Rr. 292 Erstes Blatt. Dicnstag bin 12. Decswber 1S9» & Keneral-Aiyeiger Annahme von Anzeigen zu dec nachmittags für den enden Log erscheinenden Nummer blS vorm. 10 Uhr. Bei Postbezug 2 Mark 50 M. vierteljährlich. Alle Anzeigen-Berm'-lungSstelleu deS In- und Ausland«» nehmen Anzeigen Mr den Gießener Anzeiger entgegen. Hrfcheiul täglich mn Ausnahme des MontagS Die Gießener Mamtlieavlätter werden dem Anzeiger Wöchentlich viermal beigelegt. Bezugspreis ' vierteljährlich 2 Mark 20 Pfg. monatlich 75 Pfg. mit Bringerloha. Anrts- und ZlnzergsblLttt fiiv den Avers Gieszen. .Redaktion, Expedition und Druckerei: Scholstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klätter für hessische Uallrslrunde. Adresse für Depeichcn: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Nr. 45 des ReichS-GesetzblattS, ausgegeben am 5. d.M., enthält: Nr. 2626. Verordnung, betreffend die Einführung des Gesetzes über die Beurkundung des Personenstandes und die Eheschließung vom 6. Februar 1875 in Helgoland. Vom 25. November 1899. Gießen, den 9. Dezember 1899. Großh. Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Gießen, den 6. Dezember 1899. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen s* die Großh. Bürgermeistereien des SretseS. Wir machen Sie hierdurch darauf aufmerksam, daß der Landwirtschaftsrat an alle Gemeinden, welche bisher nicht auf die regelmäßige Zusendung der wöchentlich erscheinenden Preisnotierungsmitteilungen des Landwirtschaftsrat abonniert haben, im Monat Dezember d. I. unentgeltlich und portofrei die betreffenden Preisnotieiungsmitteil- ungen in Plakatform übersenden wird. Er hofft hierdurch seine bezügliche Einrichtung den betreffenden Gemeinden bekanntzugeben und weitete Gemeindcabonnenten gewinnen zu können In Anbetracht des uneigennützigen Zwecks der ganzen Preisnotierungsveranstaltung und des Wertes dieser Preisnotierungen und ihrer raschen Bekanntgabe in allen Gemeinden des Landes empfehlen wir Ihnen, falls Sie noch nicht abonniert sein sollten, die Abonnierung. Ein Abdruck der bezüglichen Bekanntmachung des Landwirtschaftsrates und der Bestellzettel, sowie ein Exemplar der Notierungs- Mitteilung vom 27. November d. I. geht Ihnen demnächst zu. v. Bechtold. Bekanntmachung, Betr.: Erweiterung des Bahnhofs Gießen; hier Enteignungsverfahren. Zur Begründung und Erläuterung des von den Sachverständigen erstatteten schriftlichen Gutachtens, zur Verhandlung über dasselbe, sowie zur Festsetzung und zum Abschluß der Verhandlung über die Entschädigung u. s. w. wird Tagfahrt auf Samstag, bett 28. Dez. lsd. Js. vormittags 9 Uhr im Regierungsgebäude dahier, Brandplatz Nr. 9 anberaumt. Die Beteiligten werden hierzu unter Wiederholung der in der Bekantmachung des Großh. Kreisamts Gießen vom 20. 9. 99 (Kreisblatt Nr. 222) angedrohten Rechts- uachteile geladen. Gießen, den 9. Dezember 1899. Der Vorsitzende der Lokalkommission ____________________Frhr. Schenck.___________________ Bekanntmachung. Betr.: Ausführung des Gesetzes, betr. die Entschädigung für an Milz- und Rauschbrand gefallene Tiere. Unter Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom 23. November 1899 (Gießener Anzeiger Nr. 279), geben wir bekannt, daß der Kreisausschuß heute noch folgende Personen als Schätzer und Stellvertreter für die Zeit bis -31. August 1902 ernannt hat: Albach: als Schätzer: Georg Hofmann, Ludwig Arnold II.; als Stellvertreter: Ludwig Wagner, Konrad Gerhard II., Harbach: als Schätzer: Gg. Münch HI., Christian Münch; als Stellvertreter: Gg. Gräf IX., W>lh. Schomber. Gießen, den 9. Dezember 1899. Großh. Kreisamt Gießen. __v. Bechtold.__________________ Bekanntmachung. Auf Grund des § 24 des Bauunfallversicherungsgesetzes vom 11. Juli 1887 (Reichsgesetzblatt Seite 287) wird der uach Anhörung der Genoffenschaftsvorstände von dem Reichs- verficherungSamt für die Jahre 1900 bis 1902 festgesetzte Prämientarif für die Versicherungsanstalt der Tiefbau-Berufsgenoffenschaft zu Berlin und der Hessen-Nassauischen BaugewerkS-BerufSgenossen- schaft zu Frankfurt a. M. nachstehend bekannt gemacht. Berlin, 11. November 1899. Das Aeichsverstcherurrgsamt. (gez. Gaebel.) L Märrnentarif für die vttßchkrunggiiiflolt der Siksbau-Serufsgkmsskiisihast. Gültig für die Jahre 1900 bis 1902. ------- Betrag der für Lohnprozente, jede ange- ufenbe Rummei Betriebsarten. welche als Prämie zu entrichten sind. fangene halbe Mark deS in Betracht kommenden Lohnes zu entrichten- den Prämie. Prozent. Pfennig. Erste Gruppe. Bau und Unterhaltung von 1 Straßen und Wegen. Reinigung und Unterhaltung von Straßen und Wegen, einschließlich einfacher Uferunterhaltung, ohne Gewinnung und Herstellung der Materialien, in ländlichen Gemeinden, 2 3 4 5 6 7 Landstädten und größeren Kommunalverbänden ......... Wie vor, mit Gewinnung im Bruch und Herstellung von Kleinschlag Wie laufende Nr. 1 mit Kiesgewinnung Reinigung und Unterhaltung von Straßen in Städten, ohne Gewinnung und Herstellung d r Materialien Neubauten . on Wegen und Chausseen, ohne Anwendung von Schienengeleisen, einschließlich der Herstellung kleinerer Bauwerke und Durchlässe .... Wievor, mit Anwendung von Schienengeleisen und einschließlich der Herstellung aller Bauwerke aber ohne maschinelle Einrichtungen .... Wie vor, mit Lokomotiv- und Maschinenbetrieb ........ Fällen von Bäumen...... Zweite Gruppe. Sonstige Bauarbeiten. Erd- und Planierungsarbeiten, Unterhaltung von Be» und Entwässerungsgräben mit Wurf und mit nur teilweiser Verwendung von Karren, soweit diese Arbeiten nicht über 1,5 m Tiefe hinaus gehen und sonstige er« schwörende Umstände lAbsteifungen, Rüstungen zc.) nicht hinzutreten . Wle vor, jedoch mit regelmäßiger Benutzung von Föidergeräten (Karren ic.), aber ohne Schienengeleise . . Erdarbeiten mit Absteifungen oder bei mehr als 1,5 m Ti. le . . . Erdarbeiten mit teilweiser Anwendung von Schienengeleisen, ohne gleichzeitige maschinelle Einrichtungen im Betriebe, größere Einebnungen, Deichverstärkungen und Deichwiederherstellungen Erdarbeiten, wie vor, mit nicht erheblichem Lokomotivbetrieb .... Gas- und Wafferleitungsarbeiten Kanalisationsarbeiten, Reinigung und Unterhaltung von städtischen Kanälen Ufeischutzbauten....... Betrieb von Pumpwerken für Ent- und Bewässerungen...... Stollen- und Schachtbau..... Baggerarbeiten....... Bahnbau ......... Maurer- und Zimmerarbeiten zur Herstellung von Brücken, Durchlässen, Stütz- und Kaimauern, sowie ähnlichen Bauwerken für Tiefbauten . Maurerarbeiten für Hochbauten . . Zimmerarbeiten für Hochbauten . . Abbruchsarbeiten (ausschließlich derjenigen bei Hochbauten) .... Wie vor, bei Hochbauten .... Brunnenbau........ Pflasterarbeiten....... Dritte Gruppe. Nebenbetriebe. 1,0 2,0 2,0 2,0 2,0 3,8 0,5 l,fr 1,0 1,0 1,0 1,9 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 2,4 1,0 2,0 3,2 4,0 4,4 8,0 4,0 2,4 2,4 7,0 4,0 3,0 M 3,4 3,4 8,0 10,0 5,0 2,2 2,2 1,2 0,5 1,0 1,6 2,0 2,2 1,5 2,0 1,2 1,2 3,2 2,0 1,6 2,2 1,7 1,7 4,0 5,0 2,5 1,1 28 2t 3" 31 Steinschlag für fich allein .... Kies- und Sandgewinnung . . . SteinbruchSarbeiten ohne Sprengung Steinbruchsarbeiten mit Sprengung 4,0 8,8 6,2 6,6 2,0 1,8 8,1 3,3 Sonstige Bestimmungen und Erläuterungen. 1. Für Arbeiten, w lche vorstehend nicht aufgesührt sind, wird b«r Prämi.nsatz nach Maßgabe des für die Genossenschaft geltenden Tarifs voin Vorstande festgesetzt. 2. Wenn dieselben Arbeiter mit mehreren Arten von Arbeiten beschäftigt werden (z. B. mit Straßenreinigung und Steinschlagen), so sind in der monatlichen Nachweisung für jede Art die verwendeten Arbeitetage und die verdienten Löhne getrennt aufzuführen (vergleiche Anleitung des Reichsversicherungsamts. betreffend die Rachweisungen von Regiebauarbeiten, vom 12. Dezember 1887). Erfolgt eine solche Trennung nicht, so wird bei der Berechnung der Prämie die höchste in Betracht kommende Gefabrenklaffe zur Anwendung gebracht. Auf Versicherungen gemäß $ 29 des Bauunfallversicherungsgesetzes findet diese Bestimmung keine Anwendung. Festgesetzt gemäß § 24 des Gesetzes, betreffend die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen, vom 11. Juli 1887 (Reichsgesetzblatt Seite 287). Berlin, den 11. November 1899. Pas Pcichsversicherungsamt. (gez.) Gaebel. II. Krärrrieutarif für die Nrrficherusgsaustslt der Keffkn-Nchauischeu Kgllgewerks- Senoffkuschast. Gültig für die Jahre 1900 bis 1902. | Lausende Nummer. Gefahrenklassen. Lohnprozente, welche als Prämie zu , entrichten S.fmb-Ll Prozent.' Betrag der für jede angefangene halbe Mark deS in Betracht kommenden Lohnes zu entrichtenden Prämie Pfennig. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Id 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 Gefahrenklasse A. Stubenbohner; Architekten, Ingenieure, Bauführer, Bautechnikrr, Bauwächter. Gefahrenklasse B. Ofensetzer; Tapezi-rer; Glaser. Gefahrenklasse C. Baulackierer, Bauanstreicher, Weißbinder, Verputzer, Baumaler, Gypser, Tüncher, Kunst« und DekoratwnS« malet; Stuckateure; Bühnenbauarbeiter. Gefahrenklasse D. Asphaltierer, Steinsetzer (Pflasterer); Bauschreiner. Gefahrenklasse E. Einrichter von Gas- und Wasseronlagen; Steinmetzen und Steinhauer; Ziegeleien und Kalkbrennerelarbeiten ^Handbetrieb). Gefahrenklasse F. Bauschlosser; Bauklempner. Gefahrenklasse G. Maurer; Schiffsbauer; Schornsteinfeger. Gefahrenklasse H Anbringung, Abnahme, Verlegung und Reparaturen von Blitzableitern; Fuhrwerk. Gefahrenklasse J vauunternehmungs- (Bauunterhal- tungs-) Arbeiten; Zimmerer. Gefahrenklasse K Mühlenbauer. Gefahrenklasse L. Kies-, Lehm-, Mergel-, Sand- und Thon-Gräberei; Erd- und Grundarbeiten. Gefahrenklasse M. Brunnenmacher. Gefahrenklasse N. Dachdecker; Steinbrecher, Steinsprenger. Gefahrenklasse 0. Wartung und Bedienung von Dampi- krffeln, Kraftmaschinen und von Arbeüsmaschinen re. Gefahrenklasse P. Lbbruchsarbeiten. IV« 2V« .3 3V« 4 4‘, 54/4 6V« 7V, 8 87, 9 10 11 12 V. IV. IV, IV. 2 2V. 2Vs 37. 3V. 4 *v. 4Vt 5 5V, 6 Sonstige Bestimmungen. Hinsichtlich der in dem vorstehenden PrLmientarif nicht besonders aufs-,-führten Ärten von Arbeiten Nebenarbeiten) 'st zunächst festzuftrllen. ob die Arbeit in dem berussgenossenschastlichen Gefadrentar'f aufgeiühlt ist. Trifft dies zu, so ist für bic Arbeit die der betreffenden Gefahren- Kaffs des Gefahrentarifs entsprechende Prämie zu entrichten. Für alle übrigen im Gefahren- und Prämientarif nicht aufgeführten Bauarbeiten ist der Prämiensatz der vorstehenden Klaffe G mit 2•/» Pfennig für jede ««gefangene halbe Mark des in Betracht kommenden Lohnes maßgebend. Festgesetzt gemäß § 24 des Gesetzes, betreffend die Unfallversicherung der bei Bauten beschäftigten Personen, vom 11. Juli 1887 (Reichsgesetzblatt Sette 287). Berlin, den 11. November 1899. Par Hleichsverflcherungsamt. (gez.) Gaebel. * Vom Kriegsschauplatz. Loudon, 8. Dezember. Präsident Krüger besindet sich entgegen gegenteiligen Meldungen durchaus wohl und wünschte