Nr. 162 EMesBlatt. Donnerstag de» 13. Juli 1S99 ießener Anzeiger Heneral-AnMger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giefzen iM 1 Mroßförst-Throufolzer Georg voa Rußlavd t wu\ "och großes Lager v. Bechtold. ö o Beitrag Beitrag 3 Mk. Zur hessischen Steuerreform Bezeichnung der Kirchenfonds. Bezeichnung des Kirchcnfonds. Alle Anzeigcn-BermittlungSstcllen deS In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. 140 5 12 70 7 7 10 7 125 15 8 50 42 10 6 50 40 186 100 erden ab» 11 12 13 14 15 16 17 18 19 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 -rfch-tnt lSgttch mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Werden dem Anzeiger wöchentlich viermal beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schntstraße Ar. 7. Sie wollen dem Kirchenrechner Ausgabedekretur teilen und ihn beauftragen, den genannten Betrag an Rechner des evangelischen Centralkirchenfonds alsbald zuführen. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde. Mittel zur Durchführung dieses Grundgedankens vollständig vorhanden seien, gegenüber war in anderen Kreisen stets mit wahlberechtigten Bedenken entgegengetreten worden. Gerade weil man die Unmöglichkeit, in der Erhöhung der Einkommensteuer den vollen Ersatz zu finden, einsah, war die Spannung eine um so größere. An die preußische Ergänzungs- oder Vermögenssteuer zu denken, lag nahe, allein ebenso war deren Ungenügend heit zur Ausfüllung der Lücke von vornherein festzustellen. Man mußte zu anderen Mitteln greifen, die mannigfachsten Steuerquellen eröffnen. Das war aber doch vorauszusehen, daß diese die verschiedensten Bedenken und die erheblichsten Widersprüche Hervorrufen würden. Jede neue Steuer wird ihre Gegner haben. Es fragt sich nur, welche die wenigsten haben werde. Die Klassenlotterie, welche als Steuerquelle wohl nicht, sondern nur als Einnahmequelle betrachtet werden kann, hatte ihre Gegner vornehmlich in der nationalliberalen Partei. Manchen war sie bis dahin unannehmbar erschienen; es war eine tiefgehende Selbstüberwindung derselben, im Hinblick auf das höher zu ergreifende Ziel, die Klassenlotterie in dem betr. Gesetzesentwurf anzunehmen. Soweit uns bekannt, hat kein Nationalliberaler dagegen gestimmt. Es kann dies nicht genug gegenüber den scharfen Angriffen und unangebrachten Verunglimpfungen, mit welchen die nationalliberale Partei aus Anlaß ihrer Haltung in der Steuergesetzgebungsfrage neuerdings bedacht wird, hervorgehoben werden. Die Hundesteuer hat, obgleich die Höhe der Beträge und die Abweisung vorübergehender Ausnahmen auch vielfach Anstoß erregten, ebenso Annahme und namentlich auch von feiten der Nationalliberalen gesunden. In der Progression bezüglich der Einkommensteuer ist die Zweite Kammer etwas weiter gegangen als die Regierung, und ist auch dabei trotz der entschiedenen Weigerung der Regierung, soweit zu gehen, geblieben. Mag hiermit auch das Maß der Progression gegenüber anderen Staaten höher geworden sein, so war dies doch überhaupt und in den hessischen Verhältnissen wohlbegründet. Der Widerstand der Regierung kann um so weniger verstanden werden, als die Erste Kammer int Jahre 1895 bei der Beratung des Einkommensteuergesetzes ebenfalls bis zu 5 Prozent gegangen war. Wenn gegen die in dieser Beziehung eingetretene Haltung der Zweiten Kammer und namentlich auch der Natio- naDiberalen in offiziösen Äußerungen und aus der Wormser Ecke Widerspruch erhoben und der Fehlschlag der Steuerreform diesen in die Schuhe geschoben werden soll, so ist dies zum mindesten eine wenig verständliche Kundgebung, Am Montag früh starb in Abbas Suman in Trans- Kaukasien der Bruder des russischen Kaisers, der Großfürst- Thronfolger Georg int 29. Lebensjahr. Er war schon seit längerer Zeit leidend, sodaß sein frühzeitiges Ableben vorauszusehen war. Durch besonderes Manifest des Zaren wurde ihm der Treueid als Thronfolger geleistet, bis die Ehe mit der Prinzessin Alice von Hessen mit einem Thronerben würde gesegnet werden. An seine Stelle tritt nun der jüngste Bruder des Zaren, der am 22. November (4. Dezember) 1878 geborene Großfürst Michael Alexandrowitsch. Bersrod Burkhardsfelden Dorf-Gill Eberstadt Gießen Großen-Lindcn Grünberg Harbach taufen ang-Göns Londorf Ober-Hörgern Oppenrod Rödgen Rodheim a.d. Horloff Rüddingshausen Steinbach Wieseck Winnerod jedenfalls aber eine Verkennung und Verdrehung bec Sachlage. Steht denn die Sache so, daß der Kammer zugemuteL werden könnte, zu dem Vorschlag der Regierung nur „Jcr und Amen" zu sagen? Die württembergische Steuerreform ist, weil die Regierung sich mit der Kammer nicht einigen konnte, nicht zu stände gekommen. Hat jemals die dortige Regierung oder haben ihr nahestehende Federn Veranlassung genommen, die neinsagenden Abgeordneten zu verdächtigen? Unsere offiziösen Federn, sonst sehr stumpf, sind plötzlich zum Teil überspitz geworden. Glaubt man wirklich, damit etwas zu erreichen! Teilweise klingt es aber von dieser Seite und von bekannter nahestehender so plump und grob, so anmaßend und überlegen, daß man auch hier fragen möchte, ob man glaube, auf diesem Wege zum Ziele zu gelangen. In die Steuerreform wurde die Weinsteuer aufgenommen, trotzdem die Regierung wußte, welchen fortwährenden und stets hartnäckigen Widerstand sie in der