Giessen."5 £I*St. ille, itplate. der e 17. IT au die Kaffe laßen, werden von welche« >eu. Ausschuß. H ■ a M M w stalt52s* Atrdmplatz 1L irin I«, offeriert nsser, i weiv «!& -M nstalt 1 —— stttttgait. WsÄE laaksauWt- >*H 1“ S«i- übertragen haben- ral'Ageniul'. Verbevich. BJfös LE Nr. 162 Zweites Blatt Donnerstag den 13. Juli l§9d Gießener Anzeiger General-Anzeiger Netllg,»ret« vierteljährlich 2 Mark 20 Pf,, monatlich 75 Pfg mit Bringerloh«. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen des In- uni lullaiM nehmen Anjeigen für den Gießener Anzeiger entgege* Bei Postbezug R Mark 50 Pf,, ^«rttljahrlich frf4rt*t UgNch mit Ausnahme de» Monlag». Unnah«« ••« Anzeigen zu der nachmittag- für d« |eiyn>«6 te, erscheinenden Nummer viS vor«. 10 Uhr. Die «eßener »««♦fteeiHtter Werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Amts- und Anzeigeblntt für den Tiveis Gieren. NedaMou, Expeditton und Druckerei: S4«tßratz- Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter. Der hesslfche Landwirt. Mittler für hessische UolKsKunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger chieße«. Fernsprecher Nr. 51. England und Transvaal. Die Verhältnisse zwischen Großbritannien und der Südafrikanischen Republik sind noch immer nicht geklärt, wenn auch die Nitlanderfrage, die den Anlaß zur Spannung gegeben hat, ihrer Lösung jetzt einen Schritt näher gekommen ist. Präsident Krüger hat dem ersten Volksrate in Pretoria eine Botschaft zugehen lassen, in welcher die Anregung zur Abänderung des Wahl- und Bürgerrechts zu Gunsten der Uitlanders gegeben wird. Das schließt freilich nicht aus, daß der britische Kolonienminifter Chamberlain, der sich die Vernichtung der Selbständigkeit Transvaals zur Lebensaufgabe gemacht zu haben scheint, demnächst wieder eine Brandrede gegen die verhaßten Buren hält. Mit welchem Rechte England in die Geschicke Transvaals eingreifen will, ist nicht ersichtlich; man stellt die Behauptung, daß die Burenrepublik in einem rechtlichen Abhängigkeitsverhältnis zu England stehe, zwar auf, kann aber den Beweis dafür nicht erbringen. Transvaal ist ein unabhängiger Staat gewesen, bis er im Jahre 1877 durch England annektiert wurde. In dieser Abhängigkeit blieb das Land aber nur vier Jahre, denn es verlangte 1881 vollständige Selbstverwaltung, wenn auch die Oberhoheit der englischen Krone noch aufrecht erhalten blieb. Die Souzerainetät Englands wurde erst beseitigt im Jahre 1884 auf Grund einer freien Vereinbarung, die in einem förmlichen Vertrage niedergelegt wurde. Die britische Regierung erkannte damals die Transvaal-Republik als freie, unabhängige Macht an, und sie hat sich auch niemals in die Befugnisse derselben gemischt, bis die Jntereffen der unter englischer Oberhoheit stehenden Chartered Company mit derjenigen Transvaals kollidierten. Von da ab begannen die Reibungen, welche ihre Spitze fanden in dem Raubzuge Jamesons und seiner Genossen. Bekanntlich machte es der Transvaalregierung große Schwierigkeiten, hierfür Genugthuung von England zu erlangen, und Präsident Krüger hat damals das Menschenmögliche geleistet in Nachgiebigkeit. Freilich wandten sich den Buren die Sympathien der meisten Kulturvölker zu, jedoch mußte es bei diesem moralischen Erfolge sein Bewenden haben. Nach und nach erlahmte auch das Interesse für Transvaal, so daß England ungestört mit dem Säbel raffeln konnte, um den Präsidenten Krüger zu bewegen, den Uitlanders, d. h. insbesondere den in Transvaal lebenden englischen Unterthanen, größere politische Rechte zu verleihen und sie möglichst mit den Buren in dieser Hinsicht gleichzustellen. Wir haben diesen Punkt schon vor einiger Zeit hinreichend erörtert, so daß wir jetzt nicht wieder darauf einzugehen brauchen. Schon eingangs bemerkten wir, daß die Transvaal-Regierung den Uitlanders entgegenzukommen bereit ist, und in englischen