293 Erstes Blatt. Mittwoch den 13. Dseember > I ießener Heneral-An^eiger Annahme von ärjtigen zn dec nachmictag« für den falzenden Lag erscheinenden Nummer blS vorm. 10 Uhr. Erschein! täqslch mer AuSnadme der ManiagS. ®t# Gießener Aamili-vbtälter werden dem Änzeizer »vcheRtlich viermal brr-elegt. ast>9 ft Me^uqsprei» vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloha. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. vierteljährlich. Alle Anjeigen-Berm'^ungSsteven M In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. Aints- und Airzergeblrrtt für den T§vers Sreszen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Fainilienblätter, Zer hessische Landwirt, Klütter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Frrniprrcher Nr. 51. Vom 1. Januar 1900 ab beträgt die Post- bezuqsgebühr des Gictzener Anzeigers einschließlich Bestellgeld nur noch Mk. 2,40 statt bisher Mk. 2,90. Der Bezugspreis durch die Zweigstellen und Zeitungsträger: Mk. 2,20 vierteljährlich, MK. 0,75 monatlich, bleibt einstweilen bestehen, desgleichen der durch die Abholestellen in (Hieben: MK. 1,90 vierteljährlich, Mk. 0,65 monatlich. Abholestellen bestehen zurzeit: Neustadt 30, M Wootz. Seltersweg 59, Wühl Wwe. Wallthorstratze 45, Kausmcnn K. Kort. Weserstratze 8 (Ecke Steinstr.), Köchlin Wwe. Ludwigsplatz 4, FL. Schlabach Nachfolger. Ltliuikstratze 22 (Ecke Frankfurterstraße), Kaufmann ^euhard. Elke Liebig- und Ebelstratze, Kaufmann Pfeiffer. Rodheimerstratze (Krofdorferstraße 2), Wirt ßh. Kaubach. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: Landwirtschaftliche Vorträge. Am Sonntag dem 17. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, wird Herr Landwirtschastslehrer Reichelt aus Alsfeld in Ettingshausen im Rathaussaal einen Vortrag üöer Irühjaprsöcstelliing und Saatgut halten. Ich lade hierzu jedermann freundlichst ein und ersuche die Herren Bürgermeister von Ettingshausen und der umliegenden Orte um ortsübliche Bekanntmachung. Gießen, den 11. Dezember 1899. Der Direktor des landw. Bezirksvereins. v. Bechtold. Bekanntmachung. Die nachstehend abgedruckte Bekanntmachung bringen wir zur Kenntnis der Beteiligten, indem wir dieselben zugleich auffordern, das hiernach Erforderliche rechtzeitig zu veranlassen, und auf die aus der Nichtbefolgung der gesetzlichen Vorschriften entspringenden Folgen Hinweisen. Gießen, den 14. November 1899. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Bekanntmachung. Mit dem 1. Januar 1900 tritt der nachstehend abgedruckte § 15a der Gewerbeordnung in Kraft. Derselbe findet Anwendung sowohl auf bereits bestehende, als auch auf nach diesem Zeitpunkt errichtete Geschäfte. Wir empfehlen den Gewerbetreibenden und Kaufleuten, die vorschriftsmäßigen Aufschriften für die bestehenden Geschäfte bis zum 1. Januar anbringen zu lassen. Zuwiderhandlungen werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mk., im Unvermögensfall mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft. Gießen, den 27. Oktober 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. § 15a. Gewerbetreibende, die einen offenen Laden haben oder Gast- oder Schankwirtschaft betreiben, sind verpflichtet, ihren Familiennamen mit mindestens einem ausgeschriebenen Vornamen an der Außenseite oder am Eingang des Ladens oder der Wirtschaft in deutlich lesbarer Schrift anzubringen. Kaufleute, die eine Handelsfirma führen, haben zugleich die Firma in der bezeichneten Weise an dem Laden oder der Wirtschaft anzubringen; ist aus der Firma der Familien name des Geschäftsinhabers mit dem ausgeschriebenen Vornamen zu ersehen, so genügt die Anbringung der Firma. Auf offene Handelsgesellschaften, Kommanditgesellschaften und Kommanditgesellschaften auf Aktien finden diese Vorschriften mit der Maßgabe Anwendung, daß für die Namen der persönlich haftenden Gesellschafter gilt, was in Betreff der Namen der Gewerbetreibenden bestimmt ist. Sind mehr als zwei Beteiligte vorhanden, deren Namen hiernach in der Aufschrift anzugeben wären, so genügt es, wenn die Namen von zweien mit einem das Vorhandensein weiterer Beteiligter andeutenden Zusatz ausgenommen werden. Die Polizeibehörde kann im einzelnen Falle die Angabe der Namen aller Beteiligten anordnen. * Deutschland und die Vereinigten Staaten. Gießen, 12. Dezember 1899. Es ist die Zeit der großen politischen Reden gekommen. In den Delegationen, in denen sich die Vertreter der beiden Hälften des Habsburgerreiches vereinen, hat Graf Golu- chowski das hohe Lied vom Frieden gesungen und der staunenden Welt in vielen Worten verkündet, daß er kaum etwas Neues, sicherlich aber nichts Unerwar'etes zu melden habe. Denn es ist sonderbar genug, daß Oesterreich in den letzten Jahren weit zurückgetreten ist in den Hintergrund; während das neue Deutsche Reich kräftig seine Schwingen regt in der freien Luft des Aethers, müht sich das Land der Habsburger ab in endlosen inneren Kämpfen, und es hat keinen Teil an jenen das Blut auffrischenden Unternehmungen, die über die Grenze der Heimat hinausführen in den weiten, freien Weltenraum. Die koloniale Bewegung hat in Oesterreich keinen Boden gefunden, seine Kriegsschiffe durchfurchen nicht den Ozean, um kühnen Geistern das Geleit zu geben in die Ferne, seltsame Altersmüdigkeit ruht über dem Ganzen. Und während hier langsames Erstarren sich zeigt, herrscht ringsum Bewegung und frisches Leben. Selbst aus den auf Trug berechneten Rodomontaden Chamberlains drang das Bewußtsein heraus, daß mit dem sinkenden Jahrhundert neue Faktoren sich hervordrängen, daß neue Probleme erstehen, deren Lösung erst das kommende Jahrtausend finden wird. Der Krieg zwischen China und Japan griff weit hinaus über den Rahmen eines Rivalitätsstreites zwischen benachbarten Mächten, er hat schon jetzt