worte des Geistlichen klangen, nachdem er noch rühmend ber Thätigkeit bes verewigten Herrn Professors Dr. med. Winther, welchem ben Beginn ber ihm zugedachten ärztlichen Thätigkeit zu erleben leiber nicht vergönnt war, erwähnte, in einem Gebete aus, wie bies bie Stifterin ausdrücklich- h 1 ®aI !u ««< "'irrt st«11 Üfi« r-b-° oeibcn^ cnnb in n ®c. , sl-ine, ing e,n.nbeIl 2ßorten »tenä'8'' jul«1' ”■41 L Ä n N°"VK-is--!' 1 .,r NllO 5 fitf rr'K xS°S &s**i DL * tna4ten. $e ®"* wch btt £*«•« 7"««chR°tz, 11"“«en 6tailt nutnmt« Hfc batgal luflet« »etjianb. ; 9«gen Sanuj •s von Getviffen- IQt ja der Dichter seiner Auf- \e ^Spitze ab- Kesetzt hat. Die diesmal im all- «des Abends sreulchr Frische 1 ländlich, das Vt der Sona Uch die übrigen (Frau Rummel) *r wichtigen Vor« Kau Vernich, 3 (®ina Dorff) enen besondere Prediger Rohrte, serner Herr des edelmütigen it Herr Walter, für die Herzens- die Zumutungen schmerzlich sägt, viel Karrikatur )ler. Die Lernen Rollen (die i, Lahmann, er, Wilhelmi, ! Zusammenspiel u ihrem Vorteil mb. z unseres Stadt- itteüvMer Carl s Gastspiel zu ge- 16. und Dienstag :H hier zwei seiner Me überall die •äfeil' Sßidjtig" mb bin „Wehr- auptmann. Wb M am Mainzer rs Reisen." Posse Musik von Bial. Büller. Hm : man mit Freuden nerzlich empfinden rr Büller ist einer liier L la Schweig- id Geste, zeugt von von unverfälschtem, runder nehmen, daß sflichen Mstler so- chen darstellerischen usgezeichnet? Herr Nastspielabend hicr . Registrator Cäsar ind dabei dezentester ooriigli» g-S'b« „ituiifeW* u bem fR L wit. te «■»£!$ ■ff’Ä ä ■ d°s 8 ’ erläuterte an *•83* ebS«”ftaIIC gewünscht hatte. Der folgende Redner, Dr. Adolf Winther, ein Enkel des verstorbenen Geheimrats Prof. Dr. Balser, schilderte dann den Anwesenden, zu welchen neben den zahlreichen Verwandten des verewigten Geheimrats Balser, Herr Provinzialdirektor v. Bechtold und Herr Oberbürgermeister Gnauth gehörten, die Geschichte der Stiftung, die Schwierigkeiten der Ausführung und das weite Feld ihrer segensreichen Wirksamkeit, die den Absichten der edelmütigen Stifterin nach allen Richtungen hin zur Verwirklichung verhalf. Waren es doch mehr als 5000 Leidende, welche in den 25 Jahren des Bestehens der Balser'ischen Stiftung dort Behandlung und Verpflegung fanden, während die 3ahl der sonstigen, mit Rat versehenen, Kranken eine weitaus größere Ziffer (nämlich 34,000) aufweist! Den Abschluß fand die einfache Feier in der herzlichen Ansprache, mit welcher der älteste Enkel des Geheimrats Balser, des opferwilligen pflicht- getreuen Leiters der Anstalt, des Oberstabsarztes a. D. Dr. Winther, welchem die Stiftung seit Beginn bis zur gegenwärtigen Zeit unterstand, gedachte. Seiner Humanität, seiner liebevollen Behandlung der Leidenden, seiner unermüdlichen Sorge sür die Anstalt, neben seinem an erster Stelle stehenden medizinischen Wissen und Können, verdankt die Balser'ische Stiftung vornehmlich ihre Entwicklung und gedeihliches Wirken. Möge die Balser'ische Stiftung m gleichem Geiste der Menschenliebe mit gleichem Erfolg für die Leidenden noch in ferne Zeiten hinein wirken, zur Ehrung der edlen Gründerin, der Gräfin von Görlitz in Darmstadt, zum Andenken an ihren berühmten Arzt, den Geheimrat Professor Dr. Balser in Gießen. —g. •• Der Verein zur Züchtung reiner Hunderaffen in «iehen, welcher zur Zeit über 200 Mitglieder zählt, hält am Sonntag dem 15. Januar, nachmittags 4 Uhr, im „Kaiserhos" seine ordentliche Generalversammlung ab. Mit Rücksicht auf die auswärtigen Mitglieder, welche zahlreich vertreten sein werden, wurde diese Zeit gewählt. Auf der Tagesordnung steht außer Jahres- und Kassebericht und Vorstandswahl die Festsetzung des Programms für 1899, sowie die Stiftung von Zuchtpreisen für züchterische Leistungen der Mitglieder. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles findet gemeinsames Abendessen, Vorführung von Rassehunden und Besprechnng derselben statt. •• Auszeichnung der Fahnen» und Standartentr'äger. Inhaltlich Allerhöchster Entschließung vom 31. Dezember 1898 wurde bestimmt, daß erstens die Fahnenträger der Infanterie-Regimenter und die Standartenträger in Zukunft durch die Regiments-Kommandeure zu ernennen sind; zweitens die Fahnen- und Standartenträger nach den vorgelegten Proben ein Abzeichen zum Waffenrock rc. sowie einen Ringkragen, der zu jedem Dienst mit Helm anzulegen ist, außerdem die Fahnenträger, soweit sie nicht den Jnfanterie-Offizierssäbel tragen, ein besonderes Seitengewehr erhalten und drittens die Fahnenträger, auch wenn die Fahnen nicht zum Dienst mitgeführt werden, ohne Gewehr und mit eingestecktem Seitengewehr erscheinen und nur als Wachthabende das Seitengewehr bei denselben Anlässen ziehen, bei denen dies für Offiziere als Wachthabende vorgeschrieben ist. •• Wegen Errichtung einer Handelshochschule hat die Handelskammer von Worms eine Eingabe an das Großh. Ministerium des Innern gerichtet. Die Mainzer- Handelskammer hat sich in ihrer Sitzung vom 10. d. Mts. diesem Gesuche angeschlossen. Nach Ansicht dieser Kammer könne für eine solche Schule nur Darmstadt in Betracht gezogen werden, weil es für die Besucher einer Handelshochschule von größerem Interesse und Nutzen sei, die Vorlesungen einer technischen Hochschule zu hören, als diejenigen einer Universität. ** Neuer Schnellzug. Die Friedberger Handelskammer erhielt auf eine Eingabe vom 23. Dezember an die König!. Eisenbahndirektion Frankfurt folgende Mitteilung: Die Einlegung eines neuen Schnellzugpaares auf der Strecke Frankfurt - Kassel ist in Aussicht genommen. Falls die Züge — was allerdings noch nicht feststeht — zur Einführung gelangen, werden dieselben mit 1.—3. Wagenklasse gefahren werden und in Gießen, Bad-Nauheim und Friedberg anhalten. Der Zug nach Kassel würde event. um 605 vorm. in Frankfurt abfahren (in Gießen etwa um 715 eintreffen. Red.) und 940 in Kassel ankommen und der Rückzug 9<° vorm. von Kassel abfahren (in Gießen etwa um ll60 eintreffen. Red.) und l28 nachm. in Frankfurt ankommen. •• Wetterbericht, lieber der Nordhälfte des Erdteiles besteht eine umfangreise Depression fort, und ist ein neues tiefes Minimum nordwestlich der britischen Inseln erschienen. Ueber Zentral- und Süd-Europa ist der Lustdruck gestiegen, und ragt von der iberischen Halbinsel her ein barometrisches Maximum keilförmig über Zentralfrankreich und das Alpen- gcbiet bis nach Süddeutschland herein. Hierdurch sind aber gegen das Depressionsgebiet zu die Gradienten sehr beträchtlich geworden, und haben am Kanal und über den britischen Inseln stürmische Winde eingesetzt. Auf unserem Gebiete trägt die Witterung andauernd milden, aber unbeständigen Charakter, und sind seit gestern und nachts