politischen Kreisen herrscht die Ansicht vor, daß die Vorschläge Krügers eine geeignete Grundlage für eine Verständigung bilden. Ob freilich auch Herr Chamberlain diesen Anschauungen huldigt, ist eine andere Frage, denn er wird immer neue Punkte finden, an denen er einsetzen kann, um die Südafrikanische Republik zu peinigen. Man darf gespannt sein, ob beim Ausbruch kriegerischer Verwickelungen Transvaal nicht einen Bundesgenossen in Frankreich finden wird, das wegen seiner Kolonie Madagascar an den Dingen in Südostafrika stark beteiligt ist. (xx) Der Brand der Ausstellung in Como. Aus Rom wird dem „Berl. Lok.-Anz." unterm 8. Juli über die von uns bereits gemeldete Katastrophe berichtet: Das Feuer entstand nach den einen durch Kurzschluß in der Marine-Ausstellung, nach anderen beim Proben der Maschine eines französischen Ausstellers. Da sich nur wenige Personen früh um 10 Uhr in der Ausstellung befanden, wurde das Feuer erst von den Gärtnern bemerkt. Es war aber bereits zu spät, die Flammen schlugen schon zu den Dächern der hölzernen Gebäude hinaus und griffen mit rasender Schnelligkeit um sich. In zwanzig Minuten war die ganze Ausstellung ein einziges Flammenmeer. Die elektrische Ausstellung, die Seiden-Ausstellung und die Marine- Ausstellung wurden vernichtet. Große Menschenmassen strömten herbei, sämtliche Truppen waren aufgeboten. Man stand dem rasenden Elemente machtlos gegenüber, obgleich mit den elektrischen Spritzen aus dem nahen Comersee gewaltige Wasserfluten über die Gebäude geschüttet wurden. Es heißt, daß auch Menschenleben in dem allgemeinen Wirrwarr vernichtet worden seien, bis abends 10 Uhr aber war nichts festzustellen. Als die Flammen die Maschiuen-Aus- stellung erreichten, sprangen unter gewaltigem Krachen zwei Gasometer, mit ihnen zahlreiche, eben in Betrieb gesetzte Gasmaschinen, deren Eisenstücke hoch in die Luft geschleudert wurden. Außer der Ausstellung sind auch sämtliche Pflanzen des herrlichen Parkes vernichtet. Ein unersetzlicher Verlust ist der vieler Volta-Reliquien. Unersetzlich ist ferner der Verlust prachtvoller mittelalterlicher Stickereien, Sammet- und Seidenstücke aus dem 13. und 14. Jahrhundert, größtenteils Familienerbstücke. Die Ausstellung ist mit 8 Millionen Lire versichert. Die von dem Brande herrührenden ungeheuren Rauchwolken waren bis Mailand sichtbar. Unter den verbrannten Volta-Erinnerungen befindet sich ein von der Berner Bibliothek ausgestelltes Schreiben, in dem Volta gewissermaßen die elektrische Telegraphie vorausgesagt hatte. Eine spätere Meldung des gleichen Blattes sagt: Der Brand der Ausstellung in Como wurde dem Publikum erst signalisiert durch ein entsetzliches Getöse explodierender Gasometer und sämtlicher Dampfkessel, worauf sofort eine ungeheuere Menschenmenge herbeiströmte, darunter zu allererst die Angehörigen der in der Ausstellung Bediensteten. Bis jetzt jedoch scheint kein Verunglückter entdeckt zu sein. Als letzte retteten sich aus den flammenden Gebäuden 20 Priesterschüler mit ihrem Lehrer. Sie kamen mit versengten Haaren und Kleidern davon. Als man bei Ausbruch des Brandes an die Spritzen lief, funktionierte ein großer Teil nicht; man telegraphierte nach Mailand um Hilfe. Nach zwei Stunden erschien ein Feuerwehrmajor ohne Spritzen! Für heute war der Besuch des Königspaares angesagt; sofort verbreiteten sich Gerüchte über Brandstiftung. Sicher ist, daß vor einigen Tagen bei der Ausstellung der französischen elektrotechnischen Gesellschaft mit genauer Not ein Brand verhütet wurde; er war entstanden durch überstarken Strom in den Drähten. Dasselbe wiederholte sich heute morgen und führte das entsetzliche Brandunglück herbei. Aus Mailand wird gemeldet: Der Schaden wird auf 20 Millionen Lire geschätzt. Die Firma Schuckert in Nürnberg verlor etwa 300,000 Mk. durch den Brandschaden. Wie nunmehr konstatiert ist, brach das Feuer unter dem Fußboden im Marinesaal infolge Erglühens eines elektrischen Leitungsdrahtes aus. Als Wachleute den Boden aufriffen, schlugen ihnen die Hellen Flammen entgegen, die sofort so heftig um sich griffen, daß jeder Löschversuch unmöglich wurde. 