einen tiefgreifenden Einfluß gewonnen auf das Schicksal der gesamten Kulturwelt. In dem Kampf der Amerikaner gegen die Spanier erfüllte ein Volk sein tragisches Schicksal, das einst gebietend der Welt Gesetze diktierte, dessen Söhne Reiche entdeckten und zerstörten, dessen Flotte auszog, einen Cromwell zu bezwingen, und ein jugendliches Volk, das vor hundert Jahren erst seine politische Freiheit errang, das noch niemals zuvor hinausgedacht hatte über die Grenzen des eigcmn Erdteils, heischte plötzlich Stellung und Rang im Kreise der alten Mächte. Jeder siegreiche Krieg hebt das Selbstbewußtsein der triumphierenden Nation; aber noch niemals vielleicht hat ein so heftiger Rausch ein Volk ergriffen, wie jetzt die Amerikaner, die plötzlich die Lehren der Monroe-Doctrin preisgeben, um sich ganz in den Traum der Imperialisten zu versenken. Die ersten Schritte der Amerikaner sind nicht sympathisch gewesen. Der Kampf um Kuba wurde unternommen unter der Fahne der Humanität und endete als Eroberungskrieg. Auf den Philippinen verhieß man den Bewohnern die Freiheit, um zuletzt nur den Zwang durch neuen Zwang zu ersetzen. Und die leichten Siege, die kein Heldentum und keine Größe als Grundlage forderten, steigerten das Selbstgefühl bis zu jenem Größenwahn, der, allerdings unter dem Einfluß des englischen Doppelspiels, die verletzendsten Herausforderungen an Deutschland richtete und vor Samoa die letzten Spuren der Besonnenheit auszulöschen drohte. Der Rausch ist noch nicht verflogen, aber er ist gedämpft, und auch das hochfliegende und rücksichtslose Jingotum gewinnt Einsicht in die Forderungen der Wirklichkeit. Der kurze Augenblick, der einen starken Konflikt mit Deutschland drohte, hat die Gemüter zur Prüfung und zur Einkehr bewogen. So hat die Rede, mit der Mac Kinley die parlamentarische Tagung der amerikanisches Volksvertrung eröffnete, den Charakter ruhiger, kühler Be- dachtsamkeit gewonnen, und nur hier und da tritt noch jener Hauch von Üeberhebung hervor, der nun einmal baß Erb- teil des Aankeetums sein wird, so lange es von den Engländern die vornehmste Ergänzung seines Volkstums erhält. Noch vor wenigen Monaten nahm man jenseits des OceanS die Haltung des Starken an, der sich, wenn er allein steht, am mächtigsten fühlt, und kecken Mathes stellte man sich der übrigen Welt gegenüber. Heute betont man mit Nachdruck und mit Genvgthuung die „wachsende Innigkeit" der Beziehungen zu Deutschland, heute preist man sich glücklich, daß eine „Verständigung von beiden Rassen, welche viele gemeinsame Züge haben", in einzelnen Fragen erzielt sei. Und vor Samoa, wo eben noch der heftigste Streit entbrannt war, herrscht Friede und Eintracht, und vergessen sind die Konflikte im Hafen von Manila. Wo liegt der Grund für diesen erstaunlichen Wechsel der Stimmung? Sicherlich hat zunächst das Erwachen des deutschen Geistes im eigenen Lande einen tiefen Einfluß geübt. Es weilen Millionen dort drüben, die vielleicht im friedlichen Dahin- gleiten des Lebens es verlernt hatten, sich noch als Deutsche zu fühlen, die aber dennoch vor der harten Notwendigkeit sich entsetzten, im Krieg gegen das alte Heimatland die Waffen zu führen. In der Stunde der Not erwachte die alte Liebe zum Boden der Väter. Das wirtschaftliche Moment trat hinzu, die amerikanische Handelsbilanz hat in den letzten drei Jahrzehnten in außerordentlichem Maße sich günstig gestaltet, die Einfuhr hat sich um 20 pCt. verringert, die Ausfuhr ist fast um 60 pCt. gestiegen. In den letzten beiden Jahren hat, absolut genommen, der Export den Import übertroffen! Unter den Absatzländern aber steht Deutschland voran. Das ist ein Faktor von gar gewichtiger Bedeutung, und der Amerikaner denkt realpolitisch genug, um nicht ein Gewisses für ein Schattenbild hinzugeben. Noch ein dritter Grund mag zu dem Stimmungswechsel beitragen. Der Kampf auf den Philippinen ist auch heute nicht beendet, in Kuba ist man gegen Aufstände nicht gesichert, immer werden neue Opfer gefordert. Man könnte sie ertragen, aber gerade die geringen Erfolge der eigenen Waffen dienen doch auch als Beweis, daß man trotz der Siege von Manila und Santiago noch nicht zur Militärmacht geworden fei und daß es noch langer Jahre intensivster Arbeit bedarf, um einen Kampf gegen ein anderes Land, als Spanien/ aufzunehmen. Hat doch die Rückendeckung, die man von England erhoffen konnte, schon jetzt versagt: Der Krieg gegen die Buren bietet so harte und so klare Lehren, daß auch das hitzigste Jingotum sich ihnen nicht zu entziehen vermochte. Der Knall der Burenflinten dringt bis über den Ozean. So war die Botschaft Mac Kinleys uns gegenüber durchaus auf einen friedlichen Ton gestimmt. Und so mögen wir es denn auch nur mit einem verständnisvollen Lächeln aufnehmen, wenn das amerikanische Staatsoberhaupt bereits von einer Aera träumt, in der der heimische Speck und das heimische Schmalz von jedem guten Deutschen mit Jubel begrüßt und ungeprüft verzehrt wird. Es wird freilich noch mancher Tag vergehen, ehe man in Deutschland an die amerikanische Ehrlichkeit glaubt. Soll ein gedeihliches Verhältnis erreicht werden, so muß man auch jenseits des Ozeans den Standpunkt des gleichen Rechtes anerkennen und sich nicht mühen, durch einseitige Chikanen den deutschen Handel in den Schatten zu drängen. Wir brauchen mit Amerika keine politische, aber auch keine wirtschaftliche „Allianz", aber wir müssen eß fordern, daß man nicht, wie es geschehen, anderen Völkern Gerechtsame und Vorteile gewahrt, die man unß vorenthält, und daß man die deutsche Einfuhr mit Lasten bepackt, die dem Geiste der Verträge widerstreben. Deutsches Reich. Berlin, 11. Dezember. Der Kaiser verblieb, wie aus dem Neuen Palais gemeldet wird, gestern nachmittag im Arbeitszimmer und erledigte Regierungsgeschäste. Zur Abendtafel waren keine Einladungen ergangen. Heute Vormittag hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Civil- kabinetts und Marinevorträge. Am nachmittag nahm das Kaiserpaar an der Leichenfeier der Gräfin Oriola teil. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des bisherigen Vortragenden Rats im Landwirtschaftsministerium Conrad zum Regierungspräsidenten in Bromberg und des Vortragenden Rats im Ministerium des Innern v. Holleufer zum Regierungspräsidenten in Düsieldorf. — Der Seniorenkonvent des Reichstages war heute mittag 1 Uhr, kurz vor Beginn der Plenarsitzung, zusammengetreten und hat sich über die Geschäftslage schlüssig gemacht. Bis zu den Weihnachtsferien soll nur noch der Etat und das Telegraphenwegegesetz erledigt werden. Letzteres soll am Dienstag in zweiter Beratung, am Mittwoch in dritter Beratung vor dem Etat auf die Tagesordnung gesetzt werden. Bon der Durchberatung der Reichsschuldenordnung soll aber abgesehen werden, weil dieselbe, da am Dienstag die Budgetkommission zusammentretcn soll, mehrere Tage erfordern würde. Die Weihnachtsferien dürften am Freitag, dem 15. d. MtS., beginnen und sollen am 9. Januar endigen, sodaß an diesem Tage die erste Plenarsitzung im neuen Jahre stattfinden wird. — Die Frage der Errichtung einer päpstlichen In ter nuntiatur in Berlin ist, wie der „Lokal-Anz." aus München meldet, noch keineswegs fallen gelassen worden, nur hat der in Rom weilende Freiherr v. Hertling nichts damit zu thun. — Minister v. Miquel veröffentlicht in der „Berl. Korr." eine Erklärung, in welcher er die in letzter Zeit durch die Preffe gegangenen Erzählungen über angeblich von ihm gemachte Aeußerungen zur Kanalvor - läge und den Beamtenmaßregelungen als absolut falsch und unwahr bezeichnet, daß er aber als Minister sich nicht berechtigt halte, die wirklichen Hergänge in die Oeffentlichkeit zu bringen. — Die „Germania" bemerkt dazu, mit diesem allgemeinen Dementi werde Herr v. Miquel schwerlich den politischen Eindruck verwischen können, den die detaillierten Mitteilungen der „Freisinnigen Zeitung" hervorgerufen haben. Alle Mitteilungen könne Herr v. Miquel unmöglich als „absolut falsch und unwahr" hinstellen wollen; es hätte ihm also, wenn er nicht gerade den „wirklichen Hergang" positiv an die Oeffentlichkeit bringen wollte, mindestens eine Eiklärung darüber obgelegen, was im einzelnen an den Mitteilungen der „Freis. Ztg." falsch und unwahr sei. Bielleicht habe Herr v. Miquel mit seiner Erklärung einer Diskussion im Reichstage vorbeugen wollen, aber dieser Schachzug dürfte sich bald als ein verfehlter erweisen. — Auch der „Reichsbote" nimmt in derselben Angelegenheit das Wort. Er sagt am Schluffe seiner Bemerkung: Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein. Daß diese Zustände zwischen Ministerpräsident und Vizepräsident nicht so bleiben können, ist zweifellos, und deshalb wird einer der beiden Herren wohl vom Schauplatze abtreten müssen. — Die „Deutsche Tageszeitung" erklärt, was sie über die Unterredung des Reichskanzlers mit Herrn v. Kröcher gerüchtweise vernommen habe, beschränke sich darauf, daß der Reichskanzler Herrn v. Kröcher gegenüber den Minister v. Miquel als den Anreger der Beamtenmaßregelungen bezeichnet haben soll. Wir konstatieren wiederholt, so schreibt das Blatt weiter, daß für die Beamtenmaßregelung als eine Maßnahme des Gesamtministeriums dieses in seiner Gesamtheit und selbstverständlich einschließlich seines Präsidenten und Vizepräsidenten die Verantwortung trägt, — Mit Bezug auf die Mitteilungen der „Freisinnigen Zeitung" erklärt Herr Schweinburg, daß er seit Jahr und Tag nicht auf der Redaktion der „Krenz- zeitung" gewesen sei. — Aus Reuß älterer Linie. Der Kuriosität halber erwähnt die „Magdeb. Ztg.", daß in einem deutschen Bundesstaat die Aufhebung des Verbindungsverbots politischer Vereine nicht in Geltung treten kann und zwar in Reuß älterer Linie. Dort sind durch Landesgesetz politische Vereine überhaupt verboten, und diese Bestimmung wird durch den Antrag Bassermann nicht aufgehoben. Also untereinander verbinden dürfen sich auch iy Reuß älterer Linie politische Vereine, aber bestehen dürfen sie nicht! Hamburg, 11. Dezember. In der heutigen Bürgermeisterwahl wurde für den verstorbenen Dr. Versmann der bisherige Leiter der Polizei, Senator Dr. Hachmann zum zweiten Bürgermeister gewählt. Ausland. Wien, 11. Dezember. Gerüchtweise hat Ministerpräsident Szell mit Clary vereinbart, den rückständigen Ausgleichsangelegenheiten auf Grund des § 14 unverzüglich im Plenum näher zu treten, falls die österreichische Regierung die Ausgleichsvorlage bis zum 28. d. M. auf parlamentarischem Wege nicht zu erledigen vermag. — Die Jungczechen machten den Versuch, die heutige Sitzung des Budgetausschuffes durch Obstruktionsreden zu verhindern. Es gelang trotzdem, das Budgetprovisorium in die Verhandlung zu ziehen. Mailaud, 11. Dezember. Bei der Eisenbahnkatastrophe im Tunnel von Albengo ist nach der bisherigen Feststellung weder em Reichsdeutscher noch ein Oesterreicher verunglückt. Unter den Schwerverwundeten befindet sich ein italienischer Marineleutnant, zwei Engländer, ein Amen- kaner und ein Deutsch-Amerikaner mit Namen William Berger. Von den übrigen Passagieren ist niemand unverletzt davongekommen. Paris, 11. Dezember. In der heutigen Kammersitzung erklärte der Kolonialminister, die Regierung sei darin einig, keine weiteren Kolonieen zu erwerben und sich ausschließlich mit der wirtschaftlichen Ausbeutung der in ihrem Besitz befindlichen Kolonieen zu befassen. Er wies auf die mißlungene Mission des Hauptmanns Chanoine hin. Paris, 11. Dezember. In der heutigen Sitzung des Staatsgerichtshofes kam eS zu einem großen Skandal, der anscheinend von den