Bevölkerung gefunden. Solchen Widerstand bricht man nicht durch Hinweis auf andere zukünftige Steuervorteile, welche im allgemeinen wohl kommen, aber für den einzelnen noch nicht greifbar sind. Nach dem vorauszusehenden Fall der Weinsteuer wurde die Erhöhung der Erbschaftssteuer und des Einkommensteuergesetzes vorgeschlagen und glatt angenommen. Die ganz zuletzt eingebrachte Vorlage über den Urkundenstempel hat bei der Beratung die größte Schwierigkeit gemacht, wie nicht anders erwartet werden konnte. Manche Sätze des Tarifs wurden erniedrigt. Bei anderen fand Erhöhung statt. Ob hier überall das richtige getroffen worden ist, mag dahingestellt bleiben. Die höchst anfechtbare Radfahrersteuer hat, wenn auch mit Einschränkung, unter den Nationalliberalen die Mehrheit gehabt. Manche konnten es nicht über sich bringen, dafür zu stimmen. Ist daraus ein Vorwurf zu machen? Die Reform ist im großen und ganzen unter Dach und Fach gebracht, nicht überall ganz der Vorlage entsprechend, aber doch in der Hauptsache. Es hat manchen Ueberwin- bung gekostet. In gar manchen Kreisen findet man die ganze Vorlage nicht ausgereift und zu radikal. In Preußen lag die Sache doch anders. Hier konnte man mit Einkommen- und Ergänzungssteuer auf der Grundlage des Bestehengebliebenen die ganze Steuerreform machen. Bei uns war dies anders. Deshalb das bunte Steuerprogramm und deshalb bei Wegfall der Weinsteuer die Ersatzleistung, wie vorstehend angegeben. Daß bei solchen entscheidenden Umänderungen nicht alles glatt ablaufen kann, sollte doch nicht so schwer einzusehen sein. Viele Abgeordnete, und man darf wohl mit einer ziemlichen Sicherheit sagen, wohl die Mehrheit, hätte anstatt der so wesentlichen Erhöhung des Urkundenstempels die in Preußen eingeführte Betriebssteuer für Wirtschaften auch für Hessen unter sachgemäßer Aenderung angenommen. Diese Steuer wäre vor nicht langer Zeit auch den Wirten annehmbar gewesen, als das geringere liebel, weil feststehend und nicht zu sehr belastend. Jedenfalls wäre sie eher und besser zu begründen gewesen, als die Fahrradsteuer, denn die Wirtschaften müssen der Natur der Dinge nach unter staatlicher Aufsicht stehen. Der St«at entfaltet ihnen gegenüber täglich eine mehr oder weniger beträchtliche Thätigkeit, und war diese auch den Wirtschaften nicht immer erwünscht, so ist sie doch gar manchmal willkommen und jedenfalls entstehen aus dem Wirtschaftsbetrieb gar häufig Verhältnisse, welche staatliches, kostspieliges Eingreifen in ganz anderer Weise, als dies bei anderen Erwerbsgeschäften der Fall, notwendig machen. Man hat diese Steuer nicht gewählt, woraus der Regierung kein Vorwurf gemacht werden soll. Allein was dem einen recht, ist dem andern billig. Man sollte sich doch auch enthalten, mit Vorwürfen andere zu bedenken, welche nicht immer gleiche Ansicht mit der Regierung haben. Haben die Herren v. Eynern und nationalliberalen Genossen, welche im preußischen Abgeordnetenhaus den Reformvorschlägen des Herrn v. Miquel eine sehr scharfe Opposition geleistet, etwa von der Negierungsseite, oder aus dem Kreise ihrer Parteigenossen auch die Vorwürfe hören müssen, welche man jetzt über die Nationalliberalen der Zweiten hessischen Kammer mit so freigebigen Händen ausstreut? Es ist gewiß nicht zu bestreiten, daß die wirtschaftlichen Interessen und namentlich auch die Steuerfragen in der nationalliberalen Partei Verschiedenheit der Ansichten herbei- geführt und daß diese Verschiedenheit die wünschenswerte So erschien die die Reform der Besteuerung enthaltende Gesetzesvorlage mit einemmale auf dem Plan. Der Grundgedanke, die Beseitigung der in dem Bestand der sogenannten Realsteuern liegenden staatlichen Doppelbesteuerung, klang gewiß sympathisch, wenn auch dadurch die Frage der Durchführbarkeit gerade gegenüber den eigentümlich hessischen Verhältnissen nicht erledigt wurde. Mit vollem Recht war man auf den Lösungsoersuch gespannt, denn den wiederholt aufgetauchten Aeußerungen, Eohl in der Presse und in der Ersten Kammer, daß die Bezugspreis vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfß. mit Bringerlohn. Bei Postbezug 2 Mark 50 Pfg. | vierteljährlich. Pt» Ranges. '°rs i ich. iö: ainer. HMt. Mk. ,P. tont», \* b-i W lMch 21. -ltttS-°-S »■ .Mkäiie. tu - Illi“ , 32537 Halt jMirfi Nta|;e 8. lerftofit w* 'nfloffc iwaten inen Won sen. ste und Roben gegeben. hWr, lenser von verfahren .söhnten^ jcMte3 j eg pfg' zo 10 'Lat» Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschmttsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert pro Monat Juni 1899 für den Lieferungsverband Gießen Pro 100 Kg. betragen: Hafer Mk. 17,10, Heu Mk. 5,80, Stroh Mk. 3,70. Gießen, den 10. Juli 1899. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Gießen, den 10. Juli 1899. Betr.: Revision der Jagdgesetzgebung. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ae Vie Orohh. Bürgermeistereien M Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vorn 16. Juni l. Js. (Amtsblatt ohne Nummer) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung mit Frist von 8 Tagen erinnert. v. Bechtold. Gießen, den 7. Juli 1899. Betreffend: Den Voranschlag des evangelischen Centralkirchenfonds für 1899/1900; hier die auf die Lokalkirchen- u. milden Stiftungsfonds ausgeschlagenen Umlagen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die evangelisch. Kircheuvorstäude des KreiseS. Nach einer Mitteilung Großh. Oberkonsistoriums vom 3. l. Mts. haben die untenverzeichneten Kirchenfonds für die kirchlichen und geistlichen Zwecke den beigesetzten Beitrag Pro 1899/1900 an den evangelischen Centralkirchenfonds zu leisten. schreibt der „Darmstädter Tägliche Anzeiger": Heber der Reform der Steuergesetzgebung schwebte von Anfang an ein düsterer Unstern. Die allseits so sehr beklagte Krankheit des Herrn Finanzministers, der von dem Feuer des Wollens erfüllt das Ergebnis feiner langjährigen Erwägungen und Vorarbeiten, rasch dem hessischen Volke vorlegen wollte, konnte nicht anders, als sich sehr fühlbar geltend machen. War ihm doch nicht vergönnt, die so notwendige Fühlung zu nehmen und sein Werk der Steuerreform selbst zu vertreten. Einmütigkeit nicht überall ermöglicht. Ist dies im Reichstag, im preußischen Abgeordnetenhause anders? In der nationalliberalcn Partei entscheidet nicht der Standpunkt der wirtschaftlichen Interessen rc. Es war dies bislang nicht der Fall und wird auch künftighin nicht sein können. Die nationalliberale Partei hat ihr Ziel im Gesamtwohl des Landes stets gesucht, und wenn auch über die Wege mannigfach verschiedene Ansichten sich geltend gemacht haben, immerhin hat man sich auf dem gemeinsamen Boden der Vaterlandsliebe wieder vereinigt. Unzeitige Angriffe und Vorwürfe verbittern und verstimmen am allermeisten. Wie wird sich denn die Erste Kammer zu der Stcuervorlage stellen, wird sie dieselbe schlank nach der Vorlage der Regierung annehmen, der Zweiten Kammer überall beistimmen oder Abänderungsvorschläge machen? Wer vermag dies zu sagen? Und wie wird sich die Zweite Kammer zu den Beschlüssen der Ersten Kammer stellen? Wer möchte deshalb schon jetzt wissen, daß die Reform gescheitert sei und gar durch wessen Schuld! Hat denn die Regierung in ihrer Vorlage überall das absolut, ja selbst das relativ Richtige getroffen? Ist sie unfehlbar? oder muß sie nicht auf der in allen Staaten betretenen Bahn der Verständigung folgen. Damit kommt man im politischen Leben weiter, als mit Vorwürfen und Verdächtigungen, welche von offiziösen Federn oder denselben doch nahestehenden Kreisen ausgehen. Die Schulmeisterei wird man mit der Zeit auch müde, fehlen kann jeder, auch im politischen Leben, und man nimmt recht gerne, auch im politischen Leben Rat an — allein die nicht anerkannte vornehme Üeberlegenheit, wenn sie sich breit macht, erreicht gewöhnlich das Gegenteil des Gewollten. Mit Vergnügen kann bestätigt werden, daß der „Frankfurter Ztg." gegenüber aus offiziösen Kreisen in ganz anderer Weise begegnet wird. Dieser gegenüber wird die Zweite Kammer fest in Schutz genommen und deren Einsicht in das beste Licht gestellt. Wenn Uebereifer die Schale des Zornes über die Zweite Kammer und namentlich die Nationalliberalen ausschütten will, so wird dies zwar vorübergehend verstimmen, niemand aber abhalten, in reifer Erwägung seiner Stellung und Verantwortlichkeit seine vollständige Schuldigkeit zu thun. Deutsches Reich. Berlin, 11. Juli. Wie gemeldet wird, wurde der chinesische Gesandte in Berlin vom Tsung li Damen beauftragt, mit der Gesellschaft „Vulkan" in Stettin den Bau von zwei Panzerschiffen und sechs Kreuzern abzuschließen. Die Kaufsumme soll 10 Millionen Taels betragen. Desgleichen soll ein Auftrag von 50 Schnellfeuer- Geschützen von China nach Deutschland gegangen sein. Berlin, 11. Juli. Wie die „Nordd. Allgem. Ztg." mitteilt, wird am 13. Juli d. I. im „Reichs-Anzeiger" der Gesetzentwurf betreffend das Urheberrecht an Werken der Litteratur und Tonkunst veröffentlicht werden, welches die Revision unseres literarischen und künstlerischen Urheberrechts einleiten soll. Der Gesetzentwurf ist innerhalb der Reichsverwaltung ausgearbeitet und zunächst dem Bundesrat zugegangen, um von diesem an der Hand seiner Erfahrungen beurteilt zu werden. Seine bevorstehende Bekanntmachung bezweckt, die öffentliche Kritik für die wichtige gesetzgeberische Aufgabe zu verwerten. Auf Grund der so gewonnenen Gutachten soll der Entwurf im Spätherbst dem Bundesrat vorgelegt werden. Berlin, 11. Juli. Nach der im Reichs-Eisenbahnamt aufgestellten Nachweisung sind auf den deutschen Eisenbahnen ausschließlich Bayerns im Monat Mai d. I. 191 B e - triebsunfälle vorgekommen, bei denen 60 Personen getötet und 152 verwundet wurden. Berlin, 11. Juli. Wie aus Kiel gemeldet wird, ist die Kaiserin in Begleitung ihrer drei ältesten Söhne heute mittag nach Berchtesgaden abgereist. Wie nachträglich bekannt wird, besuchte die Kaiserin am Samstag mit den kaiserlichen Prinzen das Bismarck-Denkmal auf dem Knivs- berge.' Berlin, 11. Juli. Der „Reichsanzeiger" widmet dem verstorbenen Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg und von Berlin, Dr. v. Achenbach, einen warmen Nachruf. Berlin, 11. Juli. Heute mittag 12 Uhr fand in der hiesigen russischen Botschaft anläßlich des Ablebens des Großfürsten-Thronfolgers ein Trauergottesdienst statt. M P.C. Wenn jetzt wieder einmal im Anschluß an den Besuch unseres Kaisers auf der „Iphigenie" von einer Besserung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich gesprochen wird, so darf wohl, ohne daß die Besorgnis rege