vielfach leichte Niederschläge gefallen. — Voraussichtliche Witterung: Zunächst noch ziemlich mildes, aber unbeständiges Wetter. V Mainz, 12. Januar. In dem gestrigen 7. Symphonie-Konzert hatten wir Gelegenheit, einen vortrefflichen Geiger, der über eine erfreuliche Technik verfügt, kennen zu lernen, nämlich Herrn Bram Eldering von der Meininger Hofkapelle. Der vortreffliche Künstler erfreute durch Vorträge des D-ckur-Konzertes von Brahms und des D-woll-Konzertes von Seb. Bach, in welch letzterem er von unserem ersten Konzertmeister Herrn Hans Kolkmeyer ebenbürtig begleitet wurde. Fräulein Lula ® meiner hatte bereits im vorigen Jahre hier einen großen Erfolg errungen, der ihr auch gestern wieder treu blieb. Sie sang mit ihrer schönen Altstimme vier Lieder von Brahms, zwei kranke Stelle aufgelegt wurde. Aus der Zeit für die Zeit. Vor 25 Jahren, am 14. Januar 1874, starb in Friedrichsdorf bei Homburg der Erfinder des Telephons Philipp Reis, als Lehrer an einem dortigen Institut, wo er das erste nach ihm benannte Telephon konstruierte. Die große Billigkeit des Fernsprechers und der bequeme, keine Vorübung erfordernde Gebrauch, sowie die Annehmlichkeit, gleich in mündlichen Verkehr treten zu können, hat demselben eine ganz außerordentlich große Verbreitung verschafft. Reis wurde am 7. Januar 1834 in Gelnhausen geboren. persönlich. London, 13. Januar. Lord Salisbury verweigerte die Annahme der Demission des englischen Botschafters in Pans, Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag den 15. Januar. 2. nach Epiphanias. Gottesdienst. In der Stadtttrche. Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Dr. ©rein. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die MackuSgemelnde. Pfarrer Dr. Grein. Nachmittags 5 Uhr: Siehe Johanneskirche. Katholische Gemeinde. Samstag den 14. Januar. Nachmittags um 4 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den 15. Januar. Namen Jesu-Fest. Vormittags von ß1/» Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beichte. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Commumon; „ um 8 Uhr: die zweite heil Messe; „ um 9i/e Uhr: Hochamt mit Predigt; Nachmittags um 57» Uhr: Christenlehre; darauf sakramentattfche Bruderschaftsandacht. Paris, 13. Januar. In der Kammer interpellierten gestern die Antisemiten die Regierung über die Affaire _____Millevoye begründete die Interpellation Ein I und verlangte eine gründliche Untersuchung der Angelegenheit. Lasies erhob schwere Vorwürfe gegen den Kassationshof und wurde wegen Beleidigung der Mitglieder desselben zur Ordnung gerufen. Justizminister Lebret versprach, die von Beaurepaire veröffentlichten Verdächtigungen auf ihre Richtigkeit prüfen zu lassen. Die Kammer sprach hierin der Regierung mit 423 gegen 125 Stimmen ihr Vertrauen aus. Paris, 13. Januar. Der ehemalige Justizminister Th ev en et erklärt die Geschichte eines Diners, welches er einigen Mitgliedern des Kassationshofs und Matthieu Drey- fus gegeben haben solle, für Erfindung. Er kenne weder Matthieu Dreyfus noch die übrigen angeblichen Dinergäste In der Johanneskirche. Vormittags 91/. Uhr: Pfarrer Euler. Vormittags 11 Uhr: Kindergottesdienst für die LukaSgemeinde. Pfarrer Euler. Nachmittags 5 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannes- gemeinde im AbendgotteSdienst. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Montag den 16. Januar, abends 8 Uhr: Bibekstunde im Confirmandenfaal der Johanneskirche. Kolofferbrief, Kap. 3, Trachten nach dem Himmlischen, Kampf wider das Böse. Pfarrer Dr. Naumann. Im Confirmandenfaal, Neustadt 61t Donnerstag den 19. Januar, abends 8 Uhr: Bibelstnnde. Pfarrer Dr. Grein. Gesänge von H. Wolf, Griegs „Am schönsten Sommerabend" und „Niemand hat's gesehn" von E. Löwe. Das hiesige Orchester spielte unter Meister Steinbachs Leitung Goldmarks „Ländliche Hochzeit" und erzielte hierdurch reichen, wohlverdienten Beifall. P. A. Mainz, 12. Januar. Kochschul-Maskenball des Karnevalvereins. Der „Kochschul-Maskenball", der kommenden Samstag in der zu einer großen Küche umgewandelten „Stadthalle" in Mainz stattfinden wird, dürfte eine Anzahl höchst charakteristischer Masken bringen. Außer den Köchen und Köchinnen im Kostüme des Mittelalters werden auch einzelne Gruppen in historisch echter Bekleidung, Kochkünstler aus der Zeit der Pfahlbauer darstellend, erscheinen, ferner werden Vertreter dieser edelsten und schmackhaftesten aller Künste aus dem fernen Osten und Westen sich bewundern lassen. Es ist deshalb auch gar nicht erstaunlich, wenn schon jetzt die Nachfrage nach Karten, namentlich auch nach auswärts, eine ganz ungewöhnliche ist. Monson. London, 13. Januar. Hier herrscht heftiger Südwest st u r m. Infolgedessen wurde der gesamte Kanaldienst eingestellt. ■ ■ ■ JV ' oarantirt solide, Seidenstoffe verlange Muster mit^lngab« d. GewUnschlA Prpfplrf von Elten & Keussen , ^Handlung, CrBTe Am Sonntag, dem 22. Januar, 3 nach Epiphanias, findet im AbendgotteSdienst Beichte und heil. Abendmahl für die Markus- gemeinde statt. Anmeldungen zuvor bei dem Pfarrer der Gemeinde erbeten. Neueste Meldungen. Vermischtes. Depeschen des Bureau „Herold". * Hannover, 10. Januar. Wegen Erkrankung von etwa I Berlin, 13. Januar. Das gestrige Diner beim Reichs- 2000 Schülern mußte der Unterricht in sämtlichen Bürger- I kanzler Fürsten Hohenl0he vereinigte fast sämtliche schulen zu Linden vor Hannover auf polizeiliche Anord- I hier anwesenden Minister und Bundesrats-Mitglieder sowie nung bis auf Weiteres ausgesetzt werden. Die Krankheit, I das Präsidium des Reichstages. um die es sich handelt, ist der sogen. Augenlid-Bindehaut- I Berlin, 13. Januar. Bei dem Chef des Militärkatarrh, in einigen Fällen auch Follikularkatarrh. Die Kabinetts, General v. Hahnke, fand gestern abend ein Krankheit ist zwar meist nur leichter Natur, doch ist sie in I größeres Diner statt, an dem auch tftr Kaiser teilnahm, hohem Grade ansteckend und bedingt deshalb zu ihrer Be- Berlin, 13.Januar. Der Beleidigungs-Prozeß kämpfung besondere und durchgreifende Maßnahmen. Das I Harden-Delbrück findet nunmehr am 21. d. M. vorschnelle und plötzliche Umsichgreifen der Krankheit ist zum ^m hiesigen Schöffengericht statt. großen Teil darauf zurückzusühr-n daß seitens der An- 13. Januar. Vor dem Reichsgericht in Leipzig gehörigen die zur Bekämpfung derselben notwendigen Maß. demnächst der Landesverrats-Prozeß gegen nahmen entweder gar mcht oder nicht rechtzeitig angewandt ^warenhändler Alfred Goldhuber aus Metz morden sind. abspielen, nachdem die Voruntersuchung dieser Tage ge- * Meteorsteine m der mittelalterlichen Volksheilkunde. f Heute, wo Naturheilkunde, Kaltwasserkur und die alte ärzt- Mosten wvioen *ri,hri A liche Praxis in ihren Anschauungen, Meinungen und Wir- I Berlin, 13. Januar. Die Kais $ hingen auf so gespanntem Kriegsfuße stehen, dürfte es nicht I welche heute von London nach Pari r ff ' unangebracht sein, auf gewisse „Kurpfuschereien" des I dieser Stadt emM Tage inkognito z , h g finsteren Mittelalters zurückzukommen. An Stelle der I des stürmischen Wetters die Abreis sch • Pharmakologie, Chemie, Mineralogie, Botanik u. s. w. stand I Glauchau, 13. Januar. Die Vigogne-Spinnerei Leuner bekanntlich vor etwa einem halben Jahrtausend die Alchemie I & Schumann in Teile! shain ist geftern total nieoer- in höchster Blüte, die in Verbindung mit der Nekromantie gebrannt. Der Schaden ist enorm. 800 Arbeiter sind und Numismatik, dem modernen Spiritismus, sich schlauer- I momentan brodlos geworden. weise in ein geheimnisvolles Gewand einzuhüllen wußte. Wien, 13. Januar. Der ehemalige Ackerbauminister, Besondere Kräuter und Gesteinsarten, die unter bestimmten Graf Fal kenhayn, ist gestern Abend gestorben. Verhältnissen in einer eigens hierfür günstigen Nacht auf- I Wien, 13. Januar. Blättermeldungen zufolge begiebt gefunden wurden, bildeten, auf verschiedene Weise präpariert I sich demnächst der Kaiser nach Abazzia. Zur selben Zeit und angewandt, den Ansang und das Ende dieser geheimnis- wird auch das rumänische Königspaar dort einvollen Kunst. Je seltener und eigenartiger nun die zur treffen. Verwendung gelangenden Bestandteile des „Medikamentes" Budapest, 13. Januar. Es wird bestätigt, daß Baron waren, eine desto größere und schnellere Heilkraft wurde nicht geneigt ist, die Bedingungen der Opposition dann auch natürlich dem sogenannten „Heilmittel" zuge- an,unef)men Es dürfte daher zur Auflösung des Abschrieben. Besonders erfreuten sich die Meteorsteine einer aevrdnetenhauses kommen. Baron Banffy reist morgen nach ganz besonderen Beliebtheit, da diese ja direkt vom Himmel ^ien herunterfiele» und deshalb schvn von vvrneherein ganz UN- $ 13 Januar. Baron Banffy wird am bedingt gut und heilkräftig sein mußten. Besonders gesucht onntaq Bom Kaiser in Audienz empfangen werden, um waren die durch Zuhilfenahme von Meteorsteinen hergestellten I ^"^Ermächtigung einzuholen, auf Grund der ihm vor- ,Tränklein", welche derart znb°re,t-t wurdeni, daß entwed-r Adingungen nunmehr di- Verhandlungen mit der in ein mit kaltem Wasser gefülltes Gefäß ein Lieteorstem Dp„oritjon beginnen zu dürfen. Die Stimmung ist für das hineingelegt "u^be und acht bis vi^zehn Tage darm liegen 3uPftanMomnK11 i,cS Friedens eine günstigere, doch gilt es blieb, oder daß ein Tiegel w,t Wasser, in welchem sich > . daß ein solcher nur mit der Aufopserung Banffys gleichsalls ein Meteorstein befand, drei- bis viermal zum Aufkochei, gebracht wurde. Derartig behandeltes Wasser Erfolgen tam . nahm nun für gewöhnlich eine rotbraune Färbung und einen leichten Eisengeschmack an, ein Prozeß, der uns heutzutage, wo uns die chemischen Bestandteile der Meteorsteine völlig Beaurepaire. bekannt sind, etwas ganz Selbstverständliches ist. — C:r. anderes noch wirksameres und deshalb wahrscheinlich auch beliebteres Rezept bestand in der Verarbeitung des Meteorsteines zu Kuchen. Zu diesem Zwecke wurde die Gesteins- masse zu einem ganz außerordentlich feinen Pulver zermahlen, aus welchem dann in Verbindung mit ganz gewöhnlichem