25 Minuten nach dem ersten Allarm war die gesamte Ausstellung ein einziges Feuermeer, wenige Minuten später stürzten alle Dächer, Mauern, sowie die gesamte Fahnde mit ihren charakteristischen, Voltasäulen darstellenden, hohen Türmen ein. Aus dem Saal der Cimelien Voltas wurden mit größter Lebensgefahr seitens einiger Arbeiter der Gipsabguß des Schädels Voltas, sowie einige Bilder gerettet, alle übrigen unersetzlichen Gegenstände, worunter sehr viele Manuskripte, verbrannten. Bezüglich der Verluste von Menschenleben herrscht noch immer Ungewißheit. In der Ausstellung war, wie schon gesagt, den Reliquien Voltas ein ausgedehnter Raum zugewiesen. Hier waren seine eigenen zahlreichen Schriften und die vielen anderen, die über ihn erschienen sind, wohlgeordnet ausgestellt. Außerdem lagen Adels-, Ordens- und Ehrendiplome, die ihm verliehen wurden, zur Ansicht auf. An den Wänden Feuilleton. Weiseöriefe für den „Hießener Anzeiger". (Nachdruck verboten.) III. Gärtnertheater. — Volkstheater. — Refidenztheater. Münchener Kirchen. Für gedachte Bühnen ist jetzt gute Zeit. Das Regen- wetter treibt die Touristen scharenweise von den Bergen und Seen in die bayerische Hauptstadt. Am „Gärtnertheater giebt man gegenwärtig, unter Beihilfe des beliebten Gesangskomikers Konrad Dreher, in neuer Einstudierung und in geschmackvoller Ausstattung Joh. Strauß' Operette „Waldmeister", in welcher Sentimentalität und Pikanterie in der üblichen Weise sich ablösen. Die eleganten, flotten Walzermelodien, welche in jeder Szene den Ton angeben, sind das beste an dem Opus, das an Schwung und Ausgelassenheit mit der „Fledermaus" keineswegs wetteifern kann. Das „Gärtnertheater" verfügt über gute Gesangskräfte, und kann auch, was Dekorationen und Personalaufwand betrifft, den garnicht kleinen Anforderungen dieser Strauß'schen Operette gerecht werden. Im „Volkstheater", das für den kleinen Bürgerstand und seine künstlerischen Bedürfnisse in erster Linie da ist, aber auch von solchen besucht wird, die sich über ein gemütliches Volksstück mit einfacher Moral nicht zu erhaben dünken, sahen wirL'Arronges „Mein Leopold", das trotz seiner Jahre auf nicht blasierte Menschenkinder noch immer einen jugendfrischen Eindruck macht Am „Volkstheater", wo zurzeit auch eine Wiener Gesangssoubrette, Luise Lichten, gastiert, hatte man den ganzen Ton aus dem Berliner Jargon in den Wiener übertragen, was dem Humor natürlich keinen Abbruch thut. In die Welt der Bildungs- und Geldaristokratie rückt man ein, sobald man den Fuß in den in reichem Rokokostil gehaltenen Zuschauerraum des „Residenztheaters", wo gegenwärtig die Schnitzler'schen Einakter: „Para celsus" — „Die Gefährtin" — „Der grüne Kakadu" große Anziehungskraft üben, und mit vollem Recht; denn der junge Wiener Poet, der eine Zeit lang aus dem Motivkreis von „Liebelei" nicht mehr herauszukommen schien, entwickelt in diesen drei Stücken, von welchen jedes seine eigene Farbe trägt, so viel psychologisches Feingefühl und Charakterisierungsvermögen, daß der Hörer sich vollständig im Banne des von ihm angeregten Problems fühlt. Im „Paracelsus" streift Schnitzler das Psychologische das mit der hypnotischen Suggestion verbunden ist, auf welche sich in früheren Zeiten wohl schon Leute verstanden haben, die wie Theophrastus Paracelsus dadurch bei ihren Zeitgenossen in den Ruf von Schwarzkünstlern gerieten. Mit einem Grill- parzer-Calderon'schen Gedanken schließt das sinnige Vers- spiel. Was ist Traum — was ist Wirklichkeit, wo liegt die Grenze zwischen diesen beiden Sphären? Ist das, was aus dem