zu werden braucht, es sollen die Verdienste anderer in den Schatten gerückt werden, daran erinnert werden, daß einen ganz hervorragenden Anteil an den deutscherseits im Laufe der Zeit immer wieder erneuerten Bemühungen, das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland so gut wie möglich zu gestalten, der dermalige deutsche Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe hat. Im Mai 1874 überreichte dieser als Nachfolger des Grafen Harry v. Arnim in Paris sein Beglaubigungsschreiben. Gelegentlich der Eröffnung der 1878er Pariser Weltausstellung war zum erstenmale wieder von herzlichen Beziehungen die Rede, welche zwischen Deutschland und Frankreich beständen. Zunächst hatte die deutsche Reichsregierung im Dezember 1876 auf die auch an sie ergangene Einladung Frankreichs zur Beschickung der Ausstellung aus industriellen und politischen Gründen ablehnend geantwortet. Als später die französische Regierung den dringendsten Wunsch aussprach, daß Deutschland sich wenigstens an der Ausstellung der wirkenden Kunst beteiligen möchte, gab der Kaiser seine Zustimmung, daß die deutschen Maler und Bildhauer ihre Werke in Paris ausstellten und beauftragte den Direktor der Akademie der bildenden Künste in Berlin, Anton von Werner mit der geschäftlichen Leitung der Sache. Fürst Hohenlohe eröffnete am 11. Mai die deutsche Ausstellung, bei welcher 115 Gemälde und 23 Skulpturwerke ausgestellt waren, und sprach dem französischen Minister Teisserenc de Bort den Dank Deutschlands aus für den Empfang, der den Deutschen in Paris zu teil wurde. Dieser bezeugte seine Freude über die Beteiligung Deutschlands und sah darin ein Unterpfand der herzlichen Beziehungen, die zwischen den beiden Ländern beständen. Gleichzeitig mit der Weltausstellung fanden unter anderen Kongressen in Paris auch der am 1. Mai vom Finanzminister Leon Say eröffnete Weltpostkongreß, bei welchem sich auch der Generalpostmeister des deutschen Reiches Dr. Stephan beteiligte, die deutsche Münzkonferenz und der gleichfalls von deutschen Delegierten besuchte internationale Kongreß für gewerbliches und für künstlerisches Eigentum statt. Beim Neujahrsempfang im Elysee l880 konnte Fürst Hohenlohe dem Ministerpräsidenten Freycinet sagen, er habe soeben ein Telegramm des Fürsten Bismarck empfangen, mit der Aufforderung, dem Ministerpräsidenten seine persönlichen Glückwünsche auszudrücken und ihm mitzuteilen, daß er dringend wünsche, die freund- chaftlichen und friedlichen Beziehungen, welche zwischen leiden Ländern beständen, aufrecht zu erhallen. Freycinet rankte dem Botschafter und äußerte seinen aufrichtigen Wunsch für Erhaltung des freundschaftlichen Verhältnisses zu Deutschland. Als Fürst Hohenlohe im vorigen Jahre in Paris war und das AusstellungSterrain besichtigte, wurde von der französischen Presse darauf hingewiesen, daß der deutsche Reichskanzler erhebliche Verdienste um die möglichst gute Gestaltung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich habe. In politischen Kreisen möchte man meinen, raß die augenblickliche Anwesenheit des Fürsten Hohenlohe in Paris nicht ganz außer Zusammenhang mit der neuen Phase stehe, in welche das deutsch-französische Verhältnis getreten sei. Frankfurt a. M., 11. Juli. Der „Franks. Ztg." wird aus Bielefeld gemeldet: Kaiser Wilhelm hat dem Geheimrat Hinzpeter, der ihm über das Anbringen einer Erinnerungstafel an der Sparrenburg Mitteilung gemacht hatte, folgendes Telegramm gesandt: Von der hervorragend gelungenen Statue des Großen Kurfürsten für die Sieges- Allee beabsichtige ich eine Reproduktion in Bronze der Stadt Bielefeld zu schenken und auf dem Sparrenberg im Burggarten aufstellen zu lassen. Dies soll ein Zeichen sein dankbarer Erinnerung für die Aufnahme seitens der Stadt und ein Mahnzeichen bilden, daß wie in diesem Ahn auch in mir ein unbeugsamer Wille ist, den einmal als richtig erkannten Weg, allem Widerstande zum Trotz, unbeirrt weiterzugehen. Wilhelm, I. R. Breslau, 11. Juli. Die hiesige Strafkammer verurteilte heute den Redakteur Löbe von der sozialdemokratischen „Volksmacht" wegen Beleidigung des Herrenhauses bei Bekämpfung von dessen Bestreben, die Freizügigkeit zu beschränken, zu einem Monat Gefängnis. — Vor kurzem ist deutscherseits bekanntlich eine Kabel Verbindung mit Deutsch-Südwestafrika hergestellt worden; die Landung des betreffenden Kabels in Swakop- mund ist am 5. April erfolgt. Der Kabeldampfer „Amber" hatte zuvor, da dem Kapitän die Landung des eigentlichen Seekabels in Swakopmund nicht thunlich erschien, dieses Seekabel am Strande zwischen Swakopmund und Walfischbai, etwa 10 Kilometer vor Walfischbai, gelandet und war dann auf die hohe See hinausgefahren, um das 125 Seemeilen von der Küste entfernt liegende Hauptkabel aufzufischen und mit diesem Kabel zu verbinden. Man hat so eine Kabelverbindung mit Deutschland durch Einschaltung eines kurzen Zweigkabels von Swakopmund in das durchgehende Kabel Mossamedes - Kapstadt bewirkt. Dadurch ist eine Verbindung von Deutschland bis Emden—Vigo— Suez—Aden östlich von Afrika herum, bezw. über Madeira- Teneriffa westlich um Afrika herum nach der Kolonie Deutsch- Südwestafrika geschaffen. Ausland. Wien, 11. Juli. Die klerikalen Blätter, die mit den maßgebenden kirchlichen Kreisen enge Fühlung haben, behaupten, daß für das erledigte Erzbistum Prag als erster Prinz Maximilian von Sachsen als Kandidat in Frage komme. Der Umstand, daß der Prinz Ausländer sei, würde keinen Hinderungsgrund bilden, und bei seinem ausgesprochenen Sprachtalent werde es ihm leicht fallen, sich die nötige Fertigkeit im Tschechischen anzueignen. Besondere Aussichten eröffneten sich dem Prinzen deshalb, weil er mit dem österreichischen Kaiserhause nahe verwandt sei. Paris, 11. Juli. Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe ist heute nach Colmar abgereist. Paris, 11. Juli. Die Untersuchung gegen General Pellieux ist seit einigen Tagen beendet. Der General ist benachrichtigt worden, daß die Untersuchung für ihn günstig ausgefallen ist. Infolge dessen hat Pellieux an den Kriegsminister einen Brief gerichtet, worin er diesen ersucht, die Untersuchung zu veröffentlichen, damit die Angelegenheit endlich beendet werde. Frankreich. Durch Verletzung des Amtsgeheimnisses will die „Gaz. de France" in den Stand versetzt sein, einen Geheimbericht des Polizeipräfekten an den Oberstaatsanwalt vom März d. I. zu veröffentlichen, der, wenn es sich um keine Fälschung handelt, interessante Streiflichter auf die gemeinsame Agitation der Royalisten, Antisemiten und der Patriotenliga werfen würde. Aus den Mitteilungen des genannten Blattes müßte man in dem Fall auch den Eindruck gewinnen, daß die royalistische Agitation nicht nur ungeschickt geleitet wurde, sondern zum Teil mit geradezu albernen Mittelchen gearbeitet hat, obwohl große Summen für sie verausgabt wurden; der Bericht behauptet, daß z. B. Dölourödes Theaterstreich, als er nach Loubets Wahl den bekannten Marsch nach dem Elysee in Szene zu setzen suchte, nicht weniger als 50 000 Fr. gekostet habe Der angebliche Polizeibericht meldet u. a., daß in 8 von den 20 Pariser Stadtbezirken ständige Ausschüsse die royalistische Bewegung schürten und leiteten, und daß besondere Verbände bestanden, die Bilder des Prinzen von Orleans, sowie Broschen und Nadeln mit seinem Namenszug von Belgien her vertrieben. Etwas ernster, wenn schon in Anbetracht der ungeschickten Ausführung ungefährlich, wäre der erwähnte Putsch des Herrn Dsroulöde gewesen. Das orleanistischc Bureau in der Rue Saint Honors wußte angeblich von ihm, und wollte im Fall des Gelingens sofort den Thronforderer, der sich bereits von San Remo nach Brüssel begeben hatte, nach Paris führen. Von der Grenze bis zur Hauptstadt sei ein Automobildienst eingerichtet gewesen. Das ganze verunglückte Stückchen habe den Royalisten 300 000 Fr. gekostet. Döroulöde erklärt in seinem Blatte heute mit aller Bestimmtheit, er sei nie ein Agent des Prinzen von Orleans, sondern ein aufrichtiger Freund der Republik gewesen. Den Putsch habe er mit eigenem Gelde in Szene gesetzt. Bei den mancherlei „Scherzen"^ die mau sich in dieser ernsten Zeit in Paris erlaubt, ist es nicht ausgeschlossen, daß die Geschichte mit dem „Geheimbericht" auf Kosten eines zweiten „Karl" zu setzen ist, dessen Namensvetter Herr de Beaurepaire zum Opfer fiel. Rennes, 11. Juli. Dreyfus ist heute seine neue Uniform angemeffen worden. London, 11. Juli. In politischen Kreisen wird auf das bestimmteste versichert, daß man sich unmittelbar vor einer Ministerkrise befinde. Die Mehrzahl der Mitglieder des Kabinetts soll nämlich Chamberlain in seiner Politik gegen Transvaal nicht folgen. Chamberlain seinerseits droht im Falle einer Krise, sich mit seinen Anhängern zurückzuziehen, sodaß das Kabinett keine Mehrheit zählen würde. Die Lage soll sehr ernst sein. Madrid, 11. Juli. Die Krisengefahr ist wieder geschwunden. Die Liberalen verständigten sich gegen gewisse Zugeständnisse mit der Regierung, und der Kriegsminister willigte in Ersparnisse ein. Petersburg, 11. Juli. Die Nachricht von dem Tode des Großfürsten Georg ist hier allen Kreisen völlig unerwartet gekommen. Die Trauer um den sehr beliebten Prinzen ist allgemein, lleberall werden Totenmessen für den Verstorbenen abgehalten. In der Isaaks-Kathedrale fand heute eine Trauerfeier statt. Armee und Flotte legen für drei Monate Trauer an, ebenso der Hof. Aus Petersburg kam am 16. d. M. die traurige Nachricht: Nach amtlicher Meldung aus Abbas-Tuman von. heute vormittag 9 Uhr 30 Minuten ist der Großfürst- Thronfolger Georg infolge einer plötzlichen starken Blutung in die Kehle gestorben. Der schmerzliche Verlust trifft das russische Kaiserhaus nicht unerwartet. Seit lange hatte man keine Hoffnung, mehr, das Leben des Thronfolgers, der wegen seines unheilbaren Leidens im Süden weilen mußte, zu erhalten. Großfürst Georg, am 9. Mai 1871 geboren — also zwei Jahre jünger, als der Zar — war das Schmerzenskind der Kaiserin Maria Feodorowna, die am Krankenlager dieses, ihres zweiten Sohnes einen großen Teil des letzten Jahrzehnts hingebracht hat. Beim Regierungsantritt des jetzigen Zaren ging auf ihn der Titel Zesarewitsch und die Anwartschaft auf die Thronfolge über. Da bisher dem Zaren Nikolaus kein Sohn geboren wurde, fällt Anwartschaft und Titel auf den jüngsten noch lebenden Sohu Alexanders II., den Großfürsten Michael, geboren am 4. Dezember 1878. Die Aussichten des Verstorbenen, je zur Regierung zu gelangen, waren schon auf Grund seines Körperzustandes nie ernst zu