Zuckerteig, im Verhältnis von 1 : 50 kleine Plätzchen ober Kuchen, nach Art unserer Chokoladenplätzchen geformt und in den Handel gebracht wurden. Während das erstere Medikament mehr gegen Krankheiten des Blutes benutzt wurde, wandte man das letztere mehr bei Verdauungs- beschwerden an, wozu freilich ein guter, ausgepichter, mittelalterlicher Magen gehörte. Bei kleineren Leiden und Verletzungen wurde der Meteorstein schließlich noch derart verwendet, daß er pulverisiert in kleinen Stückchen auf die "E.&K. tv-"i trM 566 früher langjähriger Inhaber des Hotel Luy, Wetzlar. 578 Münch. 555 Birken: 4 rm Knüppel, 70 Wellen; Löber. 556 558 Dr. Dieffenbach Schober. 559 575 lieh 0160 Erk. 561 • •• ticn: E. Bui 'tzardt. — Druck und Strlag brr Brühl'schkn UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gieren KckMntinWjW Wietgeluche Vereine Verslhiedenes Vermietungen Intelligente Leute jeden Standes verdien, wöchent- Rtbahion, mW «dieSroßh Oagöoerpacfjtung Mittwoch den 8. Februar, nachmittags 1 Uhr, soll die der Gemeinde Harbach zustehende Feld und Waldjagd auf weitere 6 Jahre auf dem Bureau der unttrzeichneten Bürgermeisterei öffentlich verpachtet werden. Harbach, den 12. Januar 1899. Großh. Bürgermeisterei Harbach. Zagdverpachlung. Es werden verpachtet: 1) Montag den 6. Februar d. I., vormittags 11 Uhr, in dem Rathausfoal zu Grünbera die Jagd im Domanialwalddiftrikt Hölzchen, Gemarkung Stockhausen (zirka 16 Hektar) auf weitere 12 Jahre; 2) Mittwoch deu 8. Februar d. I., nachmittags 1 Uhr, auf dem Bürgermeisterei-Bureau zu Harbach die Jagd in den Doma- nialwalddistrikten Beitenwald und Ätzwald, Gemarkung Harbach, zirka 60 Hektar, auf weitere 6 Jahre. Personen, welche die Jagden zu .pachten beabsichtigen, und deren Qualifikation hierzu nicht notorisch vorliegt, haben sich hierüber binnen 14 Tagen bei dem Unterzeichneten auszuweisen. Grünberg, den 8. Januar 1899. Großh. Oberförsterei Grünberg. Zagdverpachlung. Donnerstag deu 26. l. M., vormittags 10 Uhr, soll die der Stadt Nidda in dasiger Gemarkung zustehende Feld- und Waldjagd — zirka 930 Hektar Feld und 60 Hektar Wald — im Rathaussaale dahier auf weitere 6 Jahre an den Meistbietenden verpachtet werden. Nidda, den 10. Januar 1899. Großh. Bürgermeisterei Nidda. Gelände-Verpachtung, cirka 1000 Quadratmeter, neben dem Bolksbad gelegen, mit 4,40 Meter breiter Einfahrt in der äßultengaffe, auf Wunsch auch mit Eingang vom Seltersweg aus, auf 10 Jahre und länger. Das Grundstück eignet sich gleich vorzüglich für gärtnerische Zwecke, Lagerplatz etc. 563 Curt von Münchow. Zagdverpachlung. Dienstag deu 7. Februar 1899, vormittags 11 Uhr, soll die der hiesigen Gemeinde zustehende Feld« und Waldjagd in der Wohnung des Gastwirts Hofmann dahier unter den vor der Verpachtung bekannt gemacht werdenden Bedin- gungen auf weitere 6 Jahre ver» pachtet werden. Freienseen, am 12. Januar 1899. Großh. Bürgermeisterei Freienseen. 30 bis 40 Mark. A. Eichler, Giessen, Bahnhofstrasse 43. Zchlge li Hnnern vom 28 Kenntnis, daß d ba, wo das Bet »der teterun imidttng von 9k tübanbminßtn b Zmsamt von bauplanes, uni fertigten, noch Situationsplar Großh. ZugruMrM sertigung Höhenzah mg der GroK greis Montag den 16. Januar 1899, abends 8 Uhr, in der Restauration Hoheisel, Hammstraße 16. Tages-Ordnung: Abänderung der Statuten. Der Vorstand Versteigerung verkauft. Die Zusammenkunft ist bei dem abgetriebenen Wäldchen inmitten der Braunfelser Wiesen (Abts- oder Haselnuß-Wäldchen), nicht weit von GoppeltS Bahnwärterhaus. Lich, am 12. Januar 1899. Offene Stellen General Versammlung der Gießener Wehverstcherungs-Gesellschaft stangen 1. bis 3. Klaffe, 290 Reiser« Rangen; Kiefern: 14 rm Nutzholz, 40 rm Brennknüppel, 46 rm Reiser« knüppel und etwas Laubholz — Brennholz —. 