Reiche des Unbewußten aufsteigt, nicht am Ende ebenso wahr, wie das, was wir vermeinen in voller geistiger Klarheit auszuüben? „Die Gefährtin" beschäftigt sich mit der uralten Frage des Verhältnisses zwischen Mann und Weib in hochmoderner Form. Die verhaltene Leidenschaft, die niemals explodiert, die gedämpfte Sprache, und die matten Lichter, welche der ganzen Situation aufgesetzt sind, wirken ungemein apart. „Der grüne Kakadu" führt uns in das Jahr des Bastillensturmes, und zeigt uns in grotesker Beleuchtung die Typen einer Gesellschaft, die auch noch auf vulkanischem Boden ihre Orgien feiert. Das Schauspielensemble des Residenz - Theaters ist mustergiltig. Jeder und jede befindet sich auf ihrem Platze und bleibt bis zu Ende in der Stimmung des Ganzen. Die Kirchen Münchens gehören nächst den stolzen Rhein- und Donau-Münstern zu den sehenswertesten in ganz Deutschland. Die reine Gotik verschwindet hier gegen den byzantinisch-romanischen, den Jesuiten- und Zopfstil. Architektonische und historische Merkwürdigkeiten sind mit jeder verbunden. Hochinteressant ist die von König Ludwig I. erbaute Bonifaziuskirche, die uns in allem den Charakter einer echten Basilika aus der altchristlichen Zeit vor Augen führt. Wir betraten letzten Freitag Vormittag das Mittelschiff gerade in der Stunde, als unter großer Prachtentfaltung ein feierliches Totenamt für den jungen, am „Wilden Kaiser" abgestürzlen bayerischen Offizier gehalten wurde. Es war ein düsterer Tag, der eher November-, als Julistimmung zeigte. Draußen lag die Welt im Regenschleier, das graue Tageslicht brach sich durch die schmalen Fenster der Basilika nur mühsam Bahn, in den Seitenschiffen lagerte die Dämmerung, aber auf dem Hochaltar, vor der goldschimmernden Apsis brannten unzählige schlanke Kerzen, über einen mit Blumenspenden belasteten Schem- katafalk zogen die Weihrauchdämpfe hin, und ein unsichtbarer Chor, in dem herrliche Tenorstimmen den Aufschwung der Seele zu himmlischen Höhen versinnbildlichten, sang das requiem aeternam. Ueber eine Stunde währte die Seelenmesse, welcher eine hocharistokratische Trauergemeinde beiwohnte. hingen die Bilder, die die Demonstration seiner „Pila" vor Napoleon darftellen: Oelgemälde, Stiche und Seidengewebe in allen Formaten und Variationen. Besonderes Interesse erregten die von Volta benützten Apparate, die ebenfalls ausgestellt waren. BD Unterm 9. Juli meldet ein Telegramm aus Como: Das Ausstellungskomitee hat beschlossen, daß die in Aussicht genommenen Festlichkeiten, wie auch der internationale elektrische Kongreß trotz des Brandes stattsinden sollen. Deutsches Reich. Darmstadt, 11. Juli. Infolge Ablebens Seiner Kaiserlichen Hoheit des Großfürsten-Thronfolgers von Rußland haben Ihre Königlichen Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin die Reise nach Rußland vorerst aufgegeben und werden sich demnächst zum Landaufenthalt nach Jagdschloß Wolfsgarten begeben. Berlin, 11. Juli. Aus Hellesylt wird gemeldet, daß der Kaiser gestern mittag wohlbehalten von Merok eingetroffen ist. Berlin, 11. Juli. Nordlandfahrt des Kaisers. Wie der „T. R." aus Hellesylt unter dem 10. Juli gemeldet wird, hielt der Kaiser Sonntag an Bord der „Hohen- zollern" Gottesdienst ab, an welchem auch die Mannschaft der „Heia" teilnahm, und unternahm mit dem Gefolge einen längeren Spaziergang am Lande. Montag wurde die Fahrt nach dem Geirangerfjord fortgesetzt. Dabei erledigte der Kaiser Regierungsgeschäfte. Das Wetter ist trübe; trotzdem wurde nach Ankunft in Merok ein Spaziergang unternommen. Voraussichtlich bleibt die „Hohen- zollern" einige Tage im Geirangerfjord vor Anker. Berlin, 11. Juli. Nicht nur der Kaiser sandte den Hinterbliebenen des verstorbenen Oberpräsidenten v. Achenbach eine in den herzlichsten Worten gehaltene Beileids- depesche, sondern auch von der Kaiserin ging ein