Angeklagten Cailly, Dubuc und Brunet, sowie einigen Zeugen vorher verabredet worden war. Dieselben brachten Hochrufe ans auf Dörou- löde und Schmähruse auf die Juden. Der Generalanwalt I forderte die Kundgeber auf, sich ruhig zu verhalten, da er I sonst bei ihnen das Gesetz in Anwendung bringen würde. I Eine Anzahl Royalisten, die als Zeugen vernommen werden I sollten, weigerten sich, zu schwören unter Hinweis auf die I Thatsache, daß die Richter Freimaurer seien. Der Skandal I war derart heftig, daß der Vorsitzende die Sitzung unter- I brechen mußte. Nach Wiederaufnahme beschloß der Senat, I Cailly bis zum Urteilsspruche von der Sitzung auszuschließen. I Die anderen beiden Angeklagten werden von zwei Sitzungen I ausgeschlossen. Das Staatsgericht beschäftigte sich alsdann I mit der Beratung über die Gefängnisstrafen, welche gegen I die Kundgeber angewendet werden sollen. Bagdad, 11. Dezember. In hiesigen Kreisen, welche mit den Vorgängen am persischen Golfe sehr vertraut sind, I hält man die Anwesenheit der beiden dort befindlichen I englischen Kriegsschiffe für ein sicheres Symptom dafür, I daß England sich den Hafen von Kneit an der I Ostküfte Arabiens sichern wolle. Dieser wichtige Hafen, I dessen Besitz der Türkei stets streitig gemacht worden ist, I soll die erste Etappe für die projektierte Eisenbahn nach I Suez bilden. Aus dem Reichstage. nh. Berlin, 11. Dezember 1899. Die Flottenschlacht hat begonnen! Und zwar ist die Regierung gleich von vornherein mit einer geradezu verblüffenden Energie und mit einem ganz gewaltigen Kraftaufwande in den Kampf gezogen. Man merkte ei sofort, daß für sie diese diejenige Frage ist, die ganz kon- | kurrenzloS im Vordergründe steht und hinter der Zuchthaus-, Kanal- i und sonstige Fragen ohne weiteres in den Hintergrund treten. Das heutige Vorgehen der Regierung war für den Reichstag eine der größten Ueberraschungen, die er je erlebt hat. Man war ja darauf gefaßt, und es war auch vorher bekannt geworden, daß der Reichskanzler heute im Reichstage eine Erklärung über die Flottenvorlage abgeben würde, aber man hatte sich dies als eine zwar ganz intereffante, aber zunächst wenig ins Gewicht fallende Episode gedacht. Statt deffen prasselten ganze । Breitseiten von flottenbegeisterten Satzgefügen von der Bundesratsbank her auf die verdutzt dreinschauenden Volksvertreter hernieder, und das Schütteln der Köpfe unten im Saale wurde immer allgemeiner, sobald wieder ein Mini,ter oder Staatssekretär das Wort ergriff, bis der letzte sogar mit lautem Halloh und großer Heiterkeit empfangen wurde. Sechs Reden vom Bundesratstische her und keine aus dem Hause, das ist die Summa der heutigen Sitzung. Ma« wird lange in den Annalen des Reichstages zurückblättern können, bis man aus eine Sitzung mit ähnlichem Verhältnis trifft. Und dabei muß man noch berücksichtigen, .daß nur eine dieser sechs Reden, und zwar wohl die kürzeste, mit der eigentlichen Tagesordnung, der ersten Lesung des Etats, sich beschäftigte, während die übrigen fast ausschließlich einer Regierungsvorlage galten, die nicht nur noch nicht an den Reichstag gelangt ist, sondern die auch noch nicht einmal dem Bundesrate vorgelegen hat, ja, die sogar noch gar nicht fertig ist, sondern sich erst im Stadium der Vorbereitung befindet. Wenn man sich alle diese Umstände vergegenwärtigt, dann kann man sich erst ein ungefähres Bild davon machen, welch ein ungeheurer Wert an maßgebender Stelle auf das Zustandekommen des neuen Flottengesetzes gelegt wird. Aeußerlich bot die heutige Sitzung das typische Bild der großen Tage: das Haus war verhältnismäßig gut besetzt; die allgemeinen Tribünen und die Preffeloge überfüllt; die Hof-, Diplomaten- und Vundes- ratslogen stark besucht, auf der vorderen Bundevratsbank ein Parterre von Ministern und Staatssekretären, und dahinter eine Armee von Unter« staatssekretären, Ministerialdirektoren, geheimen und nicht geheimen Räten. Besonders in die Augen fallend war die starke Durchsetzung der Bunde sratstische wie der Tribünen mit der Marineuniform. Auf dem sonst für die Kommisstonsreferenten bestimmten Sitze hatte kampfbereit der stiernackige Eugen Richter Platz genommen, der die Absicht zu haben scheint, wieder einmal eine seiner altbcrühmten großen Etatsreden zu halten, nachdem er in den letzten beiden Jahren die Zuhörer etwas enttäuscht hat. Als der Präsident die Sitzung eröffnet, hängen aller Blicke an der kleinen in sich zusammengesunkenen, gänzlich teilnahmlos aussehenden Gestalt des Fürsten Hohenlohe, denn jeder erwartet sitzt die angekünd'gte Flottenerklärung des Kanzlers Zu allgemeiner Ueberraschung erhält das Wort jedoch der Staatssekretär des auswärtigen Amtes, Graf Bülow, der kein Sterbenswörtchen über die Flotte vorbringt, sondern in etwas ermüdender Breite einen Bericht über die verschiedenen Samoakonventionen »erliest, der nur längst bekannte Dmge enthält. Und darauf nimmt, als wenn nichts Außergewöhnliches vorläge, der Reichs- schatzsekreiär Frh. v. Thielmann daü Wort, um anläßlich der Vorlegung des Etats das übliche Finanzexposä zu geben. Dieses war ebenso kurz wie erfreulich. Auf allen Gebieten der Reichseinnahmen haben sich zum Teil sehr bedeutende Steigerungen ergeben, so daß also der Höhepunkt der wirtschaftlichen Entwickelung noch nicht überschritten ist. Neuigkeiten enthält der Etat herzlich wenig, nur das Reichsmilitärgericht, der Postcheckverkehr, eine Gehaltserhöhung der Kolonialbeamten, und ein spezialisierter Etat für Kiautschau, das sich gut entwickelt, sind zu nennen. Die Forderungen für die Marine halten sich innerhalb des Flottengesetzes von 1898. Man hielt bereits vielfach die Absicht der Regierung, das neue Flottengesetz anzukündigen, für aufgegeben; mancher parlamentarische Feinschmecker