nehmen. Aber auch Großfürst Michael ist nur Zesarewitsch in partibus, denn sein Bruder, der regierende Zar, hat das 31., die deutsche Fürstentochter an seiner Seite das 27. Lebensjahr kaum vollendet, so daß die Rechnung auf männliche Sprossen des Kaiserpaares nicht abgeschlossen ist. — Der „Regierungsbote" veröffentlicht nachstehenden Erlaß des Kaisers: „Am 28. Juni (a. St.) verstarb in Abdas Tuman Unser geliebter Bruder, Thronfolger Großfürst Georg Alexandrowitsch. Die Krankheit, von der der Großfürst befallen war, konnte vielleicht, wie es schien, der eingeleiteten Kur und dem Einfluß des südlichen Klimas weichen, doch Gott hat cs anders beschlossen. Indem Wir Uns ohne Murren dem Beschluß Gottes unterwerfen, fordern wir alle getreuen Unterthanen auf, den tiefen Kummer mit Uns zu teilen und herzlich um die Seelenruhe Unseres verewigten Bruders zu beten. Von nun an, so lange es Gott nicht gefällt, Uns durch die Geburt eines Sohnes zu segnen, gebührt das Recht der Thronfolge auf genauer Grundlage des Erbfolgegesetzes Unserem geliebten Bruder Michael Alexandrowitsch. (gez. Nikolaus." Belgrad, 11. Juli. Die Untersuchung in der Attentats-Angelegenheit nimmt große Dimensionen an, da festgestellt ist, daß die Partei Karageorgevics den Attentäter gedungen hat, um durch eine Revolution die gewaltsame Entfernung der Dynastie Obrenowitsch durchzuführen. Afrika. Ueber die Transvaal-Angelegenheit liegen heute nur Nachrichten von geringer Bedeutung vor. Die Uitlanders nahmen in Johannesburg eine Resolution- an, in der sie erklärten, daß sie durchaus nicht der Ansicht des Ministerpräsidenten der Kapkolonie, Schreiners, seien, der bekanntlich die Zugeständnisse Transvaals als völlig genügend anerkannt hat. Sie äußerten vielmehr die Ansicht, daß die neuen Vorschläge der Transvaal-Regierung weit hinter dem zu fordernden Mindestmaß zurückblieben. Nun,, das war vorauszusehen. Interessant ist eine Aeußerung, Chamberlains, der im Unterhaus auf eine Anfrage gestern erklärte, er könne sich über die Lage in Südafrika zurzeit nicht äußern, da der Zustand dort konfuser sei als je. Offenbar hat das Entgegenkommen Transvaals dem Herrn. Staatssekretär seine Zirkel arg zerstört und er weiß äugen- r r l‘«. hEe seine neue Weisen wird auf A unmittelbar vor Mehrzahl btr M- uberlain in seiner igambetlain seiner- t ^inen Anhängern lt Mehrheit zählen esahr ist wieder -u gegen gewisse der Kriegsminister )t von dem Tode rllen Kreisen völlig den sehr beliebten Totenmessen siir den nls-Kathebrale sand tb Flotte legen für °f. d. M. die traurige Sschüss" v. 8 von >n> °° o !,“b[" R°AnL°7> Denn i* 5 9 von ?si* P°"or6 wch, °° *«•»£ d-« 3^ in w» L"' "« «9ent Fr-md ;,tl i ’ . 1 n^cherren« bt® »“'itnift, befielt Abbas-Tuman von in ist der Großsürst- x plötzlichen starken russische Kaiserhaus nun feine Hoffnung r wegen feinet un= Oe, zu erhalten, ebvrrn - a\\o yoti üaL Schmerzenskind it am Krankenlager ;ßen Teil des letzten legierungsantritt des Zesarewitsch und die ir. Da bisher dem ourde, fallt Anwart- noch lebenden Sohn chael, geboren am des Verstorbenen, je on auf Grund seines Aber auch Großfürst is, denn sein Bruder, teutsche Fürstentochter mm vollendet, so daß itn des Zaiserpaares iernngsbote" w s Kaisers: > ^man Unser geliebter eora Alexandrowitsch. hallen war, konnte ien Zur und dem Ein- . Kott hat es anders ch Ischluß 9elrfU "h berum teile«un \0w 2--hl d-r H« xKS it gr°«° „‘Lei W -> « fi’ * 5-; *5 ia"« Lei«, I* onit, S* el"ol6 j* rt««< di-Ahtz iieaa‘Stbt«'91, M 1,1 Anfrage 9el ,,lt < <«i »* ltt «"b 1 blicklich nicht, wie er ihm gegenüber seine Hetzpolitik fortsetzen soll. Erfreulich ist es, daß es in England aber auch nicht an rechtlich denkenden Leuten fehlt. In einer Versammlung der „Liberal Forwards" in London wurde bezüglich der Transvaalfrage eine Resolution angenommen, in der erklärt wird, daß die Versammlung die Abstellung der Beschwerden der Uitlanders zwar wünsche, rückhaltlos aber die böswilligen Versuche eines Teiles der Presse und gewisser Parlamentsmitglieder verurteile, die das Land zum Kriege drängen wollten. ____________________________________ Lokales und Provinzielles. Gießen, den 12. Juli 1899. ** Ruhestandsversetzung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, am 11. Juli den Direktor des Gymnasiums zu Gießen und ordentlichen Professor für Pädagogik in der philosophischen Fakultät der Landes-Universität, Geheimen Oberschulrat Dr. Hermann Schiller, in den Ruhestand zu versetzen. - Ordens-Verleihung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht, zum 9. Jul: dem Kommerzienrat Justus Ulrich zu Pfungstadt das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Steueraufseher Philipp Kling und dem Schneidermeister Peter Hofmann daselbst das Silberne Kreuz desselben Ordens zu verleihen. *• Zweite Kammer der Landstände. Auf der Tagesordnung für die 115. Sitzung am Dienstag dem 18. Juli 1899, vormittags 10 Uhr, stehen folgende Beratungs- aegenstände: 1. Etwaige Rückäußerungen der Ersten Kammer. 