Kondolenztelegramm bei dem Sohne des Verstorbenen ein. Berlin, 12. Juli. Am 10.Juli haben in Bayern die Urwahlen für die Kammer der Abgeordneten stattgefunden. Heber das Ergebnis liegen noch keine vollständigen Berichte vor. Soweit indes bis jetzt zu überblicken, büßten die Liberalen durch diese Wahlen etwa 20 Sitze ein. Hierdurch ist leider eine ultramontane Kammermehrheit gesichert. Auch die Sozialdemokraten ziehen verstärkt in die Kammer ein. Das bisher liberal vertretene München erhält infolge eines überraschenden Kompromiffes zwischen Sozialdemokraten und Zentrum drei ultramontane und drei sozialdemokratische Abgeordnete. — Neue Ausführungsbestimmungen zum Im Pfgesetz. Im Juni vorigen Jahres hat im Reichs- gesundheitsamt eine vom Reichskanzler einberufene Kommission getagt, die aus Vertretern der medizinischen Wissenschaft und Praxis, der Medizinalbehörden der größeren Bundesstaaten, zuständigen Verwaltungsbehörden und auch von Aerzten aus den Reihen der Jmpfgegner beschickt war. Die Kommission hat die Ausführungsbestimmungen des Jmpf- gesetzes auf ihre Zweckmäßigkeit geprüft und Vorschläge ausgearbeitet, um die schädlichen Nebenwirkungen zu beseitigen, die bei der Impfung wahrgenommen sind. Vor längerer Zeit bereits sind diese Vorschläge dem Bundesrat zur Beschlußfassung unterbreitet worden. Wie jetzt verlautet, ist gegen das Ende des Jahres der Erlaß neuer Ausführungsbestimmungen zum Jmpfgesetz zu erwarten. An den Grundlagen des Jmpfgesetzes wird aber nichts geändert werden. — Aus Herne wird gemeldet: Die Polizei nimmt fortgesetzt Verhaftungen von jungen Polen vor, die bei dem letzten Strike Arbeitswillige belästigt und mißhandelt haben. Wiederum wurden sieben Verhaftete dem Gericht vorgeführt. Von den bei der Verübung von Ausschreitungen Verletzten befindet sich einer noch in Lebensgefahr; die übrigen sind als geheilt aus dem Krankenhause entlassen und in das Gerichtsgefängnis übergeführt. — Aus Südwestafrika. Sehr günstig scheinen sich die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Grootfontein zu entwickeln. Ueber diesen in Großnamaland gelegenen Ort berichtet Hauptmann v. Estorff im „Deutschen Kolonialbl.", daß die planmäßig und sorgfältig ausgeführten Entwässerungen der Sümpfe bis jetzt einen überraschend guten Einfluß auf die Gesundheit der Weißen wie Eingeborenen ausgeübt haben. Der Gesundheitszustand der Mannschaft kann im Vergleich mit 1896/97 als vortrefflich bezeichnet werden. Fieber gehören jetzt zu den Seltenheiten. Ein anderer großer Erfolg der Arbeiten ist hier in den Gartenanlagen zu erkennen. Das durch die Entwässerung gewonnene Wasser hat jene ermöglicht und bei gutem Boden ebenfalls überraschende Erfolge gezeitigt. Mais zum Beispiel gedeiht in außerordentlicher Ueppigkeit, und Kartoffeln in der Größe von zwei Fäusten sind keine Seltenheit. Der Berichterstatter empfiehlt daraufhin dringend die Anlage einer Versuchsstation. Ausland. Budapest, 11. Juli. Das Magnatenhaus hat heute sämtliche Ausgleichs-Vorlagen angenommen. Rom, 11. Juli. Einigen Blättern zufolge ist die Begnadigung Gilettas nur das Vorspiel noch intimerer Freundschafts-Beweise Frankreichs für Italien. Mailand, 11. Juli. Der Wiederaufbau der elektrischen Ausstellung in Como hat bereits begonnen. Die Wiedereröffnung der Ausstellung findet am 15. August statt. Paris, 11. Juli. Infolge der Veröffentlichung eines Zwischenfalles betreffend den General Pellieux und Esterhazy in der „Aurore" sandte der General Pellieux dem Redakteur Delpeuche, aus dessen Feder der betreffende Artikel stammt, seine Zeugen. Der Redakteur nahm die Forderung an. Paris, 11. Juli. Das Testament des verstorbenen italienischen Gesandten Reßmann, das in der hiesigen italienischen Gesandtschaft deponiert war, ist gestern eröffnet worden. Der Gesandte hat, abgesehen von einigen Privatlegaten sein