hatte während des Finanzexposös die Tribüne verlassen. Da geschieht das Unerwartete. Der Kanzler erhebt sich und verkündet in seiner Rede, daß sich eine Novelle zum Flottengesetz in Vorbereitung befindet, und er sügt auch gleich hinzu, daß eine Verdoppelung der Schlachtflotte und der großen Auslandsschiffe in Aussicht genommen ist, eine Beschaffungsfrist aber gesetzlich nicht sestgeleqt werden soll. Dem Kanzler folgt Graf Bülow, um die politische Notwendigkeit der von jenem angekündigten Vorlage darzuthun. Er ihut das in seiner beliebten, bilderreichen und markigen Sprachweise, die stets wenigstens des äußeren Erfolges sicher ist. Nach ihm ergibt sich auS der gegenwärtigen allgemeinen Weltlage und aus den besonderen Bedürfniffen unserer überseeischen Politik die absolute Notwendigkeit der Flottenverdoppelung; ohne diese können wir unsere Weltstellung nicht mehr behaupten, wir würden zurücksinken auf den früheren Stand unseres Vaterlandes, wo andere Völker auf unS herabsahen „wie hochnäsige Kavaliere auf einen einfachen Hauslehrer". Endlich kamen dann noch Admiral Tirpitz und Frhr. v. Thielmann, um die militärische und finanzielle Möglichkeit der Maßregel nachzuweisen. Tirpitz hatte dabei die etwas unangenehme Aufgabe, seine Erklärungen von >898 zu desavouieren, welche das geltende Flottengesetz für ausreichend bezeichnet hatte. Die einmaligen Ausgaben werden 783 Millionen betragen, die durch Anleihen aufgebracht werden sollen; die fortdauernden Ausgaben werden sich 16 Jahre lang um je 91/. Millionen, im ganzen um 153*/, Millionen vermehren und durch die laufenden Einnahmen gedeckt werden können. — Auf Antrag des Dr. Lieber vertagte sich das Haus nach diesem „ungewöhnlichen Vorgang", um den Rednern Zeit zu lassen, sich in die neue Situation zu finden, und die heutigen Erklärungen zugeben. Lokales und Vrovinfielles. Gießen, den 12. Dezember 1899. * Ernennungen. Seine Königliche Hoheit der Groß- herzog haben Allergnädigst geruht, am 9. Dezember dem Lehrer am Gymnasium zu Gießen Ludwig Hüter, sowie dem Lehrer am Realgymnasium zu Gießen Dr. Philipp Wicderhold den Charakter als Professor zu verleihen. Ferner haben Seme Königliche Hoheit der Großherzog I Allergnädigst geruht, in Gemäßheit der Artikel 3 und 16 des Gesetzes vom 17. Juni 1874, die Landstände Geschäfts« ordnung betreffend, den Geh. StaatSrat Krug von Nidda zum landesherrlichen Kommiffar für die Erste Kammer, sowie den Geheimerat Emmerling und den Ministerialrat Dr. Breidert zu Mitgliedern der landesherrlichen Ein- weisungS-Kommission für die Zweite Kammer zu ernennen. • • Provinzialausschuß-Sitznng. Samstag, 16. Dezember l. I., vormittags 9 Uhr, findet im Regie- rungsgebäude dahier eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses der Provinz Oberhesse» mit folgender Tagesordnung statt: 1. Erbauung einer Kreisstraße von Staufenberg nach der Landesgrenze gege» Odenhausen betr. (Weigerung der Gemeinde Staufenberg I zur Beitragsleistung). 2. Gesuch des Peter Herr zu Gießen ! um Erlaubnis zum BranntweinauSschank. 3. Gesuch des Konrad Seipp III. auf der Rindsmühle bei Leihgestern um Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft. 4. Gesuch des Friedrich Link II. zu Alt Wiedermus um Erlaubnis zum Ausschank von Flaschenbier. 5. Gesuch des Bürgervereins zu Udenhausen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb. 6. Gesuch des Adam Carle zu Ehringshausen um Erlaubnis zur Errichtung einer Dampfkeffelanlage. 7. Nebenbahn Friedrichsdorf—Friedberg; hier: Enteignungin Gemarkung Rodheim (Urteilsverkündung). * * Tagesordnung für die Sitzung der Etadtverordnetrn- Versammlung am Donnerstag dem 14. Dezember 1899, nachmittags 3»/, Uhr pünktlich: 1. Gesuch des Adolf Braun um Erlaubnis zur Legung einer Drainage von seinem Grundstück in der Lichtenau nach der städtischen Wiese am Schäferbrunnen. 2. Baugesuch des Karl Puth für den Wieseckerweg. 3. Desgl. des Kommerzienrats Heyligenftaedt für die Liebigftraße. 4. Desgl. des Wilhelm Schomber für die Schottstraße. 5. DeSgl. des A. Dennig- hoff für die Nordanlage. 6. Grenzregulierung mit dem Kaiserlichen Postamt in der Bahnhofstraße. 7. Baugesuch des H Kockerbeck für die Schulstraße; hier: Geländeaustausch. 8. Gesuch des Georg Hilgen um Austausch von Gelände am alten Steinbachcrweg. 9. Gesuch des Real- gymnasiallehrers Dr. Pitz um käufliche Ueberlassung von städtischem Gelände. 10 Die Eröffnung der Stephan- straße; hier: Bordsteinlieferung 11. Den öffentlichen Zettelanschlag in der Stadt Gießen. 12. Anschaffung von Kleidern für die Friedhofsarbeiter. 13. Das Personal des Stadtgeometers; hier: EntlaffungSgesuch des Gehilfen Werkmann. 14. Die Verwertung der Nutzholz-Ernte pro 1900/1901. 15. Die Verpachtung eines Steinbruchs an den Unternehmer Johs. Nickel und eines solchen an Philipp Pfeffer von Annerod. 16. Gesuch des L. Hahn III. von Steinbach um Ueberlassung von Sand. 17. Die Entleerung und Abfuhr der Senkgruben und Aborte. 18. Vorlage der Rechnung der Armenkasse pro 1898/99. 19. Vorlage des Voranschlags der Armenkasse pro 1900/1901. 20. Vorlage derRechnungderPlockischen Stiftung pro 1898/99. 21. Vorl des Voranschlags der Plockischen Stiftung pro 1900/1. 22. Gesuch des Heinrich Prieß zu Gießen um Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein in seiner Wirtschaft Ebelstraße 2. 23. Desgl. des Balthasar Melior zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb mit Branntweinausschank im Hause Mardurgerftraße 29. 24. Desgl. des Ferdinand Schott zu Gießen um Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwirtschaft im Hause Wolkengasse 27. 25. Desgl. des Philipp Bauer zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Bahnhofstraße 57. 26. Gesuch des Christoph Arnold zu Gießen um Erlaubnis zum Wirt- schaftsbctrieb im Hause Stephangasse 42. 