sich an die Front zum Tugelaflusse, wurde daran aber durch einen formellen Beschluß des ausführenden RaadS gehindert. Sein Kollege, Präsident Steijn, hat sich zu Kommandant Cronje und seinen Truppen am Modderfliisse begeben, die, wie aus Burenquelle gemeldet wird, voller Begeisterung den Feind erwarten. General Methuen stand am 6. d M. noch südlich vom Modderflusse, und zwar nach englischen Quellen. Er hatte das Oberkommando persönlich wieder übernommen und man darf deshalb hoffen, daß seine leichte Verwundung glücklich geheilt ist. Ob der englische Gardengeneral die ihm bestimmten Verstärkungen inzwischen erhalten hat, ist offiziell immer noch nicht festgestellt. Die Meldungen, wonach ihm 10,000 Mann aus Kapstadt nachgeschoben worden, beruhen lediglich auf privaten Mitteilungen, die zum größten Teil offenbar ins Gebiet der Fabel gehören, denn selbst nach den höchsten offiziösen Schätzungen hat General Wauchope höchstens 4000 Mann zur Verfügung und selbst deren Eintreffen am Modderfluffe ist amtlich immer noch nicht konstatiert worden. Aus dem Lager am Modderfluffe fehlen im übrigen immer noch alle Nachrichten. Wir bezeichnen selbstverständlich als „Nachrichten" nicht jene phantastischen Meldungen, welche, wie die „Times" behaupten, die „Burengenerale seien in Hellen Streit unter sich ausgebrochen, die Trans- vaalburen klagten die Freistaatburen der Feigheit an, der Erfolg der britischen Truppen habe die Buren demoralisiert und dieselben stellten sich freiwillig als Ueberläufer im britischen Lager". Es ist offenbar gleichgilt,g, ob derartige „Nachrichten" aus dem Lager am Modderfluffe gekabelt oder in London selbst zu Papier gebracht wurden. Als einzig Thatsächliches wiffen die „Times" zu melden, daß die eigentliche Brücke über den Modderfluß vollständig zerstört worden und man damit beschäftigt sei, eine „permanente Brücke" östlich der alten Brücke zu konstruieren. Ganz unkontrolierbar sind die verschiedenen Meldungen, welche General Joubert bald am Tugelafluffe, bald vor Ladysmith kommandieren und dann plötzlich bei Bloemfontein oder gar am Modderfluffe erscheinen lassen, um dort persönlich den Angriff zu leiten. Aller Wahrscheinlichkeit nach gehören sie sämtlich in das Gebiet der Phantasie. Vernünftigerweise kann man nur den Berichten Glauben schenken, welche General Joubert seine Kräfte am Nordufer des Tugela konzentrieren lassen. Dabei mag immerhin wahr sein, daß ein Teil der im Oranjefreiftaat bis dahin als Reserve gehaltenen Truppen westlich gegen die Bahn- linie Oranjefluß-Station—Modderfluß-Station gezogen, um General Methuen dort abzuschneiden oder den ihm zu sendenden Verstärkungen in die Flanke zu fallen. Aus Natal fehlen alle wichtigeren Nachrichten. Es heißt, General Clery sei in Frere eing,troffen und habe dort das Kommando der zum Entsatz von Ladysmith bestimmten Divisionen formell übernommen. Die gleichzeitigen Meldungen über Ausfälle aus Ladysmith usw. sind wieder durch Kafferläufer überbracht und in ihren Daten ebenso wenig kontrollierbar, wie jene Mitteilungen, nach denen „große Burenzüge" nach dem Vanreenenspaß abgezogen seien. Ernst lauten die Nachrichten aus der Kapkolonie. Im Norden derselben befindet sich offenbar die gesamte Bevölkerung in offenem Aufruhr. Von den englischen Generälen Gatacre und French fehlen alle Nachrichten, dagegen wird jetzt offiziell zugegeben, daß das gesamte Griqualand von den Buren bereits am 17. November annektiert worden, einschließlich der wichtigen Stadt Dortrecht, und daß die Buren, oder, besser gesagt, die holländischen aufständischen Afrikander ihre Kommandos bereits bis dicht unter die Mauern von Queenstown vorgeschoben haben, ohne daß General Gatacre, der nach englisch offiziellen Angaben dort bereits über 7000 Mann verfügt, aud) nur ihnen entgegen zu treten gewagt hätte. Dagegen häufen sich dieStimmen der ehrlichenWar ner. So kabelt der gefangene engl.Correspondent, Mr. Winston Churchill, seinem Blatte, der „Morning Post": „Ein schwerverwundeter englischer Offizier sagte zu mir, alle diese englischen Kolonisten erzählen uns, die Buren verlangten nur eine gründliche Tracht Hiebe, um zu Kreuz zu kriechen. Glauben Sie kein Wort von alledem. Die Buren sind entschlossen, bis zum äußersten zu gehen. Die englischen Korrespondenten melden übereinstimmend, daß die Burenkommandos vor Queenstown überaus kampfeSlustig sind, und daß Kommandant Groebler alle Mühe hat, sie im Zaume zu halten. Dortrecht wurde, nach englischen Angaben, von 1200 Mann am 2. Dezember besetzt. lieber die Operationen der zum Abschneiden der Kommunikationslinien General Methuens gegen die Bahnlinie de Aar-Belmonte entsandten Burenkorps fehlen alle Nachrichten, was im übrigen nicht verwunderlich ist. Präsident Steyn hat einen geharnischten Protest gegen die Bezichtigung des Mißbrauchs der I weiße» Fahne i» einem an Sir Alfred Mitner gerichteten I Schreiben erlassen, in welchem er den Spieß umdreht und die Engländer diese- selben Mißbrauchs bezichtigt, mit dem I Hinzufügen, er habe einen diesbezüglichen feierlichen Protest zu Händen der auswärtige« in Bloemfontein beglaubigten I Consul« erlaffen. Der Transportsdampfer „Urmstou Grange" ist in I Durban eingetroffen, hat aber in zwei Stürmen fast seine I gesamte Ladung an Kavallerlepferdeu verloren. * • ♦ London, 9. Dezember. Die Befürchtung, daß Methuens Rückzugslinie bedroht sei, hat sich verwirklicht. Die Buren sprengten, wie amtlich gemeldet