2. Uebersicht der Geschäftstätigkeit des 30. Landtages. — Nach Erledigung der Rückäußerungen Erster Kammer erfolgt voraussichtlich der Schluß des Landtags.. ** Der Tierschutzverein des Großherzogtums Hessen läßt soeben Erhebungen darüber veranstalten, wer sich von den Polizeibediensteten oder von dem Feldschutzpersonal an Anzeigen wegen Tierquälerei beteiligt hat, und sollen alle diejenigen, welche ermittelt werden, durch Geldprämien ausgezeichnet werden. *♦ Zur Hundeausstellung, welche nächsten Samstag und Sonntag auf dem Festplatze des Verbandsschießens statt- sindet, sind über 650 Hunde angenommen worden, während eine große Anzahl verspätet eingelaufener Meldungen zurückgewiesen wurden. Die Mehrzahl entfällt auf die Abteilung der Jagdhunde. Mit obiger Meldeziffer steht die Gießener Ausstellung an der Spitze der in diesem Jahre in Deutschland und Oesterreich stattgefundenen Hunde-Aus- stellungen. Die weltbekannte Firma Spratts Patent, Rummelsburg-Berlin, hat die Lieferung der Stände und Fütterung der Hunde übernommen und bereits mit dem Aufstellen der Boxen in den Bierhallen begonnen. Am Freitag dem 14. Juli findet abends im Saale des Hotels „Großherzog von Hessen" Zusammenkunft und Begrüßung der eingetroffenen Gäste und Aussteller statt; Samstag, den 15. Juli wird die Ausstellung, um 9 Uhr, durch den Vertreter der Regierung, Herrn Provinzialdirektor von Bechtold, offiziell' eröffnet werden; hierauf beginnt die Prämiierung, welche die Richter bis zum späten Abend in Anspruch nehmen dürfte; von nachmittags 5 Uhr ab findet Konzert in der großen Festhalle statt. Sonntags weist das Programm auf: 11 Uhr vormittags Frühschoppen mit Konzert; 1 Uhr Festessen (das trockene Gedeck Mk. 2.—), von 4 Uhr ab bis nachts 2 Uhr Konzert. Allem Anschein nach ist dem Hundekonvent das Wetter günstiger wie dem so schmählich verregneten Schützenfeste. • Unser geschätzter Mitarbeiter, der bekannte Feuilletonist Fred Hood, unternimmt im kommenden Herbst und Winter eine Vortragstournee durch ganz Deutschland, auf welcher er Themata aus den verschiedenen Gebieten der Technik des gewerblichen Lebens und der bildenden Künste in populärer Form behandeln wird. Der Vortragende wird z. B. über folgende Materien sprechen: Moderne Tapeten und ihre Herstellung. Allerlei Wunder der Buntpapierindustrie. Beleuchtungskunst. Der Glacehandschuh, seine Entstehung und seine Geschichte. Die Kunst des Maurers. Strohhut und Filzhut. Vieh- und Schlachthöfe. Gießen und Formen. Panorama und Diorama. Moderne Theaterbauten. Elektrizität auf der Bühne. Theaterhygiene. Wie eine Statue entsteht. Schliche und Kniffe der Minengauner. Die Technik der Reklame und ihr Humor. — Für Vereine und Gesellschaften, die sich für die Vorträge des Herrn Fred Hood interessieren, dürfte es sich, der rechtzeitigen Dispositionen wegen, empfehlen, sich baldigst mit dem Vortragenden (Berlin-Charlottenburg, Pestalozzistr. 73) in Verbindung zu setzen. • * Das kommende Wetter. Der Berliner Meteorologe Professor Hellmann hat das Auftreten von milden Wintern und das darauffolgende Sommerwetter in den Monaten Juli und August bis auf das Jahr 1719 zurückverfolgt. Demnach sind in diesen 180 Jahren 51 milde Winter in Mitteleuropa gewesen. Die milden Winter treten gewöhnlich gruppenweise 2—3 auf, insbesondere wenn ein längerer Zeitraum dazwischen liegt, wie beispielsweise bei den letzten milden Wintern 1897—98 und 1898—99, die nach vierzehnjähriger Pause erschienen sind. Nach den vorhandenen Aufzeichnungen folgte nun in der Regel nach milden Wintern ein warmes oder gar zu warmes Wetter im Juli und August. Es ist demnach mit größter Wahrscheinlichkeit zu erwarten, wie Hellmann meint, daß nach dem sehr milden Winter 1898—99 in den Monaten Juli und August ein warmes Wetter herrschen wird, wenn auch der Anfang des Juli nicht gerade dafür spricht. ** Polizeibericht. Das Schützenfest ist in sicherheitspolizeilicher Hinsicht gut verlaufen. Es sind zwar zwei Portemonnaies als abhanden gekommen angemeldet, es kommt aber nur in einem Falle ein Taschendiebstahl, welcher am Bahnhofe verübt wurde, in Betracht. Einem Kellner aus Frankfurt a. M. wurde am letzten Dienstag auf dem Schützenfestplatze in der bayerischen Bierhalle eine silberne Uhrkette im Werte von 13 Mk. aus seiner Rocktasche gestohlen. Der Thäter wurde in der Person eines Taglöhners von hier ermittelt und zur Anzeige gebracht. Derselbe war noch im Besitze der Uhrkette. — Gestern vormittag verunglückte eine Frau von Weidenhausen, welche zu Besuch ihrer Tochter nach Sinn reisen wollte, dadurch, daß sie auf einen abgehenden Personenzug sprang, hierbei ausglitt und zwischen die Wagen zu liegen kam. Dadurch, daß der Zug sofort zum Stehen gebracht wurde, erlitt dieselbe infolge Drückens der Bremsstange nur einen Oberschenkelbruch, während sie sonst sicherlich totgefahren worden wäre. Die Verletzte, welche vollständig bei Besinnung blieb, wurde in die Klinik gebracht. •* Berichtigung. In dem Verzeichnis der Ehrengaben in Nr. 160 ds. Bltts. ist zu berichtigen, daß der 2. Preis auf Standfestscheibe Gießen, 300 Mk. bar in Etui, nicht von der Aktienbrauerei Gießen, sondern von den Brauereien Gießens gemeinschaftlich gestiftet wurde.