27. Desgl. de» Ludwig Löb zu Gießen im Hause Neuenweg 62. 28. Desgl. des Heinrich Schäfer zu Gießen im Hause Nordanlage 1. 29. Desgl. des Louis Bourgeois zu Gießen im Hause Brandgasse 3. 30. Desgl. des Louis Feldhaus zu Gießen im Hause Wallthorstraße 6. 31. Desgl. des Heinrich Aff zu Gießen im Hause Wolfstraße 21. 32. Desgl. des Joh. Häuser XIII. zu Klein-Linden im Hause Liebigftraße 64. 33. DeSgl. des Ludwig Kratzer zu Friedrichsdorf im Hause Dammstraße 39. 34. Desgl. des Georg Jörger zu Darmstadt im Hause Neustadt 14. 35. DeSgl. des Wilhelm Ullrich zu Gießen im Hause Schloßgaffe 7. 36. Desgl. des Heinrich Nau zu Gießen im Hause Steinstraße 76. 37. Desgl. des Georg Stiehl zu Gießen im Hause Krof- dorferstraße 13. 38. Desgl. des Joseph Seeler zu Gießen im Hause Ludwigstraße 20. -r. Stadttheater. Die Leitung unseres Stadttheaters bietet uns in dankenswerter Weise in letzter Zeit ein recht abwechselungsreiches Programm. Erst kürzlich ging die Operettenposse „Die wilde Katze" in vorzüglicher Ausstattung und Darstellung über die Bretter und am vergangenen Sonntag hatten wir das Vergnügen, in gut besetztem Hause Kyritz Pyritz, die lustige dreiaktige Poffe von Oscar Justinus und Heinrich Wilcken in Szene gehe» zu sehen. Nach den vielen, sehr seichten, sehr tiefsinnige» und oft sehr humorlosen Stücken, die uns der „Realismus" in den letzten Jahren bescherte, war es vorgestern wirklich eine Erfrischung, eine fröhliche, übermütige Posse zu sehen, die, ohne jeden Anspruch auf vornehme Lehrhaftigkeit, nur den Zweck erfüllen will, das Publikum mehrere Stunden lang bestens zu unterhalten. Und dieses amüsierte sich auch vorzüglich; die komischen Situationen, die poffenhaften Mißverständnisse, die guten schlagenden Witze und Kalauer, die aufgefrischten Couplets mit den scharfen Pointen und die Possenfiguren wirkten alle in der flotten Darstellung so frisch, daß ein vollkräftiges, herzliches Lachen fortwährend das Haus durchdiöhnte und der Beifall nach den Aktschlüffe» einen stürmischen Charakter annahm. Im Spiel war freilich jeder Darsteller an seinem Platz. Herr Helm, der Darsteller des lustigen Bäckermeisters Rux, zeigte sich wie immer als ein vortrefflicher, humorbegabter, kerniger Komiker, der scharf zu charakterisieren versteht. Eine Soubrette mit Talent, Temperament und Stimme ist Fräulein Eichen- ie 3 m, 16 »ib ben to06»«. fo. ‘JSt 6k,” Weaie. k« Ul’""8 tln« ®e®«nbe le8Wr7*b^ **4 $ ®"6'» * btt ta®‘N bte »tfivittf^r*™ «m -lach de« »7° ' ’“® Whaus-N ^^^Etrikb ?.Ü?*"** »uitiV TS« K-- ItW bteffiilWe mit dm > ^roie- f Saugefuth “6«; »itr: Seitab? *” "«»««Ms- tat ’• ®«M ta W. Rt UMflung Oo« l*««9 btt “• ^ta WELnb \J2'ton 13, DaS Personal der °gsgesuch des Gehilfen der Nlltzholz-.Ernie pro g eines Steinbruchs an uncS solchen an Philipp h des L. Hahn III. von Sand. 17, Die Enten und Aborte. 18. Bor- pro 1898/99. 19. Borenkasse pro 1900/1901. itn Stiftung pro 1898/99. fyn Stiftung pro 1900/1. 1 Gießen um Erlaubnis feiner Wirtfchch $bcV i\ax Mrvr zu Tiefen etrüb mit Brannltvein- ahe 29. 24. DeSgl. des Erlaubnis zum Betriebe Ikengasse 27. 25. DeSgl. m Erlaubnis zum Wirt« »raße 57. 26. Gesuch m Erlaubnis zum Wirt- isse 42. 27. DeSgl. dcS euentveg 62. 28. Desgl. ( im House Nordanlage 1. I zu Gieren im houfe oui8 gtlbbaui iu®i* . Mol. bei h-rnnch W 21. 32. W t(,3”' । fiauit »H'6*- sn(briit luft'ge : siealiSM^ 1 bie «'« r,to« wttllt- °°r »’ < ju M» i ublitum 1 | oncn. d-e t™1 o« I i-<&-»'S V -L i»' M, R‘e„’ l(t, 1 ÄÄ- •'*' wald, welche die Nolle des übermütige» Sekundaners Emil Thülecke zu voller Wirkung brachte, und enthusiastische« Beifall erntete. Auch in den anderen größeren Rollen zeigten sich Damen wie Herren vollkommen ihrer Aufgabe gewachsen. Das Zusammenspiel war wie die Einzeldarstellungen flott und lebhaft und auch der Kapelle unter der sicheren Leitung des Herr» Direktor Kruse verdient alles Lob. Hoffentlich wird das mit so freundlichem Beifall aufgenommene Stück noch einmal in dieser Saison über die Bretter gehen. Stadttheater. Morgen, Mittwoch, findet, wie bereits bekannt gegeben, wiederum Bolks-Vorstellung statt, und kommt als solche das Schauspiel „Nora" von Ibsen zur Aufführung. — Neber die nächsten Freitag außer der Operette „10 Mädchen und kein Mann" zur Erstaufführung kommende Lustspiel Novität „Tasso in Darmstadt" werden wir morgen ausführlicher berichten. *• Nsdfahr Veretu. Samstag Abend feierte der Gießener Radfahr Verein 1885 sein diesjähriges Winterfest und Ball im Cafe Leib. Schon früh füllte sich der festlich geschmückte Saal, und es dauerte nicht lange, bis alle Plätze besetzt waren. Auch der Gau und der Bezirk des Gaues 9 des D. R.-B. hatten ihre Vertreter gesandt. Das Programm war sehr mannigfaltig: exakt gefahrene Reigen, besonders der gemischte Damen- und Herren Reigen wurden brillant gefahren, wechselten ab mit Musikstücken der Bauer'schen Kapelle, humoristischen Vorträgen, Duetts und last not least trug der hübsch gespielte Einakter „Verbotene Wege", nicht wenig zur Erheiterung des Abends bei. Der nun folgende Ball zeiate erst recht, wie rege die Beteiligung war, denn an der Polonaise nahmen über 100 Paare teil. Daß der Ball ein wohlgelungener war, daß alles in schönster Ordnung verlief, davon legt die Thatsache Zeugnis ab, daß bei Schluß des Festes, der sich bis weit in den Morgen hinzog und am Ende die Beteiligung noch fast ebeso stark war, wie bei Beginn des Festes. Ein weiteres Zeichen, daß es allen recht gut gefallen, bot die äußerst starke Beteiligung un dem Sonntagnachmittag stattgefundenen Ausflug auf die Liebigshöhe, wo wieder Vorträge, sowohl musikalische wie humoristische, abwechselnd mit Tanz, die Teilnehmer bis in die elfte Stunde festhielt. — Lrubach, 12. Dezember. Der