wird, am Freitagmorgen unweit Graspan den Elsenbahnviadukt in die Luft und zerschnitten auch die Drähte. Methuen entsandte vom Mooderriver sofort ein Bataillon Infanterie und eine Feldbatterie. Diese Streitmacht trieb ein Burenkommando von 1000 Mann, welches die Eisenbahn zerstörte, zurück. In I diesem Kampfe wurden 14 Engländer verwundet. Die Eisen- ! bahn und die telegraphische Verbindung mit dem Modderriver sind wieder hergestellt. Die Besatzung Belmonts wurde durch Infanterie, zwei Kanonen und ein Kavallerie-Regiment verstärkt. Meldungen aus anderen Quellen zufolge scheint Lord Methuen am Modderriver fest eingekeilt und der Vormarsch nach Kimberley nicht in unmittelbare Aussicht genommen zu sein. — General Methuen meldet vom 6. d. Mts. einige kleine Verluste: Eine Patrouille der 12. Lanzenreiter, bestehend aus einem Offizier und vier Mann, wird vermißt, ein Mann ist verwundet. — Vom Donnerstag wird aus Kapstadt gemeldet, daß der Kriegsplan den Entsatz von Mafeking durch Oberst Plumer von Rhodesia und nicht durch Methuen beabsichtige. — Meldungen aus Ladysmith vom 6. Dezember zufolge ist das Bombardement der Buren schwächer geworden. Im Hinblick auf einen bevorstehenden Sturmangriff werden die südlichen Hügel verschanzt. 500 Buren rückten nach dorn Vanreenenspaß ab. — Aus Kapstadt wird vom 7. d. Mts. berichtet, Präsident Steyn sei gemütskrank, Traffer, sein Gegner bei der letzten Wahl, wurde kommandiert. — „Daily Mail" meldet vom 6. d. M. auS Naau w- port, daß sämtliche Holländer im Burgherdistrikte ganz öffentlich mit den Buren sympathisieren. — Bureau Reuter zufolge telegraphierte Joubert direkt an die englischen Militärbehörden, um einen Gefangenenaustausch vorzuschlagen. — Nach einem Reutertelegramm aus Lourenzo Marquez vom 9. ds. Mts. meldet eine Burendepesche aus dem Hauptquartier vor Ladysmith am Freitag: Die Engländer stürmten und eroberten Lombardskop und machten ein großes Creuzotgeschütz und eine Haubitze unbrauchbar. Außerdem eroberten sie auch ein kleines Maximgeschütz. — Der „Manchester Guardian" hat aus dem Feldlager von Frere folgendes vom 7. Dezember datierte Telegramm erhalten: Ungefähr 300 Buren überschritten den Fluß und griffen 3 Schotten an, von denen sie einen töteten und einen gefangen nahmen. Außerdem haben die Buren bei Priecka das an der Furt über den Oranjefluß angebrachte Drahtseil abgeschnitten und damit ein Passierendes Flusses bei den z. Zt. niedergehenden Regengüffen unmöglich gemacht. Uebrigens soll nach einem Gerücht Joubert an Dysentrie leiden. — Aus Durban wird vom gestrigen Tage gemeldet: Die Regierung kündigte an, daß General Buller 2200 Mann für Ambulanzzwecke an der Front brauche. In einigen Stunden war dies neue Korps komplett. 1000 Mann ließen sich in 10 Minuten in die Listen einschreiben. Gestern wurden 700 Personen einer medizinischen Prüfung unterzogen und an die Front gesendet. — Eine Patrouille der 12. Lanzenreiter wurde nahe dem Modderfluffe von den Buren überrascht. Zwei Man» wurden getötet, ein Leutnant und zwei Mann schwer verwundet und nach Bloemfontein gebracht. — Die Stadt Steynsburg wurde von den Buren am 2. Dezember besetzt, nachdem eine Burenpatrouille tags- zuvor die Drähte zerschnitten und einen Teil der Eisenbahn gesprengt hatte. * * Telegramme des „Gießener Anzeiger". London, 11. Dezember. General Buller hat vom gest- rigen Tage ein Telegramm aus Kapstadt gesandt, wonach General Gatacre eine ernsteNiederlage bei dem Angriff auf Stormberg erlitten hat. Die Kavallerie führte den Angriff schlecht aus, sodaß die übrigen Truppen nicht manövrieren konnten. Die Verluste der Engländer betrugen nach den Angaben Gatacres 2 Tote, 30 Verwundete und 600 Vermißte. — „Daily Mail" und „Morning Leader" drücken die Zuversicht aus, daß die 5. und 6. Division die Engländer in eine bessere Lage bringen werden. „Daily Mail" befürwortet die Einberufung von 10000 Mann Miliztruppen. — „Daily Mail" zufolge verfügte General Gatacre über 2500 Mann bei dem Zusammenstoß von Stormberg. — Ein Telegramm aus Modder River berichtet: Wir begannen um 41/, Uhr das Feuer auf die Buren. Eine Abteilung Infanterie war unter Deckung eines Marinegeschützes in einer Entfernung von 7 Meilen aufgestellt. Wir konnten jedoch nicht bis zur Linie des Feindes gelangen. London, 11. Dezember. Ein Telegramm vom Modder- River vom Samstag meldet, die Buren machten mehrere Versuche, die Eisenbahn nördlich und südlich des Modder- fluffes zu zerstören, wobei eS zu mehreren kleinen Gefechten kam. Die Garnison von Kimberley machte gleichfalls einen Ausfall, doch gelang eß nicht, die Buren aus ihren Stellungen zu vertreibe». w~- „Daily Mall", welche bisher »och keine Verluste bet Engländer milgeteilt hat, bringt heute eine» Artikel mit der Neberschrifl: BritischeNiederlagen. Auchdienbrigen Blatter gestehen unumwunden die Niederlage Ga« tacres ein. „Daily Mail" veröffentlicht ein sensationeller Telegramm, wonach der allgemeine Aufstand in Kap. stadt unmittelbar bevorsteht. Die Korrespondeute» in Kapstadt berichten zwar keine weiteren Einzelheiten, aber sie sagen offen auS, daß die fortdauernden Niederlagen der Engländer unbedingt zu einer Revolte führen müßten. — Die „Times" veröffentliche» ein Telegramm vom 8. Dezember nachmittags 4 Uhr aus Modder River. Eine Burenabteilung griff unsere Verbindungslinie nach EnSlin an. Das Gefecht dauerte von 4y2 Uhr früh bi» IV» Uhr nachmittags Als unsere Truppen