ganzes Vermögen der StadtLigurna vermacht. Madrid, 11. Juli. Seitens der Deputierten Morayta und Jbanetz wurde in den Cortes der Antrag eingebracht, alle seit dem Jahre 1837 gegründeten Orden und Klöster aufzuheben und die Jesuiten unb deren Affi- liierte auszuweisen. Bukarest, 11. Juli. In vielen Distrikten verweigern die Bauern die Ausführung der vertragsmäßig übernommenen Arbeiten. Im Distrikt Cainesti zündeten die Bauern die Ernte der Gutsbesitzer an. Balkanstaaten. Die Gerüchte von einem Aufschub der Vermählung des Erbprinzen Danilo beruhen auf .Erfindung. Die Vermählung ist endgiltig auf den 27. d. M. festgesetzt. Der Gesundheitszustand des Erbprinzen ist ausgezeichnet. Belgrad,8.Juli. Zum Mordanschlag auf Milan läßt sich die „Kölnische Zeitung" schreiben: Milan lernt nichts. Als im Jahre 1883 in Zajetschar der bekannte antidynastische Putsch ausbrach, ließ er gleichfalls die radikalen Führer einfangen und vom damaligen Blutgerichte teils zum Tode, teils zu langen Kerkerstrafen verurteilen; 60 radikale Parteigänger wurden erschossen. Sieben Jahre später jedoch war der zum Tode verurteilte Nikola Paschitsch Ministerpräsident, der ebenfalls zum Tode verurteilte Kosta Tauschanowitsch Minister des Innern. Die einstigen Hochverräter teilten sich in die Macht, während sich der ehemalige König in einem „elenden Hotel" des französischen Städtchens Bayonne nach einem beglaubigten Briefe an Frau Natalie mit Selbstmordgedanken trug. Seither ist Milan abermals Serbiens thatsächlicher Herrscher geworden. Nicht ganz innerhalb zweier Jahre ist er aber wieder da angelangt, wo er im Jahre 1883 gestanden hat. Abermals ist das Gefahrvolle und Unerträgliche der politischen Lage in einem gegen den Thron gerichteten Gewaltstreiche zu Tage getreten, und abermals sind die radikalen Führer eingefangen worden. Ob der gegen sie erhobene Vorwurf diesmal zutrifft, muß sich erst noch Herausstellen. Es schien eine Weile, als ob die Radikalen ihre Taktik, seitdem ihr Führer Paschitsch so reiche Erfahrungen im In- und Auslande gesammelt hat, ändern wollten. Vor ungefähr einem Jahre wenigstens trat Paschitsch in einer Konferenz mit vielem Eifer gegen jeden Gewaltstreich auf, und seine Gesinnungsgenossen versicherten, laß „Milan nicht die Knochen eines Uzizaer Hajduken wert et", daß man daher am besten thue, wenn man seine Herr- chaft in sich selbst zerfallen lasse. Wenn eine gründliche Intersuchung eingeleitet würde, müßte sich bald Herausstellen, ob Paschitsch und die Radikalen damals nur ein Schein- manöver aufgeführt haben oder ob es ihnen mit der Aenderung ihrer Taktik ernst gewesen ist. Freilich hat die erbische Rechtsprechung immer wenig Vertrauen erweckt, und wenn sie jetzt unter dem Drucke des Oberkommandierenden der Armee ein Urteil fällt, so wird man mehr )enn je im Zweifel darüber sein, ob sie Recht spricht oder »richt. Lokales und Provinzielles. -f- Bad Salzhausen, 11. Juli. Der Besuch unseres Bades ist im fortwährenden Steigen begriffen; besonders kommen aus der Umgegend des Nachmittags viele Personen zum Zwecke des Badens und zwar meist per Bahn. Gestern nachmittag nun trafen etwa 150 Badelustige hier ein, die ich förmlich um den Vorrang stritten und von denen bis um Abend nur cirka 110 Personen — wegen Unzuläng- ichkeit der Zellen und der Leitungsanlage — Bäder erhalten onntcn, während die Übrigen Gäste unverrichteter Sache wieder Heimwandern mußten. Bei dieser Hebung unseres Bades dürfte ein baldiger Neubau ober doch wenigstens eine Erweiterung des Badehauses nötig werden. §§ Bermuthshain, 8. Juli. Heute fand in dem benachbarten H artmannshain Bürgermeister wahl statt. Gewählt wurde einstimmig mit 42 Stimmen der seitherige Bürgermeister Christian Schmalbach. Herr Schmal- lach blickt auf eine 18jährige Dienstzeit zurück und war dies >ie dritte Wahlperiode. Der Wiedergewählte