Stadtvorftand hat einen Beitrag für die Buren bewilligt, auch sind von einzelnen Gebern hier nicht unbedeutende Summen abgelicsert worden, auch im christlich-sozialen Verein wurden in dessen letzter Versammlung 23 Mark gesammelt. Ein schönes Zeichen des auch hier vorhandenen patriotischen Geistes ist der Umstand, daß Amtsrichter Zimmermann eine größere Zahl von Mitgliedern für den deutschen Flotten- »erein erworben hat. = Laubach, 12. Dezember. Der dicht bei der Stadt gelegene, von der Gräflichen Kammer gepachtete „Obersee" bietet eben die schönste Eisfläche. Dem Eisoerein gehören viele Mitglieder an. O Laubach, 11. Dezember. Der hiesige Kriegerverein hielt gestern abend im „Schützenhof" seinen ersten Vortragsabend in diesem Winter Pfarrer Volp hielt einen Vortrag über die Erlebnisse des elsässischen Dorfes Fröschweiler auf Grund der rühmlichst bekannten Frösch weiter Chronik, in welcher der damalige Ortsgeistliche von Frvschweiler die erschütternden E-lebnisse niedergcschrieben hat. Der von christlich patriotischem Geist erfüllte Vortrag erntete reichen Beifall. Der Präsident des Kriegervereins, Kaufmann Ritter, brachte ein Hoch auf den Kaiser aus. Sehr animiert verlief der übrige Teil des Abends, wozu der Gesang des Burenliedes und die Verlesung zweier auf den Burenkrieg bezüglicher Lieder aus dem „Volk" und dem „Hess. Sonntagsblatt" durch den Redner des Abends besonders beitrugen. Kaufmann Riter betonte unter herzlichen Dankesworten an den Redner, daß nicht Feste, sondern ernste Arbeit Aufgabe des Kriegervereins sei, und wünschte, daß oft solche Vortragsabende stattfinden möchten. Politische Satire in Wort und Bild. (AuS der Nowoje Wremja.) Uri General Buller: Ich glaubte, Ihr hättet im Kampf mit den Buren gesiegt!? ^.Sir George White: Das glaubte ich auch, aber hier seht Ihr das Resultat! Ich vermute, Euch wird es nicht viel besser ergehen. Gingesandt. (FLr Form und Inhalt aHer unter dieser Rubrik stehenden ArÜkel Übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Gießen, 6. Dezember 1899. Die Gießener Ortskrankenkasse früher und jetzt. Ein hiesiges Blatt bringt einen Artikel über die Verhältnisse der Ortskrankenkasse, welcher bei Uneingeweihten den Eindruck hervorgerusen hat, als leiste die Kasse erst die erhöhten Unterstützungen durch dav Ein- greifen der organisierten Arbeiter. Es bedarf wohl keiner Erörterung und sind sich Eingeweihte da rüber längst klar, daß die Führung der Kaste, nachdem ein Kupital von ca- 80 000 Mk. vorhanden und der gesetzlich zurück,ulegende Reservefonds ziemlich erreicht ist, eine sehr einfache Sache »st, und der Erbringung ein.-6 glänzenden Befähigungsnachweises nicht bedarf. Die Geschäfte der Kaffe werden nicht von den organisierten Arbeitern, sondern von dem früheren Bureauvorsteher eines hiesigen Rechtsanwalts geleitet, von dem man doch zum wenigsten erwart-n muß, daß er den Anforderungen einer geregelten Kaffenführuna entspricht. Sollten durch die früh.re Führung des Geschäftsführers und zugleich Rechners der Kaste, welcher ebenfalls dem Arbeiterstande angehörte und uur Bäcker war, vor dem man jedoch alle Achtung haben muß, daß er sämtliche Kastengeschäfte, welche ihm oblagen, und deren Leitung in früheren Jahren eine recht schwierige war, da sich ein Jeder mit deu Bersicherungsgesetzen und deren Ausführungen erst einmal vertraut machen mußte, trotz gar keiner Vorbildung, so gut geleitet hat, wirklich Mißstände sich ergeben haben, bann aber trägt die jetzige Führung genau dieselbe Schuld, wie jeder Andere, da sie der s. Z- angeregten Anstellung eines besonderen Geschäftsführers und Umgestaltung der Kaste einfach nicht die Hand geboten hat. Daß die Kaffe, nachdem der Reservefonds erreicht ist, ihren kranken Mitgliedern erhöhte Unterstützungen bietet, ist ganz selbstverständlich und eine ganz natürliche Folge. Denn was soll denn mit dem (Selbe angesangen werben, wenn solches gesetzlich nicht mehr zurückgelegt werben kann? An den Erweiterungen der Unterstützungen haben bie Arbeitgeber ebenso gut ihren Anteil wie bie Arbeitnehmer unb kann sich hier Niemand besonderer Verdienste rühmen. Wetterbericht. Der Norden des Erdteils steht andauernd unter der Herrschaft hohen Druckes, deffen Kern über Finnland liegt. Ueber Central-Europa ist das Barometer etwas gesunken und ist daselbst der Luftdruck bei geringen Unterschieden unregelmäßig, so daß an vielen Orten trübes Wetter und stellenweise Schneefälle eingetielen find. Die Temperaturen liegen andauernd sehr tief. Die gestern über dem Süden gelegene Depreffion zieht sich oslwäns, während von dem gestrigen Minimum ein Teil sich abgelöst hat, welcher nach dem Mrttelmeergebiet abz'eht. — Voraussichtliche Witterung: Wolkiges bis trübes Frostwetter mit stellenweisen Schneefällen. Dandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gietze«, 12. Dezember. Marktbericht. Äuf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. JL 1/0-1.15, Hühnereier per St. 8—9 H, 2 St. 00—00 Enteneier 1 St. 0—0 4- Gänseeier per St. 0—00 H, Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 5—6 4, Erbsen per Liter 20 4, Linsen per Liter 30 Tauben per Paar v* 0.70—1.00, Hühner per St. AL 0.90—1/0, Hahnen per Stück je 0.60—0.90, Enten per St. AL 1.80—2.20, Gänse per Pfund vN. 0 46—0.58, Ochsenfieisch per Pfd. 68—74 Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 60—72 H, Schweine- fleisch, gesalzen, per Pfd. 76 Kalbfleisch per Pfd. 64—66 Hammestleisch per Pfd. 50—60 4, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 biS 4 50 AL, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. AL 5.00—5.50, Milch per Liter 16 5,. Frankfurter Börne vom 11. Dezember. "Wechsel auf New-York za 4.20l/z-21>/z. Prämien auf Kredit per ult. Dezember 1.25%, do. per ult. Januar 8%, Diskonto Kommandit per ult. Dez. 1.05%, do. per. ult. Jan. 2.50, Lombarden per ult Dez 0 55 /», do. per ult. Jan. 0.00%, Staatsbahn per ult. Dez —.