Verstärkunge» erhielten, ergriffen die Buren die Flucht. Unsere Verluste betrugen 5 Verwundete. Eisenbahn- und Telegraphen-Ver- bindung sind intakt. — Es wird weiter berichtet, daß unter den Burentruppen bei Spytfontei» der Typhus herrsche. Die Lage des Feindes soll noch durch Mangel an Trinkwaffer verschlimmert sein. Der Sohn des Generals Cronje ist angeblich in dem Gefecht am Modder River gefallen. Dasselbe Schicksal soll den Sohn des Kommandanten Desarey ereilt haben. Kapstadt, 11. Dezember. Gouverneur Millner hat da- Manuskript des Berichtes Über den ersten Kriegs- rat der Buren erhalten, der auf dem Schlachtfelde von Elandslaagte gefunden wurde. Daraus geht hervor, daß der Einfall in Natal von langer Hand vorbereitet war. Deutsches Reich. Berlin, 9. Dezember. Der Kaiser ist, von Bückeburg kommend, um 128/4 Uhr in Hannover eingetroffen und hat sich alsbald nach der Ulanenkaserne begeben, um mit dem Offizierkorps das Frühstück einzunehmen. — Die Kaiserin traf heute nachmittag in Berlin ein und begab sich nach der Wohnung der gestern verstorbenen Palastdame der Kaiserin Augusta, Gräfin Oriola, an deren Totenbett die Kaiserin einen Kranz mederlegte. — Der Kaiser ist gestern abend 8 Uhr, von Hannover kommend, im Neuen Palais wieder eingetroffen. — Ein Besuch des Kaisers in Rom wird nach dem „Berl. Tgbl." im Frühling nächsten Jahres stattfinden. — Der frühere Minister des Innern, Herrfurth, ist schwer erkrankt. Einer späteren Nachricht zufolge soll sich das Befinden gebessert haben. — Nach einem Telegramm des kaiserlichen Gouverneurs v. Bennigsen vom 7. Dezember ist derselbe »ach Beendigung der feierlichen Uebernahme der von Spanieu erworbenen Inselgruppen der Karolinen-, Marianen- und Palau-Inseln in deutsche Verwaltung auf der Rückreise nach Herbertshöhe in Makassar eingetroffen. In Ponapä ist nach seiner Meldung gute Aussicht auf friedliche Entwicklung. Dort wird Vizegouverneur Hahl seinen Wohnsitz nehmen. Auch in Aap, der Hauptinsel der West Karolinen, und in Loupan (Marianen) herrscht vollkommen Ruhe. Auf den Palau-Inseln sind Kohlen gefunden worden. DaS Vorkommen von Gold wird vermutet. — Die „Nordd. Allg. Ztg." bestätigt, daß die technischen Vorarbeiten für die erweiterte Kanalvorlage im Ministerium der öffentlichen Arbeiten so gut wie vollendet sind. Es kann schon jetzt mit Sicherheit angenommen werden, daß zum Mittellandkanal noch der Großschiffahrtsweg Berlin-Stettin, die Vertiefung des unteren Oderlaufes vom Oderbruch abwärts und die Verbesserung der Wasserstraße von Bromberg zur Mündung der Netze in die Warthe hin- zukommen werden. Die Ausarbeitung der neuen Vorlage soll so beschleunigt werden, daß sie Ende Februar, spätesten- anfangs März, dem Landtage wird zugestellt werden können. — Wie die „Berl. Reuest. Nachr." erfahren, sind zu Anfang dieser Woche mit dem Staatssekretär Tirpitz gleichzeitig auch die Kontre-Admirale Bendemann und Prinz Heinrich von Preußen zu überzähligen Vize-Admirale» befördert. — Gegenüber dem gestrigen Dementi meldet heute der „Lok.-Anz." aus Rom, daß König Humbert den bisherigen Berliner Botschafter Lanza zum Generaladj»- tanten und den General Ferrew, bisher Kommandeur de- 3. Armeekorps in Mailand, zum Botschafter am Berliner Hofe ernannt hat. — Der Bundesrat hat, dem „Lok. Anz." zufolge, die vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe in Aussicht gestellte Zu st immungzurAufhebung des Verbindungsverbotes bereits in der Sitzung am Donnerstag gegeben. — ZurFlottenfrage werden, wie die „Germania" aus guter Quelle erfährt, nicht allein der Reichskanzler Fürst Hohenlohe, sondern auch die Staatssekretäre Graf Bulow, Vizeadmiral Tirpitz und Thielmann schon bei der ersten Beratung des Reichshaushaltsetats das Wort ergreife». Es steht deshalb zu erwarten, daß bei der Generaldebatte über den Etat, die in der nächsten Woche im Reichstage stattfindet, die Flottenfrage im allgemeinen schon im weiteste» Maße erörtert werden wird. — Aus Deggendorf wird gemeldet, daß das Gentrum für den verstorbenen Dr. Ratzingen den Grafen Conratz v. Preysing als Kandidaten für den Reichstagswahlkreis Deggendorf aufstellt. Seine Wahl ist gesichert. Anstand. Wie», 9. Dezember. Die Nachmittags-Sitz»»- des Ausgleichs-Ausschusses war infolge der Abwesenheit der Jungtschechen beschlußunfähig. — Außer den „Münchener Neuesten Nachrichten" ist der „Frankfurter Zeitung" und der in Dresden erscheinend« Jiebet Vlt«' W glet4*.a" die * Ä» einet in pnrf“®' । fall« d°» v- ,id)t 18t««- 9 Uten flu6Üt"«9 " wär 1'9 l-'«- He Deutschen Hot, y- Deputierte Szene flttoi er btt mit ' erblickte. ®t bat, mau m( Mitbürger it guaboi, rate, dem k Chamberlain über bit 6 Wilhelm ui seine lebhaft Konferenzen a: P. N dieser Saiso mann, so den Bemis braucht, um Weber's Fn phonie find Souzertsälen, näher einjui beider Md Zeitung eine Mjtrigtn flfrf «achten, selößv ihm utb unser Wx zuzuert« Ouvertüre b Mpers in bt NM Gieße «ach l 18W wirb i 6* Dezember Hießen auf ( Möglichen V Nr/fchusten u Dauer von dr. Ä . 3° der ( dastllmtichzsj Am, Kur obe rm Bedin D(t< ^itßen 8624 b« f $Watto"e,; S'-ßen ^ber-z Tro glicht H " '"-".'