554 eröffnen werde. Es wird mein eifrigstes Bestreben sein, meine geehrten Gäste durch anerkannt gute Küche und gute Getränke in jeder Hinsicht zufrieden zu stellen. Zum Ausschank gelangen die allgemein beliebten und vorzüglichen hellen und -unkelen Exportbiere der Hamörinus - Brauerei Auhbach, G. I. Melchior in AuHöach. Hochachtungsvollst Heinrich Berndt, Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. 3. Vortrag Donnerstag den 19. Januar 1899, 8 Uhr, in der großen Aula der Universität. Kerr Professor Dr. W. Aetrner (Jena): Reisen im tropischen Brasilien (Bahia). Karten für Ntchtmitglieder Mk. 1.50, für Studenten und Schüler Mk. 0.50 in der Krebs'schen und Ricker'schen Buckhnndlu'g 568 Versteigerung von alten Bahuschweüeu. Montag den 16. d. Mts. werden 610 Stück zu Eisenbahnzwecken nickt mehr verwendbare Schwellen versteigert und zwar: 210 Stück auf Haltestelle Garbenleich vormittags */k9 Uhr, 400 Stück in dem Megelpfad zu Gießen, Bahnwärter- Haus Nr. 1 (Bahnwärter Heß) nachmittags 1 Uhr. Die Bedingungen werden daselbst bekannt gegeben. 573 Gießen, den 13. Januar 1899. Großh. Bahnmeisterei VIII. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren innigst geliebten Galten, Sohn, Schwiegersohn und Bruder Senn Heinrich Lerch, Dieustulanil, gestern Nacht 2 Uhr plötzlich durch einen sanften Tod zu erlösen, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme anzeigen. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Lerch und Familie Roseubecker. Gießen, den 11. Januar 1899. Die Beerdigung findet Sonntag den 15. Januar, vormittags 11 Uhr, vom Sterbehause. Rittergofse 23, aus statt.___ 6‘* Restaurant Hohenzollern Bahnhofstraße 34. Bahnhofstraße 34. Einem hochwohllöblichen Publikum, sowie meiner geehrten Nachbarschaft, Freunden und Bekannten die ergebene Mittrilung, daß ich obiges Restaurant übernommen u d dasselbe heute Abeud 8 Uhr mit einem Holzversteigerung in der Fürstlichen (Obtrfetflerei sich. Es sollen versteigert werden: Moutag den 23. Januar, von vormittags iM/2 Uhr an, im Distrikt Riedwald: Buchen: 23 rm Scheiter, 16 rm Knüppel, 11 rm Stöcke, 500 Wellen; Eich.n: 8 rm Scheiter, 28 irn Knüppel, 20 rm Slöcke, 700 Wellen; Nadel )olz: 5 rm Scheiter, 40 rm Knüppel, 200 rm Stöcke, 1800 Wellen. Die Zusammenkunft ist auf der og. Pfaffinschneise, Fußpfad Hatten« rod- Ettingshausen,beim aufgearbeiteten Holz, Brennholz Nr. 132 bis 157. Dienstag deu 24. Januar, von vormittags 9*/z Uhr an, in den Distrikten Schmerhütte und Fuchs rauch und Höler (hier nur etwas A sputzholz im Hinteren Höler): Buchen: 14 rm Scheiter, 13 rm Knüppel, 6 rm Stöcke, 200 Wellen; Eichen: 60 rm Scheiter, 133 rm Knüppel, 198 rrn Stöcke, 3900 Wellen- Ausverkauf. Wegen Aufgabe meines Lagers lasse ich Montag den 16. und Dienstag den 17. d. M., jedesmal vormittags 10 Uhr beginnend, sämtliche Vorräte an Stoffen, fertigen Kleidern, Herrenjacken, Hüten und Mützen, sowie eine Partie Kragen, Sylipse, Sammet band, mehrere 1000 Dutzend Knöpfe und dergl. mehr in meiner Wohnung versteigern. 