hat sich seit einer Amtsthätigkeit die Liebe und Achtung der sämtlichen Ortseinwohner erworben, wofür als Beweis die einstimmige Wahl vollständig genügend ift. Nach der Wahl gab es denn ein gemütliches Beisammensein, wobei es an dem nötigen Essen und Trinken nicht fehlte. Gegen Abend unternahmen )ie Wähler, voran eine Fahne mit Musikbegleitung und ihrem wiedergewählten Oberhaupt (mit Strauß und Band am Hut) einen Zug durch den Ort, wo sie überall mit Begrüßung empfangen wurden. Möge es Herrn Schmalbach vergönnt sein, noch lange Jahre das Amt als Bürgermeister wie seither mit Treue und Gewissenhaftigkeit zum Wohl und Segen der ganzen Gemeinde zu verwalten. *t Eine Darmstädter Künstlerkolonie hat bekanntlich unser Großherzog kürzlich begründet. Unter anderem wurde zu diesem Zweck der Wiener Architekt Olbrich nach Darmstadt berufen. An diese Thatsache. knüpft Ludwig Hevesi im „Wiener Fremdenblatt" folgende Ausführungen: Der Großherzog Ernst Ludwig von Hessen ist ein erleuchteter Freund der modernen Kunst und sieht, wie ringsum deutsche Mittelstädte und kleine Residenzen alle Anstrengungen machen, um sich zu Mittelpunkten der Kunst oder des Kunstgewerbes zu entwickeln. Was ist nur aus Karlsruhe in wenigen Jahren geworden! Welche Industrie hat sich in Krefeld durch die Schöpfung des Kaiser Wilhelms- Museums entwickelt! Wie rührig ist jetzt Stuttgart hinterdrein, sein Kunstwesen zu verbessern, und hat den Karlsruhern gleich drei Hauptkräfte (Carlos Grethe, den Grafen Kalckrenth und den Wiener Plötzlberger) weggeholt. UebcraU sieht man ein, daß die bildende Kunst, und gar das Kunst- gewerbe, endlich in den Vordergrund des allgemeinen Interesses getreten ist, und nachgerade die größte volkswirtschaftliche Bedeutung gewonnen hat. Wo sich ein schöpferischer Kopf zeigt, bringt man ihm von allen Seiten Kränze und Kronen entgegen. Jeder Künstler von Ursprünglichkeit und Erfindungsgabe ist durch die Ausstellungen und mehr noch durch die Fachzeitschriften, die jetzt einen weiten Leserkreis haben, im ganzen Auslande bekannt, und kann von heute auf morgen überallhin berufen werden. Die Talente haben jetzt einen großen internationalen Markt. Olbrich aber steht heute an Leistungsfähigkeit als Architekt und vielseitiger Gewerbekünstler in allererster Reihe. Der junge Oesterreichisch-Schlesier, der unter Hasenauer studiert hat, aber erst an der Seite Otto Wagners im praktischen Bauleben seine moderne Persönlichkeit bewähren konnte, steht heute auf gleicher Höhe mit Van de Velde in Brüssel, Plurnet in Paris und Eckmann in Berlin. In München kennen wir, trotz des trefflichen Martin Dülfer, der den Kaim-Saal erbaut hat, keine moderne Kraft von dieser Ausgiebigkeit und persönlichen Note. Der junge Großherzog hat dies mit raschem Blick erkannt und es ist keine Phrase, wenn Olbrich brieflich versichert wurde, daß „gerade seine architektonische Ausdrucksweise an entscheidender Stelle ungemein sympathisch" fei. Der Großherzog ist für die moderne Kunst gewonnen worden, nachdem er einen Teil des Darmstädter Schlosses nach Entwürfen von Ashbee in London hat neu einrichten lassen, die aber von Darmstädtern ausgeführt wurden. Diese moderne Palasteinrichtung war eine kunstgeschichtliche That, die nun fortwirkt. Was der Großherzog jetzt gründet, ist aber nicht etwa irgend etwas Kunstakademisches nach altem Muster, sondern eine freischaffende Künstlerkolonie. Keinerlei Behörden stehen zwischen ihm und den von ihm berufenen Künstlern, er verkehrt persönlich mit ihnen und ist vor allem der Wächter ihrer künstlerischen Freiheit. Wenn Olbrich berufen wurde, geschah es unter Bedingungen, die bei uns fabelhaft klingen. Er erhält etwa das Doppelte des Gehalts, das ein Professor der Wiener Akademie bezieht, und hat dafürmichts zu thun, als in Darmstadt zu sein. Alles, was er macht, wird ihm besonders