-L ■ Trupps tjj| Flucht. Un51 Ür^n9e>’ “•5X>S" d »«ttt Ä*‘8«’ ' ®>Ä ?16 "Ä’t* 5 LrL? !»llt Ijaben “ b,n ESws lM«« h°°d Ut. i,,1,Mneiitbur« ""«’S«* Md H ’ °kgeb-n, m mit blm ymen. — DieKaisrriu ” Ul’b M sich itai Dtnen falaftbame der Qn deren Totenbett die mb 8 Uhr, ton ^owmtt -r tinytrejjtn. - N bem M9erl. Lgbl." finden. des Innern, Herrfnrth, äteren Nachricht zufolge den. es kaiserlichen Gou- 1. Dezember ist derselbe ernahme der von Spanien :olinen=, Marianen- und ng auf der Rückreise nach ttrofftn. Snfynapö auf fried/r'che M ur Hahl seinen Wohnsitz n\d der ©tfi-tata, vMvmmen Nnhe. , gesunden worden. Das itet. bestätigt, daß die lech- erte Kanalvorlage im -en fo gut wie vollendet -erheil angenommen wer- h der Großschiffahrtsweg unteren Oderlauses vo» isierung der Wafferstraße Netze in bie Warthe > | ituna der neuen Vorlage e Ende Februar, Mchn- -d gestellt werden können. Nacht." erfahren, find!» taatssekretär Lrrpitz ak Senbemann nnd Pnnz hligen WAdmalen be- Deweuü meldet heute der uia Humbert den £ J, J J Generaladln g,tfN« «» 8tllinK h,m £ot. W i"i* b'®,i in guifid)t 9“ W* L Tirbie,,®»®”1 tri«/ wÄi(WM<« aöti" b ®raf bie Z bei d» Qemeinen iw aen den @rL'^tag8* » st- «rt» ” ,stellt. 60__ «Deutsche» Wacht- das Postdebit in Oesterreich wieder gestattet. Wien, 9. Dezember. Die Jungtschechen versuchten in der heutigen Sitzung de- Aus gle i chs A u Sschu sse s durch ihr Fernbleiben die Beratungen zu verhindern, was jedoch fchlichlug. — Das Borgehe» der Jungtschechen im Ausgleichs Ausschüsse, sowie die geheime Unterstützung, welche die Rechte der Obstruktion der Jungtschechen an- gedeihen läßt, wird heute in sämtlichen liberalen Blättern »ufS schärfste verurteilt. Allgemein ist man der Ansicht, daß unter solchen Umständen an eine Erledigung der Aus gleichSgesetze nicht zu denken ist, und man in Oesterreich einer ernsten parlamentarischen Krisis entgegengeht. Wie in parlamentarischen Kreisen bei lautet, wird der Kaiser, falls daS Neberweisungsgesetz auf parlamentarischem Wege nicht zustande kommt, die Quote vorläufig auf drei Monate bestimmen. Prag, 9. Dezember. Alle tschechischen Abgeordneten wurde», „Narodni Listy" zufolge, für DienStag zur Klubsitzung nach Wien geladen. Von jetzt ab sollen alle tschechischen Abgeordneten auf dem Kriegsschauplätze gegenwärtig sein, um d-n Kampf gegen die Regierung und die Deutschen, welche jede Genugthuung verweigern, zu führen. No», 9. Dezember. Bei der Verhaftung des Deputierten Palizzolo ist eS zu einer dramatischen Szene gekommen. Palizzolo brach in Thrären auS, als er den mit der Verhaftung beauftragten Polizeikommissar erblickte. Er beteuerte fortwährend feine Unschuld, und bat, man möge ihn doch in Palermo aburteilen, wo seine Mitbürger ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen würden. Londo», 9. Dezember. Im gestrigen Kabinetts- rate, bem bekanntlich Lord Salisbury präsidierte, machten Chamberlain und Balfour wichtige Mitteilungen über die Konferenzen in Windsor mit Kaiser Wilhelm und Graf Hatzfelbt. Lord Salisbury sprach feine lebhafte Befriedigung über das Ergebnis dieser Konferenzen aus. Lokales. Gießen, den 11. Dezember 1899. P. Ksnzertverein. Mit dem gestrigen dritten Konzert dieser Saison hatte Herr Universitätsmusikdirektor Trautmann, so weit es sich um reine Orchestermusik handelte, de» Beweis geliefert, daß man keinesfalls immer Novitäten braucht, um ein Konzertprogramm interessant zu machen. Weber's Freischütz-Ouvertüre und Mozart's Jupiter-Sym- phonie sind so bekannte und beliebte Erscheinungen in den Konzertsälen, daß wir auf die einzelnen Werke hier nicht näher einzugehen brauchen. Daß die gestrige Wiedergabe beider Tonschöpfungen unter Herrn Trautmanns bewährter Leitung eine musterhafte und vollendete war, ist nach den bisherigen Erfahrungen, die wir mit diesem tüchtigen Künstler «achten, selbstverständlich, und wir zögern keinen Augenblick, ihm und unserer verstärkten Regimentsmusik das höchste Lob dafür znzuerkennen. Besonders angenehm fiel uns in der Ouvertüre das Zusammenwirken des gesamten Orchesterkörpers in den Porto-Stellen auf. Es wird hier besonders im Blech leicht die Grenze des Erlaubten überschritten und man konnte um so erfreuter über den Vortrag sein, als überall weise Mäßigung die Overhand bedielt. Die Aufführung beider Werke hat den besten Eindruck hinterlassen. Als Solisten führten sich die Sängerin Frl. Adele Herrmann (Sopran) aus Heidelberg und der Cellist Herr Heinrich Kiefer aus Berlin mit günstigem Erfolge ein. Fräulein Hermann halte nach dem Austieten verschiedener allererster Größen — wir erinnern nur an Emma Hiller und Marie W'ttich — hier einen schweren Stand. Wenn es ihr gestern dennoch gelang, sich beim hiesigen Publikum einen Erfolg zu sichern, so verdankte sie dies wohl in erster Linie der angenehmen Klangfarbe ihres, wenn auch nicht sehr großen, so doch ziemlich umfangreichen Organs. Die Ltederspenden von Rubinstein, Cornelius, v. Fielitz. Franz und Jensen, zu denen sich auf stürmisches Verlangen noch eine uns leider nicht bekannt gewordene Zugabe gesellte, fanden ehrenden Beifall und legten Zeugnis davon ab, daß die Künstlerin eifrig bemüht ist, bei ihren Darbietungen das Beste zu leisten. Herr Heinrich Kiefer, der das D-moll- Konzert für Cello mit Oichesterbegleitung von Volkmann und Solostücke mit Klavierbegleitung von Godard, Popper und Paganini vortrug, zeigte sich als ein Künstler allerersten Ranges, den man unseres Erachtens den bedeutendsten Koryphäen unter den Cellisten unbedenklich an die Seite stellen kann. Das Konzert von Volkmann verlangt wirklich einen vollendeten Virtuosen, denn es enthält an technischen Schwierigkeiten wohl ziemlich alles, was für Cello geschrieben werden kann, und kann darum so recht als