___ Aus der Zeit für die Zett. Vor 10 Jahren,^am 13. Juli 1889, starb zu Graz in Steiermark der Dichter Robert Hamerling, dessen philosophisch-epische Dichtungen „Ahasver in Rom" und „der König von Sion" sich durch phantasiereiche, effektvolle Schilderungen auszeichnen. Daß der gefeierte Dichter und Sänger auch ein Meister in „ungebundener Sprache" war, beweisen seine „Stationen meiner Lebenspilgerschaft". Hamerling wurde am 24. März 1830 zu Kirchberg am Walde (Niederösterreich) geboren. Temperatur der Lahn und Luft auch Reemmur gemessen am 12. Jult, zwischen 11 u. 12 Uhr mittag-: Master 17'/>°, Luft 22°. Rübsamen'sche Badeanstalt. Neueste Meldungen. Depeschen des Bureau „Herold". Berlin, 12. Juli. Die großen Flotten-Manöver beginnen, wie das Berliner Tageblatt aus Wilhelmshafen meldet, am 15. August. Budapest, 12. Juli. Hier hält man die Proklamierung der Militär - Diktatur für bevorstehend. Oesterreichische und ungarische Kreise sehen das Vorgehen der serbischen Regierung für allzuscharf an, trotzdem die serbischen Radikalen die ärgsten Feinde Oesterreich-Ungarns sind. Eine Verschlimmerung der Zustände ist insofern zu konstatieren, als jetzt auch die Nachrichten aus dem Innern des Landes sehr beunruhigend lauten. Die Radikalen haben dort eine starke Majorität, und scheinen diese auszunutzen, da sort- während neue Verhaftungen gemeldet werden. Brüsiel, 12. Juli. Einer Pariser Privat-Jnformation des hiesigen Blattes „Petit bleu" zufolge lautete das Programm für das Komplott welches im März dieses Jahres ausgeführt werden sollte, wie folgt: 1. Besetzung des Elysees. 2. Auflösung der Kammer. 3. Referendum an das Volk zur Ernennung des Herzogs von Orleans zum Präsidenten der Republik. Die nötigen Maueranschläge waren schon fertig gestellt. Die Ausführung des Komplotts ist durch das Ausbleiben des Generals de Lamy, auf den der General Roget 10 Minuten lang wartete, gescheitert. Brüffel, 12. Juli. In hiesigen militärischen Kreisen hat der Aufruf des Generals Brialmont zur Einführung der allgemeinen und persönlichen Wehrpflicht ungeteilten Beifall gefunden. Man ist der Ansicht, daß die Bürgergarde schon in allernächster Zeit abgejchafft werden müsse, zumal sich bei den letzten Unruhen in Lüttich und Brüssel herausgestellt habe, daß die Bürgergarde durchweg von sozialistischen Elementen durchsetzt sei und deshalb bei inneren Unruhen die Regierung absolut nicht auf sie zählen könne. Paris, 12. Juli. Dem „Courrier du Soir" zufolge hat die Regierung eine Untersuchung über alle Mißbräuche und alle- ungesetzlichen übertriebenen Maßnahmen, deren Opfer Dreyfus auf der Teufels-Insel war, eingeleitet. Belgrad, 12. Juli. Als Hauptanstifter des Attentats gegen Milan gilt jetzt der Oberst Vlaiko Nikolic. Bekanntmachung. Der Sprechverkehr zwischen Gießen und Fritzlar wird am 10. Juli eröffnet werden. Darmstadt, den 8. Juli 1899. Kaiserliche Ober-Postdirektion. _________________________I. V.: Kroll.__________________________ Verdingung. Die zum Neubau des Schulhauses zu Erda erforderlichen Erd-, Maurer-, Zimmerer-, Dachdecker-, Klempner-, Schreiner-, Schlosser-, Glaser- und Anstreicher-Arbeiten nebst Materialien Lieferungen sollen öffentlich verdungen werden. Verdingungsanschlag, Zeichnungen und Bedingungen liegen im Amtszimmer des Unterzeichneten zur Einsicht auf. Termin: Mittwoch den 19* d. Mts., mittags 12 Uhr. Wetzlar, den 10. Juli 1899. Der Kreisbaumeister: 5267________________________________W. Witte. Bilanz am 31. Dezember 1898. Aktiva. JL H An Utenstlien Konto 174 24 „ Kassa-Konto 578.71 „ Waren-Konto 7961.42 „ div. Warenausständen 823.44 Passiva. JL H Per Mitglieder« Anteil- I' ipckiinniniiuljitngen Vergebung von Kauarbeiten. Die zum Neubau eines Schulhauses in Obbornhofen nötigen Arbeiten und Lieferungen, und zwar: veranschlagt zu Steinhauerarbeiten 8017,56 Dachdkckerarbeiten 1433,52 „ ^venglerarbeiten 553,42 „ Asphaltpapveliefirurn 93,65 „ Eisen« und Röhrenlieferung 1822,46 „ BUtzableiteranlage 250,— „ wllen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Offerten !is Freitag den 21. Juli, vormittags IOV2 Uhr, bei Gioßh. Bürgrrmeistrrei Obbornhofen einzureichen, woselbst Voranschlag, Pläne und Bedingungen zur Einficht offen liegen. Gieß n, am 11. Juli 1899. Der Großh. Kreisbauinspektor. ___________Stahl._______5275 Die am Samslag, dem 1 Juli er. un Bahnhof Gießen und bei der Oberbessischen neuen WerkstäUe abgehaltenen Schwellen- verfteigerungen wurden genehmigt. 5274 Gießen, den 11. Juli 1899. Großh. Eisenbahn-Betriebsinspektion 1. -Mffkigmnliltil Bekanntmachung. Donnerstag den 13. d. M., nachmittags 3 Uhr, sollen im Bieker'schen Saale — Neustadt — dahier: Haushund Küchengeräte aller Art, sowie ein größerer Posten Schubwaren zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden. Gießen, 12. Juli 1899. 5289 Seipel, Gerichtsvollzieher Konto 510.— Reservefond 1498.04 Betriebsrücklage 1699.10 Aufgenommene Kapitalien 1500.— div. Gläubiger 3959.86 Rest des Reingewinnes 370.81 9537.81 9537.81 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1897 99 Während 1898 gingen ab 2 97 n ff h W Daher Stand der Mitglieder Ende 1898 102 Beuern, den 11. Juli 1899. 5270 Kachm-Uttkiu II, ringetr. GrnoffciO. mit unbkschr. fjaftpflidjt. Konrad Sommerlad IV., PH. Lindenstrnth V., Direktor Lagerhalter. Stadt. MlchthM. Fr-ibauk. 5233 OGuflkisch 45 Psg. Rindfleisch 40 psg. Zchminrflkisch 40 ptz. Die Freibank ist bis 9 Uhr abends geöffnet. Weinfässer Frisch entleerte Weinfässer (weingrün) in allen Größen empfiehlt 5269 Willi. KoblermanMüfrm Neustadt 12, Neubau. 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