bezahlt. Jene Summe soll ihm nur die Existenzsorgen abnehmen und seinem Künstlergeist eine ideale Freiheit des Schaffens gewähren. Der moderne Mäcen sucht fein Jntereffe darin, daß er seinen Künstlern hilft, ihre eigene Persönlichkeit frei zu entwickeln. Die erste Arbeit, die Olbrich in Darmstadt vorfindet, ist auch gerade eine, wie er sie sich hier vergebens ersehnt hat. Wir haben ja einmal davon gesprochen, wie er sich mit dem Plane einer Künstlerkolonie in Hietzing trug, mit lauter Häuschen und Werkstätten für die Gesinnungsgenossen. Es wurde nichts daraus. In Darmstadt ift er nun vor allem beauftragt, die ganze neue Künstlerkolonie zu bauen, mit allen Häusern und Werkstätten. Einstweilen hausen die Künstler im prächtigen alten Lustschloß Mathil- denhöhe bei Darmstadt, einem Barockbau nebst Zubehör. Und was für Künstler sind es! Der Großherzog hat Hans Christiansen in Paris gewonnen, dazu den Medailleur Rudolf Bosselt aus Paris, einen Frankfurter, den Maler Heinz Heim, den Sticker und Weber Paul Bürck u. s. w. Aber Olbrich ift nicht etwa an den Ort gebunden, seine Freizügigkeit ist ihm belassen, er kann bauen, wo er will. Und die Umgebung Darmstadts sind reiche deutsche Städte; Frankfurt, Mainz, Baden-Baden, das ist sein Wirkungsgebiet. Die Hauptsache aber ist für ihn das fruchtbare Zusammenleben mit freigesinnten Arbeitsgenossen. Ohne die geräuschvollen Ablenkungen der Großstadt, ohne Sitzungen und andere Amtlichkeiten, in Stille und Sammlung sorgenlos bloß seinem Schaffen leben zu können, das war fein Traum. Und der ist nun verwirklicht. Aber für Wien bedeutet diese Wirklichkeit den Verzicht auf eine seiner größten Hoffnungen. Uermischtes. * Die Firma C. Buchner in Wiesbaden, der bekanntlich die elektrische Beleuchtung des Feftplatzes gelegentlich des 17. Verbandsschießens übertragen war, nebst ihren Zweigniederlassungen in Karlsruhe und Mainz, wurde mit Wirkung vom 1. Januar d. I. in eine Aktiengesellschaft unter der Firma Elektricitäts-Aktiengesellschaft vorm. C. Buchner, umgewandelt. Die Gründung erfolgte unter Mitwirkung einiger dem Unternehmen zum Teil schon seit Jahren nahestehender Kapitalisten; die Leitung bleibt in den Händen des bisherigen Inhabers der Firma C. Buchner, Herrn L. Klamberg, der als alleiniger Vorstand bestellt ist, und erfolgt auch fernerhin nach den Grundsätzen, denen das Unternehmen seine wachsende Entwickelung verdankt. Prinz WUhelm von Preußen in Paris. Gerade jetzt, wo die Pariser Presse von der Möglichkeit eines Besuches Kaiser Wilhelms auf der dortigen Weltausstellung spricht, wird ein Brief veröffentlicht, der feststellt, daß unser jetziger Kaiser bereits im Jahre 1878 als Prinz in Paris gewesen ist. Der Brief rührt von der Hand des damaligen Kronprinzen her und ist an den König von Rumänien gerichtet. Er findet sich nach den „Leipz. N. Nachr." im Whitmans englischer Bearbeitung der Aufzeichnungen des Königs. Die betreffende Stelle lautet: „Wilhelm ist eben aus England und Schottland zurück; er hat Charlotte und Bernhard in Paris getroffen, wo sie sich im strengsten Inkognito herrlich amüsiert haben." * Die Ueberfiedelung der Deutschen nach den Karolinen u. s. w. dürfte sich wahrscheinlich im Herbst vollziehen. Ein Kriegsschiff wird die feierliche Uebernahme durch das Reich und die Hissung der Reichsflagge vollführen. Mit einem Dampfer sollen das deutsche Personal, die notwenoigen Bedürfnisse und einige Abteilungen eingeborener Schutztruppen dahin gebracht werden. 9«t M««iMDf: rt ;• unb mehr a«n unbT"1 '‘.'»nölen ®W| S ??** 'Ne. D« P'"“"« fhibien J pwWen ;5?«« ‘onnte, *’“ "> Brüssel • 3« München 3«, der »en rai‘ von dieser "KGroßherzog 'Neme Phrase, atz „gerade seine knder Stelle nn- ^og ist für die 1 einen Teil n von Ashbee in 'Dn Darmstädtern Einrichtung war >vnkl. 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