P-üf- stein für das Können eines Künstlers gelten. Herr Kiefer entledigte sich seiner Aufgabe glänzend ; nicht nur technisch leistete er vollkommenes, sondern auch in der Auffassung zeigte er sich als durchaus gediegener Musiker, der allen Anforderungen dcS schwierigen Werkes, dessen musikalischen Wert wir nicht einmal so besonders hoch schätzen möchten, gerecht wurde. Der Vortrag des Konzerts sowohl wie der Solostücke entfesselte wahre Beifallsstürme und es wird jeder bedauert haben, daß sich der Künstler zu keiner Zugabe erweichen ließ. Erwähnt sei noch, daß der an Jn- strumentationseffekten reiche Orchesterpart von der Kapelle unter Herrn Trautmanns Leitung gut durchgesührt wurde, wie auch die gediegene Klavierbegleitung unseres Univer- sitätsmusikdirektors lobend hervorgehoben werden muß. Zum Schluß möchten wir einen schon oft gehörten Wunsch aussprechen: Es ist vielfach in Konzerten eingeführt worden, die Titel von Zugaben öffentlich bekannt zu geben. Die Leitung unseres Konzertvereins würde vielen Dank ernten, wenn sie auch in Gießen diese löbliche Sitte einführen wollte. Ärmste Meldungen. Depeftbtit des Bureau .Herold'. Berlin, 11. Dezember. Gestern morgen begab sich das Kaiserpaar zum Gottesdienst nach der Garnisonkirche zu Potsdam. Berlin, 11. Dezember. Zu dem Rücktritt desFürsten Hohenlohe - Oehringen von seiner Stellung als Oberst-Kämmerer wird dem „Kleinen Journal" von durchaus zuverlässiger Seite mitgeteilt, daß dieser Rücktritt mit der Haltung ÄeS Fürste» in der Kanalfrage in der That nicht zusammenhängt, vielmehr liegt der Grund i» einer rein persönlichen Angelegenheit. Der Fürst beabsichtigt, eine Heirat einzugehen, die seinem Hofrang nicht entspricht, und er hat sich da* her zu dem vielfach kommentierten Schritt entschloffen. Berlin, 11. Dezember. Freiherr v. Rheinbaben, der neue Minister des Innern, hat, wie „Die Welt am Montag" hört, bem Bürg er meist er Kirschner einen Besuch gemacht. Wie», 11. Dezember. Der ungarische Minister- Präsident Szell wurde gestern vom Kaiser in Audienz empfangen. Er konferierte dann längere Zeit mit dem Grafen Clary. Abends reifte Szell wieder »ach Budapest zurück. Budapest, 11. Dezember. Wie verlautet, soll der Direktor des Wiener Augustinums, Dr. Fischer zum Bischof von Waitze» ernannt worden sein. Sa» Re«o, 11. Dezember. Im Tunnel von Albenga fand ein Zusammenstoß zweier Personenzüge statt. Bier Personen wurden gelobtet, 12 schwer unb 40 leicht verletzt. Paris, 11. Dezember. Die Sozialisten unb Rabikalen, unterstützt von einigen Progessionisten, haben seit einigen Tagen einen heftigen Feldzug gegen den Kammerpräsidenten Deschanel begonnen. Der Zweck desselben ist, Deschanel zu zwingen, daß er seine Demission giebt und Brisson an seiner Stelle zum Kammerpräsidenten gewählt wird. Lublin, 11. Dezember. Aus Jamoch wird gemeldet, daß eine Infanterie-Kaserne vollständig nieder- gebrannt ist. 5 Soldaten sollen dabei ums Leben gekommen sein. Die Ursache des Feuers ist unbekannt. Petersburg, 11. Dezember. Vor dem Militär-Bezirksgericht begannen am Samstag die Verhandlungen wegen der Mißbräuche im Nikolas-Hospital. Die beiden Angeklagten, der Chef-Arzt der Anstalt und ein Aufseher wurden für schuldig befunden und mit Verlust aller Rechte zur Verschickung in das Gouvernement Tobolsk verurteilt. Nikolajew, 11. Dezember. Ein entsetzlicher Mord ist hier verübt worden. Das Ehepaar Kasimirow mit fünf Kindern unb Dienstmäbchen würbe nachts von unbekannten Thätern überfallen unb ermorbet. Die Eheleute Kasimirow waren im ganzen Gouvernement Cherson als Wucherer berüchtigt unb es bürfte baher ein Racheakt vorliegen. Kirchliche Nachrichten. Kvaugelifche Gemeinde. Montag den 11. Dezember, abends 8 Uhr: Bibelstunde im Konfirmandensaal der JohanneSkirche. Text: Ap.-Gesch. Kap. 8 Pfarrer Euler. Giessen Kirchenplatz H, »«yenftber der SladtWrehe. Konfektion» Weihnächte-Ausverkauf. Anfertigung nach Mast» Bekanntmachung. Rachstehenbe» Octsst -tut wirb hiermit öffentlich bekannt gemacht. Gießen, den 11. Dezember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. G n a u t h. Ortsstatut. Nach B sch'uß der ©tabtöeroibnetung und der Groß- herzoglichen Veroibnung vom 10. November 1886, betr.: d n Betrieb von Wirtschaften und den Kleinhanbel mit Branntwein und Spiritus für bie Dauer von drei Jahren nachstehend.» Ortsstatut erlaßen. S 1. In der Gemarkung Gießen soll die Erlaubnis zum Betriebe einer Gastwutichast, sowie zum nicht nur vorübergehenden Ausschänken von Wein, Bur oder anderen geistigen G.tränken nur dann erteilt werben, wenn ein Bedürfnis hierfür vorhanden und nachgewiesen ist. 8 2. Da» Ortsstatut tritt mit dem Tage feiner Bekanntmachung in Kraft. Gießen, den 1). Dezember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8624_____________________ Gn auth.__________________________ Bekanntmachung. In da» Firmenregister des unterfert gten Gerichts wurde eingetragen: 1. Fabrikmt Theodor Budde zu Kaffel, alleiniger Inhaber der Finna „Kasseler Schirmfabrik Ty. Budde & Comp. zu Marburg" hat mit Wir km g vom 18. v. Mts. ab zu Gießen eine Zweigniederlassung gegründet. 2. Die F rma „Schulhof & Comp." zu Gießen ist nach beendigter Liquidation erloschen. Gießen, am 6. Dezember 1899. Großherzogl ches Amtsgericht. _____________Reuenhagen.