557 Watzenborn, den 14. Januar 1899. B. Juug 11 Schneidermstr. W 1( stnd im Mo 17 014800 t "chimg, für 373688 Hilf.: *l*t gl "Vi in öl, ’"<)<« Mb <1 «im M iibn 'M Ihl M stydNil Htit für 501.6 Weichholz: 8 rm Knüppel, 300 Wellem I 5691 Ein älteres, gediegenes Mädchen D°s Gchm W,k,chn.h°lz di- Eichen- °d°r ^^wird »,n Seuten Schettbrocken, das Kiefern-Rundschett« I besseren Hauses gesucht. Zu erfragen bei olz werden gelegentlich der Nutzholz-1 ^ran Müller, Teufelslustgärtchen 26. 1 jRontog®- Sonntag den 15. Januar, abends 8 Uhr: Hrdenttiche Kauplversammtung. Tages-Ordnung: 1. Wahlen. 2. Berichterstattung über die Thätigkeit des Vereins im Jahre 1898. 894 Der Vorstand. sS «in,« I» "»ch bis 9,06i ’«b UnS #t»i Giessener Stadttheater. Vorläufige Anzeige! Montag den 16. und Dienstag den 17. Januar 1899t Gastspiel von Carl William Büller. Dkl Registrator aas Rkisen und Der Mttpch. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, daß heute Nacht unser lieber Vater Balthasar Pitz im Alter von 60 Jahren sanft verschieden ist. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Kinder: Anna Pitz. Ludwig Pitz. Lollar und Karlsruhe i. B., den 12. Januar 1899. Die Beerdigung findet Samstag den 14. d. Mts., nachmittags V/2 Uhr statt. 564 Bekanntmachung. Unler Bc,ugnabme auf bie Artikel 34 unb 35 beb Berggesetz r °°m Jrnuar 1876 ivi.b hierdurch rur öffentlichen Kenn'Nis gebracht, daß die Herren Louis Petri II. und L. Heyligeustädt zu Gießen mit dem B aunkohlenbergwerke Schmittgrube in d'.r Gemarkung Reis- kirchiv. Kreises Gießen, beliehen woiden sind. Etwaige Einwendungen ge j n die'e Verleihung müssen bei Bermedung des Verlustes des Vorzugs» i' chtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen den B^^erks« ergenthümer geltend gemacht werden. Während dieser Frist ist die Emficht des Situ ationsn sie s bei der Bergmeisterei Darmstadt Jedem gestattet. Im Frisieren empfiehlt fick 574 E. Weis, Löberstraße 15. Knüppel, 22 rrn Stöcke, 700 Wellen; Tiichl. Dikustmädlhen gesucht. --- 570 Bleichstratze 31, I. Darmstadt, den 4. Januar 1899. Grobherzogliche Obere Bergbehörde. Emmerling. Tecklenburg. Oberförsterei Brandoberndorf Mittwoch den 18. JanuarI Touutag den 15. d. Mts.: werben in’be“‘S’f"n Wirt'!Al>SÜUg Üttf dkll Wndhos. schäft zu Weiperfelden aus dem Bei ungünstiger Witterung abends im Espaerwä'.dchen versteigert: Fichteu: Bereinslokal. 65 Stück mit 8 fm, 3200 Derb-1 Freunde des Vereins sind wtllkommcn. Freitag den 20. Januar 1899, vormittags 11 Uhr, soll im Garnison- Lazarett Gießen die Lieferung der für das Recknungsjahr 1899 erforderlichen Verpflegungsbedürfnifse, ausschließlich der Fleiickwaren, verdungen werden. Zu gie d)?r Zeil ist auch die Abnahme der gewonnenen Küchenabfälle, Brodreste und Knochen zu vergeben. Die Bedingungen können während der Dienststunden im Geschäftszimmer des Lazaretts eingesehen werden. 568 _______Großh. Garnison-Lazarett._______ Der von mir unterm 3. Januar 1899 gegen den Franz Anton Becker von Dachsenhausen erloffene Steckbrief wird als erledigt zurückgezogen. Limburg, den 10. Januar 1899. Der Erste Staatsanwalt. 560 0159] Schön möbl. Parterrezimmer zu vermieten.______Grabenstratze 11. 0157] Möbl. 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