—% erhältlich. Notierungen: Kreditaktien 235.30-10-40, Diskonto-Komman- dit 192 90-193-20, Staatsbahn 138.10, Gotthard 143 20 Lombarden 31.5 400 Ungar. Goldrente 97.55, Italiener 93 70, 6proz. Mexikaner 00.00, 3proz. Mexikaner 25.30, Oeeterr. Coupons 84%, Amerik. Coupons 4.19, Privat-Diskont 5%%. 1% bis 2% Uhr: Kredit 235.40, Diskonto Kommandit918.20-193, Staatsbahn 188.10, Lombarden 31.40. Neueste Meldungen. Depeschen deS Bureau „Herold'. Berlin, 12. Dezember. Der Kaiser hat, wie von verschiedenen Seiten gemeldet wird, dem Reichstags-Abgeordneten und Direkior der Deutschen Bank, vr. Siemens in Anerkennung seiner Verdienste um den Bau der anatolischen Bahn den preußischen Adlerorden verliehen. Berlin, 12. Dezember. Der geschäftsführende Ausschuß des deutschen Flotten - Vereins hat in seiner gestrigen Sitzung unter dem Vorsitz des Fürsten zu Wied das Ent- lassungsgesuch des Sekretärs Sch wein bürg eiin stimmig genehmigt. Berlin, 12. Dezember. Der konservative Reichstags- Abgeordnete von Löbell erklärt in der „Kreuzzeitung", daß er am 27. September allein und nicht auf Wunsch oder Anregung des Ministers von Miquel in der Redaktion der „Kreuzzeitung" war und dort seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß die Mitteilung des Blattes, Herr von Miquel habe zur Zuspitzung der Meinungs- Verschiedenheiten zwischen den Konservativen und der Regierung beigetragen, unzutreffend sei. Berlin, 12. Dezember. Die Morgenblätter bezeichnen es als ein ganz seltenes Ereignis, daß in einer Reichstagssitzung, wie es gestern der Fall war, die Erörterung hauptsächlich einem Gesetzentwurf galt, der dem Hause Überhaupt noch nicht vorgelegt ist und daß hintereinander vier Mitglieder des Bundesrats zum großen Teile über eine Materie das Wort ergriffen haben, die mit der Tagesordnung selbst in keinem direkten Zusammenhänge steht. In der heutigen Sitzung wird Dr. Lieber zuerst im Namen des Centrums das Wort ergreifen, ferner Graf Limburg Stirum für die Konservativen. Als Redner sind werter eingeschrieben die Abgeordneten Richter, Bebel, von Kardorff, Graf Arnim, Graf Stolberg. Die Debatte dürfte kaum vor Donnerstag oder Freitag zu Ende kommen. Amsterdam, 12. Dezember. Die Zahl der ausstän- digeu Diamantschleifer beträgt augenblicklich 1600. I Einige hundert sind nur noch einige Tage in der Woche beschäftigt. Anfangs Januar dürste die Zahl der Aus ständigen 3000 betragen. Bukarest, 12. Dezember. In ganz Rumänien ist ei« kolossaler Schneefall eingetreten. Die Bahnverbindungen sind zum größte» Teile unterbrochen. Vom Kriegsschauplatz. London, 12. Dezember. Die Morgenblätter veröffentlichen einen Brief des Generals White, worin dieser die Miliztruppen, welche gewillt sind, sich unter die Fahnen zu stellen, auffordert, sich zu melden. Diese Freiwilligen würden alsdann die Garnisonsdieste im ganzen Reiche versehen und auf diese Weise könnten sämtliche noch verfügbaren Truppen der aktiven Armee nach Südafrika eingeschifft werden. London, 12. Dezember. Die Zahl der Toten und Verwundeten bei Stormberg ist bedeutend höher, als das gestrige Telegramm dieselben angegeben hat. Wie verlautet, entstand in den Reihe« der Engländer eine Panik, wodurch das Gefecht mit einer Niederlage endete. — Die Regierung hat nach Kapstadt telegraphisch Befehl gegeben, sofort dem General Methuen Verstärkungen zuzusenden. In Kapstadt ist aber nur eine Batterie Artillerie zur Verfügung. Dieselbe wurde sofort nach dem Oranjeflusse abgesandt. Die Buren sind in starken Abteilungen im Oranjefluß-Thale ausgestellt. Die Kolonne des Generals Methuen ist jeder Bewegungsfreiheit beraubt. Ihr Vorrücken wird durch große Buren-Abteilungen, welche bei Jakobsdal aufgestellt sind, gehemmt. Der Gesundheitszustand der Truppe» läßt viel zu wünschen übrig. In der Nähe deS Oranje-Flnsses ist die Luft durch Ausdünstungen verpestet, da der Fluß zahlreiche Leichen mit sich führt. General Methuen wird außerdem unablässig von den Afrikandern angegriffen. Seine Bewegungen sind den Buren sofort bekannt, da er von Spionen umgeben ist. So wurde z. B. eine Kavallerie Abteilung, welche einen Kundschafterritt unternahm, plötzlich umzingelt. Dieselbe mußte sich ergeben, ohne einen Schuß abgegeben zu haben. Brüffel, 12. Dezember. Nach den hier cingetroffenen authentischen Nachrichten verlor General Gatacre in der Schlacht bei Stormberg von seinen 2700 Mann 1200, darunter 700 Gefangene. Die Division ist vollständig aufgerieben. Gleichzeilig treffen hier Nachrichten Über da« Anwachsen des Aufstandes der Holländer in der Kap- Kolonie ein. London, 12. Dezember. Der „Times"-Korrespondent meldet: Der Angriff GatacreS schlug deshalb fehl, weil er gegen die falsche feindliche Bure«- stellung gerichtet war, wo die Hügel ganz uneinnehmbar waren. Die Truppen zogen sich in größter Ordnung zurück. Mit der zunehmenden Ermüdung wuchs jedoch die Unordnung. Dieselbe wurde noch vermehrt durch das beständige Granatfeuer der Buren. General White telegraphierte an das Kriegsamt aus Ladysmith die Verlustliste vom 11. November bis 1. Dezember. Danach wurde« 12 Mann gelötet und 44 verwundet. 9 Mann starben a« Unterleibs Typhus. — Das Vertrauen zur Heeresleitung ist hier stark erschüttert. Brussel, 12. Dezember. Dr. LeydS wurde offiziell davon verständigt, daß auch die Vereinigten Staate» von Nordamerika einen Militärattache in« Lager der Buren entsenden würden. Es sind damit fünf Mächte im Burenlager durch Militärattaches vertrete«. Giessen Kirchenylaie 11, ftgenäber der SlaiMreht. Konfektion, Weihnächte- Ausverkauf. Anfertigung nach Hase. 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