__________________8602 Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Nieder-Besfiugen für das Jahr 1900/1901 liegt vom 14. Dezember 1899 auf dem Burgermeistereibureau znc Einsicht der Interessenten 8 Tage lang offen. Nieder-Befsingen, den 11. Dezember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Rieder-Bessingen Horst. 8628 Bekanntmachung. machen hi rmit noch besonder« darauf aufmerksam, daß unge- acht t des von Großh. Kreisamt ergangenen Verbotes de» für 12. und 13. Dezember vorgesehenen ViehmarkleS der für Mittwoch, den IS. Dezemberl899 vorgesehene Krämermarkt (Christmarkt) stattfindet. Gießen, den 9. Dezember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8615 Gnauth. Bekanntmachung Die Benutzung des Schweinemarktplatzes und verschiedener anderer Plätze zur Förderung des in der Lahn gewonnenen Eises soll für den laufenden Winter Mittwoch, 13. Dezember 1899, vormittags 11 Uhr an Ort und Stelle öffentlich meistbictend versteigert werden. Gießen, den 11. Dezember 1899. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 8616 Gnauth. lleillfttirrnniuir Mittwoch bru 13. pqfinbft 1.1., nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'ichen Saale gegen Barzahlung versteigert: Sofas, Kommoden, Schränke, 1 vollst. Bett, 1 Hobelbank, 1 Nähmaschine, 6 Malter Kartoffeln, eine Partie Schuhwaren, mehrere Fahrräder u. a. m. Ferner fünf große Kannen Lack. Die Versteigerung des Lackes findet bestimmt statt. 8608 Geißler, Gerichtsvollzieher. Stähl. SlhlchlhMs. Freibank. 8626 Heute: fastloUküflkisih 45 M Zur Bacheit empfehle säfflil. MsUa, Knrks MtkNUtthl. Bei Abnahme von 5 Pfund per Pfd. 18 Pfg. 8622 Emil Bender. 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Alle, die uns für die Christbescherung unserer Anstalt noch Gabe» zugedacht haben, bitten wir, dieselben bis Ende dieser Woche an eine der Vorstandsdamen gelangen zu lassm. Gießen, den 11. Dezember 1899. 04461] Samstag deu 9. d. Mts. ist auf dem Weg vou der Südaulage zum Klub und von da zum SelterSberg eine goldene Damenuhr, gez. L. F., mit kurzer Kette verloren worden. Gegen Belohnung abzug. bei Prof. Netto. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tellnahme bei der Beerdigung unseres lieben Vaters, Großvaters und Urgroßvaters Sem Heinrich Arnold, Fchrmerulkißer, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Haacke und die Teilnahme des Gesangvereins „Eintracht" sagen innigsten Dank -S kl w** Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben des Vorstandsmitgliedes, Kerrn Kaufmann Keinrich Schomöer in Kenntnis zu setzen. Um zahlreiches Erscheinen bei der Beerdigung wird gebeten. 8614 Der Vorstand. Zusammenkunft Dienstag, vormittags Veil Ubr, im VereinSlokal. Hiermit^zur Kenntnis, daß Kamerad Heinrich Schombcr, Mitglied der G. F. F. verschieden ist. Die Beerdigung findet Dienstag den 12. Dezember, vormittags 11 Uhr, vom Sterbehaus?, Nordanlage 21, aus statt. Zusammenkunft der G. F. F. bei Grün, der F. G. F. bei Sauer um l/Bll Uhr. « ff /z bM Anais Dubuiffon 6amu8 Courtois Malardvt 6acar Lartiguon Duclon Josef Frau Duverne Toto Simone Slairette Florine Natalie Juliette Melanie LiScron Anfang 8 Ubr. Erhöhte Hierdurch die erg- bene Anzeige, daß ich bereits direkt aus Messina große Posten (Waggonladungm) hall bare VmMMdMlim erdalten und für diese Saison mit dem Versandt von einzelne» K sten und ganzen Wagzonladungen begonnen habe. Ich offerire pro Kiste mit c. f. Inhalt la. 300 und 200er ä Orangen zu Mk. 9- prlmissima 300 und 20Oer Orangen zu Mk. 0.25. primissima 300 n. 360er grosse Citronen zu M. 11. 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Dezember, vormittags Ein tüchtiges Dienstmädchen welches kochen kann, jede Hausarbeit Versteht und aute Zeugnisse hat, suche ich gegen guten Lohn. 8618 L. Zimmer, Krem 1. ichiiwmi-lisvtrhit Die Ware wird zu noch nie dag-wesenen Preisen abgegeben und ist daher einem Jeden die günstige Gelegenheit geboten, für ganz wenig Geld bute und billige Stiefel und Schuhe einkaufen zu können. Es kommen zum Verkauf r Großer Poften Pantoffel mit F lz- und Ledersohle ü Paar 85 Pfg. Plüsch- nnb Straminschuhe mit Fleck ü I »»SffWükc (ini 12. Dezrmda kolhringm dm dmls tlenbm 3uftan6'J« »-m SI"« mdk ®ar von Almut und •• Die allgkw j mehr zehn Zahm Geschäftsjahr tritt 1 Dieselbe hatte iw 76, dagegen einen Während seines zc 86 Sterbefälle untc an 15 Mtzüedtt * ausgezahll. Auhr von 3527 Mk. m gewöhnlichen Fäll Auch ist die Sterl vom 1. Januar 1 185 Mk. zu erhö! Person: im Alter 30 Jahr 1.50 3) 40 Jahr 4 Mk., nähme ist außerde zu bezahlen. 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Dezember er. abendS 9 Uhrr Austerordentliche Hauptversammlung im Vereiuslokal ZahlreichesEischeinen unbedingterforderlich 8618_____ Der Borsland. Filz-, Knopf-, Zug- und Schnürstiefel für Herren, Damen und Kinder. Ferner: Chtnr.-, Kalb- und Mslkder-Kuopf- n«d Schnörstiksel zu den erdenklichst billigen Preisen. Starke, dauerhafte Knopf- und Kakenstiefet für Mädchen, Knaben und Kinder. Alle denkbaren Sorten Schuhe und Stiefel werben in dem Ausverkauf zu fabelhaft billigen Prellen abgegeben im Hause des Herrn Wilh. Kohlermann 12 Neustadt 12, Neubau. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Karl Kaufmann m M, eag ■ in jeder beliebigen Schriftart und Knrtoneorte werten 11 IftlTl/ft ra mässigen Preisen angefertigt in der WldllKdl IG I BrüM'schen UniY.-Drocierei (Pietsch Erb«) w nwee Sehalitrneee 7. 8600] Mehrere tüchtige Cigarrenmacher und Wickelmacher gesucht. Gebrüder Pletz, TVranffurterfir. 60. 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